KR386 Schifffahrt

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| 26 Kommentare

Jens Alers auf einem Schiff vor Schottland

Jens Alers, 50, ist freischaffender Mitarbeiter der Schulte Gruppe und selbstständiger Berater in der maritimen Industrie. Jens arbeitet seit 30 Jahren in verschiedenen Positionen für die internationale Fracht-Schifffahrt: Er verkaufte Lade-Kapazitäten in Hamburg und London, vermittelte den Verkauf großer Containerschiffe in Hong Kong, besorgte von der Isle of Man die technische Betreuung sensibler Flüssiggas-Tanker und gründete in Bermuda schließlich eine eigene Reederei mit aktuell neun Massengut-Frachtern.

Im Gespräch mit DocPhil erklärt Jens, dass drei Schiffe seiner Arbeitgeber von Piraten entführt wurden und erläutert wie das Lösegeld über den Schiffen aus Hubschraubern abgeworfen wurde. Reeder hätten ihre Schiffe mit Stacheldraht und anderen Selbstschutzmaßnahmen aufgerüstet, sagt Jens. Zusammen mit den internationalen Militär-Patrouillen sei das sei eine der effektivsten Maßnahmen gegen Piraten bisher.

Während unterbezahlte Crews eine Ausnahme seien, erklärte Jens die Schiffs-Verschrottung an indischen Küsten zu einem “schwarzen Fleck” der globalen Schifffahrt. Hier müssten sich das Verantwortungsgefühl der betroffenen Reeder, lokale Gesetze und globale Abkommen – etwa über die WTO – ändern.

In diesem zweieinhalbstündigen Gespräch geht es um die Ökonomie der Schifffahrt, neue Flüssiggas-Antriebe und Schiffsfonds. Natürlich erklärt Jens auch, wie er zum deutschen Honorar-Konsul auf Bermuda geworden ist – und was man da so zu tun hat.

Nachfragen und Anregungen wie immer gern in den Kommentaren. Wer möchte, kann Jens aber auch eine Email schreiben: Jens.Alers@bs-shipmanagement.com

26 Kommentare

  1. Sehr interessantes Thema und dem Gast hat man gerne zugehört. Ich hab da Prinzip der Zahnarztschiffe nicht ganz verstanden. Auch wenn ich 100k in ein Verlustgeschäft investiere und ich aber 150k abschreiben darf, hab ich ja unterm Strich immer noch Verlust gemacht. Hat da jemand weiterführende Infos zu?

      • Moin,

        das Prinzip der Verlustzuweisung zwecks Steuereinsparungen gibt es seit der Einfuehrung der Tonnagesteuer im Jahr 2000 nur noch bedingt – bis zu 100% der Investition. Bis zu dem Zeitpunkt war es moeglich, die eigene Kommanditeinlage in einer KG gleich mehrmals steuerlich anzusetzen (zu manchen Zeiten bis zu 200%). Die Anmerkung des Hoerers, dass es ja eigentlich unsinnig sei, solch ein Verlustgeschaeft zu machen, ist im Prinzip korrekt. Allerdings war es unter dem damals geltenden deutschen Steuerrecht durchaus moeglich, dass ein gleich mehrfacher Verlust der eigenen Investition in eine Abschreibungsgesellschaft unter bestimmten planbaren Umstaenden zu einem finanziellen Vorteil fuer den Anleger fuehren konnte. Hoert sich krumm an, war aber legal moeglich. Diese Form der Abschreibung wurde dann aber im Wege der Tonnagesteuer endgueltig abgeschafft, da der Gruender der Schiffsinvestitions-KG den Finanzbehoerden erst einmal beweisen musste, dass ein Schiff mit der unbedingten Massgabe der Erwirtschaftung eines Gewinns angeschafft wurde. Damit waren auch Abschreibungsmodelle mit ueber 100% Verlustzuweisung nicht mehr moeglich. Historisch gesehen haben Abschreibungsgesellschaften stets zu Marktverzerrungen gefuehrt. Daher sind sie der Schiffahrt auch ganz bestimmt nicht zutraeglich.

        Schoene Gruesse aus Bermuda
        Jens

  2. Toller Gast. Tolle Episode. Vielen Dank!

  3. Eine tolle Episode, ein klasse Gast und spannende Themen! Hier habe ich sehr gerne zugehört.

    Danke

    Würde mir eine Sendung zum Thema Verhandlung mit Jens wünschen.

  4. Hallo,
    sehr interessante Folge und weiter so!

    Eine Anmerkung habe ich zum Antrieb der Schiffe mit Gas:
    Es gibt da ein Buch “The Last Oil Shock” darin wird schön erklärt wie das mit Öl und Gas so ist. Ja, es wurden große Gasvorkommen entdeckt, aber trotzdem wird Gas vor dem Öl alle sein. Der Grund liegt in der Förderung. Bei Öl sprudelt es zunächst von selbst, dann muss man irgendwann pumpen und am Ende muss man Wasser unter hohem Druck in den Boden pumpen damit noch Öl herauskommt. Bei Gas kommt das von selber raus und ist dann sehr plötzlich alle. Der Gaspeak wird zwar nach dem Ölpeak sein, aber danach geht es deutlich steiler bergab.
    Und Gas bräuchten wir eigentlich für viele andere wichtigere Dinge wie z. B. Kunstdünger.

    Ob das was da in dem Buch steht der Tatsache entspricht weiß ich nicht, es werden aber Quellen angegeben, ist also kein Roman oder Krimi.

    • Gustl, bis vor nicht all zu langer Zeit wurde das Erdgas, das bei der Erdoelfoerderung gefunden wurde, einfach abgefackelt. Wenn man in den 80er Jahren ueber Saudi-Arabien hinwegflog, dann sah man in der Nacht dort hunderte Riesengasfackeln leuchten. Das Gas nur im Zusammenhang mit Oel gefunden wird ist uebrigens nicht richtig. Die groessten Erdgasvorkommen der Welt sind seit den 80er Jahren komplett unabhaengig von Oelfunden entwickelt worden – siehe Australien, Indonesien, Russland – und natuerlich auch das kontroverse Fracking in den USA. Schon auf der Basis der heute sicher festgestellten Resourcen und eines stetig um 5-8% pro Jahr ansteigenden Weltverbrauchs wird uns das Gas erst so um 2100 ausgehen. Bis dahin lassen wir oder vielmehr unsere Nachkommen Schiffe natuerlich mit ganz anderen Treibstoffen fahren (fuer Kunstduenger gibt es auch schon andere Herstellungsmoeglichkeiten). Fluessiggasantrieb fuer Schiffe ist die sauberste und sicherste Technologie, die uns im grossen Rahmen zur Verfuegung steht und sofort anwendbar ist.
      Jens

  5. Sehr schöne Folge. Ich wurde an eine ältere Dokumentation errinnert, die u.a. die COSCO GERMANY begleitet, die Rolle der Containerschifffahrt herausstellt und auf die Globalisierung eingeht. Nicht ganz das Thema, aber zur Globalisierung hätte ich gerne noch einen Beitrag?

    Wettlauf um die Welt – in drei Teilen.
    https://youtu.be/29dEgSsfoUI?list=PLBE935E4734E3FFC8

    • Globalisierung – das hatte ich mir für Jens noch aufgeschrieben, war dann aber doch etwas viel. Wenn Du einen guten Gesprächspartner zur Globalisierung kennst, nur her damit.

  6. Für alle, die noch nicht genug vom Thema haben, gibt es auch noch einen sehr ausführlichen Beitrag des omega tau Podcasts von Markus Völter über Containerschifffahrt.
    http://omegataupodcast.net/2014/04/146-container-shipping/

  7. Super-Interessant!

  8. Wirklich interessant mit einem sehr guten Gast, habe viel gelernt :)

  9. Danke für diese sehr interessante Folge. Herr Alers fasziniert durch seine professionelle und offene Art. Ich schließe mich Ingos Wunsch nach einer Sendung mit Herrn Alers zum Thema Verhandlung an. Warum mit Herr Alers: es gibt viele Ratgeber zu Verhandlungen (Schanner, Harvard). Doch ein Praktiker wie Alers, der zum einen über sehr hohe Summen oder wichtige Termine verhandelt, zum anderen aber auch nachhaltig sein Netzwerk halten muss, kann bestimmt hierzu vieles sagen.

  10. Suuuuuper Sendung!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Danke.

  11. Top Sendung, hat mir gut gefallen, interessanter und guter Gast, Herr Alers. Bitte jetzt nicht nachlassen.

  12. Super Sendung. Toller Gast und wirklich informativ, weitermachen!

  13. Pingback: Die letzten und nächsten 24h, Dienstag, 18.08.2015 | die Hörsuppe

  14. Das war eine wirklich ausgezeichnete Folge! Schade, dass es nur so selten Neues von dir zu hören gibt ;-)

  15. Hier mal eine Seite mit Schiffspositionen/-verkehr in Echtzeit
    http://www.marinetraffic.com/de/

  16. Vor wenigen Tagen gab es in der ARD einen Dokumentarfilm der auch viele Schattenseiten der Schifffahrt aufzeigt und noch viele weiteren spannenden Fakten zum Thema bietet: http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/dokumentarfilm-im-ersten-seeblind-der-wahre-preis-der-frachtschifffahrt-100.html

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