KR337 Sex mit Behinderung (Update: Transkription)

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| 18 Kommentare

Raul Krauthausen

DocPhil besucht Raul Krauthausen, der aufgrund seiner Glasknochen im Rollstuhl sitzt. Sie sprechen über Sex und Beziehungen von Menschen mit Behinderungen. Raul erzählt ziemlich persönliche Dinge über seine Kindheit, das Verhältnis zu seinem Körper und “unfreiwillige Dreier”. Es stellt sich heraus, dass die technischen Fragen des Sex das geringste Problem sind. Oft zehren nicht die körperlichen Einschränkungen an den Nerven aller Beteiligten, sondern die Reaktion der Umwelt auf diese. Aber hört selbst. Wir sind gespannt auf Euer Feedback.

Hier noch ein paar Links, die wir erwähnt haben:

UPDATE:

Raul hat das gesamte Interview transkribieren lassen. Lest es nach dem Klick….

B: Hast Du einen Jingle?
I: Nee, es fängt, das ist bei uns Tradition
B: Diddle dum dum dum
I: Es fängt immer an mit so, läuft es, ja läuft, okay
B: Sehr gut
I: Okay, herzlich Willkommen, zum Küchenradio, Folge dreihundertundsiebenunddreissig, hier ist Doc Phil, die anderen sind nicht da, weil, unter anderem auch weil wir heute auerhalb unseres gewohnten Dienstags Termins aufnehmen, aber mir lag das sehr am Herzen, das Thema, und deswegen haben wir das jetzt mal auf einen Montag geschoben, ich darf hier zu Gast sein bei Raul, Raul Krauthausen, Hallo Raul
B: Hi, Doc Phil, wie Du Dich nennst
I: Ja, ja das ist ein, das ist ja ein bisschen, ich habe mich am Anfang auch dagegen gesperrt, aber, das ist so ein bisschen der Name hier, in diesem Kontext, das hat Cindy, vor sieben Jahren als aller erstes, so zu sagen
B: Geprägt
I: Geprägt, und vor allen irgendwelche Kunstnamen gegeben, und, ja, jetzt bin ich hier halt Doc Phil
B: Sehr gut
I: Da haben sich die Leute schon dran gewöhnt. Ja, sag mal, wir sind ja, ich bin ja immer hier im schönen, was ist denn das, noch was, das ist Kreuzberg, nicht, ich habe ja auf der anderen Seite
B: Nein nein, nicht so viele Details, sonst
I: Ah okay, okay, okay, alles klar. Sag mal, wir haben uns ja nicht das letzte Mal, aber, doch einmal intensiver unterhalten auf der Republika, und da hast Du so im Nebensatz gesagt, so, bla bla bla, ja, über Sex mit Behinderung, da reden wir ein anderes Mal. Und da war mir damals schon klar, dass, dass das ein super Thema ist, und dass man das unbedingt mal aufgreifen sollte, und das wollen wir jetzt mal machen. Du hast damals gesagt das ist ein Tabu, ist es wirklich so ein Tabu? Weil ich habe mal so ein bisschen gegoogled und so, und es gibt da schon, so den einen oder anderen Artikel da drüber, ne.
B: Ja, auf jeden Fall, gibt es da auch Themen im Netz zu finden, aber eben im Netz, und nicht, wie soll ich mal sagen, auf klassischen Medien, also das eher seltener
I: Ja
B: Und, wenn, dann finde ich hat das meistens so eine, so eine Konnotation die, keine Ahnung, Behinderte unter sich dürfen gerne Mal miteinander, Sex haben, oder aber es gibt dann dafür extra Fachkräfte, die das halt machen, aber es ist in keiner Datingbörse, vorgesehen, dass man angeben kann, dass man eine Behinderung hat, beziehungsweise, dass man auch mit jemanden der eine Behinderung hat sich vorstellen könnte, eine Beziehung zu führen, was jetzt vielleicht auch wieder eine Art von Stigmatisierung sein könnte, wenn man das machen würde, aber, letztendlich
I: Man müsste es ja nicht
B: Fühlt man sich als Mensch mit Behinderung, schon auch irgendwie dann relativ schnell aussortiert, aus diesen
I: Weil man nirgendwo auftaucht
B: Weil man nirgendwo auftaucht beziehungsweise wenn es dann rauskommen alle so sagen, oh Gott, nee, das kann ich mir nicht vorstellen, nicht alle, aber viele sagen, das kann ich mir nicht vorstellen, und man dann auch auch als betroffene, also ich in dem Fall, mich auch oft irgendwie zurückgewiesen gefühlt habe, und dann, das Thema, auch selber selten anspreche, ich merke das mein Freundeskreis mich selten auf das Thema anspricht, und wenn es in den Medien auftaucht, dann immer irgendwie dieses, auch Menschen mit Behinderung können schön sein. Und dann ist es irgendwie so, der super gut aussehende Rollstuhlfahrer, ja, der dann halt nach seinem Reitunfall oder Autounfall weitermodelt, so, ja, klar, aber, das ist halt, wie soll ich mal sagen, der sitzt dann halt auch nur im Rollstuhl, aber die Frage jetzt wie es bei Menschen ist die offensichtlich vielleicht auch nicht ganz den Schönheitsidealen entsprechen, ist, ist es dann natürlich auch schon eher, würde ich sagen, schon tabuisiert.
I: Lass uns nochmal anfangen, weil das, wenn ich mich mit solchen Themen beschäftige ist es immer so das erste, wo ich so ins Stolpern komme, wenn es heit, so, Behinderungen, was umfasst das denn eigentlich alles so, also das ist ja doch ein ziemlich breites Spektrum mit unterschiedlichen Auswirkungen.
B: Klar, also Behinderung ist auch, letztendlich nur ein Begriff für super viele Formen von Andersartigkeit, es gibt die Sinnesbehinderung, es gibt die körperlichen Behinderungen, die sogenannten geistigen Behinderungen und natürlich auch psychische Behinderungen, wovon, wenn man jetzt, je nach de m wie, wie stark man da die Regeln anwendet, vielleicht sich auch relativ schnell dann dazuzählt oder nicht, deswegen ist das Wort Behinderungen auch schon wieder zu Allgemein, ich würde jetzt nur aus meiner Perspektive, als Glasknochenhabender, im Rollstuhlsitzender, dieses Thema beleuchten können, interessant wäre es, mit einem Blinden, mit einem geistig Behinderten, beziehungsweise mit einem Gehörlosen über dieses Thema zu sprechen, zusätzlich auch noch.
I: Genau, da hatte ich vorhin so ein bisschen mal rum getwittert, und da kam ja auch von so verschiedenen Richtungen, Feedback, von Augenschmaus kam natürlich aus ihrer Perspektive so als Gehörgeschädigte, und es kamen auch noch so ein paar andere, die auch so als Partner von Gehörgeschädigten sich zu Wort gemeldet haben, also da merkt ihr schon dass es da offensichtlich eine ganze Menge Mitteilungsbedarf so gibt, dass viel irgendwie so schon auf Resonanz, aber, genau, also deswegen, das ist vielleicht auch eingangs so, wir machen das heute also so zu sagen, Du erzählst über das was Du aus deiner Erfahrung, aus deiner Perspektive
B: Ja
I: Als, Du musst Mal ein bisschen was über Dich erzählen, wenn man Dich hier sieht, Du sitzt im Rollstuhl
B: Bin ungefähr ein Meter gro, je nach Messungszeitraum, beziehungsweise Grundlage, die man dazu zugrunde legt, kann nicht laufen, meine Knochen brechen schneller als bei anderen, und ich habe, einfach eine andere Perspektive und vielleicht entspreche ich in all den Punkten so dem, also auf Grund meiner Körpergröe her, dass man eben mein Alter schlecht einschätzen kann, die Leute trauen mir vielleicht eher, oder sind eher überrascht, wenn ich Dinge dann genauso gut mache wie sie, und man wird dann schnell verbucht als, ja, trotz seiner Behinderung macht er das halt so und so, und das ist ja so toll, und der ist so tapfer, das heit es ist auf der einen Seite leicht, oder leichter, sage ich jetzt mal, Leute zu überraschen mit dem was man kann
I: Weil Du permanent unterschätzt wirst, oder?
B: Genau, aber auf der anderen Seite schwerer, letztendlich mal auf einer Disco irgendwie, oder in einer Disco, einfach schon alleine Aufgrund der Sitzposition, Leute kennenzulernen.
I: Genau, also lass uns doch mal so anfangen, also wenn das so, bevor wir da jetzt zum Sex kommen, oder so, man bahnt ja so, irgendwie, Beziehungen, man lernt ja erst mal Leute kennen, wie machst Du das, wie, und mit welchen Einschränkungen hast Du da zu kämpfen? Oder hast Du zu leben?
B: Also, ich kann das gar nicht so, Pauschal, beantworten, ich glaube, dadurch dass ich ein Leben lang eine Behinderung habe, ich natürlich auch selber eine ganz andere Strategie entwickelt habe, in meinem Leben, um bestimmte Situationen vielleicht auch zu vermeiden, das heit ich bin weniger der Discogänger, ja, ich bin weniger auf Partys, wenn ich absehen kann die Party wird gröer als vierzig Leute, dann steigt die Motivation nicht unbedingt da auch hinzugehen, weil dann einfach auch klar ist, das ist voll, das ist eng, die Leute stehen meistens, trinken viel Alkohol, alles Dinge die ich nicht tue, und das ist dann auch nicht mein, mein, wie soll ich mal sagen, mein Gebiet wo ich mich gerne aufhalte, wenn die Party kleiner ist, und die vielleicht in einer kleinen Bar ist, wo die Leute eher sitzen, bin ich schon auch dabei, und, dann habe ich auch nicht so die megakrassen Erfahrungen im Sinne von flirten, oder so, weil sich diese Situationen einfach selten, seltener, ergeben, dadurch dass ich eben relativ wenig auf, wie soll ich mal sagen, Events, oder Ereignissen bin, wo flirten ein akzeptiertes Mittel ist, ja, also ich meine auf, ich bin schon viel unterwegs und treffe auch schon viele Leute, aber es ist dann seltener so eine Art Flirtumgebung, wo man eben flirtet, und wenn ich dann Leute kennenlerne, dann, und es vielleicht zu Flirtsituationen kommt, ist mir schon öfter mal aufgefallen dass ich eher die Leute dann überrascht habe, mit der Bekundung meines Interesses, an ihnen, und die dann, gleich auch den Satz nachzuschieen, immer, immer gleich, ja, aber es liegt nicht an deiner Behinderung. Und, das mag sein, in Einzelfällen, bei einigen bezweifele ich das, ich werfe es ihnen nicht vor, weil ich auch schon wei dass es ja, eher auch unüblich ist, also das, und das die auch selber nie auf, auf den Gedanken gekommen sind, weil es einfach in ihrem Umfeld nie zuvor auch jemand gemacht hat, aber dadurch ist es ja ein selbsterhaltenes, oder Selbsterfüllung, selbsterfüllendes, es ist der Prinzip, dass ich dann auch mich selber nicht mehr traue, dieses Muster zu durchbrechen, und dann selber glaube, niemand will mich, und dann selber mich auch in meinem Verhalten verändere, und so drehen sich letztendlich beide Systeme parallel, wollen vielleicht beide das gute, aber finden sich irgendwie nicht. Du verstehst was ich meine, so jetzt gerade so
I: Ja, also ja, den letzten Teil, glaube ich, muss man mal auseinander duseln weil das wichtig ist, ne, also, also Du sagst, Du, Du hast, Du sagst, hey, Du bekundest dein Interesse, dann kommt irgendwie, eine Ablehnung, und dann heit es, okay, es liegt aber nicht an deiner Behinderung, inwiefern veränderst Du dein Verhalten?
B: Dass ich einfach solche Situationen meide, dass ich vielleicht mich nicht mehr traue, das zu sagen, dass ich vielleicht auch dann blind werde vor diesen Momenten wo vielleicht andere ein Interesse an mir bekunden, und dass ich schon auch eher Witze auf meine Kosten mache und auch eher mich selber dann runtermache, um dann vielleicht so ein verstecktes fisching for compliments vielleicht sogar, ja, also dann zu sagen so, also ganz so schlimm ist es ja jetzt auch nicht, dass es, dass man das dann hört, wei ich nicht, ist jetzt so eine Hobby Psychologie, aber, ja, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass ich da auch in mir drin so ticke
I: Wann hast Du denn so die erste Erfahrung gemacht, also ich meine, man, Pupertät, oder, oder wie, wie, weil irgendwann erwachen ja so, in einem das so, sexuelle Gelüste und Gefühle, und Frauen oder Männer, oder so, werden interessant, wie hast Du das gemerkt und wie bist Du damit so umgegangen?
B: Also ich glaube das ist eine Bewusstseinswerdung, die, bei mir über Jahre stattgefunden hat, ich kenne einige Menschen mit Behinderungen die alle, oder wo viele erzählt haben, dass sie ungefähr ab der fünften Klasse realisiert haben dass irgendetwas an ihnen anders ist, als an den anderen Klassenkameraden, die keine Behinderung hatten, und das fing meistens zum Beispiel an, wo Schulunterricht körperlich wurde, also zum Beispiel, Sport, ne, davor war irgendwie das, alle irgendwie miteinander Ballspielen, ja, und dann irgendwie ein weicher Ball, und irgendwann, ab der fünften Klasse fängt man dann an, irgendwie, Jungen von Mädchen zu trennen, fängt man an, irgendwie, Bundesjugendspiele zu machen, und so, und dann, wenn Sport halt Sport wird, und nicht mehr Spa, dann realisieren viele Menschen mit Behinderung dass sie da irgendwie nicht dazugehören. Ist kein Vorwurf, es ist halt so, das System sieht das so vor, und, bei uns war es dann zum Beispiel so, dass wenn die Lehrer natürlich auch so Verlegenheitsaktionen gemacht haben, dem wurde ja auch klar, das Raul eben nicht Medizinball mitspielt, weil es einfach gefährlich ist, aber Raul steht dann halt da am Spielfeldrand und zählt Punkte, was jetzt so mittelmäig attraktiv ist wenn Du siehst wie deine athletischen Freunde irgendwie da, megakrasse Sportsachen machen, nicht das ich neidisch bin, sondern einfach, ich fühlte mich gnadenlos unterfordert, mit Punktezählen, und das führte dann dazu dass mir dann zum ersten Mal klar wurde, dass ich anders bin, dass es was mit dem Körper zu tun hat, und, ich würde sagen, ab der fünften Klasse, fängt das dann auch relativ schnell an mit, keine Ahnung, Kuschelpartys, und man, der eine übernachtet beim anderen, ne, und dieses ganze, wo man sich dann eben auch ausprobiert, ja, das fand zum Beispiel bei mir nie statt, und, ich habe mich dann dadurch abgegrenzt, dass ich dann gesagt habe, ich finde das albern, ich finde das doof, das ist mir zu oberflächlich, und so weiter und so fort, was dann dazu führte dass ich zum Beispiel auch selten in der Zeit eingeladen wurde auf Partys, also ich war selten dabei, und, Kuschelpartys haben mich einfach auch wirklich gelangweilt, das heit ich war auch nicht wirklich, also doch ich war schon traurig, dass ich nicht eingeladen wurde, aber, ich wusste auch gleichzeitig, dass ich irgendwie mit diesen Kuschelpartys nichts anfangen kann, das sind aber die, die Situationen, wo, glaube ich, man seine ersten Erfahrungen sammelt an dem Punkt, und, ich hatte meine ersten Sexualitätserfahrungen glaube ich erst mit Mitte zwanzig, und, das ist natürlich reichlich spät, so, würde ich jetzt mal sagen, es gibt natürlich auch Menschen die das später hatten oder eben viel viel früher, aber, für mich war es, es fühlte sich zu spät an, und, ja, das war ja die Frage
I: Genau, magst Du mal erzählen was da passiert ist, wie es dazu kam, wie das so war?
B: Ich überlege gerade, ich habe mich auch ein bisschen versucht daran nochmal zu erinnern in Vorbereitung auf heute. Das waren dann eher so einmalige Sachen, bis ich dann vor ein paar Jahren, auf einer Party eben, eine Frau kennengelernt habe, die in einer Sitzparty war, also wir saen eher als das wir standen, und zwar drauen, wir waren beide, ja, nicht mehr ganz nüchtern, würde ich sagen, und, haben uns da an dem Abend ineinander verknallt, und waren ungefähr ein halbes Jahr zusammen, ja, das war dann wirklich so eher Ende zwanzig, und, da ist es halt so, dass mir zum ersten Mal wirklich klar wurde, was es bedeutet, nicht nur Sex mit jemandem zu haben, der keine oder eine Behinderung hat, sondern überhaupt eine Beziehung zu haben mit jemandem der keine oder eine Behinderung hat, weil das schon auch, und deswegen komme ich eben auf das Thema Tabu, weil das schon auch, irgendwie, Blicke auslöst, also, wenn man auf der Strae rumläuft, löst es Blicke aus, die man wirklich auch, teilweise bis zur Verachtung, wahrnimmt, oder aber, dann, im Hintergrund so Sachen gesagt werden von Freunden oder Verwandten, also wie, ich kriege dann so Sachen gesagt, so, Mensch, so eine schöne Freundin, ja, so nach dem Motto, wie hast Du das denn geschafft, oder aber, dass meine Partnerin dann in dem Fall öfter zu hören bekommen hat, sag Mal, glaubst Du nicht Du hast was Besseres verdient?
I: Das haben die Leute zu ihr gesagt, oder wie?
B: Ja, und, wie macht denn ihr das, und dann kommt so diese, relativ schnell so juristischen Fragen, die man verstehen kann, also, wir sind ja wegen mir reflektierende Wesen, also wir kriegen auch schon hin, ein bisschen zu verstehen warum die Menschen das wissen wollen, aber die man eben trotzdem auf Grund von Intimsphäre nicht unbedingt beantworten will, und, es ist einfach hart, zu realisieren dass man eben nicht achtzig Millionen Menschen davon überzeugen kann, dass das okay ist, sondern, also für mich war das jedenfalls so ein Moment, dass ich dann irgendwann realisiert habe, okay Raul, Du wirst ewig auf diese Fragen Antworten haben müssen, und, Du wirst einen Weg finden müssen damit umzugehen, und ich glaube dafür waren wir beide, in der damaligen Zeit, nicht irgendwie in der Lage.
I: Es ist daran gescheitert?
B: Vielleicht nicht nur, aber auch.
I: Denn das ist so eine Sache die ich mir so im Vorhinein überlegt habe, auch, also, wenn man über Sex mit Behinderung redet, dann redet man ganz schnell über Dinge, die man mit, sagen wir mal, nicht Behinderten sofort als Intimssphäre und Grenzüberschreitung
B: Genau
I: Definieren würde, gleichzeitig erwartet man, hier in dem Kontext, irgendwie eine Antwort
B: Ja, genau. Und das meinte ich halt vorhin, dass man die Neugierde versteht, aber auf der anderen Seite mir auch Privatheit einfordern will, beziehungsweise aufrecht erhalten will, und ich bin auch manchmal als Raul Krauthausen, der in der ffentlichkeit vielleicht auch wahrgenommen wird, in so einem Konflikt, so zwischen Aufklärung und eigenem Leben. Ich könnte jetzt natürlich so wie Du Doc Phil heien, und mir irgendwelchen Pseudonym geben, aber, ich glaube das würde letztendlich das Problem nicht lösen, und ich bin einfach ehrlich, und sage wo meine Grenze liegt, und versuche da auch keinen anderen mit reinzuziehen, es ist nur, mir ein so wichtiges Anliegen, dass ich es auch hier über den ther, sagt man das beim Internet?
I: Du ich wei auch nicht, ich rede auch immer von senden und Radio und so, wir erzählen einfach
B: Genau
I: Wir erzählen einfach
B: Und ich glaube auch, dass die Gesellschaft, ohne es jetzt Pathetisch zu meinen, aber das, in dem Umfeld in dem ich mich bewege, und in, auch in den Fragen die ich gestellt bekomme, von Leuten die ich nicht kenne, ich schon auch das Gefühl habe, dass die Neugier wächst, oder die Bereitschaft sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, und, das sieht man auch in der Kulturellen Landschaft, also man sieht es, dass, keine Ahnung, Filme wie Ziemlich Beste Freunde auf einmal funktionieren, ja, man sieht es daran, dass davor der Film Me Too aus Spanien funktioniert hat, man sieht, dass das Thema Behinderungen in den Medien, schon auch mehr wahrgenommen wird, jetzt durch die Para-Olympics ja irgendwie auch ein groes Thema, wo dann auch Körperlichkeit auf einmal ein interessanterer Punkt wird, und warum dann nicht auch über Sexualität reden, nur eben auf einer sachlicheren Ebene, als auf einer wohl juristischeren Ebene, es gibt ja auch ziemlich abgefahrene Fetische, rund um das Thema Behinderungen, mit denen ich mich jetzt nicht so gut auskenne, aber
I: Welche denn?
B: Es gibt Menschen, die stehen auf Menschen mit Behinderungen, und dann gibts vielleicht eine Abstufung, so was wie wir wären selber gerne behindert, oder mögen Menschen die keinen Oberschenkel haben, keinen Unterschenkel habe, Oberarm, Unterarm, Links, Rechts, Oben, Unten, beide, was auch immer, Querschnittsgelähmt, es gibt super viele Facetten davon, es gibt Leute die so tun als ob
I: Als ob sie behindert wären?
B: Genau. Und das ist schon irgendwie, wenn man sich damit mal länger auseinandersetzt, ich habe das so in Bezug auf meine Diplomarbeit getan, wenn man sich länger damit auseinandersetzt, dann merkt man schon, okay, das ist halt so wie Menschen auf Menschen stehen mit, keine Ahnung, Tattoos, blonden Haaren, groen Brüsten, warum soll es nicht auch Menschen geben die auf Menschen stehen denen ein Bein fehlt, nur, es ist interessant dass es zum Beispiel meistens Männer sind, die diesen Fetisch frönen, und seltener Frauen, und, da fängt da so bei mir so dieser Gender Gerechtigkeitsfrage an laut zu werden, also dann so, liegt es daran weil der Mann einfach gerne dominiert, also, das sind dann so, was steckt da eigentlich dahinter, und da gibt es glaube ich auch keine wirklichen Antworten.
I: Was war denn Thema deiner Diplomarbeit?
B: Das Thema war die Darstellung von Menschen mit Behinderung im Fernsehen
I: Okay
B: Und, da stöt man dann früher oder später auch auf das Thema Sexualität
I: Und ist da, gibt es da irgendetwas, also gibt es so, Sex mit Behinderung im Fernsehen, im Film
B: Also im Film, wie gesagt, in Ziemlich Beste Freunde
I: Freunde, aber noch
B: An
I: Ja
B: Ansonsten nichts weiter, groes, es gab jetzt, in England gab es eine Sendung, die hie The Undateables, was ja schon mal ein richtig krasser Titel ist,
I: Ja
B: Und da ging es halt darum, dass Menschen mit Behinderungen auf der Suche nach einem Partner sind, und es war halt so eine skripted soap
I: So Bauer Sucht Frau oder irgendsowas
B: Dokusoap, genau, so ein bisschen wie Bauer sucht Frau, und, das hat auch sehr viel Kritik hervorgerufen, alleine wegen des Titels alleine, ich glaube, die Macher hatten schon, könnte ich mir durchaus vorstellen, schon auch ernstgemeinte Interessen an diesem Thema, die nicht nur auf die Quote abzielte, sondern auch Aufklärung machen wollte, aber, wenn es dann einmal durch die Marketing Maschinerie läuft und dann, es geht darum einen reierischen Titel zu finden, dann landet man bei The Undateables und, dann wird das ganz schnell ganz verschroben. Das Leben von Menschen mit Behinderungen ist aber auch nicht immer Para-Olympisch, ja, also, es ist halt von Undateables zu Para-Olympisch gibt es halt noch ein groen Facetten dazwischen, und, natürlich würde ich einem, keine Ahnung, Unterschenkel amputierten Para-Olympischen Sportler die gleichen, oder annähernd die gleichen Chancen anrechnen, einen Partner oder eine Partnerin zu finden, wie wenn er noch beide Beine hätte, ja, weil einfach so eine Prothese jetzt vielleicht auch kein automatisches Tabu ist, oder Hindernisgrund, aber wenn jemand, keine Ahnung, vielleicht eine, das ist jetzt wirklich nur ein Beispiel, ja, wenn eine groe Spastik hat, und, auf Assistenz angewiesen ist, und man ihn schwer versteht wenn er spricht, der wird er es wesentlich schwieriger haben, oder sie, und, darüber reden wenige Menschen, und, womit sich, wie soll ich mal sagen, Medien sich oft begnügen, um dieses Thema dann doch irgendwie auf die Agenda zu setzten ist halt, wirst Du ja auch gefunden haben in deinen Recherchen, Sexualbegleitung
I: Genau, das ist so das
B: Das sind dann diese Professionellen Berührerinnen und Berührer, die, ja dann, für die Befriedigung sorgen. Kann man auch kritisch betrachten.
I: Wenn Du das jetzt so, ich hatte, wollte das ein bisschen später, hatte mir das so für später aufgeschrieben
B: Ja
I: Aber jetzt so, aber, wenn Du das jetzt so ansprichst, ich meine, was hältst Du denn von denen, also die, die nennen sich ja Sexualbegleiterin, oder Sexualassistenten, so das changiert so ein bisschen
B: Ja
I: Die Grauzone zur Prostitution, es
B: Flieend
I: Flieend, es gibt irgendwie passive und aktive Sozialbegleitung, das ist so, ja, also, ich habe da Beispiele gelesen wo ich dachte, ja, macht Sinn, klingt erst mal total gut, gibt aber auch Beispiele, kann man sich leicht ausdenken, wo es so ein bisschen grenzwertig wird, wie ist so dein, deine Sicht so auf diesen Beruf?
B: Also ich will das nicht bewerten, ehrlich gesagt, ich will nur ein bisschen davor warnen, Sexualbegleitung als Lösung zu sehen, ich glaube, Sexualbegleitung kann ein, eine Linderung des Drucks, im wahrsten Sinne, sein, aber es definitiv nicht die Lösung, und, ich finde auch Prostitution per Se nicht schlecht, ja, also ich glaube dafür sind wir einfach zu aufgeklärt, um zu sagen, das ist irgendwie ein Teufelswerk, sondern, ich finde es nur dann problematisch, und das gilt dann glaube ich insgesamt für bezahlten Sex, ja, ob es jetzt irgendwie als Begleitung oder als Prostitution ist, ist einfach das als Ersatzbefriedigung zu sehen, oder als Ersatzbedürfnisstillung nach Nähe zu betrachten, und dann, das Portemonnaie, letztendlich, entscheiden zu lassen, viele Menschen mit Behinderungen haben auch gar nicht das Geld, zum Beispiel, um sich so etwas zu leisten, und, es ist definitiv auch keine Lösung, es ist sogar, könnte auch eine Gefahr sein, im Sinne von dass man wirklich nur noch über Geld versucht dieses Problem einigermaen in den Griff zu kriegen, wohlwissend dass es keine Dauerlösung ist.
I: Erkläre nochmal für die, ich meine, ich habe es jetzt ein bisschen so quer ein paar Artikel dazu gelesen, aber erkläre doch nochmal für diejenigen die das nicht wissen, was das Konzept ist von Sexualassistenz oder Sexualbegleitung.
B: Was der Unterschied ist?
I: Ja, was das Konzept ist, also, und wo der Unterschied zur Prostitution ist
B: Also, ich glaube, auch da schwimmen natürlich auch die Grenzen, oder verschwimmen. Es ist so dass es bei Sexualbegleitung und Assistenz meistens sich ehemalige Prostituierte sich einfach spezialisiert haben auf eine Zielgruppe, oft dann sogar garniert mit einer Krankenschwesterausbildung die sie halt gemacht haben oder haben, und die dann die Grenze an dem Punkt ziehen, wo es dann um den wirklichen Sex geht, also, die dann vielleicht eher dafür sorgen, dass sie einem, keine Ahnung, zur Befriedigung verhelfen, dass sie einen berühren, vielleicht sogar auch küssen, aber ich glaube, viele ziehen die Grenze dann wirklich auch beim Sex, also beim
I: Geschlechtsverkehr
B: Geschlechtsverkehr, genau. Wei ich nicht, warum diese Grenze da gezogen wird, also, dann kann man ja eigentlich ja auch wirklich in ein Bordell gehen, es gibt Barrierefreie Bordells, auch in Berlin. Ich glaube man sollte dann eher, wenn man darüber nachdenkt, ja, bezahlten Sex, irgendwie, für Menschen mit Behinderung zugängig zu machen, dann sollte man eigentlich, jetzt auch aus einem Inklusionsgedanken heraus, sagen, okay, dann machen wir alle Bordelle jetzt Barrierefrei, ja, das wäre für mich irgendwie ehrlicher, weil da machen einfach vermeintlich Frauen, die, oder vielleicht auch Männer, gibt es ja wahrscheinlich auch, die überwiegend nichtbehinderte Kundschaft haben, eben auch mal diese Erfahrung, und umgekehrt, ja, als immer wieder diese Sonderlösungen zu finden, also, weil keine Sexualbegleiterin, oder Begleiter würde ja, von Berufswegen, mit einem nichtbehinderten dann ein geschlechtliche Beziehung eingehen, verstehst Du was ich meine?
B: Es ist halt wieder diese Sondereinrichtung, Sonderlösung, und der Idealzustand wäre ja eigentlich
I: Genau
B: Dass man sich in einer, wie soll ich mal sagen
I: Na, man geht ins Bordell, und da kommt man dann auch mit dem Rollstuhl rein, und,
B: Genau, ja, aber vielleicht wäre der Idealzustand normale Partnerschaften zu haben, die nicht, ne, also
I: Ja gut, aber ich meine, das ist ja klar, also das ist ja so zu sagen, das war ja auch dein Punkt, dass Du sagst, okay, das ist nicht, also bezahlter Sex ist nicht die Lösung
B: Genau
I: Für Beziehungsprobleme oder Einsamkeit, oder solche Sachen, aber trotzdem gibt es das ja, und ich habe mich halt interessiert wie so dein Blick darauf ist, weil es ja auch hier in Berlin jemanden gibt, da bin ich drüber gestolpert, Sexabilites
B: Genau, Matthias Vernaldi, genau
I: Genau, und von dem habe ich mal so einen Artikel gelesen der genau halt dieses Erlebnis hatte, er ist irgendwie, jenseits der fünfzig, und, hat natürlich auch sexuelle Bedürfnisse, die er so nicht gestillt bekommen hat, und ist halt ins Bordell gegangen, hat da keine guten Erfahrungen gemacht, weil, irgendwie, wollen, wollte, haben di e sich alle geweigert mit ihm Sex zu haben, oder, haben das doppelte genommen, den doppelten Preis, vom normalen, und wollten dann aber nur, irgendwie, zehn Prozent liefern, also, ne, also dann nur so ein bisschen Petting machen, aber kein Geschlechtsverkehr obwohl er das bestellt hatte und ihm auch zugesagt wurde, so, so habe ich das verstanden, dass er aus diesem, aus dieser, wie heit das, aus dieser Erfahrung heraus, diese Partys veranstaltet hat und diese Gruppe, Sexabilities ist das
B: Ja
I: Eine Gruppe, oder Beratung, oder ist das
B: Es ist eher eine Beratung, wie ich das verstanden habe. Ich glaube, dann liegt ja das Problem aber darin, dass die Damen in diesem Gebäude, in diesem Ort, irgendwie Ekel hatten
I: Ja
B: Und an dem Punkt muss man ja eigentlich ansetzen, und, statt zu versuchen, irgendwie da jetzt wieder eine Sonderlösung zu schaffen, also ich glaube, Matthias Vernaldi ist ja auch gar nicht ausschlielich pro Sexualbegleitung, ne, also ich glaube, er kämpft ja auch für Barrierefreie Bordelle, und, das ist schon ein gröeres Ding, und er berät auch wirklich dann diese harten Fälle, die auch vielleicht fünfzig sind und noch nie in ihrem Leben Sex hatten, und so.
I: Genau, also, ich glaube man will es auch gar nicht entweder oder
B: Genau
I: Weit Du so, entweder Du hast nur Bordelle und alle anderen Fragen sind beantwortet, oder Du musst, willst Bordelle abschaffen, ne, und alle sollen irgendwie so in Beziehungen rein, sondern es geht ja, es ist ja auch, das ist ja auch im Leben nicht so, sondern Du hast ja immer verschiedene Angebote, nur ich fand halt das war, das war für mich so eine, jetzt so eine Welt, die so aufging, wo ich so dachte, stimmt, es gibt Pflegefälle, also ich meine Du sitzt jetzt im, Du sitzt im Rollstuhl, Du kannst Dich irgendwie bewegen, Du kannst auf Partys und so, aber es gibt ja, Pflegefälle, die liegen im Heim, sind bei vollem Bewusstsein, können sich aber nicht mehr bewegen, so, und haben trotzdem Lust auf Sex
B: Klar
I: So, und es gibt ja auch ein Grundrecht auf sexuelle Selbstbestimmung
B: Ja
I: Artikel zwei. Und da fand ich das dann total Plausibel, und auch geradezu eine Frechheit das Pflegeheime Prostituiertenbesuch verbieten.
B: Ja genau, und genau über den Punkt kommt man ja dann immer auf dieses Tabu Ding, ne, also weil, das hat man halt nicht, wenn man im Heim ist, und es gab auch bis zu Ende der, Anfang der Zweitausender, gab es Fälle wo Menschen mit Behinderungen in Heimen sterilisiert wurden, ja
I: Bis wann? Bis Anfang der Zweitausender?
B: Ja, gab es Fälle, und das ist schon auch irgendwie, also, einfach nur um diese Dimension aufzumachen, dass bei Menschen mit geistiger Behinderungen zum Beispiel es noch ein viel stärkeres Tabu ist, dabei gibt es auch dafür Lösungen.
I: Genau, das, weil das ist ja auch so eine rechtliche, schwierige Geschichte ist, ne
B: Genau
I: Aber da wollte ich gleich nochmal darüber, aber erst mal so, diese Welt von Menschen die im Pflegeheim leben, ja, bei vollem Bewusstsein sind, Sex haben wollen, und nicht einfach der Schwester sagen können, Schwester, ich hätte gerne hier Dienst XY oder Susanne, die kennen Sie doch noch, ja, oder eine Frau, bestellt dann halt einen Mann, ja, erstens ist das verboten, wenn ich das richtig verstanden habe
B: Ja nicht in allen, ne, aber
I: Aber es gibt Pflegeheime wo es so okay ist
B: Genau, also so weit ich wei, ja
I: Und dann brauchst Du ja auch einen Raum, wo Du das machen kannst, also wenn Du dann in so einem Dreibettzimmer liegst, was ist, also
B: Richtig
I: Du brauchst ja im Prinzip so einen Liebesraum, oder so ein Sexzimmer, oder irgendwie so was
B: Ja. Aber es ist ja, also jetzt mal ganz ehrlich
I: Ja
B: Wir sind ja aufgeklärte Menschen, das ist ja logistisch leistbar, ja, ich meine, da könnte man ja, man könnte ja so einen Raum schaffen, man könnte ja irgendwie
I: Du, dass das nicht, dass das keinem, also das ist logistisch für so ein Pflegeheim nicht das Thema sein kann
B: Ja, richtig
I: Und das ist das ja was es noch ärgerlicher macht, und
B: Genau
I: Weil, wenn das jetzt so ein riesen Ding, und, auch mit dieser rechtlichen Lage, da kommen wir gleich noch zu sprechen, das ist natürlich nicht ganz ohne, also, da muss man sich natürlich schon ein bisschen was einfallen lassen, aber um diese Logistik, Mensch hätte gerne Sex, hätte gerne eine Prostituierte, oder ein, ein Callboy oder so, und dann gibt es da in dem Heim einen Raum, ja, den man vielleicht auch irgendwie so halbwegs nebenbei und unerkannt oder so, besuchen kann, keine Ahnung, das kann ja nicht das Thema sein
B: Richtig. Aber überhaupt dieses Recht auf Privatssphäre, auf Intimität, ist für Menschen mit Behinderungen relativ schwierig auch einzufordern, also, es fängt ja in viel, also es fängt ja schon alleine bei der Offenlegung deiner, deiner Kontoauszüge an, vor dem Sozialamt, um überhaupt Assistenz zu bekommen, das ist schon auch ein Eingriff in, in Privatssphäre, finde ich, auf eine gewisse Art
I: Ja
B: Bis hin zu, wenn Du auf Assistenz angewiesen bist, Du natürlich dann auch, mehr oder weniger, Fremde Menschen hast, die Dich dann auch mal in Situationen sehen, denen Du dich nicht, der Du nicht jeden Menschen zeigst, also, verstehst Du was ich meine?
I: Ja
B: Und, also, ich glaube, das ist ein sehr komplexes Feld, wo auch ich selber immer noch viel lerne und experimentiere, wobei jetzt nicht experimentieren im Sinne von, ach probieren wir mal das aus, oder so, sondern einfach ich einfach für mich versuche einen Weg zu finden der mir dann auch entspricht und gut tut, ohne mich selbst zu verraten.
I: Was meinst Du damit?
B: Mir zum Beispiel auch das Recht zu erlauben, zu sagen, diese Assistenz passt mir nicht, ich hätte gerne einen anderen, als zu sagen, so, ja, besser als gar keiner. Also so was zum Beispiel, und dann in Kauf zu nehmen, dass es halt länger dauert den richtigen zu finden, ja, oder, inwieweit fragt man fremde Leute ob sie einem helfen, bei bestimmten Dingen
I: Na. Nochmal zurück zu diesem, zu diesem Thema, Sexualassistenz, also hast Du dazu noch irgendetwas zu sagen, also das ist halt so eine Grauzone wo Du sagst, lieber Bordells Barrierefrei machen, oder
B: Also ich fände es zu mindestens mal eine interessanten Gedanken Challenge, ne, also
I: Aber wie soll man, wie würde man da rangehen, was ich zum Beispiel, also was ich natürlich auch, also so zu sagen ein, ein Unterkapitel der Geschichte, Gesellschaft findet entspannteren Umgang mit Menschen, ist natürlich der Huren und Prostituierte finde einen entspannteren Umgang
B: Ja, ist vielleicht der erste Meilenstein, ne, und dann, dann
I: So, und dann, aber wie, wie will man da vorgehen, also, ich meine Vernaldi, der macht doch auch so, bei Sexabilities macht der da auch so mit Hydra und so, Veranstaltungen
B: Ja, ich denke das ist auch der richtige Weg, mehr, mehr Städten, gröer, vielleicht auch mal die Frage, er hat dann, das ist glaube ich auch ein riesiges Tabu, Frauen und Sexualität mit Behinderungen, also
I: Behinderte Frauen, ja, ja
B: Behinderte Frauen, mit Behinderung, und Sexualität, das ist glaube ich auch ein interessanteres Tabu, weil, natürlich gehen Männer in Bordells, und notfalls holen sie sich halt ein Callgirl, so, aber, was machen eigentlich Frauen, und, gibt es eigentlich Callboys die sich auf Frauen spezialisiert haben mit Behinderung, also, das zu finden ist glaube ich eine viel gröere Challenge.
I: Aber es ist doch, es wäre doch an sich gut, wenn es das gibt, oder nicht?
B: Ja
I: Weil das klang so ein bisschen skeptisch vorhin, also
B: Nee, also, ich bin einfach nur skeptisch, in dem Bezug zu sagen dass dann Prostitution die Lösung für Beziehung ist, Liebe, Partnerschaft
I: Nun gut, aber ich wei nicht ob das jemand
B: Wenn wir nur über Sex reden, so rein raus, klar
I: Ja
B: Ja dann, kann Prostitution ein Modell sein
I: Also das ist ja eher
B: Aber wie wäre es zum Beispiel, diese ganzen, wie heien die, diese Partnerbörsen die nicht so wie Elitepartner funktionieren, sondern, schon so irgendwie eher für den one-night-stand, wenn man die Barrierefrei im weitesten Sinne machen würde
I: Ja
B: Ne, also wo dann vielleicht nicht professionelle miteinander in Kontakt kommen, egal ob mit oder ohne Behinderung
I: Ja
B: Und, wäre das nicht auch Inklusion? Also, warum muss es immer gleich der, die Fachkraft sein?
I: Ich glaube, das eine schliet das andere nicht aus
B: Nee
I: Oder, also ich meine
B: Definitiv nicht
I: Also dass dein Fokus eher so darauf liegt, Leute, macht irgendwie die Welt zugänglicher, ja, so wie sie jetzt ist, und versucht nicht wieder so ein Sondermodell irgendwie zu finden, das finde ich, das verstehe ich, so, aber nichts desto trotz, bis das soweit ist, finde ich, ist es legitim, irgendwie das Beste daraus zu machen und zu nehmen was man hat
B: Ja, nur wir neigen, auf jeden Fall, keine Frage
I: Ja
B: Wir neigen nur dazu, auch in der medialen Berichterstattung, das als die Lösung zu sehen, und
I: Ah, okay
B: Und, diese Sexualbegleitung ist glaube ich eine bergangsform, im Sinne von, ja, auch Menschen mit Behinderungen haben ein Recht auf Sexualität, aber das darf nicht das Abstellgleis sein.
I: Okay, also, genau, aber, also, vielleicht ist das Medial auch so ein bisschen der Fu in der Tür
B: Hoffentlich
I: So, wenn ich diese Berichte so lese, dann sind die immer, also ich fand die so ganz, so okay, wo ich auch dachte, aha, ist jetzt interessant, also, was so medial als Aufhänger funktioniert um sich mit diesem Thema, um das Thema mal, einem gröeren Publikum zu präsentieren
B: Ja, genau, also es macht es glaube ich gefällig
I: Ja
B: Ja. Interessant, fände ich jetzt, wären auch so Fragen wie, warum sind Sexualbegleiterinnnen und Begleiter eigentlich alle nichtbehindert? Oder, warum haben die alle meistens eine Krankenschwesterausbildung? Also ist da nicht wieder dieses, Gesund-Krank, irgendwie so stark im, mit so einem Pflegerischen Aspekt mit drin, also, ich will, das ist jetzt kein Vorwurf, ja, aber, wenn es darum geht, dass Menschen mit Behinderung vielleicht durch Sexualbegleitung lernen, ihren Körper und sich zu lieben, ja, könnte es auch nicht sogar, wenn das der Sinn dahinter ist, könnte dann vielleicht doch nicht viel förderhafter sein, wenn die Begleitung dann auch eine Behinderung hat?
I: Ja
B: Nur mal so ein Gedankenspiel, ich will das jetzt nicht definieren
I: Ja
B: Ja, und, das kommt mir manchmal ein bisschen zu kurz, es gibt, zum Beispiel das ISB Trebel, oder ISBW Trebel, ich wei nicht ob Du das
I: Ja, mir ist, der Kürzel ist mir untergekommen
B: Da kann man diese Ausbildung machen zum zertifizierten Sexualbegleiter, und, soweit ich wei, machen das wohl auch Menschen mit Behinderungen, ich habe mich damit nicht beschäftigt, ernsthaft, das ist mir nur mal so unter die Augen gekommen, aber das wurde zum Beispiel gegründet von Lothar Sandfort, und
I: So einem Psychologen, ne
B: Genau, der glaube ich auch eine Behinderung hat, und, der sagt halt zum Beispiel, das auch, also dass da wirklich auch verlieben praktiziert wird, also in dieser Ausbildung, und dass auch behinderte Menschen ein Recht auf Liebeskummer haben, also dass es eben nicht nur darum geht, irgendwie, jetzt einmal rein raus, und
I: Einmal Orgasmus und
B: Genau, sondern auch diese ganze Gefühlswelt und diese Dimension dahinter, zu entdecken und zu verstehen, und, das ist ja auch ein Recht, das man haben kann.
I: Weil das mit Behinderung schwerer fällt in der Pubertät, oder warum gerät das so unter die Räder?
B: Ich glaube das gerät da an dem Punkt unter die Räder, wenn Behinderung als etwas medizinisches, als therapiert, geheilt, und so weiter werden muss, betrachtet wird, und man dann als Mensch mit Behinderung frühzeitig, ich sag es mal fies, aussortiert wird, in Sondereinrichtungen, wo dann Sexualität irgendwie so, auch von den Mitarbeitern vielleicht, als sehr unangenehmes Thema gesehen wird, und dann bis zu Mitte zwanzig, Ende zwanzig, das Thema bei Dir nie auf der Agenda ist. Du merkst irgendwas stimmt mit Dir nicht, Du merkst irgendwie, Du wachst morgens mit einer Latte auf, oder was auch immer, und, scannst die ganzen Pornos aus dem Internet, aber so, Du hast halt diese, diese Selbsterfahrung nie gemacht.
I: Warum hast Du die nie gemacht?
B: Also ich schon, aber auf eine, ich kann mir durchaus vorstellen dass es die, die so erst mal für viele Menschen nicht gibt, und ich habe es auch für mich relativ spät erst erlebt.
I: Aber Du warst doch, warst Du nicht auch verliebt, irgendwie mal, mit vierzehn, fünfzehn?
B: Aber es kam nie zum Körperkontakt, zum Beispiel. Also ich habe dann geschwärmt, eher.
I: Ja
B: Und meine erste sexuelle Entdeckung hatte ich mit einem Jungen der auch eine Behinderung hatte, also nicht im Sinne von dass ich mich in ihn verliebt habe, oder so, sondern dass wir uns beide zum ersten Mal so, nackt, sahen, so, und, Du musst Dir einfach vorstellen, wenn Du als Mensch mit Behinderung mit deinen Freunden irgendwie schwimmen gehst, ja, hast Du halt einen Einzelverhelfer, oder einen Betreuer, der sich um Dich kümmert, und mit dem gehst Du in die Sonderkabine, die Rollstuhlgerecht ist, ne, durch, aus architektonischen Gründen, das heit Du siehst deine Freunde auch relativ selten nackt, und sie dich auch selten, und, verstehst Du was ich meine?
I: Ja ja
B: Also
I: Erzähl mal weiter, ja
B: Es ist nicht so, dass ich noch nie Menschen zuvor nackt gesehen habe, und es ist auch nicht so dass ich noch nie zuvor Frauen nackt gesehen habe, aber es war halt, ich würde mal sagen es passierte bei mir zu nur einem Bruchteil, als es viele andere vielleicht taten, und Situationen wo man vielleicht auch Körperlichkeit erlebte, die fanden gar nicht bei mir
I: Also jetzt gar nicht Sex, oder so, sondern im Sinne, oder sondern einfach normale Körperlichkeit
B: Körperlichkeit, genau
I: Man berührt sich mal beim Duschen, oder irgendwie, oder
B: Genau
I: Keine Ahnung, was man halt so
B: Genau, und so wirklich Körperkontakt zu einer Frau die ich liebte hatte ich erst Mitte zwanzig, also Hände geben, also Händeschütteln genauso
I: Ja
B: Ja
I: Und, okay, aber das ist jetzt zum Beispiel ja auch, das ist, das war mir auch nicht so klar, weil das ist natürlich, also wenn Du das so erzählst, leuchtet das total ein, dieses permanente, diese permanente Sonderbehandlung, aus guten Willen heraus, und manchmal vielleicht auch architektonisch auch, irgendwie geht es nicht anders, aber das führt auch zu so einer physischen und emotionalen Separierung, oder, wenn ich das richtig verstehe
B: Genau
I: Von, jetzt gar nicht deiner, dem Mädchen in das Du dich verliebt hast, oder dem Jungen in den Du dich verliebt hast, sondern von allen deinen, von deiner Peergroup, so ein bisschen
B: Genau
I: Mädchen, Jungen, vierzehn, fünfzehn, Du siehst sie nicht nackt, man berührt sich nicht mal, man, keine Ahnung
B: Man wird sonder
I: Man neckt sich nicht mal
B: Genau, man wird mit einem Sondertransport von A nach B gebracht, wo alle anderen sich im Bus vielleicht nachmittags verabreden oder
I: Oder so, oder man rutscht sich vorne mal irgendwie
B: Man kann sich nicht aussuchen
I: In das Mädchen rein
B: Genau
I: Ja Genau
B: Man kann sich nicht aussuchen neben wem man sitzt wenn man irgendwie Reisen macht, also das sind, weit Du
I: Genau, aber was macht das mit Dir?
B: Ich glaube dass es einfach mit mir macht, dass ich dann sehr lange, und das schlummert garantiert auch noch in mir, sehr lange mich dann eher mit anderen Dingen beschäftigt habe, als mit meinem Körper, oder überhaupt mit Körpern, ja, ich habe dann vielleicht eher angefangen mich für Computer zu interessieren, ich habe dann einfach meinen, meine Freizeit die ich dadurch gewonnen habe, um das mal hart zu formulieren, in andere Dinge gesteckt, und mir war in dem Moment aber gar nicht klar, dass das fehlt, weit Du, das ist einfach, ich bin dann einfach anders geprägt, und, ich finde das super Schade, und, ich kann mich erinnern, dass ich als Kind auch nie darüber sprechen wollte, es gab viele Situationen, wo es dieses Angebot gab, darüber zu sprechen, wir hatten Schulpsychologen, meine Eltern haben mich gut aufgeklärt, also ich war, wei dass man Kondome benutzt und ich wei ab wann HIV ansteckend ist, und ab wann nicht, also es ist jetzt nicht so dass ich da komplett keine Ahnung habe, ich wei nur dass ich da nie gerne darüber sprach, und das ist mehr als Scham, es war etwas das machen die anderen, nicht ich.
I: Aha. Also jetzt, jetzt so langsam, das, weil das finde ich ja, also neben dieser technischen Ebene, so, ne, okay, jemand ist behindert, kriegt der noch einen Orgasmus, oder, wo sind seine erogenen Zonen, da
B: Ja, also Sex ist ja wesentlich mehr als nur irgendwie Orgasmus kriegen
I: Ja. Ja, aber das finde ich, so zu sagen, dieses Aufwachsen, ohne diese Erfahrung von körperlicher Nähe, von Selbsterfahrung mit dem Körper, auch im Verhältnis zu anderen
B: Ja
I: Und
B: Ich hatte auch zum Beispiel, ganz kurz
I: Ja, unbedingt
B: Ich hatte selber, in dem Alter wo glaube ich, so Teenageralter, Pubertät, bis Anfang zwanzig, ich, hatte ich kaum Kontakt zu Menschen mit Behinderungen, ganz allgemein, und ich fühlte mich immer alleine auf diesem Thema, und wusste auch nie, wie andere das machen. Und wir hatten zum Beispiel einen bei uns in der Schule, der war eine Klasse über mir mit der gleichen Behinderung, und ich habe nie mit dem darüber geredet, obwohl sich viele Gelegenheiten ergaben, ich habe ihn immer nur beneidet, ich habe ihn immer beneidet wie er von seinen Freunden wahrgenommen wurde, und, wie er umarmt wurde von Freundinnen, die keine Ahnung, ihn begrüen, verabschieden, was auch immer, und, für mich war das immer so ein Spiegel, so will ich auch mal akzeptiert werden, und ich glaube, ich wurde auch genau so wahrgenommen von meinen Freundinnen und Freunden, aber ich habe es nicht gesehen, verstehst Du was ich meine? Ich war kein Auenseiter in der Klasse, sondern ich habe einfach nicht gesehen, dass auch mir gegenüber vielleicht eine gewisse Sympathie entgegengebracht wurde, und, weil ich einfach auf dem, auf dem Auge da einfach abgestumpft bin. Ich habe es immer bei anderen bewundert, aber bei mir selten gesehen. Das ist eine Erkenntnis die ich relativ neu habe, also das ist, seit ich mich mit diesem Thema auch mehr auseinandersetze, auch ich selber noch gar nicht an dem Punkt bin wo ich sage, ja ja, jetzt wei ich Bescheid wie ich funktioniere, sondern, es sind auch Dimensionen die ich gerade neu entdecke
I: Genau, weil das finde ich ja, sag mal, das ist ja eine ungeheure Dimension, also, für einen Menschen, der quasi aufwächst in dieser Pubertätszeit
B: Ja
I: Und diese sehr, so, für viele eigentlich alltäglichen und erst mal so kleinen Erfahrungen, aber doch total wichtigen Erfahrungen
B: Ja
I: ber die Jahre hinweg
B: Genau
I: Und wenn das nicht da ist, frage ich mich gerade, was macht das so mit einem, also, was ist so die Lücke die da entsteht, was sind so die Kollateralschäden und Nebenwirkungen von dieser Emotionalen und so ein bisschen entkörperlichten Phase?
B: Also, ich glaube nicht dass ich da irgendwelche geheimen, perversen Phantasien entwickelt habe, oder so, als Kompensation, sondern, ich glaube einfach, dass ich meine, dass ich meinen Körper anders wahrnehme als vielleicht andere ihren Körper wahrnehmen, oder auch andere meinen Körper wahrnehmen, also dass ich einfach denke, ja, der Körper ist halt da damit ich überlebe, ja, aber ich selber, glaube ich, habe einen gestörtes Verhältnis zu meinem Körper
I: Hast Du?
B: Ja, glaube ich schon. Und, ich meine, es ist ja sehr intim, ne, ich will es jetzt gar nicht weiter ausschmücken, aber die, wie soll ich sagen, ich wei auch gar nicht genau was ich sagen will, aber, ich glaube, dass mein, mein Körper und ich haben einfach ein gestörtes Verhältnis zueinander, der mich, also ich pflege ihn, ich hüte ihn, ich mache ihn nicht unbedingt brauchbar an mir, ja, so, ich verachte ihn nicht, aber ich liebe ihn eben auch nicht, und es gibt auch kein Körperteil wo man, wenn man mich fragen würde, welches Körperteil von Dir gefällt Dir, hätte ich keine Antwort darauf, so. Ich achte darauf dass ich irgendwie, zum Friseur gehe, dass ich mich rasiere, und dass ich sauber bin, so, aber da hört es auch auf, also eher so ein, so einen pflegerischen, hygienischen Blick auf meinen Körper als einen so, oh, das ist mal aber irgendwie, keine Ahnung, tolle Muskelpartien, oder so, habe ich halt nicht
I: Also dass Du deinen Körper, dass Du Dich und deinen Körper liebst würdest Du nicht sagen?
B: Nee, ich glaube es ist halt eher so ein, warten
I: Warten?
B: Also warten, so wie man an einem Auto wartet
I: Ach so
B: Ja ja
I: Und hängt dieses Verhältnis, was Du heute jetzt beschrieben hast, mit den, mit diesen Erfahrungen aus deiner Jugend zusammen?
B: Auf der Ebene halt, dass ich glaube ich eher gepflegt wurde, weit Du, ich hatte halt Einzelverhelfer die mich pflegten, ich hatte Eltern die mich pflegten, ich hatte, ich konnte viele Dinge nicht selber machen, ich konnte viele Dinge nicht an mir selber ausprobieren, ich konnte, ich war in vielen Dingen einfach limitiert, ja, ich konnte nicht irgendwie, zu H&M gehen, und mir schöne Sachen kaufen, weil es einfach auch nur eine begrenzte Auswahl gab von Dingen die ich, wo keine Mickymaus drauf ist, wenn man Klamotten in meiner Körpergröe braucht, also ich habe einfach, es zieht sich komplett durch, durch ganz viele Welten, und, das habe ich dann irgendwann auch mit mir machen lassen, weil es einfach auch mühsam war, immer dagegen zu kämpfen und immer zu suchen, und immer, irgendwie dann bei H&M diese Perlen zu finden, und so weiter
I: Aber was hättest Du Dir denn gewünscht, also, sagen wir mal so, das ist ja jetzt auch so ein
B: Das ist ja das was ich sage, dass ich glaube ich in dem Alter nicht das Bedürfnis hatte, oder nicht, mir nicht klar war, dass ich mir etwas, dass mir etwas fehlt.
I: Genau, aber der Punkt ist ja jetzt auch, die Leute sollen ja lernen
B: Ja
I: Und die sollen ja aus dem was Du erzählst, wenn das jetzt Leute hören, lernen, und sie sollen sich ja auch, wenn sie in so einer Situation sind, vielleicht auch ihrer Situation bewusst werden, und vielleicht auch ihre Bedürfnisse kennenlernen, ernstnehmen, vielleicht auch einfordern, und was mich interessiert ist ein jugendlicher, vierzehn, fünfzehn, so, der heute im Rollstuhl sitzt, und der auch diese ganze, dieses Objekt von Pflege ist, ja, schon der Pfleger, und dann wird der irgendwie sonderbehandelt, und, sonderbehandelt ist ein Scheisswort, aber er wird halt gepflegt, und, fährt in einen extra Bus, und kriegt eine extra Kabine, und so. Was hättest Du denn, was hättest Du Dir damals gewünscht?
B: Ich glaube, ich hätte mir gewünscht, dass alle Menschen, die an diesem Pflegeprozess, oder an diesem Logistikprozess beteiligt sind, sich darüber klar werden, dass oft aus praktischen Gründen, man sonderbehandelt wird, ja, also es gibt viele Menschen mit Behinderungen die von ihren Eltern angezogen werden, mit Dingen die den Eltern gefallen, die aber vielleicht nicht mehr Jugendliche tragen, ja, aus praktischen Gründen. Es gibt Situationen wo man dann eben diesen Sonderfahrdienst hat, aus praktischen Gründen, weil der Reisebus kein Rollstuhlplatz hat, und so weiter, und so fort, und ich glaube, viele Dinge würden sich einfach anders ergeben wenn sich mehr Menschen darüber klar werden, dass es vielleicht auch eine gemeinsame Aufgabe ist, Klamotten gemeinsam zu finden, oder eine gemeinsame Aufgabe ist, mal den Rollstuhlfahrer zu fragen, oder die Rollstuhlfahrerin, zu fragen, wie möchtest Du denn sitzen, ja, anstatt, verstehst Du, also anstatt so dieses
I: Ein Leben jenseits der pragmatischen Erwägung, so zu sagen
B: Ja, oder jenseits, ja, jenseits jetzt nicht, komplett jenseits
I: Ja, nicht jenseits, aber dass es nicht nur darum geht, wie, wo packen wir den denn jetzt noch hin
B: Genau
I: So, sondern, okay, vielleicht ein bisschen komplizierter, aber sie würde gerne auch in der letzten Reihe da irgendwo sitzen, okay, kriegen wir das irgendwie hin
B: Ja
I: Also es ist vielleicht nicht so der erste Platz der uns einfallen würde, aber, wenn das der
B: Genau
I: Wenn das der Wunsch ist, weil, dann gucken wir mal, ob, wie wir das machen
B: Genau
I: Oder, zusammen Duschen
B: Ja
I: Ja, oder gemeinsam umziehen. Ja
B: Also ohne das jetzt gleich ein Pädagogisches Konzept rumstrickend, aber einfach, vielleicht, dieses in Betracht ziehen, dass es ein Bedürfnis sein könnte. Ich würde jetzt auch nicht sagen, Du musst jetzt da mit
I: Duschen, nee, das ist schon klar, aber mir geht es ja um so eine Sensibilisierung für so
B: Ja
I: Für so Bedürfnisse die in dieser ganzen Pragmatischen Alltagsgestaltung häufig unterzugehen scheinen.
B: Genau
I: Die man halt bewusst mal, den man, wo man mal auf Pause drücken muss und sagen hey, will ich das hier alles, will ich vielleicht mal was anderes
B: Genau
I: Nein, okay, weiter, ja, okay, dann versuchen wir halt was geht
B: Genau
I: So
B: Und, ich würde ganz gerne mal auf diesem Kulturellen Aspekt mit den Filmen und so
I: Ja, wollen wir mal
B: Eingehen. Es gab in den letzten Jahre Filme, zu dem Thema, also es gab irgendwie Ziemlich Beste Freunde, es gab Me Too, es gab Renn Wenn Du kannst, es gab Vincent will mehr, und es waren alles relativ erfolgreiche Filme, es ist jetzt nicht so irgendwie, B Movie, läuft nur in zwei Sälen am Tag, sondern es ist halt schon wirklich, hat die Massen erreicht, und, oder sogar Avatar hat eine gewisse Behinderungskomponente drin, weil der Protagonist im Rollstuhl sitzt
I: Ich habe den nicht gesehen, ja
B: Du hast Avatar nicht gesehen?
I: Nee
B: Bist Du verrückt?
I: Nee, keine Ahnung, aber den habe ich nicht gesehen
B: Aber Du weit dass es den gibt, den Film
I: Ja bestimmt, ja genau, ja
B: Jedenfalls, also ich meine, wir können ja bei Avatar anfangen, ja, Avatar handelte davon, Rollstuhlfahrer, natürlich durch irgendein Unfall, wie auch immer, sitzt er im Rollstuhl und führt seit dem ein frustriertes Leben, ja, oder ist unzufrieden, was schon mal eine Annahme ist, von dem Regisseur, Cameron, wo ich sagen würde, ja, würde ich erst mal bezweifeln, ob das immer so ist. Okay, ist aber so in dem Film, und, nur er kann ein Avatar steuern, weil sein Zwillingsbruder verstorben ist auf den der Avatar programmiert ist, und da er ja der Zwilling ist, wird er gefragt ob er das machen kann, er legt sich also in dieses Ding hinein um diesen Avatar zu steuern, und stellt plötzlich fest, dass er als Avatar ja laufen kann, das heit, sein gröter Wunsch wird Realität und geht in Erfüllung, und, er muss natürlich lernen diesen Avatar zu steuern und zu kontrollieren, und weil er aber so ein groes Bedürfnis nach laufen hat, wird er natürlich besser als alle anderen die auch in Avataren stecken, das ist also dann so, wird dann praktisch vom Sorgenkind, zum, so nennt man das in der Wissenschaft, zum Superkrüppel, der dann einfach besser ist als alle anderen, so, und, der Film endet dann damit, dass er sich dann in einen Navi verliebt, also in diesen Avataren können sie nämlich auf einem anderen Planeten, letztendlich, interagieren mit den Navis, so heien die Einwohner dort, und er verliebt sich dann dort in eine Navi, die aber gar nicht wei dass er in Wirklichkeit als Mensch im Rollstuhl sitzt, sondern sich eben in ihn als Avatar verliebt, und er sich am Ende des Films entscheidet, ein Avatar zu bleiben, so, um mit ihr ein glückliches Leben zu führen. Aber was da letztendlich im Hintergrund abläuft, als Geschichte, ist ja die, dass er lieber gesund wäre als behindert, oder nichtbehindert als behindert
I: Und dass sein behindertes Leben
B: Nichts wert ist
I: Nichts wert ist
B: Und, dass sie das auch gar nicht wei, ja
I: Wenn sie das wissen würde, so der Subtext,
B: Genau
I: Würde das nichts werden
B: Und am Ende steht die Erlösung. Das ist ganz typisch für Menschen mit Behinderungen in der Geschichte, also wenn Geschichten über Menschen mit Behinderungen erzählt werden, geht es immer um Erlösung, Heilung, oder Tot, ja, und in dem Fall ist es ja Tot als Behinderter, und Wiedergeburt als nichtbehinderter. Wenn man es vergleicht mit einem anderen Film, wie zum Beispiel, Vincent Will Mehr, ja, geht es halt darum, dass ein Mann der Tourette-Syndrom hat, auf der Suche nach einer Beziehung ist, oder er will, überhaupt, aus seinen Therapiezentrum rauskommen, und irgendwie auch Single ist, und er verliebt sich dann am Ende des Films in eine die auch eine Psychische Erkrankung hat, oder auch irgendwie nicht, in Anführungsstrichen, normal ist. Das heit, auch da wieder wurde der Zuschauer von seiner Verantwortung entledigt, in dem man sagt, ah da haben sich ja zwei gefunden, das ist ja schön, ja, also zwei Kloppis haben sich gefunden, und ich muss mich damit jetzt nicht weiter auseinandersetzen. Genau das gleiche ja bei Avatar, ich muss mich nicht auseinandersetzen, weil er kann ja, der ist ja jetzt wieder gesund. Beim dritten Film, den ich ja
I: Ja aber ganz kurz
B: Ja
I: Bei dem Vincent Will Mehr, also bei Avatar ist diese dubiose Message klar, aber bei Vincent Will Mehr verstehe ich es ehrlich gesagt nicht
B: Okay, bei Vincent Will Mehr ist es halt so, dass man in dem Film auch vor der Frage steht, also Zuschauer, könnte ich mir vorstellen dass jemand der Tourette-Syndrom zu führen
I: Für die, die es nicht wissen, Tourette-Syndrom ist, man, ich kenne es nur als dieses, jemand läuft rum und schimpft halt permanent
B: Genau
I: Das ist auch der Kern dieses Syndroms
B: Ja, oder schlägt sich, oder zuckt, oder, ja
I: So
B: Es gibt verschiedene Ausprägungen, genau. Und meistens in den Situationen wo es am unpassendsten ist, man wei nicht genau woher das kommt, ist halt so.
I: Ja, okay
B: Und, in diesem Film gibt es ab und zu Momente wo man sich fragt, oh, könnte ich mir das vorstellen, so, und man schämt sich für ihn, manchmal, und manchmal ist es lustig, und, aber es ist so, letztendlich schwingt immer so diese Frage im Raum
I: Ja
B: Und der Film endet aber eben mit dem Märchenhaften Ende, dass er eben eine findet die ihn so nimmt wie er ist, weil sie ja auch anders ist. Das heit, der Zuschauer wird aus dieser Frage entlastet, entlassen, indem er sie nicht beantworten muss.
I: Weil sie jemand für ihn Verantwortung übernommen haben
B: Ja, genau. Dann gibt es den anderen Film, Renn Wenn Du Kannst, deutscher Produktion, handelt davon dass ein Rollstuhlfahrer mit seinem Civi sich in die gleiche Frau verlieben
I: Ja
B: Ja, und, ich glaube, die Frau schläft auch mit beiden, nacheinander, und entscheidet sich aber am Ende für jemand ganz anderen. Das heit auch da wieder, die Frage, schön galant aus der Affäre gezogen, musste sich das Publikum nicht beenden, weil es gibt ja vielleicht, wahre Liebe ist vielleicht dann doch noch was anderes, so, also, verstehst Du mein Gedankengang
I: Ja, wenn Du mir jetzt nochmal sagst wie es deiner Meinung nach hätte laufen können?
B: Dazu würde ich kommen
I: Ja
B: Nachdem ich Ziemlich Beste Freunde jetzt ins Feld werfe
I: Ja, den habe ich auch gesehen, genau
B: Genau. Bei Ziemlich Besten Freunde ist es ja so, irgendwie, dann kommt das Thema Sexualität auf einmal auf, auch richtig als Thema
I: Mit den Ohren und den Massagen
B: Mit den Ohren und den Massagen, also für Frauen und so
I: Also für die die es nicht gesehen haben, also, es gibt halt den Rollstuhlfahrer und der hat halt, kriegt halt ein, Civi ist es ja nicht
B: Assistent
I: Assistent, und, genau, es entspinnt sich so eine Freundschaft, der Assistent ist so ziemlich, ja, unverkrampft, unkompliziert
B: Genau
I: Haut gut auf die Kacke, nennt die Dinge beim Namen,
B: Ja
I: Und schleppt ihn dann auch mal zum, Bordell ist es nicht, aber Massagesalon, mit Zusatzangebot, oder so
B: Genau
I: Will ich es mal nennen, und, als es dann so zu sagen zum Zusatzangebot kommt, sagt der Assistent, hier, geh mal nicht tiefer unter die Gürtellinie, sondern, nimm seine Ohren, das sind seine erogenen Zonen
B: Genau. Was auch glaube ich auch nicht ganz stimmt bei Menschen mit
I: Crashness Lähmung
B: Crashness Lähmung, ja, weil sie, vielleicht ja, aber das würde ich jetzt nicht so pauschal für alle so beantworten. Aber was bei diesem Film halt interessant ist, das Thema Sexualität kommt auf, es ist irgendwie, wird humorvoll angegangen, und dann endet der Film, und dann kommt der Abspann, und dann steht da, ach übrigens, der Typ hat eine Frau und Kinder, und ist glücklich, und, Du weit gar nicht genau, wie ist es denn eigentlich dazu gekommen, und, was waren eigentlich die Herausforderungen von denen die eigentlich im Alltag standen, und wie, der kann dann auf einmal doch Kinder kriegen, also so, all diese ganzen Fragen, die man ja dann vielleicht auch berechtigterweise hat, nicht nur unter einem juristischen Aspekt, sondern einem erzählerischen Aspekt, werden da gar nicht beantwortet. Und bei dem Film Me Too, ja, aus Spanien, geht es halt dann zum Beispiel auch um die Frage, da hat er Trisomie Einundzwanzig, und verliebt sich in eine Kollegin, die keine Behinderung hat, und die beiden verständigen sich auf den Punkt, dass sie einmal miteinander schlafen, und dann nie wieder. Und als Zuschauer mit Behinderung dachte ich so, was ist das denn für ein komischer Kompromiss, also was ist denn da, was war denn ja Vater des Gedankens zu sagen, die einigen halt darauf das er dann einmal das Erlebnis hat, und sie vielleicht auch, auf eine gewisse Freakshow Art, aber, warum bleiben die nicht zusammen, was ist denn das Problem, die lieben sich doch? Und, es hat für mich dieses Geschmäckle gehabt, dass das irgendjemand reingeredet hat in diesen Film, war es eine Filmfördergesellschaft oder was auch immer, Verleiher, dass dann diesen Plot vielleicht geändert hat. Und, ich glaube, und da komme ich dann zum Schluss meines Plädoyers, ich glaube dass die groe Frage eigentlich die des Alltags ist, also Alltag
I: Genau, das hatten wir, das hattest Du vorhin schon mal angeschnitten, genau, erzähl mal
B: Also Alltag zwischen einem Mischpaar
I: Ja
B: Ja, also einem Paar, wo einer, oder eine, eine Behinderung hat und einer oder eine nicht, und, was für Herausforderungen haben die eigentlich im Alltag zu meistern? Also von den Blicken, über rzte, mter, Kinder kriegen, all diese ganzen Fragen, die garantiert vierhunderttausend Filme zulassen würden als Thema, werden gar nicht beantwortet in diesen groen kulturellen Werken die jetzt in den letzten Jahren im Kino gezeigt wurden.
I: Aber dann lass uns doch nochmal ein bisschen darüber reden, weil wir haben jetzt so ein paar Aspekte, finde ich, angesprochen, so einmal dieser Aspekt, sagen wir mal, körperlich emotionale Entfremdung von seinem Körper in der Jugend, dann so ein bisschen dieses, ja, dieses technische, oder nicht technische Problem, aber so dieses kulturelle Problem wenn man erwachsen ist und Lust auf Sex und Partnerschaft hat, jemanden zu finden, dann dieses Ding, okay, das ist mit Schwierigkeiten behaftet aber trotzdem will ich Schluss aus Sex, also, kaufe ich mir Sex, entweder im Bordell, oder bei diesen Assistenten, und, Du hattest es vorhin schon mal angeschnitten, nämlich genau auch bei deiner Beziehung damals, hast Du jetzt eigentlich gerade eine Beziehung?
B: Ja
I: Wohnt die hier?
B: Nein, die wohnt nicht hier
I: Ah, okay
B: Nee, ich habe eine Beziehung mit einer Nichtbehinderten
I: Und, genau, aber dann erzähl doch mal, genau, lass uns mal ein bisschen Zeit dafür nehmen, erzähl doch mal, aus diesem Alltag. Also was sind da so, wo Du sagst, das müsste mal, müsste man, das wäre doch mal eine erzählerische Note die bisher überhaupt zu kurz gekommen ist. Was sind das denn für Sachen, die Du da erzählen willst?
B: Also, so lange kennen wir uns noch nicht, dass wir uns irgendwie megaviele Alltagserfahrungen gesammelt haben, was Blicke von auen und so weiter angeht, ich kann nur sagen, was es mit mir macht, also
I: Ja
B: Ich glaube, es ist für mich wirklich ein sehr seltenes Gefühl, zu merken, geliebt zu werden, also, über dieses gemocht werden hinaus, ja, dieses, über dieses bester Freund hinaus, das ist für mich eine ziemlich seltene und immer wieder schöne, und auch bereichernde Erfahrung. Es ist für mich neu, zu merken und zu spüren dass ich das auch in anderen auslösen kann, ja, jenseits, also über dieses, ah, Raul ist so ein erfolgreicher was auch immer, sondern dass man wirklich auch mal auf einer emotionalen Ebene in vier Wänden geschehen zu lassen, und das dann irgendwie nicht auf Utube, oder, keine Ahnung, Szene eben rauszuposaunen, sondern einfach, wie soll ich sagen, auch sich selbst zu entdecken, und auch jemanden anderen zu entdecken, das ist insofern neu für mich, aber in dem, aus meiner Beziehungshistorie insgesamt merke ich schon, dass es sehr viele Vorbehalte gibt, was Beziehungen angeht, also, hinter dieser vermeintlich, ja ja natürlich, ist das alles gar kein Problem, Fassade, stecken viele Dinge wie, was ich auch schon erwähnte, ne, so Sätze die man dann hört, so, also ich könnte mir das echt nicht vorstellen, oder, ich finde das so toll dass Du das machst, und, ach, ist das, keine Ahnung, deine Schwester? Habe ich auch schon gehört, ja, und, weil die Leute einfach in diesem Mindset nicht sind, die Leute ziehen das einfach nicht in Betracht, dass es eine, auch eine Liebesbeziehung sein kann, und, ich hatte auch mal eine Beziehung mit einer Frau mit Behinderung, und, da waren die Fragen ähnlich, also da war es dann nicht so, also, ich könnte mir das nicht vorstellen, ja, sondern dann hie es eher, ach schön dass ihr euch gefunden habt, ja, oder dann hie es, dann waren da plötzlich so neugierige Fragen, ja und wie macht ihr das? Und ist dann der Assistent dabei? Und, also, das sind dann auch, weit Du, das sind dann so
I: Ja
B: Was ich auch verstehen kann, natürlich, ja
I: Und ich glaube das ist, das ist ja das schwierige daran, dass beides eine Berechtigung hat
B: Genau
I: Weil sonst könntest Du ja sagen, was soll diese bekloppte Frage, das ist frech, irgendwie, bitte geh, oder so, ja, aber, deine Reaktion, wieso ist meine Intimsphäre bitte, das ist meine Normalität, jetzt behandele das bitte auch mal so
B: Ja
I: Und gleichzeitig ist aber die Gesellschaft so wie sie ist, und ist halt so wenig vertraut, und hat wenig Alltäglichkeit mit Menschen mit Behinderung, dass diese Fragen eben da sind.
B: Genau, das heit, das eigentliche Problem liegt woanders als in der Endsituation
I: Wie macht ihr denn das, ja
B: Wie macht ihr das, ja, also genau das ist nämlich des Pudels Kern, und, auch ich selber bin da mit mir nicht im reinen, also, ich bin ja auch super neugierig, und ich bin ja auch, wie soll ich mal sagen, ich sehe auch oft Dinge wo ich sage, oh das könnte ich mir nicht vorstellen, ja, oder, ich denke dann, oder habe in der Vergangenheit gedacht, jetzt gerade nicht, ich habe gedacht, nimm was Du kriegen kannst, und nicht, nimm was Du wirklich liebst, und, im Moment habe ich eher das Gefühl, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich das, also dass ich das lebe was ich liebe.
I: Und, zu diesem Thema, wie macht ihr denn das, ich meine, ich habe natürlich auch darüber nachgedacht, aber, ich bin dann so bisschen zu dem Schluss gekommen, ja mei, letztlich ist es wahrscheinlich, nehme ich an, korrigiere mich wenn das falsch ist, auch nicht so wahnsinnig viel anders als bei anderen Paaren die sich kennenlernen, sondern, man fragt was man will, und wie man es gerne hätte, und dann macht man es, oder, ich meine, man lotet den anderen halt aus und guckt was ihm gefällt, und, wie er es gerne hätte, und wie man es, wie es läuft, oder, ich meine, also
B: Ja. Und nicht anders. Und
I: So
B: Dann gucken wir halt was geht und was nicht geht
I: Ja
B: Aber meistens geht mehr als man denkt
I: Und, darf ich fragen wo ihr Euch kennengelernt habt?
B: Auf einem Event, hier in Berlin
I: So ein Internet Ding, oder
B: Ja ja, genau, so im Internet, Du weit schon, klick klick
I: Und dann hat es gleich
B: Hat eine Weile gedauert, aber, dann ging es relativ zügig, ja
I: Kenn ich sie?
B: Nee, ich glaube nicht
I: Ah, okay. Aha, okay, aber, weil Du sagst so, Alltag, also so zu sagen den, der Alltag von, ja, sagen wir mal von einer Liebesbeziehung, Beziehung, so, hast jetzt ein bisschen erzählt, was ist denn da noch so?
B: Also, was ich halt noch interessant finde, ich hatte mal eine Beziehung mit einer, die keine Behinderung hatte, und ich glaube wir waren beide ziemlich übermannt, und, oder überfraut, von den Gefühlen, und schockiert gleichzeitig von den Reaktionen unseres Umfeldes, einfach auch aus unserer Sozialisation heraus waren wir ziemlich auch enttäuscht von Freunden, Verwandten, die dann so Sätze halt gesagt haben, ne, die man vielleicht auch nicht immer ernst nehmen muss, oder, komplett sich zu sehr zu Herzen nehmen sollte, aber, eben genannte Sätze wie, hast Du nichts Besseres verdient, und so, und, wir spürten dass wir irgendwie Hilfe brauchen, und, haben recherchiert, ja, und, keine Ahnung, natürlich gibt es Beratungsstellen, ja, und es gibt Beratungsstellen für, also von Pro Familia, wo dann irgendwie die Frage erörtert werden kann, Sexualität mit Behinderung, aber, es geht meistens um die Person mit Behinderung, und in den seltensten Fällen um die Person ohne Behinderung. Und, weil die Berater, in diesen Einrichtungen, haben oft selbst eine Behinderung, oder aber, reden halt aus einem theoretischen Standpunkt heraus, ohne selbst mal in dieser Erfahrung gewesen zu sein, und, wir haben dann lange recherchiert, und sind dann auf den Begriff der Co-Behinderung gekommen. Ne, es gibt ja Co-Abhängigkeit, also bei Alkoholikern, wo dann eben dann der Beziehungspartner oder Partnerin schon auch eine gewisse Art von Alkoholabhängigkeit hat, einfach durch den Partner, also co-abhängig ist, und das gleiche gibt es natürlich auch mit co-behindert, also wenn, dadurch dass ich bestimmte nicht kann, und vielleicht in bestimmten Dingen Assistenz brauche, oder Dinge anders machen muss, zieht das dann natürlich die Partnerschaft mit rein, und, die Situation, dann darüber zu reden, und einen Raum zu finden um darüber reden zu können, wo dann vielleicht auch man die eigenen Zweifel nicht unbedingt mit dem Partner debattieren kann, ist für die nichtbehinderte Person ungleich schwerer, als für die behinderte Person die tausend Beratungsstellen finden kann. Ja, und es ist sehr schwierig, zum Beispiel, für den nicht behinderten Partner oder Partnerin, andere oder gleichgesinnte zu finden, die in einer ähnlichen Situation sind, zum Beispiel, die die Frage mal erörtern, wie gehst Du eigentlich damit um, dass deine Verwandten ständig zu Dir sagen, hast Du nichts Besseres verdient, oder wie stellst Du Dir das dann vor, willst Du ihn dann ewig pflegen, bla bla bla, und, das kannst Du nicht mit deinem Partner diskutieren wenn er eine Behinderung hat
I: Nee
B: Und es gibt aber auch keine, also sehr sehr wenige Kontaktflächen wo man das kann, und, das ist uns aufgefallen, das ist ein Umstand der mich wirklich schockiert hat, wo ich mich zum ersten Mal in meinem Leben, und das hat dieses emotionale Gefühl wirklich bei weitem übertroffen wo Du in der fünften Klasse realisierst dass Du anders bist, ja, was das zum ersten Mal in meinem Leben dieses Gefühl der kompletten Hilf-und Machtlosigkeit, also dieses, verdammt, die Situation ist so verzwickt, jetzt finden wir trotz Internet sehr schwierig Menschen die in einer ähnlichen Situation sind, und, ich meine, jetzt, so nach und nach, je länger man sich mit dem Thema auseinandersetzt, desto mehr merkt man auch dass es gleichgesinnte gibt, und so, aber Du musst halt Jahrelang Dich irgendwie damit auseinandersetzen, und, wir brauchen das aber in dem Moment nach zwei Monaten, und, Du weit gar nicht, dass es den Begriff Co-Behinderungen gibt, also verstehst Du was ich meine? Das ist halt
I: Und ihr habt, ihr brauchtet das nach zwei Monaten für, primär für sie, oder, also ihr hattet das Problem, dass sie irgendwie in der Verwandtschaft mit diesen Sätzen und
B: Ja nicht nur Verwandtschaft, sondern auch
I: Freunde, Umfeld, konfrontiert wurde
B: Ja, oder auch eigene Zweifel, ne, also
I: Aber es war ihre Perspektive
B: Genau
I: Okay, die Euch, Dich, irgendwie bewegt hat, und für die ihr Antworten gesucht habt
B: Ja. Und ich habe ihr geholfen bei der Recherche, und, ich fand das auch wichtig, und ich wollte ja auch was lernen, und, ich hatte natürlich auch tausend Fragen
I: Was für Fragen waren das denn?
B: Also Fragen die ich mir permanent stelle, ist, bin ich eine Belastung für die Person? Was machen wir eigentlich wenn, was machen wir mit der Assistenz die ich ja im Alltag habe, inwieweit ziehen wir die mit rein in unsere Beziehung? Und wenn wir sie nicht mit reinziehen, wie weit kann ich dann meinen Partner, in Anführungsstrichen, belasten? Mit pflegerischen Dingen, ne, es sind dann
I: Nee, erzähl ruhig weiter, genau, genau
B: Nähe und Distanz Ding, und, was passiert eigentlich wenn wir uns streiten in so einer Situation? Also sind wir dann professionell genug, in Anführungsstrichen, um zu realisieren, dass das eine sein muss, und das andere sein kann, verstehst Du was ich meine?
I: Nee, in dem Fall jetzt nicht
B: Also das, irgendwie, Liebe immer etwas ist was sein kann, und schön ist, ja, aber irgendwie, primäre Bedürfnisbefriedigung wie auf Toilette gehen, sein muss. Und das trotz Streit irgendwie gewährleistet werden kann. Ich war noch nie in so einer Situation, aber ich habe tierische Angst vor ihr, und, wie verreist man eigentlich, zum Beispiel, ja, also weil Reisen mit mir bedeutet einen anderen Aufwand als wenn ich keine Behinderung hätte, das ist halt eher so vierundzwanzig Stunden, als, ich mache heute mal mein eigenes Ding, ja, und, das ist glaube ich, immer wieder nicht, also, wie soll ich mal sagen, das ist ein Thema das immer wieder hochkommt, und immer wieder da ist, mit dem ich lernen muss umzugehen, oder da auch Lösungsstrategien, auch zusammen mit meiner Partnerin entwickeln kann, und sollte, und auch werde, da bin ich ziemlich zuversichtlich. Aber es muss halt immer im Dialog passieren, und, genauso wie ich Fragen habe, eben in Bezug auf diese Dinge, hat sie vielleicht auch Fragen, und, ich will mir gar nicht anmaen ihr die zu beantworten, also ich habe damals, meiner Partnerin damals immer gesagt, man gewöhnt sich an die Blicke, glaube mir, ich kenne das, und so, aber für sie wurde es aber immer schlimmer, und, das half halt nicht wenn ich ihr das sagte.
I: Nee, das kann ich mir vorstellen, dass das, dass sie auf ein paar Fragen von Dir wahrscheinlich keine Antwort bekommen kann, also das Du da
B: Ja, selbst wenn ich sie hätte
I: Ja
B: Genau. Und, wir haben alles durch, ne, wir haben alles durchprobiert, von in der ffentlichkeit die Leute provozieren indem wir uns da abknutschen mitten auf dem Marktplatz, oder, indem wir so tun als ob wir irgendwie, nur Kumpels sind auf der Strae, und das war, wir fühlten uns mit beiden Lösungsansätzen nicht wirklich wohl, und die Mitte, wo wir uns am wohlsten fühlten war aber die intensivste auch gleichzeitig, emotional, also sie war jetzt nicht überlagert durch professionelle Distanz oder durch harte Provokation, sondern sie war halt einfach so ultimativ direkt emotional, dass natürlich auch jeder Blick tausend Mal mehr wirkte, von auen, und jedes Statement von Freunden das kam wirkte tausend Mal stärker, als wenn man es durch Abschottungsprinzipien wie professionelle Distanz oder harte Provokation auslösen würde.
I: Also ihr wart da verletzlicher einfach
B: Viel verletzlicher, genau
I: Aber was waren denn das für Situationen, da wart ihr einfach wie ihr wart, und
B: Genau. Und das habe ich jetzt gerade zum Beispiel nicht, in der Beziehung, und
I: Was hast Du nicht?
B: Dieses Gefühl, dass diese Blicke mich verletzen oder uns verletzen, die fallen auf, aber die beschäftigen uns nicht so stark, und, ich habe das Gefühl, dass wir beide damit umgehen können, aber ich will immer wachsam sein an dem Punkt und, ich glaube das ist dann auch, die Leistung, in Anführungsstrichen, die ich bringen muss, wenn ich eine Behinderung in eine Beziehung mit reinbringe, diese Wachsamkeit immer da zu haben, und eben, immer diese Distanz, so hart das klingt, auch zu halten, dass der Beziehungspartner kein Pfleger wird, sondern, ne
I: Ja, also das, das stelle ich mir auch echt eine Herausforderung vor
B: Ja
I: Also, und wahrscheinlich
B: Auch wenn die Person auch gerne tut, und das lass ich auch zu, aber trotzdem glaube ich, kann es Situationen geben wo man dann eben alleine sein will, und zwar auf beiden Seiten, und, da muss ich dann auch funktionieren
I: Ja. Also spontan würde ich auch sagen, nutz den Assistenten so viel es geht und, ne, also
B: Das ist ein verhandeln, da gibt es keine Blaupause für, aber das sind wirklich Dinge, über die man, wie soll ich mal sagen, immer wieder stolpert wenn man in einer Beziehung drin ist,
I: Ja ja
B: Und interessant wird
I: Wahrscheinlich gibt es auch nicht die eine Antwort, sondern muss man immer neu wieder justieren, ne
B: Interessant wird es zwar, wenn Du eine Beziehung mit einer anderen Person hast die auch eine Behinderung hat, und dann hast Du auf einmal zwei Assistenten, und, weit Du, und dann wird es auf einmal so ein, so ein ungewollter dreier, und so, also das ist dann
I: Das ist ungewohnter
B: Also dann ist halt jemand im Raum während vielleicht zwei Leute Sex haben, weil, weit Du was ich meine?
I: Braucht Hilfe, braucht Unterstützung
B: Zum Beispiel, ja. Und das ist
I: Hast Du das mal gehabt?
B: Sag ich nicht, aber das ist halt weird so, und, also ja,
I: Ja ja
B: Aber es ist so, wie soll ich sagen, es hat so eine Dimension die ich auch da bei weitem nicht gesehen habe, im Vorfeld, die mich auch überfordert hat
I: Das glaube ich. Hat wahrscheinlich auch nicht richtig Spa gemacht, ne, oder
B: Geht so.
I: Ja, aber, wie willst, also, dafür gibt es wahrscheinlich auch nicht so eine eindeutige Lösung, ne, also ihr hättet damals wahrscheinlich gerne darauf verzichtet, wenn es irgendwie gegangen wäre, oder?
B: Ja. Aber, was ich halt interessant finde an der Sache ist, dass wir ja beide eine Behinderung mit in die Beziehung brachten, und, und dass es, wie soll ich sagen, dadurch auch wieder gleichgerecht verteilt war, ne, also, es war dann nicht die Schuld von ihr, oder von mir, dass es so ist wie es ist, sondern, es war halt unser beider Schuld, oder auch nicht Schuld, und, ich hätte, seitdem kann ich super gut nachvollziehen wie es ist, für eine nichtbehinderte Person, eine Beziehung mit einer behinderten Person zu führen, weil, ich ihr natürlich auch an den Punkten geholfen hätte wo sie Hilfe gebraucht hätte, wenn ich es hätte leisten können, aber aufgrund meiner eigenen Behinderung es nicht konnte, das heit, auf einmal kann ich emotional nachvollziehen wenn nichtbehinderte Partner sagen, ja dann mach ich das halt, ist ja gar kein Ding, verstehst Du was ich meine? Und das hätte ich auch gesagt, wenn ich es gekonnt hätte, oder, auf einmal werden andere Dinge, Probleme, die man in dem Moment gar nicht gesehen hat, also, man kann zum Beispiel mit zwei Rollstuhlfahrern super schwer ins Kino gehen, ne, und dann sagt Dir der Kinokartenverkäufer, ja dann gehen Sie doch nacheinander, und Du denkst so, what the fuck, das ist meine Freundin, so, geht doch nicht, also, und, oder Du kannst auch nicht mit der Bahn fahren ohne weiteres, es gibt halt nur ein Rollstuhlplatz, und, Urläube sind ganz anders zu planen, mit zwei Assistenten und Dienstplänen, Du fängst an dein Privat-und Sexualleben nach Dienstplänen der Assistenten auszurichten, die sich vorstellen könnte, da zu assistieren. Das sind so Dinge, wo ich selber auch geistig manchmal überfordert bin.
I: Aber eine bessere Lösung fällt Dir auch nicht ein, ne? Also weil, viele Sachen die Du jetzt beschrieben hast, und das ist ja auch so zu sagen, das ist ja auch das, wenn wir uns unterhalten, ist das ja auch das was häufig so kommt, das Problem, bei einer körperlichen Behinderung in deinem Fall, ist jetzt auch natürlich, ja, die körperliche Einschränkung an sich, aber was viel nerviger ist, und das viel gröere Problem ist eigentlich, das sind die Barrieren drum herum, weil die meistens total einfach, durch ein paar Handgriffe zu entfernen wären
B: Klar
I: Und das Leben wäre um eine Gröenordnung einfacher
B: Ja
I: So
B: Ich habe, ich erwarte auch keine Antwort auf diese Fragen, ich glaube, das ist einfach nur, das sind dann vielleicht Fragen die dann kommen wenn es soweit ist, ja, also. Aber, ich fände es ungemein erleichternd, zu wissen, ich bin nicht allein, ja, oder auch zu wissen dass ich auch nichtbehinderte darüber Gedanken machen, oder, vielleicht sogar, vielleicht kommen, vielleicht gibt es ja auch Lösungsansätze, auf die ich selber nie gekommen wäre, ja, vielleicht kann man das ganze ja auch irgendwie sexuell aufladen, so dass man irgendwie auf Hilfe angewiesen ist, was wei ich
I: Ja ja
B: Ich will das ja gar nicht irgendwie jetzt, gro rumspinnen, und brainstormen, ja, aber, das ist eben, auch mehr Alltagwürdig, ich erwarte jetzt nicht von jedem dass er das in der Schule lernt, aber, einfach mal darüber nachdenken, und, einfach mal auch Filme zulassen, produzieren, senden, wo eben genau das dann vielleicht das Thema ist. Bei neunzig Prozent des Wissens das Nichtbehinderte über Behinderte haben stammen aus den Medien, und nicht aus dem privaten Umfeld, oder Schule, oder Arbeit.
I: Ja, darauf kommt es immer wieder zurück, ne, dass es so Alltäglichkeit, Unverkrampftheit, Selbstverständlichkeit, Respekt, Augenhöhe, also das sind so die Sachen, auf die es immer wieder zurückkommt
B: Genau
I: Die vieles, und sei es die Situation, man braucht Hilfe, irgendwie Assistenz beim Sex, selbst die würde sich um Gröenordnung entspannen, wenn das alles so ein bisschen, nicht so unendlich verkrampft wäre
B: Ja, und wenn Du da nicht bei der Krankenkasse einen Antrag stellen musst, weil, also weit Du, ein, ich glaube in Holland ist es so, dass man dort sogar Sexualbegleitung auf Rezept gibt, einmal im Monat, weil man herausgefunden hat, dass sexuell ausgeglichene Menschen seltener krank werden, und
I: Die Holländer, Du
B: Also das ist eben mein halbes Wissen das ich zu dem Thema habe, aber die, ich finde diesen Ansatz interessant, aber ich habe halt auch kein Bock irgendwie immer zur Krankenkasse zu rennen, ich wüsste aber auch nicht wie man es sonst lösen könnte. Ich glaube, der beste Sex ist der, und das wei ich, der beste Sex ist der, der unbezahlt ist.
I: Ich wollte jetzt nochmal ganz zum Schluss, weil da auch Fragen auf Twitter kamen, auf diese, und Du hast es ja vorhin auch nochmal angesprochen, auch diese Situation, geistig Behinderter und geistig Eingeschränkter Menschen kommen
B: Also ich kann da auch nur wieder mit meinem gesunden Halbwissen, oder ungesunden
I: Ja
B: Halbwissen da
I: Aber vielleicht sollten wir mal so zu sagen das Problem schildern. Das Problem ist hier, diese Menschen haben Lust auf Sex, auch diese Menschen haben ein Recht auf Sex
B: Ja
I: Aber, weil sie eben geistig Behindert sind, ist es schwer, ist die Herausforderung gro, zu gucken, was wollen sie, wollen sie es wirklich, mit wem wollen sie, wann wollen sie nicht mehr, oder?
B: Absolut
I: Das ist so ein bisschen das, das Ding. Sie können sich schwer äuern, manchmal, unter Umständen
B: Ja. Also ich will da jetzt auch keine Patentlösung auf den Tisch legen, ich könnte mir vorstellen das Sexualbegleitung da ein Ansatz ist, aber ich würde versuchen so lange es geht, und dann wirklich auch über die Schmerzgrenze hinaus für denjenigen der das entscheidet, ja, also immer im Zweifel für die Person die es betrifft, solange es geht die sexuelle Selbstbestimmung, der Person, wahren, und wenn, und wenn es sogar einen Kinderwunsch gibt, zu überlegen, wie kann man das möglich machen, als diese Person zu sterilisieren oder es ihnen zu untersagen, weil auch dafür gibt es Lösungen
I: Nämlich?
B: Also so was wie Elternassistenz, oder, weit Du , es, also, es gab ja auch sogar diesen, gar nicht mal so guten Film, mit Christian Ulmen, wo Christian Ulmen dann einen geistig zurückgebliebenen Vater spielt von einer vermeintlich gesunden Tochter, und die Tochter aber letztendlich den Intellekt des Vaters übersteigt, mit neun Jahren oder so, und, das ist natürlich eine, wie soll ich mal sagen, eine Herausforderung auch für die Gesellschaft, für das Kind, für den Vater, eigentlich für alle, aber, trotzdem können die Kinder die Eltern ja lieben, und umgekehrt, und, trotzdem kann es ja eine Elternschaft geben, solange das Kind nicht verwahrlost, und, um eine Verwahrlosung des Kindes zu verhindern, kann man ja auch Assistenzmodelle finden, und die gibt es auch, jedenfalls habe ich mal dazu einen Bericht im Fernsehen dazu gesehen, und, natürlich sind das groe moralische Fragen auch, die da mitschwingen, aber ich will nicht beurteilen ob diese Kindheit schlimmer ist, oder diese Elternschaft schlimmer ist als die von Nichtbehinderten, weil beide kennen das ja nicht anders, wer mat sich denn an das zu beurteilen? Und, man kann ja dafür sorgen, dass das Kind, irgendwie, die maximale Förderung bekommt die es braucht
I: Ja, aber trotzdem, also klar, und das ist so dieser Aspekt Elternschaft, aber es gibt natürlich auch noch so diesen Aspekt, ja
B: Gewollter Sex und ungewollter Sex
I: Ja, so
B: Ja, genau, also ich glaube das ist halt
I: Also für Menschen die sich nicht klar verbal äuern können, und wo das sehr schwer ist, also bei einigen sind Schreie, irgendwie, Zustimmung, und Ausdruck der Begeisterung, was aber erst mal so klingt wie, Nee, will ich auf keinen Fall und geh weg
B: Aber auch da kommen wir ja wieder an den Punkt, dass es keine Pauschallösung gibt
I: Ja
B: Ne, also das heit, das ist jeweils eine individuelle Betrachtung, auf diese eine Person gerichtet, die dann vielleicht immer schreit, kenne ich jetzt auch keine, so, wei ich auch gar nicht ob diese Person dann dafür herhalten darf um es dann für alle anderen irgendwie zu verbieten, zum Beispiel, ja, aber die Frage die ich mir seit neuestem stelle ist, es wird so viel diskutiert über Assistenz für ganz allgemein, und meistens gibt es Assistenz eben für Menschen mit körperlichen Behinderung, aber wie wäre es denn wenn jemand mit sogenannter geistiger Behinderung auch zwölf Stunden Assistenz hätte so wie ich, und diese Person ist dann kein Vormund, sondern einfach, passt ein bisschen auf, noch nicht mal aufpassen, das ist ja auch schon wieder viel zu paternalistisch, sondern ist eher so ein
I: Eine Art Filter, oder so, ja
B: So eine Art Filter, oder, Leibwächter, Assistent halt, ja
I: Assistent, ja
B: Und, wahrt so ein bisschen die Interessen des Assistenznehmers
I: bersetzt sich für die Umwelt
B: bersetzt sich für die Umwelt und sagt so, hör zu, wenn die Person schreit, dann heit das nein, oder ja, oder was auch immer
I: Ja
B: Und, sorgt dafür dass die Person nicht in den nächsten Busch gezogen und vergewaltigt wird, so, aber, will man das Problem auch erst mal haben, im Sinne von, nur weil es aus dem theoretischen Gedankenkonstrukt eines Sozialpädagogen oder auch immer, Politikers, was auch immer, eine Gefahr sein könnte, finde darf man das nicht runter verurteilen auf alle, und, ich würde sagen, sexuelle Selbstbestimmung, soweit es geht, bis zum Anschlag.
I: Wie jetzt, hast Du eben noch gesagt, dass für Dich oder euch das gerade so entscheidend war, eben, ich sage mal, Leute in derselben Situation zu treffen, ein paar Antworten auf Fragen zu bekommen, seid ihr da fündig geworden, kann man da irgendwie Adressen nennen, Foren nennen, oder irgendwie so, eure Rechercheergebnisse die ihr irgendwie jetzt rausbekommen habt?
B: Ich muss es nochmal raussuchen, also es gibt in Frankfurt den Club, Behinderter und ihrer Freunde, die so was in der Art anbieten, dann gibt es von Dir bereits erwähnten, Sexabilities, von Matthias Vernaldi, und, dann eben Pro Familia, die da auch ziemlich aktiv sind und das die Interessensgemeinschaft für selbstbestimmt Leben bietet auch regelmäig dazu Infoveranstaltungen an. Es ist halt genauso vielfältig wie vielfältige Behinderungen
I: Gut, aber das sind ja schon mal vier, fünf, Adressen, wenn man irgendwie in dieser Situation ist
B: Genau
I: Man hat Fragen, dann kann man sich auf jeden Fall an diese vier, fünf, Adressen mal wenden, und die Chance das man da zu mindestens weitergeleitet wird oder neuen Input bekommt ist relativ gro
B: Genau, und, also wir sind eher fündig geworden bei nichtkirchlichen Einrichtungen, sagen wir mal so
I: Gut, okay, andere Gläubige werden dann bei kirchlichen Einrichtungen besser bedient
B: Genau
I: Oder fühlen sich da eher Zuhause, das ist ja irgendwie auch so ein anderer
B: Also aber, obwohl sie damals gläubig war, also
I: Ja, ach so
B: Nur, das, deswegen sage ich das, weil oft ist es im kirchlichen Kontext schon auch so dieses Nächstenliebe Ding, und, ja dann muss man halt durch
I: Ach so
B: Ne, und, das ist schon nicht
I: Wenn das richtige Liebe ist dann wird sich einen Weg finden, so nach dem Motto
B: Genau
I: Das ist natürlich ein bisschen, nicht so hands on, ne
B: Nee, im wahrsten Sinne
I: Hast Du noch was auf dem Herzen, sage mal, ich gucke mal hier in meine
B: Was sagt denn die Twitterschaft?
I: In Twitter, also ich habe ja vorher mal ein bisschen rumgetwittert, ja, da kamen so ein paar Fragen, und zwar, warte mal, mich interessiert insbesondere, Handhabung Pflege, wie Pflegepersonal, Betreuer, mit dem Bedürfnis umgehen sollen, da haben wir ein bisschen darüber geredet, ne
B: Ja, also hier schreibt noch jemand, irgendwie, Amelotatismus, also das ist ja besagtes, besagte Form von Liebe für, oder Zuneigung für Menschen mit Behinderung
I: Ja, okay
B: Vor allem in Bezug auf Amputationen
I: Ja. Also ich wei dazu gar nichts, also
B: Also einfach mal den Begriff Amelotatismus googeln, das gibt dann schon das eine oder andere mehr oder weniger interessante
I: Okay, dieses Pflegepersonal, da haben wir darüber geredet
B: Genau, Pflegepersonal
I: Also in Heimen, dass da irgendwie eine Infrastruktur geschaffen werden muss, damit irgendwie die, die es wollen, es machen können, denke ich
B: Genau
I: Das gibt es ja auch, und dass das möglich ist zeigen ja auch viele
B: Genau, und dann natürlich auch, ob die Behinderung, schreibt hier jemand, ob die Behinderung beim Sex auch zur Behinderung von beiden Partnern wird, ja, oder zur Bereicherung, also es gibt halt auch, ohne jetzt ins Detail zu gehen, aber, manchmal führt Behinderung auch zu neuen Perspektiven
I: Okay, aber da willst Du jetzt nicht näher darauf eingehen
B: Das war alles
I: Okay. Also, ja, wo Du sagst, die, na sag schon, ein Augenschmaus, die hat auch getwittert so, dass ihr damaliger Freund von Frauen eher noch, sagen wir mal, also sie hatte den Eindruck, dass ihr damaliger Freund in den Augen fremder Frauen noch attraktiver wurde weil er mit er mit einer gehörlosen oder gehörgeschädigten zusammen war, so nach dem Motto, oh, er hat eine gehörlose Freundin, er muss also besonders einfühlsam und geduldig sein, etc.
B: Okay, das war
I: Das war so ein sehr, scheint mir auch eine sehr ambivalente Attraktion, Perspektive zu sein, also, in einem zweiten Feed hat sie dann so was so getwittert, so ungefähr nach dem Motto, hat ein Hund, ist einfühlsam
B: Ja ja, genau, oder Kind, oder
I: Muss einfühlsam, und, ne, und einfühlsam und sensibel sein, oder so
B: Aber es ist halt, ich finde das halt so schwierig, weil das halt, das suggeriert ja letztendlich indirekt, dass Menschen die nicht sprechen oder nicht hören können, ich meine, obwohl, Julia Probst kann ja sprechen, aber, dass die irgendwie länger brauchen, also von wegen geduldiger sein, bedeutet ja in dem Umkehrschluss, dass sie langsamer ist, oder geduldiger, also mehr Zeit braucht um sich zu artikulieren, kommunizieren, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass das nicht stimmt.
I: Ja, das ist halt auch wieder gespeist aus so einem soliden Nichtwissen so, ne
B: Genau, man wei
I: Wenn man mit Julia ein bisschen zu tun hat dann
B: Man findet Wege der Kommunikation
I: Ja
B: Und, diese Wege sind total faszinierend, und überraschen immer mal wieder, dass sie dann auch so sehr punktiert zum Beispiel sind, oder Pointiert dann, die eine Message so in einem Satz sofort rüberkommt, wofür andere vielleicht noch ewig palavert hätten
I: Irgendjemand hat auch getwittert das er Zeichensprache erotisch findet oder anziehend, oder so. Ja genau, jetzt habe ich dieses, jetzt habe ich den auch gefunden, dieses Amelotatismus, also, Du weit aber auch nichts darüber, weil Du fragtest kurz, über Behinderten wird da irgendwie darüber geredet
B: Ja, da wird darüber geredet, es gibt es sehr bekanntes, eine sehr bekannte Datingbörse, für Menschen mit Behinderungen, www.handicap-love.de heit die
I: Ja
B: Und da tummeln sich wohl auch sehr viele sogenannte Amelotatisten, und die Challenge der Behinderten ist dann zum Beispiel sich denen gegenüber abzugrenzen, beziehungsweise mit denen irgendwie rumzuspielen teilweise auch, teilweise wird aber auch mit ihnen rumgespielt, also mit den Behinderten in dem Fall, beziehungsweise es wird halt versucht, dann die gleichgesinnten zu finden die eine Behinderung auch haben, in dem Meer voller Amelotatisten, verstehst Du was ich meine, das ist halt dann, das beginnt eine komplett eigene Dynamik in diesem Forum
I: Okay, da sind echt besondere Fütterkriterien gefragt so, ne
B: Ja ja, genau, und das kannst Du halt nicht mit einem Häkchen an, aus, machen, weil, Du kannst ja lügen
I: Aber, ist das irgendwie anders als in einem, keine Ahnung, Datingforum für wei ich nicht, Nichtbehinderte, rauszufinden wer jetzt wirklich eine Beziehung haben will und wer nur einen one-night-stand, und wer
B: Ja das kommt ja noch dazu, das ist ja das, verstehst Du wie ich meine, Du hast ja in diesem Behinderungsforen, oder Datingbörsen
I: Ja
B: Hast Du halt praktisch über dieses one-night-stand hinaus, Frage, hast Du praktisch noch die Frage, warum will der mich eigentlich
I: Aha
B: Egal ob ich eine Behinderung habe oder nicht, ist ja egal, aber
I: Okay
B: Ne, es ist so, ist der pervers, es gibt einige Leute die sagen, Amelotatisten sind pervers, und andere sagen, wieso, das ist halt so wie Leute die auf blonde Haare stehen
I: Ja, ich würde jetzt spontan sagen, wenn die Leute selbstbestimmt handeln, und da keiner zu Schaden kommt, und das alles, ja, dann, und ich meine, oder?
B: Ja, aber, ich kann da eben auch die andere Seite verstehen. Und es gibt Leute, die auch unheimlich, also das, das gibt ja auch da wieder Facetten, ja, es gibt Leute die zum Beispiel unheimlich gerne eine Behinderung hätten, und dann auch Gott und die Welt in Bewegung setzen um dem Wunsch nachzukommen
I: Wie, die wollen sich dann selber, wie nennt sich das
B: Ja, BIID nennt sich das, body identity integrity disorder, und, ist in Deutschland nicht anerkannt als Krankheit, oder als psychische Störung
I: Scheint aber eine zu sein, oder
B: Einfach mal googeln, ja, das ist interessant im Sinne von, ja, ich habe dafür, also, ich will das gar nicht bewerten, ja, sondern, wenn man das hat, dann muss das eine unglaubliche, ein unglaublicher Druck sein, den man verspürt, um in dieser Gesellschaft Anerkennung zu finden
I: Ah, okay
B: Vor allem wenn es offiziell nicht als Krankheit anerkannt ist,
I: Aha
B: Oder als etwas, das man, wo man was gegen tun kann, also ich meine, die Erlösung ist dann für viele, dann dem Wunsch nachzukommen, bis hin zu nach Osteuropa reisen und sich dann dort behindert machen zu lassen. Und offiziell, so sagt jedenfalls die Wissenschaft, sind die Menschen danach geheilt.
I: Au, ja ja, aber gut, da kann man
B: Es ist halt wie, also, ich habe das dann irgendwann versucht zu beantworten wie eine Geschlechtsumwandlung, ne, also
I: Ja
B: Es gibt Menschen die halt, sich in ihrem Körper nicht wohlfühlen, und dann nach wie viel qualvollen Prozedere von Gutachten
I: Dann, ja
B: Dann was tun
I: Geschlechtsumwandlung machen
B: Ja
I: Und dann geht es ihnen besser, ne, kann man auch sagen, ja, wenn dem so ist
B: Richtig
I: Dann soll das so sein, ne
B: Das Problem ist nur, dass wir in einer Gesellschaft leben die die ganze Zeit auf Gesundheit hin arbeitet
I: Ja ja, ja ich bin, ich zucke auch zusammen, also, wenn das der Wunsch desjenigen ist
B: Ja
I: Meinetwegen sich ein Bein absägen zu lassen, so fremd mir das erst mal klingt, und wenn nachher sich herausstellt, er ist ein glücklicherer Mensch
B: Ja. Aber ist die Person dann behindert? Oder war sie vorher behindert aufgrund ihrer Depression?
I: Naja, gut, okay, das ist natürlich. Und muss die Gesellschaft die Kosten dafür tragen die daraus erwachsen.
B: Ja aber vielleicht musste sie sie vorher auch schon tragen weil die Person eine Depression hat. Also
I: Okay, groes Thema
B: Riesiges Thema
I: Monster Thema. Lass es uns nochmal kurz gucken, insbesondere Handhabung, genau, das hatten wir, rechtliche Grenzen, Situationen, Entscheidungen der Betreuenden, ja, haben wir so angedeutet, bist jetzt kein Fachmann wahrscheinlich, ne?
B: Ich glaube selbst die Fachmänner haben darauf keine pauschale Antwort, oder Fachfrauen
I: Ja ja, genau. Also es geht nicht, in diesem Wikipedia Artikel, so Vulgat Partnerschaft, wird da so ein bisschen angerissen, was so ein bisschen in diese Sexualassistenz und so reingeht, also da finde ich, ist jetzt kein super Artikel, aber da wird zumindest so diese Grauzone so ein bisschen ausgeleuchtet
B: Ja
I: Also wer da mal reingucken will, der, so, Vulgat Partnerschaft, so heit es bei der Wikipedia, der kann das tun. Genau, wird auf nichtbehinderte Partner auf behinderten komisch geguckt?
B: Nochmal
I: Wir auf nichtbehinderte
B: Ja ja, das habe ich, das war ja genau der Satz den ich, oder das was ich eingangs erzählte, dass natürlich dann der nichtbehinderte Partner in einer gewissen Art von Rechtfertigungsdruck ist
I: Ist, warum er denn jetzt ausgerechnet einen behinderten Freund oder Freundin hat
B: Genau, Du siehst doch so gut aus
I: Ja
B: So, das sind dann meistens so die Sätze die man hört
I: Ja genau, das hatten wir besprochen, ich gucke nur dass wir jetzt hier nichts von denen, ganz interessanten Fragen, finde ich, die da kamen, übergehen.
B: Ich meine, für mich ist es immer so ein bisschen, das Thema, also, die Gesellschaft nähert sich diesem Thema ja, man sieht es ja aus Filmen
I: Ja
B: Man sieht es auch aus Kampagnen, Aufklärungsarbeit und so, und so wie sich vielleicht auch Homosexualität in den letzten zwanzig Jahren gesellschaftlich breiter gemacht hat, als Thema dass das in Ordnung ist, ja, glaube ich wird sich das auch in den nächsten Jahren in Bezug auf Behinderungen ausweiten, was gut ist. Aber was uns immer wieder skeptisch stimmen sollte, beziehungsweise kritisch stimmen sollte ist, sind zwei Dinge, nämlich, wenn wir Medien, weiter im Medien Kontext bleiben, wie viele Filme gibt es eigentlich, in dem es eine weie und eine schwarze Person als Partnerschaft gibt? Also, wir machen jetzt mal ein ganz anderes Fass auf
I: Ja ja
B: Rassismus und so, aber dieses, wie viele Filme gibt es da, im Vergleich zu wie vielen Filmen gibt es, wo schwarze unter schwarze und weie unter weien sind, wenn sie im gleichen Film auftauchen. Und, solange das selbst in der Nationalitäten Frage nicht geklärt ist, glaube ich wird es auch noch ewig dauern, bis in der Frage der Behinderungsthematik ein Thema ist. Das ist die eine Sache, und, dann, ein anderes groes Thema natürlich, durch den wissenschaftlichen und medizinischen Fortschritt, wird natürlich ganz viel daran gesetzt, also Beispiel Stammzellenforschung, Beispiel PID, Beispiel
I: Also Präimplantationsdiagnostik
B: Genau, ja, also all diesen ganzen Dinge, bis hin zu mir, jemand mit Glasknochen, wo das Kind letztendlich von dem Brunnen gefallen ist, also wo die Behinderung jetzt einfach da ist, ist schon auch sehr viele Tendenzen gibt, die auch ich spüre, die so einen Normalisierungsgedanken, aus dem herauskommen, ne, also was wie, ja Raul, Du brauchst schon ein Rollstuhl der höher ist, damit Du dann auf, auch an Tische rankommst, ja.
I: Ja
B: Ja, natürlich ist es besser, ja, aber vielleicht ist es auch unbequemer, weil die Statik eine andere ist, weil dann der, also die Dinge verhalten sich dann auch ganz anders, und das unnatürlich, so hoch zu sitzen mit so einer Körpergröe. Oder natürlich bei der Präimplantationsdiagnostik, auch die Frage, wer sind dann eigentlich die Personen mit denen dann die Mutter spricht, oder die Eltern sprechen, wenn, sagen wir mal, die Wahrscheinlichkeit gro ist, dass das Kind Down Syndrom hat
I: Ja
B: Ja, und wer sind dann eigentlich diese Berater, die dann dieses Paar beraten, sind das dann rzte? Oder sind das dann Eltern von Kindern mit Down Syndrom
I: Oder Psychologen
B: Oder Psychologen, und, was für ein, und selten sind es Eltern, ja, es sind meisten die, die nicht in der Situation sind, und die dann sagen , so ja, das, die werden keine glückliche Elternzeit haben, oder, es wird eine Bürde für ihr Leben
I: Ja ja
B: Es wird einfach anders, aber es ist vielleicht nicht immer nur eine Qual, und ich meine, ich rede jetzt vom hohen Ross, ja, aber, wenn ich vor der Frage stehe, ob ich Kinder haben will, würde ich diese Frage mit Ja beantworten, und wenn ich vor der Frage stehe, ob das Kind auch Glasknochen haben darf, habe ich definitiv kein pauschales Nein. Sondern das ist dann eine Frage, der ich mich dann in dem Moment stellen werde, die ich aber versuche weitestgehend ehrlich auch mit mir selber zu beantworten, also, weil ich würde sagen, auch wenn es vielleicht in dem Podcast nicht so klang, dass ich eine relativ glückliche Kindheit hatte, und was meine Eltern da vielleicht durchgemacht haben kann ich nur ahnen, aber, ich glaube jetzt auch nicht dass sie per se unglücklich waren, und, deswegen bin ich in der Frage auch nicht eindeutig pro oder contra PID, ich bin nur, will nur davor warnen, dass wir niemals in diesen Zustand kommen sollten, und ich glaube das ist fast schon zu spät, dass Eltern sich dafür rechtfertigen müssen, wenn sie dann doch ein behindertes Kind auf die Welt bringen.
I: Also PID, ich meine Du kannst halt bevor, also bevor man schwanger wird, gucken, ob es Wahrscheinlichkeiten gibt dass das Kind
B: Genau
I: Irgendwelche Behinderungen, Einschränkungen, exetera, haben wird
B: Genau, denn wenn eine Behinderung aussortieren, durch solche technischen Möglichkeiten, wissenschaftlichen Möglichkeiten, wird es immer weniger Behinderungen geben, auer die die man erwirbt, und diese Menschen, an denen wird so lange rumgedoktert werden, bis sie dann wieder einigermaen den Normalzustand erreichen. Ja, die kriegen dann Exoskelette angeschnallt damit sie laufen können trotz Querschnittlähmung, und so weiter und so fort, und, einige lassen sich dafür begeistern, aus dem technischen Aspekt heraus, aber viele hängen dann auch in so einer Sehnsucht, ja, wo ich aber glaube dass man auch glücklich werden kann, wenn man vier Räder unterm Hintern hat, oder was heit ich glaube, ich wei es, und, warum setzt man nicht auf diese Ressourcen, oder nicht mehr, und, ich bin einfach kritischer, aus meiner Biographie heraus natürlich
I: Naja. Viel zum Nachdenken, kam gestern auch noch ein Tweet, den wollte ich auch noch, dem, der geht in die Richtung wo Du auch schon gesagt hast, von jemanden der mir, der nicht wollte dass ich ihn namentlich erwähne, aber der selber nicht behindert ist aber mit einer behinderten zusammen ist, und er meint auch, Sex ist wesentlich unproblematischer als die Beziehung
B: Ja
I: So, das
B: Das ist halt wirklich interessant, weil, die meisten Leute reden halt über Sex wenn es um Beziehungen mit Behinderten geht, das aber derjenige mit Behinderung oder ohne Behinderung auch ein Arschloch sein kann, und ein gottverdammter Macho oder, was auch immer, ja, es ist dann selten Thema
I: Okay Raul, ich glaube wir lassen hier mal den Vorhang fallen, zumindest vorerst, ich meine, man kann ja nie wissen, vielleicht gibt es auch mal eine zweite Folge
B: Mich würde mal die weibliche Perspektive interessieren, mit Behinderung, oder auch ohne Behinderung
I: Ja, ich meine, ich kenne da nicht so viele, wenn Du jemanden kennst der Lust hat, Du kennst ja jetzt den Kontext, und weit wie das so abläuft, wenn Du jemanden hast der da mal die Hosen runterlassen will, kannst Du ja mal einen Kontakt herstellen, oder so, also
B: Ja, mal gucken
I: So. Ich danke Dir erst mal für deine offenen Worte
B: Gerne. Gerne wieder
I: War super interessant, ja, viel zum Nachdenken, ich bin mal gespannt was jetzt die Hörer, was denen noch so einfällt, kommen ja dann immer viele Kommentare und Anmerkungen. Ja, ich würde sagen, erst mal, Raul Krauthausen, ganz herzlichen Dank nochmal, ja, über Wheelmaps und so haben wir jetzt nicht geredet, aber
B: War auch nicht mein Interesse
I: War auch jetzt nicht das Thema. Wo findet man Dich, unter Raul.de?
B: Genau, mit, wie Paul nur mit R
I: Und da sind alle Projekte wahrscheinlich irgendwie
B: ja
I: Lesbar
B: Und Facebook und der ganze Schnee
I: Schnee, ne
B: Genau
I: Okay, ich sage ganz herzlichen Dank fürs zuhören, das war Küchenradio, bald wieder nächste Ausgabe, sind ein paar Sachen geplant, bleib uns gewogen, ich bin gespannt auf eure Anmerkungen, Gedanken zu dem was wir hier besprochen haben. Bis dahin, Tschüss

18 Kommentare

  1. Interessante Einblicke in völlig fremde Welten. Danke für die Offenheit, Raul. Deine diversen Aktivitäten kann man nur bewundern und ich bin sicher das du mit Auftritten wie diesem etwas bewegst, sowohl bei Betroffenen, als auch bei denen die damit sonst nichts zu tun haben. Wenn’s dich nicht gäbe müsste man dich erfinden. ;)

    Und auch wenn ich gern noch mehr vom Team dabei gehabt hätte Doc Phil ist ein super Host für solche Themen. Es wird nie peinlich oder irgendwie krampfig. Er hat so eine angenehm bodenständige und entspannte Art. 

    Schön auch das das Küchenradio wieder so oft erscheint.

  2. Pingback: Vorhersage Mittwoch, 26.09.2012 | die Hörsuppe

  3. Auch von mir ein Dankeschön für das interessante und sehr offene Interview.

    Mein Freund hat ebenfalls Glasknochen, und ich finde es heftig, wie sehr seine bzw. unsere Erfahrungen den hier geschilderten ähneln. Die angesprochenen Schwierigkeiten scheint es also nicht nur in Einzelfällen zu geben.
    Daher tut Aufklärung wohl wirklich Not, auch wenn es manchmal anstrengend ist immer wieder für sich selbst festzulegen, wo der “Lehrauftrag” aufhört und die Privat-/Intimsphäre anfängt…

  4. Ein hervorragender Podcast, ein groes Kompliment an Doc Phil wie erfrischend, respektvoll und neugierig auf den Menschen er sich diesem Thema genähert hat. Einen Dank auch an Raul, dass er ein Stück seines Lebens, seiner Erfahrungen und Herausforderungen mit uns HörerInnen geteilt hat. Vieles hat mich auch persönlich sehr berührt, da ich mit einer behinderten Mutter aufgewachsen bin und realisiert habe, wie einsam sie sich mit ihren Bedürfnissen nach Nähe und Sex gefühlt  haben muss.  Es ist immer wieder eine Reise in eine mehr oder weniger fremde Welt mit dem Küchenradio und ich finde es auch nach 7 Jahren einfach klasse!!

  5. Super interessantes Thema, konnte einiges mitnehmen. Ein Kumpel aus Sandkastenzeiten hat eine Hautkrankheit durch die ihm immer wieder offene Abneigung und Ekel entgegen gebracht wird, man kann sich sowas garnicht vorstellen, dabei ist er ein Mensch wie jeder andere auch.  

    Ich frage mich gerade was Cindy, Frau Katja oder Onkel Andi wohl gesagt oder gefragt hätten, wahrscheinlich hätte jeder andere Schwerpunkte gehabt. Aber Ihr seid in allen Konstellationen eine Wucht .

    Bis bald : )

  6. Wirklich ein sehr Interessantes Thema,Danke dafür. :) ;)

  7. Danke für diesen wunderbare, intensiven und nachdenklichen Podcast… wenn ich ehrlich zu mir bin, dann wei ich, dass ich vor behinderten Menschen Angst habe Angst mich dumm oder falsch zu verhalten weil mir auf eine gewisse Art und Weise die Erfahrung fehlt was OK ist… soll ich dem Rollstuhlfahrer besonders begegnen ihn anlächeln (was ihn vielleicht nervt, weil er kein Bock hat auf besonders behandelt zu werden) oder soll ich ihn einfach normal behandeln wie alle anderen auch (was ihn vielleicht total nervt und ärgert, weil er eben doch besonderen Bedürfnisse hat). Uff, mir fehlen im Alltag vorallem noch so viel mehr Begegnungen. In meinem Leben aber irgendwie auch in der Gesellschaft um mich herum.

    Insofern…danke für die Offenheit.

  8. Vielen Dank für die Offenheit und den Mut, lieber Herr Krauthausen. Vielen Dank an Doc Phil für die einfühlsame und ebenfalls direkte Offenheit. Es war ein Podcast fern jedes Voyeurismus´
    Sie haben so oft Inklusion angesprochen, Herr Krauthausen. Ich wünschte mir speziell zu diesem Thema einen weiteren Podcast. Ich bin Lehrer einer Förderschule (für Lernen und sozial- emotionale Entwicklung) und seit einigen Jahren beratend an einer Hauptschule tätig (im Bereich der Inklusion), daher stammt mein Interesse und bin mit der Umsetzung der Inklusion mehr als unzufrieden (Rotstift und Verblendung statt inklusiver Beschulung). Wenn es zu diesem Thema keine Sendung geben kann, so würde ich mich riesig über einen Kontakt zu Herrn Krauthausen freuen.
    Vielen Dank für eure Mühe und die tollen Sendungen.
    Jakob Pollen

  9. Eine wunerbare Episode des Küchenradios. Herzlichen Dank uns groem Glückwunsch an die beiden Gesprächspartner. Wie andere schon schrieben, trifft Philip ganz wunderbar den Punkt zwischen Neugier und Blostellung. Nie fehlt es an Respekt und Haltung. Toll.
    Aber das kann man auch alles von Raul sagen. Ich habe ihn letztes Jahr in Witten/Herdecke “live” erleben können. Und hatte ein Bild von einem sehr starken Charachter bekommen, der sich mit Sätzen wie “Noch Fragen? Nein? Dann schiebt mich von der Bühne, bitte!” mit einer gewissen Kaltschnäuzigkeit durch die Welt bewegt. – Von seinen Worten in diesem Gespräch bin ich dagegen sehr angerührt. Da spricht eine ganz andere Seite. Sehr privat und mutig. Aber auch verletzlich. Und schön, dass es immer wieder den Bogen vom “reinraus”-Sex zu Partnerschaft und Liebe gefunden hat. (Auch wenn der Titel ja anders lautet.) Alle guten Wünsche an Dich, Raul, dass Eure junge Liebe wächst und gedeiht.

    Für die Fortsetzung aus der Perspektive einer Frau, könnte ich mir Maria Langstroff als Gesprächspartnerin vorstellen. Sie ist ja Podcast-erfahren, siehe http://poppe-and-people.de/?p=229

  10. Toller Podcast – ehrlich, offen und bis zu Ende gedacht / meine Schwiegermutter war behindert und so hatte ich Einblick in Ihr Leben – Sex kam darin nicht vor

  11. Das update ist ja richtig klasse. :) Wo ist der Gefällt mir-Button. :p

  12. Sehr empfehlenswertes Gespräch.
    Behinderte brauchen mehr ffentlichkeit. Viel zu wenig ist bekannt über die Barrieren des Alltags. Gut gemacht, Raul& DocPhil ! 

  13. Auch von mir vielen Dank für diese interessanten Denkanstöe. Ich habe selber fast keine Erfahrung im Umgang mit Behinderten und da hilft es mir immer, zu sehen, wie der Umgang stattfindet und welche Fehlverhalten seitens der restlichen Gesellschaft auftreten. Um dann natürlich daraus zu lernen und einen anderen Blick drauf zu haben und eben nicht ein unangenehmer Zeitgenosse zu sein, der blöde Witzchen macht oder doofe Fragen stellt.

    Weiterhin kann ich mich den bisherigen Kommentatoren anschlieen, habt ihr rundherum gut gemacht. :)

  14. Ganz herzlichen Dank für diesen erhellenden Beitrag. Ich habe schon sehr lange danach Ausschau gehalten, daß die Thematik mal etwas ausführlicher und vor allem aus der Sicht von direkt Betroffenen behandelt wird. Sehr Bemerkenswert war für mich die Aussage von Raul Krauthausen, daß es sehr wichtig ist, daß die Partnerin nicht zur Pflegekraft wird. Ich hätte allerdings gern mehr darüber erfahren, wie es im umgekehrten Fall vielleicht nicht allzu selten vorkommt, wenn sich Patienten eine Beziehung bzw. Sexualkontakte mit den sie Pflegenden vorstellen, wie es mir vor 5 Jahren selbst ergangen ist und zu enormen Konfliktpotenzial sowohl bei mir, als auch bei der Pflegerin geführt hat.
    Wie dem auch sei – ich habe sehr viele nützliche Informationen aus diesem Beitrag für mich mitnehmen können und dafür nochmals herzlichen Dank.

  15. Das ist natürlich eine sehr spezielle Situation. Ich denke, dass eine Beziehung, wie bei jedem anderen Paar auch, immer auf beiden Seiten eine gewollte Sache sein muss. Sonst geht das zwangsläufig nach Hinten los. Eine Beziehung kann man nicht erzwingen.

  16. Pingback: 10 Missverständnisse über Sex und Behinderung » raul.de

  17. Pingback: Podcast “Küchenradio” zu Sex mit Behinderung | kissability

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