MFDB010 Therapie

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Andreas Baum spricht mit Andrea Frey über vier Bücher. Besonderen Dank geht dieses Mal an unseren Hörer Ronny Jahn, der uns über meine Wunschliste. ein Buch geschenkt hat, wir haben es heute an zweiter Stelle besprochen.

Rainald Goetz: Irre: Roman (suhrkamp taschenbuch)

Allen Frances: Saving Normal: An Insider’s Revolt Against Out-of-Control Psychiatric Diagnosis, DSM-5, Big Pharma, and the Medicalization of Ordinary Life

Irvin D. Yalom: Die rote Couch. Roman

Robert Betz: Willst du normal sein oder glücklich?: Aufbruch in ein neues Leben und Lieben

10 Kommentare

  1. Pingback: Vorhersage Freitag, 16.08.2013 | die Hörsuppe

  2. Um diese teils wetterbedingten Stimmungsschwankungen und “Tiefs” von der wirklich schlimmen, klinisch psychologischen Depression, in der wirklich eine Psychotherapie und/oder Intervention mit Psychopharmaka notwendig sind, besser in den von euch geschilderten Fällen von Depressivität oder sowas zu sprechen, um eine sprachliche Abgrenzung zu finden.
    Ich arbeite mit psychisch kranken Menschen und habe auch in Diskussionen – beispielsweise in Podcasts – erlebt, dass diese beiden Ebenen aufgrund der fehlenden Trennschärfe vermischt wurden. Daher kommt meiner Ansicht nach beispielsweise häufigerweise die Klage darüber, dass immer häufiger Psychopharmaka bei Depressionen verschrieben werden, weil Menschen nicht verstehen dass ihre ab und zu auftretende Depressivität etwas komplett anders ist als an einer klinischen Depression zu leiden, wo es einen wirklichen Kampf mit sich selbst darstellt, überhaupt das Bett zu verlassen. (auch wenn ich gleichzeitig der Ansicht bin, dass eine Depression nicht alleine durch Medikamente behoben werden kann, wenn nicht auch die psychologischen Auslöser angegangen werden)

    Das nur als persönliches Anliegen von jemandem, der sich teils bei Debatten die Haare rauft, in denen nicht trennscharf argumentiert wird – ohne euch damit angreifen, sondern eher vielleicht ein gewisses Maß an Reflektion anregen zu wollen. 🙂

    Zum Thema Selbsttötung: Strafbar ist es zwar in dem Sinne nicht, aber meiner Halbwissens nach ist es zu mindest für Mitwisser schwierig, wenn sie dann nicht die Polizei rufen und melden, dass jemand anders sich selbst tötet. Jedenfalls wird der betroffene nicht “eingesperrt”, sondern nach PsychKG (Psychisch Kranken Gesetz) aufgrund akuter Selbstgefährdung in eine geschlossene psychiatrische Abteilung eingewiesen und dort behandelt. Doch auch wenn es sich dabei nicht um eine klassische Gefangennahme handelt (die wohl auch eher kontraproduktiv wäre) bleibt natürlich die Frage danach bestehen, ob man nicht quasi das Recht hat auch zu entscheiden, dass man keine Lust mehr hat zu leben. Meiner Ansicht nach vermischt sich da einerseits der christliche Einfluss auf unsere Gesellschaft, nach dem Selbsttötung Sünde ist und man sich damit über die göttliche Entscheidung hinaus setzt, wann das Leben zu enden hat, mit der psychiatrischen Überzeugung, dass ein psychisch Gesunder Mensch immer einen Sinn in seinem Leben finden wird. Notfalls muss man ihm eben dazu helfen, in seinem Leben die richtigen Prioritäten zu setzen.
    Interessant wird die Diskussion, wenn es beispielsweise um Menschen geht, die so krank sind, dass ihr Tod in naher Zukunft unvermeidlich ist. Während sich hier in Deutschland meines Wissens nach Ärzte immer noch strafbar machen, wenn sie unheilbar Kranken beim Freitod helfen (auf eine schmerzfreie Art), ist dies in den Niederlanden beispielsweise mittlerweile erlaubt. Begriff aktive Sterbehilfe.

    Ach nebenbei: Das DSM ist eher das deutsche Äquivalent zum ICD-10 als andersrum. Wobei es sich beim ICD (International Code of Diagnosis) eben nicht auf psychische Krankheiten beschränkt, sondern es sich um eine generelle internationale Diagnose-Richtlinie handelt und eben auch psychische Krankheiten behandelt werden, ebenso wie Diabetes etc. – Die 10 kommt von der 10. Auflage, wenn ich mich nicht täusche. Und nicht böse sein, wenn ich das hier nochmal anmerke – Trauer ist nicht Depression, das ist das was “Psychiater” in den USA diagnostizieren, um eine Therapie zu rechtfertigen. Und da bin ich in der Argumentation ganz bei euch. Während es in Deutschland eher noch stigmatisierend ist, überhaupt zum Psychiater oder (meiner Ansicht nach besser) Psychologen zu gehen, scheint es in den USA fast schon hip zu werden, dass jeder seinen privaten Therapeuten hat. Und dadurch werden auch ganz “normale/durchschnittliche” Normabweichungen ganz schnell zu Krankheiten gedeutet, anstatt einfach anzuerkennen, dass es unterschiedliche Menschen gibt, die bisweilen eben anders auf ihre Umwelt reagieren, auch wenn manche davon reden, dass dies verrückt sei.

    Zu ADHS: Vielleicht besteht die Korrelation in Gebieten mit Fachkliniken nicht darin, dass dort besonders häufig Medikamente verschrieben werden, sondern darin, dass die Diagnosen besonders fundiert getroffen werden können und dort besonders sensibel auf Anzeichen geachtet wird. Ich habe einen Halbbruder mit dieser Erkrankung und bin gegenüber der rein medikamentösen Behandlung dieser Erkrankung auch sehr skeptisch eingestellt, es lässt sich aber auch nicht wegdiskutieren, dass viele erwachsene Menschen nach ihrer Diagnose und dem Beginn einer medikamentösen Therapie sehr häufig davon berichten, dass sich ihr Leben signifikant verbessert hat. Ich werfe als Beispiel einfach mal Christopher Lauer von den Piraten in Berlin ein.

    Abschließend hoffe ich, mich jetzt nicht als querulanter Nörgler interpretiert zu haben. Ich denke jeder kennt das Phänomen, dass sich Widerstände in einem regen, wenn jemand “fachfremdes” über Dinge berichtet, die man selbst studiert und intensiv betrachtet hat. Ich erlebe das beispielsweise bei einem Freund, der bei einer Krankenkasse arbeitet und sich bei mir teils darüber auslässt, wie falsch über spezifische Zusammenhänge berichtet wird. Und anstatt sinnlos zu wettern habe ich für mich die Strategie entwickelt, die Kommentarfunktion zu nutzen, um an Stellen die ich schwierig finde einfach meine Sicht der Dinge zu präsentieren – als Angebot an einen positiven Diskurs und um Dinge klarstellen zu können, die ohne bösen Willen vllt. trotzdem falsch interpretierbar sein könnten. 🙂

    • Wow, das nenne ich mal einen Kommentar.

    • Vielen Dank für diesen Kommentar! Es macht mich immer wieder glücklich zu sehen, dass wir mit diesen Podcasts Menschen erreichen und berühren und sei es nur, indem wir sie zum Widerspruch anregen – natürlich sind wir als Leser von Sachbüchern immer auch Laien, die die notwendige begriffliche Trennschärfe nicht aufbringen, und die trotzdem glauben, uns über die Inhalte ausbreiten zu können, gerade bei diesen psychologischen Themen, die jeden irgendwie betrifft und bei denen jeder glaubt mitreden zu können. Letztlich sind wir nur Leser und immer wieder blutige Anfänger, und das ist auch gut so –

      • Ihr erreicht bestimmt mehr Menschen als ihr glaubt, weil viele nicht kommentieren. Ich mag diesen Podcast sehr, aber habe selten mehr als das dazu zu sagen. Macht schön weiter damit!

    • Vielen Dank auch von meiner Seite! Ich kann mich Onkel Andi nur anschließen: Eure Kommentare, die langen und die kurzen, motivieren uns weiterzumachen, und manchmal machen sie auch glücklich 🙂

  3. einfach grandios…
    womit auch der vor meiner wenigkeit stehende Kommentar bedacht sein soll…auch wenn ich nicht in allen punkten übereinstimme

  4. Ist die reine Freude Euch zuzuhören, Eure Stimmen haben sowas beruhigendes : )

  5. Hallo Andi , tolles Format hier wird viel wissenswertes in angenehmer Atmosphäre vorgetragen und hinterfragt,ohne das von der literarischen Kanzel beperdigt wird.
    Mich würde interesieren in was für Situationen,Gelegenheiten und Tageszeiten du zum Lesen kommst,
    und wie du liest Langsam oder schnell, mit Musik oder nur im Sitzen ?
    Auch eine Sendung mit Cindy fände ich Klasse, jener ist doch auch belesen und mitteilsam.
    In Vorfreude auf die nächste Sendung.

    Grüsse aus Nordbaden

    • Hallo, wir machen glaube ich demnächst mal ein Q & A-Special, aber diese Fragen beantworte ich gern vorab: Ich lese leider manchmal zu schnell, meist im Liegen oder liegeähnlichen Sitzen, auf meinem Sofa, in meinem Lesesessel, im Bett, aber auch am Küchentisch, in meinem Stammcafé, auf der Toilette, in der U-Bahn, auf öffentlichen Plätzen, am Strand, am See, im Zug, im Garten, manchmal sogar beim Fernsehgucken, aber niemals mit Musik.
      Viele Grüße von Andreas!

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