MR083 Rechtsextremismus und die AfD (Matthias Quent, Soziologe)

Du bist noch kein Abonnent/+?
Hier erfährst Du mehr über
Kuechenstud.io/+
Einloggen

| 5 Kommentare

Eigentlich wird Deutschland immer offener und liberaler, sagt der Soziologe Matthias Quent, Autor des Buchs “Deutschland rechts auße – Wie die Rechten nach der Macht greifen und wie wir sie stoppen können” (Affiliate Link).

Den von vielen empfundenen Rechtsruck beschreibt er als Aufbäumen lange bestehender rechtsradikaler Kräfte und Strömungen gegen diese liberalen Entwicklungen.

Im Gespräch mit Philip Banse erläutert Quent, was die Forschung über AfD-Wähler weiß und wie die Gesellschaft mit Rechtsradikalen in Vereinen und Parlamenten umgehen sollte.

Das Gespräch wurde am 15. Januar 2020 aufgenommen.

5 Kommentare

  1. Danke für die neue Folge.

    Tja, Herr Quent und Philipp: es bleibt einem wenig anderes übrig, als Danke dafür zu sagen, dass das Thema von Ihnen und von Dir bearbeitet wird.

    • Dem Dank für vielleicht den Podcast der zum perfektest-jemals-möglichen-Zeitpunkt-Veröffentlichung kann ich mich ebenfalls dnur anschließen!

  2. Zwei Ergänzungen:
    1.) Der Wahrnehmung, die man häufig hört, dass die Rechten früher politisch nicht oder fast nicht stattgefunden haben, möchte ich entgegen setzen, dass es in den letzten Jahrzehnten immer wieder beträchtliche rechte Wahlerfolge gab: z.B. die Schill-Partei in Hamburg aus dem Stand auf fast 20% kam, wird heute wenig erinnert.* Kleiner, aber trotzdem relevant sind z.B. die Wahlerfolge von DVU (Landtagseinzug Brandenburg 1999) und Republikanern (knapp 11% bei der Landtagswahl BW 1992, 9% BW 1996).
    Früher war es so, dass diese Parteien meist “politisch zu schlecht” waren und sich relativ schnell wieder selbst erledigt hatten; bei der AfD ist das bislang noch nicht so der Fall, wenngleich es auch Studien gibt, nach denen die AfD-Unterstützung ihren Höhepunkt schon wieder überschritten hatten. Mich persönlich hat es schon überrascht, dass die Tatsache, dass das private Leben von Alice Weidel ja im extremen Widerspruch zum eigenen Parteiprogramm steht nicht diesen zerstörerischen Effekt hatte (anders als bei Schill); dito für Spendenaffären und politisch unnötig krasse Aussagen von SpitzenpolitikerInnen [1].
    2.) Die Analyse von M. Quendt im Interview fand in Teilen v.a. auf der Makro-Ebene statt, z.B. als es darum ging, was man denn tun könne: da ging es z.B. um Staatsanwaltschaft vs Rechte, Polizei vs Rechte, Umgang der Parteien miteinander, Umgang des (öffentlichen) Rundfunks mit der AfD. Kein Vorwurf. Aber ich fand es gut, dass Philipp da die Mikro-Ebene schon auch noch mit an Bord geholt hat; in der EXIT-Interview-Folge ging es ja auch stark um die Mikro-Perspektive (wie kann man den Einzelnen von der Radikalisierung abhalten? wie beim Aussteigen helfen?). Was ich mir manchmal noch etwas mehr wünsche, ist der Bezug zu z.B. dem, was viele (Evolutions-)Psychologen sagen würden, vereinfacht: der Mensch ist ein soziales Wesen; da geht aber auch dazu, dass er sich Mitgliedern der eigenen Gruppe mehr verbunden fühlt als Nicht-Mitgliedern (in-group vs out-group) – also z.B. meiner eigenen Familie bin ich mehr verbunden als Nichtmitgliedern meiner Familie; oder ich spüre eine stärkere Verbindung mit denen, die mit mir 20 Jahre im gleichen Viertel aufgewachsen sind.
    Die Herausforderung an den modernen Menschen ist, sich diese Einsicht — diesen inhärenten bias in der menschlichen Natur — zu eigen zu machen und dann mit dem Verstand zu sagen “ok, das habe ich durchschaut, ich muss mich dem bias / meiner unbegründeten Angst / … nicht unwidersprochen ausliefern, sondern kann Probleme erkennen und meine Entscheidungen bewusst treffen”.
    Genauso, wie es vielleicht in Knappheitszeiten vor 10.000 Jahren sinnvoll war, viel zu essen, wenn genug da war… aber mich dieselbe innere Verlockung heute frühzeitig in die Diabetes und in den Herzinfarkt treibt. Da erkenne ich doch auch: ich kann nicht ständig alles essen, was da ist.

    * Da man von Schill-Seite damals erfolgreich Posten in der Polizei besetzt hat – und dies, z.B. aufgrund des Beamtenstatus über Jahrzehnte fortbesteht – , sollte man bei der Diskussion der Hamburger Polizei immer berücksichtigen, dass da vielleicht tendenziell politisch besondere Leute an entscheidenden Stellen sitzen, im Vergleich zu anderen Städten oder Bundesländern.
    [1] z.B. B. v. Storch: Polizei soll an der Grenze auf Mütter und Kinder schießen, siehe https://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/beatrix-von-storch-afd-vizechefin-will-polizei-sogar-auf-kinder-schiessen-lassen-14044186.html

  3. 200 Menschen, die seit 1990 durch Rechte getötet wurden und die CDU weigert sich immer noch für Bodo Ramelow als MP zu stimmen. Weil rechts angeblich gleich links. Absurd!

    Danke für das Interview.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.