MR077 Marcel Fratzscher: Ungleichheit in Deutschland

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“Die Ungleichheit in Deutschland wächst”, sagt Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), im Gespräch mit Philip Banse.

Der Staat schaffe es immer weniger unterschiedliche Startchancen seiner Bürger auszugleichen und die Einkommensschere gehe immer weiter auf. Sorgen bereite ihm nicht so sehr, dass wenig Menschen sehr viel besitzen, sagt Fratzscher, sondern dass sehr viele Menschen sehr wenig besitzen.

Ungleichheit, Klimawandel, Mieten – kann die soziale Marktwirtschaft diese Probleme lösen? Oder brauchen wir ein neues System, einen digitalen Sozialismus?

Marcel Fratzscher spricht über das Bildungssystem, Steuern, CO2-Preise, ein Grundeinkommen – und erklärt, was Menschen brauchen, um glücklich zu sein. Viel Spaß.

3 Kommentare

  1. Ein paar spontane Gedanken während des Zuhörens:
    – Ich finde es problematisch, lapidar zu sagen, einem Hartz 4 Empfänger wäre nicht viel damit geholfen wenn er 80 Euro mehr im Monat bekommt. Ich verstehe wie es gemeint ist, aber für jemanden der wie ich knapp über Mindestlohn verdient klingt das einfach sehr unschön. Wenn man so wenig Geld hat, ist 80 Euro haben oder nicht haben sehr sehr viel.
    – Müssen wir Arbeit 2019 weiterhin ausschließlich in Vollzeit denken? Wäre es nicht beispielsweise für Langzeitarbeitslose viel einfacher wieder Fuß zu fassen, wenn man auch von ner Teilzeit Stelle so lala leben könnte?
    – Schade, dass mit dem Begriff “Neiddebatte” ein Totschlagargument aufgebracht wurde, das der Differenzierung der Ansätze aus vielen Bereichen der politischen Linken meiner Ansicht nach nicht gerecht wird.

    • Ehrlich und angemessen wäre es doch wenigstens gewesen, anzusprechen dass eben nicht nur Kapitalisten aus dem Silicon Valley und der Chef von DM sondern auch diverse Erwerbsloseninitiativen sich ganz eindeutig für ein BGE aussprechen. Und zwar aus ganz unterschiedlichen Gründen. Für Erwerbsloseninitiativen ist ein BGE sowohl ein Ausweg aus der Niedriglohnfalle, weil es die Verhandlungsposition mit dem Arbeitgeber stärkt, als auch eine Auflösung des Überwachungsregimes das Hartz 4 und co darstellen, als auch die Möglichkeit die Frage nach dem Arbeitsbegriff neu zu stellen – Ist Arbeit nur, was einem Lohneinkommen gewährt, oder ist es auch das Aufziehen von Kindern, Pflegen von Großeltern etc? Muss ich 40 Stunden die Woche Quatsch machen, um ein relevanter Teil der Gesellschaft zu sein, oder würden 20 nicht reichen? Ich bin bei diesem Diskussionspunkt wirklich massiv enttäuscht. Sie erscheint mir als komplett aus der Zeit gefallen.

  2. Nunja, sehr zwiespältig. Den Ruf seiner Einrichtung politisch links zu stehen, kann ich nach dem Gespräch nicht nachvollziehen. Nach dem Part zur Wohnungsproblematik bin ich ausgestiegen.

    Die Wohnungsbestände in Dtl. liegen zu rund 50% in privater Hand. D.h. bei gewinnorientierten Akteuren, wie Vonovia und DW, die mit den Vermögen der Oberschicht als Investitionen (sie liegen eben nicht nur in Unternehmen, wie F. behauptet), massenhaft Wohnungen aufkaufen und die Mieten hochschrauben. Die soziale Spaltung wird quasi mit jeder Mietzahlung zementiert.

    Für diese Misere fast vollständig die Politik verantwortlich zu machen, wie Fratzscher es tut, ist nicht nachvollziehbar. Es ist offensichtlich auch die Ignoranz und der Egoismus der Oberschicht.

    Seine Vorstellung, das durch Neubau der Markt so entspannt werden könne, das im Bestand die Mieten sinken oder wenigstens stabil bleiben, ist absurd. So viel und so günstig kann gar nicht gebaut werden.

    Das man Mietsteigerungen durch eine Rekommunalisierung verhindern kann, liegt eigentlich auf der Hand. Dadurch hätten Familien potentiell mehr Geld für Urlaub, Freizeit oder Hausaufgaben-Hilfe übrig. Sprich für all die Dinge, die Fratzscher als sinnvoll für die Entwicklung von Kindern sieht.

    Im Gespräch kam bei mir der Eindruck eines im Grunde marktgläubigen Menschen auf, der Erwerbsarbeit als Heilsbringer sieht. Ich halte das nicht für den progressivsten Ansatz.

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