LdN188 Corona-Update, BVerfG zu EZB (Interview Prof. Anna Katharina Mangold), Autogipfel (Interview Svenja Schulze, Umweltministerin) 

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Begrüßung 

Corona-Update

BVerfG-Urteil zum Staatsanleihen-Kaufprogramm (Interview Prof. Dr. Anna Katharina Mangold)

Autogipfel (Interview Svenja Schulze) 

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Hausmitteilung

142 Kommentare

  1. 17. Mai 2020 um 7:48 Uhr
    Matthias Hülfenhaus

    Die EU hat noch weitere Probleme als das Zueinander der Gerichte. Dieser Vortrag zeigt notwendige Veränderungen an, damit die Akzeptanz der Europäischen wieder steigt: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/europaeische-union-das-demokratieproblem-der-eu

  2. Liebes Lage-Team,
    zu eurer Darstellung des Unterrichts möchte ich noch ein paar Erfahrungen aus der Praxis ergänzen.

    1. Ich sehe es auch so, dass es fachlich überhaupt keinen Sinn ergibt, den Unterricht zu starten. Es gibt nur eine reduzierte Stundentafel und jeder Schüler wird im Schnitt noch 6-8x bis zu den Ferien in der Schule sein.
    Außerdem können sich die Schüler*innen nur noch verbessern (Abschlussjahrgang). Alle anderen werden trotz massiver Mangelleistungen versetzt.

    2. Ein flächendeckendes E-Learning wie an manchen Unis (Big Blue Button) halte ich nach meiner Erfahrung dür allgemeinbildenden Schulen auf lange Sicht für ausgeschlossen. An unserer Schule haben gut 50% der Schüler*innen Zuhause nicht die notwendige Ausstattung zur Verfügung. Das heißt: keinen Laptop/PC oder kein Internet, sondern höchstens ein Smartphone.

    3. Trotzdem geben sich die allermeisten Lehrer*innen größte Mühe für ihre Schüler*innen erreichbar zu sein und Ihnen Möglichkeiten zum Lernen zu bieten.

    4. Haben wir Stunden damit verbracht sinnvolle Stundenpläne zu gestalten, um die dann nach der nächsten Schulmail (20 zum Thema Corona) wieder umzuwerfen.

    5. Denke ich, dass diese Krise einen enormen Anstoß zur Digitalisierung der Schule (auf institutioneller Seite) gegeben hat, da wir Lehrer*innen gezwungen waren Möglichkeiten zu finden. Allerdings hat man keine Plattfirm, die alle Anforderungen erfüllt (Datenschutz, Videochat, Dateiablage etc.) Hier sehe ich das Ministerium, zumindest aber den Schulträger, eigentlich in der Pflicht etwas geeignetes zur Verfügung zu stellen. Dies soll nun mit der Plattform iServ geschehen. Da muss ich mich aber noch genauer mit beschäftigen und kann nichts dazu sagen, ob das für uns geeignet sein kann.

    Natürlich bin ich mir darüber bewusst, dass meine Erfahrungen sehr subjektiv sind und sich auf eine zwei-zügige Hauptschule in NRW beziehen.

  3. Hallo zusammen,
    Passend zum Interview in Folge 188 hat heute der Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesumweltministerin sein Umweltgutachten 2020 vorgelegt.
    Im Kapitel 2 des Berichts „Pariser Klimaziel erreichen mit dem CO2-Budget“ wird noch mal sehr anschaulich dargestellt, dass zur Einhaltung der Parisziele natürlich ausschließlich die Gesamtmenge der emittierten Treibhausgase eine Rolle spielt und nicht beliebig auf der Zeitachse gesetzte Reduktionsziele. Oder in 9.Klasse Mathematik ausgedrückt: Das Integral unter der Kurve ist entscheidend!
    Hoffen wir, dass Frau Schulze sich den Bericht anschaut und den Unterschied klarmacht.

    Hier geht’s zum Kapitel 2 des Berichts:
    https://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/01_Umweltgutachten/2016_2020/2020_Umweltgutachten_Kap_02_Pariser_Klimaziele.pdf

    Und hier ist die Kurzvorstellung des Kapitels inkl. Grußwort von Frau Schulze im Video (ca. Minute 21 bis 28):
    https://www.youtube.com/watch?v=QJ4C2CBzFEY&feature=youtu.be

  4. Hallo nochmal habe gerade eben geschrieben und wollte vom Herrn Banse ein Statement zu meiner GG Frage natürlich würde ich mich über eine Antwort vom Herrn Buermeyer (da er ja Richter ist) noch mehr freuen.

    • Hi Jan, danke für deine Frage, aber ehrlich gesagt wirft das so viele Fragen auf, dass wir das nicht in ein paar Zeilen beantworten können. Jedenfalls kann man nicht damit argumentieren, jemand sei nun mal Rechtsradikaler und habe deswegen keine Grundrechte mehr – man muss immer auf jede einzelne Handlung schauen. Seine Grundrechte verliert man aber nicht, nur weil man mit bestimmten Positionen nicht mehr auf dem Boden des GG steht.

  5. Hallo höre schon seit Jahren die ldn und war schon mal live dabei, wollte euch beiden ein großes Lob aussprechen für eure fundierten Beiträge und euren Witz die das zuhören sehr leicht machen.
    Nun melde ich mich das erste Mal bei euch da meine Frau und ich gestern eine hitzige Diskussion hatten bezüglich des GG. Ich vertrete die Auffassung, dass ein rechtsradikaler sich nicht mehr auf dem Boden des GG bewegt wenn er seine Thesen und hetze verbreitet und man ihn deswegen mmn nicht wie einen normalen Menschen behandeln muss weil er ja das mit anderen Menschen auch nicht macht. Darauf hin kam meine Frau mit der These um die Ecke das ich ja damit auch das GG verletze weil ja dann auch von mir der Gleichheitssatz der Menschen nicht beachtet wird. Nun hätte ich gerne eine kleine Stellungnahme vom Herrn Banse wie ich meiner Frau da antworten kann, habe dagegen nämlich kein Gegenargument gefunden. Mit freundlichen Grüßen Jan

  6. Hej an die Community!

    Ein bisschen Off-Topic: Dank Corona hab ich Zeit für die Steuererklärung!

    Ich bin Masterstudentin, bekomme kein Bafög und arbeite zur Finanzierung neben dem Studium. Da gibt es den Verlustvortrag, der für viele Studierende eigentlich beim Erhalt des ersten Gehalts eine gewisse oder vollständige Rückzahlung der Studienkosten ermöglicht. Allerdings fressen meine beiden Nebenjobs diesen vollständig auf.

    Was allerdings äußerst ungerecht erscheint ist, dass Studierende, welche nicht neben dem Studium arbeiten und zusätzlich ein hohes Einstiegsgehalt erhalten, davon quasi doppelt profitieren (nicht arbeiten müssen zum Lebenserhalt und Studienkosten erstattet bekommen).

    Hier schleicht sich die wage Vermutung ein, dass damit tendenziell privilegierte Gruppen noch mehr Vorteile erhalten. Ich bin mir sicher, dass es diesbezgl. einen sinnvollen Hintergedanken gibt…Ist sicher nicht der einzige merkwürdige Stolperstein in Sachen Steuer(gerechtigkeit).

    Da die Lage eine strukturierte vertrauenswürdige Darstellung von Themen in
    sympathischer Gesprächsatmosphäre ist, wird das vielleicht aufgegriffen, oder es kennt sich hier jemand fachlich oder persönlich damit aus.

  7. Hallo,

    leider wieder mal Autobasching, schade. Die Autoindustrie ist die Schlüsselindustrie in Deutschland, die für viel Wohlstand in Deutschland beigetragen haben. Immer wird die angegriffen von Euch. Nicht nur die Autobauer währen bedroht, sondern ein Großteil des Mittelstandes wie Z.B. Zulieferer, Stahl, Werkzeug und Maschinenbauer, da hängt viel dran dann sind die modernen Diesel wirklich sparsam. Zusätzlich zeigt jetzt die Coronakrise deutlich, das z.B. trotz viel weniger Autos die Messwerte in den Städten eher steigen statt sinken, darüber verliert ihr kein Wort. Dann wird sich beschwert, das Staatshilfen mittels Konjunkturpaket in Anspruch genommen werden, aber Dividende gezahlt werden. Aktionäre bringen auch viel Geld in Unternehmen, das zu Forschung von neuen Antrieben verwendet wird, das wird immer außer Acht gelassen, es wird immer nur erwähnt, dass sie ihr Geld vermehren und kaum steuern zahlen, aber das das Geld der Wietschaft zu Gute kommen und sie mehrfach versteuert werfen(Gewinne der Unternehmen z.B) redet niemand von. Ich bin ein Kleinaktionär, weil man mit der Staatlichen Rente nicht leben kann, und euer hochgelobtes EzB Kaufprogramm die Zinsen ruiniert und keine anderE Anlagenöglichkeit zulässt, statt zu meckern, sollte jeder selber Aktien kaufen, für sein Alter vorsorgen und damit die Wirtschaft unterstützen, verlässt du dich aus den Staat, bist du verlassen.
    Mehr Bahn fahren? Ich bin Bahnfahrer, wo die Coronakrise los ging, empfahl mein Arbeitgeber( eine Behörde), Bitte nehmt zu eurem eigenen Schutz,das Auto nicjt die Bahn. Zumal die Bahn bei uns sogar oft nicht gefahren ist wegen Corona, soviel zum Thema Fahrt alle Bahn. Ich wohne auf dem Land, da fährt kaum die Bahn, und die Taktung kann nicht erhöht werden, weil kein Platz für neue Schienen ist, weil natürlich keine Grünflächen zerstört werden dürfen oder Häuser gebaut werden müssen, weil ja kaum Wohnungen da sind. Damit sich eine Bahn CO2 mäßig lohnt, muss sie mindestens zu 80% ausgelastet sein, sonst ist es besser, wenn jeder selber Auto fährt.

    Klimawandel: ich werde jetzt bestimmt mal wieder als Klimawandelleugner(wäre für mich eher Unwort des Jahres gewesen) dargestellt, weil ich nicht in Hysterie verfalle. Ja, es gibt ein Klinawandel und ja der Mensch hat AUCH Einfluss und vielleicht sogar großen, aber es gab schon immer den Klimawandel. Kann es nicht sogar sein, dass die Erde auch im mehr als 2 Grad erwärmt, auch wenn wir kein CO2 mehr ausstoßen werden, weil die Erde sich gerade so oder so Erwärmt? Ja man muss was machen, aber immer auf Kosten der Mittelschicht? Die Reichen( gegen die ich nix habe, im Gegenteil, finde sie sogar sehr fleißig und wichtig), können sich eh alles leisten. Die armen, die vielleicht sogar gar nicht arbeiten, bekommen Entlastungen ohne Ende und verbrauchen eh kaum CO2, da sie z.B. nicht zur Arbeit fahren. Und wer badet es aus? Die Mittelschicht die fleißig jeden Tag wie ich z.B. 50KM zur Arbeit fährt, ich bin ja Klinasündwr und soll dafür zahlen? Ich soll meine alte Ölheizung austauschen? Mein Schornsteinfeger sagt, meine Heizung hat Top Werte, besser als manche moderne Heizung, kein Grund sie Auszutauschen, da sie locker noch 10-15 Jahre hält, und das dann 10 verschenkte Jahre währen zumal neue Heizungen nicht nehr so lange halten wie alte. Bei mir im Haus ist auch maximal eine für Eich böse Gasheizung möglich. Kostenpunkt 25.000€. Damit ich mir die einbauen lassen und sie mir leisten kann, muss der Staat mir locker 15.000€ Prämie geben, sonst kann ich sie mir aktuell nicht leisten.

    Sorry, ich höre euch sonst echt gerne, aber da Klima, Auto und Reichen und Kapitalismusgebäsche geht mir so langsam auf den Nerv. Denkt mal an die Mittelschicht und Leute auf dem Land, die dann alles ausbaden müssen, weil sie arbeiten gehen und aus Auto und Co angewiesen sind. Und jetzt protestieren viel gegen Corona-Maßnahmen bzw. „Verbote“, aber in Klimakamof alles verbiegen wollen. Wenn wir alles machen was die ganzen Grünen und FFF Kiddis vordern, geht es wie bei Corona zu. Arbeiten gehen, alles andere wird verboten, Klappe halten, sorry das muss mal raus, das man wenn man rational und etwas Konservativer denkt gleich leugner, AFD-Wähler oder sonst was beschimpft wird.

    Liebe Grüße

    Markus

    • Wenn Sie Ihre Kommentare vor dem Abschicken noch mal selber durchlesen, sind sie vielleicht leichter zu verstehen.
      LG Lupo

  8. Liebes Team von Lage der Nation,

    vielen Dank für die spannende Lage am Freitag! Zu zwei Eurer Fragenkomplexe im Interview mit Svenja Schulze möchte ich Euch auf wissenschaftliche Arbeiten des Öko-Instituts hinweisen. Erstens zur von Euch gestellten Frage, wie misst mensch eigentlich die THG-Emissionen in den verschiedenen Sektoren, um zu ermitteln ob die Klimaziele erreicht werden. Dazu hat das Institut im Auftrag des BMU und des UBA eine Gesamtabschätzung gemacht, die u.a. zum Ergebnis kommt, dass im Jahr 2030 statt der angestrebten 543 noch 614 Millionen Tonnen CO2e in die Atmosphäre abgegeben werden. Das entspricht einer Lücke von rund 70 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, die zu viel ausgestoßen werden. Mehr Infos hier: https://www.oeko.de/presse/archiv-pressemeldungen/presse-detailseite/2020/gesamtabschaetzung-des-klimaschutzprogramms-2030-zeigt-handlungsbedarf.
    Der zweite Strang, bei dem m.E. Fragen offen blieben, war das Thema CO2-Preis. Hier hat das Öko-Institut gemeinsam mit Agora Verkehrswende, Agora Energiewende und der Freien Universität Berlin schon im letzten Jahr gezeigt, wie ein CO2-Preis von 50 Euro pro Tonne zum Fundament des Klimaschutzes werden kann. Für die soziale Ausgewogenheit könnte die Rückerstattung der gesamten Einnahmen an die Bürger sorgen; einkommensschwache Haushalte würden per Saldo sogar entlastet. Die Infos dazu gibt es hier: https://www.oeko.de/presse/archiv-pressemeldungen/presse-detailseite/2019/klimaschutz-auf-kurs-bringen-wie-eine-co2-bepreisung-sozial-ausgewogen-wirkt
    Vielleicht ist das für Euch und andere Leser*innen interessant/hilfreich.
    Beste Grüße aus dem Öko-Institut!

  9. Hallo Liebe Lage, vielen lieben Dank für die sehr gelungene Folge.

    Zum Interview Svenja Schulze:

    Hier muss man sich echt fragen ob sie die Interessen des Volkes oder der Lobbyisten vertritt. Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass so eine Position in der Bundesregierung so besetzt werden kann. Sie kann keine standhafte und explizite Aussagen auf Fragen geben, stattdessen verliert sie sich in irgendeine ihre Floskeln.

    Wenn so der Klimawandel durchzogen werden soll, dann gute Nacht!

    by the way.. Frau Schulze nicht nur die Corona-Prevention sondern auch der Klimaschutz schützt die GESUNDHEIT der Menschen. Keinen Grund deswegen Ihre Arbeit ruhen zu lassen.

    Blöd wäre natürlich, wenn sie genau deswegen uns vertritt :-/

  10. Liebe Lage,

    danke für Eure anschauliche Darstellung des doch sehr komplexen Zusammenhangs, in dem das BVerfG jetzt zur EZB entschieden hat.

    Auch wenn es wahrscheinlich im Kontext des aktuellen Urteils nicht so gemeint war, könnte bei der einleitenden Darstellung der “ultra-vires-Kontrolle” der Eindruck entstanden sein, dass die Möglichkeit einer solchen Kontrolle von sich aus ein “großes Problem” (Zitat Ulf) darstellt.

    Wenn man es aus Sicht des im Kern in Artikel 20 Abs. 1 GG (und nicht in Art. 38) verankerten Demokratieprinzips betrachtet, ist eine solche Kontrolle ja – losgelöst von dem konkreten Fall – erstmal sinnvoll bis notwendig, um die EU überhaupt wirksam demokratisch legitimieren zu können .

    Abgesehen davon fand ich Eure Meinungen dazu aber komplett nachvollziehbar und sehr gut dargestellt. Daumen auch hoch dafür, dass ihr bei dem testosteronschwangeren Angebot an Jura-ProfessorInnen einer Expertin die Gelegenheit zu sehr informativen und anregenden Gedanken gegeben habt.

    Viele Grüße

  11. Hallo ihr beiden,
    Ich muss mich jetzt mal zum Thema Schule melden, da Philip sich seit einigen Wochen immer wieder darüber aufregt, aber – wie Ulf zum Glück in dieser Folge immer wieder angemerkt hat – ihr da leider wirklich keine Experten seid und viele Dinge unbeleuchtet lasst. Auch wenn eure Forderungen da meistens an die Politik gingen, blieb bei mir ein ungutes Bild von Lehrer*innen und Schule hängen. Ich habe mir nicht nochmal alles angehört, da mich einiges wirklich wütend gemacht hat, also bitte verzeiht mir, wenn ich mich nicht an alles perfekt erinnere. Es sei außerdem angemerkt, dass ich euren Podcast eigentlich sehr schätze.

    Allgemein: Bevor Pauschalaussagen getroffen werden und nicht fundierte Meinungen kommuniziert werden – meine Bitte an euch bzw v.a. Philip:

    a) Sprecht doch mal mit Lehrer*innen – am besten mehreren, an unterschiedlichen Schulen, denn die Ausstattung und das Klientel variieren unglaublich. Was an manchen Schulen umsetzbar ist, ist bei anderen unmöglich. Befragt sie doch mal dazu, statt immer nur über sie zu reden. Dann kann man die Politik auch besser damit konfrontieren. Ulf hat das auch schon anklingen lassen.

    b) Schaut euch doch bitte mal bei twitter unter dem Hashtag #twitterlehrerzimmer bzw #twlz um! Hier berichten viele Lehrer*innen darüber, wie es derzeit läuft. Ja, manche lästern auch über faule Kolleg*innen, die gibt es, wie in jedem Job, auch. Aber vor allem sieht man das unglaubliche Engagement und wird sich über die Schwierigkeiten bewusst. Wirklich, wirklich empfehlenswert, ich habe hier viel gelernt.

    Kurz zu mir: Ich mache derzeit mein Staatsexamen für Lehramt an Grundschulen in Bayern, habe zuvor eine Tanzpädagogikausbildung gemacht und arbeite seit Jahren mit Kindern, seit einigen Jahren auch schon fest an Schulen. Ich habe viel Praktikumserfahrung, war in zahlreichen Klassen, leite AGs und habe auch an einem Gymnasium und Mittelschulen (Hauptschule) gearbeitet – Lehrermangel macht’s möglich. Ich kenne viele Lehrer*innen, die seit einigen Jahren fest an Schulen sind und habe Kontakt zu den Lehrerkollegien der Schulen, an denen ich war. Meine Abschlussarbeit beinhaltete eine Studie zu informatischen Systemen in der Grundschule, über die Uni und ein Pädagogisches Institut bilde ich Lehrkräfte und Erzieherinnen zu dem Thema fort. Ich würde mir zumindest eine gewisse Expertise zusprechen.

    Nun zu meiner Kritik:

    Zu dieser Lage konkret: Philip, das Konzept, das du dir überlegt hast (BigBlueButton von zuhause und die Kinder ohne Internet/Geräte/Räume kommen einfach in die Schule), ist leider wenig durchdacht und würde so nicht funktionieren. Ganz unten kommen andere Vorschläge von mir, hier erst einmal die Begründung dafür, warum deine Idee leider so nicht umsetzbar ist:

    1. Leider haben viele Schulen kein oder kein gut funktionierendes W-Lan. Münchner Grundschulen haben gar kein W-Lan. Dafür können die Schulen idR nichts, aber das lässt sich auch derzeit nicht schnell ändern. Unterricht mit wenigen Schülern digital und gleichzeitig einigen per Videokonferenz lässt sich so nicht ermöglichen.

    2. Zuhause haben zahlreiche Haushalte tatsächlich keine Geräte, mit denen Videokonferenzen abgehalten werden könnten. Diese Kinder in die Schule bringen, ist nur mäßig sinnvoll, denn in der Schule gibt es idR auch noch nicht genug Geräte. Das ließe sich mit Geldern aus der Politik schneller beheben als 1., doch bei wem bleibt die Organisation hängen? Richtig, bei den Lehrer*innen, die gerade ihre Unterrichtskonzepte sowieso alle paar Tage über Bord werfen müssen, da (wie Ulf richtig gesagt hat) vom Kultusministerium alle paar Tage neue Infos kommen.
    Wenn Geräte vorhanden sind, müssen für diese aktuelle Versicherungen abgeschlossen werden, da Leihgeräte in vielen Haftpflichtversicherungen nicht abgedeckt sind. Hinzu kommt auch das Installieren von geeigneter Software, etc.. hier mal ein Beispiel, wie sich Lehrer*innen selbst um die Geräte kümmern: https://twitter.com/Tob_Sch/status/1254113005169754114?s=20
    Außerdem scheitert es an manchen Schulen daran, dass es schlicht zu viele Kinder gibt, die nicht auf Dauer ein eigenes Gerät oder einen eigenen Raum zur Verfügung hätten. Mancherorts sind das 30-60% der Kinder – diese zu beaufsichtigen (was man muss), würde fast alle Lehrkräfte benötigen, die vor Ort aber eben meist keinen Videounterricht machen können.

    3. Unterricht kann digital nicht ablaufen wie in der Schule. Unterricht ist zum Glück nicht nur frontal, sondern gefüllt mit Einzelaufträgen, bei dem Lehrer*innen fragen beantworten und über die Schulter schauen können, Partner- und Gruppenarbeiten, denn durch gegenseitigen Austausch lernt es sich oft besser, Diskussionen, zahlreiche Beiträge, man lässt Schüler*innen selbst was an die Tafel schreiben und durch Pausen, Lachen, Durchatmen…
    Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass sonst wirklich toll aufgebaute Seminare in der Uni (die ja schließlich auch von ehemaligen Lehrer*innen geleitet werden bei mir & ähnliche Konzepte wie die in der Schule nutzen) online kaum 90min auszuhalten sind. Man wird schneller müde, man meldet sich nicht so schnell, lehnt sich eher zurück. Klar macht man manchmal kurze Break-Out-Gruppenarbeits-Sessions, aber das ist nicht annähernd so produktiv wie sonst und der Dozent bekommt den Austausch dort drin nicht mit…
    Ich weiß nicht, ob ihr Erfahrung mit Videokonferenzen mit 20-30 Personen auf einmal habt, aber da findet wenig Interaktion statt, und wenn doch, dann ist das sehr, sehr anstrengend. Videokonferenzen sind eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Lernformen, v.a. zum Fragen stellen oder zur Themeneinführung, aber sollten keinesfalls den ganzen Schultag über laufen. Auch weil sich Geschwister ggf. ein Gerät teilen müssen und weil Einzelarbeit super sinnvoll sein kann – selbst wenn sie derzeit nicht so gut begleitet werden kann. Und ja, das läuft dann auch über Arbeitsblätter und PDFs – und das ist häufig auch vollkommen in Ordnung.

    4. Viele Lehrer*innen haben selbst Kinder und oft nur Anspruch auf Betreuung bei Präsenzunterricht (so geht es einer guten Freundin von mir an einem bayrischen Gymnasium) – und manchmal nicht mal das ( https://twitter.com/Stupsotta/status/1258790135103139842?s=20 – in Thüringen hat man nicht mal da Anspruch auf Notbetreuung).
    Eltern sind am Anschlag? Lehrer*innen sind eben auch oft Eltern. Gerade mit der Grundschule ist der Frauenanteil sehr hoch, häufig fällt die Betreuung Frauen zu. Eine Freundin berichtet, sie sei selbst im ultra stressigen Referat nicht so gestresst gewesen wie jetzt. Sie arbeitet mehr als sonst und hat ständig ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihrem Kindergartenkind sagen muss, dass er sich bitte selbst beschäftigen soll.

    5. Aus vielen Lehrerkreisen höre ich, dass Schüler*innen sich teilweise einfach gar nicht mehr melden (zB https://twitter.com/WombatHB/status/1259508942037815299?s=20 ; https://twitter.com/sannenshine/status/1254016625113739265?s=20). Von einer guten Freundin weiß ich, dass sie tagelang damit beschäftigt war, 3 Schüler*innen irgendwie zu erreichen. Manchmal sind es wenige, manchmal viele – aber es kostet viel Zeit, diese Kinder zu erreichen, die dann für Unterrichtskonzeption fehlt.
    Zu Videokonferenzen darf man niemanden zwingen, da man die Situation zuhause nicht kennt, noch kann man niemand einzelnen verpflichten, in die Schule zu kommen. Dafür gibt es sicherlich auch Lösungen, aber diese Konzepte müssen erst einmal erarbeitet werden – Lehrer*innen bekommen aber ständig neue Regelungen, wissen nicht, was sie für ihre Schule festlegen dürfen.

    6. Digitalkompetenz fehlt manchen Lehrer*innen – aber auch vielen, vielen Schüler*innen, von denen man das nicht denkt. Das wird bei euch als Podcaster sicher nicht der Fall sein, wahrscheinlich auch nicht im Bekanntenkreis. Aber sogar aus gut gebildeten Haushalten hört man, dass es einige Jugendliche Probleme haben (auch weil dort digitale Geräte manchmal eher kritisch gesehen werden). Beispiele:
    – “Mit meiner Klasse habe ich vor der Schließung an einer Einheit zum Thema “wie google ich richtig” gearbeitet. Das ist schwer für manche, die ewig auf die Bildersuche starren und sich dann wundern, warum sie keine Antworten finden. Und die soll ich jetzt frei laufen lassen?” https://twitter.com/fr_jutschu/status/1253980129811992576?s=20
    – „Ich spreche von 15-jährigen Abschlussschülern, die in den letzten Wochen erst gelernt haben, wie man sich eine E-Mail-Adresse anlegt, wo man diese E-Mails auf dem Smartphone wiederfindet, wie man sie beantwortet (nicht im Betreff!) etc.“ https://twitter.com/susanneposselt/status/1259069655378997248?s=20
    – Oder wenn einzelnen Schülern erstmal das einwählen in eine Zoom Sitzung am TELEFON erläutert werden muss. https://twitter.com/deinTherapeut/status/1252233714882408450
    DAS große Problem ist auch, dass man solche Dinge eigentlich im Unterricht einführen muss (mir stimmten hier viele Lehrer*innen zu: https://twitter.com/sannenshine/status/1254016618126094336?s=20). Ich höre auch aus Lehrerkreisen, dass manche den Präsenzunterricht jetzt dafür nutzen wollen (z.B. hier: https://twitter.com/MjFritze/status/1259066487626702848?s=20 ). Sinnvoller statt verpflichtender Präsenz wäre wahrscheinlich, wenn Lehrer*innen das selbst entscheiden könnten – wer braucht hier digital Hilfe? Und wenn entweder Personal dafür in den Schulen zur Verfügung stünde oder zumindest die Digitalbeschulung zwischenzeitlich von anderen Kolleg*innen betreut würde.

    7. Geräte fehlen nicht nur auf Schüler-, sondern auch auf Lehrerseite. Man mag es nicht glauben, aber nicht alle haben Computer mit Webcams. Datenschutztechnisch wären Arbeitsgeräte sinnvoll, bis jetzt müssen Lehrer*innen den Großteil selbst zahlen und anschaffen. (vgl. zB https://twitter.com/laberfach/status/1257557143970025472?s=20)
    Wenn Leute sich beschweren, warum Lehrer*innen keine Arbeitsgeräte haben oder damit umgehen können: Mittlerweile ist das zumindest bei mir Teil der Ausbildung in der Uni, war es aber lange nicht. Und wenn die Strukturen nicht in die Schule kommen, warum soll man dann sein eigenes Geld für Schulinnovation ausgeben? Am Ende steht man eh nur mit dem Overhead in der Schule, da kann man Unterricht auch auf anderen Ebenen verbessern. Didaktisch oder methodisch sind viele modern unterwegs, aber eben nicht digital. Guter Unterricht muss nicht digital sein. Und wenn, dann haben wir uns bisher mit Ergänzungen zum Unterricht und eben nicht Fernunterricht auseinandergesetzt.

    Bei einem rein digitalen oder gemischten Unterricht, wie vorgeschlagen, werden einige, und zwar die Schwächsten und Ärmsten, aktuell zu kurz kommen. Ob fehlende Geräte /Internet (ja, auch da kenne ich Fälle in Großstädten ohne Internetanschluss) oder die Umstände zuhause, es gibt viele organisatorische Missstände, die aktuell fast alle ausschließlich durch Lehrer*innen angegangen werden. Denn IT-Administratoren, zusätzlichen Personal im Organisatorischen Bereich oder ähnliches gibt es in den Schulen nicht. Das Thema der sozialen Gerechtigkeit ist wirklich nicht einfach umzusetzen, wenn man von jetzt auf gleich digitalisieren soll, Lösungsansätze gibt es kaum. Es wird weit mehr Zeit brauchen.

    Vor ein paar Wochen hast du, Philip, außerdem angesprochen, dass dich die unterschiedlichen Kommunikationswege stören – auch hier bekomme ich mit, dass gerade bei weiterführenden Schulen in jeder Klasse andere Kommunikationswege bevorzugt werden. Schulen geben nicht alles einheitlich vor, weil die Gegebenheiten in jeder Klasse anders sind. Freundinnen, die Klassenlehrerinnen an weiterführenden Klassen sind, haben deswegen teilweise die Kommunikation an ihre Klasse an sich genommen, dafür bekommen sie nun massenweise E-Mails von ihren Kolleg*innen und dürfen das ganze Feedback (das übrigens auch oft gut ist, davon liest man nur halt öffentlich nix) weiterleiten. Ein Mehraufwand, den sich eben nicht alle Lehrer*innen geben wollen – aus gutem Grund.
    Selbst bei Lernplattformen müssen Absprachen mit Klassen und Lehrer*innen getroffen werden, auch bei der Menge ist das Abschätzen schwierig – wir haben schließlich die Schüler*innen sonst in der Schule und sehen sofort, was eben geht und was nicht; und selbst bei Hausaufgaben dauert’s dann manchmal trotzdem erheblich länger, das wird aber im Unterricht regelmäßig erfragt.
    Neben Kinderbetreuung, Erstellung von Hygienekonzepten, Notbetreuung (in der man keinen digitalen Unterricht nebenbei machen kann und die also häufig noch on top kommt), dem Versuch, untergetauchte Schüler*innen zu erreichen, und dem sowieso schon herrschenden Lehrermangel und der auch statistisch nachweisbaren Mehrarbeit, die Lehrer*innen zB leisten, weil Sozialarbeiter*innen fehlen, müssen einheitliche digitale Konzepte für Schulen noch entworfen werden, die Kolleg*innen sich irgendwie austauschen, Feedback viel umständlicher als sonst erfasst und ausgewertet werden – und dann kommt ständig das Kultusministerium mit neuen Regeln. Kein Wunder, dass manche nur noch abwarten wollen, bevor ihre mühevoll erarbeiteten Konzepte aufgrund neuer Regelungen nicht umgesetzt werden.
    Warum es in anderen Ländern besser funktioniert? Mehr Freiheiten, bessere digitale Strukturen in den Schulen und weniger Lehrer*innen in den weiterführenden Schulen (ich hatte in der 10. Klasse in den USA jeden Tag die gleichen 4 Lehrer*innen, da die Kurse jedes Semester wechseln zB), um nur ein paar Gründe zu nennen. Deutschland ist da hinterher – was an der Politik und zu 99% nicht an Schulen oder Lehrer*innen liegt. Also wendet euch mit eurer Kritik an sie, redet mit Lehrer*innen und stellt mit ihnen Forderungen auf. Und habt etwas Geduld.

    Zum Thema Präsenzunterricht sowie Sicherheitsabstand und Ermahnen, was Lehrer*innen im Gegensatz zu dem, was Philip in dieser Lage gesagt hat, durchaus tun (zB https://twitter.com/FrauKnopf/status/1259051013274820610?s=20):
    Entwicklungsbedingt steigt besonders bei Jugendlichen, v.a. wenn sie sich innerhalb ihrer Peer-Group befinden, ihr Risikoverhalten. Das ist u.a. durch Studien mit Fahrsimulationen belegt und lässt sich dadurch erklären, dass durch die Abgrenzung von Erwachsenen Risiken entstehen, die ausgehalten werden müssen, sowie dadurch, dass der frontale Kortex langsamer als andere Bereiche des Gehirns heranreift. Dies äußert sich zB durch Alkoholkonsum, aber in der jetzigen Zeit auch dadurch, keine Masken zu tragen, sich doch in Gruppen zu treffen o.Ä.. Der Gruppenzwang spielt dabei eine große Rolle (die Peer-Group war früher überlebebenswichtig, daher immer noch der Drang, sich anzupassen). Lehrer*innen berichten, dass sie die Jugendlichen an Bushaltestellen eng gedrängt ohne Maske sehen. Manche sagen nur innerhalb der Schule etwas, andere auch außerhalb. Und manche resignieren, weil sie wissen, dass die Schüler*innen außerhalb ihres Sichtfelds eh wieder enger zusammenrücken, spätestens nach der Schule. Und ja, es gibt auch Lehrer*innen, die sich selbst nicht daranhalten. Aber ich habe auf twitter und im Bekanntenkreis davon weniger mitbekommen als von denen, die die ganze Zeit versuchen, auf Abstand zu pochen und einfach keine Lust mehr auf ein Klima des Dauerermahnens haben.
    Kleine Kinder vergessen die Regeln eher, für die Lehrer-Schüler-Beziehung ist ständiges Ermahnen und den Kindern ihr natürliches soziales Verhalten abzutrainieren wirklich alles andere als förderlich.

    Also: Weder Präsenzunterricht, der quasi nur frontal abläuft, keine Gruppenarbeit oder Schüleraustausch zulässt (was, wie oben beschrieben, essenziell für guten Unterricht ist) und dafür hohes Ansteckungsrisiko mit sich bringt, noch Unterricht wie gehabt über Videokonferenzen und auch kein reiner Arbeitsblätterregen können die Lösung sein. Die perfekte Lösung gibt es nicht und wir müssen den Lehrer*innen mehr Zeit einräumen, Konzepte zu entwickeln, die für ihre Schule passen, ohne dass es jede Woche neue Regelungen gibt. Plus politische Unterstützung einfordern. (vgl. auch https://twitter.com/ninniach/status/1259858803966849024?s=20)

    So, was jetzt?

    Vielleicht gefallen euch meine Ideen, die im Austausch mit Lehrer*innen (den ich euch nur wärmstens ans Herz legen kann) entstanden sind:

    – Schulen und Lehrer*innen dürfen möglichst eigenständig entscheiden, wann, wie oft und für welche Schüler*innen Anwesenheit sinnvoll ist, ggf. mit Eltern und Kindern zusammen. Wahrscheinlich wird man zur Überprüfung von Digitalkompetenz, Lernerfolg sowie die Schüler*innen, die einfach nicht erreichbar sind, mindestens einmal im Monat in die Schule kommen lassen… Aber das kann flexibler entschieden werden!

    – Kleine Lerngruppen, zB jeweils zwei Schüler*innen, die sich als feste Partner*innen zusammenschließen, um gemeinsam zu lernen – für mehrere oder alle Fernunterrichtstage, möglichst damit erstmal auch Geräte- oder Raummangel ausgleichen. Aber auch den Betreuungsaufwand mindern.

    – Sofortige Unterstützung des Personals an den Schulen durch IT-Betreuer*innen (die auch die Geräteorganisation unterstützen) sowie ggf. Studierende, die (gut bezahlt) mit Digitalunterricht, einfachen Korrekturen oder per Video bei Fördergruppen helfen, wenn Lehrer*innen Teil-Präsenzunterricht oder eigene Kinder haben, evtl. Unterstützung vor Ort z.B. bei Geräteeinführung.

    – Klare Konzepte und Regeln vonseiten der Politik, die den Schulen gewissen Freiraum erlauben, sodass zumindest für 4-8 Wochen im Voraus eigene Schulkonzepte erstellt werden und Fortbildungen stattfinden können.

    – Lehrer*innen Zeit einräumen, digitale Strukturen zu etablieren – hier werden viele wichtige Punkte aufgezählt: https://twitter.com/laberfach/status/1257557143970025472?s=20 – und eine Priorisierung hier vonseiten der Politik.

    – Schüler*innen Themen auch selbst erarbeiten lassen – es wird dauern, bis man das perfekte Material dafür gefunden hat, bei dem Lehrer*innen nicht mal über die Schulter schauen müssen, aber es könnten auch PDFs sein. Ggf. Videokonferenzen hierfür als Fragerunde und zum Austausch nutzen. Aber diese Eigenaktivität ist so wichtig.

    – Unterstützung für benachteiligte Schüler*innen, zB in Form von vereinzelten Präsenzterminen, ist, wie ich oben schon beschrieben habe, nur möglich, wenn Lehrer*innen entlastet werden. Unter Lehrermangel nicht besonders einfach. An sich sind Arbeitsplätze in der Schule keine schlechte Idee, aber die Strukturen hierfür müssen erstmal geschaffen werden – Personal, Geräte, Konzepte.

    – Eltern anders als nur über Minimal-Betreuung entlasten: Elterngeld, Elternzeit, Recht auf Stundenreduktion o.Ä. – denn Lehrer*innen können über die Entfernung manches einfach nicht leisten und es wird leider etwas an Eltern hängen bleiben.

    – Schulpflicht für gewisse Zeit in Bildungspflicht umwandeln – wir können in einer Pandemie keine ständige Anwesenheit erzwingen, aber Bildungsnachweise (in Form von Partizipation online zB). Wenn sich Schüler*innen lange nicht melden, müssen aber Konsequenzen wie Anwesenheitspflicht möglich sein.

    – Endlich mal genug Sozialarbeiter*innen, die sich um verängstigte Schüler*innen oder solche mit schwierigen Situationen zuhause kümmern – und möglicherweise Todesfälle in den Familien aufgrund der Pandemie.

    – Offen bleibt: Wie läuft es mit Noten und Abschlüssen? Wo kommt das zusätzliche Personal her und wer bezahlt das? Und bestimmt noch viel mehr. Aber das wäre zumindest mal ein Anfang.

  12. Liebes Team der LdN,

    ich finde dies war eine der besten Folgen seit langem, vor Allem weil ihr euch mit Themen beschäftigt, die aufgrund der aktuellen Situation ein bisschen in den Hintergrund geraten. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken, sowie rückwirkend auch für die unzähligen Folgen die ich bereits gehört habe. Diese Woche muss ich jedoch zwei Sachen anmerken:

    1. Top Interview mit Frau Schulze, ich finde sie haben fabelhafte journalistische Arbeit geleistet. So etwas findet man heute nur noch selten, zumal sie eine Politikerin einer Ihnen politisch doch recht nahe stehenden Partei gut ausgequetscht haben. Jedoch musste ich das Interview mehrmals pausieren, weil ich sonst vermutlich ausgerastet wäre. Frau Schulzes Kommunikationsstrategie ist für mich eines der besten Beispiele dafür warum Politikverdrossenheit auf dem Vormarsch ist. Es muss doch möglich sein, zumindest die Hälfte der Fragen die gestellt werden vernünftig zu beantworten … Ich jedenfalls denke sie hat sich mit dem Interview aufjedenfall politisch eher geschadet als alles andere. Nachdem was ich gehört habe muss ich sagen: das ist auch gut so!

    2. Zum Interview mit Frau Mangold ist mir nur aufgefallen, dass sie an 1-2 Stellen Sachen sehr sehr ähnlich formulierte wie Ulf bereits vor dem Interview, weshalb das ganze auf mich ein wenig zu “geplant” rüberkam und dadurch der übliche Charm des Formats ein bisschen verloren ging.

    Ansonsten danke ich euch, dass ihr immer so offen mit Kritik umgeht. Auf viele weitere Folgen :)!

  13. Lieber Ulf, Lieber Philip,

    Großes Lob für euren Podcast. Seit zwei Jahren höre ich euch zu und bin überwiegend begeistert.

    Bei einem Thema geht ihr allerdings in den vergangenen Wochen ein wenig oberflächlich drüber: Die Schulöffnungen. Ihr sprecht das Thema zwar immer wieder an, aber an einigen Stellen fehlt der Blick aufs Ganze, was ja eigentlich eure Stärke ist. Vielleicht könnt ihr in einer anderen Folge auf die unten genannten Punkte eingehen?

    Einige Kritikpunkte an der Schulöffnung habt ihr in der letzten Folge angesprochen (Fehlende Planung aus den Ministerien, Umgang mit Risikogruppen, Ressourcen). Dabei habt ihr aber auch erwähnt, die Kinder würden für ein oder zwei Stunden in die Schule fahren. Stimmt (zumindest hier in NRW) nur fast. Denn hier kommen bisher nur die Abschlussjahrgänge für ein oder zwei Stunden am Tag in die Schule. Dafür brauchen wir für jede Klasse dreimal soviele Räume (denn jeder Raum muss gereinigt werden nach der Nutzung), mehr Kollegen (wobei ein Teil der Kollegen ohnehin als Risikogruppe ausfällt) und unangemessen mehr Zeit. Für guten Onlineunterricht bleibt dann weniger Zeit. Mal abgesehen davon, dass einigen Kollegen eine gute Ausbildung im digitalen Bereich fehlt. Anstatt jetzt aber mit Fortbildungen zu reagieren, werden Prüfungen durchgezogen.

    Was aber noch wichtiger ist: Für SchülerInnen aus schwierigen Verhältnissen in den unteren Klassen bleiben damit kaum Ressourcen. Gerade diese Kinder brauchen aber mehr als andere den persönlichen Kontakt zu Mitschülern, Lehrern, Sozialarbeitern… und dieser Kontakt fehlt nun schon seit bald zwei Monaten. Anstatt unsere Ressourcen dazu zu verwenden benachteiligten Kindern in dieser Zeit zu helfen, ziehen wir mit irrem Aufwand die Prüfungen durch. Und diese Prüfungen sind – ehrlich gesagt – unnötig. Es wäre rechtlich nicht wirklich problematisch die Abschlüsse ohne Prüfungen zu vergeben. Dadurch hätten wir schon vor zwei Wochen anfangen können, uns um sozial benachteiligte Kinder zu kümmern.

    In NRW beginnen Ende Juni die Sommerferien – wenn es dumm läuft, sind dann einige Kinder ein halbes Jahr so gut wie nie in der Schule gewesen. Was glauben wir, was da am Ende bei rumkommt? Wir steuern da auf eine große Menge sozialen Sprengstoff zu.

    Für Jugendliche, die praktisch mit der Schule fertig sind, opfern wir die die Schullaufbahn von kleineren Kindern. Das wird uns alle noch lange in der Zukunft beschäftigen. Die Landespolitik setzt hier mit dem prestigeträchtigen Abitur den – meiner Meinung nach – falschen Schwerpunkt.

    Wir brauchen ein Sprechstundenkonzept, welches betroffenen Kindern die Kontaktpflege zu Vertrauenspersonen ermöglicht. Wir müssen den Schulen die Möglichkeit geben, Kinder in die Notbetreuung zu holen. Bisher entscheiden das die Eltern (wenn diese Anspruch auf Notbetreuung haben) oder die Jugendämter (und die sind überarbeitet). Wir brauchen einheitlichen und guten Onlineunterricht und Geld, um für einige SchülerInnen digitale Endgeräte zu kaufen. In manchen Haushalten existiert nur ein Smartphone – Kein Computer oder gar ein Drucker! Und: Für all diese Dinge brauchen wir Rechtssicherheit und Unterstützung aus Düsseldorf. Beides gibt es nicht. Bisher zumindest.

    Andere Staaten lassen die Abschlussprüfungen entfallen. Alle Bundesländer müssen die Abschlüsse aus anderen Ländern anerkennen. Ich finde Prüfungen gegen Ressourcen, um kleinere Kinder zu unterstützen – das wäre ein guter Tausch.

    VG und bleibt gesund.
    David

    PS: Sorry, doch recht lang geworden, der Kommentar ;-)

  14. Hallo Ulf, hallo Philip,

    Tolle Folge, besonders positiv ist mir die gender-Bilanz bei den letzten Interviews aufgefallen. Das hattet ihr euch ja vorgenommen und setzt es auch sehr gut um!

    Zu dem Interview mit Frau Schulze:
    Ihr habt da sehr gut nachgehakt und seid meiner Meinung nach auch im Bereich des „guten Tons“ geblieben. Ich hätte mir von ihr mehr konkrete Antworten gewünscht, zB zum Thema warum die Umsetzung „Kopfgeldprämien nicht trivial“ ist. Zu eurem Einwand, dass das Finanzamt sehr wohl die Kontodaten hat und deshalb die Auszahlung kein Problem wäre habe ich zwei Gedanken:
    1) die Kontonummer hat das Finanzamt doch nur, wenn eine Person oder Haushalt schon einmal eine Einkommenssteuererklärung abgegeben hat, und dabei die Kontonummer angegeben hat,
    oder nicht?
    2) im Fall einer gemeinsamen Steuererklärung der Partner einer Ehe oder Lebenspartnerschaft ist vermutlich (hab ich noch nicht gemacht) nur eine Kontonummer angegeben. Ich würde mal unterstellen, dass es sich hier dann (bei hetero-Ehen) zumeist um die Kontonummer des Mannes (Person A) handelt. Doch unabhängig von hetero oder homo, wäre die Pro-Kopf Auszahlung dann nicht gewährleistet und die Ehepartner*innen auf die Auszahlung ihrer Prämie durch den „erstgenannten Partner*in (eben Person A) angewiesen. Und wer bekommt die Prämie für Kinder? Wie wird sicher gestellt, dass das Geld nicht in der Tasche der Eltern landet (analoges Problem zum Kindergeld).
    Worauf ich hinaus will: ich könnte mir vorstellen, dass es tatsächlich nicht soo trivial ist und Frau Schulze wirklich keine mehrheitsfähige Lösung finden konnte.

    Eine Auszahlung mit dem Lohn/Sozialhilfe/ALG könnte das Genderproblem in Heteroehen lösen, ist aber sicher nicht so einfach zu bewerkstelligen weil der Arbeitgeber das vorstrecken müsste. Und das Problem mit den Kindern bleibt…

    Interessantes Thema :)
    Liebe Grüße, und macht weiter so!

  15. Svenja Schulze

    Liest die hier eigentlich mit? Oder ihr PR-Stab? Wäre schön, wenn die sich mal zu Wort melden würden und auf die viele Kritik reagieren.

    PP

  16. Hello, zunächst wollte ich Euch gern sagen, wie toll ich Euren Umgang mit kritischem Feedback finde und wie sehr ich es schätze, dass Ihr – wenn nötig – ohne Umschweife, Fehler oder Mängel zugebt und die Angelegenheit souverän und sachlich und Euren Hörer*innen zugewandt aufgreift – leider nicht selbstverständlich in einem (vor allem immer noch männlich dominierten) öffentlichen Diskurs von der Meinungsstärke und Reichweite Eures Formats.
    Und dann eine Anekdote zum Thema Lockerungen und angemessener Umgang damit: ich fuhr mit der Deutschen Bahn am WE aus triftigen Gründen von Berlin nach Dresden. Auf der Rückfahrt war die zweite Klasse so voll, dass ich mir einen Platz mit Abstand in der ersten Klasse suchte. Da wurde ich dann von einer Zugbegleiterin weg kommandier. Auf meine Erklärung hin, dass die 2. Klasse voll sei und ich da den Abstand nicht ansatzweise einhalten könnte, die 1. Klasse doch aber leer sei, kam im O-Ton folegnde Antwort: ” Nur wegen Corona machen wir hier die erste Klasse nicht frei.” Ich war so geschockt, es war unglaublich. Ein netterer Zugbegleiter ließ mich mit einigen anderen dann im Cateringabteil sitzen, wo wir aber auch gegenüber saßen mit ca. 50 cam Abstand!!! Und die 1. Klasse spärlich besetzt! Ich check´s nicht, wieso die Bahn überhaupt für eine Verbindung so viele Tickets verkaufen kann, dass die Abstände nicht eingehalten werden können (es seien wohl an dem Tag 200 irgendwas von den 306 Plätzen verkauft worden, meinte der nette Mensch) – wenn überall sonst alle Bußgelder zahlen müssen bzw. nicht mal operieren dürfen und sich an die offiziellen Hygiene- und Schutzmaßnahmen halten. Das kann doch einfach nicht sein – gerade in diesen Tagen!!!!! Wenn hier irgendwie Tipps am Start sind, wo man sich am besten mit dieser Beschwerde noch hinwendet (außer dem Bahnservice, das hab ich schon gemeldet), wäre ich super dankbar. Ich bin immer noch fassungslos und ärgere mich im Nachhinein, dass ich nicht einfach sitzen geblieben bin – das würde ich jetzt allen raten, die in diese Situation kommen. Aber ich wollte mich nicht noch mehr aufregen als ohnehin schon. Vielen Dank fürs Teilen!

    • Update zu meiner Beschwerde: Telefonischer Kundendienst der Bahn war super nett, zugewandt, nahm die Beschwerde auf und meinte, es könne tatsächlich eigentlich nicht sein, dass der Zug so voll gebucht werde. Bei Facebook wiederum gab es nur ein paar Sekunden nach der Veröffentlichung meiner Schilderung (auf der Deutsche-Bahn-Personenverkehr-Seite) eine recht seltsame Kommentarreaktion. Als ich nach mehreren Kommentaren die @DBPersonenverkehr dazu aufforderte, sich in dieser Bot-Diskussion bitte einmal zu äußern, kam sofort ein offizielles Statement (und keine weiteren anderen “Kommentare”): “Es ist richtig, dass man mit einem Ticket für die 2. Klasse die 1. Klasse nicht nutzen darf. Das ist in den tariflichen Bedingungen festgelegt. Durch die Kulanzregelung und der Möglichkeit, flexibel zu reisen, ist leider nicht möglich, vorab zu wissen, wie viele Menschen einen bestimmten Zug nutzen werden. Die Kollegen im Zug können die Fahrgäste darauf hinweisen, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Sträubt sich ein Fahrgast, kann dieser von der Fahrt am nächsten Bahnhof ausgeschlossen werden. Auch die Bundespolizei kann für den nächsten Halt dazu gerufen werden. Die DB hat keine rechtlichen Grundlagen zur Durchsetzung der Tragepflicht. /jl” Ich hatte darauf hingewiesen, dass einige Reisende auch keinen Mundschutz tragen und dies ja auch gegen die Transportbedingungen zum jetzigen Zeitpunkt verstoße. Zum Problem ungenutzter Plätze in der 1. vs. überfüllter 2. Klasse wurde sich nicht geäußert. Die vorangegangene Chat-Bot-Moderation (zumindest schien es stark danach) eines Kundinnen-Kommentars finde ich höchst merkwürdig und hoffe wirklich, dass sich die Bahn in den nächsten Wochen eine verträglichere und adäquate Policy für den Umgang mit Reisenden in der Corona-Pandemie verpasst. :-/

  17. Danke für eine wie immer spannende und aufschlussreiche Folge der “Lage”. Eure Einschätzungen zu Schulöffnungen muss ich kommentieren:

    Ihr habt den wichtigsten Grund für Schulöffnungen übersehen: Kinder haben ein recht auf Gegenwart, auf Freunde. Neben den Alten leiden sie am meisten unter der sozialek Isolation. Besonders die jüngeren, die noch nicht über das Internet kommunizieren. Während viele Erwachsene zwar private Kontakte eingestellt, aber berufliche Kontakte weiter gepflegt haben, saßen Kinder allein mit ihren gestressten Eltern fest und haben wochenlang niemand anderes mehr gesehen und gesprochen. Wie krass für einen 6- oder 8-Jährigen! Darum geht es, nicht um ein paar Stunden mehr oder weniger Unterricht.

    Und wenn ihr euch etwas breiter an Schulen umschaut zur Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln umschaut, werdet ihr auch ein viel differenzierteres Bild finden als in euren Anekdoten

  18. Hallo,
    Ich verstehe das Problem von Frau Schulze nicht. Sie beharrte immer auf der CO2-Einsparung von ca. 50% gegenüber 1990. Da kann sich doch jeder ausrechnen wie viel das ist 1249Mt * 0,5 = 625Mt.
    Oder habe ich einen Denkfehler?

    Ps: weiter so ihr beiden!

    • Sehe das genauso wie Oli. Unglaublich die Diskussion über „haben wir in Paris vereinbart“ ohne das Hirn einzuschalten, das es sich lediglich um eine andere Formulierung handelt, die durch Dreisatz zu überführen ist.
      Das dann noch nicht zu ermitteln sei, wer in Deutschland lebt und welche Adresse (Scheck) oder Kontoverbindung er hat, und das das alles nicht trivial sei und Experten keine Lösung für haben, führt bei mir fast zum Abschalten des Players.
      Sind das unsere Politiker?
      Aber was ich sehr positiv fand war, dass das Interview gehalten und freigegeben wurde!

    • Das heißt, dass wir zu irgendeinem Stichtag auf 625Mt sein müssen (Zahlen nicht geprüft).
      Am Tag vor dem Stichtag (oder von mir aus dem Jahr vor dem Stichtag) können wir weiterhin 1249Mt ausstoßen; für das Klima wäre es dann zu spät.

  19. Liebes Lageteam,
    erneut eine sehr gelungende Folge und beeindruckende Hartnäckigkeit ;), auch wenn die klaren Antworten ausgeblieben sind.
    Was mich ein wenig irritiert hat war die Aussage in der Diskussion um den Immunitätsausweis, bzw. die Aufrechterhaltung der Auflagen für Menschen, die whs. immun sind, zur Gleichbehandlung, wie sie im Grundgesetz steht. “Gleiches darf nicht ungleich und Ungleiches darf nicht ungleich behandelt werden” Das macht per se und gerade in diesem Zusammenhang irgendwie Sinn, aber ist das nicht eine Steilvorlage für alle, die die Gleichstellung der Geschlechter ablehnen? Männer und Frauen werden nie biologisch gleich sein, und dennoch wäre es sehr wünschenswert, wenn irgendwann mal eine echte Chancengleichheit und vergleichbare Löhne bestehen würden.
    Vielen Dank für eure wöchentlich harte Arbeit.
    Anne-K.

    • Hey Anne, dass das Geschlecht gerade kein legitimes Differenzierungskriterium ist steht ebenfalls in Art. 3 GG …

  20. Zum Interview mit Svenja Schulze:
    Erst mal vielen Dank fürs Dranbleiben und Nachhaken, woanders wäre sie vermutlich mit den Ausreden direkt davon gekommen.
    i) Einige haben schon Schecks als Möglichkeit die Prämie über den Postweg den Menschen zukommen zu lassen erwähnt. Ich möchte nur ergänzen, dass die Techniker Krankenkasse das genauso in 2013 und 2014 gemacht hat als sie eine Prämie an ihre Kunden ausgegeben hat.
    Und sogar wenn die Aussage stimmen würde, dass es derzeit nicht möglich ist die Prämie pro Kopf zu bezahlen. Dann kann man das als längerfristiges Ziel haben. Aber das schien ja auch unmöglich.
    ii) Das Inverview lässt sich folgt zusammenfassen
    Eine Schleife aus “Wir machen viel. Wir folgen dem Pariser Abkommen. Die Maßnahmen werden sozialverträglich sein. Die Wirtschaft wird nicht über die Gebühr belastet.” + “Der Strompreis wird gesenkt” + “Dieselfahrer werden nicht weiter belastet”.
    Diese Inhaltslosigkeit ist der Grund warum niemand SPD wählt. Weil da einfach keine Substanz dahinter ist. Und wenn doch was konkretes geplant ist, dann ist es nicht sozialverträglich.

  21. Wenig überzeugend, wie sich Frau Schulze windet bei der Idee der Klima-Prämie. Abgesehen mal davon, dass die Finanzämter wohl von den meisten Bürgerinnen und Bürgern die Bankverbindung haben, ist die übliche Alternative (z.B. bei der Prämienrückzahlung von Krankenkassen oder bei den Ausschüttungen der VG Wort oder bei den diversen Lotterien) der Versand von Verrechnungsschecks. Old School, aber wenn man es anders nicht hinbekäme, so ginge es.

  22. Vielen Dank für das sehr starke Interview mit Svenja Schulze. Mit Euren Fragen habt Ihr es wirklich genau auf den Punkt gebracht. Habe mir deswegen endlich das eigentlich schon lange überfällige Abo “geklickt”.

    Im Gegensatz zu anderen hier in den Kommentaren finde ich, dass Ihr unbedingt weiter genau solche Interviews machen solltet. Auch wenn Politiker*innen vielleicht herausfordernde Interviewgäste sind und teilweise gern ausweichende Antworten geben, ist der Informationsgewinn doch sehr hoch – weniger über die Sache selbst als mehr über die Denkweise des Interviewgastes. Frau Schulze hat aus meiner Sicht hier jedenfalls gezeigt, dass sie mehr in Verträgen als in Tonnen denkt.

    Macht weiter so!

  23. Svenja Schulze

    Lieber Philip,

    Nur eine Frage: Du hattest sie beim CO2 Budget schon in den Seilen hängen – wieso kein KO Schlag? :-))
    Ich hatte mich so gefreut und dann kam nicht: Aber wo ist nun der Unterschied zu einem Budget?

    Naja trotzdem coole Nummer :-)
    LG
    Frank

  24. Wo kommt die Zahl 200 Neuinfektionen von Kekule her? Nennt er sie nicht ständig?

    Danke an das liebe LdN-Team! Ich liebe Euch

  25. Hallo,

    bzgl. des Interviews mit Frau Schulze – aber auch der sozialdemokratischen Klimapolitik im Allgemeinen:

    Warum wird beim Thema Verkehrsemissionen eigentlich immer nur an die Leute gedacht, die wenig Geld haben und alte Autos fahren müssen? Viel ärgerlicher und vermeidbarer ist doch das Gegenteil: Diejenigen die genug Geld haben, um mit übertriebenen Gefährten unnötig, verantwortungslos und klimaschädlich durch die Gegend rasen – und das oft nur zum Spaß. Das sind zum einen Motorradfahrer, die besonders am Wochenenden mit ohrenbetäubenden Lärm durch die Gegend heizen, damit Landbevölkerung und der Tierwelt das Lebens versauen und das ganze definitiv nicht, um zur Arbeit zu fahren. Das ist natürlich nicht nur auf Zweiradfahrende begrenzt, auch Autos werden gerne zu mehreren gehalten und das nicht etwa, um damit nur einkaufen zu fahren. Warum reden wir nicht mehr über diese Menschen, die die Gesundheit anderer schon allein durch ihr Fahrverhalten gefährden, aber natürlich auch durch unsinnigen Treibhausgasaustoß?

    Mit Verteuerungen ist hier nicht viel geholfen, weil die es sich leisten können oder zumindest wollen. Da ließe sich doch was über Verbote regeln. Warum kann man Beschleunigen von Fahrzeugen nicht begrenzen? Warum nicht endlich Lärmreduktion durchsetzen, zumal Verkehrslärm bei innerörtlichen Geschwindigkeiten ohnehin dank E-Motoren technisch weitestgehend obsolet ist.

    Warum fangen wir nicht endlich an, die verantwortungsfreien Menschen mit Geld daran zu hindern, es auf unser aller Kosten zu verbrennen?

    • Ich finde auch dass man diese Leute mehr beachten sollte. Aber ich denke, dass deutlich höhere Kosten durch zb KfZ-Steuerreform oder CO2-Steuer viele zum umdenken bewegen würde. Und wenn nicht, dann zahlen sie halt viel und finanzieren die Energiewende oder die Kopfprämie. Ich finde auch das Argument “dann können sich am Ende aber nur noch Reiche das fliegen/Autos/etc leisten auch eher schwach, denn nichts davon ist ein menschliches Grundrecht, genauso wenig wie Yachten besitzen oder eine Kartbahn im Garten haben. Falls das die einzige Möglichkeit ist, dann wird ein CO” intensives Leben eben ein Luxusgut wie vieles andere werden, bis es technische Innovationen gibt.

  26. Bezüglich Interview mit Svenja Schulze

    Sie meinte ja, dass man das mit CO2-Preis erwirtschaftete Geld nur schwierig pro Kopf auf die Bürger verteilen könne weil es keine entsprechende Meldeinfrastruktur gibt.
    Ich wohne seit ein paar Jahren in der Schweiz und da passiert das über die Krankenkasse. D.h. der Krankenkassenbetrag den man zu bezahlen hat, wird einfach pro Kopf um ein paar Euro (bzw. Schweizer Franken) reduziert. Da ja alle versichert sein müssen erreicht das so jeden. Warum ginge das in Deutschland nicht? Hab ich einen Denkfehler?

  27. Zu S. Schultze:

    Ihr Vergleich von Corona und Klima im Bezug auf das Verwerten wissenschaftlicher Erkenntnisse hinkt. Die klimawissenschaften zeigen schon seit Jahrzehnten auf das Emissionen gesenkt werden müssen. Je schneller desto besser, was die eigentliche Aussage des CO2 Budgets ist. Und nicht dass wir versuchen genau dieses Budget auszureizen a la so viel geht noch. An dem Punkt hat sie recht.

    Sie hat aber nicht recht, wenn sie suggeriert, dass aktuelle Forschung für das brauchte Handeln wichtig sei. Das ist bei Corona anders. Ja Permafrost und nonCO2 Forcings sind wichtig, aber nicht im Detail wichtig für die politisch gebrauchte Kursänderung. Das grobe ist und war klar.

    Eure Frage und ihre Antworten zeigen die Ambiguität der aktuellen Klimadiplomatie. Es gibt ein klares globales Ziel aber die Beiträge der Einzelstaaten sind nicht kompatibel dazu. Natürlich sollten sich die aufsummierten Maßnahmen dem benötigten Ziel annähern und das ist genau die Frage die Journalisten weiter stellen sollen. Sie hat den leider gescheiterten Topdown Ansatz Korrekt als historisch gescheitert dargestellt. der jetzigen Buttom up Ansatz reicht nicht aus. Ziel ist dass die Länder Stück für Stück gemeinsam nachziehen und hochziehen, was natürlich nicht so schnell gehen wird wie Action eigentlich verlangt wäre. Das ist halt schwer einzugestehen. Hoffnung stirbt zuletzt.

  28. Liebes LageDerNation-Team und liebe Hörer/Kommentierer,
    ich habe mir gerade die Zeit genommen alle aktuell 72 Kommentare zu lesen und ich merke wie gut mir nicht nur die Einordung durch Philip und Ulf, sondern auch die Darstellung der Meinung der meisten Kommentierenden zusagt. Das zeigt für mich immer wieder, dass das Internet nicht nur von unreflektierten Trollen dominiert wird. Respekt an euch!
    Auch meinen Respekt für alle, die es geschafft haben das Interview mit Svenja Schulze in einem Schwung bis zum Ende anzuhören und nicht verzweifelt aus zu machen. Ich persönlich brauchte Zwei Anläufe und eine Pause… (erst mal runter kommen und Kaffee auffüllen)

    Zum Thema Bildungspolitik und Schulöffnungen (light) stolpere ich beim Lesen immer wieder über das fehlende betonen des Bildungsföderalismus, der in manchen Bundesländern [z.B. hier in NRW] in vielen Punkten bis zu Unterschieden von Schule zu Schule führt. Leider helfen dann eigene Erfahrungen seien sie positiver oder negativer Art nur bedingt weiter die Umsetzung einer Maßnahme für alle passend einzuordnen. Das Ganze Thema war schon immer sehr schwierig und zum Teil bis zum Lehrer föderal aufgebaut.

    Macht weiter so, Ihr alle!
    Lieben Gruß,
    Thorben

  29. Lieber Ulf, lieber Philip,

    zum Thema Verzahnung der Konjunkturpakete mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens und den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, hier noch ein interessanter Debattenbeitrag von WWF und Germanwatch. Ein zentraler Vorschlag ist, dass Konjunkturhilfen für emissionsrelevante Unternehmen nur unter der Voraussetzung vergeben werden, dass diese Unternehmen sich wissenschaftsbasierte Klimaziele setzen und überprüfbare Transformationspläne erarbeiten, die darlegen, wie diese Ziele erreicht werden können.

    Außerdem könnte die neue EU-Nachhaltigkeitstaxonomie als zentrale Richtschnur für Konjunkturhilfen dienen.

    https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Ziele-Pfade-Transparenz_WWF_zu_Konjunkturhilfen.pdf

    Viele Grüße

  30. 10. Mai 2020 um 13:33 Uhr
    Pauline + Simon

    Lieber Ulf, lieber Phillip,

    bei eurem Interview mit der Bundesumweltministerin hat uns noch ein Punkt gefehlt: Wie in den Kommentaren mehrfach angemerkt, sind die Äußerungen der Ministerin äußerst vage (PolitikerInnensprech). Uns würde freuen, wenn ihr noch einordnen könntet, wieso Svenja Schulze geantwortet hat, wie sie geantwortet. An mangelnder inhaltlicher Kenntnis wird es wohl nicht gelegen haben.

    • So sehr ich daran Spaß hätte, fände ich es etwas unfair, einem Interview-Gast im Nachhinein mit einem solchen Kommentar noch eins reinzudrücken.

  31. Lieber Philipp, lieber Ulf,

    Vielen Dank für diese Folge der Lageder Nation. Das Interview mit der Bundesumwelt Ministerin war wirklich hervorragend und erleuchtend. Nicht unbedingt, weil ihre Antworten so viel Inhaltliche Substanz hatten, sondern weil man beobachten konnte, welche Grundhaltung in der Politik die Richtung vorgibt. Euere Beharrlichkeit konkrete Antworten zu bekommen und das nachhaken beim CO2-Budget suchen in der journalistischen Landschaft ihres gleichen. Weiter so!

    Grüße,
    Gerrit

  32. Hallo Ihr beiden. Habe gerade das Interview mit Svenja Schulze gehört und muss Euch echt Respekt zollen, dass ihr nicht ausgeflippt seid. Ich selbst hatte echte Schmerzen. Und am Ende stelle ich fest, dass Frau Schulze viele allgemeine Sprechblasen abgesondert hat ohne besonders konkret zu werden. Allein schon die Diskussion über CO2-Budgets war ein einziges Trauerspiel. Mein Resümee ist also, dass der “Erfolg” bis jetzt darin besteht, dass wir bei der EU ein Klimaziel angemeldet haben. Wir haben zwar noch keine konkreten Maßnahmen wie wir das erreichen wollen und verleugnen auch CO2-Budgets, aber als Hintertür ist das was im Rahmen des Pariser Abkommens beschlossen wurde ein gemeinsames EU-Ziel.

    Erinnert mich irgendwie an den Job, Ziele werden sehr abstrakt formuliert und sind kaum messbar, bestes Beispiel ist wohl Trumps “Make America Great Again”. Und Ziele sind “gemeinsame” Ziele, wenn man dann das Ziel nicht erreicht, dann kann man immer noch auf die anderen zeigen und sagen, die haben zu wenig Beitrag dazu geleistet. Und solange man keinen Plan hat gilt eigentlich der Spruch von Antoine de Saint-Exupéry.: “A goal without a plan is just a wish.” Also Wunschdenken das uns hier Luftschlösser baut.

  33. Ich muss ehrlich sagen, das Interview mit Svenja Schulze war einfach unangenehm mit anzuhören. Ihre Aussagen waren nicht wirklich schlüssig und ich persönlich fand ihr gesamtes Auftreten enttäuschend.

  34. 10. Mai 2020 um 10:39 Uhr
    Alexander Roth

    Liebes Lage-Team,

    erst einmal wieder ein großes Lob für die tolle Folge und zwei sehr interessante Interviews!

    Leider ist die Vorberichtserstattung zum PSPP nicht so gut gelungen. Die war etwas konfus und hatte leider ein paar Fehler:

    – Im Rahmen des PSPP werden NICHT nur Anlagen von “Krisenstaaten” (welche auch das sein mögen) gekauft, sondern die Anleihen werden nach dem festen Kapitalschlüssel der EZB gekauft. Somit ist der Anteil gekaufter deutscher Staatsanleihen am größten, da der Anteil Deutschlands an der EZB auch am größten ist. Das nur Anleihen von “Krisenstaaten” gekauft werden, ist ein häufig vorgebrachtes, falsches, Argument von EZB-Kritikern.

    – Das PSPP ist ein primär geldpolitisches Instrument, um die Inflation zu erhöhen, das Wachstum zu erhöhen, und die Währung zu stabilisieren. Das erwähnt ihr zwar, aber in eurer Berichterstattung kam es ein wenig so herüber, dass es primär beim PSPP darum ging, die Zinsen der “Krisenstaaten” zu senken. Doch das ist nicht der Fall. Das auch der deutsche Staat von niedrigen Zinsen durch das PSPP profitiert hat, erwähnt ihr leider gar nicht.

    Gruß
    Alex

  35. Lieber Philip, lieber Ulf,
    danke für die wie immer bereichernde Folge der “Lage” und für Eure Perspektiven erweiternde Arbeit.
    Ich weiß Eure Analysen sehr zu schätzen und begrüße insbesondere auch Eure expliziten Meinungsäußerung, da sie in aller Regel faktenbasiert und humanistisch- rational sind.
    Die Einlassungen zur Schulöffnung und zu potentiellen “pragmatischeren” Vorgehensweisen waren allerdings ohne jede (schul-) pädagogische Grundlage, in vielerlei Hinsicht eindimensional und erkennbar geprägt von der unreflektierten Emotionalisierung durch die persönlichen Binnenperspektive. Danke Ulf, dass Du diesen Beitrag vorzeitig relativiert und beendet hast.
    Sollte Euch daran gelegen sein, den tatsächlichen “Mehrwert” der Schulöffnungen differenziert zu analysieren, um ihn anschließend kriteriengeleitet in ein Verhältnis zum Infektionsrisiko zu setzen, biete ich Euch redaktionelle Unterstützung gerne an.
    Liebe Grüße,
    R.
    (Lehrer an einem Gymnasium in NRW, Fachleiter für das Unterrichtsfach Pädagogik)

    • Lieber R., uns ist sehr an deiner Perspektive gelegen, magst du sie hier einfach teilen? Ein paar Stichworte reichen ja schon, dann können andere Pädogog*innen ggf ergänzen.

      • Ich habe mich auch sehr darüber geärgert und bin froh, dass Ulf etwas dazwischengegangen ist. Ich habe einen wirklich langen Kommentar dazu geschrieben, der detailliert darauf eingeht
        1. dass es gut wäre, mehr MIT statt über Lehrer*innen zu sprechen
        2. warum Philips Vorschläge in Bezug auf Unterricht auf Video umstellen nicht so leicht und nicht so, wie er sich das vorstellt, geht (Stichworte: Personalmangel, organisatorisch riesiger Aufwand, keine klare Kommunikation vom Ministerium, was man darf, soziale Ungleichheiten uvm.)
        3. warum es Chaos und Konzeptlosigkeit gibt (u.a. weil sich die Vorgaben andauernd ändern)
        4. warum es mit Hygienevorschriften und Präsenzunterricht so, wie er ist, nicht besser ist
        und 5. was für Vorschläge ich mit Pädagoginnen diskutiert habe.

        Es ist lang, daher hier die Kurzfassung. Aber ich habe mich heute wirklich mal 4h hingesetzt und alles aufgeschrieben, weil mich wirklich vieles an Darstellung in den Medien und an kurzgedachten Lösungen nervt…

        Liebe Grüße
        Ein endlich bald staatlich geprüfte Lehrerin an Grundschulen

  36. Aktuell gilt es, die übrig gebliebenen Ausbruchsherde der Pandemie unter Kontrolle zu bekommen. Deutschland ist kein uniformer Krisenherd mehr, 193 Landkreise haben in den vergangenen sieben Tagen zwischen null und fünf Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet, bei weiteren 161 Landkreisen waren es zwischen fünf und 25 Fälle pro 100.000 Einwohner. Lediglich zwölf Landkreise hatten mehr Infektionen zu beklagen.

    Nachdem ich gehört hatte, dass die Reproduktionszahl wieder bei 1,1 liegt, habe ich mir mal den Tagesbericht des RKI angeschaut. Ich will das tatsächlich vorhandene Problem nicht kleinreden, aber: Soweit ich das überblicken kann, sind vor allem einige wenige lokal begrenzte und innerhalb von geschlossenen Systemen stattfindende Ausbruchsherde dafür verantwortlich, dass die Zahl R wieder über 1,0 liegt.

    Das betrifft vor allem den Fall “Westfleisch” in Coesfeld, wo es 168 Neuerkrankungen in den vergangenen sieben Tagen gab, aber auch den Fall eines weiteren fleischverarbeitenden Betriebes im Landkreis Steinburg, wo es 82 Fälle gab. Hier muss dringend etwas getan werden, vor allem an den Lebensbedingungen der osteuropäischen Zeitarbeiter, und es muss hier auch wieder Ausgangsbeschränkungen und viele Tests geben.

    Generell ist bisher keine Tendenz festzustellen, dass die “Lockerungen” bundesweit zu höheren Ansteckungsraten führen.

  37. Oha, da hat sich Svenja Schulze ja ziemlich bloßgestellt. Tolles Interview, vielen Dank für die hartnäckigen Nachfragen, Philip! Genau so sollte Journalismus aussehen :)

    • Eine kleine Ergänzung zu meinem ursprünglichen Kommentar, den ich verfasst habe bevor ich die gesamte Folge durch hatte: Ulf, auch deine Hartnäckigkeit bei den Fragen zur Umsetzung einer CO2-Prämie war hervorragend. Das zu sagen ist mir wichtig, da ich dich bezüglich anderer Themen ja auch durchaus persönlich kritisiert habe.

      Ihr zwei macht ein super Team, neben der gründlichen Recherchearbeit und der ausführlichen Bearbeitung der Themen eurer Sendung, finde ich die eure Dynamik einen wirklich gelungenen Aspekt der Lage. Das wurde in dem Gespräch mit Svenja Schulze wieder einmal sehr deutlich, weil es euch immer wieder die Möglichkeit gab, die Gesprächsführung zu wechseln und trotz kritischer Nachfragen eine konstruktive Grundstimmung zu schaffen.

      Diesbezüglich fände ich es auch sehr spannend, ein bisschen mehr über eure Arbeitsweise zu erfahren, z.B. in einer behind-the-scenes Folge, in der ihr dokumentiert wie die Vorbereitung abläuft. Soweit ich es nachvollziehen kann habt ihr ja auch ein Team, das euch bei der Recherche unterstützt. Dazu wäre es auch interessant zu sehen, wie sich die Produktion im Laufe der Jahre verändert, woher die ursprüngliche Idee kam, welche Pläne ihr für die Zukunft habt bzw welche Pläne auch wieder verworfen oder geändert wurden.

      Ich habe selber kein Plus Abo, daher weiß ich nicht ob es so etwas schon gibt. Es wäre für mich aber durchaus ein Grund, mir ein Abo zu klicken :)

      Weiter so!

  38. Was Svenja Schulze hier über das CO2-Budget redet ist falsch: Der “Weltklimarat” (IPCC) hat sehr wohl ein Gesamtbudget ausgerechnet, und demnach könnte man natürlich auch ein anteilsmäßiges Budget für Deutschland berechnen (dieser Wert wird vom IPCC nicht pro Land herausgegeben).

    https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2019/03/SR1.5-SPM_de_barrierefrei-2.pdf
    Diese Zusammenfassung sollte eigentlich jeder Politiker in Deutschland und Frau Schulze in ihrer Position insbesondere gelesen haben. In C.1.3 sind aktuelle Werte für das Budget zu finden.

    • Es war ja eindeutig, dass das verbindliche Instrument von Budgets nicht durchsetzbar war (wahrscheinlich weil zu verbindlich) und jetzt Frau Schulze das Wort deshalb nicht mehr benutzen will, auch wenn sie de facto Budgets umschreibt – die aber über „Pfade“ erreicht werden sollen. Einerseits tat sie mir ein bisschen leid, weil ich den Eindruck hatte, dass sie eigentlich viel will, aber eben nicht mehr durchsetzen konnte, andererseits ist genau so ein Rumgeier das, was das Vertrauen in die Politik untergräbt…

      • Hallo Christian,

        ich habe auch in deine Richtung gedacht. Aber in dem Fall verstehe ich nicht, warum sie so miserabel kommuniziert hat? Warum hat sie nicht anerkannt, dass das, was man braucht, eben Budgets sind. Aber dass dieser Begriff leider politisch etwas verbrannt ist, und dass man jetzt aus Befindlichkeiten heraus von Pfaden spricht – dass das am Ende aber was ganz ähnliches ist. Und dass sie gerne mehr möchte, und das aber nicht durchgesetzt bekommt, weil es eine zu starke Gegenfraktion gibt. Warum hat sie so dämlich beharrt?

        Leid getan hat sie mir gar nicht. Leid tun kann einem jemand wie Svenja Schulze, wenn man in 30s Antworten seine gesamte Position rüberbringen muss, die dann quasi garantiert von Journalisten verdreht wird. Aber hier hatte sie ja wirklich die für Politiker nicht ganz häufige Situation, durch ausführliche Darstellung mit einem kompetenten Gesprächspartner ihre Handlungs- und Verhaltensweisen nachvollziehbar zu begründen. Die Chance hat sie mit viel Anlauf versemmelt.

        PP

    • Ja, ich fand es auch krass wie beharrlich sie sich dem Budget verweigert hat. Aber gut, dann ist das eben die neue Realität und ich kann ihr auch etwas positives abgewinnen.
      Wenn es kein CO2 Budget gibt, dann kann es auch kein CO2 Handel geben, also muss die CO2 Steuer her.
      Hat auch den Vorteil, dass man eine Steuer beliebig hoch machen kann und so immer ein kleiner teuerer Rest-CO2 Ausstoß (zum Beispiel für Notstromaggregate) übrig bleibt.
      CO2 Handel müsste man samt CO2 Ausstoß einstellen, wenn man ihn ernst nimmt.

  39. Liebe Rika,

    ich bin Lehrer in NRW. Die Situation in NRW ist anscheinend wirklich anders als bei die in Berlin. Hier in NRW wird von Seiten der Landesregierung “Verwirrung” gestiftet (wie im Bericht beschrieben). Die Schüler kommen bis zu den Sommerferien wirklich nur an ausgewählten Tagen für 2 Stunden in die Schule! Ich werde meine Klasse nur zu 1/3 sehen und auch nur an vier Tagen bis zu den Sommerferien! Da haben Philip und Ulf schon den Nagel auf den Kopf getroffen. Auch habe ich selbst zwei Kinder (Kindergarten- und Grundschulalter). Ja, die Situation ist für alle “doof”, aber die arbeitenden Eltern werden durch diese paar Tage wirklich kaum zeitlich entlastet. Denn an den Tagen, an denen die Kinder nicht in die Schule gehen (können/dürfen), müssen gerade Schüler in den unteren Jahrgängen trotzdem betreut werden und nicht jeder/jede hat Anrecht auf eine Notbetreuung. Videokonferenzen sind schwierig, weil die Schulen oft nicht flächendeckend mit WLAN ausgerüstet sind und die nötigen Breitbandanschlüsse auch nicht immer zur Verfügung stehen (sowohl in den Schulen als auch bei den Schülern zu Hause). Manche unserer Schüler haben gar keinen Festnetzanschluss, sondern nur ein Smartphone mit Datenvolumenbegrenzung. Es fehlt also (zumindest in NRW) an der nötigen digitalen Infrastruktur. Digitales Lernen soll immer vorangetrieben werden, aber das Land lässt die Schulen alles alleine regeln: Warum gibt es keine vom Land geförderte/empfohlene Plattform, über die digitales Lernen funktioniert? Ulf und Philip hatten das in einer anderen Folge aus eigenen Erfahrungen angesprochen: Zu viele Plattformen, zu viele unterschiedliche Formate usw. Den “schwarzen Peter” schiebt die Landesregierung den Schulen zu. Es sollte eine funktionierende Plattform geben und die wird dann genutzt. Auch eventuelle Kosten für geeignete Lösungen müssen die Schulen oft aus dem eigenen viel zu knappen Budget bezahlen. Auch “administrieren” (oft freiwillig) Kolleginnen und Kollegen die Netzwerke in Schulen in ihrer Freizeit! Eine Aufgabe, für die sie gar nicht ausgebildet sind. Dafür gibt es Fachleute, aber die kosten ja Geld (und das möchte man natürlich einsparen). Die Situation in NRW ist mehr als unbefriedigend für alle Seiten (Schüler, Eltern, Lehrer).

    Grüße
    Maik

  40. Hallo,

    wie ist das eigentlich, wenn man als Corona-Genesener Langzeitschäden in der Lunge mitnimmt und eine Immunität nicht wirklich stattfindet, ist man dann nicht Risikogruppe in der 2. Welle?

    …wäre auch mal ein anderes Szenario für nen Impfpass…

    Viele Grüße
    Erich

    • Immunität “findet ja statt”, wie du sagst, sie ist nur wegen der Probleme mit den Antikörper-Tests relativ schwer zu messen, sofern man nicht während der Erkrankung direkt auf die Viren getestet hat (PCR-Test).

  41. Hallo,

    bezüglich des „Überduckventils“: In Rosenheim kann man schon einmal sehen wie Landkreise in so einem Fall argumentieren werden¹. Kommentar: „[…]müssten die positiv getesteten Personen in Asylbewerberunterkünften herausgerechnet werden.“ Ich befürchte wir werden da sehr kreative Rechnungen und Bewertungen der Testergebnisse sehen. Auch die Bereitschaft umfangreich zu testen dürfte sehr gering sein.

    ___________
    ¹https://www.br.de/nachrichten/bayern/corona-entspannung-in-rosenheim,RyHUFv7

    • Klar, denn sonst müsste man in seinem Landkreis ja die Läden wieder schließen; nur damit die (hochgradig infizierte!) Bevölkerung in den Nachbarkreis fährt und dort das Virus verteilt.

  42. Hallo zusammen,

    wirklich mal wieder eine sehr informative Sendung. Danke.
    Wollte hier nur meine Fassungslosigkeit über unsere Umweltministerin äußern. Mit so einer Fürsprecherin für/gegen den Klimawandel wird der Umweltschutz und der Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft leider krachend scheitern. Alleine das Argument für das Weiterbestehen der Dieselsubvention ist haarsträubend…

    Schöne Grüße

  43. Lieber Ulf, lieber Philip,

    ich möchte euch mal großes Lob für euer Interview mit Svenja Schulze aussprechen. Normalerweise höre ich mir Politiker-Interviews in den üblichen Formaten (insbesondere Talk-Shows) nicht mehr an, weil mir meine Zeit dafür zu kostbar ist und ich mich lieber richtig informiere. Ihr habt aber so penetrant nachgehakt und die schwächen in ihrer Argumentation aufgedeckt, dass ich sehr begeistert war. Das ist genau der Journalismus der in den üblichen Formaten fehlt. Weiter so!

    Viele Grüße
    Jannis

  44. Liebes Lage Team!
    Erst einmal vielen Dank!

    1.) Habe ich das richtig verstanden, dass Ministerin Schulze “Gutachten (sic!) in Auftrag gegeben hat”, also mehrere, um Kontodaten von Bürgern zu bekommen? Warum kann man die vorgeschlagene einfache Lösung nicht machen? Jeder, der eine Kopfpauschale erhalten will, kann seine Kontonummer den Kommunen geben.
    Mich würde interessieren was diese Gutachten gekostet haben?

    2.) Videounterricht ist mit Grundschüler nicht so einfach. Selbst angenommen alle technischen Möglichkeiten wären vorhanden. Diese Möglichkeit ist teilweise in höheren Klassenstufen zeitweise möglich. Unterricht besteht immer aus Interaktion. Dies nur in sehr kurzen Worten.

    Schöne Grüße

  45. Hallo,

    die hier vertretenen Standpunkte zu Windrad-Anstandsregeln lassen mich immer einigermassen ratlos zurück. Ich lebe am Land, ca. 2 km entfernt von vor drei Jahren gebauten Windrädern (4 an der Zahl) und glücklicherweise im “Schallschatten” der Anlage. Man hört die nur ganz selten, da die nördlich von hier stehen und Strömungen aus Norden, die den Schall weiter transportieren können, selten sind.

    Alles in Allem bin ich sehr für Windenergie und es ist klar, dass es dafür mehr Windräder braucht. Allerdings kann ich die von Ulf und Philipp vertreten Standpunkte zum Thema Abstandsregeln nicht nachvollziehen. Für mich sieht es so aus, als wüssten beide nicht wovon sie sprechen. Mein Vorschlag: Nehmt euch mal ein Wohnmobil und stellt das in einen Windpark mit 8 bis 10 Windrädern und übernachtet da bei kräftigem Wind ein paar Nächte. Nur, um aus eigener Erfahrung zu wissen was das eigentlich heisst. Ideal wäre noch, wenn sich die Windrichtung dabei ändern würde, so, dass die Gondeln neu ausgerichtet werden müssen, denn das kann nur als Lärm bezeichnet werden. Ihr werdet feststellen, dass ein Kilometer Abstand so gut wie nichts ist und es in Bayern aus gutem Grund die “H10 Regel” gibt. Diese selbst gemachte Erfahrung sollte Pflicht für jeden sein, der über Anstandsregeln urteilen möchte.

    Die Abstandsregelungen sind für die Anwohner essentiell. Insbesondere in Richtung der Hauptströmungsrichtungen. Setzt man einfach willkürlich Windräder in die Landschaft, dann entwertet es die Wohngebiete und kommt einer Enteignung gleich. Ja, wir brauche Windenergie. Ja, wir brauchen mehr Windräder. Aber mit Mass und Ziel und mit Rücksicht auf die Bevölkerung.

    Noch ein bisschen Polemik zum Schluss: Ich war mal in Berlin und habe festgestellt, dass es da, gerade im Tiergarten, aber auch anderen Orts, z.b. am Pariser Platz und am Gendarmern Markt recht viele freie Flächen gibt. Da würden wunderbar Windräder der 200m Klasse hin passen, denn so viel Platz brauchen die an der Basis gar nicht. :-) Und am Alexanderplatz steht schon ein brauchbarer Turm, daraus lässt sich sicher auch ein schönes Windrad machen :-)) Heisse Luft gibt es in Berlin, gerade in der Gegend, ja genug, die die Windräder locker im Dauerbetrieb halten kann :-)))

    Gruss
    Franz

    • @Franz

      Auf der einen Seite steht unser Energiebedarf auf der anderen Seite das Potential an PV und Windkraft.
      Selbst bei nur 500 m Mindestabstand zu Siedlungen wird es schon schwierig ausreichend Windkraftanlagen im Bundesgebiet unterzubringen. Bei über 1 km braucht man über Windkraft gar nicht mehr reden. Da würde es schon schwer den aktuellen Leistungsstand zu halten, wenn demnächst die Anlagen, die näher an Siedlungen liegen an das Ende ihrer Betriebszeit kommen.

  46. Hallo Zusammen,

    Ich möchte einmal auf die verlassenen Beschränkungen in Bayern eingehen, die im Vergleich zu anderen Bundesländer ja immer noch um einiges strenger sind. Ich persönlich lebe in Lindau, was ziemlich an der Grenze zu Baden-Württemberg & Österreich liegt. In Lindau selber haben wir (stand heute) 240 infizierte Fälle bei rund 81.000 Einwohner. Aber seit einer Woche schon keine Neu Infizierten mehr. Abgesehen davon dass unser Krankenhaus sehr unterbelastet ist, haben wir hier also kein Problem mit der schnellen Verbreitung des Virus.
    Mein Problem ist aber eher auf einer solidarisch/ethischen Ebene. Ich selber bin 20 Jahre alt und hätte höchst wahrscheinlich kein Problem mit der Krankheit. Auch habe ich in direkter Umgebung keine Risikopersonen. Dennoch isoliere ich mich schon seit der Einführung der Ausgangsbeschränkungen. Leider halten sich meine Freunde nicht so strikt an diese Beschränkungen und nehmen die Lage auch nicht so ernst. Es ist sehr hart zu sehen wie alle seine Freunde abends zusammen am See trinken gehen und Spaß haben während man selber sich zu Hause isoliert. Das Problem dabei ist ja, dass faktisch kein Unterschied darin bestehen würde:
    1. Wenn sich einer meiner Freunde in einer 10er Gruppe trifft und ich mich am darauffolgenden Tag mit ihm zu zweit treffen würde. Er “sammelt” diese Viren ja und könnte sie am nächsten Tag übergeben. Also wäre dann meine Isolation umsonst.
    2. Wenn ich mich mit 4 Personen gleichzeitig auf Abstand treffe oder diese 4 Personen nach einander einzeln treffen würde. Natürlich ist es nicht Sinn der Sache sich trotzdem noch mit vielen Personen einzeln zu treffen, aber wir alle treffen uns ja einzeln mit mehr als einer Person. Worin besteht also der Unterschied wenn ich mich nacheinander treffe oder gleichzeitig.

    Dazu kommt noch dass Freunde (die in Baden-Württemberg wohnen) sich ja zu 5. treffen dürfen. Das ist von meinem aktuellen Wohnort ca. 10 Minuten mit dem Fahrrad. Das heißt die Lage dort ist nicht anders aber dennoch haben sie schon viel mehr Freiheiten. Natürlich verstehe ich, dass die Regeln für Bayern gemacht worden sind und Bayern auch relativ stark betroffen ist, aber in unserer Kommune sind die Zahlen nicht so hoch wie z.B. in München. Und hier verbreitet sich das Virus nicht so schnell weil es natürlich kein Ballungszentrum ist.

    Mittlerweile isoliere ich mich nur noch aus einem rein solidarischen/ethischen Aspekt. Es gibt die Gruppe die sich an die Regeln halten und wegen solchen Menschen haben wir die Krise auch so gut überstanden aber es gibt auch die Menschen, die sich nicht dran halten und die Lage nicht ernst nehmen und wegen solchen Personen verbreitet sich das Virus viel schneller. Eine Einteilung in Gut und Böse wenn man so möchte. Breche ich die Regeln obwohl ich weiß, dass faktisch (fast) keine Gefahr besteht bin ich teil der “bösen” Gruppe. Und natürlich bleibt man auch zu Hause weil man solidarisch gegenüber den Menschen sein möchte, die zur Risikogruppe gehören und/oder sich auch isolieren. Wenn man aber auf die Straßen blickt (oder bei mir auch mein persöhnlicher Freundeskreis) sieht man einfach zu viele Menschen die sich nicht mehr dran halten. Was denn solidarischen Aspekt verschwinden lässt.

    Letztendlich würde ich auch kein Problem dabei sehen sich zu mehrt zu treffen wenn ein 2m Abstand (oder mehr) eingehalten wird zu jeder Person.

    Momentan bin ich mir nicht mehr sicher was richtig oder falsch ist im Hinblick zu den Ausgangsbeschränkungen. Ich würde mir Regelungen wünschen die angepasst an die Kommune sind bzw. Beschränkungen die zeitlich in engeren Abschnitt neu reguliert werden.

    Ich verstehe, dass das Thema nicht so simpel ist, und es Wunschdenken ist, trotzdem wollte ich hier mal meine Sichtweise zeigen von einem jüngeren Bürger der sich zwar dran hält aber viele seine Mitmenschen beobachtet wie sie sich nicht dran halten und nun ein bisschen ins Zweifel gerät.

    Liebe Grüße,

  47. 9. Mai 2020 um 11:34 Uhr
    Christoph Schweizer

    Komisch – es gibt laut Frau Schulze kein Budget. Aber beim CO2 Preis in Deutschland gibt es ab 2023 (ca. 1:22:00) laut Frau Schulze doch ein Budget. Verstehe ich nicht. Aber ist halt Politikersprech.
    Die Frage war doch ganz einfach. Wieviele Tonnen sind 40%?

  48. 9. Mai 2020 um 11:31 Uhr
    Sven Rosendahl

    Die Schulöffnungen als politischen Aktionismus zu bezeichnen, das finde ich schon extrem weit hergeholt. Das ganze Land wird wieder geöffnet, Parks und Spielplätze sind voll und die Leute gehen fröhlich im Primark shoppen, aber die Schulen sollen geschlossen bleiben? Ein tolles Beispiel dafür, welchen Stellenwert Bildung doch hat. In den vielen Familien wird kaum Deutsch gesprochen, die Kinder haben oft wenig Kontakt zu anderen und über die Verhältnisse, die in einigen Familien herrschen, will ich gar nicht erst sprechen. Dass manche Schulen das so schlecht handhaben, liegt ja wohl an föderalen Strukturen, mangelnden Ressourcen und fehlenden politischen Vorgaben. An anderen Schulen läuft das anders: Bis zu 4 Stunden täglich und zusätzliche Betreuung im Home-Schooling. Das Geld wird in alle Richtungen geschossen, aber die Kinder, in die wir eigentlich investieren sollten, sollen schön zuhause bleiben. Als Lehrer wünsche ich mir etwas mehr Kreativität.

    • Wir bezweifeln nicht den Stellenwert von Bildung – wer die Lage länger hört, bekommt sicher mit, dass bessere Bildung eines unserer Kernthemen ist, zumal Phil ja selbst Vater ist. Wir bzweifeln, dass die Schulöffnungen in ihrer gegenwärtigen Form einen nennenswerten pädagogischen Sinn haben und die Eltern entlasten.

      • Für manche Kinder ergibt das tatsächlich Sinn – zB um diese Zeit zur Einführung in die digitalen Plattformen zu nutzen. Auf Dauer müssen andere Lösungen her, ich bin definitiv kein Fan von reinem Frontalunterricht ohne gegenseitigen Austausch. Aber manche Schüler*innen haben sich bei ihren Lehrer*innen kaum gemeldet, auch als Check-In ist zumindest kurze Anwesenheit jetzt nicht dumm. Auf Dauer bräuchte es mehr Personal, um guten digitalen Unterricht sowie Chancengleichheit über (einzelne) Anwesenheit bestimmter Schüler*innen zumindest bedingt wieder herzustellen, so meine Meinung. Aber Eltern werden so nicht entlastet, das stimmt.

        Ich habe meine Gedanken in einem etwas lang geratenen Kommentar mal ausformuliert. Gerne um weitere Ideen ergänzen!

  49. Vielen Dank für diese sehr informative Folge und insbesondere ein großes Kompliment für euer kritisches und vor allem sehr hartnäckiges Interview mit unserer Umweltministerin, die mich in dem Gespräch nicht überzeugen konnte.
    Ich finde erschreckend was für einen Stellenwert formale und institutionelle Aspekte in ihrer Argumentation hatten. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie bei einer klimapolitische Vision beginnt, die man entsprechend mit Gesetzesinitiativen und Verwaltungsakten umsetzen muss, sondern dass der Ausgangspunkt für sie ein unübersichtliches Gefüge aus Institutionen, Abkommen, etc. ist, durch das sie sich irgendwie von Moment zu Moment hangelt.
    Ich mag nicht zu beurteilen, ob ich ihr gerade Unrecht tue und sie in dem Gespräch ihre Vision einfach nicht richtig vermitteln konnte – aber wenn es ein Ministerium gibt, aus dem ich eine langfristige Zukunftsvision erwarte (über die Corona-Krise hinaus), dann das Umweltministerium. Eine solche Vision habe ich jedoch überhaupt nicht erkannt.

  50. 9. Mai 2020 um 10:51 Uhr
    Ulrich Krieger

    Viele Dank für das Beharren im Interview mit Frau Schulze. Toll, dass der Punkt Selbstverpflichtung/Budget klar gemacht wurde.

    Inhaltlich glaube ich leider nicht, dass mit dieser Selbstverpflichtung, dieser Haltung der Ministerin/Regierung nennenswerte Fortschritte erreicht werden können. Selbstverpflichtungen kann man ja viele schreiben und ändern.

  51. Schade, dass die Bundesumweltministerin sich widerspricht und Antworten verweigert. Genau das treibt Wähler in die Resignation oder an den extremen Rand.
    Zudem wäre es gerade bei diesem Thema so wichtig offen zu kommunizieren und Transparenz zu schaffen, um den Diskurs zu befördern.

  52. Zu der Zahl von 200 Neuinfektionen pro Tag:
    Alexander Kekule nennt Zahlen in dieser Größe immer. Ihn könntet ihr mal nach ner Quelle fragen. Er nennt aber selbst auch keine in seinem Podcast.

  53. Interview Svenja Schulze

    Hallo liebes Lage Team,

    vielen Dank für die Folge – insbesondere Respekt für den prominenten Interviewpartner den Ihr da mit der Umweltministerin hattet.

    Leider hat sich Frau Schulze nicht gerade von ihrer besten Seite gezeigt. In fast 50 Minuten hatte Frau Schulze die Chance, ihre Politik zu vermitteln. Eure Fragen dabei hätten für Frau Schulze ziemlich erwartbar sein sollen – aber statt erklärend, offen und anerkennend auf die Fragen zu reagieren, hat sie gereizt, aggressiv und “lamentierend” auf eure Fragen reagiert. Ich fand gut, dass Ihr bei der Frage zu den CO2 Budgets immer wieder nachgefasst hat – und Frau Schulz hat hier wirklich keine gute Figur gemacht. Ich verstehe ihre Argumentation nicht. Hier hat sie vollständig verpasst, sich selbst als kompetente Ministerin darzustellen. Auch in der Folge blieb bei mir lediglich hängen: Wie bitte ist diese Person zu diesem Amt gekommen – und hoffentlich gibt es im Ministerium einen ausreichend großen Stab von kompetenten MitarbeiterInnen die die Inkompetenz des Chefs kompensieren.

    Genauso ging es mir bei der Frage nach der Kopf-Prämie. Hier war sie wieder in einer aggressiven Verteidigungshaltung, statt die unendlich lange Zeit, die ihr eingeräumt wurde, dazu zu nutzen, was _genau_ denn die Probleme mit der Kopfprämie waren und was genau jetzt besser ist, und warum das ein Kompromiss ist, was die Erwägungsgründe in diesem Kompromiss sind. Stattdessen hat sie einfach ganz oft wiederholt, dass das eine nicht geht, und das andere gut ist.

    Ich bin tatsächlich sehr enttäuscht von Svenja Schulze.

    PP

  54. 9. Mai 2020 um 9:38 Uhr
    Günter Weber

    Bei der Anmoderation des Gerichtsurteils zum Anleihekaufprogramm der EZB fand ich es bezeichnend, dass Philip in kurzer Folge gleich zweimal mit Nachdruck “Steuergeld” (oder war es “Geld des Steuerzahlers”?) sagte, bevor Ulf ihn korrigierte. Auch Philip hat in der nun seit Jahren laufenden Diskussion um dieses Programm bestimmt schon mitbekommen, dass die EZB für ihre Operationen natürlich kein Geld aus dem Haushalt der Eurostaaten benötigt. Stattdessen schafft sie das Geld selbst.

    Dass Philip trotzdem an dieser Falschinformation festhält (bestimmt unbewußt, ohne böse Absicht), sollte uns alle mal kurz innehalten lassen. Ich denke, da steckt psychologisch viel drin. Nicht bezogen auf die Person des Herrn Banse, sondern insgesamt auf das Mindset gemäß dem das Thema in Deutschland leider immernoch hauptsächlich diskutiert wird.

    Es scheint unendlich schwerzufallen zu akzeptieren, dass die aus einer völlig oberflächlichen Betrachtung der Hyperinflation nach dem ersten Weltkrieg abgeleiteten “ewigen Wahrheiten” der (deutschen) Fiskal- und Währungspolitik nichts weiter sind als Legenden, die zwar auf den ersten Blick intuitiv verständlich sind, aber kein festes Fundament in der Realität haben.

    Der Spalt zwischen dem, wie sich die Welt infolge einer lockeren Geldpolitik entwickeln sollte nach dem Glaubenssystem der Herren Tietmeyer, Stark et al., und dem, was wirlich passiert, wird aber jeden Tag größer.

  55. Doch ein CO2 Budget?

    Bei euerm Interview mit der Umweltministering Svenja Schulze hat sie betont, dass das Budget in CO2 Tonnen kein Mittel ist, um CO2 Reduzierung zu messen. Es sei zu vage und nicht als Messmethode geeignet. Als ihr sie fragtet, wie denn jetzt gemessen würde, sagte sie: Die verschiedenen Bereiche müssten ihren jeweiligen CO2 Ausstoss reduzieren.

    Frage: Wird diese Reduzierung nicht in CO2 Tonnen gemessen? Ist das dann nicht dasselbe wie ein CO2 Budget? Man muss doch nur den aktuellen CO2 Ausstoss mit dem erlaubten CO2 Ausstoss verrechnen, und schon hat man das Budget. Oder habe ich da was falsch verstanden? Ich bin hier etwas verwirrt.

  56. Ich verstehe nicht, warum ausgerechnet die Schulen wieder geöffnet werden sollen. Dort sind die Infektionsketten eher Infektionslawinen! Wenn eine Familie mehrere Kinder hat, gehen die oft auf verschiedene Schulen (Grundschule, teilweise mehrere Oberschulen). Dort haben sie Klassenkameraden, die wiederum Geschwister haben, die auf noch einmal andere Schulen gehen. Allein in der Klasse meines ältesten Kindes sind Kinder vom Wedding bis Lichtenrade! So hat man über wenige Ecken quasi mit allen Familien der Stadt Kontakt.
    Von mir aus können die Spielplätze, die Kitas, die Kinos, Bars, Clubs, Theater und Restaurants wieder öffnen. Dort ist der Besuch freiwillig. Wer sich und seine Familie schützen will (oder muss), muss dort ja nicht hingehen.
    Mag sein, dass ein paar Schulkinder jetzt Nachteile haben, weil ihre Eltern sie nicht beim Lernen unterstützen. Aber selbst wenn alle Schulkinder ein ganzes Jahr verlieren, ist das eher zu verschmerzen als wenn die zweite Welle durch die Schulen in alle Familien rollt!
    Wenn schon, sollte es die Option geben, freiwillig weiter Homeschooling zu machen. Das entlastet die Schulen, schützt die gefährdeten Familien und manche Kinder profitieren sogar davon, z.B. Mobbingopfer, introvertierte Kinder, hochsensible Kinder, hochbegabte Kinder!

    Kompliment zum Interview mit Svenja Schulze. Da fehlte am Ende der Diskussion ums CO2-Budget nur noch das “q.e.d.”.
    ;-D

    • Und ihre Argumentation wegen der CO2-Kopfprämie war auch peinlich.

      Man könnte das Geld doch in bar auszahlen. Alle Leute bekommen per Post an ihre erste Meldeadresse einen Brief, mit dem sie zum Bürgeramt gehen und sich das Geld unter der Vorlage der Personalausweises geben lassen können.
      Oder man zahlt das Geld an die Kommunen mit der Bedingung, dass damit etwas bezahlt werden muss, wovon alle Bürger’innen etwas haben und was gut für die Umwelt ist, z.B. mehr Radwege oder preiswerterer ÖPNV oder Solarzellen auf die Dächer öffentlicher Gebäude oder oder oder.

  57. Das erste Mal, dass ich eine Lage abbrechen musste. Das Interview mit Frau Schulze war einfach unerträglich. Gut, wenn ihr Experten interviewt, aber Politiker?!? Eigentlich höre ich die Lage, damit ich mir nicht das Geseier der Politiker anhören muss. Dieses nichtssagenden Winden und Abstreiten von Fakten …
    Wenn selbst die Umweltministerin keine Zusagen macht ist das ein sehr deutliches Zeichen, dass diese Regierung außer Lippenbekenntnissen nichts liefern wird.
    Schade für das Vertrauen in die Politik.
    Macht weiter so, lasst nur bloß keine Politiker mehr zu Wort kommen :)

  58. Hallo Ulf und Philipp,
    auch ich muss euren Erfahrungsberichten in Teilen widersprechen. Ich bin Lehrerin an einer Grundschule in Hessen; wie es dann mit dem Unterricht wird, Hygieneregeln, Abstand usw. wird sich zeigen, wir beginnen erst am 18.5.20 wieder. Heute sagte eine Schülerin am Telefon zu mir: “Ich kann es kaum erwarten, dass die Schule wieder losgeht!” – in diesem Punkt kann ich dem Kommentar oben nur zustimmen, Schule gibt Kindern mehr als nur Wissen, auch Struktur und Halt sind wichtige Aspekte.
    Was ich so nicht bestätigen kann ist – zumindest bei uns- die Art der Kommunikation von oben. Sowohl Kultusministerium als auch unser Schulamt betonen immer wieder die enorme Anstrengung, die wir Lehrer und unsere Schulleiter gerade unternehmen um unsere Schüler zu versorgen, um neue Wege zu finden etc. Ja, es gibt ständig neue Anweisungen und oft lassen diese Anweisungen auch erstmal auf sich warten und man weiß gar nichts. Andererseits wissen wir ja alle: “Die Lage ist dynamisch.” Hinweise auf Dienstpflichten und die rechtliche Seite gibt es natürlich auch, aber keine Androhung von Strafen. Ich fühle mich da grundsätzlich schon eher unterstützt, auch fürs homeschooling gibt es Empfehlungen, aber keinen Holzhammer à la alle müssen jetzt Videokonferenzen machen, padlets erstellen und täglich bei den Schülern anrufen.
    Klar waren das nur einzelne Erfahrungsberichte, die ihr da hattet, aber ich wollte einfach meine Erfahrungen weitergeben, um zu zeigen, dass es eben nicht überall so ist.
    Ansonsten weiter so, höre euch sehr gerne und fühle mich danach immer gut informiert.

    Viele Grüße
    Bettina

    • Vielen Dank, dass du deine Erfahrung hier teilst! Ich würde mich freuen, wenn die beiden mit unterschiedlichen Lehrer*innen mal sprechen und das Bild von Lehrerseite mal beleuchten würden!

  59. Bitte erlaubt mir folgenden albernen Kommentar…

    Was lernen wir aus dem Interview der Lage mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze?
    Don’t mess with Philip & Ulf.

    Ich fand es mutig und gut, dass ihr so leicht nicht locker gelassen habt.

    Ich bin froh über euren Podcast und danke euch für eure Arbeit.

    Beste Grüße
    Leon

  60. Hallo! Ich wollte mich nur für die Darstellung und Erklärung von ultra vires Kontrollen des BVerfG und dem Anwendungsvorrang von EU-Recht im Rahmen der aktuellen Entscheidung bedanken. Ich bin Rechtsreferendarin und so verständlich wie in dieser Podcast-Folge habe ich dieses Thema noch nie erklärt bekommen. Hatte eben beim Hören einen richtigen Aha-Moment, der mir bestimmt noch helfen wird, also vielen Dank dafür! :)
    Viele Grüße
    Lucie

  61. 8. Mai 2020 um 21:38 Uhr
    Sebastian Annies

    Interview Svenja Schulze:
    Der Unterschied bzw. auch das Missverständnis zwischen Budget und Reduktionszielen bzw. euch und Svenja Schulze ist leider nicht ganz rübergekommen.
    Wenn ich es jetzt richtig verstanden haben ist der Unterschied folgender:
    Das Reduktionsziel schert sich nicht um das verbleibende Budget. Wenn wir 2050 das Reduktionsziel erreicht haben, dann ist es gut möglich, dass wir trotzdem das Budget schon überzogen haben.
    Wir versprechen ja nur in x Jahren y% weniger CO2 auszustoßen und wir schauen dann in x Jahren wie wir dastehen. Ein Budget haben wir bei den Reduktionszielen in der Tat nicht oder allenfalls nur sehr indirekt.

    • 10. Mai 2020 um 18:15 Uhr
      Patrick Huesmann

      Genau so habe ich es auch verstanden: Bis 2050 ist das Budget deutlich überzogen, aber Paris bezieht sich ja auf 2100 – da haben die nachfolgenden Generationen noch ganz viel Zeit, sich um die nötigen Negativemissionen zu kümmern, um die CO2-Konzentration wieder auf annehmbare Werte runter zu bekommen. Das IPCC spricht in dem Zusammenhang von einer Energiemenge von 43 PWh/y (PETAwattstunden pro Jahr), die jedes Jahr für Negativemissionen aufgewendet werden müssen, um die Pariser Ziele noch zu erreichen (zum Vergleich: die komplette weltweite Stromproduktion beträgt derzeit 26 PWh/y)
      Vor dem Hintergrund ist es klar, daß Politiker ein Mantel des Schweigens über das Emissionsbudget legen und stattdessen viel lieber über Reduktionsziele reden.

    • danke für die Formulierung so – ich wollte gerade einen ähnlichen Kommentar schreiben!

      Was ich in der Gesprächsdynamik “witzig” finde: Frau Schulze spricht immer nur in Verträgen. Sie kommt auch nicht auf den Gedanken, dass man einfach als Mensch, der auf der Erde lebt, wissen will, ob wir das wohl hin bekommen. Und da sind Budgets nun mal das beste, was wir haben. Wenn sie das ungenau findet, soll sie mit was besserem kommen. Stattdessen zu sagen, “wir wissen nicht genau, wie viel wir leisten müssen – dann schauen wir halt einfach mal, wie viel wir so hinbekommen” ist (argumentativ) eine Armutserklärunge

  62. Eine großartige Folge. Sehr gute Interviewpartnerin zum Bundesverfassungsgericht, dank der ich die Hintergründe verstanden habe. Und vor allem das Interview mit Svenja Schulze fand ich herausragend. Wie ihr beim Thema Budget einfach nicht locker lasst, bis die letzten Endes selbst genau das benennt, was ein Budget ist (auch wenn sie das nicht zugeben würde). Und wie ihr oberflächliche Antworten z. B. zur praktischen Umsetzung einer Klimaprämie nicht durchgehen lasst. Davon könnten sich viele Journalistinnen und Journalisten eine Scheibe abschneiden. Weiter so!

  63. Hallo zusammen,

    Wie immer eine super Folge. Vor allem gefreut hat mich, dass Ihr Frau Schulze zu solch einem ausführlichen Interview zu Gast hattet. Leider war ich persönlich teilweise sehr enttäuscht wie schwammig und ausweichend Frau Schulze auf sehr konkrete Fragen geantwortet hat. Nachdem Sie sehr lange mit euch beiden darüber diskutiert hat, dass niemand zur Erfüllung des Pariser Abkommens in Budgets denken würde, lässt sie genau das im Abschlusssatz zu diesem Thema fallen. Ich hätte mich sehr gefreut wenn ihr dort noch einmal nachgehackt hättet. Das soll aber nicht heißen dass ich mir eurem Interview nicht zufrieden bin. Im Gegenteil, ihr habt jedes mal nachgehackt wenn Frau Schulze eine ausweichende Antwort gegeben hat.

    Besonders unverständlich finde ich Frau Schulze’s Argumentation zu Budgets weil auf der Webseite des BMU’s ein Bericht zum Klimaschutz aus 2018 zu finden ist, der auf Seite 19 vom deutschen CO2 Budget spricht (https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/klimaschutz_in_zahlen_2018_bf.pdf).

    Falls sich noch andere für die erwähnten Budgets interessieren, so habe ich diesbezüglich eine Anfrage an das BMU gestellt (https://fragdenstaat.de/a/186254).

    Viele Grüße,
    Maximilian

  64. Grüßt euch ihr beiden,
    Erstmal wieder danke für eine weitere Folge. Ich bin Riesen Fan eurer Sendung und freue mich jede Woche aufs Neue auf den Podcast.
    Ich habe allerdings Bedenken bzgl. Der Umfrage (ca. min 16 Folge 188). Vorab, ich bin mir bewusst, das ein Risiko besteht vor allem, da wir noch immer nicht alles über das Virus wisse. Gerade deswegen finde ich, dass ein offener Diskurs, bei dem alle Seiten gehört werden wichtig ist. Mir viel in diesem Zusammenhang aber auf, dass die Zeitungen dafür sorgen, dass man die Maßnahmen vernünftig und auch angemessen hält. Die RP hatte in den letzten paar Wochen einige Artikel die immer nur die pro-Einschränkungsseite zu Wort kommen gelassen hat. Zum anderen gab es Stellungnahmen (ca vor 2 Wochen) von 17 Virologen/innen die ebenfalls alle pro Beschränkungen waren, jedoch keinen der demgegenüber kritisch steht. Meinem Empfinden nach gibt es plausible Gründe warum zum Beispiel „die Deutschen“ eine geringere Sterblichkeit haben als bspw. Die Briten (Punkt Ernährung). Mir wäre es daher wichtig, so sinnvoll die Maßnahmen auch sein mögen, der Panikmache ein wenig entgegen zu halten. Es kann nicht sein das jemand der seit einer Woche einen Schlaganfall hat nicht ins Krankenhaus geht weil er Angst hat dort an Corona zu erkranken (um-online 8.4). Oder das, ebenfalls RP, Stimmung gemacht wird das „nur“ ein Impfstoff auf mRNA Basis das Allheilmittel ist und sich darauf festgelegt wird.
    Ich würde mich persönlich freuen, wenn es von euch einen Beitrag geben würde wo vielleicht die Möglichkeiten aufgegriffen werden die es zur Bekämpfung des Virus bzw. seiner Auswirkung geben würde. (Stichpunkt der Imunüberreaktion entgegen wirken, die letztendlich für den Tod verantwortlich ist) Oder ein eingehen auf den Beitrag des Hamburger Rechtsmediziners Klaus Püschel.

    Vielen Dank euch erstmal. Bleibt gesund.
    Euer treuer Hörer
    Luis

  65. 8. Mai 2020 um 19:35 Uhr
    Cora Lipkowitsch

    Hallo ihr beiden.
    Ich möchte euch für die ausführliche Lage danken. Insbesondere war ich überrascht, dass ihr es geschafft habt Frau Schulze für ein Gespräch anwerben zu können. Nach dem Interview hatte ich gemischte Gefühle über den Verlauf. Zum einen hatte ich das Gefühl, dass Frau Schulze sehr kompetent und engagiert ist. Jedoch hatte ich auch das Gefühl, dass ihr es zum Teil geschafft habt, ihre Aussagen schnell zu dekonstruieren.
    Mich würde es interessieren, wie es euch nach dem Interview ging und wie ihr das Gespräch bewertet.
    Liebe Grüße uns bleibt gesund.

    • Hallo Cora,

      das ist sehr interessant. Ich hatte im gesamten Gesprächsverlauf nie das Gefühl, dass Frau Schulze kompetent ist. Wann hattest du das Gefühl, und wie ist es dazu gekommen? Mich würde das wirklich interessieren – vielleicht hatte ich zu Früh einen mentalen Bias?

      PP

  66. Liebe Lage,
    ihr stimmt ja ein Loblied nach dem anderen an, diesmal die Unabhänigkeit der dt. Bundesbank.
    Ich möchte euch das Buch von Ulrike Herrmann ‘Deutschland, ein Wirstschaftswundermärchen’ ans Herz legen. Dort wird auch die Rolle der Bundesbank beleuchtet. Alles andere als unpolitisch und gefährlich für mindestens 3 Bundeskanzler (und Europa). Sehr unterhaltsam und ein guter Einstieg in die dt. Wirstschaftsgeschichte.
    Gruss
    Hubert

    • Lieber Hubert,
      Danke für den tollen Lesevorschlag, ich habe mir das Buch in den letzten Tagen als Hörbuch angehört und habe viel Neues gelernt. Bei einigen Positionen würde mich tatsächlich interessieren, was Philip und Ulf dazu sagen. Meine Sicht auf Staatsschulden und Zinspolitik hat es jedenfalls noch einmal verändert.

  67. Hallo und Danke! Allein schon für das penetrante (positiv gemeint) Nachbohren wieviel Tonnen CO2 denn nun gespart werden müssen! Daran konnte man wunderbar den immer gleichen Ausweichreflex erkennen. Bloß nicht konkret festlegen Fr. Schulze. Danke! Abo wird gleich alleine dafür geklickt.

  68. Hier scheint die Zensurwelle ebenfalls ihre Wirkung zu zeigen.

  69. Lieber Philip, lieber Ulf,

    ich habe gerade eure aktuelle LdN-Folge mit dem Interview mit Frau Schulze gehört – und ich kann selbst als langjähriger Hörer nicht sagen, wann ein solches Interview für mich schon einmal so augenöffnend war wie dieses. Für mich ist das nichts anderes als ein Offenbarungseid der Planlosigkeit der (deutschen) Sozialdemokratie in der Klimakrise. Und das sage ich als jemand, der bisher immer aus Überzeugung SPD gewählt hat. Eure Hartnäckigkeit wieder und wieder nach KONKRETEN Punkten zu fragen hat sich ausgezahlt, denn so wurde offensichtlich, dass dort außer heißer Luft nicht viel zu rauszuholen ist. Sollte sich bei der SPD nicht schleunigst gewaltig was tun, werde ich mein Kreuz zukünftig woanders setzen müssen.

    Es ist mir unbegreiflich, wie man auf sich auf konkrete Maßnahmen festlegen kann, ohne zu bestimmten, was man damit konkret an Einsparungen erreichen will. Nur so kann man doch einzelne Maßnahmen auch vergleichen und priorisieren und am Ende auch tracken, ob man die Ziele auch erreicht… Es mag ja sein, dass man auf internationaler Ebene keine Budgets festlegen kann, aber dann muss es doch die Aufgabe einer Bundesumweltministerin sein, trotzdem mal für Deutschland zu bestimmen, was das nun konkret in Tonnen CO2 bedeutet. Das Herumreiten auf dem Wort „Budget“ mag auf den ersten Blick wie Haarspalterei wirken, aber verdeutlicht meine schon angesprochene Planlosigkeit. Das fand ich extrem gut, wie Philip immer und immer wieder auf diesen Punkt beharrt hat. Das ist kritischer Journalismus aus dem Lehrbuch – habt vielen Dank dafür. Und über dieses Rumgeeiere, wieso man keine Prämien direkt an die Bürger auszahlen kann, müssen wir gar nicht erst sprechen… Auch dort gilt: unfassbar gut, wie sehr ihr sie dort entlarvt habt. Ich befürchte nur, dass das Frau Schulze nicht sonderlich viel Spaß gemacht hat und sie sich gut überlegen wird, wieder mit euch ein Interview zu machen… Aber das sollte natürlich nicht der Grund sein, den Finger nicht in die Wunde zu legen.

    Danke!! Keep up the good work!

    Viele Grüße,
    Jakob

    • Ich glaube, dass Frau Schulze sehr wohl weiß, welches CO2 Budget wir noch haben. Aber sie will darüber öffentlich nicht reden, weil dann sichtbar würde, dass ihre Politik nur Pillepalle ist und die Ziele (nach Corona) nicht erreicht werden.
      Gruß,
      Matthias

  70. Ich möchte etwas anmerken, das nicht mit den Themen dieser Lage zu tun hat, mir aber gerade in dieser Ausgabe wieder aufgefallen ist: Die Art wie Politiker reden. Unabhängig vom Inhalt, war dieses ausführliche Interview mit Frau Schulze ein klassisches Beispiel, warum meiner Meinung nach Politikverdrossenheit existiert. Ich fande es schön, wie ihr gerade bei dem Thema Klima, ihr mehr oder weniger entlocken konntet, dass eine direkte Auszahlung mit der Union nicht möglich ist.
    Aber warum in aller Welt kann sie das nicht einfach sagen. Warum muss jede Antwort mit einem “…Ich möchte aber noch feststellen, dass…” oder einem “…ich muss betonen, wie wichtig dies und jenes ist…” und so weiter und so fort, mit Glück ist am Ende zumindest eine Aussage zur Frage gekommen.
    Mir ist bewusst, das Politik oft Fingerspitzengefühl erfordert und immer eine Art Kompromiss, aber das kann man auch mit einer klaren, prägnanten Kommunikation erreichen. Ich kenne genügend Menschen denen dieses rumlavieren so auf den Nerv geht, dass sie sich nicht über die Tagesschau hinaus informieren wollen, wenn überhaupt. (nur für den Kontext, ich bin 19 Jahre alt). Ich meine logisch betrachtet erreicht man so niemanden. Die einen Interessieren sich eh nicht dafür, vlt schlimmer gehen zu Populisten, die sowohl einfache Sprache, wie auch einfache Lösungen bieten, das es letztere so gut wie nicht gibt wissen wir. Wir, also Leute die sich soweit für Politik interessieren, dass sie sich zwei Stunden lang die Lage anhören, durchschauen diesen Politikersprech, erkennen die immer gleichen Bausätze, und somit genauso generft, wie alle anderen. Und zu ergebnisorientierten Debatten trägt dieser Kauderwelsch auch nicht bei. Somit gibt es nur Verlierer.
    Um zurück zum Beispiel zu kommen, stellen wir uns einmal vor, Frau Schulze hätte einfach klipp und klar gesagt, ja ich hätte eine CO2-Prämie bevorzugt, die Union wollte nicht, also hier der Kompromiss über den Strompreis.
    Wir hätten uns eine Menge Zeit gespart, Frau Schulze hätte nicht mit dieser suspekten Umsetzbarkeitsdiskussion anfangen müssen und dann mit Mühe noch ihre Glaubwürdigkeit retten müssen und die Union will die Prämie nicht, wo soll das Problem sein, wenn es Frau Schulze laut ausspricht. Jeder könnte sein Profil schärfen, und alle, auch der Hörer gewinnen. Und wenn die Frau Ministerin so gerne redet, hätte sie von diesem Standpunkt aus ihren Kompromiss erklären und/oder bewerben können, vlt hätte sich mit euch ja eine interessante Debatte entwickelt, bei der jeder weiß, wo der andere steht: somit auch ein Gewinn für die Diskussionskultur.
    Deshalb meine Frage, warum reden Politiker so?
    Als letzter Gedanke noch: Meiner Meinung könnten seriöse Parteien, die AfD oder andere Populisten so ganz einfach die Stirn bieten, denn wenn man man klar redet und diskutiert, lassen sich doch populistische “Lösungen” viel einfacher als im besten Fall heiße Luft enttarnen. Man kann weiter kompromissorientierte Politik machen, und muss auch nicht den Wortschatz dieser Menschen übrnehmen.

    • Hallo Müller!
      Danke – vieles von dem was du sagst geht mir auch so. Auch bei mir entwickelt sich durch so ein Interview hier – oder andere Auftritte die man in letzter Zeit mitbekommt, eine “Politikverdrossenheit”.

      Ich bin mir aber nicht sicher, ob es wirklich an der CDU liegt – oder wirklich an “technischen Schwierigkeiten” – oder einfach an Inkompetenz. Das letzte klingt nach dem Hören des Interviews für mich mit Abstand am glaubwürdigsten.

      PP

    • 12. Mai 2020 um 17:13 Uhr
      Florian Bennewitz

      “Deshalb meine Frage, warum reden Politiker so?”

      Sie arbeitet als Politikerin in einer Koalition mit der CDU. Und dazu kann man jetzt stehen wie man will (ich bin Sozialdemokrat und sehe diese Koalition auch kritisch); aber man muss zu ihrer Verteidigung sagen, dass eine klarere Ausdrucksweise bzw. deutlichere Kritik an der CDU medial wahrscheinlich deutlich größere Wellen schlagen würde. Politischer Streit bzw. Diskussion, selbst nur innerhalb einer Partei / Fraktion, wird schlicht und ergreifend weder in den Medien noch in der Öffentlichkeit auch nur ansatzweise gutgeheißen, was dann dazu führt, dass dieser nach Möglichkeit vermieden wird oder wenn dann nur taktisch eingesetzt wird. Das ist halt schade, weil es glaube ich allen Seiten viel bringen würde…

      • Interessante These, dass Auseinandersetzungen in der Koaliation automatisch schlecht ankommen … gilt das denn auch, wenn man sich für etwas einsetzt, das die Mehrheit der Menschen gut findet? Kann man dann nicht auf diese Weise eher das Profil schärfen?

  71. Das ganze Interview mit Svenja Schulze war zum Haare raufen.

    Zum Punkt mit der Kontonummer und der Kopfprämie:
    Wie zum Kuckuck findet denn das Kindergeld seinen Weg aufs richtige Konto?

    Zweite Alternative:
    Vielleicht bin ich ja nicht mehr auf dem neuesten Stand, aber gibt’s keine Schecks mehr? Postadresse haben die Einwohnermeldeämter ja.

    Zum Haare raufen!!!

  72. Danke für die dieswöchige Folge.
    Zum Interview mit Frau Schulze: Respekt.
    Und danke, dass ihr bei der Sache mit den CO2 Budgets nachgehakt habt. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass ihr aneinander vorbeiredet, aber je länger das Interview ging, desto mehr kam die Einsicht, dass Schulze einfach nicht anworten will.
    Mein Eindruck aus diesem Interview ist, dass Schulze den Klimawandel nicht ernst nimmt und deswegen mit ihrer Arbeit zufrieden ist und gar nicht so richitg nachvollziehen konnte, warum ihr so viel nachfragt und kritisiert.

    Zur Eröffnung der Schulen: Ich finde, dass neben der pädagogischen und der Elternsicht, die Sicht der Kinder nicht unter den Tisch fallen darf. Für Kinder dürfte dieses bisschen Zeit mit Gleichaltrigen ungeheuer wichitg sein. Nicht einmal die perfektesten Eltern können eine peergroup ersetzen.

    LG Amy

  73. Hi ihr beiden,
    vielen Dank für die informative Folge! Insbesondere das Interview mit Frau Schulze fand ich spannend. Sie hat sich aus meiner Sicht zu den meisten Punkten zu allgemein und unverbindlich ausgedrückt, was ihr durch konstruktives, kritisches Nachfragen sehr gut transparent gemacht habt! Auf die berechtigte Frage nach Deutschlands CO2-Budget (oder der Größenordnung) ist Frau Schulze grob ausgewichen trotz Nachhaken. Auch der von euch immer wieder diskutierte Vorschlag, staatliche CO2-Preis-Einnahmen pro Kopf zurückzuzahlen im Kontext sozialdemokratischer und -klimagerechter Politik wurde mit unnachvollziehbaren Argumenten abgetan. Danke für euer kritisches Nachhaken! Gruß, Steph

  74. 8. Mai 2020 um 14:23 Uhr
    Markus Schmidt

    Hallo liebes Lageteam,
    ich bin Jurastudent und habe mich letztes Jahr intensiver mit der Rechtsprechung des BVerfG zum Thema Europa befasst.
    Erstmal riesen Lob dafür, wie gut die europarechtliche Problematik erklärt wurde, ich habe als Jurastudent mehrere Stunden gebraucht um das Ultra-Vires-Prinzip zu verstehen, hier wurde es unglaublich knapp und doch präzise erklärt so, dass es selbst ein Laie verstehen können könnte.

    Hier noch meine Ergänzungen:
    Als das BVerfG sich mit dem Eurorettungsschirm befasst hat war die Frage die Gleiche “ist das noch Währungspolitik was die EZB betreibt oder ist das Finanzpolitik?” Die Abgrenzung fällt recht schwer, weil es immer eine Wechselwirkung gibt zwischen demjeningen der “den Markt stabil hält (Währungspolitik)” und demjenigen der “die Finanzströme kontrolliert (Finanzpolitik)”. Denn Aufgabe der EZB ist die Währungspolitik, Finanzpolitik dagegen ist ganz klar Aufgabe der jeweiligen Mitgliedsstaaten, insbesondere weil in einem kapitalistischen Rechtsstaat Geld das wichtigste Werkzeug eines Staates ist um Handeln zu können. Es geht also im Kern um die Handlungsouveränität der einzelnen Mitgliedsstaaten und damit darum ob:
    a) die EU oder die einzelnen Mitgliedsstaaten höchster Souverän ist/sind
    b) ob das Handeln der EZB überhaupt konform der europäischen Verträge ist (was direkt nicht Sache des BVerfG ist, wenn die BRD allerdings die Gesetze umsetzt können die jeweiligen Umsetzungsgesetze verfassungswidrig sein und damit Sache des BVerfG).
    Entsprechend ist es erforderlich, dass die EZB ausfrührlich begründet warum es sich um Währungs- und nicht um Finanzpolitik handelt. Gerade WENN die EZB unabhängig muss sie besonders explizit begründen weil einem UNABHÄNGIGEN Institut die legitimität fehlt, weil eben keine Legitimitätskette zum Wähler besteht.

  75. ad Interview Svenja Schulze:
    Danke für das Interview. Es war interessant, wie anders von ihrer Seite gedacht und argumentiert wird; die Logik der Politikerin ist eine andere als die der Wissenschaft, der Juristerei, u.a. – um mal die Erkenntnisse auf der Meta-Ebene positiv zu sehen und mein Kopfschütteln über manche konkreten Inhalte nicht zu thematisieren. ;)
    Erschwert wird die Einordnung ihrer Aussagen für mich dadurch, dass sie (hier) in mehreren Funktionen gleichzeitig auftritt: als Ministerin (“inhaltlich”), aber gleichzeitig auch als ihre eigene Pressesprecherin (“Kommunikation/PR”) und auch als die der Bundesregierung.

    Inhaltlich: warum es nicht möglich sein soll, zumindest zum Start einer Kopfprämie, wenn man sie denn befürwortet, jeder gemeldeten Person einen Scheck an die Erstwohnsitzadresse per Post zu schicken, ist mir absolut nicht nachvollziehbar. Die Amerikaner haben das doch mit ihrem Stimulus-Check (und ohne Melderegister!) auch hinbekommen via “diejenigen, die Steuererklärungen abgeben automatisch + alle Anderen müssen sich selbst melden”. Kann man dann immer noch immer ein Formular beilegen: “Wenn Sie nächstes Jahr die Prämie überwiesen haben wollen, teilen Sie uns bitte hier ihre Bankverbindung mit.”

    Ein schönes Wochenende!

  76. Diese beharrliche Weigerung der Ministerin, sich am Rest-Kontingent Co2, welches von Wissenschaftlern als wichtiges Maß angesetzt wird, messen zu lassen, bzw. dieses grundsätzlich komplett abzulehnen und jedwede Relevanz abzusprechen macht einfach nur fassungslos…

  77. Hallo ihr Beiden,
    Erstmal danke für die wieder sehr informative Lage.

    Ich möchte euch jedoch bei den Schulöffnungen vehement widersprechen und bin auch sehr verwundert, dass die von euch gehörten Erfahrungsberichte so gar nicht mit meinen übereinstimmen.
    Ich bin Lehrerin an einer Gesamtschule in Berlin, in der der Unterricht jetzt genauso eingeteilt ist wie von euch beschrieben: Die Schüler*innen kommen für 90 Minuten am Tag in 8-er Gruppen, haben immer im gleichen Raum mit der gleichen Lehrkraft jeden Tag ein anderes Fach.
    Und die Ergebnisse sind enorm:
    1. psychologischer Aspekt: Einen ganzen Tag haben wir nur über Ängste, Erlebnisse und gesprochen. Nicht wenigen Schüler*innen machen die Beschränkungen und die Situation wirklich psychisch zu schaffen und allein der Ortswechsel und der Anschein von Normalität war für viele hilfreich. Zudem ist die Sozialpädagogin ansprechbar und auch sie berichtet, dass die Zeiten kaum ausreichen um aufzufangen, was die Kinder zu berichten haben. Um manche machen wir uns wirklich Sorgen.
    2. Fachliches: Die Schüler*innen lernen zu Hause in großes Teilen sehr viel langsamer als in der Schule und gerade in Mathe bekomme ich durch Zoom Meetings, selbst gemachte Lernvideos, Telefonate o.Ä. nicht mit, wenn Schüler*innen grundlegende Denkfehler haben und sich das Thema falsch aneignen. Auch hier galt: Nach 90 Minuten, in denen wir konkret die Aufgaben aus dem Home-Schooling besprechen konnten, hatte ich so viele Aha-Momente wie noch nie. Ein wunderschöner Moment =) Und wirklich wichtig. In den anderen Fächern habe ich fachfremd unterrichtet und auch hier habe ich in 90 Minuten einen großen Lerneffekt wahrgenommen.
    3. Entlastung der Eltern: In den letzten Wochen hatten Lehrkräfte sehr viel mehr Elternkontakt als regulär und von meinen 52 Schüler*innen haben 50! rückgemeldet, dass sie und ihr Kind sich sehr auf die Schule freuen. Eltern sagen mir, dass sie ein schlechtes Gewissen haben, selbst nur schwer dem Stoff folgen können und sich eine stundenweise Beschulung sehr wünschen. Es entlastet sie zwar nicht besonders viel, was die Quantität angeht. Aber das Konflikte, die das Lernen betreffen wieder aus der Küche in die Schule verlagert werden und sie nicht mehr voll verantwortlich sind…. Natürlich ist das eine Entlastung!
    Zudem: Wir haben auch Schüler*innen die in Geflüchtetenunterkünften leben, ohne WLan, mit 5 Personen in 2 Zimmern…. 90 Minuten am Tag sind hier enorm wichtig!
    4. Kontrolle: Schule hat auch einen Kontrollauftrag. In den letzten Wochen sind Schüler*innen “verschwunden”. Anrufen, mailen, Vorbeifahren… bei einigen hat es nichts genützt. Wir wissen nicht, was zu Hause passiert. Könnt ihr euch vorstellen, wie oft wir Kinder haben, die sich selbst verletzten? Die mit Hämatomen in die Schule kommen? Die aufhören zu essen? Die jeden Tag Medikamente nehmen, die sie nicht nehmen sollten? Mädchen in patriachalen Elternhäusern? Kinder mit psychisch erkrankten Eltern? Kinder, für die Schule ein Schutzort ist und ein Ort, an dem sie andere Lebensentwürfe sehen können und Demokratie erfahren. (Das klingt jetzt etwas romantisiert ;) abber ich sehe Schule schon teilweise als diesen Ort). Wenn es zu Hause wirklich nicht gut zugeht, dann sind es oft die Lehrkräfte, die eingreifen.

    Um ehrlich zu sein, hat sich bei mir der Eindruck erweckt, dass ihr aus der Perspektive von priviligierten Schüler*innen und Elternhäusern sprecht, in denen die 90 Minuten evtl weniger Entlastung darstellen, als bei einer alleinerziehenden Mutter mit 3 Kindern. Und meine erste Reaktion war da tatsächlich Ärger. Ich denke an dieser Stelle, sollte mensch sich wirklich repräsentative Zahlen angucken und nicht im eigenen Umfeld schauen, weil ich vermute, dass auch ihr euch in bildungsnahen und vlt nicht allzu präkären Milieus bewegt.

    Ich habe bei meiner Argumentation alles virologische mal ausgeklammert. Ich bin aber auch für die Beschränkungen und bin selbst unschlüssig über die Schulöffnung. Ich wollte jedoch meine Sicht darstellen, dass die Art und Weise wie die Öffnunge gerade passiert, aus pädagogischem Blickwinkel sehr sinnvoll ist.

    Beste Grüße

    Rika

    • Sehr gut geschrieben, Rika! Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Unsere Tochter geht in die 4. Klasse und darf ein paar Stunden pro Woche wieder in die Schule, und das tut ihr und uns gut.

    • Absolute Zustimmung! Danke!

      • 11. Mai 2020 um 6:04 Uhr
        Peter Allgajer

        Guten Morgen zusammen!

        Auch ich möchte mich hier anschließen. Schon bei der letzten Folge habe ich gemutmaßt, daß hier eine privilegierte Sicht durchschlägt. Philip Banse sprach dieses Mal von “vielleicht 6, 7 Schülern” pro Klasse, die in die Schule kommen müßten, weil es daheim halt nicht hinhaut mit dem digitalen Unterricht. Das gilt vielleicht auf höheren Schulen und in privilegierten Vierteln, aber bei weitem nicht überall (, ganz abgesehen von der spannenden Frage der praktischen Umsetzung)! Bei uns gibt es selbst am Gymnasium noch Sprachförderunterricht Deutsch!
        Also, liebe Gastgeber, bitte einmal aus der Blase ausbrechen und Mehr- und/oder Vielkindfamilien in weniger exklusiver Wohnsituation befragen!

        Gruß

        Peter Allgajer

        • Oh ja! Teilweise säßen dann 60% der Schüler*innen in den Schulen – schon bei 50% wären alle Lehrer*innen voll mit Betreuung ausgelastet und Videounterricht gleichzeitig ist aufgrund fehlender Strukturen oft nicht möglich.

    • Danke, danke, danke für diesen Kommentar! Ich habe mich auch sehr gewundert… Ich persönlich bin bei Pauschalanwesenheitspflicht skeptisch, aber sehe es genauso wie du, dass einzelne Stunden Anwesenheit sehr helfen können. Auf Dauer wird man da hoffentlich individuellere Lösungen anhand von Empfehlungen erarbeiten dürfen, denn Lehrer*innen wissen oft am besten, für wen sich wann Anwesenheit lohnt. Ich habe nämlich auch mitbekommen, das viele diesen Unterricht nicht regelmäßig so wollen (ist halt sehr frontal…), sondern eben punktuell.

      Wichtig wäre mir für die Lage: Sprecht mit Lehrer*innen und lasst euch die verschiedenen Situationen schildern! Und durch das heterogene Bild, das dabei entsteht, wird hoffentlich auch klar, dass es Pauschallösungen so einfach nicht gibt.

  78. 8. Mai 2020 um 10:29 Uhr
    Thomas Anderson

    Ich bin ein wenig verwundert, wie unkritisch ihr die Anleihenkäufe seht, denn wenn es zum Crash kommt, muss das ja jemand bezahlen. Auch Deutschland. Dieses unbegrenzte Risiko tragen zu müssen, ohne Kontrolle darüber zu haben, greift meiner Meinung nach schon erheblich ins Budget Recht des Bundestags ein. Und das ist ja schon ein Pfeiler unserer (jeder?) Demokratie.

    Oder sehe ich das falsch?

    • @Thomas

      Ja, du siehst das falsch.

      Die EZB kann unbegrenzt Verluste machen in Euro.

      • @Thomas: Es gibt noch einen anderen Crash und zwar bei den Versicherern für Altersvorsorge. In Lebensversicherungen ist üblicherweise ein Garantiezins festgeschrieben und zusätzlich die Anlage in Risikoklasse 1. Durch die Niedrigzinsen können die Versicherungsgesellschaften diesen Zinssatz nicht erwirtschaften. Das ist zunächst deren Problem, aber wenn man sich die Dimensionen anschaut: Etwa 45.000.000 laufende Verträge ergibt bis 2024 einen Verlust für die Gesellschaften von gut 150 Milliarden Euro. Die deutschen Gesellschaften haben etwa 13 Milliarden Eigenkapital.
        Die aktuelle Lösung für das Problem ist, dass alle Beiträge der Versicherungen in einen Topf eingezahlt werden und dann jeweils die fälligen Verträge daraus bedient werden. Dadurch steigen die Kosten natürlich extrem.

        Es steht also dank Niedrigzinsen nach der Bankenrettung die Rettung der Versicherungen an…

        PS: Der Kommentar ist aufgrund von Kinderbetreuung + mobilem Arbeiten spontan geschrieben, ohne Quellenangaben. Die müsste ich bei Bedarf nochmal nachliefern.

  79. Hallo zusammen,

    ich möchte zwei Anmerkungen zum Thema a) Infektionsketten verfolgen und b) Unterricht in Corona Zeiten hinterlassen..

    a) Aus meiner Perspektive als Mitarbeiter in einer kommunalen Verwaltung, Landratsamt, habe ich den Eindruck gewonnen, dass regional sehr unterschiedlich damit umgegangen wurde und wird, wie die Nachverfolgung der Infektionsketten umgesetzt wird. Vor allem sind es nicht allein Mitarbeiter der Gesundheitsämter, die in der Spitze der Krise im Einsatz waren. Mein Arbeitgeber hat z. B. sehr schnell und viel Personal aus anderen Bereichen zur Unterstützung des Gesundheitsamtes abgeordnet. Diese Mitarbeiter waren dann dafür zuständig, die direkten Kontaktpersonen zu ermitteln und wo nötig, Quarantäne und Tests anzuordnen. Da jeden Tag von Mo bis So in verschiedenen Schichten Mitarbeiter im Einsatz waren/sind und der nötige Personaleinsatz von Tag zu Tag, Woche zu Woche, unterschiedlich, da bedarfsorientiert, lässt sich natürlich auch nur schwer eine Zahl angeben, wie viel Personal zur Verfügung steht.
    Und wie gesagt, andere Ämter haben es ganz anders gehandhabt und z. B. tatsächlich nur Mitarbeiter aus dem Gesundheitsamt eingesetzt. Dass da die Kapazitäten, Kontaktpersonen zu ermitteln extrem limitiert sind und entsprechend auch positive Testergebnisse niedriger sind (wenn man weniger testet, hat man auch geringere Fallzahlen. Und getestet wird nur, wer nachweislich Kontakt zu einer infizierten Person UND Symptome hat.), liegt auf der Hand.

    B) Zum Thema Unterricht.
    Ich bin koordinierend im Bildungsbereich auf Landkreisebene tätig. Es gibt meiner Einschätzung nach keine pauschalen Lösungen. Dennoch wäre es sicher schon hilfreich, wenn jede Schule, jeder Schulamtsbezirk, eine einheitlichere Linie verfolgen würde. Sicher habt ihr das in einer der letzten Folgen schon diskutiert, ich habe leider nicht alle gehört. Jedenfalls fängt die Problematik mit dem Lernen zu Hause ja schon da an, dass es an einer ausreichenden Internetverbindung, geeigneten/ in ausreichender Zahl vorhandenen Endgeräten, Kompetenzen im Umgang mit den verschiedensten Software Lösungen (sowohl seitens Lehrer, Eltern, Schüler) und nicht zuletzt auch bei vielen Eltern mit Migrationshintergrund an sprachlichen Kompetenzen scheitert (nicht alle Schulen oder Lehrer machen sich hier die Mühe, Kommunikationsbarrieren zu überwinden).
    V. a. die technischen Defizite zeigen natürlich nur deutlich auf, wie sehr Deutschland in der Digitalisierung hinterherhängt und dass es wieder einmal in besonderem Maße benachteiligte Familien trifft. 500 Mio. Soforthilfen der Bundesregierung sind nichts als ein Tropfen auf den heißen Stein, im Vergleich zu dem, was für die Wirtschaft getan wird. Es macht mich wirklich ärgerlich, dass über Kaufanreize für die Autobranche diskutiert wird, aber es kaum eine Schlagzeile darüber gibt, wie verheerend sich die Schulschließungen auch langfristig und gerade bei Kindern aus benachteiligten Familien auswirken wird. Und zumindest in BY lässt das Kultusministerium noch nicht erkennen, welche Maßnahmen und finanziellen Mittel es bereitstellen will. Auch ohne Corona hatte der Bildungsbereich schon Investitionen bitter nötig. Aber gerade jetzt macht es mich umso wütender, wie der Wirtschaft Milliarden bereitgestellt werden – aber ich nur sehr wenige Experten (z. B. Klaus Hurrelmann) mitbekomme, die sich ernsthaft mehr Geld für Bildung einfordern.

    • Ich kann dir bei b) nur voll und ganz zustimmen. Die Schulen tragen in 95% der Fälle keine Schuld für den Unterricht, der gerade läuft – und sind zu 99% kaputt gespart. Ich gebe Fortbildungen in digitalen Themen und immer, wenn es um Gerätepreise u.Ä. geht, bekommen alle Lehrer*innen Bauchschmerzen und meinen, den Großteil könnten sie nicht umsetzen, weil das Geld fehle. Wenn etwas toll läuft, haben sie es häufig selbst bezahlt oder über Elternspenden finanziert.

  80. Ich höre euren Podcast nun seit über 2 Jahren und eure Darstellung der aktuellen politischen Lage in Deutschland finde ich meistens sehr informativ und gut analysiert. Als studierter Ökonomin standen mir allerdings bei eurer Erklärung des EZB Anleihenkaufprogramms die Haare zu Berge. Die EZB ist für Geldpolitik zuständig und politisch unabhängig (zumindest soll sie das sein). Für Fiskalpolitik sind die einzelnen EU-Staaten zuständig und dazu gehören auch Steuern. Die EZB ist damit ausdrücklich nicht für Steuerpolitik zuständig, erhebt keine Steuern und gibt auch keine Steuergelder aus. Das grundsätzliche Ziel der EZB ist Preisstabilität und das wurde in den Maastricht-Verträgen konkretisiert und auf ca. 2% Inflation festgelegt. Das heißt, alles was die EZB macht hat grundsätzlich dieses 2% Ziel. Das Anleihenkaufprogramm wurde von der EZB gestartet um dieses Ziel weiterzuverfolgen. Die Sorge dabei ist NICHT, dass die EZB neues Geld in Umlauf bringt sondern, dass die EZB die EU Staaten direkt finanziert indem sie dem Staat direkt Anleihen abkauft, also Kredite gewährt. Das darf sie, unter anderem laut Grundgesetz, aus historischen Gründen nicht (man erinnere sich an die Hyperinflation Anfang der 1920er Jahre in Deutschland). Um den Krisenstaaten aber trotzdem zu helfen, wird diese Vorgabe umgangen indem die EZB die Anleihen nicht direkt von den Staaten kauft. Stattdessen kauft die EZB die Anleihen von Anlegern, die vorher den Staaten vorher die Anleihen abgekauft haben. Damit wird den Anlegern garantiert, dass wenn sie z.B. italienische Staatsanleihen kaufen, sie die auch wieder los werden wenn ihnen das Risiko zu hoch wird. Damit können Krisenstaaten am Kapitalmarkt gehalten werden und Anleger bekommen die Sicherheit, dass sie ihr Geld nicht verlieren.
    Man kann von dem Programm halten was man will, aber davor sollte man das Programm und das Ziel dahinter verstehen.

  81. 8. Mai 2020 um 9:24 Uhr
    Michael Schlichenmaier

    Lieber Philip, lieber Ulf,
    (ich hoffe das “Du” ist ok)

    ihr habt nun schon zum zweiten Mal im LDN-Podcast erzählt, dass die Gesundheitsämter bei den Städten und Gemeinden angesiedelt seien. Das ist so nicht korrekt und rührt – so vermute ich mal frech – von Eurem Berlin-geprägten Blick her. :-)

    Die Gesundheitsämter sind in aller Regel bei den Landkreisen sowie den kreisfreien Städten bzw. Stadtkreisen angesiedelt. Unterschiede gibt es noch dahingehend, ob es – wie von Euch berichtet – um kommunale Gesundheitsämter handelt oder nicht. In Baden-Württemberg und Bayern sind die Gesundheitsämter staatliche Behörden (jedoch dennoch organisatorisch eingegliedert in die Landratsämter), in den anderen Ländern dürften es weitgehend kommunale Behörden sein – aber eben auf Kreisebene.

    Womit wir auch gleich zu einer weiteren von Euch thematisierten Frage kommen können:
    Das analoge Contact-Tracing erfolgt ja, wie ihr richtig erwähnt habt, in den Gesundheitsämtern. Bundesweit gibt es 294 Landkreise, hinzu kommen 107 kreisfreie Städte (bei uns in BaWü heißen die Stadtkreise). Die drei Stadtstaaten sind hierbei nicht berücksichtigt. Wenn wir also davon ausgehen, dass es – exklusive Berlin, Hamburg und Bremen – mind. 401 Gesundheitsämter gibt und es in jedem Gesundheitsamt ja mindestens gibt, die analoges Contact-Tracing betreiben können muss, kann man wenigstens ein Gefühl dafür bekommen, wie viele Fälle bundesweit wenigstens in der Theorie beherrschbar sind.

    Hier eine konkrete Zahl zu benennen, die Aufschluss darüber gibt, bis wohin ein Ausbruch tatsächlich beherrschbar wäre, halte ich jedoch für extrem schwierig und in der Praxis für kaum machbar, weil bei einem weiteren Ausbruch zu erwarten wäre, dass die Fälle nicht gleichverteilt auf das gesamte Bundesgebiet auftreten, sondern dass es regionale Hotspots geben würde, also bestimmte Kreise stärker und bestimmte andere weniger stark belastet sein würden.

    Insofern ist die Zahl 200 wahrscheinlich kein völliger Quatsch – aber trotzdem nicht uneingeschränkt gültig. 200 Neuinfektionen in einem Kreis (mal abgesehen von dem Fall, dass es sich um ein einzelnes Pflegeheim oä. handelt), und der damit verbundene Aufwand an analogem Contact-Tracing würden zweifellos bereits das örtliche Gesundheitsamt lahmlegen, 200 Neuinfektionen verteilt auf das ganze Bundesgebiet sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit völlig problemlos händelbar.

    Macht weiter so – ich hör’ Euch sehr gerne!

    Viele Grüße aus Baden-Württemberg
    Michael

  82. 8. Mai 2020 um 8:55 Uhr
    Josefine Peters

    Hallo, ich habe eine Art Flugblatt, verfasst von Frau Dr. Daniela Kauffold in die Hand bekommen.

    Dort steht „2013!!! Hatten alle!!! Bundestagsabgeordneten eine Drucksache auf ihrem Tisch: „Ein neues Virus verbreitet sich von einem Markt in Asien. Erst einige Wochen später wird die Dimension erkannt, als das Virus nach Europa kommt. Als Symptome werden trockener Husten, Fieber, Schüttelfrost und Atemnot genannt. Die besonderen Risikogruppen seien ältere Menschen… es entstehen Engpässe bei Arzneimitteln, Medizinprodukten, persönlicher Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln… Das gerade Schutzausrüstung in ausreichendem Maße vorhanden sein muss, wird mehrfach betont“ (Dt. Ärzteblatt Jg 117 Heft 15 10.04.2020) „

    In dem in dem Flugblatt steht weiter: „ warum verschwand bereits am 2.1.2020 ein Medikament vom Markt, für welches es eine Wirksamkeitsstudie für Corona gibt. Ich habe selbst am 2.1.2020 bei der Fa. Bayer Vital GmbH angerufen und die Aussage bekommen, es sei (nach 84 Jahren, solange gibt es das Medikament schon) die Qualität der Produktion nicht mehr aufrecht zu erhalten. …. Inzwischen kann man nachlesen, das die Produktion in Pakistan wieder aufgenommen wurde und auch die Bundesregierung das Medikament angekauft hat. Für wen, bitte?“

    Das waren nur zwei von einigen Vorwürfen, die im Flugblatt gemacht werde.

    Viele Fragen entstehen beim Lesen. Liebe Lage, dem müsste man doch nachgehen, oder???

    Ich wäre euch sehr dankbar. Ich bin ratlos, wie ich zu solchen Aussagen stehen kann.

    • Klassischer Fall: Man darf seinen Geist nicht mit Verschwörungstheorien belasten … sowas sollte man schon gar nicht erst lesen, denn wenn man es in Ruhe nachrecherchiert, dann bleibt meist nichts davon übrig. Ernsthaft: Haltet euch an etablierte Medien, deren Recherchen ihr vertrauen könnt.

    • @Josefine

      Die erste Aussage aus dem Flugblatt bezieht sich vermutlich hierauf: https://www.zdf.de/politik/frontal-21/versaeumte-pandemie-vorsorge-100.html

      Es gab damals also ein Planspiel, das den schlechten Vorbereitungsstand Deutschlands im Falle einer Pandemie nach dem Vorbild SARS offenlegte.
      Ähnliches habe ich auch aus UK mitbekommen.

      Vermutlich findet sich zu den meisten Dingen, die schiefgehen können, irgendein Papier, das auf die Gefahr frühzeitig hinwies. Was fehlt, ist der Wille der Regierung, sich gegen solche Risiken mit hohem Aufwand abzusichern. Dazu bräuchte es vermutlich ein eigenes Ministerium für ‘tail risk mitigation’ oder so.

  83. 8. Mai 2020 um 8:54 Uhr
    Kristin Reinhardt

    Hallo ihr beiden, höre gerade beim Joggen die neue Folge und bin etwas verwundert über die (emotionalen, aufgrund eigener Kinder) Äußerungen zu den teilweise Öffnungen der Schulen und schon stattfindenden Unterricht. 2 Punkte: zum einen bin ich mit dem Unterricht von meiner Tochter, Abschlussklasse, 6. Klasse, sehr zufrieden. Sie hat von 8.20 bis 12.45 Uhr Unterricht und es ist alles sehr gut organisiert. Aufgang A als Eingang, Aufgang B als Ausgang, Hygiene etc.. alles top. Meine Tochter hat entweder 2 oder 3 mal die Woche Schule, an den anderen Tagen gibt es Zuhause live Unterricht bzw. Gesprächsrunden mit Lehrern über eine Plattform und da kommen wir zu Punkt 2. WLAN… Ihr sprecht von technischen Voraussetzungen an Schulen, aber bei uns Eltern sollte man das auch hinterfragen. Nutze ich mehr als 2 Endgeräte fängt die Verbindung an zu haken. Home Schooling kann ich mir nicht gut vorstellen, zumal ich im Home Office auch keine positive Erfahrung gemacht habe aufgrund der Internetverbindung. Also wenn ihr das Thema Schulen nochmal aufgreift, dann denkt dran, dass es auch Schulen gibt (Berlin Charlottenburg-Westend), wo es super klappt und die Schüler durchaus knapp 5 Stunden unterrichtet werden ;) Ich bin froh, dass meine Tochter wieder Schule hat und ich voll ins Büro zurück kann.
    Passt auf euch auf und bleibt weiter gesund. LG Kristin

  84. Ich habe mir die Lage noch nicht angehört, aber ich freue mich sehr darauf sie zu hören. Insbesondere bin ich gespannt, wie ihr das Bundesverfassungsgerichtsurteil bewertet. Ich wollte euch diesbezüglich auf einen Zeitungsartikel mit Reaktionen der EZB aufmerksam machen https://www.ft.com/content/d93008c5-2b3c-4b2e-9499-5eabaaa959db
    Als starker Befürworter der EU hat mich das Urteil schon sehr geschockt und der Artikel hat mir ein bisschen gute Laune zurückgebracht.

  85. Hallo! Eine Verständnisfrage zum BVerfG/EZB: Bei der Einleitung hattet ihr Erwähnt, die Bundesbank sei unabhängig von der Politik und Justiz. Durch diese Entscheidung will das BVerfG aber der Bundesbank irgendwelche Einschränkungen auferlegen, dass sie bei der EZB nicht mehr mitspielen darf. Wenn die Bundesbank aber unabhängig ist, sollte ihr das doch egal sein, oder? Habe ich etwas übersehen oder hat sich die rechtliche Lage vielleicht inzwischen geändert?

    • Das BVerfG geht vermutlich davon aus, dass die Bundesbank an seine Entscheidungen gebunden ist, denn auch wenn sie politisch unabhängig ist, steht sie natürlich nicht über Recht und Gesetz.

  86. Lieber Philip. lieber Ulf,

    Danke für Eure gute Arbeit, die auch gerade in diesen Zeiten in meinen Ohren die richtigen Töne in einem guten Rhythmus findet!

    Die Sache mit digitalen Lösungen für die Schule zu Hause ist m.E. alles andere als einfach. Als Lehrer an einem Münchner Gymnasium und gleichzeitig Student in einer Fortbildungsmaßnahme und gleichzeitig Vater einer Grundschülerin habe ich drei Blickwinkel auf das Problem. Hier nur ein paar Dinge, die in der Diskussion berücksichtigt werden sollten:

    Didaktisches Design im Digitalen, ist, wenn es gut sein soll, anders als eine bloße Kopie des Präsenzunterrichts. Ein Modell könnte vielleicht der ‘flipped classroom’ sein, in dem sich Schüler_innen selbst den Stoff erarbeiten (das müssen sie sowieso gerade ohnehin), und dann im Klassenzimmer (das dann jetzt auch der BigBlueButton oder etwas anderes sein kann) üben, in dem sie selbst Inhalte vorstellen und/oder Gelegenheit haben, Fragen zu klären, mit denen sie selbst nicht klargekommen sind. Auf einer Lernplattform könnte der Stoff also so aufbereitet sein, dass er mit kurzen Videos, interaktiven Aufgaben, Tests (die digital sofort ausgewertet werden können und so sofortiges Feedback bereithalten) und allem was man sich sonst noch so vorstellen möchte, gut erarbeitet werden kann. (Seltenere) Videomeetings würden dieses Lernen dann gut ergänzen, denn sie könnten so zu einer Quelle wertvollen Feedbacks und Ort notwendiger Übung werden.

    Das gesagt, möchte ich hinterherschieben, warum auch diese Idee (die ich im Übrigen für verfolgenswert hielte) nicht ohne weiteres umzusetzen ist: (Außerdem sind dies die Punkte, die in Diskussionen oft nicht Berücksichtigung finden.)
    (1) Auch viele Lehrer_innen sind Eltern: wir schaffen gerade (wie vermutlich alle anderen Eltern) im Beruf deutlich weniger, als wir selber gut fänden.
    (2) Lehrer_innen sind Expert_innen für Unterricht, aber normalerweise nicht Expert_innen für die Gestaltung digitaler Lernräume. (Als einer der Koordinatoren für die bayerische mebis-Lernplattform an meiner Schule bin ich stolz darauf, dass inzwischen fast alle Kolleg_innen ihre Arbeitsblätter dort bereitstellen und Foren bedienen, und viele auch einiges mehr an Digitalaktivitäten entwerfen, nur von Digitales-Didaktisches-Design-Profis sind wir (ich eingeschlossen) noch entfernt.)
    (3) In Bayern werden zur Zeit keine Noten gemacht. Auch wenn Noten an Schulen schon vor Corona diskussionswürdig waren, sind sie doch so eine Art Währung in der Schule geworden, in der (auch) Anerkennung und Wertschätzung ausgedrückt wird. (In kritischem Vokabular formuliert, und so nur zum Teil von mir für wahr gehalten: Noten sind extrinisische Motivatoren, die intrinsische Motivation korrumpieren.) Die Benotung jetzt wegzulassen nimmt vielen Schüler_innen auch die Motivation, ihren (in welcher Form auch immer gehaltenen) Unterricht ernsthaft zu verfolgen. Diese Motivation kann auch nicht durch noch so interessante Projekte oder Aufgaben erzeugt werden – einfach weil die Gewohnheit fehlt. (So gesehen ist das Weglassen von Noten noch ungerechter als das Beibehalten: denjenigen, die zu Hause keine Unterstützung bekommen, wird jetzt auch noch diese Motivtion genommen. ((Klammer in der Klammer in der Klammer) Mit dem Beibehalten von Noten ist das Gerechtigkeitsproblem natürlich auch nicht gelöst – vielleicht gibt es dafür auch einfach gerade keine Lösung.)

    Ich entschuldige mich dafür, dass dieser Text so lang und stellenweise verschachtelt formuliert geworden ist – zu einem kürzeren und geschliffeneren Text fehlt mir gerade die Zeit (jetzt wachen die Kinder auf, und ich muss Frühstück machen.) Auch hatte ich vorhin noch ein paar Sachen im Kopf, die ich noch schreiben wollte, von denen jetzt immerhin einige hier stehen.

    Danke nochmal für den schönen Podcast!

    Herzliche Grüße

    • Ich wünschte, ich hätte deinen Kommentar gelesen, bevor ich meinen seitenlangen Kommentar verfasst habe :D Der greift nämlich um einiges kompakter auf, was ich auch versucht habe zu sagen: Es gibt gerade keine tollen Konzepte, weil die Bedingungen schwierig sind, die Erfahrung fehlt und weil alle noch daran arbeiten. Danke für deinen Einblick!

  87. Kam es mir nur so vor, oder hat sich Frau Schulze bei Ihren Antworten tatsächlich immer nur auf ihre handvoll Talkingpoints bezogen? Das Interview war irgendwie anstrengend anzuhören – ich empfand die Antworten der Ministerin teilweise echt patzig; aber großes Lob an Ulf und Philip für das gezielte und anhaltende Nachfragen.

    Thema Klimaprämie:
    Haben die Steuerämter nicht die Anschrift und Kontodaten der erwerbstätigen Bürger und Rentner?

  88. Eine Sache die ich bisher noch nicht wirklich in der Diskussion gesehen habe ist eine Verankerung von freiwilliger Lockerung, speziell am Arbeitsmarkt. Was ich damit meine: Wenn ein Arbeitnehmer aktuell von zu Hause arbeitet, kann ein erster Schritt sein, Arbeitnehmern das Recht zu geben selbst zu entscheiden. Gibt es dazu Diskussion in der Politik? Argumente dafuer und dagegen?

  89. 7. Mai 2020 um 23:11 Uhr
    Thomas Langel

    Jetzt habe ich schlechte Laune, wegen des Interviews mit Svenja Schulze. 😕

  90. Liebes LageDerNation-Team,

    ich bin langjähriger Hörer eures Podcast, habe noch nie einen Kommentar hier geschrieben und dachte, jetzt sei ein günstiger Zeitpunkt für meine Premiere :)

    Die Zahl von 200 Neuinfizierten pro Tag kam von Karl Lauterbach in seinem Live-Video mit Tilo Jung (und Hans Jessen). Das hat er mehrmals in der Folge gesagt, einmal direkt hier:
    https://youtu.be/-73gTjn-TVM?t=832

    Mich macht es auch immer wahnsinnig, wenn ich vergesse, wo ich eine Info her habe, ich hoffe ihr könnt jetzt wieder besser einschlafen ;P

    Lieben Gruß und macht weiter so!

  91. Liebe Lage! Bezüglich der schrittweisen Schulöffnungen. Bitte seht in Schule noch etwas anderes als ein Ort der Wissensvermittlung. Natürlich kann man sich fragen, ob die Öffnung zu früh kommt und ob der Unterricht, der jetzt stattfinden wird, effektiv ist. Für leistungsstarke Gymnasiasten mit – wie Ihr es im Podcast gesagt habt- Eltern, die unterstützen können, macht eine Öffnung wahrscheinlich tatsächlich wenig Sinn. Die kommen gut mit Homeschooling und Big Blue Button klar. Aber an unserer Kreuzberger Sekundarschule im absoluten Brennpunkt, ist die Öffnung wirklich wichtig. Zu vielen ist der Kontakt abgebrochen. Wir wissen nicht, wie es ihnen geht, wie es den Familien seelisch geht. Auch wenn meine Klasse ihre Aufgaben sehr zuverlässig bearbeitet, berichten die Schüler mir doch, wie sehr sie die Situation zu Hause belastet. Unsere Schüler wohnen nicht selten zu acht in einer 3-Zimmerwohnung. Und jetzt ist auch noch Ramadan. Das zehrt zusätzlich. Es geht gar nicht so darum jetzt neues abrufbares Wissen im Unterricht zu vermitteln, sondern den Schülern wieder einen Ort zu bieten, wo sie auch Zuflucht finden. Wo Lehrer und Sozialarbeiter tätig sind, die ihre Sorgen Ernst nehmen und im Ernstfall (passiert leider bei uns sehr oft) die Jugendämter einschalten. Es wird gerade ein Konsultationstag eingeführt, der nur dazu dient, mit den Schülern Einzeltermine zu vereinbaren, um sie, natürlich auch schulisch zu beraten, aber auch um sie gegebenenfalls emotional aufzufangen.
    Unsere Schule ist übrigens technisch unfassbar gut ausgestattet. (Tatsächlich dank 2er Kollegen aus dem Mathebereich……danke für nichts liebe Senatsverwalrzng;-) ) BigBlueButton haben wir zum Beispiel. Aber das bringt alles nichts, wenn die Zustände zu Hause so sind wie sie sind.
    Übrigens: Unsere Schule hat den Hygieneplan wirklich penibel umgesetzt, die Aufsichten aufgestockt und die Schüler werden wirklich immer zurechtgewiesen, wenn sie den Sicherheitsabstand nicht wahren. Sie haben versetzt Unterricht, versetzt Pause, dürfen nur einzeln auf Toilette und gehen unterschiedliche Treppenaufgänge hoch, damit sie sich nicht begegnen.
    Aber es stimmt schon: der Nachhauseweg ist ein Riesenproblem und darüber wieviel Körperflüssigkeit vor den Schultoren ausgetauscht wird, möchte ich lieber nicht nachdenken….
    Es sind keine einfachen Entscheidungen, die im Bereich Schule getroffen werden.

    • Ich bin so froh, hier so viele tolle Kommentare von Lehrer*innen zu lesen, die selbst berichten. Auch ich hatte das Gefühl, dass die Voraussetzungen von vielen Schüler*innen, aber auch Schulen hier nicht mitgedacht wurden. Und dass es eben individuell unterschiedlich sein kann, ob es das Restrisiko “wert” ist.