LdN187 Corona-Update, Feedback Schulen und Fernunterricht,Genehmigung Berliner-Flughafen, Lübcke-Mord

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| 270 Kommentare

Corona-Update 

Feedback: Schulen und Fernunterricht 

Lübcke-Mord

Verabschiedung

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Hausmitteilung

270 Kommentare

  1. Hallo ihr,

    zur Schulöffnung:
    Ich verstehe eure Vehemenz, dass in Schulen schon längst anders mit digitalem Lernen umgegangen sein müsste. Das denke ich auch. Dazu aber ein paar Gedanken, da ich als Schulsozialarbeiterin in einer Hamburger Schule arbeite: Den vorher schon benachteiligten Kids tut die zeitweise Öffnung gerade tatsächlich gut. Digitale Teilhabe kann ohne viel Veränderung leider noch nicht stattfinden. Es fehlt in den Familien an technischen Geräten, W-Lan, digitaler Kompetenz, Ruhe, Raum,… Das digitale Lernen hängt tatsächlich auch sehr an der Kompetenz, dem Willen und der Bereitschaft der einzelnen Kolleg*innen. Unsere IT-Frau (extrem schlecht bezahlt ist der Job übrigens) könnte da ohne mehr Ressourcen auch nicht viel ändern.

    Dennoch verstehe ich, dass Schulen als Herd zur Verbreitung gesehen werden, aber ich finde diese Seiten müssen auch mitgedacht werden und kamen mir bei euch zu kurz…
    Das mit der Handhygiene funktioniert übrigens gut mit den Jugendlichen!

    Liebe Grüße aus Hamburg, Anne

  2. Hallo ihr beiden,

    sehr cool, dass ihr in letzter Zeit noch konsequenter gendert und manchmal sogar die “-*innen”-Form aussprecht.
    Ansonsten hat mich insbesondere die Meta-Einordnung/die Frage nach der langfristigen Strategie zu Beginn der Folge gefreut.

    Grüße, Ina

  3. Hallo Lage,
    ich bin langjähriger und regelmäßiger Hörer der Lage und freue mich immer über die objektive Einschätzung der politischen Ereignisse.
    Ich würde gerne zum Problem zur Umsetzung von Hygienevorschriften an Schulen etwas beitragen.
    Meiner Meinung nach ist nicht nur der Abstand und dadurch auch der Platzmangel in Klassenzimmern ein großes Problem. Ein weiteres großes Problem sehe ich in der Handhygiene. Zum einen ist es für den Klassenlehrer schwer, zu überblicken, wer sich schon die Hände gewaschen hat, zum Zweiten ist der Zeitaufwand, bei nur einem Waschbecken im Klassenzimmer und 20-30 Schülern, sehr hoch bis sich alle die Hände gründlich gewaschen haben. Zum anderen wäre es sinnvoll, schon am Eingang der Schule eine Möglichkeit zu haben, sich die Hände zu waschen.
    Das Problem besteht aber darin, dass weitere Waschbecken bisher nicht einfach nachträglich aufgestellt werden, können dort wo sie gebraucht werden.
    Ich möchte eigentlich ungern Werbung in eigener Sache machen, bin aber von dem gesellschaftlichen Nutzen überzeugt. Mein Vater hat mit einem Stadtrat in Rottweil, aufgrund des bestehenden Problems, ein Hygienemobil entwickelt.
    Kurz zur Erklärung: Es ist ein mobiler Korpus mit zwei eingebauten Waschbecken inkl. Seifenspender, Desinfektionsmittel, und Papierspender. Das Wasser und Abwasser fließt durch eine flexible Zu- und Ableitung mit Heberpumpe und Durchlauferhitzer. Das Hygimo kann also flexibel aufgebaut werden, dort wo es notwendig ist.
    Es ist gedacht für eine Erleichterung der Umsetzung von Hygienemaßnahmen. Natürlich ist es auch sinnvoll für beispielsweise Eingänge von öffentlichen Gebäuden. http://www.hygimobil.de

    Ich würde mich freuen, wenn eine Diskussion stattfindet, ob solche Maßnahmen ohne Anschaffungen überhaupt umsetzbar sind.

  4. Eine kleine Randbemerkung in den Nachrichten hat mich stutzig gemacht.
    Die Bundeswehr unterstützt in der Coronakrise.
    Wenn Miltärärzte und -Sanitäter aushelfen, Transporte vorgenommen werden oder auch Soldaten in der Verwaltung helfen, wo es zu viele kranke Mitarbeiter/Beamte gibt, alles in Ordnung.
    “die Verantwortung für die Zugangsschleuse einer Klinik” (https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-news-am-donnerstag-die-wichtigsten-entwicklungen-zu-sars-cov-2-und-covid-19-a-db6876b2-2cd9-49c3-a6d1-fe66e0b0861d) hat mich stutzig gemacht. Ist das nicht schon zu sehr am “bewaffneten Einsatz im Innern”? Heute eine Zugangsschleuse zu einem Krankenhaus, morgen die Abschottung des Regierungsviertels vor Demonstranten, und bald schon Amtshilfe bei der Einkesselung von “autonomen Stadtvierteln”? Und danach muss der Verteidigungsminister gar nicht mehr auf ein Amtshilfeersuchen des Innenminister warten. Ich hoffe ich übertreibe, aber ich glaube, wir müssen hier sehr vorsichtig sein, um nicht eine stille unbemerkte Erweiterung der Befugnisse des Militärs, was den Einsatz innerhalb der Landesgrenzen angeht, zu verpassen.

  5. Hi ihr beiden, ist hier etwas daran?

    Habe ich zugeschickt bekommen von meiner Familie:

    Gesetzesentwurf für impflicht..

    youtu.be/gQyCuR9kbbk

    • 1. bitte keine Youtube Videos schauen, die nicht aus bekannt seriösen Quellen stammen! Massive Gefahr von Fake News, Verschwörungstheorien und anderem Bullshit.

      2. ist auch diese Info Unsinn, denn

      a) wäre eine impfpflicht gegen Corona rechtlich möglich und offensichtlich sinnvoll, und
      b) enthält der Gesetzentwurf keine Impfpflicht, sondern ermöglicht nur, bestimmte Beschränkungen nicht auf Menschen anzuwenden, die nachweislich immun sind.

      Über das Für und Wider dieser Differenzierung haben wir in der Folge ja ausführlich gesprochen.

  6. Interessante Folge mal wieder, ich höre euch immer gerne zu :)
    Eine Anmerkung allerdings: Die 200 Neuinfektionen pro Tag müssten doch auch erreichbar sein, solange R langfristig einfach unter 1 bleibt. Ich hatte das Ziel R=0,2 auch schon an anderen Orten gehört aber ich verstehe da nicht so wirklich den Zusammenhang – abgesehen davon, dass so ein geringes R natürlich schneller zu 200 Neuinfektionen pro Tag führt als z.B. R=0,8

  7. Hallo ihr zwei,

    ich würde mich als Wissenschalfterin gerne zu eurem Kommentar zur WHO melden.
    Wie ihr auch richtig erklärt habt, sind die Antikörpertests z.T. extrem fehleranfällig (v.a. die kommerziellen Tests). Dazu kommt, dass so ein positiver Test nicht aussagen kann, wie viel Antikörper produziert wurden und ob die Menge ausreichend ist, um Immunität aufzubauen (einen guten Artikel dazu findet ihr hier: https://www.nature.com/articles/d41586-020-01115-z).

    Wenn man jetzt also einen Immunitäts-Pass auf Basis eines solchen Antikörpertests aufsetzt (was in einigen Ländern wahrscheinlich ist, da die Tests billiger und schneller sind), wäre das fatal.
    Zu sagen, dass die WHO eine “taktische Maßnahme” benutzt, um generell vor Immunitäts-Pässen zu warnen – ich weiß nicht. Die WHO nimmt weltweit eine sehr wichitge Rolle in der jetzigen Krise ein und will sich auch nicht nachsagen lassen, falsch gehandelt zu haben (was ja schon passiert ist, wie wir alle wissen). Deswegen ist es meiner Meinung nach auch wichtig, dass die WHO sich so positioniert. Ihr dürft nicht vergessen, dass nicht jedes Land so viele clevere Virologen wie Deutschland hat, die auch noch angehört werden.

    Und dann noch zum Schluss: Ich höre euch super gerne – vielen Dank für eure Arbeit!

  8. 6. Mai 2020 um 10:57 Uhr
    Citizen of Nowhere

    Leibe Lage,

    bitte die BVerG-Enstcheidung über Anleihekäufe in Zeiten von Covid19 beurteilen. Mit wenigen Ausnahmen scheinen die deutschsprachigen Medien ihre Bedeutung nicht erfasst zu haben.

    Eine der Ausnahme ist Mark Schieritz hier https://www.zeit.de/amp/wirtschaft/2020-05/anleihekaeufe-ezb-bundesverfassungsgericht-waehrungsunion-coronahilfen.

    Eine Gruppe deutscher Juristen hat sich bewusst auf die Seite der Lumpenmodelle von Hans-Werner Sinn in Wirtschaft und Geldpolitik geschlagen.

    Schieritz sagt dazu:

    ” Die EZB habe, so die Karlsruher Richter, nicht ausreichend gezeigt, ob die Vorteile der Maßnahmen mögliche Nachteile aufwögen. Der Bundestag müsse nun darauf dringen, dass eine solche Prüfung der Verhältnismäßigkeit stattfinde. Man fragt sich, was die mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notenbank nach Ansicht des Gerichts wohl den lieben langen Tag tun. Däumchen drehen? Geldpolitik ist ein ständiges Abwägen von Vorteilen und Nachteilen. Wer nur einmal auf die Internetseite der EZB klickt, der wird dort seitenweise Reden, Blogbeiträge, Aufsätze von Direktoriumsmitgliedern zu diesem Thema finden. Gibt es in Karlsruhe kein Internet?

    In diesem Stil geht es weiter. Um die Gefahr niedriger Zinsen für die Sparer zu dokumentieren, zitieren die Richter eine Studie des Bundesverbands öffentlicher Banken – für die die Niedrigzinspolitik ein Ärgernis darstellt. Das ist ungefähr so, als würde man in Sachen Dieselemissionen auf eine Stellungnahme von Daimler verweisen.”

    Geldpolitik ist und kann niemals unpolitisch sein. Die EZB muss fiskalpolitisch eingreifen, weil einige Mitglieder der Eurozone, angeführt von Deutschland, eine gemeinsame fiskalische Maßnahme zur Stimulierung der Wirtschaft in einer Krise blockieren.

    Daneben hat das BVerfG, wiederum in einer hochpolitischen Entscheidung, mit Orbán und der PiS den rechten autoritären Nationalisten Munition gegeben.

    Schieritz nochmal:

    ” Wenn Deutschland meint, sich dem Primat des europäischen Rechts entziehen zu können – was sagen wir dann erst den Polen oder den Ungarn, die aus ganz anderen Gründen ihre Probleme mit den europäischen Vorgaben haben?”

    • 6. Mai 2020 um 11:12 Uhr
      Citizen of Nowhere

      Ulrike Herrmann, Autor von “Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen” (übrigens ein ein sehr empfehlenswertes Buch), hat hat sie die politische Intervention des BVerfG pointiert beschrieben als ‘Perfide Quatsch’.

      https://taz.de/EZB-Urteil-des-Bundesverfassungsgerichts/!5680003/

      “Das Bundesverfassungsgericht war schon immer ein Spiegel der deutschen Gesellschaft. Momentan spiegelt es den ökonomischen Nationalismus, der hierzulande grassiert.”

      In andere Worten, der BVerfG teilt den “gesunden Menschenverstand” in Sachen Geldpolitik: eine idiotische Mischung aus Merkantilismus aus den 1700er Jahren und Monetarismus aus den 1970er Jahren, fast überall in der deutschen Medien verbreitet und tief und tief in der deutschen Wissenschaft verankert.

      Wenn die EU auseinander fällt, wird dieser Komplex des wirtschaftlichen Aberglaubens maßgeblich daran schuld sein.

      In Fragen der europäischen politischen Ökonomie lohnt es sich, außerhalb der deutschen Blase zu lesen. Zum Beispiel der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze von der Ökonomin Daniela Gabor.

      https://adamtooze.com/

      https://twitter.com/DanielaGabor

  9. Moin moin hier kommt ein Themenvorschlag für die nächste Lage der Nation
    Bitte greift doch einmal das Thema Verhältnismäßigkeit der derzeitigen Maßnahmen / Lockerungen auf.

    In den ersten Wochen ging es darum die Infektionskette radikal zu unterbinden. deshalb der Lockdown.

    Inzwischen sind sich offenbar doch alle einig, dass es jetzt darum geht, ein Leben mit dem Virus zu etablieren Und auch dafür zu sorgen dass die Wirtschaft wieder in Gang kommt.

    In der jetzigen Phase kann es daher nicht mehr darum gehen, welche Tätigkeiten Systemrelevant sind, sondern darum wie wir alle unserer beruflichen Tätigkeit nachgehen können ohne andere zu gefährden (Stichwort Mindestabstand, Hygiene).

    Die Ausübung der Berufsfreiheit ist derzeit eingeschränkt und sowas ist nur zulässig, wenn die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibt – so habe ich euch in der Lage der Nation immer verstanden.

    Im Hamburger Abendblatt gibt es in den letzten Wochen eine Debatte, inwieweit die Maßnahmen noch gerechtfertigt,Beziehungsweise verhältnismäßig sind.

    Da stellen sich dann Fragen, warum z.B. medizinische Fußpflege erlaubt ist, Pediküre aber nicht, usw., usw.
    Für mich persönlich ist diese Woche überhaupt nicht nachvollziehbar, warum ich einen Bildungsurlaubskurs mit sechs Erwachsenen in einem geeigneten Seminarraum diese Woche nicht geben darf, wären Friseure wieder arbeiten dürfen und Einkaufszentren wieder belebt sind.
    Mindestabstand und Hygiene sind Iin der Erwachsenenbildung gewährleistet, im Fall des Falles,wäre eine Infektionskette problemlos nachverfolgbar weil alle Namen bekannt sind.

    Derartige Entscheidungen sind für viele Bürger nicht mehr nachvollziehbar und Sorgen im Einzelfall für wirtschaftliche Härten.

    Maren

    • Ehrlich gesagt kann man darüber nicht präzise juristisch diskutieren, weil es einfach zu wenig klare wissenschaftliche Daten gibt zu der Frage, wie sich welche Lockerung konkret auswirkt. Daher haben die Gesetzgeber in den Ländern hier einen relativ weiten Einschätzungsspielraum. Oder einfacher gesprochen: Wir fahren hier einfach “auf Sicht”.

      • Wie sich welche Lockerungen konkret auswirkt, werden wir wahrscheinlich nie genau wissen können.
        Wenn ich die Podcast von Kikule oder Drosten höre, so scheinen sie sich doch jedenfalls dahingehend einig zu sein, dass Mindestabstand gut gelüftet Räume, gegebenenfalls Masken tragen, dafür sorgen würden dass eine Ansteckung mit größter Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen wäre.

  10. Hallo ihr beiden,

    Ich fand euren Hinweise, das es was bringen kann die MdB’s zu kontaktieren echt gut. Hatte das gar nicht auf dem Radar. Ich würde mich freuen, wenn ihr zum Thema #Abfckprämie (das ihr in der nächsten Lage sicherlich ansprechen werde) einen Aufruf macht, das wir alle mal mit unseren MdB’s reden/schreiben und wirklich Druck machen, das dort was nachhaltiges für Gesellschaft und Klima passiert und das Ergebnis nicht nur eine Finanzspritze für Verbrecher (#Dieselskandal) und Milliardäre (#Klatten) wird. Ihr habt so eine große Reichweite, da sollte sich doch was machen lassen.

    Liebe Grüße :)

    P.S. können die MdB’s da überhaupt was machen oder ist das eine reine Sache der Exekutive. Und wenn ja, wie kann man dann Druck aufbauen? Bei den Ministern sind die E-Mails sicher sehr stark gefiltert oder?

    • Hallo Benjamin,

      wenn ich das richtig im Kopf habe, sprach der Hörer Mark/c davon, seinen LANDtagsabgeordneten kontaktiert zu haben. Die mögen im Zweifel erreichbarer sein als die MdBs (bei mir z.B. Gregor Gysi, der wohl nur schwer erreichbar sein wird). Aber versuch doch einfach beides. Werde ich zu gegebener Zeit auch tun.

      LG, Chris

  11. Hallo ihr beiden,

    vorab ein großes Lob für eure Arbeit und detaillierte Recherche – ich höre euch immer gerne zu und lerne bei den Folgen regelmäßig Neues!

    Themenvorschlag für die nächste/übernächste Folge:
    Könntet ihr einmal die EZB-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu Staatsanleihenkäufen und dem Demokratieprinzip der EZB durchleuchten? Wenn ich die Berichterstattung korrekt mitbekommen habe, dann geht es dabei ja auch um die Frage der Verhältnismäßigkeit und wäre dementsprechend sogar verwandt mit den Corona-Thematiken.

    Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg,
    Florian

  12. Es gibt viele Erkenntnisse über das Virus, welche erst im Verlauf der Pandemie gewonnen werden. Auch die Einschätzung zu Schutzmassnahmen können sich auf Grund neuer Erkenntnisse laufend ändern. Es ist daher möglich, dass sich die Aussagen der Wissenschaftler im Verlauf ändern, das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass frühere Aussagen nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen oder dass Wissenschaftler politisiert haben.
    Eure Darstellung zu den Aussagen des RKI zu Masken wirkte stark persönlich gefärbt und hat den Eindruck vermittelt, als hätte das RKI bewusst Informationen zurück gehalten oder wissenschaftliche Daten neu interpretiert, um einen Ressourcen-Mangel nicht zu verstärken. Man kann das natürlich nie vollständig ausschliessen, doch solche Aussagen von euch, können die von euch zu Recht kritisierten Verschwörungstheorien gegenüber Institutionen wie dem RKI verstärken. Das finde ich bedenklich.
    Unter Medizinern wurde die Maskenpflicht und ihr Nutzen intensiv diskutiert. Der Zusatznutzen ist whs. sehr gering und zu Beginn der Pandemie war die berechtigte Sorge vorhanden, dass ungeschulte Menschen die Masken falsch verwenden, auf Grund des ungewohnten Gegenstandes doch häufiger ins Gesicht fassen und vor allem, sich in falscher Sicherheit wiegen und die viel effektivere Abstandsregel missachten. Es bestand die Sorge, dass der minimale Zusatznutzen, den eine Maske in der Verbreitung des Virus bringen kann, ins Gegenteil umgekehrt wird, insbesondere in der Phase, in der keiner abschätzen konnte, ob wir Verhältnisse wie in Italien bekommen werden.
    Es gibt zudem Studien über die Unwirksamkeit verschiedener Stoffe als Schutz, feuchte Masken sind fast unwirksam und einige Forscherteams haben Graphiken veröffentlicht, wie schlecht übliche Stoffe aus dem Haushalt gegenüber medizinischen Masken abschneiden.
    Die Annahme, dass es also nur um den Schutz der Ressource “medizinische Maske” ist relativ spekulativ. Eure sonst so sachliche und fachlich fundierte Darstellung klang in dem kurzen Moment, leider fast wie eine Stammtischdebatte.

  13. Ich habe ein Jahr lang versucht meinen MdB in der Bürgersprechstunde zu treffen. Ich zabe es aufgegeben.

  14. Hi allerseits (nochmal),

    warum wird eigentlich neben Tracing-App nicht auch einfach dazu aufgefordert, dass sich die Leute 1. auf nen Zettel schreiben, mit wem sie/wann kontakt hatten und haben und 2. alle selbständig kontaktiert werden, sobald eine*r Symptome hatte. Es geht doch bei der App darum die Kontaktverfolgung zu erleichtern. Ich wurde auch schonmal vom Gesundheitsamt angerufen und zwar viel zu spät. Zum Glück war meine infizierte bekannte schlau genug mich einfach selbst zu informieren dass sie a) ein ungutes Gefühl hat. b) sich testen lässt. c) positiv getestet wurde… Wir haben bei a) beschlossen uns nur im Freien zu treffen und bei b) habe ich niemanden mehr getroffen. bei c) gab’s nix zu ändern. dann kam d) und das Amt rief an – zwei Tage vor Ablauf einer Quarantänezeit. … Braucht es unbedingt ne App? Mal angenommen: Würde mich heute mein Kumpel anrufen, “hey – ich hab Symptome, bleib am besten zu Hause, Du könntest jetzt oder in paar Tagen ebenfalls ansteckend sein.” Könnte ich und ein paar andere Leute zumindest versuchen uns von anderen ferne als eh schon zu halten, den Mindestabstand genauer einhalten oder vergrößern. Hätte der Kumpel keine Symtpome würde er vermutlich einige Tage später z.B. von seiner Schwester angerufen werden: Hey Du… ich hab Symptome etc. Der Kumpel könnte dann zurück rechnen, ob er womöglich unbemerkt Virenschleuder gewesen ist. Er würde dann mich anrufen und sagen, Du ich hab meine Schwester getroffen, die hat jetzt Symptome. Sei Vorsichtig und ruf mal deine Leute an ob jemand was merkt… Die Mobilfunkunternehmen würdes sich womöglich freuen, aber wäre sowas nicht auch eine Option v.A. solange es immer noch keine App gibt und viele diese App nie haben werden. Die hälfte meiner Familie hat z.B. gar kein Handy, und ein Viertel kein Smartphone – ja diese Leute gibt es. Wer täglich auf seinen Zettel schreibt, wen er alles getroffen hat und wen er infiziert haben könnte und anrufen muss, versteht vlt. auch besser wozu ne Kontaktbeschränkung gut ist, oder?

  15. #Abwrackprämie
    Hallo Ihr Beiden,
    vor ca zwei Wochen habt Ihr eine Studie zur Sinnlosigkeit bzw deren statistischen Beweis der Abwrackprämie von 2008/09 vorgestellt. Ich dachte “damals”: komisch, das ist doch Schnee von gestern, aber ok, nun haben wir also nochmal nen Beweis, dass es ein Geschenk an die Autolobby war.
    Gestern, im Newsletter von fridays for future, wurde zu einer Unterschriftenaktion aufgerufen, da sich HEUTE die Bundesregierung mit Mitgliedern der Autolobby tritt, um eine Abwrackprämie 2.0 (oder 2020? Wort-Zahlenspiel…) durchzusetzen. Bei gleichzeitiger Auszahlung von Manager-Boni und Aktiendividenden!
    Ich würde mich freuen, wenn viele, die das lesen, auf der FFF-Seite ebenfalls unterzeichnen und, wenn’s irgend geht, Ihr in der nächsten Lage darüber berichten könntet! Wie kann man nur eine so lobbygesteuerte, zukunftsfeindliche und rückwärtsgewandte Politik betreiben! Wo sogar Wirtschaftsvertreter eine Koppelung von staatlicher Unterstützung an Klimaschutzmaßnahmen koppeln!
    Herzliche, grad ziemlich frustriert-genervte Grüße, Ulrike
    (P.S.: Nur in aller Deutlichkeit: ich bin keine FFF-“Lobbyistin”, ich finde es schlicht und einfach nur gut und wichtig, was sie machen

  16. Moin,
    Ihr habt ja immer mal wieder zu Themenvorschlägen aufgerufen:
    Ich habe gerade die Biografie von Edward Snowden gelesen und mich interessiert, was denn tatsächlich an politischen Konsequenzen daraus gefolgt ist. Die DSGVO gehört sicherlich dazu, aber vielleicht habt ihr ja Lust ein Follow Up zu den Enthüllungen zu machen und wie sich das alles entwickelt hat. Und in dem Zuge würde mich auch nochmal interessieren, warum Deutschland ihm nach wie vor kein Asyl anbietet (nur um es sich mit den USA nicht zu verscherzen?). Falls ihr dazu was hattet, gerne auch auf die Lage verweisen :)
    Beste Grüße, bleibt gesund und macht weiterhin so tolle Arbeit!

  17. Hallo,

    habe gerade beim Spazieren gehen. Vielen Dank für die informative Folge.

    Zwei Themenvorschläge für die nächste Sendung:

    Corona und die Medien: Gestern schon bei der Tagesschau. “Die Medien” werden kritisiert, dass sie zu regierungsfreundlich berichten.

    Venezuela: Vor einiger Zeit habt ihr ja schonmal über das Land berichtet. Jetzt ist wieder etwas passiert, Medien sprechen von einer “angeblichen” Invasion. Das wäre bestimmt spannend. Ich verlinke euch dazu einen Artikel. https://taz.de/Mutmassliche-Invasion-in-Venezuela/!5682954/

    Liebe Grüße,

    Andreas

  18. Hallo Lage-Team!
    Zum Thema Kita-Schließungen in Corona-Zeiten habe ich auch etwas mitzuteilen:
    Wir sind eine dreiköpfige Familie. Unser Sohn (3) 45-Stunden Kitaplatz, meine Frau, Erzieherin (in einer anderen Kita des Verbundes), ich, Industriemeister in der Chemie (u.a. Medizinprodukte).
    Wir sind also beide in systemrelevanten Berufen tätig, können aber nicht im Homeoffice arbeiten.
    Wir haben so lange es ging vermieden unseren Sohn in die Notbetreuung der Kita zu geben, da dort der Kontakt zu anderen Kindern und Erziehern eine zusätzliche Infektionskette bilden könnte. Die ersten fünf Wochen der Kita-Schließungen arbeiteten wir also im “Schichtbetrieb”. Meine Frau morgens, ich nachmittags bis abends. Nun ist das aber nicht mehr wirklich praktikabel und wir haben uns dazu entschlossen unseren Sohn in die Notbetreuung zu geben.
    Was wirklich niemand mal erwähnt, sind die katastrophalen Hygienebedingungen in einer Kita. Erzieheinnen sollen keine Schutzmasken und Handschuhe tragen damit die notbetreuten Kinder nicht verschreckt werden. Die Erzieher/innen und Kinder sind also schutzlos gegenüber einer Infektion. Kindergartenkinder niesen und husten nicht nach Vorschrift und social distancing ist dort auch nicht möglich. Und das alles vollkommen ohne Schutz.
    Jetzt stellt euch folgende Situationen vor:
    Meine Frau geht arbeiten und betreut inzwischen 10 Kinder ohne persönliche Schutzausrüstung. Unser Sohn besucht seine Kita in der Zeit mit 9 anderen Kindern und Erziehern ohne persönliche Schutzausrüstung. Die beiden wohnen mit mir (Risikogruppe wg. Asthma) in einem Haushalt. Wenn es dort mal ernst wird mit Infektionen sind alle schutzlos ausgeliefert. Gewollt vom Träger der Kitas um die Psyche der Kinder zu schützen.
    Dann ist es darüber hinaus schidzophren, dass man als Elternteil sein Kind mit getragenem Mundschutz von der Kita abholen muss. Das Kind wird dann von der betreuenden Erzieherin im Vollschutz übergeben. Das Kind hat aber stundenlang ohne jeglichen Schutz mit der Erzieherin gespielt und spielt auch ohne Schutz nachmittags mit uns. Muss man nicht verstehen.
    Hauptsache die Vollschutz tragenden Pfleger und Ärzte werden allein als Helden dargestellt. Ohne deren Leistung zu schmälern, sind für mich die wahren Helden diejenigen, die sich ungeschützt der Gefahr einer Infektion aussetzen müssen und trotzdem ungehört bleiben.

  19. Als jahrelangem Lagehörer fällt es mir aus hörästhetischen Gründen zunehmend schwerer mir eure Folgen anzuhören. Besonders in der letzten Folge ist mir Ulfs konsequenter Gebrauch der mir vollkommen uneingänglichen “männliche Form – Pause – Innen”-Normierung wieder unangenehm aufgefallen. Um es klar zu sagen, ich bin sehr für die Inklusion aller Geschlechter in der Sprache, jedoch finde ich die von euch gewählte Form im Sinne des Hörflusses als wenig angenehm und frage mich, ob es hier nicht eine Variante gäbe, die weniger unzusammenhängende Sprechpausen generiert.

    • Bei mir war es genau anders herum: Ich fand die geschlechterkorrekte Sprache immer unnötig und doof. Durch die konsequente Nutzung von ….innen bin ich sehr hellhörig geworden. Jedes fehlende …..innen fällt mir sofort negativ auf und ich selber kann in meiner Sprechweise nicht mehr darauf verzichten. Mein Hörfluss wird nicht gestört, ich freue mich, als Frau in jedem Satz wahrgenommen zu werden.
      Weiter so!

  20. Liebe Lage,
    Ein kurzer Kommentar zu eurer Verwendung des Begriffes “Skeptiker” (diese Folge waren es die Corona Skeptiker). Ich finde es etwas problematisch, wenn Leute, die an Verschwörungstheorien glauben als “Skeptiker” bezeichnet werden. Das ist eine Kategorie, in der sich diese Menschen gerne selber sehen aber ehrlicherweise sind viele, die sich als Skeptiker bezeichnen einfach nur “Leugner” (oder Wissenschaftsleugner).
    Wirkliche Skeptiker schauen sich möglichst unvoreingenommen Belege an und kommen daraus zu ihrem Urteil (was natürlich aufgrund der menschlichen Psyche nie ganz perfekt gelingt). Leugner hingegen haben üblicherweise eine Meinung und “belegen” diese mit selektiv ausgesuchten Daten oder belegen sie gar nicht. Dadurch dass man Leugner als Skeptiker bezeichnet, räumt man ihnen meiner Meinung nach eine zu hohe Glaubwürdigkeit ein. Das gilt für „Corona Skeptiker“ ebenso wie „Klima Skeptiker“, „Impfskeptker“ usw.
    Das klingt vielleicht ein bisschen spitzfindig aber ich glaube es ist wichtig in einer Zeit der Desinformation auch durch Sprache klar zu trennen, wie bestimmte Gruppen ihre Meinungen bilden. Es macht eben einen großen Unterschie, ob ich skeptisch an etwas herangehe oder es einfach leugne. Insbesondere weil Skeptiker üblicherweise eine Korrektur ihrer Ansicht zulassen (sollten), was Leugner üblicherweise nicht tun.
    Viele Grüße
    David

  21. Liebe Lage,

    danke für euren schönen Podcast! Eine kurze Kritik zur letzten Ausgabe. Es klang zum Teil so, als wären ca. 200 Neuinfektionen pro Tag gleichbedeutend mit einer Reproduktionszahl von 0.2. Das habt ihr ungünstig formuliert. Die Aussage ist falsch. Das eine ist eine Größe, die relative Veränderungen von Infiziertenzahlen über Zeit beschreibt, das andere sind absolute Zahlen von Neuinfektionen.

    Viele Grüße
    Ricardo

  22. Lachend in die Kreissäge. Alle haben sie sich über Merkel das Maul zerrissen, als sie von Öffnungsdiskussionsorgien sprach. Quod erat demonstrandum. Mit jeder Lockerung fordern die Leute noch mehr Lockerung. Und unsere tollen Gerichte befeuern das noch, weil die mit einer fragwürdigen Auslegung des Gleichheitsgrundsatzes quasi nur die Dichotomie “Alles auf!” und “Alles zu!” kennen. Wunderbar. Staatsversagen auf ganzer Linie. Wie ich bereits sagte, in zwei Wochen ist vermutlich alles auf. Restlos alles.

    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/lockerungen-in-mecklenburg-vorpommern-und-hamburg-a-5e086d07-e170-4c62-a41f-d54510c8a41c

  23. Hi zusammen,

    das betrifft nicht die aktuelle Folge sondern ist vielmehr ein Themenvorschlag aus aktuellem Anlass.

    Mir fällt auf, dass in sozialen Medien vermehrt content verbreitet wird, der Verschwörungstheorien füttert. Vielleicht liegt das an meinem Algorithmus, da ich mich jetzt mehr damit auseinandersetze, vielleicht aber auch an der Krise und daran, dass Menschen sich scheinbar vermehrt in ihren Grundrechten eingeschränkt fühlen.

    Meine Frage betrifft die Handlungsmöglichkeiten als Einzelne*r, um dem entgegen zu wirken.
    Welche juristischen Grenzen gibt es und was macht eigentlich der Verfassungsschutz, wenn ich etwas melde? Wann kann ich überhaupt etwas melden? Ist der Verfassungsschutz die richtige Adresse oder gehe ich zur Polizei? Sind die Behörden eventuell von Meldungen überflutet, sodass sie gar nicht auf meine Meldung reagieren können?

    OK, das ist nicht nur eine Frage. Und ich habe einen Sprung gemacht und will deshalb noch erklären, wie ich auf den Verfassungsschutz komme. Ich hatte mich tatsächlich an den Verfassungsschutz gewandt, um einen “potentiellen Reichsbürger”, jedenfalls einen Menschen mit rechtsradikalen Hintergrund, zu melden.

    Das lief folgendermaßen :

    Auf Facebook bin ich auf einen post mit einem Video gestoßen. Darin ein Polizeibeamter, der einer Frau mit Grundgesetz in der Hand sagt, dass sie an Ort und Tag keine politischen Meinungen äußern darf und sie deshalb abführen muss, sofern sie das Grundgesetz nicht weg packt. Nun war das offensichtlich ein Ausschnitt und es wurde nicht klar, warum diese Auseinandersetzung in erster Linie stattfand, trotzdem wurde das Video instrumentalisiert und vielfach geteilt und kommentiert in Bezug auf die scheinbare Abschaffung der Grundrechte.

    Der erste Kommentar, den ich gelesen hatte lautete: “ewiger Bund Punkt org”
    Der Kommentator hatte die reichsflagge mit Adler als profilbild. Ein weiteres Kommentar war auffällig, auch der Youtube Channel namens “Sturm 18” als Quelle ließen mich schliessen, dass es sich um Trolle handelt.

    Was ich gemacht habe war zunächst das Video in diversen Beiträgen, die ich außerdem finden konnte, zu kommentieren: mit Hinweis auf Trolle, wofür Sturm 18 steht, der Schnitt unseriös ist und das Video bitte nicht weiter zu teilen. Anschließend habe ich die Kommentatoren, den Beitrag die Gruppe und den yt channel gemeldet.

    Folglich dachte ich mir allerdings, dass diese Trolle sich unter anderem Namen einen neuen Account erstellen könnten. Ich war mir nicht sicher wohin ich mich wenden könnte und habe daher gegoogelt. Auf Anhieb habe ich leider nichts finden können. Kurzerhand habe ich den Verfassungsschutz angerufen und durfte dann das Profil und einige Screenshots weiterleiten. Eine Freundin, die bei der kriminalprävention arbeitet, riet mir noch die Sache bei der respect! Meldestelle des demokratiezentrums einzureichen.

    Jetzt frage ich mich noch immer, ob das zielführend war und ob ich etwas hätte anders machen können.

    Achja, noch eine Sache: auf mein Kommentar hin wurde ich beleidigt. Das ist eine Straftat. Ich kann leider nicht einschätzen, ob es erfolgsbringend ist, das zur Anzeige zu bringen.

    Und überhaupt, Rechte und Verschwörungstheoretiker sind so laut!

    Wenn ihr mir weiterhelfen könntet, würde ich mich sehr freuen. Falls das euren Rahmen sprengen sollte und ihr aber dennoch einen Hinweis habt, wohin ich mich wenden kann, würde ich mich auch darüber freuen.

    Vielen Dank und ganz liebe Grüße,

    Mona

  24. Da ja gerade die Exponentialfunktion in aller Munde ist, möchte ich erneut darauf hinweisen, dass auch unser Wirtschaftssystem auf der gleichen Basis funktioniert. Das Ziel der EZB ist z.B. eine Inflation von 2%, genauso wie auch das BIP jedes Jahr am besten um 2-3% wachsen soll. All unser Wirtschaften richtet sich danach aus, und zwar weltweit.
    2% Wachsrum jedes Jahr entspricht einem exponentiellen Wachstum.

    Lesenswert: Die Grenzen des Wachstums vom Club of Rome, wird alle 10 Jahre aktualisiert.
    Weiteres Stichwort:
    Zinseszins (=exponentielles Wachstum)

  25. 5. Mai 2020 um 6:43 Uhr
    Heiner Bodden

    Thema Feinstaub-/ Stickoxide in Zeiten von Corona
    Ich mache es kurz: geht doch bitte mal der Frage nach, wie hat sich das Verkehrsaufkomnen bundesweit aufgrund der Corona-Krise verringert und haben sich die viel diskutierten Messwerte in den Innenstädte entsprechend so verringert, wie man es erwarten würde oder nicht.
    Es gab ja Meldungen nach denen die Messwerte sich nicht gravierend verändert hätten, doch die dafür herangezogen Erklärungen scheinen mir nicht recht plausibel.
    Mir kommt es so vor, als sei der Diesel nicht in dem Maße für schlechte Luft verantwortlich, wie vor corona gerne einfach behauptet wurde.
    Danke schon mal
    Und weiter so

  26. 4. Mai 2020 um 22:12 Uhr
    Patrick Freude

    Hallo,
    ich höre nun schon recht lange und regelmäßig euren Podcast.
    Ich denke, dass mir insbesondere eure Haltung hinter den ganzen Fakten gefällt. Kritisch, ehrlich, unverblümt und menschlich. Aktuell bin ich allerdings irritiert. Warum werden die Argumente von Fachleuten wie Herrn Bhakdi, Püschel und Streeck nicht analysiert sondern abgetan? Der Pfad der guten Diskussion wurde hier aus meiner Sicht verlassen. Wenn diese Argumente ausdiskutiert werden , ok. Ich finde wir müssen uns hier mit Fakten beschäftigen und das passiert nicht ausreichend bzw. einseitig. Was ist mit Schweden? Wie hat sich die Anzahl der Tests in Deutschland entwickelt im Verhältnis zu den ‚positiven‘ Fällen und was besagt das Statistisch? Usw. .. Man muss doch das Thema ganzheitlich durchleuchten.
    Hoffe , ich bin jetzt nicht in der Narzisten-Schublade gelandet, weil ich auch die anderen Meinungen gerne analysiert hätte.
    Das Thema ist zu groß um nicht alle Fragen zu behandeln und mit flatten – the-Curve alles ruhig zu stellen.
    Hoffe ich finde Gehör und 3-4 Argumente der genannten Herren werden behandelt.
    Schöne Grüße
    Patrick

  27. Hallo,

    Corona ist in allen Medien zur Zeit sehr präsent und wird überall heiß diskutiert. Wenn man außer der LdN noch regelmäßige andere Quellen für aktuelle Informationen heranzieht, hat man unweigerlich schon einen guten Überblick über die aktuellen Diskussionsthemen und die vorgebrachten Argumente (ich persönlich fühle mich mit Coronainformationen von Tag zu Tag mehr gesättigt).

    Andere Themen werden dagegen eher stiefmütterlich behandelt und bekommen selten mehr als nur eine Fußnote. Ich finde es schade, dass ihr das genauso macht und anderen Themen so wenig Zeit widmet. Ich würde es begrüßen, wenigstens die Hälfte der nächsten Folge mal nicht an Corona denken zu müssen. Gerne auch mehr, aber das zu erbitten wäre in der heutigen Zeit ja schon fast unverschämt… ;)

    • Wir freuen uns immer über Themenvorschläge! “Nicht Corona” kann man allerdings so schlecht besprechen ;)

  28. Liebe Lage-Team,

    ich finde eure Abhandlung über Schule etwas oberflächlich und kurzsichtig. Vielleicht sieht der Rest von Deutschland ja besser aus, aber in Berlin sind nur die wenigsten Bildungsinstitutionen ausreichend finanziert. Und Probleme wie Personalmangel, Überbelastung der Kolleginnen, fehlendes Geld und Zeit für Weiterbildungen, zu große Gruppen und unzureichende Ausstattung sowie Instandhaltung der Infrastruktur sind weniger Ausnahmeprobleme als die Regel angefangen in der Kita bis in die Schulen. Ich z.B. arbeite in einer Berufsschule und wir stehen vor all diesen Problemen. Und mehr Geld würden wir zuerst in eine Sozialpädagogin und ausreichend Kolleginnen stecken, damit wir überhaupt erstmal sicherstellen können, dass a) jeder Schüler unterrichtet werden kann und b) dass alle Schüler*innen ausreichend unterstützt werden können, damit sie überhaupt “beschulbar” sind und bleiben. Denn was nützt mir bessere Technik, wenn kein Unterricht konzipiert werden kann, der medial vermittelt werden soll oder wenn Schüler*innen dem Unterricht analog oder digital fernbleiben, weil sich mit den vielen Herausforderungen prekärer Lebenssituationen herumschlagen.
    Und wäre überhaupt erstmal die Grundausstattung gesichert, würden wir etwas anfangen den digitalen Unterricht zu professionalisieren. Sowas haben wir, aber wie schon viele Vorredner erwähnten gibt es unzählige Probleme in dem Feld (fehlende Medienkompetenz bei Lehrern und Schülern, unzureichende Technikausstattung der Schule und ALLER Lehrer und Schüler, unsicherer oder instabiler WLAN-Empfang, sofern überhaupt finanzierbar …).
    Mal abgesehen von einer solchen Pandemiesituation wäre digitaler Unterricht aber übermäßig häufige Unterrichtsform, sondern lediglich eine ergänzende. Ja, Digitalisierung ist eine Realität und Medienkompetenz ein wichtiger Allgemeinbildungsaspekt und eine sehr wichtige Berufskompetenz. Aber die Anerkennung dessen, bedeutet noch lange nicht, dass Schule sich darum dreht oder drehen soll. Schule ist kein Betrieb, sondern ein pädagogischer Ort, indem Menschen u.a. ausgebildet, sozialisiert, und erzogen werden. Und wie das gelingt, darüber denkt u.a. die Schulpädagogik, aber auch die pädagogische Psychologie nach. Und da stellt sich z.B. die Frage, wie lernen Schüler*innen und Menschen was am Besten. Und digitaler Unterricht stellt nicht alle anderen Lernformen weit in den Schatten. Er kann gut gemacht, sehr hilfreich sein und Lernen in Eigenzeit fördern. Aber allgemein gilt eher, dass Bildung Bindung voraussetzt. Und je jünger die Schüler*innen sind, desto wichtig ist die persönliche, pädagogische Beziehung. Wer möchte kann hierzu ja mal die Einflussfaktoren aufs Lernen betrachten und darüber nachdenken wie viel von den positiven Faktoren sowohl digital und analog und welches nur bzw. einfacher analog gefördert werden können: https://visible-learning.org/de/hattie-rangliste-einflussgroessen-effekte-lernerfolg/ . Digitalisierung von Schule darf ja kein Selbstzweck sein, sondern muss so eingesetzt werden, dass es Lernen verbessert und fördert. Und wo es das nicht tut, ist ein einfaches miteinander zu sprechen billiger, als Energie und Material sinnlos zwischen die Sprechenden als Vermittlungsmedium zu stellen. Hier ist die Frage also auch, welchen sinnvollen Mehrwert digitales Lernen gegenüber analogem hat und was den erhöhten Kosten und Ressourcenaufwand rechtfertigt. Und angesichts des Klimawandels und dem bekannten Fakt, dass wir Deutschen bei weitem mehr an natürlichen Ressourcen verbrauchen (https://www.overshootday.org/newsroom/country-overshoot-days/) als für den Erhalt der Erde erlaubt wäre, fände ich es schon nachhaltiger, darüber nachzudenken, welche Ressourcen wir sinnvoll für welches Ziel einsetzen wollen. Das ist kein Plädoyer gegen den Einsatz von digitalem Unterricht in Schulen, aber gegen eine blinde Digitalisierung von Schulen ohne ein vorheriges Nachdenken, über Ziel und Zweck. Und nur den Forderungen von Medien, Bildungspolitiker und Akademikereltern zu folgen, finde ich noch kein überzeugendes Argument. Dann sollte man vorher eher mal die betroffenen Schüler*innen fragen, wie sie lernen (wollen). Ich glaube, diese werden guten digitalen Unterricht je nach Gewöhnungsgrad zwar zu schätzen wissen, aber andere Formen werden sie teilweise anregender finden. Guter realer Unterricht mit einer guten Didaktik ist nicht selten einfach besser. Dies z.B. auch, weil digitale Medien vernetzen, aber durchaus auch isolieren können. Soziales Lernen und das Lernen sozialer Kompetenzen erfordert Präsenz. Und gerade Schule ist ein wichtiger Ort, wo verschiedensten Menschen aus verschiedensten Lebenswelten zusammenkommen und als soziale Zwangsgemeinschaft, wie Gesellschaft und Welt auch eine ist, irgendwie lernen müssen, miteinander zu leben, zu lernen und füreinander Verantwortung zu übernehmen. Hier werden sehr wichtige Erfahrungen gemacht, die wir so dringend für den Erhalt unserer Demokratie und Zivilgesellschaft brauchen. Denn Konfliktfähigkeit, Empathie, Ehrenamt für Benachteiligte, Teamgeist, gewaltfreie Kommunikation u.ä. lernt sich furchtbar schlecht zwischen Videokonferenzen und individualisierten, digitalen Lernhäppchen. Freundschaften in der Schule und damit im sozialen Nahraum bahnen sich auch nicht ganz so einfach digital an. Überhaupt stellt Schule einen wichtigen Sozialraum da, von dem nicht nur Schüler*innen, sondern auch Lehrer*innen und Eltern profitieren.
    Bevor wir also blind und aufgeregt fragen, warum nicht alle Schulen schon lange digitalisiert sind und wir die nächste Stelle für den IT-Hausmeister ausschreiben. Können wir nicht vorher differenziertere Fragen stellen: Welche Ressourcen haben Schulen und was konnten sie mit diesen bis dato realistisch erreichen? Was behindert Digitalisierung und warum? Welchen Beitrag können und sollen digitale Medien in Schule leisten, um die Ziele von Schule zu erreichen? Wie verändert sich Lernen durch digitales Lernen? Welche Chancen aber auch Risiken hat digitales Lernen? Und wie ist die Kosten-Nutzen-Relation von digitalen Medien in Schule?
    Und wenn ich mir mal, z.B. die Bildungsziele der UNESO anschaue, die u.a. eine inklusive (individuelle Förderung, Wertschätzung und Anerkennung) und hochwertige Bildung fordern, welche eine stabile emotionale Entwicklung ermöglicht und grundlegende Werte vermittelt (https://www.unesco.de/bildung/hochwertige-bildung) denke ich mir als Lehrerin, dass hierfür eine bessere technische Ausstattung von Schulen (wie wärs überhaupt erstmal für ein WLAN für alle in der Schule?) wichtig wäre, dringender wegen der begrenzten Ressourcen (die nach Corona nicht üppiger werden) wären aber andere Aspekte. Eine ausreichende Grundfinanzierung von Schule + Förderung von digitaler Infrastruktur wären natürlich nett, aber solange das Bildungssystem unterfinanziert bleibt, ziehe ich eine Sozialpädagogin, ausreichend Kolleginnen, Weiterbildung und Bereitstellung einer Grundinfrastruktur (Wärme, Räume, Toilette, Whiteboards, Lehrbücher etc.) einem IT-Hausmeister eindeutig vor.

    LG
    Sandra

  29. Hallo Ihr Zwei,

    ein Themenvorschlag: Palmöl im Dieselbenzin als ‘Bio-Kraftstoff’ und die Folgen für den Regenwald in Indonesien und anderen Ländern. Frankreich hat Palmöl als Treibstoff verboten https://www.klimareporter.de/europaische-union/aus-fuer-palmoel-im-tank-aber-nur-langsam

    https://www.abenteuer-regenwald.de/bedrohungen/biosprit

    Aber warum schützt Deutschland die Automobilindustrie um jeden Preis…??

    Danke und liebe Grüße

    Marie

  30. Hallo,

    ich habe mir heute Euren letzten Podcast und die Anmerkungen zum RKI angehört. Ihr meintet, dass die Infektionszahlen nicht ersichtlich wären – an dieser Stelle wollte ich auf das Dashboard des RKI hinweisen, das einen sehr guten Überblick zu den Fallzahlen gibt. Darüber hinaus findet man viele Interaktive Karten von der ZEIT oder der Südddeutschen Zeitung, die sich immer auf die Zahlen des RKI beziehen.
    Zusätzlich habt ihr die Kommunikation des RKI bezüglich der Mundschutzmasken kritisiert. Dahinter seien politische oder kommerzielle Gründe verborgen, da sich erst gegen und plötzlich für Mundschutzmasken ausgesprochen wurde. Ich denke, das hat seine Gründe in der widersprüchlichen Evidenz zur Wirksamkeit des Mundschutzes. Kursänderungen sind in Zeiten von Corona nunmal möglich und fast alltäglich. Was bringt es nach Gründen zu spekulieren und anzuschuldigen? Bei vielen Maßnahmen fehlt klare Evidenz und es muss Neues ausprobiert werden… Insgesamt sind wir in Deutschland doch gut mit der Situation umgegangen.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn noch andere Themen abseits von Corona besprochen würden, das hört man schon den ganzen Tag..

    Liebe Grüße und Danke für den Podcast, der mir normalerweise widerspruchslos gut gefällt!

    Marie

  31. 4. Mai 2020 um 19:34 Uhr
    Saupreisseppl

    Ich finde es sehr bedenklich, dass ihr die prinzipielle Sinnhaftigkeit einer Corona-App schon gar nicht mehr in Frage stellt. Aus meiner Sicht ist so was nur Beschäftigungstherapie. Es gibt da unzählige technische und gesellschaftliche Einwände, für deren Aufzählung ich aber gerade weder Zeit noch Muße habe. Aber ich bin gerade auf einen schönes, plakatives Einwand-Exemplar gestoßen, da hab ich mir gedacht das poste ich hier gleich mal (ist bei Fefe, daher Hirn nicht ausgeschaltet lassen):

    https://blog.fefe.de/?ts=a0510f53

  32. Zur Frage der Nachverfolgungskapazitäten gab es heute einen längeren Artikel in der FAZ: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/studenten-helfen-als-containment-scouts-im-gesundheitsamt-16750156.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
    Insgesamt, so mein Eindruck gibt es hier aber wenig Steuerung im Sinne von “wie viele Leute brauchen wir, um die aktuelle und künftig erwartbare Anzahl von Verdachtsfällen bearbeiten zu können – das sollte ja eigentlich das Ziel sein, oder?

  33. Liebe Lage,
    Lieber Ulf, lieber Philip,

    soeben habe ich eure letzte Lage der Nation gehört und möchte mich als Lehrer selber mal zum Thema “Onlineschooling” melden.
    Aktuell sieht es bei uns an der Schule folgendermaßen aus: Wir sind digital (für eine Schule) super ausgestattet für den alltäglichen Unterricht (iPads und sonstige digitale Medien in der Schule selber) und haben ein insgesamt sehr sozial starkes Klientel – sprich: Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Ausstattung auch bei den Schülerinnen vorhanden ist, ist ebenso hoch – anders als an den typischen “sozialen Brennpunkten”.
    Dennoch: Wir schaffen es bis jetzt nicht (Ausnahmen bestätigen die Regel), flächendeckend eine “Videokonferenzkultur” zu etablieren. Vor allem deshalb, weil unser Schulträger eine Datenschutzrichtlinie vorschreibt, die es uns unmöglich macht, ihr zu entsprechen und Medien/Module wie in den Universitäten anzuwenden. Die Kolleg*innen, die dies dennoch tun, brechen aktuell das (Datenschutz-)Gesetz und stehen gefühlt mit einem Bein im Knast.

    Darüber hinaus habt ihr schon richtigerweise ein weiteres Problem angesprochen: “Was fehlt, ist der digitale Hausmeister”. Absolut! Leider kann das Problem nach aktueller Stellenverteilung an Schulen nicht gelöst werden, denn solche Mehrarbeit fällt auf die “normale” Lehrkraft ab. Man kann keine zusätzliche Person für eine solche Position einstellen, sondern muss die Arbeit zusätzlich auf die Kolleg*innen verteilen. Da dies aber im normalen Schulbetrieb nicht möglich ist, macht dies nur der ein oder die andere, der/die SO DERMAßEN engagiert ist, dass er/sie gefühlt nichts anderes macht – und entsprechend schnell ausgebrannt ist. Auf Dauer ist solche Mehrarbeit eigentlich nicht zu leisten. Es fehlt also meiner Meinung nach nicht so sehr an Ausstattungen oder grundsätzlich Lehrkräften mit Know-How oder dem Willen zu handeln, sondern die Struktur steht vielmehr im Weg.
    (Aktuell sind wir übrigens dabei, Webex von Cisco für die Schulzwecke zu nutzen…)

    Ich kann den vielen Unmut gegenüber den Schulen, wenig engagierten Lehrkräften etc. voll und ganz verstehen. Gleichzeitig komme ich selber aus dem System und weiß, dass nicht alle gleich agieren und die, die es eigentlich wollen, vom System selber gehindert werden. Es ist manchmal also zu einfach, Probleme auf die Schulen oder die Lehrer*innen zu schieben (ich weiß, das habt ihr nicht gemacht, hört man aber die Tage immer mehr).

    Herzlichen Dank für die schöne Lage und mit besten Grüßen
    Blinky!

  34. Ich möchte mal Kritik äußern an der Verwendung der Reproduktionszahl des RKI:
    Die Berechnung wurde ja von euch ausführlich erläutert, nur der Schwachpunkt wurde übersehen. Man kann nicht anhand eines Tageswertes, der natürlich starken Schwankungen unterworfen ist, abschätzen, wie sich die Lage gerade entwickelt. Was für eine Aussage hat denn 1,2, wenn sich dieser Wert nur auf einen Tag bezieht und am nächsten Tag vielleicht schon wieder 0,9 errechnet wird?

    Hier wäre die Verwendung eines gleitenden Durchschnitts, wie es z.B. in der Aktienwelt gang und gäbe ist, sinnvoller. Dann werden vielleicht auch die alarmierenden Weltuntergangsmeldungen seitens des RKI, welches schon langsam an Glaubwürdigkeit verliert, weniger.

  35. Lieber Philip, lieber Ulf,
    Nur noch ein Gedanke zur Tracing App und Datenschutz. Die Problematik einer zentralen Datenbank ist nicht die Verwendung von kurzen Kontakten, die nicht viel bedeuten. Aber wenn die Daten zentral liegen und dann doch nicht anonym bleiben, können die Daten plötzlich ganz anders verwendet werden. Wenn z.B. Personen plötzlich vom Gesundheitsamt kontaktiert werden, weil bei ihnen mehrmals pro Nacht für etwas längere Zeit verschiedene Personen etwas länger in der Nähe befunden haben und sie sich gefälligst als “Person mit häufig wechselndem Geschlechtsverkehr” zu melden haben und entsprechende Regelungen einhalten sollen. Oder wenn das Sozialamt oder Jobcenter irgendwelche zahlungen ablehnt, weil die häufigkeit und Länge der engen Kontakte vermuten lassen, dass zwei oder mehrere Personen einen Haushalt bilden und dementsprechend zu behandeln seien.
    Nur zwei Beispiele, die gerade durch die Corona-App-Daten zum gläsernen Bürger in bestimmten Bereichen führen, die gar nichts mit der Pandemie zu tun haben.

    • Dein Beispiel setzt aber schon voraus, dass der Betreiber des zentralen Servers sämtliche Spielregeln missachtet, insbesondere die zeitnahe Löschung der Daten nach Versand der Warnungen …

      • Ja. Aber die deutsche Regierung ist in dieser Hinsicht nicht unbedingt vertrauenswürdig. Vorratsdatenspeicherung, Maut und die ganzen neuen Polizeigesetze zeigen deutlich, dass die Bundesregierung früher oder später Anspruch auf alle Daten stellt.
        Von daher würde ich niemals wine APP verwenden, die personenbezogene oder Beziehbare Daten ermittelt und speichert.

  36. Hallo liebe Lage,

    Herr Drosken scheint als Deutsche Corona-Eminenz grundsätzlich einen guten Job zu machen. In der Frage der von Kindern ausgehenden Ansteckungsgefahr und der daraus folgenden Implikationen für die Diskussion um Kita- und Schulöffnung scheint er aber eine sehr einseitige Position zu beziehen. Angesichts des wissenschaftlichen Diskurses zu diesem Thema und der Maßnahmen die von einigen Staaten nun bereits ergriffen werden, verwundert dies sehr.

    Ausführlich dargestellt auf: kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/corona-sind-kinder-nun-doch-virenschleudern

  37. Lieber Ulf, lieber Philipp,

    habt ganz vielen Dank für diesen fantastischen Podcast, der mich nun seit einem Jahr wöchentlich begleitet. Ich mag eure Diskussionen, das Einstehen für die demokratischen Werte und die stets kritischen Auseinandersetzungen mit teilweise weniger populären Themen.

    Ein Themenvorschlag für die kommenden Wochen: Ich fänd es sehr spannend, euch über die Zukunft von Bahn, Lufthansa, und z.B. Air France sprechen zu hören und vor allem, wie der französische Staat plant, Einfluss auf die Nachhaltigkeit des Fliegens zu nehmen!
    Hier ein Artikel dazu: https://www.dw.com/en/lufthansa-mulls-options-as-air-france-state-aid-strings-revealed/a-53325173

    Alles Liebe!

  38. Eine Hinweis zu den Apps:
    Wenn Google am Betriebsystem Android etwas ändern muss, gibt es aus meiner Sicht keine Hoffnung auf eine weite Verbreitung. Google rollt selbst die Updates für Android nicht aus. Das machen im Anschluss die Hersteller der Handys und das seit Jahren nur für die Topmodelle für 2 Jahre. Das heißt die Änderungen an Android werden nur für einen Bruchteil der Handys verfügbar sein. Ohne Recherche der genauen Zahlen würde ich vermuten, dass nicht mehr als 20% der Menschen mit einem für diesen Zweck geeigneten Smartphone ausgestattet sein werden!

    • Das Problem will Google lösen, indem es die Funktion in die Google Play Services einbaut, für die es Updates gibt, ohne dass das ganze Betriebssystem ein Update bekommen muss.

      • Kurze Info.

        Google Play ist deshalb so groß, weil inzwischen immer mehr Sicherheitspatches Teil dieser App sind. Das machen sie, weil viele Billigmarken ihre Produkte nicht pflegen.

        Nun will Google ab demnächst seamless updates verpflichtend machen.

        Das ist ironischerweise für Samsung etc. ein Problem, da diese die Updates immer auf ihr System angepasst hatten. Die kleinen Firmen haben Updates immer komplett ignoriert, manche lassen sie inzwischen ungesehen durchlaufen.

  39. Hallo ihr Zwei,

    gestern habe ich die aktuelle Lage gehört und ich fand es gut, so wie eigentlich immer. Beim Thema Immunitätsausweis hatte ich aber erwartet, dass Ihr euch weiter distanziert, da so viele Probleme damit einhergehen:
    – Es ist unmöglich, die Immunität zweifelsfrei zu bestimmen
    – Es ist unabsehbar, worauf es sich alles auswirkt (Stichwort Diskriminierung z.B. bei Jobsuche..)
    und – sollten die Auswirkungen sehr groß sein –
    – Kriminalität. Wer sich nicht absichtlich anstecken möchte (oder kann), ist evtl. gewillt gegen Geld gefälschte Ausweise, gefälschte Laborergebnisse etc. zu besorgen.
    Was wiederum natürlich eine Gefahr für die vielen Risikopersonen darstellt.
    Das Signal sollte deshalb von allen Seiten das gleiche sein: wir sitzen hier zusammen im Boot.

    beste Grüße,
    Simon

    • Der erste Punkt stimmt nicht – wer krank war und gesundet ist, der ist auch eine Weile immun (laut Drosten ein bis zwei Jahre).

      • Der Punkt stimmt schon.

        Wer mit schwerem Verlauf im Krankenhaus lag, hat den mehrfachen Nachweis, ja.

        Zum Glück sind die meisten Verläufe leicht bis unbemerkt.
        Diese müssten per Test in Immun / nicht immun eingestuft werden.
        Leider sind diese nicht 100% spezifisch und 100% genau. Also müsste man jeden mehrfach testen. Ich bezweifel, dass dafür genug Testkapazitäten vorhanden sind.

        Wie groß die Fehlerquote der Ausgewiesenen sein darf ist halt politisch zu entscheiden.

        • Hi zusammen, danke für die wiedermal informative Folge. Ich fand eure relativ wenig distanzierende Einschätzung zum Immunitätsausweis auch verwunderlich. Ich finde nicht, dass unsere Grundrechte gerade so massiv eingeschränkt werden, dass man nun Ausweise ausstellen sollte, damit mehr Leute mehr und bequemer shopen und konsumieren gehen können. Es treibt doch nur noch einen Spalt in eine bereits gespaltene Gesellschaft, das halte ich für sehr gefährlich. Auch deshalb weil wegen manchen Erkrankten ganze Firmen und Abteilungen geschlossen werden mussten oder wie in einem mir bekannten Fall wegen einer ingnoranten Corona-infizierten Person (sie war wissentlich Kontaktperson einer der ersten positiv getesteten und ist tagelang hustend ins Großraumbüro gekommen) mehrere im KH beatmet werden mussten. Diesen dann mehr Rechte zu zu sprechen, als denen die sich über Wochen an die Verordnungen halten, möglichst vorsichtig zu sein und Kontakte zu berschränken, halte ich (für eine gesunde Stimmung) in der Gesellschaft für sehr gefährlich und, wie ihr gesagt habt, auch wenig förderlich wenn man an den Wunsch sich absichtlich infizieren zu wollen denkt. Ich finde jedenfalls ein Immunitätsausweis der für alle verfügbar sein soll ziemlichen Sprengstoff. Vlt. könnte man das für Ärzte oder Pflegekräfte einführen, oder für bestimmte Zwecke, aber doch auf keinen Fall für die ganze Gesellschaft. Ich fände es toll, wenn ihr dazu in der nächsten Folge nochmal was sagen könnt. Liebe Grüße und bleibt gesund, Maggie

      • Wer krank war ist immun, davon darf man ausgehen. Aber es ist bis jetzt nicht möglich, sicher zu bestimmen wer krank war.

        So höre ich das bei Drosten heraus.
        – Die PCR Tests haben weiterhin falsch positive Ergebnisse dabei.
        Wobei über die Hälfte (asymptomaischer Verlauf, Test in zweiter Krankheitswoche) den Nachweis über Antikörpertest bringen müssten.
        – Einen zuverlässigen Antikörpertest gibt es derzeit noch nicht. Siehe Drostens Kommentare zu den Vorab-Ergebnissen der Gangelt-Studie. Ungeklärt ist hier vor allem noch der Einfluss von Antikörpern gegen normale Corona-Erkältungsviren.

        Zum Glück (aus meiner Sicht) wird der Widerstand gegen den Immunitätsausweis größer:
        https://www.rnd.de/politik/corona-immunitatsausweis-patientenschutzer-sind-strikt-dagegen-3LWB25D6QNBQFJDRTGY2XQPOMY.html

        • Bei allem Respekt, aber es gibt ja nicht nur den PCR-Test, um eine Corona-Infektion nachzuweisen. Jedenfalls bei einem halbwegs imposanten Verlauf gibt es auch auf der Grundlage der Symptome vielfach keinen Zweifel.

        • Ich bezweifle auch gar nicht, dass es möglich ist mit PCR und Antikörpertest mit einer Trefferquote von 80 oder 90% sicher zu sagen, dass jemand erkrankt ist.
          Ich würde diese Quote aber unter keinen Umständen als Grundlage für eine so weitreichende Entscheidung wie einen Immunitätsausweis heranziehen.

      • Es wird aktuell davon ausgegangen, dass wir immun sein werden, jedoch sind das Annahmen aus der Forschung zu anderen Corona-Viren. Wir werden es erst im Verlauf herausfinden, daher ist die Aussage richtig, dass wir es im Moment nicht sicher wissen.

        • nachdem das Virus inzwischen mehrere Monate im Umlauf ist müsste es längst Neu-Infektionen von geheilten Menschen geben, wenn eine überstandene Infektion keine Immunität verliehe.

  40. Hallo zusammen,
    weiterhin auch von mir ein großes Lob für euch und euren Podcast, den ich immer als sehr bereichernd und meist auch überzeugend erlebe.
    Etwas merkwürdig finde ich aber, wie sehr ihr euch in den letzten Wochen sicher seid, dass die aktuellen Lockerungen, die etwas seit Ostern eingetreten sind, zu früh kommen. M. E. zeigen die Zahlen des RKI einen ganz eindeutigen Trend, dass die Infizerten rückläufig sind, zuletzt lagen die täglichen Zahlen der Neuinfektionen sogar unter 1.000. Der Höhepunkt der gemeldeten Neuinfektionen lag (auf 1 Woche gerechnet) Anfang April, aufgrund der Verzögerung zwischen Ansteckungen und Meldung also tatsächlich schon Ende März – und in NRW sogar schon eine Woche früher.
    Eine Lockerung bedeutet ja nicht per se ein Zunehmen der infektionszahlen, sondern höchstwahrscheinlich nur einen etwas langsameren Rückgang, solange so wichtige Beschränkungen wie das Kontaktverbot, das Maskengebot, das Verbot von Großveranstaltungen (vor allem Stadien und Konzerte) und das Schließen von Clubs, etc. bestehen bleiben – also alle Gelegenheiten, wo viele Mensche sich längere Zeit mit anderen Menschen auf engstem Raum befinden und die Möglichkeit der Ansteckung sehr sehr groß ist.
    Und außerdem: Wer, wenn nicht Deutschland wäre in der Lage, Maßnahmen für eine frühere Lockerung zu validieren? Italien, Spanien, Frankreich und England sind deutlich schlechter dran als Deutschland und stehen daher unter einem ungleich stärkeren Druck, auf keinen Fall zu früh zu lockern. Für all diese Länder wäre es doch hilfreich, Erkenntnisse zu haben, wie die Lockerung der ein oder anderen Einschränkung wirkt.
    Natürlich kann es theoretisch sein, dass die Neuinfektionszahken auch mal wieder zunehmen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden wir jedoch weiterhin einen langsamen Rückgang beobachten können – auch wenn bald Spielplätze Museen Zoos und Kirchen wieder öffnen.
    Würde mich freuen, wenn ihr auch diese Gedanken in euren Vortrag einfließen lasst :-)
    Liebe Grüße
    Christoph

    • “Natürlich kann es theoretisch sein, dass die Neuinfektionszahken auch mal wieder zunehmen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden wir jedoch weiterhin einen langsamen Rückgang beobachten können – auch wenn bald Spielplätze Museen Zoos und Kirchen wieder öffnen.”

      Das ist doch arg suggestiv, worauf stützt sich denn diese hohe Wahrscheinlichkeit? Daten dazu gibt es ja – wie du im Prinzip selbst schreibst – nicht.

      • Die Wahrscheinlichkeit, sich in Museen, Zoos und Kirchen anzustecken ist einfach gering, weil man dort sehr gut Abstand halten kann, Spielplätze sind etwas kritischer, sind aber zumindest auch im Freien. So lange die wirklich kritischen Sachen mit vielen Menschen auf engstem Raum verboten bleiben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich sehr viele Menschen auf einmal anstecken äußerst gering.

  41. Moin ihr beiden,

    Ihr hattet gesagt, es wäre eine Option, einen “Corona-Pass”(Immunitätsausweis) nur an Menschen zu geben, bei denen während der Erkrankung positive Viren-Abstriche genommen wurden.
    Das sehe ich komplett anders, meiner Meinung nach kann es diesen “Pass” nur geben, wenn die Antikörper-Tests auch als Grundlage für diesen anerkannt werden (und als Voraussetzung dafür natürlich zuverlässig richtig positiv sind). Denn nur mit diesen ist auch nachträglich ein Nachweis der überstandenen Infektion möglich.
    Es wäre Menschen, die erkrankt waren aber in dieser Zeit nicht auf Viren getestet wurden (keine oder nur leichte Symptome, keine Kapazitäten, …) gegenüber ungerecht, wenn es nicht so wäre, denn diese Tests auf Viren kann man ja nach Überstehen der Krankheit nicht nachholen. Man hätte also – trotz überstandener Infektion und potentieller Immunität – nie die Option, diesen Pass zu bekommen.
    Es würde sich dabei wohl nicht um Einzelfälle handeln – man weiß nicht, wie viele Menschen das betrifft, aber die Einschätzungen gehen ja durchaus dahin, dass die Dunkelziffer an Infektionen hoch ist.

    Danke für eure stets interessanten und abwägenden Einschätzungen!

    • Hi, wir haben nicht gesagt, dass man den Pass nur Menschen nach überstandener Erkrankung ausstellen DARF. Wir haben gesagt, dass bei diesem Personenkreis nach heutigem Stand der Forschung die Immunität für ein, zwei Jahre sicher ist, während die Tests eben noch nicht sicher sind. Den Menschen gegenüber, die keinen PCR-Test haben, warum auch immer, ist das auch nicht ungerecht, denn es ist einfach eine andere Sachlage.

      • Überstanden ist überstanden, ob nun mit geringen Symptomen zu Hause oder mit schweren Symptomen im Krankenhaus. Diese Personengruppen sollte man bezüglich der Immunität nicht unterscheiden. Sonst entsteht eine Ungerechtigkeit.

  42. Mal eine kleine Geschichte von uns, denn wir haben nun auch unsere ersten Erfahrungen mit dem Gesundheitsamt gemacht.

    Meine Freundin arbeitet im Einzelhandel (also mit stetigem Kundenkontakt) und weist seit Mitte letzter Woche die für Corona typischen Symptome auf. Ihr Arzt hat sie daraufhin sofort krank geschrieben und sie gebeten sicherheitshalber die Wohnung nicht mehr zu verlassen. Seitdem streitet der Arzt nun mit dem Gesundheitsamt hinsichtlich eines Tests herum. Letztere verweigern einen Test mit der Begründung, dass niemanden testen wollen, der nicht nachweislich Kontakt mit einem offiziell dokumentierten Corona-Fall hatte. Wohlgemerkt komplett entgegen der Empfehlung des Arztes. Sie gilt damit noch nicht einmal offiziell als Verdachtsfall.

    Wenn so ein Vorgehen wirklich die Regel ist wundert mich ehrlich gesagt auch nichts mehr hinsichtlich der Aussagekraft der aktuellen Fallzahlen.

  43. Hallo Ihr Beiden,

    wenn Ihr so positiv über Lungen-CTs sprecht, solltet ihr auch auf die erhöhte Strahlungbelastung hinweisen, die mit einer solchen bildgebenden Untersuchung einhergeht. Sprecht doch mal mit einem Strahlenschutzbeauftragten (z.B. Charité oder Vivantes hier in Berlin), damit das in eure Einschätzung einfließen kann.

    Bleibt gesund, herzliche Grüße

    • 4. Mai 2020 um 14:36 Uhr
      Prof. Andreas Saleh

      Die CT-Untersuchungen des Thorax bei Verdacht auf COVID-19 werden meistens als Niedrigdosis-CTs durchgeführt. Die Einstellungen werden dabei so gewählt, dass die Strahlenexposition für einen normalgewichtigen Patienten eine effektive Dosis von ca. 1 mSv hat. Zum Vergleich: die natürliche Strahlenexposition, der man sich in Deutschland nicht entziehen kann liegt in der Größenordnung (abhängig davon wo man wohnt) bei ca. 2,4 mSv. Die Strahlenexposition ist daher in diesem Zusammenhang nicht das größte Problem. Allerdings ist in dem Podcast der Eindruck entstanden, man könnte einen PCR-Test durch ein CT ersetzen oder ein CT wäre einer PCR-Testung u.U. sogar überlegen. Das ist am 1. Mai schon von einer Kollegin völlig richtig kommentiert worden; hier eine Ergänzung dazu: Richtig ist, dass das SARS-Cov-2 Virus “die Etage wechseln kann”, und dann nicht mehr im oberen Respirationstrakt durch einen Abstrich nachgewiesen werden kann, sondern in der Lunge (“eine Etage tiefer”) sitzt und dort einem Abstrich des Nasen-Rachen-Raumes nicht mehr zugänglich ist. Dieses Problem wird aber nicht durch CT gelöst, sondern indem man Material von der Etage tiefer sammelt (Sputum) und dieses einem PCR-Test unterzieht. Trotzdem ist ebenfalls richtig, dass das CT eine wichtige Rolle im Management der COVID-Patienten spielt. Allerdings nicht wie im Podcast dargestellt und zu komplex, um es in einem Kommentar abzuhandeln.
      Liebes Lage-Team, gute Arbeit, vielen Dank dafür!

  44. Liebe Lage,
    ich höre euch regelmäßig und seit langem. Vorweg: Großes Lob, ein toller Podcast.
    An dieser konkreten Lage habe ich allerdings zwei Kritikpunkte. Zum einen pflichte ich einem anderen Kommentator bei: Videokonferenzen können Präsenzunterricht nicht vollständig ersetzen. Was an der Uni weitgehend angehen mag, ist in der Grund- oder Förderschule undenkbar und dazwischen existieren alle Abstufungen. Und das betrifft nicht nur den Effekt des “ins Leere sprechens”, das oben genannt wurde. Es betrifft auch andere essenzielle Bestandteile des Unterrichts, z. B. das Experimentieren in den Naturwissenschaften oder den Sport unterricht.
    Der andere Punkt ist ein mathematischer: Es klang für mich in dieser Lage so, als müsse man die Reproduktionszahl R auf 0,2 bringen, um irgendwann nur noch 200 Neuansteckungen pro Tag zu erreichen. Wenn ich die Reproduktionszahl richtig verstehe, ist das Quatsch. Jeder Wert von R < 1 führt zu einer täglich sinkenden Zahl der Neuansteckungen und damit irgendwann zwangsläufig zu nur noch 200 Neuansteckungen pro Tag. R = 0,2 würde dies nur in rasant kurzer Zeit erreichen. (Davon abgesehen: Wenn R = 0,2 realistisch erreichbar wäre, müssten wir uns alle sehr wenig Sorgen machen, denke ich.)
    Mit besten Grüßen und mit herzlichem Dank für euren Podcast,
    Jan

  45. 4. Mai 2020 um 8:42 Uhr
    Ansgar Wörner

    Guten Tag,
    mir war gerade in dieser Folge zu sehr der Standpunkt vertreten, es gibt in jeglicher Hinsicht nur eine richtige Handlung in der Corona Situation.
    Ich bin definitiv kein Corona Kritiker und wehre mich sehr gegen die Annahme Corona sei nur eine einfache Grippe oder die Anzahle der Menschen die derzeit sterben sei „normal“.
    Ich glaube das ist Weltfremd. Aber ich glaube auch, dass wir uns Gedanken machen müssen, wie kommen die Maßnahmen zustande und wie können wir den mündigen Bürger wirklich seine Mündigkeit auch in der Coronazeit ausleben lassen.

    Bei Gottesdiensten bspw. muss nun sein Name eingetragen werden (zumindest in BW), was meines Erachtens gegen jeglichen Datenschutz Aspekt oder die Religionsfreiheit ist. Nun werde ich vermutlich auch in der Coronazeit selten in die Kirche gehen und mich belastet dieser Fakt nicht, aber es stimmt nachdenklich.

    Ich bin auf die Hong Kong Grippe aufmerksam geworden, damals war wohl zum einen die Grippe nicht das große Thema, die Maßnahmen auch deutlich geringer aber das Gesundheitssystem bereits an ihren Grenzen.
    Ich stelle mir die Frage: Ist es richtig, dass wir zu allen Maßnahmen nicken und unter der Warnung:
    Wenn ihr das nicht tut, werden viele Menschen sterben, zusammenzucken.
    Schäuble sprach davon: Im Grundgesetz steht die Menschenwürde über allem, nicht die Gesundheit. Wie vielen Menschen sprechen wir aktuell die Würde ab, nicht zuletzt den Kindern, womöglich Einzelkinder.
    Wird mir die Würde genommen, wenn mir das eigene Verantwortungsbewusstsein genommen wird?
    Ihr hattet das schon einmal kurz angesprochen, ich glaube aber es ist eine wichtige Debatte, wo ist der Schutz der Würde des alleinstehenden Mannes oder der Frau, die vielleicht gerade in ihrer kleinen Wohnung vereinsamen.
    Und gäbe es diese Maßnahmen wenn das Thema Corona von dem Medien nicht bereits vor der Ankunft in Deutschland so groß Besprochen worden wäre. Es gab Tage in der SpiegelApp da waren die ersten 10 Artikel nur Corona. Schon einen Tag nach der ersten Berichterstattung in Deutschland, als das Virus noch in China war, wurde mir von einem Freund erzählt: das Virus kommt und wird uns sehr weh tun.
    Aus der heutigen Sicht die richtige Einschätzung. Aber sicher ein ?Zufall? dass die Medien gerade dieses Thema groß aufgriffen. Hätte es die gleichen Maßnahmen gegeben wenn das Thema deutlich weniger Platz in den Medien gefunden hätte?
    (Ich glaube nicht, dass irgendein geheimer Plan dahinter steckt :D )

    Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr diese Fragen in eurem Podcast besprechen könntet.
    Wichtig ist mir: Ich fande den kurzfristigen Lockdown gut und richtig, aber sind wir inzwischen nicht so weit in diese Debatte einsteigen zu müssen. Und nicht immer nur die Angst vor Corona und die Mainstream, Instagramfeed Meinung zuzulassen?
    Die Lockerungsdebatte wird ja bereits entfacht, aber vor allem aus dem wirtschaftlichen Gesichtspunkt.

    Quellen:
    https://www.swp.de/suedwesten/landkreise/lk-ludwigsburg/historie_-pandemie-vor-50-jahren-von-hongkong-in-den-landkreis-44787246.html
    https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.die-vergessene-seuche-betroffene-erinnern-sich-an-die-hongkong-grippe.e3ee9f96-6fa4-4a35-ab15-a1f4818c4031.html
    https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45849681.html
    https://www.businessinsider.de/politik/deutschland/asiatische-grippe-die-lehren-der-letzten-grossen-pandemie-fuer-corona/

  46. Hallo ihr beiden,
    vielen Dank für eure Arbeit und die regelmäßigen Lage-Folgen!
    Ich habe sehr interessiert eure ethischen Bedenken bzw. die Diskussion zu Immunitätsausweisen verfolgt. Erstmal finde ich gut, dass ihr auch ehrlich sagt, dass ihr keine schlussendliche Meinung dazu habt, da es einfach ein schweres Thema ist. Trotzdem möchte ich auf etwas Hinweisen: So drastische Freiheits- und Grundrechtsbeschränkungen aufzuheben für einige ist kein PRIVILEG was denen erteilt wird, sondern deren gutes RECHT. Ulf sagt immer richtigerweise, dass das Grundgesetz die Bürger praktisch vor ihrem Staat schützen soll. Demonstrationen, freie Bewegung in der Öffentlichkeit etc. sind kein Privileg, was der Staat gütig erteilt, sondern die Grundlage unserer Demokratie. Der Staat muss sich andersherum immer rechtfertigen, warum er anderen Menschen ihre Rechte abspricht/aussetzt. Die Verwendung des Wortes “Privileg” und “Zweiklassengesellschaft” hören sich für mich eher wie typische Begriffe aus linken Klassenkampftheorien an… Statt Privileg könnte man von “Freiheit/Recht” sprechen.
    Danke euch!

  47. Liebe Lage,

    danke für die letzte Folge und überhaupt für Eure Arbeit!

    Ein Hinweis zum Thema Schule (ich habe es leider nicht geschafft alle Kommentare abzuchecken, ob schon jemand anderes darauf hingewiesen hat):
    Ja, mehr Digitalkompetenz in den Schulen und eine “digitaler Hausmeister” würden helfen und sine eine notwendige Bedingung. Jedoch gehört in der Schule wesentlich mehr dazu, als in anderen mehr oder weniger professionellen Organisationen. Nämlich: die Schüler. Damit meine ich gar nicht, das schon angesprochene Problem, dass diese einfach auf stumm schalten, sondern, dass auch die Schüler eine entsprechende technische Ausstattung und digitale Kompetenz benötigen. Hier, so glaube ich, gibt es noch erheblich Defizite. Nachn den bisherigen Erfahrungen mit meinen beiden Kindern (6. und 8. Klasse, Bayern) sowie Gesprächen mit einigen anderen Eltern, gehe ich davon aus, dass eine erhebliche Zahl von Familien gibt in denen die technischen Voraussetzungen fehlen. Dazu gibt es noch mehr, in denen die digitalen Kompetenzen fehlen. Dies sind i.d.R. die ohnehin schon benachteiligten Familien.
    Hinzu kommt, dass die hohe Heterogenität der Ausstattung beoi den Schülern auch die Anforderungen an die “sendenden” Schulen erhöht. Denn alles was sie digital unterrichten muss auf allen denkbaren Plattformen laufen. Wie muss, um nur ein Beispiel zu nennen, wenn ein Teil der Schüler nur (mittelgute) Smartphones besitzt und keinen Zugriff auf einen Rechner hat? Oder wieviele Rechner muss eine Familie mit drei schulpflichtigen Kinern vorahlten und wer soll das bezahlen? Derzeit wird dies Problem in den meisten Fällen durch Komplexitätsreduktion gelöst: Bereitstellung von PDFs (oder so ähnlich).

  48. Guten Morgen,
    Zu den verschiedenen Corona-Wegen.
    Es gäbe noch einen 3. – wenn auch ethisch grenzwertigen.
    Alles aufmachen, weiterleben wie bisher, Bevölkerung aufklären bzgl. zu erwartender med. Intensivmedizinischer Ressourcenknappheit -> Triage nötig und (viele) bzw. mehr Tote. Dafür öffentliches Leben voll weiterlaufend. Wirtschaft geht weiter.
    Hintergrund: ich sehe zum Beispiel, wie meine Eltern leiden, dass sie die Enkel nicht sehen dürfen. Wenn ich ehrlich bin dürfen Sie sie bis nach der Impfung nicht sehen! Also mindestens bis Mitte 2021. Dürfen nicht am Stammtisch teilnehmen, dürfen nicht zu Veranstaltungen gehen und so weiter. Diese sind nun um die 70, ich würde mir gut überlegen, ob ich als 70-jähriger ein Jahr meines Lebens in relativer Isolation leben will oder ob ich russisch Roulette spielen mit sagen wir mal einer Letalität von 20 %.

  49. 3. Mai 2020 um 22:02 Uhr
    Stefan Witzel

    Das Argument, dass die Corona-App-Daten im Gegensatz zu Kommunikations-Daten Rauschen enthalten und deshalb schwerer zu (mis-) brauchen seien halte ich für ziemlich schwach: in der wissenschaftlichen Praxis enthalten praktisch alle Daten Rauschen und das hindert uns nicht daran, die auszuwerten. Konkret: wenn ich aus den Daten alle Kontakte ignoriere, die nur höchstens zweimal vorgekommen sind, habe ich ziemlich gute Chancen, dass der Rest signifikant ist.

  50. Hallo, da ihr euch am Ende auch zum “Anrufen beim Abgeordneten” geäußert hat: Mein Anruf bei einem hochrangigen CDU-Abgeordneten dauerte nur wenige Sekunden: “Es geht um Artikel 13? Ich weiß, was Sie sagen wollen. Vielen Dank, tschüss.”

  51. Vielen Dank für eure Mühen. Eure Corona-Berichterstattung gehört zu den differenziertesten dieser Tage und greift immer wieder Perspektiven auf, die ich für sehr diskutierenswert halte.

    Eine Idee für kommende Sendungen: in den USA wurden gerade Todeszahlen für die vergangenen Monate im Vergleich zu den Monaten in den Vorjahren veröffentlicht: https://eu.usatoday.com/story/news/investigations/2020/04/29/far-greater-u-s-covid-19-death-toll-indicated-cdc-data/3048381001/
    Dazu sagten amerikanische Ärzte, sie hätten nicht genug Tests und müssten selbst bei (aus ihrer Erfahrung) eindeutigen Covid19-Fällen andere Lungenentzündungen als Todesursachen vermelden. Damit landen diese Fälle nicht in der Statistik. Erhöhte Mortalitätsraten können natürlich zudem auch andere Ursachen haben, siehe Artikel.

    Deshalb würden mich mal die verschiedenen Zählweisen der verschiedenen Länder (Zählung nur nach Test, zu wenig Testkapazitäten für solche Fälle), ggf. im Vergleich zu den Vorjahren abweichende Mortalitätsstatistiken verwandter Erkrankungen interessieren. Oft hört man ja, dass die Zahl der Todesfälle im Vergleich zu den Infektionszahlen verlässlicher sein soll, weil geringere Dunkelziffer.

  52. Noch ein kurzer Nachtrag zu ‘Wie infektiös sind Kinder?’. Herr Drosten hat parallel zu den Ergebnissen ‘seiner’ Studie (gleiche Menge von Virus im Rachen) auch eine andere Studie erwähnt, die er dann so zusammenfasst: “Das ist meine neue Arbeitshypothese, die ich seit dem Lesen dieser Veröffentlichung habe: Kinder sind ein Drittel so anfällig, die Infektion zu kriegen, wie Erwachsene. Das ist die Botschaft aus dieser Studie.”

    Drosten hat sowohl auf Twitter als auch im Podcast beide Ergebnisse parallel kommuniziert, in die Nachrichten hat es aber immer nur die eine Studie geschafft. So auch bei euch.

    Die Podcast-Folge: https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript188.pdf
    Die erwähnte ‘andere’ Studie, auf die sich Drosten bezieht: https://science.sciencemag.org/content/ear- ly/2020/04/28/science.abb8001?rss=1

  53. Servus,

    also beim Thema R0 auf 0,2 drücken… dies würde vielleicht in einem geschlossenen System gehen, aber nicht in Deutschland als Teil der Europäischen Union. Jetzt ist schon ein Verkehr zwischen den Ländern mit Ausnahmen möglich (Pendler). Also kein geschlossenes System. Und diesen Austausch für alle zwischen Ländern zu unterbinden wird auch sicher nicht über ein Jahr zumutbar sein. Dafür sind wir in zwischen viel zu sehr mit den anderen Ländern verflochten. Alleine schon Beziehungen, Eigentum etc..
    Daher ist die R0 auf 1 zu halten meiner Meinung nach die plausible Lösung, die auch Grenzöffnungen zwischen Ländern ähnlicher Zahlen möglich machen können.

  54. Hi ihr Zwei,

    Ich möchte an diesem Sonntag mal einen kurzen Kommentar zur Corona-Situation aus der Sicht eines 28 Jährigen geben.

    Was hier folgt ist meine Meinung:

    So langsam geht die Lust verloren.
    Nicht nur meine, sondern auch die meiner Freunde, mit denen ich gesprochen habe.
    Web-Konferenzen mit Spielrunden oder einfach mal zum Quatschen online treffen ist okay, aber halt auch leider nicht das gleiche wie ein reales Gespräch …und trotzdem halten wir durch.
    Wir haben verstanden, wen es zu schützen gilt und dass der kommende “Eiertanz” den die Regierung mit Verordnungen, Bürgern und Kennzahlen in den nächsten Monaten durchführen muss, notwendig ist.

    Was die Corona-Situation allerdings so anstrengend macht, sind nicht die Verordnungen, sondern der Umgang mit diesen und das besonders durch die Gruppen in Deutschland, die es besser wissen könnte.

    Ich persönlich gehöre nicht zur Risiko-Gruppe. Mit 28 und ohne Vorerkrankungen stehe ich gesund da. Ich bin sportlich irgendwo zwischen dem Hobby und Leistungssport anzusiedeln, 4-5 mal die Woche Sport, war und ist bei mir eine Regelmäßigkeit.
    Dass ich damit natürlich nicht Immun bin, ist mir klar aber die Chancen, dass mich der Virus umhaut, liegen wahrscheinlich irgendwo bei einem Lotto-Gewinn (und der klappt die letzten Monate ja auch schon nicht).

    Was mein Durchhaltevermögen aber sichtlich beeinträchtigt, ist das Verhalten der Generation meiner Eltern.
    Wenn man betrachtet, wer denn die Hauptkritiker an RKI und der Regierung um Merkel und Spahn sind, dann ist es zu einem großen Teil diese Generation.
    Schaut man sich die Bilder der vergangenen Grundrechtsdemo in Stuttgart an, bei der 7000 Menschen, meist ohne Maske und Sicherheitsabstand, waren,
    zeigt sich, dass gerade die Generation ü40/ü50 ein massives Problem mit den Verordnungen hat (reine Angst ums Grundrecht spreche ich den meisten die dort waren bewusst ab, vor allem, wenn ich weder Masken noch Abstand sehe)

    Und hier beginnt mein Dilemma: Ich stelle mir ernsthaft zunehmend die Frage, warum ich mich noch sklavisch an die aktuell geltenden Regeln halten soll, wenn diese Menschen, die zum Teil selbst zur Risikogruppe gehören, es nicht tun.
    Ihr habt es im Podcast sehr gut gesagt, hier geht es darum, als Gesellschaft zu beweisen, dass wir sowas wuppen können. Aber ich glaube langsam, wir können es nicht.
    Zeitungen wie Welt, Spiegel und Co gießen Öl ins Feuer mit reißerischen Überschriften zu Ihren Artikeln um Klicks zu generieren und was die BILD macht, will ich gar nicht erst nennen.

    Ich sehe hier ernsthaft die Gefahr, dass meine Generation, oder sagen wir besser, meine Bubble die Geduld verliert und dass aufgrund dieser Ignoranz.

    Mich würde dazu gerne eure Meinung interessieren, ihr gehört dieser Generation an und seid gefühlt immer positiv, was den Verlauf dieser Pandemie angeht.
    Woher kommt bei so vielen dieser Menschen diese Politikverdrossenheit und das Misstrauen der Forscher?
    Und ich weiß, dass ich mit meinen Aussagen hier viele Leute über einen Kamm schere, meine Generation auch bei weitem nicht immer der Musterschüler ist und dass mir so einige nur allzu gerne widersprechen möchten.
    Aber das ist nun mal leider der Eindruck, den ich persönlich erfahre und über die Medien sammle.

    Ansonsten: Vielen Dank für euren super Podcast!

  55. Hallo,
    zu der Diskussion um die Tracing App bzw. ihr grundlegendes Design (zentral vs. dezentral) gab es in den letzten Folgen interessante Betrachtungen, aber ich finde, hier wäre ein differenzierter Blick auf die Argumente und die jetzt gewählte Lösung (die zumindest von Ulf offensichtlich nicht präferiert wurde) notwendig.
    Aus meiner Sicht wurden zwei, wie ich finde, ganz entscheidendene Punkte praktisch nicht thematisiert:
    1. Jegliche zentralisierte Lösung ist als single point of failure schwerer zu schützen, was natürlich erstmal kein Ausschlusskriterum sein muss. Allerdings ist dies aber v.a. deswegen relevant, weil dort vorliegende “Geheiminisse” durch einen Leak (ob nun durch gezieltes Ausspionieren, Hacking/Cracking oder Unachtsamkeit) den Zustand des Geheimens nie wieder erreichen können. Dieser Umstand unterscheidet es eben genau von z.B. Eigentumsdelikten, wo ein Geschädigter kompensiert werden kann, aber auch z.B. von Einschränkungen von Grundrechten. Gerade bei Letzterem ist der interessierte Verfassungsrechtler (wie z.B. Ulf) gerne dabei, die Maßnahmen zu überprüfen und auf ihre Rechtmäßiigkeit und Verhältnismäßigkeit abzuklopfen und ggf. eine Herstellung des Urzustandes zu fordern bzw. durchzusetzen.
    Genau diese Wiederherstellung eines Urzustandes ist bei der Veröffentlichung von eigentlich geschützten Daten unmöglich, weswegen es ein relevantes Argument ist, von Afnag an (!) v.a. auf Datensparsamkeit und Verteilung zu setzen, um die Gefahr von ungewollten Veröffentlichungen zu minimieren. Das von Ulf in einer der letzten Folgen erwähnte “trial and error” (sinngemäß “Man kann ja beides machen und wir gucken mal, was sich durchsetzt.”) ist daher eben genau keine gute Option, auch wenn das in Zeiten von Disruption und Agilität gerne propagiert wird.

    2. Was überhaupt nicht erwähnt wurde, war der fast noch wichtigere Punkt, dass das Sammeln von solch relevanten Daten (Social Graph) an zentraler Stelle immer Begehrlichkeiten bei anderen Institutionen weckt. Im privatwirtschaftlichen Sektor ist dies meist nur eine Frage des Preises (unabhängig von jeglichen Zusicherungen), aber im Bereich des Staats ist es völlig normal, dass damit zu rechnen ist, dass Daten die nur für einen bestimmten Gebrauch gedacht waren, auch anderweitig gut Verwendung finden können. Desbez. Beispiele gibt es zugenüge, es sei hier nur an die Vorratsdatenspeicherung und die Mautdaten erinnert. Was Beziehungsnetzwerke für ein totalitäres Regime bedeuten können kann sich jeder selbst ausrechnen, aber es würde mich arg wundern, wenn sich nicht auch deutsche Ermittlungsbehörden die Hände reiben würden, “wenn die Daten schon mal da sind”. Auch daher ist es um so wichtiger, solche Datensammlungen von Anfang auf ihre Notwendigkeit zu überprüfen, da wegen Punkt 1. das Kind eben in den Brunnen gefallen ist, wenn die Daten erstmal an Dritte gelangt sind, für die sie ursprünglich nicht bestimmt waren.

    Das Argument erschwerter Lernfähigkeit des Systems durch den dezentralen Ansatz ist natürlich valide, muss aber mit den o.g. Risiken entsprechend abgewogen werden.

    Etwas irritierend fand ich zudem den Punkt, dass der deutsche Staat sich nicht von Apple vorschreiben lassen sollte, was für eine App er entwickeln möchte.
    Wenn ich es richtig verstanden habe, würde ohne das iOS-Update keine der Lösungen funktionieren, da es grundsätzlich einer nativen API-Unterstützung bedarf, um bei einem iPhone Bluetooth dauerhaft aktiviert zu lassen, ohne dass das Gerät entsperrt ist. Das bedeutet, ohne Apples (und Googles?) Unterstützung würde hier keine der Ansätze funktionieren und es ist auch nicht die Aufgabe der Firmen, dies von sich aus zu tun. Man kann es als gesellschaftlich wünschenswert betrachten, dass Unternehmen durch ihr Handeln die Eindämmung einer Pandemie unterstützen, aber es ist weder die Aufgabe dieser Geräte ein Tracing zu ermöglichen (auch wenn die Firmen mit ähnlichen Funktionen natürlich gutes Geld verdienen) noch Staaten bei der Bekämpfung von Problemen zu unterstützen. Wegen Punkt 2. (siehe oben) wäre es sogar gefährlich, Dinge einzubauen, die in autoritären Staaten noch leichter zum Missbrauch führen können.
    Wenn der Gesetzgeber hier Anbieter von Telekommunikationslösungen in die Pflicht nehmen möchte, so muss er entsprechende Vorgaben erlassen, aber jetzt zu fordern, dass Marktteilnehmer ihre Systeme für irgendwelche Zwecke aufbohren sollen, für die sie weder ursprüngich entwickelt noch zugelassen wurden, entbehrt zumindest einer gesetzlichen Grundlage.

    Ich bin gespannt, ob der Grundrechts-Ajatollah (SCNR ;> ) Zeit für einen Kommentar hat. :)

  56. Hallo!

    Tut mir leid aber die Lobeshymnen in puncto Objektivität und gut informiert kann ich beim besten willen nur noch bedingt nachvollziehen. Insbesondere die immer deutlicher mitschwingende Attitüde der Herren, “Der Zweck heiligt die Mittel” wenn es um die Tracing App mit blick auf den Datenschutz geht empfinde ich als unangebracht.

    Auch Äußerungen in die Richtung, dass es sich bei den Bedenken von (despektierlich als Hacker bezeichneten) Personen bezüglicheeines zentralen Tracing Systems nur um akademische Probleme und Angriffsszenarien handle, empfinde ich als unhaltbar.

    Hier mal lieber die letzten Folgen vom Logbuch Netzpolitik konsomieren. Da gibt es Hintergrundwissen von Menschen, die was von der Thematik verstehen.

    • Wir sagen gerade nicht: “Der Zweck heiligt die Mittel”. Wir erklären im Detail, welche Risiken es gibt und welche überschätzt werden.

      Woher stammt eigentlich deine Überzeugung, dass Linus und Tim – so gerne ich die beiden mag – das alles a) wirklich besser wissen und b) auch neutral rüberbringen? Vielleicht ist es gerade ein Vorteil für die Diskussion, dass wir bei der Lage nicht nur Techies sind, sondern auch Journalist und Jurist.

      • Da muss ich Alexes recht geben.

        In Logbuch Netzpolitik und UKW gibt es genug Argumente.
        Muss man nicht alle unterschreiben, aber sie sind nachvollziehbar.

        Neutral sind sie nicht, L. Neumann hat aber auch Argumente/Vorteile pro zentral aufgeführt.
        Er ist dagegen.
        Neutral sind die anderen Medien auch nicht. Wer glaubt neutral berichten zu können, unterliegt schon dem ersten Irrtum.

        Eine App kann mich informieren, dass ein früherer Kontakt infiziert ist, bevor ich andere infiziere. Es schützt weder mich noch den, vom dem ich die Viren haben könnte.

        Wenn eine dezentrale Lösung sagt der Kontakt war Sonntag, und da habe ich nur alleine im Garten gesessen, wird das wohl nichts sein. War ich im Nahverkehr im Berufsverkehr, sollte ich zuhause bleiben, oder mit dieser Meldung der App einen Anspruch auf einen Test haben. Ohne Palaver im Amt.

        Eine zentrale App kann mich auch hinformieren, aber ich habe dann nicht die Möglichkeit zu bewerten, dass das effektiv nichts Viren übertragenes gewesen sein kann.
        Ich stehe sofort in Datenbanken, meine ID bekommt vielleicht eine Infiziert-Kennung, Korrektur falscher Daten erfolgt erst spät oder gar nicht.

        Eine hier verwendete Lösung wird weltweit implementiert und kann in Zukunft nicht mehr gestrichen werden.

        Die zentrale Lösung ist der feuchte Traum von Antidemiokraten oder Freunde einer gesteuerten Demokratie. Da muss man nicht mal in die Ferne schweifen, in Europa haben wir genug Problemkinder.
        Gesteuerte IDs mit Zusatzinhalt, zentraler Speicher aller Kontaktnetze, single Point of Failure, schwer DOS gefährdet, wertvoll für Kriminelle und Geheimdienste (eigene und andere).

        Akzeptanzprobleme einer App, egal welche, werden den breiten Einsatz verhindern. Damit werden die Nutzen geringer bis unbrauchbar.

        Anpassungen der Metriken kann über automatische Updates gelöst werden.
        Dass Infektologen die Daten gerne hätten, kann ich nachvollziehen. Diese Daten sind aber vermutlich für die Wissenschaft etwas überbewertet für livetracking. Später für Doktorarbeiten sicherlich gut, live zu viele Toleranzen.

      • Moin moin hier kommt ein Themenvorschlag für die nächste Lage der Nation
        Bitte greift doch einmal das Thema Verhältnismäßigkeit der derzeitigen Maßnahmen / Lockerungen auf.

        In den ersten Wochen ging es darum die Infektionskette radikal zu unterbinden. deshalb der Lockdown.

        Inzwischen sind sich offenbar doch alle einig, dass es jetzt darum geht, ein Leben mit dem Virus zu etablieren Und auch dafür zu sorgen dass die Wirtschaft wieder in Gang kommt.

        In der jetzigen Phase kann es daher nicht mehr darum gehen, welche Tätigkeiten Systemrelevant sind, sondern darum wie wir alle unserer beruflichen Tätigkeit nachgehen können ohne andere zu gefährden (Stichwort Mindestabstand, Hygiene).

        Die Ausübung der Berufsfreiheit ist derzeit eingeschränkt und sowas ist nur zulässig, wenn die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibt – so habe ich euch in der Lage der Nation immer verstanden.

        Im Hamburger Abendblatt gibt es in den letzten Wochen eine Debatte, inwieweit die Maßnahmen noch gerechtfertigt,Beziehungsweise verhältnismäßig sind.

        Da stellen sich dann Fragen, warum z.B. medizinische Fußpflege erlaubt ist, Pediküre aber nicht, usw., usw.
        Für mich persönlich ist diese Woche überhaupt nicht nachvollziehbar, warum ich einen Bildungsurlaubskurs mit sechs Erwachsenen in einem geeigneten Seminarraum diese Woche nicht geben darf, wären Friseure wieder arbeiten dürfen und Einkaufszentren wieder belebt sind.
        Mindestabstand und Hygiene sind Iin der Erwachsenenbildung gewährleistet, im Fall des Falles,wäre eine Infektionskette problemlos nachverfolgbar weil alle Namen bekannt sind.

        Derartige Entscheidungen sind für viele Bürger nicht mehr nachvollziehbar und Sorgen im Einzelfall für wirtschaftliche Härten.

        Maren

  57. Ich möchte was zum vielgepriesenen Video-Fernunterricht sagen.

    Nach 7 Lockdown-Wochen habe ich da als Lehrer auch Erfahrungen mit Videokonferenz-Tools sammeln dürfen. Ja, das geht, kann man machen. Aber: Das ersetzt in keiner Weise, wie es in der Sendung suggeriert wurde, eine normale Schulstunde. Die Schüler*innen der Oberstufe wählen sich da ein, schalten (natürlich) Audio und Video stumm – und dann redest Du als Lehrkraft erst mal in den leeren Raum hinein. Durch solche Tools wird der Unterricht gerade nicht indvidiueller, sondern durchaus erst mal frontaler. Eine echte Diskussion o. ä. kommt da eher nicht in Gang – gesellschaftswissenschaftliche Fächer leiden darunter schon ziemlich stark.

    Dass das in der Uni funktioniert, glaube ich sofort – da reicht es ja im Seminar ja auch, wenn einige reden und halt alle selber schauen, wie viel sie verstehen / wo sie bleiben. Schule funktioniert so nicht – und soll das auch gar nicht.

    Ich sage nicht, dass es da keinen Weg raus gibt. Die entscheidenden Fragen sind aber eben nicht nur technische, sondern auch didaktische. Um das, was bisher Schule war, 1:1 digital abzubilden, wäre SEHR viel Kulturwandel nötig – auch wenn (wieder mal) alle ziemlich genaue Vorstellungen davon haben, was Lehrer*innen “einfach nur” machen müssten.

    Dass es umgekehrt frustrierend für Eltern und Kinder ist, wenn nur 1x die Woche eine zip-Datei mit Aufgabenpaketen kommt – ohne Erklärung, Feedback und Korrektur -, verstehe ich sehr gut.

    Ich vermute allerdings, dass da auch die Kultusministerien eine Rolle spielen, die z. T. gleich im Vorfeld verkündet haben, dass alle Aufgaben “FREIWILLIG” und der vermittelte Stoff “NICHT PRÜFUNGSRELEVANT” ist. Man will sich wohl juristisch den Ärger vom Hals halten. Wenn Kolleg*innen aber weder klar gesagt wird, was sie überhaupt unterrichten sollen, noch, ob die von ihnen gestellten Aufgaben überhaupt erledigt werden müssen, dann kann man sich doch leicht ausrechnen, dass sich manche da lieber einen schlanken Fuß machen. (ohne das jetzt im Einzelfall verteidigen zu wollen)

    • Diesen Kommentar aus der Lehrersicht möchte ich gerne ergänzen.
      Es geht eben nicht nur um die fehlende Digitalisierung an den Schulen, die verhindert, dass Fernunterricht ähnlich wie an Universitäten und Hochschulen per Videokonferenz stimmig stattfinden kann, nicht nur um die von Florian ergänzend aufgezeigten didaktischen und pädagogischen Nachteile. Zu Hause haben viele Schüler keinen Laptop, viele müssen diesen mit Geschwistern teilen, es gibt keinen Ort, um sich zurück zu ziehen etc. In der Konsequenz bedeutet das, man kann als Lehrer zwar die Möglichkeit eines digitalen Austausches anbieten, diesen jedoch nicht verpflichtend einführen, da nicht alle Schüler teilnehmen können. Außerdem bietet der Raum Schule, wie von Florian aufgezeigt, viel mehr als nur einen Ort, an dem man Informationen erhält. Es ist ein Ort des sozialen Miteinanders, ein geschützter Raum, in dem man sich auf rein schulische Belange konzentrieren kann, ein Ort des Austausches an dem viel pädagogische Arbeit stattfindet. In diesem Punkt sind Schulen mit Universitäten nicht vergleichbar. Natürlich stimmt es trotzdem, dass Schulen in der Digitalisierung nachhängen.

  58. Liebe Lage,
    ich höre seit langem und sehr gerne die Lage. In der aktuellen Folge fand ich die Diskussion über die langfristige Strategie der Bekämpfung von Corona sehr interessant. Ich habe dann aber in der SZ einen Artikel ( https://www.sueddeutsche.de/politik/corona-krise-in-deutschland-was-fuer-ein-zustand-1.4893967 ) gelesen bei der unter Berufung auf die RKI Pressekonferenz vom 28.04.20 nicht ganz klar formuliert eine andere Zahl bezüglich der Kapazität der Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung genannt wurde. Ich habe mir diese dann die PK angeschaut (https://www.youtube.com/watch?v=srlSEBGiy_g ; etwa 25:23 – 26:15 ) und hier sagt Hr. Prof. Wieler tatsächlich relativ eindeutig, dass derzeit die Nachverfolgung von etwa 1000 Fällen pro Tag möglich sei. Ich habe in den Shownotes leider keine Quelle für die von euch genannte Zahl von 200 gefunden von daher würde mich interessieren, wo diese zu finden ist.

    Ich fände dies tatsächlich deshalb einen zentralen Punkt, da die Infektionen ja mittlerweile schon bei etwa 1000 Neuinfektionen pro Tag angekommen ist. Das würde bedeuten, dass mit der “Dance” Phase in kürze begonnen werden könnte. Somit wäre aber die genannte Gegenüberstellung von der Strategie “erst noch warten bis nachverfolgt werden kann und dann lockern” oder “die Zahl dauerhaft mit Beschränkungen niedrig halten” garnicht mehr so ausschlaggebend, weil man ja ohnehin schon an dem Punkt wäre an dem, laut der vorgestellten Theorie gelockert werden könnte.

    Daher fände ich es super spannend, wo die von euch genannte Zahl herkommt, weil ich sie für die langfristige Strategie eben zentral finde. Ansonsten vielen Dank an euch, toll dass ihr so einen informativen und kurzweiligen Podcast macht!

    • danke für den Hinweis, an dem Punkt müssen wir noch mal weiter recherchieren. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, woher die 200 Fälle stammten, weil Phil diesen Teil vorbereitet hat.

  59. Ich weiß nicht genau zu welchem Punkt in der Lage diese Infos gehören, möchte sie aber trotzdem los werden.
    Die Diskussion um die Anzahl der Beatmungsbetten/Intensivbetten finde ich weiterhin nicht zielführend.
    Wir hatten schon vor COVID 19 nicht genügend Personal, um die vorhandenen Intensivbetten zu betreiben und deshalb sind einige geschlossen. Auch mit dem Beatmungsgerät ist es nicht getan:
    • Um die invasive Beatmung und den dazugehörigen Beatmungsschlauch und die Bauchlage zu tolerieren benötigst du eine starke Sedierung und Schmerztherapie.
    • Dieses und die eigentliche Infektion sorgen für einen zu schwachen Kreislauf, der dann durch Noradrenalin z.T. ausgeglichen wird. Aber trotzdem werden die Organe nicht gut durchblutet. Zum Lungenversagen kommt es also auch noch Nieren-, Leber-Herzschwäche(versagen). Später dann das Multiorganversagen.
    • Auch die sonstigen Intensivpatientinnen haben diese Probleme, aber meistens nicht so heftig und fulminant.
    • Um sich nicht selbst anzustecken wird vom Personal eine (z.T. nur unzureichende) Schutzkleidung getragen, diese ist aber Wasser und Wärme undurchlässig.
    • Meine Kolleginnen auf der COVID 19 Intensivstation sprechen von bis zu 6 durchgeschwitzten Kasaks pro Schicht.

    Als Krönung soll das Personal zukünftig eine Infektionszulage von 46 Euro brutto bekommen, nicht pro Tag, sondern pro Monat, wenn das nicht zynisch ist.

  60. Hallo ihr beiden,
    Ich habe mit auch meine Gedanken zu der App gemacht, wie es hier ja schon einige Kommentare gibt.
    Im Moment bin ich in einer Art Anti-Haltung, was weiter Massnahmen im Zusammenhang zur Coronapandemie betrifft. Das liegt zum einen an meiner generellen Einstellung zu Leben und Sterben und zu den Risiken die Leben an sich schon mitbringt. Alles was zur Zeit getan wird ist ja ‚nur‘ dazu da Leben zu retten. Ich glaube die Akzeptanz der gegenwärtigen Massnahmen, liegt vor allem daran, dass jeder SEIN/IHR Leben retten will. Da andere Lebensrettungmassnahmen sonst jeher abstrakt sind, z.B. Seenorrettung (~1900 Tote, 2019), Kriegstote(~84000 Tote, 2019), AIDS ( ~770000 Tote, 2018), Opiumtote(~48000 Tote, USA,2017), etc.. Die Toten hier stehen also in ihren eigenen Relation zu den für sie ergriffenen Massnhamen. Lebensrettung ist also relative zu unserem Verhalten.
    Wie sich jeder in der Coronakrise zu verhalten hat is ja nun hoffentlich hinlänglich bekannt. Was bringt mir also eine App, die mich darüber informiert, dass eventuell ein infizierter Mensch in meiner Umgebung aufgehalten hat? Solange die Benutzung und die daraus resultierenden Handlungen freiwillig bleiben, bringt mit die App keinen Mehrwert. Ich habe jetzt potentielle Erreger um mich und mit der App auch. Ich kann zu Hause bleiben oder auch nicht. Ich kann mich distanziert verhalten oder auch nicht.
    Es bleibt immer in meiner Verantwortung, wie ich mich verhalte, dafür brauche ich keine App, die mir dabei ‚hilft‘. Es findet nur eine Verantwortungsverlagerung statt.
    Wenn man sich nun im Vergleich das Tracing in Singapur ansieht, stellt man fest, dass hier eine Verpflichtung zum Benutzten herrscht und die Verfolgung von Infizierten und Kontaktpersonen staatlich organisiert ist. Vor einer zweiten Welle hat es nicht geschützt ( sieh auf ARTE TV).

    Für mich muss eine App Mehrwert bringen. Eine freiwillige Corona-App erspart mir nichts. Der Sicherheitsgurt im Auto, hat Autofahren zwar sicherer gemacht, aber fahren die Leute deswegen langsamer? Verantwortungsverschiebung hilft nichts, ausser ein gutes Gewissen zu haben, dass man was ,getan hat‘.
    Oder aber die App wird Pflicht…

    Ich bleibe noch kurz bei der Freiwilligkeit, da hier ja noch andere Tücken lauern könnten. Geschäftsinhaber könnten sich das Handy und die App zeigen lassen, wenn man den Laden betritt. Also kein Einlass ohne App. Wurde ja auch im Rahmen der Folge unter Immunity Passwort diskutiert. Solch eine App könnte die Vorstufe dafür sein und zu einer enormen Diskriminierung führen.

    Ich sehn die App eher als Einfallstor für Überwachungsmassnahmen, da sie nur sinnvoll ist, wenn sie jeder oder zumindest sehr viele benutzten (und den Warnungen Folge leisten). Also wäre nach Einführung der App, die Verpflichtung zur Nutzung folgerichtig.
    Wer für die App wirbt, müsste mir erklären, wie die Einhaltung von Selbstisolation wirken soll. Es zeigt sich ja bei den leichten Öffnungen, wie unvernünftig viele agieren. Die gewünschte Selbstisolation, kann sehr schnell zum Wunschtraum werden, wenn man eine Rabattaktionen oder den neuen Blockbuster mit Freunden sehen will.

    Eine andere Frage würde mich noch interessieren. Wenn die App bei mir eine Warnung anzeigt und ich diese ignoriere, dann handle ich fahrlässig. Wenn ich andere in der Folge infiziere, bin ich ja für die Folgen verantwortlich? Gab es da nicht Urteile zu HIV Infizierten, die ungeschützten GV hatten?
    Aber auf den Datenschutz wollte ich gar nicht kommen.

    Diese App braucht niemand auch wenn es gerade wie das goldene Kalb behandelt wir. Die App ist nur Ersatzheilmittel für fehlende Impfung und die Fragen, die sich aus der Einführung ergeben sind nicht ausreichend diskutiert.

    Das Leben endet tödlich und Risiken sind überall zu finden. Wir scheren uns meist wenig um Lebensrettung, doch nun könnten wir selbst betroffen sein.
    Ok ich als übergewichtiger, ex-rauchender und noch-dampfender Über50-jähriger nehme das Risiko an. Ich weiss, dass ich Corona im Laufe meines Restlebens haben werde. Sollte ich daran sterben, dann lieber ohne diese App!
    Gruss

    • Das ist ja alles deine persönliche Entscheidung, aber was ist denn dein KONKRETER Nachteil, wenn du so eine App einsetzt? Was soll “Überwachung” denn KONKRET bedeuten?

      • Hallo Ulf,
        Die App macht nur Sinn, wenn sie verpflichtend wird und wenn die Isolation von Kontaktpersonen durchgesetzt wird. Durch das Machtmonopol des Staates, muss ja eine Rückverfolgung möglich werden. Die von euch beworbene Freiwilligkeit wird es-meiner Ansicht nach- nicht mehr geben. Und das eine ‚gute‘ App, später geändert wird, wäre nicht neu. Auch weil politisch keine Opposition zu erkennen ist. Selbst wenn dagegen geklagt werden könnte, würden Jahre vergehen, bis das wieder eingefangen werden könnte. Also warum etwas einführen, was man meinem Dafürhalten nicht braucht.
        Ihr appelliert an die Vernunft der Menschen, sich Corona-korrekt zu verhalten und ich denke das sollten wir tun. Eine App ist nur eine Scheinlösung.

        • Wenn man die Warnung ignoriert ist das halt asozial. Ich denke die meisten Menschen sind vernünftig/moralisch genug in dem Fall zuhause zu bleiben (automatische Krankschreibung?). Wenn Leute die Grippe haben bleiben sie ja auch größtenteils zuhause – nur dass in diesem Fall eine Ansteckung anderer mit höherer Wahrscheinlichkeit tödlich endet.
          Da ~50% der Ansteckungen vor Symptomen erfolgen und aufgrund der kurzen Generationszeit, ist eine App eben viel effizienter darin R zu drücken als Infektionsketten manuell nachzuverfolgen (bis man den Leuten hinterhertelefoniert hat sind schon die nächsten infiziert).
          Ob genug Menschen die App nutzen würden ist eine andere Frage, ich denke aber dass man locker auf >60% kommen würde – es geht ja nicht nur um Nächstenliebe sondern auch Selbstschutz (und evtl. Neugier).

        • 1) Google/Apple haben bereits eine Art Risikobewertung in der API eingebaut, es ist also binär “In der letzten Woche Kontakt oder kein Kontakt”; man kann via App (die auf die G&A-Schnittstellen aufsetzt) darüber informiert werden, wie intensiv der Kontakt jeweils war.

          2) Das Missbrauchspotential ist ja genau der Grund, warum der Großteil der relevanten akademischen Welt und etliche Freiheitsorganisationen sich gegen eine zentrale Lösung gewehrt haben. Mit der dezentralen Lösung ist das Missbrauchspotential allerdings erheblich gesenkt, und wenn das ganze noch open-source wird, kann man so eine App nicht ohne weiteres unbemerkt ändern. Wenn das ganze open-source kommt und gut gemacht ist (wie bspw. die österreichische Tracing-App), dann ist auf Missbrauchspotential-Perspektive wenig einzuwenden.

          Wo ich bei dir bin, ist, dass der Nutzen der App teilweise fast mystisch aufgeladen wurde. Das wird kein fancy Taschenorakel, dass einem detailiert über das eigene Corona-Risiko informiert, dem Gesundheitsamt jegliche Arbeit erspart und der Forschung vollkommen neue Daten schenkt, die zu Maßnahmen führen, die 50% effektiver sind. Die App ist in erster Linie einfach nur ein Notizblock, der sich eventuell ansteckungsrelevante Treffen notiert und nicht vergisst. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Jeder Mensch, der sich durch die App frühzeitig erstmal selbstisoliert und dann testen lässt, ist ein Gewinn. Meiner Ansicht nach ist das alles den Einsatz schon wert.

          Egoistisch gedacht: Zumindest psychologisch sollte was rausspringen – mehr Information über den eigenen Bedrohungsstatus gibt einem mehr empfundene Kontrolle über die eigene Situation, und das geht bei den meisten Menschen und vermutlich auch bei dir mit vielen positiven Effekten einher.

  61. Hallo,

    Ich wollte auch einmal meine Erfahrungen bezüglich des Kontakts mit Abgeordneten teilen.

    Zuerst möchte ich anmerken, dass ich Politikwissenschaften studiert habe und dort die wissenschaftlichen Theorien und Erkenntnisse bezüglich politischer Kommunikation gelernt habe.
    Man lernt unter anderem, dass Politik in einer Demokratie vom Input und Feedback lebt. Wie in der Lage erwähnt wurde, sind die Abgeordneten im Allgemeinen auch sehr offen, wenn sich Bürger*innen an Sie wenden. Mein Studium hat mich gelehrt, dass die Möglichkeit des Input- und Feedbackgebens von der normalen Bürger*in nicht in vollem Maß ausgenutzt wird.
    Dies spiegelt sich auch in meinen praktischen Erfahrungen mit der Politik wider. Hierbei verfüge ich über Erfahrungen auf Seiten des Empfängers politischen Inputs, sowie über Erfahrungen als Inputgebender.
    Ich war jahrelang parteipolitisch aktiv und habe so meine Vorstellungen in das politische System eingebracht. Ich empfand dies immer als eine sehr positive Erfahrung. Meine Anliegen wurden innerparteilich wahrgenommen und in demokratische Prozesse integriert. Natürlich kann man sich nicht immer durchsetzen, aber man wird gehört, von normalen Parteifreund*innen und Menschen, die als Abgeordnete aktiv sind.

    Des Weiteren war ich zwei Jahre lang Teil eines Parteivorstandes auf lokaler Ebene. Hier war meine Erfahrung, dass Bürger*innen sich durchaus an Parteien und Abgeordnete wenden, allerdings sind die Kapazitäten nicht vollkommen ausgeschöpft. Gerade Sprechzeiten von Parteien und Abgeordneten vor Ort werden meiner Meinung nach nicht ausreichend genutzt. Dabei besteht hier ein großes Potenzial mit den eigenen Vertreter*innen in Austausch zu treten. Und diese sind immer offen dafür, schließlich ist es auch ihr Job.

    Zuletzt möchte ich noch von einer Erfahrung berichten, die ich vor ein paar Wochen gemacht habe. Ich hatte in den Nachrichten einen Beitrag gesehen, über dessen Thematik ich sehr besorgt war. Ich wusste, dass meine Partei weitestgehend auf meiner Linie bezüglich des Themas ist, also sah ich hier meine Interessen bereits vertreten. Allerdings hatte ich bis dahin noch nie versucht meinen politischen gehört zu verschaffen, indem ich meinen dirket gewählten Abgeordneten im Wahlkreis kontaktierte. Da ich wusste, dass diese aber eigentlich immer offen sein sollten für den Input ihrer Bürger*innen, habe ich den Versuch gewagt und ihn angeschrieben. Das Ergebnis war sehr positiv. Ich bekam eine Rückmeldung per Mail und die Anfrage, ob ich diesbezüglich nicht mit meinem Abgeordneten telefonieren möchte. Ich ließ mich darauf ein und wir hatten eine gute halbe Stunde miteinander gesprochen. Ich habe meine Bedenken anbringen können, er hat sie aufgenommen und seine Position dazu verdeutlicht, sowie Hintergrundinformationen zum Thema gegeben. Trotz dessen, dass der Abgeordnete Teil einer anderenfalls Parteienfamilie ist als ich, fand ich das ganze sehr produktiv und kann anderen nur raten sich nicht zu scheuen, wenn es darum geht eigene Anliegen an Politiker*innen vorzubringen.

  62. 3. Mai 2020 um 13:02 Uhr
    Melanie Daemon Barbosa

    Lieber Philipp, lieber Ulf,
    vielen Dank für die Thematisierung des Problems “Digitalisierung” an Schulen. Kurz zu meinem Hintergrund: Ich bin Grundschullehrerin und leite aktuell ein Seminar zur Ausbildung von Studienreferendaren im Landkreis Hof in Bayern. Ich ehemalige Konrektorin einer mittelgroßen Grundschule, d.h. ich war in der Vergangenheit in der Schulleitung tätig. Ebenso war ich mehrere Jahre medienpädagogisch-informationstechnische Beratungslehrkraft und für die Beratung von Grund- und Mittelschulen zuständig, was deren medienpädagogische Arbeit angeht.
    Ich finde, dass ihr die Problematik der Thematik sehr gut erfasst und im Überblick auf den Punkt gebracht habt. Es besteht in diesem Bereich, vor allem an den “Nicht-Gymnasien”, ein Mangel an Professionalität. Ebenso wird, je nach Schulart, die Notwendigkeit auch unterschiedlich gewichtet.
    Die Gründe, warum es an einzelnen Schulen funktioniert, habt ihr in der aktuellen Lage bereits korrekt analysiert. Ich möchte an dieser Stelle eure Vermutung mit ein paar Fakten unterfüttern.
    Ich erlebe an vielen Schulen seit vielen Jahren große Frustration in Bezug auf Digitalisierung. Für die Ausstattung der Grund- und Mittelschulen sind die jeweiligen Kommunen zuständig. Je nach Engagement, positiver Einstellung zur Notwendigkeit der Digitalisierung und Finanzkraft jeweiligen Gemeinde unterscheidet sich die Ausstattung der Schulen. Die Schulleitungen müssen sich zudem selbständig durch Dschungel von Angeboten an Software und digitalen Tafeln kämpfen, da es, wie in der vorletzten Folge richtig vermerkt, wenige konkrete und eindeutige Empfehlungen seitens des Kultusministeriums gibt. Das mag für den einen oder anderen auf den ersten Blick vielleicht zumutbar klingen. Nun muss man aber die Breite des Tätigkeitsfelds der Schulleitung mit berücksichtigen. Die Pflege der IT-Ausstattung an Schulen ist durch eine Lehrkraft der Schule abgedeckt, welche die Rolle der “Systembetreuung” übernimmt. Die Aufgaben der Systembetreuung sind durch ein KMBek aus dem Jahr 2000 geregelt. (https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayVV_2230_1_1_1_2_4_UK_024). An Grund- und Mittelschulen steht für diese Tätigkeit eine Entlastungsstunde ab eine bestimmten Schulgröße zur Verfügung (ich glaube ab 100 Schülern, ich bin mir aber nicht sicher). Kleinere Schulen bekommen keine Entlastung. Inzwischen wird diese Tätigkeit durch professionelle IT-Hilfe von externen Firmen oder engagierte IT-Fachleute der jeweiligen Gemeinden unterstützt. Erstere rechnen die Betreuung natürlich mit hohen Stundensätzen ab. Jede Schule hat aber nur ein sehr gegrenztes Budget, weswegen die Betreuung sich auf Notfälle beschränkt. Ich kann nur bestätigen: Es fehlen professionelle Ausstattung und Pflege der Systeme. Gleichzeitig wurde in den letzten Jahrzehnten meines Erachtens zu wenig in die mediendidaktische Fortbildung der Lehrkräfte investiert. Es wird zu sehr erwartet, dass sich die Lehrkräfte diese Kompetenzen im privaten Umgang aneignen. Es gab ich den letzten Jahr(zehnten) zu wenig qualitativ hochwertige, professionelle Angebote seitens unseres Arbeitsgebers. Fehlende Ausstattung und fehlende Fortbildungsangebote führten bei den Kolleg*innen zu Frust.
    Ich könnte noch mehr ausführen, aber es ist nicht meine Absicht, diesen Kommentar als Plattform meines persönlichen Frusts zu nutzen. Ich bin dankbar, dass ihr diesem Thema Beachtung schenkt. Es lohnt sich, dabei etwas genauer hinzuschauen.
    Viele Grüße und vielen Dank für euren tollen Podcast jede Woche.
    Melanie

  63. Hallo zusammen,
    den Corona-Pass sollte man meiner Meinung nach nicht (nur) mit einer Aufhebung der Maskenpflicht und Survivor Parties, also Sachen die eine Herdenintelligenz benötigen, in Verbindung bringen, sondern auch mit weichen Aspekten ala man darf dann die Oma ohne größere Vorkehrungen (und gutem Gewissen) besuchen. Die Grenze ist fließend, aber man sollte hier keine Schwarz-Weiß Debatte führen sondern auch Maßnahme für Maßnahme abwägen. Deswegen finde ich es gut, dass zumindest die Infrastruktur nun dafür gelegt wird.
    Ob die Antikörpertests zuverlässig sind, wird die Zeit zeigen. Deswegen macht es durchaus Sinn, diese Information zu sammeln. Es würde ja dann sehr schnell auffallen, wenn Leute mit Antikörper-Positiv nochmal erkranken. Wenn sich das häuft, dann ist dieser Status nichts wert, wenn nicht, dann kann man ihn genauso behandeln wie PCR-positiv getestet Leute.
    Und noch ein Kommentar zur Selbstinfektion:
    Ihr hebt zu Recht hervor, dass das super gefährlich für die Umgebung der Person ist. Man könnte das aber durchaus unter ärztlicher Kontrolle machen, dann würde man nur sich selbst “freiwillig” gefährden – und auch dort das Risiko stark minimieren (z.B. Arzt findet keine kritischen Vorerkrankungen). Ist halt die Frage ob das grundsätzlich vertretbar ist…
    Gruß und bleibt gesund!
    Markus

  64. 3. Mai 2020 um 12:39 Uhr
    Fanny Mertens

    Hallo,
    ich bin begeistert von dem Format der “Lage”, eurer Arbeit, Philip und Ulf, und insbesondere davon, dass ihr euch um transparenten, differenzierten, sachlichen und kritischen Journalismus bemüht. In diesem Sinne möchte ich euch gerne ein Thema voschlagen, das abseits der aktuellen Corona-Situation liegt, das aber meiner Meinung nach dennoch sehr wichtig ist und derzeit zu wenig systematisch behandelt wird: Die sogenannte Neue Rechte und ihr theoretischer Überbau, wie er derzeit insbesondere durch Autor*innen von Antaios und den diversen zugehörigen Verlagen und Magazinen verfochten wird.

    Ich habe vor kurzem begonnen, den Podcast “von rechts gelesen” des von Philip Stein gegründeten Verlags “Jungeuropa” zu hören (der Verlag gehört zu Antaios). Darin werden in größeren Abständen Intellektuelle der Neuen Rechten wie Benedikt Kaiser oder Thor von Waldstein interviewt. Die übergeordnete Absicht des Podcast ist es, so mein Eindruck, einem jungen Publikum zentrale Begriffe und ideologische Grundlagen der Neuen Rechten nahezubringen. Dies geschieht zum einen durch die Darlegung der diversen historischen Wurzeln rechten (und auch linken) Gedankenguts und über die – völlig unkritische – Auseinandersetzung mit Begriffen wie “Volk” oder “Nation”. Es geschieht zudem über die Bezugnahme auf aktuelle gesellschaftspolitische Themen, die allerdings lediglich schlagwortartig abgehandelt werden – stets in polemischer Abgrenzung von einer als
    übermächtig und manipulativ stilisierten sog. “hegemonialen Linken” und deren Vertreter*innen (Schlagwörter sind “Gender-Wahnsinn”, “Gehirnwäsche”, “Gutmenschentum” etc.). Außerdem wird in dem Podcast erwogen, wie die AfD gewissermaßen als realpolitisches Schachbrett für die Umsetzung neurechter Theorie und Ideologie nutzbar gemacht werden kann. Dabei wird immer wieder eine sehr klare Affinität gegenüber der Indentitären Bewegung einerseits und der AfD (inklusive “Flügel”!) andererseits deutlich. Beängstigend erscheint mir vor allem, wie zielgerichtet das Format dabei vorgeht, insbesondere junge Menschen für die Neue Rechte zu gewinnen – etwa durch Überlegungen zur Unterwanderung popkultureller Formate (Comics, Filme etc.) mit völkischem, faschistischem und menschenrechtsgefährdendem Gedankengut und auch durch die Implemetierung kapitalismuskritischer Theorie in die Überlegungen der Rechten.

    Ich finde, es sollte mehr öffentliche Auseinandersetzung mit diesem Diskurs durch kritische Analyse stattfinden. Ich glaube, dass sehr vielen Menschen nicht klar ist, wie ausgefeilt, intelligent und
    ideengeschichtlich fundiert der theoretische Überbau der Rechten ist. Meist erscheint die AfD in medialen gesellschaftspolitischen Diskursen als das Gesicht der Rechten in Deutschland. Dass hinter dieser Partei eine Gruppe von sehr systematisch agierenden Intellektuellen steht, wird meiner Ansicht nach häufig unterschätzt bis ignoriert. Dabei geht von dieser Gruppe meines Erachtens eine beträchtliche Gefahr aus, weil sie Schwachpunkte der AfD analysiert und zu beheben sucht. So schlägt z.B. Benedikt Kaiser (Autor des bei Jungeuropa erschienenen Buchs “Marx von rechts”) eine stärker sozialistisch geprägte Wirtschafts- und Sozialpolitik vor, um mehr junge Wähler*innen zu fischen. Von der angeblich naiv-idealistischen Linken, welche die Egalität und Solidarität aller Menschen unabhängig von Geschlecht, Ethnie oder Nation anstrebt, soll sich eine solche Politik dadurch abgrenzen, dass sie als ihre Zielgruppe die Nation bzw. das Volk (wer auch immer darunter genau fallen soll) definiert. Ich halte solche politische Ideen für brandgefährlich und mehrheitsfähig.
    Zugleich ist es meines Erachtens erschreckend, wie wenig systematisch Journalismus und Medien diesen Strategien begegnen. Es findet kaum öffentliche Auseinandersetzung mit neurechter Theorie und ihren historischen Wurzeln statt, die nicht zur Bühne für die Propaganda von AfD-Funktionären verkommt. Daher war mein Gedanke, dass es wirklich wichtig wäre, in der “Lage” einmal Texte oder Theoreme der Neuen Rechten zu dekonstruieren und ganz sachlich auf ihre Paradoxien, Polemiken oder Grund- und Menschenrechtsverstöße hin zu analysieren. Außerdem wäre eine
    Sensibilisierung für die Strategien der intellektuellen Neuen Rechten wichtig, z.B. indem ihre Bestrebungen zur Unterwanderung der Popkultur (Frank Miller) und ihre Rhetorik, sowie ihre unsachlichen Behauptungen über “die Linke” offengelegt würden.

    Könntet ihr euch so etwas vorstellen bzw. was meinen die anderen Hörer*innen dazu? Möglicherweise wäre Benedikt Kaiser ein geeigneter Autor für eine solche Dekonstruktion bzw. Analyse,
    weil er eine strategische Nutzbarmachung linker Topoi für rechte Ideologie propagiert und sich dabei als smarter Intellektueller inszeniert, der bereit ist, auch mit Linken zu sprechen und damit durch vermeintlichene Offenheit und intellektuelle Weitsicht glänzt. Er schreibt in verschiedenen Formaten für Antaios, neben dem genannten Buch veröffentlicht er auch regelmäßig Artikel für die Zeitschrift “Sezession”, dort könnte man sicher eine Analyse-Grundlage finden.

    Ich bin gespannt auf Reaktionen.

  65. Hallo,

    wieder eine spannende Lage – dafür vielen Dank.

    Ein Kommentar meinerseits zum Reproduktionsfaktor. So wie dieser zur Zeit vom RKI berechnet wird, würde ein R von konstant 0,9 dazu führen, dass wir im 4 Tagestakt 10% weniger neue Infizierte hätten.

    Das wäre also gut.

    Annahme: Vor 4 Tagen ist die Basis ca. 1200 neu infizierte. R ist konstant über 60 Tage 0,9.

    Dann haben wir Anfang Juli ca. 200 neu infizierte am Tag.

    Ebenso wie beim Hochfahren der Infizierten verhält sich die Kurve der Anzahl der Neuinfizierten nicht linear.

    Folglich bringt uns ein konstanter R Wert unter 1 ans Ziel.

    Natürlich würde R=0,2 das Ziel bereits nach 8 Tagen erreichen. Bei der jetzt gegebenen Berechnung eher unrealistisch…

  66. Hallo liebes Lage-Team,

    in meinem Freundeskreis und auf der Arbeit wird momentan viel diskutiert, ob man die Tracing-App (wenn sie denn endlich mal kommt) nutzen soll.

    Die Bedenken kommen hauptsächlich von der Bluetooth-Nutzung, da diese Funktion ja den Ruf hat, ein Einfallstor für Viren zu sein.

    Ich habe dieses Thema bisher in euren und anderen Diskussionen nicht wahrgenommen. Wäre schön, wenn ihr das mal auseinander nehmen könntet.

    Viele Grüße und macht unbedingt weiter so.
    Thomas

    • Hi, das haben wir vor ein paar Wochen schon mal erwähnt: Das ist kein nennenswertes Problem, weil gegen die Form von Übertragungen, die für die Apps eingesetzt werden sollen, noch keine Angriffe bekannt sind. Abgesehen davon ist das Risiko, Opfer eines Angriffs per Bluetooth zu werden, ohnehin extrem gering, weil die Hacker sich ja den Opfern auf wenige Meter nähern müssten. Angesichts der vielen Angriffe, die über das Internet möglich sind, kann man dieses Restrisiko getrost ignorieren.

  67. 3. Mai 2020 um 12:07 Uhr
    delia struppek

    Hi, vielen Dank für euren topsortierten, erleuchtenden Input! Eine Frage, ich finde nirgends eine Info dazu, wo sich die Menschen, die sich jetzt noch anstecken, anstecken? Wo sind die Lücken im Lockdown? Weiß man das?
    LG Delia

    • Sehr gute Frage – wir kennen dazu noch keine Untersuchung, aber vielleicht jemand anders hier?

      • Die Frage interessiert mich auch und obwohl ich regelmäßig Virologen Podcast höre habe ich dazu keine Antwort gefunden.
        ABER Ich beobachte schon dass ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung sich nicht an die Regeln hält.
        Dazu gehören auch meine direkten Nachbarn – in einer Reihenhaussiedlung bekommt man das unvermeidbar mit. Die hatten Ostern Besuch., zwei Erwachsene mit kleinen Kindern… Grillparty auf der kleinen Terrasse., … und das ist kein Einzelfall. Beide Nachbarn sind berufstätig (Labor bzw Handwerker) und der Sohn steckt in der Bau-Lehre … Sie treffen also auch weitere Personen…
        Ein anderes Beispiel war ja die Geschichte mit dem Hochhaus, wo sich welche nicht an die Quarantäne hielten und das ganze Haus jetzt untersucht wurde.

  68. Hallo zusammen,
    ich würde gerne mal eine Frage an die Community hierrichten. Ich höre die Lage nun schon sehr lange, seit dieFolgennummern noch niedrig zweistellig waren. Es ist immer wieder spannend, denGedankengängen und Argumentationslinien von Philip und Ulf zu folgen. Nunbemühen sich die beiden ja seit längerem konsequent jede geschlechtsspezifischePersonenbezeichnung und Berufsgruppe im normalen Dialog zu gendern. Häufig wirddabei die Variante z.B. “Polizist*Innen” mit dem angedeuteten”Schluckauf” ausgesprochen. Dabei muss ich ehrlich gestehen, so sehrich die Gleichberechtigung unterstütze reißt mich das jedes mal beim zuhören ein Stück aus dem Gedankenfluss heraus. Es macht die Sprache etwas”eckig”.
    Daher mal die Frage an Euch, geht Euch das genauso? GendertIhr selbst auch? In Texten, im privaten Gespräch? Bei der Arbeit? Seht Ihr esals Ziel, dass das irgendwann komplett Alltagssprache wird? Wird das dem Zweck den man damit erreichen will gerecht? Ich fürchte, ich werde mich daran nicht mehr gewöhnen. Vielleicht die nächste Generation die damit aufwächst ;-)

    VG Martin

    • Hallo Martin,
      Ich empfinde es tatsächlich genauso. Hatte mich nie dazu geäußert, da es sicher politisch korrekt ist zu „Innen“.
      Gerade Ulf ist hier sehr konsequent – was aber auch nicht immer so war.
      Bringt mich wirklich manchmal für eine halbe Minute weg vom Thema, da es sich komisch anhört und ich mich immer frage, ob die daraus resultierende weibliche Form korrekt ist 😉.

      Ich denke es wäre auch OK, wenn man die Sprache nicht gendert, sondern „normal“ mit Sternchen (also damit sind immer Damen und Herren gemeint) belässt.

      • Wir machen das ja bewusst sehr unterschiedlich: mal mit Binnen-Sternchen = Pause, mal mit beiden Formen zusammen, mal abwechselnd männliche und weibliche Form. Ich finde es nur wichtig, dass Frauen sprachlich gleichberechtigt vorkommen.

        • Ich finde es sehr positiv und wichtig, dass Sprache sensibler wird. Gerade dieses anfangs kurze Stolpern über die Worte hat meines Erachtens die Wirkung des Aufmerksamkeit erreichens.
          Freue mich immer darüber und danke euch für die Sensibilität der halben Weltbevölkerung gegenüber :-)

    • Hallo Martin,

      Ich muss sagen, dass ich das die ersten paar mal auch gedacht habe.
      Mittlerweile bin ich sehr angetan davon wie flüssig das geht und stehe kurz davor das mal selbst in meinem Sprachgebrauch auszuprobieren.
      In diese Sinne würde ich unsere zwei Gastgeber gerne ermutigen das weiter „durchzuziehen“!

      Viele Grüße,
      der Reto

    • Ich persönlich finde es null störend im Podcast und habe es mittlerweile selbst in meinen Sprachgebrauch eingebunden.
      Ob ichs allerdings für so sinnvoll erachte, da bin ich mir persönlich noch nicht so sicher.

    • Hallo Martin,
      interessant – mir geht es genau andersrum. Für mich ist “gegenderte” Sprache inzwischen so normal, dass ich immer darüber stolpere, wenn Ulf oder Philip NICHT gendern. Ich denke, das ist wirklich reine Gewöhnungssache und hängt viel vom sozialen Umfeld bzw dem eigenen Medienkonsum ab. Je öfter man etwas hört/liest, desto normaler wird es. Sicher hängt es auch damit zusammen, dass ich recht jung bin (25) und mich sehr bewusst mit Sprache auseinandersetze, da fällt mir so eine Umgewöhnung wohl leichter als anderen.
      Und um deine Fragen zu beantworten: Ja, ich gendere, soweit es möglich ist. In den Texten, die ich schreibe, auf jeden Fall, im Alltag kommt es ein wenig darauf an, mit wem ich spreche. Wenn ich möchte, dass meine Großeltern mich gut verstehen, fahre ich es etwas runter – aber eher das Runterfahren verlangt Konzentration von mir ab als die “ganz normale” möglichst diskriminierungsarme Sprache. Ich denke auch, dass es durchaus zweckdienlich ist. Sprache ist mächtig und trägt sehr stark zur Wahrnehmung bei, deswegen lohnt es sich meiner Meinung nach, sich Gedanken darüber zu machen, wie man etwas formulieren möchte. Und ganz persönlich (als Frau und vor allem als Frau in der Wissenschaft) merke ich, wie gut es tut, angesprochen und wahrgenommen zu werden.
      Liebe Grüße,
      Rebecca

  69. Hallo,

    bezüglich der Corona-App lohnt vllt. ein Blick nach Österreich rüber (siehe z.B. hier: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Stopp-Corona-App-Oesterreich-will-Vorzeigemodell-fuer-Europa-schaffen-4707620.html). Dort hat sich das Österreichische Rote Kreuz um die Entwicklung der App gekümmert (da das Vertrauen dort in eine staatliche Lösung z.Z. nicht sonderlich groß ist).
    Die App ist dort schon seit März im Einsatz und wird aber auch ständig noch verbessert/angepasst. Es wird recht zügig auf Kritik reagiert.
    Die App arbeitet relativ dezentral, nutzt auch Ultraschall (Mikrofon + Lautsprecher) zur besseren Entfernungsmessung, ist Open Source (ist auf GitHub zu finden) und an einer DP3T-Kompatibilität wird gearbeitet. Insgesamt wird die App und das Vorgehen vom ÖRK recht positiv gesehen.

    Da könnte man sich doch mal ein Vorbild dran nehmen (oder auf die gleiche App setzen, man muss ja nicht das Rad immer wieder neu erfinden ;))

    VG

  70. 3. Mai 2020 um 10:27 Uhr
    Henning Meyer

    Erstmal Danke für den Podcast.

    Ihr erwähnt mehrfach einen R-Wert von 0,2 der erreicht werden müsste und erweckt den Anschein, dass dies einfach durch eine Weiterführung des bis vor einer Woche bestehenden Lockdown möglich gewesen wäre. Dies ist m.E. aber falsch. Richtig ist, dass mit einer Weiterführung des Lockdowns die Zahl der Neuinfektionen deutlich hätte gesenkt werden können. Aber der R-Wert ist weitgehend unabhängig von der Anzahl der Neuinfektionen. Er ist lediglich abhäning von der Härte der aktuellen Lockdown- und Abstandsmaßnahmen. Selbst in Wuhan wurde der R-Wert unter strengstem Lockdown nur auf ~0,3 gedrückt (https://medium.com/@tomaspueyo/coronavirus-the-hammer-and-the-dance-be9337092b56). Ein R von 0,2 würde deutlich härtere Maßnahmen erfordern und wird m.W. von niemandem gefordert – auch ist ein solcher Wert nicht in den Empfehlungen der MPG zu finden.
    Für unsere Umstände ist ein R von 0,6-0,8 durchaus realistisch zu erreichen und auch ausreichend. Denn auch damit könnten wir (wenn wir nicht lockern würden) in wenigen Wochen 200 Neuinfektionen pro Tag erreichen.

  71. Moin, Moin
    zum Thema – wendet Euch an Eure Abgeordneten.

    Das habe ich gemacht. Das Ergebnis ist frustrierend.

    Habe meine Lage geschildert. Bin Soloselbständige und darf wg. Corona den 3. Monat in Folge nicht arbeiten und habe daher Null Einkommen. 2500€ Soforthilfe aus Hamburg habe ich erhalten. Keine Bundesmittel und die sind auch nicht für den Lebensunterhalt, dafür sollen wir Hartz IV beantragen. Was aber in meinem Fall wg meiner privaten Altersvorsorge auch nicht klappt.
    In meinem Umfeld geht es gerade vielen Selbständigen so!
    Ich habe an die Abgeordneten appelliert, dafür zu sorgen, dass Selbständige die notwendigen Hilfen bekommen und nicht in Hatz IV landen.
    Mein Vorschlag: Soforthilfe auch für Lebensunterhalt verwenden zu dürfen, wäre eine Möglichkeit.

    Die Hamburger Abgeordneten auf Bundesebene haben geantwortet.
    Der CDU Abgeordnete Ploss beschreibt in Zahlen das große Hilfspaket (das bei uns ja nicht ankommt) und der SPD-Abgeordnete Bartke schreibt, man würde die Lage beobachten und schauen ob Nachbesserungen nötig sind. Bei Facebook hat die Bundes-SPD mir empfohlen Hartz IV zu beantragen. CDU und SPD scheinen das Problem nicht verstanden zu haben, oder es ist ihnen egal.
    Von den Grünen (Anja Hajduk) kam eine emphatische Antwort und die haben einen Vorschlag eine Art Kurzarbeitergeld für Selbstständige einzuführen. Sehr guter Vorschlag, nur leider scheint der in Medien und Politik nicht diskutiert zu werden.

    Die beiden Hamburger SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Malik und Martin aus meinem Wahlkreis haben bisher überhaupt nicht geantwortet, auch nicht nach erneuter Nachfrage.
    Auch Schreiben an die Fraktionen der Regierungsparteien in Hamburg (SPD, Grüne) blieb ohne Antwort.
    Das Schreiben den 1. Bürgermeister (SPD) blieb auch ohne Antwort. Die 2. Bürgermeisterin (Grüne) hat das Schreiben innerhalb der Fraktion weiter gereicht und es gab eine Teilantwort und danach auch hier Funkstille.

    Grüße aus Hamburg, Maren

    • Inzwischen habe ich auf Nachfrage Antwort der beiden Bürgerschaftsabgeordneten. Er schreibt das er bei Senat nachfragen will. Sie äußert zwar ihr Bedauern , referiert aber ansonsten nur die derzeitige Gesetzeslage. Keiner von beiden äußert sich zu meinem Appell bei den Soforthilfe Für selbstständigen nachzu bessern .
      Auf mein KernAnliegen wird also gar nicht eingegangen.

  72. 3. Mai 2020 um 10:12 Uhr
    Florian Scharf

    Hallo ihr beiden,

    ich folge euch seit langer Zeit und ich schätze es sehr, dass ihr auch in der Lage seid, euch zu korrigieren und zu sagen, dass ihr was Falsches erzählt habt oder etwas übersehen habt. Das fehlt mir in den „Hauptmedien“, da ist das Korrigendum nie so prominent – oder die Korrektur wird als neue Nachricht präsentiert, ohne zu sagen, dass man gestern irgendwas noch nicht wusste oder für anders hielt.

    Ich hoffe deswegen, dass wir auch beim Thema Schule zu einer guten Diskussion kommen können:
    Ich muss wirklich sagen, dass eure Beiträge in Bezug auf Lehrer und Schule mir nicht so gut gefallen, weil ich finde, dass ihr es so darstellt, als wäre das Problem nur ein Nichtwollen oder Nichtgewollthaben an verschiedenen Stellen. Und eure Behauptung auf Basis eines Beispiels, dass es an Hochschulen ja auch funktioniere, scheint mir auch sehr verkürzt.

    Ich lehre selbst an einer Hochschule und bin täglich mit den Auswirkungen der plötzlichen Digitalisierung konfrontiert und ich kann euch sagen, dass das alles nicht so einfach ist. Zunächst möchte ich festhalten, dass digitale Lehre nicht heißt, dass man einfach seine Präsenzlehre aufzeichnet und hochlädt oder in einen Videochat verlagert. Für erfolgreiche digitale Lehre braucht man ein digitales Konzept. Das heißt im Grunde, man muss sein ganzes Lehrkonzept hinterfragen und neu überlegen. Man muss ja zum Beispiel immer mitdenken, dass man die Lernenden nicht in demselben Maße unterstützen kann wie in Präsenz. Alles Material muss also so aufbereitet sein, dass es ein selbst-geregeltes Lernen ermöglicht und gleichzeitig motiviert – das ist eine umso komplexere Aufgabe, je weniger selbstständig die Lernenden sind (d.h., oft je jünger – deswegen ist das auch an Hochschulen einfacher, weil Studierende eigenverantwortlicher agieren). Das Konzept zu ändern, ist eine riesige Aufgabe, und auch ein Riesenaufwand, so was macht man nicht „einfach so“ und schon gar nicht nebenbei und schnell. Man braucht dazu Kompetenz (Wissen um Technik, Wissen um Bedienung, aber und vor allem auch Wissen zu digitalen Lernkonzepten). All das fällt nicht vom Himmel, sondern man muss es sich mühsam aneignen. Ist es wirklich so schwer nachvollziehbar, dass es Lehrende gibt, die das nicht nebenbei mal eben tun können?

    Langfristig liegt hier meines Erachtens der Hase begraben – man pulvert viel Geld in den Aufbau digitaler Infrastruktur und auch in Fortbildungen zu digitaler Lehre, aber aus meiner Sicht, kommt die Perspektive zu kurz, dass man für nachhaltige Veränderungen Anreize schaffen muss. Was bringt mich als Lehrenden dazu, meine Lehre zu digitalisieren? Der Alltag an Schulen ist anstrengend und viele Lehrer sind stark belastet mit dem normalen Pensum – an den Hochschulen kommt dazu, dass man befristet angestellt ist und nebenbei um seine Karriere forschen muss, da vermeidet man Großbaustellen, die nicht notwendig sind und nicht karriereförderlich. Kurzum: Will man solche Veränderungen, muss man dafür langfristige Anreize schaffen und nicht einfach sagen „hier ist das Digitale, nun macht mal“. Das wurde – so weit ich das sehe – nie ausreichend getan und wird es auch jetzt nicht.

    Wir haben eine Situation, wo keinerlei langfristige Perspektive hergestellt wird. Warum sollte man sein Konzept jetzt so grundlegend ändern, wenn in wenigen Wochen jemand sagen könnte „morgen machen wir wieder auf“. Dieses Aufsichtfahren ist in meinen Augen in der Bildung kontraproduktiv, weil Lehren einfach eine extrem komplexe und langfristige Aufgabe ist. Hier wäre es von Seiten der Politik wünschenswert langfristiger zu denken (vgl. Forderungen der Schulrektorenkonferenz). Würde man sagen, die Schulen sind jetzt 6 Monate dicht, entwickelt bitte Konzepte, damit umzugehen, wäre das ganz anders, als jetzt zu sagen „schauen wir mal, wie es die nächsten Wochen läuft“. Die momentanen Aussagen eröffnen immerhin eine Perspektive bis zu den Sommerferien. An meiner Uni weiß ich aber beispielsweise nicht, wie es nach Pfingsten weitergeht. Ich verstehe da ehrlich gesagt nur bedingt (d.h., ich sehe schon die Herausforderungen für die Eltern, die sich wünschen, dass die Kinder nicht mehr nur zu Hause sind), warum man sich hier nicht traut, größere Würfe zu machen – was ist denn bildungstechnisch das Schlimmste, was passieren kann? Eigentlich doch nur, dass man ein halbes Jahr zu Hause unterrichtet, obwohl man es vielleicht schon nach 4 Monaten hätte ändern können – aber auch das wäre ja nicht wirklich schlimm. Und wer weiß, vielleicht würden bei diesem Projekt wirklich Lernende und Lehrende bestimmte digitale Elemente zu schätzen lernen? Aber so, wie das jetzt gemacht wird, ist das Flickschusterei und ich finde, ihr seid da einfach unfair gegenüber Lehrenden.

    Abschließend möchte ich zur Einordnung noch sagen, dass ich selbst das Privileg habe, eine Veranstaltung zu lehren, die man halbwegs verlustfrei digital umsetzen kann (das legen auch meine Umfragen bei den Studierenden nahe) und dass ich über das technische Wissen verfüge, das auch umzusetzen. Das heißt, dieser Beitrag ist kein Versuch, meine eigene Überforderung zu rechtfertigen, sondern ein eindringliches Werben um mehr Verständnis für meine Kolleginnen und Kollegen an Schulen und Universitäten, die etwas weniger Glück haben als ich mit meiner Veranstaltung. Schaut bitte genauer hin und sagt nicht einfach „ich verstehe nicht, wieso das so ein Problem ist“.

    Viele Grüße
    Florian

  73. Ich kann mir dieses lächerliche Geschwurbel mit immer wieder neuen Anglizismen (“nowcast”) einfach nicht mehr geben. Auch eure Argumente sind oft dürftig. Die “Hammer und Tanz”-Strategie stammt also von einem ITler? Scheint ja ein richtiger Fachmann für Gesundheit zu sein.

    • Die Bezeichnung “nowcast” ist die offizielle Bezeichnung des RKI … was sollen wir machen, wir berichten ja nur darüber.

  74. Hallo liebes Lage-Team,
    ich bin im Podcast gerade bei der Stelle zur Schulöffnung/Distanzlernen angekommen. Ihr sagt dort, dass das größte Problem ist, dass es nicht genug Leute gibt, die das betreuen bzw. nutzen können. Ich bin Lehrerin in NRW und kann sagen, dass momentan das größte Problem ist, dass wenige Schüler*innen gut digital ausgestattet sind. Wir Lehrer*innen haben uns reingearbeitet (an unserer Schule nutzen wir eine gut funktionierende Lernplattform, die hat natürlich auch nicht jede Schule) und selbst die digital unerfahrenen probieren sich und geben ihr Bestes. Wenn die SuS zuhause aber nur ein passendes Endgerät haben, dass sie sich noch mit Geschwistern und/oder Eltern teilen müssen oder z.T. noch nicht mal Internet haben, fallen umfangreiche Online-Angebote weg, geschweige denn Videounterricht. Letzterer ist übrigens von meiner Schulleitung verboten. Dieser fehlen nämlich vom Land klare Vorgaben, was in dem Bereich erlaubt ist und was nicht. Hinzu kommt, dass ich, selbst wenn ich Videocalls mit den SuS machen dürfte, ich immer eine Alternative für diejenigen anbieten muss, die nicht teilnehmen können/wollen. Könnte also z.B. bedeuten, dass ich eine Stunde Videounterricht mache und dann noch mit fünf SuS einzeln telefonieren muss. Gleiches gilt auch für Arbeitsaufträge und -materialien. Dass man da schnell an seine Grenzen kommt bzw. dann von Beginn an lieber ausschließlich bei Aufgaben im Buch bleibt (was die wenigsten Kolleg*innen zum Glück so machen), die alle erledigen können, ist hoffentlich nachvollziehbar.
    Ich bin definitiv bei euch, dass für langfristige digitale Planungen auch Stellen eingeplant werden müssen! “Digitale Hausmeister” sind dringend notwendig! Gerade ist aber wirklich die (ungleiche) Ausstattung der SuS das größte Problem.
    Zusätzlich (auch ohne Corona) problematisch ist auch, dass aus dem Digitalpakt jeder Schule nur 25 000€ für Schülergeräte zur Verfügung stehen (egal wie groß die Schule ist). Alle SuS mit Endgeräten auszustatten fällt damit also weg. Leider.
    Danke für eure Arbeit!

  75. Hallo zusammen,
    Zu dem Thema Schulöffnungen:

    Ich bin Schüler eines Gymnasiums in Hessen und befinde mich gerade in der E-Phase. Somit bin ich momentan nich von den Öffnungen betroffen, doch ich muss sagen, dass es eigentlich alles sehr
    reibungslos funktioniert. Ich habe spätestens seit nach den Osterferien Unterricht über eine Online Plattform, wie die meisten anderen weiterführenden schulen in meiner Umgebung. Nachdem jetzt die Schulen für die Abschlussklassen geöffnet wurden, wurde mir von mehreren mitgeteilt, dass in die Schule zu gehen relativ unnötig ist, da man den Stoff auch einfach zu hause machen hätten können. Der Unterrich in dieser Form biete keinen richtigen Mehrwert gegenüber dem “Homeschooling”, da die Klassen in mehrere Räume aufgeteilt werden und teils auch für die Aufteilung nur ein Lehrer für die ganze Klasse da ist, der dann von Raum zu Raum laufen muss. Da wäre die Frage, ob es das Risiko wert ist, dass wir alle wieder in die Schule gehen, wenn es so auch ganz ok geht.
    Mir ist hier durchaus bewusst, dass mein Gymnasium (und meistens Gymnasien im allgemeinen) von Akademikerkindern besucht ist, welche besseren Zugriff auf digitale Medien haben. Bei Schulen, wo das nicht so ist bräuchten, meiner Ansicht nach, nicht die 10. oder 11. Klässler die Unterstützung der Lehrer sonder die der Unterstufe, welche sich eher schwer organisieren können (allerdings komm da wieder das Problem mit dem Abstand halten zum Tragen).
    Als letztes wollte ich noch sagen, dass es für viele eine Erleichterung wäre, wenn die Angebote auch sehr einfach per App verfügbar wären, da nicht jeder einen Laptop hat, ein Handy allerdings schon.
    Außerdem ist es zwar jedem Schüler in Hessen freigestellt, ob er zur Schule kommt, doch ich weis auch schom von welchen mit Vorerkrankungen, die in die Schule gehen, da man dann doch nichts verpassen will und man nicht der sein will, der zuhause ist.

    Viele Grüße
    Felix

    PS: Liebe Lage, wollte euch mal Danke sagen, dass ihr mich sehr gut informiert duch meinen Politkvorleistungskurs bringt. Der Potcast ist immer ein echte Bereicherung

  76. Liebe Lage,
    ich bin schon lange stille Hörerin und mag euren Podcast sehr. Diesmal möchte ich zur aktuellen Folge nun doch etwas beisteuern, da es mich persönlich betrifft und ich finde, dass eure Position nicht die gesamte Situation berücksichtigt.
    Es geht um die Aussagen zum Home Schooling. Ich bin Lehrerin an einem Oberstufenzentrum in Berlin, unterrichte aus eigenem Antrieb schon seit meiner Berufstätigkeit mit dem Lernraum Berlin, welche eine Moodle-Plattform der Berliner Senatsverwaltung ist. 2013 habe ich meine Bachelor-Arbeit u.a. über diese Plattform geschrieben.
    Zu der Aussage, dass wir Lehrkäfte nicht so viele verschiedene Apps nutzen sollten: Ja, das sehe ich auch so, nur leider berücksichtigt dies einige Fakten (die natürlich so konkret nur für Berlin gelten) nicht:
    1. Unsere Arbeitgeberin (die Senatsverwaltung) stellt uns keine Arbeitsmittel zur Verfügung. Es gibt zwar in den Schulen Lehrkräfte-Laptops, doch da kommen grade mal 8 Stück auf 80 Personen (so zumindest bei uns) und diese können nicht von zu Hause genutzt werden. Wir nutzen also alle Privatrechner, bei manchen sind dies eben Macs und keine PCs.
    2. Die wenigsten Lehrkräfte sind in irgendeiner Weise in digitalem Unterricht geschult, aktuell eigenen sich alle irgendwas an, was ihnen leicht erscheint. Empfehlungen der Senatsverwaltung gibt es zwar, diese sind jedoch sehr konfus/uneindeutig.
    3. Unsere Kollegien sind sehr überaltert. Ich habe selbst als Fachleiterin meinen Studientag mit Hilfe von Skype gehalten. Ich musste allen (!) Teilnehmenden erklären wie das funktioniert.
    4. Wir dürfen datenschutzrechtlich die Schüler_innen nicht zur Nutzung bestimmter Programme verpflichten und können nur hoffen, dass diese selbst (bei Volljährigkeit) oder ihre Eltern zustimmen. Wenn nur eine Person nicht mit macht, müssen wir für diese eine andere Option finden, was viel zusätzliche Arbeit bedeutet und am Ende eher dafür sorgt, dass alle nur mit Arbeitsblättern oder E-Mail-Aufgaben versorgt werden.
    5. Generell müssen wir Lehrkräfte gar kein Home Schooling mit digitalen Medien anbieten, da wir zum einen keine Arbeitsmittel dafür gestellt bekommen und zum anderen diese Weisung nur unter Zustimmung des Personalrats erfolgen dürfte – so kann sich jede Lehrkraft dieser Art von Unterricht verweigern.
    6. Viele Schüler_innen haben selbst zu Hause keine geeigneten Endgeräte. Ich hatte immer wieder auch Klassen in der eine Person nicht einmal ein Smartphone besaß. Einige meiner Schüler_innen berichteten mir sogar, dass sie zeitweise kein Internet zu Hause hatten (wegen Umzug und langsamer Telekom oder vermutlich weil die Eltern den Anschluss nicht gezahlt hatten oder ähnliches). Wir können somit nicht voraussetzen, dass mit einer Lernplattform o.ä. gearbeitet werden kann. Hinzu kommt, dass die Lernumgebungen sehr verschieden sind. Ich habe Schüler_innen, die mit nur einem Elternteil in einem Haus wohnen und andere, die sich mit ihren Geschwistern ein Zimmer teilen, obwohl sie schon volljährig sind.
    7. Die bereits existierende Lernplattform Lernraum Berlin war in der ersten Woche der Schulschließung fast dauerhaft überlastet. Die Server waren und sind auch immer noch nicht 100%ig auf diesen „Ansturm“ vorbereitet. Es ist also kein Wunder, dass viele Kolleg_innen pragmatisch andere Lösungen gesucht haben.
    8. Uns wurde vor Ostern immer wieder suggeriert, dass nach den Ferien der „normale“ Betrieb wieder aufgenommen wird. Die Motivation sich in eine neue Art der Unterrichtsweise für drei Wochen einzuarbeiten war da vermutlich bei einigen Kolleg_innen nicht sonderlich hoch. Zusätzlich kam für die Zeit vor Ostern noch die Anweisung die Abgaben nicht zu bewerten. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass diese extrinsische Motivation leider für die meisten Schüler_innen notwendig ist, damit sie überhaupt einen Finger zu rühren. Aufgaben zu erstellen, die am Ende von 2 bis 3 Personen bearbeitet werden, macht mir zumindest keinen besonderen Spaß.
    Mein Fazit ist daher: Ja, eine Plattform als feste Vorgabe ist sinnvoll, muss aber auch entsprechende Serverleistung besitzen. Zudem sollten alle Beteiligten (Lehrende und Lernende) umgehend mit entsprechenden Geräten ausgestattet und zugehörige online-Schulungen angeboten werden. Darüber hinaus müssten wir für erfolgreiches Home Schooling sicherstellen, dass alle stabiles Internet und einen ruhigen Raum fürs Lernen haben. Beides wird kaum umsetzbar sein. Und das aller wichtigste wäre mir persönlich eine klare Ansage, wie lange diese Form des Unterrichts durchgeführt werden soll.
    Mir war das mal wichtig anzumerken, da viele Personen aktuell eine Meinung zur Schule haben, aber gar nicht um die tatsächlichen Bedingungen wissen. Von dem Thema Prüfungsdurchführung vor Ort will ich gar nicht erst anfangen…
    Viele Grüße
    M.

  77. Hallo zusammen,
    Einen guten Überblick inkl der aktuellen Drostenstudie bzgl der Infektiösität von Kindern und den darin enthaltenen Biases bietet
    https://www.aerzteblatt.de/archiv/213829/Coronakrise-Kinder-haben-das-Recht-auf-Bildung
    Die sekundären (auch gesundheitlichen) Schäden, die Kindern durch die Schließung von Kitas und Schulen entstehen, sind ja nicht geklärt. Gleichzeitig weiß man, dass Menschen mit niedrigerem Schulabschluss eine geringere Lebenserwartung haben. Da die Abnahme der Beschulung auch bei einem Teil der Kinder zu schlechteren Leistungen führen wird (nämlich denen, die am meisten auf Schule angewiesen sind), fügt man Kindern aus sozial schwachen Schichten somit maßgeblichen Schaden zu.
    Der Wert frühkindlicher Bildung besonders bei nicht muttersprachlich deutsch sprechenden Kindern wird vollkommen außer acht gelassen. Hierzu als Anregung Manfred Spitzers Vortrag u.a. über Bildung in den ersten Lebensjahren https://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2019/10/26/deutschlandfunknova_wie_wir_lernen_20191026_e3140d35.mp3
    Solange der Nutzen der Schließung bei nachgewiesenem Schaden für die Kinder also nicht klar gezeigt ist, sollten Schließungen nur als letzte Konsequenz erfolgen. Medikamente oder medizinische Interventionen müssen auch ihren Nutzen nachweisen, bevor sie (bei potenziellen Nebenwirkungen) zugelassen werden.
    Grüße,
    Jan

  78. Eine sehr gute Seite die mir sehr geholfen hat die verschiedenen Szenarien zu verstehen : https://ncase.me/covid-19/

  79. 2. Mai 2020 um 20:18 Uhr
    Dr. Volker Jentzen

    Moin,
    erstmal vielen Dank für Euren Podcast, den wir recht regelmäßig hören.
    Ihr hattet um Rückmeldung bzgl. der Krankenhausfinanzierung gebeten. Man darf nicht vergessen, dass die Finanzausstattung der Krankenhäuser so knapp ist, dass sie auch auf andere Einnahmen angewiesen sind, die nun wegbrechen. Als Beispiele seien hier Parkgebühren für Besucher und Einnahmen aus dem Verkauf in Patientencafés etc. genannt. Dies wird nicht erstattet.
    Aus der Erfahrung vieler Jahre kann ich noch sagen, dass auch die sonstigen Kostenerstattungen für entgangene Erlöse bisher niemals kostendeckend waren und auch diesmal nicht sein werden.

    Ein zweiter Punkt zu den Gesundheitsämtern. Es gibt über 400 Gesundheitsämter in Deutschland. Die sind sehr wohl in der Lage, mehr als 200 Infektionsfälle nachzuverfolgen. Die genannte Zahl ist im Hinblick auf die Möglichkeiten der Ämter deutlich zu niedrig.

    • “Als Beispiele seien hier Parkgebühren für Besucher und Einnahmen aus dem Verkauf in Patientencafés etc. genannt. Dies wird nicht erstattet.”

      Ist das tatsächlich so viel?
      Finde das super interessant und dachte bisher, dass sowas wie Parkgebühren bei Krankenhäusern nur dafür da seien, Dauerparker fern zu halten. ass sich dahinter ein System wie bei Zoos oder Freizeitparks befindet ist ja der Hammer.
      Gibt es hierzu %-Angaben wie viel mit sowas gewonnen wird?

  80. Moin zusammen!

    Bitte schaut hier vorbei: http://www.ausgeco2hlt.de/2020/04/29/24-notwendige-ma%C3%9Fnahmen-f%C3%BCr-einen-sozial-gerechten-umgang-in-zeiten-von-corona/

    Es werden 24 notwendigen Maßnahmen für einen sozial-gerechten Umgang in Zeiten von Corona beschrieben, die definitiv lesenswert und unterstützenswert sind.

    Danke danke!
    Herzliche Grüße
    Laura

  81. Ganz herzlichen Dank für Eure wieder einmal informative und ansprechend präsentierte Lage. Was bei Euren Forderungen nach einem digitalen Unterricht nicht berücksichtigt worden ist: Zumindest an vielen Berliner Grundschulen ist die Situation so desaströs (ein starkes, aber m. E. treffendes Wort), dass selbst unter normalen Umständen ein ordnungsgemäßer Unterricht nicht stattfindet. Die Grundschule meiner Töchter ist überbelegt, aber unterbesetzt (es gibt sowohl zu wenig Lehrkräfte als auch zu wenig Erziehungspersonal). Wenn nun ein Ereignis wie eine Pandemie über diese Schulen hereinbricht, macht der Mangel an Infrastruktur die Lage gewiss nicht besser. Aber selbst eine tragfähige IT würde das Kernproblem nicht lösen: schlecht ausgestattete Schulen. Es gibt schlichtweg nicht das Personal, um die älteren Kinder über das Internet zu Hause zu unterrichten und die jüngeren Kinder vor Ort. Dazu dann noch die mangelhafte Ausstattung – Be Berlin!

  82. Thema: Digitale Schule

    Hallo,

    ich möchte gern noch etwas zur digitalen Schule loswerden. Mir ist das Problem ein bisschen zu einfach dargestellt worden und auch die Lösung schien mir tatsächlich wenig differenziert. Ich bin Lehrerin an einer Oberschule in Sachsen und ich mache mir täglich Gedanken über einen sinnvollen Fernunterricht. Aber ich hadere doch immer wieder damit, bestimmte Konferenzen zu machen. Dazu stolpere ich permanent über viele Probleme. Schule ist nicht umsonst ein Ort, wo die Kinder auch ihr zu Hause mal ausblenden können. Ich habe Schüler, die mit ihrer gesamten Familie in einer Flüchtlingsunterkunft leben und dort schwer eine Möglichkeit sehen, sich mal für eine Stunde in eine Ecke zu verziehen und Mathematikunterricht erleben zu können. Es ist dann eben auch nicht sehr sinnvoll, diese häusliche Situation vor allen anderen Mitschülern und Lehrern dann offenbaren zu müssen. Außerdem fehlt vor allem für die lernschwachen Schülern eine wirklich gute Differenzierung.. Ich bekomme als Lehrerin nur von denen Schülern eine wirklich gute Rückmeldung, die sich auch mit den Aufgaben beschäftigen (freiwillig oder eben von den Eltern motiviert): Aber was ist mit denen, die so schon Probleme haben? Wo die Eltern auch nicht mehr helfen können/wollen oder keine Zeit haben/oder die sprachliche Hürde zu hoch ist?. Da hilft es nicht, aus der Ferne einen Unterricht zu erklären. Wo bleibt ein handlungsorientierter Ansatz um zum Beispiel Mathematik zu BEGREIFEN. Und wo bleibt der direkte Kontakt zwischen Schülern und Lehrern? Die digitale Welt hat zwar viele Möglichkeiten, aber vor allem für lernschwache Schüler erscheint mir doch diese digitale Welt noch weit entfernt. Mal ganz davon abgesehen, dass wir den Schülern ja erst in der Oberschule den Umgang mit digitalen Medien näher bringen müssen und sie müssen diesen Umgang auch erlernen. Wir haben sehr viele Schüler, die das technisch tatsächlich noch nicht umsetzen können. Und das kann man auch nicht innerhalb von 5 Wochen erlernen. Da entsteht doch wieder eine enorm große Schere zwischen zwischen bildungsnahen und bildungsfernen Schichten. Es ist doch so, dass es gerade den Job des Lehrers gerade nicht wirklich gibt. Und ich hoffe, dass es bald wirkliche Ideen und Umsetzungen seitens der Politik gibt um ernste Konsequenzen ein wenig entgegenzuwirken.
    Viele Grüße!

    • Hallo,
      dem kann ich zustimmen und möchte noch etwas ergänzen. Ich bin Lehrerin (Niedersachsen, Gymnasium) und Mutter dreier schulpflichtiger Kinder. Mein Gefühl ist, dass sich alle Schulen und Lehrkräfte echt anstrengen das Beste aus der jetzigen Situation zu machen. Dabei arbeiten gerade alle Beteiligten zum Teil am Limit Ihrer Kräfte, um alles umzusetzen, was gefordert wird und möglich ist. Ich sehe aber auch, dass es große Unterschiede allein zwischen den Schulen innerhalb eines Landkreises geben kann: einige Schulen haben ein Portal auf dem sie kommunizieren können und Aufgaben abrufen oder hochladen, selbst Videokonferenzen sind möglich. In anderen Schulen läuft alles nur über E-Mail. Wenn Familien nicht über die entsprechenden technischen Möglichkeiten verfügen, dann können die Kinder Aufgaben in der Schule in Papierform abholen und auch die bearbeiteten Lösungen dort abgeben, aber natürlich ist das kein Vergleich zur Arbeitsweise, wenn man zu Hause einen Internetzugang sowie alle möglichen technischen Geräte hat. Ich habe große Bedenken, die Schüler jetzt zu verlieren, die auch schon vorher benachteiligt waren. Die soziale Schere geht momentan sehr auseinander bzw. wird richtig sichtbar. Das wird später im Klassenraum in manchen Fällen nicht mehr aufzuholen sein. Neben all diesen auch schon oben angesprochenen Dingen hapert es manchmal aber schlicht und einfach am Netz in Deutschland. Ich bekomme Rückmeldungen, dass Schüler ihre Aufgaben erst nachmittags oder abends erledigen können, weil die Eltern tagsüber Videokonferenzen haben müssen und das ganze Netz zusammenbricht, wenn neben einer Videokonferenz noch etwas anderes im Internet gemacht wird, und sei es nur die Abfrage der Mail mit den neuen Aufgaben. In so einer Situation nützt auch kein “digitaler Hausmeister” an Schulen.
      VG

  83. Hallo ihr beiden,

    wieder eine tolle Folge. Ich höre Euch schon lange und ihr überrascht mich immer wieder positiv. Eure Anmerkung zum “neuen” Flughafen BER in dieser Sendung hat mich allerdings schon etwas verärgert. Ihr behauptet, der Berliner müsse bis ins “tiefste Brandenburg” fahren um den BER zu erreichen. Da frage ich mich, wie ihr zu so einer Aussage kommt? Das Flughafengelände befindet sich genau 3 Kilometer südlich der Berliner Stadtgrenze. Viel näher geht es wirklich nicht. Es bedarf schon eine etwas weitere Reise um tatsächlich ins tiefste Brandenburg zu gelangen.

    Und es schließt sich die Frage an, ob ihr wirklich einen nur mit Bus oder Taxi erreichbaren Flughafen innerhalb der Großstadt wirklich für die bessere Option haltet?

    • Tegel ist einfach ein perfekter Flughafen (gewesen) – schnell und einfach zu erreichen, Abfertigung fast wie am Bahnhof. Nur das Handling des Gepäcks hakte in den letzten Jahren, aber das lag an Missmanagement der Betrieber, nicht am Flughafen selbst.

      Zum BER brauche ich aus Kreuzberg locker 45 Minuten länger, und auf die Abfertigung bin ich mal gespannt … aber vielleicht überraschen uns ja die BER-Planer*innen mit einem ebenso genialen Konzept wie in Tegel :)

  84. Liebe Lage,

    ich bin generell ein begeisterter Hörer Eurer Sendung. Trotzdem habe ich bei der aktuellen Folge zum ersten Mal weite Teile übersprungen. Der Grund ist ganz einfach: Nachrichten zu Corona zu konsumieren ist inzwischen einfach unerträglich. Das geht nicht nur mir so, auch praktisch alle meine persönlichen Kontakte versuche inzwischen, Nachrichtenkonsum soweit es irgend geht zu vermeiden.
    Natürlich ist dieses Thema gerade immens wichtig, wird aber auch von praktisch allen anderen Medien ausführlich abgedeckt. Ich halte es daher für umso wichtiger, sich jenen Themen zu widmen, die von Corona gerade verdrängt werden. Dafür sollten mehr als fünf Alibi-Minuten Sendezeit investiert werden.

    Ich verbleibe in der Hoffnung, dass sich die Welt bald weiterdreht

    mit vielen Grüßen
    D.M.

    • Wir hatten gerade in der aktuellen Sendung einen ausführlichen Block zur (fehlenden) Corona-Strategie der Bundesregierung, der sich so in anderen Medien meines Wissens noch nicht findet … insofern könnte es sein, dass du doch etwas verpasst hast.

      Ansonsten – klar, wir bringen viele Infos zu Corona, aber mit den Kapitelmarken kannst du die ja auch jederzeit überspringen.

  85. Hallo zusammen,
    wie so oft habe ich die Lage mit großem Interesse gehört. Die meisten Überlegungen kann ich auch sehr gut nachvollziehen. Was ich nicht verstehe, ist, dass ihr für die magische Zahl R einen Wert von 0,2 für erstrebenswert haltet. Das hieße doch, wenn wir heute 1.000 Neu-Infizierte haben, dass es in vier Tagen dann 200 sind, und nochmal vier Tage später 40, und nochmal vier Tage später 8. Das fände ich zwar auch sehr schön, ist aber nach Aussagen der von euch zitierten Wissenschaftler kein realistisches Ziel. Habe ich das alles falsch verstanden?
    Interessant wäre auch die Kapazität, die von Gesundheitsämtern bei der Nachverfolgung gestemmt werden kann. 1.000 Neu-Infizierte pro Tag sind bei ca. 250 Landkreisen im Schnitt 4 pro Tag. Klingt gar nicht so viel, aber letztlich kann ich es nicht einschätzen.
    Liebe Grüße,
    Albert

    • Danke Albert, ging mir beim Nachhören auch so – wie hätten die absolute Zahl von 200 Neuinfektionen mehr in den Mittelpunkt rücken sollen als die R=0,2, denn letzteres ist ja nur EIN Weg, um zu einer so geringen absoluten Zahl zu kommen, dass man die tracen kann. R=0,8 ist ja auch ok, dann dauert es nur länger, bis man von Hammer zu Dance übergehen kann.

  86. Liebes Lage-Team,

    an einen Artikel in der Zeit anlehnend würde ich mir zu jedem Corona-Update der Lage ein Update zur Einschränkung der Grundrechte wünschen.

  87. Moin :)

    Zunächst einmal ein ganz, ganz großes Lob für euren tollen Podcast. Ich freue mich jedes Mal wie ein Schnitzel, wenn eine neue Lage in meiner Mediathek aufpoppt. Natürlich würde ich euch sehr gerne auch finanziell mit einem Abo unterstützen, das ist mir aber leider coronabedingt (arbeite freiberuflich am Theater) momentan nicht möglich – wird aber in besseren Zeiten nachgeholt!

    Dann noch eine kurze Frage zum Klimaplan von Germanzero. Habt ihr davon gehört? Mich würde eure Analyse dazu interessieren. Schließlich besprecht ihr regelmäßig klimapolitische Fragen oder betrachtet relevante Themen aus juristischer Perspektive.
    Hat ein Projekt das Gesetzesentwürfe zum Klimaschutz erarbeitet überhaupt Erfolgsaussichten? (Entschuldigt die Laienfragen!) Können Gesetzespakete, die von WissenschaftlerInnen, BürgerInnen und JuristInnen entworfen werden, einfach so verabschiedet werden? Kann man auf diesem Wege überhaupt Klimaneutralität ins Grundgesetz schreiben lassen?
    Und kann eine solche Bewegung von der Corona-Krise möglicherweise profitieren? Dadurch dass die Politik mit Corona-Hilfen gezielt klimafreundliche Wirtschaftsmaßnahmen fördern könnte? Oder auch dadurch, dass wir uns momentan alle (sowohl die Bürger, als auch die Politik) mit wissenschaftlichen Krisenbewältigungs-Strategien als Richtlinien für die Politik auseinandersetzen? (zB Leopoldina oder die Gemeinschaftsveröffentlichung Fraunhofer, Max-Planck, Leibnitz, Helmholtz)
    Theoretisch klingt ja diese Bottom-Up Bewegung nach einer tollen Change für mehr Demokratie. Andererseits könnte der coronabedingte enorme wirtschaftliche Schaden der BRD die Klimadebatte auch zurückwerfen.

    Ihr habt wahrscheinlich genügend interessante Themen, aber ich wollte Germanzero zumindest mal “in den Ring werfen”.

    Nochmals vielen Dank und großes Lob für eure tolle Arbeit!

  88. Hallo,
    ich möchte Euch heute mal loben, nachdem ich in den letzten Wochen eher unzufrieden war, da Ihr aus meiner Sicht zu sehr polarisiert hattet zwischen “es ist doch alles klar” auf der einen Seite und durchgeknallten Corona-Leugner*innen auf der anderen Seite.
    Die Formulierung, dass über Taktik geredet wird, während die Strategie und damit das Ziel überhaupt nicht geklärt sind, finde ich sehr treffend.
    Was ich nicht verstehe ist der Umgang mit Tests und Nachverfolgung. Warum wurden hier nicht schon in den letzten 2 Monaten die Kapazitäten massiv erhöht? Alle sagen, das sei der Schlüssel, aber gefühlt passiert da nichts. Oder läuft das im Hintergrund und niemand kriegt es mit? Anstatt zu schauen was notwendig wäre, fühlt man sich toll, weil in Deutschland mehr getestet wird als in anderen Ländern. Aber die Zahl der Neuinfektionen, die nachverfolgt werden können, wird behandelt als sei sie in Stein gemeißelt. Im Tagesspiegel gab es einen Bericht über ein Bezirksamt (ich glaube Reinickendorf), wo Leute u. a. aus dem Bauamt abgeordnet werden, damit das Gesundheitsamt noch mit den Fallzahlen hinterherkommt. Es ist also a) vom individuellen Engagement abhängig, dass Kapazitäten erweitert werden und b) geht das zu Lasten anderer Arbeitsbereiche. Warum gibt es hier keine staatliche Initiative, um zusätzliches Personal zu schulen und einzustellen. Kontaktracing per Telefon braucht na nun nicht unbedingt eine mehrjährige Berufsausbildung.
    Stattdessen ist in der Politik immer wieder die Rede von der App, bei der ja neben allen technischen und datenschutzrechtlichen Fragen der Knackpunkt ist, wie viele Menschen die überhaupt benutzen. Die Zahlen z.B. aus Singapur lassen da nichts Gutes vermuten.
    Einen guten internationalen Überblick im Sinne von best practice, aber auch möglichen Problemen bietet die Artikelserie von Thomas Pueyo: https://medium.com/@tomaspueyo/coronavirus-how-to-do-testing-and-contact-tracing-bde85b64072e

  89. Hallo,
    danke für Euren Podcast! Eine Frage zur letzten Folge: Warum ist die Frage der Nachverfolgbarkeit der Fälle nicht variabel? Auch ohne App – man könnte doch kurzfristig Stellen schaffen, Strukturen erweitern usw. alles was notwendig ist, um eben 1000 – 1500 Fälle pro Tag bearbeiten zu können. Wenn wir bei R=1 sind und bleiben, sollte das doch planbar sein oder?
    Herzliche Grüße,
    Jan

  90. 2. Mai 2020 um 13:32 Uhr
    Christoph Bergoint

    Ich habe 2 Punkte zur aktuellen Lage. Zum einen eure Spenden/Abo-Aufrufe. Es ist mir klar, dass ihr zu einem gewissen Grad auf solche Zahlungen angewiesen seid, und jeder Cent sei euch gegönnt. Aber – bitte macht solch einen Aufruf auch mal zugunsten der Hunderttausend hilfreichen Geister, die Essen ausliefern oder die Onlinekäufe ins Haus bringen. Viele davon sind prekär beschädigt und h aben einen immenses Arbeitspensum. Ein „Danke“ macht NICHT satt, und das Zahlen eines Trinkgeldes ist kein Verbrechen. Ich arbeite selber in der Branche und muss feststellen, dass die Bereitschaft, Trinkgelder (selbst kleine) zu zahlen, massiv abgenommen hat. Ihr habt Reichweite.

    Zweiter Punkt – Online-/Homeschooling. Nicht nur auf Schulseite existiert da ein Problem. Auch die Schüler sind oft mangelhaft mit Hardware UND Internetverbindung ausgestattet. Was nützt die beste Videokonferenz, wenn man kein Netz hat. Was nützt der von der Schule gestellte Laptop, wenn man nicht in der Lage ist, ggf. Arbeitsblätter auszudrucken oder Erarbeitetes adäquat zu digitalisieren? Vor allem jüngere Schüler sollten meiner Ansicht nach bestimmte Arbeiten nicht gänzlich digital, sondern alt hergebracht analog erarbeiten. Ein Fünftklässler, der seine Bio-Hausaufgabe mit PowerPoint (und ggf. Fertigen Vorlagen) erstellt, lernt weder seinen Stoff adäquat, noch lernt er die Grundlagen der Kommunikation.

  91. Hallo zusammen,

    wieder einmal eine tolle Folge!
    Ich halte aber eure Hervorhebung der “Privilegien” für gesundete Corona-Infizierte für falsch. Zwar habe ich mir selbst auch noch keine abschließende Meinung zu einer Ungleichbehandlung verschiedener Gruppen gemacht, aber die Aufhebung von Beschränkungen der Freiheitsrechte ist kein Privileg für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe. Eure Kommunikation dazu ist meiner Ansicht nach falsch, da die Aufrechterhaltung von Beschränkungen für eine Gruppe kein Privileg für eine andere Gruppe für eine Rückkehr zum Normalzustand darstellt. Ich vermute, dass Ihr “Privileg” hier im direkten Vergleich der beiden Gruppen benutzt habt (was dann natürlich stimmt), finde aber im Podcast wird eher suggeriert, dass die Gruppe unabhängig von einer anderen Gruppe ein Privileg genießt. Nach dem Motto: “Wollen wir dieser Gruppe Privilegien (eigentlich ihre Rechte zurück-) geben?”.

    Ich hoffe es ist klar, was ich damit sagen wollte :)!

    Macht weiter so und liebe Grüße
    Andi

    • Wir sehen das ja auch ambivalent … aber klar, die Formulierung Privilegien ist nicht neutral, das ist die Sicht der Kritiker*innen der Differenzierung.

  92. Hallo ihr beiden,

    Ich stimme euch ja im Großteil eurer Meinungen zu aber ich glaube bei dem Thema Corona App und Apple/Google seid ihr ein bisschen auf dem Holzweg.

    ’Apple darf nicht Entscheiden welches verfahren verwendet wird.’ Zu Recht, Apple hat NULL Legitimation.
    Deren Problem ist allerdings, wenn sie erlauben das Deutschland die Bevölkerung Tracked dann möchte das China usw. auch, was sie mit den Uiguren schon mehr oder weniger machen, allerdings nur über Umwege und nicht eine *ist im OS eingebaut* Funktion.

    Wenn ich das aus den Pressemitteilungen von Apple richtig verstehe, hat es nie einen direkten Kontakt zwischen Apple und der Bundesregierung gegeben.

    Anke Domscheit-Berg dazu „Auf meine Frage, wer im Kanzleramt die schwierigen u Druck ausübenden Gespräche mit Apple geführt hätte, von denen häufiger die Rede war, kam die überraschende Antwort: niemand. BMG? Auch niemand. Nur bei Fraunhofer hätte es Apple Kontakte gegeben.„

    „Eine Vergabe der Entwicklung einer dezentral speichernden #ContactTracingApp an SAP u TSystems ist noch gar nicht erfolgt. Eine Direktvergabe wg Dringlichkeit ist geplant.

    … ein Vertrag existiert genauso wenig, wie eine Schätzung der Kosten. Nicht mal ungefähr. […] Für die Entwicklung eines Prototyps der zentralen Variante waren 600.000 € an Fraunhofer geflossen.„ stand 29.04.

    Quelle https://twitter.com/anked/status/1255592462522998784

    Ich denke, die Mentalität muss sich in Deutschland dringend wandeln. Solang man in der Berliner S-Bahn im Berufsverkehr noch von Leuten ausgelacht wird, weil man eine Maske trägt und weniger als die Hälfte überhaupt eine auf hat, wird sich an den Zahlen nicht viel ändern.
    Wie mit dem Masken tragen/nicht tragen umgegangen wurde ist eine Katastrophe. Wenn man dem Otto-Normal Bürger das ‘Bringt nichts’ eingehämmert hat brauch man sich nicht über die Quote in der S-Bahn wundern. In der Zwischenzeit Feiern meine Nachbarn gestern (1. Mai) ein Grillfest im Innenhof mit 40+ Personen.

    Beste Grüße

    • Kleine Ergänzung
      Update 30.4.:
      “Wie gebeten, gab es eine schriftl. Nachreichung der BuReg (Kanzleramt, BMG, BMI): seit 22.4. hätte es kein einziges Gespräch auf Leitungsebene BuReg mit Apple gegeben. Ich hatte allerdings generell gefragt, ob u wenn ja durch wen Gespräche mit Apple stattfanden./13”

      https://twitter.com/anked/status/1255826415292944385?

  93. Hallo,
    mal ein Feeback aus einem Krankenhausmaschinenraum zu 4:40 Min – dem finanziellen Ausgleich für die KHs für die Reduktion des elektiven Programms bzw. für den völligen Umbau der bestehenden Krankenhausstrukturen zur Pandemiebekämpfung: ob der sogenannten “Rettungsschirm” (COVID-19-KrankenhausentlastungsG) für KHs funktionieren wird ist noch völlig offen.

    Als Vorschläge zur Finanzierung kam aus dem KH-Bereich ursprünglich, die letzten vereinbarten Budgets für 2020 einfach gezwölftelt auszuzahlen, bzw. eine Selbstkostendeckung für 2020 zu garantieren. Statt dessen gab es mit dem Gesetz ein Bündel von Maßnahmen, deren Gesamt-effekte noch kein KH in D genau abschätzen kann. Das Risiko, dass es nicht funktioniert, besteht also immer noch.

    Die wichtigste Maßnahme ist die wöchentliche Ausgleichspauschale in Höhe von 560€ pro Tag, die zwischen dem 16. März und dem 30. September gezahlt werden soll. Wofür genau? §21 Abs 2 KHEntlastungsG sagt:

    “Die Krankenhäuser ermitteln die Höhe der Ausgleichszahlungen nach Absatz 1, indem sie täglich, erstmals für den 16. März 2020, von der Zahl der im Jahresdurchschnitt 2019 pro Tag voll- oder teilstationär behandelten Patientinnen und Patienten (Referenzwert) die Zahl der am jeweiligen Tag stationär behandelten Patientinnen und Patienten abziehen. Sofern das Ergebnis größer als Null ist, ist dieses mit der tagesbezogenen Pauschale nach Absatz 3 zu multiplizieren. Die Krankenhäuser melden den sich für sie jeweils aus der Berechnung nach Satz 2 ergebenden Betrag differenziert nach Kalendertagen wöchentlich an die für die Krankenhausplanung zuständige Landesbehörde, die alle von den Krankenhäusern im Land gemeldeten Beträge summiert. Die Ermittlung nach Satz 1 ist letztmalig für den 30. September 2020 durchzuführen.”

    Ausgeglichen wird also die Differenz der täglichen Belegung nach der Mitternachtsstatistik im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2019.

    Das mag erstmal simpel und praktikabel klingen, darin stecken aber jede Menge Probleme:
    – Z. B. haben viele KHs schon vor dem 16.03. ihre Belegung drastisch reduziert, d.h. dieser Zeitraum wird schon mal grundsätzlich nicht ausgeglichen.
    – Der Mittelwert für 2019 umfasst natürlich auch die belegungsschächeren Zeiträume der Sommerferien und der Weihnachtsphase – hat also nix mit der stärksten Belegungsphase zwischen Febraur und Mai zu tun – damit wird er aber verglichen und damit die Differenz deutlich reduziert, als wenn man mit den Echtbelegungsdaten des Vorjahres im gleichen Zeitraum vergleichen würde.
    – Viele KHs hatten ein wirtschaftlich relativ schlechtes Jahr 2019 (d.h. auch geringere Belegung), d.h. hier ist der Mittelwert noch mal geringer als in den Vorjahren – bei fast gleichen Fixkosten (KH ca. 80%). Und schon wieder eine geringere Differenz zur aktuellen, redutzierten Belegung. Mein KH hatte dagagen eine sehr starke Belegung in 2019, d.h. im Vergleich zu anderen KHs profitiert man bei dieser Berechnungsmethode.
    – Die Mitternachtsbelegungsstände sind nach der genutzten Methodik keinesfalls fix, wie man glauben könnte. Wenn nach einem negativen MDK-Gutachten ein stationärer Fall aus 2019 jetzt nachträglich in einen ambulanten Fall umgewandelt werden muss, gehen diese Tage in der Mitternachtsstatistik verloren, obwohl der Fall natürlich letztes Jahr ein Bett belegt hatte. Je nach Stand der Abarbeitung der von den Kostenträgern beim MDK angezeigten Fälle, kann sich der Mittelwert damit weiter reduzieren.
    – die 560€ pro Tag pro fehlendem Belegungstag im Vergleich zum Vorjahresmittelwert, soll nicht nur den Erlösverlust der stationären DRG-Patienten ausgleichen, sondern auch die anderen Erlösquellen im KH: ambulante OP, vor- und nachstationäre Behandlungem, Wahlleistungen (i.d.R. Zuschläge für 1-Bettzimemr, usw.). Explizit nicht Berücksichtigt sind Erlösausfälle durch ärztliche Wahlleistungen (Chefarztbehandlung). Die Kalkulation dafür ist nicht offengelegt, sondern nur in der Gesetzesbegründung verbalisiert – und so richtig weiß aktuell niemand, inwieweit die aktuelle Pauschale ausreichen wird. Aktuell diskutiert wird eine deutliche Erhöhung für Maximalversorger-KHs.

    Aktuell sind diese Belegungsdaten jetzt jede Woche an die Landeskrankenhausgesellschaften zu melden, dann geht es über die Länder zum Bundesamt für soziale Sicherung (ehemaliges Bundesversichungsamt), von dort fließt das Geld aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds wieder an die Länder, die es dann wieder an die KHs nach ihren Angaben verteilen. Man ahnt es schon… nein, kein Fax, aber alles manuell ausgefüllte Exceldateien per EMail.

    Eine weitere Maßnahme zur Finanzierung der zusätzlichen Sachkosten in der Pandemie (Persönliche Schutzausrüstung, Masken usw.) ist ein 50€ Zuschlag pro abgerechnetem Fall zwischen dem 01.04. und dem 30.06. Hier sind sich mal ausnahmsweise alle einig, dass das ein Witz ist. Immerhin sind die KHs zur Hälfte leer gewesen im April, d.h. da es an die abgerechneten Fälle gebunden ist, fließt da nicht viel Geld. Und bei den Preisexplosionen im PSA-Bereich im März und April reicht das für die tatsächlich anfallen Kosten für ein ganzes KH hinten und vorne nicht.

    Es gibt daneben noch ein paar weitere Maßnahmen, wie z.B. eine Pauschale von 50 Tsd € pro zusätzlichen geschaffenes Intensivbett mit Beatmunsgmöglichkeit, die Pflicht der Kassen, die Rechnungen der KHs innerhalb von 5 Tagen zu bezahlen (völlig ungewohnt für KHs, dass sie für ihre Leistungen auch schnell bezahlt werden), Deckelung der vom MDK zu Prüfenden Fälle auf 5% (bishe eher 20% – 25%), und besondere Regeglungen im Budgetrecht (Aussetzung des Fixkostendegressionsabschlags, Erhöhung des vorläufigen Pflegeentwerts auf 185 €/ Tag).

    Also insgesamt ein Sammelsurium, dessen Gesamteffekt vermutlich noch keiner abschätzen kann.
    2019 war für die KHs mit der Entscheidung der Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus dem DRG-System und der Erweiterung der Pflegepersonaluntergrenzen schon ein wilder Ritt, aber 2020 schlägt bisher alles.

    Viele Grüße

  94. 2. Mai 2020 um 11:40 Uhr
    Felix Hofmeister

    Hi, woher kommt denn die Zahl von 200 täglichen Neuinfektionen, die die Gesundheitsämter maximal nachverfolgen können sollen? Ich habe die Zahl nicht gefunden, RKI Präsident Wieler spricht in seiner aktuellen Pressekonferenz von 1000 täglichen Neuinfektionen. In jedem Fall gibt es zu genau dieser Frage eine Anfrage bei fragdenstaat: https://fragdenstaat.de/a/184803

  95. Erstmal auch von mir ein großes Lob für den tollen Podcast. Eine Anmerkung von mir: es ist für mich nicht nachvollziehbar wieso die schweren wirtschaftlichen Folgen bedingt durch die Corona-Krise von Euch nicht näher behandelt werden. Das Münchener Ifo-Institut sagt zwischenzeitlich eine wirtschaftlichen Abschwung historischen Ausmaßes voraus und gibt entsprechend auch für den Arbeitsmarkt ebenso düstere Prognosen aus. Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung unterstreicht derweil diese These und rechnet in den kommenden Monaten mit bis zu 3 Millionen Arbeitslosen mehr. Derweil berichtet das Handelsblatt von Prognosen wonach jeder fünfte Betrieb in Deutschland Konkurs gehen könnte. Und der Blick über die Landesgrenzen hinaus ist noch schlimmer.

    Das hat natürlich Auswirkungen. Ein guter Freund von mir, noch keine 30 Jahre mit zwei jungen Kindern, hat jüngst ein Eigenheim gebaut. Die Aufträge des Unternehmens für welches er arbeitet sind weggebrochen. Langfristig werden Kündigungen schon jetzt nicht mehr ausgeschlossen. Er schläft schlecht und macht sich große Sorgen. Eine andere Bekannte hat ein Reisebüro mit drei Angestellten. Unter Tränen erzählte sie mir, dass sie eine Mitarbeiterin bereits kündigen musste. Berufsbedingt habe ich ferner mit einem Veranstalter von Theaterfahrten zu tun. Er hat aktuell gänzlich keine Umsätze mehr aber nach wie vor Kosten. Er ist 58 Jahre alt, sehr kultiviert, hoch sympathisch und ist nun – nur wenige Jahre vor der Rente – krank vor Sorgen. Nicht im übertragenen Sinne. Dieser Umstand hat ihn wirklich krank gemacht Diese Beispiele lassen sich wohl gefühlt unendlich fortsetzen. Künstler, Gastronomen, Arbeiter, einfache Angestellte, … Familien und Unternehmen zerbrechen, Menschen werden krank, stürzen sozial ab.

    Ich bin bei Euch hinsichtlich Eurer bisherigen Behandlung der Thematik. Ich teile darüber hinaus Eure Einstellung. Und doch muss irgendwann der volkswirtschaftliche Aspekt in den Focus rücken. Wolfgang Schäuble erwähnte nicht von ungefähr, dass nicht alles dem Virus untergeordnet werden kann. Erklärt meinem Bekannten einmal, dass er das neue Haus verkaufen muss und mit seiner jungen Familie keine Unterkunft findet nur weil (bewusst polemisch formuliert) übergewichtige, ungesunde Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen das Virus schwer trifft. Das ist in etwa das Furchtbare was ein Boris Palmer von sich gibt und es findet teils Gehör, denn: In einer solchen Situation siegt bei den betroffenen Menschen die Polemik über die Vernunft. Dass dem so ist, sollte in Zeiten in welchen die AfD in Parlamente einzieht, uns allen klar sein.

    Darüber hinaus müssen die enormen Staatsschulden bezahlt werden. Dringend nötige Investitionen (in Gesundheit, Schulen, Bildung, Klima, Infrastruktur, …) verzögern sich bzw scheitern nun.

    In der Folge droht nach der Krise eine volkswirtschaftliche Krise, sprich eine soziale Krise die im Besonderen die Kleinen trifft. Das sollte man behandeln.

    Viele Grüße,
    Nils

    • Hi Nils, danke für dein Feedback und die plastischen Beispiele. Ich glaube sofort und weiß auch aus dem eigenen Umfeld, dass die Folgen der Corona-Beschränkungen für viele Menschen dramatisch sind. Ich frage mich nur, was die Konsequenz daraus sein soll?

      Abgesehen davon haben wir einige Folgen lang die schweren wirtschaftlichen Folgen, aber auch die verschiedenen Hilfspakete diskutiert. Entlassungen sollten beispielsweise eigentlich nicht nötig sein – das ist ja gerade der Sinn der deutlich ausgeweiteten Kurzarbeit. Wenn es gleichwohl zu Entlassungen kommt, dann müssen sich die Chefs fragen lassen, wie das passieren konnte und ob sie sich genug gekümmert haben (wobei ich zu den Einzelfällen natürlich nichts sagen kann).

  96. Liebes Lage-Team,
    neben einem großen Lob für die vielschichtige Aufarbeitung auch in dieser Woche – hier kleiner Transparenzhinweis zur Frage, warum der digitale Unterricht nicht an allen Schulen und Universitäten des Landes so vorbildlich funktioniert wie an der Uni eurer Mitarbeiterin “irgendwo am Bodensee”: Bei der Zeppelin Universität in Friedrichshafen handelt es sich um eine Privatuniversität, die sich durch Studiengebühren, aber auch durch ein großes Netzwerk an Förderern, Stiftern und Partnern aus der Wirtschaft finanziert und daher jedenfalls hinsichtlich ihrer finanziellen Mittel und der bereits vorhandenen technischen/infrastrukturellen Ausstattung nicht ohne Weiteres mit staatlichen Einrichtungen vergleichbar ist.

  97. Hallo liebes Lage-Team,

    mal kurz ein Beitrag von mir zur Digitalisierung. Jemanden an der Schule zu haben, der sich nur um die IT kümmert wäre natürlich sinnvoll angesichts der Vielzahl an im Gebäude verteilten Geräten, die (glücklicherweise) ja, wenn auch langsam, weiter voranschreitet.
    Aber es ist wohl einfach billiger einem oder mehreren Kollegen insgesamt 2-6 Stunden Unterricht zur erlassen, damit die sich nebenbei darum kümmern.

    Zum digitalen Unterricht auf Distanz:
    1. Fehlt ein eingeführtes System.
    Was zum einen natürlich daran liegt, dass eben niemand da war der sich gezielt darum gekümmert hat. Zum anderen liegt es aber auch an dem Angebot. Man findet auf die Schnelle ohne weiteres 20 Systeme, die für die Schule beworben werden. Manche sind vom Funktionsumfang aber vielleicht eher für Unis geeignet, anderen fehlen einfach wichtige Funktionen und wieder andere lassen auf Grund der Werbung überhaupt nicht einschätzen und verfügen – oder verfügten zumindest vor Corona – nicht über eine geeignete Testmöglichkeit.

    2. Systeme lassen sich jetzt schwer ausrollen.
    Für die Nutzung der Systeme ist es aus Datenschutzgründen in der Regel notwendig, von den Eltern eine Einwilligung für die Nutzung der Schülerdaten zu erhalten. Das ist aktuell per Post nicht wirklich erfolgsversprechend. Eine Schule bei uns am Ort hat das per Post versucht und hatte sehr wenig Erfolg. NRW zum Beispiel entwickelt ja sogar seit ewiger Zeit ein eigenes System, das mehrfach verschoben wurde und mittlerweile an einigen Schulen genutzt wird. Das wurde aber komischerweise gar nicht dafür beworben..
    Manche Schulen hier führen Systeme ein mit dem Plan, das Einverständnis nachzureichen.
    Andere Schulen, so wie meine, nutzen vorrübergehend Einzellösungen, mit dem Ziel später auf eine datenschutzkonforme Dauerlösung umzusteigen.

    3. Ausstattung der Schüler
    Ein zentrales Problem ist aber die Ausstattung der Schüler. Zumindest für Video-Konferenzen findet man aktuell für Schulen ja viele kostenfreie Angebote, bei denen sich die Schüler nicht registrieren müssen. Aber es zeigt sich, dass zum Beispiel in meinem Oberstufenkurs, mit dem ich webex teste, 8 von 10 Schülern über ihr Smartphone an den Stunden teilnehmen, weil sie keine andere Ausstattung zur Verfügung haben. Einige hätten sicherlich noch die Möglichkeit die geteilte Arbeitsoberfläche zusätzlich parallel auf einem PC zu verfolgen, manche verfügen aber im Haushalt überhaupt nicht über einen PC oder Laptop.
    Und auch bei Schulen mit besser ausgestatteten Elternhäusern wird man bei 2 oder 3 Kindern und einem Eltern Teil im Homeoffice kaum allen Kindern während der regulären Unterrichtszeit einen eigenen PC zur Verfügung stellen können.

  98. Vielen Dank für all die Lagen. Ich finde jede Folge sehr unterhaltsam und aufschlussreich.

    Wenn man überlegt, wie sich Genesene verhalten (können) sollen, bietet die Sozialpsychologie und Verhaltensforschung gute Anhaltspunkte. Gemäß Theory of Planned Behavior ergibt sich Verhalten aus der Verhaltensintention, die wiederum von Einstellung, subjektiver Norm und wahrgenommener Verhaltenskontrolle beeinflusst ist. Heißt vereinfacht: Ich trage eine Maske, wenn ich vorhabe, das zu tun, und das habe ich, wenn ich das selbst gut finde, wenn ich glaube, dass die Leute um mich rum das gut finden, und wenn ich glaube, das zu können. Das für mich erkennbare Gutfinden der Maske der Leute um mich rum ist also sehr relevant, weil es meine subjektive Norm beeinflusst.

    Klingt vielleicht nicht spektakulär … Wenn man die Modellangrenzungen, – erweiterungen und Forschung genauer anschaut, ist es das aber durchaus. Das ginge aber weit über einen Kommentar hier hinaus. Als Psychologieprofessorin hoffe ich ehrlich gesagt, dass die fundierte Psychologie mehr Eingang in Justiz und Politik findet, als ich das so sehe.

    • Danke für den Hinweis! Das würde ja das psychologische Argument stützen, dass alle mit Beschränkungen leben müssen, damit sie überhaupt wirksam sind … finde ich spannend, denn wie gesagt haben wir dieses Argument für die Lage erfunden, jdf kenne ich es noch nicht aus dem Rechtsprechung des BVerfG. Vielleicht habe ich aber auch nur was übersehen.

  99. Zur Frage der Strategie der Bundesregierung, bedaure ich es auch sehr, dass eine Strategie hier nicht klar benannt wird. Ich höre allerdings schon heraus, dass es wichtig ist, dass R0 unter 1 bleibt und dass man hofft das auch mit den beschlossenen Lockerungen R0 unter 1 bleibt. Sicherlich wird man so nicht auf R0=0,2 kommen, aber das ist unter Umständen auch nicht nötig. Das war nach dem Papier der Helmholtz-Gesellschaft nötig, um innerhalb weniger Wochen zu einer Anzahl verfolgbarer Neuinfektionen zu kommen. Aber so lange R0 unter 1 bleibt, auch wenn er bei 0,9 liegt, sinken die Neuinfektionen, eben nur nicht so schnell. Wenn R0 das Verhältnis der Neuinfektionen eines Tages zu den Neuinfektionen vor 4 Tagen darstellt, kann man sich das ja auch relativ genau ausrechnen, wie lange es dauert bei Neuinfektionen von 100 anzukommen, wenn der R-Wert bei 0,7, bei 0,8, bei 0,9 ect. liegt. Daher gehe ich davon aus, dass Eindämmung durchaus das Ziel ist, aber eben eine langsamere Eindämmung. Ob das bei den beschlossenen Lockerungen auch funktionieren kann, oder ob man damit nicht bestenfalls bei R0=1 rumkrebst, ist die andere Frage…. Aber R0 muss nicht 0,2 sein, um an diesen Punkt kommen zu könnne.

    Was das Lage-Abo angeht: Gibt es irgendeine Möglichkeit so eines abzuschliessen, wenn man keine Kreditkarte hat? Spenden kann man ja über PayPal, aber beim Lage-Abo finde ich diese Möglichkeit nicht…

  100. Hallo,
    danke für die Erklärung der R-Zahl. Eine geschätzte Zahl wird durch eine Zahl geteilt, die davon abhängig ist, wie viele Meldungen vor 4 Tagen eingegangen sind. Damit ist doch klar, dass eine R-Zahl von 0,2 unrealistisch ist.
    Bei 1000 Neuinfektionen vor 4 Tagen müsste das RKI heute 200 schätzen und in weiteren 4 Tagen 40 und in weiteren 4 Tagen 8 Neuinfizierte usw. Je geringer die Zahl der Neuinfektionen ist, desto unsinniger wird dann die R-Zahl.
    Da es am Wochenende immer eine geringere Zahl an Meldungen gibt, die dann in der Woche nachgeholt wird, gibt es Mitte der Woche immer einen Aufschrei wegen einer hohen R-Zahl, die dann am nächsten Tag wieder signifikant niedriger ist.
    Statistiker müsste hier immer das große Weinen bekommen…
    Herzliche Grüße
    Laura

  101. 2. Mai 2020 um 10:29 Uhr
    Maximilian Wobst

    Hallo,

    eine kurze Frage off Topic:

    ich würde gerne ein Abo für die Lage verschenken. Ich habe dabei einen Link von Philip per Twitter bekommen, allerdings nur für 1 Monat. Kann man auch das Jahresabo verschenken?

    Viele Grüße,
    Max

  102. Hallo Lage,

    bezüglich des Schulsegmentes: Ihr sucht die Fehler an der vollkommen falschen Stelle. Natürlich sich die Schulen schlecht ausgerüstet und die Lehrer schlecht vorbereitet auf den digitalen Unterricht und die Infrastruktur des Internets ist nicht gut ausgebaut, aber das weit größere Problem ist ein anderes: Meine Frau unterrichtet an einem Beruflichen Gymnasium, mit Ausbildungsberufen und einem Zweig um den Realschulabschluss zu erwerben. Sie macht seit ca. 6 Wochen digitalen Unterricht. Dieser scheitert aber nicht an irgendwelchen Apps zu digitalen Hörsälen oder der Internetverbindung, sondern daran, dass die “bildungsfernen” Schüler oder “sozial schwachen” Schüler bei sich zu Hause in der Regel keinen Computer bzw, überhaupt ein Gerät zur Bearbeitung und Empfang des Materials haben. Im besten Fall ist ein Handy mit Edge/3G vorhanden. Was für über z.B. MS Teams bereitgestellte Materialien aber nicht ausreicht. Es mangelt an Computern und Drucker und einer stabilen Internetverbindung, die in diesen Haushalten einfach gar nicht zur Verfügung stehen. Selbst wenn die Schule den perfekten digitalen Hörsaal mit gut geschulten Lehrern zur Verfügung stellt bringt es auch nichts wenn Ihn nur 20% der Schüler nutzen können.

  103. Hallo,

    ich finde es witzig das ihr die Möglichkeit des maschinellen Lernens zur Verbesserung der Infektionserkennung nennt und gleichzeitig beim Erstellen des Kontaktgraphen ignoriert.
    Ulfs Unbehagen mit der dezentralen Lösung verstehe ich, da es unserem täglichen Denken widerspricht. Verteilte Algorithmen sind schon eher was fürs fortgeschrittene Informatiker, trotzdem durchaus Stand der Technik.

    Immer interessant euch beim Denken zuzuhören. Macht weiter so :-)

  104. Guten Tag,
    ihr erwähnt, dass Ausrottung von Corona in D nicht möglich ist, redet aber gleichzeitig davon, dass es interessant wäre, R=0,2 zu erreichen.
    Ihr versteht glaube ich nicht, was R=0,2 bedeutet. Es würde bedeuten, dass alle 4 Tage die Anzahl der Neuerkrankungen um den Faktor 5 kleiner wird. Das bedeutet, dass man in 8 Tagen 25 mal weniger Neuerkrankungen hat usw. Ergebnis nach 1 Monat: 0 Neuerkrankungen. (Das ist jetzt natürlich Theorie, und praktisch dürfte sich R mit der Zeit ändern.)
    Das Verkleinern von R schafft man nur durch zusätzliche Maßnahmen. Man kann R nur durch krasseste Maßnahmen so stark (auf 0,2) verkleinern, die nicht passieren werden. Vielmehr wäre eben die Frage, ob man sich eben anstrengen sollte, R so lange wie möglich so niedrig wie möglich zu halten (bspw. noch 6 Wochen auf dem schon erreichten Tiefstand von ungefähr 0,5).

  105. Hallo, vielleicht wurde es hier oder im Podcast schon besprochen. Wenn ich eine Demo nicht anmelden muss, verstehe ich aktuell nicht, warum jegliche Demonstration und seien es nur wenige Leute, die Mindestabstand halten, von der Polizei aufgelöst wird; so bspw. die Schlangestehen Aktion beim Bäcker in Potsdam.

    • Natürlich müssen Demos angemeldet werden, sofern es sich nicht um Spontanversammlungen handelt. Sie müssen nur normalerweise nicht genehmigt werden, sondern sind by default erlaubt, sodass die Behörde ggf Auflagen verhängen oder eine Demo im Extremfall auch einmal verbieten kann.

      • Hallo Ulf, besten Dank für die Antwort. Ich habe mich wahrscheinlich ein wenig Unglück ausgedrückt. Mir ging es grds. auch um die Spontandemos. Mein Punkt war, dass ich das Gefühl habe, dass politische Meinungsäußerungen aktuell von der Polizei sofort aufgelöst werden. Teilweise handelte es sich dabei um wenige Personen, die ausreichen Abstand hielten. Bspw. Bäcker Aktion Potsdam…. usw.

        Vielleicht ist das auch nur ein Gefühl von mir, aber gibt es da eine Rechtslage warum spontane Mini Demos aktuell gefühlt sofort aufgelöst werden?

  106. Hallo ihr Beiden,
    zunächst mal herzlichen Dank für die vielen vielen Lage-Folgen!
    Mir wurde kürzlich ein Link ans Herz gelegt, mit der Bitte mich da doch unbedingt anzumelden. Ich wurde da auf die (übrigens recht ansprechende) Website einer neuen Partei geführt: Wiederstand2020.
    Das sei eine Partei, steht da zu lesen, in der jeder gleichberechtigt mitreden dürfe und das Ziel sei Einfühlungsvermögen, Ehrlichkeit und Respekt wieder in die Politik zu bringen. Als einziges konkretes Ziel der Partei fand ich dort, dass eine Grundgesetzänderung angestrebt würde. Was da geändert werden soll und warum genau, hab ich nicht gefunden, nur eine vage Behauptung, dass wir im Moment eine Außerkraftsetzung des Grundgesetzes und einen Machtmissbrauch der Regierung erleben würden.
    Auf der Website wird behauptet, die Partei hätte bereits über 76.000 Mitglieder (Stand 02.05.2020).
    Es werden auf der Seite drei Gründer genannt:
    Ralf Ludwig, Rechtsanwalt
    Viktoria Hamm, “nur ein Mensch”
    Dr. Bodo Schiffmann, Leiter der Schwindelambulanz (in Sinsheim)

    Website: widerstand2020.de

    Was sind das für Leute?
    Was haben die für einen Hintergrund?
    Was wollen die denn genau?
    Wo wollen die politisch hin?
    Und wie können die so schnell so viele Mitglieder werben?
    Beim Stichwort Grundgesetz dachte ich natürlich sofort an dich, Ulf. Es wäre wirklich großartig, wenn Ihr euch dem Thema mal widmen und ein paar Infos zu dieser Partei zusammentragen könntet.

    Ganz herzliche Grüße und bleibt schön gesund!

    • Danke für den Hinweis – aber ich frage mich, ob die irgendwie relevant sind? Wir können ja auch nicht jeder Kleinstpartei hinterherrecherchieren …

      • Hallo,

        diese Kleinstpartei hat bereits über 100.000 Mitglieder, viel mehr als die AfD und mit der AfD beschäftigt Ihr Euch auch. Die SPD hat ca. 400.000 Mitglieder -???
        Ich befürchte, dass Ihr die aktuelle Lage gerade völlig verkennt. Hier entsteht etwas wirklich Neues.

        Schaut doch auch mal zum Thema RNA-Impfstoffe. Warum werden jetzt 8 Milliarden Euro benötigt, um den Corona-Impfstoff zu entwickeln?

        deref-gmx.net/mail/client/JpAuhruapqI/dereferrer/?redirectUrl=https%3A%2F%2Fyoutu.be%2FLfbbikCPoHk

        Als genesen wird man nach ca. 14 Tagen – eher später – gewertet, wenn eine Infektion festgestellt wurde. Andererseits ist die höchste Ansteckungsrate nach 4 Tagen. Man kann also davon ausgehen, dass es in Wirklichkeit nur noch viel weniger Infizierte gibt, als offiziell genannt werden. Das dürfte auch der Grund sein, dass die Öffnung jetzt sehr zügig kommt. Darin sehe ich auch eine Hoffnung, dass all die Szenarien wie Tracing, Impfen usw. nicht mehr umsetzbar sein werden. Man kann die “Skeptiker” nicht mehr ignorieren.

        Es wäre wirklich toll, wenn Ihr die Augen etwas mehr öffnen könntet!!

        • warten wir mal ab, ob die 100.000 Menschen, die sich angeblich dort schon eingetragen haben, auch aufgenommen werden und wie sich da ggf Strukturen etablieren. Online-Phänomene gibt es viele, für eine Partei braucht es ohne Ende Offline-Infrastruktur.

          Was mich an der Website spontan irritiert: Dort findet sich nicht einmal der zarte Hauch eines Programms. Mitmach-Partei wollten die Piraten auch mal sein …

          Aber danke für den Tipp, vielleicht wird daraus ja was Interessantes.

          Wegen der 8 Mrd. für Impfstoffe: Wir verlinken hier aus Prinzip keine Youtube-Videos, weil die Fake-News-Quote zu hoch ist. Gibt es das Thema auch in seriös?

  107. 2. Mai 2020 um 7:31 Uhr
    Henning Meyer

    Hammer and Dance: R-Wert und Max-Planck-Gesellschaft

    Liebes Lage-Team,
    Ihr erwähnt mehrfach, dass ein R-Wert von 0,2 anzustreben sei und suggeriert, dies kann durch einen längeren Lockdown (und damit geringere Neuinfektionen) erreicht werden. Allerdings ist der R-Wert weitgehend unabhängig von der Anzahl der Neuinfektionen, sondern im wesentlichen nur abhängig von der Härte der aktuellen Beschränkungen. m.W. wurde selbst in Wuhan nur ein R um 0,3 erreicht. R=0,2 würde nur mit härteren Maßnahmen als dort erreichbar sein und wird aktuell nicht gefordert. Auch in den Empfehlungen der MPG lässt sich dieser Wert nicht finden.
    Wichtig ist aber, dass auch mit R=0,6-0,8 die Anzahl der Neuinfektionen schnell gesenkt werden kann.

  108. 2. Mai 2020 um 6:31 Uhr
    Vincent Ruland

    Hallo!

    Zu der Testkapazität, und zu den Empfehlungen welche Menschen getestet werden sollen, sollte man eines nicht vergessen:

    Die Aussagekraft eines diagnostischen Test (Positiver Prädiktiver Wert, nach Bayes´ Theorem) ist abhängig von der Häufigkeit dessen, was man sucht (hier also das Virus). Wenn man eine Population testet, ohne a-priori Kriterien zu setzen, wenn man testet (also praktisch die Prävalenz in der zu testenden Population erhoeht), kann folgendes passieren:

    Eine Person mit einem positiven Testergebnis ist mit einer hohen Wahrscheinlichkeit NEGATIV. Der genaue Wert ergibt sich nach dem Theorem aus den Werten der Prävalenz und der Sensitivität des Tests. Es gibt z.B. Case reports über Menschen, die bei einer “Routine” Blutkontrolle positiv auf HIV gestestet wurden (obwohl sie kein HIV hatten) und dann Selbstmord begingen, weil weder die Ärzte noch die Labore die wirkliche Aussagekraft dieses Testes erklärt hatten.

  109. 2. Mai 2020 um 5:45 Uhr
    Ruben Geßner

    Guten Tag,
    ich verfolge euren Podcast nun schon eine Weile und mir ist in den letzten Folgen immer wieder was aufgefallen.
    Ihr sprecht davon das die Tracing App verpflichtend sein könnte. Nun ist es aber bei mir so das ich kein Smartphone habe. Und natürlich bin nicht nur ich das. Viele Menschen, gerade der älteren Bevölkerung, auch.
    Daher habe ich so meine Bedenken was den möglichen Zwang einer App angehen könnte. Denn das müsste ja auch heißen das ich ein Smartphone haben müsste.
    Ich freue mich auf eine Antwort.
    Und nicht das das unter geht. Vielen Dank für eure Arbeit. Ich finde das unheimlich wichtig was ihr beiden macht. Die Sachlichkeit und das konkrete bei eurem Podcast mag ich sehr!
    Mit freundlichem Gruß
    Ruben Geßner freireisender Zimmerer

    • Lieber Ruben, danke für dein Feedback! Ich würde ganz unabhängig vom Thema Tracing-Apps gerne immer mal wieder von dir hören, weil du als reisender Zimmerer vermutlich einen recht außergewöhnlichen Blick auf unser Land hast.

      Aber zu deiner Frage: Wir sind ja strikt gegen einen App-Zwang und warnen nur davor, dass der in der Politik gelegentlich diskutiert wird. Menschen ohne Smartphone sind eines der vielen Probleme, das so ein App-Zwang aufwerfen würde. Ich denke nicht, dass man irgendjemanden zwingen kann, ein Smartphone zu besitzen.

      • 4. Mai 2020 um 4:19 Uhr
        Ruben Geßner

        Guten Tag Ulf,

        erstmal vielen Dank für die Antwort. Es war das was ich mir schon gedacht habe, aber gut nochmal zu hören.

        zu deiner Frage: leider kann ich nur aus zweiter Hand aus Deutschland berichten, über das was andere Wandergeselle mit denen ich in Kontakt stehe schreiben. Denn ich selbst bin seit gut 2,5 Monaten in Japan und werde hier so wie es aussieht auch noch mein Jahresvisum ausnutzen.
        Die Gesellen/innen die mit mir so schreiben sagen auf jeden Fall das es eine sehr seltsame Situation ist. Ja, klar das geht ja jedem so. Aber ich denke als Wandergeselle ist es noch mal anders. Denn die Tradition kann ja nur weiter leben wenn wir auch unterstützt werden. WIr haben mittlerweile viele Regeln die aktiv darauf abziehlen das wir auf Menschen zu gehen und Unterstützung erfahren. Sei es nun um Arbeit zu finden oder um von A nach B zu kommen, da wir hauptsächlich trempen ect.
        Alles in allem haben alle Gesellen/innen mit denen ich schreibe eine gute Unterkunft gefunden, wurden aber auch in letzter Zeit immer wieder abgewiesen. Einerseits ist das seltsam andereseits vollkommen nachvollziehbar. Das seltsamste was ein Wandergeselle geschrieben hat war das er als Luxenburger in der Schweiz ist und überhaupt nicht so recht weiß wo re rechlich Steht. Denn die politische Zusammenarbeit zwischen den Europäischen Ländern ist ja schon schwer, aber mit der Schweiz ja immer nochmals besonders.
        Und auch ich habe es lange hier in Japan gemerkt. Ich bin tatsächlich davon ausgegangen das ich das Land mit meinem Work and Travel Visum verlassen muss. Bisher kam da aber nichts und so wie es bisher hier aus sieht wird auch nichts kommen.
        Es ist auf jeden Fall so das man sich als Ausländer, und sei das nun in der Schweiz, Deutschland oder in Japan, besonders wenn ma die Sprache nicht spricht, schnell seltsam fühlen kann. Und ich denke als Wandergesellen/innen sind wir da alle sehr robusut aufgebaut, aber wenn ich da an viele ausländische Mitbrüger in Deutschland denke wird mir ein bisschen bange. Sie werden sich sicherlich nicht wohlfühlen bei so viel Wandel und in eiem Umfeld in dem sie die Sprache nur bedingt verstehen.
        Die Wandergesellenwelt selbst ist eine sehr komplizierte Sache die sich nicht gerne vereinfachen lässt. Es gibt einen größeren Zusammenschluss von “Schächten”(Gesellenvereinigungen), die C.C.E.G. (die aber nicht alle Wandergesellen, und besonders keine Wandergesellinnen mit einschließt). Die C.C.E.G. hat ein Schreiben gemacht in dem sie alle Gesellen dazu auffordert nicht mehr zu reisen und auch Arbeit gegen Kost und Logie anzunehmen (auch Privat) solange die Situation akut ist. Dazu sind noch einge weitere Dinge. Hier die Bekanntmachug: (https://cceg.eu/2020/03/bekantmachung-zur-situation-mit-corona-fuer-wandergesellen/?fbclid=IwAR23O1tBrFp7KLRz7YvrQTwkpxiPR4246tevEp2CEdZ_DbFQck7bhvjkioY)
        Kurz zu der Situation in Japan selbst, denn ich kann mir vorstellen das das euch auch interessiert. Ich muss aber vor weg sagen das ich die Sprache gerade lerne und daher eher ein Gefühl beschreiben werde das ich NICHT weiter mit Fakten begründen kann. Das eine oder andere ehrfahre ich aber von meiner japanisch Lehererin.
        “Alles in allem ist das Land sehr ruhig. Aber auch nur so ruhig wie ich es mir immer vorgestellt habe. Die Japaner gehen die Situation mit gewohnter Diziplin an habe ich das Gefühl. Der Lockdown hat schon eher begonnen und war war nie so streng wie in Deutschland. Schulen, Kitas und Unis sind immer noch dicht. Bars, Restaurans und Onsen ebenfalls seit gut zwei Wochen zu. Die Regierung selbst bittet nach wie vor nur, wenn ich das richtig verstanden habe, keine Verordnungen oder Gebote. Die Angst einer weiteren Wirtschaftskriese, wie in den 90ern hier in Japan geschen ist. ist anscheinend groß.
        Masken tragen gehört zum Alltag vieler, wobei es in meinem Umfeld eigentlich nur eine Angestellte macht. Ich denke Handwerker sind auf der ganzen Welt irgendwie ein bisschen stur… Das wird in Deutschland sicherlich ähnlich aussehen auf den Baustellen.
        Wirtschafltiche Unterstürzungen sind in Aussicht gestellt, aber das kann ich wirklich nicht in ein Verhältnis zu Deutschland setzten. Dazu fehlt mir die Sprachkentniss:”
        Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen die Welt von mir zeigen, bin mir aber ganz sicher das ich eher noch mehr Fragen aufgeworfen habe als das ich Fragen beantwortet habe.
        Wenn du willst kannst du mir gerne eine Mail schreiben falls dich nochirgendwas brennend interessiert.
        Vielen Dank und macht weiter
        Ruben Geßner freireisender Zimmerer

  110. Die Frage, ob Apple und Google uns praktisch vorschreiben dürfen, ob wir eine zentrale oder dezentrale Tracing-App-Architektur umsetzen oder ob das nicht gesellschafltich diskutiert werden sollte, resonierte sofort in mir. Obwohl ich tendenziell die dezentrale Lösung favorisieren, erscheint es doch seltsam, dass solche wichtigen gesellschaftlichen Fragen maßgeblich von US-Konzernen bestimmt werden.
    Allerdings ist mir ein Beispiel eingefallen, bei dem ich sehr wohl befürworte, dass die Konzerne Pfeiler einschlagen, an denen möglichst niemand vorbei kommt. Dabei geht es um die Verschlüsselung. Sowohl die US-amerikanische als auch die deutsche Politik greifen immer wieder die Verschlüsselung an, sei es auf dem Gerät oder bei der Übertragung. Es wird eine Terrorbedrohung als Grund vorgebracht, die ich schon lange für ein Totschlagargument halte. Da haben die Unternehmen einfach mal Fakten geschaffen und vieles gesichert.
    In diesem Fall wird die Lage vermutlich zustimmen, dass Verschlüsselung nicht geschwächt werden darf, selbst wenn es der deutsche oder amerikanische Staat wollen würde. Wer staatliche Hintertüren fordert muss sich darüber klar sein, dass auch Unrechtsstaaten und solche mit fragwürdigem Führungspersonal und einer unvergleichlichen Geschichte der Rechtsbrüche diese Hintertüren nutzen werden. Deshalb ist es besser, dass es gar keine gibt.
    Wie grenzen wir nun die Verschlüsselung von der dezentralen App ab? Geht das überhaupt? Haben Google und Apple vielleicht auch bei der Tracing-App Pfeiler eingeschlagen, um Menschen weltweit vor dem Missbrauch der durch eine zentrale App gewinnbaren Daten zu schützen? Denn für die gesamte Welt kann das Vertrauen in den Staat keine geeignete Voraussetzung für eine IT-Lösung sein. Dafür gibt es viel zu viele Staaten, denen man nicht vertrauen kann.
    Was denkt die Lage dazu?

    • Die sogenannten Crypto-Wars sind ein gutes Gegenbeispiel, danke! Wobei ja leider nicht ausgemacht ist, dass sich Apple und Google immer gegenüber staatlichen Wünschen nach Überwachung durchsetzen. Gerade China werden anscheinend immer wieder Zugeständnisse gemacht.

  111. Hallo,

    eure Diskussion über Großkonzerne vs. demokratische Entscheidungen (Tracing-App Strategie) fand ich etwas seltsam. Wenn der Bundestag über ein Gesetz beschließt, dass Google und Apple solche Schnittstellen einbauen müssen, dann muss das gemacht werden. Überprüfung des Gesetzes ist dann durch die Gerichte möglich.

    Aber nur weil die Bundesregierung Großkonzerne mit Nachdruck bittet, eine wahrscheinlich nicht der DSGVO entsprechende Schnittstelle einzubauen, geht das, und darüber sollten wir alle froh sein, eben nicht.

    Die Executive kann in einer Demokratie mit Gewaltenteilung doch nicht einfach so Vorgaben machen, wenn die Legislative keine oder vielleicht sogar entgegengesetzte Gesetze beschlossen hat.

    Also Google und Apple, denke ich kann man, jedenfalls an dieser Stelle, kein Vorwurf machen wenn sie sich an Gesetze halten und die Demokratie hat gut funktioniert.

    Gruß

    Markus

  112. Ihr habt in einer der letzten Lagen vom rechtlichen Rahmen der Triage gesprochen. Nun ist im Verfassungsblog folgender Artikel erschienen: https://verfassungsblog.de/gleichheit-vor-der-triage/. Dieser nimmt einen fundamental anderen rechtlichen Standpunkt ein, indem er das Kriterium der Erfolgsaussicht der Behandlung als rechtswidrig ablehnt und stattdessen das Kriterium der Dringlichkeit als einzig rechtmäßiges erachtet.
    Mich würde insbesondere Ulfs Einschätzung dazu interessieren. Auch bei der Bewertung der nachträglichen Triage unterscheidet ihr euch ja fundamental.
    Danke, dass du dir die Zeit nimmst und macht weiter so :)

  113. Ein Gedanken zu den Antikörpertests:

    Problem ist, dass selbst wenn man die von den Herstellern versprochene 98%-ige Genauigkeit zugrunde legt (die meines Wissens noch niemand nachhaltig überprüft hat), ein völlig verzerrtes Bild entsteht.
    Gehen wir davon ausgeht, dass in Deutschland derzeit ca. 2% immun gegen das Virus sind und Deutschland 100 Einwohner hat (zur. Vereinfachung).
    Wenn nun alle Personen einen Antikörpertest machen würden, würde folgendes Ergebnis entstehen:
    Die zwei immunen Personen würden richtig erkannt werden (hier wird 100% Genauigkeit versprochen).
    Von den restlichen 98 Personen, die nicht immun sind, würden rund 2 Personen als falsch positiv, also immun ausgewiesen werden, obwohl sie tatsächlich nicht immun sind.
    Laut Test sind also vier Personen immun, tatsächlich allerdings nur zwei, also gerade einmal 50%.

    Nun kann man sich natürlich über die tatsächliche Durchsuchung streiten, doch auch wenn man diese höher ansetzt, bleibt eine erhebliche Ungenauigkeit bestehen.
    Deshalb wäre es wohl sehr problematisch, auf dieser Grundlage Immunitätsausweise auszustellen, sollte sich die Genauigkeit der Antikörpertests nicht verbessern.

  114. Hallo ihr beiden,

    erst einmal möchte ich einen großen Dank für euren großartigen Podcast aussprechen. Eine solch
    gründliche Recherche mit anschließend – und das ist mindestens genau so wichtig – transparenter und ausgewogener Darlegung & Debatte ist in meinen Augen in nur sehr wenigen Formaten derzeit in der deutschen Medienlandschaft vorhanden. Also gerne mehr und weiter so!

    Ich möchte gerne auf das in der jetzigen Folge besprochene Thema “Kommunikation des RKI” eingehen:
    Beim ersten Punkt (“Wie und welche Daten werden in welchem Format vom RKI veröffentlicht”) gebe ich euch absolut recht. Da ist sicherlich Optimierungsbedarf.

    Zum zweiten Punkt (“Taktische Kommunikation des RKI”) habe ich jedoch eine andere Meinung. Da hat sich die wissenschaftliche Lage durch Veröffentlichungen über die Zeit geändert, was im Drosten Podcast auch besprochen wurde, s. [1]. Daher würde ich hier nicht von Taktik reden. Das wurde allerdings in dieser Klarheit und Transparenz vom RKI sicherlich nicht kommuniziert, wodurch da möglicherweise in der Öffentlichkeit ein falsches Bild generiert wurde.
    Vor dem Hintergrund, dass in dieser Woche Virologen von führenden Politikern an den Pranger gestellt wurden/werden (was ich normalerweise nur von “alternativen” Politikern erwartet hätte), obwohl diese nur ihren Job machen, hätte ich mir in eurer Folge neben der sicherlich sehr vorsichtig formulierten Kritik am RKI zumindest eine kleine Verteidigungsrede für die Wissenschaft erhofft. Ich bin mir zwar sehr sicher, dass ihr euch derzeit nicht hinter die Laschets und Lindners stellt, die die Aussagen von Drosten und Co nicht verstehen wollen oder falsch wiedergeben (s. Lindner bei M. Illner, der den Unteschied zweier unterschiedlicher Aussagen zweier, von Drosten zitierter Studien übersieht, oder Laschet, der bei Anne Will offenbart, dass ihm mathematische Grundkenntnisse fehlen, um zu verstehen, weswegen erst die Verdopplungsdauer und jetzt die R-Zahl betrachtet wird). Jedoch wäre es schön gewesen, wenn ihr dies auch artikuliert hättet (sofern meine Annahme stimmt, dass das auch eure Meinung ist) und ein kleines Gegengewicht in die Debatte eingebracht hättet, während derzeit die Stimmung in der Bevölkerung (gegen die Virologen) zu kippen droht.

    Dennoch vielen Dank für die aktuelle Ausgabe (insbesondere eure Debatte über den nicht existierenden Corona-“Masterplan” hat mir sehr gut gefallen)!

    Ich wünsche euch ein schönes Wochenende! Bleibt gesund und viele Grüße
    Lukas

    • Ich finde das RKI kommuniziert ziemlich transparent. Jeder kann öffentlich eine riesige Zahl an hochwertigen und aktuellen Dokumenten einsehen. Welche andere deutsche Bundesbehörde leistet Vergleichbares?

      Andere haben natürlich noch schärfere Kritik geübt, zum Beispiel als sie aufhörten mit täglichen Pressekonferenzen. Man braucht doch nicht den Präsidenten des Instituts zum Zahlen-Vorlesen.? Ein Freund, der an der Produktion einer Corona-Sondersendung zeitweise beteiligt war, erzählte, dass die Redaktionen oft kurz vor knapp händeringend um Material suchen, um ihre Beiträge zu füllen. Da gewinnt man den Eindruck, da trauerte manche Redaktion um die sicheren (dankbaren) täglichen Bilder von der PK.

      Auch die Kritik an der Präsentation der Datenspende-App fand ich überzogen. Viele Medien titelten nach dem Motto: Verwirrung um Corona-App, alle verwirrt, dass es eine andere App als die Tracking-App gibt, pures Chaos! Also ich fand das jetzt ehrlich nicht so verwirrend, zwei verschiedene Apps, wurde klar gesagt, war eigentlich überschaubar, habe ich zumindest direkt verstanden.

      Die Unterstellung, es sei taktisch kommuniziert worden, kann ich nicht nachvollziehen. Lukas hat den Wissenswandel bezüglich des Nutzen in der breiten Bevölkerung nachgezeichnet. Ihr unterstellt dem RKI, es habe mit einem gewissen Wissen über die Schutzwirkung nicht rausrücken wollen, aber sich verraten, weil es sagte, die Masken würde im Krankenhaus gebraucht. Gebraucht wurden die Masken im Krankenhaus aber auch nach altem Kenntnisstand, zum Beispiel für OPs, für Isolationszimmer (multiresistente Erreger), bestimmte sterile Tätigkeiten etc. Außerdem ist klar, das manche Maßnahmen im professionellen Bereich für den Arbeitsschutz notwendig sind und für die spezielle Krankenhaushygiene sinnvoll sind, das heißt aber nicht automatisch, dass sie auch auf breiter Bevölkerungsebene einen Nutzen bringen (zum Beispiel Einmalhandschuhe).

      Zu guter Letzt machtet ihr das Bild auf, dass das ja auch nicht notwendig gewesen sei, die Bevölkerung sei quasi vernünftig genug, um die Masken nicht „wegzukaufen“. Ich bin da leider nicht so optimistisch: man konnte und kann es an den Menschen auf der Straße mit FFP2/3-Masken sehen. Hier wurde explizit auf die hohe Schutzwirkung hingewiesen, darum gebeten sie dem professionellen Bereich zu überlassen, und sie wurden trotzdem gekauft (prominent Charlotte Roche soll nach eigener Aussage 4 Masken online gekauft haben …).

  115. 1. Mai 2020 um 22:58 Uhr
    Sebastian Klein

    Hallo,
    ihr sprecht nun seit mehreren Folgen über den Vorteile serverbasierter Tracingapps, dass durch eine Feedbackschleife die Warnmeldung mit der Zeit genauer wird.

    Das mag grundsätzlich richtig sein, doch so, wie ihr es erklärt, kann es meiner Meinung nach nicht richtig sein.

    Ihr sagt: Person A infiziert sich und meldet die Infektion via App dem Server. Der Server geht die Kontakte durch und entscheidet: Person B kommt als mögliche Infizierung in Frage. Meldet sich nun Person B nach einigen Tagen ebenfalls infiziert, lernt der Server, das seine Vorhersage richtig ist.

    Folgendes Problem dabei: Der Rückschluss, dass Person B durch Person A infiziert wurde, ist überhaupt nicht möglich. Möglicherweise wurde Person B von Person C infiziert, die der Server als mögliche Quelle der Infektion überhaupt nicht auf dem Radar hat, etwa, weil der Algorithmus fehlschlägt oder – wesentlich wahrscheinlicher – Person C schlicht keine Tracingapp installiert hat.

    Ob eine App nun zentral oder dezentral aufgebaut wird, ist mir persönlich egal, aber den von euch beschriebene Vorteil der Serverlösung kann ich (zumindest auf die beschriebene Art) nicht sehen.

    Viele Grüße,

    Sebastian

    • 1. Mai 2020 um 23:01 Uhr
      Sebastian Klein

      Nachtrag: Oder aber es kommen für Person B gleich mehrere mögliche Quellen in Frage. Auch hier kann der Server den Ursprung nicht aufschlüsseln.

    • Danke für die Nachfrage! Natürlich lässt sich auf Korrelation nicht auf Kausalität schließen. Aber es ist zum einen nicht ganz unwahrscheinlich, dass der Kontakt ursächlich war – und zum anderen sollte in einer idealen Welt auch Person C die App installiert haben. Das Beispiel zeigt m.E. auch, warum es so wichtig ist, dass möglichst viele Menschen mitmachen.

      • 3. Mai 2020 um 18:11 Uhr
        Sebastian Klein

        Hallo Ulf,

        du sagst es ja selbst: In einer idealen Welt. Davon kann man jedoch beim Design des Algorithmus nicht ausgehen.

        Wenn wir “nur” 20 Millionen Installation erreichen würden, wäre ich schon mehr als überrascht. (Vergleiche: Selbst WhatsApp, DIE essentielle App für Smartphones hat in Deutschland “nur” 58 Mio Nutzer (https://www.google.com/amp/s/allfacebook.de/toll/whatsapp-nutzerzahlen%3famp)).

        Bei optimistischen 20 Millionen Tracingappinstallationen liefen weiterhin 3/4 der Menschen ohne App herum – ein selbstlernender Algorithmus würde auf dieser Basis in Windeseile die falschen Rückschlüsse ziehen, weil die Unsicherheit viel zu groß ist.

        Die App macht sicherlich als Werkzeug Sinn, um die Leute zu warnen, dass sie potentiell einen Risiko ausgesetzt wurde und getestet werden sollten. Doch zum Selbstlernen fehlt aufgrund der absehbar zu geringen Verbreitung die Möglichkeit, die tatsächlichen Infektionsquelle eindeutig zu identifizieren.

        Viele Grüße,

        Sebastian

  116. Liebes Lage-Team,
    ein paar Gedanken zur aktuellen Folge:
    1. Kommunikation des RKI zur Mund-Nasen-Bedeckung: Bei der ursprünglichen Empfehlung gegen ein grundsätzliches Tragen von MNS in der Öffentlichkeit war (neben dem damals anderen Kenntnisstand zu Wirksamkeit, näher in einem Kommentar weiter oben erläutert) auch ausschlaggebend, dass die Sorge bestand, dass Zivilisten (i.S. von nichtmedizinischem Personal) die Masken falsch anwenden und sich damit in falscher Sicherheit wiegen, bzw. sich auch bei richtiger Anwendung nicht mehr an die zusätzlich entscheidenden Empfehlungen (Abstand, Hände waschen, Hustenhygiene etc.) halten, dies lässt sich jetzt auch gut in verschiedenen Situationen beobachten. Auch nicht zu unterschätzen im Zusammenhang mit dem o.g. war die Knappheit der Schutzausrüstungen, es gab ja auch nicht nur einen Bericht zu Diebstählen von Masken, Desinfektionsmitteln u.ä. aus Krankenhäusern (haben wir auch selbst auf Station beobachtet). Wenn nun eine grundsätzliche Empfehlung bestanden hätte, wären sicherlich noch mehr Diebstähle zu erwarten gewesen.
    2. Ein Lungen-CT ist nicht der bessere Weg, um eine Covid-Infektion nachzuweisen. Bei typischem Befund kann eine erfahrene RadiologIn mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Infektion vermuten, diese muss aber immer noch durch einen PCR-Test bestätigt werden (evtl. falsch neg. Teste, aus verschiedenen Gründen, müssen natürlich in Betracht gezogen werden). Es gibt aber reichlich atypische Befunde, u.a. bei bakterieller Superinfektion, aber auch ähnliche Befunde wie bei einer Covid-Pneumonie durch andere Erkrankungen (wenn auch aktuell mit geringerer Wahrscheinlichkeit). Der Gold-Standard, eine Covid-Infektion nachzuweisen, bleibt die PCR.
    3. Bezüglich eines scheinbar erneut pos. Virus-Nachweises nach erfolgter Negativ-Testung: als wahrscheinlichste Erklärung erwähnte Prof. Drosten nach seiner Einschätzung in seinem Podcast (zumindest meiner Erinnerung nach) zum Ende der Erkrankung eine niedrige Viruslast im Rachen, sodass zufällig ausreichend Material für eine Testung durch den Abstrich gewonnen wird oder eben nicht (er brachte das Beispiel eines Teichs mit viel oder wenig Goldfischen, aus welchem man eine Probe mit Wasser nimmt und dann schaut, ob Goldfische darin sind oder nicht), wobei er auch möglicherweise eine falsche Abstrichtechnik in Betracht zog.
    4. Ihr diskutiertet, ob es schlecht für die öffentliche Moral zur Durchführung der Schutzmaßnahmen sei, wenn Jüngere sich nicht daran hielten, weil sie das Risiko einer ernsthaften Erkrankung für sich selbst nicht in Betracht ziehen könnten. Zu kurz dabei kam mMn der Aspekt, dass diese Personen, auch wenn es Ihnen natürlich prinzipiell frei steht, sich selbst in unnötige Gefahr zu bringen, damit rücksichtslos aber auch andere anstecken können, die dann eben keinen blanden Verlauf haben, sondern schwere Komplikationen oder gar fatale Verläufe. Dem vorbeugen soll z.B. die aktuelle Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung, um eben auch Risikogruppen möglichst zu schützen (vor anderen).
    5. Ich gehe absolut mit euch mit, dass es völlig unverständlich ist, dass Deutschland z.T. dermaßen rückschrittlich bei der Digitalisierung, z.B. in Schulen, ist. Was ihr aber nicht betrachtet (oder zumindest nicht diskutiert) habt, ist, dass in vielen, v.a. finanziell schwächeren Familien gar nicht die technische Ausstattung vorhanden ist, oder noch nicht einmal ein Internetanschluss vorhanden ist, um einem völlig digitalem Unterricht folgen zu können (auch wenn es noch so sinnvoll wäre). Hierbei würden diese SchülerInnen noch weiter abgehängt. Eine Lösung zu diesem Dilemma (Kontakvermeidung vs. gleiche Lernbedingungen) sehe ich allerdings kurzfristig nicht, das muss sicherlich eine der vielen Lehren aus der Pandemie sein.

    Ansonsten weiter so!
    Liebe Grüße,
    Carina

  117. 1. Mai 2020 um 21:09 Uhr
    Christian Rosenbaum

    Liebes Lage-Team, die aktuelle „Lage“ fand ich ausgewogener und kritischer als die letzte, 3 Anmerkungen:

    1) Zahlen

    Wir haben keine Kenntnis, wie viele Personen sich an einem Tag infizieren. Es sind jedenfalls deutlich mehr als die offiziellen 1000 – 1500. Nach seriösen Untersuchungen sind es in D. Mind. 6000 bis 9000, denn es gibt ja eine hohe Dunkelziffer.

    Die Zahl R ist davon abhängig, dass man jeweils die genaue Anzahl der durchgeführten Tests berücksichtigt: wenn man mehr testet, hat man (statistisch) mehr Fälle, testet man weniger, sind es weniger Fälle. Man muss also die Zahl der jeweils Getesteten in Relation zur Zahl der gefundenen Erkrankungen setzen, nur dann bekommt man eine wahrscheinlich korrekte Zahl R.

    Mir ist nicht klar, warum man nicht die derzeit offensichtlich vorhandene Testüberkapazität endlich nutzt, um einen repräsentativen Teil der Bevölkerung zu testen und die Dunkelziffer genauer zu bestimmen. Bei der „Sonntagsfrage“ reichen dafür nach meiner Kenntnis ca. 2000 Haushalte. Mit 100.000 zusätzlichen, symptomunabhängigen Tests könnte man eine solide Datenbasis bekommen.

    Meiner Meinung nach hat sich die Politik längst entschieden zu versuchen, R langfristig < 1 zu halten. Wenn man unter 0,2 oder gar zur Einzelverfolgung kommen wollte, müsste man viel mehr testen. Dann bekommt man aber auch echte Zahlen zur Sterblichkeit!

    2) RKI – Berichte

    Das RKI ist nicht in erster Linie eine Forschungseinrichtung, sondern eine Bundesoberbehörde. Der Leiter ist Beamter und als solcher weisungsgebunden an das BMG (Jens Spahn). Rechtsgrundlage ist § 2 des BGA-Nachfolgegesetzes vom 24. Juni 1994. Zu seinen Aufgaben gehört auch die „Gesundheitsberichterstattung“. Diese wird also im Zweifelsfall durch die Politik vorgegeben.

    Das betrifft sowohl die Masken, als auch z. B. die Frage, ob an Corona-Toten Obduktionen durchgeführt werden sollen. Das RKI war lange dagegen. Lt. SPIEGEL ONLINE vom 1. Mai 2020 hatten sich „16 Bundesländer mit dem RKI darauf geeinigt“ (sic!). (https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-in-deutschland-das-ueberforderte-robert-koch-institut-a-00000000-0002-0001-0000-000170716180).

    Dazu empfehle ich dann noch den Artikel im „Freitag“ (https://www.freitag.de/autoren/wolfgang-michal/volksgemeinschaftsmoral-bitte), der folgendes ausführt: „Der „Nationale Pandemieplan“, 2005 verabschiedet, legt deshalb Wert auf eine perfekte „Krisenkommunikationsstrategie“. Sie lautet, kurz zusammengefasst: sich niemals widersprechen. Keine Unsicherheiten aufkommen lassen, keine Vielstimmigkeit erlauben, stets das Gleiche in möglichst kurzen Abständen von den immer gleichen Köpfen verkünden lassen. Die eigene Handlungskompetenz soll herausgestellt werden und „die Kommunikationshoheit in der öffentlichen Meinung“ ist durch widerspruchsfreie, nicht allzu komplizierte Botschaften „zu gewinnen“.

    Mit einer allein an wissenschaftlichen Kriterien orientierten Berichterstattung ist es also nicht unbedingt weit her beim RKI, oder anders herum: Es gibt plausible Erklärungen dafür, dass das RKI keine durchgehend konsistenten Beurteilungen abgibt, sondern seine Ansichten wechselt, wenn die Politik es verlangt.

    In dem Zusammenhang ist es dann schon wichtig zu wissen, dass unsere Entscheidungsträger es schlicht versäumt haben, ausreichend Masken zu bevorraten und dafür eine Erklärung brauchten.
    Mir kann auch keiner erzählen, dass nicht wenigstens unser „Ministerpräsident Süd“ und unser „Ministerpräsident West“ versuchen, diese Kommunikationsmöglichkeit für ihre Zwecke zu nutzen.

    3) Maskenpflicht und Immunitätsausweis

    Art. 3 GG gebietet auch, Ungleiches nicht ohne sachlichen Grund gleich zu behandeln.
    Ich habe erheblichen Zweifel, ob es grundrechtlich zulässig ist, eine doch massive Grundrechtseinschränkung (Maskenpflicht), die übrigens von vielen Menschen interessanterweise als viel einschränkender empfunden wird als die Beschränkung ihrer Freizügigkeit, etwas diffus mit einem „ notwendigen Kulturwandel“ zu begründen: Erziehung war noch nie die Stärke einer freiheitlichen Rechtsordnung.

    Für Immune kann der Staat keine Maskenpflicht festlegen.
    Aber natürlich könnten das Geschäfte und Behörden kraft Ihres Hausrechtes tun und der ÖPNV wohl auch.
    Außerdem wäre es möglicherweise als milderes Mittel, Immunitätsausweisinhaber zu verpflichten, den Ausweis im öffentlichen Raum bei sich (um den Hals?) zu tragen.
    Fälschung ist möglich, aber eher unwahrscheinlich. Es besteht ja auch ein hohes Interesse daran einen Führerschein zu haben, trotzdem fälschen ihn nur wenige!

    HG und bleibt gesund!

    Christian Rosenbaum

  118. Hallo ihr beiden,

    Danke für eure immer informative Sicht der Dinge. In der aktuellen Lage habt ihr die mangelhafte Digitalkompetenz der Schulen angeprangert und dabei an auf ein positives Beispiel von einer Uni am Bodensee verwiesen. Dieser Vergleich hinkt aus meiner Sicht, da es sich bei der Uni um eine Privatuniversität handelt in der jeder Student ein beachtliches Sümmchen zahlt, um hier studieren zu können. Die Studenten kommen mehrheitlich aus wohlhabenden Familien und sind digital bestens ausgestattet. Ich kenne jedenfalls nur eine Uni in Friedrichshafen und die ist nicht wirklich mit einer normalen staatlichen Schule zu vergleichen.
    Ich habe selber zwei Kinder und selbst wenn unsere Schule für jedes Kind digitale Lehrangebote bereitstellen würde, hätten wir nicht genug Laptops/Tablets (für Studenten kein Problem) und noch viel schlimmer: unser Internet ist meeegaaa lahm und vier online-Meetings (zwei für Home-Office der Eltern + zwei für Schule der Kinder) würden niemals gleichzeitig funktionieren.

    Viele Grüße

  119. Servus Ulf und Phillip

    was ich nochmal cool fände wenn ihr mal über das Verhältnis zwischen Politik und Experten reden könntet, ich habe das Gefühl das in diesen Zeiten das nochmal sehr wichtig ist , ich weiß das ihr das Thema schon einmal im Falle Österreichs erwähnt habt.
    Und auf den Unterschied eingeht zwischen wissenschaftlichen Aussagen wie ” Wenn wir verhindern wollen das das Krankensystem überlastet wird müssen wir ………… z.B. die Schulen schliessen etc. ”
    ( Diese Aussagen kann man ja in der Wissenschaft treffen )
    Und allgemeinen Formulierungen wie : “Wir müssen jetzt die Schulen schliessen ” welche einfach eine politische Meinung ist und im demokratischen Prozess theoretisch genauso wichtig ist wie jede andere auch.
    Viele Grüße Simon

  120. Hallo Ulf, hallo Philip,

    Ihr habt in eurer aktuellen Folge dazu aufgerufen, euch aktuelle Zahlen zu nennen, ob sich die Kosten der freistehenden Krankenhausbetten refinanzieren, bzw. Ob das Programm vom Spahn diese Refinanzierung sicherstellt.

    Wir haben dazu bereits eine Folge (7. April) mit Dr. Gerald Gaß (Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft) aufgenommen, wo er genau dieses erklärt.

    Hier der Link direkt zur Stelle in der Folge: https://uebergabe.de/podcast/ug038/?t=08%3A10

    Meines Wissens hat sich seit dem Interview mit Gerald Gaß dazu nichts verändert.
    Hier hat die DKG diesbezüglich eine weitere Pressemitteilung veröffentlicht (15. April): https://www.dkgev.de/dkg/presse/details/schrittweise-und-verantwortungsvolle-wiederaufnahme-der-regelversorgung-in-den-kliniken-noetig/

    Ich hoffe, die Infos helfen euch etwas.
    Zur Lage auf Intensivstationen empfehlen wir übrigens unsere 42. Folge, die derzeit von vielen Intensivpflegenden gelobt wird: https://uebergabe.de/podcast/ug042/

    Viele Grüße!

    Christian von Übergabe – Der Podcast

  121. Es gibt eine andere Erklärung für den Masken-Kurs. Drosten hat vor ein paar Tagen in seinem Podcast dazu gesagt, dass zwar die Wirkung der Masken wissenschaftlich nicht geklärt sei, aber diese eine “ständige Erinnerung an den Ernst der Lage” seien und daher sinnvoll.

    Es geht also hauptäschlich um Psychologie.
    Da mag jeder damit anfangen was er will.

  122. Hi, vielen Dank für die spannende Folge! Ich würde gerne einen Kommentar zum Thema Apple abgeben, auch weil viele andere Medien (zB SZ mit der schönen Überschrift „Apple hat eine zentrale Lösung blockiert“) gerade in diesem Modus sind.

    1. Apple hat nichts „blockiert“. Das Betriebssystem lief schon immer so; die Blockaden wurden halt nicht aktiv aufgehoben, aber wenn es kein Gespräch zwischen den entsprechenden Akteuren und Apple gab, dann weiß ich auch nicht, wie das hätte passieren sollen. Apple baut als private Firma an einem konkreten Lösungsansatz, und den können die Behörden nutzen oder nicht.

    2. Bei euch im Podcast fiel die Aussage „ist es aus einer demokratischen Perspektive ok, dass ein Unternehmen eine solche Entscheidung gestaltet.“ Ihr habt es danach kurz als „Schattenseite“ des Duopols von Apple und Google bezeichnet. Damit überspringt ihr total den Teil der Diskussion, dass wir als Gesellschaft seit mehreren Jahren von der Infrastruktur die Apple & Google bereitstellen und entwickelt haben, profitieren und es anscheinend einen Need für diese Plattformen gibt, der vom Staat nicht erfüllt wird. Es gibt nun mal keine öffentlich-rechtliche App-Plattform. Wenn wir jetzt diese Infrastruktur für einen bestimmten Zweck nutzen wollen, dann sind wir halt von denen abhängig. Lasst uns doch darüber sprechen, wie wir eine solche öffentlich-rechtliche Infrastruktur (analog zu Radio und Fernsehen) schaffen können, damit es dann halt demokratisch entschieden werden kann. Aber das in diesem schwierigen Moment so negativ darzustellen, da fehlt glaube ich ein ganz schönes Stück des Bildes, zB dass ohne diese privat entwickelten Plattformen es gar kein digitales Contact-Tracing gäbe.

    Das betrifft übrigens auch das Thema DiGAV — da gibt es die große Diskussion, dass Apple und Google nicht vom Vertrieb von „Apps auf Rezept“ profitieren sollen, zB indem Payments explizit nicht über die Apps laufen. Es wird auch suggeriert, solche Apps komplett außerhalb der App Stores zu distribuieren – was natürlich weitgehende Security-Implikationen für die Nutzer haben kann, auf iOS ggf. gar nicht geht. Auch da würde ich mir konstruktive Lösungsansätze wünschen, statt freudig DVG als „innovativstes Gesetz in Europa“ zu feiern, ohne zu sehen, dass das eben auf einer Grundlage steht, die (größtenteils) von A & G gestellt wird.

  123. Hallo,
    zunächst mal Danke für euren tollen Podcast und eure sachliche Betrachtung der Lage, auch wenn ich oft von Eurer Meinung abweiche.
    So auch in folgendem Fall:
    Die Idee, dass das RKI eigentlich „wusste“, dass Masken eine hohe Wirksamkeit gegen die Ansteckung haben und dieses Wissen zurückgehalten haben, weil sie vermeiden wollten, dass dadurch die Versorgung des medizinischen Personals gefährdet wäre, grenzt meiner Meinung nach an eine Verschwörungstheorie.
    Meine Theorie dazu mag vielleicht der ein oder andere auch für eine VT halten, aber ich bin offen für Diskussionen:
    Ich glaube, dass „die Wissenschaftler“, und unter anderem auch Herr Drosten, den ich wegen seiner sachlichen, wenig besserwisserischen Art sehr schätze, nach wie vor die Wirkung von Masken eher als gering einschätzen.
    C. Drosten hat von Anfang an erklärt, dass es die Studienlage eigentlich nicht hergibt, dass Masken eine Wirkung gegen die Ausbreitung haben.
    Auch später hat er immer wieder erwähnt (vielleicht ist das auch nur mein Eindruck, den ich zwischen den Zeilen gelesen habe), dass er den Masken eher eine psychologische Wirkung zuspricht.
    Es mag sein, dass die „hochdichten“ Masken gegen das Virus schützen, aber die jetzt vorgeschriebenen Maßnahmen (Schals, selbstgemachte Masken usw.) bieten meiner Meinung nach nur ganz wenig bis keinen echten Schutz dagegen, dass sich das Virus ausbreitet.
    Zumal viele, und ich schließe mich hier ein, gar nicht sachgerecht mit den Masken umgehen.
    Maske in die Jackentasche, am Supermarkt aufgesetzt, während man einkauft daran rumgezupft, danach zusammengeknüllt, wieder in die Tasche, nächster Supermarkt das gleiche Spiel. Nach ein zwei Tagen mal waschen. Davon abgesehen, dass manche die Masken ziemlich locker tragen oder gar die Nase gar nicht richtig verdeckt ist.
    Letztendlich ist die Maskenpflicht meiner Meinung nach eine rein psychologische Maßnahme.
    Viele haben dadurch einerseits ein sichereres Gefühl, wenn da eine Barriere ist. Außerdem tut es gut, wenn die Politik eine Maßnahme verordnet, weil sie eben handelt.
    Und zu guter Letzt helfen die Masken das Bewusstsein fördert, dass da immer noch was ist, das zwischen uns übertragen werden kann. Damit hilft es vielleicht auch den von euch angesprochenen Kulturwandel zu beschleunigen.
    Mein Eindruck ist der, dass viele Menschen einfach Angst haben, dass sie durch „nahe“ Begegnungen im Supermarkt oder bei anderen Gelegenheiten, bei denen man sich schwer aus dem Weg gehen kann, anstecken.
    Das ist ja nicht so. Durch reines Ausatmen wird ja nur sehr wenig Virus ausgeschieden.
    Erst wenn man niest, hustet, oder eben miteinander redet, steigt die Konzentration. Das macht man im Supermarkt eher selten.
    Aber, wie gesagt, das ist meine Theorie. Wäre interessant, ob ich damit alleine stehe.

  124. 1. Mai 2020 um 19:17 Uhr
    Martin Schröder

    Zu Doro Bär: Fragt doch mal den nagelneuen Bundes-CIO Markus Richter: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2020/04/staatssekretaer-richter.html

  125. Ich hätte noch mehr Vorschläge für Themen in der Lage, die alle auch mit Corona
    zusammenhängen:
    – USA: kurz vor dem Bürgerkrieg?
    – Brasilien: kurz vor dem Militärputsch?
    – Ungarn: die erste Diktatur in der EU?
    – EU: wie geht es weiter nach Corona? Grenzschließungen, EU-Haushalt, deutsche Ratspräsidentschaft, Brexit,…

    Die Coronakrise wurde und wird von der Lage hervorragend abgedeckt und kommentiert.
    Das war natürlich extrem viel deutsche Innenpolitik und das war ja auch nötig.
    Aber vielleicht gibt es doch noch ein paar Folgen von Corona auf europäischer und globaler Ebene, die uns auch interessieren müssen.

  126. Hallo Lage,
    anläßlich Corona erhoffe ich mir eine Debatte darüber, was Schule eigentlich ist und was sie alles leisten kann und was nicht.
    Klar sollte man Lernprozesse auch besser digitalisieren und vernetzen. Aber das darf man auch nicht überschätzen.

    Schule ist kein Homeoffice und auch keine Fern-Uni. Das gilt umso mehr, je jünger die Schüler*innen sind. Schule lebt auch von persönlichem Kontakt und persönlicher Beziehung zwischen Lehre*in und Schüler*in. Ohne Bindung keine Bildung. Wie soll ein Fernunterricht für eine Erstklässler*in aussehen?

    Schule lebt auch vom Leben in sozialen Gruppen, von konkretem Tun bei Musik, Kunst, Handwek oder Sport. Da können wir doch nicht sagen: wir ersetzen das alles mit Apps oder irgendwelchen Portalen.
    Das ist umso wichtiger, je niedriger die Klassenstufe ist. Je älter die Schüler*innen sind, umso besser können die online unterrichtet werden.
    Aber für die jüngeren finde ich eine baldige Schulöffnung sehr wichtig. Auch wenn ich mir des Risikos bewusst bin.

    Vielleicht ein Vorschlag für einen Interviewgast zum Thema digitalisierte Bildung.
    Saskia Niechzial.
    Saskia ist Grundschullehrerin in Niedersachsen, IT-Beauftrage ihrer Schule und Mutter zweier Kinder. Damit ist sie natürlich auch in den Corona-Strudel in jeder Hinsicht hineingezogen worden. Sie ist unter @liniertkariert auf Twitter und unter liniert.kariert auf Instagram zu finden und hat ihr eigenes Blog unter https://liniert-kariert.de/.

  127. Ich finde Phillips Argument bei 46:40 nicht sehr valide vorgebracht. Phillip vergleicht die derzeitige Situation, dass Personen die sehr wahrscheinlich nur sehr milde erkranken sich trotzdem an die Abstandsregeln halten mit immunen Personen, die sich aus dem gleichen Grund an Abstandsregeln halten sollten.

    Allerdings ist ja gerade der Trick bei Immunen, dass sie nicht nur nicht krank werden, sondern eben das Virus auch nicht mehr übertragen können, dass ist ja der Grund warum wir grad alle Masken tragen (sollten). Ich will damit nur betonen, solange ich nicht immun bin bringt das Masketragen ganz konkret was, auch wenn ich wahrscheinlich selbst nicht schwer erkranke. Wenn ich aber immun bin, ist es wohl tatsächlich wirklich nur die Fassade fürs kulturelle Herdenverhalten (was an sich schon ein überlegbares Argument ist, aber halt was anderes als wenn ich auch noch Überträger:in sein könnte)

  128. 1. Mai 2020 um 17:55 Uhr
    Jérôme Jordan

    Hallo zusammen,

    zur Diskussion, ob es rechtlich Argumentationsspielraum dafür gäbe die genesenen Coronapatienten von Coronabeschränkungen zu befreien und damit zu „privilegieren“, fiel mir noch Folgendes ein.
    Diese Personen sind doch weiterhin in der Lage das Virus zu übertragen oder nicht? Ich bin kein Mediziner und kann nicht einschätzen wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Virus durch eine Person, welche COVID-19 Antikörper im Blut hat, ist. Allerdings scheint eine Weitergabe des Virus technisch gesehen sicher möglich, zumindest eine Übertragung durch Schmierinfektionen bspw., welche allerdings ja nicht wahrscheinlich sind, was mir bewusst ist. Trotzdem würde es mich interessieren, ob die potentiellen COVID-19-Immunitäts-Passträger nicht auch eine Gefahr darstellen, insofern als, dass sie das Virus transportieren und verbreiten (womöglich verstärkt durch Zunahme ihrer zwischenmenschlichen Aktivitäten Dank einer unberechtigten Sorglosigkeit). Falls ja könnte man dann jedenfalls argumentieren, dass dies die medizinische Grundlage / Notwendigkeit dafür bildet, diesen Personen die gleichen oder zumindest auch Freiheitsbeschränkungen weiterhin auf zu erlegen, um das gesundheitliche Wohl der Gemeinschaft sicherzustellen.
    Vielleicht hat ja jemand auch das medizinische Know-How, um darauf einzugehen, ich würde mich freuen.

    Liebe Grüße und bleibt gesund!

    • Nein, sind sie grundsätzlich nicht, allenfalls durch die sog. Kontaktinfektion, wenn sie zB an eine Türklinge gefasst haben, die ein anderer Mensch mit Coronaviren kontaminiert hat.

  129. Hallo Ihr beiden!
    Nach dem ich euch seit Folge eins sehr gern und regelmäßig höher wollte ich hier auch mal ein paar Gedanken loswerden.
    Ich finde es schade, das ihr die Antikörpertest so undifferenziert darstellt. Ich habe euch so verstanden, dass diese Tests grundsätzlich auf eine eine Vielzahl anderer Vorerkrankungen positiv reagieren. Dies ist aber nicht so. Es kann sein, das einige der angebotenen Antikörper-Tests falschpositive Ergebnisse liefern. Laut Aussage von Hr. Drosten, der selbst mit solchen Test arbeitet und an der Entwicklung beteiligt ist, ist bei guten Tests mit bis zu 3% falschpostiven Ergebnissen zu rechnen. Damit haben sie schon eine gute Aussagekraft. Sie sind die einzige Möglichkeit auch bei unentdeckt erkrankten Menschen im Nachhinein eine Immunität und somit die “Durchseuchung” der Gesamtpopulation messen zu können. Die PCR funktioniert nur bei akut erkrankten Menschen und damit für einen stark begrenzten Zeitraum. Aus diesem Grund hat die Forschergruppe um Hr. Streeck in der “Heinsberg-Studie” auch auf einen Antikörper-Test gesetzt.
    Was mir an euren Ausführungen immer wieder sehr gut gefällt, ist dass ihr in der Lage seit neue Argumente zu akzeptieren und Fehler aus vorangegeben Sendungen zu revidieren. Zuletzt fiel mir das beim Thema Racing-Apps auf. Vor 2 Wochen noch wurden diese von euch als unverzichtbar und alternativlos dargestellt. In der aktuellen Ausgabe hat Philip das deutlich eingeschränkt und als einen möglichen Baustein der Lösung beschrieben. Damit stimme ich völlig überein.

    Bei der Diskussion um den dezentralen Ansatz der Tracing-Apps hat Ulf sich über den Einfluss von Apple beschwert. Dabei ist dies keine Apple-Entscheidung gewesen. Google und Apple haben sich gemeinsam auf einen datenschutzfreundlichen Ansatz geeinigt. Wenn Programmier diesen nicht nutzen wollen müssen sie das ja nicht tun. Schade ist hier nur, dass wir beim Datenschutz auf die Hilfe von Apple und Google angewiesen sind um uns vor Regierungen zu schützen.
    Wie die Entwicklung einer solchen App ablaufen kann zeigt Österreich gerade. Hier entsteht auf vorbildliche Weise eine Lösung unter der Beteiligung der Zivilgesellschaft. (https://logbuch-netzpolitik.de/lnp343-5g-maskenpflicht)

    Vielen Danke für euere stete Mühe und euern Beitrag zur politischen Bildung! Bitte macht weiter so!
    Liebe Grüße
    Karsten

  130. Moin ihr beiden,

    es wird ja viel über die Exit-Strategie geredet und das Einzige, was sicher zu scheint, ist dass eigentlich niemand genau sagen kann ob und wie es klappen kann.

    In diesem Zusammenhang höre ich jetzt immer mehr, dass man die Krise doch als Chance nutzen sollte. Also nach dem Motto: Die Wirtschaft liegt sowieso brach, warum nicht in einer langfristig nachhaltigen Form wieder aufbauen?
    Als Beispiel werden da unter anderem Subventionen für fossile Brennstoffe genannt, die jetzt zu erneuerbaren Energien umgelegt werden könnten. Der Ölpreis ist so niedrig wie lange nicht und für Verbraucher würden das Wegfallen von Subventionen wie der Pendlerpauschale evtl. besser verkraften könnten (so die Argumentation).

    Es ist klar, dass der Ölpreis immer extremen Schwankungen unterliegt und dass man sich auf diesen Niedrigpreis sich nicht verlassen sollte . Generell finde ich die Idee der “Krise als Chance” aber interessant. Leider kann ich selber nur mit gefährlichem Halbwissen glänzen. Deswegen wollte ich einmal wissen, was ihr davon haltet. Ist es noch zu früh für solche Diskussionen? Sind solche Ideen utopisch? Wo und wie könnte man jetzt etwas drehen, weil sich eh grade alles im Umbruch befindet?

    Ansonsten wünsche ich euch ein schönes verlängertes Wochenende. Ich sehe hier, dass Ulf selbst heute fleißig die Kommentare bearbeitet. Macht auch mal eine Pause!

    Mit besten Grüßen,
    Timo

  131. Das war wieder eine phantastisch gut aufbereitete Folge. Super recherchiert und objektiv dargestellt.
    Wenn es um Hintergrundinformation und gut recherchierte Beiträge geht, seid Ihr mein absoluter Favorit!

    Ich fand 2 Punkte absolut richtig:

    1.) Es entsteht tatsächlich der Eindruck, dass die Politik vielleicht die Strategie verfolgt die Reproduktionszahl 1,0 zu halten – aber tatsächlich wird darüber nicht wirklich klar und transparent diskutiert. Mir fehlt auch die Antwort auf die große Frage: “Wo soll das alles hin führen und wie lange?”

    2.) Eure Darstellung der Unfähigkeit des Schulsystems (in ganz ganz großen Teilen zumindest) einen guten Remote-Unterricht anzubieten.

    Ich habe sogar im Bekanntenkreis eine e-Mail eines Lehrers gesehen, der letzte Woche erst schrieb (nach sage und schreibe 6 Wochen Schulfrei) – er habe inzwischen alle Netflix-Filme durch, Amazon Prime Video werde auch langweilig und jetzt wollte er mal bei seinen Schülern nachfragen was denn so anliege……hallo what?

    Mich ärgert diese Hilflosigkeit der Schulen und Schulbehörden auch besonders wenn ich vergleiche, dass ich als leitender Angestellter in einem Logistikunternehmen gleich von Anfang an sehr stark gefordert war, dass wir Maßnahmen finden und umsetzen mussten um einerseits den Betrieb aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die 900 Mitarbeiter unseres Standorts gegenseitig zu schützen – und die Schulen machen zum ganz großen Teil gar nichts und sind jetzt ganz groß überrascht wenn der Schulbetrieb wieder los gehen soll.

    Das zeigt umso mehr die Unfähigkeit unseres Schulsystems im Großen wie im Kleinen.

    1 Punkt konnte ich nicht richtig beurteilen bzw. verstehen – Apple und die Apps:

    Ihr habt Euch etwas aufgeregt über die scheinbare Tatsache, dass quasi Apple vorgibt, welche Tracking-Lösung umgesetzt wird.
    Ich bin jetzt kein Tec-Nerd, aber ich meinte immer dass Apple ein sehr ausgeklügeltes oder auch restriktives System hat, was eine App und ein App-Programmierer mit seiner Software auf einem iPhone/iPad alles “anrichten” kann. Das dient nach meinem Verständnis der Betriebssystemsicherheit und auch in Teilen vielleicht der Datensicherheit. Nicht umsonst sind bislang auch praktisch keine Viren oder Malware auf iOS Geräten bekannt.

    Mein Verständnis war (auch aufgrund einer Eurer letzten Folgen), dass im Rahmen dieser strengen Sicherheitspolitik die dezentrale Lösung für Apple umsetzbar ist, die zentrale Server-Lösung aber doch wohl grundlegende Veränderungen oder Erweiterungen der Zugriffsrechte der Software auf Kernsysteme von iOS bedurft hätte. Und dieses Grundprinzip wollte Apple nicht aufgeben – aber vielleicht liege ich da auch falsch.

    Unabhängig davon ob ich hier richtig liege in ich mir nicht sicher ob bei der Beurteilung der Haltung von Apple von Euch hier der richtige Maßstab angesetzt wird. Denn einerseits bietet der Weg von Apple ja trotzdem eine akzeptable Lösung und andererseits weiß ich auch nicht ob ich es gut fände, dass ein Staat einem Unternehmen Vorschriften machen können soll wem (welchen Programmierern) es welche Zugriffsrechte auf welche Betriebssystem-Ebenen gibt.

    Ich seh das einfach differenziert. Denn zunächst sind das mal Apple’s Hardware und Apple’s Software und da sollten die schon das Recht haben darüber zu entscheiden was sie umsetzen wollen oder nicht.

    Zumal – bitte nehmt mir das nicht übel – ich glaube dass wir hier die Bedeutung der Bundesrepublik wohl etwas überbewerten.

    • > die zentrale Server-Lösung aber doch wohl grundlegende Veränderungen oder Erweiterungen der Zugriffsrechte der Software auf Kernsysteme von iOS bedurft hätte
      Nein, (de)zentral unterscheiden sich haupts. darin welche Daten lokal gespeichert oder an den Server geschickt werden. Anpassungen an iOS sind nötig damit das Tracing mit BLE effizient im Hintergrund laufen kann. Unter Android allein könnte man das ganze ja jetzt schon umsetzen: https://source.android.com/devices/bluetooth/ble_advertising. BLE Advertising kann man auch einfach mit nRF Connect ausprobieren (keine großen Auswirkungen auf Akkulaufzeit).

  132. Hallo Ulf und Philip,
    Bei eurer Sicht auf die Android und Apple Contact Tracing API seid ihr glaube ich etwas zu Deutschland- oder Euro-zentristisch. Die „Bürger“ von Smartphone-Land sind die Weltbevölkerung, nicht nur die Deutschen. Google und Apple müssen Deutsche, U.S.-Bürger, Venezolaner und auch Iraner im Blick haben. Für alle diese Menschen ist auch die Bundesregierung nicht demokratisch legitimiert.
    Hätte eine Entscheidung für einen möglichen zentralen Ansatz Google/Apple nicht in die Position gebracht, entscheiden zu müssen, welche Länder und Ihre Einwohner entweder von dem Contact Tracing nicht profitieren können oder aber diese Menschen verstärkter Überwachung ausgesetzt? Das würde ich viel problematischer finden und kann die Entscheidung aus Sicht von Google und Apple absolut nachvollziehen.
    (Falls doppelt bitte ignorieren, hatte keine Bestätigung für das Absenden des Kommentars erhalten.)

  133. Zu “Hammer & Dance” (Kapitel 4-6)

    kann ich folgendes, tolles Video empfehlen: https://youtu.be/3jvogQtoB0g

    Hier hat ein theoretischer Chemiker den Verlauf beider Strategien (also Lockerung sobald R=1 und danach diesen Wert halten; oder für eine Weile R R=0,4. Weil R immer die Rate der Veränderung angibt, müsste man m.M. nach bei allen R ≠ 1 auch immer eine Zeiteinheit mit angeben um damit ein sinnvolle Zielvorgabe zu treffen. Oder habe ich hier einen Denkfehler drin?

    So oder so natürlich Nitpicking, aber es gibt ja auch die immer wieder geäußerte Beschwerde von Politikern, dass die Wissenschaft laufend ihre Meinung ändere – das mag aber auch damit zu tun haben, dass es am Verständnis für die benutzten Kennzahlen mangelt.

  134. 1. Mai 2020 um 15:57 Uhr
    Maike Thordsen

    Moin Moin Ihr Beiden, die Lage war wieder Klasse!
    Ich schätze Euren wöchentlichen Kommentar sehr, Ihr seid nicht nur sehr gut informiert und erklärt Zusammenhänge verständlich, die Lage ist auch sprachlich ansprechend: es ist deutlich hörbar ein Gespräch, Ihr kommt aber ohne äähs, ööhs und unvollständige Halbsätze aus, die man in anderen Podcasts öfter hören muss, Chapeau!

    Zur digitalen Situation in Schulen folgender Kommentar:
    Ein digitaler “Hausmeister” ist ein guter Begriff – allerdings kommt zum Hausmeister-Saläre definiv niemand, der entsprechend kompetent ist!
    Bei aller Ausstattungsproblematik in den Schulen selbst – die wenigen vorhandenen Rechner sind oft alt, SchulWLan scheitert an rechtlichen Vorgaben alt, Smartboards werden zwar oft hoch gelobt, bieten aber kein sehr breites Einsatzspektrum – ist das Problem des online-Unterrichtes im Moment, dass SchülerInnen nicht dafür ausgestattet sind.
    Ich unterrichte in Hamburg an einem Gymnasium in “schwierigem Umfeld”, rund 1/4 der SchülerInnen haben keinen eigenen Rechner, sondern teilen ihn mit Geschwistern oder der gesamten Familie, 1-2 SchülerInnen pro Klasse (10 und 11) haben lediglich ihr Telefon oft mit prepaid Karten. Diese SchülerInnen haben sich vor Corona mit der Ausstattung in den Hamburger Bücherhallen beholfen, aber die sind ja zu.
    Schon für den normalen Präsenzunterricht ist ein eigener Rechner für SchülerInnen für Recherchen und Präsentationen ein großer Vorteil. In Zeiten von online-Unterricht macht es das SchülerInnen-Leben aber extrem schwer, sich einen Rechner mit nur einem Geschwister zu teilen – aber das sind bei uns an der Schule schon die Privilegierten.
    Ein Zuschuss von 150,-. Euro für ein eigenes Gerät ist zwar nicht wenig Geld, für Familien mit Einkommen in Hartz IV-Größenordnung aber nicht genug.
    Mittelfristig wird digitale Schule ganz sicher eine wichtige Ergänzung zum Präsenzunterricht, SchülerInnen lernen dabei Dinge, die sie im herkömmlichen Unterricht nicht lernen. Damit die Herkunft dabei aber nicht ein noch viel entscheidender Faktor wird, als ohnehin schon, brauchen SchülerInnen zuverlässig eine Ausstattung mit einem Endgerät, das größer ist als ein Telefon und auf dem aktuelle Software (Textverarbeitung, Präsentationssoftware, Tabellenkalkulation, Programmierumgebung) läuft. Wird die Heterogenität der Hard- und Software auf SchülerInnen-Seite zu groß, haben LehrerInnen keine Chance, SchülerInnen sinnvoll zu unterstützen.

    Macht weiter, haltet die Ohren steif und bleibt gesund!
    Maike

  135. Hier ein Tipp für eine gute Übersicht über Corona-bezogene Regelungen: https://www.cilip.de/institut/corona-tagebuch/

  136. Liebes Lage-Team,

    ich empfand die Kommunikation des RKI im Hinblick auf das Tragen von Schutzmasken auch als etwas irreführend.

    Darüber hinaus kann ich aber auch aktuell nicht verstehen, warum die Öffentlichkeit nicht viel breiter und intensiver über den Umgang mit den verschiedenen Arten von Schutzmasken informiert wird, damit sie auch wirklich Infektionen vorbeugen und nicht zu den befürchteten “Virenschleudern” werden.

    Ich habe beim Einkaufen zuhauf gesehen, dass die Masken unter der Nase getragen, oder beim Sprechen heruntergezogen wurden. Außerdem habe ich leider schon des Öfteren ambulante Pflegekräfte im Auto bemerkt, die die Maske während der Autofahrt unters Kinn gezogen hatten.
    Insbesondere Stoffmasken werden nach Gebrauch irgendwie in die Handtasche gesteckt und im nächsten Geschäft wieder herausgeholt.

    Ich möchte wirklich keine böse Absicht unterstellen und es ist klar, dass immer Fehler passieren können. Die wenigsten von uns sind mit der Verwendung solcher Masken vertraut (woher auch?) und der richtige Gebrauch ist zeitaufwendig und manchmal logistisch nicht ganz einfach.

    Gerade deshalb kann ich nicht verstehen, warum nicht spätestens kurz vor der Einführung der “Maskenpflicht” in den Bundesländern eine flächendeckende Information über einen hygienischen Umgang mit den Schutzmasken zumindest über die diversen Kanäle des öffentlichen Rundfunks stattfand (z.B. durch kurze Instruktionsvideos/Anleitungen jeweils im Anschluss an die Nachrichten). Auch wenn man sich bzgl. des hygienischen Umgangs mit den Masken noch nicht in allen Einzelheiten einig ist, könnte man so zumindest den größten “Schnitzern” vorbeugen.

    Natürlich kann man sich selbst informieren, aber nach dem, was ich in den letzten Tagen beobachtet habe, ist es in diesem Fall leider nicht ausreichend, auf die Eigeninitiative der Bürger zu setzen. Es wäre doch relativ leicht, dort mehr Klarheit und Sicherheit für die Bevölkerung zu schaffen. Könnt ihr euch erklären, warum man diese Möglichkeiten nicht einfach nutzt?

    Viele Grüße und lieben Dank für euer wöchentliches Engagement!

  137. 1. Mai 2020 um 15:16 Uhr
    Wolfgang Seßler

    Hallo,

    In der Lage vom 30.04 wurde über die verschiedenen Nasken gesprochen. Mit und ohne Ventil.
    Bedeutet dies, dass Masken mit Ventilen, die einen ja hauptsächlich nur selber schützen (also auch teilweise egoistisch sind) “verboten” sind/sein sollten, da diese ja nicht das erfüllen, für was die Maskenverordnung gedacht war?

    • Gute Frage – ich denke das hängt vom genauen Wortlaut der jeweiligen länderspezifischen Corona-Verordnung ab. Wenn da nur Maske oder “Mund-Nase-Schutz” steht werden Masken mit Ventil wohl reichen, wenn hingegen der Schutzzweck näher erläutert wird, werden sie nicht reichen.

      Mir sagt übrigens neulich jemand, dass die Ventile dazu führen, das medizinisches Personal häufig ZWEI Masken übereinander trägt – unten eine normale Maske zum Schutz der anderen, darüber die FFP-Maske mit Ventil zum Selbstschutz.

      • Getragen wird unten die FFP3-Maske zum Selbstschutz und darüber der MNS zum Fremdschutz, da die Atemluft ungefiltert aus dem Ventil strömt.

  138. Immunitätsnachweise

    Unabhängig vom juristischen Standpunkt, finde ich die Debatte darum zum jetzigen Zeitpunkt völlig übertrieben, viel zu früh und gefährlich.

    Beispiel aus der Stadt in der ich lebe:
    Aktuell haben wir hier ca. 200 nachweislich Infizierte. Die Stadt hat ca. 160000 Einwohner. Sollen jetzt Sonderrechte für 200 Leute geschaffen werden? Also 200 Leute können in die Disco? Ich glaube damit ist niemanden geholfen.

    Die Virologen sagen die “Durchseuchung” der Gesamtbevölkerung, mit geschätzter Dunkelziffer, ist aktuell nicht höher als 1-2 %. Wie ihr anfangs bereits sagtet: Eine Herdenimmunität herzustellen dauert Jahre.

    Kommunikation RKI

    Ich habe die “Masken” Diskussion immer nur so verstanden, dass das RKI und die WHO klar stellen wollten, dass eine einfache Maske (kein FFP2/3) den Träger selber nicht schützt. Damit sollten keine falschen Hoffnungen geschürt werden. Das kam zumindest bei mir so an.

  139. Hallo ,
    ein kleines Kommentar zu den Corona-Tests, und warum es statistisch sinnvoll ist, nur Personen mit Symptomen zu testen. Ich habe allerdings keine Ahnung, ob/wie das ganze überhaupt die Strategie des RKIs beeinflusst.

    Bei einer Interpretation eines Testergebnisses ist nicht nur die Sensitivität und Spezifität des Testes relevant, sondern auch die Prävalenz der Krankheit in der Bevölkerung (wie viele Personen infiziert sind). Relevante Statistiken sind die Positive Predictive Value (PPV) und Negative Predictive Value (NPV).

    Wenn man einen Test annimmt, der eine Sensitivität und Spezifität von 90% hat, erhält man für eine Bevölkerung, in der 1% der Personen infiziert sind, für PPV 8.3% und NPV 99.9%
    In diesem ersten Szenario sind 8.3% der positiv-getesteten Personen also tatsächlich erkrankt, oder die Wahrscheinlichkeit, dass eine positiv-getestete Personen nicht infiziert ist, ist 91.2%. Dagegen sind 99.9% der negativ-getesteten Personen tatsächlich gesund, oder die Wahrscheinlichkeit, dass eine negativ-getestete Person infiziert ist, ist 0.01%.

    Wenn man jetzt nicht die Gesamtbevölkerung testet, sondern lediglich eine Personengruppe, bei der die Krankheit prävalenter ist (Personen mit Symptomen!) kann man den PPV erhöhen: Wenn man annimmt, dass die Prävalenz der Krankheit in dieser zweiten Bevölkerung eher 50% beträgt, ergeben sich für PPV und NPV 90%.

    Das zweite Szenario ist also besonders sinnvoll, wenn man einen hohen PPV erzielen will: Vielleicht müssen positiv-getestete Personen 14 Tage in Quarantäne, was bei Szenario 1 sehr viele gesunde Menschen betreffen würde, oder alle positiven müssten erneut getestet werden, um die wirklich Infizierten besser einzugrenzen – d.h. mehr Tests.

    Viele Dank für die schöne Sendung und beste Grüße!

  140. Mal eine grundsätzliche Verständnisfrage:
    Ihr habt kritisiert, dass die SZ, der ein Gesetzesentwurf vorliegt, diesen nicht veröffentlicht. Warum werden Gesetzesentwürfe eigentlich nicht veröffentlicht? Was wäre das Problem dabei, wenn diejenigen, die den Entwurf einbringen, ihn auch gleich veröffentlichen? Wie kommt es dazu, dass eine journalistische Stelle wie die SZ, und nur *eine* solche, den Entwurf irgendwie bekommt, er sonst aber geheim ist? Ist das in anderen Ländern auch so, und warum?

    • Sie werden natürlich veröffentlicht, aber leider aus taktischen Gründen häufig mit Verzögerung. Ebenfalls aus taktischen Gründen bekommen dann manche Medien die Texte vorab (Leak), womit häufig die Erwartung einer halbwegs freundlichen Berichterstattung verbunden ist: Ich gebe dir ein geheimes Dokument, dafür fällt die journalistische Einschätzung nicht zu kritisch aus.

  141. Liebe Lage,
    in der letzten Folge habt Ihr Euer Unverständnis für Corono-Leugner und Verfolgungstheoretiker geäußert. Ich möchte versuchen Euch an dem Thema Schulsoftware aus dieser Folge erläutern, wie Menschen dieser Geisteshaltung verfallen können.
    Während der Coronakrise werden überwiegend pragmatische Entscheidungen für Softwarelösungen mit fragwürdigem Datenschutzkonzept, Kosten-Nutzen-Bilanz und anderen Kriterien (wie z. B. Microsoft-Teams, Zoom, etc) gefällt. Nach der Krise wird dann unter dem Hinweis auf die gute Zusammenarbeit in der Krise und dem gewachsenen Vertrauen zwischen staatlichen Einrichtungen und Firmen die datenschutzrechtlichen, finanziellen und anderen Bedenken bei Seite geschoben. Die Öffentlichtkeit (meint eigentlich veröffentlichten Medien) wird sich teilweise aufregen und Zeter und Mordio schreien, aber am Ende wird die Kombination aus Behördenträgheit, Lobbyismus und fehlender politischer Energie zur Änderung die schlechte Lösung zementieren. Diesen Vorgang kann man sich mit beliebigen Themen der letzten Jahrzehnte durchexerzieren (Beispiele aus meiner grün-sozialen Brille wären OpenSource-Rückbau der Stadtverwaltung München, Cum-Cum/Ex, Energiewende, rechts-konservative Beispiele sind genauso möglich).
    Wenn man jetzt nicht so eine hohe Selbstwirksamkeit wie Ihr beiden (LdN, GFF) hat, dann fühlt man sich leicht ausgeliefert und wird anfällig für einfache Erklärungsmuster oder entwickelt Verschwörungstheorien (meine Ausführung oben liest sich ja auch schon fast wie eine). Ich halte das Erleben von unüberschaubarer Komplexität gepaart mit der gefühlten Selbstunwirksamkeit für den zentralen psychodynamischen Mechanismus.
    Die zentrale Frage auch an die Lage ist, wie kann man den unerwünschten Zustand, den Medien und man selbst detektiert, ändern? Wie wird man an dieser Stelle fühlbar und relativ unmittelbar selbstwirksam (Wählen, Parteimitgliedschaft, Briefe an Abgeordnete reichen nicht). Vorschläge?

    • Danke für den Hinweis auf zB meine Selbstwirksamkeit … das ist ein Punkt, der mir wohl noch nicht genug bewusst ist: Ich bin mit meinen beiden “Hobbys” GFF und Lage einfach unfassbar privilegiert, was das Gefühl angeht, dass ich etwas bewegen kann und mein Leben einen Sinn hat. Das haben in diesem Ausmaß vermutlich nicht viele Menschen. Ich habe erst kürzlich von jemandem gehört, die sich fragt, was denn eigentlich ihr Platz in der Welt sei angesichts von Kurzarbeit nahe null (Medienbranche) und familiären Verwerfungen. Das hat mich doch sehr zum Nachdenken gebracht.

      Ulf, check your privilege.

  142. Hallo ihr beiden!

    Nachdem das in den Medien (und leider auch in eurem aktuellen Podcast) nicht ganz korrekt dargestellt wird, möchte ich auf folgendes hinweisen: Die im neuen Gesetzentwurf vorgesehene Prämie soll nur an Pflegekräfte in der stationären Altenpflege ausgezahlt werden (was begrüßenswert ist), jedoch werden tausende Pflegekräfte in den Kliniken nach aktuellem Stand leer ausgehen. Für die MitarbeiterInnen in der Akutversorgung bleibt es also bisher bei Respektbekundungen ohne Zahlung einer Prämie. Wäre schön, wenn ihr das in der nächsten Folge klarstellen könntet.

    Viele Grüße!

  143. Man ehrlich: wenn bereits infizierte durch einen Immunitätsausweis Privilegien bekommen, dann sind das doch (gefühlt) zu 80% die Leute, die uns jetzt schon auf der Nase herumtanzen, indem sie alle Regeln zum Social Distancing ignorieren. Wer sich also jetzt aktuell an die Regeln hält, um sich nicht zu infizieren, wird hinterher auch noch dafür bestraft. Privilegien sollte man später lieber an eine Impfung knüpfen. Da kann ich mich nämlich frei entscheiden, zu welcher Gruppe ich gehören will.

  144. Lieber Ulf, lieber Philip,

    ich bin Lehrerin an einer Oberschule (Haupt- und Realschule) und gebe euch grundsätzlich recht: Wir brauchen qualifizierte “IT-Hausmeister”. Ich selbst habe nicht viel Ahnung und probiere seit zwei Wochen diverse Möglichkeiten des Online Unterrichten aus, was mangels eines Systems wie Blue Button leider nicht wirklich funktioniert. Dennoch ist meiner Meinung nach das größte Problem, dass die Mehrzahl meiner SuS nicht über angemessene Geräte verfügt, meistens müssen Aufgaben über das Handy erledigt werden, Laptop, PC oder auch einfach ein Office Programm sind hier lange nicht Standard. Ich kann also einige SuS viel besser erreichen als andere und es macht mich traurig und gibt mir ein ungutes Gefühl, dass ich Einige gar nicht erreichen kann. Ich denke daher, dass zuallererst alle SuS mit den entsprechenden Endgeräten (und Einige haben noch nicht einmal Internet zuhause) ausgestattet werden sollten, sonst wird die Bildungsungerechtigkeit noch weiter verstärkt. Danach kann man mit der Installation der entsprechenden Systeme beginnen. Ich habe aber das Gefühl, dass hier momentan immerhin etwas ins Rollen kommt.

    Ich habe zwar kein iTunes, lasse aber gerne auch hier positives Feedback da: seit ich (vor zwei Jahren) die Lage das erst Mal hörte, habe ich keine einzige Folge verpasst. :) Bitte weiter so!

    LG
    Lea

  145. Hallo Ihr Lieben,

    Als treuer Stammhörer weiß ich ja, dass Ihr es durchaus ernst nehmt mit klaren und eindeutigen Formulierungen.
    Und da hätte ich zu dieser Folge eine kleine Anmerkung zu dem Teil, der sich mit dem “Immunitäts-Ausweis” beschäftigt und der Frage, wie man mit nachweislich immunen Menschen umgeht.

    Dabei habt ihr konsistent die Frage gestellt, ob man diesen Menschen “Privilegien” einräumen sollte.
    Ich finde die Wortwahl “Privileg” deshalb problematisch, weil es für mich ein positives Sonderrecht suggeriert, wobei doch eigentlich die aktuellen Grundrechteinschränkungen, so nötig und wertvoll sind, das Sonderrecht sein sollten. Dabei ist ein valider Blickpunkt doch eigentlich der, dass es kaum noch einen Grund gibt, diese Menschen davon abzuhalten ihre Grundrechte wahrzunehmen. (Außer der Herdenpsychologie und das ist echt dünn)

    Also: “Wahrnehmung meiner Grundrechte” = “Privileg” – das geht bei mir nicht zusammen.

    Vorschlag: Die Frage ist, ob diese Menschen von bestimmten Grundrechtseinschränkungen ausgenommen werden müssen.

  146. Für mich ist die Schwere der “verschiebbaren Eingriffe” etwas zu schwach formuliert worden in Eurer aktuellen Folge. Ich glaube dass nicht nur “Hüftoperationen” derzeit verschoben werden sondern auch komplexere Fälle wie z.B. präventive Krebs-Operationen (kenne ich aus Erzählungen), bei denen man normalerweise bereits operieren würde aber in der aktuellen Situation eine Verschiebung erwägt. Die Konsequenzen bedingt durch leer geräumte Intensivstationen würde ich daher nicht unterschätzen.

  147. Vielen Dank, dass ihr noch mal das Thema mit den wöchentlichen Test-KAPAZITÄTEN und durchgeführte Testungen angesprochen habt.

    Auch wenn ich mich vielleicht als Unwissender oute:
    warum wird die Zahl der täglich neue Infizierten nie in ein Verhältnis gesetzt, mit den an diesem Tag Getesteten?

    Für mich persönlich sagen die Zahlen nichts aus, wenn ich kein Verhältnis bilden kann.
    Auch wenn ihr die knapp 800‘ Test pro Woche/ 400’ durchgeführten Tests angesprochen habt, wird das bei den Zahlen in den Zeitungen oder im Fernsehen m.W. nie genannt.

    Was hilft es mir, wenn ich weiß, wie viele Fahrer mit Alkohol am Steuer erwischt worden sind, wenn ich nicht weiß, wie viele getestet worden sind. Und wenn die Zahl der Erwischten dann auch noch mit der Vorjahreszahl verglichen wird.

    Beste Grüße und bleibt gesund!

  148. Hallo zusammen,

    durch die COVID19-Krise in den Hintergrund gerückt droht ein wichtiger Pfeiler der Energiewende zerstört zu werden. Die Bundesnetzagentur versucht gemeinsam mit den großen Energieversorgern die Eigennutzung von durch den Bürger selbst erzeugtem Photovoltaik-Strom unrentabel zu machen. Somit wird es uninteressant für Privatleute sauberen Photovoltaik Strom selbst zu erzeugen und zu nutzen – am Ende gewinnt nur die alte Energiewirtschaft.

     
    Der Klimaschutz sollte bei der ganzen COVID19 Diskussion aber nicht vergessen werden!

     

    Hintergrund:

    Das Erneuerbare-Energien-Gesetzt ist nun 20 Jahre alt, erste Anlagen laufen aus der Förderung aus. Zudem wird bald der 52 Gigawatt-Deckel für PV erreicht, sodass es neue Regulierungen braucht, um mit dem von Privatpersonen erzeugten Photovoltaikstrom umzugehen.

     

    Gerade in diesem Bereich, in dem Eigenheimbesitzer einen maßgeblichen Beitrag zur Energiewende beitragen können, wird dem Photovoltaikanagenbesitzer seit Jahren durch die regulatorischen Vorgaben das Leben schwer gemacht. So muss man dafür ein Gewerbe anmelden und auf seinen eigens produzierten Strom Steuern zahlen (was im übrigen gegen die EU-RED II Richtlinie verstößt). Nun wird das ganze aber ad-absurdum geführt, indem mit den angedachten und demnächst zur Verabschiedung stehenden Neuregelungen der Endanwender den eigenen PV-Strom nicht mehr sinnvoll nutzen kann, ihn stattdessen einspeisen muss und dafür keine sinnvolle Vergütung bekommt. Es wäre zukünftig also wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll, sich eine eigene PV-Anlage aufs Dach zu bauen.

     
    Die Bundesnetzagentur will dies verschleiern, indem die Neuregelungen sehr verklausuliert ausgedrückt werden:

    https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/Sachgebiete/Energie/Unternehmen_Institutionen/ErneuerbareEnergien/ProsumerModell.pdf?__blob=publicationFile&v=1

    Hier findet ihr Auseinandersetzungen mit dem Thema:

    https://www.youtube.com/watch?v=9MbV2oIdHtw

    https://www.youtube.com/watch?v=QlCg3oZ9pOw

     

    Ich hoffe, ihr nehmt das Thema auf, beleuchtet es noch einmal und macht auf dieses skandalöse Vorgehen aufmerksam, sodass es nicht von Corona “geschluckt” wird.

    Beste Grüße,
    Benjamin

  149. Die Debate über die App und den Datenschutz empfinde ich mittlerweile als hysterisch. Man kann mit dem Datenschutz auch übertreiben. Wenn der epidemiologische Ansatz es voraussetzt, dass zentrale Lösung bevorzugt werden muss, dann muss das auch geschehen. Muss man dann halt gucken, dass auf dem zentralen Server alles mit rechten Dingen Läuft. Ist ja nicht so, dass dies unmöglich wäre. Ich halte die Kommunikation zum Thema, und fast ausschließliche Betonung auf Datenschutz, die man von vielen Stellen hört, für absolut desaströs.

    • Die Debatte ist erstmal vorbei, noch einmal wird die Bundesregierung nicht umschwenken, zumindest nicht innerhalb der nächsten zwei Monate.

      > Wenn der epidemiologische Ansatz es voraussetzt, dass zentrale Lösung bevorzugt werden muss, dann muss das auch geschehen.

      Man bedenke: Wenn die App sich nicht durchsetzt, bekommen Epidemiologen überhaupt keine / verfälschte Daten. Es ist wesentlich sinnvoller, jetzt mit dem dezentralen Ansatz erstmal eine weiter Verbreitung zu schaffen und die App dann über die reine Kontaktnachverfolgung hinausgehend nachzurüsten. Außerdem haben Epidemiologen keine Expertise darin, die technisch Grenzen von zentralen oder dezentralen Apps abzuschätzen. Sie sind zwar durchaus die wichtigsten Player in dem ganzen Komplex und es ist wichtig, dass sie klar kommunizieren, welche Daten sie brauchen. Jetzt ist der Ball an den Informatikern in der Forschung und Industrie, diese Daten auch im dezentralen Ansatz zu sammeln. Klar wird das schwerer, aber unsere Disziplin hat schon andere schwere Probleme gelöst.

      > fast ausschließliche Betonung auf Datenschutz

      Ich würde zu bedenken geben, dass jetzt – nach der Debatte – jegliche Betonung des Datenschutzes eine ziemlich dufte Sache für die Akzeptanz der App ist. Es ist super und passend, dass in der Lage auch darüber nachgedacht wird, ob das eventuell ein Phyrussieg war (ich persönlich glaube nicht). In der Tagesschau sollte jetzt aber nicht jeden Tag eine neue Headline erscheinen, die die Corona-App weiter zerredet.

    • Kannst du ja machen. Musst du dann halt gucken, wie du die Leute überzeugst, dass dein toller Server der alles weiß und potenziell jedem erzählen kann wen die Nutzer so den Tag über treffen auch wirklich supertoll sicher ist, damit du nicht nachher nur mit deinen fünf Freunden die App benutzt, weil alle anderen nachvollziehbarerweise dankend ablehnen.

      Oh, und du musst dann halt gucken, wie du das ohne Hilfe von Apple und Google beim Zugriff auf die Bluetooth-Hardware bewerkstelligst, weil die nachvollziehbarerweise auch kein Interesse haben, sich in die Nesseln zu setzen, indem sie bei einer allzu leicht missbrauchbaren zentralen Datensammlung assistieren, vor allem wenn sie nicht einmal Einfluss darauf haben, wie die fraglichen zentralen Server abgesichert werden. Für diese Unternehmen ist die dezentrale Lösung schon aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten der einzig verantwortbare Ansatz, da braucht man nicht mal moralisches Handeln zu unterstellen.

      Also: viel Spaß. Die Frage “zentraler oder dezentraler Ansatz” sieht nur auf den ersten Blick so aus, als hätte man eine Wahl. In Wahrheit gibt es keine Wahl, sondern nur eine von vorneherein zum Scheitern verdammte Option und eine, die womöglich auch scheitert, aber zumindest vielleicht funktionieren könnte.

    • Hallo,
      @Ulf:
      ich habe das Gefühl, dass Du ein starker Verfechter des zentralen Ansatzes bist.
      Ich würde mich _eher_ zum dezentralen Lager zählen.
      Entschuldigt die nachfolgende Polarisation,
      aber ich hoffe meinen Punkt damit etwas besser zu verdeutlichen, habt etwas Geduld.
      Stellvertretend für das Zentral-Lager verrennst Du dich gerade in die
      “beleidigte Leberwurst-Ecke-weil-meine-Lösung-nicht-akzeptiert-wurde”.
      In drei bis vier Monaten springst du da triumphierend raus und rufst:
      “ha hab ich doch sofort gesagt. funktioniert nicht. ich hatte recht, ihr hattet unrecht. Bätschi”


      Aaber:
      Es ist noch lange nicht bewiesen, dass genau einer der beiden Ansätze sicher gut funktioniert
      und der andere sicher nicht funktioniert. In der Sendung framest du das m.E. so.
      Es kann auch sein, dass beide gut oder beide Lösungen schlecht funktionieren.
      Der Moment an dem das Dezentral-Lager sich verzogen und dann Bätschi gerufen hätte,
      wäre der “die-app-nutzt-keiner”-Augenblick gewesen..

      Ich denke, der aktuelle Ansatz dezentral verfolgen und per optionaler Datenspende die Verfolgung zu optimieren
      könnte doch beide Lager etwas befrieden und damit zu mehr Akzeptanz führen.
      Denn in einer Sache sind wir uns, hoffe ich, alle (denke ich) einig.
      Wenn Facebook- und Whatsapp-NutzerInnen die App aus Datenschutzt-Gründen nicht installieren,
      hat niemand von uns gewonnen.
      Und wenn “wir” neben der Gruppe “ohne Handy” und der Gruppe “altes Handy” auch die Gruppe
      “ich habe da Bedenken, weil ich habe da Bedenken” auch verlieren,
      sinkt die Effizienz jeder Lösung.
      Die steigt nämlich quadratisch mit dem Anteil der NutzerInnen.

      Also lasst es uns abwarten und ausprobieren.
      Vor einer Infektion retten, kann uns eh keine der beiden
      Lösungen, aber vielleicht jemand drittes Schützen.

      Beste Grüße

      • Dein Post leider unter einer falschen Grundannahme: Ich war nie Vertreter eines Lagers. Wir haben in der Lage immer beide Ansätze beschrieben und deren Vor- und Nachteile gewürdigt. Ich glaube allerdings, dass eine zentrale Lösung wirksameres Tracing leisten würde, und aus dieser Perspektive finde ich die nun getroffenen Entscheidung unerfreulich. Das ändert aber nichts daran, dass ich die Vorteile dieser Lösung auch sehe, und wir haben die in der Lage ja auch immer beschrieben.

        Vermutlich rührt dein Eindruck daher, dass um die dezentralen Lösung zeitweise so ein Hype entstanden ist. Den haben wir hier in der Tat nicht mitgemacht, und darüber bin ich auch heilfroh.

    • 3. Mai 2020 um 10:54 Uhr
      DerBaronvonMünchausen

      Hallo zusammen,
      ihr habt darüber geredet dass die Kursändergung der Bundesregierung wegen Apple war. Das wird es sicher auch gewesen sein, ich denke jedoch das es wirklich keine Gespräche zwischen den Beiden gegeben hat.
      Grund der Annahme ist, das Apple und Google vor einigen Tagen ein gemeinsames “Strategiepapier” verlöffentlicht haben, wo beide Konzerne eine gemeinsame API für ihre beiden Betriebsysteme für Corona-Apps bereitstellen.
      https://www.apple.com/de/newsroom/2020/04/apple-and-google-partner-on-covid-19-contact-tracing-technology/
      Da war in der Techwelt in der ich mich viel bewege klar die deutsche Lösung ist gestorben.

      VG
      Der Baron v.M.

  150. Zum Thema Corona App

    Hallo ihr Lieben.
    Bei der Diskussion über die Corona App habe ich das Gefühl, dass die meisten in ihrer eigen Filterblase gefangen sind.
    Es gibt sehr viele Menschen in unserem Land, die kein Smartphone besitzen. Ebenso gibt es Menschen, die ihr Smartphone
    auch nicht die ganze Zeit mit sich herum tragen. Auch soll es Menschen geben, die nicht über eine ständige Internetverbindung
    verfügen. Von der Konfiguration eines Smartphones mit Zulassung der erforderlichen Rechte auf dem Endgerät möchte ich gar nicht erst anfangen.
    Viele können W-Lan und Internet nicht unterscheiden. Mal davon abgesehen wird sich auch das Verhalten der Menschen ändern, sobald eine
    Tracing App auf einem Endgerät installiert ist. Da sollte man mal drüber nachdenken. Ansonsten mal wieder eine sehr schöne Folge. Herzlichen Dank und bleibt gesund.

    • Es reicht ja wenn >60% mitmachen. Ich denke nicht dass die angesprochenen Probleme mehr als 10% betreffen.

      > ständige Internetverbindung
      Nicht notwendig.

      > Konfiguration eines Smartphones mit Zulassung der erforderlichen Rechte auf dem Endgerät möchte ich gar nicht erst anfangen
      Vsl. nicht notwendig. Es muss nur eine App installiert werden.

      > Mal davon abgesehen wird sich auch das Verhalten der Menschen ändern, sobald eine
      Tracing App auf einem Endgerät installiert ist
      Wenn dadurch zu enge Kontakte reduziert werden ist das ja gut.
      Es muss halt kommuniziert werden was protokolliert wird und es muss überprüfbar sein (Open Source/Data).

      • Ich meine damit 10% der Leute für die die App relevant wäre da sie viel in Kontakt mit Fremden sind (z.B. nicht Menschen im Altersheim).

  151. 1. Mai 2020 um 9:01 Uhr
    Benedikt Köck

    Hallo ihr beiden,

    ihr beschreibt ausdrücklich das Kernproblem der aktuellen Situation – es wird nur über Taktik und nicht über Ziel und Strategie im Kampf gegen Corona gesprochen. Die Entscheidung für die “Koexistenz” mit dem Virus ist m.E. nicht mal eine bewusst getroffene, sondern Ergebnis planloser Diskussionen um taktische Maßnahmen. Einige politische Entscheidungsträger erscheinen auch unwillig bzw. unfähig zu strategischen Erkenntnissen.

    Einen Hoffnungsschimmer habe ich dennoch: Die absolute Zahl der Infektionen sinkt und ebenfalls der R-Wert. Dazu kommt, dass sich die Menschen zum großen Teil weiter vernünftig verhalten. Dazu kommen Maskenpflicht und – hoffentlich – bald endlich die Tracing-App. Mit viel Glück besteht die Hoffnung, dass wir die absoluten Zahlen trotz mangelnder Strategie so weit runterbekommen, dass eine Nachverfolgung und weitere Öffnung doch möglich werden – natürlich viel langsamer als es möglich wäre und auf mit sehr viel mehr Unsicherheit behaftet.

    Viele Grüße
    Benedikt

    • Find ich auch einen guten Punkt. Aber: Ich glaube nicht, dass die Entscheidungsebene dafür die nationale ist. Wenn touristische und geschäftliche Reisen über die Grenzen wieder möglich sind, können nationale, hart erkämpfte “Erfolge” im Nu wieder weg sein. 200 potentiell Infizierte, die maximal national nachverfolgt werden könnten, sitzen doch schon möglicherweise in einem einzigen Flugzeug oder in 100 Autos. Zu langen Lockdown halte ich daher schon aus diesem Grund für falsch. Es geht eher darum, länger und erträglich mit dem Virus zu leben. Nationale Entscheidungskompetenz besteht jedenfalls insoweit nicht.

      Zum R-Faktor hab ich Euch leider nicht ganz verstanden. Ist der jetzt eine Schätzung auf Basis geschätzter Infektionen von heute oder hat der R-Faktor nen Zeitversatz von 14 Tagen, wie Philipp dann später gesagt hat? Sollte man nicht der Einfach halber auf die Zahl der Neuinfektionen abstellen und fertig? Wenn sich daran Test-, Behandlungs- und Nachverfolgungskapazitäten ohnehin daran orientieren? #FlattenTheCurveOfNeueInfektionen

  152. Kommunikation RKI über Wirksamkeit von Gesichtsmasken

    Hallo zusammen,
    ihr habt die Kommunikationsstrategie des RKI als “taktisch” bezeichnet. Dabei klang mit, dass das RKI trotz besserem Wissens kommuniziert habe, dass Masken unwirksam seien.

    Ich habe das persönlich anders erlebt. Ich habe täglich den Drosten-Podcast gehört – und aus meiner Sicht hat sich da einfach der gesamte Forschungs- und Erkenntnisstand weiterentwickelt.

    Zum einen: Die Kommunikation des RKI zu Beginn war, dass Masken den Träger nicht vor einer Infektion schützen, und sie daher unwirksam seien. Diese Aussage steht auch heute noch.

    In der Zwischenzeit hat sich ergeben, dass der Haupt-Übertragungsweg des Corona Virus Tröpfcheninfektion ist – und da ist das Abhalten der (noch) großen Tröpfchen in der Nähe der Quelle eben einigermaßen Wirksam. Auch hat sich in der Zwischenzeit erst die ganze Idee der “Community-Maske” entwickelt. Mitte März war die Meinung zu Community Masken “ist psychologisch sinnvoll, virologisch egal bis contra-Produktiv”. Die Meinung hat sich durch Forschung geändert.

    Aus meiner persönlichen Rückschau hat da zu keinem Zeitpunkt jemand aus taktisch Gründen die Unwahrheit berichtet, oder übersehe ich da was?

    PP

    • Hallo,
      Ich ich sehe es ähnlich wie du. Ich denke zwar dass das RKI tatsächlich politisch kommuniziert. An diesem Punkt ist es aber nicht ihre hauptintention. Tatsächlich ist es immer noch wissenschaftlich unklar ob eine einfache Stoffmaske wirklich ein Zugewinn an Sicherheit ist. Es gibt eine neuere metastudie die diesmal legt. Diese sind aber in Krankenhäusern erstellt worden wo die Mitarbeiter in Gebrauch von Masken geschult sind. Außerdem ist es ein vergleichsweise kleiner Eingriff und könnte tatsächlich eine Verbesserung bringen.
      Die Gegner der Stoffmaske haben auch sehr valide Punkte. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht sieht man dass die meisten sich falsch verwenden, und somit der mögliche nutzen ausbleiben könnte bzw er noch ein Schaden angerichtet.
      Ich denke letztendlich wurde das RKI von den Befürwortern in Zugzwang gesetzt.

    • Moin,

      ich musste beim Hören vom Podcast an der Stelle auch sehr Stutzen. Die Studienlage gibt immer noch nicht her, dass Masken besonders viel nützen. Es wurde immer betont, dass ein gewisser Schutz Anderer da ist, wenn alle eine Maske tragen.

      Ich habe diverse PKs des RKI gesehen, höre mir regelmäßig den Podcast von Drosten an und Lese relativ viele der Lageberichte, bzw. der Bulletins vom RKI. Ich bin mir sehr sicher, das Wieler mehrfach auf den geringen Nutzen hinweist und auch darauf hinweist, dass das RKI seine Meinung zu Schutzmasken insgesamt nicht geändert hat.

      Wenn man sich die Studien dazu anschaut, dann hat das RKI, genauso wie Drosten und andere, bisher die wissenschaftliche geltende Meinung vertreten. Da kann ich keine Taktierung erkennen.

    • Moin,

      ich finde es auch nicht angemessen, dem RKI bzgl. der ursprünglichen Haltung in Bezug auf Masken eine politische Agenda zu unterstellen. Ganz im Gegenteil, laut Stand der Wissenschaft kann und konnte nicht von einer signifikanten Wirksamkeit dieser Masken ausgegangen werden. Dies im Hinblick auf die gewährleistete Verfügbarkeit für den Medizinsektor offen zu vertreten, halte ich nicht für ausschließlich politisch motiviert sondern einfach für angebracht. Diese Masken und weitere Schutzausrüstung werden ja nunmal nicht nur bei COVID19 Patienten benötigt, sondern sind für den Regelbetrieb jedes Krankenhauses immens wichtig.

  153. Ich habe in den 70ern die Fachschulreife durch das Telekolleg erworben. 1996 habe ich durch das Telekolleg die Fachhochschulreife erworben. Anschließend habe ich Kurse an der Fernuniversität belegt. Das Telekolleg http://www.telekolleg.de wurde damals von den 3. Programmen übertragen und gibt es heute noch. Es gibt alle 3 Wochen einen Kollegtag in einer Schule.

    Warum nutzen die Schulen dieses System nicht für die Klassen 8 bis 13? Arme Schüler, die kein Internet haben, können die Sendungen dann am Fernseher sehen. Sinnvoll wäre, dass mehrere Sendungen auf den 3. Programmen wiederholt würden.

    Gruß
    Otmar

    • Danke für den Hinweis … habe ich als kleiner Junge auch immer gerne gesehen. Auch wenn ich damals natürlich vieles nicht verstanden habe waren die Sendungen didaktisch oft richtig beeindruckend gut gemacht.

      • 3. Mai 2020 um 7:14 Uhr
        Peter Allgajer

        Guten Morgen zusammen!

        In diesem Zusammenhang sollte man durchaus auch etwas anderes erwähnen: Nicht jede Familie hat für jedes schulpflichtige Haushaltsmitglied ein eigenes Zimmer mit eigenem Fernseher oder PC-Arbeitsplatz zur Verfügung. Mehrere verschiedene digitale “Vollunterrichte” parallel (plus Heimbüro?) in einem Raum dürften jedoch kaum sinnvoll machbar sein. Außerdem wohnen nicht alle Familien in Glasfaser-Ausbaugebieten und bei x parallelen ein- und ausgehenden Videoübertragungen wird es auf DSL-Leitungen im unteren (theoretischen) zweistelligen MBit/s-Bereich (oder langsamer) irgendwann einfach knapp. Es wundert mich sehr, daß der Aspekt der sich massiv öffnenden Schere der “Bildungsungerechtigkeit” im Zusammenhang mit dem digitalen Unterricht überhaupt nicht zur Sprache kommt. Einerseits wird Ihre Sendung – wie Sie selbst oftmals erwähnen – wohl gerne als “zu links” bezeichnet, andererseits sind Sie selbst aber anscheinend doch recht stark in einer bildungsbürgerlichen Umgebung “gefangen”. Die momentane Heimbeschulung in Kombination mit Heimbüro zeigt doch ganz deutlich, daß selbst “gutbürgerliche” Eltern sich oftmals überfordert fühlen. Natürlich wäre eine Vollbeschulung im Vergleich dazu entlastend, weil es einen dauerhaften Lehrerkontakt der Kinder zu den üblichen Unterrichtszeiten gäbe, aber dennoch wäre einiges an Aufsichts- und Motivationspflicht tatsächlich auf die Eltern verlagert. Der Lehrer kann schließlich kaum sehen, ob z.B. parallel weitere Fenster geöffnet sind.
        Zusammenfassend verstehe ich nicht, wie man vor einem Gerechtigkeitshintergrund der Meinung sein kann, daß irgendwelche Fernunterrichtsvarianten eine auf breiter Front wünschenswerte oder auch nur funktionsfähige Lösung sind. Ich meine ausdrücklich auch, daß sie für einige oder sogar viele besser wären als die jetzigen Notlösungen. Aber ganz sicher bei weitem nicht für alle.

        Gruß

        Peter Allgajer

  154. Liebe Lage,

    toller Folge, gerade zu der fehlenden Exit-Strategie.
    Das psychologische Argument zur rechtlichen Rechtfertigung von derart eingreifenden Grundrechtseinschränkungen für „Corona Survivor“ ist allerdings wenig überzeugend. Hier gibt es wesentlich mildere Maßnahmen (Statt Maske im Supermarkt eine offizielle Kennzeichnung wie ein Armband, Keine offenen Zurschaustellung durch offene Feiern etc. ). Der Vergleich mit der Gruppe der Jugendlichen, die ja auch vermutlich keine wesentlichen gesundheitlichen Auswirkungen hätten, geht fehl, da diese sehr wohl in der Lage sind andere anzustecken.

    Viele Grüße,
    [PRIVAT]

    • Was bedeutet [PRIVAT]? Ich kann den Beitrag jedenfalls ganz normal bei den Kommentaren lesen.

      Das mit den Jugendlichen habe ich mir auch gedacht. Aber ich beneide niemanden, der zu einer breiten Öffentlichkeit spricht und bei dem eigentlich jede Aussage sitzen muss. Eigentlich menschlich, dass das nicht immer funktioniert, auch bei in der Hinsicht erfahrenen Menschen. Ich denke, in einem ruhigen Moment merken die beiden auch, dass das Unsinn war.
      Trotzdem ist es natürlich wichtig, so etwas zu korrigieren und nach Möglichkeit zu vermeiden.

  155. Beispiel bzgl Testung:
    Firma 10 Mitarbeiter, 1 Mitarbeiter kommt morgens zur Arbeit und erzählt, dass beide Eltern positiv getestet sind (sie leben zusammen), Chef schickt Mitarbeiter erst Mittags nach Hause, Gesundheitsamt ruft nachmittags bei Mitarbeiter an uns sagt er solle in Quaratäne für 2 Wochen.
    Getestet wird nicht und wurde bisher auch nicht. Wenn doch Kapazität frei ist, warum wird so jmd nicht getestet?

    • Frage ich mich auch :)

      • Ich denke man muss bei den gesamt Menge an Test von einer begrenzten Ressourcen ausgehen. Wir haben jetzt eine unglaublich hohe Test Kapazität aufgebaut. Trotzdem kostet jeder Test Nicht nur Geld sondern auch Reagenzien. Wie man hörte sind zwischendurch sogar die Röhrchen für die Tupfer knapp geworden. Ich frage mich wie lange die für die PCR nötigen Reagenzien in ausreichender Menge zu Verfügung gestellt werden können. Es ist wie bei jedem anderen Produkt auch, man kann die Produktion der Rohstoffe nicht beliebig von jetzt auf nachher erhöhen. Und es sind biologische Reagenzien die ein bestimmtes Verfallsdatum haben somit nicht unendlich lange vor produziert werden können.
        Ich denke dass deshalb nicht übermäßig viel getestet wird wenn kein positiver Befund zu erwarten ist.
        Was hier die Lage noch weiter entspannen könnte wären gepoolten Analysen (http://tiny.cc/r6e6nz) oder ein Übertragen des Tests auf ein anderes Format. Bisher wird es noch im sogenannten 96-Well Platten untersucht. Unser Labor hatte sein PCR-Gerät an die Infektiologie ausgeliehen, es wurde allerdings nicht benutzt weil es mir 384-Well Platten arbeitet. Man würde zwar viermal mehr Proben bei vier Mal weniger Materialeinsatz messen können, aber es kann wohl so nicht an die interne IP angeschlossen werden ¯\_(ツ)_/¯

      • Kann aus meinem Umfeld ähnliches berichten. z.B. Personen, die erst kürzlich trotz längerem Kontakt zu einem nachgewiesenen Corona-Erkrankten und anschließenden eigenen Symptomen nicht getestet wurden.
        Es ist jedoch natürlich schwierig, aus solchen anekdotischen Berichten Schlüsse auf das allgemeine Verfahren zu ziehen. Bestimmt gibt es erhebliche Unterschiede im Handeln einzelner Ärzte oder Gesundheitsämter zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
        Aber ich frage mich schon, mit welcher Dunkelziffer man eigentlich rechnen müsste.

    • Liebe Lena,

      in vielen Fällen ordnet das GA keine Testung an, weil das Ergebnis des Tests keine Auswirkung auf das weitere Vorgehen hätte. Der Mitarbeiter im geschilderten Fall wurde vermutlich als Kontaktperson I eingestuft (mind. 15 min. face-to-face-Gespräch mit infektiöser Person) und gilt damit unabhängig vom Ergebnis eines PCR-Tests als ansteckungsverdächtig. Ein negativer Test ist nämlich, wie in der letzten Lage-Folge erläutert, nicht aussagekräftig. Sollte der fragliche Mitarbeiter während seiner Quarantäne symptomatisch werden, wird das Amt in der Regel noch eine Testung anordnen.
      Um das geschilderte Szenario insgesamt bewerten zu können, müsste man noch wissen, um welche Art von Betrieb es sich handelt und ob, wie lange und wie eng der Mitarbeiter Kontakt zu seinen Kollegen hatte.
      Falls ich gerade am Punkt der Frage vorbeigeredet habe, mache mich gerne darauf aufmerksam ;)

      Viele Grüße
      Moritz

    • Liebe alle,

      ein kurzer Hinweis bzgl. der Diskussion um die Tracing API auf Smartphones:

      es kann auch ohne Nutzung der API von Apple/Google auf diese Funktion gesetzt werden in der entwickelten App, die Nutzung ist dann jedoch weniger nutzerfreundlich, da u.a Batteriehungriger. Hier wird also durch die Betriebssystemanbieter nur begrenzt vorgeschrieben. Interessant hierzu die Diskussion im Podcast von 9to5Mac:
      https://podcasts.apple.com/de/podcast/9to5mac-happy-hour/id641836403?i=1000473266176

  156. Moin,
    erst mal ein großes Lob von mir für euren Podcast! Macht weiter so, ich höre euch sehr gerne.
    Ich weiß, dass man die LdN direkt unterstützen kann mit einem Dauerauftrag und ich weiß auch, dass es das Küchenstudio+-Abo gibt. Jedoch ist mir als Student das gesamte Plus-Abo etwas viel. Was ich supertoll fände, wäre ein LdN+-Abo – vom Küchenstudio höre ich nämlich nur die Lage. Da wäre eine werbefreie Lage allein für 1-3 € monatlich optimal.
    Habt ihr da schon mal drüber nachgedacht? Nur mal so als Anregung. :-)

    Viele Grüße.

    • Das ist de facto heute schon so, das ist ein reines Lage Abo. Wir müssen das nur noch umbenennen, kommt vermutlich mit dem Relaunch der Website.