LdN178 COVID-19, Nazi-Terror in Hanau, Wahl in Hamburg, Kandidatensuche Union, Professionelle Sterbehilfe, Windenergie, Assange im Auslieferungsverfahren

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  1. Zum Thema „geschäftsmäßige“ Sterbehilfe:
    Es sollte vielleicht bei einer Gesetzesvorlage (wie bei Entstehen des §217 StGB) mehr juristischer Sachverstand in die Diskussion.
    Es ist ja nachvollziehbar, dass die Abgeordneten verhindern wollen, dass jemand mit Sterbehilfe „Geschäfte macht“ – und dann so einem Gesetz zustimmen.
    Dass sie damit aber verhindern, dass z.b. der Arzt eines Hospizes Menschen helfen kann, selbstbestimmt zu Sterben – im Einzelfall auch mit Unterstützung – das war wahrscheinlich den wenigsten Abgeordneten klar. Wenn man sich zu Gemüte führt, wie unsachlich die Debatte darüber geführt wird, welche Horrorszenarien an die Wand gemalt werden, ist das ja auch kein Wunder.

    Was könnte getan werden, damit diejenigen, die abstimmen müssen, voll informiert sind – und nicht von Parteiräson oder polemischen Behauptungen in den Debatten fehlgeleitet werden?
    Ich denke da zum Beispiel an Systeme wie in der Schweiz, wo jede (Volks)-Abstimmung mit reichlich Material (Pro & Contra) unterfüttert wird – wer lesen kann, kann auch informiert sein.

    Und was könnte getan werden, damit Gesetzentwürfe nicht so oft handwerkliche Fehler enthalten – und später von Gerichten „korrigiert“ werden müssen?

    Vielleicht mal ein paar Gedanken wert?

  2. 7. März 2020 um 11:36 Uhr
    Thorsten Riedel

    Hallo Ulf,
    ich habe noch eine Anmerkung zu deinen kurzen Ausführungen bzgl. der Abstandsregelungen im Rahmen des zwingend erforderlichen Ausbaus der Windenergie an Land. Grundsätzlich teile ich Deine Einschätzung, dass alles was bislang in Bayern oder von Peter Altmaier ins Feld geführt worden ist, egal ob 1000m oder 10H-Regel, völlig inakzeptabel ist. Auch die Gefahr, jedem Land nun über eine Öffnungsklausel wiederum eigene Regeln zu ermöglichen, z.B. sagt Bayern dann vielleicht weiterhin 10H (!), führt nicht zu einer durch die breite Öffentlichkeit getragenen Energiewende. Dein, vielleicht etwas voreilig, genannter Vorschlag von “pauschal 200m”, kann aber auch nicht die Lösung sein. Vielleicht unterschätzt Du da etwas die Wirkung und Auswirkung einer rd. 200m hohen Windkraftanlage, wenn sie 200m von Deiner Wohnung, deinem Balkon und dergleichen stehen sollte. Du bist herzlich zu uns an die dänische Grenze zwischen Nord- und Ostsee eingeladen, um dir persönlich einen Eindruck verschiedener Abstände und damit einhergehender Auswirkungen zu machen.
    Ich denke, wir müssen auch die Frage der Ungleichbehandlung von Menschen innerhalb von Städten und Dörfern mit denjenigen Bürgerinnen und Bürgern lösen, die im sog. Außenbereich leben, auch wenn es natürlich vergleichsweise nur “wenige” betrifft. In Schleswig-Holstein sollen diese beiden Bevölkerungsgruppen jeweils mit dem doppelten bzw. halben Abstand zu Windkraftanlagen berücksichtigt werden. Eine vollkommene Gleichbehandlung, z.B. 200m oder 1000m für jede und jeden, wird nicht funktionieren. Man sollte sich aber um ein größtmögliches Zusammenrücken bemühen und etwaige verbleibende Ungleichbehandlungen versuchen zu kompensieren, z.B. durch direkte finanzielle Ausgleiche aus dem Anlagenbetrieb oder durch entsprechend reduzierte Stromkosten in diesen Gebieten. Wichtig für die dringend erforderliche Akzeptanz unmittelbar vor Ort, wo wir die Anlagen zwingend werden ausbauen und errichten müssen, ist meiner Ansicht nach ein Signal und ein Effekt zum Ausgleich der “Lasten” für direkt betroffene Menschen.
    Viele Grüße und vielen Dank für Eure tolle Arbeit!
    Thorsten

  3. Hallo liebes Lage Team und andere,

    Jetzt ist Hanau schon etwas her und die Folge etwas älter trotzdem der Kommentar/die Frage die mich beschäftigt:

    Falls der Hanau Täter auf Basis seiner Paranoia, seines Rassismus und seinen Verschwörungstheorien, etc. als psychisch krank diagnostiziert wurde – worin genau besteht der Unterschied zu rechtsradikalen die bisher noch nicht in diesem Maße gewalttätig wurden?

    Sie sind ja rechtsradikalen eben weil sie rassistisch sind, an diverse Verschwörungstheorien glauben (Antisemitismus lebt quasi davon) und eine Paranoia haben die zumeist nur an der Oberfläche sichtbar ist aber hinter dem vermutlich ja noch tiefere Strukturen stecken müssen um diese zu Denke zu rechtfertigen (Lügenpresse, Stasi Merkel, Bevölkerungstausch, etc).

    Warum also war der Täter kranker (abgesehen von der tatsächlichen Gewalt) als der herkömmliche Rechte in und außerhalb der AfD, wenn die Symptome die als Grundlage der Diagnose dienen letztendlich nichts anderes sind als eine ausformulierte Form klassischer rechter Ideologie?

    Tldr.: Was ist das Kranke am Täter, wenn nicht die Ideologie die zwangsläufig in allen Rechten steckt?

    Ist eine ernstgemeinte Frage und ist weniger suggestiv gemeint als eventuell geschrieben.

    • Ich bin mir nicht sicher, ob du das ernst meinst … es gibt natürlich einen deutlichen Unterschied zwischen politischem Fanatismus (was ja als solches nicht krankhaft ist) und einer psychiatrischen Erkrankung wie zB einer Schizophrenie, die typischerweise mit konkreten Fehlwahrnehmungen einhergeht, also beispielsweise dem bekannten ‘Stimmenhören’.

  4. Es wurde hier bereits an einer Stelle erwähnt, und dem kann ich mich anschließen: die viel zu kurz geratene Beschreibung von Norbert Röttgen als Politiker wird diesem Mann nicht gerecht. Da gibt es viel mehr Themen als die Umwelt.
    Gerade dieser Kandidat hat als einziger sehr deutlich kommuniziert, wofür er steht, auf seiner Pressekonferenz, auf der er seinen 6-Punkte-Plan vorgestellt hat. Diese PK war eine Glanzleistung.
    Noch bevor die Tragödie um Idlib es in unsere Schlagzeilen geschafft hat, war er einer der sehr wenigen Politiker, die Alarm geschlagen haben.
    Jetzt gibt es in der FAZ einen Artikel von Röttgen, der eine Art Antwort auf Macrons Vorstoß für Europas Zukunft zu verstehen ist. Der Artikel ist sehr lesenswert.

    Gerade in heutigen Zeiten brauchen wir einen Kanzler (was ein CDU-Parteichef voraussichtlich wird), der in der Außenpolitik kompetent ist, klare Positionen bezieht und das Potenzial hat, auf internationaler Bühne an die Autorität von Angela Merkel anzuknüpfen. Aus diesem Grund wundert mich diese Begeisterung für Armin Laschet. Internationale Bühne ist nun mal kein NRW, da ist alles etwas komplizierter und wir haben viel mit den ganzen Alphamännern Putin, Erdogan, Trump, Orbán u.a. zunehmend ein Problem. Da wird das nette Lächeln des Herrn Laschet nicht viel helfen. In den vergangenen Jahren hat er öfters bewiesen, dass er in der Außenpolitik ziemlich inkompetent ist. Man muss nur seine Interviews oder Tweets lesen, in denen er Assad verteidigte oder immer wieder eine engere Kooperation mit Russland forderte. Russia Today feiert ihn übrigens schon langsam als den zukünftigen deutschen Kanzler, und da graut es mir schon.. Von ihm selbst hört man nichts zu außenpolitischen Themen. Und auch sonst frage ich mich, welche echten Inhalte er zu bieten hat.

    • Stimmt, das ist ein wenig knapp geraten … ich glaube, dabei spielt eine große Rolle, dass die Chancen von Norbert Röttgen wohl nicht gerade berauschend sind.

  5. Zwei Bitten, beide im Zusammenhang mit Steuern:

    1.) Ich möchte herzlich bitten, das Thema Steuerüberwälzung, also Traglast versus Zahllast einer Steuer, in zukünftigen Fällen mehr einfließen zu lassen. Konkret: manchmal kam schon das Argument, man könne ja einfach eine Steuer beim Hersteller ansetzen — meistens eine Lenkungssteuer, um ihn zu anderem Verhalten zu bringen, z.B. um CO2-freundlichere Herstellungsverfahren zu bevorzugen — und damit die KonsumentInnen nicht belasten. Es ist aber ökonomisch irrelevant, von wem der Staat die Steuer nun genau verlangt (Zahllast), also ob die KonsumentInnen sie abführen oder die Hersteller. Wie viel einer Steuer die Hersteller und wieviel die KonsumentInnen tragen müssen, hängt davon ab, wie “flexibel” Angebot und Nachfrage sind (-> elastisch). Zwei Extrembeispiele:
    a) angenommen ich bin auf ein Produkt absolut angewiesen und kann nicht weniger davon konsumieren (z.B. ein notwendiges Medikament oder der lebenswichtige Kaffee am Morgen für manche), dann trage ich als Konsument 100% der Steuer, egal wer sie abführen muss. Wenn der Hersteller die Steuer abführen muss, kann er ja problemlos den Preis erhöhen… ich bin ja als Konsument drauf angewiesen.
    b) angenommen es gibt zig verschiedene Varianten eines Produkts und ich bin eigentlich komplett indifferent. Wenn nun genau eine Variante bloß besteuert wird: ich bin ja nicht mehr bereit zu zahlen für diese Variante als für alle anderen, d.h. wenn der Preis höher wäre, würde ich einfach eine der anderen Varianten am Markt wählen. Der Hersteller dieser muss also mit dem Vor-Steuer-Preis so runter gehen, dass der inklusive-Steuer-Preis genauso hoch ist wie bei allen anderen Varianten, sonst bricht ihm die Nachfrage ja komplett weg (wenn alle anderen KonsumentInnen so indifferent sind wie ich).
    Als Konsument interessiert mich ja nur der Preis inklusive Steuer.

    Ich habe übrigens sowohl schon gehört “Steuer kann man ja beim Hersteller ansetzen, betrifft ja dann die KonsumentInnen nicht” als auch “die Steuer kann der Hersteller ja eh [zu 100%] umlegen auf die KonsumentInnen”, obwohl sich beide Argumentationen ja ausschließen. Und, wie gesagt, es im jeweils konkreten Fall darum geht, wie elastisch Angebot und Nachfrage sind.

    2.) Beim Thema CO2-Steuer wird bei Euch häufig auf die Frage abgestellt, ob und wie man das Steueraufkommen umlegen soll, also z.B. jedeR bekommt am Monatsende eine fixe Summe. Dabei wird aber gar nicht mehr thematisiert, warum es die Steuer überhaupt geben soll: die Lenkungswirkung, d.h. damit sich am Verhalten etwas ändert. Nur dadurch gibt es ja überhaupt eine Wirkung auf die CO2-Bilanz! Ausführlicher: [1]
    In der Politik ufert das Ganze manchmal so aus, dass man das Gefühl hat, dass manche eine CO2-Steuer (mit Drumherum) so konstruieren wollen, dass bloß niemand was zu ändern braucht. Aber dann ändert sich ja am CO2-Ausstoß nichts und wir können die CO2-Steuer sein lassen!

    [1] https://www.kuechenstud.io/medienradio/podcast/mr084-wie-deutschland-klimaneutral-werden-kann-heinrich-stroessenreuther-german-zero

  6. Hallo ihr beiden,

    vielen Dank für eine weitere aufschlussreiche Sendung!
    Da ihr erst über Jens Spahn als möglichen Kanzlerkandidat und dann über Sterbehilfe diskutiert habt, habe ich mich gleich an eine ziemlich eindrucksvolle Doku zum Thema Sterbehilfe, wie es vor der neuen Regulung gehandhabt wurde, erinnert. (Leiiiiider habe ich sie in keiner Mediathek mehr wiedergefunden oder konnte mich nicht richtig an den Namen erinnern. Die Links am Ende des Beitrags deuten auf ähnliche Infos hin.) Jedenfalls wurde darin geschildert, wie erst der ehemalige Gesundheitsminister Hermann Gröhe und später Jens Spahn das BfArM mit einem Schreiben aktiv anwies Anträge von schwerstkranken Betoffenen (“in extremen Ausnahmesituationen”) für den Erhalt von Natrium-Pentobarbital abzulehnen oder beständig hinauszuzögern (bei letzterem bin ich mir nicht sicher, ob das so in dem Schreiben gschrieben wurde oder nur daraus folgte). Konsequenz für die Betroffenen war, dass diese über Jahre aufwendige Anträge stellten, abstrusen Forderungen von mehreren kostspieligen Gutachten (das lief teilweise auf Kosten im fünf- bis sechsstelligen Bereich hinaus!!!) folgen mussten und ihre Hoffnung auf Erlösung unendlich hingehalten wurde. Den Betroffenen war also nicht bewusst, dass sie unnötig Zeit, Geld und Energie darin verschwendeteten, während die Antwort eigentlich schon klar stand und “auf Zeit gespielt” wurde, nach dem Motto “ewig werden gerade die ja eh nicht mehr leben”.
    Insbesondere für einen Kanzlerkandidat finde ich es schockierend, wie Spahn hier schon fast Selbstjustiz übt oder zumindest vehement gegen das Gesetz von 2017 arbeitet und leidenden Menschen noch mehr Leid zufügt, indem er sie in einen Dauerzustand aus Warten und Unwissenheit zwingt (und sie damit ja auch weitestgehend davon abhält Alternativmöglichkeiten zu suchen, was sie vielleicht bei einer klaren Absage getan hätten).

    https://www.tagesspiegel.de/politik/sterbehilfe-jens-spahn-macht-einen-kniefall-vor-der-kirche/24014644.html

    https://www.fr.de/politik/jens-spahn-verhindert-sterbehilfe-10959677.html

  7. Hallo liebes Lage-Team,

    Seit geraumer Zeit bin ich gespannte Hörerin und mittlerweile auch großer Fan eures Podcasts. Besonders gefällt mir der kritische Austausch und die gezielte Betrachtung politischer – und wirtschaftlicher Themen über die publike Faktenlage hinaus.

    Zum letzten Podcast bezüglich der aktuellen Krise durch das neue Coronavirus habe ich allerdings einige Ergänzungen:

    – Aktuell geht man davon aus, dass die Infektionszahl bedeutend höher ist, als bisher bekannt(Dunkelziffer). Deshalb kann zur Letalität eigentlich noch gar keine richtige Aussage getroffen werden. Die Annahme, dass das Virus tödlicher ist, als das Influenza A Virus ist also nicht ganz korrekt und könnte eventuell weitere Angst schüren. Auch weil mittlerweile bekannt ist, dass das Virus meist harmloser verläuft, während die Influenza A sogar gesunde, junge Menschen wochenlang mit Fieber ans Bett fesseln kann und auch gerade für Kinder und ältere Menschen oft tödlich verläuft. 2018 sind fast eine halbe Million Menschen an Influenza A gestorben.

    – Als Kinderkrankenpflegerin möchte ich zudem hinzufügen, dass das Gesundheitssystem derzeit nicht nur durch den Ärztemangel leidet. Kurzer Vergleich : auf der Kinderintensivstation werden derzeit 5-6 ausgebildete Pflegekräfte pro Schicht (15-18 pro 24h), dahingegen aber nur 3-4 Ärzte in 24h gebraucht. Durch den aktuellen Pflegemangel müssen seit Monaten Betten gesperrt werden, da teilweise nicht einmal die Minimalbesetzung von 3 Pflegekräften pro Schicht gewährleistet werden kann, während sich der Ärztemangel geringer bemerkbar macht. Durch Kontakte in andere Kliniken weiß ich, dass es dort ähnlich aussieht und kranke Kinder oft mehrere 100 Kilometer verlegt werden müssen, bis ein freies Bett gefunden werden kann. Das ist natürlich in der Kinderheilkunde noch geringer ausgeprägt, als aktuell in der Erwachsenenmedizin. Demnach kann man sich vorstellen auf welche Herausforderungen man treffen wird, wenn wirklich eine großflächige Pandemie mit vielen stationären Fällen auf uns zu kommt.
    Die Betrachtung dieser Seite kam mir ein wenig zu kurz in diesem Podcast, deswegen mein kleines Feedback!

    Sonst Daumen hoch und herzliche Grüße!

  8. 4. März 2020 um 12:02 Uhr
    Johannes Seebauer

    Hallo ihr beiden,

    ich möchte vorwegschicken, dass ich ein großer Fan der Lage bin und auch fast ausnahmslos jede Folge höre. Dennoch möchte ich mir erlauben einen Kritikpunkt anzubringen:

    Bei ökonomisch agehauchten Themen fehlt es mir manchmal doch an Differenzierung. Jüngstes Beispiel aus dieser Folge: Als du, Ulf, Blackrock en passant pauschal als Heuschrecke bezeichnet hast, musste ich doch kurz schlucken. Ohne Zweifel ist Blackrock in vielen Punkten kritikwürdig. Es ist aber auch einer der weltweit führenden Anbieter von ETFs. ETFs werden nicht zuletzt auch von der Verbraucherzentrale als wichtiger Bestandteil einer Anlagestrategie zum Vermögensaufbau / der Altersvorsorge auch für den “Durchschnittsbürger” empfohlen. Besonders in Zeiten geringer Zinsen stellen sie eine gute Möglichkeit dar, Erträge zu generieren, was kein Bausparer oder Tagesgeld derzeit bieten kann.

    Kurzum, ich würde euch bitten, in ökonomischen Fragen an mancher Stelle ausgewogener zu argumentieren bzw. entsprechende Experten öfter in eure Sendung zu laden.

    Liebe Grüße
    Johannes

  9. Moin alle zusammen,

    ich bin Betreiberin eines Kinderspielcenters und ich frage mich, ob und wann ich eine Schließung des Centers aufgrund des Virus in Erwägung ziehen muss.
    Ich persönlich glaube ja, dass an vielen Stellen die Reaktionen schlicht übertrieben sind, aber ich darf natürlich die öffentliche Meinung nicht außer Acht lassen.
    Habt ihr eine Idee, an wen ich mich mit dieser Frage am Besten wende? Gibt es vielleicht sogar ein Amt, das auf uns zukommen würde, wenn eine Schließung notwendig wäre. Ich möchte natürlich nicht irgendwann in der Zeitung lesen, dass man sich bei uns im Center angesteckt hat – ist meine Sorge nachvollziehbar?

    liebe grüße

  10. Hallo,

    ich möchte euch gerne einen Interviewgast und damit einhergehend ein Thema vorschlagen.
    Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt, mit im KDA Vorstand (Kuratorium deutsche Altershilfe) der wirklich toll sprechen kann über die Initiative “proPflegereform”, die initiiert und finanziert wird von den großen Wohlfahrtsverbänden in Deutschland und die i.m.A. dringend mehr Thema sein sollte in der öffentlichen Wahrnehmung ..
    Link zur Initiative (die untermauert wurde von einem wissenschaftlichen Gutachten)
    https://www.pro-pflegereform.de/neustartpflege/

    Danke für Eure tolle Arbeit!

  11. Hallo,
    Ich bin bei der Vorstellung, dass Wartezimmer Keime und Krankheiten fördern ganz bei euch.
    Als Berliner muss ich jedoch sagen, dass die Hausärzte oftmals in Fußdistanz zur Wohnung sind, sodass man nach Anmeldung wieder nach Hause gehen kann, wenn es zu voll ist und wiederkommen kann, wenn man dran kommt. Meine Hausarzt-Assistenten sind da auch stets genau in ihrer Einschätzung, wann ich wiederkommen sollte und direkt zur Ärztin rein kann.
    Außerdem gibt es die Möglichkeit sich per Telefon anzumelden und somit auch vermeiden kann, lange im Wartezimmer zu sitzen.

    Aus persönlicher Erfahrung saß ich noch nie länger als 15 Minuten, wenn ich mich vorher angemeldet habe und zum vereinbarten Zeitpunkt gekommen bin.

    Ist das kein Standardvorgehen? Vor allem in Berlin?

  12. Nur, weil es dann doch irgendwie untergegangen ist, wer die Opfer von Hanau denn nun eigentlich sind:
    https://www.trendsmap.com/twitter/tweet/1233664170551390209

    #saytheirnames

  13. Ich höre nun schon eine ganze Weile euren Podcast und die Folge 176 hat mich dazu gebracht, dass ich einen Kommentar verfassen muss. Kleiner Hintergrundfakt: ich bin ein recht optimistischer Mensch und würde mich selbst so einschätzen, dass ich meine Augen vor den Problemen der Welt verschließe, um meinen Blick fürs Positive nicht zu verlieren und bei Verstand zu bleiben. Ihr zwei mit eurem Format ermöglicht es mir, kompakt und dennoch informativ wenigstens etwas auf dem Laufenden des Weltgeschehens zu bleiben. Und vor allem bei dieser Folge begeisterte mich die ambivalente Darstellung und Professionalität von euch, ohne dabei hölzern oder meinungslos zu wirken. Sei es beim Interview über das Flüchtlingsproblem, die Zustände der Ministerwahl in Thüringen oder der heutzutage absurden Realität, wie viel Einfluss eine App, die man neben meist hirnlosen Beschäftigungstherapien wie Candy Crush Saga downloaden kann, Einfluss auf die Zukunft eines Landes haben kann. Also hier mal ein kleines Dankeschön von einem optimistischen Zyniker, der alles und jeden hinterfragt und Dinge besser weiß, ohne meist überhaupt was zu wissen. Ihr macht mich zu einem interessierteren und informierterem Menschen. Ich sitze übrigens gerade im Nachtbus von Yangon zu Hpa An, Myanmar :D Weitermachen!

  14. Hallo Ulf und Philip,
    Ich stimme eurer Einschätzung zu, dass die Debatte um Rechtsextremismus und Rassismus noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und dass es kein breites zivilgesellschaftliches Korrektiv gibt, dass sich schützend vor Mitbürger*innen stellt, die rassistische Übergriffe zu befürchten haben. Auf dem gestrigen Integrationsgipfel hat die Bundesregierung einige Maßnahmen angekündigt und damit auf den offenen Brief der Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen reagiert, aber was tut jede*r einzelne*r Bürger*in in Deutschland gegen den tiefgreifenden Rassismus und welchen Stellenwert hat das Thema in der Kommunalpolitik?

    Ein Vorschlag von Necati Öziri und mir:
    Wir haben einen Brief formuliert, der Maßnahmen fordert und den jede*r an seine*n Abgeordnete*n schicken kann. Macht mit! Euer Beitrag gegen Rassismus und rechtsextreme Gewalt dauert keine fünf Minuten und geht in 3 Schritten:
    1. Geht auf: http://www.bundestag.de/abgeordnete/wahlkreise/
    2. PLZ eingeben und Abgeordnete finden
    3. Auf Politiker*innen klicken, den unten stehenden Text in das Kontaktformular kopieren und abschicken.

    Bitte ladet mehr Menschen ein, konkrete Maßnahmen gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu fordern.
    #FragdeinePolitikerIn
    ————————————————————
    ↓↓↓ HIER DER TEXT ZUM KOPIEREN ↓↓↓
    Sehr geehrte(r) Frau/Herr Abgeordnete(r),
    Die Ermordung neun junger Menschen in einer Shishabar in Hanau, das Attentat auf eine jüdische Gemeinde in Halle, der Mord an Walter Lübcke, der sein politisches Mandat für die Durchsetzung einer humanistischen Politik nutzte, versetzen mich in Angst. Die Schlagzeilen allein der letzten Monate führen vor Augen, dass Deutschland ein strukturelles und Leben bedrohendes Problem mit Rechtsextremismus hat. Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte entsprechend fest: „Rassismus ist ein Gift. Der Hass ist ein Gift. Und dieses Gift existiert in unserer Gesellschaft […].“
    Seit dem 19. Februar 2020 möchte ich diese Entwicklung nicht mehr nur bedauern und mich empören, sondern politische Antworten hören auf die Frage, wie die Rassismuskrise in Deutschland nachhaltig überwunden werden kann. Dafür frage ich Sie als demokratisch gewählte/n Abgeordnete/n:
    1. Welchen Stellenwert nimmt die Verhinderung verbaler und körperlicher, rassistischer Gewalt in Ihrer alltäglichen, politischen Arbeit ein? Wieviel Zeit und Aufmerksamkeit widmen Sie diesem Problem?
    2. Haben rassistische und rechtsextremistische Übergriffe auf Bewohner*innen Ihres Wahlkreises in den letzten Jahren zugenommen?
    3. Wann haben Sie persönlich zuletzt den Rassismuserfahrungen von Musliminnen und Muslimen, Jüdinnen und Juden und anderen Minderheiten zugehört und mit Ihnen gesprochen?
    4. Wie nehmen Sie das Engagement gegen Rassismus in Ihrer Umgebung wahr?
    5. Welche Antirassismus-Trainings und Weiterbildungen haben Sie zuletzt gemacht?
    6. Welche politischen Konsequenzen ziehen Sie aus den rechten Gewalttaten der letzten Monate für ihr Mandat? Was wird sich ändern?
    7. Wie werden Sie den realen Ängsten jener Bewohner*innen in Ihrem Wahlkreis begegnen, die von Rassismus betroffen sind?
    8. Wie stellen Sie sicher, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst zukünftig gegen die zunehmende rassistische Gewalt in Deutschland proaktiv vorgehen, damit sich solche Gewalttaten nicht mehren?
    9. Woran wird man Ihr politisches Handeln in Bezug auf rechte Gewalt messen können?
    10. Wie kann Ich Ihnen dabei helfen?
    Mit diesem Schreiben möchte ich Ihnen zudem meine Solidarität und Mithilfe für Ihr künftiges Engagement gegen Menschenhass und Rassismus zusichern. Bitte informieren und involvieren Sie Ihren Wahlkreis, um gemeinsam als Gesellschaft gegen Rassismus aufzustehen. Bitte nutzen Sie ihr politisches Mandat, um zu verhindern, dass weitere Mitbürger*innen diskriminiert, bedroht oder sterben werden.
    In Sorge

  15. Hallo,

    da ihr die Risikoeinstufung für das Wohl der Bevölkerung durch das RKI auch angesprochen habt auch mal an euch die Frage:

    Wie werden diese stufen Klasifiziert/Definiert und wie viele bzw. welche Stufen gibt es?

    Die Frage habe ich auch schon diversen Hotlines gestellt. Antwort – keiner weiß es.
    Das RKI antwortet natürlich keinem einzelnen Steuerzahler ;)

    Und für mich ist „mäßig“ eine bedeutungslose Aussage ohne Relation und die Möglichkeit zB in einer Tabelle nachschauen zu können welche Kriterien ausschlaggebend für die Erfüllung von „mäßiger“ Bedrohung nötig sind.

    Als Beispiel (wir auch vom RKI verlinkt) gibt es vom baua Klassifizierung von Vieren:
    https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/TRBA/pdf/TRBA-462.pdf?__blob=publicationFile

    Lg

  16. Hallo,
    ich hätte einen Themenvorschlag für euch.
    Faneskalation in Fussballstadien, Kollektivstrafen, Reaktion der Vereine

    https://www.kicker.de/771147/artikel/fanprojekte_warnen_vor_eskalation_in_der_causa_fans_vs_hopp

    https://www.kicker.de/771039/artikel/nach_beleidigungen_gegen_hopp_tsg_und_bayern_setzen_besonderes_zeichen

    https://www.n-tv.de/sport/fussball/Urheber-der-Anti-Hopp-Banner-aeussern-sich-article21612851.html

    Mich persönlich würde eine objektive und gut recherchierte Meinung zu diesem Thema von euch interessieren. Es ist ein sehr aktuelles Thema und spaltet die Fußballfanszene.

    Wie ist der Standpunkt der einzelnen Beteiligten (Vereine, Hardcore-Fans, DFB, DFL) oder den Großteil der Fans ohne die Hardcore-Fans?

  17. 3. März 2020 um 9:00 Uhr
    Holger Theisen

    Ein Hinweis, bzw. eine Richtigstellung zu der Tätigkeit von Friedrich Merz.
    Ihr erwähntet etwas nonchalant, er sei für eine “Heuschrecke” tätig geworden. Nun versteht man unter “Heuschrecken” im Zusammenhang mit Finanzinstituten in der Regel sog Private Equity Gesellschaften. Ein Beispiel dafür wäre Blackstone.
    Friedich Merz ist aber für Blackrock tätig geworden. Blackroch hiingegegn ist der größte Vermögensverwalter der Welt. Das Geschäftsmodell von Vermögensverwaltern ist es Gelder für private und institutionelle Kunden (Pensionskassen, Versicherungen etc.) anzulegen. Hier ist der etwas abfällige Begriff “Heuschrecke” unangemessen und irreführend

    • Hallo zusammen,

      möchte mich dem Vorredner an der Stelle anschließen – auch mir ist das aufgefallen und ich finde persönlich, dass “framed” in eine sehr falsche Richtung.

      Trotzdem Grüße an Euch!

      • Mich würden dazu mal Quellen interessieren, die das Investitionsverhalten der Firma unter die Lupe nehmen … kennt da jemand eine Untersuchung?

        • Hallo,

          Keine Untersuchung, aber tagesschau.de hat was dazu. Unter anderem heißt es dort:

          Dabei ist der verschwiegene Vermögensverwalter längst eine Macht in Deutschland, hält Anteile an fast allen größeren Börsenunternehmen. Dazu gehören Dax-Konzerne wie die Wohnungsbaufirma Vonovia ebenso wie die Deutsche Bank, der Chemieriese BASF oder das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck. In der Regel schwanken die Anteile zwischen drei und acht Prozent. Dabei stammen die Beteiligungen nicht aus eigenem Kapital, sondern vor allem aus physisch replizierenden ETFs, aber auch aus aktiv verwalteten Blackrock-Investmentfonds.

          Zur Abgrenzung zu Hedgefonds, siehe dort.

          Stand: 19.07.2019 14:58 Uhr

          https://www.tagesschau.de/wirtschaft/boerse/blackrock-109.html

          Danke für den Podcast.
          VG
          Steve

    • Ich habe auch gezuckt, als ich das gehört habe.
      Blackrock legt managed zum Beispiel ETFs. Das heißt, wenn ich mein Geld für die Altersvorsorge breit streuen, mich aber nicht um die einzelnen aktien kümmern will, beauftrage ich Blackrock oder eine andere Firma damit:
      https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/welche-anbieter-von-etfs-gibt-es-in-deutschland-16607
      Hier treffen sich Kapitalismus und Kommunismus. Ich werde Miteigentümer an diversen Firmen.
      An dieser Stelle ohne Mitspracherecht. Wenn ich das wöllte, müsste ich Aktien direkt kaufen.
      Klar werden die Firmen, die die Aktien für mich kaufen, dadurch theoretisch wichtige Player, die die Firmen beeinflussen könnten.
      Tun sie (zumoindest Blackrock) aber anscheinend nicht. So lese ich das hier heraus:
      https://www.zeit.de/news/2018-10/31/diskrete-finanzmacht-wer-ist-blackrock-181031-99-611089
      Ich nutze diese Möglichkeit um meine Altersvorsorge einigermaßen selbstverantwortlich und flexibel zu gestalten und bin froh, dass es diese Möglichkeit gibt.

      Was anderes sind Finanzinvestoren wie Cevian oder Blackstone.
      Die kaufen sich über Aktien in Firmen ein und wollen deren Kurs mitbestimmen um möglichst viel Kapital daraus zu erwirtschaften (Dividende, Kursgewinne, etc.). Mitunter eben ohne Rücksicht auf sonstige Belange. –> diese wurden in der Vergangenheit als Heuschrecken bezeichnet.

      Ich finde es wirklich schade, dass Ihr so arglos mit solchen Begriffen umgeht. Da ihr ja ansonsten immer sehr sachlich und ausgewogen seid.

      Der Begriff Heuschrecke ist meiner Meinung nach eine Unterstellung/Beschimpfung, die ich nicht verwenden würde, wenn ich mir nicht nahezu hundertprozentig sicher wäre, dass die Person/Gesellschaft.. wirklich “Dreck am stecken hat”.

      Ansonsten toller Podcast, auch das Interview zum Thema Klima im Küchenradio nebenan ist sehrgut.

  18. Zur Vorbereitung auf Corona: Die AU könnt ihr dann jetzt auch aus Eurer Werberliste streichen (ihr promotet ja auch nicht die Bild): https://twitter.com/ralphruthe/status/1234739095819243520

    • Wir haben keine Werberliste, weil die Werbeplätze selbstverständlich nicht von der Redaktion vermarktet werden, sondern von einer unabhängigen Agentur. Daher gab es bei uns immer mal wieder Werbung, die wir inhaltlich nicht richtig finden, und das wird auch weiterhin so sein. Wir haben der Agentur lediglich ein paar abstrakte inhaltliche Vorgaben gemacht, die wir auch auf unserer Homepage veröffentlicht haben:

      https://www.kuechenstud.io/lagedernation/werbe-policy/

      • Dann solltet ihr vielleicht mal überlegen, ob das Ausreichend ist. Das ist ja jetzt auch beileibe nicht die erste Anmerkung, dass die Werbepartner nicht gerade “optimal” sind…

        • Die Kritik an unserer Werbe-Policy ist ehrlich gesagt nicht nennenswert, vielleicht ein dutzend Leute in zwei Jahren, bei mehreren hunderttausend Hörer*innen. Und in aller Regel handelt es sich um Menschen, die irrtümlich annahmen, dass wir die Werbung selbst aussuchen. Daher haben wir ja die Policy geschrieben, damit die Menschen verstehen, dass wir mit der Auswahl nichts zu tun haben und auch nichts zu tun haben wollen. So ist das übrigens in allen professionellen Redaktionen geregelt.

        • @Ulf: Meines Wissens sind aber in professionellen Redaktionen die Werbeabteilungen auch getrennt vom Journalistischen Teil. Ihr dagegen sprecht die Werbung selbst ein.

          Ich finde das nicht besonders schlimm, aber wundere mich immer dann darüber wenn z.B. Phillipp kritisiert, wenn Journalisten für Firmen Veranstaltungen moderieren. In der selben Folge in der er Werbung für eine Firma gesprochen hat…

  19. Ich bin voll auf eurer Seite: Es muss Gesicht zeigen gegen rechte Gewalt, aber bitte vergleicht nicht den Anschlag in Hanau mit dem auf Charlie Hepdo. Zum einen waren dort die Opferzahlen weitaus höher (natürlich sollen Menschenleben keine Messlatte sein, aber es ist eben eine andere Dimension). Zum anderen handelte es sich in Hanau um einen Einzeltäter und bei Charlie Hepdo stand eine Terrorgruppe/organisation dahinter.

    Und zweiter Punkt “die Antifa ist wertvoll”. Die Antifa ist alles andere als wertvoll in dieser Hinsicht, sogar eher kontraproduktiv. Persönliches Beispiel:
    Ich habe damals an einigen Anti Pegida Demos teilgenommen. Bei den großen Gegendemos hat man sich in einer bunten Menge auch wohlgefühlt. Als die Demos jedoch kleiner würden und man sich immer häufiger zwischen schwarz gekleideten Leuten widerfand, die Beleidigungen rufen und später dann vermummt durch die Straßen gelaufen sind war die fröhliche Teilnahme an der Gegendemo dann leider vorbei.

    Nein zu rechtem und linkem Extremismus!

  20. Ich möchte noch auf einen Aspekt im Zusammenhang mit dem Umgang von Rechtsextremismus eingehen. Ihr weist völlig zurecht darauf hin, dass man gegen Terror selbst unter erheblicher Einschränkung von Freiheitsrechten nicht viel ausrichten könnte und man entsprechend an den Ursachen ansetzen muss: dem Rechtsextremismus. Richtig, hoffentlich kommt die besagte Debatte darüber endlich in Gang. Aber selbst wenn dies tatsächlich nennenswert geschehen sollte, bin ich gespannt wie ehrlich diese geführt werden wird.
    Meiner Meinung nach ist die in Teilen der Gesellschaft vorherrschen Fremdenfeindlichkeit in dem Umfang nur durch politisches Versagen zu erklären. Ich meine damit noch nicht einmal, dass entsprechende Terrorakte nicht adäquat benannt und nachhaltig verurteilt werden. Sondern viel mehr, dass Menschen, die von ihrem Einkommen – wenn sie denn eines haben – nicht in Würde leben können, in Migranten oder Flüchtlingen leider allzu schnell den erbitterten Konkurrenten um Arbeitsplatz oder Sozialhilfe sehen. Das reiche Deutschland leistet sich einen Niedriglohnsektor, der seinesgleichen sucht und einen wesentlichen Anteil der Bevölkerung in permanenter Angst vor Abstieg oder Armut hält. Als netter Nebeneffekt des viel zu niedrigen Mindestlohns werden insbesondere europäische Nachbarn ökonomisch unter Druck gesetzt, was wiederum dort die Fremdenfeindlichkeit nährt. Der Rassismus selbst ist also das Symptom.
    Spätestens mit der Agenda 2010 hat dieser Kurs eingesetzt und wurde durch die nachfolgenden Krisen befeuert.
    Es steht außer Frage, dass rassistische Terrorakte konsequent verurteilt werden müssen, dass Behörden, die auf einem Auge blind zu seien scheinen, besser kontrolliert werden müssen, dass mehr in Geld für Prävention ausgegeben werden muss, etc.
    Solange aber ein wesentlicher Teil der Bevölkerung unter ständiger Abstiegsangst leidet oder den Eindruck hat, dass sich die Politik nur um Reiche oder Fremde kümmert, wird es für Parteien wie der AFD stets Rückhalt in der Bevölkerung geben.
    Eine ehrliche Debatte zum Rechtsextremismus schließt für mich somit ein, die Verfehlungen der Sozial- und Wirtschaftspolitik zu benennen und zu beheben. Gelingt dies wird auch die Fremdenfeindlichkeit weniger Angriffsfläche haben und abnehmen.

    • Ich persönlich teile deine Kritik am Niedriglohnsektor, aus sozialwissenschaftlicher Sicht wählen Menschen aus dieser Schicht aber gerade nicht besonders häufig die AfD. Deren Wähler stammen – wie schon in den 30ern – eher aus der Gruppe der kleinen Beamten, Angestellte und Selbständigen, also aus Schichten, denen es noch relativ gut geht.

      Der Effekt scheint hingegen mittelbar zu sein: Die Existenz einer neuen Schicht der “Verdammten dieser Erde” erzeugt große sozioökonomische Verunsicherung auch bei Menschen, die noch nicht auf Hartz IV leben. Und aus dieser Verunsicherung resultiert leider oft Abgrenzung und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

      • Auch wenn das in meinem Beitrag ein wenig untergeht – wie ich im Nachhinein feststelle – sehe ich die größten Abstiegsängste gerade beim Mittelstand. Was sich, wenn man von Beamten in sicheren Arbeitsverhältnissen absieht, wohl auch mit der von dir genannten AFD-Wählerschaft deckt. Allerdings denke ich auch, dass es außerhalb der AFD am rechten politischen Spektrum zahlreiche Menschen mit fremdenfeindlichen Tendenzen gibt, die vielleicht keine Terrorakte gut heißen, aber dennoch mit sehr konservativen Ansichten die gesellschaftliche Stimmung stark beeinflussen und einer entsprechenden Debatte eher ablehnend gegenüberstehen.

  21. Liebe Lage,
    ich versuche mich generell über unterschiedliche Kanäle zu informieren, um verschiedenste Meinungen bei meiner persönlichen Einschätzung zu berücksichtigen. Konkret habe ich mich mit dem Block von Boris Reitschuster beschäftigt. Aufmerksam wurde ich auf ihn mit seinem Streit mit der ARD, bei dem aus meiner Sicht Herr Reitschuster recht hatte. Zweifelnd bin ich jedoch mit den generellen Aussagen des Newsletters. Ich fände es super, wenn ihr dies zum Thema der Lage machen könntet.
    Viele Grüße
    Daniela

  22. Mir ist in den letzten paar Episoden aufgefallen, daß ihr die Atomkraft schnell abtut; darum würde ich gerne einmal diese interessante, statistische Aufbereitung zur Sicherheit verschiedener Energiegewinnungsmethoden teilen: https://ourworldindata.org/safest-sources-of-energy. Ourworldindata ist eine Publikation zu statistischen Trends und basiert in Oxford.

    Der Artikel zeigt klar, daß der schnelle Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland tendenziell schädlich ist, und die öffentliche Wahrnehmung dieser Energieerzeugung, gerade im Vergleich zu Kohlekraft falsch ist. Die Diskussion in Deutschland scheint bezüglich des Werts von Atomkraft beendet zu sein, doch finde ich es wichtig, wenn ihr in eurem Podcast bei wissenschaftlichen Themen möglichst akkurat seid. Und bei vielen Klima-und Public-HealthexpertInnen ist die Atomkraft eine von mehreren Optionen, die wir angesichts der Klimakrise als Übergangsoption erwägen sollten. Gerade in sehr dicht bevölkerten Regionen, wo zentrale, kleinfläche Energieressourcen verfügbar sein müssen. Singapur ist da ein gutes Beispiel.
    Abgesehen davon wollte ich euch für den ganzen spannenden Content, und die Offenheit gegenüber kritischen Kommentaren danken. Freue mich jede Woche auf die neue Folge.

  23. Ich finde es immer sehr schön, dass ihr in vielen Bereichen sehr viel wert darauf legt, die richtigen Begriffe zu verwenden.
    Leider aber seid ihr da im Waffenrecht etwas nachlässig, leider genau so wie viele Medien.
    Ihr sagtet wieder, dass der Täter von Hanau einen Waffenschein hatte. Dies war aber nicht so. Ein Sportschütze hat allerhöchstens eine Waffenbesitzkarte. Das ist ein himmelweiter Unterschied, auf den ich jetzt hier nicht näher eingehe, da dieser in früheren Folgen in den Kommentaren schon mehrmals erklärt wurde.
    Mich persönlich wurmt es immer, wenn in den Medien pauschal von Waffenschein gesprochen wird. Ein Grund warum ich Euch gerne höre, ist, weil Ihr euch von der Qualität der Berichterstattung abhebt. Mich würde freuen, wenn Ihr dies auch im Bereich Waffenrecht machen würdet. Danke.

    • Danke für den Hinweis, das haben wir aus Medienberichten übernommen, obwohl ich es eigentlich besser weiß … pardon.

  24. Hallo lieber Philip und lieber Ulf,
    ich möchte eine Kleinigkeit zu Eurer Berichterstattung zur Hamburg-Wahl nachtragen, da ich selbst als Wahlhelfer tätig war:

    1. Ihr beschreibt das Wahlsystem als kompliziert, sodass das Auszählen der Stimmen lange gedauert hat. Das stimmt. Wir haben am Sonntagabend und am Montagvormittag Stimmen ausgezählt und das dauert schon einige Stunden (obwohl wir einen Wahlbezirk mit weniger Wahlbeteiligung hatten.
    Was aber leider nicht gut in der Presse kommuniziert wurde ist, dass Sonntag nur eine VORAUSZÄHLUNG stattgefunden hat. Konkret wurden also nur die Wahlzettel am Sonntag gezählt, bei denen eine Gesamtliste einer Partei alle fünf Stimmen bekommen hat. Alle anderen Stimmzettel wurden Sonntag gar nicht angeguckt. Das Ergebnis stimmte halbwegs mit dem Endergebnis von Montag überein, aber es erklärt auch, warum es von Sonntag auf Montag Schwankungen gab und besonders AfD und FDP Glück bzw Pech gehabt haben.
    Die Sonntagsauszählung gab es also nur, um der Presse und der Bevölkerung überhaupt ein ungefähres Ergebnis geben zu können. Am Montag wurden ALLE Stimmen dann nochmals ausgezählt und erst danach gab es das endgültige Ergebnis.
    Auf diese Weise wurde es dieses Jahr das erste Mal gemacht, was dazu führte, dass wohl einige der -überspitzt gesagt- alten Omis, die Wahllokale leiteten, sicher überfordert waren. Zudem war der Reader, in dem alle Informationen für die Wahllokal-Leitungen drin stehen, nicht in Gänze erneuert worden, sondern enthielt zum Teil noch widersprüchliche Informationen zum eigentlichen Wahlprozedere.

    Vor allem die Transparenz, was jetzt am Sonntag eigentlich ausgezählt wird, hat mir leider völlig bei der Wahl dieses Jahr gefehlt. Ich hoffe, das macht die Wahlleitung nächstes Mal besser.

    2. Ihr spracht, wie auch andere Medien (z.B. Tagesschau.de), davon, dass es für die FDP aufgrund eines Auszählfehlers “doch nicht gereicht hat”, um über die 5%-Hürde zu kommen. Auch unter Betrachtung dessen, was ich oben geschrieben habe, ist das einfach nicht ganz korrekt. Es entsteht leicht der Eindruck, dass aufgrund von Fehlern bei der Auszählung die FDP den Einzug ins Rathaus nicht geschafft hat.
    Korrekt wäre, dass aufgrund der nicht sehr genauen Vorzählung (und Zweitrangig auch der Verwechslung bei der Übermittlung der Stimmen von FDP und Grünen bei dieser Vorauszählung) der Eindruck entstand, die FDP würde mehr als 5% bekommen.
    ABER: Ins Rathaus eingezogen sind sie nur deshalb nicht, weil zu wenig Menschen sie gewählt haben und nicht aufgrund eines Auszählfehlers bei der Vorauszählung!

    Hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick geben. Wenn ihr weitere Fragen habt oder etwas unklar geblieben ist, dann fragt gerne! :-)

    Beste Grüße,
    Mirko

    • Danke für das Update! Nach Medienberichten war Ursache der Korrektur bei der FDP aber wenigstens auch, dass in einem Wahlbezirk die Stimmen von Grünen und FDP verwechselt wurden. Das macht bei 5 vs. 25 Prozent natürlich schon einen großen Unterschied, der den Ausschlag geben kann, wenn es knapp ist.

      • Absolut! Ist auch auf jeden Fall ein Teil gewesen.
        Fand es trotzdem spannend, wie wenig transparent damit umgegangen wurde, welche Stimmen denn nun am Sonntag schon ausgezählt wurden. Und das hilft allemal bei der Einordnung des “hin- und her”s bei den Stimmen rund um die 5%.
        Danke für euren guten Job,
        Mirko

    • @ Mirko
      Mein Selbstverständnis lässt es nicht zu, dass ich dir deine hypothetische Beschreibung von Wahlbezirksleiterinnen öffentlich “um die Ohren haue”.
      Im Übrigen war ich mit Ulfs/Philips Darstellung ganz einverstanden in Anbetracht der Tatsache, dass das Gros der Hörer*innen sich evtl. nicht für die Feinheiten des hiesigen Wahlsystems interessiert.
      Die FDP hat bei der Zählung am Montag mMn sogar deshalb verhältnismäßig mehr Stimmen dazu bekommen, weil sie eher Kreuze auf den “gemischten” Stimmzetteln bekam, die eben am Sonntag gar nicht gezählt werden sollten.
      Helga
      67 Jahre alt
      und dann auch noch Wahlhelferin ;)

  25. Danke für die Berichterstattung zum Thema Covid19. Ich bin Hausärztin. Das RKI empfiehlt bei Testung Schutzkleidung zu tragen, die sämtlich ausverkauft ist. Darum können viele Hausärzte nicht testen. Leider hat ein Teil der “Zivilisten” die FFP2 oder FFP3 Schutzmasken gekauft und für uns im Medizinbereich Tätigen gibt es aktuell keine…
    Zum Thema krank schreiben: ich finde das Studium und die Weiterbildung zu aufwändig um sich vorwiegend mit Erkältung und Magen-Darm zu beschäftigen. Meine Patienten bekommen die AU (Arbeitsunfähigkeit) in einem kurzen Kontakt persönlich überreicht und kommen nicht ins Sprechzimmer. Das ist für ernsthaft Kranke / Chroniker reserviert. Zusätzlich vergeben wir exakte Uhrzeiten für akute Anliegen telefonisch und per mail. Dadurch ist das Wartezimmer fast nie voll und die Wartezeit zum akuten Termin im Wartezimmer sehr kurz.
    Dieses Verfahren klappt zu aller Zufriedenheit sehr gut. Also Ihr vollkommen Recht: ohne solche Massnahmen ist ein Arztwartezimmer ein sehr gefährlicher Ort ;-)
    Übrigens hat die DEGAM (Dt Gesellschaft Allgemeinmedizin) für Hausärzte praktikable Anweisungen aus den RKI Empfehlungen gebastelt.

  26. Lieber Philip, lieber Ulf,

    Zunächst einmal vielen Dank für die Lage der Nation. Seit zirka einem Jahr bin ich treuer Zuhörer von Euch. Beim Thema Windkraft und vor allem Abstandsregelungen habe ich jedoch eine grundsätzlich andere Ansicht als ihr. Eure Aussage „200 Meter oder so“ bringt mich dazu diesen Kommentar zu schreiben.
    In 2010 habe ich auf dem Land wissentlich in sehr ruhiger Lage einen mittleren sechsstelligen Betrag in einen Neubau investiert. Als nichtselbstständiger Arbeitnehmer werde ich dafür sehr lange arbeiten müssen, sofern mein Arbeitsplatz nicht nach Polen verlagert wird.
    Grundsätzlich bin ich eigentlich für erneuerbare Energien. Ich betreibe selbst eine PV Anlage und eine Wärmepumpe mit Erdwärmesonden. Das Haus ist sehr gut wärmeisoliert.
    Anfang 2018 sind im Abstand von 1200 Metern zu meiner Grundstücksgrenze 6 Windkraftanlagen zu je 3 MW mit 150 Metern Masthöhe in Betrieb gegangen.
    Seither sind mein Garten und meine Terrasse als Ort der Naherholung weitestgehend unbrauchbar. Bei passender Windrichtung höre ich die Windkraftanlage in meinem Wohnzimmer durch die Dunstabzugshaube und in meinem Schlafzimmer nachts bei geschlossenen Fenstern.
    Würde ich in Bayern leben, dürften die Windräder nach aktueller Vorschriftenlage an dieser Stelle nicht stehen. Weshalb meine Landesregierung davon ausgeht, dass ich schlechter höre als ein Bayer, ist mir schleierhaft. Ich habe die Landesregierung bei der letzten Wahl dann auch nicht mehr gewählt.
    Die für den Betreiber vorgeschriebenen Grenzwerte der Schallemission (TA-Lärm) sind nach meiner Auffassung nicht ausreichend und werden darüber hinauf auf Basis von Messungen gelegentlich nicht eingehalten. Kontrollieren tut das meines Wissens derzeit niemand.
    In Eurem Podcast habt ihr anfänglich Eure diesjährige Urlaubsplanung angesprochen. Ein Vorschlag, nehmt Euch mal eine Campingausrüstung und versucht einen erholsamen Abend im Abstand von 1000 Metern um einen Windpark zu verbringen. Vielleicht bekommt ihr einen Eindruck davon, was ein Anwohner täglich ertragen muss.

    Beste Grüße
    Peter

    • Die Aussage: “200 Meter oder so” bringt mich auch erstmalig dazu, hier einen Kommentar zu verfassen. Ich frage mich ernsthaft, ob Herr Buermeyer gern 200 Meter neben einer Windkraftanlage wohnen und leben möchte?

  27. Zum Thema krank ons Wartezimmer setzen: in den Niederlanden kann man sich 2 Wochen krank melden ohne Krankschreibung. Erst danach muss man zu einem bestimmten Arzt der vom Betrieb festgelegt ist oder wenn man häufig sich Krankmeldet kann man da auch hingeschickt werden. Mein niederländischer Freund versteht auch nicht wieso man sich krank in ein Wartezimmer setzen muss und danach noch kränker nach Hause geht.

    Liebe Grüße

    • Die Niederlande sind in vieler Hinsicht vorbildlich was das Gesundheitswesen angeht. So werden dort auch nur sehr selten Antibiotika verschrieben, was dazu geführt hat dass gewisse multiresistente keime in niederländischen Krankenhäusern nicht vorkommen.
      Deswegen kann es deutschen Patienten in NL Krankenhäusern auch passieren, dass sie erst einmal in eine Quarantänestation kommen.

  28. Bitte in Zukunft wieder die OTöne in Stereo abspielen.
    Ich fahre nur mit einem Knopf (dem linken) Fahrrad. Safety first und so :-) und da war bei dieser Folge nichts zu hören.

    Ansonsten vielen Dank für die Arbeit!

    • Dieser war Stereo, aber nur auf einem Kanal ;) Normalerweise ist die Lage in Mono. Aber klar, wir wissen was du meinst, und werden drauf achten.

    • Haben wir bei der GFF mal analysiert, soooo schlimm wird es nicht kommen, weil die Bundespolizei nach dem jeweiligen Landesrecht tätig wird, wenn sie Amtshilfe leistet. Der Artikel ist insoweit rechtlich leider schlicht falsch.

      Aber klar, der Gedanke dahinter ist gefährlich und sollte nicht Schule machen.

  29. 2. März 2020 um 7:37 Uhr
    Jan Hagelskamp

    Liebe Lage der Nation Macher,

    Wie hält es Deutschland nach Hanau mit dem Rechtsradikalismus?
    Das konservative Deutschland hat große Schwierigkeiten sich vom Rechtsradikalismus zu distanzieren, da die Werte der beiden Strömungen nicht sehr weit voneinander liegen. Das erklärt meiner Meinung nach die verhaltene Situation nach allen Vorfällen im Land. Als ein eher konservatives Land haben wir immer sofort den Linksradikalismus wie z. B. die RAF bekämpft. Dies war richtig und sinnvoll. Politisch rechts fällt uns das schwer, weil wir schon so konservative sind.

  30. Warum gibt es keine gesellschaftliche Bewegung gegen Rechtsterrorismus, obwohl es eine gesellschaftliche Bewegung gegen Linksterrorismus und islamistischen Terror gab?
    Weil 45,3 % der Deutschen 1933 die NSDAP gewählt haben. Die Grundhaltung, die damals die Wahl dieser Partei erlaubt hat, hat sich in Teilen über die Generationen weitergegeben. Parteipräferenzen und politische Haltungen werden vor allem in der Familie vererbt. Ich sage nicht, das alle Nazis sind. Aber die Toleranz für Rechtsextremismus bzw. die “Blindheit” gegen diesen sind nach wie vor weit verbreitet. Also hört auf Euch zu wundern, aber appelliert weiter.

  31. Erstmal großes Lob für euren Podcast. Zwei Anmerkungen:

    Ich finde es extrem schade, dass aufgrund der Corona-Hysterie und eurem Lieblingsthema Rechtsterrorismus die sehr problematische Lage in Idlib nicht eine Sekunde thematisiert wurde.

    Zudem ist es populistisch, Blackrock als Heuschrecke zu bezeichnen, was normalerweise für Hedgefonds genutzt wird.

  32. 1. März 2020 um 21:31 Uhr
    Markus Zettelmeyer

    Hallo Philip, hallo Ulf,
    ein kleiner, freundlicher Hinweis: Ulf hat den Vermögenverwalter “Blackrock”, bei dessen Deutschlandtochter Friedrich Merz als Aufsichtratmitglied tätig war, als so genannte “Heuschrecke” bezeichnet. Das halte ich für falsch. Mir ist schleierhaft, warum man Blackrock als Heuschrecke bezeichnen sollte.
    Im Allgemeinen halte ich die mediale Kritik an Merz, gar Dämonisierung, für stark überzogen. Ich bin der Meinung, dass es in der deutschen Poltik an Politiker*innen mangelt, die nicht ihr gesamtes Berufsleben in der Partei verbracht haben, sondern auch anderweitige Berufserfahrungen gesammelt haben.
    Viele Grüße
    Markus

  33. Es haben andere hier bereits aufgegriffen daher kann ich mich nur anschließend: Gibt es einen bestimmten Grund, warum ihr nicht selbst die Namen der Opfer genannt habt, nachdem ihr in Länge ausgeführt habt, wie wichtig das ist?
    Ich fand es sehr gut, dass ihr dieses Thema angesprochen habt und umso bedauernswerter, dass ihr weder die Namen der Opfer genannt habt, noch deren Perspektiven und Leben in irgendeiner Weise Raum gegeben habt. Nach der (angemessenen) Kritik der Berichterstattung hatte ich an dieser Stelle das Gefühl, dass ihr aufgrund der Kritik selbst den öffentlichen Diskurs ein Stück weit selbst reproduziert habt, auch wenn ihr dies mit kritischen Worten begleitet.

    In Gedanken bei Sedat G., Mercedes K., Hamza K., Kalojan W., Bilal G., Fatih S., Said Nessar El H., Gökhan G. und Ferhat Ü.

  34. 52:20 Min.: “Wo ist denn jetzt eigentlich die Soli-Demo mit den Menschen in Hanau?”
    Auch wenn dieses Beispiel vielleicht eher die Ausnahme darstellt: In meinem Wohnort Schwerte (nahe Dortmund) mit unter 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern haben in strömendem Regen ca. 300 Menschen der Opfer von Hanau gedacht. Dabei wurden auch die Namen verlesen.
    https://www.ruhrnachrichten.de/schwerte/mehrere-hundert-schwerter-hielten-mahnwache-fuer-opfer-aus-hanau-und-marc-kaiser-1498300.html

  35. Hallo,

    Ihr habt doch in der letzten oder eine der letzten Folgen gesagt, dass es euch wichtig ist, Dinge fair darzustellen. Vor dem Hintergrund würde ich mir weniger Polemik von euch wünschen, wenn ihr kurz über Dinge hinweggeht, die euch nicht passen.

    Blackrock als Heuschrecke zu bezeichnen ist faktisch falsch (ansonsten hätte ich gerne eine Quelle. Sog. Heuschrecken sind vielleicht einige aktivistische Investoren). Blackrock ist ein Vermögensverwalter und bietet insbesondere relativ günstige ETFs an. Das hat nichts mit Heuschrecken zu tun, außer dass beide Dinge vielleicht dem Bereich Finanzen zuzuordnen sind. Aber ein bisschen mehr Präzision halt ich da dann doch für nötig.
    Im Effekt macht ihr dadurch nämlich negatives Framing in Bezug auf Merz (“Der hat für die gearbeitet, die sich dadurch bereichern, Firmen zu zerschlagen und Leute arbeitslos zu machen”).

    Hierbei kann ich mich irren, aber habt ihr nicht sogar mal Werbung für ETFs oder ähnliche Fonds gemacht? Das hat für mich einen faden Beigeschmack etwas zu bewerben, und dann ähnliche Anbieter als Heuschrecken zu bezeichnen.

  36. Zu eurer Kritik daran, dass symptomlose Menschen ohne bestätigten Kontakt nicht getestet werden: Zum einen sind Laborkapazitäten begrenzt und es verfügen auch noch nicht alle Labors über den Test. Da ist es schon wichtig, die vorhandenen Kapazitäten zunächst mal auf die Fälle mit höherem Risiko zu beschränken. Zum anderen – und der Punkt ist wesentlich wichtiger – gibt es bei jedem Test das Problem der falsch positiven Ergebnisse. Also Fälle, wo im Test festgestellt wird, dass eine Infektion vorliegt, obwohl das tatsächlich gar nicht der Fall ist. Wird massenhaft getestet, steigt die Zahl der falsch positiven Ergebnisse im Vergleich zu den tatsächlich positiven Ergebnissen schnell an. Gerade in der jetzigen Phase, wo die Gesundheitsbehörden versuchen, aufwendig lückenlose Infektionsketten zu ermitteln, stellt das ein großes Problem dar. Knappe Kapazitäten würden unnötig bei Personen mit niedrigem Risiko gebunden, verbunden mit der Gefahr, dass bei Personen mit höherem Risiko mit weniger Aufwand ermittelt werden kann. Es ist also absolut sinnvoll, die Tests nicht einfach bei jedem zu machen, der das mal gerne gecheckt haben möchte. Das unterstreicht natürlich euren Appell, da transparenter mit den Begründungen zu sein und mehr Informationen zu verbreiten. Aber ihr solltet euch als medizinische und epidemiologische Laien bei der Bewertung solcher Einschätzungen wie den Testkriterien der RKI schon stark zurückhalten (habt ihr ja überwiegend auch gemacht).

  37. Hallo ihr beiden,

    mir ist leider aufgefallen, dass ihr von black Rock als Heuschrecke sprecht. Das nutzen dieses Terminus ist in Deutschland zwar sehr beliebt, doch äußerst problematisch. Da ich es sicherlich nicht so gut formulieren kann, wie der Autor des Artikels, dessen Link ich beifügen werde, nur so viel:
    Das Problem ist, dass mit diesem Bild ein Unterschied zwischen raffendem und schaffendem Kapital gemacht wird. Dazu kommt die Entmenschlichung. Diese Form der “Kritik” entstammt bzw. ist sehr nah am NS-Jargon und sollte vermieden werden.
    Ich würde mich freuen, wenn ihr solche Formulierungen in Zukunft lasst und das am besten auch noch einmal kritisch reflektiert.
    Ansonsten möchte ich euch für eure wirklich tolle Arbeit danken und hoffe, dass ihr noch lange diesen super Podcast aufnehmt!

    https://www.juedische-allgemeine.de/politik/die-linke-und-die-heuschrecken/
    Lieben Gruß

    • Schade, dass ihr auf meine Kritik nicht eingegangen seid. Habt ihr sie einfach übersehen, oder ist es euch egal, wenn ihr antisemitische Narrative verbreitet (was ich eigentlich nicht glaube)?

  38. Hallo Philip, Ulf und Lage-Community,

    das Thema Windenergie wurde in dieser Folge ja kurz angerissen, es ist natürlich ein enorm weites und komplexes Feld, das von euch auch schon vielfach thematisiert wurde. Ich hätte dazu noch einen Thema, das zumindest mich und vielleicht ja auch andere in dem Zusammenhang interessieren würde.

    Die Diskussionen um den Bau von Windkraftanlagen werden emotional und kontrovers geführt und ich persönlich bin der Überzeugung, dass wir einen weiteren Ausbau aus Klimaschutzgründen brauchen. Aus beruflichen Gründen beschäftige ich mich jedoch auch viel mit dem Thema Artenschutz und hier sind gewisse Konflikte nicht von der Hand zu weisen. Dass Vögel, Fledermäuse und Insekten an den Rotorenblättern sterben ist Fakt. Doch es gibt Möglichkeiten, wie dies zumindest eingeschränkt werden kann (z.B Abschaltalgorithmen zu Fledermaus-Flugzeiten, Mindestabstände zu Brutplätzen etc.). Die Frage, die sich mir stellt ist nun: werden solche Artenschutz relevanten Dinge konsequent angewandt und umgesetzt? Erfolgreiche Klagen beispielsweise vom NABU legen Nahe, dass dies zumindest nicht immer der Fall ist. Und Windenergie im Wald ist unter dem Aspekt ebenfalls sehr kritisch zu betrachten. Auf der anderen Seite unterstelle ich vielen Bürgerinitiativen, dass sie den Artenschutz bei ihren Argumentationen häufig instrumentalisieren und es ihnen im Kern um andere Aspekte (Stichworte Landschaftsverschandlung, Infraschall etc.) geht, die ich oftmals nicht teile. Denn an anderer Stelle interessieren sich dieselben Menschen oft (nicht immer!) herzlich wenig für den Artenschutz, so mein Eindruk. Trotzdem sollte unser ohne Frage dringend notwendige Klimaschutz nicht auf Kosten der ebenfalls enorm bedrohten Biodiversität verlaufen und ich bin der Überzeugung, dass dies prinzipiell auch möglich ist.

    Ich würde mich über eine Analyse und Einschätzung zu dem Thema und eine Diskussion mit der Lage-Community hier sehr freuen!

  39. Hallo lieber Philip, hallo lieber Ulf
    als Lage Hoerer der ersten Stunde habe ich immer noch keine Folge verpasst, obwohl ich Eure Meinung oft nicht teile. Ihr sagt voellig zu recht, dass niemand neutral sein kann und sich daher Haltung auch in der Darstellung und Auswahl der Informationen wiederfindet, daher habe ich generell ueberhaupt kein Problem, dass Eure auch selbst oft genannten Quellen eher an einem links liberales Weltbild orientieren. Wenn ich mir was wuenschen duerfte, waere es, dass ihr in Eure Recherche auch mal andere Sources oder Meinungsbilder einbinden koennten. Ich lese regelmaessig Cicero, auch manchmal die NZZ und hoere regelmaessig Steingart’s Morning Briefing und fuehle mich dadurch angereichert informiert, auch wenn ich da genauso manchmal denke: WTF! Ich finde halt, dass man moeglichst viele verschiedene Sichtweisen in seine Meinungsbildung mitnehmen sollte, weil wenn ich mit in meinem links-liberalen Weltbild bleiben will, bekomme ich nur eine Bestaetigung was ich eh schon weiss.

    Ihr habt schon genug ueber die USA berichtet und da ist genau diese Polarisierung der Medien eine der Ursachen der extremen Verteiltheit der Medien, hier frage ich mich, ob Euer Anspruch nicht ist (oder vielleicht auch war, zumindest am Anfang) dass ihr eigentlich nicht nur Eure Hood, Community, bubble bedienen wolltet.

    Bezeichnungen wie neoliberale Folgen bei den scheinbar zu wenig Krankenhausbetten in Folge des Corona Virus sind aus meiner Sicht polemisch und mit all due respect auch faktisch nicht korrekt wiedergegeben. Bitte mal nach Daenemark schauen und deren Organisation der Krankenhauser. Ich bin echt kein Experte, aber wir haben nach meiner Kenntnis ein grosses Effizienzproblem im deutschen Gesundheitswesen und das ist mit Sicherheit nicht nur ein Problem von scheinbar “neokonservativer” Gesundheitspolitik. Hier waere ein wenig weniger Meinung und Fokus auf reine Informationsdarstellung mehr

    Auch Euer Merz Beispiel finde ich ehrlich gesagt ziemlich polemisch. Was soll ein Schnipsel einer Pressekonferenz, in dem er eine vergiftete Frage eines fuer ihn nicht gerade gutmeinenden Medium sehr praegnant beantwortet. In Eurer Community sind sehr wahrscheinlich sehr, sehr wenig Merz Anhaenger und jetzt habt ihr ihn noch mal verteufelt. So what? Der Mann muss potentielle AfD Anhaenger zurueckholen in den demokratischen Prozess und nicht Eurer Hoerer. Klar muss er dessen groesste Probleme (Einwanderung, Klankriminalitaet) adressieren und kann dabei trotzdem den Rassismus bekaempfen. Ich finde und da bin ich bei Sascha Lobo, dass es in dieser aufgeheizten Debatte entscheidend darauf ankommt, dass die Konservativen versuchen, diese Waehlergruppen fuer die Demokratie zu gewinnen und das kann leider gelingen, wenn man ihnen “nur” das anbietet, was die SPD, die Gruenen und die Linken anbietet. Ja, der Weg das zu erreichen, ist noch nicht klar, aber nun die Referenz HH oder Bayern zu nehmen, finde ich arg kurz gesprungen.

    In Bayern haben die Freien Waehler viel abgefangen und in HH war die CDU nun echt keine Law und Order Partei, sondern hatte einen schwachen Kandidaten und ist durch Thueringen extra bestraft worden. Ich finde, dass wir vermeiden muessen, potentielle AfD Waehler, also ueberwiegend alte weisse Maenner, die nicht schon dem Rassismus verfallen sind, komplett ohne politische Heimat zu lassen und die dann alternativlos den Hoecke’s dieser Welt zu ueberlassen. Ihr werdet es vielleicht nicht glauben, aber ich kenne tatsaechlich noch alte weisse Maenner (und Frauen), die sich von Globalisierung ueberfordert fuellen, die gerne das traditionelle Familienkonzept leben, die noch (zu) viel Auto fahren, die sich Kreuzfahrten goennen, die keine oder kaum Fremdsprachen kennen, die aber echt keine Rassisten sind. Um die geht es bei den oben mir genannten Quellen und vielleicht koenntet ihr die ja auch gelegentlich in Eurer Darstellung der Lage der Nation zumindest mitberuecksichtigen (ihr muesst sie ja nicht verstehen)

    Viele Gruesse aus Haarlem

    Dirk

  40. Die Forderung nach einem größeren und tieferen gesellschaftlicheren Aufschrei kann ich verstehen. Jedoch teile ich eure Analyse nicht. Wie ihr richtig sagt gibt es ja Bündnisse, Mahnwachen, Demos (Wir sind mehr etc.) aus bestimmten gesellschaftlichen Schichten. Es ist die “bürgerliche mitte”, die sich, wenn überhaupt, wage positioniert. Diese Gruppe gilt es zu benennen und aufzufordern.

  41. Hey,
    Ich fand die Besprechung der Covid-19 Problematik nicht ausreichend. Phillip hat ja den Podcast mit Prof Dorsten gehört, dort geht er davon aus dass die Sterblichkeitsrate unter einem Prozent liegt. Das liegt daran dass er die Zahlen aus China, Iran und Italien nicht Einflüssen lässt in seine Berechnung.
    Seiner Meinung nach kann er das tun und weil er im Gegensatz zum Rki keine öffentliche Funktion hat.
    Ein Beleg seiner These sind die Zahlen aus Südkorea:
    Gutes Testsystem, vergleichbarer medizinischer Standard. Stand heute knapp 3800 Infizierte und knapp 20 Tote. Was immer noch 0,5 % sind aber weit weg von den 2 Prozent die ihr nanntet.

    • Mich würde mal interessieren, wieviel in die Sterblichkeitsrate die Tatsache mit reinspielt, dass es noch keinen Impfstoff gibt.
      Bei der Grippe kann man ja davon ausgehen, dass gerade Leute mit hohem Gesundheitsrisiko sich impfen lassen. Es wäre also zu erwarten, dass ohne Impfung die Sterblichkeitsrate hochgehen würde, weil bei den zusätzlich Erkrankten überproportional viele dabei wären, bei denen die Krankheit einen schweren Verlauf nimmt.

  42. Thema: Corona
    Ich denke eine große Problematik besteht darin, dass viele Menschen nur Stundenweise bezahlt werden. In diesem Fall gibt es meist keine Krankheitstage, sondern bei Fehlen wird man einfach nicht bezahlt. Diese Berufe sind meist schlecht bezahlt, weshalb die Schwelle bei den ersten Anzeichen zuhause zu bleiben relativ hoch ist.
    Ein zweiter Punkt ist über wirtschaftliche Einbußen. Ich selber Arbeite am Tresen von einem Theater .
    Die Sorge, welche wir derzeit haben, ist dass Öffentliche Veranstaltungen verboten werden, (nachdem die ersten Veranstaltungen abgesagt wurden z.B. die Tourismus Messe in Berlin)oder Menschen nicht mehr kommen. In diesem Fall, fällt auch hier die Bezahlung aus (Bezahlt nach gearbeiteten Stunden). Diese 450 Euro Jobs geben nicht wirklich die Möglichkeit, vorher zu sparen um für solche Fälle vorbereitet zu sein.
    Ich möchte damit nicht sagen, dass es nicht wichtig ist zuhause zu bleiben bei Krankheit oder diese Schließungen nicht wichtig sind, aber sie treffen im Zweifel vor allem die prekären Arbeitsverhältnisse.

  43. Hallo zusammen,
    möchte mal ein Technik bezogenes Feedback loswerden: Ich höre Podcasts (auf wohl sehr altmodische Weise) auf den jeweiligen Seiten über meinen Handybrowser. Kein anderer Pod funktioniert dabei so toll wie die Lage der Nation. Selbst wenn der Browser geschlossen wurde, springt der Player beim neu laden zu der Stelle, an der ich aufgehört habe zu hören. Sprungmarken sind hin und wieder auch sehr praktisch. Ändert bitte nüchts an eurem Ausspielsystem.

    Dann noch eine Frage, die mir vielleicht auch andere Hörer hier beantworten können… Wie heißt nochmal der Weinversand, der in der Lage beworben wurde, und gilt die 30 Euro Aktion noch?
    Gute Nacht.

  44. Lieber Ulf, lieber Philip,
    eure Wahrnehmung, dass die Namen der Opfer von Hanau von den Medien nur sehr selten genannt wurden, teile ich nicht. Im Gegenteil ist es mir nach diesem furchtbaren Verbrechen zum ersten Mal richtig aufgefallen, dass man die Namen schon recht bald (21.02.) genannt hat, was ich für richtig und wichtig halte. Vielleicht hättet ihr dazu mal beim Hessischen Rundfunk (online und TV) recherchieren sollen, der ja naturgemäß über Ereignisse aus Hessen berichtet. Hier wurden die Namen der Opfer genannt, ihre Bilder gezeigt und über sie berichtet, auch durch O-Töne von Freunden und Verwandten. Ob sich Angehörige erst aktiv an Medien wenden mussten, damit dies geschieht, oder ob die Medien von sich aus nach den Namen und Gesichtern hinter den Opfern gesucht haben, kann ich nicht beurteilen. Erläutert wird im hr (Link hab ich unten ins Formular gepackt) auch, warum man die Namen in diesem Fall, abweichend vom sonstigen Vorgehen nennt.
    Viele Grüße
    Christina

    • Ich möchte den Eindruck bestätigen. Ich habe den Namen des Täters noch nicht einmal gelesen oder ihn gehört. Dafür aber sehr oft die Namen der Opfer und Informationen zu deren Hintergründen/Geschichten gelesen oder teilweise Angehörige in Interviews gehört. Zumindest in meiner Medienblase hat das diesmal sehr gut funktioniert.

    • das kann ich bestätigen. Ich hab an dem Abend zuerst “heute journal” und danach “Maybrit Illner” geschaut. In beiden Sendungen wurden mehrere Namen von Opfern und ihr Hintergrund genannt. Der Täter wurde zwar auch thematisiert, aber anonymisiert und nicht übermäßig. Ich hatte grundsätzlich das Gefühl, dass man in beiden Redaktionen aus früheren Ereignissen gelernt hat.

  45. Ich finde es ziemlich unseriös aufgrund eines Briefes und ein paar Texten und Videos dem Täter von Hanau eine Diagnose zu stellen. So weit ich das auch im persönlichen Umfeld mitbekommen habe braucht eine solche Diagnose viel Zeit, viele Sitzungen oder einem längeren Aufenthalt in einer speziellen Klinik.
    So eine Ferndiagnose über die selbstdarstellerischen Aussagen des Täters sind Humbug, meine Meinung.

    • 1. März 2020 um 14:06 Uhr
      Titus von Unhold

      Normalerweise schon, in diesem Fall ist jedoch deine Meinung offensichtlich Humbug. Wenn eine nicht geringe Anzahl an Fachärzten, unter strengem Verweis auf die normalerweise üblichen Verfahren der Anamese, sagt dass man aufgrund des Umfangs der hinterlassenen Schriften und Videos hier wohle eine Ausnahme machen kann, sollte man davon ausgehen dass dies so ist. Der GBA wird sicher eine Auswertung der elktr. Medien vornehmen der dies bestätigt.

    • Hier muss ich vollständig beipflichten und verweise dafür gerne auf den Kontraste-Beitrag vom 27.02.2020. Darin wird die mediale Darstellung unter die Lupe genommen. Erst sind es Milieu-Morde oder auf jeden Fall organisiertes Verbrechen – einziger “Hinweis” hierauf ist der Tatort Shisha-Bar. Als sich dies dann nicht bestätigt, ist der Täter im Handumdrehen geistig krank, schizophren, was auch immer: Ferndiagnose innerhalb von 24h!! Im Beitrag wird auf die sogenannte Goldwater Rule verwiesen, die es ernstzunehmenden Psychotherapeuten verbittet Ferndiagnosen aufgrund von Texten, Bilder, o. ä. zu stellen. Eine Diagnose, die gestellt wird, ohne die Person persönlich untersucht zu haben, wird als moralisch verwerflich betrachtet.
      Ich finde es bemerkenswert, das gerade Horst Seehofer am Ende des Beitrag demgegenüber die rechtsextremistischen Motive des Täters als mit nichts zu relativieren beschreibt – also noch auch nicht durch vorhandene oder vermutete Geisteskrankheit (ich hoffe diese Aussage wurde nicht aus dem Zusammenhang gerissen…).

  46. Zum Thema Corona und staatliche Vorbereitung:

    Ich denke, es ist im Sinne eines rationalen und effizienten Umgangs mit öffentlichen Geldern richtig, Infrastruktur und öffentliche Einrichtungen (Gesundheitsämter, Kliniken, Bahn, Flüchtlingsinfrastruktur, Energieleitungen, -erzeugungskapazitäten und so weiter) nicht auf Vorrat für den 0vorzusehen. Eine all-inklusive-Vorbereitung kann sich kein Staat leisten. Zudem dürfte es auch dann Ereignisse fern des Vorhergesehenen geben.

    Ich möchte auch persönlich keinen Arbeitsplatz “ausfüllen”, der nur in einem – bestenfalls nie eintretenden – Krisenfall notwendig sein könnte.

    Es ist daher vollkommen normal, dass wir bei bestimmten Szenarien an Grenzen stoßen. Dann geht es um Adaptionsfähigkeit und operative Steuerung.

    Eure Kritik, insb. an den Gesundheitsämtern und Kliniken unter Hinweis auf den neo-liberalen Ansatz teile ich daher nicht. Es geht vielmehr darum differenziert zu fragen, ob für einen derartigen Fall wie diesen stets ausreichend Kapazitäten vorzuhalten sein müssen. Ich denke nein.

    Ansonsten immer top informativer Podcast, der bei der Bewertung etwas mehr Kontroverse zwischen euch beiden gut vertragen könnte.

    • 1. März 2020 um 14:18 Uhr
      Titus von Unhold

      Da ich bei der Feuerwehr als S6 im Stab bin, muss ich dem wehement widersprechen! Meine Aufgabe wäre eigentlich im Falle des Falles (CRBN, Hochwasser, Unwetter, etc.) die notwendige Kommunikation der zuständigen Stellen zum Lagekopf im Kreishaus und der ADD (ehem. Bezirksregierung) sicher zu stellen. Das kann ich aber nicht weil niemand da den ich im Einsatzfall organisatorisch verhaften kann.

      Die Stellen der Veterinär- und Gesundheitsämter sind oftmals gar nicht besetzt. In unserem Landkreis sind drei von fünf Stellen seit Jahren unbesetzt, so dass selbst für Alltagsaufgaben wie die Untersuchungen zur Einschulung immer wieder auf externe Mediziner zurück gegriffen werden muss. Für drei Kliniken in der Region gilt dass selbst notwendige (vulgo gesetzlich erforderliche!) Notarztdienste auch mit Personal aus der Notarztbörse nicht besetzet werden können.

    • Wo ich dir Recht gebe, ist, dass natürlich kein Staat ein maximales System auf Vorrat aufbauen kann.
      Aber ich glaube nicht, dass es darum ging.

      Ich kann Ulf und Philip durchaus verstehen. Das Problem überlasteter Krankenhausmitarbeiter, fehlender Bettenplätze, wegrationalisierter Ressourcen im Zuge von Privatisierungen, dem Druck, pro Bett möglichst viel Geld zu verdienen usw. ist ja nun auch gegeben. Dass solche Phänomene den Eindruck vermitteln, dass hier ein System neoliberal und “auf Kante genäht” scheint, ist m. E. vollkommen nachvollziehbar.

      Ich persönlich frage mich, ob solche für unsere Gesellschaft zentralen Einrichtungen wie Krankenhäuser überhaupt gewinnorientiert arbeiten oder in der Hand börsennotierter Privatunternehmen liegen sollten. Aber das ist vielleicht nur mein Eindruck.

  47. Also nachdem ihr kritisiert habt, dass in den Medien die Namen der Opfer von Hanau nicht genannt wurden, hättet ihr die Chance auch nutzen können und wenigstens kurz einmal die Namen nennen können: Ferhat Ü., Mercedes K., Sedat G., Gökhan G., Hamza K., Kalojan V., Vili Viorel P., Said Nesar H., Fatih S., Gabriele R.
    (Ich hoffe mal ich habe mich nicht verschrieben)

    • Hi AJ,

      genau das wollte ich auch schreiben. Warum hat „die Lage“ die Chance nicht genutzt, alle Namen der Hanau-Opfer auszusprechen, statt es mir anzumahnen?! Zumindest haben Philip und Ulf den Namen des Täters nicht genannt.

      In Gedenken an Ferhat, Gökhan, Hamza, Said Nessar, Mercedes, Sedat, Kaloyan, Fatih, Vili, Gabriele. #SayTheirNames

      • Hi, das hatten wir vor, sind dann aber im Pad leider drüber weggegangen … das passiert uns immer mal wieder, dass nicht alle Aspekte eines Themas zur Sprache kommen, weil die Lage eben nicht genau geskriptet ist.

    • Hallo,
      Ich fand es ebenfalls inkonsequent auf die Wichtigkeit der Personen hinzuweisen ohne auch nur ein Schicksal zu rekonstruieren, um dann sofort zum Täter überzugehen und eben in üblicher Manier täterfokussierten Journalismus zu betreiben.
      Erneut aufgefallen ist das auch in der Aussage psychisch Kranke erleiden oftmals Diskrimierungen, um kurz darauf Irre als Synonym für psychisch Kranke zu verwenden (41:41ff) Mag vielleicht nicht die Intension gewesen sein, solltet ihr trotzdem sehr drauf achten.

    • Das gleiche habe ich auch gedacht! Als der Teil des Beitrages anfing, habe ich mich darüber gefreut dass Ulf zu Recht kritisiert, dass die Namen zu wenig in den Medien genannt werden (es ist ja nicht so dass sie gar nicht genannt wurden, aber der Fokus sollte auf den Opfern und nicht auf dem Täter liegen), und dann sagen sie sie aber nicht. Schade. Ansonsten, tolle Lage :-) und mein Beitrag nur als kleine Kritik bzw. Wunsch für die Zukunft #saytheirnames

  48. Eine Klarstellung zum Thema Corona-Virus Test und falsch-negativen Ergebnissen: Der Test weißt einen DNA-Abschnitt des Viruses nach, es handelt sich um die PCR-Methode (polymerase chain reaction). Wenn noch keine Symptome vorhanden sind ist die Virus-Last im Menschen anfangs noch niedrig. Die PCR ist zwar generell sehr sensitiv, hat aber trotzdem eine analytische Nachweisgrenze. Dh. eine Infektion mit dem Virus kann nur nachgewiesen werden, wenn in der untersuchten Probe ein Minimum an DNA-Kopien aus dem Virus vorliegt. Wenn sich Symptome ausgebildet haben sind ausreichend Viruspartikel im Körper und machen den Nachweis sicherer.

    Die PCR ist eine sehr simple, schnelle, kostengünstige und reproduzierbare Methode. Allerdings ist sie Aufgrund der analytischen Nachweisgrenze ( und manch anderen Dingen) nicht in jeder Situation anwendbar.

    Beste Grüße von einer Biotechnologin, die schon viele PCRs durchgeführt hat.
    Toller Podcast!

  49. Höcke behauptet ja schon seit Jahren, dass die AfD “die letzte evolutionäre Chance Deutschlands” auf dem von ihm gewünschten Weg zurück nach Auschwitz ist. Die dahinter stehende Alternative – ein gewaltsamer Umsturz – mag etwas sein, was man ihm nicht so recht abnimmt oder für undurchführbar hält. Aber das wäre ein Fehler:

    Die AfD bereitet sich bereits auf einen Bürgerkrieg vor. Und an der Basis sorgt der angeblich Gemäßigte, in Wahrheit aber nur Faschist im bürgerlichen Gewand Chrupalla schon für die entsprechende Bombenstimmung. Wenn die Partei nicht demnächst vollständig zerschlagen und ihre Führung wegen der Vorbereitung eines gewaltsamen Umsturzes verhaftet wird, stehen uns womöglich sehr harte und sehr blutige Zeiten bevor:

    – 500 gewaltbereite und mit Haftbefehl gesuchte Faschisten sind untergetaucht
    – Anzunehmen ist, dass sie aus Beständen von Bundeswehr und Polizei mit Waffen und Munition versorgt und…
    – … durch die Fachkräfte von Uniter ausgebildet wurden

    Glaubt irgendwer, eine zu allem entschlossene Truppe von 500 Mann könnte diesen Staat nicht innerhalb von 24 Stunden enthaupten, Parlament und Kanzleramt besetzen, die Amtsträger umbringen und die völkische Republik ausrufen? Was würden wir dann tun, wenn gleichzeitig etwa 25% von Polizei und Bundeswehr überlaufen und die Länderregierungen ebenfalls enthaupten, weil sie ohnehin schon autoritär denken?

    Wer das jetzt nicht ernst nimmt, der wird sich später fragen lassen müssen, warum er die heute, am 29.2.2020 erfolgte Ankündigung eines Bürgerkrieges nicht ernst genommen hat.

    https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/nach-hanau-chruppalla-haelt-buergerkrieg-fuer-moeglich-16657444.html

  50. Ich möchte mich hiermit einem Vorkommentator anschließen: für die Integration von psychisch kranken Menschen muss zuallererst die Sprache angepasst werden! Bezeichnungen wie “Spinner” oder “Irre” oder ähnliches zu verwenden, stigmatisiert unschuldig Erkrankte. Darüber hinaus unterstellt es diesen Menschen eine generelle Unzurechnungsfähigkeit, womit ihnen oft auch Gehör und Beachtung verwehrt bleibt. Es ist leider ein trauriger Fakt, dass auch in Kreisen von politisch aufgeschlossenen Menschen das Bewusstsein über diese sprachliche Diskriminierung nicht angekommen ist. In anderen Kontexten (rassistisch, homophob, misogyn oder antisemitisch) ist dies schon geschehen. Ihr lasst euren besten Willen in dieser Sache ja durchscheinen, aber bitte seid euch der Folgen sprachlicher Muster bewusst und achtet darauf.

    • Wir haben ja ganz bewusst darauf geachtet, dass wir psychisch Kranke nicht als Irre bezeichnen.

      Bei der Stelle, die du vermutlich meinst, ging es um Briefe. Deren Absender müssen ja nicht notwendigerweise krank sein.

      • Ich wollte einen sehr ähnlichen Kommentar wie Lena verfassen und sehe das auch so.

        An die Antwort von Ulf, ja, es ging hier nur um die Verfasser*innen der Briefe, die nicht zwingend an einer psychischen Erkrankung leiden. Dennoch sind Worte wie “Spinner”, “Irre”, “Wahnsinnige” etc stets derart konnotiert, dass die Menschen mit psychischen Krankheiten stigmatisieren und herabsetzen.
        Vielleicht hättet ihr so etwas wie “Trottel” statt “Irre” sagen können?

        Als Mensch mit psychischer Erkrankung, tat es mir weh, die Worte, die ich oft Beleidigung ertragen musste, in eurem Podcast zu hören – und da ist es egal, in welchem Kontext sie verwendet wurden.

        Abgesehen davon fand ich es sehr schön, dass ihr ergänzt habt, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen in der Regel keine Gefahr darstellen (usw.), dafür danke ich euch!

      • Lieber Ulf,
        ich möchte mich Lena anschließen. Ich fand es auch irrtierend, erst gegen die Stigmatisierung von psychisch Erkrankten zu argumentieren und dann im gleichen Themenblock Begriffe zu verwenden, die in diesem Kontext verwendet werden. Ich fände da mehr Sprachsensibilität angemessen. Bestimmt habt Ihr bewusst darauf geachtet, aber die Irritation ist ja bei einigen Hörer*innen vermutlich nicht ohne Grund entstanden.

        Übrigens fände ich es interessant, wenn Ihr vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt nochmal die Zusammenhänge von Sexismus und Rechtsextremismus aufgreifen würdet. Der Täter von Hanau war ja Medienberichten zufolge ein so genannter ‘Incel’ (was auch immer man von dem Begriff halten möchte). Speziell die AfD und genereller die Anfeindungen gegenüber Feministinnen unter anderem im Netz zeigen da ja ein sehr deutliches Bild, dass für Antifeministen in diesem Bereich ein ‘völkisch-nationalistisches’ Sammelbecken steht, wo alle Verschwörungstheorien gleichzeitig verbreitet werden.

        • Hallo zusammen,

          auch ich habe die Wortwahl als irritierend empfunden. Ich bin mir sicher, dass ihr psychisch erkrankte Menschen nicht mit “Irren” oder “Spinnern” gleichsetzen wolltet. Die Benutzung der Wörter in einem Themenblock und auch in unmittelbarer Nähe war aber – denke ich- etwas unglücklich.

          Außerdem wollte ich gern loswerden, dass ich eure Sichtweise in Bezug auf den Umgang mit psychisch Erkrankten nicht teile. Ulf, ich habe dich so verstanden, dass du eine Meldung an den Sozialpsychiatrischen Dienst und die Polizei für nötig hältst, wenn “ein Brief von jemandem aufschlägt, der offensichtlich ein psychisches Problem hat”. Ich bin Psychologe und habe eine Zeit lang im Bereich der Forensischen Psychiatrie gearbeitet und somit hatte darum schon häufiger mit derartigen Fällen zu tun. Ich denke, dass eine solche Vorgehensweise nicht angebracht, weil einfach zu pauschal gedacht, wäre.
          Dass Menschen mit einer psychotischen Störung und insbesondere dann, wenn paranoide Anteile bestehen, auch von ihrem Wahn geprägte Kommunikation betreiben (z.B. bizarre Schriftstücke verfassen), kommt nicht selten vor. Aus meiner Sicht wäre es aber falsch, in einem solchen Fall direkt medizinische und polizeiliche Stellen zu informieren. weil in den seltensten Fällen eine Gefahr besteht. Es ist eben meist “nur” Ausdruck der bestehenden psychischen Störung. Eine pauschale Einstufung als “potenziell gefährlich” würde meiner Meinung nach eine Stigmatisierung psychischer Erkrankungen verstärken und in die gleiche Kerbe wie z. B. das Bayerische Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (zumindest in der Fassung des ersten Entwurfes) schlagen. Nicht umsonst bedarf es für eine psychiatrisch-psychotherapeutische Abklärung und Behandlung den ausdrücklichen Wunsch des Patienten. Wenn mein Nachbar mich anspricht und ich der Meinung bin, dass seine Äußerungen Ausdruck einer psychischen Erkrankung sind, kann ich ja auch nicht einfach eine entsprechende Abklärung oder gar Therapie initiieren. Und das ist meiner Meinung auch sehr wichtig, da alles andere das Selbstbestimmungsrecht verletzen würde.
          Die einzige Ausnahme besteht bei dringenden Anzeichen für eine Selbst- oder Fremdgefährdung. Gleiches gilt meiner Meinung nach auch für den dargestellten Fall eines Briefes von einem offensichtlich psychisch erkrankten Menschen. Wenn hier z. B. Drohungen enthalten sind, halte ich das Einschalten entsprechender Stellen für richtig. Der Sozialpsychiatrische Dienst wäre hier aber sicherlich die falsche Adresse, da dieser nur auf Wunsch des Klienten, also der zu beratenden bzw. zu behandelnden Person, tätig werden kann. Ein Klient kann in diesem Fall zwar, ebenso wie ein Mensch mit einer psychischen Erkrankung, auch dessen Angehöriger, Freund oder Kollege sein. Aber es wird eben nur die Person beraten oder behandelt, die einen entsprechenden Wunsch hat. Die Polizei wäre hier also sicherlich die bessere Adresse, welche dann eine Überprüfung der Gefährdung vornehmen kann.

          Zum Schluss: Herzlichen Dank für euren tollen Podcast und die Möglichkeit zur Teilnahme an der Diskussion!!

  51. Naja,es gibt auch Kollegen,die Ihre “Bröckchen” bei bei Arbeit um die Ohren husten,rum nießen und sich dann ein Tag später zum Arzt gehen um sich dann Krank schreiben zu lassen. ;)

    • Seit Oktober 2019 ist es erlaubt, im Rahmen einer Videosprechstunde eine ärztliche Diagnose zu stellen.
      Danach kann auch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt werden.
      Diese wird dann per Post oder digital tugestellt.
      Dies gilt auch für gesetzlich versicherte Patienten.
      Das funktioniert auch heute schon wunderbar und nutzt allen.

      • Lieber Jürgen, vielen Dank für den wertvollen Hinweis auf die Video-Sprechstunde!

        Kennt sich jemand damit aus, wie man das konkret organisiert? Reicht da ein Video-Call mit FaceTime, was ja jedes iPhone oder iPad kann? Oder muss es eine spezielle Medizin-Plattform sein, die dann im Zweifel vermutlich sündteuer ist?

        • Hallo Ulf,
          Damit kenne ich mich gut aus.
          Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat diverse Anbieter zertifiziert.
          https://www.kbv.de/html/videosprechstunde.php
          Diese bieten für alle gesetzlich Versicherte kostenlos einen Zugang.
          Ich, als niedergelassener Arzt, zahle 30. € pro Monat.
          Die Krankenkassen zahlen mir aber ca 10 pro Patient pro Videotermin.
          Das funktioniert ganz gut und in Zeiten von Corona erst recht.
          Das Problem liegt eher daran, dass zu wenig Kassenärzte diesen Zugang anbieten.
          Meine Patienten haben sehr schnell positiv darauf reagiert.
          Um direkt den Vorwurf der Werbung zu entkräften, möchte ich noch darauf hinweisen, dass nur 20% meiner Patienten als Videopatienten bezahlt werden.
          Das ist die Obergrenze um kommerzieller Anbieter wie kry etc. zu begrenzen.

        • Hallo Ulf,
          FaceTime oder Skype reicht nicht aus, es gibt spezielle Anforderungen für die Videodienste. Z.B. p2p-Verbindung, e2e-Verschlüsselung, Werbefreiheit, Vorgaben zum Server-Standort und viele andere. Näheres findet sich in § 5 Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag Ärzte: https://www.kbv.de/media/sp/Anlage_31b_Videosprechstunde.pdf

          Ärzte erhalten bei der Vergütung einen Technik-Zuschlag für die Videosprechstunde, so dass es jedenfalls an den Kosten der Systeme nicht scheitern sollte.

      • Sehr guter Einwand.Ändert aber nichts an ersteres,das viele Krank zur Arbeit kommen,andere mit husterei und nießerei anstecken,ist oft genug vorgekommen.

    • Je nachdem wo man wohnt ist es auch eher schwer eine passende Krankschreibung zu erhalten. Viele Praxen sind dem demografischen Wandel zum Opfer gefallen, der Rest hat oft nur noch an ein oder zwei Tagen die Woche geöffnet und ist hoffnungelos Überlastet. Als Kranker bleibt da oft nicht viel übrig als entweder so zu Hause zu bleiben, was bei vielen AG in einer Abmahnung gipfelt, den Rettungswagen zu bestellen (was eigentlich an anderer Stelle dringender benötigte Ressourcen bindet) oder sich trotz Krankheit in den ÖPNV zu zwängen und einige Kilometer weiter über Stunden das Wartezimmer mit seinen Viren zu beglücken.

  52. Danke für den Zusatz zu psychischen Erkrankungen (die im Regelfall, genau wie ihr gesagt habt, nicht das Gewaltpotenzial erhöhen)! Ich hatte ja schon mehrmals hingewiesen, dass ich da eine kurze Ergänzung sinnvoll fände (übrigens in allen Medien), und was Ulf gesagt hat, ging weit über das hinaus, was ich mir gewünscht habe. Vielen Dank, dass ihr Feedback ernst nehmt und zur Entstigmatisierung beitragt!

  53. “Das ist natürlich auch wieder so ein Problem mit unseren Gesundheitsreformen der letzten Jahre, wo ja immer über allem stand wir müssen Kapazitäten abbauen angebelich. Angeblich gab es ja immer Überkapazitäten, also jedes nicht gefüllte Bett wurde als Problem angesehen und, wenn man natürlich ein Gesundheitssystem derart auf Kante näht, ja, dass also möglichst immer 90 – 100% Auslatung sind, dann sind eben in Ausnahmesituationen schnell mal die Kapaziäten erschöpft. Insofern zeigt sich wieder, dass diese neoliberale Agenda in der Gesundheitspolitik einfach letztes Endes im Extremfall auch tödlich sein kann – keine gute Idee.” – Ulf, ca. 15:30

    Diese Aussage ist einfach faktisch falsch und durch ihre Polemik einer konstruktiven Diskussion für eine bessere Gesundheitsversorgung in Deutschland schädlich.

    Deutschland hat im EU-Vergleich die höchsten nominalen Gesundheitsausgaben pro Kopf, die zweithöchsten gemessen am BIP und die meisten Krankenhausbetten pro Einwohner! Bei durschnittlichen bis unterdurchschnittlichen Gesundheitsoutcomes.

    Die Auslastung der Betten liegt bei stabilen 80%.
    Es ist also schonmal einfach falsch von 90-100% Auslastung zu sprechen.

    Unser Gesundheitssystem ist also nicht “auf Kante genäht”, sondern genau im Gegenteil! Wir haben eine unglaubliche Ineffizienz der Ressourcennutzung im deutschen Gesundheitssystem und extreme regionale Überversorgung, gerade im stationären Bereich.

    Die Lösungen hierfür sind konstruktive Dialoge für eine bessere sektorenübergreifende Versorgung, zukunftsweisende interprofessionelle Modelle und eben auch ein Abbau von Kapazitäten, da wo sie nicht gebraucht werden – zum Beispiel durch die Konsolidierung kleiner ineffektiver Krankenhäuser. Es ist kein Qualitätskriterium die meisten Krankenhausbetten in ganz Europa zu haben, sondern doch bitte die beste Gesundheitsversorgung.

    Diese Aussage zeigt eine mangelnde Ausseinanderstzung mit dem Thema, die aber mit einer erstaunlichen Überzeugung vorgetragen wird. Das ist schädlich.

    Quelle der Statistiken: State of Health in the EU – https://ec.europa.eu/health/sites/health/files/state/docs/2019_chp_de_german.pdf

    • Die offizielle Bettenauslastung ist unglaublich unsauber und sagt als Globalzahl nichts über den Zustand und die Effizienz von Krankhäusern aus. Einerseits werden oft infektiologische oder aus anderweitigen Gründen gesperrte Betten zu den freien und damit verfügbaren Betten gezählt. Zum anderen ist mit der Globalzahl in keiner Weise ausgesagt, für welche Fachdisziplin(en) diese Betten zur Verfügung stehen bzw. welche Fachdisziplin(en) diese Betten frei hat.
      Es stimmt, wir haben unglaubliche Ineffizienzen, aber die sind vor allem in der sektoralen Trennung zwischen niedergelassenem und stationären Sektor zu suchen. Es fehlt als allererstes der ganzheitliche Ansatz zur Versorgungs- und Effizienzssteuerung fernab politisch/finanzieller Partikularinteressen

  54. Eine wie immer tolle Folge!
    Leider fand ich, dass ihr etwas schnell über Norbert Röttgen hinweggegangen seid. Er ist ist seit 2014 Vorsitzender des Auswärtigen Ausschuss und steht als klarer Transatlantiker z.B. sehr deutlich für die NATO und gegen Russland. Also hier eine sehr traditionelle CDU-Position. Anders als Merz ist er somit trotz seines Rauswurfs durch Merkel als Minister bruchlos auf Bundesebene für die CDU tätig.

  55. Hallo liebe Lage. Für die Wochen in denen es keine Folgen der Lage der Nation gibt würde ich mich über eine Platzhalterfolge freuen. Sprich eine kurze Sendung mit einem Inhalt in der Richtung. “Hallo liebe Hörerinnen, Hallo liebe Höhrer. Diese Woche erscheint keine Folge der Lage der Nation. Wir freuen uns drauf euch demnächst wieder zu einer neuen Folge begrüßen zu dürfen.”
    Dann bin ich als Höhrer einert. Ich kenne mich, ich würde die Ankündigung des Ausfall bis zur nächsten Woche vergessen und mich über diese Erinnerung freuen. Ich kann auch verstehen, wenn andere dies als störend empfinden. Aber diskutierten könnte man die Idee, oder?

  56. Ich höre gerade die Lage und bin etwas irritiert darüber, dass ihr beiden einerseits kritisiert, dass die Opfer der rassistischen Morde in Hanau namenlos und unbekannt bleiben, aber die Geschichte des Täters in der medialen Berichterstattung in den Mittelpunkt stellen. Danach geht ihr aber genau dazu über und sprecht über den Täter, seine mutmaßliche psychische Erkrankung und Auszüge seines Werdegangs. Bis auf die Staatsangehörigkeit der Opfer erfahren wir in der Folge nichts über diese. Das finde ich mehr als schade. Ihr hättet auch Gesprächszeit auf die Getöteten und deren Leben verwenden können. Gerade von den Familien der Opfer wurde auf den Kundgebungen in Hanau sehr intensiv über deren Leben berichtet und sie so aus der Anonymität befreit. Material, auf das man zugreifen kann, gibt es also.
    Trotz dieser Kritik ein allgemeines Danke für eure umfangreiche und gute Arbeit.

  57. Das Thema Wartezimmer beim Arzt ist mir auch schon immer ein Dorn im Auge! In manchen anderen Ländern kommt der Arzt zum Patienten. Ob das hier klappen könnte, bezweifle ich aber auch. Bringt das Staaten dann wohl zum Totalkollaps.

    Jedenfalls gibt es hier aber auch Veränderungen. Habe z.B. TeleClinic als Werbeplakat gesehen. So wird man über Videotelefonie mit einen Arzt verbunden. Bei einfachen Dingen wie gelber Schein für den Arbeitgeber oder neues Rezept bestimmt ganz zu empfehlen. Für gesetzliche Krankenkassen wird die Gebühr von ca38€ jedoch nicht übernommen.

    Aus meiner Sicht jedoch schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

    • Seit Oktober 2019 ist es erlaubt, im Rahmen einer Videosprechstunde eine ärztliche Diagnose zu stellen.
      Danach kann auch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt werden.
      Diese wird dann per Post oder digital tugestellt.
      Dies gilt auch für gesetzlich versicherte Patienten und ist kostenlos
      Das funktioniert auch heute schon wunderbar und nutzt allen.

  58. Erst einmal Danke, dass ihr den Namen des Täters nicht nennt und so darauf abzielt, den Opfern ein Gesicht zu geben. Umso befremdlicher empfand ich es aber dann, dass ihr euch nicht die 30 Sekunden Zeit genommen habt, zumindest einmal die Namen der Opfer zu verlesen. Warum habt ihr denn diesen kleinen Schritt der Anerkennung nicht unternommen? Fand ich sehr sehr bedauerlich.

    • Ging mir genauso, zuerst erzählt ihr mehrmals wie schade es ist, dass es immer nur um den Täter geht und die Namen und Familienumstände der Opfer nicht genannt werden. Und dann macht ihr genau dasselbe.
      Ihr beschreibt kurz die Nationalität der Opfer, sprecht darüber wie es sein kann, dass niemand die Namen nennt und beschließt dann mit: “Trotzdem müssen wir auch über den Täter reden […], ein deutscher Staatsangehöriger,, Jahrgang 77, hat ein BWL Studium, war seit Jahren arbeitslos……. usw.

      #Saytheirnames
      Ferhat Unvar
      Mercedes Kierpacz
      Sedat Gürbüz
      Gökhan Gültekin
      Hamza Kurtović
      Kaloyan Velkov
      Vili Viorel Păun
      Said Nesar Hashemi
      Fatih Saraçoğlu

      https://www.hessenschau.de/gesellschaft/opfer-des-anschlags-neun-junge-hanauer-mitten-aus-dem-leben-gerissen,opfer-hanau-anschlag-100.html

      • Vielen Dank für diesen Kommentar. Ich habe das gleiche gedacht.
        Ihr habt etwas von Medien gefordert, was ihr selbst nicht getan habt. Die Geschichten der Opfer zu erzählen, das wäre eine angemessenere Reaktion gewesen.
        Ich habe mal die Zeit grob gemessen:
        Zeit für Opfer inklusive Lob für Gorki und Beschreibung der Reaktion von Medien auf Zugunglücke: 2 min 06 sec
        Zeit für Informationen über den Täter: 2 min 40 sec
        Zum Vergleich: Hinweis auf die Diskriminierung von psychisch Kranken: 1 min 28 sec (dieser Hinweis ist natürlich sehr wichtig, aber die Opfer haben nicht mal 40 sec mehr erhalten).

        Ich persönlich finde auch, dass die Tat von Hanau VOR Corona hätte thematisiert werden sollen. Der Rassismus, diese Morde, die Einschränkung von Menschen und deren Diskrimierung, das sollte in alles Medien und in allen Institutionen als Thema priosisiert werden. Ganz persönlich macht es mich unglaublich traurig und wütend, dass wir diese Dramatik nicht überall an erster Stelle steht.

        Obwohl ich euch sehr gerne höre (und hören werde), habe ich diese Folge teilweise bedauert.
        Dennoch alles Liebe und Gute

        Bine

  59. Zum rechten Terror in Hanau: Eure Aufforderung „Say their names“ finde ich sehr gut – warum macht ihr das dann nicht auch selbst direkt? ( :

  60. Liebes Lage-Team,
    Ich hätte mir gewünscht, dass ihr beim Warburg Skandal einmal drauf hinweist, dass es da Neuigkeiten bzw. relativierte Einordnungen vom NDR gibt.
    https://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/Zur-Cum-Ex-Berichterstattung,cumex232.html

    • Danke für den Hinweis. Allerdings sehe ich beim NDR keine Neuigkeiten, geschweige denn Relativierungen. Ich lese die Präzisierungen vor allem als eine deutliche Wiederlegung der irreführenden Überschriften von Bild und Abendblatt.
      @Philip & Ulf: Bitte bleibt an dem Thema dran. Bei Eurem ersten Bericht ist mir echt die Spucke weggeblieben und ich kann es weiterhin kaum fassen, dass Scholz nach der Sache heute immer noch Finanzminister ist.
      Gruß,
      Matthias

    • 1. März 2020 um 10:32 Uhr
      Frank Schuhmann

      Das kann ich nur unterstützen. Sowohl “Panorama” als auch die “Zeit” haben hier 10 Tage vor der Wahl zumindest unvollständige Informationen veröffentlicht. Mittlerweile hat sich auch der NDR, wenn auch halbherzig, entschuldigt.

      Da hätte ich mir von Euch eine kritische Einordnung gewünscht.

  61. Bitte verwendet nicht „Irrer“ als Synonym mit „psychisch Kranker“!
    Zum Glück sind die Zeiten, in denen die Psychiatrie Irrenhaus genannt wurden, lange vorbei.
    Aber leider erleben Menschen, die an einer psychischen Krankheit leiden, immer noch massive Stigmatisierung und Ausgrenzung.
    Jeder von uns kann jederzeit eine Psychose oder andere psychische Krankheit bekommen. So wie man eben auch Multiple Sklerose, Krebs oder ALS bekommen kann.

  62. Entschuldigt, dass ich hier nochmal meinen Kommentar/Themenanfrage von der letzten Woche bzgl. Coronavirus poste, aber zu dieser neuen Folge passt es jetzt besser, da es diesmal wieder um den Coronavirus ging, deshalb poste ich es hier nochmal, ich hoffe, das ist ok. Im Vergleich zu der eigentlichen Besorgnis, die mit der echten Krankheitsübertragung verbunden ist, ist dies wahrscheinlich nur ein Randthema, eine Nebenwirkung, aber trotzdem macht es mir Gedanken. Es geht um eine mögliche Angst vor chinesisch oder asiatisch aussehenden Menschen im Alltag. Ich selbst sehe asiatisch aus und hatte gestern zum ersten Mal in der S-Bahn das Erlebnis, dass eine junge Frau, der ich mich gegenübersetzte, sobald sie mich sah, ihren Mantelkragen hoch bis fast zu den Augen zog, und die halbe Stunde S-Bahnfahrt mit ihren Augen über den Kragen hinweg mich anstarrte, während Nase und Mund von ihr geschützt waren. Ich ignorierte es und beruhigte mich damit, dass diese Frau eben einfach Angst hat und das Recht hat, ihre Ansteckungsgefahr in S-Bahnen zu reduzieren. Schön hat es sich trotzdem nicht angefühlt. Gleichzeitig muss ich zugeben, ich selbst und viele die ich kenne, meiden in den letzten Wochen, chinesische Lokale zu besuchen, weil immer der Hintergedanke besteht, unter chinesischen Lokalmitarbeitern ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie vielleicht kürzlich in China waren. Mir tut das aber gleichzeitig leid, wenn ich in mehrern Artikeln lese, dass chinesische Lokale deutlich weniger besucht werden. Mich würden von euch anderen Lesern Erfahrungen diesbezüglich oder eure Gedanken diesbezüglich interessieren.
    Hier nochmal meine Überlegungen von letzter Woche bzgl. verändertem Umgang (abschätzige Blicke o.Ä.) bis hin zu Anfeindungen oder Angriffen auf Chinesen in Deutschland, und die Frage: Muss man sich Sorgen machen, ob eine neue Art von Rassismus gegenüber Chinesen entstehen könnte, wie es in manchen Artikeln zu lesen ist?
    Im Internet habe ich bereits einige Artikel darüber gelesen, dass sogar von einer neuen Art von Rassismus gegenüber diesen Personen die Rede ist, der sich unter anderem darin äußert, dass chinesische Lokale viel weniger besucht werden oder dass chinesisch aussehende Menschen beschimpft, gemieden oder generell abschätzig behandelt werden. Ich fände es in dem Zusammenhang auch wichtig, differenziert den Begriff Rassismus zu hinterfragen. Wo ist in diesem Fall die Grenze zwischen Rassismus gegenüber Chinesen und zwischen “Person xy will seine eigene Gesundheit schützen und verwehrt deshalb im Bus der Chinesin, die sich neben sie setzen möchte, den Sitzplatz, weil Person xy die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, reduzieren will”. Person xy würde ja argumentieren, sie sei nicht rassistisch, hat nichts gegen Chinesen an sich und hat nur Angst im ihre Gesundheit. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass einige Chinesen es zurzeit evtl. mit unangenehmen Begegnungen zu tun haben, und seien es “nur” böse Blicke.
    Eines ist dabei ja ganz klar: Jegliche Form von respektlosem, abschätzigem Verhalten gegenüber Chinesen geht gar nicht! Dennoch – laut einigen Artikeln, die ich gelesen habe – leiden einige Chinesen in Deutschland durchaus unter dieser neuen Situation, beispielswiese wurde eine chinesische Stundentin ja glaube ich körperlich attackiert.
    Auf der Straße/im Alltag habe ich ansonsten nichts in die Richtung mitbekommen, aber mich würde mal interessieren, ob einige von euch Lesern etwas derartiges mitbekommen haben, zum Beispiel in Schulklassen. Werden SchülerInnen mit chinesischen Wurzeln irgendwie anders behandelt oder gar gemieden von den Mitschülern? Meidet ihr jetzt auch chinesische Lokale? Oder findet ihr das übertrieben?
    Liebe Grüße
    Jasmin

  63. Ihr habt als Vorschlag gemacht, dass der Staat Sterbehilfe “genehmigen” muss…das Problem, das ich dabei sehe: es gab bereits ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, wonach man im Einzelfall und nach Prüfung das Recht auf Arzneimittel zur Selbsttötung hat (von mir frei formuliert, vielleicht juristisch nicht 100% korrekt). Und der zuständige Bundesminister Jens Spahn hat wohl die Anweisung gegeben, alle Anträge abzulehnen. Nach meiner Meinung sollte es nicht sein, dass man sein Recht nicht verwirklichen kann, weil jemand aufgrund persönlicher Wertvorstellungen alle Anträge ablehnen lässt. Wäre schön, wenn ihr dies mal diskutiert.
    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-01/jens-spahn-gesundheitsminister-sterbehilfe-antrag-ablehnung

    • Richtig, den Punkt wollte ich eigentlich noch erwähnen, ist dann aber irgendwie auf der Strecke geblieben … das tragen wir nach.

    • Zur Fragestellung, ob legale Sterbehilfe zu einem Druck auf alte Menschen führt, sich umbringen zu lassen, lohnt sich sicher ein Blick in die Niederlande, in denen seit 2002 Sterbehilfe legal ist.
      Dazu gibt es einen Artikel, der den Zustand vor der Legalisierung und denjenigen danach untersucht:
      https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2733179/

      Das Ergebnis ist eher überraschend: Die Tötung von Patienten durch Ärzte scheint nach dem Gesetz zurückgegangen zu sein (Unter “euthanasia” wird in dem Artikel auch gezählt, wenn etwa Schmerzmittel in hoher Dosierung verabreicht werden und der Tod dadurch zumindest in Kauf genommen wird, daher gab es auch vorher dem Gesetz “euthanasia”.):

      “In 1990, 1.7% of all deaths were preceded by
      euthanasia, as compared with 2.4% in 1995 and
      2.6% in 2001 (see Table 1). This trend reversed in
      2005, when 1.7% of all deaths were the result of
      euthanasia (approximately 2,300 cases). The number
      of euthanasia requests also decreased in this period:
      from 9700 in 2001 to 8400 in 2005.”

      Ich bin nicht sicher, inwieweit es möglich ist, die niederländische Gesetzeslage einfach zu übernehmen, da sie nach meinem Eindruck Suizid und Sterbehilfe zu sehr erschwert, um mit dem neuen Urteil des Verfassungsgerichts konform zu gehen, aber ein Teilabschreiben wäre sicher sinnvoll. Der Artikel fasst die gesetzlichen Bestimmungen in den Niederlanden so zusammen:

      1. The patient’s request is voluntary and well-considered;
      2. The patient’s suffering is unbearable and hopeless;
      3. The patient is informed about his situation and
      prospects;
      4. There are no reasonable alternatives. Further,
      5. Another independent physician should be con-
      sulted; and
      6. The termination of life should be performed with
      due medical care and attention.

  64. Für einfache Krankheiten kann man https://www.au-schein.de/ verwenden. Ich habe keine praktischen Erfahrungen mit denen. Aber die versuchen die in der Sendung angesprochenen Krankheiten abzudecken und einen Au-Schein zu liefern.

    • Dieses Verfahren wurde gerade vom Hamburger Landgericht als nicht ausreichend mit einer Unterlassungsanordnung gestoppt, da kein Arzt-Patientenkontakt stattfindet.
      Allerdings darf jeder Arzt Videosprechstunden auch zu Lasten der GKV anbieten.
      Klappt wunderbar, machen nur zu wenig.

    • au-schein.de schreibt maximal für 3 Tage krank. Also für einen Zeitraum, in dem die überwiegende Mehrheit überhaupt noch keine Krankschreibung braucht. Nur im Ausmahmefall bestehen Arbeitgeber darauf, bereits ab dem ersten AU-Tag eine ärztliche AU-Bescheinigung vorgelegt zu bekommen.

  65. Zum Thema Corona:

    Es gibt gefühlt nur noch ein Thema in den Medien: Corona.
    Angesicht der Anzahl der Fälle im Verhältnis zur Bevölkerung (unabhängig vom Land) reden wir genau genommen von nichts.
    Ich würde mir mal wünschen, dass die Frage gestellt wird, wie weit die aufkommende Panik durch die dauerhafte Beschallung durch Medien geschürt wird und dadurch weiter die Politik, das RKI, etc unter Druck setzt, aktiv zu werden.
    Ich wünsche mir eine solche Einordnung auch von euch – allerdings geht ihr darin auf, wie wenige Kapazitäten es gibt, welche Seiten nicht erreichbar sind, lasst die Erzieherin zu Worte kommen, wegen Tests.
    LEUTE: wir haben keine 100 erkrankten bei 80 Mio Bevölkerung.

    Und ihr sagt allen ernstes, dass es 10.000 Brutstätten für Viren namens Wartezimmer!!!

    Ich merke schon, dass Leute rumrennen und sich eindecken mit Lebensmitteln, weil sie befürchten, eingeschlossen zu werden.

    Wir sollten mal gegeneinander vergleichen, wie groß die gesundheitlichen Folgen durch „Ich gehe nicht zum Arzt“ oder die sich steigernde Panik sind.

    Und jetzt kommt ihr tatsächlich mit einem Spruch: wir sollten auf Hände schütteln verzichten etc. wenn mich nicht alles täuscht, dann steigt unsere Lebenserwartung ständig – so schlimm kann es also nicht sein.

    Und dann die Rubrik mit dem Satz zu beenden: wahrscheinlich kommt Corona im Herbst wieder statt eines einzigen Satzes dazu, nicht in Panik zu verfallen ist mir sehr übel aufgestoßen.

    • Der Punkt zu den Wartezimmern hatte nichts mit der aktuellen Pandemie zu tun, wie ich mehrfach gesagt habe – da ging es um leicht übertragbare Infektionskrankheiten allgemein.

      Und auch abgesehen von diesem Punkt haben wir sehr deutlich gemacht, dass zu Panik kein Anlass besteht.

      • Wie schon an anderen Stellen gesagt:
        Seit Oktober 2019 ist es allen niedergelassenen Ärzten erlaubt zu Lasten der GKV Videosprechstunden abzuhalten.
        Privatpatienten zahlen die üblichen Tarife.
        Dabei werden zertifizierte Programme genutzt.
        Nach Feststellung der Diagnose kann der Arzt dann die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung oder Rezepte ausstellen und zuschicken.
        Dabei wird effektiv die Keimbelastung der Wartezimmer reduziert.

      • Hallo Ulf, hatte ich auch genau so verstanden. Die weit verbreitete Wartezimmerregelung bei Hausärzten kann man sicher auf verschiedene Art und Weise optimieren. In diesem Zusammenhang noch ein Hinweis: in unserem Nachbarland Schweiz sucht eine Versicherung gerade 2000 freiwillige Tester für ein neues Telemedizin Konzept: TytoHome
        Dies wird kurzfristig sicher nicht die Lösung aller Probleme sein, kann aber denke ich einen sinnvollen Beitrag zur Vermeidung von unnötigen Arztpraxenbesuchen leisten.
        Transparenzhinweis: ich bin in keiner Weise mit dem Hersteller der Geräte – Tytocare – noch mit SWICA – dem schweizer Versicherungsunternehmen verbunden.

  66. 29. Februar 2020 um 8:05 Uhr
    Janne Paul Schröttke

    Ich finde es in Hinblick auf unser Waffengesetz einfach wichtig das es eine psychiatrische Untersuchung und eine Rückfrage beim verfassungsschutz gibt wenn man eine Waffe haben will.
    Bin selbst Waffenbesitzer und war ziemlich irritiert als ich festgestellt habe wie leicht das ist. Finde ich nicht richtig.

    • In diesem Zusammenhang sollte man auch auf die Begrifflichkeiten achten. Es gibt einen Unterschied zwischen “Waffenschein” und “Waffenbesitzkarte”. Der Waffenschein berechtigt nämlich dazu, seine Waffe in der Öffentlichkeit zu führen – also zugriffsfähig bei sich zu haben. Dies wird aber nur Menschen mit einem speziellen Bedürfnis (individuelle Risikolage, Personenschützer etc.) zugestanden. Die Waffenbesitzkarte, welche Sportschützen bekommen, berechtigt dagegen lediglich dazu, sein(e) Sportgerät(e) und die dazugehörige Munition zu erwerben, sie in der eigenen Wohnung sicher aufzubewahren (verschlossener Tresor, Zugriff nur für Berechtigte) und zur Ausübung des Zweckes (Training, Wettkampf) zum Ort der Ausübung zu transportieren (in einem abgeschlossenen Behältnis, nicht zugriffsbereit).

      Da in der Berichterstattung nie auf die richtige Begrifflichkeit geachtet wird, entsteht leider der öffentliche Eindruck, dass Sportschützen ihre Sportgeräte im Holster durch die Weltgeschichte tragen dürfen, was absolut nicht der Fall ist.

  67. Befürchtung, dass bei der Kreisverwaltung Heinsberg bei der Online-Datenerfassung zum Corona-Virus der Datenschutz auf der Strecke bleiben könnte.

    Seit Aufkommen der Corona-Viruserkrankungen im Kreis Heinsberg, bot die Kreisverwaltung Heinsberg auf ihrer Webseite Online-Formulare an, mit denen sie Daten der Bürger dazu erhebt. Dabei ging es beispielsweise darum zu erfahren, welche Bürger jene Karnevalssitzung in einem Ortsteil der Gemeinde Gangelt besuchten, oder aktuell um Mitteilungen und privateste Informatioen von Bürgern, die mutmaßen, daß sie Erkrankungssyntome bei sich oder ihren Angehörigen feststellen. Alles in allem sind das meines Erachtens nach sehr persönliche Informationen, die nicht “einfach so” in die Hände von Dritten – etwa privatwirtschaftliche Unternehmen – gelangen sollten; zumal die Datensicherheit derart persönliche Daten (vll. sogar nicht anoymisierter Daten) in derartigen Unternehmen häufig nicht hinreichend gegeben war.

    Nun erfaßt die Kreisverwaltung Heinsberg diese sebsiblen Daten nicht selbst, sondern wickelt deren Erfassung über ein privatwirtschaftliches Unternehmen ab. So ist auf der Webseite der Kreisverwaltung derzeit unter der Überschrift “Kontaktformular – Information für den Arbeitgeber” ein diesbeügliches Kontaktformular verwiesen mit der Linkadresse: https://pdf.form-solutions.net:443/metaform/Form-Solutions/sid/assistant/5e58f74ae4b05a94a1abe269
    Damit wird das komplette Kontaktformular von dern Unternehmen Form-Solutions GmbH in Karlsruhe betrieben (https://www.form-solutions.de),
    Nebenbei ist die Überschrift dieser Rubrik auch äußerst gelungen, denn es hätten besser zwei Rubriken sein sollen. Zum einen ein Kontaktformular für möglicherweise betroffene Bürger und deren Angehörige, und dann eine weitere Rubrik mit Informationen für Arbeitgeber, wenn bei diesen Mitarbeiter wegen des Coronavirus ausfallen.

    Angehörige von mir sind inzwischen positiv auf den Virus getestet, und hätte ihnen gerne bei der Kontaktaufnahme zu unserer Kreisveraltung über das besagte Online-Formular geholfen. Doch mich entsetzte, als ich sah, dass deren Daten nicht die Kreisverwaltung sondern an einem Privatunternehmen erhoben worden wären! Wir haben dann vorsichtshalber, und mit bitterem Beigeschmack, darauf verzichtet.
    Das war nicht nur ein Schock für uns sondern zerstörte in diesem Moment auch deulich zumindestens mein Vertrauen in die verantwortlichen Stellen und deren Arbeitsethos.

    • Ich vermute mal, dass die Kreisverwaltung keine Kapazitäten oder keine Sachkompetenz hatte, die Datenerhebung selbst online zu machen. Sobald es elektronisch wird (z. B. Datenbanken, Onlineerfassung usw.) greifen Behörden m. E. gerne auf externen Sachverstand zurück.

  68. Warum gibt es die Lage nicht mehr auf Spotify?

    • Gibt es weiterhin. Für den vollen Lage-Genuss empfehlen wir aber eine richtige Podcast-App wie zB Overcast auf iOS. Spotify unterstützt viele Features nicht, außerdem übernehmen sie Korrekturen an der Audio-Datei nicht oder verspätet.

    • Spotify ist manchmal langsamer als andere Podcastplayer beim Upload, ist mir als frühere Nutzerin auch schon aufgefallen. Ich nutze jetzt Pocket Cast für Android und bin sehr zufrieden (glaube, den Player hatte die Lage auch mal empfohlen).