LdN168 SPD-Bundesparteitag, Pisa-Test, Gemeinnützigkeit, Tiergarten-Mord, NATO-Gipfel, UBA-Studie, IBAN-Recherche

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  1. Es gibt eine Online-Petition mit dem Ziel, Vereine, die sich gegen Rechts positionieren zu stärken: https://www.change.org/p/bundesregierung-rassismus-bek%C3%A4mpfen-die-zivilgesellschaft-st%C3%A4rken
    Hiervon können auch Organisationen wie Attack oder Change.org profitieren

  2. Solange Kapitalismus bedeutet, dass immer mehr Zeug produziert wird, das wir eigentlich gar nicht brauchen, ohne Rücksicht auf die Natur und das Klima, kann er nicht grün sein.
    Und eigentlich mangelt es uns allen doch nicht an Zeug, sondern vor allem an Zeit, an Liebe und Lebensfreude.
    Wenn wir uns mal auf das beschränken, was wir wirklich brauchen: Nahrung, Wohnung, medizinische Versorgung, Kultur usw., und den ganzen sinnlosen Krempel (von Glitzerhaarspray bis Böller) einfach mal weglassen, müssen alle weniger arbeiten, wird die Umwelt und das Klima weniger belastet und es geht allen besser. Dann wird die notwendige Arbeit auf alle arbeitswilligen verteilt, jeder muss nur noch 30 Stunden arbeiten und kann zuhause auch mal mit den Kindern sprechen und ein Buch vorlesen.

  3. Ihr habt beim Thema der CO2 Kompensation nach Menschen gefragt, die sich damit in gewisser Maßßen auskennen, wo ich mich angesprochen gefühlt habe.
    Ich weiß nicht, ob ich euren Punkt richtig verstanden habe, aber ihr begeht meiner Auffassung nach einen zentralen Denkfehler: Der Automatismus, dass das Einsparen von CO2 die Offsettmaßnahmen vergünstigt und damit Geld spart existiert nicht.
    Es gibt keine Verpflichtung, kein Gesetz, keine Grundlage, auf denen Firmen sich dazu verpflichten müssten, ihre CO2 Maßnahmen zu kompensieren. Gibt es einfach nicht, was ihr glaube ich auch gar nicht behauptet habt. Was dann allerdings in eurer Argumentation fehlt ist, dass aufgrund fehlender Verpflichtung auch niemand in der Wirtschaft damit anfangen wird. Es würde nur funktionieren, wenn es z.B. ein Gesetz geben würde, dass Firmen Treibhausgasneutral sein müssten, was eben diese Offsettingmaßnahmen beinhaltet. Diese Kosten aus der Folge dieses Gesetzes würde man dann in der Tat einsparen, wenn man sich bei der Enstehung bemüht, durch eine nachhaltigere Strategie oder umweltfreundlichere Produktionswege umweltfreundlicher zu sein.
    Korrigiert mich gern, falls ich Euren Aspekt falsch verstanden habe.

    • Firmen, die in Deutschland Zeug produzieren, sollten verpflichtet werden, dies klimaneutral zu machen. Zeug, das nach Deutschland importiert wird, muss ebenso klimaneutral sein. Und deutsche Firmen, die im Ausland Zeug für andere Länder produzieren, aber hier ihren Firmensitz haben oder andere Vorteile genießen, müssen ebenfalls dazu verpflichtet werden.
      Aber dazu muss man sich halt mal trauen, so ein konsequentes Gesetzt zu beschließen.

  4. Moin Moin,

    ich habe heute den Beitrag über den freiwilligen CO2 ausgleich gehört. Aus meiner Sicht (Bauleitung, Stahlbaubranche, mittelgroße Stadt) sind diese Ansätze immer aus der Ferne leicht gesprochen.
    In meiner Branche sind die Energiekosten zentral für die Kalkulation und die wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Wenn Ihr dann mal so locker fordert, dass der CO2 Preis doch ganz klar steigen muss und die Autos doch ganz schnell auf einen elektrischen Antrieb gewechselt werden müssen empfinde ich dies teilweise als arrogante Sicht eines Großstadtbewohners, der vielleicht als Richter oder Journalist diese Sorgen eines knallharten Wettberwerbs gar nicht kennt.
    Wenn diese Kosten einfach deutschlandweit eingeführt werden, werden viele Jobs im Handwerk oder in ernergieintensiven Industrien ins Ausland abwandern. Dies ist je bei der Stahlerzeugung bereits geschehen und sorgt nicht unbedingt für einere sauberere Produktion in China.
    Ich finde ganz allgemein, dass Ihr Beiden (und das gilt für sehr vieleandere auch) im Bereich der Klimaschutzes viel zu stark von eurem Lebensmodell und Berufsprofil ausgeht und dann Vorschläge für das ganze Land macht.
    Ein Berliner mit einem “Bürojob” hat nunmal ein ganz anderes Anforderungsprofil an seine persönliche und berufliche Mobilität als ein Angestellter in einer mittelgroßen Stadt. Dies sollte in der Berichterstattung deutlich mehr Gewicht bekommen.
    Ich denke auch, dass diese teilweise holzschnittartige Vereinfachung von Problemen zu einem Politikverdruß führen, weil selten nach dem Muster “Politiker A war der Meinung dass ABC, Politiker B hat eingeworfen dass ZVC, und das Ergebnis war der Kompromiss DEF” , sondern viel zu häufig nach dem Muster “Die Politiker sind zu blöd und kurzsichtig und machen desshalb XYZ” berichtet wird.
    Dies sorgt meines Erachtens dafür, dass der Eindruck entsteht, dass Politiker entweder dumm oder käuflich sind, und nicht , dass Sie tatsächlich in sehr komplexen Fragen einen manchmal subobtimalen Mittelweg finden müssen. Wenn wir uns aber den Kompromiss als schlecht Verschreien, geraten wir als Gesellschaft schnell auf eine schiefe Ebene.

    Sonst höre ich den Podcast sehr gerne auch wenn ich einige Themenbereiche wie Klimaschutz auch nutzte um mich daran zu reiben.

  5. CO2-Kompensation: Spannend von eurem Beispiel zu hören! Vielleicht noch aus unserer Firma: Seit ein paar Jahren kompensiert unsere Firma (Berliner Beratungsunternehmen, viel internationales Kundengeschäft) alle Flüge – by default. Wir haben nach intensiver Diskussion ein kreuzberger Reisebüro, die automatisch mit der Flugbuchung die CO2-Kompensation via atmosfair vornimmt und mit in die Rechnung aufnimmt. Wir reichen die CO2-Kompensation direkt an die Kunden weiter und haben selten Widerstände (in dem Fall übernehmen wir). Bei einem Großkunden haben wir mit einer gewissen Hartnäckigkeit offenbar einen Beitrag geleistet, dass die CO2-Kompensation von externen Beratungen akzeptiert wird. Aus unserer Sicht, scheint die Gewohnheit zu steigen, dass die CO2-Kompensation ein selbstverständlicher Anteil bei Reisen wird – hier ist die Errechnung tatsächlich auch mittlerweile sehr einfach geworden. Letztes Jahr hatten wir (bzw. unsere Kunden) über 6.000 EUR in CO2-Kompensation gesteckt. Quasi eine CO2-Abgabe. Das ist keine Lösung, aber wir gehen an anderen Stellen Wege, um CO2 zu reduzieren: Dienstfahrräder (keine Dienstwagen), automatisch BahnCard50 (auch für privat), Ökostrom, keine innerdeutschen Flüge, Aufbau von Beraternetzwerken vor Ort, etc. – Man kann als Firma eigentlich schon viel tun.

    • Die Haltung Eurer Firma ist vorbildlich.
      Da hab ich direkt Lust, mich zu bewerben.
      (Fast) Egal, was Ihr macht.

  6. ad Olaf Scholz,
    Innerhalb von zwei Wochen erst die klammheimliche Abschaffung der Infopflicht für das Bundesfinanzministerium per Hintertür im E-Auto-Gesetz und nun die Vorlage zur Finanztransaktionsteuer, die die ursprünglichen Motivationen ad absurdum führt, und nur die private Altersvorsorge (und da auch nur Investitionen in große AGs) erschwert.

    Es wird mittlerweile immer schwerer, nicht verbal gegen Olaf Scholz nach der verlorenen SPD-Wahl nachzutreten.

    Die Schwierigkeiten der Sozialdemokratie weltweit, nicht nur in der deutschen SPD, wäre sicher auch ein interessantes Thema für ein Expertengespräch in einer Lage Extra Spezial. Interessant fand ich den Nebensatz neulich in das “Das Thema” (SZ), das die restlichen Sozialdemokraten auf die deutsche SPD schauen in der Hoffnung, dass die “Ur-Sozialdemokratie-Partei” endlich die Lösungen findet, die alle sozialdemokratischen Parteien brauchen und erhoffen.

    [1] https://netzpolitik.org/2019/bundestag-schafft-cum-ex-ausnahme-von-informationsfreiheit/ , siehe Shownotes der LdN 168
    [2] z.B. in der SZ:
    Erklärung der Bestandteile: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/boersensteuer-scholz-1.4717504
    Prantl Kommentar: https://www.sueddeutsche.de/politik/olaf-scholz-finanztransaktionssteuer-1.4721958

  7. Interessant, dass einer eurer Hörer bei der Berliner Volksbank keine Überweisung machen konnte. Ich habe mich einfach eingeloggt, dass Standardüberweisungsformular aufgerufen und die IBAN kopiert. Ich weiß nicht, ob sogar die BIC automatisch ausgefüllt wurde.
    Dann noch die TAN eingeben und ab geht es. Ich habe mein Konto seit etwa 20 Jahren dort und Anfang des Jahres meine erste Auslandsüberweisung getätigt (nach Estland) und auch dort gab es keine Probleme.

  8. Zum Offsetting:
    Ich bin Partnerin in einer Steuerberatungsgesellschaft mit insgesamt 4 Partnern und 25 Angestellten. Uns ist gesellschaftliches Engagement und Klimaschutz wichtig, deshalb versuchen wir auch unsere Kanzlei möglichst gut in dieser Hinsicht aufzustellen: Ökostrom, papierloses Büro, regional einkaufen, Charity usw. Unsere neueste Idee dazu haben wir dieses Jahr umgesetzt: unsere Azubis haben den CO2-Fußabdruck unserer Kanzlei ermittelt, die Kompensation dafür berechnet und wir haben dann selbstverständlich auch die entsprechende Ausgleichszahlung geleistet, das ist natürlich in der Dienstleistungsbranche nicht so viel wie z.B. in einem Produktionsunternehmen, aber spürbar ist es auch. (Übrigens werden mit diesen Kompensationszahlungen nicht nur Wälder aufgeforstet, sondern viele verschiedene Klimaschutzprojekte finanziert.) Aufgabe unserer Azubis ist außerdem die Ermittlung möglicher Maßnahmen zur Reduzierung des Kanzlei-Fußabdruckes sowie die Vorstellung der Berechnung und der Möglichkeiten in einer unserer wöchentlichen Teambesprechungen. Das Projekt CO2-Fußabdruck wird dann jährlich mit dem neuen Azubi-Jahrgang wiederholt. Das ist vielleicht nicht so ganz professionell aber es hat den schönen Nebeneffekt, das Umweltbewusstsein von Azubis und Mitarbeitern zu unterstützen.

    Das Ganze funktioniert übrigens auch ganz privat, ich mache das jedenfalls genauso: CO2-Fußabdruck ermitteln und Kompensation zahlen, mit dem Rechner vom Umweltbundesamt geht das wunderbar. Der Effekt ist tatsächlich, dass man sich immer öfter überlegt, wie man CO2 einsparen kann, weil es natürlich nicht mit den Ausgleichszahlungen getan ist. Im Übrigen ist es ziemlich erschütternd, auf was für Werte man da kommt, auch wenn man eigentlich schon meint, sehr umweltbewusst zu leben. Ich ernähre mich z.B. vegan, fahre Fahrrad statt Auto und trotzdem liegt mein Fußabdruck sehr weit über dem für die Abwendung des Kollapses notwendigen Wert.

    Jeder kann etwas tun, trotzdem bin ich der Ansicht, dass die Hauptverantwortung bei der Politik liegt, die hier gestalten muss statt nur darauf bedacht zu sein, den Wählern nicht zu viel zuzumuten.

  9. Hallo zusammen,

    kennt Ihr diese Seite?
    https://allianz-entwicklung-klima.de

    Die Grundlagen sind super in diesem Podcast dargelegt.
    https://forschergeist.de/podcast/fg066-klimaneutralitaet/

    Wir können als Unternehmer, Gemeinden, Privatpersonen super schnell klimafreundlich handeln, vielleicht ist noch nicht alles super, aber zumindest ein Anfang ins Handeln zu kommen. Dein Beispiel war ein Unternehmen, wäre doch super, wenn viele Unternehmen und andere Institutionen so denken und handeln.

    Macht bitte weiter so, danke
    Sebastian

  10. Thema: IBAN
    Hallo zusammen. Nach meinen Kenntnissen aus der Bankenbranche, werden gerade Überweisungen an eine (ausländische EU-) IBAN von Fintechs und Startup-Banken gesperrt. Hintergrund ist, dass Fintechs wie N26 (bei Nicht-DE-Kunden), Revolut, Transferwise oder Bunq teilweise Identifikationsverfahren einsetzen, die es Betrüger leichter machen, gefälschte Ausweisdokumente zu verwenden. So ist bei einigen europäischen Fintechs ein Foto des Ausweises oder eine Banküberweisung als Ident-Verfahren (statt des in DE üblichen Post- oder Video-Ident-Verfahrens) zur Kontoeröffnung ausreichend. Diese schwachen Verfahren ziehen Betrüger an, die ihre Zahlungen dann über Fintechs abwickeln. Grüße.

  11. Hello, zum Thema Bildung in Deutschland/ PISA: Ich bin Lehrerin in Berlin und finde es immer skandalöser, wie wenig in einem so reichen Land wie Deutschland in Bildung investiert wird – und zwar nicht nur in Form von Personal und Material/ Ausstattung (obwohl es auch der Witz ist, dass wir nicht in jeder Schule W-LAN haben, aber media literacy entwickeln sollen), sondern das beginnt ja schon beim Mindset und der Reputation: Kindergärtner*in/ Lehrer*in/ Sozialarbeiter*in/ Schulhelfer*in sind einfach keine Berufe, die in Deutschland so angesehen sind, dass die Besten sich da professionalisieren wollen – oder halt nicht genug. Berufe in der frühkindlichen Bildung bis zur Sekundarstufe 2 sind immer noch nicht attraktiv genug – es gibt noch sehr häufig die Attitüde: kann irgendwie zur Not jede*r (muss ja gerade auch beim Mangel an Personal vielerorts so sein), viel Freizeit, gutes Einkommen, easy. Aber dass diese Berufe höchst kreativ, herausfordernd und spannend sind, dass sie echte Expertise brauchen, dass sie lifelong learning bedeuten, dass man da in dem Bereich auch Karriere machen kann, das ist nicht auf dem Schirm bzw. auch nicht möglich.
    Ich (und viele Kolleg*innen) wünsche mir einfach eine Wertschätzung und Betonung dessen, wie krass diese Berufe sind, dass es wichtig ist, dass wir gut darin sind und wir unterstützt werden, nicht durch Verbeamtungen, sondern durch echtes Interesse auch durch Wirtschaft und Politik, wie wir besser werden können.
    Ein akutes Beispiel zur momentanen Priorisierung von Sprachbildung in Berlin: Die LRS-Diagnose und Förderung wird ab jetzt weitgehend von einer zentralen Zuständigkeit (SIBUZ Berlin) auf die Deutsch-Lehrer*innen abgelagert, ohne dass es dafür Stundenausgleiche, systematische Fortbildungen oder andere Expert*innenunterstützung gibt. Materialien zur Diagnostik und Förderung muss zudem jede Schule selbst mit ihrem bisherigen Etat ausgleichen. Soviel zu den Anstrengungen, sprachliche Nachteile auszugleichen (Gegenbeispiel Gorch Fock finde ich in dem Fall ein passender Whataboutism, der mich fast wahnsinnig macht). Das Wissen, dass immer am Ende die Schüler*innen drunter leiden, ist kaum zu ertragen.

    Ach und noch eine kleine Bitte: bitte nicht automatisch von “Jungs” reden, wenn es um Fußballgruppen geht ;-) Dankeschön <3

  12. Zum Thema CO2 Kompensation:
    Betrachtet man das Problem weltweit, so zeigt sich ziemlich schnell, dass wir Deutschen oder Europäer das Klimaproblem nicht lösen können, selbst wenn wir von heute auf morgen komplett Klimaneutral würden. Hintergrund ist, dass wir einfach einen geringen Anteil an der Weltbevölkerung haben. Weltweiter CO2-Ausstoß 2015: Deutschland 2,2%, EU 10%, USA 14%, China 29%. (Buch Kleine Gase – Große Wirkung). Das entscheidende zur Vermeidung der Klimakrise ist zu verhindern, dass die Entwicklungsländern auf das Niveau von China kommen, dann ist das Klimaziel nämlich bereits verfehlt.
    Diese Länder wollen jedoch aus der Armut, aber sie dürfen das nicht so machen wir wir das gemacht haben. Sie müssen das möglichst CO2-neutral machen und dafür muss Geld von den Industrieländern fließen und zwar eine ganze Menge Geld. Politisch gibt es dafür jedoch in absehbarer Zeit keine Mehrheit.
    Jetzt kommt das interessante an der CO2-Kompensation, denn diese bietet eine Möglichkeit Geld an die Entwicklungsländer zu senden und damit genau das zu machen, was politisch momentan nicht geht. Ein weiterer Vorteil ist auch, dass das Einsparen von CO2 hier in Deutschland im Allgemeinen sehr teuer ist und in Ländern mit günstigen Gegebenheiten und preiswerten Arbeitskräften viel mehr CO2 gebunden werden kann.

    Mehr Infos dazu gibt es z.B. im Podcast Forschergeist 66 von Herrn Radermacher: https://forschergeist.de/podcast/fg066-klimaneutralitaet/

    • Das zu behaupten ist schlichte Arroganz, wenn man in mathematischer Manier mit einem Integral betrachtet, wer für die Treibhausgase, die bereits in der Atmosphäre sind, die letzten 100 Jahre verantwortlich war.
      Wir haben unseren tollen Lebenstandard, als “Westen” zusammen den Planeten stark überstrapaziert und stellen uns jetzt hin und zeigen mit dem Finger auf die anderen – dabei fällt dann auch immer wieder “Deutschland stößt ja nur 2% des CO2 aus” – was ein bescheuertes Argument ist, wo es doch ca. 200 Nationen auf der Welt gibt und nach dieser Logik keine genügend ausstößt, um dort anzufangen.

  13. zum Thema Klima und Kompensation

    Macht bitte mal ein Lage-Spezial zum Thema “Klima und Kompensation” mit Prof. Franz Josef Radermacher.

    Er ist DER Experte zu diesem Thema, haelt viele Vortraege (auch auf youtube zu finden) und hat das Buch “Der Milliarden-Joker: Wie Deutschland und Europa den globalen Klimaschutz revolutionieren können” geschrieben.

    Man muss ja nicht 100% seiner Meinung sein, aber er hat sehr viel Hintergrundwissen und einen scharfen analytischen Blick.

  14. Hallo Philip, hallo Ulf,
    Ich würde euren Überlegungen zur aktuellen PISA-Studie gerne noch etwas hinzufügen, und zwar aus meiner Sicht als ehemalige Schülerin, Grundschullehrerin und Mutter.
    Die Pisa-Ergebnisse zeigen zwar, dass es dem deutschen Bildungssystem nicht durchgängig zu gelingen scheint, die von euch sogenannte „Reproduktion des Bildungsstandes der Eltern“ zu durchbrechen. Aber nach meinen Erfahrungen kann man das deutsche Bildungssystem nicht allein dafür verantwortlich machen, auch wenn es selbstverständlich Stellschrauben gibt, wie den einzelnen Lehrer oder pädagogische Konzepte, an denen man verändern kann.
    Ich finde jedoch, dass man unserem Bildungssystem Unrecht tut, wenn man ihm grundsätzlich vorwirft, keine oder nicht genug Chancen, Anreize und Förderung zu geben. Ich habe mit meiner Familie zweimal für ein paar Jahre im Ausland gelebt und die Schulsysteme dort als wesentlich unsozialer erlebt, da in beiden Ländern (Spanien und Australien) die finanziellen Verhältnisse über die Möglichkeit entscheidet, ob sich Eltern für ihr Kind eine private Schule (= gute Bildung) oder nur eine staatliche Schule leisten können. Demgegenüber und aus meiner eigenen Erfahrung empfinde ich das deutsche Bildungssystem als sehr offen und durchlässig für alle sozialen „Schichten“ und kulturellen Gruppen.
    Ich selber komme aus einem „bildungsfernen Elternhaus“, insofern als meine Eltern als Kriegskinder selbst keine Möglichkeit hatten, über die Volksschule hinaus beschult zu werden. Entsprechend konnten sie mir und meinem Bruder nach der Grundschule fachlich nicht mehr helfen. Kinder mit Eltern, die geringer gebildet sind, mögen es also schwerer haben, dasselbe Leistungsniveau zu erreichen wie ihre Mitschüler, die sich Inhalte von den Eltern erklären lassen oder Nachhilfelehrer leisten können. Aber der grundsätzliche Zugang zu Bildung steht ihnen nach meinen Erfahrungen in Deutschland durchaus ebenso offen, und zwar an jeder staatlichen (und damit kostenfreien) Schule.
    Doch der Begriff „bildungsfern“ oder eben auch „bildungsnah“ beinhaltet für mich noch einen weiteren Aspekt, der viel essentieller ist für die schulische und damit auch berufliche Laufbahn eines Kindes, und den ihr wie ich finde völlig außer Acht lasst. Und zwar die Einstellung des Elternhauses zum Thema Bildung und Schule generell. Mit der Haltung: „Meine Kinder sollen alle Chancen haben, die ich nicht hatte, aber gern gehabt hätte“ können unterschiedliche Ausgangsvoraussetzungen meiner Erfahrung nach sehr wohl ausgeglichen werden. Von der Einstellung, der Bereitschaft zum Lernen, die die Kinder mit in die Schule bringen, hängt der Lernerfolg ganz entscheidend ab, weil Lernen letztlich ein aktiver Prozess ist. Die bereits mitgebrachten Fähigkeiten sind daneben eher marginal. Wir Lehrer sind dafür ausgebildet, Kindern etwas beizubringen. Natürlich ist es schön, wenn ein Erstklässler schon lesen, schreiben oder rechnen kann. Natürlich ist es aufwändiger, wenn ich zeitgleich Kinder in der Klasse habe, die nichts davon können, vielleicht nicht einmal die deutsche Sprache als gemeinsame Verständigungsbasis. Aber Lehrer können damit im allgemeinen umgehen und allen gerecht werden, das ist unser Job. Was wir hingegen nicht wirklich ausgleichen können ist, wenn die Kinder mit einer neutralen oder sogar negativen Einstellung zum Lernen in die Schule kommen, auch wenn „Fack ju Göhte“ und Co. da vielleicht etwas anderes suggerieren… Wir können für Themen motivieren, aber die Eltern sind in der Verantwortung, ihre Kinder positiv auf die Schule und das Lernen als solches vorzubereiten und einzustellen. Wenn ich den Großteil des Unterrichts damit verbringe, Kinder grundsätzlich dazu zu bewegen, aufnehmen, lernen zu wollen und bereit zu sein, mitzudenken und zu arbeiten, dann bleibt nicht viel Zeit für irgendwelche didaktischen oder methodischen Überlegungen und Zaubereien. Wenn ich über jede Aufgabe, die bearbeitet werden soll, mit einem Teil der Klasse erstmal jeweils im Einzelgespräch diskutieren muss, warum sie gerade jetzt und überhaupt generell gemacht werden muss, dann hab ich als Lehrer weder Zeit noch Energie, mich um die schwachen, aber weniger vorgebildeten oder aber auch um die gelangweilten vorgebildeten Kinder zu kümmern. (Und ich rede jetzt noch nicht mal davon, wieviele Schüler heute mit Schlaf- oder Bewegungsmangel in der Schule sitzen oder nur ungesundes „Essen“ dabei haben…)
    Ja, man kann sicherlich einiges im Schulsystem und in den Schulen optimieren, ob es die Lehrerausbildung ist, die Ausstattung der Schulen oder auch die pädagogische Methodik. Und natürlich darf eine gymnasiale Bildung nicht aus finanziellen Gründen unerreichbar sein. Aber ohne die Rückendeckung durch das Elternhaus wird auch der beste Lehrer im besten Bildungssystem keinen Erfolg haben und psychisch verschleißen.
    Dieser Aspekt fehlt mir, wie gesagt, in eurer Diskussion, weil ich denke, dass man auf der Suche nach dem gemeinsamen Merkmal von bildungsfernen deutschen und Kindern mit Migrationshintergrund eher die Einstellung zum schulischen Lernen betrachten muss als das Wissen und die Kompetenzen der Eltern, und dass die Schere zwischen starken und schwachen Schülern sich ebenso zum großen Teil aus dieser unterschiedlichen Grundhaltung ergibt.

    • Danke, dass du dir die Zeit genommen hast für diesen ausführlichen Kommentar. Es ist einfach immer wieder faszinierend, wie viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Perspektiven die Lage hören, und Philip und ich lernen jede Woche unheimlich viel dazu.

  15. Ich finde das Konzept des UBA mit 70Cent pro Liter Diesel mehr gut. Zum sozialen Ausgleich sollen die Einnahmen (oder ein Teil davon) als Durchschnittszahlung an die Bevölkerung pro Kopf ausgezahlt werden. Das ist ja dann immer eine rückwirkende Zahlung bzw. eine Vorauspauschale, da die Einnahmen im Voraus nicht bekannt sind. Und im optimalen Falle sinken diese Einnahmen pro Jahr, wenn weniger Treibstoff verbraucht wird.

  16. Ihr Lieben,

    hier gibt es eine Initiative für CO2-Neutralität, der sich weltweit inzwischen mehr als 700 Unternehmen angeschlossen haben:

    https://sciencebasedtargets.org/about-the-science-based-targets-initiative/

    Liebe Grüße und weiter so!
    Janine

  17. Thema Bildung,

    habe keine Kritik, möchte nur das in den Raum werfen, ist für manche sicher auch interessant: https://www.youtube.com/watch?v=cfRD-tHafxg (DsiN Kongress 2016: Richard David Precht zur “Zukunft der Bildung”)

  18. Ganztagsschule:
    Ulf sagt, dass es zunächst wichtig ist, dass wir eine entsprechende Infrastruktur aufbauen. Ich würde dem widersprechen: Wenn wir Ganztagsschulen haben wollen, dann sollten diese auch gleich für den ersten Schüler sowohl in Infrastruktur als auch in Betreuung voll ausgebaut sein. Wenn ich an meine eigene Schulzeit in Bayern zurückdenke und mir vorstelle, dass ich an einer solchen Schule auch noch die Nachmittage verbringen müsste, dann wird es mir fast schlecht. Ich habe mich z. B. schon in der Grundschule vor ca. 30 Jahren mit der Programmierung auf dem C64 beschäftigt. Dafür hätte es damals sicher keinen Raum gegeben und leider befürchte ich, dass es auch heute dafür keine Betreuung gäbe. Ich finde, die Ganztagsschule muss so gestaltet sein, dass sie jedem Kind volle Entfaltungsmöglichkeiten gibt, auch wenn die Kinder ggf. Hobbys verfolgen, die momentan nicht in der Breite verfolgt werden.
    Was mir ansonsten noch zur Ganztagsschule einfällt: Mein Freundeskreis war während meiner Schulzeit überwiegen nicht an derselben Schule wie ich. Wie geht man eigentlich damit um, wenn ein Kind auch am Nachmittag in der Schule ist?

  19. Hallo,

    vielen Dank für eure journalistische Arbeit!

    Zum Thema CO2-offsetting würde ich euch die Forschungsarbeit der Organisation Founders Pledge ans Herz legen.

    Diese hat einen Bericht veröffentlicht, in dem CO2-Offsetting behandelt wird und in dem konkrete NGOs empfohlen werden. Namentlich sind dies die Coalition for Rainforrest Nations (CfRN) und Clean Air Task Force (CATF).

    Unter diesem Link gibt es genauere Informationen (Executive Summary; Es gibt auch einen ausführlichen Bericht zum runterladen):
    https://founderspledge.com/stories/climate-change-executive-summary

    Kurz gesagt, diese Organisationen setzen ihr Budget in einem solch effektiven Maße um, dass mit einer Spende von einem Euro (CfRN), bzw. unter fünf Euro (CATF), eine Tonne CO2-Ausstoß kompensiert werden können, womit sie weltweit Spitzenreiter sind. Ich verweise auf die Quelle für ausführlichere Informationen.

    MfG, Jakob

  20. Hi,

    also zuallererst möchte ich als treuer Hörer meine Bewunderung zum Ausdruck bringen. Euer Podcast ist großartig und Ihr habt mich jede Woche. Sehr interessante Themen, gut recherchiert, sachlich und plausibel dargelegt. Gerne weiter so!

    Ich habe allerdings ein Thema, dass mich (und ganz sicher auch viele andere Hörer) brennend interessiert und aus meiner Sicht bisher noch kaum diskutiert wurde: Klimapolitik im globalen Kontext. In fast jeder Folge geht es um ein Klima relevantes Thema (gut so), allerdings eher mit jeweils nur nationalem, maximal europäischem Bezug. Was mir dabei fehlt ist der gesamtheitliche Kontext mit Antworten auf die folgenden Fragen:
    – Was unternehmen eigentlich andere Länder und Industrienationen gegen den Klimawandel?
    – Sind die Bemühungen der Bundesrepublik nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn andere Nationen ohnehin nicht mitziehen?
    – Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich mit anderen Nationen?
    – Welche Maßnahmen in anderen Ländern sind lobenswert und vorbildlich?
    – Welche Länder scheren sich bisher überhaupt nicht und was kann dagegen getan werden?
    – Was muss passieren, damit die Welt an einem Strang zieht? Ist das überhaupt möglich?

    Das Thema wäre natürlich prädestiniert um auch einen kompetenten Klimaforscher zu Wort kommen zu lassen und würde vielen Hörern sicher dabei helfen, zukünftige klimapolitische Themen noch besser einordnen zu können.

    Ich bin gespannt was Ihr denkt!

    Mit besten Grüßen und alles Gute
    Christian

    PS: Bitte lasst diese SUV Diskussion. Es geht nicht darum, ob ein Auto 15 cm höher liegt oder nicht (oft nur minimal schwerer und mehr Luftwiderstand als das PKW Pendant) sondern ob es energieeffizient und die Größe für den Zweck angemessen ist.

  21. IBAN-Test

    Zum Podcast-Format:

    Mir hat ein Arbeitskollege vor ca. zwei Jahren Ihren Podcast empfohlen und seitdem höre ich ihn regelmäßig und gerne. Die Themen sind aus meiner Sicht in der Regel sehr ausgewogen dargestellt, wobei sie natürlich an einigen Stellen meinungsbedingt eingefärbt sind und ich anderer Meinung bin. Aber das macht es ja so spannend.

    Zum Thema IBAN:
    Vorweg, weder ich noch nahe Familienmitglieder oder Freunde arbeiten bei einer Bank. Meiner Meinung nach könnten Sie sich bei dem Thema etwas verrannt haben und tuen eventuell den Banken etwas unrecht.

    Meine Konten habe ich persönlich bereits seit Anfang der 2000er fast ausschließlich auf Internet-Banking umgestellt und kenne es als Sicherheitsfeature, dass die Überweisung ins Ausland einmalig freigeschaltet und die Höhe der möglichen Überweisung vorab festgelegt werden muss. Dies war mir am Anfang auch nicht bewusst, da ich keine Auslandsüberweisungen vornehmen brauchte. Und ich denke, es geht vielen Kunden so, dass sie die Überweisung aus diesem Grund nicht machen konnten. Aus Ihrem Beitrag geht auch hervor, dass Kunden für die Überweisung offensichtlich die falsche Auswahl in ihrer Banking-Anwendung verwendet haben und dass System sie darauf hingewiesen hat. Das ist aus meiner Sicht gut, da es nicht nur um den Schutz der Bank vor Betrug, sondern auch um den Schutz des Kunden vor Fehleingaben geht. Denn die Bank haftet nach meinem Verständnis nicht für meine Fehleingaben und es reicht, wenn ich im Komma verrutsche und der Empfänger das Geld nicht wieder rausrücken will; es wurde kürzlich über einen Fall berichtet, wo eine Reinigungskraft versehentlich zu viel als Gehalt überwiesen bekommen hatte und es nicht wieder rausrücken wollte. Schlimmer sind solche Fehler bei Auslandsüberweisungen, da sich der Rechtsweg entsprechend kompliziert und die Erfolgsaussichten wage darstellen können. Da bin ich froh, dass mich die Bank vor solchem Ärger und Betrugsversuchen schützen will, denn der Ärger ist dann unabhängig von der Haftungsfrage groß. Und wenn die Bedienung/ Freischaltung zu kompliziert ist, weil die Bank ihr Online-Angebot oder ihren Service kundenunfreundlich gestaltet, was nicht gerade selten ist, sollte man im Zweifelsfall über einen Wechsel nachdenken.

    Thomas Enneking

  22. Warum müssen Kommentare neuerdings von Euch manuell freigeschaltet werden?

  23. Thema CO2-Offsetting

    Hi Ulf und Philip,
    Toll dass ihr das Thema offsetting in der Lage ansprecht! Ich arbeite in einem Unternehmen mit ca. 150 Mitarbeiter*innen und bin aktuell dran das Thema bei uns zu platzieren. Wir sind eine Unternehmensberatung, das ist ja aufgrund der hohen Reisetätigkeit eine recht schmutzige Branche. Deswegen habe ich die Geschäftsführung darauf hingewiesen, dass ich es wichtig finde, dass (a) Flugreisen, die im Rahmen der Geschäftstätigkeit entstehen, kompensiert werden sollten und (b) die Mitarbeiter*innen dazu angehalten werden, über ihr Reiseverhalten nachzudenken und jedes Mal zu prüfen ob eine Reise überhaupt notwendig ist und falls ja, ob sie nicht auch mit dem Zug angetreten werden kann. Es soll ja kein „greenwashing“ betrieben werden.

    Meine Erfahrung zeigt, dass es Sinn macht sich hierzu Mitstreiter*innen in der Belegschaft zu suchen. Ich für meinen Teil habe gezielt Personen kontaktiert um sie nach Support für die Sache zu fragen. Die Resonanz seitens der Geschäftsführung war positiv (hartnäckig muss man trotzdem bleiben)

    Long story short: ich finde man sollte nicht nur darauf hoffen, dass sich Unternehmer zum Klimaschutz bekennen. Das ganze kann (und sollte) auch von Arbeitnehmerseite getrieben werden. Gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen besteht hier die Chance, dass so etwas relativ unbürokratisch beschlossen werden kann (verglichen mit Konzernstrukturen). Macht doch hierzu mal einen Aufruf in eurer Hörerschaft!

    Eine Freundin von mir arbeitet bei atmosfair (einem führenden Anbieter für offsetting) und meinte auch dass eben solche Aktionen einen großen impact haben können. Fände es super wenn ihr eure Reichweite dafür nutzt! Selbst wenn sich das Unternehmen dagegen entschließt ist immerhin die Debatte platziert! Denn auch wenn man es kaum glauben mag, aber viele Leute sind sich der Problematik nicht bewusst.

    Übrigens: atmosfair nimmt Abstand von Aufforstungsprojekten, wegen der unklaren Klimawirkung.
    Und: auch Privatpersonen können ihre Flüge dort kompensieren. Die Unternehmensphilosophie sieht dort auch vor, dass eine kompensation nur das letzte Mittel (nach Vermeidung bzw. Reduktion) ist. Ggf. könnte man auch das portraitieren.

    In jedem Fall: danke euch!

  24. Ich will schon mal einem Thema vorgreifen, dass ziemlich sicher noch weiter Wellen schlagen wird. Die Tötung des Feuerwehrmannes in Augsburg durch eine Gruppe junger Männer oder eines Mitgliedes dieser Gruppe.
    Ich habe schon wieder in den Nachrichten vernommen, ob nun die Nationalität von Verdächtigen genannt werden soll oder auch nicht.
    Mich nervt schon wieder, dass nun permanent gesagt wird, dass die jungen Männer in Deutschland geboren wurden, einen deutschen Passs besitzen und darüberhinaus andere Pässe – ergo über einen Migrationshintergrund verfügen.
    In diesem Zusammenhang habe ich mir die Frage gestellt, wie weit unser allgemein gängiges “Wording” Integration behindert vor allem vor dem Hintergrund, dass in der 2. Generation der Zuwanderer die Kriminalität wieder steigt.
    Unmittelbar zugewanderte Frauen/Männer/Kinder als Migranten zu bezeichnen – geschenkt – da wird ja lediglich eine Tatsache mit einem Namen umschrieben.
    Bei deren Kindern, die in Deutschland geboren wurden, sprechen wir von Migrationhintergrund, bei deren Kindern (3. Generation) ist immer noch der Migrantionshintergrund gegeben – was machen wir mit der 4. Generation?
    Vor dem allgemeinem Auge der Gesellschaft hat selbst die 3. Generation noch ein eher südländisches oder wie auch immer geartetes Aussehen, dass schnell auf den Migrationshintergrund schließen läßt. Die Enkel einer Holländerin, die nach Deutschland eingewandert ist, würde nie jemand unter dem Begriff “Migrationshintergrund” subsumieren.
    Jetzt kommt mein Punkt: Wie weit behindern wir Inländer die Integration, indem wir permanent von Mitbürgern mit Migrationshintergrund sprechen und damit in Deutschland geborene schon verbal von den “Urdeutschen” separieren?
    Mein biologischer Vater ist Kubaner – aufgewachsen bin ich mit einen Deutschen als sozialem Vater.
    So ich permanent in die Gruppe der Deutschen mit Migrantionshintergrund (was ich nach unserer Definition bin) gesteckt worden wäre, möglicherweise fühlte ich mich ausgegrenzt – als Bürger 2. Klasse.

    Und vor allem – bei welcher Generation endet es? Hat Thomas de Maiziere Migrationhintergrund? Was ist mit den zig tausend polnisch klingenden Familien im Ruhrgebiet?

    Steigt die Kriminalität bei den jungen Männern der 2. Generation vielleicht auch deshalb wieder an, weil die alle zusammen obwohl in Deutschland geboren immer noch als Deutsche mit Migrationshintergrund ausgegrenzt werden. “Wir sind zwar hier geboren aber doch keine richtigen Deutschen.”

    Ich finde, wir wollten deutlich die Diskussion führen, wie die Folgen der überbordenden Nutzung des Begriffs “Migrationhintergrund” sind.
    So wir einfach alle im Inland geborenen als Deutsche bezeichnen – so sie dann einen anderen Pass haben, dann können wir es im Zweifel nachschieben/korrigieren – werden sich die Kinder der Immigranten als das fühlen und so betrachtet werden was/wie sie sind: Inländer/Deutsche – nicht Ausländer obwohl hier geboren, aufgewachsen.

    Die Diskussion um das Tötungsdelikt in Augsburg wäre dann auch eine andere: eine Gruppe junger Männer aus Deutschland.
    Die Anzahl der Idioten und Deppen ist weltweit nahezu in jeder Gesellschaft identisch und die Farbe des Ausweises ist dabei unerheblich.

    Marc

    • Hier kann man vielleicht etwas aus den USA lernen: Da geht man generell wesentlich entspannter mit Immigranten – Communities um, obwohl es dort viel deutlicher Parallelgesellschaften gibt (Chinatown etc), und niemand würde auf den Gedanken kommen, bei einer Tötung anzugeben, dass die Menschen einen mexikanischen oder russischen Hintergrund hatten. Allerdings muss man zugeben, dass in den USA häufig die Namen genannt werden, die natürlich auch gewisse Rückschlüsse zulassen.

  25. Zu CO2-Offsetting:
    Dieses Werkzeug ist sicherlich der direkteste Weg externalisierte Umweltkosten wieder einzupreisen. Entscheidend sind folgende Punkte: a) wie hoch ist der Preis für das Zertifikat pro Tonne CO2. b) welche Qualität hat das gewählte Kompensationsprojekt c) wurden alle Maßnahmen zur effektiven Reduktion von CO2 (wie im Beispiel genannt Ökostrom etc.) hinreichend in Angriff genommen. Sicher ist, dass wir die Klimaziele leider nicht allein mit Reduktion durch Verhaltensveränderung erreichen können. Daher spielt Offsetting eine entscheidende Rolle. Als Berater begleite ich seit ca. 10 Jahren Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung von nachhaltigen Unternehmensstrategien und konnte schon einige Mittelständler dabei unterstützen ihre Wertschöpfungskette zu “neutralisieren“. Zentral ist, wie im Beitrag sehr schön beschrieben, dass die Maßnahmen im Kerngeschäft greifen und Wo möglich dasselbige transformieren, anstatt mit eher kosmetischen CSR-Aktionen zu werben. Diese Strategien sind einerseits gerade für die Reputation in Richtung Arbeitgebermarke, aber auch als Zulieferer zunehmend interessant. Wenn Ihr Interesse an einem Austausch zu meinen Erfahrungen im Bereich Nachhaltigkeitsstrategien und CO2-Neutralität habt, freue ich mich auf Eure Nachricht.

  26. Hi, bin einer Eurer Hörer seit der Breitscheidplatz Zeit. Wie immer, interessante Ausgabe. Diesmal aber ein Punkt, da schießt ihr m.E. mit Kanonen auf Spatzen: IBAN.

    Ich habe mehrere Bankverbindungen und bei allen war es nur ein Anruf oder ein Hakensetzen + TAN-Eingabe, um Auslandsüberweisungen zu aktivieren. Im Verlgeich zu sonstigem Unfug der im Online-Banking so abläuft ist das doch ein echtes Problemchen und kein Ding. Ihr hättet m.E. eher eure Aktion mit dem Ergebnis kommentieren können dass ein paar Leute diese Freischaltung nicht vorgenommen haben, aber ansonsten in dieser Sache doch keine nennenswerten Probleme heraus kamen.

    Ach, zur CO2-Kompensation innerhalb einer Firma: finde ich eine grandiose Idee. Firmen mit hohem CO2-Verbrauch werden das wahrscheinlich nicht machen weil sie dann einen Kostennachteil gegenüber dem Wettbewerb fürchten. Als Kunde fände ich die Möglichkeit CO2-neutrale Produkte kaufen zu können jedenfalls exzellent und kann mir auch vorstellen dass da mehr als ein Nischenmarkt besteht. Ist sicher eher was für Consumer Produkte und nicht für Industriekunden wo nur Preis und Qualität zählen.
    Innerhalb von Unternehmen kann dieses Prinzip auch dazu führen dass bei Produktentwicklungen die CO2-Kosten als Kostenfaktor in der Entwicklung eingehen und so auch eine mittelfristiger Einfluss auf das Sortiment entsteht.

  27. Hallo zusammen,

    in Bezug auf klimaneutrale Unternehmen:
    Die Robert Bosch GmbH (immerhin weltgrößter Automobilzuliefer mit ~400k Mitarbeitern) plant das auch ab 2020 zu machen.

    Handelsblatt darüber:
    https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/co2-reduktion-bosch-will-komplett-klimaneutral-arbeiten-und-laesst-sich-das-eine-milliarde-euro-kosten/24321480.html?ticket=ST-26201884-qRMK0bbFtzdWMD06dWON-ap3

  28. Zum Thema PISA-Studie: Ulf sagt, die Schule könne nicht kompensieren, was in den wichtigen ersten Lebensjahren im Elternhaus versäumt wurde. Erstens stimmt das so nicht uneingeschränkt, denn jedes Jahr Schulbesuch geht, wie zahlreiche Studien zeigen, mit einem IQ-Zuwachs einher. Schule kompensiert also schon einiges, schon allein dadurch, dass die Kinder sich in diesen Hallen aufhalten. Zweitens geht es gar nicht um eine solche Kompensation, sondern von der Schule ist in erster Linie zu verlangen, dass sie Entwicklungsgänge nicht stört. Oder anders formuliert: Schule sollte sozial benachteiligte, aber begabte Kinder nicht diskriminiert und durch das Raster fallen lassen. Zum Beispiel weil diese Kinder die falsche Hautfarbe, die Eltern keine akademischen Abschlüsse vorzuweisen haben, nicht mit Anwälten drohen, die Kinder den falschen Vornamen/Nachnamen tragen und in den falschen Stadtvierteln wohnen. Damit werden ihnen Entwicklungschancen geraubt, die sie ohne diese Diskriminierung wahrnehmen könnten und würden. Es zeigen genug Studien, dass die studierten Lehrkräfte einem Standesdünkel anhängen und diskriminieren, ohne sich dessen bewusst zu sein.
    Wenn es in der Lage noch einmal um dieses Thema gehen sollte, erwähnt doch biete den fatalen Geburtsfehler unseres Schulsystems: Dass ein Großteil der Anstrengungen in die Selektion fließt, anstatt dass man sich mit aller Energie einen Bildungsauftrag im eigentlichen Wortsinne zu eigen macht.
    Es müssen beileibe nicht alle das höchste Bildungsziel erreichen, also Abitur machen und studieren. Vielmehr sollte es der Gesellschaft aus schierem Eigennutz ein Interesse sein, dass jeder Schüler mit viel Herzblut seiner Lehrkräfte möglichst dicht an die obere Grenze seiner intellektuellen Leistungsfähigkeit herangeführt wird. (Vielleicht gäbe es dann zukünftig auch weniger bräsiges Braun/Blau in der politischen Landschaft.) Stattdessen wird unablässig und ohne angemessene Förderung geprüft, welches Kind zu welchem Zeitpunkt noch ausgespuckt und auf die Ränge verwiesen werden werden kann. Das macht auch nicht vor den Gymnasiasten halt, von denen in Bayern rund ein Drittel diese Schulform ohne Abitur verlässt.

  29. Hi,

    aus reinem persönlichen Interesse:
    War die N26 Bank ein Kandidat bzgl des Kontowechsel, falls ja warum habt ihr euch dagegen entschieden?

    Beste Grüße John

    • Diese Bank ist schon mehrfach durch haarsträubende Sicherheitsprobleme aufgefallen, die aus meiner Sicht auf ein grundsätzlich falsches Verständnis von Sicherheit hindeuten. Es kann natürlich sein, dass die Bank inzwischen ihre Geschäftsprozesse komplett umgestellt hat, aber das halte ich offen gestanden für unwahrscheinlich.

  30. Hallo ihr beiden,

    ich habe gerade auf Instagram folgendes Zitat, gepostet vom Deutschlandfunk, gesehen: “Nicht der Klimawandel ist das Problem – er ist nur das massive Symptom des Grundproblems: Wachstum”
    Da ist mir wieder eingefallen, dass ich schon länger den Vorschlag an euch herantragen wollte, die sogenannte Postwachstumsökonomie in der Lage zu thematisieren. Stark in der Debatte vertreten ist beispielsweise der Ökonom Niko Paech.
    Ich würde mich drüber freuen!

    Viele Grüße,
    Lena

  31. Hallo ihr Beiden,

    kurz zu Bunq und Podcastförderung. Gibt es einen Weg, dass Ihr (als Podcaster) etwas davon habt wenn ich ein Konto bei Bunq eröffne?

    • Danke für diese Frage, wir klären das mal. Wobei wir es auch nicht ganz und problematisch fänden, wenn wir zu viel Werbung für unsere Bank machen. Aber ein diskreter Link auf unserer Website wäre sicher schon o. k.

  32. Lieber Philipp, lieber Ulf,
    vielen Dank für Euren wiedermal sehr informativen podcast. zum Thema Pisa Studie habe ich noch eine Anmerkung: Ihr sprecht zurecht von der Wichtigkeit frühkindlicher Bildung – da sind wir uns sicherlicher alle einig, dass das ein sehr wichtiger Punkt ist – insbesondere bei der Frage der Integration.

    Welcher Aspekt mir aber gefehlt hat: Eine qualitative hochwertige Bildung der Kinder findet in Deutschland nicht in den Kitas sondern erst in der Grundschule statt. In den Kitas fehlt es hierfür an ausgebildeten Personal. Dort arbeiten beinahe ausschließlich ErzieherInnen, aber keine universitär ausgebildeten Lehrkräfte. Die ErzieherInnen haben teilweise keine konkrete Ausbildung, sind oft QuereinsteigerInnen mit einem eigenen relativ niedrigen Bildungsniveau – in Anbetracht zu der doch so wichtigen Aufgabe. Wenn die Erzierherin selbst nicht gut lesen kann, wie sollen die Kinder so den frühkindlichen Zugang zu Büchern erhalten?

    Wenn wir uns alle doch so einig sind, dass wir unserer Kinder möglichst frühzeitig bilden, warum werden keine Lehrberufe für diesen Bedarf entwickelt. Warum investiert man so wenig für Personal für die frühkindliche Entwicklung. Es würde ja genügen, wenn neben den Erzieherinnen 1-2 Lehrkräfte in den Kitas arbeiten würden. Nach meinen Erfahrungen in Niedersachen, Hamburg, Bremen und Schleswig Holstein werden die Kitas allein den Kirchen und Gemeinden überlassen, die ausschliesslich “günstige” Erziehrinnen / QuereinsteigerInnen einstellen, um die Kinder zu beschäftigen. Man kann froh sein, wenn Eltern sich tw. ehrenamtlich engagieren oder quer einsteigen.

    Wenn wir also die frühkindliche Bildung in den Kitas verbessern wollen, müssen meiner Meinung nach gut bezahlte (mit dem Grundschullehramt vergleichbare) Berufe entwickelt werden.

  33. Liebes Lage-Team,
    bitte greift doch in einer der nächsten Folgen die aktuelle innenpolitische Situation in Frankreich auf. Mich würde sowohl eine Einschätzung zum französischen Rentensystem als auch zum Ausmaß der gegenwärtigen Proteste interessieren. Als Deutsche, die seit einigen Monaten in Frankreich lebt, überrascht es mich wie flächendeckend die Proteste gegen die geplante Rentenreform sind. Ob die Züge vor Weihnachten wieder fahren, erscheint vielen Franzosen zweifelhaft. Auch das die Gelbwesten-Bewegung wieder starken Aufwind erfahren hat, kommt in den deutschen Medien nur wenig zur Sprache.
    Liebe Grüße, Franzi

  34. Thema: Nato

    Eure sonst sehr ausgewogene Beleuchtung von Sachverhalten (vielen Dank hierfür) habe ich bei diesem Thema leider etwas vermisst. Dem Wesen einer Demokratie nach sollten die Mächtigen ständiger Kontrolle und ebensolcher Kritik ausgesetzt sein. Kritische Beiträge bzgl. der Nato sind eher selten zu finden. Reflexhaft werden russische Missstände kritisiert – von mir aus gerne, allerdings wird über das gemeinsame “Feindbild” gerne die Selbstkritik vergessen (“braindead” ist hiermit nicht gemeint).

    PS: “Nato als Gegenpol zum Warschauer Pakt” (s.o.) habe ich beim Hören ebenfalls als Verdrehung empfunden.

  35. Hallo ihr zwei,

    vielen Dank für den Rundumschlag bzgl. Gemeinützigkeit, das fand ich superinteressant und da ich in Stuttgart wohne, werde ich dem Demoz in Ludwigsburg mal einen Besuch abstatten und mich solidarisch zeigen. Übrigens hat Sahra Wagenknecht ähnliche Aufassungen wie Ulf zum Thema Geimnützigkeit: https://www.fr.de/wirtschaft/gastwirtschaft/sahra-wagenknecht-attacke-attac-unsere-finanzordnung-ungerecht-13276820.html?fbclid=IwAR2F-82v9uZx6GCsCzQ-u9Wb-Fs1dxiMxiFuy8D-JDKhLQU9SBfggoOj50Q

    Zum Thema Migration und Bildung: Ich bin Sprachtherapeutin/Logopädin und aus fachlicher Sicht ist es bedenklich, den Eltern per se zu empfehlen, dass sie Deutsch mit ihren Kindern sprechen. Eltern sollen die Sprache mit ihren Kindern sprechen, in der sie sich am sichersten fühlen, am adäquatesten ausdrücken können und eine emotionale Bindung haben, denn die Motivation, Sprache zu erwerben ist auch emotional, nicht nur funktional. Eltern können aber entscheidene Motivatoren zum Deutsch lernen sein, indem sie ihre Kinder in Vereinen o.ä. anmelden, demonstrieren wie wichtig ist es ist, dass man Deutsch kann und dem Kind auch deutschsprachige Kontake suchen. Was ich zunehmend als Faktor für schlechte Lese- und Schreibkompetenz wahrnehme ist das “Schreiben nach Gehör”, wie es in einigen Ländern in den ersten beiden Grundschuljahren praktiziert wird. Ich weiß nicht genau, in welchen Ländern das so gehandhabt wird oder ob schon in ganz Deutschland, aber Berlin und Ba-Wü sind auf jeden Fall dabei. Nach dieser Methode dürfen die Kinder in den ersten beiden Grundschuljahren schreiben, wie sie wollen. das sit dan oft so auhs. Und das ist bestenfalls noch im Laufe des ersten Schuljahr ok, nicht aber im zweiten. Da sollten Kinder schon besser schreiben und mit einer anständigen Methode würden sie es auch hinkriegen. Die Kinder werden in der Schule in ihrer Schrift nicht verbessert. Orthografieregeln werden kaum oder gar nicht gelehrt und in der dritten Klasse sollen sie dann bitteschön plötzlich richtig schreiben, wenn alle Orthografieregeln auf einmal kommen. Ich finde das einen Graus, da Kinder wirklich mehr könnten und es aus Lese-Rechtschreiberwerbstheoretischer Sicht keinen Grund für diese Methode gibt. Gerade für Kinder, die nicht die allerbesten Startchancen haben, haben so das Nachsehen, denn die verbessert wirklich keiner! Auch für Kinder, die sprachliche Defizite haben ist das aus meiner Sicht total schädlich. Kinder, die wiederum viel und gerne lesen (was oft auf ein bildungsnahes Elternhaus hinweist) werden trotz der Methode gut ins Lesen und Schreiben kommen.

  36. 9. Dezember 2019 um 21:13 Uhr
    der Fragensteller

    Energiewende, will das noch wer oder kann das weg?
    Ja ich kann behaupten, ich kenne doch schon einige Menschen, sei es durch die Uni, den Fußballverein oder durch sonstige Aktivitäten. Doch ein Klimawende, wie von Grünen oder von Aktivisten gefordert werden, will niemand. Aber irgendjemand muss doch die Grünen wählen, da die Partei momentan bei 20%-25% liegt (vgl. Sonntagsfrage). Und ja, meine Thesen sollen provozieren aber auch zum Nachdenken anregen.
    Die Grünen scheinen die einzige Partei in Deutschland, die einen radikalen Wandel in der Umweltpolitik wollen. Alle anderen Parteien wollen „etwas“ oder „gar nichts“ für die Klimawende machen. Doch wenn ich mir die Politik der Grünen der letzten Jahre so anschaue, verstehe ich den Hype um diese Partei ganz und gar nicht. Eine Partei, die die Bildungsreform in NRW gegen die Wand fährt, deren erste Amtshandlung in BaWü die Durchsetzung von Stuttgart 21 war obwohl man dagegen Wahlkampf gemacht hat und die Partei die bei den Jamaiker Verhandlungen schneller auf den Ausstieg des Verbrennungsmotor verzichtet hat, als ich Verbrennungsmotor sagen kann.
    –Die Grünen sind eine 1-Themenpartei und beim Rest versagen sie–
    Das wirft die Frage auf“ Wer will überhaupt die Klimawende?“ Bei ca. 64 mio Wahlberechtigten in Deutschland sind es doch knapp 15mio Wähler. Wenn ich sehe, dass die Grünenwähler die Vielflieger unter den Deutschen sind (vgl Grünen-Anhänger fliegen am meisten im tagesspiegel) dürfte das Kreuz bei den Grünen ja nur ein Alibi sein. Darum hat es mich ja besonders gewundert, warum Vielflieger für höhere Flugpreise sind. Bis mir aufgefallen ist „ Die Grünen Wähler „ sind meistens die Besserverdiener in unserer Gesellschaft. Es ist ihnen also egal ob Flüge teurer werden weil sie eh genug Geld haben um trotzdem zu fliegen. Nur die „Ärmeren“ können nicht mehr fliegen.
    –Die Wahl der Grünen sind die Ablassbriefe des 21 Jahrhunderts–
    Wenn ich mir die Debatten um Verkehrswende anhöre wird mir sehr schnell schlecht. BITTE lasst diese Debatte nicht die Menschen führen, die in einer Großstadt wohnen führen, wo man sich zwischen S-Bahn und Bus entscheiden muss. Sondern von Menschen die nicht in den 15 größten Städten in Deutschland wohnen. Ich habe absolut keine Ahnung wie realitätsfern ein Umstieg auf die Bahn ist.
    –Deutschland ist näher an einer bemannten Marslandung als an einem akzeptablen Bahnnetz–

    Wenn selbst große Teile der Grünen Wähler die Energiewende nicht wollen bzw. sie selbst ihr Leben nicht umstellen wollen, wenn alle Medien und Menschen im öffentlichem Leben sich für die Klimawende aussprechen und Aktivisten mit einem Heiligenschein ausstatten, große Teile der der Bevölkerung aber gegen die Energiewende sind, wie Sie von EUCH und den Extremisten gefordert wird…warum wundert sich noch jemand warum die AFD oft zweit oder dritt stärkste Kraft wird, wenn die Politik ohne das Volk gemacht wird?

  37. Ich höre die Lage generell sehr sehr gerne, und wenn es um innenpolitische Themen geht, sind die Themen auch meistens gut aufgearbeitet und erklärt. Dagegen hat mir die Einführung der NATO in der letzten Ausgabe überhaupt nicht gefallen. Meiner Meinung nach wurde viel zu verkürzt und aus einem falschen Zusammenhang dargestellt, wer die NATO eigentlich ist. Sie war keinesfalls das Gegenbündnis zum Warschauer Pakt. Vielmehr war es umgekehrt: Das NATO-Bündnis wurde zuerst geschlossen, worauf hin die ehemalige Sowjetunion sich militärisch in die Enge getrieben fühlte und einen Gegenpakt mit den ehemaligen Ostblockstaaten unter Führung der Sowjetunion gegründet hat, der aus dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe gegründet wurde. Dieser Rat widerum wurde infolge des Marshall Plans gebildet. Nicht nur die Zusammenhänge und Gründe der Entstehung der NATO und die schwierige Beziehung zu Russland kommen leider zu kurz, auch die Beweggründe anderer Staaten, heute in das NATO-Bündnis aufgenommen werden zu wollen, sind zu kurz gegriffen. Ich finde es super, dass internationale Themen in der Lage aufgenommen werden und möchte das nur begrüßen! Dann aber bitte auch ausreichend Zeit nehmen, um die Hintergründe genau und sauber widerzugeben.

  38. #NATO-Gipfel
    Mal als kleiner Denkanstoß gesehen bezüglich der Aussage, „die NATO [sei] eben das zentrale Verteidigungsbündnis“:
    Geopolitisch gesehen finde ich persönlich es äußerst kritisch, die NATO heute noch als „Verteidigungsbündnis“ zu bezeichnen, gerade unter dem Aspekt eures häufigen Bezugs, auch in anderen Lagen, auf das geltende Völkerrecht.
    Betrachtet man die Kriegseinsätze der NATO seit 1949 und wie häufig entweder ohne UN-Mandat, und damit wider das geltende Völkerrecht, agiert worden ist, oder auch die Interventionen UN-Mandate überzogen haben (z.B. Serbien, Syrien, Jemen etc.), finde ich es durchaus wichtig bis unabdingbar, sich die Frage zu stellen, ob die NATO seit Ende des kalten Krieges nicht viel eher zu einem verlängerten Arm der imperialistischen US-Außenpolitik, und damit zu einem Angriffsbündnis, mutiert ist.
    Besonders hinsichtlich der Völkerverständigung im Sinne einer friedlichen und diplomatischen Vorgehensweise ist es doch fraglich, wogegen die NATO denn heutzutage noch verteidigt. Terrorismus beispielsweise mit Kriegsinterventionen zu bekämpfen, oder gar zu verhindern, ist meiner Überzeugung nach, mit Verlaub, Bullshit.
    Wie oft sprecht ihr davon, dass Waffenlieferungen und rüstungsindustrieller Lobbyismus keine des Friedens förderlichen Maßnahmen sind? Stellt man sich nämlich die Frage welche wirtschaftlichen Interessen diesbezüglich die NATO beeinflussen (Aufrüstung, 2%-Ziel etc.), glaube ich, dass man die Bezeichnung „Verteidigungsbündnis“ für ein so intransparentes und undemokratisches Militärkonstrukt nicht wählen kann.

  39. Co2 bepreisung/ Studie UBA
    Es nervt mich immer wieder, wenn ihr die Verteuerung des Individualverkehrs zugunsten der Klimaziele propagiert, ohne Alternativen (Öffis, etc) für alle einzufordern.
    Ich als Pensler aus einer ländlichen Region könnte ich nur entweder draufzahlen oder meinen Job hinschmeißen oder in die Stadt meines Arbeitgebers ziehen.
    Und wenn alle auf dem Land vor solche Alternativen gestellt werden, haben wir bald französische Verhältnisse.
    Mein Problem mit höheren Spritpreisen ist keine ‘Befindlichkeit’ sondern etwas, das eine adäquate Lösung erfordert, welche mir erlaubt Wohnort und Arbeitsplatz zu behalten ohne dass ich dafür stärker zur Kasse gebeten werde als der Durchschnitt.
    Ich fahre wirklich nur deshalb mit dem Auto weil ich wirklich und ganz ehrlich null alternative habe.
    Bepreisung von CO2 kann imner nur eine Maßnahme sein von vielen – im Zusammenhang mit einem grundlegenden Umbau unserer Infrastruktur.
    Bitte hört auf das Thema so einseitig gegen Autofahrer zu betrachte. Ihr macht euch das ganze an der Stelle zu einfach, denke ich

  40. Guten Tag zusammen,

    auch wenn ich eure Gedanken zur Förderung der bildungsschwachen Kinder größtenteils teile, finde ich, dass bei Diskussionen um Bildungspolitik oft die Förderung der guten Schüler vergessen wird. Ein großer Teil meines Freundeskreises aus der Schule war von dem Lernangebot, vor allem in den Mint Fächern, (an einem Gymnasium in BW) heillos unterfordert. Und das hat nicht in individueller Förderung oder gesteigertem geendet, sondern in Unkonzentriertheit, Faulheit und Ablenkung jeglicher Art. Statt Hausaufgaben zu machen und sich danach noch tiefer mit der Materie zu beschäftigen, haben wir die Hausaufgaben im Kopf während der Abfrage gelöst, wodurch bestimmt eine Menge Potential verschwendet wurde.

    Ich würde mir wünschen, dass man sich nicht nur darauf konzentriert den Schwachen etwas beizubringen, was der Rest schon kann, weil sonst lernt der Rest nichts.

    Lg Chris

  41. Mir hat der von euch aufgegriffene plakative Vergleich des Budgets Gorch Fock Sanierung zum der Demokratie Initiate/Bewegung schlecht aufgestoßen.

    Das Thema Gorch Fock ist ein valides Thema mit Aufregecharakter und kann man gerne mal beleuchten das für und wider so ein Segelschulschiff zu betreiben oder auch die Kostenexplosion bei der Sanierung zu betrachten. Es hat für mich aber nichts mit irgendeiner Demokratiebewegung zu tun sondern ist nur ein Vergleich um Meinung zu bilden – oder habe ich die direkte Verknüpfung zwischen Bundeswehretat und der Demokratiebewegung überhört? In meinen Ohren klang es wirklich so als würdet ihr dieses Argument/diesen Vergleich nur aus Effekthascherei heranziehen – Stammtischcharakter. “Der Bund gibt etliche Millionen für ein Schiff aus aber nicht für Demokratie? Wie kann das sein?” – die beiden Themen haben für mich nichts miteinander zu tun und es gibt sicherlich bessere Vergleiche.

    • Der Vergleich war ein Zitat des zuständigen Referatsleiters, der in den letzten Wochen sehr viel Kritik eingesteckt hat, weil viele der Programme aus der Förderung gefallen sind. Deswegen hat er vermutlich auf diesen etwas plakativen Vergleich zurückgegriffen. Ehrlich gesagt hat er mich aber überzeugt, auch wenn es natürlich unterschiedliche Themen sind: Dem Deutschen Bundestag ist irgendein museumsreifer Segler offensichtlich wichtiger als Demokratie-Förderung. Denn Prioritäten drücken sich eben in Haushaltsansätzen aus.

  42. Hallo!

    Thema NL-IBAN:

    Wollte gerade das Formular zur IBAN-Überweisung ausfüllen, habe aber nicht genau verstanden wieso ihr meine BIC und IBAN haben wollt? Würde es nicht mehr Sinn ergeben einfach den Bankennamen hinzuschreiben?

    Ging bei meiner Bank (einer regionalen Volksbank) übrigens problemlos.

  43. Hallo Lage,

    Thema: CO2 Bilanzierung / Kompensation von Unternehmen

    Mein Arbeitgeber versucht schon seit einiger Zeit ein ähnliches System wie das von euch skizzierte umzusetzen. Die Idee ist gut, aber kann eine staatliche Regulierung leider auf keinen Fall ersetzen.

    Die technische Umsetzung mag simpel klingeln, ist aber genau das Gegenteil. Zwar lassen sich die CO2 Kosten von Strom und Dienstreisen bestimmt noch gut festlegen, aber spätestens, wenn es darum geht den Aufwand von Zulieferern zu bestimmen muss man vermutlich mehr raten als rechnen. Man muss schon eine enorme Marktmacht haben, um seine Zulieferer dazu zwingen zu können hier Aufwand zu betreiben und mit Zahlen und Daten transparent zu sein.
    Und es ist auch die Frage wo man den cut macht: Müssen die Zulieferer auch über ihre Zulieferer informiert sein? Wie komplex die Lieferketten heutzutage sind hat ja z.B. der Fairphone Versuch gut aufgezeigt. (Hier wäre das Lieferkettengesetz, das im Moment in der Diskussion ist, sicherlich eine gute Hilfe)
    Oder eine andere Frage: Warum sollen Umweltfolgen bilanziert werden, soziale Folgen aber nicht? Schaut man sich einmal die Sustainable Development Goals als Referenzrahmen an, sind die Umweltziele dort nur eine Minderheit.

    Aber auch in der praktischen Umsetzung man muss wirklich aufpassen, dass die Mitarbeitenden den zusätzlichen Aufwand als gerechtfertigt empfinden und nicht als reine Bürokratie. Meiner Erfahrung nach muss ein solches System auch auf jeden Fall mit einer Form von direkten Incentives für Mitarbeiter verknüpft sein. In der Mehrzahl der Fälle wird es nicht ausreichend sein mit einem Blick in die Bilanz zu motivieren. Für das „Employer Branding“ mag eine solche Initiative ein großartiges Argument sein – aber um es im Alltag durchzuziehen braucht man ein echtes Engagement.

    Je nach Branche müssen die Unternehmen für so ein Vorhaben übrigens auch wirklich viel Geld in die Hand nehmen. Dann ist es wichtig, dass Vorgesetze und Entscheider wirklich dahinter stehen. Wenn man die Kosten tatsächlich und ehrlich bilanziert ist das erst einmal auch ein kompetitiver Nachteil und nicht zwingend ein Argument beim Kunden. Das Angebot muss ja teurer werden. Man muss es sich also wirklich leisten können und wollen. Das Schlimmste, was passieren kann, ist wenn man im Anbetracht der Kosten nach 6 Monaten wieder aus dem Programm aussteigt. Dann hat man sämtliche Glaubwürdigkeit verloren und ist bei Mitarbeitern und Kunden unten durch.

    Unterm Strich: ein tolles Instrument, aber ich bin nicht überzeugt, dass es sich wirklich in der Breite umsetzen lässt. Ohne eine staatlich regulierte CO2 Bepreisung lässt sich das nicht umsetzen und wird und schlimmsten Fall zur Ausrede und Nebelkerze.

  44. Thema Offsetting:

    Hallo ihr beiden,
    ich habe mir gerade die Lage von Freitag angehört und fand vor allem den Punkt zum Offsetting spannend. Die unternehmensinternen positiven Aspekte, also quasi die Schaffung einer internen CO2-Bepreisung durch Offsetting, die ihr genannt habt, hören sich vielversprechend an – dazu kann ich aber leider auch nicht mehr sagen. Ich habe mich aber kürzlich im Rahmen meines Studiums ein bisschen mit Forest-Offsetting befasst. Das umfasst eben Offsetting-Projekte, die sich mit Wiederaufforstung, Waldschutz und Wald-Management befassen. Auch wenn (Forest-) Offsetting im großen und ganzen sicherlich sinnvoll ist, gibt es einige Kritikpunkte an der Effektivität, die in der Diskussion meiner Meinung nach berücksichtigt werden sollten und die Effektivität der Projekte doch teilweise in Frage stellen:
    – Durch Forest-Offsetting werden Wälder zur “Ware”, wobei man natürlich schon im Grundsatz streiten kann, ob wir unsere Wälder zum Bestandteil des kapitalistischen Systems machen möchten. Das mal dahingestellt, führt ein Fokus auf Wälder als handelbare Vermögenswerte dazu, dass Biodiversität, effektiver Waldschutz und der Schutz indigener Gruppen in den Hintergrund geraten. Durch das Trading endet ein Großteil von groß angelegten Wiederaufforstungsprojekten zB in der Schaffung von Monokultur-Plantagen (Siehe unten Link 1). Zudem werden teilweise nicht-heimische Arten gepflanzt anstatt natürliche Ökosysteme erhalten . Das verringert natürlich Biodiversität und ist weniger effektiv in CO2 Einsparungen als der Schutz natürlicher Wälder.

    – Gleichzeitig mangelt es oft an sozialen Maßnahmen in Offsetting-Projekten: die Rechte indigener Völker und Lebensrealitäten von Locals werden nicht selten missachtet (siehe unten Link 2). Projekte sind nur effektiv und sie sozial sind, richtig durchgeführt werden und Biodiversität und den lokalen Kontext berücksichtigen.
    – Ihr habt in der letzten Folge erwähnt, dass es natürlich lange dauert, bis ein Baum wächst. Das ist nicht das Einzige Problem in Sachen Ineffektivität von Ausgleichsmaßnahmen: Es ist zB auch nicht immer garantiert, dass gepflanzte Wälder/Plantagen in der Zukunft erhalten bleiben. Es kann also sein, dass ein Unternehmen in ein Offsetting-Projekt investiert, um eigene Emissionen auszugleichen, das Projekt aber aus natürlichen oder politischen Gründen zerstört wird. In Brasilien wurde etwa ein Projekt auf einer 250 Hektar großen Fläche aufgrund von Gesetzesänderungen pausiert (siehe unten Link 3).
    – Entsprechend wird in Waldprojekten CO2 nur abgebaut, solange die Bäume stehen. Werden sie gefällt oder sterben, geht das CO2 meines Wissens nach zurück in die Atmosphäre (ich bin aber keine Wissenschaftlerin und weiß nicht sicher, ob es hierzu wissenschaftliche Aspekte gibt, die ich nicht kenne).
    – Kritisch finde ich auch, dass die Projekte eben nur auf Neutralität, nicht aber auf die Reduzierung von Treibhausgasen bzw. deren Konsum gerichtet sind (wobei hier der von euch genannte Punkt sicherlich einen positiven Einfluss hat). Besonders kritisch ist es finde ich, wenn Vertreter*innen der Öl und Gas Industrie versuchen, ihren extrem hohen Emissionen durch Offsetting zu kompensieren. Das führt schnell dazu, dass die Investition in Offsetting Projekte an die Stelle von Emissionsreduktionen rückt obwohl in beides parallel investiert werden müsste, um die Pariser Ziele zu erreichen.

    Ich weiß nicht, ob ihr in euren Recherchen schon etwas dazu erfahren habt, aber in diesem Kontext ist REDD+ noch wichtig, ein Konzept im Rahmen der UNFCCC-Verhandlungen, mit dem Waldschutz als Kohlenstoffspeicher finanziell attraktiv gemacht werden soll. Waldemissionen bekommen einen monetären Wert, um Waldschutz finanziell attraktiv zu machen. Die Emissionsreduktionen durch Waldschutzmaßnahmen sollen hierdurch genau gemessen werden und leistungsbasierte Zahlungen bei Reduktionen stattfinden. Hierbei gibt es aber u.a. Schwierigkeiten etwa in Sachen Messungen, Monitoring und Reporting. Die Kritik an REDD+ ist recht groß. Die NGO hier (https://redd-monitor.org/redd-an-introduction/) ist da ganz vorne dabei, meiner Meinung nach teilweise etwas radikal, teilweise aber auch durchaus berechtigt. Ich finde das Ganze sehr spannend, auch wenn es im Detail nicht mehr so viel mit eurer Ausgangsfrage zu tun hat. Vielleicht eine kleine Anregung für eine Diskussion in der Lage :)

    Das Ganze ist nur oberflächlich und kann sicher noch vertieft recherchiert werden. Offsetting scheint grundsätzlich schon auch eine sinnvolle Maßnahme zu sein, aber wird oft nicht nachhaltig sondern rein wirtschaftlich umgesetzt und läuft dann mehr oder weniger ins Leere. Dementsprechend finde ich es wichtig, auch die Kritikpunkte mit zu diskutieren.

    Link1: https://www.researchgate.net/profile/Jianguo_Zhu2/publication/325313456_Tree_plantations_displacing_native_forests_The_nature_and_drivers_of_apparent_forest_recovery_on_former_croplands_in_Southwestern_China_from_2000_to_2015/links/5b05252645851588c6d49c12/Tree-plantations-displacing-native-forests-The-nature-and-drivers-of-apparent-forest-recovery-on-former-croplands-in-Southwestern-China-from-2000-to-2015.pdf
    Link2: https://www.arb.ca.gov/lists/com-attach/127-tfs2018-UDoFbFU9Az4LeQcq.pdf
    Link3: https://www.boell.de/sites/default/files/redd_in_brazil_2014.pdf

  45. Thema Bildung & Digitalisierung

    Liebe Lage,

    da euch das Thema Investition in Bildung und Digitasierung an Schulen sehr wichtig ist, würde ich mich freuen, wenn ihr mal kritisch einen Blick auf digitales Lernen werfen würdet. Ich habe einen Beitrag im Deutschlandfunk Nova zu Hirmforschung gehört (Link: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/hirnforschung-wie-wir-lernen-aufnahmekapazitaet-steigt-durch-input), in dem sich “Lernforscher Spitzer gegen Digitaloffensive an Schulen” geäußert hat. Er spricht sich für eine nicht-digitale Wissensvermittlung in Kitas und Grundschulen aus und beruft sich dabei auf mehrere Studien aus anderen Ländern (u.a. Frankreich). Ich fande es sehr interessant und oft geht genau dieser Aspekt bei der Debatte unter. Also: WIE soll die Digitalisierung in der frühen (und späten) Bildung unterstützen?

    Vielen lieben Dank an dieser Stelle für eure großartige Arbeit!

    Annika

  46. Zunächst einmal: Vielen Dank für euer Podcast! Ich höre euch jede Woche und freue mich immer schon auf die neue Folge!
    Nun muss ich allerdings einmal etwas zum Thema Kinder und Bildung loswerden: Ich selbst bin Mutter einer 4 jährigen und habe 13 Jahre lang Mathe Nachhilfe gegeben. Als ehemals sehr schlechte Schülerin kann ich mich sehr gut in die Schüler einfühlen und weiß auch oft, wo die Probleme liegen. Ihr redet oft von Ganztagesschulen und Fördermaßnahmen und dass die Kinder „nicht nur Spielen“ sollen. Bitte informiert euch einmal über Lernforschung und wie Kinder lernen. Ich kann hier den Film „Alphabet“ einmal ans Herz legen. Meine Tochter zum Beispiel fängt schon jetzt an zu schreiben und zu lesen – ganz natürlich und von sich aus. Und zwar nicht weil sie den ganzen Tag in der Kita ist (wart ihr schon einmal in einer Kita? Wisst ihr wie anstrengend das für die Kinder ist? Wie laut? Wie eng?) Natürlich geht sie in die Kita aber sie ist auch oft zu Hause und beschäftigt sich in Ruhe mit Dingen beschäftigen die sie interessieren! Das geht nicht in einem Feld in dem ständig nur Remmidemmi ist. Stellt euch vor ihr würdet den ganzen Tag mit 30 Leuten in einem engen Raum verbringen. Wie wäre eure Lernfähigkeit ? Könntet ihr gute Arbeit leisten? Oder braucht ihr vielleicht doch mal eure Ruhe, einen eigenen Raum. Dazu kommt eben noch sooo viel mehr: Kinder lernen vor allem, wenn sie sich interessieren, wenn sie etwas begeistert! Das Schulsystem heutzutage ist so veraltet – noch wie vor 100 Jahren. Das passt nicht zu den Kindern von heute. Da müsste einiges verändert werden. Und ja: Nicht – Muttersprachler bräuchten Förderung – und sie werden wohl die Deutsche Sprache am besten im Spiel mit deutschsprachigen Kindern lernen! Und ein weiterer Punkt: Eltern sollten sich mit ihren Kindern insofern beschäftigen, als dass sie Vorlesen, Interessen fördern, auf die Kinder eingehen, zuhören. Und ja, wenn das nicht gegeben ist und zuhause nur der Fernseher läuft sind Kinder vielleicht in einer Ganztagesschule etwas besser aufgehoben. Aber das ist nur das kleinere Übel…

  47. Hallo ihr zwei,

    euren Podcast höre ich jede Woche und auch mit großem Interesse und Begeisterung. Allerdings ist mir zuletzt vermehrt aufgefallen, dass Ulf Philip öfter im Satz unterbricht und damit abwürgt. In der aktuellen Folge kommt es mehrfach vor. Ulf ist dann in einen Redefluss und lässt Philip nicht mehr zu Wort kommen. Vielleicht ist es aber auch genau die Art von Unterhaltung oder entspricht eurem vorher überlegten Konzept, wie ihr diesen Podcast halten und den Redeanteil verteilen wollt.
    Mir fällt es als Zuhörer zumindest negativ auf, da ich gerne den kompletten begonnenen Satz von Philip zu Ende hören und mir wünschen würde, dass beide Gesprächsteilnehmer ausreden dürfen.

    Viele Grüße

    Tobias

    • Danke für den Hinweis. Das ist ehrlich gesagt ein Folge unserer Arbeitsteilung: Wir schreiben ja unsere Stichpunkte für die Sendung arbeitsteilig auf, und dabei kommt es manchmal vor, dass die andere Seite in der Diskussion Punkte übersieht, die dazu führen würden, dass ein Thema nicht mehr verständlich ist oder jedenfalls eine zentrale These unter den Tisch fällt. Dann ist es immer wieder schwierig zu entscheiden, ob man gleich unterbricht, damit die Logik insgesamt stimmt, oder ob man den anderen erst mal laufen lässt, obwohl man dann später im Thema wieder zurück springen muss. Ich höre mir das noch mal an.

  48. Zur Bildung:

    Ich sehe auch das Problem mit den Kindern mit Migrationshintergrund … kenne ich aus dem eigenen Umfeld: Bekannte aus dem Ausland (beides Ingenieure) wohnen schon lange hier und das Kind ist hier geboren. Daheim kriegt es kein Deutsch mit und in Kita und Kindergarten arbeitet man mit dem Prinzip “die Kinder lernen es sich gegenseitig” was aber “prima” funktioniert in einem Stadtviertel mit hohem Migrationsanteil (und gerade mal 3 Deutschen in 14-Kinder starker Gruppe) … das Kind hat mehr Russisch gelernt als Deutsch und hat jetzt in der Grundschule zu kämpfen :( Das gefährliche: Das Kind macht im Sprechen einen ordentlichen (wenn auch keinen guten) Eindruck und kann die zweifelslose existierenden Lücken gut verdecken (zum Beispiel Vokabularprobleme: während der 2. Klasse hat mich es mal gefragt “was heißt eigentlich oben?”) weil es gewohnt ist, diese Lücken zu verstecken – zum Teil aus Scham, zum Teil weil das Kind es auch nicht anders kennt (und glaubt, es gehöre sich so). Und solche Kinder gibts je nach Region ne Menge in unseren Klassen!!!

    Zum Bildungssystem: Ich habe Angst, dass auf dieses PISA-Ergebnis hin wieder sinnlose Systemdiskussionen anfangen a’la “zwei- oder dreigleisig?” oder “G8/G9?” und die eigentlichen Probleme bleiben unangetastet: massive Unterbetreuung vor Allem in den Anfangsjahren, zu wenig Lehrer für zu große Klassen, überforderte Erzieher deren Motivation schon lange kapituliert hat vor den Problemen :( Wer sich an seine Schulzeit zurückerinnert, wird erkennen: die Qualität eines Lehrers entscheidet sich an seinem Talent und seiner Motivation und nicht daran, wie die Schule jetzt heißt oder so …. an solchen High-Level-Dingen wird aber immer rumgedoktert, wenn im Kultusministerium hektischer Aktionismus ausbricht :( Der Lehrermangel wird immer nie angegangen … dafür gibts schließlich auch die Nebelkerzen, die sie auf Systemebene immer anzünden :(

    Und nochwas zu ein-, zwei- oder dreigleisig: Kritik an “unserem dreigleisigen Schulsystem” macht keinen Sinn, wenn unser Schulsystem mehr und mehr eingleisig gelebt wird: alle Eltern prügeln ihr Kind aufs Gymnasium gegen jegliche Vernunft, Realschule bleibt für den Rest, Hauptschule vielerorts nur für die wahren Problemfälle … wer unser Schulsystem kritisiert, muss sich fragen, ob er nicht eigentlich gegen das eingleisige System argumentiert ;) Denn Gymnasialklassen sind inzwichen eine wilde Mischung aus geeigneten Kindern, überforderten Kindern und denen, die gänzlich fehl am Platz sind!! Eine Gefahr für alle beteiligten, weil sie entweder über- oder unterfordert sind (fragt mal ältere Gymnasiallehrer nach einem Vergleich zwischen heute und vor 20 Jahren …. heute sind Deutschlehrer der 9. Klasse froh, wenn sie halbwegs entziffern können, was der Aufsatzschreiber ihnen sagen wollte)

    Für viele mag das von mir gezeichnete Bild zu duster klingen, aber in einigen Regionen ist das leider Realität … ich kriege das gut mit aus der lehrergetränkten Familie (und ich komme vom Land, wo das Problem noch nicht so groß ist!)

  49. Fun-Fact am Rande zum Thema “IBAN-Recherche”:

    Das ist das ERSTE Konto, bei dem mir meine Bank (PSD-Bank) angeboten hat eine Sofortüberweisung auszuführen.
    Bei Überweisungen zu deutschen Kreditinstituten hatte ich bisher diese Option noch nicht angeboten bekommen.

  50. Guten Tag,

    Ich war gestern Dankbar über Euren Beitrag zum Offsetting. Ein Begriff, der mir bis dato gänzlich unbekannt war. Bei mir lief das Vorgehen unter CO2 Zertifikat für Privatkunden. Aber egal, ich wollte Euch nur zurufen, dass ich das mache und sehr gut finde.
    Habe ein kleines Beratungsunternehmen (OE, Change Management), fahre Bahn wo es eben geht, aber ohne PKW ist das Ganze mit realistischem Aufwand nicht machbar. Deshalb habe nach ca. 6 Monaten Recherche/Abwägung/Ärgern über politische Tatenlosigkeit das Heft des Handelns in die Hand genommen und mir ein Zertifikat bei AtmosFair geklickt.
    Viele Grüße.

  51. Nicht zum Thema, aber weil ihr vor Kurzem Beziehungstaten und Morde an Frauen angesprochen habt: https://www.zeit.de/2019/51/frauenmorde-gewalt-partnerschaft-bundeskriminalamt?wt_zmc=fix.int.zonaudev.push.lesetipp.zeitde.andpush.link.x&utm_campaign=lesetipp&utm_medium=fix&utm_source=push_zonaudev_int&utm_content=zeitde_andpush_link_x
    Leider bekommen, wie auch die Autoren in dem Artikel sagen, solche Tötungen häufig nur Aufmerksamkeit, wenn es sich um einen Täter mit Migrationshintergrund handelt…

  52. https://www.facebook.com/watch/?v=1005450916482588

    Kühnert ist offenbar eines der größten, wenn nicht das größte rhetorische Talent in der deutschen Politik seit mindestens Joschka Fischer: Frei gehalten, keine Stolperei, keine Ähs, kohärent und nicht mäandernd – und ein dramaturgischer Aufbau bis hin zur Klimax, der jeden Rhetorikprofessor in die Knie zwingen müsste: ein großer Kommunikator – und am Ende lächelt sogar Olaf Scholz.

    Dass er auch ein großes politisches Talent besitzt, das steht, seit er besagten Scholz als Parteivorsitzenden verhindert hat, zumindest als Möglichkeit im Raum.

    Ich bin kein Sozialdemokrat und nicht überall seiner Meinung. Aber exakt eine solche sozialdemokratische Partei, wie Kühnert sie beschrieben und hier als konkrete Vision benannt hat, benötigt dieses Land – und eigentlich die Welt.

    Diese sozialdemokratische Partei für Jahrzehnte zerstört zu haben, wird die ewige historische Schande der Schröders, Münteferings und all ihrer Nachfolger bleiben. Denn das Fehlen einer glaubwürdigen Wahlalternative für die Verlierer des großen neoliberalen Experiments seit 1982 hat die AfD ermöglicht.

    Der Aufschrei, der in eher konservativ bis (öko-)liberalen Kreisen in den letzten Tagen zu hören war, ist der eines Trennungsschmerzes: man hatte die SPD so schön assimiliert, zu einem Teil der alltäglichen Mechanismen der Die-eigenen-Taschen-vollmach-Demokratie gemacht – und jetzt kommt die Abstoßungsreaktion derjenigen, die mehr politischen Streit in der demokratischen Mitte wollen, weil sie den am faschistischen Rand unerträglich finden. Das tut weh, weil es schlecht fürs Geschäft ist.

    Eine eben solche Figur braucht der liberale Flügel der Gesellschaft: Vielleicht findet sich ja bald ein aufrechter Liberaldemokrat, dem Liberalität mehr als die Freiheit zur Ausbeutung Schwächerer ist, der (oder die oder egal) sich daran erinnert, dass es mal einen “linken” Flügel der FDP gab, der sich um die Bürgerrechte in Deutschland verdient gemacht, das Selbstbestimmungsrecht der Frauen in Abtreibungsfragen mit durchgesetzt und die große Liberalisierung der Gesellschaft in den 70ern entscheidend mitgeprägt hat – und dass diese Themen heute wieder auf der Tagesordnung sind, weil sie von ganz rechts erheblich bedroht werden. Das liberale Projekt Bundesrepublik ist in großer Gefahr. Und wir haben aktuell keine liberale Partei, sondern nur eine wirtschaftsliberale. Und Wirtschaftsliberalität führt nun mal, das haben die letzten 40 Jahre gezeigt, in soziale Unfreiheit und Unsicherheit derjenigen, die nicht auf der Gewinnerseite stehen.

    Und wo wir schon dabei sind: Ja, die CDU könnte mal an ihrem christlich-konservativen Profil arbeiten. Und damit meine ich NICHT, ihrem rechten, autoritären. Denn das christlich-konservative, in dessen Kreisen ich mich in meiner Kindheit und Jugend bewegt habe, hatte einen inklusiven, einschließenden Grundimpuls. Barmherzigkeit und Milde waren da Basistugenden, genauso wie eine grundsätzliche Liberalität anderen Lebensentwürfen gegenüber. Auch diesen Teil hat sich die CDU amputiert, wo sie ihn aus verfassungsrechtlicher Realität nicht abwehren kann – Stichwort “Ehe für alle”. Oder er ist in der Frostkammer des Neoliberalismus einfach abgefroren. Wie auch immer: Wir brauchen eine konservative Partei, die eine Alternative bildet zur Unmenschlichkeit des Faschismus.

    Und ja: die Grünen sollten auch mal wieder in der Parteihistorie nachschauen und sich darüber klar werden, dass die Farbe, die sie beschreibt, einst für etwas stand! Und dass sie das auch tun sollte, wenn die Partei an die Hebel der Macht kommt. Denn diese Bilanz ist vollständig erbärmlich, ob im Bund oder in Baden-Württemberg. Dafür muss niemand Grün wählen.

    Ich denke, Kühnert begreift das – und ich wünsche ihm allen Erfolg, den die SPD braucht. Denn das würde auch alle andere Parteien zur Selbstbesinnung zwingen.

    Und ich wünsche ihm das, obwohl ich die SPD auch in Zukunft wahrscheinlich nie wählen werde.

  53. Kommentar zum Überweisungscheck:

    Ich kommentiere hier, weil leider kein Kommentarfeld in der Umfrage vorgesehen ist.
    Ich habe das Phänomen (und daher auch 2x dieselbe Antwort mit unterschiedlichen Ergebnis abgesandt), dass die Überweisung wiederholbar über die Desktop-Website funktioniert, aber über dieselbe Seite auf einem Mobilgerät abgelehnt wird, mit einem Hinweis auf “ein Referenzkonto im Ausland”, die Überweisung hat aber nichts mit einem Referenzkonto zu tun.
    Die Bank ist die ING (INGDDEFFXXX).

  54. Zur Gemeinnützigkeit:
    Danke, dass Ihr diesem wichtigen Thema so viel Raum gebt!
    Kleiner Hinweis dazu: Bei ihrem Bundeparteitag dieses Jahr im November in Bielefeld haben die Grünen einen Antrag/Positionierung verabschiedet, die viele Eurer Beurteilungen und Bewertungen teilt (bspw. die Entscheidung des Bundesfinanzhofs) und die zudem eine Reform des Gemeinnützigkeitsrechts fordert sowie ein Register von gemeinnützigen Vereinen und eine Europäisierung des Vereinsrechts.
    Den Beschluss gibt es hier: https://cms.gruene.de/uploads/documents/Verschiedenes-Zivilgesellschaft-staerken-Beschluss-BDK-11-2019.pdf

    Ihr habt ja zurecht darauf hingewiesen, dass die SPD als Ganzes sich bislang nicht klar & deutlich positioniert hat (Scholz). CDU und FDP plädieren eher für ein Verschärfung der Gemeinnützigkeit (gerade von den Liberalen hätte man auch anderes erwarten dürfen). Darum habe ich mir hier erlaubt, auf eine einzelne Partei hinzuweisen (bei der ich Mitglied bin).

  55. Hallo ihr Lieben,

    Meine Tochter geht nun in die erste Klasse und dort sehe ich dass leider sehr viele Eltern nach ihren Kindern schauen.

    Ich finde man kann nicht von der Politik erwarten, dass alles in der Schule erledigt bzw. gemacht wird. Es sollte eigentlich doch auch alle Eltern interessieren was ihre Kinder im Unterricht machen. Dies ist leider nicht der Fall. Auch sehr viele Eltern ohne Migrationshintergrund interessieren sich nicht für den schulischen „Alltag“ ihrer Kinder.

    Ich denke dies ist keine gute Entwicklung für unsere Gesellschaft.

    Viele Grüße
    Katharina

  56. Thema IBAN:

    Ging bei mir problemlos, sogar ohne TAN (nicht TAN pflichtig). Das allerdings macht mir Sorgen, da bin ich echt irritiert. Bin bei der Sparda Bank.

  57. Zum Thema CO2-Kompensation: Ich bin Physiker und bin immer etwas stutzig bei der Vorstellung, dass man sich von seinen Umweltsünden so einfach freikaufen kann. Leider habe ich dazu keine fundierte Untersuchung gefunden, wie nachhaltig dabei der CO2-Anstieg verringert wird. Eines scheint mir aber klar: Dass Bäumepflanzen dauerhaft den CO2 Fußabdruck kompensieren sollen, klingt etwas zu billig. Das wäre nur dann der Fall, wenn der komplette Baum z.B. gefällt und in einem alten Kohlebergwerk dauerhaft vergraben wird und so das CO2 wieder in den Boden zurück kommt und nie wieder in die Luft gelangt. Oder die Fläche, wo der neue Wald entsteht, müsste dauerhaft zu Urwald werden können und dürfte niemals mehr gerodet werden, so dass der Waldboden das CO2 als geologische Schicht ablagert. Welche Grundstücke sollten das sein, die brach liegen und wer kann das garantieren? Das wäre ziemlich unglaubwürdig. Am Ende wird der Wald doch wieder wirtschaftlich neutzt und das Holz gerodet und verkauft, vielleicht als Brennholz und das CO2 ist wieder in der Luft und meine Spende war umsonst und landet in der Tasche von anderen. Würde man eine Landschaft einfach nur in Ruhe lassen, bilden sich ohnehin von selbst Wälder. Selbst wenn sich nur Graslandschaften bilden, kann das unter Umständen sogar noch noch mehr CO2 binden als Wälder.

    Wenn man bei http://www.atmosfair.de nachliest, einem Anbieter für “CO2-Sündenhandel”, sieht es aber so aus, dass die CO2-Maßnahmen sehr viel sinvoller klingen als nur irgendwo irgendwelche Bäume zu pflanzen (https://www.atmosfair.de/de/klimaschutzprojekte/) Da gibt es z.B. Förderprojekte in Afrika für Biogasanlagen und für Solar- und Windkraft-Anlagen oder effizientere Öfen. Aber ganz so sicher bin ich mir auch hier nicht, ob die CO2-Bilanz damit vollständig und nachhaltig kompensiert wird, oder ob das nur symbolische Projekte sind. Bei Atmosfair liest man auch, dass es dabei um “Bewusstseinsbildung” geht (https://www.atmosfair.de/de/ueber_uns/was_macht_atmosfair/), was zwar vielleicht auch CO2 vermeidet, aber so sicher weiß man es nicht und wie optimistisch das ist. Ich kann es auch nicht als CO2-Kompensation werten, wenn man anderen Menschen ins Gewissen redet, damit diese CO2 vermeiden sollen. Am Ende scheint mir die eigene echte Vermeidung der einzige wirklich glaubhafte Weg zu sein. Und dazu muss es eine CO2-Steuer geben, damit man für entsprechendes Handeln auch direkt finanziell belohnt wird und keine Tricksereien zum Greenwashing mehr möglich sind.

  58. Hallo Philip & Ulf,

    zum Thema Offsetting:

    Was ihr beschreibt entspricht grundsätzlich der Logik eines “internen” CO2-Preises. Grundsätzlich eine richtige Idee, diskutiert z. B. hier vom Deutschen Global Compact Netzwerk: https://www.globalcompact.de/wAssets/docs/Umweltschutz/Publikationen/Diskussionspapier-Interner-Co2-Preis_screen.pdf

    Wichtig dabei v. a. dass der Preis ausreichend hoch ist, damit er eine Lenkungswirkung entfalten kann. Wenn dieser CO2-Preis mit einem Kompensationsmechanismus verknüpft ist (wie ihr das diskutiert), ist der Preis aber viel zu niedrig: z. B. kostet eine “kompensierte” Tonne CO2 bei Atmosfair momentan nur 23 Euro – wobei Atmosfair schon sehr hohe Standards an die Projekte anlegt.Im schlimmsten Fall schafft das negative Lock-ins, wenn aus Klimasicht falsche Investitionen auf Basis dieses unterschätzten CO2-Preises getroffen werden.

    Darüber hinaus sind mit dem Offsetting weitere Probleme verknüpft. Insbesondere müssen die Treibhausgasemissionen laut IPCC bis zum Jahr 2050 global (!) bei “net-zero” liegen, wenn wir eine Chance haben wollen, das im Pariser Abkommen vereinbarte 1,5-Grad-Ziel noch einzuhalten (https://www.ipcc.ch/2018/10/08/summary-for-policymakers-of-ipcc-special-report-on-global-warming-of-1-5c-approved-by-governments/). Wenn wir also das 1,5-Grad-Ziel anstreben, wird es die Möglichkeit, Emissionen “anderswo” zu kompensieren, auf absehbare Zeit nicht mehr geben, weil die Emissionen auch bei uns de facto auf Null reduziert werden müssen. “Kompensation” darf es dann nur für Sektoren geben, die es sehr schwer haben, ihre eigenen Emissionen auf Null zu bringen (z. B. Zementsektor). Das von Euch vorgestellte Beispiel eines IT-Unternehmens fällt eher nicht in diese Kategorie von Unternehmen.

    Noch gar nicht angesprochen sind dabei die auch in der Lage nur erwähnten grundsätzlichen Probleme mit Offestting, u. a.:
    – Zusätzlichkeit: Wie wird sichergestellt, dass die durch die mittels Zertifikaten finanzierten Projekte nicht ohnehin durchgeführt worden wären?
    – Wie ist die Vermeidung von Doppelzählungen (d. h. bei “uns” und im Zielland des Projekts”) sichergestellt?
    – Wie ist sichergestellt, dass Emissionen permanent reduziert werden und nicht nur über einen bestimmten Zeitraum?
    – …

    Viel hilfreicher als Kompensation ist es m. E., dass sich insbesondere größere Unternehmen (das kann durchaus auch den deutschen Mittelstand umfassen) und Unternehmen aus emissionskritischen Sektoren, wissenschaftsbasierte Klimaziele setzen und diese glaubwürdig nachverfolgen (Unterstützung dafür finden sie u. a. hier: https://sciencebasedtargets.org/). Unternehmen wissen dann, wie viel und wie schnell sie CO2 reduzieren müssen, wenn sie im Einklang mit der Klimawissenschaft und dem Pariser Abkommen agieren wollen. Das bringt sie in intensive Auseinanderseztung mit den kurz-, mittel- und langfristigen Schritten, die notwendig sind, wenn sie einen wirklichen Beitrag leisten und zukunftsfestes Wachstum sichern wollen.

  59. Zu der UBA-Studie und Nachhaltigkeit in Unternehmen:
    Man könnte hier z.B. auch die Rechte für Betriebsräte stärken.
    Zu den Aufgaben der Betriebsräte zählt nämlich bereits jetzt nach § 89 (3) auch die Förderung des betrieblichen Umweltschutzes.
    Ich selbst bin Betriebsratsmitglied in einem IT-Unternehmen und hatte schon einmal Vorschläge an die Geschäftsleitung weitergereicht, allerdings hat sich seitdem nichts getan.
    Warum nicht? Weil der betriebliche Umweltschutz nach § 88 nur ein Vorschlagsrecht hat, d.h. der Arbeitgeber kann die Weisung einfach ignorieren.
    Für Förderung des Umweltschutzes in Unternehmen könnte man den Betriebsräten hier ein gesetzliches Mitbestimmungsrecht verankern, wie die in BetrVG §87 genannten (z.B. Recht auf Mitbestimmung bei der Entlohnung etc). Dann könnte man auch Umweltsachverständige einsetzen und Nichtbefolgung der Maßnahmen seitens des Arbeitgebers per Einigungsstelle oder Gericht einklagen.
    Schlussendlich würde dies bedeuten, dass man, wenn Umweltschutz nicht über Arbeitgeberseite gefördert, man dies auch über Arbeitnehmerseite via Betriebsrat durchsetzen könnte.

    Wäre übrigens auch ein Superthema für die SPD, weil es Arbeitnehmerrechte stärkt und gleichzeitig gut für die Umwelt ist. Und es wäre für viele Unternehmen auch ein Grund, überhaupt erstmal einen Betriebsrat zu gründen.

  60. Hallo zusammen

    Scheinbar hat das Bundesfinanzministerium durch die Hintertür mit einem neuen Gesetz für mehr Intransparenz gesorgt. Ich möchte dies hiermit gerne als Thema vorschlagen, besonders vor dem Hintergrund der Cumex-Geschäfte. Näheres dazu:
    https://fragdenstaat.de/blog/2019/12/04/ifg-bmf-ausnahme-eauto-gesetz/

    Liebe Grüße aus dem Allgäu
    Macht weiter so!

    Martin Neureuter

  61. Zum Thema UBA-Studie:
    Das Papier ist zeitnah nach der Veröffentlichung des SZ-Artikels veröffentlicht worden: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/kein-grund-zur-luecke

  62. Tach,
    ich würde gerne mal etwas zu den live Events schreiben und habe einige Fragen dazu.
    1. Was ist euer Beweggrund diese zu machen ( Einkommen, Nähe zu Zuhörern etc?)
    2. Wie reist ihr an ( Auto / Bahn ?)
    3. Wir reist die Mehrheit der Zuhörer an?
    4. Habt ihr schon mal überlegt den CO2 Fußabdruck der Live Events zu kompensieren?

    • Wir machen die Liveshows, weil uns die Nähe zu den Menschen wichtig ist, die die Lage hören. Wir bekommen insbesondere nach den Shows sehr wertvolles Feedback zu unserer Arbeit. Wir selber reisen praktisch ausschließlich mit der Bahn, so auch zu den Lage Live Shows. Wie die Menschen zu uns kommen, wissen wir nicht, aber weil wir die Shows immer in Städten machen, gehe ich davon aus, dass die Menschen zumindest mit dem öffentlichen Personennahverkehr kommen können, wenn sie das wollen. Daher denke ich auch nicht, dass wir einen nennenswerten CO2 Fußabdruck haben, den man kompensieren müsste. Wir könnten allerdings noch deutlicher machen, wie man mit den Öffis zu den Veranstaltungsorten kommen kann. Das finde ich eine gute Anregung, die ich mal mit Phil besprechen werde.

      • Nabend Ulf,
        danke für deine Antworten. Kann ich alles so nachvollziehen. Nichtsdestotrotz würde ich es begrüßen, wenn ihr bei der nächsten Lage Live mal kurz per Handzeichen abfragt, wie die Zuschauer angereist sind.
        Gruß Robin

  63. Thema IBAN NL
    Ich arbeite im Zahlungsverkehr einer Bank und muss aus Erfahrung leider sagen, dass es für den Normalverbraucher manchmal sehr schwierig ist, genau zu unterscheiden wann es bei einer Überweisung ins Ausland möglich ist eine SEPA Überweisung zu machen (nicht jeder kennt die Liste aller Sepafähigen Länder und IBAN gibt es auch in nicht Sepafähigen Ländern). Insofern ist der erste Ansatz Inland/Ausland durchaus sinnvoll für Kunden und manchmal schon die erste Fehlerquelle. So klar wie euch, dass der Beginn der IBAN das Land anzeigt ist es für etliche Kunden nicht (und wer sich nicht damit beschäftigt muss das für eine einzelne Überweisung auch eher nicht) Es gibt eine Reihe von Ideen Userformulare freundlicher zu gestalten, aber was für euch erstmal komisch scheint, dass das System Hinweise ausspuckt, wenn es keine gültige deutsche IBAN ist, heißt im Umkehrschluss, dass der Kunde vor Fehleingaben geschützt ist und nicht Gelder an ungültige Bankverbindungen auf die Reise schickt. Die Plausiberechnung für alle IBANs(https://www.iban.de/iban-laenderliste.html) zu hinterlegen wäre natürlich toll, hat aber nicht jede Bank und das kann für einige je nach Kundensegment und Kostenabwägung auch eine sinnvolle Entscheidung sein. Eure Idee mit dem Rückruf zu Überweisungen scheint im ersten Augenblick sinnvoll, ist aber in der Praxis gar nicht so einfach und vor allem von vielen Kunden eher als Belästigung empfunden, denn als Sicherheitsfeature. Aus Sicht der Bank fängt das Problem aber schon bei einer gültigen aktuellen Telefonnummer an, der Frage wie sich die/der Angerufene legitimiert, der Dokumentation des Anrufs, die Anzahl der vorzunehmenden Versuche, des Handlings bei Nichterreichen oder erst nach Cutoff Erreichens etc etc. Da hängt ein ganzer Rattenschwanz dran, der diese Transaktion dann durch hohes manuelles Eingreifen teuer werden lässt. Und die allermeisten Kunden sind von solchen Rückrufen auch eher genervt oder irritiert weil sie sich plötzlich Gläsern überwacht fühlen. Ein Interface mit mehr Entscheidungsabfragen (Haben Sie eine IBAN(und hier erkennt schon nicht jeder die IBAN, wenn sie aus einem anderen Land ist), mit welchen 2 Buchstaben beginnt sie? etc) würden in diesem Fall helfen, aber den Kunden beim üblichen Ablauf auch schnell nerven, da immer mehr Klicks notwendig sind. Es bleibt da immer ein vorsichtiges Abwägen. Es ist leider nicht ganz so einfach und trivial wie es scheint, denn was sich der eine Kunde dringend wünscht, braucht der nächste Kunde gar nicht oder wie bei euch, es fällt ein vermeintlicher Fehler dann auf, wenn sich die Bedürfnisse/Gegebenheiten ändern. Bitte behaltet im Hinterkopf, dass Banken am Ende für den Service am Kunden arbeiten (Okay und für sämtliche Regulatorischen Anforderungen;-)) und sich nicht extra Mühe machen Kunden zu ärgern.

    • Hallo Anja,
      vielen Dank für Deinen langen Text. Ich habe aber weierhin nicht verstanden warum es mit der IBAN kompliziert ist. Es scheint mir, dass Du schreibst “Ich bin Expertin. Glaubt mir bitte das es kompliziert ist”. Ein bischen mehr Detail kannst Du uns zumuten.
      Viele Grüße Mathias

    • Hallo Anja,
      “Der SEPA-Raum umfasst dabei derzeit alle EU-Mitgliedsstaaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz.” Jedes Land hat einen IBAN-Ländercode. Da kann man doch einfach feststellen, ob Quelle und Ziel beide im SEPA-Raum liegen.
      Viele Grüße Mathias

  64. In Sachen Gemeinnützigkeit:
    Könnte es nicht interessant sein, eine Statistik zu haben, wie viele und was für Vereine seit dem Attac-Urteil von der Aberkennung der Gemeinnützigkeit betroffen oder bedroht sind? Lässt sich da eine Schlagseite erkennen?

    • Bitte auch hier weiter über den GFF-Fall zum demokratischen Zentrum Ludwigsburg berichten. Kann den BFH-Gedanken zur Umgehung der Parteienfinanzierung zwar grundsätzlich verstehen, die Umsetzung und speziell dieser Fall mutet aber wirklich ungeheuerlich an! Danke fürs Schlaglicht!

      • Ach und noch eine Ergänzung: Das jedes Finanzamt bei Vereinen den Extremismus-Test macht, als Alternative zum Verfassungsschutz halte ich für noch problematischer. Das dürfte entweder nicht effektiv sein oder beängstigende Befugnisse noch weiter verteilen (wie sollen die Finanzämter sonst Erkenntnisse gewinnen). Dann doch lieber den Verfassungsschutz reformieren, bzw. die Reform fortführen.

  65. Ich unterstelle in keiner Weise, dass du den Mord gut heißt. Da bin ich mir sicher, dass du das nicht tun würdest. Sonst würde ich auch nicht die Lage hören.
    Ich bin aber fest davon überzeugt, dass es in diesem Zusammenhang völlig unangemessen ist auf die Perspektive Russlands hinzuweisen.

    • Der Hinweis auf die russischen Sorgen stand auch nicht im Zusammenhang mit dem Mord. Deswegen sage ich ja: erst genau hinhören, dann austeilen. Wir machen genug echte Fehler, daher finde ich Kommentare wenig hilfreich, die sich an Fehlern hochziehen, die wir nicht gemacht haben.

      • Auch nach mehrmaligem hören der Stelle, verstehe ich die Selbstverständlichkeit deines letzten Kommentars nicht.
        Phillip moderiert mit dem Mord das Thema an und sagt dann: “Wir haben ein bisschen überlegt, wie sortieren wir das jetzt ein.” (den Mord)
        Darauf Ulf: “Der Fall ist vor allem deswegen interessant, weil er zeigt wie das Klima generell angespannt ist.” (kann man als Themenwechsel verstehen, aber es geht ja immer noch um den Fall, also den Mord)
        Dann weiter: “sehr unfreundlicher Akt”, “bedenkliches Licht auf Beziehungen zwischen Westen und Russland”, “Muskelspiel”, Machtdemonstration”. (alles bezogen auf den Mord)
        Und nun der Perspektivwechsel mit besagtem Zitat.
        Wo fehlt da der Zusammenhang?

        Ok, zugegeben, der Ton war etwas über das Ziel hinaus geschossen. Tut mir leid dafür. Eigentlich schätze ich das Lageforum auch dafür, dass es hier eher sachlich zugeht. Ich bin der letzte, der etwas dagegen hat eine Sache aus verschiedenen Blickwinkeln anzuschauen. Ich war allerdings ziemlich aufgeregt darüber, dass der Mord im Tiergarten zum Anlass genommen wird die russische Perspektive zu betrachten.

  66. Ulf: “Auf der anderen Seite finde ich ist es ganz wichtig, dass man immer so ein bisschen auch die russische Perspektive einnimmt.” 1:02
    Sorry da rege ich mich jetzt mal ohne viel Zucker drumherum richtig dolle auf:
    So verständlich und ehrenwert es ist alle Perspektiven einzubeziehen, aber hier bei diesen Thema, ernsthaft?
    Ulf, du sprichst da von einem Auftragsmord des russischen Staates. Dazu noch mitten in Berlin. Dann fabulierst du ein bisschen rum, Muskelspiel und so, jedenfalls relativ substanzlos und dann der Umschwung mit besagtem Zitat oben. Was soll es denn da für eine Perspektive geben? Nein, nein, nein, Leute umbringen geht nicht. Da gibt es nur eine Perspektive.
    Sicher sind die diplomatischen Verwerfungen die damit einhergehen sehr komplex, aber tut mir leid, da haben mich deine Einlassungen keinen Schritt weiter gebracht.
    Ok ihr sagt selbst Aussenpolitik ist nicht euer Steckenpferd. Bevor ihr es dann so macht wie in diesem Fall, lasst es doch bitte lieber.

    • Bevor du derart austeilst, wäre ich dir dankbar, wenn du ein bisschen genauer zuhörst. Niemand hat den Mord gebilligt oder gut geheißen, wir haben nur im Kontext der NATO-Russland-Spannungen darauf hingewiesen, dass sich Russland teilweise nachvollziehbar bedroht fühlen könnte. Dass das keinen Mord rechtfertigt ist klar und haben wir auch nicht in Zweifel gezogen.

      • Ich persönlich unterstütze es ja ausdrücklich, bei diesem Themen die (zumindest öffentlich verbreitete) Positionierung Russlands darzustellen, allerdings fehlt hier völlig die Einordnung sowie kritische Betrachtung und das kann man so absolut nicht machen. Das vermittelt den Eindruck, das es hier einfach um eine unterschiedliche Perspektive geht, nach dem Motto “we agree to disagree”. Dann ist es besser darauf zu verzichten, weil man sonst nur den Kreml-Trollen die Arbeit abnimmt bzw. belohnt, weil es gelungen ist, ihre Thesen von Dritten unreflektiert weiterverbreiten zu lassen.

      • Lieber Ulf,

        ich habe die Lage heute während einer Nieselregenrennradrunde gehört und wie immer hat mir Vieles gut gefallen. Allerdings bin ich über dieselbe Stelle gestolpert wie Hörer Hans, dessen Kommentar ich sah, als ich einen ganz ähnlichen Kommentar wie seinen schreiben wollte. Jetzt schreibe ich zu zweierlei: zu der ursprünglichen Bemerkung und Deinen Reaktionen auf den Kommentar von Hans.

        Ich finde es, wenn einer so umgebracht worden ist, NICHT ganz wichtig, so ein bisschen auch die russische Perspektive einzunehmen. Im Gegenteil. Russland hat außenpolitische Interesse, berechtigte und unberechtigte, aber diese so durchzusetzen, ist jedenfalls völlig inakzeptabel. Unabhängig davon, ob die Interessen berechtigt sein mögen.

        Auf dem Rad habe ich danach häufiger an “very fine people on both sides” gedacht. Wenn einer umgebracht worden ist, dann braucht man nicht darüber zu diskutieren, ob es auf Seiten des Täters auch fine people und berechtigte Interessen gibt.

        Deine Reaktion auf den Kommentar von Hans ist unangemessen: Deine erste Erwiderung, der Hinweis auf die russischen Sorgen habe gar nicht im Zusammenhang mit dem Mord gestanden, ist schlicht falsch. Genau darum ging es. Das war überhaupt Dein erster Beitrag zu Eurem Thema “Mord im Tiergarten” (und als ich es mir nochmal angehört habe: Philipp hat ja sogar versucht, Dir zurück in die Spur zu helfen, aber Du wolltest unbedingt bei den verschiedenen Perspektiven bleiben). Dann (in Deiner ersten Rückäußerung) nicht nur in der Sache falsch zu liegen, sondern auch noch belehrend daherzureden, ist peinlich, aber nachvollziehbar.

        Die zweite Rückäußerung finde ich nicht nachvollziehbar. Das mit dem Austeilen hattest Du Hörer Hans ja schon vorgeworfen, als er noch gar nicht ausgeteilt, sondern nur recht gehabt hatte. Und dann im zweiten Kommentar nochmal zu schreiben, man möge besser zuhören, geht gar nicht. Dass niemand den Mord gebilligt oder gut geheißen hat, brauchst Du nicht zu erklären. Das haben alle einschließlich Hörer Hans (siehe sein erster Satz!) verstanden.

        Hans sagt: wenn Russland im Tiergarten einen umbringt, dann kommt es auf irgendwelche russischen Perspektiven nicht an. Recht hat er.

        • Ich kann mich da nur wiederholen: natürlich geht es gar nicht, wenn Russland irgendwen umbringt. Das habe ich auch nicht infrage gestellt. Wir haben von dem Thema Mord im Tiergarten übergeschwenkt zu der Frage, wie das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen derzeit ist. Das war die Überleitung zu unserer Diskussion zur NATO-Konferenz. Und allein in diesem Kontext habe ich darauf hingewiesen, dass es eben auch eine russische Perspektive gibt.

          Ich verstehe überhaupt nicht, wieso ich hier mit aller Macht herbeischwadroniert werden soll, dass ich einen Mord relativieren wollte. Wir machen schon genügend echte Fehler, vielleicht arbeitet ihr euch einfach daran ab.

    • Bevor Du so rumpolterst solltest Du Dich mal informieren, wer das Opfer war. “Nein, nein, nein, Leute umbringen geht nicht. Da gibt es nur eine Perspektive” hat halt keine Ausnahme. Neben dem russischen Staat dürfte es noch einige weitere Parteien geben, die diesen Menschen gerne tot gesehen hätten. Im Tschetschenienkrieg hat sich leider keine der beteiligten Seiten mit Ruhm bekleckert (zur Erinnerung: https://en.wikipedia.org/wiki/Second_Chechen_War_crimes_and_terrorism)

  67. Hallo Philip und Ulf, ich fand euer kleines Experiment zu der internationalen IBAN sehr interessant, weil ich mich regelmäßig mit einem ähnlichen Problem herumärgern muss. Ich wohne in Maastricht in den Niederlanden und arbeite in Aachen, bin also Grenzpendler. Man möchte meinen, viele EU-Regeln wären nur dafür gemacht, um mir das Leben einfacher zu machen. Gerade beim Zahlungsverkehr scheinen sich aber einige Unternehmen und erschreckenderweise auch besonders viele Behörden in den Niederlanden nicht an die Regeln zu halten. Das ist hier besonders relevant, weil die Verwaltung deutlich stärker digitalisiert ist als in Deutschland und nahezu alles mit wenigen Klicks online erledigt und bezahlt werden kann. Es gibt hier einen Dienstleister für Online-Zahlungen, der iDeal heißt. Den nutzen viele Behörden und Unternehmen, um dir Online-Zahlungen zu ermöglichen, was grundsätzlich gut ist, weil es sehr einfach funktioniert. Leider kooperiert iDeal nur mit holländischen Banken – mit meiner deutschen Bank kann ich es nicht nutzen. Das ist besonders dann problematisch, wenn die Behörde oder das Unternehmen keinen alternativen Weg für Online-Zahlungen (z. B. Kreditkarte) anbietet. Ich kann das Problem umgehen, indem ich dann das holländische Konto meiner Frau angebe. Wenn ich das nicht nutzen könnte, müsste ich mir für diesen Zweck ein holländisches Zweitkonto zulegen und wäre de facto vom freien (Online-)Zahlungsverkehr ausgeschlossen oder zumindest wäre es eine Diskriminierung nach EU-Recht. Meinem Verständnis nach ist genau dieser Fall auch eigentlich durch die EU-Richtlinie 260/2012 Art. 9, Abs. 2 ausgeschlossen. Vielleicht ist es nur weiterhin möglich, weil bisher noch niemand dagegen geklagt hat.
    Danke für den tollen Podcast und Grüße aus den Niederlanden!

  68. Thema: Generalstreik in Frankreich:
    Ihr habt in der aktuellen Lage den Generalstreik in Frankreich nur am Rande erwähnt. Ich würde mir wünschen, dass ihr darauf in der nächsten Folge etwas genauer eingeht und eine ausführliche Faktenlage darlegt.
    Ich lebe und studiere gerade temporär in Frankreich und bin daher selbst von den Streiks betroffen. Ein Beispiel sind Professoren, die ihre Vorlesungen nicht halten können, weil sie nicht mit dem Zug zur Uni fahren können, oder Läden, die früher schließen oder gar nicht erst aufmachen, weil die Mitarbeiter fehlen. Da die Streiks vorerst unbefristet sind, ist ein anderes Beispiel der kommende Weihnachtsverkehr, der gut und gerne als Druckmittel der Streikenden verwendet wird. Mit dem aktuellen Totalausfall der Bahn ist es für mich als Studentin gerade fast unmöglich eine gewisse Planungssicherheit zu haben und kostengünstig (und klimafreundlich, ich möchte nicht fliegen) an Weihnachten nach Hause nach Deutschland zu fahren, da ich kein Auto habe und daher eines mieten müsste. Aber selbst das Autofahren war heute schwierig, da die Autobahnen um Paris zum Teil als Teil einer Streik-/Protestaktion gesperrt waren. Ein solch großer Ausfall (kritischer) Infrastruktur finde ich persönlich enorm und in keinem Maße den anstehenden Reformen angemessen.
    Besonders interessant finde ich daran die Einstellung der Franzosen gegenüber diesen Streiks, die ich aus meinem Umfeld mitbekomme. Die meisten, auch diejenigen, die vom Streik direkt betroffen sind, da sie zum Beispiel nicht zur Arbeit fahren können, sehen die Situation gelassen und zeigen sich geradezu solidarisch und verständnisvoll mit den Streikenden. Ich kann mich noch gut erinnern an die großen Bahnstreiks in Deutschland vor ein paar Jahren, bei denen die Bevölkerung nach ein paar Tagen mit großem Frust reagiert hat und nur noch wollte, dass die Bahn wieder nach Plan fährt, vor allem wenn die Weihnachtstage oder Ferienbeginn/-ende bevorstehen. Generalstreiks, vor allem in diesem Ausmaß, sind soweit ich weiß in Deutschland nicht vom Streikrecht gedeckt und daher nicht realistisch umsetzbar.

    • Hallo Anna,
      bei mir ist umgekehrt, ich lebe in Deutschland und bin Französin. Ich musste diese Woche nach Paris und es klappte relativ gut. Es gibt Nachtbüsse Paris München, die halten in Karlsuhe, Stuttgart usw. manche sind echt günstig. Ansonsten sind die internationale Linien meist weniger getroffen als Inlandverbindungen. Das ist auch so gewollt, meine Mutter dürfte zB als einzige letztes Jahr durch die Gilets Jaunes fahren, weil Sie mit einem deutschen Auto unterwegs war. Ich konnte problemlos den Zug nach Stuttgart nehmen und so teuer war die Fahrt nicht. Viel schlimmer war sich in Paris zu bewegen. Wenn du jetzt nicht in Paris lebt, ist das natürlich schwieriger, da du erstmal inlandverbindungen brauchst. Aber es gibt sicherlich Mitfahrgelegenheiten bis zu einem Bus/Zug, der dann fährt.
      Ansonsten stimme ich dir ganz zu, die Mentalität ist in Deutschland und Frankreich ganz unterschiedlich. Ich glaube wir Franzosen wachsen mit solchen Streiken, das ist für uns “normal”. Man redet drüber, ärget sich, aber das Leben geht halt eben weiter, und Streiken gehören dazu. Es gehört meiner Einschätzung nach auch eine gewisse Stolz dazu. Ich wage mal zu behaupten, dass diese Mentalität noch aus der Revolution kommt. Man “muss” fast rebellieren, ansonsten ist man nicht engagiert, nicht solidarisch, ein von der Elite, der es gut hat und nicht weiß, wie schlimm es für den kleinen Bürger ist. Es ist zum Beispiel absolut Tabu reich zu sein, dann ist es sicher verdächtig. Es ist auf jeden Fall einen sozialen Druck da. Inhaltlich kann ich nur eins sagen, alle wussten, irgendwann kommt so eine Reforme. Kein Präsident hat sich getraut, diese Reform durchzuziehen, auch nicht koservative Präsident, da jeder wusste, dass dies politisch selbstmord ist. Ich bin eigentlich nur von der schlechten Kommunikation von Macron überrascht, ich dachte, dass er, wenn er schon so ein Thema anpackt, das klüger angehen würde.

  69. Bei dem Update zu Eurer neuen Bankverbindung klingt doch mehr persönlicher Frust als gute Recherche durch…

    Grundsätzlich einemal habt Ihr Recht die Usability der Onlinebanking Seiten hat sehr oft ordentlich Luft nach oben. Zu Eurer Argumentationsführung jedoch ein paar Anmerkungen meinerseits.

    1. Inlandsüberweisung/Auslandsüberweisung
    Eine Inlandsüberweisung ist eine Überweisung innerhalb der deutschen Grenzen. Alles andere sind „Cross-Boarder-Payments“.
    Egal ob diese Zahlung über das SEPA Format oder das SWIFT Format erfolgt. Ebenso unterliegen SEPA Zahlungen, sofern sie die Voraussetzungen dazu erfüllen, der AWV-Meldepflicht bei der Bundesbank.

    Und somit ist auch klar, warum eine Onlinebanking Seite einer Bank, wenn man den Punkt Inlandszahlung wählt, eine DE-IBAN erwartet.

    2. Phishing
    In eurer Argumentation sprecht ihr von dem Anspruch auf Erstattung im Betrugsfall (§675u BGB), jedoch spielt ihr den Teil der Sorgfallspflicht oder gar des Schadensersatzanspruch der Bank stark runter.

    Zumal Ihr einmal sagt, Phishing wäre eigentlich das hauptsächliche das Problem der Bank, beim Beispiel Phishing per Telefon jedoch, dass demjenigen, der darauf reagiert nicht mehr zu helfen wäre…
    Woran macht Ihr hier den Unterschied fest?

    3. Die Freischaltung von Auslandszahlungen.
    Hier ist sicherlich ein Grund die Entwicklung des Zahlungsverhalten der Kunden. In der Regel kann man bei der Einrichtung des Online Banking Zugang auswählen, was man alles freischalten lassen möchte. (Inlandszahlunge, Auslandszahlungen, Wertpapiertransaktionen,…). Jedoch gibt es viele Online Banking Zugänge seit Jahren und da war es durchaus noch nicht unbedingt üblich Geld ins (SEPA)-Ausland zu schicken.
    Somit haben viele Kunden auch nicht darüber nachgedacht, diese Option freizuschalten. Und wenn man nun Jahre später das auf einmal machen möchte, dann klappt es eben nicht.. Aber auch das ist doch in den meisten Fällen kein Problem, da im Privatkundenbereicht doch die wenigsten Zahlungen so zeitkritisch sind. Zumal man diese Freischaltung auch nur ein einziges Mal machen muss und dann kann man solang diese Option nutzen, bis man sie wieder abschalten läßt.

    Da direkt von Problemen mit der Bank oder gar Diskriminierung zu sprechen finde ich doch leicht überzogen.

    Bezüglich eurer alten Bankverbindung würde es mich interessieren, welche Bank(engruppe) es war und was die Begründung der Kündigung war.

    Beste Grüße

    • Wie waren bei der Fidor Bank. Eine Begründung für die Kündigung haben wir nicht bekommen.

      • Die Fidorbank hat offensichtlich finanziell zu kämpfen und seit dem der Gründer gegangen ist haben sie Entscheidungen getroffen, die der „Fidor Community“ nicht sonderlich gefallen hat. So zum Beispiel ihr Gebührenmodell zum Nachteil ihrer Kunden geändert. Früher würde das Thema zuerst mit der Community „besprochen“.

        Daraufhin haben einige (wohl nicht wenige) Kunden gekündigt, andere Kunden – wahrscheinlich wirtschaftlich weniger attraktive – wurde von der Fidor selbst gekündigt.

        Ich hatte mein Konto selber gekündigt. Bei mir hat die Fidor noch versucht, mich als Kunden zu behalten.
        Das Konto meiner Frau wurde reaktionslos gekündigt.

  70. Zum Thema Bildung/PISA:

    Auf mich wirkt es so, ihr stellt den PISA-Schock im Unterton als etwas Positives dar; er hätte ja einiges bewegt und die Testergebnisse hätten sich stetig verbessert. Ich möchte darauf hinweisen, dass die Aussagekraft des PISA-Tests nicht überschätzt werden sollte. Ihr selbst sprecht davon, dass “die Schulen vermessen” wurden, allerdings ist Schule weit mehr als Lesen, Rechnen und Naturwissenschaften. Bei der Besprechung von PISA-Tests sollte immer deutlich gemacht werden, dass es dabei nicht um die Messung von Bildung im eigentlichen Sinne geht (was ohnehin unmöglich wäre), sondern allein um die Messung bestimmter, ausgewählter Fähigkeiten.
    Darüber hinaus sollte auch nicht außer Acht gelassen werden, dass unser Bildungssystem nicht nur aus der Schule besteht, sondern auch Universitäten umfasst. Und hier war in den letzten Jahren zumindest im mathematischen Bereich ein starker Einbruch der durchschnittlichen Leistungsfähigkeiten von Studienanfängern und ihren späteren Leistungen im Studium zu verzeichnen. Das sagt mir meine eigene Lehrerfahrung an der Uni, sowie die meiner Professoren aus meinem Studium und weiterer Studienabsolventen aus meinem Bekanntenkreis, sowie z.B. Zuwortmeldungen von Lehrpersonen wie diese hier: https://www.tagesspiegel.de/wissen/brandbrief-gegen-bildungsstandards-der-aufstand-der-mathelehrer/19550928.html. Hier stellt sich nun die Frage, ob die Schulen wirklich “besser werden”, wie die PISA-Testergebnisse vielen wohl suggerieren, und der Leistungseinbruch an den Universitäten allein mit den ansteigenden Studienanfängerzahlen zu erklären sind, oder ob der Schluss von PISA-Testergebnissen auf die Qualität unseres Bildungssystems möglicherweise einfach nicht gerechtfertigt ist.

    Ihr erwähnt auch die Abhängigkeit des Erfolgs von Schülern von ihrem Elternhaus, insbesondere dessen Bildungsgrades. Mir erscheint es dabei vollkommen einleuchtend, dass ein Kind, das in einer “bildungsfernen” Umgebung aufwächst (wobei diese Ferne auch kultureller Natur sein, und nicht zwingend auf “Dummheit” zurückzuführen sein muss), automatisch weniger Interesse am Lernen entwickelt und somit weniger Erfolg in der Schule hat. Dennoch wird auf diese Tatsache ausschließlich im Zusammenhang mit der Evaluation des Bildungssystems aufmerksam gemacht, was suggeriert, dieses sei daran schuld. Ich glaube aber, dass es sich eher um ein gesellschaftliches Problem der Segregation handelt, als eines, dass durch die Schulen hervorgerufen wird. Der Vergleich mit anderen Ländern macht meiner Ansicht nach nur auf gesellschaftliche Unterschiede aufmerksam, nicht auf Unterschiede in den Bildungssystemen. Daher finde ich es gut, dass ihr darauf aufmerksam macht, dass Schule allein die Lösung dieses Problem nicht stemmen kann. Gleiches gilt für die Wichtigkeit der frühkindlichen Erziehung. Danke dafür, dass ihr nicht am plumpen, einseitigen Bashing gegen das Schulsystem partizipiert.

    • Mir fehlt in der Berichterstattung vollkommen, dass auch dem Elternhaus – bildungsfern oder nah – eine zentrale Verantwortung in der Ausbildung der Kinder zukommt. Die Notwendigkeit zu Hause die deutsche Sprache zu sprechen, üben, darin vorlesen wurde gar nicht erwähnt. Dieses Ausbildungsziel ist aber nicht nur eines der Schule, sondern eben auch teil des Elternhauses. Hier zeigt sich doch eher, dass das Schulsystem trotz der Umstände erfolgreich ist (wie die Münchner Professorin das auch sieht).

    • 9. Dezember 2019 um 14:49 Uhr
      Katharina Fröhlich

      Hallo,

      In diesem Rahmen wird die Ganztagsbetreuung an Schulen angesprochen. Der Nachmittag, den Kinder spielend verbringen wird einem Nachmittag voller Fördermaßnahmen gegenüber gestellt. Dabei steht der Nachmittag , der frei spielend verbracht wird, als die schlechtere Alternative da.
      Das finde ich nicht richtig. Gerade im freien Spiel lernen Kinder sehr viel: Sozialkompetenz und Handlungsplanung, emotionale und sprachliche Kompetenzen sind nur einige. Kinder können sich im freien Spiel entspannen, eigene Lebensthemen verarbeiten, in einem sicheren Raum unterschiedliche Rollen, Perspektiven und Handlungsalternativen einüben.
      Das selbstbestimmte Spiel ist kindgerecht und ein Kinderrecht. Die Zeit die Kinder verbringen dürfen ohne von Erwachsenen angeleitet und (wenn auch wohlwollend) kontrolliert zu werden nimmt erschreckenderweise immer weiter ab , das sollte nicht noch unterstützt werden.

      Mit freundlichen Grüßen
      Katharina Fröhlich

    • Meine Erfahrung ist eine andere (ich selber habe in der sozialistischen Republik von Hamburg Abitur gemacht, es aber trotzdem geschafft, an einer großen bayerischen Universität Physik unterrichten zu dürfen). Natürlich gibt es Andeutungen im Lehrplan der Schulen, ansonsten kann ich aber nicht feststellen, dass die Vorkenntnisse der Studierenden noch schlechter werden, als das schon Goethe beklagt hat. Zur Fortschreibung elterlicher Bildungserfahrung nur diese Beobachtung aus der Münchener Grundschule meiner beiden Kinder: hier werden nach meinem Geschmack recht viele “Proben” geschrieben, offiziell unangekündigt. Zufällig werden aber den Kindern ein bis zwei Tage vorher die entsprechenden Hefte den Kindern mit nach Hause gegeben. Eltern, die in diesem System sozialisiert sind, bekommen dass mir und halten ihre Kinder zum üben an. Für die anderen Kinder kommt die Prüfung überraschend, entsprechend schlechter sind schon mal die Noten. Das müsste doch nicht sein, hier werden ganz klar Kinder entsprechend dem Elternhaus diskriminiert.

  71. Thema: Generalstreik in Frankreich:
    Ihr habt den Generalstreik in Frankreich in der aktuellen Lage nur ganz kurz angesprochen. Ich würde mir wünschen, dass ihr darauf in der nächsten Ausgabe einmal genauer eingeht.
    Ich lebe und studiere gerade temporär in Frankreich und merke die Auswirkungen deutlich. Zum Beispiel fällt die Uni teilweise aus, weil die Professoren nicht an ihren Arbeitsplatz kommen oder Läden schließen früher, weil keine Mitarbeiter da sind. Ein anderes Beispiel ist der kommende Weihnachtsverkehr. Da die Streikenden damit drohen, die Streiks auch bis zu den Weihnachtsferien weiterzuführen, ist es sehr schwierig, weite Strecken kostengünstig zurückzulegen (Auto mal ausgenommen, da ich keines habe und eines mieten müsste). Am meisten verwundert mich jedoch die Mentalität der Franzosen gegenüber den Streiks, die ich bisher hier wahrgenommen werde. Mir ist lediglich eine große Solidarität und großes Verständnis aufgefallen, auch von denen, die von den Streiks direkt betroffen sind, weil sie zum Beispiel mit der Bahn zur Arbeit fahren. Im Gegensatz dazu habe ich bei großen bundesweiten Streiks in Deutschland nach wenigen Tagen immer einen großen Frust in der Bevölkerung feststellen können, vor allem an solch kritischen Tagen wie vor Weihnachten oder am Ferienbeginn/ende. Generalstreiks in dieser Größenordnung sind meines Wissens nach in Deutschland sogar nicht vom Streikrecht gedeckt und daher nicht realistisch umsetzbar.

  72. Thema Russlands Morde im Ausland:
    Es wurde die Heftigkeit der Deutschen Reaktion angesprochen, gleich halb soviele Diplomaten auszuweisen, wie es in Großbritannien geschehen ist.
    Immerhin wurde im Fall im Tiergarten eine Einzelperson erschossen und die Durchführung auf deutschem Grund eher als zufällige Gegebenheit angesehen werden muss, während im UK ein Staatsdiener (Doppelagent) ins Fadenkreuz geraten ist und gleich noch zur Abschreckung die Familienangehörigen mit Ziel wurden. Überdies wurden noch zusätzliche britische “Zivilisten” (inwiefern ein Agent und dessen Familie Jahre später noch Kombattanten sind, sei mal dahingestellt) gefährdet/getötet. Das Mordmittel war in diesem Fall auch eine international geächtete Chemiewaffe, die in ausreichender Menge/bei ausreichender Ausbringung als Massenvernichtungswaffe geeignet wäre.
    In der Gesamtschau finde ich ehrlich gesagt, die Britische Reaktion (aber auch die Reaktion der EU) nach dem Skriptalvorfall im Verhältnis zur aktuellen deutschen Reaktion ganz schon lasch.

    P.S.: die Alexander von Humboldt und die Gorch Fock für einen Witz über Bierwerbung zu “Schwesterschiffen” zu machen, hätte nicht Not getan….es gibt genug tatsächliche Gründe sich über die Gorch Fock Misere lustig zu machen…

    • Ok, dann war es eben kein Schwesterschiff :) Aber der Punkt ist doch valide: Wir leisten uns den unfassbaren Luxus, mit Multi-Millionen-Aufwand ein kaputtes Segelschiff wieder aufzupolieren, statt in den Fortbestand unserer Demokratie zu investieren.

      • für’s Klima! Segeln ist CO2-neutral ;)

      • Dem kann ich mich anschließen. Nebenbei ist es auch albern, wenn ein altes Segelschiff teurer wird, als eine hochmoderne Fregatte…welches Rüstungsgut wohl mehr zur “Wehrhaftigkeit” des Landes beitragen mag? ;-)

      • Auch wenn ich das im Grund so sehe wie ihr…
        Ich habe mich Anfang der Folge wieder über die klare Einordnung und Definition von “Whataboutism” gefreut, aber dieser Argumentationsstrang geht meiner Meinung nach in eine sehr ähnliche Richtung.
        Egal wofür Geld ausgegeben wird, es hätte immer noch einen Zweck gegeben, wo dieser eine (oder diese Millionen ;)) Euro sinnvoller angelegt gewesen wären.

      • Wir haben uns doch mit dem Zwei-Prozent-Ziel verpflichtet, mehr Geld in den Bundeswehretat zu stecken.

        Neben der Restauration eines Segelschiffes und echte BahnCard 100 für Soldaten, sollte die Bundeswehr auch unser Schienennetz weiter ausbauen, weil Panzer bekanntlich auf Zügen verlagert werden und den Flughafen zu Berlin fertigstellen.
        Die Flugbereitschaft der Bundesregierung fit machen, nicht vergessen.

        Am Ende geben wir mehr Geld für die Verteidigung aus, als die USA :) und wir stärken unser Land.

        Ist für eine gute Verteidigung nicht auch ein flächendeckendes 5G-Netz sinnvoll?
        Bundeswehr-Netzgesellschaft auf der dann private Telekoms Endkunden-Tarife anbieten können.
        Eine Cyberwehr zur Verteidigung des Netzes hätten wir bereits im Aufbau.

      • Das die Kosten so hoch wurden bei der Gorch Fock ist ein krimineller Betrugsfall. Dafür kann aber das Schiff nichts. Für die Offiziersausbildung ist es bestimmt sehr sinnvoll. Die Bundeswehr steht in der Konkurrenz zu attraktiveren Arbeitsplätzen für Akademiker. Zum Beispiel mit IT-Firmen, die ihre Leute mal für ein Wochenende zur Teambildung nach Mallorca schicken,

        Außer ist die Gorch Fock ein wirklich wunderbares, fast friedliches Symbol, so ohne Kanonen.

        • Stimmt, das Symbol Finde ich auch schön. Es ging uns auch überhaupt nicht um eine Kritik an dem Schiffchen sondern um eine Kritik an der Prioritätensetzung des Deutschen Bundestages.

    • Es gibt wirklich genug Gründe sich über die Renovierung der Gorch Fock aufzuregen oder lustig zu machen. Kontrollverlust im Verteidigungsministerium, Inkompetenz oder auch Korruption. Man kann sich auch gerne die Frage stellen, ob die Investition in ein altes Segelschulschiff in einer modernen Marine und im Sinne der nautischen Ausbildung noch zu rechtfertigen ist, aber der Vergleich zum Fördergeld in den Fortbestand der Demokratie ist nicht korrekt. Wir vergleichen ja auch nicht zu der Summe der Fördergelder in Museen oder Opernhäuser. Das sind verschiedene Töpfe mit verschiedenen Zielen – und weder durch einen anderen Zweck noch einen andern Budgettopf weniger richtig oder falsch.

      • Wir haben da nur den Referatsleiter zitiert, der sich für mich zurecht darüber aufregt, dass dem Bundestag offenbar das Schiff wichtiger ist als demokratische Bildung. Auch wenn das verschiedene Themen und verschiedene Töpfe sind, so drückt sich die Wertschätzung eben auch darin aus, wie viel Geld man in ein bestimmtes Thema investiert.

  73. Thema IBAN

    Ihr habt am Ende auch die Consorsbank aufgezählt bei der die Überweisung nicht durchgeht. Ich selbst habe es von der Consorsbank probiert und es lief ohne Probleme. Habe vorher auch nicht definieren müssen dass es eine Auslandsüberweisung ist.

    Grüße
    Fabian

    • Gleichfalls.
      Vielleicht hätte ich meine erfolgreich Spende doch ins Formular eintragen sollen.

      Mir scheint, dass sich das nicht einfach an der Bank festmachen lässt.

  74. Im Podcast kommen öfters mal Buchtipps vor, wäre es möglich die noch mal in den Shownotes aufzuschreiben? Dann müsste ich mir beim Zuhören keine Notizen machen.

  75. Liebes Lage-Team

    Fleisch MUSS teurer werden!

    Zur Diskussion des Fleischpreises bei ökologisch und aus Tierschutz-Sicht teurerem Fleisch:
    Ihr wollt es subventionieren damit der Preis stabil und günstig bleibt. Ihr vergesst einen Punkt in dieser Diskussion: die Gesundheit von uns Menschen. Wir essen viel zu viel Fleischprodukte. Zu hoher Konsum ist nachweislich ungesund! Insbesondere wenn es sich um verarbeitetes Fleisch handelt. Das Ziel aus gesundheitspolitischer Sicht sollte sein, Fleischprodukte teurer zu machen. Da kommt es doch gerade Recht, dass sich die Landwirtschaft an schärfere Gesetze und Richtlinien zu halten hat. Die Konsequenz ist, sie muss Ihre Produkte teurer verkaufen. Der Konsum sollte dadurch zurück gehen und die Landwirtschaft geht ein Stück weit wieder zurück von der sich völlig verrückt entwickelt habenden Massentierhaltung mit der Ausbeutung von Tieren und unseren Böden (siehe Euren CO2 Aspekt mit den Mooren)
    Jetzt zur Gefahr, dass es nach der Verteuerung von deutschem Fleisch zu einem höheren Import von ausländischen, qualitativ schlechterem Fleisch nach Deutschland kommen könnte. Hier ist natürlich der Gesetzgeber gefragt. Zum einen die EU. Die für Deutschland geltenden Richtlinien /Gesetze für eine ökologisch/Tierschutzfreubdliche Landwirtschaft muss natürlich EU weit gelten. Zudem muss ein Gesetz her, dass nach D eingeführte landwirtschaftliche Produkte einem Standard genügen müssen. Zu diskutieren wäre an dieser Stelle auch ein Mindestpreis für Fleisch/Obst und Gemüse, über den man eine Lenkungsmöglichkeit hätte. Ich bitte Euch, dies nochmals unter Berücksichtigung dieser Aspekte erneut zu diskutieren.

    Ja, ich bin Arzt!
    Nein, ich bin kein Vegetarier, esse aber nur Fleisch, welches gewissen Qualitätskriterien standhält = Flexitarier

    Herzliche Grüße
    Marius Treusch

    • Guten Tag Herr Treusch,

      vielen Dank für Ihre Argumentation, dennoch hat Ulf schon mehrmals erwähnt, dass DE nicht selbstständig entscheiden kann, welche Güter aus anderen EU-Ländern nach DE importiert werden (gemeinsamer Binnenmarkt) und dass es EU-weit keine Mehrheit für strengere Standards gibt, da insbesondere die osteuropäischen Länder und Frankreich diese nicht leisten können bzw. wollen.

      Daher wäre die Subventionierung (auf das eigentliche Thema bezogen – Bauernproteste) durchaus sinnvoll, da man so das “bessere” Fleisch konkurrenzfähig hält und Substitutionsbewegungen eindämmt.

      VG
      FP

  76. Thema NATO-Gipfel. Im Podcast habt ihr gesagt, die NATO wäre als Gegenpol zum Warschauer Pakt gegründet worden. Wenn ich aber jetzt in die Wikipedia gucke:

    Gründungsdatum NATO: 4. April 1949
    Gründungsdatum Warschauer Pakt: 14. Mai 1955

    Konnte die NATO bei ihrer Gründung schon mehr als 6 Jahre in die Zukunft schauen?

    • Nun ja, die geostrategische Situation mit einem sowjetisch beherrschten Machtbereich jenseits des Eisernen Vorgangs gab es doch schon vorher.

      • Auch das kann man ja mal aus der anderen Perspektive betrachten: 1954 hat die Sowjetunion einen Antrag auf Mitgliedschaft in der NATO gestellt, der abschlägig beschieden worden ist. Überhaupt: Die NATO als “Verteidigungsbündnis” zu bezeichnen erfüllt in meinen Augen nicht mehr das Kriterium der journalistischen Neutralität; angesichts der aktuellen Einsätze ist das Propaganda oder zumindest das unbedachte Nachplappern dieses Propaganda-Begriffs.

      • Worum es Rainer denke ich geht, ist, dass die Formulierung “als Gegenpol zum Warschauer Pakt” irreführend ist – zur Gründung der NATO war das noch nicht als Gegenpol, sondern als imposantes Verteidigungsbündnis zu sehen. Der Ostblock hat dann nachgezogen (und hier könnte man mMn das Wort Gegenpol verwenden).
        Ebenso geht es weiter in den Kommentaren um den Begriff “Warschauer Pakt” – mit einem Pakt assoziiert man seltenst was positives: die aktuellen Verträge der Bundesrepublik sind niemals Pakte. Paktieren ist etwas bösartiges, undurchsichtiges und heimliches. Der Pakt mit dem Teufel, der Hitler-Stalin-Pakt, … es hat damals eben in die Bedrohungskulisse gepasst (Ulf schrieb hier in den Kommentaren er habe die Bezeichnung Pakt in dem Kontext bisher nicht als Bedrohung empfunden). Im Endeffekt wollte aber keiner – weder USA noch UdSSR ernsthaft den jeweils anderen oder auch nur Mitglieder des jeweiligen Verteidigungsbündnisses angreifen. Wirklich bedroht waren Länder mit Rohstoffen (Naher Osten, Lateinamerika oder ärmere Länder wo sich ein Richtungskonflikt (Vietnam, Korea) abspielte.
        Ich weiß, die Kommentare zu Begrifflichkeiten wie Warschauer Pakt und den historischen Hintergründen sind Kleinigkeiten, aber je präziser die Ausdrucksweise und der Podcast und die Antwortkommentare, umso besser.

  77. Beim Hören der LdN165 (Kommentare deaktiviert) kamen mir Gedanken, die allgemeiner sind und die ich gerne teilen möchte: Es ging darum, z.B. im Umgang mit AfD-Anhängern die Argumentation zu versachlichen. Einerseits stimme ich dem total zu: Wir brauchen bei der Lösung von Problemen eine klare Sachorientierung. Ich halte es als zweite (und unbedingt erstmal getrennte) Gesprächsstrategie für wichtig, über Emotionen zu reden. Das ist sehr schwierig, hier den richtigen Ton zu treffen. Viele haben Angst davor, Emotionen zu überhöhen und argumentieren daher sachlich. Ich glaube aber, das führt zu vielen schein-sachlichen Diskussionen. Im Beitrag waren Leute zu hören (Details leider vergessen), die haben wahnsinnig schlechte Argumente gemacht. Die einzige Erklärung meinerseits war, dass sie gelernt hatten, dass dieses Argument Aufmerksamkeit bringt. Hätten sie gesagt “Wir fühlen uns vergessen” dann wäre das ehrlich gewesen. Ich wünsche mir eine Diskussionskultur, in der solche Aussagen Gewicht haben. Und nicht als Gefühlsduselei abmoderiert werden. Denn das sind die wahren Bedürfnisse und Gründe. Das heißt nicht, dass man sich von solchen Gefühlen erpressen lassen muss. Emotionen sind nicht in Stein gemeißelt und können sich ändern. Wir brauchen in meinen Augen alle einen entspannten und konstruktiven Umgang mit den eigenen Emotionen und der der anderen. Eine gute Haltung sich selbst gegenüber spiegelt sich auch in einer guten Haltung andern gegenüber. Vielleicht ist das bekannteste Wort in dem Zusammenhang “Achtsamkeit”. Diese Haltung Emotionen gegenüber halte ich für sinnvoll. Und ein reflektierter, etwas distanzierter Blick auf Emotionen kann auch eine sachliche Diskussion bereichern.

  78. Thema: IBAN NL

    Beschämend ist doch, dass gerade die Sparkassen als Anstalten des öffentlichen Rechts und damit als (direkt) Verpflichtete des Europarechts immer noch die Unterscheidung zwischen deutscher und europäischer IBAN vornehmen.
    Das Argument des Verbraucherschutzes ist zum einen, wie ihr bereits gesagt habt, nicht sehr glaubwürdig, zum anderen ist es aber auch völliger Unsinn: Denn hier handelt es sich um eine offene Diskriminierung (Ungleichbehandlung aufgrund der “Staatsangehörigkeit”). Der Verbraucherschutz ist in Art. 65 AEUV nicht als Rechtfertigungsgrund vorgesehen. Nach ständiger Rechtsprechung des EUGH sind bei einer offenen Diskriminierung jedoch keine ungeschriebenen Rechtfertigungsgründe zulässig.

    Selbst eine Sperrung von Überweisungen ins nicht-europäische Ausland könnte demnach problematisch sein, auch wenn sie einfacher zu rechtfertigen sein dürfte.

    Vielen Dank für euren tollen Podcast.

    • Herzlichen Dank, Jakob, für das nette Feedback und den Hinweis auf die ör Natur der Sparkassen … das macht es in der Tat umso unverständlicher.

    • Sparkassen sind allerdings mitunter auch die konservativsten Player auf dem Markt. Da ist vielleicht einfach das Prinzip “Europa” noch nicht so ganz in den Prozessen angekommen.

  79. Lieber Philip, lieber Ulf,

    zu Eurer Besprechung der PISA-Ergebnisse möchte ich eine Sache loswerden:

    Den Hinweis auf das schlechtere Abschneiden von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund finde ich interessant. Das schlechtere Abschneiden ist bedauerlich, zeigt es doch, dass wir nicht in der Lage sind, diesen Schülerinnen und Schülern passende Bildungsmöglichkeiten zu bieten. Bedauerlich ist dies zum einen wegen vertaner Chancen für diese Kinder und Jugendlichen, zum anderen auch, weil wir als Gesellschaft einen großen Schatz nicht heben, wenn wir so viele Potentiale verkümmern lassen.
    In diesem Zusammenhang möchte ich einen Vorschlag machen (ausführlich begründet in meinem gerade schlafenden Blog unter z.B. https://jzqk.tumblr.com/post/181194211618/vorschlag-für-sinnvolle-digitalisierung-in-der ), der vielleicht einen kleinen Teil dazu beitragen könnte, diese Potentiale (für die Betroffenen selbst wir für die Gesellschaft als ganze) zu nutzen: warum nicht, mit den Möglichkeiten, die Digitalisierung heute schon bietet, die zweite Fremdsprache (wo sie denn angeboten wird) öffnen, und Kurse in beliebigen Sprachen (Arabisch, Persisch, Kroatisch, Swahili, Türkisch, usw. – alle, für die sich in z.B. einem Bundesland wenigstens 25 Schüler_innen in einer Jahrgangsstufe finden) einrichten? Wenn Schülerinnen und Schüler von vielen verschiedenen Schulen in Online-Kursen zusammen eine Sprache vertiefen würden, die sie von zu Hause aus schon (mehr oder weniger) sprechen können, hätte dies viele Vorteile. Hier möchte ich nur zwei nennen (weitere im genannten Blog-Artikel): einer wäre sicher, dass diese Schülerinnen und Schüler mit weniger Lernaufwand insgesamt bessere Leistungen zeigen könnten, und so vielleicht mehr Zeit hätten, PISA-relevante Defizite auszugleichen. Ein zweiter Vorteil hätte vielleicht indirekte Folgen: wenn Sprachkurse in beliebigen Sprachen eingerichtet würden, wäre die Wahrnehmung (Selbst- und Fremd-) dieser Schülerinnen und Schüler eine selbstbewusstere, vielleicht auch stolzere. Das kann wiederum unerwartete positive Folgen für Schulleistungen im Gesamten bringen. (Siehe dazu auch den SZ-Artikel „Eine kleine Änderung im Ausweis mit großen Folgen“ unter https://sz.de/1.4682127 .)

    Seit März höre ich nun die Lage der Nation, und bin wirklich begeistert! Danke für die interessante Themensetzung und das beständige Nachdenken auf der Metaebene!

    Mit herzlichen Grüßen

    Jan Bertram

    • Hallo an Jan und das Lage Team,

      Auch ich habe den Teil über Kinder mit Migrationshintergrund interessiert verfolgt. Wir leben nämlich selbst im Ausland (Norwegen) und haben eine Tochter im Kindergarten (sie spricht aber noch nicht). Und natürlich sprechen wir Zuhause deutsch mit ihr, alles andere wäre auch für uns selbst (als 2 deutsche Eltern) unnatürlich. Nun hört es sich manchmal (auch bei euch) als Nachteil an wenn Zuhause eine fremdsprache gesprochen wird ( in unserem Fall deutsch). Aber im Kindergarten hört sie natürlich nur Norwegisch (was ja in der Woche dann sogar am meisten ist) und versteht alles. Ich denke eher dass eine 2. Sprache ein enormer Vorteil im späteren Leben ist und hoffentlich kein Hindernis. Allerdings sprechen wir auch Norwegisch und könnten somit bei Schulaufgaben helfen. Evtl ist das ein größeres Problem falls dies nicht möglich ist, nicht dass Zuhause eine andere Sprache gesprochen wird.
      Deine Idee Jan ist such sehr spannend, evtl eine gute Idee für den Nachmittag in der Ganztagsschule, den Rest der Zeit muss natürlich die Landessprache gut gelernt werden.

  80. Liebes Lage-Team,

    weil es mir in der aktuellen Sendung gerade bitter aufstieß, wollte ich Euch kurz darauf hinweisen, dass der Begriff “Skinhead” keinesfalls mit einer politischen Gesinnung gleichgesetzt werden kann.

    Es gibt sogar eine große Szene linker Skinheads in Deutschland und anderen Ländern. Diese sind sogar in meinen Augen deutlich sichtbarer, als Nazi-Skins. Hier herrscht Bedarf an Aufklärung, ähnlich wie beim Begriff “Hacker”, welcher ähnliche Konnotationen mitbringt und auch diversifiziert betrachtet werden sollte.

    Weiterführende Einstiegspunkte für Recherche finden sich im Netz, ich verweise hier nur auf wikipedia:

    * https://de.wikipedia.org/wiki/SHARP
    * https://de.wikipedia.org/wiki/Skinhead

  81. Thema: IBAN NL
    Na das ist doch endlich mal eine wunderbare Möglichkeit, die erste kleine Anerkennung eurer tollen Arbeit in Form einer Spende auszudrücken. Es erfüllt für euch einen Zweck und gib mir die Chance auf ein Bose C 35, den ich schon so lange gerne hätte.
    Überrascht war ich allerdings von der Art, wie ihr eure Daten sammelt. Google Forms? Ich habe mein Google Home abgeschafft, meine E-Mails von Gmail weggeholt, sperre auf DNS-Ebene per VPN Googledomains (und fb-Zeug) und soll nun Daten freiwillig in ein GForm einfüllen? Das fühlt sich nicht toll an… aber die Chance in der Verlosung ist es mir dann doch wert.
    Mein Appell an dieser Stelle wäre, vielleicht ein anderes Angebot zur Datensammlung zu nutzen – vielleicht eine temporäre E-Mailadresse oder so was wie Cognitoforms. Das wäre toll.
    Ansonsten: Ein weiteres Mal ein ganz herzliches Dankeschön für euren Podcast und die jeweilige persönliche Einschätzung!

    • Danke für die Unterstützung! Wir wollen schon lange mal einen eigenen Formular-Server aufsetzen, aber wir sind eben vor allem Podcaster und haben beide noch eine Menge anderer Dinge zu tun – ich nicht zuletzt meinen Beruf ;) Weil die Teilnahme ja völlig freiwillig ist finden wir in diesem Fall die Google forms vertretbar.

  82. Ich finde es bemerkenswert wie, insbesondere in Deutschland, doch immer noch das russische Agieren als nachvollziehbar und gerechtfertigt dargestellt wird. Es ist sicherlich richtig, dass die NATO nach der Auflösung des Warschauer Paktes Russland nicht mehr Ernst genommen hat, etwa das Obama Russland nur noch etwas abfällig als “Regionalmacht” bezeichnet und weitere falsche Entscheidungen getroffen hat.

    Dass man aber es nicht wirklich schafft, ein Regime welches die Demokratie in seinem Land de facto entmachtet hat und selbst die Opposition nur noch Marionetten des Kreml sind und sich mehrfach kriegstreiberisch betätigt hat sowie mit der Annexion der Krim völkerrechtliche Regeln brach, welche eigentlich seit dem zweiten Weltkrieg (zumindestens in Europa) von jedem eingehalten, zu kritisieren, macht mich doch etwas ratlos. Diese vielleicht etwas zu russlandfreundliche Haltung lässt sich meiner Meinung auch in gewissen Maße in der Folge finden. Ich zitiere mal was Ulf genau gesagt hat (es ging um mutmaßliche Ermodung eines Georgiers durch den russischen Staat):

    “Der Fall ist vor allem deswegen interessant, weil er so ein bisschen zeigt, wie einfach das Klima generell gespannt ist, insbesondere zwischen Berlin und Moskau (…). Das ist für die Souveränität schon eines Staates eines sehr unfreundlicher Akt.” Ihr sagt schon, auch in dem Teil, den ich jetzt nicht zitiert habe, dass ihr es bedenklich findet, wenn ein Staat einfach so Kritiker umbringt, ich will jetzt auch nicht euch unterstellen, dass ihr den Putin toll findet. Meiner Meinung nach ist die Kritik dafür, dass es sich um einen, wie bereits ausgeführt, autokratischen, menschenverachtenden Staat handelt, doch ein bisschen halbherzig.

    Dafür, dass dann etwa Trump oder die AfD doch sehr polemisch kritisiert werden (ich teile die Kritik), finde ich es dann doch in Anbetracht dessen unverhaltensmäßig, das Verhalten dieses Dikators ein bisschen runterzuspielen. Trump hat auch, zumindestens zum Teil, für seine außenpolitischen Handlungen nachvollziehbare Gründe (z.B. die Ignoranz der chinesischen Regierung vor amerikanischen geistigen Eigentum oder die protektionistischen Handlungen der EU in Hinblick von amerikanischen Autos oder Landwirtschaftsprodukten), diese werden allerdings nicht thematisiert.

    Ich finde es absolut gerechtfertigt, Rechtspopulisten zu kritisieren, dann sollte man aber auch die gleichen Maßstäbe auf ausländische Autokraten anlegen. Zwischen rechtspopulistisch und diktatorisch ist ja auch noch ein gewisser Unterschied. Vielleicht ist mein Eindruck aber nur dadurch fehlgeleitet, dass die Außenpolitik, wie ihr ja in der Folge ausgeführt habt, nicht eurer Spezialgebiet ist.

    • Es gibt einen Unterschied zwischen zitieren einer Position und unterschreiben beziehungsweise sich zu eigen machen.

      • Zum Thema Gemeinnützigkeit: ich lese gerade den Bericht der Enquete-Kommission zur “Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements” aus dem Jahre 2002 (Deutscher Bundestag, Drucksache 14/8900). Dort wird auf Seite 10 die Einrichtung einer unabhängigen Schiedstelle vorgeschlagen, die sich “mit Beschwerden von Vereinen und Organisationen wegen der Aberkennung bzw. Nichtzuerkennung des Gemeinnützigkeitsstatus befasst”. Vielleicht könnte man mal nachfassen, was aus diesem sinnvollen Impuls geworden ist.

        • Danke für den Hinweis! Die kurze Antwort lautet: nichts, der Vorschlag ist in der Versenkung verschwunden. Aber die GFF wird sicher in nächster Zeit intensiver mit dem Thema befassen, auch in Form von Gesetzesinitiativen, ich gebe das mal an die zuständige Mitarbeiterin weiter.

    • mit der Annexion der Krim völkerrechtliche Regeln brach, welche eigentlich seit dem zweiten Weltkrieg (zumindestens in Europa) von jedem eingehalten…

      Ob die völkerrechtlichen Regeln tatsächlich von jedem eingehalten wurden ist mindestens strittig: https://de.euronews.com/2018/02/17/zehn-jahre-unabhangiges-kosovo-der-streit-um-den-status-geht-weiter

      die NATO … begann am 24. März 1999 mit der Luftkriegsoperation “Allied Force” gegen die Bundesrepublik Jugoslawien. Diese Operation wird von vielen Völkerrechtlern bis heute als illegal angesehen.

      Selbst der IGH wollte/konnte sich nicht eindeutig dazu positionieren: https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/unabhaengigkeitserklaerung-des-kosovo-was-der-igh-wirklich-entschied/

  83. zu Russland:
    Per se finde ich Ulfs Bemühtheit, mehrere Perspektiven einnehmen und darstellen zu wollen, nachvollziehbar und sinnvoll. Russlands Verhalten aber als (evtl. irgendwo nachvollziehbare) Abwehrreaktion auf (tatsächliche oder vermeintliche) Angriffe von außen zu interpretieren, halte ich für nicht die erste Wahl an Interpretationsmöglichkeiten. Dazu:
    2006 wurde im russischen Parlament just als zeitgleich man die world leaders beim G8-Gipfel da hatte, ein Gesetz offen beschlossen, wonach Russland im Ausland Leute umbringen darf. [Quelle: 1]
    Implikationen: die world leaders schwiegen, was man natürlich als stillschweigende Billigung verstehn kann; 2006 ist jetzt schon deutlich länger her und nicht ganz; 2006 war deutlich vor den Krieg in der Ukraine und in Georgien (2008, wird immer so etwas vergessen, [2]); offensichtlich brauchen Geheimdienste nicht unbedingt extra ein Legitimations-Gesetz für solche Aktionen, weswegen der Schluss naheliegt, bei dem Gesetz ging es um eine klare politische Message.
    Interessante Nebenbemerkung: in dem in [1] diskutierten Buch geht es um die inzwischen nicht mehr kleine Zahl von Russen im britischen Exil, die dort tatsächlich oder fast (Skripal) umgebracht wurden. Aber auch ein äußerst pikanter amerikanischer Fall ist dabei.

    1: BuzzFeed News Editor Heidi Blake im Interview zu Ihrem neuen Buch bei NPRs Fresh Air (19.11.2019), https://www.npr.org/2019/11/18/780453951/14-mysterious-deaths-the-russian-assassination-program – aus der Zusammenfassung:
    In 2006, as Russia was preparing to host the G-8 summit in St. Petersburg, its parliament passed a law legalizing extrajudicial killings of accused “extremists” abroad.
    “It was an extraordinary moment,” BuzzFeed News journalist Heidi Blake says. “Even as Western leaders were sitting around the table with Putin in St. Petersburg, at that very moment, laws were being passed … that enabled enemies of the Russian state to be murdered by Russian state agents on foreign soil with absolute impunity.”
    [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Kaukasuskrieg_2008

    • Sorry für Rechtschreibung im Übrigen; gleichzeitig hören und sinnvoll formulieren ist mir anscheinend nicht möglich gewesen. ;)

      Schönes Wochenende allen und vielen Dank!

  84. Bzgl. der IBAN-Recherche: Ich habe vor ein paar Monaten eine Überweisung nach Schweden getätigt und dafür 32 Euro Gebühren bezahlen müssen. Ist so etwas denn rechtens? Das kam mir ziemlich teuer vor. Ich bin Kunde bei der ING Diba.

  85. Frage an die Lage zum Thema Finanzierung von Vereinen: wie wäre unsere Reaktion, wenn so eine Regelung in Russland oder China gemacht würde? Ich lese viel darüber, dass in diesen Ländern vor allem politisch aktiven NGOs das Leben schwer gemacht wird. Wie sehr unterscheidet sich das von der Situation hier bei uns in diesem Fall?

  86. 7. Dezember 2019 um 13:15 Uhr
    Katharina Boudgoust

    Ich würde mich tatsächlich sehr freuen, falls ihr in einer kommenden Lage mal über Frankreichs aktuelle innenpolitische Lage reden könntet. Ich lebe als Deutsche in Frankreich und finde die Berichterstattung der großen deutschen Medien dazu (zB bzgl. Generalstreik wegen Rentenreform) recht einseitig. Vielleicht könnt ihr mit einer Lage der Nation eine etwas breitere Perspektive dazu bieten!

  87. Leider kann ich die LdN165 mit Lorenz Maroldt nicht mehr kommentieren. Ich habe die Folge erst heute hören können. Also schreibe ich es hier hin.

    Ich finde die Vorstellung des sächsischen Ministers, der sich und andere beleidigen lässt und daraufhin das Gespräch mit der Frau sucht, mehr als befremdlich. Ich habe mich schon ein paar Mal an meinen Bundestagsabgeordneten bzw. den Landtagsabgeordneten mit Fragen bzw. Ideen gewendet. Man beachte: Keine Kritik. In meinem typisch höflich-sachlichen Ton. Antwort? Nein. Wenn nun Politiker den Schreihälsen und Straftätern (im Falle einer Beleidigung oder Volksverhetzung) Raum für Aufmerksamkeit und Gehör schaffen, dann fühle ich mich als “Normalo” sehr verarscht. Daher halte ich den Vorschlag, besonders den Schreihälsen persönliches Gehör zu verschaffen, sehr fehlgeleitet. Welchen Eindruck soll das hinterlassen? Wer besonders über die Stränge schlägt, kriegt seine Stunde mit dem Minister?

    Rechte leben von Diskurszerstörung und -vergiftung. Wer schreit / pöbelt / beleidigt / bedroht, zeigt, dass er den Diskurs nicht voranbringen will. Warum also diesen Menschen zurückholen?

    • Ich hab auch schon oft Kontakt mit meinen Bundestags-/EU-Parlamentsabgeordneten gesucht und mir wurde in ca. der Hälfte der Fälle geanwortet. Vom CDU-Mann Jan Luczak sogar mit einem Telefongespräch mit seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin. Als ich einige Wochen später auf sie zukam und mich beschwerte, weil mein Anliegen (und das von 1000en weiteren Therapeuten deutschlandweit) im beschlossenen Gesetz nur superultramegaaufgeweicht Anklang gefunden hat, hat sie sich allerdings nicht mehr gemeldet. Hab sein Büro damals übrigens nochmal kontaktiert, weil sein parteifreund Jens Spahn das Gesetz durchgedrückt hat (CDU und so…). Schlussfolgerung: Es kommt auf den*die Abgeordnete*n und das Abgeordnetenbüro an, ob er*sie/das Büro dir antwortet.

  88. Zum Thema UBA-Studie, bzw. wie können Unternehmer*innen ihre Organisation zu einer ethisch und ökologisch wirtschaftenden Organisation umwandeln:
    Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) bietet meiner Meinung nach ein ganzheitliches Konzept hierfür, vor allem für Unternehmen. Ich engagiere mich seit ca. 1,5 Jahren ehrenamtlich in diesem Verein (der hoffentlich noch lange gemeinnützig bleibt) und es gibt mittlerweile über 2.000 Unternehmen, die mit der Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz beweisen, dass man auch durch verantwortungsvolles Handeln wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Schaut es euch gern an, ich freu mich wenn ihr die GWÖ auch mal in der Lage der Nation thematisiert.

  89. Gibt es eigentlich einen Grund warum ihr eine “ausländische” Bank nehmt und nicht eine ethische Bank wie GLS/Umweltbank/Triodos etc? Hält mich auf jeden Fall davon ab da Geld hin zu überweisen. Bei Bunq fehlt mir jede Information was sie mit dem Geld machen und außer ner hippen Webseite findet man auch nichts.

    • Die GLS ist mir persönlich auch sympathisch, setzt aber auf ein ganz gruseliges Rechenzentrum, das wichtige Funktionen beim Online-Banking nicht bietet (Stichwort Sammlerauflösung). Das haben wir in einer Lage-Folge im August ausführlich besprochen. Daher kommt diese Bank für uns zur Zeit nicht in Betracht.

      Auch bei der GFF hatten wir einen riesigen Extra-Aufwand, nur weil die GLS das Rechenzentrum gewechselt hat.

  90. Beim Russland-Thema hattet Ihr den “Warschauer-Packt” erwähnt und die Wichtigkeit der Ausgewogenheit betont. Wusstet Ihr dass dieser Begriff quasi West-Propaganda ist und der “Ostblock” :-) eigentlich einen ‘Warschauer-Vertrag” abgeschlossen hatte? Ich bin Mitte 40, im Westen aufgewachsen und mir wurde das erst _sehr_ viele Jahre nach der Wende bewusst.

    • Inwiefern ist Warschauer Pakt denn ideologisch?

      • Gemeint ist der Sprachgebrauch, das Wort “Pakt” wurde vor allem im Westen verwendet, da es negativer konnotiert ist und eine Art Verschwörung andeutet. Aus Wikipedia: “Der Warschauer Pakt – eine im Westen gebräuchliche Bezeichnung, im offiziellen Sprachgebrauch der Teilnehmerstaaten Warschauer Vertrag genannt”.

        • Habe ich nie so empfunden; klar empfand man den Ostblock als Bedrohung, aber nicht wegen des Sprachgebrauchs.

        • Aus meiner Ost-Erinnerung heraus kenne ich die NATO auch fast nur als “Nordatlantikpakt”. Das wurde in den DDR-Medien ganz klar mit der negativen Konnotation verbunden und war auch in der BRD sicher nicht anders. Denn wenn der Sprachgebrauch die Wahrnehmung nicht beeinflussen würde könnten wir uns ja die ganze Diskussion um die gendergerechte Sprache schenken ;-)

      • Wenn man in der DDR vom “Warschauer Pakt” redete war allen Gesprächspartnern klar, daß man sich im Westfernsehen informiert hatte. Ob und was für Konsequenzen das hatte, hing dann von den Gesprächspartnern ab. Im Übrigen kenne ich “Pakt” eher in einer negativen Bedeutung – Diebe oder Verschwörer schließen einen Pakt, oder man schließt einen Pakt mit dem Teufel.

  91. Zur Sperrung von Auslandsüberweisungen:

    Die Sperre dient meiner Meinung nach sehr wohl dem Schutz der Kunden vor Betrug.
    Denn Zahlungen an gefälschte Onlineshops, betrügerische Wohnungsangebote, bei ebay Kleinanzeigen an Konten im Ausland sind natürlich vom Kunden authorisiert. Und daher nicht von der Bank zu ersetzen, sondern einfach ein Verlust des Kunden.

    • Um diese Überweisungen geht es aber nicht, denn die will der Kunde ja tatsächlich ausführen lassen, dh er wird sie auch auf Nachfrage der Bank bestätigen.

      • Um mich da mal einzuhaken: Je nach Umsetzung im Onlinebanking sehe ich das anders. Bei einem früheren Konto, ich glaube, es war bei der Commerzbank, konnte ich beispielsweise Limits für Inlands- und Auslandsüberweisungen separat konfigurieren. Wer sich mit seinem Konto nicht ein paar Minuten beschäftigen will, wie anscheinend einige eurer Umfrageteilnehmer, dem schadet es vielleicht auch nicht, wenn er ein bisschen vor sich selbst geschützt wird. Es dürfte immer noch genügend unbedarfte Leute geben, denen nicht sofort der Unterschied zwischen einer deutschen und einer bulgarischen IBAN ins Auge springt. Warum soll eine Bank nicht darauf hinweisen dürfen, dass ein eingegebenes Zahlungsziel nicht in Deutschland liegt? Würde mich auch nicht wundern, wenn manche Kunden bei der Kontoeröffnung entsprechende Einstellungen selbst angekreuzt hätten.

        Auch der Vorschlag, den Kunden beim Versuch einer Auslandsüberweisung anzurufen, kann doch wohl nicht ernstgemeint sein? Zum einen wäre das bei Millionen von Kunden wohl nicht leistbar, zum anderen ist fraglich, ob sich die Bank bei verspätet ausgeführten Überweisungen nicht womöglich einem noch größeren Haftungsrisiko aussetzen würde.

        • Das Anrufen ist bei einigen Banken heute schon gängige Praxis und scheint mir die kinderfreundlichere Variante gegenüber „geht nicht“ zu sein.

        • Dieser Ansicht kann ich mich anschließen. Bei einem Commerzbank Konto muss man Inlands – und Auslandslimite für das Onlinebanking aktiv vergeben.

  92. Zur CO2-Debatte und den Befindlichkeiten vieler Menschen…
    “[…], gerade Menschen, die vielleicht nicht so ein hohes Einkommen haben […].”
    Geschrieben als jemand mit niedrigem Einkommen. Es nervt wenn Mittelschichtler ihre eigenen Interessen mit den angeblichen Interessen von uns durchsetzen wollen. Egal ob Klimawandel, “Ausländer”, Digitalisierung oder wovor ihr sonst so Angst habt.
    Geht mal in eine Bildungseinrichtung, die Maßnahmen für HartzIV-Empfänger anbietet, oder in eine Werkshalle, die hauptsächlich mit befristeten Verträgen mit Mindestlohn befeuert wird. Gerne auch bei uns im ländlichen Raum. Und dann fragt uns mal, was wir von einer CO2-Steuer halten würden oder wieviel Angst wir davor haben, dass die Pendlerpauschale abgeschafft wird.
    Behauptung: Wir sind nicht das Problem. Die mittleren Einkommen sind es.

    • Gibt eine bisher unveröffentlichte Umfrage im Auftrag der Bundesregierung, die genau das belegt: Menschen mit geringem Einkommen befürworten eine strenge Klimapolitik mehr als Menschen mit höheren Einkommmen.

      • Das ist doch logisch. Die Reichen haben was zu “verlieren” und haben Angst um ihren Ststus und Lebensstandard.#
        Die Armen nicht.
        Und das sage ich als reicher. Bei mir kommt der Reflex auch oft hoch, dass ich denke “Nein, ich will nicht aus meinem Luxusleben raus. Mein unglaublich hohes Vermögen brauche ich, damit ich auch im Alter dekadent leben kann.” Dann reiße ich mich zusammen und weiß. “Auf die paar Mehrkosten für den Klimaschutz o. ä. kommt es nicht an und sie sind es wert.”