132 Kommentare

  1. 1. Die DUH macht einen super Job und ist so wirkmächtig wie möglich. Aber aktiv verändert haben sie noch nicht viel. Ich denke, ein Telefonat von Hr. Diess hat größere Auswirkungen. Soviel zur Wirkmächtigkeit. Die DUH ist da und ärgert Hr. Luczak ein bisschen. Er kann sie nicht mehr ignorieren und das stört ihn so sehr, dass er sie als “wirkmächtig” bezeichnet.
    2. Zur Aussage oder dem Eindruck, der erregt wird alla “Mieter genießen so viele Schutzrechte, was wollen die noch mehr? Wer da ist, kann ja bleiben” gehört für mich das Gegenargument: “Wer da ist, kann bleiben” stimmt eben nicht: Wenn Paare sich trennen, muss einer eine neue(!) Wohnung suchen. Wenn Familien Nachwuchs bekommen, hilft irgendwann die alte Wohnung nicht weiter. Wenn alten Leuten ihre Wohnung zu groß wird, finden sie keine kleinere, billigere (und bleiben in der großen). Diese Geschichten erlebt man in der teuren Großstadt. Und da soll man keine Angst haben? Da ist das alles Angstmacherei?
    3. Wer erst Kompromisse fordert und dann sagt: “Meine Werte wurden nicht ausreichend vertreten, ich mache nicht mit” – was soll man dann glauben?

  2. Hallo Philip & Ulf,

    ganz kurz und knapp
    1) Lage-Spezial finde ich super, weil dann erstens keine Lage-Pause ist und zweitens ein ausführliches Interview eine nette Abwechslung ist. (Bei der Gelegenheit: Unglaublich gut fand ich das Interview von Philip mit Marcel Fratzscher vom DIW auf dem Medienradio)
    2) Ich finde es gut, dass es bei Euch für Abonnenten keine Werbung gibt (anders als beim Tagesspiegel)
    3) Ihr trennt immer sauber zwischen Fakten und Meinung. Trotzdem höre ich (und vermutlich viele andere auch) Euch gerne, weil ich viele Eurer Ansichten teile. Darum finde ich es wichtig, auch mal jemanden von der CDU ausführlich zu Wort kommen zu lassen. Man läuft immer Gefahr einen “Tunnelblick” zu bekommen; nicht gut. Ladet ruhig auch mal jemand von Linke oder FDP ein.

    Weiter so!

  3. Vielen Dank für das Interview! Ich finde ihr habt euren Gast weder zu viel noch zu wenig herausgefordert. Obwohl er aufgrund seiner Nebentätigkeit nicht auf sein Mandat angewiesen ist, macht er verdächtig viel Wahlkampf und bezeichnet andere Politiker als “Lügner”. Ein Mitgrund für den Vertrauensverlust der großen Parteien ist auch die mangelnde Wertschätzung für politisch Andersdenkende und ihre Lösungsansätze. Warum nicht einfach mal abwarten, was der Mietendeckel bewirkt….

  4. Hart gelacht beim Angstkommentar und zum Schluss nur noch den Kopf geschüttelt. Alle Klischees über die CDU erfüllt. Trotz des anfänglichen Versuchs, Themen wie Lobbyismus “wegzuargumenieren”.

  5. Guten morgen!
    Meinen Themenvorschlag Negativzinsen hatte ich ja schon mal platziert. Ich hätte mir nie Träumen lassen, dass ich in diesem Zusammenhang (oder überhaupt) mal den Focus empfehlen würde: https://www.focus.de/finanzen/boerse/experten/gastbeitrag-von-diw-chef-fratzscher-top-oekonom-raeumt-mit-vorurteilen-auf-20-deutsche-mythen-zu-ezb-geldpolitik_id_11388947.html
    Mehr aufklärende Hintergründe kann man hier finden https://www.inwo.de/
    Gruß aus Frankfurt,
    Wolfgang

  6. “Man darf den Menschen keine Angst machen!”
    “Durch den Mietendeckel werden die Investoren Berlin den Rücken kehren und wenn das Gesetz vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig erklärt wird, werden die Mieterinnen und Mieter viel Geld nachzahlen müssen.”
    Ähm tja, wer macht hier wem Angst?

    Mal ganz sachlich zum Thema:
    Wenn diese Investoren, denen es nur darum geht, viel Geld zu verdienen, in Berlin keine Grundstücke mehr kaufen und keine Wohnungen bauen, dann sinken die Preise und es können die Genossenschaften, die privaten Leute und kleine Eigentümergemeinschaften, die selber in den Wohnungen und Häusern wohnen wollen, endlich mal Grundstücke kaufen und bebauen!
    Außerdem würden wirklich viele Menschen gern nicht nur im Speckgürtel, sondern sogar noch weiter weg auf dem Land wohnen, wenn es dort nicht nur (wie Ihr erwähntet) ÖPNV gäbe, sondern auch gutes Internet, damit Menschen, die von zuhause aus arbeiten, das dort auch tun können und wenn es dort vernünftige Schulen gäbe.
    Das hätte sogar noch einen sehr erstrebenswerten Nebeneffekt: Dann sitzen die “Wendeverlierer”, also die (ehemals) jungen Männer, die zu schlecht in der Schule waren oder keine gute Ausbildung haben und deshalb nicht wie die (damals) jungen Frauen weggezogen sind, um in der Ferne Jobs anzunehmen, nicht mehr allein ohne Internet und ohne ÖPNV in ihren Dörfern, um dann ihren Frust an Flüchtlingen abzulassen. Dann gibt es dort eine bunte Durchmischung mit Familien, Frauen, Kindern, Andersdenkenden und sie merken, dass es doch nicht alles wahr ist, was ihnen andere Nazis erzählen.
    Also: Mietendeckel plus besseres Internet und besserer ÖPNV und bessere Schulen auf dem Land (und auch in den Städten) wären einfache, bezahlbare Mittel, um große Probleme in Ostdeutschland zu beseitigen.

    • Ich ergänze noch:
      “Schon wenn wir über Mietendeckel und Enteignungen nur reden, gehen die Investoren weg.”

      • Ja. Und das ist gut so!
        Naive Menschen denken immer, Investoren bringen Geld.
        Dabei wollen sie mit wenig Aufwand nur viel Geld verdienen, das sie aus uns herausquetschen bis zum Geht-nicht-mehr.

  7. Hallo, ich fand das juristische Proseminar großartig!!!
    Gruß, Martin

  8. Liebe Lage,

    die Kommentare sind jetzt schon so umfassend, dass ich sie mir nicht alle durchlesen kann, also womöglich eine Wiederholung… zunächst einmal fand ich es gut, dass ihr den Gast, der ja offensichtlich bei vielem eine andere Meinung vertritt als ihr oder auch viele Hörer, so breit habt zu Wort kommen lassen und auch habt ausreden lassen. Allerdings hätte man bei einigen seiner doch sehr steilen Thesen vielleicht nochmal genauer nachfragen können.

    Er meinte ja, dass es aufgrund der Verfassungswidrigkeit des Mietendeckels zu womöglich erheblichen Rückzahlungen von Mietern kommen würde – wenn ich mich recht erinnere sogar mit der Ansage, dass die Betroffenen dann aus der Wohnung fliegen können, wenn sie das nicht gleich zahlen können. Das hätte er mE gerade als Jurist noch weiter untermauern müssen. Denn das kann mE – wenn überhaupt (auch das ist diskussionswürdig)- nur diejenigen betreffen, die aufgrund des Gesetzes eine Herabsetzung ihrer Miete erlangt haben, also nachweislich ohne das Gesetz eine höhere Miete gezahlt hätten. Bei allen Anderen kann es ja sein, dass sie den Mietvertrag bei einem höheren Mietpreis gar nicht abgeschlossen hätten. Selbst wenn also das Gesetz mangels Gesetzgebungskompetenz verfassungswidrig ist, können Vermieter nicht auf einen fiktiven Mietvertrag beharren, den sie dann vermeintlich mit genau dem Mieter abgeschlossen hätten, der jetzt aktuell in der Wohnung ist. So steht auch ganz allgemein auf der Seite des BVerfG über die Wirkung einer Entscheidung, die ein Gesetz für verfassungswidrig erklärt: “Über das konkrete Verfahren hinaus führt die Nichtigkeit einer Rechtsnorm nicht dazu, dass alle anderen auf ihrer Grundlage ergangenen Entscheidungen ungültig werden”. Möglicherweise haben also die Vermieter, die dann auf Basis des Gesetzes ihre Wohnungen neuvermietet haben, auch einfach “Pech gehabt”.

    Und auch bei den Mietern, die eine Herabsetzung ihrer Miete erlangt haben, ist mE zumindest diskussionswürdig, ob das BVerfG in jedem Fall von einer Rückwirkung der Nichtigkeit des Gesetzes in der Form ausgeht, dass die Differenz der ursprünglichen Miete zur herabgesetzten Mieten auch rückwirkend bezahlt werden muss.

    Da es meines Wissens für verfassungswidrige (formelle) Gesetze auch keine Ansprüche aus Staatshaftung gibt (und falls doch, dann nur unter sehr restriktiven Bedingungen), müssen sich die Vermieter unter Umständen dann einfach darauf verweisen lassen, die Mieten nach der normalen gesetzlichen Regelung zu erhöhen.

    Ich habe mir jetzt natürlich keine Gutachten über die Verfassungskonformität des Mietendeckels durchgelesen, vielleicht wird das dort ja auch geprüft. So wie es der Gast dargestellt hat ist es jedenfalls verkürzt, ungenau und wahrscheinlich teilweise einfach grob falsch.

    Liebe Grüße

  9. das schöne an langen Interviews ist dass sie ja eh “keiner” bis zum Ende anhört und die Leute sich nach ‘ner Stunde oder so selbst meist wunderbar zerlegen.

    Sowas wie Jan-Marco “Die Linken machen ja nur Angst, das würden wir nie tun, aber ihr solltet Angst vor Linksextremisten haben!” Luczak funktioniert da als gutes Beispiel.

  10. Ich habe mich schon mehrfach gefragt, ob es nicht auch eine Chance sein kann, wenn eine Regulierung des Mietmarktes Investoren vergrauelt.

    Luczak sagt selber, dass Genossenschaften & Co keinen Baugrund mehr finden. Er sagt selber, dass die Bauunternehmen ausgelastet sind. Müssten sich nicht also die Bedingungen für Genossenschaften und andere gemeinwohlorientierte Träger deutlich erhöhen, wenn sich gewinnorientierte Spieler zurückziehen? Weniger Konkurrenz um Bauland und ausführende Unternehmen müssten doch zumindest eine Entspannung der Preise bewirken.

    Mache ich hier einen Denkfehler?

    (PS: Kann Luczak das Memo mit „Keine Politik durch Angst“ mal an die Überwachungsfetischsten in seiner Partei schicken?)

    • Nein, machst du nicht. Ich komme zu demselben Schluss: es herrscht derzeit ein enormer Überschuss an Investoren mit einem riesigen Überschuss an Kapital, der auf ein begrenztes Angebot an Bauland und Bauunternehmen trifft, was die Preise für letzteres – insbesondere für Bauland aufgrund seiner sehr hohen Preiselastizität – in irrsinnige Höhen schießen lässt.

      Es schadet also überhaupt nicht, wenn ein paar davon “vergrault” werden, denn es bleiben noch genügend übrig, um die vorhandenen begrenzten Ressourcen auszulasten, und insbesondere nicht-gewinnorientierte Bauträger profitieren von einer entspannteren Lage auf dem Grundstücksmarkt und können wieder besser mitspielen.

      Leute wie Luczak weigern sich für gewöhnlich, diese Sicht der Dinge zu akzeptieren, da sie nicht an einem ausbalancierten Markt interessiert sind (auch wenn sie das häufig behaupten) sondern an Wachstum, Wachstum, Wachstum – in diesem Fall weiterem Wachstum der Immobilienwerte (ich will jetzt nix in diesem konkreten Fall unterstellen, aber nicht selten hat dieser Schlag Leute schlicht selbst in Immobilien investiert und daher ein handfestes Eigeninteresse an wachsenden Immobilienwerten). Ein preisdämpfender politisch erzeugter Negativ-Aspekt wie ein Mietendeckel, der effektiv den Wert von Berliner Bauland – und zwar nicht nur neu zu bebauendem, sondern auch allem schon bebauten – reduziert, ist eine Gefahr für dieses Interesse und daher grundsätzlich abzulehnen. Der Ablehnungsgrund “das killt das Interesse von Investoren” klingt dafür gut und plausibel, unausgesprochen wird dabei unterstellt, es ginge um eine “alles oder nichts”-Situation, und es ist recht einfach, dabei zu ignorieren, dass letztlich die Zahl potenzieller Investoren gar nicht der Flaschenhals in unserer aktuellen Lage ist, sondern die Verfügbarkeit von Bauland und Handwerkern die effektive Neubautätigkeit begrenzt.

  11. Hallo Lage-Team,

    Viele Leute haben euch bereits mit besseren Worten als ich sie finden kann für euren Podcast gedankt – ich belasse es daher bei einem DANKE!

    Euer Interview mit Herrn Luschak hat mich allerdings sehr enttäuscht und, finde ich, nicht die Qualität eurer anderen Beiträge erreicht. Auch wenn ihr es mehrmals versucht habt, hat Herr Luschak sich am Ende nie festgelegt und Nachfragen ignorierend einfach seine “Propaganda” ausgebreitet: Die Linke macht also linksextreme (!) Politik, das Recht auf Gewinn von Immobilienkonzernen steht über den Recht auf Wohnraum vieler, dass er selbst Vermieter ist ist natürlich völlig ohne Begründung keinerlei Interessenkonflikt, und die konkrete Antwort auf Wohnungsknappheit wird einfach verweigert.

    So sehr ich euren Ansatz des wertschätzendes Zuhörens schätze und bewundere – ich sehe es auch als die Pflicht eines Fragenden, bei so etwas dran zu einen und dem Befragten nicht einfach Reedezeit zu schenken um am Ende weitestgehend unkommentiert einen programmatischen Monolog halten zu lassen zu dem die Fragen und Nachfragen maximal Stichwortgeber für die nächste These sind.

    Ich bin kein Linkswähler. Ich kann mir im Raum München Wohnraum leisten. Hier schreibt kein Betroffener aus Eigeninteresse, sondern jemand beim Interviewer das Recht, aber auch die Pflicht sieht solche Techniken der Rhetorik aufzudecken, zu benennen, und im Zweifelsfall auch ein Interview zu beenden wenn es offensichtlich als ein Monolog mit vordefinierter Kernaussage mißbraucht werden soll.

    Hier würde ich mir von euch bei aller Wertschätzung mehr Mut zur Konfrontation wünschen.

    • Danke für dein Feedback. Ich habe das Interview aber anders empfunden: Nach meiner Wahrnehmung hat sich unser Gesprächspartner in vielerlei Hinsicht selbst dekonstruiert. Und ich finde es ehrlich gesagt für den Gesprächsfluss wesentlich angenehmer, jemanden tatsächlich auch mal reden zu lassen. Seine vielfältigen Nicht-Antworten auf die Frage, was denn die Politik tun könne, um die Mietpreise zu senken, sprechen ja für sich.

      Abgesehen davon ist es denke ich auch nicht Aufgabe eines Interviews, den Interviewpartner zu dekonstruieren, sondern ihn vorzustellen. Und die richtigen Fragen haben wir ja gestellt, wir haben ihn nur nicht festgenagelt. Aber es geht eben auch nicht ums Gewinnen, jedenfalls nicht in einem journalistischen Format. Mir ist es persönlich viel wichtiger, dass wir auf diese Weise mal die Breite der Meinungen abbilden können.

      • Ich bin kein Journalist, sondern ein höflicher Mensch. Als solcher würde ich Menschen auch ausreden lassen und nicht vorführen wollen, gerade wenn sie selbst soviele Widersprüche und offensichtlich durchschaubare Rhetorik an den Tag legen (Die Sätze „Das ist ja nichts neues“ und „Das ist ja schon lange in der Diskussion“ zu nutzen, um einem validen Punkt des Anderen zuerst dem Wind aus den Segeln zu nehmen, den Punkt damit abzuhaken und dann auf seine eigenen Talking Points zu kommen, ist so einfach wie effektiv, muss ich mir merken!)

        Ja, ich und einige andere haben die Ausweichmanöver des unterm Strich nicht unsympathischen Gasts bemerkt und durchschaut. Aber ich hätte mir auch das Aufdecken von und Nachhaken bei seiner Rhetorik gewünscht. Wie das geht, ohne ihn vorzuführen, weiß ich nicht, aber ich meine auch, dass es bei Euch ungewohnt ist, wenn Ihr Standpunkte wie die des Herrn Lucsak unanalysiert und unbewertet stehen lasst.

  12. Vielen Dank für eure Arbeit und die Mühe, auch in der “Urlaubszeit” Lagefolgen zu liefern.

    Das Konzept Lage besticht im Vergleich zu den Tagesthemen m.E., dass ihr euch mehr Zeit nehmt die Dinge einzuordnen und Argumente abzuwägen. Das macht die Lage besonders. Leider macht ihr genau das nach euren Interviews nicht. Schon nach dem ein oder anderen Interview in einer “normalen” Lage hätte ich mir das gewünscht. In diesem Fall ganz besonders.

    Ich finde es gut, wenn ihr während des Interviews keine Diskussion mit dem Gast anfangt. Danach würde ich mir dennoch eine Einordnung wünschen – eure Kernkompetenz.

    Dann würde vermutlich auffallen, dass Herr Luczak zwei Antworten auf steigende Mieten hat: 1. Bürokratie abbauen 2. Mehr Bauland ausweisen.

    Die letzte Folge hat gezeigt, dass ersteres ein hehres Ziel ist. Sollte man versuchen. Schadet nicht. Wird alleine nicht helfen.

    Wie mehr Bauland helfen soll, ist mir schleierhaft. Er nennt die Zahlen ja selbst: Bauland auf dem Tempelhofer Flugfeld schafft Wohnraum für ein paar Zehntausend Bürger. Jedes Jahr ziehen mehrere Zehntausend Bürger zu. Dieses Jahr hilft das und nächstes Jahr? Einen Wasserrohrbruch im Waschkeller, löst Herr Luczak anscheinend, in dem er die Tür zum Fahrradkeller öffnet, dann kann der auch noch vollaufen. Problem gelöst. (Ich hoffe, es ist klar, dass ich nicht der Ansicht bin, dass Menschen wie Wasser sind. Der Vergleich soll pointiert darauf hinweisen, dass die Ressource Boden in Städten endlich ist.)

    Auch die Aussage, dass jede Interessengruppe ja einen Lobbyisten habe, irritiert. Mir fallen aus dem Stehgreif eine Menge Bevölkerungsgruppen ein, die keine Vertretung haben. Ihr hattet in einer der Lagen dieses Jahr z.B. von Atheisten gesprochen.

    Kurzum macht in den Interviews gerne genau das, was euch stark macht: Einordnung.

  13. 27. November 2019 um 15:32 Uhr
    Florian Baumgarten

    Achtung das ist kein wirklich sachliches Kommentar wer keinen Rant lesen will einfach ignorieren danke.
    Da es das erste mal ist das ich mich von der Kognitiven-Dissonanz einer Politikeraussage persönlich angegriffen fühle, dachte ich ich muss das wenigstens mal kurz verarbeiten (ich weiß die Kommentare unter der LdN ist nicht optimal dafür).
    Genau geht es um die aussage das die Linken doch Angst schüren um für sich als “extreme” Partei doch mehr stimmen zu gewinnen und das man damit ja die Demokratie und gute Lösungen angreift. Ich hab mir die stelle extra nochmal angehört da ich tatsächlich dachte ich hätte mich verhört und details nicht mitbekommen.
    Die verdammte “Ausländer fressen eurer Kinder und stechen euch ab und wir wissen wie wir das Lösen” CDU wirft der Linken Angstmacherei für Stimmengewinn vor?! Übertrieben formuliert aber bei vielen Aussagen als das in den Medien hochgepeitsch wurde waren die Immigrationsaussagen der CDU/CSU durchaus etwas fragwürdig. Ich bin dieses Jahr den Linken beigetreten (Hab mit der FDP geliebäugelt also SO Links bin ich wahrscheinlich dann nicht) und so wie diese aussagen wirkt das doch SEHR Indoktriniert und an der Materie vorbei, wenn es um Linke Positionen geht und gerade zu abwertend gegenüber Leuten in dieser Partei (deshalb auch das Gefühl des persönlich angegriffen seins). Ich weiß nicht ob diese ganze Sache in Berlin die beste Lösung ist. Zumindest wird erstmal etwas versucht was nicht auf das übliche “mehr von dem was wir schon machen” auf das Problem werfen ist und dann hoffen das es funktioniert.
    Ich weiß nicht warum mich gerade dieses Interview angegriffen hat, ist ja nicht das erste mal das ich so etwas in dieser Richtung höre.
    So Rant ende sorry für diesen uninhaltlichen Beitrag.

  14. Erstmal möchte ich ‚Danke’ für jeden einzelnen der bisher 166 Podcasts sagen, denn das Format ist sehr informativ, gut recherchiert und auch sehr unterhaltsam (im besten Sinne des Wortes). Und dieses Lob gebe ich gerne – obwohl ich mich eher in das konservative Spektrum einordne und viele Themen (ein wenig) anders beurteile.

    Um so mehr hat mich das Special mit Herrn Luczak begeistert, da Sie eben auch anderen (An-)Sichten Raum und Bühne geben. Hiervon würde ich mir in Zukunft (noch) mehr wünschen.

    Zum Thema Mietendeckel möchte ich ansprechen, dass Sie meines Erachtens das unternehmerische Risiko einer Vermietung zu wenig beleuchten und würdigen. Ein Vermieter trägt das Baurisiko (Kostensteigerungen, verspäteter Verzug, Mängel) , das Finanzierungsrisiko (evtl. steigende Zinsen nach Ablauf Zinsbindung, Tilgungs- und Zinszahlung auch bei Mietausfall) , das Risiko des Mietausfalls , das Risiko von vorzeitigen, nicht versicherbaren Schäden (Dach, Heizung, etc werden vor Ablauf der Afa-Zeiten fällig) und das Risiko der Wertminderung (soll es auch bei Immobilien geben). Im Gegenzug braucht er eine Rendite, mit der für diese Risiko entschädigt wird – ansonsten kann er sein Geld auf ein Sparbuch legen, da bekommt man dann zwar keine Rendite, trägt aber auch kein Risiko.

    Weiterhin trägt der Vermieter nicht umlegbare Kosten (z.B. für den Verwalter), hat eigene zeitliche Aufwände und muss für Instandhaltungen Rücklagen bilden. Und jenseits der Deckung dieser Kosten und der Kompensation der Risiken, möchte man ja mit seinem Investment auch noch etwas Geld verdienen. Warum sollte man sich den Stress des Bauen und der Bewirtschaftung einer Immobilie sonst eigentlich antun?

    Die Rendite zur Risikoabsicherung sollte sicherlich 2% und die eigentliche Rendite 3% betragen, in Summe eine Immobilie vor Steuern also ca. 5% erwirtschaften – das sind auch Werte, die in Zur Orientierung: mittelständische Unternehmen in Deutschland erwirtschaften im Durchschnitt ca. 7,4% Umsatzrendite, da liegt man mit 5% für die Bewirtschaftung einer Immobilie nicht schlecht. Im europäischen Vergleich liegen 5% Mietrendite auch eher mit Mittel (siehe z.B. Overview of European Residential Markets Deloitte, 2017).

    Die durchschnittlichen (!) Herstellungskosten (ohne Grunderwerbskosten) für einen Neubau in Berlin liegen für 2019 voraussichtlich bei 2916€ pro qm. Quelle ist der Endbericht Neubaukostenstudie 2018 der Stadtentwicklung Berlin mit Schwerpunkt auf kommunalen Wohnungsbauprojekten – und betrachtet daher sicherlich keine Luxusimmobilien. Es ist der Studie nicht zu entnehmen, ob diese Kosten drei der fünf vom Mietendeckel als “moderne Ausstatttung” geforderten Eigenschaften enthalten, ich würde es bezweifeln: Aufzug und Energieverbrauchskennwert sicherlich schon, aber Einbauküche, “hochwertige” Sanitärausstattung und “hochwertige” Bodenbeläge sicherlich nicht.

    Jetzt kann man nicht jeden gebauten qm vermieten und viele Kleinvermieter (die 66% der Vermieter stellen) bauen nicht selbst, sondern kaufen eine gebaute Wohnung – was sich der Bauträger auch bezahlen läßt. Zusätzlich enthalten die oben genannten 2916€ KEINE Grunderwerbskosten! Insofern gehen wir für die weitere Rechnung von 3200€ Gesamtkosten pro vermietbarem qm aus (eine Zahl, die ich für Neubauten in Berlin für erheblich zu niedrig halte!). Bei 5% Rendite macht dies 160€ Mieteinnahmen pro qm und Jahr, d.h. 13,30€ Monatsmiete/qm.

    Wenn man sich diese Zahlen anschaut und dann durch den Mietendeckel signalisiert bekommt, dass man nach 5 Jahren nur noch 9,80€/qm verlangen darf, dann fragen sich Menschen wie ich, warum ich in Berlin eigentlich bauen sollte? Das Bauen würde sich erst rechnen, wenn die Gesamtbaukosten um 25% auf unter 2400€/qm sinken – aber mit der Frage beschäftigt sich – auch nach Meinung von Herrn Luczak – die Stadt Berlin ja zu wenig.

    Wem diese Zahlen als “übertrieben” und “kapitalistisch” vorkommen, den lade ich ein, selbst Immobilienbesitzer und Vermieter zu werden und seine eigenen Erfahrungen zu machen: Eine 30qm Wohnung ist nach Aussage der Stadtentwicklung Berlin ja um die 100.000€ zu bauen (30qm x 3200€). Heutzutage sind mindestens 30% Eigenkapital (also 30.000€) notwendig, den Rest finanziert die Bank. Das sind Zahlen, die zumindest viele Angestellte im Alter 40+ nicht schrecken sollten – ich würde mich daher freuen, wenn die Anhänger des Mietendeckels jetzt mit gutem Beispiel vorangehen und durch den Neubau und die Vermietung einer Immobilie in Berlin ein Beispiel setzen und zum Senken der Durchschnittsmieten beitragen….

    • ” (…) KEINE Grunderwerbskosten! Insofern gehen wir für die weitere Rechnung von 3200€ Gesamtkosten pro vermietbarem qm aus (eine Zahl, die ich für Neubauten in Berlin für erheblich zu niedrig halte!). Bei 5% Rendite macht dies 160€ Mieteinnahmen pro qm und Jahr, d.h. 13,30€ Monatsmiete/qm.”

      Mag sein das ich die (nicht vorhandene) Logik von privaten Verwertungsrechten (im Gegenteil zu Nutzungsrechten) an einem Gemeingut (Boden) nicht verstehe, aber für mich haben sie gerade argumentiert das man die Mieten halbieren könnte.

      “Die Anhänger” des Mietendeckels wären wahrscheinlich schon froh überhaupt dort leben zu dürfen wo sie aufgewachsen sind. Wo sich gefestigte sozio-ökonomische Strukturen gebildet haben. Das Leute aus dem Mittelstand (nicht zu reden von wirklich ökonomisch Benachteiligten) sich nichts leisten können hat & sich das zuspitzt, ist wohl nicht damit zu beantworten was sie alle bitte schön kapitalistisch und anti-marktwirtschaftlich jahrzehntelang für den Zugang zu Gemeingütern zahlen.

      • Lieber axre,

        wenn Sie meine Ausführungen und die von mir referenzierten Quellen der Stadt Berlin aufmerksam lesen, erkennen Sie, dass die dort genannte Zahl von 2913€/qm eben KEINE Kosten für den Kauf von Grund und die Kaufnebenkosten enthält. Gleichzeitig berücksichtigt diese Zahl aber jeden bebauten qm (und damit auch Flächen, die nicht in die Flächenberechnung für Wohnungen einfliessen). Daher habe ich die Baukosten um 10% auf 3200€/qm aufgerundet (zur Umrechnung der Baukosten pro qm auf die Baukosten pro vermietbaren qm) und dabei angenommen, dass die Bodenerwerbskosten in dem Zuge mit enthalten sind (was eher unrealistisch ist, aber sei es drum).

        Mein Rechenbeispiel zeigt also eher, dass selbst bei dem in dieser Podcastreihe immer wieder als Lösung angebotenen “Pachtmodell für Böden” ein Bauen für eine Miete von 9,80€/qm nicht wirtschaftlich möglich ist. Gerne würde ich verstehen, wie Sie die Mieten “halbieren” möchten und gleichzeitig einen Anreiz erhalten, dass überhaupt jemand Wohnungen bauen will. Seitenbemerkung: Um die (zwingende) Logik von Unternehmern und privaten Vermietern zu verstehen, lohnt sich übrigens das eine oder andere Fachbuch….

        Ihre Aussage, dass sich Leute aus dem Mittelstand nichts leisten können, kann ich so nicht stehen lassen. Ich bin ein typisches Mittelstandskind und besitze inzwischen mehrere kleine Immobilien. Der Erwerb einer kleinen Immobilie für ca. 100.000€ läßt sich zu 70% von einer Bank finanzieren, die 30.000€ Eigenkapital kann sich ein Angestellter über ein paar Jahre ansparen, zudem gibt es unzählige Fördertöpfe. Für das Ansparen des Eigenkapitals muss man sich wie ich – und viele meiner Bekannter – dann im Zweifel auf der Konsumseite etwas zurücknehmen.

        Abschließend möchte ich auf Ihre Aussage eingehen, dass es den “Anhängern” des Mietendeckels reichen würde, da leben zu können, wo sie aufgewachsen sind. Für hunderttausende Menschen in Deutschland gehört das Umziehen in Deutschland zur Normalität. Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen, da musste man im Zuge des Strukturwandels “mal eben” von Dortmund nach Düsseldorf pendeln oder Essen-Süd nach Hannover umziehen, weil dort der neue Arbeitgeber sitzt. Ähnliches werden Ihnen Menschen aus dem Saarland, die neuen Ländern, Bremen und vielen anderen Regionen berichten können.

        Die Diskussion über das “Grundrecht auf bezahlbares Wohnen” ist gesellschaftlich sicherlich richtig und wichtig. Aber es kann kein Grundrecht auf “Wohnen im Penzlauer Berg oder Berlin Mitte” geben. Das wäre arrogant und reflektiert nicht ansatzweise die Flexibilität und Umstellungsbereitschaft, die von anderen Menschen in diesem Land im Rahmen des allgemeinen Strukturwandels gefordert wird.

        • Lieber Fabian Hoppe,
          danke für den Kommentar. Vielleicht kann man ihre rein privatwirtschaftliche Vermieterperspektive noch ein bisschen um Gemeinwohl- und gesamtökonomische Aspekte ergänzen? Wo fängt man da bitte an?

          “Die durchschnittlichen (!) Herstellungskosten (ohne Grunderwerbskosten) für einen Neubau in Berlin liegen für 2019 voraussichtlich bei 2916€ pro qm”

          Falsch, das sind die prognostizierten Herstellungkosten der übrigen regionalen WU, ohne die landeseigenen WU. Dort liegt der prognostizierte Schnitt bei 2.479 Euro dem / m² (Studie, S.24). Das ist im übrigen nicht nur verzerrend – sondern stark verzerrend weil die Landeseigenen einen Anteil von 80 Prozent an den untersuchten Wohneinheiten haben (Studie, S. 20). Ich denke sie sollten selber wissen wie ein Schnitt zwischen diesen beiden Werten gebildet wird.

          “Gleichzeitig berücksichtigt diese Zahl aber jeden bebauten qm (und damit auch Flächen, die nicht in die Flächenberechnung für Wohnungen einfliessen). Daher habe ich die Baukosten um 10% auf 3200€/qm aufgerundet”.

          Die Wohnflächenberechnung erfolgt mitunter auf sehr unterschiedlicher Grundlage. Je nach Anwendung sind die Flächen die sie meinen bereits enthalten. Für kommunale WU erscheint es grundsätzlich zweckmäßig an die Wohnflächenverordnung oder das Wohnfördergesetz zu halten, wobei es wieder landespezifische Abweichungen (Paragraph 19 WoFG) geben kann.

          Ich hab zur Anwendung des Begriffes Wohnfläche in der Studie nichts gefunden, wo ist die Grundlage pauschal 10% zu addieren?

          Gestatten sie der Vollständigkeit halber auch noch ein paar Bermerkungen zu dem extrem riskanten Lebenstil, den Vermieter nach Ihnen führen:

          “Vermieter trägt das Baurisiko (Kostensteigerungen, verspäteter Verzug, Mängel), (…)”

          Insofern nicht im Verantwortungsbereich des Vermieters besteht sich die Möglichtkeit, diese vertraglich abzusichern. Kostensteigerungen, die auf Fehlverhalten des Vermieters / Bauherren beruhen, sind ein “Risiko” das ein Vermieter / Bauherr selbst beeinflussen kann. Allgemeine Preisteigerungen sind problemlos auf Miete umzulegen.

          “das Finanzierungsrisiko (evtl. steigende Zinsen nach Ablauf Zinsbindung, Tilgungs- und Zinszahlung auch bei Mietausfall), (…)”

          Die Zinsen sind Bestandteil der freien Vertragsgestaltung mit der Bank, es liegt in der Entscheidung des Bauherren auch die vertragliche Zinsbindung nach gegenseitigen Ermessen und eigener Vorliebe zu wählen. Wie hoch liegt eigentlich die Wahrscheinlichkeit bei einem Mietausfall in den angespannten Städten?

          “das Risiko von vorzeitigen, nicht versicherbaren Schäden (Dach, Heizung, etc werden vor Ablauf der Afa-Zeiten fällig) (…)”

          Die aller meisten Schäden können über Versicherungen abgedeckt werden, die dann auf Miete umgelegt werden (Haftpflicht, Gebäudeversicherung). Auch hier wieder: Allgemeine Kostensteigerungen, die nicht das Fehlverhalten des Vermieters sind, können auf Mieten umgelegt werden. In angespannten Städten kann der Vermieter sogar sich eigenes Fehlverhalten bzgl. der Instandhaltung leisten und die Mieten trotzdem erhöhen.

          “und das Risiko der Wertminderung (soll es auch bei Immobilien geben)”
          Betrachten sie die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Immobilienpreise im Schnitt und die Immobilienpreisentwicklung in den Städten und erklären sie mir, wieso sie da nicht anfangen müssen zu lachen? Siehe z.b. (leider nicht frei verfügbar):
          https://de.statista.com/statistik/daten/studie/597304/umfrage/immobilienpreise-alle-baujahre-in-deutschland/

          Dahinter steht aber noch ein sonderbare Definition von Rendite. Für mich ist die Rendite was nach Abzug aller Kosten “übrig bleibt” (Nettorendite). Bei einer Jahresrendite von X% über einen langen Zeitraum zeigt sich ja, das die Immobilie offensichtlich nicht leersteht und von einem Tornado umgefegt wurde.

          “Mein Rechenbeispiel zeigt also eher, dass selbst bei dem in dieser Podcastreihe immer wieder als Lösung angebotenen “Pachtmodell für Böden” ein Bauen für eine Miete von 9,80€/qm nicht wirtschaftlich möglich ist.”

          Naja, es zeigt eigentlich vielmehr das im jetzigen anti-marktwirtschaftlichen weil strukturell nicht kompetetiven System der Wohnraumversorgung keine preiswerten Mieten möglich sind und man kreativ die Kosten für Wohnraum teuer rechnen kann. In anderen Strukturen sind Neubau Mieten von 7, 8 Euro kein Problem (Altbau 4,5), siehe z.b. kommunale WU, wie Wiener Wohnen und Genossenschaften. Wenn sie natürlich Wohnraum erstes an Investoren geben, und Bodenwerte privatisieren kommen sie bei den doppelten “Kosten” für Wohnraum an, die man ja an den Angebotsmieten für Neubau ablesen kann. Im übrigen steckt in den steigenden Herstellungskosten für Neubau auch die gestiegenen Lebenshaltungskosten der Hersteller (darunter nicht zu vernachlässigen die ständig steigenden Bodenkosten).

          Das interessante an Leuten die z.b. offen Subventionen (z.b. Wohngeld) oder Krediterleichterungen wünschen für Privateigentümer ist, das es vollkommen statistisch erwiesen ist das gemeinwirtschaftliche Modelle viel preiswerter Wohnen zur Verfügung stellen. Und dann gibt es tatsächlich Privateigentümer und börsennotierte Unternehmen, die sich als “die Wirtschaft” bezeichnen und gegen wirtschaftliche (Verhältnis Kosten zur Miete) Wohnraumversorgung agitieren.

          “Ich bin ein typisches Mittelstandskind und besitze inzwischen mehrere kleine Immobilien.”

          Nein, ohne den Wert zu kennen, sie sind aller Wahrscheinlichkeit nach kein typisches Mittelstandskind. Personen mit ihren Anzahl an Immobilien hatten höchstwahrscheinlich Bildung über dem Median und ein Einkommen über dem Median und eine Erbschaft über dem Median. Sie können ja dahingehend argumentieren das Wohnraum nach Möglichkeit in einem System hergestellt wird, wovon sie profitieren. Aber dann bitte auch reflektieren, das sie priviligiert sind und das die Rechnung ohne denjenigen der Mieten muss nicht aufgehen kann.

          Die Aussage mit den “Anhängern des Mietendeckels” (” weil heterogene Gruppe) bezieht sich auf die Praxis Bestand aufzukaufen und die Mietpreise zu erhöhen, wodurch sozio-könomische Strukturen zerstört werden. Das hat mit periodischen freiwilligen Umzug aufgrund wechselnder Lebensumstände nichts zu tun – das hat ja auch in Berlin früher sehr gut funktioniert. Die Aussage das “die Anhänger” zu Vermietern werden ist unsinnig aus ökonomischer Perspektive (denn wieso sollten Leute die selber teuer mieten müssen, an andere teuer vermieten?). Hier passt weder die finanzielle Möglichkeit (die ist durch überteuerte Wohnraumversorgung und Privatisierung ökonomischer Rente schlecht) noch das Modell zur Wohnraumversorgung.

          Anders ausgedrückt: Wer nicht mehr mieten kann, soll doch bitte selber Vermieter werden. “Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen.”

          Im übrigen fordert auch niemand das alle Menschen der Welt in Berlin Mitte wohnen können. Aber wieso Menschen verdrängt werden, obwohl es nicht gesamtökonomisch nicht wirtschaftlich ist, darf einen wundern.

        • Lieber Axre,

          vielen Dank für Ihre detaillierte Rückantwort – diese verdient sicherlich auch eine angemessene Replik. Da ich heute zeitlich eingebunden bin, bitte ich um etwas Geduld!

          Ihre zwei letzten Absätze finde ich aber so wichtig, dass auf die direkt eingehen möchte:

          “Anders ausgedrückt: Wer nicht mehr mieten kann, soll doch bitte selber
          Vermieter werden. “Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen.””

          Ich würde meine Aussage unter ein anderes Motto hängen: “Wer meint, etwas wäre doch ganz einfach, der soll es doch selbst mal versuchen”. Wichtig ist mir der Perspektivwechsel, hin zum Risikoträger, “Unternehmer” (im besten Sinne des Wortes “unternehmen”) und Wertschöpfer – und wenn auch nur in ganz kleinem Rahmen. Das wäre für viele Menschen möglich, entsprechende Statistiken suche ich für meine längere Antwort noch raus. Wenn mehr Menschen im Rahmen Ihrer Möglichkeiten am Wirtschaftsleben (hier der Mietmarkt) unternehmerisch teilhaben, dann steigt auch gesamtgesellschaftlich das Verständnis für “die Wirtschaft” (hier der Mietmarkt) sowie deren Mechanismen – und stärkt auch gleichzeitig der Einfluss der “Gesellschaft” auf das Wirtschaftssystem (hier der Mietmarkt).

          “Im übrigen fordert auch niemand das alle Menschen der Welt in Berlin Mitte
          wohnen können. Aber wieso Menschen verdrängt werden, obwohl es nicht
          gesamtökonomisch nicht wirtschaftlich ist, darf einen wundern.”

          Das ist eigentlich der Knack- und Kernpunkt der Diskussion und in der “Root Cause”-Analyse für die Wohnraummisere sind wir uns vermutlich einig: Wenn jahrzehntelang Politik gemacht wird, die Ballungsräume bevorzugt und ländliche bzw. kleinstädtische Räume benachteiligt, dann muss man sich nicht wundern, wenn Mieten, Infrastruktur, Luftqualität usw. in den Ballungszentren eine sehr ungesunde Schieflage einnehmen.

          Aktuell entstehen die Jobs sowie die Zentren des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens nun mal in Berlin, München und Hamburg – und das zieht die Menschen im Land an. Die “restlichen” Menschen in der Republik könnten sich jetzt genauso fragen, “warum dürfen die Alt-Berliner/Münchner/Hamburger von Jobs, Kulturangebot, hohem gesellschaftlichen Reiz UND niedrigen Mieten profitieren – und wir nicht?”. Nur weil man im richtigen Kiez geboren und aufgewachsen ist?

          Aber das oben angesprochene Kernproblem lösen wir alle zusammen nicht mal “eben”. Aber man könnte einfach mal anfangen es zu versuchen…..

          PS: Ich habe mal auf meinen eigenen Beitrag geantwortet, da ich auf ihren Kommentar nicht nochmals antworten konnte.

  15. Hallo zusammen,

    ich fand das Interview mit Herr Luczak sehr interessant, frage mich jetzt im Nachgang, ob ich in einer Blase lebe oder der Herr Luczak. Beispiel Mietendeckel. Die Sicht von Herrn Luczak ist wie ich es verstanden habe wie folgt:
    1. Mietendeckel ist verfassungswidrig
    2. Mietendeckel schadet, da keine Neuinvestitionen mehr getätigt werden
    3. Das impliziert, dass für die Mieten im Mietendeckel ein Wohnungsbau selbst mit kleinen Gewinnraten von 2-3% nicht möglich ist
    4. Der Mietendeckel ist auch unnötigt, da der Bund “seine Hausaufgaben gemacht hat”
    5. Es gibt aber ein paar schwarze Schafe, wobei ich nicht verstanden habe was genau sich dahinter verbergen soll

    Ich persönlich hatte bisher den Eindruck, dass es eher so aussieht.
    1. Es gibt viele Investoren im Bereich Wohnungsbau, da die Renditen dort so hoch sind
    2. Die Mieten steigen und auch Grundstückspreise und Gebäudepreise (Bruchbuden ausgenommen)
    3. Viele Leute beschweren sich über zu hohe Mieten
    4. Der Bund reagiert mit Mietpreisbremse und anderen Werkzeugen
    5. Die Mieten steigen trotzdem weiter
    6. Die Leute hören alles mögliche was der Staat tut, merken aber, dass sie immer weniger Geld über haben
    7. Es wird der Mietendeckel eingeführt, um zu verhindern, dass komische Parteien gewählt werden, die alles anders machen (aber nicht besser)

    Meiner Meinung nach ist das essentielle Instrument gegen die AfD ein sozialer Ausgleich. Ja das heißt, dass Leute mit Geld denen mit wenig oder keinem Geld was abgeben müssen und statt wegnehmen (Enteignung) ist eine niedrigere Rendite meiner Meinung nach die sanftere Methode. Schließlich darf man auch nicht vergessen, der kleine Handwerker mit zwei kleinen Häuschen in Berlin ist ein Millionär!

    Bei der Miete bin ich mir nicht sicher wer in der Blase lebt, aber bei der Nebentätigkeit hab ich doch stark schlucken müssen wie sehr sich der Hr. Luczak das schön geredet hat. Ja, er ist dadurch unabhängiger und zwar unabhängiger von seinem Bundesttagsmandat. Finde ich als Bürger nicht positiv. Vor allem finde ich die Aussage dahinter extrem prekär, denn er hat ja Angst bei Verlust des Mandates auf der Straße zu stehen. Wir leben in einem Sozialstaat, sind dessen Leistungen unzureichend? Zumindest sieht Hr. Luczak sie als für sich als so gering an, dass er einer Nebentätigkeit nachgeht.
    Vor allem ist mir aber gar nicht klar, wie das überhaupt gehen soll. Nebentätigkeit ist im öffentlichen Dienst meistens auf 8 Stunden/Woche begrenzt. Was soll denn jemand da realistisch für Projekte/Arbeiten machen? Hilfsarbeiten bei vollem Anwaltsgehalt? Vor allem jemand der zu normalen Bürozeiten eh unterwegs ist und erst um 22h nach Hause kommt. Es gibt Ausnahmen wie z. B. Professoren die durch ihre lange wissenschaftliche Tätigkeit einem in ein paar Stunden mehr sagen können als X Mitarbeiter in einem Jahr, da kann ich mir sowas vorstellen. Aber wenn ich mich fragen was das spezielle Wissen eines Bundestagsabgeordneten ist…

    Trotzdem fand ich es schön auch mal diese Seite gehört zu haben, auch wenn ich mich mit ihr nicht so richtig anfreunden kann.

    • Lieber Florian,

      ich würde gerne Ihren Ausführungen folgende Kommentare zufügen:

      3. Das impliziert, dass für die Mieten im Mietendeckel ein Wohnungsbau selbst mit kleinen Gewinnraten von 2-3% nicht möglich ist

      Der Mietendeckel erlaubt in Berlin nach meinen groben Kalkulationen ca. 3% Mietzins vor Steuern. Aber für den Rohertrag wird niemand mehr neu bauen! Ein Unternehmer wird muss sich immer um einen Ausgleich von Risiko und Rendite bemühen müssen – und für 2-3% Mietzins (das ist ja noch nicht die Rendite) das Risiko einer Vermietungstätigkeit, insbesonderer einer Bautätigkeit nicht eingehen. Es wird auch andersherum nicht funktionieren: Warum sollte jemand sein mühsam angespartes Kapital in Berlin investieren, wenn ich in anderen Städten bei gleichem Risikoprofil das Doppelte an Rendite bekomme.

      2. Die Mieten steigen und auch Grundstückspreise und Gebäudepreise (Bruchbuden ausgenommen)

      Naja, wenn man sich mal den Endbericht zur Neubaukostenentwicklung der Stadtentwicklung Berlin auf Seite 23 anschaut, dann sind die Neubaukosten seit 2000 um 55% gestiegen. Davon entfallen 36% auf die Baukostensteigerung und 19% auf zusätzliche staatliche Bauanforderungen. In der gleichen Zeit stiegen die allgemeinen Lebenshaltungskosten auch um 28%. Völlig logisch, dass damit die Erstbezugsmieten steigen und aus 10€/qm mal eben 15€/qm werden. Gleichzeitig möchten Vermieter Ihre Mieteinnahmen mindestens mal entlang der Inflation steigern (denn die Kosten des Vermieters steigen ja auch mit der Inflation), so dass aus den 6€/qm im Jahr 2000 mal eben 8-9€/qm in 2017 werden (oder eben 9€/qm in 2000 mal eben 12€/qm in 2017).

      Ich habe leider keine Zeitreihen für die Reallohnentwicklung in Berlin seit 2000 gefunden, aber die Reallohnsteigerung lag seit 2017 übrigens bei über 3,5% pro Jahr – also weit über der Inflationsrate.

      4. Der Bund reagiert mit Mietpreisbremse und anderen Werkzeugen
      5. Die Mieten steigen trotzdem weiter

      Wenn man sieht, dass seit 2010 jährlich mehr als 40.000 Mensch nach Berlin ziehen und somit über 20.000 zusätzliche Wohnungen pro Jahr gebaut werden müssten, gleichzeitig aber laut IBB Wohnungsmarktbericht bis 2016 nur weniger als 10.000 Wohnungen pro Jahr gebaut wurden, wird klar, warum die Mieten noch höher steigen: Wo die Nachfrage das Angebot so stark übersteigt, da steigen die Preise.

      Der Mietendeckel ist die falsche Antwort auf das Problem. Wir brauchen mehr Neubau – aber dazu gibt es bislang kaum Lösungsvorschläge. Ich – als einer dieser “bösen” Investoren (ich habe über die Jahre fünf kleine/mittlere Wohnungen gebaut, erworben und zum Teil kernsaniert), werde sicherlich mein nächstes Bauprojekt nicht in Berlin angehen.

      • Lieber Fabian,

        dass Du dein nächstes Bauprojekt nicht in Berlin angehst ist völlig nachvollziebar. Das ist ein Punkt der völlig richtig ist und den ich in meiner Argumentation nicht hatte. Eine “schnelle” Lösung wäre, wenn von staatlicher Seite aus Wohnungen gebaut werden und zwar im großen Stil. Aber wenn ich da an so einen Flughafen denke…

        Ich halte Dich oder andere Investoren nicht pauschal für “böse”, ich würde sogar vermuten, dass ich mich an Eurer Stelle ähnlich verhalten würde. Die Problematik ist meiner Meinung nach kurz, verallgemeinert und pauschal gesagt, wenn du eine Immobilie hast, wirft die Gewinn ab und du kaufst von dem Gewinn weitere dazu. Hast du keine Immobilie, wirst du dir auch nie eine leisten können, da Arbeit vom Entgeld meist nicht mit einer Immobilie konkurieren kann.

        Viele Grüße
        Florian

      • Lieber Fabian Hoppe,

        es gibt viele Leute die behaupten “Bauen, Bauen, Bauen” im jetzigen System der Wohnraumversorgung würde die jetzigen strukturellen Probleme (Bodenrente, Finanzialisierung) lösen. Ich habe noch keine einzige Studie gefunden, die den Nachweis erbracht hat das jetziger Neubau ( = teurer Neubau) etwas zur Lösung beiträgt.

        Das wissen natürlich auch Investoren, die natürlich dort Immobilien aufkaufen, wo die wirtschaftliche Entwicklung absehbar gut ist (steigende Kaufkraft). Studie zu 80 deutschen Städten:
        “(…) der Umfang der Fertigstellungen neuer Wohnflächen und Wohneinheiten sowie die Baugenehmigungen korrelieren positiv mit steigenden Mietpreisen. (…) ”
        https://www.empira.ch/de/aktuelles-leser/items/einflussfaktoren-von-wohnungsmieten

        Ist auch recht einfach zu verstehen. Wer verhätlnismäßig billige Wohnungen aufkauft um sie teuer zu vermieten und gleichzeitig im selbigen System nur sehr teuer baut, lässt Mieten steigen. Empirisch muss man eher vom “Bitte teuer Bauen”-Argument sprechen.

  16. Wollte nur sagen, dass beide Interviews exzellent waren. Und gut, dass ihr Gegenmeinungen zu Wort kommen lasst.

  17. Hallo ihr beiden,
    ich fand das Interview mit Herrn Luczak deutlich interessanter als das in Folge 164. Das liegt vermutlich daran, dass hier der Berlinbezug ein wenig kürzer treten musste. Für mich als Hannoveraner deutlich ansprechender ;-)
    Ich fand es gut, dass ihr viel miteinander diskutieren konntet (Links vs. Konservative Positionen), was mir manchmal im Podcast etwas kurz kommt -> Daher gerne mehr davon!
    Mich persönlich würde es freuen, wenn ihr in der nächsten Folge nocheinmal die Lobbyismusgedanken Luczaks näher beleuchtet. Über dieses bedeutende Thema dachte ich nämlich bisher eher so wie ihr. Die Argumentation des CDU-Politikers hörte sich jedoch auch für mich (größtenteils) schlüssig an.

    Tolle Folge, toller Podcast, wir sehen uns in Hannover!

  18. Ich fand das Interview verblüffend und argumentativ kontrovers zu vielerlei Ansichten die Ihr in vorherigen Lagen erörtert habt. Insofern habe ich mich gefreut, dass Ihr Euch auch damit aus einander gesetzt habt. Ein wenig verwundert hat mich, dass Ihr argumentativ relativ wenig Kontra gegeben habt. Auf der anderen Seite hätte das vermutlich den Gesprächsfluss unterbrochen, welchen ich persönlich insgesamt als sehr gelungen empfunden habe.

    Was ich schade finde ist, dass Ihr nach wie vor immer noch auf dem Mietendeckel rumkloppt. Jetzt lasst doch mal gut sein. Der Mietendeckel ist ein reines Berlin Thema und ja, es kann irgendwann auch auf andere Städte in Deutschland über schwappen, aber aktuell kann spielt dieses Lied nur in Berlin und ihr habt in den vergangenen Lagen inzwischen SO viele Stunden für ein stadt-regionales Thema aufgewendet, dass ich als Interessent an der Lage der NATION inhaltlich gar nicht mehr ausreichend (via Euch) informiert fühle. Damit möchte ich nicht meine Eigenverantwortung mich zu informieren abwälzen, aber ich fand das bisher immer so toll an Euch und nun geht’s immer und immer wieder um dieses eine Projekt. Gut jetzt!
    Was gibt’s Neues im Iran Konflikt? Was passiert in Nordsyrien bzw. was passiert aktuell mit der Nato? Wie ordnet ihr deren bisherige Bilanz ein? Ist sie ein Verteidigungs- oder Angriffspakt? Was gibt’s Neues von AKK oder C02-Scheuer etc. etc. es gibt wichtigere Dinge als den Mietendeckel. Danke Euch. :-*

    • Jan Marco Luczak ist nun mal der Mietenexperte der Union – ist doch klar, dass wir sein wichtigstes Thema auch mit ihm diskutieren.

  19. Ich fand es auch erstaunlich bis erschreckend, wie unwidersprochen der Gast das Problem des Lobbyismus herunterspielen und kleinreden durfte. Die Deutsche Umwelthilfe hat ihre Ziele nicht durch ihre Lautstärke im Konzert der Lobbyisten erreicht, sondern ausschließlich juristisch vor Gericht. Auch das vermeintliche Gewicht von z.B. Attac und anderen NGOs im Lobbyismus kann ich als Laie nicht erkennen. Ich hätte mir kritischeres Nachfragen gewünscht. Ansonsten sind beide Interviews interessante Gespräche, natürlich mit Berlin-Bezug. Danke!

  20. Ich fand interessant, dass die Verfassungsmäßigkeit des Mietendeckels scheinbar nur eine Mindermeinung unter den Juristen ist. Das hättet Ihr eigentlich auch einmal erwähnen können. Insbesondere das Zitat von Herrn Papier war doch ziemlich eindeutig. An anderer Stelle habt Ihr juristische Einschätzungen von Papier öfters zitiert. Alles in allem ein gutes Interview mit einem fachlich kompetenten und ehrlichen Gesprächspartner. Die Häme, die sich in den Kommentaren hier über Ihn ergießt ist für mich nicht nachvollziehbar. Etwa mehr Bezug auf die Gebiete außerhalb Berlins hätte ich mir gewünscht. Das war streckenweise eher die “Lage von Berlin” als “die Lage der Nation”. Wo ich wohne (im Ruhrgebiet) sind steigende Mieten kein Problem. Inflationsbereinigt würde ich sagen sie sinken hier eher.

    • Gerade mal nur die Kurzfassung meiner Gedanken zu Ihrer Kritik: Die Kritiker halten den MD insbesondere aufgrund fehlender Gesetzgebungskompetenz für verfassungswidrig. Zum Rest äußern sich diese Juristen aber kaum. Herr Papier wurde von einem Vermieterverband beauftragt. Naja,dann sag ich: die Juristen im Berliner senat sehen das alles wohl anders. Immernoch Mindermeinung? Und Sie liefern doch das beste Beispiel,warum eine formelle Verfassungsmäßigkeit schade und komisch wäre. Wenn Städte wie Berlin,Hamburg,FFM so einen Mietendeckel wollen oder brauchen,warum sollen sie sich dann Zustimmung holen aus Gebieten,in denen der Mietpreis sinkt,wie bei Ihnen? Das wäre die konsequenz einer Bundeskompetenz.

  21. Hallo ihr beiden,

    da dies mein erster Kommentar ist, wollte ich euch generell mal meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen. Ihr leistet sehr viel in der Vorbereitung, seid immer wieder auch fähig Positionen zu überprüfen und findet Wege auch komplexe Themen greifbar zu erklären. Danke dafür.

    Zur aktuellen Sendung (ich bin noch gar nicht komplett durch): Ich finde auch, Herr Luczak laviert sehr viel und versucht auf teils ulkige (aber aus seiner Sicht nachvollziehbare) Weise Dinge einzuordnen. Etwa die Sache mit dem Lobbyismus. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich Interessen eines Unternehmens vertrete oder einer NGO (der meisten NGO). Selbstverständlich ist auch letzte am eigenen Fortbestand interessiert, aber sie verteibt kein Produkt und ist nicht auf maximalen Profit aus. Es sind oft Probleme, von deren Lösung alle Menschen (in ihrer Rolle als Menschen) profitieren, siehe Foodwatch, BUND etc. Und nach meiner Kenntnis ist etwa die Deutsche Umwelthilfe derart wirkungsmächtig (wie Herr Luczak sagt), weil sie die Umsetzung bestehender Gesetze und Verordnungen einklagt. Nicht, weil sie die besonders gut via Lobbyarbeit verkauft, sondern weil darauf hingewiesen wird, dass sich der Gesetzgeber oder Unternehmen nicht an bestehendes Recht halten. Gerichte prüfen dies und haben in nicht wenigen Fällen der DUH recht gegeben. Wie kann Herr Luczak dies etwa mit Lobbyarbeit von Autokonzernen gleichsetzen? Eine sehr fragwürdige Position.

    Zum Thema Mieten: Mich hätte bei seiner netten Geschichte von den 1300 Wohnungsinteressenten mal interessiert, ob der Quadratmeterpreis dort eher bei sieben oder eher bei 15 Euro gelegen hat. Denn das eine hat direkt mit dem anderen zu tun. Aufgrund der Tatsache, dass in den zurückliegenden mindestens anderthalb Jahrzehnten besonders massiv im gehobenen Preissegment gebaut worden ist (ich meine, dass aktuell bei Bauaufträgen Wohnungseigentum 50 Prozent aumacht), führt dazu, dass sich die Interessentenzahlen bei günstigen Mietwohnungen derart entwickelt haben. Oder will Herr Luczak allen Ernstes behaupten, bei Eigentumswohnungen oder Mietwohnungen mit Quadratmeterpreisen jenseits der zwölf oder 15 Euro stünden ähnlich viele Interessenten vor den Türen? Ich hoffe nicht, denn dies entspräche nicht den Tatsachen.
    Und, seine Rechnung zum Potenzial des Tempelhofer Feldes versehe ich mal mit einem dicken Fragezeichen. Er sprach von 6000 bis 10000 Wohnungen und 20000 bis 25000 Menschen, die dort ein Dach über dem Kopf bekämen. Nach meiner Kenntnis wohnen in einem Berliner Durchschnittshaushalt 1,7 Menschen. Hochgerechnet bedeuteten diese dann auf dem Tempelhofer Feld eben 10200 bis 17000 Menschen. Natürlich ist die Zahl noch immer erheblich, aber dennoch deutlich unter der Behauptung Luczaks. Man sieht, dass nicht nur der Senat sich der Übertreibung bedient. Zudem muss Luczak konstatieren, dass es nur ein Tempelhofer Feld gibt. Oft wurde im Vorfeld der Abstimmung jedoch suggeriert, dass in dessen Bebauung der Schlüssel zur Lösung der Wohnungsproblematik in Berlin läge. Das stimmt mitnichten. Und, es stünde eher zu befürchten, dass wenn es zur Randbebauung kommt und die Wohnungsproblematik kein Ende findet, es nur noch ein kleiner Schritt zur vollständigen Bebauung des TF ist. In der Stadt fehlen vor allem bezahlbare Flächen, über die die Bezirke bzw. das Land verfügen können. Das ist ein Kernproblem, alle möglichen bürokratischen Hürden mal außer Acht lassend.

  22. Es würde wohl dieses Eingabefeld sprengen, wenn ich alle meine Gedanken hier reinschreiben würde… daher beschränke ich mich jetzt mal auf das Thema Lobbyisten:
    Euer Gast hat ja fleißig betont, nie zu irgendetwas gedrängt worden zu sein, aber mir ist das mit dem vielleicht eher unterschwelligen Lobbyismus zu kurz gekommen. Man hat ja z.B. in der Vergangenheit immer wieder mal gehört, dass externe Berater, die durchaus eine bestimmte Branche vertreten, an Gesetzesentwürfen mitarbeiten, deren Ergebnisse quasi im Wortlaut in den Gesetzestext einfließen und dass diese Gesetze dann entsprechend diese Branchen bevorteilen… und das ist etwas, was meiner Meinung nach absolut nicht akzeptabel ist.
    Nein, ich habe aktuell kein Beispiel im Kopf, kann mich aber an mehrere solche Meldungen in der Vergangenheit erinnern….

  23. Moin aus dem Flugzeug auf dem Weg nach Hongkong an euch beide!habe gerade die Folge gehört und finde Herr Luczak hat sich über die gesamte Sendung immer wieder herausgeredet, ist von Thema abgewichen und hat im typischen Politikersprech im ersten Halbsatz auf eure Fragen geantwortet und hat dann die typischen Nebelbomben geworfen….
    Da hätte ich mir etwas mehr Vehemenz von euch beiden gewünscht!

    Vg Frank

    • So sind die Politiker nunmal ;-)
      Und wenn die beiden Gastgeber auch in Zukunft mal den einen oder anderen Politiker als Gast haben wollen, werden sie wohl nicht die härteste Gangart wählen dürfen…

    • Guten Morgen aus dem Zug nach Hamburg, ich habe nach 20 min abschalten müssen. Habe immer nur gehört, “Ich mache sowas nicht, das mag sein das Sie das bei anderen so gesehen haben, aber ich bin ein aufrechter, ehrlicher Politiker, mitten aus dem Volk und finde mein Verhalten völlig normal und Ihre Fragen sind sehr abwegig” Die Antworten hätten von jedem x-beliebigen Politiker genauso kommen können und ich bin enttäuscht von der Haltung, alles ist gut so, so ist das System und ich kann ja nichts dafür. Wir machen weiter wie bisher.

  24. Ich wollte euch ein großes Lob für diese Folge aussprechen! Ich fands wirklich super spannend wie die unterschiedlichen Standpunkte gemeinsam diskutiert wurden. Man muss ja nicht immer allem zustimmen was ein anderer sagt, aber zu einer guten Demokratie gehören eben viele Meinungen. Eine solche Vielfalt hatte mir (in letzter Zeit) in eurem Podcast etwas gefehlt. Also vielen lieben Dank für diese Folge, ich hoffe es gibt weitere dieser Art! :)

  25. Ich fand es sehr lustig, dass er meinte, dass der Mietendeckel jetzt die Investoren abschreckt. Als ob die Investoren bis dahin sozialen Wohnungsbau betrieben hätten.

    Die Argumentation: “Mehr Bauen für bezahlbare Wohnungen” ist durchaus diskutabel. Es wird in London seit Jahrzehnten mehr gebaut und trotzdem wird das Wohnen da immer teurer. Hier ist auch eine gute Folge vom Deutschlandfunk dazu: https://www.deutschlandfunkkultur.de/wohnungsmangel-bauboom-ist-die-falsche-antwort.1005.de.html?dram:article_id=454502

    Das könnte man vielleicht öfter mal als Gegenargument erwähnen und das Statement nicht so stehen lassen.

    Und dass der Handwerksmeister mit seinen zwei Eigentumswohnungen jetzt Pobleme mit dem Mietendeckel hat, obwohl er moderate Mieten verlangt, versteh ich nicht. Wenn die Mieten ok sind, dann greift doch der Mietendeckel nicht.

    Ansonsten ist der Herr Luczak auch öfter mal euren Fragen ausgewichen, auch ganz interessant zu hören, wie Politiker auf unangenehme Fragen reagieren.

    Danke für die Folge!

  26. 26. November 2019 um 0:24 Uhr
    Roland Behmenburg

    Hallo LdN,

    das war mal wieder ein sehr interessanter Podcast.
    Auch wenn ich nicht immer der Ansicht von Herrn Luczak bin, finde ich es sehr interessant auch einmal die Positionen der CDU etwas ausführlicher zu hören … und Herr Luczak hat diese sehr intelligent und eloquent vorgetragen.

    Zum Thema “Die Linke”: Jetzt bin ich in der Tat ein massiv im Westen sozialisierter Bundesbürger, aber ich kann sehr gut verstehen, dass die CDU eine Zusammenarbeit mit “Die Linke” ablehnt – die DDR war meiner unmaßgeblichen Meinung nach ein Unrechtsstaat (man nehme nur das Stichwort “Mauer” … Leute zu erschießen, weil sie von Ost-Berlin nach West-Berlin wollten!!!) und jemand oder große Gruppen innerhalb einer Partei, die dies bis heute nicht akzeptieren oder sagen können, sind dann nun mal für eine bürgerliche Partei wie die CDU kein Koalitionspartner! … und das ist auch gut so! Wenn soll ich denn sonst noch wählen, wenn ich “Die Linke” nicht an der Regierung sehen will?

    • Die CDU soll mal nicht so scheinheilig tun – die hat das damals alles mitgetragen. Außer den Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch.

  27. Vielen Dank für diese unglaublich spannende folge! Ich finde es für den persönlichen Erkenntnisgewinn ungemein wertvoll, wenn Argumente und Ansichten auf dieser sachlichen und respektvollen Ebene ausgetauscht werden. (Im Vergleich dazu ist das Phrasen-Gedresche der meisten Polit-Talkshows im TV kaum mehr auszuhalten.) Eure Bemühungen in Euren Analysen ein möglichst umfassendes Bild der Positionen zu einem Thema zu zeichnen in allen Ehren, aber ein kontroverser Austausch wie hier mit Herrn Luczak fügt dem noch so viele weitere interessante Facetten hinzu. Ich weiß, dass ihr versucht die Folgen nicht zu lange werden zu lassen, aber nach meinem Geschmack hättet ihr auch noch deutlich öfter in die argumentative Auseinandersetzung gehen können, auch wenn die Lage dann 2 Stunden dauert. (die Woche bis zur nächsten Folge ist eh lang genug ;-)

    Und natürlich lässt sich dieses Format nicht zu jedem Thema und in jeder Lage realisieren, aber als Ergänzung finde ich es sehr bereichernd. Bitte mehr davon!

  28. Sehr interessantes Interview, gerade um die Position der CDU kennenzulernen. Vielen Dank euch dreien!
    Leider aber auch wieder explizit bestätigt bekommen, in den letzten Minuten des Podcasts, daß von der CDU in Bezug auf Die Linke nichts zu erwarten ist. Wohl auch in den nächsten 30 Jahren. Meinem Eindruck nach kommt die vollständige Ablehnung einem Glaubensbekenntnis gleich: Faktisch kaum zu untermauern, aber mit vollster Inbrunst vorgetragen.

    • Moin Jens,

      das finde ich auch durchaus vernünftig so – man kann ja von der CDU und der Linken halten, was man möchte, aber man muss doch irgendwie auch noch eine thematische Positionierung erkennen können. Ansonsten werden Wahlen doch irgendwann auch lächerlich.

      Wenn die CDU nun sagen würde, dass für sie auch eine Koalition mit den Linken möglich sei – wie soll ich denn dann überhaupt noch wählen ?!
      Als Wähler der Linken will ich doch nicht, dass die CSU wieder das Landwirtschaftsministerium besetzen darf und als CSU-Wähler will ich doch auch nicht, dass die Linken den Wirtschaftsminister stellen.
      Diese Differenzierung in den Positionen ist schon notwendig, ansonsten führen wir die Veröffentlichung von Wahlprogrammen doch auch ad-absurdum.

  29. Moin,

    aus aktuellem Anlass ein Gedanke zum Thema Miete, der mir persönlich gerade sauer aufstößt: Ich ziehe berufsbedingt um, bin aber an die Kündigungsfrist von drei Monaten gebunden. Klassischerweise (war zumindest immer bei mir so) vergehen von der Unterschrift unter einem neuen Arbeitsvertrag bis zum Stellenantritt weniger als drei Monate. Ich ziehe also jetzt um, danach steht meine Wohnung zentral in Hamburg zwei Monate leer, obwohl diese dem Mietmarkt ohne Probleme schon wieder zugeführt werden könnte. Gerade zu Zeitpunkten, in denen viele Menschen wohnungssuchend sind, bspw. Semsterwechsel, führt die Bequemlichkeit der Vermieter dazu, dass zusätzlicher Druck in den Mietmarkt kommt.
    Dass man nicht von heute auf morgen den Vertrag kündigen kann, ist mir klar, schließlich braucht auch der Vermieter einen gewissen Vorlauf. Aber gerade bei größeren Immobilienfirmen, die standardisierte Mietverträge nutzen, an denen der Mieter faktisch eh keine Änderungswünsche geltend machen kann, halte ich den Aufwand für vertretbar, einfach die Kündigungsfristen zu verkürzen um Wohnungen schneller wieder verfügbar zu machen

      • Funktioniert nur, wenn der Vermieter mitspielt. Der hat daran aber gar kein eigenes Interesse, er bekommt die Kohle ja so oder so.

        • Der kann daran durchaus ein Interesse haben – wenn er nämlich früher einen höheren Mietzins erzielt und/oder keinen Lehrstand hinnehmen muss. Alles Verhandlungssache. In Berlin gehen die meisten Wohnungen inzwischen im Bekanntenkreis weg.

        • Der Köder, der üblicherweise bei Privatvermietern am besten funktioniert, ist: “Du lässt mich früher raus, ich such dir gratis nen Nachmieter auf ImmoScout”. Seit die Vermieter die Mietersuche nicht mehr kostenfrei (für sie zumindest) auf ein Heer von Maklern auslagern können, bleibt diese lästige Pflicht nämlich an ihnen kleben, bzw. im Fall des Einsatzes eines Maklers die lästigen Maklerkosten. Da kommt ein Mieter, der die Wohnung eh kennt und Besichtigungen durchführen kann, gerade recht. In Großstädten ist auch nicht mehr wie eine wenige Tage laufende ImmoScout-Anzeige plus ein paar Stunden Leute in der Wohnung rumführen erforderlich, dann hat man in der Regel mehrere qualifizierte Kandidaten, die gern schon nächsten Monat einziehen würden, unter denen der Vermieter dann wählen kann.

          Vernünftige Vermieter sind für sowas in der Regel offen, denn es ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

  30. Weil ihr in dieser und der letzten Episode der Lage gefragt habt welche Rolle Podcasts in der Politik und der Berichterstattung spielen wollte ich Euch mal das gleiche fragen. Wie nutzt ihr denn Podcasts um euch ggf. auch über Nische. zu informieren?
    Ein Nischenangebot was ich sehr ambitioniert finde und gleichzeitig beeindruckend gute Politikberichterstattung ist: Podcast zur Berateraffäre. Dort wird jede Bundestagssitzung dazu begleitet und vier Politiker und Abgeordnete nutzen diesen Podcast um ihre Politik darüber zu kommunizieren. Beeindruckend was die Jungs da aufgebaut haben!
    Berateraffäre.de

  31. Ich fand die Folge mit dem Interview des CDU Bundestagesabgeordneten sehr interessant. Ich wohne im eigenen Haus am Rand von Berlin, arbeite aber in Berlin und kenne die Mietprobleme von vielen Gespächen. Ich fand deshalb Ihre Betrachtungen dazu immer gut. Nun eine andere Meinung, die mir wieder gezeigt hat, die CDU kann ich nie wählen. Vielen Dank!

  32. Dass ausgerechnet jemand von der CDU sich nicht zu schade ist, zu behaupten die Linke würde Angst verbreiten ist ja ein starkes Stück. CDU Fraktionschef Burkhard Dregger hat ja selber angesagt, dass die CDU auf Angstmache setzt: “Den Grünen ist das Geschäft mit der Angst am besten gelungen. Sie haben die Angst vor dem Klimawandel in Zustimmung ummünzen können”, erklärte er. “Diese Ängste haben gerade im Endspurt des Wahlkampfes die Ängste vor Terror und Kriminalität übertroffen.” (https://www.rbb24.de/politik/wahl/Europawahl/beitraege/europawahl-in-berlin-ergebnisse-und-reaktionen.html)

  33. Die Werbung in dieser Folge ist m. E. besonders unschön – insb. wegen der Erwähnung, dass die Anlagen von Menschen statt von Maschinen gemanagt werden.
    Nun ist es so, dass dabei in der Regel relativ hohe Gebühren anfallen und die Performance häufig schlechter ist. Z. B. sind Indexfonds in der Regel besser als aktiv gemanagte Fonds (eine Anfrage in einer Suchmaschine liefert entsprechende Artikel).

    • Wir suchen die Werbung ja auch nicht aus, sondern lassen das ganz bewusst eine Agentur für uns machen, damit Inhalte und Werbung strikt getrennt bleiben.

      • Ich höre euch erst seit etwa einem halben Jahr, daher sorry, wenn hier nichts Neues kommt. Ich finde ihr bewegt euch da in einem recht interessanten Spannungsfeld mit der Werbung. Einerseits erwähnt ihr recht oft, dass ihr die Werbung nicht selbst aussucht, andererseits bezahlt beim native advertising der Kunde doch auch gerade für den Eindruck, die Empfehlung komme von euch selbst, und für die damit verbundene emotionale Wirkung. Daher sehe ich das auch recht kritisch, andererseits freue ich mich natürlich, dass ich und andere mit geringem Einkommen diesen schönen Podcast kostenlos hören können, danke dafür! Die Werbung ist ja auch offensichtlich gekennzeichnet, in sofern in Ordnung, glaube nur solange ihr die Werbung selbst vorlest werdet ihr euch trotzdem noch öfter für deren Inhalte so wie hier “rechtfertigen” müssen, obwohl die gar nicht von euch stammen.

  34. Ein sehr später Nachtrag zum Aufruf, mit SUV-Besitzern zu sprechen:
    Ich fand das eine neue Idee, spannend und es hat mich in den Wochen danach ziemlich beschäftigt. Ein Aspekt: der Autokauf findet recht selten statt, i.A. vielleicht alle 5-15 Jahre nur. Bis jemand mit einem (zumeist neuen) SUV überlegt, welches Auto das nächste ist, ist ziemlich weit weg vom heutigen Zeitpunkt des Gesprächs mit mir als fremder Person. Das ist also dezidiert anders als z.B. die Frage, ob ich nicht auch in Zukunft *jede Woche* die Schoko kaufe, bei der es keine Slavenarbeit/Kinderarbeit gibt (plakatives Beispiel).
    Aus dieser Perspektive heraus frage ich mich, ob wir nicht besser beraten sind, anstatt mit Fremden zu sprechen — die wir ja i.A. auch nur einmal treffen, da müssen wir alles geben und sind eher aufgeregt, weil es fremde Personen sind — das Thema eher im Familien- und näheren Bekanntenkreis anzusprechen. Man kann es ja auch fragend ansprechen, sowas wie dass die Klimadebatte vor ein paar Jahren ja noch sehr klein war (null Fragen in den USPräsenidenschaftswahlkampfTVdebatten), und eben auch zu Fragen wie privater Konsum (Fernflugreisen, Auto, etc.) … “glaubst Du, dass beim Autokauf manche Leute*/Du/… solche Aspekte zukünftig zumindest bedenken, wenns um das nächste Auto geht, gerade wenn man selbst Kinder hat?”
    Man muss ja auch keinen Streit vom Zaun brechen, gerade wenn der nächste Autokauf ja noch weit weg ist. Aber einfach die offene Frage in den Raum zu stellen, gar nicht unbedingt personalisiert oder mit einem “Du solltest …!!!” verbunden, führt vielleicht auf Dauer schon dazu, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Person sich selbst, im Privaten, ohne sich vor Anderen schämen/rechtfertigen zu müssen, zumindest die Frage mal stellt bzw. die Frage aus dem Unterbewusstsein hochkommt.

    Das Private ist eben politisch. ;)

    * In der Surveyforschung gibt es Ergebnisse dazu, dass sozial Unerwünschtes/Stigmatisierendes/… eher berichtet wird, wenn man Leute nicht direkt frägt, ob sie es selbst tun, sondern wenn man nach der Inzidenz im näheren Umfeld frägt.

  35. Wie zu einer vorigen Folge geschrieben: Lage Spezial/Extra sehr gerne, insbesondere zur Schwerpunktsetzung (Ihr könnt nicht jede Woche jedes Thema vollumfänglich behandeln) und gerne mit Euch beiden; aber ehrlich gesagt: zumindest i.A. etwas lieber mit ExpertInnen (dann wohl meist aus der Wissenschaft), gerne auch gleichzeitig mehrere solche aus/mit unterschiedlichen Disziplinen/Perspektiven/Herangehensweisen/Meinungen.

    Weiß das Experiment sehr zu schätzen — so eine Medienradioisierung mancher LdN-Ausgaben finde ich schon sehr verlockend! — und finde es schön, dass es geklappt hat; wenn man anständig miteinander reden kann, ist das ja schon mal was Gutes. :)

  36. zur Meinungsfreiheit (LdN LdN164), spezifisch im (sozialen) Netz, eine interessante Formulierung:
    “It would be good to remind them that free speech does not mean *free reach*. There is no right to algorithmic amplification.” [1]
    Ich erlaube mir eine Analogie: ich darf natürlich meine Meinung frei bilden und frei äußern; ich habe aber kein Anrecht darauf, dass z.B. Verlag X meine Worte als Buch drucken und veröffentlichen muss. Ich habe auch keinen Anspruch darauf, dass wenn ich an der Straßenecke einen Vortrag halte, jedeR Vorbeikommende mir zuhören muss.

    [1] Renee DiResta, https://www.wired.com/story/free-speech-is-not-the-same-as-free-reach/ , gefunden via https://netzpolitik.org/2019/nicht-inhalte-regulieren-sondern-prozesse/

  37. Ein sehr interessantes Interview, aber ich bin etwas enttäuscht, dass ihr Hrn. Luczak beim Thema Lobbyismus nicht deutlich stärker mit der sehr problematischen Einstellung seiner Partei zum Lobbyismus konfrontiert habt. Vertane Chance!

  38. Was Herr Luczak da im Bezug auf die Unabhängigkeit und seinen Nebentätigkeiten sagt ist sehr zweifelhaft. In Art 48 Abs. 3 GG steht deutlich,dass die Entschädigung die Unabhängigkeit der MdBs sichern muss. Dann müsste Herr Luczak konsequent sein und sagen: Die Diäten sind ihrer Höhe nach verfassungswidrig. Als guter Jurist weiß er auch wie man sowas rechtlich zur Entscheidung bringen kann. Und was er inhaltlich zu seiner Nebentätigkeit dazu gesagt hat,fand ich sehr unehrlich. Aber schön,dass ihr versucht hab ihm da argumentativ Paroli zu bieten. Fands spannend.

    • Ich finde es schwierig im Zusammenhang mit Großstadtmieten mit “Markt” und “Angebot und Nachfrage” zu argumentieren, da hier Grundannahmen der des freien Marktes nicht gegeben sind und daher kein fairer Preis zustande kommen kann: der Mieter hat keine Wahl, wenn ihm der Preis zu hoch erscheint, einfach u sagen “ach, dann verzichte ich even auf eine Wohnung”. Da diese zum überleben zwingend erforderlich ist, steht er praktisch unter Kontraktionszwang und muss praktisch jeden aufgerufenen Preis zahlen. Dies ist nicht das Spiel der Kräfte. Ahnung wie damals als Porsche plötzlich VW Optionen bedienen musste obwohl keine Aktien zu kaufen waren (auch hier War die Annahme unendlicher Markttiefe nicht gerechtfertigt). Bei der Miete ist das Spiel der Kräfte nicht frei und daher ist der Staat geradezu verpflichtet regulierend einzugreifen.

      • Hallo Robert,

        das hat Herr Luczak ja auch gar nicht so gemacht, wie du es unterstellst.
        Er hat lediglich ausgeführt, dass der stetige Zuzug nach Berlin (statistisch belegt) dazu führt, dass es eine gestiegene Nachfrage nach Wohnungen gibt.
        Auf Grund der fehlenden Bautätigkeit gibt es allerdings ein geringeres Angebot, bzw. ein weniger schnell wachsendes Angebot -> dies führt zu einer Verknappung des Gutes.
        Das hat er, durchaus korrekt, als Angebot und Nachfrage beschrieben.

        Nun hat er aber nicht behauptet, dass das der Markt schon alleine lösen würde – er befürwortete durchaus staatliche Eingriffe (Mietenbremse / Verordnungsänderungen / etc.), nur eben nicht den Mietendeckel, da dieser die Probleme nicht löst (weniger schnelle wachsendes Angebot ggü. der schnell wachsenden Nachfrage), sondern eher noch zur Verschärfung der Probleme beiträgt und lediglich einige Symptome bekämpft.

        Dabei hat er auch den Punkt aufgegriffen, dass Investoren hier keine beständigen Investitionsbedingungen mehr sehen und deshalb sogar wenig Angebot schaffen, als nötig wäre – weshalb die Begründung mit Angebot & Nachfrage hier durchaus Sinn macht.

        Vom freien Markt war jedoch nie die Rede.

        • Man könnte das aber auch umdrehen: Wenn es nur am Zuzug liegt, haben die Vermieter ja keine steigenden Kosten, die sie zu bedienen haben. Daher ist die Mietsteigerung nicht durch Kosten sondern nur durch die Notlage begründet, sie wollen halt noch mehr verdienen. Und wenn es gestern bei alter Miete rentabel war, wuerde es das auch morgen noch sein. Da muss man nicht wegrennen. Da ist auch niemand bedroht (ausser eben der Wunsch nach noch mehr Rendite).

  39. Hallo

    Eure letzte Spezialfolge mit Herrn Luczak hat mir leider gar nicht gefallen. Von seiner Seite kam mir zu viel hohle Wahlwerbung und zu wenig ehrliche Auseindersetzung mit den Themen. Das bin ich von “der Lage” so nicht gewohnt. Naja zumindest weiß ich jetzt um so besser wen ich bei der nächsten Wahl nicht wähle. Dafür Danke

    P.S. wenn ihm seine Immobilie mit den nur fünf Parteien eine zu große Belastung ist, würde ich ihm die auch abnehmen. Es klang zumindest fast so.

  40. 24. November 2019 um 19:23 Uhr
    Charlotte Böttger

    Hallo,

    ich bin ein großer Fan von der Lage der Nation.

    Ich wollte als Mieterin gerne noch etwas zum Thema Mieterhöhung beitragen:

    Wir haben von unserem ehemaligen Vermieter eine offensichtlich unrechtmäßige Mieterhöhung bekommen. Wir hatten uns daraufhin beim Mieterverein angemeldet, der uns mitteilte, dass eine Mieterhöhung für unsere Wohnung aus unterschiedlichen Gründen nicht in Frage käme und wir definitv widersprechen sollen. Leider griff die Rechtschutzversicherung des Vereins für unseren Fall noch nicht.
    Obwohl wir im Recht waren, hat unser Vermieter einen Anwalt eingeschaltet, der uns androhte, vor Gericht zu ziehen. Unseren Nachbarn erzählte er, wenn wir nicht zahlen, melde er für seinen Sohn Eigenbedarf an. (Und das in dem Wissen, dass wir unser erstes Kind erwarteten.)

    Das hieß für uns, entweder sehr viel Geld für einen Anwalt zu bezahlen, vor Gericht zu ziehen und letztlich sehr viel Nerven zu lassen ODER einfach schlucken und mehr zahlen. Das war so eine furchtbare Situation. Letztlich haben wir gezahlt, weil wir nicht vor Gericht wollten. Beim Auszug wurde es auch unschön, aber das ist ein anderes Thema.

    Unser Vermieter hat als Privatmann mehrere Objekte, die er vermietet, und ziemlich viel Vermögen. Für ihn war es offensichtlich kein Problem, einen Anwalt einzuschalten.

    Ich glaube nicht, dass wir damit alleine sind. Es ist ein bißchen wie David gegen Goliath. Ihm ist das Geld egal, weswegen er auch vor Gericht ziehen würde.

    Und der Mieter steht da – ohne Rechtschutz und Unterstützung und zieht den Kürzeren. Und zwar unabhängig davon, wie die Rechtslage ist. Ich ärgere mich immer noch darüber.

    Wir sind dann recht schnell ausgezogen. Unsere Nachmieter haben eine noch mal erhöhte Miete gezahlt.

    • Ich bin wegen angeblichen “Eigenbedarf” und einer Kündigungsfrist von vier Wochen aus meiner Wohnung geflogen. Dadurch habe ich auch meine Arbeit verloren. Die Wohnung wurde dann wieder vermietet für das 3fache an Miete.
      Das muss diese individuelle Freiheit sein, von der alle immer reden.

    • Private Anekdote sind keine allgemeingültigen Argumente – Ich bin mir sicher, dass jeder Vermieter auch schon einmal einen grauenhaften Mieter (Mietnormade / keine Mietzahlungen / etc.) erlebt hat..

      Deshalb sagte Herr Luczak ja auch, dass es schwarze Schafe immer gebe werde, man aber einen Gesetzesrahmen für alle Vermieter finden muss, von denen mindestens 80% vollkommen korrekt und freundlich sind..

  41. Kompliment für die Lage Spezial.
    Das Interview mit jemanden, der euch, insbesondere in dieser Thematik, politisch nicht nahesteht, war eine sehr gute Entscheidung. Insgesamt war es eine der differenziertesten und sachlichsten Diskussionen die ich seit langem zu diesem Thema gehört habe.
    Aus meiner Sicht kann ich euch nur ermutigen, in Zukunft immer Interviewpartner (auch für kurze Statements) aus dem “anderen politischen Lager” einzuladen. Seit dem ich euch höre (ca. 1,5 Jahre) habt ihr ausnahmslos PolitikerInnen der Grünen, SPD, Piraten oder euch bzw. eurer Meinung nahestehenden VertreterInnen von NGO zu Wort kommen lassen. Damit habt ihr quasi die von euch vielfach kritisierte Blase selbst gefördert. Hier seid ihr zum erstem Mal mit einem Interviewpartner tatsächlich “richtig” aus dieser herausgetreten.
    Gleichzeitig muss man dem Abgeordneten Luczak auch ein Kompliment machen, dass er sich darauf eingelassen hat. Man kann zu seinen Ansichten durchaus eine ganz andere Meinung haben, aber – mit Ausnahme der Ausführungen zu DIe Linke – hat er einen sehr guten, sachlich fundierten Eindruck gemacht – bei derartigen PolitikerInnen (Partei egal) ist das Tagesschäft, trotz aller politischen Differenzen – durchaus in guten Händen.

    Inhaltlich noch eine Anmerkung:
    Schade, dass das Gespräch als es um juristische Detailfragen ging, durch Ulf abgebrochen wurde. Auf mich wirkte es in dem Moment eher so als wenn Ulf hier fachlich in der Defensive stand und deswegen das Thema abgekürzt hat. Fand ich schade!

    Ergänzend noch allgemein:
    Mittlerweile seit ihr an einem Punkt angekommen, wo ihr euch gezielt für den Journalismus entschieden habt – dazu gehört m.E. jedoch dann auch, auf übertriebene Meinungsbildung ( wie bsw. bei der Abstimmung zum Urheberrechtsschutz im EU Parlament / SUV) zu verzichten. Auch wenn es natürlich dem “Blasenpulbikum” gefällt. Das sollte jedoch meiner Meinung nach nicht eurer Anspruch sein!

    • Ich habe den juristischen Diskurs nicht abgebrochen, weil ich mich in der Defensive gefühlt hätte, sondern weil es sonst allzu fachlich geworden wäre, und die Lage hat ja den Anspruch, für Nicht-Experten anschlussfähig zu sein. Wir haben das Thema aber Ende Januar ausführlich diskutiert, da kannst du die Gegenargumente zu Luczaks Position im Detail nachhören.

    • Ich möchte dir im letzten Punkt widersprechen: Journalismus bedingt keine Zurückhaltung, die eigene Meinung und Haltung zu äußern und zu vertreten. Die beiden unterscheiden deutlich zwischen den Fakten und ihrer Meinung.

      • Ich möchte dir im letzten Punkt widersprechen: Journalismus bedingt keine Zurückhaltung, die eigene Meinung und Haltung zu äußern und zu vertreten. Die beiden unterscheiden deutlich zwischen den Fakten und ihrer Meinung.

        Gebe dir vollkommen recht. Die Betonung soll hier bei mir auf übertriebener Meinungsbildung liegen.

        Ich bevorzuge Journalismus bzw. Journalisten die nicht dazu aufrufen Migliedern von Parlamenten vorgefertigte Serienbriefe zu schicken oder SUV-Nutzer auf offener Straße anzusprechen. Deswegen freue ich mich über jede Meinungskundgabe, die die beiden im Podcast äußern (das macht es auch aus) – gleichzeitig wünsche ich mir jedoch etwas Zurückhaltung hinsichtlich politischem Aktivismus bzw. Aufruf zu entsprechendem Handeln.

  42. Zuallererst freut mich, dass Ihr Euch einen Interviewpartner geholt habt, der Euch politisch weniger nahe steht als vielleicht SPD, Linkspartei oder Grüne. Wie andere Kommentatoren bereits schrieben: Vielfalt hilft dem demokratischen Diskurs.

    Zweitens wurden im allgemeinpolitischen Teil des Interviews zwei Probleme deutlich, die Euer Gast auch nicht zerstreuen konnte. Das eine ist die Zusammensetzung von Parlamenten im Allgemeinen, das andere ist der Einfluss von Lobbygruppen.

    Wir reden uns die Köpfe über Geschlechtsquoten in Parlamenten heiß, übersehen dabei aber, dass die Verteilung von Berufs- und Bildungsgruppen nicht einmal im Ansatz repräsentativ ist. Dass eine Supermarktkassiererin oder Automechanikerin vom arg kopflastigen Ausschuss- und Plenarbetrieb nicht unbedingt angezogen wird, ist wohl unvermeidbar. Dass aber Beamtinnen und Juristinnen (no offense, Ulf) überdurchschnittlich hoch vertreten sind, liegt an der unsicheren beruflichen Zukunft für normale Angestellte nach ihrem Ausscheiden aus dem Parlament. Als Anwältin kann ich jederzeit zurück in meine Kanzlei (für die ich nebenher im Interesse meiner Unabhängigkeit immer ein wenig gearbeitet habe, diese mickrigen Diäten reichen ja hinten und vorne nicht), als Beamtin muss ich vielleicht hinnehmen, so manche Beförderung nicht mitbekommen zu haben, aber wenigstens habe ich eine Garantie, zu meinem alten Salär irgendwie weiterbeschäftigt zu werden. Als Arbeiterin oder Angestellte habe ich diese Sicherheit nicht. Ich habe vier, acht, zwölf oder noch mehr Jahre Entwicklung in meinem Beruf verpasst. Der Markt braucht micht ganz schlicht nicht mehr. Also habe ich zwei Optionen: Ich klammere mich mit aller Macht an mein Mandat, was selten der Qualität meiner Arbeit zuträglich ist, oder ich schaffe mir während meiner Zeit im Parlament genügend Freundinnen, die nach meinem Ausscheiden ganz überraschend und natürlich ohne jeden Zusammenhang mit meiner Abgeordnetentätigkeit einen Vorstandsposten vakant haben oder unbedingt eine Beraterin benötigen. Ein Glück, dass ich vorher mit verschiedenen Lobbygruppen gesprochen habe, um mir ganz genau und unabhängig eine Meinung zu bilden.

    Unterstellen wir Herrn Luczak ruhig, dass er wegen seiner Anwaltstätigkeit es wirklich nicht nötig hat, sich der Gewogenheit einer Lobbygruppe zu versichern. Die Gefahr, dass andere, finanziell weniger abgesicherte Abgeordnete solchen Versuchungen erliegen, besteht dennoch. Natürlich kann Euer Gast nur für sich selbst sprechen, alles Andere wäre auch etwas anmaßend. Seine Beobachtung, dass NGOs im Umweltschutzbereich finanziell auch noch halbwegs gut dastehen, mag sogar stimmen. Sascha Lobo hat auf einer re:publica-Rede vor einigen Jahren einmal angedeutet, welche Spendenaufkommen Naturschutzorganisationen zu verzeichnen haben – im Vergleich zu netzpolitischen Gruppen. Vereinigungen für Datenschutz und digitale Bürgerrechte gibt es mehr als Hipster im Prenzlauer Berg, aber selbst bekannte Gruppierungen wie Digiges, Netzpolitik.org oder Frag den Staat stehen finanziell schwach da. Selbst ihre Hauptamtlichen schlagen sich mehr so durch als dass sie gefestigt dastünden. Ihnen gegenüber stehen milliardenschwere Unternehmen wie Microsoft, Google, Amazon und Facebook sowie Verlage und Teile der Gewerkschaften, die sich ganz andere Zahlen von Interessenvertreterinnen zu ganz anderen Gehältern leisten können. Zumindest in der Netzpolitik sieht mir das Kräftegleichgewicht der Lobbyorganisationen längst nicht so ausgewogen wie von Herrn Luczak bei der Umweltpolitik wahrgenommen.

    • Plus, als es um die Deutsche Umwelthilfe ging, sagte er sinngemäß (hab die stelle nicht mehr genau im Kopf): dass man ja anhand der von Ihr erwirkten Fahrverbote sieht wie stark/wirkmächtig (im vergleich zu Lobbyorganisationen die für die “andere” Seite stimmung machen) Sie als Lobbyorganisation ist. Das unlogische an dieser Argumentation ist ja für mich, dass die DUH die Fahrverbote ja gerade nicht auf dem “Lobbyismus-Weg” erwirkt hat, sondern durch den knallharten gang vor Gericht/durch verschiedene Instanzen bis hin zum BVG in Leipzig.

      Insagesamt fand ich das Interview ok, an der ein oder anderen Stelle hätte ich mir mehr gegenwind von euch beiden gewünscht, besonders am ende als es um die Linke ging. Also gern mehr solche Lagen mit Experten/Vertretern/Experten/Politikeren aus verschiedensten Vereinen/Organisationen oder Parteien etc.

      • “Das unlogische an dieser Argumentation ist ja für mich, dass die DUH die Fahrverbote ja gerade nicht auf dem “Lobbyismus-Weg” erwirkt hat, sondern durch den knallharten gang vor Gericht/durch verschiedene Instanzen bis hin zum BVG in Leipzig.”
        Das Unlogische an dieser Argumentation ist ja für mich, dass es de facto kaum Fahrverbote gibt. Die Weigerung der Politik, Gerichtsurteile umzusetzen, deutet für mich auf die Überlegenheit der Industrie-Lobby hin.

  43. Hey zusammen,
    danke für das Interview. Sehr spannend! Ich frage mich inzwischen immer wieder, ob es nicht an der Zeit ist, diese Strategien, nicht auf eine Frage zu antworten, zu benennen und als inakzeptabel an den Befragten zurückzugeben. Auffällig ist das vor allem bei der Frage, was denn seiner Meinung nach zu tun wäre, wenn es kein Mietendeckel sein soll, aber neue Wohnungen eben nicht so schnell gebaut sind und viele Menschen die Mieten in ihrem Kiez nicht mehr bezahlen können.
    Er leugnet erst einmal die Tatsache, dass Menschen akut unter den sich erhöhenden Mieten leiden und stellt es als reine Angstmacherei hin. Strategie Nummer 1.
    Und dann wirft er mit Begriffen um sich, die so abstrakt sind, dass sie als reine Erwähnung keine logische Argumentation darstellen, sondern nur eine Assoziation provozieren. In diesem Fall die Freiheit. Eigentum macht frei, meint er… Diese unbewiesene These scheint Axiom seiner ganzen Weltsicht. Im Grundgesetz steht es allerdings anders: “Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.” Das heißt nicht, dass ich meine Zahnbürste hergeben muss. Das heißt vernünftiger Ausgleich. Strategie 2 also: Meinen eigenen wichtigen Wert mit einem schön positiv besetzten abstrakten Begriff verbinden – fertig.
    Die Gegenseite wurde schlecht dargestellt, die eigene gut, nichts davon wurde bewiesen und die Frage bleibt unbeantwortet.

    • Habe ich ebenso empfunden – JML antwortet in mehreren Situationen nicht auf die gestellte Frage. Ich finde aber, dass das so offenkundig ist, dass wir das nicht noch eigens herausstreichen mussten, denn bei einem Interview geht es ja nicht darum zu gewinnen. Bei nochmaligen Nachhören habe ich sogar den Eindruck, dass er sich ziemlich um Kopf und Kragen redet, gerade weil wir ihm so viel Raum lassen.

      • Erst einmal klasse Gast, der euch in den Diskussionen sehr ebenbürtig war.

        Ich habe das argumentative Ping Pong Spiel sehr genossen.

        Wenn der Mietendeckel rechtlich nicht zu halten ist, keine Flächen für Neubauwohnungen ausgewiesen werden, dann gibt es in unserem Rechtsstaat leider nicht viel, dass direkt in Berlin gemacht werden kann (Umland aufwerten etc. liegt ja nicht in der Verantwortung Berlins, und ob eine Schnellere ÖNV-Anbindung an die Provinz einen merklichen Effekt hat, wage ich zu bezweifeln).

    • Ich kann den Vorwurf nicht ganz nachvollziehen. Auf die wiederholte Frage nach den Alternativen zum Mietdeckel hat er doch recht konkret geantwortet und auf die bestehenden und erst kürzlich erweiterten Instrumente der Mietpreisbremse hingewiesen. Und er hat eingeräumt, dass es in der Umsetzung derselben noch Defizite gibt, die angegangen werden müssen.
      Dass trotz der starken Steigerungen der Letzten Jahre die Situation evtl. auch nicht so kritisch ist wie dargestellt hat er auf der Feststellung gegründet, dass die Durchschnittsmieten mit 6.x € im Vergleich immer noch relativ günstig sind.
      Man muss dem ja nicht zustimmen, aber wie kommt man hier zu dem Schluss, er hätte die Frage nicht beantwortet?

      • Was? Das mit den Durchschnittsmieten ist eine glatte Lüge. Ich Suche seit 2 Jahren eine Wohnung. Dabei habe ich ein wirklich gutes Einkommen (Softwareentwickler über 100k im Jahr). Meine Obergrenze für 4 Zimmer Wohnungen lag bei 1500€ warm. Trotzdem waren die Besichtigungen total überfüllt. Habe mir auch mal eine 2000€ Wohnung angeguckt. Auch die war so voll, dass der private Vermieter keine Lust mehr hatte. Er hat mir sogar gezeigt, was für Promis sich auf diese Wohnung beworben haben.
        Diese Fantasiezahlen von 6.x€ oder auch 9.x€ qm Miete kann man sich schenken. Realistisch gibt es keine Wohnungen unter 15€ pro qm. Das geht sogar bis 20€ weiter. Vielleicht gibt es Leute, die sich die Wohnungen im Bekanntenkreis weitergeben und dadurch noch günstig bleiben, aber auf jeden Fall zeigen diese Preise die Marschrichtung. Seit der Mietendeckel angekündigt wurde, sind die Vermieter plötzlich vorsichtiger geworden und es gibt mehr interessante Angebote. Schon die Androhung hat also Wirkung gezeigt.
        Außerdem hat er behauptet, dass man Neubauen muss und der Mietendeckel keine Lösung ist. Dem würde auch KEINER widersprechen. Das eine schließt das andere nicht aus.

  44. Diese Form des Interviews ist eine ausgezeichnete Ergänzung zum geschätzten Lageformat! Insbesondere aus der “Bubble” ausbrechen und mit substantiell unterschiedlicher Sicht konfrontiert zu werden, ist ein großer Mehrwert!
    An dieser Stelle auch Anerkennung und Dank an Herrn Luczak, dass er sich exponiert und seine Sicht einem kritischen Publikum schildert!

    Insofern finde ich es gut und sehr wichtig, dass ihr euren Gast auch habt reden lassen! Insgesamt wünsche ich mir ein wenig mehr kritisches Nachfragen von euch. Das habt ihr ja auch an einigen Stellen getan und ich fand es sehr gut gelungen.
    Zum Beispiel die Frage welche konkrete Senatslösung der Gast für das Mietenproblem als Alternative zum Mietendeckel anführen würde (Minuten 52:00 und 56:45). Da kam keine konkrete Antwort auf die Frage, nichts (konkretes). Eher ein relativieren der Probleme und ein verschieben der Verantwortung auf die Mieter, diese können ja klagen.
    Sein Argument zur Polarisierung der Debatte, die schädlich ist, trifft allerdings zu. Das hindert ihn aber nicht mit seinem eigenen Beitrag stellenweise ebenfalls zu scharfer Polarisierung beizutragen.

    Leztlich hat der gebotene Raum Herrn Luczak Gelegenheit gegeben, seine Standpunkte umfassend schildern zu können. Mir als Zuhörer hat das eine erkenntnisreiche, aber auch kritische Betrachtung ermöglicht ohne direkt durch Kommentare von euch beeinflusst zu sein.

    Ich hatte so auch mehrmals das Gefühl, dass Herr Luczak seine eigenen Thesen ad absurdum geführt hat. Ein Beispiel: Er redet davon, dass Angst geschürt wird (Mieten/Linkspartei) und wie schädlich das ist. Falsch liegt er da nicht, aber: Einige Zeit zuvor redet er selbst (ohne fallbezogenen Kontext) von Enteignungen und Rechtsunsicherheit, davon dass Investoren geradezu flüchten. Das könnte man ja auch als Schüren von Ängsten interpretieren?!

    Die Vorgänge (HU und Staatssekretär) um Andrej Holm habe ich bereits länger verfolgt. Hier sieht Herr Luczak mit seinen Äußerungen in meinen Augen wirklich schlecht aus, stellenweise geradezu entlarvend dogmatisch. Speziell seine Äußerung “glasklare Stasi-Vergangenheit”… als Hörer fällt es mir schwer, mit Blick auf die Vita von Herrn Holm, das nicht als intellektuelle Beleidigung zu verstehen.

    Mit seinen Äußerungen wird die inhaltliche Diskussion um die Person im konkreten Amt, das Mietenthema oder eine Auseinandersetzung mit der Linkspartei “drailed”. Das verstellt auch den Weg für eine konstruktiv kritische Auseinandersetzung mit den Themen.

    Die Folge hat meinen Horizont erweitert und mich für weitere Hintergründe interessiert. Vielen Dank!

    P.S. Es wurde schon geschrieben. Der Abschluss ist tatsächlich etwas ungünstig (ab-)geschnitten ;)

  45. Hallo LdN,

    ich bin relativ neuer Hörer eures Podcasts und angenehm überrascht von eurem Anspruch ein breiteres Meinungsspektrum zu Themen zu präsentieren und diskutieren.

    Da ich seit fast 10 Jahren selbst in Berlin lebe, ist mir die ganze Bandbreite an Argumentationen seit Tempelhof und davor bekannt. Ich würde mir dringend wünschen, dass unabhängig von der politischen Grundeinstellung, Bürger und Bürgerinnen sich wieder vermehrt am wissenschaftlichen Diskurs orientieren und die Diskussion entemotionalisieren (stimme Herrn Luczak in diesem Punkt voll und ganz zu). Hierzu zählt auch das Akzeptieren volkswirtschaftlicher Grundlagen aus dem ersten Semester: bei konstantem Angebot und steigender Nachfrage steigt zwangsläufig der Preis.
    Leider driften Diskussionen heute schnell in Neo-Marxistische Phantasmen ab.

    Prof. Andreas Peichl vom ifo Institut aus München hat zum Thema Immobilienmarkt vor einigen Wochen einen umfangreichen Vortrag gehalten, der weiterhin online abrufbar ist: https://youtu.be/7CDvnsVWrlk?t=1127
    Insbesondere der Zusammenhang von Mietniveau und Immobilienleerstand, die generell niedrige Eigentumsquote in Deutschland sowie die großen regionalen Unterschiede sind sicherlich wichtig für die weitere Diskussion.

    Beste Grüße, Tim

    ps nehmen Sie doch bei Gelegenheit bitte einmal das Thema Kohleausstieg und Zertifikathandel in den Podcast auf. Das Thema bedarf eines breiteren Publikums, da anderenfalls die Bundesregierung gerade Milliarden verschwendet. https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/kohleausstieg-nur-mit-co2-preis-hilft-er-wirklich-dem-klima

  46. Ich fand die beiden Interviews als “Lückenfüller” super! Vielleicht könnte es sowas ja in Zukunft regelmäßig geben? Wenn nicht an Stelle der wöchentlichen Lage manchmal zusätzlich?

    Ich gehöre wohl zu den Hörern, die sich in eurer Beurteilung verschiedener Themen eher seltener wiederfinden. Ich habe deutlich mehr Vertrauen gegenüber freien Individuen, die über ihre Belange selbst entscheiden können, als in einen umfassend eingreifenden Staat (der am Ende auch nur von Individuen mit Eigeninteresse geleitet wird). Deshalb fand ich es erfrischend, auch mal eine Stimme in diesem Rahmen zu hören, die deutlich auf die weitreichenden Folgen linksideologischer Entwürfe hinweist (Vertrauensverlust, Investitionsschäden, populistische Klassenkampfrhetorik). Besonders fand ich die kurze Passage zwischen Ulf und Herrn Luczak, in dem uns Hörern eingeräumt werden musste, dass es doch von einer deutlichen Mehrheit der Experten große Zweifel an der Verfassungstreue des Mietendeckels gibt. So in der Deutlichkeit hatte ich das noch nicht gehört.
    Bei der Einordung der Linkspartei hat sich Herr Luczak allerdings um Kopf und Kragen geredet. Ich finde die Meinung absolut legitim (und teile sie auch), dass man mit populistischen Parteien vorsichtig umgeht. Die AfD ist nachweislich populistisch, sogar faschistisch und deshalb für Zusammenarbeiten auszuschließen. Die Linkspartei hat deutlich weniger, aber auf keinen Fall keine problematischen Verbindungen zu verfassungsfeindlichem Gedankengut und gehört für mich deshalb ebenfalls nicht zu den „demokratischen Parteien“, wie die etablierten Parteien gemeinhin bekannt sind. Wenn Philip also mit Verweis auf Thuringen davon spricht, mit Demokraten müsse man immer sprechen können, stimme ich dem zu und befürworte deshalb den Ausschluss der Linkspartei aus solchen Überlegungen.

  47. Ich stimme einigen Vorrednerinnen zu, dass ich mir von Euch öfter Widerspruch gewünscht hätte: Lobbyismus (Stichwort ungleiche Finanzierung, Gemeinnützigkeit), Mieten (“es ist nur Angst, alles nicht so schlimm”, CDU hat Mietpreisbremse durchlöchert) oder Linkspartei (Weigerung, überhaupt mit einer demokratischen Partei zu sprechen).

    Viele Punkte widersprechen auch einigen Positionen, die ihr immer wieder in der Lage gebracht habt, fundamental. Hier würde ich mir eine Diskussion wünschen, in der Ihr auf die Argumente Luczaks eingeht und Fakten sortiert, um uns als Hörern Transparenz zu bieten.

    Prinzipiell fande ich die Diskussion sehr Berlin-lastig. Gut war, dass Ihr einen eher konträren Gast eingeladen habt. Ich fande ihn aufgrund der Aussagen gerade im letzten Drittel zwar nicht sympathisch, aber das ist ja auch nicht unbedingt nötig :)

    • Lieber Philipp,
      lieber Ulf,

      ich bin begeisterter und kontinuierlicher Hörer der Lage. Ich bin sicher (kontinuierlicher Hörer!), dass Ihr die eine oder andere Äußerung Eures Gasts mit mindestens gemischten Gefühlen gehört habt. Das habt Ihr aber nicht so vermittelt, und das finde ich gut (es ist dasselbe, was verschiedene Kommentare beanstanden).

      Ein früher Kommentar spricht freundlich an, dass hier CDU-Positionen auf seine Blase zulaufen. Ihr habt dem Gast Raum gelassen, Fragen gestellt und dem Gast ermöglicht, seine Sicht darzustellen. Super!

    • Max, Du hast im ersten Absatz alle Punkte genannt, die mir auch aufgestoßen sind. Gerade hierbei wurde Herr Luczak oft defensiv. Da fehlte mir die gewohnte Analyse und Tiefe des Gesprächs.

      Und mit “Deutschland wird zum Schreckgespenst aller Investoren” (ja, ich übertreibe), zeigt Herr Luczak, dass auch er das Spiel mit der Angst beherrscht. Zumindest hat er hier nicht genug Infos geliefert, um das zu untermauern. Und selbst wenn potentielle Investoren solche Aussagen getätigt haben, ist das sicherlich mit taktischem Kalkül geschehen, um Politikern Angst zu machen, und sie unter Druck zu setzen, ohne dass sie es merken.

      Nichtsdestotrotz finde ich es gut, dass Ihr einen CDU-Politiker eingeladen habt. Durch die offenen Fragen ergibt sich dennoch ein Erkenntnisgewinn. Wenn Ihr ab und zu einen Interviewpartner gewinnen könnt, lässt sich das Format bestimmt weiter verbessern.

  48. Das abgebrochene “juristische Proseminar”, als Burmeier juristisches Kontra gegeben hat, fand ich den interessantesten Teil der ganzen Folge. Gerade bei diesem windigen Gast war es auch dringend notwendig zur Einordnung, da ich die meiste Zeit den schweren Eindruck hatte, dass er zynisch lügt, und wenn es nur durch das Verschweigen relevanter Fakten ist.

  49. Das Mietproblem ist tiefgreifender in als Luczaks politische Lösung (Mehr bauen, um das Angebot zu erhöhen und damit den Preis zu senken).

    Wir sehen an der Mietdynamik das empirische Gesetz veranschaulicht, dass Ungleichheit in Volkswirtschaften immer dann ensteht, wenn über einen längeren Zeitraum die Kapitalrendite schneller steigt als das Nationaleinkommen (Einkommen aus Kapital + Einkommen aus Arbeit) (Piketty, 2014). Wenn die Einkünfte aus vermietbarem Wohneigentum schneller steigen als die Löhne der Mieter wachsen, dann können die Eigentümer Kapital schneller akkumulieren als die Mieter, deren Einkünfte nicht aus Kapitalbesitz generiert werden (sie müssen zudem im Verhältnis zu ihrem Einkommen einen prozentual steigenden Anteil aufbringen, um die Miete zu bezahlen). Dies führt gesetzmäßig zu wachsender Ungleichheit mit Folgen wie z.B. der Verdrängung.
    In dieser Situation werden die Besitzunterschiede zwischen Kapitaleigentümern und kapitallosen Mietern immer größer. Den Punkt, dass sich Kapital dort schnller akkumuliert, wo schon Kapital ist, wenn für Kapital verhältnismäßig höhere Renditen herrschen, als dort wo es durch Lohnarbeit erarbeitet wird, veranschaulicht Piketty and der Provokation, dass Großstädter 2050 ihre Mieten wahrscheinlich an Ölmilliardäre aus den Golfstaaten zahlen werden. Das Kapital wächst schneller als die Gesamtwirtschaft, wenn es in Anlagen mit hoher Rendite investiert ist und sucht ständig neue Anlageformen mit hoher Rendite auf.
    Nur um die bestehende Ungleichheit in Bezug auf das Kapitaleigentum zu erhalten, müsste also die Kapitalrendite auf das durchschnittliche Wachstumsniveau der Nationaleinkommen zurückgehen. Übertragen auf das Beispiel dürften Mieteinnahmen also nicht schneller steigen als die 0-2 Prozent pro Jahr, die unser Nationaleinkommen und vielleicht auch (einige) Löhne im Moment steigen.

    Das Problem ist also gerade, dass die Rendite, die man mit dem Besitz aus Mietshäusern in gefragten Regionen erwirtschaftet so hoch ist, dass es sich diese Kapitalinvestition ähnlich lukrativ sind wie anderen Anlageformen (z.B. Aktien).
    Ich sehe nicht, dass sicht dieser Umstand ändert, nur dadurch, dass mehr Häuser angeboten werden. Denn auf lange Sicht ist nicht der absolute Mietpreis entscheidend, sondern seine Wachstumsrate im Verhältnis zu den Lohneinkommen.
    Der Platz in gefragten Städten ist begrenzt, die Nachfrage wird dort auch nach Zubau immer so hoch sein, dass die erzielbaren Renditen durch Wohneigentum stets schneller wachsen werden, als das Nationaleinkommen der Volkswirtschaft, was Leute, die nicht selber schnell-wachsenden Kapitalbesitz haben auf Dauer verdrängt. Um gegen diesen Prozess zu wirken, braucht es also Maßnahmen, die den Zuwachs der Redite durch Wohneigentum reduzieren, die wesentlich davon abhängt wie stark die Mieten wachsen können und wie gefragt Berlin als Wohnort ist. Sozial gerecht wäre also, wenn die Mietpreiszunahmen auf ein Nivea sänken, dass der Wachstumsrate der Löhne entspräche. Wer dann noch für Umwerteilung ist, muss im Grunde sogar noch drastischere Maßnahmen fordern, da dies nur den Status quo erhalten würde.

    • Danke für den Kommentar.

      Ich würde aber insoweit differenzieren das es nicht nur Einkommen aus Arbeit (“Lohn”) und Kapital (“Zins) gibt, sondern auch aus Boden / natürlichen Ressourcen / Monopolen gibt (“Bodenrente” oder ökonomische Rente).

      Es besteht aus meiner Sicht kein Grund anzunehmen das Lohneinkommen schneller als die Miete wachsen werden. Wenn ein Mieter eine Lohnerhöhung bekommen hat – wieso sollte die Miete nicht erhöht werden?

      Es funktioniert langfristig (vereinfacht) also so:
      Steigende Produktivität -> steigende Löhne -> steigende Mieten -> steigende ökonomische Rente
      Der Mieter besitzt ja immer noch kein (städtisches) Boden auf dem er leben kann. Es muss ihn bzw. darauf aufbauend die Immobilie mieten – nur hat er jetzt mehr Geld.

      “Sozial gerecht wäre also, wenn die Mietpreiszunahmen auf ein Nivea sänken, dass der Wachstumsrate der Löhne entspräche.”

      Das wäre sozial gerechter als heute wo teilweise die Mieten schneller steigen als die Löhne. Langfristig gesehen geht das natürlich nicht. Aber wäre es nicht noch gerechter und auch ökonomischer wenn tatsächlich die Arbeiter an ihrer gestiegenen Produktivität teilhaben, anstatt sie an Vermieter und Bodeneigentümer weiterreichen zu müssen?

    • Ich glaube, dass dieser Einwand gegen den „mehr bauen“-Ansatz des Gastes eigentlich auch eine Antwort auf die Frage anbieten sollte, wo die Wohnungen herkommen. Nur zu sagen, dass die Mieten gedeckelt werden müssen, ist etwas unterkomplex. Denn dass ein Mietendeckel eher zu weniger Wohnungen führen wird als zu mehr Wohnungen, ist ja evident. Man mag sagen, dass wegen der Singularität des Baugrunds der Staat besser dafür zuständig sein sollte. Aber das ist eben gerade auch in Berlin vor dem Hintergrund der politischen Entscheidung, staatliche Wohnungen zu privatisieren, erheblich zweifelhaft.

    • Die Bruttolöhne in Deutschland sind seit 2010 im Schnitt um 4% pro Jahr gestiegen – wie kommen Sie zu der Annahme, dass diese nur zwischen 0-2% liegt?

      Die 0-2% beschreiben die allgemeine Inflation – also primär die Güterpreise, nicht die Arbeitseinkommen, ermittelt durch den sogenannten statistischen Warenkorb.
      Statistisch haben die Bundesbürger seit 2010 also jedes Jahr mehr Geld zur Verfügung, da Ihre Löhne schneller steigen als die Kosten für durchschnittliche Ausgaben.

      Es stimmt, dass die Mietkosten einen zunehmenden Anteil dieses Warenkorbs ausmachen- de facto haben die Bundesbürger aber dennoch mehr Geld zur Verfügung..

  50. Hallo Phillip, Hallo Ulf,

    vielen Dank für diese Folge. Gerade bei Themen bei denen Ihr zwei sehr “auf einer Wellenlänge” seid, finde ich sehr interessant, neue Perspektiven und Reizpunkte zu bringen, auch oder besonders wenn diese gar nicht der eigenen Position entsprechen. Ihr versucht dies ja auch hin und wieder in den regulären Folgen die Argumentationen und Perspektive der jeweiligen Gegenseite mit einfließen zu lassen. Für mich sind, dass immer die Highlights der Lage und der Erkenntnisgewinn ist für mich um ein Vielfaches größer als wenn man sich nur mit Gleichgesinnten auseinandersetzt.
    In diesem Sinne Daumen hoch und liebe Grüße!

    • Ich hätte eine sehr ähnlichen Kommentar, kann Florians Meinung aber nichts hinzufügen, außer, dass ich es ganz genau so empfunden habe. Erst, wenn sich verschiedene Meinungen miteinander messen, entsteht eine richtige Diskussion. Hat mir sehr gut gefallen, deutlich mehr als eine Lückenbüßer-Folge – könnt ihr gerne häufiger bringen.
      Viele Grüße
      Arne.

  51. Ich finde die Idee der Interviews interessant, es war jedoch etwas “Berlin-lastig” in den letzten zwei Wochen. Umso mehr freue ich mich auf die nächste reguläre Folge.

    Herr Dr. Luczak wirkt wie ein kompetenter und engagierter Politiker, die letzte Stellungnahme hat ihn jedoch Kopf und Kragen gekostet. Die Linkspartei bei Verhandlungen kategorisch auszuschließen, aber prinzipiell mit der AFD reden wollen, da demokratisch gewählt? Ich würde einiges dafür geben, um dazu ein Statement von Sascha Lobo zu hören..

    Und ganz nebenbei: Als Zugezogene in Thüringen, mit Kontakt zu allen Altersgruppen der Bevölkerung, kann ich nicht empfehlen, die DDR so eindimensional zu verteufeln. Viele trauern der Zeit hinterher und haben eine, vielleicht etwas verzerrte, jedoch hauptsächlich positive Sicht auf “früher”. Somit hat Herr Ramelow schon Recht, die Bezeichnung als “Unrechtsstaat” würde einige sehr vor den Kopf stoßen. Ob nun richtig oder nicht, sei mal dahin gestellt.

    • Den „ganz nebenbei“-Teil des Kommentars finde ich ganz bitter. Vor gut siebzig Jahren haben auch im Westen viele „eine hauptsächlich positive Sicht auf „früher““ gehabt, und in der Geschichte der Bundesrepublik ist denen eher etwas zu wenig als zu viel vor den Kopf gestoßen worden. Und dann „dahingestellt“ lassen, ob das richtig oder falsch ist? Ich finde: wo man richtig und falsch gut erkennen kann, sollte man die Unterscheidung besser nicht dahingestellt lassen.

      • Hoppla, da wurde ich wohl missverstanden. Obwohl es definitiv “ganz bitter” bzw. einfach grob falsch ist, die DDR mit dem dritten Reich gleichzusetzen.

        Mein Punkt war, dass ich absolut verstehen kann, warum Herr Ramelow die DDR nicht als Unrechtsstaat bezeichnen möchte. Natürlich kann da jeder seine eigene Beurteilung treffen. Und ich denke, es wird auch kaum jemand bestreiten, dass in der DDR Verbrechen geschehen sind, die man auch so benennen sollte. Es zeugt jedoch von einer mangelnden Sensibilität und einer Portion Ignoranz, wenn man die Lebensrealität von einem großen Teil der ostdeutschen Bürger einfach so abwatzt. Die Wende hat für viele alles auf den Kopf gestellt; von Job, über Stand zu kulturellen Gepflogenheiten. Wenn man das bedenkt und gleichzeitig im Kopf hat, wie schwer es sein muss, sich nach einem halben Leben an ein ganz anderes System zu gewöhnen, dann braucht es nur einen Hauch Empathie, um dieses kulturelle System nicht mit so einem eindimensionalen Begriff zusammenfassen zu wollen.

        So einfach ist es eben nicht: weder alles falsch, noch alles richtig. Und ich befürchte, es hilft auch niemandem weiter, wenn man die eigene moralische Bewertung für wichtiger hält, als das Lebensgefühl und Selbstverständnis einer großen Bevölkerungsschicht.

    • Auch der erste Teil des Kommentars ist faktisch falsch – Herr Luczak hat doch nicht ausgeschlossen, mit den Politikern der Linken im parlamentarischen Betrieb zu reden, sondern nur mit ihnen zusammen zu arbeiten.
      Innerhalb des parlamentarischen Betriebs sollte man mit jeder demokratisch gewählten (das bedeutet nicht, dass sie auch demokratisch ist) Partei reden – das gebietet schon der Respekt vor den Wählern. Das befürwortet Herr Luczak und das umfasst sowohl die AfD, als auch die Linkspartei.

      Er hat lediglich gesagt, dass man, auch in Thüringen, nicht mit der Linkspartei bzgl. einer Kooperation bzw. Zusammenarbeit sprechen sollte – und das ist vollkommen angemessen und nachvollziehbar. Nicht weil die Linke undemokratisch ist (wo er sich tatsächlich um Kopf und Kragen geredet hat), sondern weil sie eine fundamental andere Politik vertritt als die CDU.
      Das Gleiche gilt übrigens auch für die AfD – und wurde auch so von Herrn Luczek gesagt.

  52. Liebe Lage,
    wow, vielen Dank für dieses Interview!! Ich höre Euren Podcast seit langer Zeit mit großer Begeisterung. Es finde es großartig, dass Ihr auch andere Sichtweisen zu Wort kommen lasst.

    Besonders beim Thema Mietdeckel habe ich mir schon länger eine sachliche Darstellung der Argumente der “bösen Seite der Macht” gewünscht. Ich selber gehöre zu den von Herrn Luczak erwähnten kleinen, privaten Vermietern (Mehrheit der Vermieter) in Berlin und würde behaupten ein sehr vertrauensvolles, fast freundschaftliches Verhältnis zu unseren Mietern zu haben.

    Und jetzt fühle mich vom Senat drangsaliert und werde in einen Topf geworfen mit internationalen Raubtierkapitalisten. Warum spielt der Senat (private) Vermieter und Mieter gegeneinander aus? Warum kann man nicht GEMEINSAM überlegen wie man die Mietsituation in Berlin MITEINANDER lösen kann. Selbst die Genossenschaften schütteln nur noch den Kopf und ziehen sich zurück.

    Ich habe das Gefühl es gibt entweder nur noch Links-Partei-Argumente (vertrau dem Staat, der kann das besser, siehe massenhafter Wohnungsverkauf vor wenigen Jahren, BER, zu wenig Schulen, langsame Berliner Verwaltung usw.) oder FDP (vertrau dem Markt, siehe Deutsche Wohnen). Können wir die großen Gesellschaften nicht an die Leine nehmen (Steuern, Vorschriften usw.) und gleichzeitig über einen fairen Ausgleich von Mietern und Vermietern reden?! Das würde ich mir wünschen. Denn ich finde den Wohnungsmangel und das Herausmodernisieren genauso furchtbar, wie jeder Mieter (war ich den Großteil meines Lebens ja auch). Aber einfach nur verteufeln und mit Enteignung drohen, wird die Lage nur verschlimmern (Stillstand bei Bau und Modernisierung).

    Egal was man vom Mietendeckel hält, der erste Schritt zur Besserung besteht im gegenseitigen Zuhören. Und auch ich lerne immer wieder gerne neue Sichtweisen kennen. Deshalb höre ich ja auch die Lage ;). DANKE!!

    • Ich glaube dir, dass du ein toller Vermieter bist. Meiner Erfahrung nach sind gerade die privaten Vermieter die, die den Hals nicht voll kriegen. Wenn ich mir die Mietpreise von Vonovia und Deutsche Wohnen mit den privaten Vermietern vergleiche, sehen die privaten meistens ganz alt aus. Ich habe keine Objektiven Quellen, suche aber seit 2 Jahren eine Wohnung. Da habe ich eben dieses Phänomen beobachtet.
      Übrigens: Wenn du so ein gutes Verhältnis zu deinem Mieter hast, brauchst du dir ja auch keine Sorgen machen, dass er dich bei einem Mietendeckel auch wirklich anschwärzt. Ich würde das nicht machen bzw. würde mich nicht trauen. Da ziehe ich lieber aus ;)

  53. Ich kann mich den meisten vorhergehenden Kommentaren nur anschließen. Das Interview war leider sehr einseitig und ich war doch sehr verwundert, warum viele, teilweise sehr abwegige Thesen eures Gastes so unwidersprochen stehen geblieben sind. Mich würde eure Sicht zu dem Interview interessieren und mich freuen, wenn ihr in einer der nächsten Folgen noch etwas dazu sagen könntet. Viele Grüße und natürlich gute Besserung an euch

    • Ich finde das eigentlich sehr gut, den Gast reden zu lassen, solange er nicht falsche Fakten wiedergibt. Das ist so ähnlich wie das Thilo Jung in seienm “Jung&Naiv” Format macht. Dadurch konnten Sie sich doch eine gute Meinung zu dem Gast und seinen Aussagen bilden, oder etwa nicht?

      • Nein, weil Aussagen nicht korrigiert werden.

        Der Gast sagt z. B. Die Preise von Bauland hängen von Angebot & Nachfrage ab. Das ist schlicht falsch – sie steigen seit Jahrzehnten genauso wie die Preise für Grundstücke.

        Quelle Bauland, siehe Tabelle ua : https://de.wikipedia.org/wiki/Bauland?wprov=sfla1

        • Natürlich hängen sie von Angebot und Nachfrage ab. Das kann auch dazu führen, dass die Preise sehr lange steigen. Tendenziell tun das Preise, da wir in der Regel eine positive Inflation haben.
          Das Problem der enormen Steigerung der Häuserpreise ist eine direkte Folge der EZB-Politik. Es ist sehr viel Geld, das Anlagemöglichkeiten sucht.

          Und es findet: Aktien und Immobilien. Das ist der wahre Grund für diese Entwicklung.

        • Kommt wohl auf das Verständnis an.

          Versteht man “Angebot und Nachfrage” und “Märkte” als reale Märkte, unter Wettbewerb, die tatsächlich ein ökonomisch sinnvolles Ergebnis hervorbringen kommt man doch nicht drum herum sich zu wundern, wieso Boden als Gemeingut zugunsten einiger weniger Privater gehandelt wird, während die Mehrheit sich den Zugang erst durch harte Arbeit erwirtschaften muss. Das die Preise von Boden langfristig steigen (auch deutlich schneller als die Inflation übrigens, siehe z.b. Baulandpreisindex des Statistischen Bundesamtes), hängt damit zusammen, dass das Angebot fix ist während die Nachfrage langfristig gesehen (stark) steigt.

          Zum Angebotsaspekt:
          Niemand produziert Boden (er ist also fix) und der Wert des Bodens kommt alleine durch die Gesellschaft zustande (Lagewert). Man kann Boden – anders als Kartofferln und Smartphones – einfach liegen lassen und hat keine Kosten.

          Zum Nachfrageaspekt:
          Niemand kann auf Boden verzichten. Im Zuge steigender Produktivität – oder auch nur Kaufkraft, die muss ja heutzutage nichts mit eigener Produktivität zu tun haben – wird Boden immer wertvoller.

          Die enorme Steigerung der Hauspreise wird in einer Studie zu 80 Prozent auf steigende Bodenpreise zurückgeführt (siehe https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/aer.20150501). Natürlich haben niedrige Zinsen einen Anteil daran das Boden- und Immobilienpreise explodieren – aber es hängt halt auch mit dem Gut zusammen. Man könnte ja auch in tatsächlich produktive Bestandteile der Wirtschaft investieren (neue Produkte, klimaschützende Technologie) – das würde aber kurzfristig nicht so viel Geld einbringen.

          Ich denke der naheliegende “Grund” für steigende Boden- und Mietpreise wird hier übersehen ;-)

          Für mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Georgismus

        • @Altakademiker: Danke für den Verweis auf die EZB-Niedrigzinspolitik! Endlich mal jemand der das nicht vernachlässigt!

          @axre: es stimmt, dass Land/Boden nicht hergestellt wird. Trotzdem wird es gehandelt, wie viele andere Dinge bspw. Edelmetalle auch. Dementsprechend können Immo-Preise auch durchaus fallen: Es gibt/gab durchaus Regionen in Deutschland, wo man für symbolische 1 EUR große Grundstücke kaufen kann.
          Die immer steigenden Preise sind manchen Regionen sind auch ein Phänomen der weltweiten Urbanisierung, und dass wir aufgrund kleinerer Haushalte mehr Platz pro Person bewohnen möchten.

        • @Anne Herbermann:
          Ja, auch Edelmetalle und natürliche Ressourcen (bzw. ihr Wert) wurde von einzelnen privatisiert (sogenannte “ökonomische Rente”). Macht es ja nicht besser. Letzlich ist es ein Diebstahl an der Gemeinschaft.

          Immobilienpreise können tatsächlich fallen, Bodenpreise auch. Tun sie aber praktisch nie in der Gesamtbetrachtung (Gründe denke ich oben erläutert zu haben). Das zu sagen, heißt aber nicht das es überhaupt keine symbolische Euro-Angebote mehr gibt.

          Die steigenden (Häuser-) Preise sind vor allem durch gestiegene Bodenpreise zu erklären (siehe Studie oben). Urbanisierung ist nur ein Ausdruck dafür das Leben in Städten auf Dauer ressourceneffizienter und produktiver ist – eigentlich, in einem wirklich ökonomischen Systems, müsste es auch günstiger sein. Dem ist es aktuell nicht so, da der Zugang zu ländlichen Boden einfacher ist als zu städtischen. Es gibt zwar ein partiziellen Trend zu größeren Wohnungen, der erklärt aber kaum steigende m²-Preise.

          Wer in Berlin neu mietet muss seine Wohngröße etwa halbieren um seine Miete zu halten. In vielen Städten schrumpf daher die Pro-Kopf Wohnfläche deutlich – wo sie steigt & deutlich höher ist sind ländliche Regionen.

          Für mehr:
          https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/wohnflaeche
          https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article197694149/Wohnungsnot-Das-Maerchen-von-mehr-Platz-in-deutschen-Wohnungen.html
          https://www.deutschlandinzahlen.de/tab/deutschland/infrastruktur/gebaeude-und-wohnen/wohnflaeche-je-einwohner

        • Der entscheidende Unterschied zu Jung und Naiv ist aber, dass Jung gezielt nachfragt und die Leute dann ins Messer ihrer eigenen Lügen und Dummheit laufen lässt. Das passiert hier kaum bis gar nicht.

        • @axre:

          Die Stadt Berlin hat doch genügend Land (Tierpark, Tempelhofer Feld) – Boden ist also scheinbar nicht das Problem.
          Sie scheinen hier auch zu vernachlässigen, dass ein Stück Boden halt immer noch nicht zum Wohnen langt – irgendwer muss das Haus darauf schon bauen und das damit einhergehende finanzielle Risiko eingehen. Diese Person möchte natürlich auch dafür entschädigt werden.

          Woher kommt die Arroganz anzunehmen, dass schon irgendwer ein Haus bauen wird, was ich dann bitteschön kostengünstig bewohnen darf?! Wenn was kaputt ist, möchte ich aber bitte nur anrufen, damit der böse Vermieter das repariert..

        • @FP:
          Das es Boden gibt heißt ja nicht das er (aktuell) kostenlos ist. Zwar ist es ein Gemeingut wie Luft, aber eines das zugunsten weniger privatisiert wurde. Heute funktioniert das so das paar weniger mit Boden und Immobilienvermögen geboren werden, die Mehrheit sich den Zugang aber hart erarbeiten muss. Oder – da absehbar viele sowas nicht schaffen – sich stark verschulden oder eben mieten.
          Die Bodenpreisentwicklung ist absurd, sie ist vollkommen unökonomisch. In München daselbe Stück Boden 390 fach soviel Wert wie vorher – da Boden nicht produziert wird, was denken sie, woher kommt der Wert?

          “Sie scheinen hier auch zu vernachlässigen, dass ein Stück Boden halt immer noch nicht zum Wohnen langt (…)”

          Ich könnte sogar den Unterschied Bauland, baureifes Land und Bauerwartungsland erklären. Aber das ist gar nicht das Problem. Es stellt sich die Frage ob man den Wert von natürlichen Ressourcen und Boden privatisiert oder nicht. In der Theorie unterscheided man z.b. zwischen dem Recht eine Sache zu nutzen & zu verändern und dem Recht diese Sache zu verkaufen (https://de.wikipedia.org/wiki/Theorie_der_Verf%C3%BCgungsrechte). Übertragen auf Wohnen: Das Recht Boden zu verkaufen und den Ertrag zu behalten hat erstmal wenig zu tun, preiswerte Wohnverhältnisse zu schaffen. Wie man aktuell an der Bodenpreisentwicklung und der Mietpreisentwicklung ablesen kann ist es sogar zutiefst kontraproduktiv – schließlich muss ja irgendjemand die Boden-“Kosten” zahlen. Sofern ein Vermieter sich nicht doof angestellt hat, ist es der Mieter.

          Die Rolle des Vermieters ist sehr gemischt. Wenige wollen gute Wohnformen anbieten, viele wollen aber einfach an der natürlichen Knappheit des Gutes Boden & Wohnraum profitieren. Darunter leidet die Wohnraumversorgung – neben Finanzspekulation, tatsächlich ab & zu zu wenig preiswerter Neubau etc.

          Ich finde es vollkommen ok das jemand Häuser baut & dafür bezahlt wird. Das macht Wohnen ja nicht teuer. Was absurd ist, keine Häuser bauen (siehe Neubauleistungen von Deutsche Wohnen z.b.) & über schlichte Machtverhältnisse Preiserhöhungen durchzudrücken. Oder ein Gemeingut auf eigene Rechnung zu verkaufen.

          Btw. würde ich es mir manchmal wünschen tatsächlich wen anrufen zu können – in meiner Miet-Wohnung muss ich alles selber machen. Und am Ende natürlich selber renovieren. Da fragt man sich schon, ob Vermietung nicht nur dazu da ist mit möglichst wenig Einsatz möglichst viel Geld zu machen.

  54. CDUler und ihr ewiges Mantra “Die Linken müssen bekennen, die DDR war ein Unrechtsstaat.” das immer kommt, wenn sie keine sachlichen Argumente oder nüchterne Inhalte vorbringen können. 🙄

  55. Vielen Dank für diese Folge!

    Früher wurden die hohen Diäten mit der damit ermöglichten Unabhängigkeit der Abgeordneten begründet. Heute (zumindest bei eurem Gast) sichern also die Nebentätigkeiten die Unabhängigkeit? Interessant.

    Seinem zweiten Argument ‘Arbeitsplatzsicherheit’ möchte ich mal die Realität der arbeitenden Bevölkerung entgegenhalten. Fehlende Arbeitsplatzsicherheit ist ein Argument für mehr soziale Sicherheit in Deutschland (auch für Abgeordnete) aber keines für “jeder braucht zwei Jobs (drei bei eurem Gast)”. Unglaublich.

    • Diese Einschätzung kann ich nur teilen. Die Argumentation eures Gastes zum Thema Nebentätigkeit war schon fast dreist, an der Stelle hättet ihr ruhig mal etwas Kontra geben können. Sich aufgrund der Nebentätigkeit keine Sorgen um die eigene berufliche Zukunft machen zu müssen führt doch gerade nicht dazu, das Abgeordnetenamt mit vollem Einsatz auszufüllen. Vielleicht werden die Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommen hier ja widersprechen wollen – wir bewegen uns aber nicht auf dem Niveau der Existenzsicherung, sondern eher im Bereich Business- oder Firstclass-Flug auf die Malediven.
      Und bei dem Punkt „Ich lebe in Berlin und die Tätigkeit fällt daher zeitlich kaum ins Gewicht“ muss man doch entgegnen: Jede Sekunde seiner Zeit, die sich Herr Luczak nicht um seinen Job als Abgeordneter kümmert ist a) Betrug an den Menschen die ihn gewählt haben und b) an jedem Steuerzahler.

      • Ebenso kann man sich natürlich fragen, wieso die Kanzlei ihm weiterhin ein Gehalt zahlt. Ohne Gegenleistung schwer vorstellbar. Wie mag diese Gegenleistung aussehen? Ein Schuft der Böses unterstellt.

  56. Vielen Dank fuer dieses Interview, insbesondere da Jan-Marco Luczak ja nicht unbedingt eure eigene (politische) Meinung widerspiegelt. Ich finde das neue Interview Format der letzten Folgen super (so lange dies zusaetzlich zur normalen Folge released wird). Weitere Interviews aus dem gesamten demokratischen Spektrum ausdruecklich erwuenscht! Wie schon in einem anderen Kommentar geschrieben ist dies eine grossartige Moeglichkeit politische Standpunkte ausserhalb der eigenen Filterblase zu hoeren und zu verstehen.

    Beifall an dieser Stelle an Jan-Marco Luczak der hier eine der besten und fundiertesten Einschaetzungen zum Thema Mietendeckel geliefert hat.

    Das Ende des Interviews war irgendwie etwas komisch geschnitten. Hier konnte man fast den Eindruck gewinnen, dass ihr das Interview schnell zu ende bringen wolltet oder am Ende etwas gekuerzt habt, denn sein letzter Standpunkt zum Thema Linksextremismus war ja dann doch etwas weit ab vom “normalem” Lage Standpunkt. Keine Unterstellung an dieser Stelle, kam durch den Schnitt aber irgendwie komisch rueber.

    • Nö, die Einschätzung war Lückenhaft und mit wenig Fundament. Da würde ich mir die ganzen Kommentare hier mal durchlesen.

  57. Vielen Dank für das Interview! Ich fand es wirklich sehr interessant.

    Ich hätte mir allerdings gewünscht, wenn ihr an manchen Punkten noch etwas mehr nachgehakt hättet. Beispielsweise beim Thema Lobbyismus: Herr Luczak macht hier den ziemlich verzerrenden Vergleich zwischen Mieterbund und Haus&Grund als Lobbyisten beim Thema Wohnen. Er weiß aber selbst ganz genau, dass es in der Realität nicht so aussieht, dass er sich vormittags mit dem einen und nachmittags mit dem anderen Verband trifft, weil es auf der Seite der Immobilienvertreter viel mehr Organisationen gibt und jede von denen auch viel mehr Personal und finanzielle Mittel hat, um sich Gehör zu verschaffen. Lobbycontrol hat hier etwa herausgearbeitet, dass beim “Wohngipfel” der Bundesregierung 14 (!) Verbände der Immobiliennlobby vertreten waren und daneben nur 1 (in Worten: ein!) Verband der Mieter (nämlich der Mieterbund) und immerhin noch zwei Gewerkschaften eingeladen waren (die nicht unbedingt Mieterinteressen vertreten).

    Quelle: https://www.lobbycontrol.de/2018/09/bezahlbares-wohnen-seehofers-immobilienlobby-gipfel-steht-an/

    Auch wenn Herr Luczak hier möglicherweise noch sagen würde, dass das ja nicht auf seinen Mist gewachsen sei, sondern Seehofers Veranstaltung war – sieht denn sein Arbeitsalltag wirklich so anders aus? Wie oft redet er mit Wirtschaftsvertretern und wie oft mit Mietervertretern?

    Hier setzen eben ganz simple psychologische Effekte ein, wie beispielsweise der Mere-Exposure-Effekt: Allein die Tatsache, dass er zu 95% Informationen von Wirtschaftsvertretern bekommt, wird sein Bild von diesen Organisationen zunehmend positiver. Hinzu kommt der psychologische Effekt der Reziprozität: Wenn man von jemand anderem etwas geschenkt bekommt (zum Beispiel eine angenehme Abendveranstaltung mit Vorträgen und Canapés), dann ist man wohlwollender, wenn es darum geht, etwas zurückzugeben.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Mere-Exposure-Effekt
    https://de.wikipedia.org/wiki/Reziprozit%C3%A4t_(Soziologie)

    Auch wenn Herr Luczak noch so sehr behauptet, er könne ja gar nicht manipuliert werden – die Propaganda der Lobbyisten bleibt trotzdem hängen und Mieterinteressen gehen vollkommen unter. Oder anders formuliert: Die großen Unternehmen geben ja nicht ohne Grund Millionen und Abermillionen aus, um davon Lobbyisten zu bezahlen, sondern sie tun das, weil es sich rentiert. Und das weiß Herr Luczak auch ganz genau. Und ich hätte mir wirklich gewünscht, dass in dem Interview dieser Punkt stärker hervorgehoben worden wäre. Die Tatsache, dass Herr Luczak hier seine Beeinflussbarkeit knallhart leugnet ist nach alledem der Beleg dafür, dass er eben NICHT neutral ist, sondern bewusst und gezielt Lobbyinteressen vertritt.
    Im Übrigen muss er genau diese Lobbyinteressen auch deshalb vertreten, weil die Mandanten seiner Kanzlei es von ihm erwarten. Denn Hannelore Schmidt wird wohl kaum zu Hengeler Müller gehen, um sich gegen die Deutsche Wohnen wegen ihrer Mieterhöhung zur Wehr zu setzen. Anders herum aber schon eher.

    • Ich finde ja auch, dass er jegliche Glaubwürdigkeit ziemlich früh im Interview verspielt hat, als er entgegen der offensichtlichen Faktenlage behauptete, er sei kein Abgeordneter in eigener Sache. Und danach wurde es nicht besser.
      Bei ihm tendiere ich in der Dumm-zynisch-skala sehr in Richtung zynisch.

  58. Ich habe mich sehr über eine neue Folge der Lage gefreut. Aber die Folge mit nur einem CDU Typen war mir doch zu einseitig. Das ist nicht die Lage wie ich sie kenne.
    :(.

    • Ich bin auch fast geplatzt vor Widerspruch, den ich mir von euch mehr gewünscht hätte.. Die linken würden Ängste schüren ist so realitätsfern; die Ängste sind real und zahlreich. Ich habe lange in der Pflege gearbeitet (in Berlin) und diejenigen Kolleg*innen, die keine Verdrängung fürchteten haben schon längst am Stadtrand gewohnt und teilweise Arbeitswege von über einer Stunde hingenommen. Aber neben solchen Menschen möchte euer Gast wahrscheinlich auch gar nicht wohnen.

  59. Am Ende hat sich der Gast leider derart um Kopf und Kragen geredet, dass seine Argumentation ihre Sachlichkeit verloren hat. Herr Holm ein Linksextremist. Ernsthaft?

  60. Ha! Erwischt. Neue Folge LDN lädt automatisch, ich schau auf den Titel und denke: was? Och nöö, Interview mit so nem CDUler…. Ich merke gerade, wie wenig Lust ich habe, mir „die andere Seite“ anzuhören (und ich habe die Folge noch gar nicht gehört!). Ist so schön hier in meiner social media bubble, wo Algorithmen und blocken mir alles andere wegfiltert und alle meiner Meinung sind. Hab ich gar nicht gemerkt, wie selektiv mir die Infos reinfliegen.

    Danke dafür!

  61. Liebe Lage,

    Danke für das Posting zusätzlicher Hintergrundinformationen (Bekenntnisrituale) zum Interview mit Herrn Luczak. Ich würde gerne selbst Hintergrundinformationen zu weiteren mir scheinbar zweifelhaften Aussagen des Interviewten sammeln, aber leider fehlt mir die Zeit dazu. Vielen Dank, dass ihr das teilweise übernehmt ;)

    Bis bald, hoffentlich mal wieder in Berlin (Live)!

  62. In den Links zum Podcast von heute wird unter “Dr. Jan-Marco Luczak (Wikipedia)” nicht auf Wikipedia, sondern auf Twitter verlinkt.

  63. 22. November 2019 um 20:18 Uhr
    Alexander Visaczki

    Sehr interessant…
    Mich würde interessieren, wie der Investitionsrückgang eigentlich gemessen wird, um dieses starke Argument gegen den Mietendeckel zu stützen.

    Und eher ein formalles Ding…
    Der Abschied von Eurem Interviewpartner war komisch zusammengeschnitten.