50 Kommentare

  1. LdN165: Mmh, irgendwie für mich informativ nicht wirklich bereichernd. Ja, kann man sich anhören, aber … Was ist an dem Tagesspiegel-Checkpoint wirklich interessant? Bringt es mir eine andere für mich interessante Perspektive näher. Irgendwie nicht. Es wäre doch für die eigene Sicht/Meinung interessant, andere Perspektiven vorgestellt zu bekommen. Andererseits sicherlich auch gar nicht so einfach, auf Dinge zu schauen, die andere ggf. anders, besser oder gar entgegengesetzt machen. Ich bin gespannt, wen ihr noch interviewen werdet. Lieben Dank.

  2. Mit seiner Vermutung, dass J. Baberowski in die rechte Ecke gedrängt wurde, liegt L. Maroldt wahrscheinlich richtig. Ich habe Baberowski noch als Dozent an der Uni Leipzig kennengelernt und hatte bei einem, der viel M. Foucault zitiert und einen sehr kollegialen, nicht-hierarchischen Umgang mit Studierenden pflegt, eher den Eindruck eines klassischen Linksintellektuellen. Nach Berlin ist Baberowski übrigens u.a. deswegen gegangen, weil er der Uni Freiburg wohl nicht konservativ genug war. Aber ich nehme an, gewisse linke Splittergruppen nervt es einfach, dass jemand so ausgiebig über den stalinistischen Terror forscht.

  3. Hallo Philip, hallo Ulf,

    Frage, ggf. für eine der nächsten Folgen falls ihr das Thema Deep Fakes diskutiert:

    Aktuell wird ja gerade darüber diskutiert, dass die Polizei nun computergenerierte
    (deepfakes) kinderpornographische Inhalte erzeugen und nutzen darf um diese bei der Überführung von Pädophilen zu nutzen.
    bspw. bei golem https://www.golem.de/news/deep-fake-polizei-soll-kinderpornografische-fake-inhalte-nutzen-duerfen-1911-145142.html
    Wie ist eigentlich die Rechtslage wenn ein “Täter” nur noch solche künstlich erzeugten Inhalte konsumiert?
    Unser Freund und Helfer, die bayrische Polizei listet auf dass der Besitz, das tauschen etc. strafbar ist. https://www.polizei.bayern.de/schuetzenvorbeugen/kriminalitaet/sexuellermissbrauch/index.html/363
    Aber wie das bei einem künstlich erzeugtem Bild? Findet hier überhaupt noch eine Straftat statt?
    Mir ist klar dass der Inhalt immer noch geschmacklos ist, und jemand mit diesem Neigungen weiterhin Hilfe braucht. Mir geht es um die mögliche Verteidigungsstrategie. Die New York Times hat ja in ihrem Artikel zu Deep Fakes ein Video der Expertin Claire Wardle. Diese äußert die Befürchtung, dass zukünftige Verteidigungsstrategien für alle möglichen vermeintlich dokumentierten (Bild, Video) Aussagen sein könnte, “das ist ein Fake” oder “das war ja nicht echt”.
    https://www.nytimes.com/2019/08/14/opinion/deepfakes-adele-disinformation.html
    https://www.youtube.com/watch?v=1OqFY_2JE1c&feature=emb_logo

    Schafft sich die Polizei nicht den Präzedenzfall für die Verteidigung nach der Vorgehensweise “ich dachte das sind künstliche Bilder und somit ja erlaubt”?

  4. Liebes Lage-Team,

    bei der Lage Live in Münster hatte ich Ulf angesprochen:
    als Kommune ist es sehr schwer, die Verkehrswende umzusetzen, weil einem bundesrechtl. Regelungen häufig im Weg stehen, so u.a. auch die Gebühren für Anwohnerparkplätze in der Innenstadt (Stichwort ruhender Vekehr, öffentlicher vs. privates Abstellen, Neuaufteilung von Raum zugunsten von mehr Aufenthaltsqualität etc. )
    Dazu vielleicht interessant (Scheuer trifft sich mit Kommunen):
    https://www1.wdr.de/nachrichten/anwohnerparken-nrw-100.html

    In NRW finden 2020 Kommunalwahlen statt.

    Vielleicht könnt Ihr das Thema in den nächsten Monaten aufgreifen, bzw. im Hinterkopf behalten.

    Liebe Grüße
    Eure Hörerin Anne

    PS: habe Ulf bei Illner gesehen: top!
    ___________________________________

  5. Liebes LdN-Team,

    ich musste zum ersten Mal die Folge abbrechen, weil ich es als Nicht-Berliner unglaublich langweilig fand. Ich hätte mir einen größeren Fokus auf den Interviewpartner als Person gewünscht. Eine Abhandlung über die bürokratischen Prozesse Berlins hingegen war echt furztrocken.

  6. Liebes LDN Team,
    ich wünsche mir von Euch die Behandlung des Themas elektronische Patientenakte, welches aktuell sehr kontrovers diskutiert wird. Ich würde mich über Eure Darstellung freuen!
    Lg Lukas

    • Lieber Philip, Lieber Ulf,
      ich bin Psychotherapeutin und in unsererm Fachkreis wird die elektronische Patientenakte und vor allem die Änderung des § 303 SGB V im Digitalen Versorgungsgesetz (DVG) stark diskutiert. Hier findet ihr eine Stellungnahme der DGPT/VAKJP, das sind Berufsverbände psychoanalytischer Therapeut*innen (für Erwachsene, Kinder und Jugendliche): https://www.dgpt.de/presse/pressemitteilungen/
      Generell fände ich es schön, wenn ihr die umfangreichen Änderungen im Bereich der Psychotherapie-Ausbildung und Leistungsangebote darstellen könntet- da ist gerade sehr viel im Wandel.

      Sonst bin ich ein großer Fan und hoffe, Euch am 10.01. (?) mal live in Köln sehen .

      Liebe Grüße
      Verena

  7. Themenvorschlag Verbandsklagerecht/NGOs/ Engagement Zivilgesellschaft

    Hallo Philip, hallo Ulf,

    ihr hattet (ich glaube es war diesen Sommer) euch schon mal zum Thema Aberkennung der steuerrechtlich relevanten Gemeinnützigkeit von “Attac” geäußert. Ulf meinte hierzu, dass diese Entwicklung sehr bedenklich sei, da die NGOs ein wichtiges Gegengewicht zur finanz- und einflussstarken Wirtschaftslobby seien. Das sehe ich genauso.

    Ich habe letztens einen kleinen Vortrag zum Thema “Klimaklage” vorbereitet. Das Verwaltungsgericht Berlin hat die aktuelle Klage dreier Bauernfamilien und Greenpeace Deutschland leider mit Urteil vom 31.10.2019 (VG 10 K 412.18) als unzulässig angesehen (schriftliche Urteilsgründe sind leider noch nicht raus). Unter anderem führte das Gericht das fehlende Verbandsklagerecht von Greenpeace Deutschland an (Greenpeace wurde vom Umweltbundesamt nicht als Umweltorganisation nach § 3 III UmwRG wegen fehlender demokratische Binnenorganisation anerkannt; in der Klageschrift wurde zwar versucht auf Art. 9 III Aarhus-Konvention i. V. m. Art. 47 Charta der Grundrechte der Europäischen Union zu argumentieren; das VG Berlin hat dies jedoch nicht gelten lassen). In diesem Zusammenhang ist mir der Aufsatz “Umweltverbände: Mit Macht kommt Verantwortung” (Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht, 11/2019) einer Wirtschaftskanzlei untergekommen, die (versteht sich) kontra Stärkung des Verbandsklagerechts etc. argumentiert.

    Ich fände es super spannend, wenn ihr dieses Thema -Rolle der NGOs in der Zivilgesellschaft und deren Einflussmöglichkeiten- nochmal aufgreifen würdet. Ich denke aktuelle Ereignisse um das Thema aufzugreifen ergeben sich hier immer wieder https://www.greenpeace.de/presse/publikationen/factsheet-klimaklagen-weltweit Falls ihr das Thema im Rahmen der Klageverfahren der DUH schon vertiefter aufgegriffen habt, dann entschuldigt, dass ich es nochmal anspreche. Ich habe allerdings noch keine gute Möglichkeit gefunden die LdN Folgen nach Schlagworten zu durchsuchen.

    Ich bin etwas hin und her gerissen, ob man das Mittel der Verbandsklagen noch stärker anwenden soll. Auf der einen Seite ist es natürlich eine tolle Sache, wenn man gewinnt…viel besser als vage Versprechungen von Politikern. Auf der anderen Seite kann der Schuss Image-mäßig auch nach hinten losgehen (s. DUH), weil das Gericht natürlich nicht so kreative Werkzeuge an der Hand hat wie die Politik (Bsp. Fahrverbote). Und ein weiterer Aspekt, bei dem ich jetzt wirklich etwas diesem Aufsatz der Wirtschaftskanzlei aufgesessen bin: NGOs sind nicht demokratisch legitimiert, unterliegen nicht dem Willkürverbot und haben nicht den alleinigen Anspruch auf die Kenntnis des “Gemeinwohls”. Zwar muss man ganz klar sagen, dass solche Gerichtsverfahren ja nur bezwecken können, bereits schon geltendem Recht zur Umsetzung zu verhelfen, auf der anderen Seite ist es natürlich schon ein starkes Agenda setting und schließlich gibt es kein Verbandsklagerecht für die Vereinigung der leidenschaftlichen Dieselfahrer…

    Was meint ihr dazu? Ist es eine sinnvolle Ergänzung der politischen Auseinandersetzung, oder muss man sagen, dass wir in Zeiten der zweifelhaften Symbolpolitik einfach schon so weit sind, dass jeder schauen muss wo er bleibt, notfalls eben auch mit der “Klagekeule”?

  8. Man konnte in dem Interview sehr schön erkennen, wieso der Checkpoint und Herr Maroldt sich, aus meiner Sicht zu recht, durchaus auch hart kritisiert werden. Dinge werden bewusst verkürzt oder gar falsch dargestellt und wenn das angesprochen wird, zieht man die “das ist natürlich ironisch zugespitzt”-Karte. Herr Maroldt sagt seine pointiert bis populistischen vorgetragenen Sprüche auf, 14 Verwaltungsschritte, organisierte Unzuständigkeit usw. Aber auf die Nachfrage, was denn nun genau schief läuft und wie es besser ginge, kommt er ins Schwimmen. Da hätte Philip noch 10 mal nachfragen können.

  9. Interessante Folge – auch für Nicht-Berliner! Ist super, mal über den eigenen (lokalen) Tellerrand hinauszuschauen und zu hören, was die Berliner_innen in der Kommunalpolitik umtreibt.
    Was mich schockiert hat: Maroldt berichtet, dass er jede Nacht bis 5h arbeitet und dann “ein paar Stunden schläft” – das sind doch sehr menschenunwürdige Arbeitsbedingungen?! Bei mir hinterlässt das einen fiesen Beigeschmack, wenn ich den Checkpoint lese (lesen würde) und immer denke “mist, dafür hat sich jetzt einer die Nacht um die Ohren geschlagen, nur damit ich um 6h die Nachrichten per Mail bekomme!” – das ist vielleicht ein allgemeines Problem im Journalismus?! Auf jeden Fall ist das ein krasser Einblick gewesen und hat mich doch ganz schön zum Grübeln gebracht.

  10. Hallo Philipp und Ulf,

    ich würde mich freuen, wenn ihr die aktuelle Diskussion um die Gemeinnützigkeit von Vereinen aufgreift. Das gängige Bild, welches in meinen Augen von den Medien diesbezüglich transportiert wurde, war: “Scholz möchte Männervereine verbieten”.

    Was dabei völlig unter dem Tisch gefallen ist:
    – Das Ganze geht nicht von Scholz aus, sondern ist eine Vorgabe vom Bundesverfassungsgericht
    – Nirgendwo ist die Rede von reinen Männervereinen, sondern von Vereinen, welche Menschen aufgrund ihres Geschlechts von einer Mitgliedschaft ausschließen
    – Ausgenommen davon sind Vereine, die einen triftigen Grund haben.

    Anja Reschke hat das sehr gut in einem Kommentar zusammengefasst: https://www.zeit.de/2019/47/steuervorteile-maenner-geschlechtergerechtigkeit-olaf-scholz-twitter Als mir

    • Danke, wichtiges Thema, zu dem ich auch aus GFF-Perspektive einiges beitragen kann, weil wir dazu Fälle haben. Die Geschlechterfrage ist nur eine von mehreren in dem Kontext.

      Es handelt sich allerdings nicht um eine Vorgabe des BVerfG, das hat lediglich eine Entscheidung der Finanzverwaltung akzeptiert.

  11. Hallo Ulf, hallo Philip und aktuell hallo Lorenz. Thema Paywall. Ich bin ja sehr für unabhängigen Journalismus, für mich bedeutet das aber auch, dass ich verschiedene Zeitungen lesen kann. Durch die Einführung von Paywalls wird mir diese Möglichkeit genommen. Als Konsument kann ich es mir einfach nicht leisten, 30, 40, 50€ im Monat für diverse Abos auszugeben, zumal ich oft gar nicht die Zeit habe, sämtliche Zeitungen zu lesen. Ich für meinen Teil lese selektiv Artikel verschiedener Zeitungen. Verschwindet immer mehr Journalismus hinter einer Paywall, gibt es diese Möglichkeit nicht mehr. Unabhängig informieren geht nicht mehr.
    Das ist unzeitgemäß. Mal ein Beispiel: Zeit 15€, Spiegel+ 20€. lokal Zeitung ca. 10 bis 20€, SZ-Basis 10€. Der Tagesspiegel kostet im Digitalabo auch schon 35€, da wird TS-Plus nicht für 2,50€/M kommen. Wer soll das zahlen?
    Deutsche Medien haben es meiner Ansicht nach verpennt, sich in einem vernünftigen Netzwerk zu organisieren. Sie haben es versäumt, eine Plattform zu schaffen, auf der Konsumenten, die Artikel (egal von welchem Blatt) lesen können, die sie auch interessieren. Stattdessen wird seit Jahren für das klassische Urheberrecht Lobbyarbeit gemacht, was dann letztendlich in der berühmt berüchtigten EU Urheberrechtsreform endete.
    Ich zahle Abos für Musik & Videostreaming, warum soll das nicht auch mit Journalismus funktionieren. Die Printmedien müssen endlich ihr analoges Denken aufgeben. Der anaoge Verkauf von Zeitungen kann nicht einfach in die digitale Welt verlagert werden. Deutsche Printmedien sollten sich zusammenschließen und ein sinnvolles Produkt auf den Markt bringen. Ein Aboservice für 20€/M dafür dass ich verschiedene Zeitungen, verschiedener Medienhäuser lesen kann und ich wäre dabei.

  12. Macht bitte mal einen Beitrag zum Bedingungslosen Grundeinkommen. Danke!

  13. Hey ihr Beiden,

    hat mir sehr gut gefallen. Sehr interessanter Gast und schönes Gespräch. Hab keine weitere Anmerkung, sondern wollte nur positives Feedback geben.

    Liebe Grüße

  14. Hallo zusammen,

    grundsätzlich gefällt mir das Format sehr gut. Es steht und fällt natürlich mit dem Gesprächspartner. Insofern war Herr Maroldt nach meinem Empfinden eine sehr gute Wahl. Gleichermaßen unaufgeregt und differenziert, auch wenn ich inhaltlich teilweise nicht mit ihm übereinstimme.

    Sonst inhaltlich bleibt anzumerken, dass (wie hier schon kritisiert) überdurchschnittlich viel über Berlin konkret gesprochen wurde.
    Das war für mich nur insofern interessant, als dass sich daraus natürlich auch Lehren für andere Kommunen ableiten lassen, um in Berlin vorkommende Fehler gegebenenfalls vermeiden zu können.
    Sofern man sich also nicht zu sehr auf den konkreten Inhalt fokussiert, sondern selber einen Vergleich mit der eigenen Kommune zieht, konnte man auch aus diesem Segment etwas mitnehmen.

    Ungleich interessanter fand ich den darauf folgenden Teil, vor Allem vor dem Hintergrund dessen, was ich als “diskurstheoretisches” Element bezeichnen wollen würde.
    Dort konnte ich für mich doch die eine oder andere Lehre oder einen Anstoß zur Reflexion mitnehmen.

    Abschließend bleibt daher zu sagen, dass mir natürlich eure Einordnung der aktuellen Geschehnisse fehlt, ihr aber mit diesem Format einen zeitunabhängigen Ersatz geschaffen hat, der sich auch lohnt!

    Liebe Grüße

  15. Hallo ihr beiden und vielen Dank für euren interessanten und kompetent-geführten Podcast!

    Eine Anmerkung zum Thema: “mit denen reden und sie ernst nehmen“. Ihr bringt hier zwei Statements, die sich ggf.(sofern ich das richtig überblicke) etwas widersprechen bzw. selbstreflektierend zusammengeführt werden sollten:

    – ab 57:30 (Bezug aufs Youtube-Video): “da geht es … nicht um einen Austausch von Argumenten, um tatsächlich zu einem Erkenntnisfortschritt zu gelangen, sondern da geht es einfach nur darum, möglichst viele … polarisierenden Thesen in den Raum zu stellen“ … um Menschen davon zu überzeugen, dass diese Kritik berechtigt ist
    – ab 1:04:00: ”ernst nehmen heißt: Zeitnehmen und … der Versuch sich in den anderen hineinzuversetzen”

    Ich bin der Einfachheit halber jetzt selbst polarisierend und spreche von “denen“ und “uns“.
    Zum ersten Zitat: Wir sollten uns bewusst werden, dass das “den anderen” evtl. genauso vorkommt wie “uns“ auch. Sprich die Frage: sind wir hier wirklich besser? Oder denken wir das eben nur, weil wir von der Wahrheit und Richtigkeit unserer Meinung/Werte überzeugt sind – genauso wie die anderen?
    Natürlich sind diese Leute von ihrer Meinung überzeugt und haben bestimmte Argumente dafür. Das Gleiche gilt für “uns“, die “linken“, “moderaten“ oder wie auch immer. Wir sind fest davon überzeugt, dass eine demokratische Grundordnung, in der alle die gleichen Rechte und Pflichten besitzen und in der deshalb Rassismus keinen Platz hat, die richtige ist.

    Zum zweiten Zitat: wenn wir uns jetzt in den anderen hineinversetzen wollen, müssen wir verstehen, dass diese Person 1) ebenso von ihrer Meinung aus gewissen Gründen und Erfahrungen überzeugt ist und dass 2) sie ebenso davon überzeugt ist, dass ihre Meinung gegenüber der unsrigen die einzig richtige ist und 3!) ihnen auch zeigen, dass wir das verstehen wollen und rein theoretisch bereit wären uns überzeugen zu lassen.

    Ernst nehmen heißt damit, dass wir uns dazu bekennen, dass die andere Meinung auch richtig sein könnte. Andernfalls kann keine ehrliche Diskussion stattfinden, da sonst die andere Person von Anfang an – nicht ernst genommen wird. Bzgl. des ersten Zitats sollten wir daher vorsichtig und sehr selbstreflektiert sein, was unsere Analyse über die “Intention“ dieser rechten Personen angeht. Weil mit diesem ersten Zitat oben (bzw. aus dem Youtube Video), sprechen wir ihnen jegliche Diskussionsbereitschaft (und dadurch vllt. sogar Diskussionsmündigkeit) ab, die viele Leute auch bestimmt nicht haben. Aber viele andere bestimmt schon.

    Viele Grüße,
    Adrian

    • Grundwerte kann man nicht diskutieren. Deswegen sind sie Grundwerte. Wenn man keine Basis hat, wie z.B. dass Rassismus in jeder Form falsch ist, dass Recht auf körperliche Unversehrtheit, Gleichheit vor dem Gesetz, Gleichheit von Frauen und Männern.

      Wenn man sich darauf einigen kann, dann kann man mit dem gegenüber diskutieren. Wenn nicht, will man dann über die Grundwerte diskutieren? Jedes Mal von Neuem?

      • Grundwerte sind grundlegende Wertvorstellungen wie Beispielsweise Treue, Aufrichtigkeit oder Freiheit.
        Hierüber kann man sehr wohl diskutieren, da verschiedene Priorisierungen dieser Wertevorstellungen ja oft die Basis von Meinungsverschiedenheiten sind.

        Insofern finde ich einen Punkt der oben gemacht wurde sehr wichtig: Jede ernsthafte Diskussion setzt voraus, dass ich erkennbar versuche Verständnis für die Positionen meines Gegenübers aufzubringen und mit einer gewissen Offenheit in eine Diskussion gehe.
        Wer nicht bereit ist die auch die eigene Meinung zu hinterfragen, kann dies nicht von Seinem Gegenüber verlangen.

        • Tut mir leid, sehe ich anders. Wenn jemand die Grundwerte anzweifelt und diskutieren will, dann bin ich persönlich raus aus der Diskussion. Menschenrechte, Grundgesetz, darunter geht es nicht.

  16. Hallo Philip, hallo Ulf,

    Ich habe eine ganz grundsätzliche Anmerkung, die mir schon länger „auf der Zunge liegt“.
    Zunächst: Ich höre euch seit ca. 1,5 Jahren sehr gerne und regelmäßig und teile eure Position in den allermeisten Fällen.

    Ich denke, euer Podcast könnte noch mehr Leute erreichen, die nicht „eh schon so denken wie wir“ -und somit einen deutlich nützlicheren gesellschaftlichen Impact haben- wenn ihr euren punktuell aufblitzenden Linkspopulismus besser im Griff hättet. Ich könnte mir vorstellen, dass der eben die Leute, mit denen „wir“ in den Diskurs kommen sollten, vergrault.

    Zwei Beispiele:
    1. In einer Folge habt ihr euch darüber empört, dass beim Zeigen des Nazigrußes auf einer Demo nicht umgehend von der Polizei interveniert wird, und „wenn aus dem linken Block mal ein paar Steine fliegen, wird sofort eingeschritten“ (aus der Erinnerung paraphrasiert). Diese Aussage habt ihr tatsächlich im Verlauf wiederholt und euch dafür noch auf die Schulter geklopft. Dass ihr da die versuchte schwere Körperverletzung im Gegensatz zu einer (abscheulichen und verbotenen) Geste verharmlost, weil erstere aus dem linken Block und letztere aus dem rechten Block kommt, schmälert eure Kredibilität.
    2. Wenn ein islamistischer Terrorist auf einem französischen Weihnachtsmarkt Menschen umbringt, liegt euer Fokus auf „dem armen Loser“ der primär aufgrund seiner ungünstigen Umstände so „geworden ist“. Bei rechtem Terror diskutiert ihr zwar Faktoren, die den Terror fördern (zB Trump), aber warum wird dem „rechten Loser“ nicht die gleiche Beleuchtung der Hintergrundumstände zuteil?

    Ihr solltet neben „Gleichdenkenden“ auch den BWL-Studenten erreichen, der nach dem fünften „Was guckst du?“ im Freibad denkt, dass die Identitären doch eigentlich ganz cool seien, oder den Fliesenleger, der am Wochenende in der Kreisliga kickt, und die fremdenfeindliche Rhetorik in der Kabine für völlig ok hält. Aus deren Perspektive -so fürchte ich- seid ihr aber leider „zu links“ – eben weil immer wieder ein gewisser Populismus aufblitzt. Noch dazu ein akademisch-elitärer Linkspopulismus, der stets davon ausgeht, alle Zuhörer seien Applenutzer („Klickt uns ein paar Sterne bei iTunes“ 😉 ). Die erwähnten Typen müssen überzeugt werden – geht nur, wenn sie auch zuhören.

    Ich weiß noch, wie ich fast vom Stuhl gefallen wäre, als einer von euch gesagt hat: „Überlegen wir doch mal, was ein Trump als Präsident für Vorteile haben könnte.“ Hammer! Ich bilde mir ein, damals hättet ihr das Prinzip der „nüchternen Beleuchtung von allen Seiten“ noch treuer verfolgt. Mittlerweile habe ich immer mal wieder das Gefühl, ihr hättet euch jetzt auf eure Stammkundschaft, die natürlich à la Filterblase prinzipiell eurer Meinung ist, eingenordet und würdet dieses objektive Beleuchten ab und zu etwas vernachlässigen.

    Wow – viel Text für einen kleinen Hinweis… Fazit: Ein konstruktiver Hinweis auf höchstem Niveau. Ihr macht eine Topsendung, die ich gerne höre; ich schätze eure gute Recherche und umfangreiche Darstellung, teile eure Standpunkte und hoffe, dass ihr weitermacht und möglichst viele Leute erreicht.

    Beste Grüße!

    • Danke. Gute Punkte.

      Ergänzend ist anzumerken, dass das Narrativ, nach dem islamistischer Terroristen sich aufgrund sozialer Nöte radikalisieren würden, oft eher westlicher Apologetik dient als auf Fakten zu beruhen.
      Den Hintergrund von Attentätern sollte man im Zweifel am Einzelfall nachweisen können, wenn man in dieser Hinsicht Behauptungen aufstellt.

      Die 9-11-Attentäter waren bestens ausgebildet und zählten – wie auch bin Laden selber – zur Oberschicht. Gleiches galt für die Selbstmordattentäter der Hamas, da wurden nur die Besten und Frommsten geschickt – bis man den Verlust an Akademikern wohl doch als zu teuer bewertete.
      Bataclan: Die Typen waren zumindest gründlich ausgebildete Sadisten, über deren Vorgehen offenbar nur unvollständig berichtet wurde.
      In Pakistan soll gerade aus der Oberschicht das Terrorpotential rekrutiert werden.

      Die Hisbollah geht da wohl zt anders vor, was auch daran erkennbar ist, dass bei Autobomben Fahrer öfter mal mit Handschellen ans Lenkrad gekettet wurden, damit sie es sich nicht anders überlegen.
      Auch in Afghanistan ist man weniger wählerisch, was der Einsatz von Kindern als „Trägersysteme“ zeigt – mit Zündung per Funkfernsteuerung auf Sicht.

      Soziale Nöte sorgen zwar vielerorts dafür, dass Islamisten einen Rückhalt in der Bevölkerung haben (Beispiel Algerien), komplexere Attentate werden aber schon eher von Ranghöheren, Bessergestellten organisiert – und oft auch umgesetzt.

      Es ist daher nicht die soziale Not, die die Menschen in den tatsächlichen Terror treibt: Ein Bekannter, ein feiner Kerl, gut integriert, nichtreligiös, akzentfreies Deutsch, der als Kind auf einer Salafistenschule (in D) die religiöse Hirnwäsche durchgemacht hat, sagte mir einmal nach ein paar Bier, er wisse doch noch nicht mal selber, ob er ein „Schläfer“ sei. Den Blick dabei vergesse ich nicht.

      Aber hej, wenn ich so etwas schreibe, ist das ja islamophob und ich damit ein Rechter. Oder?

      • Mir persönlich geht dieser sarkastisch-selbstgerechte Unterton gegen den Strich, wir haben hier eigentlich ein anderes Diskussionsklima. Bitte denk mal drüber nach, ob das echt sein muss.

        In der Sache mag das ja alles sein, auch wenn die Gruselgeschichten mit den angeketteten Selbstmördern sehr nach neurechter Propaganda klingen. Aber weil du ja auf den Ausgangsbeitrag Bezug nimmst: Der Attentäter, um den es damals ging, war tatsächlich ein Verlierertyp und hatte mit dem Islam bis kurz vor der Tat nichts am Hut, der hätte sich ebenso gut mittels des Christchurch-Videos oder ähnlicher Propaganda radikalisieren können.

        • Lieber Ulf, du reagierst jetzt nur auf den sarkastsichen Sekundärkommentar von Boris, nicht jedoch auf den Kern meiner initialen Aussage…
          Ich stimme voll zu, dass der Islamist ein Loser war – da sind wir einer Meinung. Wie sonst eigentlich auch. Kannst du/ihr denn nachempfinden, was ich mit “aufblitzendem Linkspopulismus” meine? Und mit der Einschätzung, dass ihr euch so vielleicht gerade der Zuhörer beraubt, die euch am dringendsten hören sollten? Da würde mich eine Antwort interessieren!

        • ich verstehe deinen Punkt abstrakt … aber deine Beispiele waren denke ich gerade keine populistischen Statements von uns, sondern völlig korrekte Berichterstattung: Wir haben beispielsweise keine Steinewerfer kleingeredet, sondern lediglich gefordert, dass gegen Nazis, die verfassungsfeindliche Symbole verwenden, mit derselben Härte vorgegangen werde – ganz abgesehen davon, dass bei der bescheuerten Steinewerferei üblicherweise wegen der Kampfmonturen niemand verletzt wird und die Steinewerfer das auch genau wissen, aber geschenkt. Wir gehen auch in aller Ausführlichkeit darauf ein, was Menschen zu Rechtsradikalen werden lässt – per Saldo bekommt diese Frage mit Sicherheit wesentlich mehr Aufmerksamkeit in der Lage als Islamismus. Insofern frage ich mich ein wenig, woher der Eindruck stammt.

          Aber trotzdem nehme ich deinen Hinweis mit, dass wir immer wieder darauf achten müssen, ein Thema von allen Seiten zu beleuchten, um anschlussfähig zu bleiben. Das ist uns natürlich klar und ausdrücklich das Ziel unserer Berichterstattung.

        • Ulf ich bin wirklich entsetzt, wie du das Narrativ des schwarzen Blocks so übernimmst. Gerade weil nahezu jede Demo unter Beteiligung von Linksradikalen mit verletzten Polizisten endet. Was kommt als nächstes? Ist schon okay wenn die Antifa mit Kurzwaffen auf die Polizei schiesst, weil die tragen ja alle Schutzwesten? Aber wehe einer von der anderen Seite verdreht seinen eigenen Arm komische?
          Hier werden Mordversuche mit Gesten gleich gesetzt. Du bist schon meilenweit von jeder gesellschaftlichen Mitte und damit Anschlßfähigkeit entfernt!

        • Welches “Narrativ des schwarzen Blocks”? Haben die neuerdings eine Pressestelle? Ich habe derlei jedenfalls noch nicht gehört.

          Ich stütze mich auf die zehn Jahre in Moabit, wo ich von keinem einzigen Fall gehört habe, wo tatsächlich mal jemand verletzt worden ist – es ging immer um versuchte gef. KV. Abgesehen davon habe ich nicht in Abrede gestellt, dass es auch Verletzungen geben kann, und auch der Versuch wiegt schwer. Wenn man sich aber mal mit Leuten aus den Bereitschaftspolizei-Einheiten unterhält, dann klagen die über ganz andere Dinge als über die bösen Anarchos: keine vernünftigen Unterkünfte, nichts Ordentliches zu essen (weswegen dann Hundertschaften bei Mäckes Schlange stehen) und vor allem nichts zu trinken. Die meisten “Verletzungen”, von denen mir berichtet wird, sind Kreislaufschwächen infolge Wassermangels – das gilt interessanterweise auch für G20. Aber auch solche gesundheitlichen Probleme werden von den Polizei-Pressestellen gerne als “verletzte Polizisten” kommuniziert, was natürlich den Eindruck erweckt, als seien sie von Demonstrierenden verletzt worden. Es lohnt sich, viel genauer hinzusehen, weil die Pressearbeit der Polizei in derlei Fällen leider oft interessengeleitet ist.

          Und was sind Deine Quellen so?

          Schließlich ist es auch nicht Aufgabe der Presse, Fehlvorstellungen der “gesellschaftlichen Mitte” – was immer das sein mag – hinterher zu laufen. Unser Job ist es vielmehr, “zu sagen was ist”. Wenn das jemandem nicht passt oder nicht anschlussfähig ist, dann ist nicht unsere Berichterstattung das Problem, sondern der Informationsstand der Bevölkerung (wie dein Kommentar ja bestens dokumentiert). Und dann muss man die Menschen eben besser informieren. Genau darin sehe ich unsere Aufgabe.

        • Lieber Ulf,

          ich habe einige Tage über Deinen Post nachgedacht.

          Und über die Ironie, dass Du mir vorwirfst, was mich in diesem Nondiskurs stört.

          Ich würde mir wünschen, dass Du einmal auf die von mir aufgeworfenen Punkte (hier die Beziehung von Terror und Armut und das damit verbundene Narrativ, andernorts Nachhaltigkeit im Umgang mit rechts, Argumentationsinflation, indirekte Geschichtsdensensibilisierung und Eskalationsversagen) eingehst statt mit Begriffen zu werfen, die im Sprachgebrauch hier diffamierenden Charakter haben.

          Ich bin also selbstzufrieden? Leider nein, es würde meine Lebensqualität deutlich heben.
          Aber ich sollte vllt daran arbeiten. Und das meine ich ernst.

  17. *kleiner Hinweis*
    Hallo ihr beiden,
    in den vergangenen Sendungen ist mir aufgefallen, dass ihr des öfteren “Amerika” als Synonym für “U.S.A.” benutzt. “Amerika” ist nicht gleich “U.S.A.” sondern ein Doppelkontinent aus Nord- und Südamerika. Gerade für Lateinamerikaner*innen ist diese Gleichsetzung ausgrenzend.
    Beste Grüße und super Podcast

    • ist klar, danke für den Hinweis … es ist eben ein ungescripteter Podcast, da ist nicht jede Formulierung perfekt. Aber wir geben uns alle Mühe.

  18. Gutes Interview, spannend fand ich vor allem den Teil zum Diskurs mit Rechten und der These, dass der Zweck für sie oft nur das Verbreiten ihrer Meinung ist. Wäre es möglich, noch den Link für das angesprochene YouTube-Video hier reinzustellen?

    • Ich bin mir nicht hunderprozentig sicher, ob es sich um ein Video dieser Reihe handelt, definitiv empfehlenswert sind aber die englischsprachigen Videos des Innuendo Studio auf YouTube “The Alt-Right Playbook”. (https://www.youtube.com/watch?v=4xGawJIseNY&list=PLJA_jUddXvY7v0VkYRbANnTnzkA_HMFtQ)

      Ich mag besonders gerne die Folgen You go High, we go low (https://www.youtube.com/watch?v=MAbab8aP4_A&list=PLJA_jUddXvY7v0VkYRbANnTnzkA_HMFtQ&index=8), aber die sind alle extrem erhellend. Das Innuendo Studio legt in seinem Videos gewisse Argumentationsmuster offen und fasst bestimmte Verhaltensweisen pointiert zusammen, die wir alle schon mal im Diskurs mit Rechtsextremisten erlebt haben.

      • Handwerklich gut gemachte Videos.
        Die ganz selbstverständlich ausschliesslich von einer linken (guten) und einer rechten (bösartigen) Meinung ausgehen.
        Und – implizit – dass es kein drittes Lager geben kann.

        Unteflektiert auf deutsche Verhältnisse übertragen ist das eine Anleitung zur politischer Brandrodung: was nicht der eigenen Gruppe zugehört, wird a priori als bösartig definiert.

        Zu Risiken und Nebenwirkungen: Warnung vor der selbsterfüllenden Prophezeiung.

  19. Stichwort: Mit Rechten reden.

    Ich glaube, es ist ein Fehler, wenn man Politikern wie Gauland, Höcke und Co. eine Bühne bietet, sei es in einer Talkshow, einem Zeitungsinterview oder in welcher Form auch immer. Es geht rechtsextremen Politikern nicht darum zu debattieren, sondern, ihrer Zielgruppe bequeme Rechtfertigungen und Ausreden für deren Rassismus zu liefern und ihnen zu zeigen, dass andere genauso empfinden.

    Was dann passiert, ist folgendes: Ein Gauland benötigt 3 Sekunden, um eine attraktive Lüge auszusprechen: Vergewaltigungswellen, Mord- und Totschlag, überall Extremisten. Anschließend recherchieren 6 Journalisten 5 Tage lang, um diese Lügen durch Fakten zu enttarnen. Und vielleicht genauso schlimm: Diese durch Fakten untermauerte Realität ist niemals so spannend, so eindeutig, so pointiert, so schlagzeilenträchtig, wie die attraktive Lüge, die Gauland sich im Vorbeigehen ausgedacht hat.

    Was da geschieht, ist schlicht eine DOS-Attacke auf eine debattierende Gesellschaft. Es ist gar nicht möglich, die Lügen in dem Tempo zu entlarven, wie sie ausgesprochen sind. Und die Zielgruppe interessiert sich auch gar nicht dafür, ob es sich um Fakten handelt, denn die sind schließlich nur auf der Suche nach einer Rechtfertigung für den Hass, den sie eh schon empfinden.

    Debatte funktioniert, solange sich alle Parteien darüber einig sind, die Realität als Minimalkonsens anzuerkennen. Man kann über die Auslegung der Realität streiten und über die Maßnahmen, die in einer gegebenen Realität zum gewünschten Ziel führen, aber man kann nicht die Realität selbst verleugnen. Wer diesen Grundkonsens aufgibt, ist im Vorteil: Man ist frei, zu behaupten, was man will. Es spielt überhaupt keine Rolle mehr, was ist, sondern nur noch, was man will, was ist. So eine Debatte KANN nicht gewonnen werden durch die, die sich weiterhin an die Realität als Maßstab halten. Um dieser DOS-Attacke entgegenzuwirken, kann es nur eine wirksame Gegenmaßname geben: Das Spiel nicht mitspielen. Nicht so tun, als wolle der Gegenüber ernsthaft debattieren, obwohl alle Parteien es besser wissen. Nicht mit Rechten reden.

    • Sebastian:
      Na dann: viel Erfolg.
      Bisher war der „Kampf gegen Rechts“ an den Wahlurnen … schmeichelhaft formuliert: wenig erfolgreich. Und das bei bester wirtschaftlicher Lage und Vollbeschäftigung.

      Was mir Sorgen macht: dieser „Kampf“ wird überwiegend genauso nach dem Windkanalprinzip ausgetragen, wie beispielsweise viele andere lautstarken „Idealisten“, die sich primär an den Zielgruppen abarbeiten, die sich am wenigsten zur Wehr setzen können oder am sensibelsten reagieren. Das ist vor allem dann kontraproduktiv, wenn es offensichtlich wird.

      Wer – wie ich – in einem „sozialen Brennpunkt“ wohnt, kennt das Klischeekino aus der Praxis. Nicht schön, erst recht nicht perspektivisch.
      Leider setzen Rechte wie Linke Klischee, Handlungsbedarf und Vorverurteilung/Pauschalisierung (wenn auch unter anderen Vorzeichen) gleich.

      Ich halte inzwischen selbst ernannte Sprachpolizisten und undifferenziert dauererregte Moraliker auf der einen Seite für eine gesellschaftlich ähnlich grosse Gefahr wie real existierende Rassisten.

      Mit grosser Sorge beobachte ich, wie sich diese beiden Gruppen gegenseitig als Bestätigung, Profilierung oder gar Existenzberechtigung geradezu brauchen – und fördern.

      Das Wesen der Polarisierung ist es, dass es in der Mitte zwischen den beiden Polen immer einsamer wird. Aber es gibt Unterschiede: ich erlebe vor allem links den politischen Reflex, sich über Vorzeichenverkehrung zu definieren: Während wirkliche Rechte sich in ihrer absurden Ideologie selbst genug sind, definieren sich viele Linke in der Abgrenzung zu rechts.
      Böse formuliert: vom Nationalsozialismus ferngesteuert wird auch, wer sich zu sehr darauf beschränkt, diesen zu bekämpfen.

      Umsicht sollte man vor allem dabei walten lassen, wen man für was zum rechten Feindbild macht.
      Wer jedes unliebsam verwendete Wort mit maximalen Mitteln (Nazivergleiche) belegt, der kann bei wirklich schlimmen Dingen wie Mord nicht mehr eskalieren.

      Und wird irgendwann bei wirklich ernsten Themen nicht mehr ernst genommen.

      • Mir stockt schon im ersten Absatz ein wenig der Atem:

        > bester wirtschaftlicher Lage

        Für wen genau denn?

        > und Vollbeschäftigung.

        Bitte nicht auf die offiziellen Daten der Bundesagentur für Arbeit hereinfallen.

        • Na, woher beziehst du den deine alternativen Fakten zur wirtschaftlichen Lage?

        • Vermutlich bezieht ChristianE seine “alternativen” Fakten aus den gleichen Quellen wie ich, z.B. aus Büchern/Interviews von “Experten”:
          https://www.youtube.com/watch?v=n0Et7SudXb0
          So gesehen wäre es interessant zu erfahren, aus welchen Quellen Günter H. seine “Fakten” bezieht?

        • Es ist wirklich spannend, wie in diesem Forum über die Themen, die ich hier anzusprechen versuche, hinweggegangen wird.

          Offenbar interessieren Themen argumentative Inflation, ein nachhaltiges Konzept im Umgang mit real existenten Rechten oder Diskurs- und Eskalationsversagen nicht.

          ChristianE:
          Die Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte (Ausnahme 2008) war gigantisch gut.
          Dass wir eine beunruhigende Erosion der Wirtschaftsstrukturen in Richtung Konzerne haben, ist nicht erstaunlich, wird aber durch jede neue kleinteilige Gesetzesregelung bestärkt: Konzerne können mit Bürokratie besser umgehen als kleinere Organisationen, das zeigt sich deutlich zb in der Krankenhauslandschaft.

          Das sind keine guten Perspektiven – und der Blick über die Grenzen zeigt in der EU und weltweit kaum ein Land, in dem es so vielen Menschen so wirtschaftlich gut geht wie hier.

          Nenn mir doch bitte Positivbeispiele. Es ist mir nicht wichtig, dass wir sehr viel auf insgesamt sehr hohem Niveau klagen – mich interessieren nur Ansätze, was wir von wem lernen und wie wir gesellschaftlich krisenfester werden.

          Wie gut man auf See durch einen Sturm kommt, entscheidet sich im wesentlichen bei der Vorbereitung. Wenns erst mal richtig kachelt, kannst Du praktisch nicht mehr agieren – sondern bestenfalls noch gut reagieren.

        • @Boris:
          Hast du dir eigentlich mal das Video, das ich verlinkt habe, angeschaut?
          Hast du dir schon mal die tatsächliche Anzahl an Arbeitslosen angeschaut. Ich komme da auf über 9 Mio. und in Mathe habe ich immer gut aufgepasst!
          Hast du dir mal den Sektor bzw. seine Entwicklung prekärer Arbeit angeschaut?
          Hast du dir mal unsere Infrastruktur angeschaut?
          Hast du dir mal die Besitzverhältnisse deutscher großer Unternehmen angeschaut?

          Also mich erstaunt doch sehr, wie intensiv hier weggeschaut werden kann?
          Ja, es gab eine gigantische Wirtschaftsentwicklung der Reichen und Konzerne, aber zu Lasten der Umwelt, zu Lasten der kleinen Bürger und zu Lasten des Mittelstandes und das, was sich da noch ankündigt, ist schlicht erschreckend.
          Aber wir können auch gerne weiter wegschauen. Schade.

        • @Michael
          Keine Frage, die Statistik zu Arbeitslosenzahlen fällt unter die Twainsche Kategorie III.

          Aber wir sollten uns keinen Illusionen hingeben, in einem Hochlohnpreisland wird das nicht mehr besser.
          Bereits jetzt sorgen u.a. Digitalisierung und insbesondere auch Bürokratie für ausufernde Qualifikationsprofile, da gibt es immer weniger Raum für Quereinstieg, speziell für alte Säcke – und ich falle nun mal in diese Kategorie.
          Ich werde mich nicht beschweren, ich komme klar. Aber das tun eben nicht alle 50+.

          Stimmt. Der Niedriglohnsektor wird derbe unter Druck kommen, während die Hochqualifizierten keinen Bock mehr haben, für absurde Geldbeträge (die zu einem Grossteil eh die Steuer und der hektische Lebensstil wieder auffressen) ihre Freizeit dranzugeben und ihre Seele zu verkaufen.

          Sorry, die Aussichten sind nicht doll – aber es nützt ja auch nichts, davor die Augen zu verschliessen. Speziell dann nicht, wenn mehrere Faktoren sich politisch zum perfekten Sturm zusammenzubrauen drohen.

          Und nein, das wird man nicht wegregulieren können, im Gegenteil. Wie sagte mir ein befreundeter Unternehmer neulich lakonisch: man hat keinen Wettbewerb in Deutschland. sondern steht im Wettbewerb mit der Welt.

          Manchmal habe ich bei solchen Diskussionen den Eindruck, wir würden uns in D auf einem Ausflugsdampfer um die Liegestühle balgen – während der Flussdampfer Kurs auf ein Sturmtief nördlich Islands nimmt.

  20. Sehr interessante Folge. Nur die Gleichzeitig von Lob der Grünflächen, Ruf nach Verdichtung (in den vielen “leeren Flächen”?) und Schmähung von NIMBY fand ich etwas seltsam. Viele der “leeren Flächen” (besonders in den Randbezirken) sind halt Grünflächen. Die sind eigentlich sowieso immer in Gefahr, bebaut zu werden. Die gegenwärtige Mietsituation (und damit der undifferenzierte Ruf nach Neubau und Verdichtung) hilft da natürlich auch nicht. Und ich muss schon sagen, dass ich tatsächlich, gerade auch vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung, eine Grünfläche einem Neubau in MZ backyard deutlich vorziehe.

  21. Mh, warum ist das eine “Lage Spezial”? Eher eine “Lage light”, oder konkret eine “Lage Interview”, ist ja völlig ok an sich, aber dafür müsst ihr ja nicht so ein verdrehtes Buzzword benutzen sondern könntet das auch einfach ehrlich labeln.

    • Was genau ist denn an der Bezeichnung “Lage spezial” unehrlich? Es ist eben eine Spezial-Folge, weil wir nicht das aktuelle Geschehen diskutieren, sondern einen spannenden Gast interviewen.

      • Das ist leider eine komplett Berliner Nabelschau. Wenn man dort nicht wohnt völlig uninteressant.
        Keine Lage der „Nation“, sondern „Lage der Berliner“.

    • @ LageTeam

      Tolles Format, ich fände es toll wenn Sie das jetzt immer versuchen zeitlich hinzubekommen, wenn eine reguläre Folge nicht möglich ist.

      • Wir werden es versuchen, wobei das natürlich auch davon abhängt, dass wir kurzfristig einen spannenden Menschen finden, der Zeit und Lust für ein Interview hat.