LdN160 Terror in Halle, Syrien, Brexit, Klimapaket, Feedback: Pendlerpauschale, Extinction Rebellion

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Terror in Halle 

Syrien 

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Feedback: Pendlerpauschale 

Extinction Rebellion 

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Hausmitteilung

212 Kommentare

  1. Liebes Lage-Team,
    vielen Dank für die differenzierte Beschreibung und Beurteilung in der letzten Lage (und sonst auch).
    Ein Punkt zu XR wurde mir nicht ganz klar: Warum seid ihr euch so diskussionslos einig, dass der zivile Ungehorsam hier nicht der Radbruchschen Formel entsprechend angemessen ist? Meines Erachtens kann man das aktuelle Gesetz im Hinblick auf Klimaschutz durchaus für „unerträglich ungerecht“ ansehen, weil es nämlich junge Generationen im Vergleich zu älteren Generationen eindeutig sehr stark benachteiligt. Es geht nicht einmal um abstrakte zukünftige Generationen, es geht ganz konkret um die Kinder, die schon geboren sind und die unter der Klimakatastrophe leiden werden und sogar aktuell schon leiden. In anderen Ländern sterben Menschen, auch bei uns gehen eine Reihe von Toten (insbesondere ältere Menschen) auf die Klimaerwärmung zurück (Hitzesommer). Außerdem werden in der Zukunft enorme gesellschaftliche Spannungen in Kauf genommen, die durch Klima-Flüchtende enstehen. Meines Erachtens wird durch die aktuell geplanten unzureichenden Klimagesetze die Gleichheit aller Menschen damit eindeutig verletzt, und zwar bewusst — gegeben, dass man davon ausgehen muss, dass die Bundesregierung über die klimatische Lage inzwischen ausreichend informiert ist.
    Es wäre schön, wenn ihr in der nächsten Lage auf diesen Punkt noch einmal eingehen könntet.
    Beste Grüße!

  2. Ein Peugeot 508 mit 200 PS Diesel ab Baujahr 2015 verbraucht real 6,61l/100km und nicht 5,8l/100km.

    Quelle: Spritmonitor.de

  3. Ich möchte noch einen weitern möglichen Grund zur Diskussion stellen, warum Menschen vielleicht islamistischen Terror bekämpfen und auf dem rechten Auge blind sind:
    Der ‘gemeine Islamist’ lässt sich naiv betrachtet viel einfacher erkennen. Der gehört auch nicht ‘zu uns’, es ist viel angenehmer, gegen den vorzugehen. Soweit ich weiß, wird auch mithilfe solcher Kriterien gefahndet. Wenn ich Rechtsextreme bekämpfen muss und mein Nachbar, der eigentlich ganz nett ist, macht immer mal rassistische Kommentare: Dann muss ich mich entscheiden, wen ich verdächtige. Das sich Freunde, Nachbarn, …
    Mir ist klar, dass meine Erklärungen wörtlich betrachtet sich schnell widerlegen lassen. Ich wollte auf eine Stimmung hinaus, die ich nicht für unwahrscheinlich halte – dass sie doch die eine oder andere Handlung motiviert.
    mfg

  4. Ich möchte hier an alle ‘ich-als-Firmenwagenfahrer’ und Verwandte Ausprägungen davon apellieren: Ich habe das Gefühl, viele Menschen und hier Kommentierende fühlen sich in ihrer Lebensweise angegriffen. Wegen dem Klimawandel – einmal absichtlich so unscharf formuliert. Niemand macht euch einen Vorwurf (hoffe ich), dass ihr bis hier her euch so verhalten habt. Das ist ok, es war uns allen nicht bewusst, wie dringend das ist, und es gab keine Alternativen. Das heißt aber nicht, dass man diese Lebensweise jetzt (mit Blut) verteidigen muss. Jetzt wissen wir, dass es nicht so weiter gehen kann. Jetzt können wir überlegen, wie wir unsere Welt eigentlich gestalten wollen. Was wir für Bedürfnisse haben und wofür wir Lösungen brauchen. Für diese Alternativen können wir uns alle einsetzen und im Austausch mit Andreen um gute Varianten ringen. Wir können uns nicht nur zurücklehnen und sagen ‘es gibt ja keine Alternativen’ sondern wir müssen über die Alternativen nachdenken und sie einfordern und voran treiben.

  5. Ein interessantes Interview zum Thema Radikalisierung (in diesem Fall im rechten Spektrum), auf das ich zufällig gestoßen bin. Gut möglich, dass Ihr das ohnehin auf dem Schirm gehabt habt, aber falls nicht, ist es vielleicht einen Blick wert, wenn es darum geht, wie “leicht” der Zugang zur Radikalisierung im Netz auffindbar ist.

    https://www.zeit.de/digital/internet/2019-10/frederick-brennan-8chan-gruender-attentat-halle-radikalisierung?utm_source=pocket-newtab

  6. Lieber Ulf, lieber Philipp,

    vielen Dank für diese gedankenanregende Episode.

    Eine Frage, darf ich Ulfs Exkurs zum Thema ziviler Ungehorsam in meinem Unterricht verwenden? Ich glaube, die Schüler werden das als Info anschaulicher finden als bloß einen Sachtext zum Thema zu lesen.

  7. Fuer die naechste Episode waere die Thematisierung des Lucke Vorfalls an der Uni Hamburg sehr schoen.

    Hier wuerde ich mir insbesonders wuenschen das ihr euch etwas differenziert mit dem Thema ausseinandersetzt. Das Medienecho war hier ja doch extremst gespalten. War das legitim oder nicht? Ich habe hier zu eine klare Meinung und die entspricht ganz und gar nicht dem Tenor den z.B. Ulf bei Twitter verstaerkt geteilt hat (Zitate: “Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.
    Wäre die braune Bande bis 1933 öfter niedergebrüllt worden, so wäre der Welt unsagbares Leid erspart geblieben. Warum wirbt ein Christdemokrat für Toleranz ausgerechnet zugunsten von deren geistigen Erben?” -> Lucke selber ist ein Faschist und geistiger Erbe der NSDAP?

    “An ihren Taten werdet ihr sie erkennen … Lucke ist einer der Urheber des populistischen und rassistischen Kurses der heutigen AfD. Er hat sehenden Auges ein Monster geschaffen. Mit Relativierung ist niemandem geholfen – diese Leute gehören geächtet.”).

    Lucke hat sicher bei der Gruendung seiner Partei viel versaeumt, aber warum ist er ein Faschist? [und bitte erzaehlt mir nicht, das jemand der mal das Wort entartet gesagt hat, nun auf einer Stufe mit den Nazis steht]. Siehe auch dazu sein Interview in der Zeit vom Januar 2019.
    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-bernd-lucke-spricht-sich-fuer-afd-beobachtung-durch-verfassungsschutz-aus-a-1250739.html
    https://www.zeit.de/2019/06/afd-gruender-bernd-lucke-hans-olaf-henkel-joern-kruse [Paywall]

    Danke im voraus

  8. Leider doch nochmal zum Thema Firmenwagen…
    Ich denke, es wäre gut, die Fakten korrekt und umfassend darzustellen, dann zu bewerten und dann eine Meinung abzugeben.
    Auch wenn die Bewertung tendenziell richtig ist, bleibt mir die Genauigkeit der Recherche hier zu sehr auf der Strecke.
    Das Bereitstellen eines Firmenwagens stellt einen verhandelten Vergütungsbestandteil dar und wird deshalb als geldwerter Vorteil versteuert. Wenn jemand mit seinem Firmenwagen (Listenpreis 40.000km) jeden Tag 65km hin und zurück zur Arbeit fährt, beträgt dieser Vorteil nach Steuerrecht 1.180€. Bei angenommenen Kilometerkosten (bei dieser Laufleistung) von etwa 0,40€/km wären die Kosten für einen Privatwagen sogar günstiger und nicht in der Größenordnung von ein paar Tausend Euro. Wer sollte sich das auch leisten können bei einem normalen Verdienst?
    Wie Ihr richtig feststellt, ist das aber nicht das eigentliche Problem. Dieses besteht darin, dass nur der Listenpreis in diese Berechnung eingeht, nicht aber die Umweltverträglichkeit. Der Arbeitgeber hat zwar keinen Anreiz (im Gegensatz zu Euren Ausführungen), einen besonders teuren Wagen zur Verfügung zu stellen (denn der kostet auch mehr), der Arbeitnehmer kann aber privat so viel fahren und so viel Kraftstoff verbrauchen, wie es ihm gerade beliebt. Sinnvoll wäre hingegen, den tatsächlichen Kohlendioxidausstoß des Fahrzeugs zu besteuern. Für den Arbeitgeber wäre dies durch einen Aufschlag auf den Kraftstoffpreis machbar. Für den Arbeitnehmer müsste man als Grundlage für den geldwerten Vorteil den verbrauchten Kraftstoff heranziehen. Das wäre steuerrechtlich vielleicht schwierig, aber für Elektrofahrzeuge berechnet sich der geldwerte Vorteil ja schließlich schon heute anders.

  9. Liebes Lageteam,

    zum Thema CO-Steuer möchte ich euch auf die neue Bewegung German Zero (https://germanzero.de/), gegründet von Heinrich Strößenreuther (dem Initiator vom Volksentscheid Fahrrad) hinweisen. Kurz gesagt: die FridaysForFuture für Erwachsene aus der gesellschaftlichen Mitte, die sich von zivilem Ungehorsam nicht angesprochen fühlen aber doch endlich was bewegen wollen. Es handelt sich aus meiner Sicht um eine professionelle Kampagne mit klarem Lobbying-Fokus auf die nächsten Bundestagswahlen 2021. Vergleichbar zum erfolgreich durch den Volksentscheid Fahrrad durchgesetzten Mobilitätsgesetz hier in Berlin, soll u.a. auf Bundesebene ein echtes Klimagesetz etabliert werden. Diese Gesetzesvorlage kann dann auch Teil einer Positiv-Liste von Politikern zur Wahlentscheidung werden.

    German Zero veranstaltet auch die #tuesdaysfortaxes jeden Dienstag um 18 Uhr vor dem Bundesfinanzministerium. Obwohl ich weiß, dass ihr keine E-Mails bekommen wollt, habe ich euch heute Nachmittag im Rahmen eines Testlaufs “Lade 100 potentiell zugeneigte Personen aus deinem Netzwerk persönlich via Kalendertermin zu tuesdaysfortaxes ein” angeschrieben. Ich hoffe das war okay und vielleicht sieht man sich ja!

  10. Hallo zusammen,

    vielen Dank für die hochinteressante Exkursion zum Thema ziviler Ungehorsam! Das Thema beschäftigt mich schon seit längerem. Ich bin Verwaltungsbeamtin und da ist das Thema natürlich etwas anders aufgelegt, als bei Menschen die nicht im öffentlichen Dienst stehen. Grundsätzlich bin ich bei zU sehr zurückhaltend, finde aber die Argumentation der XR “normales Demonstrieren hat nichts gebracht, deswegen…” auf jeden Fall schlüssig! In Sachen Klimaschutz fühlt sich derzeit ein Großteil der Aktivisten (und auch ich) einfach hilflos, denke ich, so dass solche Maßnahmen fast zwingend erscheinen.
    Aber ich denke gerade darin steckt die Gefahr. Wenn ich das Logo von XR sehe, muss ich immer an die Identitäre Bewegung denken. Auch die betätigen sich in zivilem Ungehorsam (zB Erklimmen des Turms der Frauenkirche). Und sie fühlen sich sicherlich genauso berechtigt das zutun wie XR. Schwierig, da als Gesellschaft nicht allen möglichen Personen, die sich zum zU berufen fühlen Tür und Tor zu öffnen (s. auch Reichsbürger).
    Als Beamtin musste ich mir schon vorwerfen lassen, wie ich für den Staat (in meinem Fall auch noch den bayerischen ;)) arbeiten kann, wenn doch so vieles schief läuft. Es gibt tatsächlich einige Situationen, bei denen man mit sich selbst hadert. Zum Glück lässt sich das durch die Stellenwahl derzeit ganz gut begrenzen (Im BAMF oder im Naturschutz könnte ich glaube ich nicht arbeiten). Im Endeffekt habe ich jedoch auf die Verfassung geschworen und solange ich hinter dieser stehen kann, geht meinn Glaube an Rechtspositivismus und die Demokratie an sich soweit, dass ich bereit bin meine eigenen Überzeugungen bis zu einem gewissen (hohen) Maß in Konfliktsituationen zurück zustellen. Ich denke in etwas abgeschwächter Version muss man das auch in der freien Wirtschaft. Bei Nestle könnte ich nicht arbeiten :D

    Zum Thema Scheitern der SPD in der Klimaschutz-PR:
    Nicht nur die SPD hat hier versagt! Auch die Union könnte Klimaschutz ihren Wählern super als christliche Bewahrung der Schöpfung verkaufen. Ich habe letztens im ZDF einen Videoausschnitt von Helmut Kohl gesehen, wie er genau die Argumentation gegenüber der Bevölkerung vorgebracht hat

  11. Anlässlich der Ereignisse in Halle gab es diesen Montag eine “Köln gegen Rechts”-Demo. Ich habe maximal 300 Leute gezählt, eher 200. Für die Demo gegen den Einmarsch in Syrien werden in Köln 15.000 Menschen erwartet. Hat man sich schon so an rechten Terror gewöhnt, dass das außer ein paar Journalisten niemanden mehr juckt?

  12. Moin,
    Wie immer eine spannende Folge, die ich mit großem Interesse verfolgt habe.
    Das Thema der XR z.B. hat bei mir eine innere Debatte ausgelöst.
    Ich finde den Grundgedanken richtig und auch unter Berücksichtigung des sozialen Ungehorsams zu vertreten, jedoch schienen mir einige Aktionen der XR fragwürdig. Gerade das Verursachen von Staus in einer Großstadt halte ich für problematisch. Nicht nur, dass dadurch tatsächlich hunderte Motoren im Stillstand laufen (nicht so pro Klima), sondern auch, dass sich diese Aktion gegen die falschen Akteure richtet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Klimaskeptiker, der zum 10 mal in einem XR-Stau gestanden hat, sich dazu entschließt, mehr für den Klimaschutz zu tun. Wohl eher würde so eine Person die andauernden Debatten mit zunehmender Gereiztheit verfolgen.

    Auch nagt ein Stau, bei dem unnötig Abgase verursacht werden, am Image der XR und kann sehr gut von AFD und Konsorten als Gegenargument genutzt werden.

    Mich würde interessieren, wie sich die XR vor solchen Angriffen argumentativ schützen würde.

    Liebe Grüße aus Hamburg
    Matti

    • Auf einem gewissen Level ist Klimaschutz zur Glaubensfrage verkommen.

      Der entstehende Stau ist eigentlich kein Gegenargument, da die zusätzlichen Emissionen dadurch nicht ins Gewicht fallen und allen, die sich ernsthaft mit der Frage beschäftigen klar ist, dass wir die Klimakatastrophe nicht auf individueller Konsumentenebene lösen können, deshalb wird ja für staatliche Regelungen demonstriert.

      Das Argument ist ähnlich schwach wie bei Gretas Bootstour: “Ha, dafür sind insgesamt fünf Leute geflogen, gotcha!”
      So geht es weiter: FfF-Flyer werden auf Papier gedruckt! Bei Demos bleibt auchmal Müll liegen! Nicht nuhr Greta heizt im Winter! Luisa ist mal geflogen!

      Für einen Leugner reicht das, um sich nicht weiter damit auseinanderzusetzen – würde diesen “Kritiken” standgegeben würde ja sogar gar nicht mehr über das Thema gesprochen werden, endlich Ruhe. Dass es aber alles ablenkender ad hominem – Mist ist, vergisst mensch gerne und schnell.

  13. https://www.zeit.de/hamburg/2019-10/bernd-lucke-protest-afd-universitaet-hamburg?utm_content=zeitde_redpost_zei_link_sf&wt_zmc=sm.int.zonaudev.facebook.ref.zeitde.redpost_zei.link.sf&utm_term=facebook_zonaudev_int&utm_campaign=ref&utm_medium=sm&utm_source=facebook_zonaudev_int

    „Die Zeit“ hat hier sehr plastisch geschildert, wie Luckes erste Vorlesung durch Proteste seitens Studierender der Universität Hamburg, naja, faktisch nicht stattfinden konnte.
    Vielleicht könnt ihr da in der nächsten Lage erörtern.
    Vielen Dank und weiter so.
    Nico

  14. Hallo,
    vielen Dank für euren interessanten Podcast; ich bin jede Woche sehr gespannt auf Themen, die ihr aufgreift und eure Einschätzungen beinhalten oft bereichernde Denkanstöße für mich!
    Trotzdem ist mir in der letzten Lage die Berichterstattung über die Kurd*innen etwas zu kurz gekommen. Ich halte es für sehr entscheidend auch zu erwähnen, dass die kurdische Bewegung nicht nur im Kampf gegen den sogenannten IS eine entscheidende Rolle spielt, sondern auch einen sehr progressiven Gesellschaftsentwurf bietet und lebt. Die Kurd*innen haben es geschafft in einer Region umgeben von Assad, Erdogan und IS allem Druck von außen und aller Verfolgung zum Trotz ein basisdemokratisch selbstverwaltetes Gebiet aufzubauen, das unabhängig von Religion auf Gleichberechtigung basiert und feministische und ökologische Werte voranstellt. Um nur ein Beispiel zu nennen werden alle Positionen und Ämter durch eine Doppelspitze durch jeweils eine Frau und einen Mann besetzt; eine Errungenschaft, von der wir hier trotz Quotenregelungen hier und dort noch weit entfernt sind! Ich finde es sehr schade, dass so viele Medien dies gänzlich verschweigen und würde mich sehr freuen, wenn ihr in der Lage ein wenig weiter greifen würdet!

  15. Themenvorschlag
    Moin liebes Lage-Team,
    ich möchte gern das Thema “Feste Fehmarnbeltquerung” vorschlagen.
    Gefühlt ist dieses eines der großen Themen in Schleswig-Holstein. Leider erlangt es kaum weitere Aufmerksamkeiten, obwohl die Kosten bereits jetzt explodieren. Auch rechtlich ist es spannend durch das laufende Planfeststellungsverfahren und den deutlichen Druck von Bewohnern und Naturschutzverbänden.
    Ich würde mich freuen, wenn ihr dieses Projekt in einer Lage der Nation aufgreifen könntet und so eure Hörer auf das “Stuttgart21 des Nordens” aufmerksam zu machen.
    Beste Grüße aus dem Norden,
    Sören

  16. Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Zumindest den Teil zu den SUV’s möchte ich noch kommentieren.

    Der von euch zitierte Kommentar in welchem ein alter Golf mit einem modernen SUV verglichen wird gefällt mir überhaupt nicht. 50 PS wären vollkommen ausreichend. Bei höheren PS-Zahlen sollten die Steuern einfach massiv steigen. Moderne Motoren können auch nur 2,5-3l/100km verbrauchen, und das im realen Betrieb. Was mir außerdem bei der Betrachtung der Sicherheit fehlt, ist die Sicherheit für Kleinkinder. Die werden in so einem riesen SUV erheblich schneller übersehen und geraten unter das Auto. Alles in allem kaufen sich die meisten diese Autos, weil sie sich dann cool vorkommen. Ich glaube keine Sekunde, dass es einem großen Teil um die Sicherheit geht. Die Deutschen Straßen sind für Autofahrer so sicher wie es nur geht mit den vorhandenen Rahmenbedingungen…sie sind für Fahrräder und Fußgänger gefährlich aber sicher nicht für Autofahrer.

    • Wahrscheinlich suche ich nur nicht gründlich genug aber ich kann einen sehr hörenswerten Radio-Spot zum Dacia Duster nicht online finden. Darin unterhalten sich zwei Jungs über die Autos ihrer Väter und wie viel PS die doch haben und am Ende heißt es “Das Statussymbol für alle die kein Statussymbol mehr brauchen”. Diese Werbung zeigt doch einmal mehr, dass manch einer in diesem Land einfach nicht verstehen möchte was mit unserer Lebens- & Wirtschaftsgrundlage gerade passiert. Oder sie wissen es genau und glauben wenn sie jetzt noch möglichst viel Knete machen, könnten sie sich und ihre Liebsten vor den Folgen abschirmen…

  17. Thema: Hintergründe

    Hin und wieder unternehmt ihr – mal mehr, mal weniger ausführliche – Exkurse, die helfen, ein Thema besser zu verstehen und einzuordnen (z.B. “ziviler Ungehorsam” in dieser Folge, oder “Mordmerkmale im Bezug auf Raser” in einer früheren).
    Diese Exkurse empfinde ich persönlich in der Regel als außerordentlich erhellend. Gerade dann, wenn ihr Begrifflichkeiten oder Zusammenhänge aufgreift, die – gefühlt – von einer breiten Öffentlichkeit als gegeben und verstanden akzeptiert werden, sich bei näherer Betrachtung aber als durchaus komplex und/oder zweischneidig herausstellen.
    Dafür ein großes Lob und macht weiter so!

  18. Themenvorschlag: Transaktionssteuer

    Hallo LdN Team,

    mit Erstaunen habe ich im Spiegel von den Plänen des Finanzministers gelesen, in Deutschland eine Finanztransaktionssteuer einzuführen. Nach meinem Verständnis war die Idee dahinter doch eine Art Bremse in den globalen Handel einzubauen, bei dem aktuell Computer im Millisekundenbereich alles mögliche kaufen und verkaufen. Die jetzt geplante Variante würde aber größtenteils Kleinanleger treffen?

    Hier der Link zum Spiegel-Artikel:

    https://m.spiegel.de/wirtschaft/soziales/olaf-scholz-plant-alleingang-bei-boersensteuer-a-1269089.html

    P.S. Verzettelt Euch bitte nicht in der Debatte um SUV und Dienstwagensteuer. Dann bleibt mehr Platz für andere wesentliche Themen -:)

  19. Liebes Lage-Team,

    das Thema Klimawandel und neuerdings Klimapaket ist – verständlicher Weise – momentan ein stetiges Thema bei euch im Podcast. Da es so unglaublich viele Infos dazu gibt, fällt es immer sehr auf, wenn man mal eine gute Quelle dazu findet.
    Heute habe ich im Podcast ‚fairquatscht‘ die neue Folge gehört, in der es sich auch um Klimawandel dreht. Hierzu wurde Dr. Andreas Marx mit in die Folge eingeladen und ich fand seine Beiträge und Informationen in vielerlei Hinsicht sehr gut:
    Die Infos sind fundiert, da er sich beruflich seit 20 Jahren mit dem Klima und dem entsprechenden Wandel beschäftigt. Er trägt sie sehr sachlich vor, was in dem ganzen emotionalen Wust um den Klimawandel wirklich erfrischend ist.

    Kurzum, man nimmt ihm jedes Wort ab, weil man nicht ständig das fragende Gefühl hat: Wie fundiert ist das Ganze jetzt nun wieder? (-> da keine politisch o.Ä. geprägte Motivation, sondern rein sachlich / berufliches Motiv)
    Ich habe dabei direkt an euch gedacht, falls ihr den Herrn nicht schon als Recherchequelle verwendet.
    Darüber hinaus habe ich die Folge als guten Zusatz zu euren Infos empfunden und wollte somit allen Interessierten einmal die Möglichkeit geben, sich das Statement auch anzuhören.

    Vielen Dank für euren interessanten Input, der mich jede Woche zum Hinterfragen und Überdenken animiert.

    Grüße,
    Pia-Monique Preuß

  20. Guten Morgen, liebes LdN- Team,
    dass Ihr Gustav Radbruch zitiert habt freut mich sehr: Er verdient es, aus der Vergessenheit gerissen zu werden. Dass dies allerdings im Zusammenhang mit dem “zivilen Ungehorsam” durch Extinction Rebellion geschieht, irritiert mich nicht nur ein wenig. Es liegt auf der Hand, dass sich kein ziviler Ungehorsam in Deutschland sich auf die Radbruchsche Formel berufen kann: Ds dürfte in einem demokratischen Rechtsstaat eher generell ausgeschlossen sein. Aber genau den Eindruck erweckt Ihr durch das Zusammenführen von Radbruch und Extinction Rebellion.
    Und auch durch Ulfs Äußerungen etwa wie ” wegen meines Berufes kann ich mich dazu nicht positionieren, aber…” bringt Ihr zum Ausdruck, dass Ihr diesen zivilen Ungehorsam rechtfertigt bzw. gutheißt
    Gut: Mit dem Motiv von Extinction Rebellion können sich viele identifiziern- und sicherlich die allermeisten Nutzer dieses Podcastes. Und die Aktionen von Extinction Rebellion waren ja auch von amüsant bis allenfalls mild lästig.
    Aber wo hört unsere Sympathie auf? Wollen wir dass fahnenschwenkende Fackelträger den “Stern” in Berlin unter der Siegessäule blockieren, um dort für eine restriktive Flüchtlingspolitik und für konsequentes Abschieben ausreisepflichtiger Ausländer zu demonstrieren, mit Bernd Höcke, der eine Rede hält?
    Wer das eine zulassen will, kann beim anderen nicht nein sagen. Sonst müssen wir uns die Frage stellen wer darüber entscheiden darf was gute Motive sind und was nicht.
    Und ich sehe niemanden und kann mir auch niemanden vorstellen, der das Rwcht haben soll, diese Frage zu beantworten!

    • Das ist tatsächlich ein wichtiger Punkt. Ich habe immer wieder das Gefühl, dass ziviler Ungehorsam medial so positiv bewertet wird, weil es ja “die Richtigen” trifft. Wie würde das mediale Echo denn aussehen, wenn nicht “die Aktivisten von Ende Gelände durch anketten an EinFörderband gegen den Kohleabbau protestieren, sondern 50 AfD-Anhänger sich von Windkraftanlagen abseilen, weil das in ihrem Weltbild Landschaftsverschandlung ist?
      Und welche Sprengkraft dieser Aktivismus hat sieht man schön hier: https://www.independent.co.uk/news/uk/home-news/extinction-rebellion-protests-london-live-today-tube-underground-jubilee-commute-latest-police-a9159316.html
      Spätestens ab Sekunde 15 möchte ich nicht mehr in der Haut des Protestlers gesteckt haben. Abgesehen davon, dass es ziemlich bekloppt ist die einzige halbwegs ökologische Transportmöglichkiet zu blockieren kann es doch nicht sinnvoll sein, die Eskalationsschraube immer weiter zu drehen. Wenn man Fronten verhärtet, dann so.

  21. Hallo zusammen.
    Vorneweg: super Podcast, ich fühle mich immer sehr gut unterhalten und informiert. Vielen Dank dafür.
    Auch wenn es vermutlich viele nicht mehr hören können, muss ich trotzdem noch einen Punkt zu den SUVs ergänzen. Es gibt ohne Frage umweltfreundlichere Autos als SUVs. Aber warum sollen nur SUV-Fahrer angesprochen werden? Das Ziel ist doch, SUV-Fahrer dazu zu bewegen, sich ein umweltfreundlicheres Fahrzeug zu kaufen. Das gleiche gilt aber doch auch für den/die Fahrer*in des alten Golfs. Den/die muss ich doch dann konsequenterweise auch ansprechen. So wie ich eigentlich jeden ansprechen muss, der ein >3 Jahre altes Fahrzeug fährt, weil es da mittlerweile bessere neue Modelle gibt. Zugegebenermaßen etwas überspitzt dargestellt. BTW, ich fahre einen Mini (weil ich per ÖPNV pro Tag 1,5h länger unterwegs wäre…).

    • naja, du vergisst bei deinem zugespitzten Kommentar halt das Wesentliche: CO2-Emission bei der Produktion eines Neuwagens. Und da kannst du schon meist noch ein wenig mit dem alten Golf rumfahren, bevor sich der Neukauf gelohnt hätte. Außerdem wird ja auch beim Neuwagenkauf der alte Wagen selten einfach so verschwinden (Export –> fährt anderswo rum). Und ich finde es ist schon ein Unterschied jemanden anzusprechen, der oder die sich aktiv für ein klimaunfreundlicheres Auto (SUV) entschieden hat, als jemanden der/die sich eventuell keinen Neuwagen leisten kann. Die These im Podcast war ja eher: Wenn schon eine Entscheidung möglich ist, dann aber bitte verantwortungsbewusst gegenüber sich und anderen.
      lg

  22. Guten Tag,

    alle 156 Kommentare habe ich nicht gelesen, darum bitte diesen hier ignorieren, wenn den Gedanken schon jemand geäussert hat:
    Der Täter von Halle hat keine jüdischen Mitbürger getötet und keine Ausländer, sondern Einheimische aus der Region südliches Sachsen-Anhalt.
    Dieser rechtsextreme Terror hat sich faktisch gegen ganz normale Deutsche gerichtet.
    Hier lässt sich nichts wegschieben, dass das ja “die Anderen” getroffen habe und “nicht uns”.
    Insofern sind hier in Halle die Eindrücke schon ziemlich nachhaltig.
    Dem Täter war das im Frust plötzlich völlig egal, wen er da tötet: “Döner? Nehm’ wa!”
    Er hat ja auch auf Polizisten geschossen.
    Also die Dimension ist hier nochmal eine andere, als bei den “typischen” rechten Gewalttaten.

    • Er dreht sich um, flüchtet in den Hof. Dann ein Schuss. Jens Z. spürt, dass er im Nacken getroffen wurde. Aber er läuft weiter, versucht sich zu verstecken. „Gott sei Dank musste der Attentäter den Revolver nachladen“, sagt der 51-Jährige. „Hätte er mehr Kugeln drin gehabt, dann hätte er mich gleich fertig gemacht.“
      Quelle: https://www.mz-web.de/33320420

    • Aber man kann doch nicht ernsthaft ignorieren was die eigentliche Intention des Täters war.

      Dass er in seinem Wahn / Frust danach andere Personen angegriffen hat gilt es sicherlich auch zu bedenken, und jedes Opfer ist eines zu viel, aber man mag sich das Ausmaß ausmalen wenn er es geschafft hätte in die Synagoge einzudringen.

      • Bitte nicht falsch verstehen: die eigentliche Intention des Täters ist absolut wahnsinnig und soll mit meinem Hinweis gar nicht relativiert werden. Unvorstellbar, wenn die Waffen + Sprengkörper funktioniert hätten und er es in die Synagoge hinein geschafft hätte.

        Wichtig war mir, darauf hinzuweisen, dass es eben noch die andere Dimension gibt. Die der tatsächlichen (Todes-)Opfer.

        Spannend in dem Zusammenhang auch, wofür der Täter angeklagt wurde: _nicht_ für den Versuch, ein Massaker in der Synagoge zu veranstalten…

        • Liest sich aber wie eine Relativierung, im Zweifel ist die Wirkung wichtiger als die Intention. Man kann ja auch mal nichts sagen.

  23. Es soll einen neunen Untersuchungsausschuss geben. Aber ihr habt nicht mal den aktuellen Untersuchungsausschuss begleitet oder erwähnt. Warum nicht? Ist Euch das Verteidigungsministerium, sind Euch die Soldaten egal?
    Die Berateraffäre ist eine riesige Schweinerei und sollte Gehör in der breiten Masse finden. Wenn ihr keine Ahnung habt, dann holt euch doch Experten rein! Es gibt sogar einen Podcast zur Berateraffäre!!
    Bitte lasst dieses Thema von Steuersumpf nicht links liegen! Ich weiß ja dass ihr eher links seid, die Bundeswehr verdient aber auch eure Aufmerksamkeit!

    • Wir hatten das Thema längst, nämlich in der Folge Ende Januar.

      Und bitte schreib zukünftig in einem anderen Ton, wenn du veröffentlicht werden möchtest. Das ist hier unsere Party, da legen wir Wert darauf, dass respektvoll miteinander umgegangen wird. Nur weil du ein Thema bei uns vermisst (oder wie hier schlicht vergessen/überhört hast) sind wir noch lange keine Vollpfosten.

      Mit links/rechts hat das Thema übrigens nichts zu tun; gerade aus einer linken Perspektive ist das Beraterunwesen ausgesprochen kritikwürdig, insbesondere wegen der fehlenden Transparenz und demokratischen Kontrolle.

  24. Hier noch etwas Gedankenfutter bezüglich der CO2 Steuer:
    https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2019/juli/co2-steuer-der-preis-ist-heiss

    Selbst wenn mir eure Ausführungen und auch andere Quellen diesbezüglich schlüssig scheinen, drängt sich mir immer mehr die Befürchtung auf, dass eine CO2 Steuer (selbst über 100€) nicht die gewünschten Lenkungseffekte haben wird, besonders im Bereich Verkehr. Ich fände es interessant, wenn ihr mögliche alternative Lenkungsinstrumente gegenüberstellend diskutieren könnten (z.B. CO2-Zertifikate)

  25. Hallo zusammen,
    zum Thema Terroranschlag in Halle. Falls es in der kommenden Folge eine Feedbackrunde zu dieser Thematik gibt, wäre ich froh, wenn ihr Folgendes beleuchten könntet:
    Als Zeichen der Solidarität mit dem Judentum wird nach einem antisemitischen Vorfall häufig die israelische Nationalflagge gezeigt. Sollte man seine Solidarität und Offenheit gegenüber der Juden nicht eher mit einem neutralen (nicht politischem) Symbol verdeutlichen? Z.B. nur mit dem Davidstern etc.
    Ich finde es gut, die Loyalität und die Anteilnahme offen zu zeigen; aber mir ist die Trennung zwischen Religion und Staat sehr wichtig und möchte daher ungern die israelische Flagge schwenken.. Mich interessieren Eure Meinungen.
    Vielen Dank, Frederik B.

  26. Hallo,
    mich regt das mit dem Klimapaket sehr auf und ich frage mich, was ich jetzt tun kann. Ich habe Kontakt zu meinen Bundestagsabgeordneten gehabt und mit denen teils sehr lange Gespräche gehabt. Und das was ich da erlebt habe erschüttert mich. Kein Verständnis, kein Verstehen, eher ein von oben herab, denn die Bürger haben keine Ahnung und wir Politiker bekommen das hin bis hin zu Ansätzen von leugnen des Klimawandels. Ich weiß nicht, was soll man da tun? Ich bin ratlos. Habt ihr eine Idee?

    • Ich kann dich gut verstehen und danke dir vielmals für deinen bisherigen Einsatz. Du hast damit vielleicht schon mehr erreicht, als du denkst. Vielen Dank für die investierte Zeit und das Gespräch. Du hast deinen Bundestagsabgeordneten in der Diskussion dazu gebracht, dass er den Grund für das Klimapakte genauer betrachten musste und sich fragen musste “Wie schlimm wird es, wenn wir nichts tun?” Ich vermute, dass er darüber bisher nicht ordentlich nachgedacht hatte und daher so reagiert hat. Mehr kannst du in der Situation nicht machen. Wenn du noch weiter machen willst, dann überzeuge andere Leute. Überzeuge sie, dass das Thema wichtig ist. Vielleicht schaffst du es, anderen überzeugen, auch zum gleichen Bundestagsabgeordneten zu gehen. Er sollte das immer wieder von verschiedenen Leuten hören, wie wichtig das ist und dass wir gerne auch im Alter noch eine funktionierende Natur und Landwirschaft und ein halbwegs entspanntes Leben hätten (zum Beispiel. Gerne andere Argumente).
      Ich habe mir vor einiger Zeit die gleiche Frage gestellt und war sehr verzweifelt. Dazu gibt es auch immer noch viel zu gute Gründe. Der größte Hebel, den ich sehe, ist, andere Leute mitzunehmen. Wenn wir alle den Planet retten wollen, wenn wir alle in einem Boot sitzen (tun wir eh) und auch alle an einem Strang ziehen, können wir viel erreichen. Dabei gilt es schon mit Empathie vorzugehen. Argumente zu haben. Damit ist man schon ganz gut beschäftigt. Gerade überlege ich, ob es sinnvoll ist, gezielt Klimakatastrophen-Leugner-Threads in den sozialen Medien zu suchen und sachlich zu widersprechen. Damit überzeugt man nicht unbedingt die Diskutierenden aber ggf. die Mitleser. Es ist wichtig, dass Falschaussagen nicht unwidersprochen stehen bleiben. Und wenn viele Menschen zusammenarbeiten, können sie unfassbares zusammen erreichen. Ich möchte, dass wir viele (noch viel mehr) werden. Diese Zeit ist aus meiner Sicht sehr sinnvoll investiert.
      Hast du noch andere Ideen? Vielleicht können wir hier Ideen sammeln.
      Lg

  27. Ziemlich einfache Lösung gegen Erdogan: Deal aufkündigen und die Gelder nach Griechenland umleiten.
    Damit fehlt Erdogan das Druckmittel Flüchtlinge und Griechenland ist auch geholfen.
    Dann noch ein paar Hundertschaften Bürokraten dahin die Asylanträge bearbeiten und wenn positiver Bescheid, dann über die EU verteilen.

  28. Hallo Ihr Zwei,

    vorab, ich bin mir nicht sicher, ob Euch das interessiert oder von Nutzen ist, aber ich dachte falls doch, sicher ist sicher.
    Ein ehemaliger Schulkamerad meinerseits ist dieses Jahe von Bayer zum VCI (vci.de) gewechselt und vertritt nun die Interessen der chemischen Industrie. Jedenfalls hat er heute ein Statement auf FB gepostet, dass eigentlich niemals gelesen hätte, aber die Forderung nach einem niedrigen Strompreis in der heutigen Zeit aus Reihen der Industrie hat mich dann doch stocken lassen.
    Ich habe mir dieses Statement und die verlinkten weiteren Veröffentlichungen mal zu Gemüte geführt und finde sie recht ambivalent.
    Zum Einen soll es wohl ein Bekenntnis zur Erreichung der Klimaziele sein, zum Anderen aber, meinem Gefühl nach, die Forderung, aber bitte uns nicht belasten, sonst können wir das nicht.
    Was mich insbesondere irritiert ist die Jahreszahl 2050. Wo kommt die denn auf einmal her?
    Unterm Strich für mich ein, Ja seh ich auch so bis zum: Lobbyarbeit.

    Nachzulesen hier: https://www.facebook.com/grosse.entrup/posts/2496510550437062

    Beste Grüße
    Michael

  29. Meiner Meinung nach setzt ihr etwas zu sehr den Fokus auf SUVs in letzter Zeit. Ja, diese sind gesundheitsschädlich, aber dank Katalysatoren und anderen technologischen Fortschritten sind Autos deutlich weniger schädlich geworden. Unterschätzt wird dagegen die Gefahr, die von Holzöfen ausgeht. Von denen stehen elf Millionen in deutschen Haushalten. Diese stoßen 40 mal so viel Feinstaub aus wie eine Gasheizung. Im Tierversuch erzeugt ein Extrakt aus Holzrauch 30 mal so effektiv Tumoren wie Zigarettenrauch. Nach Schätzungen der WHO sterben jährlich etwa zwei Millionen Menschen an den Folgen von Holzrauch, die Hälfte davon Kinder unter fünf Jahren. Meine Freundin arbeitet in einer Apotheke und hat jeden Tag verzweifelte Mütter vor sich stehen, deren Kinder an chronischen Atemwegserkrankungen leiden. Wie wäre es mit einer saftigen Steuer auf Holzöfen? Wer die Luft verpestet, soll zumindest zahlen! Und der Fiskus hätte auch seine Freude daran. Aber es passiert das Gegenteil. Diese Öfen werden sogar noch staatlich gefördert.

    Ich empfehle allen die Dokumentationen “Die Holzlüge” und “Auf dem Holzweg”.
    Und das Gerichtsurteil A2. 3029 / 08 LG Dortmund vom 3. April 2009.
    Auch unter “Deutsche Umwelthilfe” und “Clean heat” bekommt man sehr gute Informationen.

    • Woow – das ist so unendlich viel Polemik in einem einzigen Kommentar.
      Ich versuche mal auf die einzelnen Punkte einzugehen:

      1. Zu viel Fokus auf SUVs:
      Hier haben Philipp und Ulf schon mehrmals gesagt, dass die SUVs nur als Beispiel für zu große, zu schwere und unnötige Autos stehen, dementsprechend lassen Sie uns bitte um den unnötig motorisierten Individualverkehr reden – dieser ist zwar, wie von Ihnen korrekt ausgeführt, individuell weniger schädlich geworden, durch den Zuwachs der Gesamtmenge an Autos, ist die Schädlichkeit aber dennoch gegeben und daher ein wichtiger Diskussionspunkt.

      2. Holzöfen sind schädlicher als Gasheizungen und Autos:
      Hierbei muss man unterscheiden zwischen gesundheitlichen Schäden und klimaseitigen Schäden. Was das Klima angeht emittieren Holzöfen zwar auch CO2, da dies aber im Wachstumsprozess der Bäume zum Teil wieder gebunden wird, ist es im Gesamtkreislauf deutlich klima-effizienter als Erdgas. Natürlich muss man hierbei danach unterscheiden, ob das Holz aus heimischen Anbau verfeuert wird, oder ob es teuer (und schädlich) aus anderen Ländern importiert werden muss. Erdgas und Öl müssen aber auch auf jeden Fall importiert werden, sodass im Kern das Heizen mit Holz, abhängig von Art und Weise, nicht ideal für das Klima ist, aber deutlich besser als Gas- oder Ölheizungen.
      Was die gesundheitliche Belastung angeht, ist es so, dass die meisten, mit Holzrauch assoziierten Erkrankungen durch die fehlerhafte Verbrennung von Holz zu Stande kommen. Je moderner und besser gewartet ein Holzofen ist, um so weniger dieser fehlerhaften Verbrennungen finden auch statt.
      Die von Ihnen zitierten Tierversuche hängen demnach auch extrem stark davon ab, ob ich ein Lagerfeuer mit nassen Ästen von Laubbäumen anzünde, oder ob ich getrocknete Holzscheite in einem Hauskamin verbrenne. Ich möchte auch Ihre WHO Zahlen nicht hinterfragen, gehe aber davon aus, dass ein verschwindend geringer Anteil davon Westeuropa betrifft, sondern vielmehr Brasilien oder Südostasien bzw. Zentralafrika, wo viele Regenwaldgebiete gerodet werden. Der dort entstehende Holzrauch ist tatsächlich sehr gefährlich und gehört verurteilt, nicht aber die Westeuropäischen Kaminöfen.
      Die anekdotischen Erzählungen von Ihrer Bekannten ignoriere ich mal – hier findet man immer jemanden, der einem das erzählt, was man hören will.
      Zudem sind die meisten chronischen Atemwegserkrankungen in Deutschland in den Städten zu finden und kommen eben genau durch die angesprochenen Auto-Stickoxide zu Stande.
      Die meisten der von Ihnen erwähnten 11 Millionen Holzöfen befinden sich nämlich auf dem Land und können daher keinen erheblichen Faktor bzgl. dieser Atemwegserkrankungen darstellen.

      Beide von Ihnen zitierten Dokus beziehen sich hierbei zudem auf die Herkunft des Holzes, sprich das unökologische Holzbusiness in Osteuropa und den USA, nicht auf die klimaschädlichen bzw. gesundheitsschädlichen Folgen des Holzofens per se.
      Daher sind dies auch keine angemessenen Quellen für Ihre Meinungsbekundungen.

    • Alles richtig was Dave schreibt, aber das interessiert in Berlin keine Sau. Selbst die Grünen fordern Holzöfen als Ersatz für Ölheizungen.

      “Hinzu kommt, dass neben dem Kohlendioxid beim Verbrennen Ruß entsteht. Und der verhagelt die Klimabilanz von Holzöfen endgültig. Die schwarzen Partikel sind äußerst klimawirksam. Sie heizen sich im Sonnenlicht auf, beeinflussen die Wolkenbildung, schwärzen bis in die Arktis Schnee und Eis, die dann schneller schmelzen. Insgesamt heizen Rußpartikel das Klima bis zu 3.200-mal so stark auf wie das Treibhausgas CO₂.”

      https://www.zeit.de/2017/14/holzoefen-heizen-emissionen-verbot/seite-2

      Die effizienteste und schadstoffärmste Verbrennung haben wohl tatsächlich moderne Gasheizungen. In Kombination mit Solar sicherlich auch auf Sicht nicht verkehrt.

  30. Ich finde jede Form von körperlicher oder Waffengewalt gegen Menschen krank.
    Wenn der Anlass dann noch Religion, Hautfarbe, Herkunft oder sonst etwas Pauschales ist und es nicht einmal um persönliche Motive geht (was ich auch verurteile), dann ist das erst recht krank!
    Wie könnt Ihr behaupten, der Terrorist von Halle wäre “nur” radikalisiert?
    Er will Menschen töten, die er gar nicht kennt, nur weil sie eine Religion ausüben, die ihm nicht passt?
    Und dann hat er in seinem Frust wahllos Leute auf der Straße angegriffen.
    Das ist KRANK!

    • Bei dieser Frage geht es aber nicht um deinen persönlichen sondern um einen allgemeingültigen Krankheitsbegriff.

      Und da sollte man einfach ein bisschen vorsichtig sein. Jemand, der eine solche Tat rational plant und durchführt soll dann auch entsprechend behandelt und bestraft werden. Gleichzeitig sollte es aus Gründen der Stigmatisierung vermieden werden, ideologisch motivierte Gewalt und Straftaten generellmit echten Krankheiten in Verbindung zu bringen. (Wir reden hier natürlich über die Psyche.)

      Das ist in beide Richtungen schädlich – Täter (und andere Abwiegler und Verharmloser) schieben dann alles auf „Krankheit“ während gleichzeitig unnötige Angst vor „Kranken“ entsteht.

  31. Vielen Dank für Eure tolle Arbeit!

    Noch ein kurzer Kommentar zum moralischen Appell bezüglich der SUV, mit dem ich durchaus sympathisiere.
    Auf der anderen Seite frage ich mich, ob moralische Aspekte von Ihrer Seite nicht noch konsequenter berücksichtigt werden sollten, wenn mans chon damit anfängt.
    Wenn es beispielsweise um Podcast Player geht, sprechen Sie häufig von Overcast und ioS Geräten, obwohl die unwürdigen Produktionsbedingungen bei Apple ja allgemein bekannt sind.

    Von den Minenunglücken (https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-10/kongo-goldmine-einsturz-tote-unglueck), die regelmäßig stattfinden ganz zu schweigen, ohne dass hier ein direkter Zusammenhang zu Apple herrscht, aber es ist bekannt, dass viele solcher Materialien in Handy stecken.

    Dementsprechend wäre vielleicht eine Nennung von fairen Alternativen wie Fairphone ein sinnvoller Schritt. In diesem Fall ist dann halt eine Umgewöhnung von iOS erforderlich, aber ist es nicht auch moralisch ignorant, wenn man dies verweigert, was auf Kosten anderer ausgetragen wird?

  32. Hallo Philipp, hallo Ulf. Erst einmal vorne weg ein großes Lob für eure tolle Sendung. Ich bin Hörer der ersten Stunde und finde es großartig was und wie ihr es macht. Bereits nach eurer vorletzten Sendung habe ich überlegt mich in die Debatte um die Dienstwagenregelung einzumischen. Ich finde es ist schon sehr viel gesagt worden, aber die Quintessenz fehlt mir leider doch. Vor allem in den verschiedenen Kommentaren die ihr in der letzten Folge aufgegriffen habt. Ein Hörer sagte, dass die Kilometer des Arbeitsweges dem Einkommen auch als geldwerter Vorteil zuzuschlagen sind. Was aber in der ganzen Diskussion noch nicht gesagt wurde, ist, dass man ja keine 1000 €, um das Beispiel aufzugreifen, Kosten hat, sondern lediglich den Teil der dadurch an höheren Steuern anfällt. Ich bin selbst Dienstwagenfahrer und musste diesen geldwerten Vorteil im Rahmen eines Unterhaltsstreits bewerten lassen. Dabei wird bei mir glücklicherweise keine Wegstrecke in Ansatz gebracht, da ich keinen festen täglichen Einsatzort habe. Mein Fahrzeug hatte seinerzeit einen Listenpreis von 37.000 € der geldwerte Vorteil monatlich betrug also 370 €. Dieser Betrag, und das wurde richtig gesagt, wird dem Bruttoverdienst zugeschlagen, aber auch vom Netto wieder in gleicher Höhe abgezogen. In meinem konkreten Fall hat man also verglichen wie geht die Rechnung aus mit geldwertem Vorteil und wie, wenn man den gleichen Betrag als “echtes” Geld auf das Brutto aufschlägt, aber vom netto nicht abzieht. Im Ergebnis kostete mich dieser Dienstwagen monatlich 170 €. So billig kann kein Mensch privat Autofahren. Dieser Betrag war aber insofern zu verschmerzen, als dass er ja nie auszahlungswirksam wurde, weil er direkt als Lohnsteuer einbehalten wurde. Eine spürbare Abbuchung vom Konto für einen Dienstwagen findet defacto nicht statt. Ich kann nicht leugnen, dass ich es genieße so günstig Auto zu fahren. Gleichsam finde ich aber auch das Firmen, die ihren Mitarbeitern Dienstwagen zur Verfügung stellen, sich ihrer Verantwortung in Hinblick auf umweltbewusstes Verhalten gewahr sein sollten. Dementsprechend, und auch weil eben diese Dienstwagen Jahre lang im Gebrauchtwagenmarkt bleiben, sollte hier unbedingt auf alternative Antriebstechnologien umgestellt werden. Arbeitnehmer könnte man insofern involvieren, als dass für beispielsweise E-Autos oder Wasserstoff-Autos ein geringer Prozentsatz zu versteuern ist. Dies ist bereits heute schon der Fall, jedoch scheint mir der Anreiz bei 0,5 % viel zu gering zu sein. Die Erhöhung des zu versteuernden Anteils für beispielsweise Dieselfahrzeuge ließe sich ja genauso bewerkstelligen.
    Zum geldwerten Vorteil der Kilometer des Arbeitsweges sei noch gesagt, dass eben dagegen die Pendlerpauschale im Rahmen der Einkommensteuererklärung gerechnet werden kann. Weiterhin darf man keinesfalls aus dem Auge verlieren, dass die 1 %-Regelung für Dienstwagen eben nur dann greift, wenn diese zur privaten Nutzung überlassen werden. Sie ist also als eine Art Mietgebühr zu verstehen beziehungsweise ist eben ja genau die Möglichkeit zur privaten Nutzung erst der geldwerte Vorteil. Ist man aufgrund seiner Tätigkeit, wie im Außendienst, auf einen PKW angewiesen, beziehungsweise verlangt der Arbeitgeber die Nutzung desselben, ist es ja ein Arbeitsmittel schlechthin. Es gibt durchaus Arbeitnehmer, die zwar einen Dienstwagen haben, diesen aber nicht privat nutzen dürfen und damit mit Sicherheit auch keinen geldwerten Vorteil im Rahmen der 1%-Regelung angerechnet bekommen.
    Ich hoffe meine Ausführungen tragen noch ein bisschen zur Erhellung in dieser Thematik bei. Fakt ist, es gibt hier viel Gestaltungsspielraum für Politik, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Leasinggesellschaften, Flottenverwalter und Fahrzeughersteller.
    Persönlich finde ich übrigens, das ist doch sehr seltsam ist, wenn sich Dienstwagen Nutzung über die vermeintlich hohen Kosten beschweren. Schlussendlich ist es so, dass die Kosten für den Arbeitnehmer/Dienstwagennutzer deutlich geringer sind als bei Nutzung des Privatfahrzeuges, sonst würde man ja eben dieses nutzen. In der Regel wird niemand zur Nutzung eines Dienstwagens gezwungen. aber natürlich nimmt man dies gerne fahren, denn sämtliche Kosten, wie Kraftstoff, Durchsicht, Reparaturen, Steuer, Versicherung und Winter-/Sommerreifen werden durch den Arbeitgeber übernommen. Es gibt noch eine andere Variante neben der 1 %-Regelung. In diesem Modell betrachtet man auf Basis eines geführten Fahrtenbuches das Verhältnis von privat und dienstlich gefahrenen Kilometern. Nach diesem Verhältnis werden dann sämtliche Unterhaltungskosten auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer verteilt. Hier würde der Arbeitnehmer natürlich deutlich schlechter wegkommen, als es bei der 1 %-Regelung der Fall ist.

  33. Ihr Lieben,
    großer Fan hier und Erst-Kommentatorin; Thema: Hinweis auf eine Petition zur Kennzeichnung des Klima-Fußabdrucks auf Lebensmitteln.

    In letzter Zeit habt ihr häufiger Klima-Themen besprochen und berechtigterweise (vor ein paar Folgen sinngemäß) angemerkt, dass es Verbraucher*innen unmöglich gemacht wird, nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen, wenn man gar nicht genau weiß, was eigentlich nachhaltig ist. Schönes Beispiel dazu:
    “Welche Verpackungsart in Verbindung mit dem Transportweg verursacht weniger bzw. mehr CO2
    – Milch abgefüllt in Mehrwegflaschen aus z.B. dem 200km Entfernung oder
    – in Kunststoffbeutel abgefüllte Milch aus 50km Entfernung oder
    – im aluminiumfreien Tetrapack aus 100km Entfernung?”

    Seit heute gibt es eine Petition, die sich an den Bundestag richtet und fordert, dass alle im deutschen LEH vertriebenen Lebensmittel eine verpflichtende Kennzeichnung über das durch die Herstellung emittierte CO2e (CO2 und äquivalente Treibhausgase) aufweisen müssen.

    Es gibt bereits Hersteller wie Oatly zB, die freiwillig ihren Klima-Fußabdruck ausweisen. Wenn das jedoch nicht von allen gemacht wird, gibt es kaum eine Vergleichbarkeit, daher wäre so eine verpflichtende Kennzeichnung sehr sinnvoll.

    Ich weiß, die Idee hat in der Umsetzung vielleicht noch einige Lücken, aber sie ist es mMn wert, auf die politische Agenda gesetzt zu werden. Vielen geht es da wahrscheinlich wie mir: Der Wille zu mehr Nachhaltigkeit ist da, ist jedoch ohne konkretes Wissen nicht leicht in Konsumentscheidungen zu übersetzen.

    Viele Grüße und danke euch für eure tolle Arbeit
    Alexandra

  34. Hallo Philip, hallo Ulf,

    erstmal möchte ich euch ein Dankeschön für euren Podcast aussprechen.
    Ich bin zwar nicht immer einer Meinung mit euch, doch gerade das bringt mich dazu meine Ansichten zu überdenken und ggf. auch zu ändern.
    Die “Lage der Nation” ist somit eine Bereicherung für mich.

    Im Zuge der letzen Folgen der Lage der Nation habe ich wahrgenommen, dass bei manchen Themen die Recherche nicht tief genug war. Dieser Eindruck kam zustande, da es Themen waren mit denen ich mich selbst schon beschäftigt habe.

    Als Beispiel möchte ich die Firmenwagen und die Versteuerung des geldwerten Vorteils anführen. Erst das Feedback in den Kommentaren brachte alle Aspekte zu diesem Thema hevor. Das Feedback wurde zwar in der aktuellen Folge berücksichtigt, doch ich fand schade, dass Ulf sogar Philips Einwand niederbügelte und seine Meinung durch die mehrmaligen “… ich denke…” über alles stellte.
    Für mein Empfingen wurde die Chance nicht genutzt um den Schluss zu ziehen, dass Firmenwagen für den Begünstigten am lukrativsten sind, wenn die Entfernung vom Wohn- zum Arbeitsort möglichst gering ist. Also genau die Situation, die mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem ÖPNV abgedeckt werden kann.
    Jemand der 4km vom Arbeitsort entfernt wohnt, hat – um bei eurem Bespiel zu bleiben – bei einem 40000 EUR Auto 448 EUR als geldwerten Vorteil zu versteuern. Ein anderer, wie z.B. Christian wohnt 65 km entfernt und müsse damit einen geldwerten Vorteil von 1180 EUR versteuern.
    Die Kilometer, die bei der privaten Nutzung gefahren werden, gehen völlig unter!
    Und das können richtig viele sein. Ein früherer Arbeitskollege z.B. kam auf eine jährliche Fahrleistung mit dem Firmenwagen von über 30000km bei einer Entfernung von 7 km zwischen Arbeitsplatz und Wohnort. D.h. 10% den Kilometer waren Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsort.
    Meiner Meinung nach bedarf es einer Änderung bei den Firmenwagen und deren Besteuerung.
    Erstens sollten die Listenpreise gedeckelt werden um PS-starke Fahrzeuge mit hohem Spritverbrauch bei den Firmenwagen zu vermeiden.
    Zweitens darf der Geldwerte Vorteil nicht nach der Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz bemessen werden. Vielmehr sollte die gesamte Jahresfahrleistung zu Grunde gelegt werden.
    Drittens sollte nur dann ein Fahrzeug als Firmenwagen anerkannt werden, wenn es einen bestimmten Energieverbrauch nicht überschreitet.

    Ein weiteres Beispiel sind die SUV. Erst als der Bericht des ADAC erschienen ist, seid ihr davon abgerückt, dass die SUV viel gefährlicher als andere Fahrzeuge sind. Mit dem Platzbedarf der SUV solltet ihr euch nochmals beschäftigen. Ich habe den Eindruck, dass zwischen Fläche und Volumen nicht getrennt wird. Denn – auch wenn ich mich jetzt wieder in Gefahr bringe mit “Whataboutism” abgewatscht zu werden – die “normalen” Autos benötigen nicht zwingend weniger Platz als vergleichbare SUV. Zumal die ja in der Regel dieselben Plattformen nutzen.

    Ebenso fehlt mir bei der Betrachtung der erneuerbaren Energien wie Windkraft und Fotovoltaik die Nennung der Probleme, die beim starken Ausbau dieser Enegien zu erwarten sind.
    Eines dieser Probleme ist beispielsweise die Netzstabilität. Die Netzstabilität wird vor allem mit den Kraftwerken sichergestellt, in dem kapazitive und induktive Blindleistungen geschaltet werden und ggf. auch die eingespeiste Leistung verringert bzw. erhöht wird.
    Wenn nun die erneuerbaren Energien mehr, und im Gegenzug die Kraftwerke weniger werden, müssen z.B. Speicher vorhanden sein mit denen Leistung nachgeschoben bzw. aufgenommen werden kann.
    Hierzu kann ich euch die Episode 246 (Link: http://traffic.libsyn.com/omegataupodcast/omegatau-246-stromnetzeUeberblick.mp3 ) und die Episode 253 (Link: http://traffic.libsyn.com/omegataupodcast/omegatau-253-hslUndUmspannwerkBeiTransnetBW.mp3 ) des Omega-Tau-Podcast von Markus Völker empfehlen.

    Auch fehlt mir eine Betrachtung der Platzbedarfes – egal ob Fotovoltaik- oder Windkraftanlagen – und in wie weit der Energiebedarf durch die erneuerbaren Energien gedeckt werden kann.
    Dazu empfehle ich euch das Buch “Erneuerbare Energien – ohne heiße Luft” von Christian Holler und Joachim Gaukel.
    Hier ein Link zu einer Leseprobe: http://ohne-heisse-luft.de/wp-content/plugins/pdfjs-viewer-shortcode/pdfjs/web/viewer.php?file=http%3A%2F%2Fohne-heisse-luft.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2018%2F09%2FLeseprobe2.pdf&download=false&print=false&openfile=false
    Das Buch gibt es auch bei Amazon kostenlos in der Kindle-Ausgabe: https://www.amazon.de/Erneuerbare-Energien-Ohne-hei%C3%9Fe-Luft/dp/3962380809

    Herzliche Grüße,
    Jörg

    • Moin Jörg,

      vielen Dank für deinen sehr guten Kommentar!
      Als ehemaliger Firmenwagenfahrer möchte ich deine Vorschläge hier mal ausdrücklich unterstützen. Insbesondere die Idee die gesamte jährliche Fahrleistung eines Dienstwagens zu besteuern finde ich sehr sinnvoll.

      Einmal als persönliche Anekdote, die vermutlich repräsentativ für viele Dienstwageninhaber ist:

      Ich war lange Zeit in meinem Unternehmen in einer großen deutschen Metropole im Innendienst beschäftigt. Zu dieser Arbeitsstelle bin ich täglich mit dem ÖPNV circa. 15 Minuten gefahren und habe das ÖPNV Jahresticket von meinem Arbeitgeber gestellt bekommen und musste lediglich den geldwerten Vorteil dieses ÖPNV-Tickets bezahlen.
      Dann bin ich in den Außendienst des selben Unternehmens gewechselt und habe einen Firmenwagen inkl. Tankkarte bekommen (hierfür gab es eine Liste und eine Listenpreisbegrenzung), um Kundenbesuche tätigen zu können.
      Diesen Firmenwagen durfte ich auch privat nutzen und musste ihn mit 1% besteuern – da mein primärer Arbeitsplatz nicht mehr im Unternehmen, sondern beim Kunden war, musste ich auch keine 0,3% pro KM besteuern, sondern wirklich lediglich die 1% (solange ich nur im Inland getankt habe).
      Da diese Kosten (1% geldwerter Vorteil) fix waren und ich das ÖPNV Jahresticket entsprechend nicht mehr gestellt bekam, führte die Konstellation dazu, dass ich auch an Tagen, an denen in ins Büro musste, ebenfalls mit dem Auto gefahren bin und Parkplätze im Stadtzentrum belegt habe, obwohl ich circa 20-25 min brauchte, also sogar länger als früher mit dem ÖPNV.
      Da ich das ÖPNV Ticket aber zusätzlich hätte privat bezahlen müssen, während der Firmenwagen inkl. Sprit schon bezahlt waren, war es in dem Moment für mich einfach lukrativer mit dem PKW zu fahren – das selbe gilt auch für private Veranstaltungen am Wochenende oder abends, zu denen ich normalerweise mit dem ÖPNV gefahren wäre – da mich dies etwas gekostet hätte, während der Firmenwagen “umsonst” war, bin ich auch hier mit dem Auto gefahren.

      Genau hier sehe ich die Problematik beim Firmenwagenprivileg – zusätzliche private KM werden nicht “bestraft” bzw. sind immer kostenlos – während mich jedes andere Verkehrsmittel zusätzlich finanziell belastet, was zwangsläufig dazu führt, dass ich ÖPNV nicht mehr als Alternative wahr genommen habe und daher mehr Auto gefahren bin als ich es vorher tat – auch privat.
      Dies mag in dünn besiedelten Gebieten anders sein, in denen es sowieso keinen ÖPNV und daher auch keine Alternative zum Auto gibt, aber in Großstädten und großstadtnahen Gegenden ist diese Probleme auf jeden Fall präsent und relevant.

      VG
      FP

  35. Thema Terroranschlag in Halle: Es wäre wichtig, dass auf wesentliche Ursachefaktoren mehr Augenmerk gerichtet würde. Stressanfälligkeit, Reizbarkeit, Intoleranz, Aggression, etc. werden umso stärker Teil des Persönlichkeitsprofils, je mehr gravierende und/oder chronische StressTraumata in der Kindheit (Misshandlung, Vernachlässigung, U3-Gruppentagesbetreuung) die Entwicklung beeinträchtigen. Stresstraumata fallen vor allem in den ersten 3 Lebensjahren in eine Zeit, in der ein Individuum noch gar keine Möglichkeit hat, sich gegen sie zu wehren, und sie werden nicht einmal erinnert!
    Im Falle des jüngsten Anschlags ist diese Argumentation selbstverständlich keine Entschuldigung, wohl aber eine Erklärung, die zur Verhinderung analoger Taten mehr dient als die meisten bisherigen Maßnahmen. Die Gesellschaft sollte die oben genannten Stress-traumata für Kinder systematisch und wirksam abbauen, In dem Eltern finanziell gerecht mit Kinderlosen gleichgestellt werden, damit sie genug Kraft, Zeit und Ressourcen für die Erziehung von Kindern haben.

  36. Hoch interessant die historischen und juristischen Erläuterungen zum zivilen Ungehorsam. Ich wünschte, das Thema würde noch weiter reflektiert werden. Am Ende wird von einem der beiden gemutmaßt, es gebe in Deutschland kein Gesetz (relevant im Kontext Klimaschutz), das so ungerecht ist, dass ziviler Ungehorsam gerechtfertigt sei. Allenfalls die Abwesenheit von Gesetzen, ergänzt dann der andere. Da hört die Erörterung auf.
    Ich bin kein Jurist, aber es erscheint mir geradezu zwingend, die Abwesenheit von Gesetzen genauso zu betrachten. Sind nicht (idealerweise) Gesetze dafür da, die Mächtigen in ihrer Willkür zu beschränken, um die Ohnmächtigen zu schützen? Dann ist aber Ungerechtigkeit sogar regelhaft die Abwesenheit von Gesetz.
    Ferner, sind es nicht deutsche Gesetze, die bewirken, dass z.B. mehr in die Förderung von fossilen als erneuerbaren Energien gesteckt wird? Ich vermute, es lassen sich hunderte Gesetze finden, die in der Summe das Verhalten der Regierung wiederspiegeln, welches “unerträglich” ungerecht ist, im Hinblick auf die Konsequenzen zumindest für die Jüngeren in unserer Gesellschaft, ganz zu schweigen von der Würde ganzer Gesellschaften anderswo.
    Und, wie steht es mit der Nichtbefolgung von existierenden Gesetzen? Ist (siehe Grundgesetz) die Würde meines Kindes angetastet, wenn dessen Zukunft für heutige Profite bzw. Machterhalt verspielt wird?

    • Danke Philip und Ulf für euren wie immer wunderbaren Podcast. Finde es super, dass ihr Extinction Rebellion trotz der vielen anderen Themen der letzten Woche so viel Raum in der letzten Folge gegeben habt und so spannende Hintergründe zum Thema Ziviler Ungehorsam geliefert habt. Findet ihr aber nicht auch, dass ihr bei eurer rechtlichen Argumentation das EU Recht vergessen habt (Stichwort Klimaschutzentscheidung:
      https://ec.europa.eu/clima/policies/effort_de)?
      Ich bin auch kein Jurist aber nach meinem Verständnis gibt es da verbindliche nationale Ziele zur Emissionsreduktion bis 2020 bzw. 2030 die nach allen mir bekannten Hochrechnungen und Expertenmeinungen spektakulär verfehlt werden. Da ja in der Regel EU Recht über nationalem Recht steht bedeutet das Strafzahlungen in Milliardenhöhe für Deutschland. Das ist in meinen Augen nicht nur peinlich für ein Land das sich international als Klimaschützer präsentiert sondern eben auch im neuen Klimaschutzgesetz als ein unrechtes Recht manifestiert.
      Und wie zuvor richtig bemerkt bedeutet die aktuelle Klimaschutzpolitik tatsächlich eine, für mit der Fähigkeit zur Empathie ausgestattete Menschen, “unerträgliche Ungerechtigkeit” gegenüber dem Globalen Süden der vom Klimawandel schon jetzt stärker betroffen wird als der weitgehend dafür verantwortliche globale Norden. Demnach lässt sich ziviler Ungehorsam im Kampf für Klimagerechtigkeit meiner Meinung nach sehr Wohl aus der Radbruchschen Formel begründen.

  37. Die rechtsradikale Szene ist rein militärisch und kampfsportmäßig dermaßen gut gerüstet und mit allen staatlichen Sicherheitskräften bestens vernetzt, dass es nur eine Frage der Zeit ist bis sie ihr Ziel erreichen. Faschisten brauchen keine Mehrheiten. 30% reichen ihnen völlig. Ab 30% stellen sie die größte effektive Macht in einer Gemeinde, Region, in einem Land.

  38. Ich finde ihr solltet bei der ganzen SUV und Dienstwagendebatte nicht außen vor lassen, dass allein schon die Herstellung eines Neuwagens so viel CO2 und Wasser und anderes verbraucht, dass es klimatechnisch schwierig ist selbst mit einem alten Gebrauchtwagen, der zwar mehr Emissionen ausstößt, die Umwelt so stark zu verschmutzen wie mit dem Kauf eines Neuwagens. Wir brauchen zwar Emissions-ärmere Autos, aber deswegen macht es noch lange nicht Sinn den Markt mit zu vielen Neuwagen zu überschütten. Und genau das wird durch das Dienstwagen-Privileg gefördert.

    • Ich weiß jetzt zwar nicht, wieviel CO2 etc. bei der Produktion eines Neuwagens ausgestoßen wird, finde Dein Argument aber trotzdem gut.
      Es gibt aber auch das genaue Gegenargument.
      Bis mir mein Arbeitgeber einen Firmenwagen gegeben hat, hatte ich 2 Fahrzeuge. Meinen privaten PKW mit dem ich morgens zur Arbeit gefahren bin und den Wagen im Unternehmen mit dem ich tagsüber meine Kunden besucht habe.
      Das bedeutet, dass heute für mich privat kein Fahrzeug mehr produziert wird.

  39. Lieber Philip und Lieber Ulf,

    ich kann mich hier in erster Linie nur anschließen: DANKE für diesen Podcast!!!
    Allerdings kann ich es nicht lassen, zu dem Thema des aktuellen Türkei/Syrien Konflikts meinen Senf dazuzugeben.
    Mir fehlt an dieser Stelle eurer Erklärung ganz klar die Kritik und der Verweis nach Europa..
    Ob der EU Deal mit der Türkei, welcher Geld gegen Menschen beinhaltet, so vertretbar ist oder nicht ist meinetwegen noch Meinungssache. Aber dass Europa hier einen großen Teil der Verantwortung und der Mitschuld trägt, ist für mich persönlich eindeutig.
    Denn ich habe die Arguementation Seitens der Türkei so verstanden, dass die “Pufferzone” am Rande Syriens zur Türkei benötigt und von der Türkei übernommen werden soll, um hier die Geflüchteten (3Millionen insgesamt) teilweise unterzubringen.
    Diese Situation wäre nicht da, wenn die EU es endlich endlich endlich schaffen würde, eine Menschenfreundliche Lösung und eine Verteilung dieser Menschen innerhalb Europas auf die Beine zu stellen!!??! Vielleicht verstehe ich hier etwas falsch aber meiner Meinung nach ist eine Europäische Lösung, in welcher auch Länder wie Ungarn und Polen etc. einen prozentual sinnvollen Teil der Geflüchteten aufnehmen, die einzige Möglichkeit sich hier richtig zu positionieren.
    Diese Forderung und dieser Appell fehlt mir..
    Ich bin nicht erst seit diesem eskalierenden Konflikt zwischen der Türkeit und Syrien dieser Meinung. Die Zahlen, welches EU Land, prozentual auf die eigene Bevölkerung berechnet, wie viele Geflüchtete Menschen aufgenommen hat, sind eindeutig.
    Ich bin in den seltensten Fällen stolz auf Deutschland, aber würde jedes Land der Europäischen Union den gleichen Prozentsatz an Geflüchteten aufnehmen wie Deutschland, wären wir meiner Meinung nach um Längen weiter! Wieso überlässt die EU dieses Problem der Aufteilung von Menschen, welche vor dem Krieg fliehen müssen und traumatische Erlebnisse mit sich tragen, anderen Ländern? Der Libanon, der Sudan, Pakistan etc. werden hier alleine gelassen! Diese Menschen werden an die Türkei verkauft, an ein Land welches, wie man jetzt sehen kann, nicht die Menschenrechte verstanden hat.
    Ich sehe einen riesigen Teil der Schuld, genau wie ihr, bei Amerika und Trump!
    Aber die Europäische Union muss hier auch erwähnt werden!
    Wieso wird hier keine Lösung gefunden zur Ermöglichung des Erhalts würdiger Menschenleben?
    Wieso helfen WIR diesen Menschen nicht sondern setzen alles daran und nehmen alles in Kauf um “diese Flüchtlinge” von Europa fernzuhalten?

    • Danke Simone, sehe ich auch so, wir hätten die Rolle der EU und auch Deutschlands stärker in den Blick nehmen sollen. Wir waren da ein wenig auf die aktuellen Nachrichten aus den USA bzw. der Türkei fixiert.

  40. Das könnte euch interessieren: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/klimawandel-geld-1.4631243-3

    interessanter Artikel der SZ, der anhand von Beispielen gut veranschaulicht warum eine pauschale C02-Besteuerung die Spaltung der Gesellschaft nur weiter voran treiben wird:

  41. Hallo zusammen,

    ich finde es spitze, dass ihr an dem SUV Thema dran geblieben seid. Man könnte meinen hier werden Details diskutiert oder behaupten das bestimmte Details nicht stimmen und SUV zu pauschal kritisiert werden. Doch dem ist nicht so. Der Verlauf eurer Debatte und besonders die Kommentare dazu erwecken den Anschein als könnte man über die Diskussion von Details über richtig und falsch entschieden. Je mehr Details angeführt werden, desto mehr Bedingungen und Annahmen werden einbezogen, ohne empirisch die Größe des Effekts zu benennen. An diese Stelle würde ich aufrufen nochmal auf Anfang zu gehen und an ein für mich entscheidendes Argument erinnern: Die SUVs passen nicht in unsere Zeit. Sehr viele Menschen, die einen SUV fahren brauchen diesen nicht, sondern könnten eine wesentlich umweltfreundlichere Lösung wählen. Je teurer der SUV, desto mehr Alternativen stehen diesem Käuferkreis zur Verfügung (zb Bahnkarte 100 plus BMW i3 statt X6).
    Es geht für mich hier genau um den individuellen Unterschied im Klimaeffekt, den eine Kaufentscheidung bewirken kann.
    Das ihr mit eurem Thema bei vielen einen persönlichen Nerv getroffen habt, könnte man gut merken. Diskussion über Supersportwagen oder die private Nutzung von Panzern hätte weniger be- und getroffen. Wir sollten viel mehr die Themen besprechen, die jeden einzelnen treffen und wo eine Veränderung des Verhaltens positive Effekte auf die Umwelt haben kann. Und nur zur Einordnung: Kein Q7-Fahrer würde einen Opel Crosslander ‘SUV’ nennen. Alle wissen worum es geht und niemand kann etwas für diesen schwammigen Begriff.

    • SuV etc., Abschaffung von Firmenwagen
      Danke euch für all eure Beiträge und meinem Sohn dafür, dass er mich darauf aufmerksam gemacht hat.
      In die Debatte möchte ich folgende Gedanken einbringen:
      – Das Thema „Gerechtigkeit im Steuerrecht“ und damit auch Pendlerpauschale, 1%-Regel usw scheint mir ein problematisches Konzept zu sein. Dies insbesondere dann, wenn jeder Einzelfall „gerecht“ behandelt werden soll. So ist in meinen Augen die reine Entfernung zum Arbeitsplatz allein kein gerechter Grund für einen Werbekostenabzug. Immer dann, wenn jemand in eine größere und/oder günstigere Wohnung/Haus in weiterer Entfernung von seiner Arbeitsstelle wegzieht, er-scheint mir die steuerliche Begünstigung der nun größeren Entfernung unlogisch. Ihr habt zu Beginn der Debatte bereits darauf verwiesen, dass die Mehrkosten für eine teurere Wohnung nahe am Arbeitsplatz ja auch nicht steuerlich abziehbar sind.
      – Ein Kern des Problems scheint mir der „Firmenwagen“ zu sein. Warum können Unternehmen und Selbständige ein von seiner Bauart auch privat nutzbares Auto und alle damit verbundenen Kosten als Betriebsausgaben erfassen? Aus nachvollziehbaren Gründen kann ich ein weißes Hemd und meinen dunklen Anzug auch nicht steuerlich geltend machen, obwohl beides anders als das Auto (fast) ausschließlich beruflich genutzt werden.
      – Wenn ein Auto erst einmal Firmenwagen ist und der Privatanteil pauschal versteuert wird, kommt aus Umweltgesichtspunkten eine fatale Folge hinzu. Für den Nutzer des Firmenautos ist jede zusätzliche private Nutzung so gut wie kostenlos. Es fallen weder Umsatz- und Ertragsteuern noch Sozialversicherungsbeiträge (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile!) an. Ein Arbeitnehmer wird in den meisten Fällen auch nicht vom Arbeitgeber mit den verbleibenden Netto-Kosten belastet. Ein Firmenwagen lohnt sich wie die Diskussion gezeigt hat, nicht in allen Fällen! Aber sobald ein Firmenwagen da ist und pauschal versteuert wird, dann entscheidet sich ein sparsamer Nutzer immer gegen Alternativen, die für ihn nicht auch weitgehend kostenlos sind.
      – Zwei Drittel aller neu zugelassenen Pkw sollen Firmenwagen sein. Die Höhe der Anschaffungskos-ten und der späteren Unterhaltskosten inklusive einer Klimaabgabe (in welcher Form auch immer) spielen für diese Auto eine sehr untergeordnete Rolle. An dieser Stelle würde auch eine vernünftige (hohe!) CO2 Bepreisung weitgehend ins Leere laufen. Lasst uns darüber nachdenken, wie das ge-ändert werden kann.
      – Meine plakative Forderung lautet: Abschaffung von Firmenwagen und Pendlerpauschale.
      – Sozialer Ausgleich über Kopfpauschale, Bürgergeld, Grundeinkommen oder wie immer man das be-zeichnen will!

  42. Seit über einem Jahr höre ich mir jeden Folge an. Da das mein erster Kommentar ist, möchte ich vorab sagen: DANKE!
    Ich stimme sicherlich nicht mit Allem überein, was ihr sagt, aber das ist ja auch nicht unbedingt Sinn der Sache, denke ich. Viel wichtiger ist, dass mich eure Beiträge dazu bringen meine eigene Position zu überdenken und mir neue Perspektiven aufzeigen. Sofern ich das beurteilen kann, macht ihr einen tollen Job und bereichert Deutschlands Nachrichtenwelt um einen journalistisch hochwertigen und sehr informativen Podcast. (Und ein guter Podcast dieser Form hat lange gefehlt!)
    Aber nun zu dem, was mich veranlasst diesen Kommentar zu verfassen:
    Im Zuge des Beitrags zu der nicht-Erkennung rechter Gewalt als Terrorismus, meintet ihr, dass es womöglich daran liege, “dass es die sind und nicht wir”. Der Satz hat mir die Augen geöffnet. Ich selber habe keinen Migrationshintergrund und auch keine jüdischen Wurzeln, würde mich allerdings auch keineswegs als Rassisten, Antisemiten o.Ä. bezeichnen. Die Herkunft oder Religion einer Person spielt für mich keinerlei Rolle, wenn es darum geht, ob ich sie mag oder nicht. Dennoch hat euer Beitrag mir das erste Mal wirklich vor Augen geführt wo das Problem für mich und eventuell auch große Teile der Bevölkerung liegt: tief drinnen beunruhigt rechte Gewalt uns weniger, weil wir davon ausgehen können niemals Opfer dieser zu werden (auch wenn sich diese Annahme tragischerweise als falsch herausstellt, wie beispielsweise für die wahllos erschossene Passantin in Halle). Diese Erkenntnis hat mich tief erschüttert. Grenzt man sich damit nicht indirekt auch ganz klar von Migranten, Juden und anderen Minderheiten ab? Einfach erschreckend.
    Jetzt weiß ich wo ich bei mir selber anfangen muss, wenn es darum geht solche Gedanken aus der Gesellschaft zu verbannen.
    Vielen Dank dafür!
    Weiter so! Ich freue mich jede Woche auf eine neue Lage!
    Viele Grüße, DS

  43. 14. Oktober 2019 um 23:10 Uhr
    Rudolf Georg Linner

    Hallo LdN
    Sehr aufschlussreiche juristische Betrachtung zu „zivilem Ungehorsam“. War mir Einiges neu.

    Zu „Spritfressern“: genau wie Ulf sagt, es zählt nur Gewicht, Motorleistung, Luftwiderstand. Der Verbrauch und Verschleiss (wozu, sehr wichtig, der Reifenabrieb zählt) ist ziemlich proportional zu diesen Eigenschaften eines Kfz. Jede Relativiererei („meiner braucht aber nur so und so viel…“ – Herstellerangabe?) ist hinfällig. Einfach nur nach den besagten Eigenschaften fragen, und schon ist klar ob Sprit und Material vergeudet worden ist und weiterhin wird (das Reizwort SUV ist unnötig).
    Sicherheit von schweren Autos sehe ich unter dem m.E. vielfach wichtigeren Aspekt der Sicherheit der Unfallgegner in leichteren Autos. In dem Mass wie die Grossen mehr Sicherheit für Insassen bieten, erhöhen sie das Risiko für die Kleinen.

    Ich glaube, dass einige Käufer sich darüber im Klaren sind und sich deswegen für ein schweres Auto entscheiden. Das ist das (zulässige) Recht des Stärkeren auf der Strasse das man sich kaufen kann. Fussgängersicherheit mag bei SUVs durch die Bauart gleich sein, aber nicht bei schweren Limousinen. Unrealistisch, aber eigentlich logische Massnahme wäre, die Höchstgeschwindigkeit eines Fahrzeugs an das Gewicht zu koppeln.

  44. Ein Kommentar zum Thema NS-“Recht”: Ich möchte dieses Thema kurz ansprechen, weil es mir sehr wichtig ist, dass das nationalsozialistische Unrecht nicht in einem falschen Licht dargestellt wird. Ulf beschreibt sehr gut den Widerstand der Justiz in der Weimarer Republik gegen progressive Gesetze. Die Justiz und die rechte Rechtswissenschaft hatte in dieser Zeit einen vehementen Widerstand gegen den Rechtspositivismus geleistet (“Bastardrecht”). Die darauf folgende Aussage lautete dann aber folgendermaßen: “Und dann allerdings kamen die Nazis […]. Sie erließen massenhaft ungerechte, oft menschenverachtende Gesetze und die braven deutschen Beamten haben sie einfach befolgt.” Dieser Aussage muss ich widersprechen.

    Ingo Müller hatte schon 1987 in seinem Werk “Furchtbare Juristen” die NS-Rechtsprechung mit ihren zahlreichen Verdrehungen und Verzerrungen aufgearbeitet. Auf über 200 Seiten wird dargestellt, dass nicht nur republikanisches Recht, sondern auch tradierte Rechtsnormen aus der Zeit des Kaiserreichs gekonnt über den Haufen geworfen und mitunter in ihr Gegenteil verkehrt wurden, wenn es der Justiz gerade nutzte. Interessanterweise machte die NS-Justiz dabei nicht einmal vor der Beugung der eigenen, vom Führer erlassenen Unrechtsnormen halt. Beispiel: Die Reichstagsbrandverordnung, die laut ihrer Präambel “zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte” erlassen worden war, wurde entgegen dieser klaren Zielsetzung nicht nur angewendet, um Kommunisten zu bekämpfen, sondern wurde von den Gerichten letztendlich sogar dann herangezogen, wenn es um die Bekämpfung von kirchlichen Organisationen ging, die ihrerseits eigentlich überzeugte Antikommunisten waren (vgl. Ingo Müller, 3. Aufl., S. 62 f.).
    Weiteres Beispiel: Im Jahr 1941 wurde die “Verordnung über die Strafrechtspflege gegen Polen und Juden in den eingegliederten Ostgebieten” erlassen, womit ein Sonderstrafrecht für das besetzte Polen geschaffen worden ist. Das hinderte die Justiz aber nicht daran, diese Vorschriften auch auf Polen außerhalb des besetzten Polens anzuwenden (vgl. Ingo Müller, aaO., S. 213).

    In dem zitierten Buch werden zahlreiche Beispiele genannt, an denen die NS-Justiz mithilfe einer “unbegrenzten Auslegung” jedes beliebige Ergebnis gerechtfertigt hat, unabhängig davon, ob das Gesetz nun passte oder nicht. Es ist daher nicht richtig, dass die NS-Justiz lediglich die menschenverachtenden Gesetze angewendet habe, sondern es herrschte die absolute Willkür und das Gegenteil des Rechtspositivismus.

    Erst nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde dann der angebliche Rechtspositivismus herangezogen, um die begangenen Taten zu verklären. Die nationalsozialistischen Schwerverbrecher versteckten sich im Nachhinein hinter den angeblichen Gesetzen und Befehlen, um nicht zur Verantwortung gezogen zu werden, auch wenn sie diese Gesetze nur vollkommen willkürlich angewendet hatten. Die Bezeichnung “brave deutsche Beamte” halte ich in diesem Kontext für extrem problematisch und verklärend, weil sie dem Ausmaß des nationalsozialistischen Unrechts nicht gerecht wird.

  45. Nochmal zum Thema SUV: nach einer Studie der Versicherungen verursachen eben bestimmte SUVs doch mehr Unfälle als andere. Vermutlich weil man selbst sich sicherer fühlt und entsprechend rasanter fährt oder weil diese Wagen jüngere Leute anziehen die eine affinität zu Motoren haben… https://www.welt.de/wirtschaft/plus200617756/Versicherungsdaten-Welche-SUV-Fahrer-die-wahren-Verkehrssuender-sind.html

  46. Hey ich hätte einen Themenvorschlag für nächste Woche.
    Ich wohne im Süden Baden-Württembergs in der nähe des Bodensees. In Bawü gibt es (wie in Bayern bereits geschehen) ein Volksbegehren Artenschutz. Dabei geht es konkret um den Schutz der Bienen. Sehr viele Bürgerinnen und Bürger haben dieses Volksbegehren unterschrieben. Jetzt wehren sich allerdings die Bauern, denn die haben Bedenken das Pestizide verboten werden könnten welche für ihre Ernten essentiell sind. Eine komische Situation, für die Bauern sind die Bienen wichtig, gleichzeitig wehren sie sich gegen deren Schutz.
    Die Debatte wird sehr emotional geführt. Die Bauern sehen ihre Existenz bedroht und auf jedem Markt hängen Plakate auf welchen die Bauern ihren Standpunkt vertreten. Desweiteren sieht man am Straßenrand durchgehend grüne Kreuze, welche das Symbol der Gegner des Volksbegehrens sind. Wäre cool wenn ihr euch dem Thema annehmen könntet.
    https://volksbegehren-artenschutz.de/
    https://www.schwaebische.de/sueden/baden-wuerttemberg_artikel,-protest-gegen-volksbegehren-rettet-die-bienen-das-sagt-ein-betroffener-landwirt-_arid,11116961.html

    • Dazu habe ich eine Frage: Inwieweit unterscheidet sich das Thema in BaWü mit dem in Bayern?
      https://volksbegehren-artenvielfalt.de/

      Und danach eventuell meine Frage: Muss das jetzt jedes Bundesland einzeln durchfechten?

      • Zu deiner zweiten Frage: ja, bedingt durch die deutsche Kleinstaaterei.
        Desweiteren hast du die direkten Elemente der Demokratie nur bis Landesebene und noch cht auf Bundesebene.

        • Ebenfalls hat das Volksbegehren in BaWü (m.W.n.) stärkere Forderungen als in BY.

          In Südbaden geht die Kritik der Bauern sogar so weit, dass alle Bauern, egal ob konventionell oder bio der einhelligen Meinung sind, dass dadurch der komplette Weinanbau nicht mehr möglich sein wird.
          Neben den Schildern, gibt es mittlerweile vereinzelt auch mit schwarzer Folie abgedeckte Marktstände um auf die Folgen aufmerksam zu machen. Ebenfalls wird eine sehr starke Lobby-Arbeit betrieben.
          http://www.badische-zeitung.de aufmachen, da gibt es genügend Artikel zu diesem Thema

        • > dass dadurch der komplette Weinanbau nicht mehr möglich sein wird.

          Das ist natürlich schlimm, denn wenn der Deutsche eines nicht mag dann wenn ihm Alkohol und Autos mies gemacht werden.

  47. Bezüglich Christians zitiertem Kommentar:

    Zusammen mit einem Wirtschaftsmathematiker habe dieses offensichtlich bestehende Missverständnis bzgl. Dienstwagen ganz ausführlich durchdacht und wir kamen definitv zu dem Schluss, dass die Dienstwagenregelung eindeutig das Autofahren fördert. Sprich: Gäbe es diese Dienstwagen-Variante nicht, würde insgesamt weniger Auto gefahren, und, es würden weniger spritschluckende Autos gefahren.
    Hier liegt (unserer Meinung nach) ein gewisser Logikfehler bei den Kommentatoren, die Christians Kommentar Recht geben. Christians Vergleich mit dem ÖPNV tut – rein logisch gesehen – gar nichts zur Sache. Klar hat er zahlenmäßig belegt, dass ÖPNV lohnenswerter ist. Aber um diesen Vergleich geht es bei der Aussage (“Dienstwagenregelung fördert Autofahren”) gar nicht, sondern der springende Punkt ist doch, dass folgende zwei Dinge miteinander verglichen werden müssen:

    1.) Autofahren mit der Dienstwagenvariante
    VERSUS
    2.) Autofahren mit eigenem Auto.

    Die Dienstwagenvariante macht Autofahren kostenmäßig attraktiver als es ohne die Dienstwagenmöglichkeit wäre. Folglich: Dienstwagen fördert Autofahren.

    Christian hat natürlich Recht mit der Aussage: ÖPNV ist billiger. Aber dabei vergleicht er – unserer Meinung nach – Äpfel mit Birnen. Dabei müssen Äpfel mit Äpfel verglichen werden. Sprich: Man muss vergleichen: Autobesitz-Kosten bei Dienstwagenvariante versus Autobesitz-Kosten mit Privat-Auto.

    Oder liegen wir falsch mit unserer Behauptung: “Autobesitz mit Dienstwagen lohnt sich finanziell viel mehr als ein privates Auto.”?

    Ich vermute, hier liegt der Kern des Missverständnisses. Aber bitte klärt mich auf, falls auch ihr einen Denkfehler/Argumentationsfehler bei mir bemerkt.

    • Ein entscheidender Punkt wurde hier vergessen. Ein Dienstwagen ist so attraktiv, da der Arbeitgeber alle Kosten wie Wartung, Benzin etc. Der Arbeitnehmer versteuert nur mit der 1% Reglung (Wertverlust) und die Pauschale für den Weg zur Arbeit.
      Jede weitere private Fahrt ist komplett kostenfrei, egal wie ökologisch man unterwegs ist. Keine weitere Versteuerung des Geldwerten Vorteils. Egal wieviel das Auto „schluckt“ oder wie sparsam man fährt.
      Besitzt z.B. Die Familie einen Zweitwagen, der nur die Hälfte verbraucht, ist trotzdem immer der Dienstwagen günstiger.
      Sozial ungerecht und nicht ökologisch, einfach abschaffen!
      Viele Grüße Christian

    • Hallo JasminD,

      dank dir für den schön geschriebenen Kommentar. Zu deinem Vergleich

      “1.) Autofahren mit der Dienstwagenvariante
      VERSUS
      2.) Autofahren mit eigenem Auto.”

      Erst einmal zu meiner speziellen Situation: Ich bin im Außendienst tätig – also “Einsatzwechseltätigkeit”. Dadurch gelten die 0.03% für mich nicht.
      Außerdem: Mein Arbeitgeber bietet an, dass ich gegen Gehaltsumwandlung einen Dienstwagen bekomme. Was heißt Gehaltsumwandlung? Das Brutto-Gehalt wird um alle Kosten, die der Dienstwagen verursacht (Leasingrate, Tanken, Reparaturen, Versicherung) reduziert. Im Gegenzug erhalte ich diesen Dienstwagen, und muss ihn mit 1% versteuern. Ich habe das für mich privat verglichen – dabei wollte ich einen Mittelklassewagen fahren. Dabei kam für mich heraus: Alles berücksichtigt, lohnt es sich deutlich mehr, das gewünschte Modell als “jungen gebrauchten” selbst zu kaufen, als über die Firma zu leasen.

      Etwas anders sieht die Situation aus, wenn ich nicht “junger Gebrauchter” mit Neuwagen vergleiche, sondern als Alternativen tatsächlich verlgeiche: Neuer Dienstwagen vs. neuer gekaufter. Hier lohnt sich ein Leasing über die Firma. Der Vorteil ist allerdings jetzt auch nicht riesig – es ist nun nicht so, dass man über das Dienstwagenmodell das Auto quasi “geschenkt” bekommt. Wenn die 0.03% bei mir in irgendeiner Art relevant werden würden, dann wäre der Dienstwagen in jedem Fall unattraktiv.

      Wie immer – hier kommts stark auf die individuellen Parameter an (Fahrleistung, was sind die “persönlichen” Alternativen, …)

      Insofern ist die Aussage “Dienstwagen fördert Autofahren” – was ich gerne umformulieren würde zu “die Besteuerungsregeln zu Dienstwagen fördern Autofahren” so nicht (pauschal) richtig.

  48. Das Thema ziviler Ungehorsam bzw die Aktionen von extinction Rebellion mit einem Exkurs zur Radbruchschen Formel zu verbinden fand ich sehr irritierend. Der eingeplante Verstoß gegen Rechtsnormen (egal ob Ordnungswidrigkeit oder Straftat) setzt doch deren Anerkennung als prinzipiell gültig voraus und niemand behauptet im Ernst, dass DIESE Normen gegen Naturrecht oder Menschenrechte verstoßen. Für die Legitimation der Protestierer muss man Radbruch nicht bemühen. Oder sollte etwa angedeutet werden, dass das (Nicht-) Handeln des Gesetzgebers beim Klimaschutz gegen höherrangiges Naturrecht verstößt? Das dürfte wohl Radbruchs Anliegen kaum gerecht werden. Und abgesehen davon: wenn man sich schon mit der schwierigen Thematik “gesetzliches Unrecht” befasst, sollte man mit der These, der “Erfolg” des NS sei dem Rechtspositivismus zu verdanken, zumindest vorsichtig sein.

    • Zum Unterschied von Ordnungswidrigkeiten und Gesetzen:
      Ich denke, dass die Feststellung von Maximilian Hierhammer, dass es sich meistens um Ordnungswidrigkeiten handelt, nicht darauf abzielt, alle Verordnungen als unwichtig herabzusetzen, sondern die Assoziationen zu ändern (oder je nach Perspektive, sie geradezurücken).
      Um ein extremes Beispiel zu wählen, die beiden folgenden Fragen würden von Menschen vielleicht verschieden beantwortet, obwohl beide das gleiche meinen können:
      “Würden Sie Gesetze verletzen, um gegen die Klimapolitik zu demonstrieren?”
      und
      “Würden Sie falschparken, um gegen die Klimapolitik zu demonstrieren?”
      Ich denke, diese andere Perspektive in den Raum zu stellen, ist wichtig für XR, um eben ihren Gegnern das Framing von XR als “Gesetzesbrecher” zu erschweren.
      Für eine längere Diskussion davon kann man hier weiterlesen:
      https://www.lesswrong.com/posts/yCWPkLi8wJvewPbEp/the-noncentral-fallacy-the-worst-argument-in-the-world

  49. Zur Radbruch’schen Formel sollte man aus historischer Sicht hinzufügen: Radbruch war nur deshalb nach 1945 so anschlussfähig, weil die These, der Gesetzespositivismus habe die deutschen Juristen dem Unrecht gegenüber blind gemacht sich ideal als Entlastungsargument der deutschen Justiz im NS eignete (keine Rechtsbeugung etc.). Radbruch war dafür die ideale Identifikationsfigur, weil er eben unbelastet und noch dazu ein überzeugter Demokrat war. Leider etwas verkürzte Darstellung von Recht im NS in dieser Folge.

    • Das ist kein rechtsgeschichtlicher Podcast … aus Sicht einer Expertin ist das natürlich alles unterkomplex dargestellt. Uns ging es darum, uns überhaupt der Frage zu nähern, über welche Grenzen des Rechts man nachdenken kann.

      • Siehe Kommentar von Mario Lohr, der offenbar mehr Motivation hatte, die historischen Umstände genauer darzulegen. Jahrzehntelang gepflegte Entlastungsnarrative sollte man schon hinterfragen, denn Rechtsgeschichte bewegt sich sicher nicht jenseits der Politik (oder besser: Vergangenheitspolitik…). Und ein politischer Podcast ist es ja wohl – noch dazu mit einem Richter als Podcaster. Ansonsten stimme ich zu, dass es wichtig ist über die Grenzen des Rechts bzw. Gehorsams nachzudenken.

      • Lieber Ulf, lieber Philip,

        ihr macht einen tollen podcast, aber die These von der legalen Machtergreifung der Nazis wurde jetzt schon zweimal “unterkomplex” vorgetragen. Ich beanspruche hier meinerseits keine rechtsgeschichtliche Vollständigkeit, möchte aber folgende Frage stellen:

        Kann ein Gesetz als verfassungsmässig zustande gekommen betrachtet werden, das in unrechtmässiger Anwesenheit von Schlägertrupps im Plenarsaal erlassen wurde – Schlägertrupps, die zuvor die Abgeordneten einer ganzen Partei gefangengenommen und gefoltert oder in die Flucht getrieben hatten?

        Mir fällt es schwer, diese Frage positiv zu beantworten. Daneben gibt es viele weitere Umstände der nationalsozialistischen Machtergreifung, die die These von ihrer Legalität mindestens fragwürdig erscheinen lassen.

        Diese Umstände dürfen nicht unterschlagen werden, denn die These der legalen Machtergreifung ist keinesfalls politisch unschuldig. Damals haben sie die Nationalsozialisten selbst verbreitet. Heute ist sie mindestens missbrauchsanfällig: Wenn eine Demokratie ständig Gefahr läuft, sich legal selbst abzuschaffen, dann kann das alle möglichen paternalistischen Massnahmen rechtfertigen. Die besten Voraussetzungen für verantwortliches demokratisches Handeln sind das nicht. Es erscheint mir darum wichtig, die These der legalen Machtergreifung jedenfalls nicht in der Emphase stehen zu lassen, mit der Ihr sie vorgetragen habt. Sie ist, gelinde gesagt, “umstritten”.

        Unterschlagen werden sollte bei einer Diskussion der vermeintlich überpositiven Grenzen des positiven Rechts im Übrigen auch nicht, dass die dem Nationalsozialismus aufgeschlossen gegenüberstehenden Juristen (Schmitt, Forsthoff, Maunz) den Rechtspositivismus (ganz grob: die Vorstellung, Recht ist ein Artefakt des Menschen) abgelehnt haben, während die Rechtspositivisten (Anschütz, Thoma, Kelsen) deutlich auf Distanz geblieben sind.

        Im Ergebnis meine ich, dass Ihr Euch gegenüber den Kommentaren zu diesem Thema nicht auf die für den podcast notwendige Vereinfachung zurückziehen solltet. Vielleicht könnt ihr das Thema noch einmal aufgreifen. Jedenfalls die in der Folge vorgetragene schematische Vorstellung von positivem Recht und überpositiven Gerechtigkeitsmasstäben, von Legalität gegen Legitimität, ist zu holzschnittartig geblieben und war – nach meinem Eindruck der freilich täuschen kann – im Wesentlichen dazu geeignet, ein sehr deutsches Misstrauen gegenüber der Demokratie zu nähren.

        • Sie haben ja gesagt: formaljuristisch, da sind die Umstände erstmal egal, warum die Opposition nicht anwesend ist spielt dafür keine Rolle. Dass man die Frage der Verfassungskonformität stellt ist zwar nicht falsch, aber es sollte vorher die Frage beantwortet werden ob irgendwas in der Verfassung steht, was das begrenzt.

  50. Für die Zukunft eventuell gut zu wissen:
    Constantin van Lijnden hat geheiratet. Er heißt zwar noch gleich, jedoch sagt man nicht mehr “van Leinden”, sondern “van Linden”. Ich glaube er legt Wert auf die korrekte Aussprache :-D

    • Mein Eindruck ist, dass Ulfs Ausführungen zu pro um contra positives Recht zwar interessant sind, aber zum zivilen Ungehorsam bei Klimakundgebungen an der Sache vorbei gehen: ich würde denken, dass die Aktivist:innen nicht glauben, dass das Begehen von zivilem Ungehorsam durch irgendwelche rechts philosophischen Überlegungen gedeckt sind. Vielmehr halten sie es moralisch für geboten und machen eine Abwägung, dass die Protestform im Zweifel auch das Bezahlen einer Strafe im Nutzen überwiegt. Es sagt “schaut her, die Sache ist uns so wichtig, dass wir dafür bereit sind, eine Bestrafung hinzunehmen “.

  51. Die Lage in Syrien bzw. den kurdischen Regionen nicht nur in Syrien ist durchaus kompliziert. Zur Einordnung könnt ihr vielleicht Enno Lenze (https://twitter.com/ennolenze) als Interviewpartner gewinnen. Er ist oft in Kurdistan vor Ort, und hat darüber auch publiziert (“Fronturlaub – Wie ich in meiner Freizeit in Kurdistan den Kampf gegen den IS unterstütze, statt unter Palmen zu liegen”) und ist gut international gut verknüpft.

  52. Zum Thema Anschlag in Halle habe ich sehr große Schwierigkeiten mit eurer sehr allgemeinen Aussage “Es trifft nur Moslems oder Juden aber keinen von uns; deswegen interessiert es keine Sau” Das ist mir ehrlich gesagt zu einfach formuliert!

    Was in den Jahren bis 1945 in Deutschland passiert ist, ist und bleibt ein absoluter Tiefpunkt in der Geschichte! Dieser Punkt muss explizit hervorgehoben werden, weil mich eine Frage sehr beschäftigt.
    Vor einigen Tagen gab es einen Mehrfachmord in Paris. Vier Polizisten wurden von einem Kollegen (vermutlich psychisch krank) mit einem Messer getötet.
    Es gab weder einen Aufschrei, noch Schweigeminuten, nichts!
    Einige Tage später läuft dieser Volldepp mit seiner ausgedruckten Waffe durch Halle herum und erschießt zwei Menschen als Kolatteralschaden. Sein eigentliches Ziel war zum Glück hinter einer Tür in Sicherheit.
    Hier gibt es Schweigeminuten im EU-Parlament, im Fußballstadion, einen riesen-großen Aufschrei in den Medien und der Politik.
    Wie bewertet Ihr diesen doppelten Standard in der Wahrnehmung von solchen Taten?

    Zum Klimaschutzgesetzt noch ein Nachtrag, der bitte ebenfalls bei aller berechtigten Kritik in eure Betrachtung aufgenommen werden sollte.
    Auch wenn das jetzige Gesetz bei weitem nicht genug ist, ist und bleibt jeder noch so kleine Schritt in die richtige Richtung sinnvoll. Klar kann jetzt über die Anzahl und Länge der Schritte gestritten werden. Mir selber geht das Gesetz auch bei weitem nicht weit genug, weil es eigentlich so vielen Menschen wie möglich weh tun sollte, damit es eine Steuerungswirkung entfalten kann.
    Was mir eher Sorge bereitet ist die in Europa sehr stark verbreitete Technikgläubigkeit und der Optimismus, dass es neue (saubere) Technologien schon richten werden, und jeder als Individuum nur einen “kleinen” Beitrag leisten braucht.

    Es wäre z.B. einmal ein politisches Zeichen von euch, wenn Ihr auf eurer Homepage einen Nachhaltigkeitsbericht anlegt oder eure Werbepartner aus dem Bereich Nachhaltigkeit kommen.
    Im Schwäbischen sagt man schön: Schaffe, nicht schwätze!

    • Und noch einige Tage vorher hat ein junger Mann in Kitzbühel die gesamte Familie seiner Ex-Freundin aus Eifersucht ausradiert. Da gab es auch keine Schweigeminuten.

      Politischer Terror hat einfach eine andere Wirkung als Taten von psychisch kranken Menschen. Bei den Morden in der Charlie-Hebdo -Redaktion gab es den Aufschrei in Medien und der Politik.

      • Und genau diese Antwort stört mich.
        Zum einen sollte es immer noch so sein, dass jedes Menschenleben gleich viel wert ist.
        Um bei Kitzbühel und Halle zu bleiben! Nein, in den Medien und der Politik zählen manche Menschenleben mehr als andere.
        Bei Charlie Hebdo ging es nicht um politischen Terror. Das war vielleicht beim Bataclan-Anschlag der Fall.
        An Charlie Hebdo hat es den/ die Täter gestört, dass der Prophet Mohamed mehrfach beleidigt wurde. Und es wurde das Grundrecht Meinungsfreiheit als Pfeiler von Pluralität und friedlichem Zusammenleben attackiert.

        Stellen Sie sich einmal vor, der Anschlag in Halle wäre von einem Deutsch an einer Moschee verübt worden?
        Und stellen Sie sich vor ein streng-gläubiger Jude hätte den Anschlag einer christilichen Kirche oder an einer Moschee verübt?
        Wie groß wären wohl das Medienecho und wie lange die Schweigeminuten gewesen?

        Verstehen Sie mich nicht falsch. Alle Morde sind schlecht und gehören zu recht bestraft. Die Doppelmoral in den Medien, der Politik und den Köpfen stören mich. Da werden die Menschenleben eben doch verschiedenen gewichtet.

        • Es kann nicht für jeden Mord eine Schweigeminute geben. Dass es in Fällen von Terror und damit Angriffen auf unsere freiheitliche Grundordnung welche gibt wertet allerdings weder die Opfer dessen auf noch andere Mordopfer ab. Das kann man jetzt finden wie man will, ist aber erstmal so. Terror will sich in den Köpfen festsetzen, Angst verbreiten, es geht eben um mehr als zwei zufälllige Passanten. Aufgeklärt und besonnen damit umzugehen ist sehr wichtig, gleichzeitig den Opfern zu gedenken schadet aber auch nicht.

          Statistisch ermordet jeden zweiten Tag ein Deutscher seine (Ex)-Frau/Freundin. Finde ich furchtbar, könnte ich durch die strukturelle Grundlage des ganzen sogar als mysogynen Terror bezeichnen, bekommt aber keinerlei Aufmerksamkeit irgendwo. Warum ist das so? Um mal einen weiteren Whataboutism reinzuwerfen.

          In den Medien und der öffentlichen Wahrnehmung ist nicht jeder Mord gleich, das haben Sie richtig erkannt. Trotzdem bin ich mir nich ganz sicher, ob Sie in Good Faith argumentieren, die richtigen Schlüsse ziehen Sie jedenfalls nicht daraus.

        • 14. Oktober 2019 um 22:06 Uhr
          Rudolf Georg Linner

          Der Mord eines psychisch Kranken ist eine völlig andere Kategorie als der geplante Mordzug eines Terroristen. Der sucht sich die Opfer nach dem “Wert” aus, die sie seiner Meinung nach haben. Er stellt seinen eigenen Wert und den seiner vermeintlichen “Gemeinschaft” haushoch über den Wert von Menschen, die er zwar nicht kennt, aber meint genug zu wissen für ein Todesurteil.

          Ein Mord (bzw. ein versuchter Mord) eines Deutschen an einem Juden ist noch unglaublicher als alles andere. Es ist doch erst 80 Jahre her! Man schämt sich in den Erdboden!

          Das Hauptmotiv für den Antisemitismus sehe ich im Übrigen in einem Minderwertigkeitsgefühl gegenüber der herausragenden Bildung der Juden und der Humanität des Judentums im Allgemeinen. Man höre sich nur die allfreitäglichen Sendungen (BR, DLF) zum Sabbat an und man bekommt etwas mit von dieser Geisteshaltung. Die Gelehrsamkeit im Judentum könnte ein Vorbild geradezu für die übrige Menschheit sein. Netanjahu, Siedlungen, Ultraorthodoxe sind nur “what_abouts”…

        • @Rudolf Georg Linner
          Bin absolut bei Ihnen und stimme im Großteil der Punkte zu!
          Ein Mord aufgrund der “Wertigkeit” gibt es so ziemlich überall, sei es aus politischer, rassistischer oder religiöser Überzeugung. Es kann genauso gut Hass auf Schwule oder auf Frauen sein. Und es wird in jedem Fall mit einer “Überlegenheit” und folgerichtig mit einer “Minderwertigkeit = keine Daseinsberechtigung” des Opfers argumentiert.

          Nur in einem Punkt bin ich persönlich vorsichtig, die Festlegung ob es eine Tat eines psychisch Kranken oder eben doch ein terroristischer Anschlag war, entscheidet leider darüber wie Politik und Öffentlichkeit und damit jeder als Einzelperson mit dem Fall umgehen.
          Und diese erneute “Höher-Wertigkeit” eines Menschenlebens missfällt mir. Die Symbolpolitik stört mich!
          Und das Sage ich als Nachkomme von Juden, die bis 1945 in Europa verfolgt wurden!
          Mir geht dieser Aktionismus nach solchen Taten jedesmal aufs Neue gegen den Strich.
          Die sche*** Schweigeminute verhindert keine weitere Tat.
          Michel Friedman in irgendwelchen Talkshows erzählt da seine paar Aufregenthemen runter, alle Klatschen, ändern wird sich dadurch absolut NULL.

          Meine Erwartung an Politik (Bund, Länder, Gemeinden), NGOs und von religiösen Vertretern ist ein Zusammenschluss und ein Aktionsplan, wie jeglicher Hass abgemildert und im Idealfall komplett eliminiert werden kann.
          Dazu gehört Aufklärung, dazu gehört die Verfolgung von Straftaten, dazu gehört die Förderung des gemeinsamen Miteinanders.
          Und auch das unvoreingenommene Gespräch mit vermeitlichen Rassisten.

  53. Ah es fehlt noch die Anmerkung zu den Einzeltätern, wieder was wo ich inhaltlich bei euch bin. Es ist komplett schrecklich diesen Begriff einfach so zu verwenden. Dummerweise scheint das aber ein juristischer Begriff zu sein, der wohl einfach nur aussagt wie viele Menschen man wegen der Tat vor Gericht stellen kann. Jetzt ist es natürlich schwer von ner Organisation zu sprechen, wenn es nur lockere Foren/Chatrooms/etc als Kommunikationskanaele gibt. Von daher verstehe ich (mittlerweile) diese Einordnung, das heist immer noch das sie schrecklich ist und die Medien (zumindest die die ich ernst nehmen soll) erwähnen sollten, dass es sich lediglich um das rechtliche Konzept handelt, aber von einem Richter erwarte ich das dann schon.

  54. Moin,

    ich tue mich etwas schwer mit eurem Vergleich der Reaktion der Öffentlichkeit auf Rechtsterror und der auf die RAF.
    Die RAF hatte im Gegensatz zum aktuellen Rechtsterror Gesichter und Namen. Baader und Meinhof kennt heute noch jeder, der damals tagesschau geschaut hat. Es gab tagelange Geiselnahmen und die Täter Personen sind entkommen und haben immer wieder zugeschlagen.
    Der aktuelle Terror ist immer ein Aufblitzen, ein Amoklauf, bei dem der Täter gar keinen Exitplan hat. Der Täter aus Halle ist gefasst, die akute Gefahr ist vorbei. Es gibt keine Fahndungsplakate oder Fahrzeugkontrollen, bei denen nervöse Polizisten mit automatischen Waffen rumstehen.

    Die Gefahr ist also eher abstrakt. Das sieht man auch daran, dass Seehofer jetzt von der “Gamerszene” als Gefahrenquelle spricht. Er versucht damit damit das ganze greifbar zu machen.

    Ein “Der Bevölkerung geht es am Arsch vorbei, weil nur die Juden/Migranten/Flüchtlinge betroffen sind” ist mir da zu platt.

    Just my 2 cents

    Prof Bienlein

    • Kann ich nur unterstützen.
      Die RAF ist bei mir in der Erinnerung als Fahndungsplakate mit Bildern und regelmäßigen Berichten über Geiselnahmen, Briefe. Das Symbol der Maschinenpistole.
      Das gibt es für den rechten Terror nicht.
      Recht gebe ich euch beim Thema Demos. Die “Linken” wurden immer gleich mit Waserwerfern beschossen und eingekesselt. Lag aber vielleicht auch daran, dass es bei diesen Demos selten friedlich zuging.
      Zumindest in meiner Erinnerung ist es so, dass schnell Pflastersteine flogen, Autos angezündet wurden und weitere Randale stattfand usw.
      Die Rechten machen das geschickt. Die laufen nur durch die Gegend. Sobald die Polizei denen die Plakate entreißt, sind sie wieder in der Opferrolle.
      Bei den Linken hat “man” (ich war damals Jugendlicher/junger Erwachsener) sich gedacht. “Selbst schuld, wer Steine wirft und randaliert muss damit rechnen festgesetzt zu werden.”

    • Also mir fehlt in der aktuellen Folge leider die Diskussion oder zumindest Anmerkung zur “Gamerszene”-Thematik.
      Die Aussage “Gamer/Killerspiele etc sind schuld!” scheint mir in De prinzipiell so ein gängiger Ablenkungsmechanismus zu sein und dass Horst Seehofer das jetzt wieder in ähnlicher Form auspackt, statt über echte Probleme zu sprechen ist leider nur die traurige Fortsetzung dieses Musters zu sein. Vlt könnte man da nächstes Mal noch 2-3 Sätze dazu sagen?

      • Exakt: Das Argument “Gamerszene ist Schuld” ist so gaga, dass wir das nicht für möglich gehalten haben, bis Seehofer das ernsthaft gebracht hat. Als wir am letzten Freitag aufnahmen war das einfach noch kein Thema.

  55. Lieber Philip, lieber Ulf,

    da schreibt man einmal ein Kommentar und findet sich nichts ahnend direkt in der folgenden Ausgabe Eures Podcasts wieder. :) Da habe ich tatsächlich gestaunt. Ich bin der zitierte Kritiker, der sich nach der letzten Ausgabe zu Euren Äußerungen zur Pendlerpauschale gemeldet hat. Habe mir mit Spannung (übrigens in der Bahn) angehört, was ihr dazu sagt und war dann ehrlich gesagt ziemlich entsetzt über eure Schlussfolgerung, die mich total ratlos hat zurückbleiben lassen. Ich wollte gar nichts weiter zu dem Thema sagen, aber da ihr entweder mich oder das Thema selbst offenbar nicht richtig verstanden habt, möchte ich nochmal ergänzen:

    Es ging mir um folgendes: Ihr habt in der Lage 159 einige Äußerungen getätigt, die einfach falsch waren. Ihr habt behauptet, dass ein Dienstwagen extrem günstig ist, weil man steuerlich nur 1 % des Listenpreises angeben muss und dann das Beispiel Passat für 40.000 € und 400 € geldwerten Vorteil genannt. Ich habe Euch gezeigt, dass ihr die steuerlichen Regelungen unvollständig berücksichtigt habt und sich dieser steuerpflichtige geldwerte Vorteil auch ganz schnell verdreifachen kann und die Geschichte vom günstigen Dienstwagen dann einfach ein Märchen ist.

    Die Pendlerpauschale habe überhaupt keine ökologische Lenkungswirkung, die Lenkungsfunktion sei null oder sogar negativ. Das war auch eine Aussage von Euch. Hier nochmal an einem konkreten Beispiel meine Argumentation: Sagen wir einfach mal, ich verdiene 5.000 € brutto im Monat. Zusätzlich habe ich laut Arbeitsvertrag die Möglichkeit, einen Dienstwagen zu nutzen. Wenn ich das tue, erhöht sich mein Bruttogehalt von 5.000 € im Monat um 1.200 € auf 6.200 €, d.h. mein zu versteuerndes Einkommen steigt um knapp 15.000 €. Das sind viele Steuern, die ich zusätzlich zahlen müsste. (Flatrate-Tankkarten gibt es bei uns übrigens nicht.) Deswegen habe ich mich für die Alternative ÖPNV entschieden. Das Jahresticket kostet knapp 2.000 € und über die Pauschale kann ich über 4.000 € Werbungskosten geltend machen. Im Ergebnis finanziere ich das ÖPNV-Ticket also komplett über meine Steuererklärung, währen ein Dienstwagen das zu versteuernde Einkommen um etwa 15.000 € erhöhen würde. Das soll keine Lenkungswirkung sein? Hat doch sogar funktioniert. Ich könnte jetzt behaupten, dass die Pendlerpauschale eine extrem hohe ökologische Lenkungswirkung besitzt, wie das Beispiel zeigt. Das wäre natürlich so allgemein absoluter Unsinn, aber die Lenkungswirkung pauschal komplett abzusprechen, ist nunmal ebenso großer Unsinn.

    In der vorletzten Folge sagtet ihr, der beispielhafte Passat sei also wegen der steuerlichen Behandlung viel zu billig. Und jetzt sagt ihr, in der Reaktion auf meinen Kommentar, der Dienstwaren ist ja jetzt steuerlich noch viel interessanter. Ehrlich, den Kniff verstehe ich nicht. Da legt ihr Euch die Fakten glaube ich etwas so aus, wie ihr es gerade haben wollt. Aber an der Realität vorbei. Eure Argumentation war dann, wenn ich Euch richtig verstanden habe, dass meine tatsächlichen Kosten meines Dienstwagens weit höher wären und sich der Dienstwagen dann umso mehr rechnet. Das ist eben nicht der Fall. Ich habe ja, wie gerade erläutert, aus verschiedenen Gründen (ökologisch aber eben auch steuerlich) keinen Dienstwagen, sondern nutze den ÖPNV. Und mein Chef zahlt mir selbstverständlich den eingesparten Dienstwagen auch nicht als zusätzlichen Gehaltsbestandteil aus. Wenn ich Euch richtig verstanden habe, habt ihr angenommen, ich erhalte den Wert des Dienstwagens dann eben „bar auf die Tatze“. Schön wäre es, aber das ist natürlich nicht der Fall.

    Ferner: 35 c/km sind pauschal viel zu viel, wenn man eben nicht so einen Spritschlucker oder eine Luxuskarre fährt, habt ihr so gesagt. Das ist auch einfach polemisch und ökonomisch definitiv falsch. Schaut doch mal auf die Homepage des ADAC und probiert den Autokosten-Rechner aus. Da kommt man schon bei einem normalen Golf auf etwa 50 c/km, wenn man neben dem Sprit auch Verschleiß, Wertverlust etc. berücksichtigt. Wenn ihr mal hier schaut, findet ihr die günstigsten Mittelklassewagen laut ADAC. Kein einziger ist in der Lage, mit unter 35 c/km genutzt zu werden (https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/kostencheck/guenstigste-mittelklasse-autos/). Den ADAC als neutrale Quelle zu nennen, ist natürlich schwierig. Klar ist das der Lobbyverband der Autoindustrie. Aber gerade deswegen halte ich die Berechnungen auch für realistisch. Der ADAC hat wohl kaum ein Interesse, Autos umwirtschaftlicher zu rechnen, als sie sind.
    Die Pauschale ist daher eigentlich (wirtschaftlich) zu niedrig. Seit 2004 beträgt die Pauschale 30 c/km. Vorher war sie übrigens nicht etwa niedriger, sondern höher! Die tatsächlichen Betriebskosten für ein Auto dürften sich aber seit 2004 deutlich erhöht haben. Anschaffungskosten, Sprit, Werkstattrechnungen… als das ist nicht günstiger geworden. Ich befürworte mit dieser Aussage übrigens nicht, dass die Pendlerpauschale erhöht wird. Ich sage nur, dass sie ökonomisch zu niedrig ist.

    Du bist doch Jurist, Ulf. Dann weißt Du doch selbst sicher, dass die richtige Antwort auf ganz viele Fragen lautet: Es kommt immer drauf an. So auch hier. Eure Kritik an der Pauschale ist – zu pauchal. Da ich die steuerlichen Regelungen hier zufällig recht genau kenne, habe ich geschluckt, als ich hörte, was ihr falsches darüber erzählt habt. Darunter kann Eure Glaubwürdigkeit leiden. Das war auch mein Hauptgrund, mal einen Kommentar dazu zu verfassen. Es geht mir nicht darum, die Autoindustrie zu verteidigen. Ihr habt schon oft erläutert, dass weniger Autos auf den Straßen sein müssen und es dazu eine richtige Verkehrswende braucht. Da bin ich voll bei euch. Hierzu habe ich am Wochenende mal wieder eine Interessante Erfahrung gemacht: Wir waren in einer sehr ländlichen Region zu Besuch bei Freunden. In dem Dorf (eigentlich sogar eine Kleinstadt) fährt alle zwei Stunden ein Bus und selbst das nur, wenn man mind. eine Stunde vorher bei den Verkehrsbetrieben anruft (!) und denen mitteilt, dass man den Bus nutzen möchte. Ruft niemand an, fährt gar kein Bus. Das sind Dinge, die man sich als Berliner (keine Kritik, bin selbst einer) nur ganz schwer vorstellen kann. Aber solange das das tatsächliche Verkehrskonzept in Teilen Deutschlands ist, kommt man leider einfach nicht um das Auto herum.

    Viele Grüße und danke für die ansonsten wieder sehr spannende Folge LdN!
    Christian

    • Volle Zustimmung!
      Die Antwort von Ulf auf die Kommentare der letzten Sendung verdreht die Dinge komplett: Wenn man fast die dreifache Summe für den Dienstwagen versteuern muss, dann ist dies eben definitiv keine Verstärkung Eurer Argumente, sondern Eure Argumente werden dadurch abgeschwächt, aber nicht weggefegt.
      Da drängt sich dem Hörer der Verdacht auf, ihr wollt nicht mit Fakten argumentieren, sondern mit Meinungen. Da war ich bisher anderes von der LdN gewohnt …

      • Lieber Thomas, wenn man zwar die dreifache kleine Summe versteuern muss, im Gegenzug aber einen ebenfalls mindestens dreimal so großen, aber betragsmäßig weitaus größeren Nutzungsvorteil nicht nach seinem wahren Wert versteuern muss, dann verstärkt das natürlich unser Argument.

        Willkürlich gewählte Zahlen:

        – ohne Berücksichtigung der 0,03% 400 Euro zu versteuern, aber 800 Euro Nutzungsvorteil
        – bei Berücksichtigung der 0,03% zwar 1200 Euro zu versteuern, aber 2.400 Euro Nutzungsvorteil.

        • Hallo Ulf,
          ich habe die Passage gerade nochmals nachgehört und Deine Argumentation verstanden. Die Formulierungen waren unglücklich, weil mir ein „ja, aber“ gefehlt hatte: „Das bedeutet aber vor allem“ -> „Das bedeutet aber auch“
          Und nicht die 0,3%-Regel verstärkt das Argument, sondern die Kilometer vergrößern den Vorteil überproportional.
          Mit solchen Formulierungen hätte ich es auch verstanden 😀.
          Wobei die Argumentation vor allem dann aufgeht, wenn das Tanken inklusive ist, was nicht bei jedem der Fall sein dürfte.
          Grüße
          Thomas

        • Hallo Ulf,
          ich nochmal. 2 Kritikpunkte:
          a) deine Argumentation hast du in Nr. 160 (zumindest für mich) nicht ausreichend verständlich dargestellt.
          b) Argumentation mit fiktiven Zahlen: Ist das nicht fast gleichzusetzen mit einer Argumentation mit (bewusst) gelogenen Zahlen? Solange die Zahlen fiktiv sind, ist das Argument in der Bewertung doch Wertlos – oder übersehe ich was?

          Mir hätte im Podcast gefallen, wenn Ihr so was gesagt hättet wie:

          “Vielen Dank für den Beitrag von Christian. Das stimmt, das haben wir alles ein wenig zu undifferenziert betrachtet. Das Themenfeld ist einfach enorm komplex – die verschiedenen Bewertungen des Steuervorteils hängen von enorm vielen Einflussfaktoren ab. In Summe habe ich immernoch das Gefühl, dass durch die pauschale Dienstwagenbesteuerung das Autofahren in Deutschland gefördert wird. Um das zu belegen muss man aber deutlich tiefer in die Materie einsteigen, was den Rahmen des Podcasts übersteigt.
          Nichtsdestotrotz würde eine Verschärfung der Besteuerungsgrundsätze für Dienstwagen natürlich offensichtlich das Autofahren in Deutschland unattraktiver machen, und das fordern wir und halten es für den richtigen Weg im Rahmen der Klimakrise.”

          Ich denke, damit hättet ihr vermutlich euren Punkt genauso rübergebracht. Und es hätte keinerlei Anlass für die unendlich vielen Kommentare hier gegeben.

  56. Könntet ihr in der nächsten Sendung über die Parlamentswahlen in Polen berichten und falls möglich einen deutschen Korrespondenten in Polen interviewen? Oder ist das nicht möglich, wegen der Live-Sendung? Ich nehme mal an, dass ihr die Interviews dann aufzeichnet, wenn die Gäste Zeit haben und nicht dann wenn ihr mit eurer Aufnahme beginnt.

  57. Natürlich ist ein SUV nicht “gleich sicher” wie ein vergleichbares Fahrzeug mit weniger Masse. Die Bewegungsenergie steigt mit jedem transportierten Kilo an, ein SUV bringt damit – alleine durch sein Gewicht – mehr Gefahrenpotential für andere Verkehrsteilnehmer mit und damit vermutlich auch juristisch ein höheres Betriebsrisiko.

  58. Aus dem Zitat von Malchow abzuleiten, dass er – und wesentliche Teile der Polizei gleich mit – Rechtsterror geflissentlich verharmlose oder nicht als Terror betrachte, ist eine schwere und pauschale Anschuldigung.

    Es wird nicht besser, wenn als Beleg dafür ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat aus einem Interview verwendet wird. Der Hinweis, es ginge nicht um ihn als Person mutet wie blanker Hohn an: Was bitte, wenn nicht gerade sexueller Kindesmißbrauch, ist denn besser geeignet, um in unserer Gesellschaft jemanden besser in Misskredit zu bringen, als die Unterstellung, rechtsradikale Umtriebe zumindest zu dulden? So startet man die Gerüchte, die Ihr andernorts kritisiert.

    Spannender als derart konstruierte Anschuldigungen gegenüber Leuten, die mit beschränkten Ressourcen ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen können, ist, welcher Faktor für die mangelnde Empörung gegen rechten Terror völlig aussen vor gelassen wird: Warum wird nicht einmal selbstkritisch über den Feuermelder-Effekt der letzten Jahre geredet? Zu unangenehm?

    Die stete Warnung – wehrte den Anfängen – vor den Rechten gehörte in der Vergangenheit nicht nur zum guten Ton, sondern war oft mit einem gewissen Eigennutz verbunden. Trefflich konnte man damit beispielsweise politische Gegner zum Schweigen bringen oder sich als moralisch besonders einwandfrei profilieren. Das ging, wie die Causa Hensel vs. Broder zeigte, nicht immer gut, klappte aber in manchen Kreisen ganz passabel – solange man sich nur hinreichend sensible oder wehrlose Gegner suchte. Begriffe wie „Rechtspopulist“ oder gar „Rassist“ wurden so gefährlich inflationär entwertet.

    Und jetzt gibt es eben seit vielen Jahren gesellschaftlich immer weniger Reaktion, wenn mal wieder dieselbe Alarmsirene losheult, die so oft aus nichtigem Anlass ausgelöst wurde. Die eifrig geschwungene „Nazikeule“ birgt neben der hochgefährlichen gesellschaftlichen Desensibilisierung das noch größere Gefahrenpotential der selbsterfüllenden Prophezeiung.

    Das zeigt sich in der Radikalisierung der AfD, die nicht trotz sondern gerade wegen der Anfeindungen gegen die aus heutiger Sicht vergleichsweise liberalen Leute damals um Lucke ihren Weg nahm. Die Moderaten halten solche Anfeindungen weniger gut aus, als die schmerzfrei Radikalen. Wenn der Druck von aussen eh gleich hoch bleibt, hat bessere Chancen, wer sich radikalisiert.
    Der Rest ist Darwin.

    Und Ihr macht gerade genau das Gleiche mit den Ordnungskräften.
    Aber vielleicht klappt das Polizeibashing ja besser.
    Bin selber kein Polizist, mich trifft es nicht.

    Die „lautstarke Ethik des geringsten Widerstandes“ nimmt aber immer absurdere Formen an.
    Beispiel: Ich war früher öfter mal aus Solidarität mit einer Kippa unterwegs. Einfach weil ich es nicht ausgehalten habe, dass Juden oft nicht mehr riskieren können, in der Öffentlichkeit als solche erkannt zu werden. Ich war daher der bescheidenen Meinung, dass es an uns deutschen Nichtjuden wäre, mit diesem Stück Stoff auf dem Kopf ein Stück Normalität wiederherzustellen und Terrain zurückzuholen, auch wenn das mit einem persönlichen Risiko verbunden ist.
    Ich habe nicht wegen des Risikos damit aufgehört oder weil der Zentralrat nicht so richtig weiss, ob, wie und wann er das nun gut finden soll oder nicht. – ich halte mich in solchen Fragen an die Einschätzung jüdischer Freunde und Bekannter.

    Sondern weil ich in Berlin nicht im Konfliktfall meine Knochen und Prozesse riskieren möchte, um dafür auch noch des Rechtspopulismus verdächtigt zu werden. Logisch? Nein, natürlich nicht. Die Argumentation geht etwa so: Wer als Nichtjude mit einer Kippa umherläuft, will nur Muslime provozieren und ist daher wahrscheinlich nur ein Rechter, der die Solidarität nur vorgibt. Und für jemanden unter diesem Verdacht gilt – siehe Malchow – das Prinzip der moralisch-medialen Beweislastumkehr.

    Es ist schön billig, aus dem warmen Ledersessel heraus auszuteilen.
    Wer aber Deutschland gar pauschal als „rassistische Gesellschaft“ betrachtet, dem scheint es an der eingehenden Kenntnis anderer Länder und Kulturen zu fehlen.
    Und er disqualifiziert sich für einen weiteren Diskurs mit Leuten wie mir:
    Nicht trotz solcher Sprüche sondern genau deswegen engagiere ich mich vielerorts nicht mehr.

    Denn egal, wie lange und intensiv ich mich bemühe, es wird weder den „Moralikern“ weder jemals genug sein, noch werden die wichtigsten und dramatischsten Fehlentwicklungen ernsthaft benannt, wenn sie mit Gegenwehr oder unangenehmen Diskursen behaftet sind.

    Viel Erfolg weiterhin beim lautstarken Kampf gegen Rechts.
    Und vielen Dank: Ich habe gerade beschlossen, gesellschaftlich einstweilen genug getan zu haben und lasse mich in Ermangelung geeigneten Biedermeier-Mobiliars gemütlich in meinem alten Eames nieder.
    Ist echt kuschelig hier.

    • Was für ein nichtssagendes Geschwurbel. Wem gegenüber versuchst du da irgendwas zu rechtfertigen, dir selbst?

      • Ich werde aus dem Beitrag auch nicht schlau, aber vielleicht können wir hier doch etwas freundlicher miteinander umgehen …

        • Ab Absatz 3 wird der Beitrag auch für mich schwer nachvollziehbar.
          Betrachte ich aber nur die ersten zwei Absätze, äußert Boris aber eine vom Sinn her ähnliche Kritik wie ich gestern.
          Ich fände es toll, wenn ihr dazu nochmal Stellung nehmen würdet, denn überzeugend war eure Argumentation (die auf dem verkürzten Zitat von Malchow aufgebaut wurde) meines Erachtens nicht. Vgl. meinen Kommentar vom 13.10.2019.

        • Hi,

          ich vermute, er bezieht sich auf eure Kritik an der Polizei bei Demos. Also das Ignorieren verfassungsfeindlicher Symbole. Natürlich wäre die richtige Reaktion der Polizei direkt zu reagieren, ich könnte mir aber vorstellen dass man nicht genug Kräfte hatte, um Leute erkennungsdienstlich zu behandeln und gleichzeitig eine konflikträchtige Demo ausreichend zu schützen.
          Ich weiß nicht genau, was die Polizei da noch für Möglichkeiten hat, also Demo vorzeitig beenden oder ähnliches.
          Häufig ist die Situation direkt im Einsatz komplexer als man hinterher sieht.

          Nur eine Vermutung, bin selbst kein Polizist oder ähnliches.

  59. Hallo Ulf, Hallo Phillip,

    Vielen Dank für eure wöchentliche Berichterstattung. Ich freue mich jede Woche auf den Lauf durch den Schwarzwald, bei dem ich euren Podcast hören kann.

    Leider waren die letzten drei/vier Lagen nicht mehr ganz das, was mir vorher so gefallen hat.

    Auch wenn ich meist eurer Meinung bin (auch beim Thema Autos/SUVs) würde ich mir, wie früher, etwas mehr informativen Inhalt und weniger Disskussion, Rechtfertigung, Kritik, Meinung… wünschen.

    Früher mochte ich an der Lage besonders den Blick über den Tellerrand hinaus, gerne auch vo Experten erklärt zu bekommen, was eigentlich grade in Hongkong, Saudi Arbien etc. geht.

    Disskussionen rund um Autos und SUVs führe ich ehrlich gesagt selbst schon genug.

    Vielen Dank und viele Grüße
    Lara

    • Hallo Zusammen,

      Ich möchte mich Lara an dieser Stelle anschließen. Auch ich Stimme bei den meisten Punkten eurer Meinung zu. Ich würde mir allerdigs auch wieder einen größeren Anteil an Informationen und sachlichen Erörterungen/Darstellungen wünschen.
      Zudem fehlt mir bei euren Meinungsbekundungen der Diskussionsanteil, da ihr bezüglich Klima, SUV usw. eine sehr ähnliche Meinung vertretet. Vielleicht könntet ihr hier Gegenargumente benennen und dann diskutieren warum diese eurer Meinung nach nicht überzeugend sind.
      Bezüglich Klimapolitik könnte zB. die Rolle von Deutschland als Vorbild beim Klimaschutz diskutiert werden. Denn selbst wenn Deutschland CO2 neutral würde, hätte das nur einen Nutzen, wenn andere Länder nachziehen. Das wird nur geschehen, wenn es gelingt gesellschaftlich und wirtschaftlich weiterhin erfolgreich zu bleiben. Wie das gelingen kann und welche Pläne Seitens Regierung und Opposition dazu existieren wäre sicherlich spannend.

      Ich freu mich auf die nächste Folge.

      Viele Grüße
      Sebastian

  60. Liebes Lage Team,

    mal wieder ein spannender Beitrag, vielen Dank für die reflektierten Aufarbeitungen. Ihr seid mein absoluter Lieblingspodcast!

    Eine Anmerkung noch zur Situation der Kurden. Soweit ich weiß, ist die Kurdische Autonomieentwicklung in Syrien kein Präzedenzfall. Die Türkei unterstützt bzw. akzeptiert die kurdische Autonomie Bewegung im Irak sogar, dort haben die Kurden sich bereits ein relativ unabhängiges Gebiet erobert.

  61. Mir hat der geschichtliche Einblick in die Hintergründe des zivilen Ungehorsams außerordentlich gut gefallen. Eine tolle Zusammenfassung, die vieles, was zum einen aktuell geschieht und was zum anderen die Bundesrepublik geprägt hat erklärt und einordnet.

  62. Hallo zusammen,

    Danke für die spannende Folge!
    Es hat mich gefreut, dass ihr kurz das Thema Ressourceneffizienz und die Nutzung von recycelten Materialien angesprochen habt. Dazu möchte ich auf das Thema Reparatur und den International Repair Day am 19. Oktober aufmerksam machen! Recycling ist ein toller erster Schritt, jedoch energieaufwändig und teilweise nicht effizient.
    Ressourcenschonender ist die längere Nutzung und anschließende Reparatur. Gerade bei Elektrogeräten wird dies aktuell jedoch selten umgesetzt. Die EU hat jetzt erste Gesetze zum eco design verabschiedet und zumindest für einige Haushaltsgeräte Regeln für die Reparierbarkeit und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen festgelegt: https://www.zeit.de/politik/2019-10/klimaschutz-nachhaltigkeit-haushaltsgeraete-ersatzteile-eu-kommission. Die right to repair Kampagne setzt sich international dafür ein, dass auch für andere Elektrogeräte solche Standards geschaffen werden und Reparatur somit die Norm wird.
    Neben Reparaturgeschäften sind Reparaturcafes aktuell eine Möglichkeit, seinen Geräten ein zweites Leben zu schenken. Hier helfen Freiwillige sich gegenseitig dabei, ihre Elektrogeräte zu reparieren: https://repaircafe.org/de/. Am 19. Oktober, dem International Repair Day, soll diese weltweite Bewegung gefeiert und gleichzeitig die Forderung nach besseren Reparaturmöglichkeiten verkündet werden: https://openrepair.org/international-repair-day/
    Würde mich sehr freuen, wenn ihr euch das Thema einmal anschaut, ich bin mir sicher, dass es euch interessiert.

  63. Liebes Lage-Team,

    ein toller Podcast, den ich seit einiger Zeit mit großem Gewinn höre, danke dafür!

    Zum Thema Migration, Flüchtlingsabkommen und was getan werden müsste, um die nächste Krise zu verhindern beziehungsweise die schon bestehende zu lösen, möchte ich euch Gerald Knaus als Interviewpartner vorschlagen (if I may). Er hat den Türkei EU Deal entworfen, ist Gründer und Leiter der Europäischen Stabilität Initiative (ESI), ist immer sachlich, lösungsorientiert, faktenreich und auf den Punkt – herzliche Empfehlung!

    Ansonsten: Bitte weiter so! Wir erwarten gerade Kind Nr.3 und Ihr werdet meine intellektuelle Begleitung durchwachter Nächte sein :-)

  64. Ich hatte beim Hören sofort ein Problem mit eurer Stellungnahme ab 10.48 zur Aussage von Oliver Malchow, dem Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft. Ihr reißt die Aussage von Herrn Malchow leider dem Zusammenhang und betont Malchows Aussage an einem Aspekt der EUCH wichtig ist, aber nicht IHM.
    Ich finde das handwerklich an dieser Stelle wirklich schlecht gemacht, denn eure Meinung, dass Rechtsextremismus von vielen Menschen nicht mit Terror gleichgesetzt wird, halte ich für durchaus richtig. Oliver Malchow macht aber einen ganz anderen Punkt. Ich stelle das im Folgenden vollständig da:
    Im (von euch ja verlinkten) ZDF-Video (https://www.zdf.de/nachrichten/zdf-morgenmagazin/polizei-eingreifen-war-nicht-schneller-moeglich-100.html) fragt der Moderator zunächst nach der Vorhersehbarkeit des Anschlages oder ob die Sicherheitsbehörden überrascht habe und konkretisiert dann seine Frage folgendermaßen:
    Moderator: “Ich meine nicht unbedingt konkret in Halle. Aber, dass so etwas in Deutschland passiert. Sie haben ja sicherlich auch Ihre Erkenntnisse und beobachten die rechten Netzwerke. Hat sie das eher überrascht oder eher nicht überrascht?”
    Daraufhin antwortet Oliver Malchow: “Na, überrascht hat es mich, dass es gestern passiert ist, sage ich jetzt mal so. Aber befürchten muss sowas ja schon seit längerer Zeit. Die Polizei bereitet sich darauf auch vor, aber das dauert natürlich. Und wir haben auch Personaldefizite, das will ich an dieser Stelle auch ganz deutlich sagen. Wir können nicht neben der Terrorbekämpfung dann gleichzeitig mit viel Personal jetzt uns auch um Rechtsextremisten kümmern, das müssen wir alles machen, weil wir sehen, wie gefährlich die rechte Szene ist. Wir werden auch weiterhin Schwerpunkte setzen. Aber wir dünnen aus allen Bereichen Personal aus, das ist schon schwierig für uns. Also, wir haben das nicht unterschätzt, aber wir müssen auch sagen: Wir können nicht alles vorhersehen. Und die Zeit ist auch so strukturiert und von den rechtlichen Rahmenbedingungen so reglementiert, dass wir nicht alles, jedes Schadensereignis so gut prognostizieren können und verhindern können. Das ist so.”
    Sein Punkt ist sind vor allem Personaldefizite und die Nicht-Vorhersehbarkeit solcher Ereignisse. Sein Punkt ist jedoch überhaupt nicht, dass man Rechtsextremismus KEIN Terror ist.
    Euer zitierter O-Ton: “Wir können nicht neben der Terrorbekämpfung dann gleichzeitig mit viel Personal jetzt uns auch um Rechtsextremisten kümmern, das müssen wir alles machen, weil wir sehen, wie gefährlich die rechte Szene ist. Wir werden auch weiterhin Schwerpunkte setzen. Aber wir dünnen aus allen Bereichen Personal aus, das ist schon schwierig”
    Immerhin wird am Ende sein Punkt angedeutet, den er ja zu Beginn auch angesprochen hatte, nämlich die Personaldefizite.
    Philip sagt dann: “Also er trennt da zwischen Terrorbekämpfung und Rechtsextremismus vor dem Hintergrund des Terrors in Halle.” Es offenbare schon, wo das Problem liege. Es werde immer noch unterschieden zwischen linken oder islamistischen Terror und Rechtsextremismus, der vielleicht ärgerlich, aber nicht synonym mit Terror sei.
    Ulf: “Wie kann das sein, dass Herr Malchow da differenziert. Wie gesagt, es geht uns überhaupt nicht um die Person von Oliver Malchow, es geht uns um die dahinter stehende Denke. Ich finde es unglaublich unverantwortlich, das zu trennen. […] Er definiert das, was da in Halle geschehen ist ganz explizit heraus aus dem Begriff des Terrorismus und das ist aus meiner Sicht eine völlig unverantwortliche Form von Weichspülerei.” Man müsse annehmen, das er wiedergebe, was in Teilen der Polizei gedacht werde.
    Nein, bei der vollständigen Aussage von Herrn Malchow steckt meines Erachtens kein bedenkliches Gedankengut (bei Herrn Malchow oder der Polizei) dahinter. Ihr habt seine Aussage in eurem Sinne zugespitzt. Tut mir leid, das so deutlich sagen zu müssen. Ihr hättet Recht, wenn er so etwas gesagt hätte wie: “Ich finde, wir müssen trennen zwischen Terrorbekämpfung und Rechtsextremismus…” Hat er aber nach meinem Verständnis nicht. Es ist eher eine Aneinanderreihung von Themen, die die Polizei beschäftigt.

    • Der Punkt ist doch aber: Terror = islamistisch und rechte Gewalt ist halt ‘nur’ rechtsextremistisch, aber eben kein Terror.
      Das ist die angesprochene Denke die überall kreist.
      Richtigerweise hätte HR Malchow sagen müssen, dass das Personal zur Bekämpfung des islamistischen Terrorismus eingesetzt ist und wegen Mangel an Personal die Bekämpfung des rechten Terrorismus vernachlässigt würde, werden musste oder was auch immer.
      Ich war noch in einem anderen Forum aktiv, da ist die Denke auch ähnlich:
      islamistisch = Terror
      Linke Gewalt = Terror
      Rechte Gewalt = false flag Aktion und wenn das nicht geht verwirrter Einzeltäter, aber ganz sicher kein Terror, weil das in deren Augen unmöglich existieren kann.

  65. Zum Theme Rechtsextremismus und (fehlende) Reaktionen der breiten Masse:
    Ihr habt als Hauptargument, dass die deutsche Mainstreamperson sich “von Rechts” weniger bedroht fühlt, weil sie eben nicht das Hass-und Angriffsziel von Nazis sind.
    Wir haben eben ausführlich darüber diskutiert und uns ist aufgefallen, dass in diesem Zusammenhang auch folgendes diskutiert werden sollte: nämlich, dass der rechte Terror im Gegensatz zu linkem/ religiösem Terror gerade deswegen weniger Gegenwehr auslöst, weil man sich von einer “neutralen” in eine “Zielperson” verwandelt, wenn man gegen rechte Positionen Stellung bezieht. Zumindest für uns persönlich können wir klar sagen, dass die Angst, von irgendwelchen Nazis bedroht/ angepöbelt/verprügelt zu werden, wesentlich mehr Einfluss auf unseren Alltag und unsere Entscheidungen hat, als sagen wir mal, den Mund gegen religiöse Propaganda aufzumachen. Und wir sind würde ich sagen, absolute “Durchschnittsdeutsche”, die in einer westdeutschen Kleinstadt leben. Nazis, bzw. Menschen mit rechtem Gedankengut sind im Alltag irgendwie viel präsenter und vor allem auch gewaltbereiter (hier beziehe ich verbale Gewalt mit ein) als irgendeine andere idealogische Gruppe, vielleicht mit Ausnahme von Leuten, die den Klimawandel leugnen. Und es ist wie Ihr sagt, man fühlt sich von den staatlichen Institutionen (Polizei, Verfassungsschutz) wesenlich schlechter vor rechter Gewalt geschützt. Hier möchte ich auch kurz das schwere Erbe der braunen Durchseuchung beim Verfassungsschutz erwähnen, die sich offenbar seit dem 2. WK bis Maaßen fortsetzte (und vermutlich immer noch andauert). Hinzu kommt die zunehmende “Gesellschaftsfähigkeit” von Positionen, die bis vor kurzem noch als rechtsextrem wahrgenommen wurden, hier geht der “Dank” vor allem an die AfD, allerdings sehe ich hier durchaus auch Wegbereiter in den konservativen bürgerlichen Parteien.
    Kurz, ich möchte darauf hinweisen, dass der erschreckend geringe gesellschaftliche Gegenwind durchaus auch viel mit bereits vorhandener Einschüchterung zu tun haben könnte, und die staatlichen Sicherheitsorgane hier auch viel zu wenig machen (siehe Schwarze Listen, sieht Mord an Lübke, etc, etc.)
    Leider.

  66. Liebes Lage-Team,
    bei der Türkei-Syrien-Kurden-Debatte fehlt mir ein wenig die Berücksichtigung der deutschen/europäischen Verantwortung an der Situation. Das Dilemma mit der schwierigen Position gegenüber Erdogan habt ihr erwähnt, aber folgende Kommentare zeigen m.E. auch noch wichtige Aspekte auf:
    https://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-unsolidarisch-sind-immer-die-anderen-kommentar-a-1290755.html
    https://www.deutschlandfunk.de/krieg-gegen-kurden-in-syrien-europa-traegt-eine-mitschuld.720.de.html?dram:article_id=460748

    Bei all der berechtigten Kritik an Trumps Handeln und dem überhasteten Truppenabzug: Deutschland selber hat sich ja von Anfang an in Syrien eher alibimäßig bzw. “als Zeichen des guten Willens” beteiligt. Und selbst die Verlängerung dieser Mandate sind ja im Bundestag und in der Koaltion sehr umstritten. Auch die anderen EU-Länder sind in dem Konflikt – der ja den europäischen Kontinent aus mehreren Gründen ungleich mehr betrifft als die USA – nicht in dem Maße beteiligt, wie Amerika. Die Anfrage der USA nach deutschen Bodentruppen im Nordosten Syriens wurde jedenfalls vor einigen Monaten sowohl von Regierung als auch Opposition strikt abgelehnt:
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article196466183/USA-fordern-deutsche-Bodentruppen-in-Syrien-Gruene-Linke-lehnen-ab.html
    https://www.zeit.de/politik/2019-07/syrien-bodentruppen-einsatz-islamischer-staat-bundesregierung-militaer

    Auch das Problem mit den dort inhaftierten IS-Kämpfer (insbesondere derer mit europäischer Herkunft) ist seit vielen Monaten bekannt. Auch hier wüsste ich nicht, dass sich Berlin oder Brüssel ernsthaft und mit der gebotenen Eile der Probleme angenommen hätten:
    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/deutsche-is-terroristen-in-syrien-donald-trump-draengt-berlin-zoegert-a-1253817.html
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article180210626/Terrormiliz-IS-Soll-Deutschland-seine-Terroristen-zurueckholen.html

    Wie der Spiegel-Kommentar m.E. gut zusammenfasst: Es ist legitim und richtig, Trumps Handeln zu kritisieren. “Aber es ist auch allzu leicht – und wohlfeil.”

    Viele Grüße

  67. 13. Oktober 2019 um 0:40 Uhr
    Der Fragensteller

    Ich schreibe diesen Kommentar bevor ich euren Teil zu extinction rebellion höre. Und ich hoffe inständig, dass ihr einer radikalen Gesetzbrechenden Bande keine Plattform gebt. Gesetzte brechen und somit Antidemokratisches Verhalten ist nicht (gar nicht !) zu rechtfertig.

  68. Bei der Besprechung des türkischen Einmarschs in Nordsyrien habt ihr meines Erachtens den Elefanten im Raum übersehen: Ziel der Aktion sind offenkundig “ethnische Säuberungen” in großem Maßstab. Sowohl um Platz für die in der Türkei befindlichen syrischen Flüchtlinge zu schaffen als auch um den Kurden in der Türkei ihre syrischen Verbündeten zu nehmen, wird die kurdische Bevölkerung im syrischen Grenzgebiet zur Türkei vertrieben werden.

    Dergleichen führte vor 20 Jahren im Fall von Serbien zur umgehenden Bombardierung. Die Türken dagegen erhalten aus Europa einen milden Tadel und das war’s. Hier werden gerade massiv die Regeln verschoben, was sich ein “Partner” der Europäer erlauben kann.

  69. Die Erläuterungen zum Zivilen Ungehorsam waren sehr interessant. Allein dafür hat es sich wieder gelohnt, die Lage zu hören. Im Ergebnis zumindest missverständlich könnte Ulfs Aussage bei etwa 1:38 mit Blick auf Rechtsbrüche einzelner XR-Aktivisten sein, wenn er sagt, er wolle sich hier nicht endgültig festlegen. Denn es konterkariert die zuvor getroffene und zutreffende Aussage, dass der derzeitige Mangel an guten Klimagesetzen nicht mit dem Unrecht der Nazigesetze gleichgesetzt werden kann.

  70. Zum Thema XR empfehle ich aus politikwissenschaftlicher Perspektive die Links in diesem Artikel: https://krautreporter.de/2885-was-hinter-der-neuen-klimaschutz-bewegung-extinction-rebellion-steckt Kurz: Radikalität ist notwendig um politischen Wandel zu ermöglichen. Die SPD schreckt aus Angst vor Gelbwesten vor strengeren Gesetzen zurück, so gesehen ist XR die logische Konsequenz.

    (Sorry für den Doppelpost.)

  71. Ich fahre selbst keinen SUV und finde das in den meisten Fällen eine komplett sinnlose Ausprägung der KFZ Branche, aber was Ich trotzdem nicht richtig finde ist das einseitige bashing von SUVs. Wenn man der Meinung ist es sollten nur Autos gekauft werden die möglichst wenig Platz einnehmen und ein Minimum an Sprit verbrauchen dann ist das eine valide Forderung, aber das heißt dann nicht nur das man keine SUVs mehr auf den Straßen will, dann sollte man eher über zulässige Maximalgrößen und Gewichte reden, denn dann sind auch Vans, Kleinbusse und Transporter wie VW Caddy und Multivan für private zu hinterfragen und große, schwere Kombis werden sicher auch nicht immer gebraucht sondern auch wegen der Optik gekauft.
    Auch der Trend zum Camping Livestyle mit eigenem Wohnmobil oder Caravan ist dann eher fragwürdig.
    Das einseitige betonen der SUVs die dringend weg müssen finde ich in dem Zusammenhang jedenfalls nicht sachlich genug.

    • So wie ich es aus den letzten Podcast-Folgen in Erinnerung habe, meinen Ulf und Philipp ja diese unnötig großen “panzerartigen” Autos, sprich, sie beziehen sich doch ganz klar auf Gewicht und Größe, also auf die besonders großen und schweren Fahrzeuge. Ich glaube, die meisten hier und auch die beiden Sprecher sind sich darüber im Klaren, dass auch diverse Nicht-SUVs ineffizient und umweltschädlich sind.

      In den letzten Wochen wurde immer und immer wieder in den Kommentaren dieselbe Kritik geäußert, die auch du oben anführst.

      Dabei ist es doch gerade die unnötige Größe und das Gewicht, was in den letzten Podcast-Folgen von den beiden Sprechern kritisiert wurde. Darum geht es doch! (Natürlich fallen da auch gewisse Nicht-SUVs dazu. Das streitet hier glaube ich niemand ab).

      Und ich glaube, da stimmt doch eigentlich jeder zu, dass unnötig(!) große panzerartige Autos für den alltäglichen Gebrauch nicht so toll sind (mit Ausnahmen von Gehbehinderung, Landwirtschaft o.ä.). So wie ich es verstanden habe, ist das die Botschaft der letzten Podcastfolgen gewesen.

      PS: Wohnmobil/Caravan ist in meinen Augen was anderes, da man nicht täglich damit rumfährt.

      • Um ehrlich zu sein habe ich die Kommentare der letzten Sendungen aus Zeitgründen nicht verfolgt, aber wenn man sich darüber einig ist das es nicht per Se um SUVs geht wird es dafür aus meiner Sicht keine Regelung geben können die über freiwilligen Verzicht der Konsumenten hinaus geht. Wie würde man das Regeln wollen ob jemand legitim ein großes Auto wie einen Van fahren kann (auch ohne stigmatisiert zu werden) weil er regelmäßig fünf Passagiere oder mehrere Fahrräder befördert, oder ob er jetzt nur den neuen VW Bus haben möchte weil er den toll findet und eigentlich immer nur alleine darin rumfährt? Wenn das nicht geht finde ich auch die Idee von vor ein paar Folgen unsinnig Fahrer großer Autos auf ihre Wagen ansprechen zu wollen.

        Ich denke beim Camping vor allem an Microcamper wie z.B. umgebaute Transporter deren großer Vorteil Ja ist das man sie den Rest des Jahres als weitgehend normale Autos nutzen kann. Solche Teile erleben ja gerade eine regelrechten Boom.

      • Ist dir eigentlich bewusst, dass dein „unnötig“ in Langform lautet: „Ich persönlich bin der Auffassung, dass niemand einen SUV betreiben darf, nur weil er Freude daran hat“?

        • Frage war @JasminD

        • Ja genau, so meinte ich das mit “unnötig”.

        • Also zumindest dass der massenweise Gebrauch/Kauf solcher “panzerartigen” Autos, die rein aus diesem Freude-Aspekt gekauft werden und ohne triftigen Grund wie z.B. Gehbehinderung, insgesamt zurückgeht.

          WIE das konkret erreicht werden kann, das ist natürlich die Frage. Willi hat recht damit, dass es schwer zu überprüfen wäre, ob und inwieweit jemand “dringend so ein Auto braucht”, zB. weil er regelmäßig viele Fahrräder transportiert.

          @Willi: bzgl. Gesprächen mit den Fahrern solcher Autos: hier fände ich es eben wichtig, im Gespräch erstmal zu erfahren, ob der Fahrer spezielle Gründe benennen kann (mit freundlichem interessiertem Tonfall, ohne sofortige Vorwurfs- und Verurteilungshaltung, nicht konfrontativ. So dass es sich im Gespräch locker von selbst ergibt. Nicht oberlehrerhaft.).

        • @Jasmin
          … und der nächste kommt daher mit „Ich persönlich bin der Auffassung, dass niemand Fleisch essen darf, nur weil‘s ihm schmeckt“ und der Dritte setzt riesengrosses Interesse seiner Mitmenschen an seinem Statement „Ich selbst meine, dass niemand in den Süden fliegen darf, nur weil er mehr Sonne will“ voraus. usw usf.
          Die Zeugen Jehovas glauben auch an die besondere Überzeugungskraft ihrer ubiquitär direkten Ansprache, während ihr Publikum jedoch – locker hin, nicht konfrontativ her – allermeist nur allergischen Ausschlag davonträgt. ;-)

        • 14. Oktober 2019 um 22:46 Uhr
          Rudolf Georg Linner

          @ Tom Schröder. Deswegen wäre es zwingend notwendig, einen Preis für CO2 (+ weitereer Umweltkosten) auf alle Produkte aufzuschlagen. Keine moralische Argumentation, kein schlechtes Gewissen, nur zahlen musst du! Das heisst, ein schweres Auto wird sehr teuer sein, Fleisch wird auch viel teurer sein usw. Das wäre die Marlktwirtschaft die wir bräuchten, nicht die frisierte Marktwirtschaft der BWLer, die unerfreuliche Kosten einfach weglassen, weil sie es dürfen (gestützt von den Regierungen, die in der “Nationenwertung” unbedingt die Nase vorn haben möchten und dafür quasi dopen). Würdest du ehrliche Preise akzeptieren?

        • @Tom Schröder
          ja, all diese Sachen können wir in diesem Umfang nicht weiter machen. Wir können uns das nicht leisten. Klar hat jeder ein oder zwei Sachen, die ihm/ihr besonders am Herzen liegen. Die sollten wir so lange es geht weiter machen können. Um zu steuern, welche das sind ist die erwähnte CO2-Bepreisung sinnvoll. Dann zahlst du nur, wenn es dir wichtig ist. Auf andere Sachen musst du – erst einmal – verzichten. Während wir verzichten, sind wir dann ja vielleicht kreativ und finden in den neuen Rahmenbedingungen neue Lösungen. Aufgrund der Dringlichkeit der Situation (wir haben weninger als 10 Jahre, um unseren Paneten zu retten, ich denkde max. 7 Jahre) muss das die Reihenfolge sein. Vielleicht haben wir dann genug nachhaltige Resourcen, um das alles wieder zu machen. Oder wir finden andere Alternativen, die uns auch glücklich machen.

        • @ Rudolf Georg Linner
          @ Hans
          Die Steuerungswirksamkeit einer CO2-Bepreisung ist unscharf bis fraglich.
          So wirkt eine Treibstoffbesteuerung erst dann hinreichend steuernd, wenn
          finanziell nicht allzu üppig ausgestattete Kfz-Betreiber, die auf ihr
          eigenes Fahrzeug angewiesen sind, in Schmerzgeheul ausbrechen (müssen).
          Bei der wirklich merklichen = wirksamen Besteuerung von Energie in
          industrieller Verwendung werden Teilbereiche erst mal ihrer
          internationalen Konkurrenzfähigkeit beraubt und am Ende singen
          Arbeitgeber und ihrer Arbeitsplätze unsichere Arbeitnehmer im
          Jammerchor.
          Statt dann in allerlei Zusatzregulierungen nachzujustieren,
          sollte man sich m.E. von vornherein möglichst genau knallharte
          Beschränkungen überlegen und durchsetzen.

  72. In der politischen Berichterstattung über Terrorismus, der sich pauschal gegen irgendwelche Bevölkerungsgruppen richtet, wie etwa gegen Juden, Muslime, Homosexualität oder was auch immer, stört mich das Folgende:
    Die Täter, Terroristen, Attentäter und radikalen Extremisten erfahren dadurch eine Aufwertung, dass ihnen als erstes eine politische Grundhaltung zugesprochen wird. Womöglich ist es hier und da auch so, dass Individuen durch ihr Erleben der gegebenen politischen Verhältnisse in den Irrsinn getrieben werden und dann erst kriminell werden. Ich gehe als Psychologe jedoch davon aus, dass es in der Regel andersherum ist. Die Neigung zur Gewalt stellt zumeist den Nukleus dar, aus dem alles Weitere erwächst; sie sucht sich im Laufe des Lebens eine Bühne, einen ideologischen Überbau, auf der und mit dem sie sich selber rechtfertigen kann.
    Von euch würde ich mir wünschen, dass ihr klarer herausstellt, welche Grundmotivation hinter Gewalttaten steht, und das ist schlicht und ergreifend der Wunsch, Gewalt auszuüben, sich zu rächen, ein inneres Leiden zu beenden. Die Grundmotivation dieser Menschen ist also so dysfunktional wie primitiv. Wenn “die Juden”, “die Schwulen” oder “die Was-auch-immer” als Sündenböcke herangezogen werden müssen, dann spricht das ganz generell für massive Entwicklungsdefizite im psycho-sozialen und emotionalen Bereich. Wir haben es mit so bedauernswerten wie hoch gefährlichen Menschen zu tun, denen Grundlegendes für die konstruktive Einbindung in ein Gemeinwesen fehlt. Und dieser Umstand sollte ganz besonders bei solchen Attentaten wie dem in Halle zur Sprache kommen.

    • Ist bekannt, was die Ursachen für diese Entwicklungsdefizite sind? Wie kann diesen Menschen geholfen werden, bevor sie zu Tätern werden? Wie gelingt es einzelnen, sich zu entradikalisieren?

    • Danke Willi für deinen Kommentar. Ich habe auch psychologischen Background und teile deine Meinung, dass definitiv psychosoziale Defizite bei Attentätern als eigentliches Grundproblen schon lange vorher vorhanden waren bzw. sich über Jahre ausgeformt haben. Attentäter haben doch so gut wie nie eine glückliche Kindheit gehabt, waren nie sozial gut eingebunden … Wie du sagst: eine “gesunde” Einbindung in ein “gesundes” Gemeinwesen gelang ihnen nicht.
      Darum finde ich die Rolle der Schule so wichtig: ich finde, da fängt es schon an. Gegen Mobbing und Ausgrenzung so gut und so schnell es geht eingreifen von Seiten der Schule, für ein gesundes Schul- und Klassenklima sorgen, die Kinder und Jugendlichen animieren, Sportvereinen oder ähnlichem beizutreten und und und. Als Schulpsychologin kann ich sagen, dass Schulen da inzwischen (zum Glück) viel viel viel mehr machen als noch vor 10 Jahren. Siehe auch Podcast-Folge zum Thema Schulsozialarbeit.
      Damit möchte ich Attentäter nicht als Opfer darstellen/verteidigen, aber zumindest sehe ich in dieser fehlenden sozialen Eingebundenheit eine gravierende Ursache für diese schreckliche Entwicklung hin zu einem Attentäter.

      Ebenso wichtig finde den politischen Aspekt der aktuellen LdN Folge! Mir sprach da vieles aus der Seele! Diese Entwicklung, die sich da vollzieht (ermöglicht durch das heutige Internet) ist einfach beängstigend!
      Ich fand auch euren Appell heute super und so so so enorm wichtig, dass jeder einzelne von uns schon damit beginnen kann, einfach mal Selbstreflexion zu betreiben. Denn da gebe ich euch recht: da fängt es ja schon an: beim eigenen Umgang/Einstellung bzgl. zB. Ausländern… inwieweit verhält man sich oder denkt man – wenn auch unbewusst und unbeabsichtigt – in gewisser Weise rassistisch? (Ich will an der Stelle nochmal auf den Kommentar von Jette bzgl “Racial Profiling” bei Folge 159 hinweisen. Ich finde, das hängt ALLES miteinander zusammen. )
      Ich fand es super, wie ihr beiden Sprecher dieses Thema bzgl Halle analysiert habt. Ergänzen würde ich definitiv noch den von Willi angesprochenen Punkt.

      Die Kombi “psychosozial-defizitäre Vorgeschichte des Attentäters” in Kombination mit dieser erschreckenden rechtsradikalen Dynamik (zunehmend im Internet)… DAS ist gerade das traurige explosive Zusammenspiel.

    • 14. Oktober 2019 um 23:09 Uhr
      Rudolf Georg Linner

      @ Willi. Bin sehr deiner Meinung. Dazu: Eine bessere Bildung (bessere Lehrerausbildung bzw. -auswahl), mehr gesellschaftliche Gerechtigkeit (Chancengerechtigkeit) würde sicher helfen, zumal ein so hergestelltes stabileres Umfeld selbst einem empathieunfähigen Gewalttäter nicht so viele Betägigungsfelder bieten würde und ihn somit bis zu einem gewissen Grad einhegen könnte. Ich denke aber, dass ein gewisser Prozentsatz der Menschheit selbst bei bester Erziehung und Betreuung gemeinschaftsunfähig und somit gefährlich ist. Das nicht einrechnen zu wollen ist “Idealismus” und führt m.E. zu Resignation und damit zu einem schlechteren Gesamtzustand als notwendig. Tun was man tun kann, aber nicht verzweifeln ob des dann immer noch unvermeidlich Bösen.

  73. Hallo liebes Lage Team,

    wieder einmal eine super Folge, ich komm schon gar nicht mehr ohne diesen Podcast aus und danach fühlt man sich immer schlauer. Es sind immer super spannende Themen und keiner berichtet so ausführlich darüber. Ich finde es auch voll okay, das ihr keine neutrale Meinung haben könnt. Wenigstens habt ihr eine Meinung! Die haben nämlich viele nicht, die sich nicht informieren.

    Einen Punkt habe ich aber noch, ich lebe in Berlin und die Bahnen fahren hier schon relativ häufig.
    Wenn das Ziel ist, das viel weniger Autos in den Städten, fahren dürfen und immer mehr auf die Bahn oder Bus umsteigen sollen, wäre das überhaupt theoretisch möglich? Denn 8 Uhr Morgens oder eigentlich egal wann, sind die Bahnen einfach so voll, oft kein Platz. Total überfüllte Wagons. Sorry aber das macht manchmal auch einfach keinen Spaß Bahn zu fahren.

    Ich selber besitze kein Auto und natürlich ist in Berlin Auto fahren auch nicht lustig, da zu viel Verkehr. Aber irgendwo verstehe ich auch die Autofahrer. Denn Bahn fahren macht in Berlin ab und zu auch einfach kein Spaß mehr und da würde ich das Auto auch bevorzugen.

    Also ist es vom Ausbau in Berlin überhaupt möglich, dass ein Großteil noch mehr ÖV PM nutzt? Oder sind die nicht schon am Limit? Danke ;) Lg Marcel *Man stelle sich mal vor, das Ticket würde for free sein, dann würden ja noch mehr fahren obwohl die Bahnen aller 2 Minuten kommen. *

  74. Hallo Ulf und Philip,

    zum Türkei-Thema habe ich eine Frage.
    Also ich höre bei euch immer dann besonders gut zu, wenn argumentiert wird (gerne würde ich insgesamt auch mehr Diskussion mit Gegenargumenten und Advocatus diaboli etc hören, aber das nur am Rande). Jedenfalls fiel heute das Argument gegen die Türkische Offensive auf, die Türkei verstoße damit gegen das Völkerrecht. Wenn eine militärische Handlung vom Völkerrecht aber abgedeckt sein soll, dann muss, wenn ich richtig informiert bin, ein Mandat der UN vorliegen. Hatte denn irgendein anderer Akteur im Kampf gegen den IS (USA, Frankreich, Iran, Russland usw.) ein solches Mandat? Russland hätte als Syriens Verbündeter im Grunde keins gebraucht, wenn Assad zugestimmt hätte. Was die Sache ja noch etwas heikler macht.

    Bitte nicht falsch verstehen! Ich bin kein verdeckter Experte im Völkerrecht, der euch aufs Glatteis führen will (merkt man hoffentlich auch). Und ich bin auch kein Erdogan-Fan. Ich will lediglich den Vorwurf formulieren, dass wir Argumente nur dann bringen, wenn sie unserem Narrativ nutzen, was im Grunde unredlich ist. So bekommt man es relativ problemlos hin, eine Gegenseite (in diesem Fall Erdogan) dumm aussehen zu lassen.

    Also meine Frage lautet: Müssen wir, um im Bilde über die Geschehnisse dort zu sein, nicht die türkische Perspektive ernsthafter diskutieren, auch wenns schwerfällt Erdogan ernst zu nehmen?

    Alex

  75. Zum Thema rechstwidriger Angriffskrieg der Türkei in Syrien, dort wurde inzwischen auch ein Krankenhaus von der türkischen Luftwaffe beschossen: https://de-de.facebook.com/cadus.org

  76. Hallo zusammen,
    ich höre Euren Podcast schon seit der ersten Folge, aber leider schwindet mittlerweile mein Gefallen daran – das schreibe ich hier als Kommentar, weil mich auch andere Meinungen dazu interessieren:

    Leider ist die Qualität des Podcasts in den letzten Monaten meiner Meinung nach deutlich zurück gegangen. Ich kann mich an einen Podcast erinnern, in dem Ihr Euch über Kommentare bedankt habt, in denen gesagt wurde, dass Ihr öfter Eure eigene Meinung sagen sollt – statt der bis zu diesem Punkt meist möglichst neutralen Berichterstattung.
    Seit dieser Zeit wird meines Empfindens nach viel zu häufig Eure eigene Meinung über die neutrale Berichterstattung gestellt – was zuletzt beim Beispiel des Dienstwagenprivilegs einen Höhepunkt hatte.
    Selbst im Feedback-Part in dieser Sendung berichtigt Ihr einfach nicht die offensichtlichen Fehler, auf die in den Kommentaren hier hingewiesen wurde. Ich hätte nicht erwartet, dass Ihr die berechtigte Kritik zurückzieht, aber Ihr könntet wenigstens die Gegenargumente erwähnen, statt die nicht Eure Meinung verstärkenden Argumente einfach auszublenden.
    Aussagen wie „es gibt keine ökologische Lenkungswirkung“ (die dazu führt spritsparende Dienstwagen zu fahren) könnt Ihr doch nicht einfach ohne Erwähnung der 0,5% Regel für Hybride in den Raum stellen – das verzerrt doch die Realität. Natürlich kann man die 0,5% Regel entkräften mit dem Argument, dass damit nur Geld auf Arbeitnehmerseite gespart wird, dieser dann aber nie elektrisch fährt – zumindest werden dann aber Hybride in den Gebrauchtwagenmarkt reingedrückt, was Eure Aussage zu den bösen dicken Dienstwagen im Gebrauchtwagenmarkt relativieren würde. Ich kenne zugegeben nur wenige Dienstwagenfahrer, aber jeder davon fährt mittlerweile einen PlugInHybriden oder hat einen bestellt.

    Es geht mir gar nicht zu sehr um dieses spezielle Thema, sondern darum, dass ich nach und nach immer mehr das Gefühl bekomme, dass Ihr Euch in einer Links-Grünen Blase befindet, außerhalb derer Ihr nicht allzu viel zu recherchieren scheint. Das macht für mich die Lage nicht mehr uneingeschränkt empfehlenswert.
    Ich habe auch selbst die Erfahrung gemacht, dass meine „Filterblase“ (die wahrscheinlich ganz ähnlich zu Eurer ist) dafür gesorgt hat, dass ich nur noch Ergebnisse bei Google und zB Twitter gesehen habe, die für mich „relevant“ waren, also meine Meinung widerspiegelten. Seit dieser Zeit verwende ich für möglichst objektive Recherchen eine Kombination aus virtueller Maschine, VPN und zB Brave als Browser. So etwas möchte ich auch Euch ans Herz legen.

    Ich würde mich freuen, wenn Ihr wieder zur alten Form zurückfinden würdet – gerne mit etwas weniger persönlicher Meinung aber vor allem mit neutraler Recherche und Tatsachenberichterstattung.
    Viele Grüße
    Johannes

    • Wir haben schon x-fach betont, dass es keine neutrale Berichterstattung gibt. Jede redaktionelle Bearbeitung eines Themas enthält notwendig auch Wertungen.

      Die Fakten müssen aber natürlich stimmen, sonst korrigieren wir die ja auch regelmäßig. Aber die Nicht-Erwähnung der Hybride als Fehler zu bezeichnen finde ich nicht überzeugend: Im Gegenteil ist die Förderung von Hybriden ein Beispiel einer irreführenden Subventionierung, weil nichts und niemand einen daran hindert, ein solches Fahrzeug nur mit Sprit zu betreiben.

      Was ist hier eigentlich los, dass die Auto-Freaks sich derart auf Kleinigkeiten einschiessen? Kann es sei, dass ihr einfach nicht hören mögt, dass es so wie bisher nicht weitergeht?

      • “Was ist hier eigentlich los, dass die Auto-Freaks sich derart auf Kleinigkeiten einschiessen? Kann es sei, dass ihr einfach nicht hören mögt, dass es so wie bisher nicht weitergeht?”

        Genau das ist die Einstellung, die ich so kritisch finde. Ich selbst fahre viel Auto, und bin der Meinung, dass sich das ändern muss. Aber eine Bewertung, die selbst bei oberflächlicher Betrachtung so viele sachliche Fehler enthält, spielt dann im Zweifelsfall eher in die Karte der “Ich will mein Verhalten nicht ändern”-Fraktion.

        Die Tatsache, dass sich was an der Individualmobilität ändern muss, teile ich vollständig. Die Welt ist nur viel komplexer, als Ihr das darstellt. Und gerade hier halte ich es für enorm wichtig, sachlich präzise zu bleiben und zum beispiel private und gewerbliche Steuer-Regulierung NICHT durcheinander zu bringen.

        • Jetzt sind es schon „viele sachliche Fehler“ … falsch war aber gar nichts, wir hatten nur ein Detail der Besteuerung nicht erwähnt, weil es für unsere Argumentation nicht relevant war, weil wir bei allen Themen wesentliche von unwesentlichen Punkten unterscheiden müssen, weil der Podcast sonst unhörbar würde, UND weil dieses Detail – wenn man es doch berücksichtigt – unsere Argumentation sogar noch stützt, wie wir in der aktuellen Folge ausführlich diskutiert haben. Bitte hör dir das doch wenigstens an, ehe du hier so austeilst.

        • In Folge 159 sagst du: Der Privatmann kann bei Fahrten zur Arbeitsstelle vollkosten steuerlich absetzen. Außerdem sagt ihr: man kann mühelos mit 30ct/Entfernungs-km mit dem Auto zur Arbeit kommen.
          Sind zumindest mal 2 grob falsche Aussagen.
          Dann sagt ihr in 159: die steuerliche Anrechenbarkeit des geldwerten Vorteils ist viel niedriger, als der “tatsächliche Geld werte Vorteil” den man enthält (hier fasse ich mal aus dem Gedächtnis zusammen). Christian hat in den Kommentaren zu 159 genau das widerlegt. Ist schon die dritte falsche Aussage.

          In der aktuellen Folge setzt Ihr euch mit Christians Kritik auseinander und sagt: Trotzdem sind die steuerlichen Werte zu niedrig – ich hab’s aber nicht nachgerechnet.

          Schade dass du dich da so stark angegriffen fühlst – und so wenig darauf eingehst, was ich (und ja auch sehr viele andere hier) kritisieren. Am Ende: euer Podcast, eure Sache was ihr wie darstellt. Aber wie schon andere geschrieben haben: am ende leidet eure gesamte Glaubwürdigkeit nur wegen dem Auto-Thema.

      • Hallo Ulf,
        da hast Du etwas falsch verstanden – ich würde mich nicht als Auto-Freak bezeichnen und ich bin selbst kein Fan von Individualmobilität und versuche trotz der ständigen Unpünktlichkeiten in allen möglichen Fällen die Bahn dem Auto vorzuziehen.
        Ihr habt hier nur zufällig über ein Thema berichtet, in dem ich aus privaten Gesprächen über Vorwissen verfügt habe und dann fällt mir natürlich auf, dass hier ein meiner Meinung nach wichtiges Argument unter den Tisch gekehrt wurde.
        Der Vollständigkeit halber obwohl mir das Thema hier nicht am Herzen liegt, aber Deine Kritik meinen Kommentar leider nicht komplett erfasst hier noch einmal: Ja, es ist blöd, dass die Hybride dann auch rein auf Sprit gefahren werden, aber trotzdem ist es eine Möglichkeit, diese in den Gebrauchtwagenmarkt zu bringen und zusätzlich wird zumindest durch Rekuperration selbst wenn die Fahrzeuge nicht geladen werden Sprit gespart. Das ist der Punkt den ich machen wollte, die Gewichtung liegt natürlich im Auge des Betrachters aber völlig verschweigen ist m.E. der falsche Weg. Auch ich würde eine Orientierung am Realverbrauch des Fahrzeuges in g CO2 pro km besser finden, darum ging es hier aber nicht.

        Worum es mir eigentlich ging:
        Das ist nicht das erste Mal, wo meines Ermessens nach gravierende Lücken in der Recherche vorhanden waren, auf die dann hier in den Kommentaren hingewiesen wurde.
        Die Problematik ist für mich jetzt, dass ich mir natürlich nicht sicher sein kann, wie gut die Themen recherchiert sind, bei denen ich kein Vorwissen habe – hier fällt es mir jetzt schwer, mich auf Eure Recherche zu verlassen. Und das ist das was ich schade finde und wo ich mich freuen würde, wenn es sich wieder verbessert.
        Ich möchte Euch damit nicht persönlich angreifen, falls es so rüber kommt tut es mir leid – ich würde mir aber auch wünschen nicht als weltfremder Autofreak angegangen zu werden.

        VG Johannes

        P.S.: Früher ging es auch neutraler als momentan, eine 100% Neutralität erwarte ich nicht und ist natürlich wie Du sagst auch nicht möglich. Wertungen finde ich super und wichtig, aber Verschweigen von gewichtigen Argumenten eben nicht.

        • Gravierende Lücken in der Recherche? Welche denn? Wir hatten nur ein Detail der Besteuerung nicht erwähnt, weil es für unsere Argumentation nicht relevant war, weil wir bei allen Themen wesentliche von unwesentlichen Punkten unterscheiden müssen, weil der Podcast sonst unhörbar würde, UND weil dieses Detail – wenn man es doch berücksichtigt – unsere Argumentation sogar noch stützt, wie wir in der aktuellen Folge ausführlich diskutiert haben.

        • Hallo Ulf,
          ja – gravierende Lücken wie in diesem Fall mittlerweile ausführlich dargelegt.
          Aber ich habe nicht das Gefühl, dass hier Argumente zählen.
          Wirklich schade, das hinterlässt einen faden Beigeschmack beim hören der Lage.
          Ich werde sie trotzdem weiter hören aber nun mit dem Bewusstsein, dass bei von Euch persönlich stark belegten Themen eine eigene Recherche lohnt.

          Ich hätte mir einen konstruktiveren Umgang mit der Kritik hier gewünscht – das Trotzverhalten bringt niemanden weiter.

      • Lieber Ulf, ich denke, dass eure generell Auto-kritische Haltung gepaart mit pauschalen Aussagen, wie der, dass die 1% Regelung dazu führt, dass „der Dienstwagenfahrer“ sich „dicke SUV“ bestellt, die dann den Gebrauchtwagenmarkt fluten, nicht zu Euren ansonsten top recherchierten und spannend vorgetragenen Themen passt. Gerade das mit Zahlen belegte Argument eines Kommentators einfach trotzig als falsch zu deklarieren mit der Aussage: „ich hab das jetzt nicht durchgerechnet, aber es ist so“, geht meines Erachtens gar nicht. In dem Fall solltet ihr eure Kritik definitiv mit Zahlen belegen können und nicht ins straucheln geraten, wenn ihr darüber diskutiert, was man denn jetzt nun eigentlich als Geldwerten Vorteil ansetzen muss und was nicht.

        Fakt ist, dass sich das KFZ-Kaufverhalten der Bürger in Deutschland ändern muss (weniger SUV) und dass die Großstädte sich nach einer verkehrstechnischen Entlastung sehnen. Sicherlich gibt es auch einen gewissen Prozentsatz (nicht näher zu beziffern), die sich erst durch die 1% Regelung ein sehr teures KFZ leisten können, da sie eben nur einen Anteil dieses 1% über die Steuern und Abgaben tatsächlich bezahlen) und ich denke, dass ihr mit eurer Kritik genau darauf abzielt. Trotzdem leben sehr viele Menschen in Deutschland im ländlichen Raum, haben sich möglicherweise das Privileg eines Dienstwagens über Jahre erarbeitet und bestellen sich dann ein wirtschaftliches Auto, da ja nun der Kraftstoff im Regelfall immer noch vom Arbeitnehmer bezahlt werden muss. Ich denke nicht, dass diese Menschen eure Kritik an der 1% Regelung nachvollziehen können, ihnen die Umwelt nicht am Herzen liegt oder sie „gesellschaftsschädlich“ handeln.

        Daher tut bitte kritische Stimmen zu pauschalisierten Aussagen nicht als „Auto-Freaks“ ab, die sich auf „Kleinigkeiten“ einschießen. Eure Auto-kritische Haltung ist verstanden und wird respektiert. Bitte bedenkt jedoch, dass nicht alle das Privileg haben, ÖPNV und Car Sharing usw nutzen zu können. Und gerade durch das Klima-Paket, das durch Verteuerung von Öl/Gas am Ende ja nur wieder den gemeinen Bürger trifft, werden Erleichterungen für Autofahrer, die auf selbiges angewiesen sind, attraktiv.

        • Ich gebe Ulf schon Recht. Würde man die Liebe fürs Detail, die mancher beim Auto an den Tag legt, bei anderen Themen ansetzen, würden wir bedeutend weiter kommen. Irgendwie scheint es vielen immens wichtig zu sein. Ich glaube von daher man sollte das Thema bei den Argumenten Platz und Verbrauch ruhen lassen. Das bringt nichts.

      • Ich würde sagen man kann anhand der Reaktionen hier erkennen, wie tief verwurzelt das Auto und die damit einhergehende persönliche Freiheit in der Gesellschaft verwurzelt sind. Insbesondere wenn schon recht wenig einschneidende Forderungen einen solchen Gegenwind hervorrufen.

        • Ich verstehe nicht, wie man Autos mit Freiheit verbindet. Man bindet sich einen Klotz ans Bein und verpestet die Umwelt. Das ist doch keine Freiheit. Ist dann Fliegen auch Freiheit? Aus dem Besitz eines Autos entseht oft eine Anspruchshaltung auf “schnell Vorankommen”, “einen Parkplatz”, “ich darf hier her fahren”. Das nervt. Nehmt euer Autos aus meiner Stadt und verschwindet. Wenn ihr am Land lebt, dann enagagiert euch für alternative Mobilität. Lebt wo ihr arbeitet und arbeitet wo ihr lebt. Macht bei euch im Dorf einen Laden auf. Oder zieht da hin, wo eure Arbeit ist. Das Leben ist voller Veränderung und voller Möglichkeiten. Oder schafft Fahrgemeinschaften zum Stadtrand und von dort aus dann mit gutem ÖPNV weiter. Wir brauchen die Bedürfnisse der Leute, um neue Lösungen zu denken. Bringt euch ein. Aber so wie bisher geht es nicht weiter. Die fetten Jahre sind vorbei. Wir können uns dies Form von Mobilität nicht mehr leisten.

      • Wenn die zu versteuernde Summe mehr als doppelt so hoch ist, wie die 1% des Kaufpreises würde ich nicht von Kleinigkeiten sprechen.
        Weiter unten sagst Du, dass Ihr diesen Teil der Besteuerung nicht erwähnt, weil er für Eure Argumentation nicht relevant sei.
        Für den Nutzer mehr als doppelt so hohe Kosten sind nicht relevant?
        „Was ist hier eigentlich los, dass die Auto-Freaks sich derart auf Kleinigkeiten einschiessen? Kann es sei, dass ihr einfach nicht hören mögt, dass es so wie bisher nicht weitergeht?“
        Das ist so ein typisches Totschlagargument. Implizit sagst Du: Ich habe recht und Ihr seid nicht in der Lage das zu erkennen.
        Aus meiner Sicht habt Ihr Euch mit dieser Vereinfachung keinen Gefallen getan.
        Die aus Eurer Sicht nicht relevanten Kosten führen dazu, dass ein Dienstwagen für den Nutzer Geld kostet. Natürlich immer noch weniger, als es ein eigener PKW tun würde. Das macht es ja attraktiv. Nichts desto trotz führen diese Kosten dazu, dass ein Dienstwagen nur sinnvoll ist, wenn er sich in einer Größe bewegt, die sich der Nutzer auch privat leisten könnte (Faustregel).
        Kein Außendiensttechniker mit 4000 € brutto wird sich als Dienstwagen einen dicken SUV für 60.000 € leisten (können).
        Ob ein Dienstwagen wirklich dazu führt, dass mehr Auto gefahren wird kann ich nicht beurteilen. Hier auf dem Land definitiv nicht, da es keinen nennenswerten ÖPNV gibt.
        Ich weiß aber, dass alle (!) Dienstwagennutzer die ich kenne, diesen Wagen dienstlich und privat nutzen. Hätten sie diesen nicht, müssten sie sich einen privaten PKW kaufen. Zusätzlich zum dienstlich genutzten PKW im Unternehmen. Ob da die doppelt genutzten Fahrzeuge nicht ökonomisch und ökologisch die bessere Lösung sind?
        Ich wollte mit diesem Beitrag noch einmal klarstellen, dass das Thema durchaus komplex ist. Die Tatsache, dass Ihr Punkte unterschlagt die aus Eurer Sicht nicht relevant sind und Eure Argumentation nicht unterstützen, finde ich schade. Denn in diesem Moment bewegt Ihr Euch von einem Nachrichten- zu einem Meinungspodcast. Dann aber Gegenargumente einfach wie oben wegzubügeln, wird Eurem üblichen Niveau nicht gerecht.
        Eine Zusammenfassung der Argumente hier im Forum mit dem Hinweis, dass es im Podcast nicht immer möglich ist, alle Punkte zu berücksichtigen wäre eleganter gewesen. So bleibt ein fader Beigeschmack.

        • Ich greife mal nur eine kurze Aussage von Dir aus:
          ,,Die aus Eurer Sicht nicht relevanten Kosten führen dazu, dass ein Dienstwagen für den Nutzer Geld kostet. Natürlich immer noch weniger, als es ein eigener PKW tun würde.”

          Damit sagst Du doch, dass ein eigener PKW mehr Geld kosten würde und dann eventuell nicht mehr wirtschaftlich für den eigenen Haushalt ist. Die Folge wäre dann eventuell ein kleines Auto (meistens sparsamer), oder die Nutzung des ÖPNVs. Also unterstützt dies doch genau die Argumentation von Ulf, oder?

        • Ich sehe es auch so wie Frederik. Siehe mein gestriger Kommentar um 15:35.

        • Frederik:
          Die pauschale Aussage im Podcast war sinngemäß: Ihr bekommt einen Dienstwagen für 1% Versteuerung. Das führt dazu, dass für kleines Geld ein SUV gekauft wird und niemand den ÖPNV nutzt.
          Die Kritik vieler User im Forum an dieser Aussage beruht darauf, dass hier Fakten unterschlagen wurden.
          Ein 60.000€ Firmenwagen verursacht eben nicht nur 1% = 600€ zu versteuerndes Einkommen. Die tatsächlichen Kosten liegen i.d.R. deutlich höher.
          Antwort von Ulf im Podcast sinngemäß: “Ist ja noch schlimmer.” Eine Argumentation die sich vielen Usern nicht erschlossen hat.

          Auf die Kritik und Gegenargumentation kam dann vom Ulf sinngemäß die Aussage: “Fakten die unsere Argumentation nicht unterstützen haben wir nicht erwähnt” und hier im Forum der Hinweis “dass dies ja nur Kleinigkeiten seien”.

          Hierzu ein Beispiel:
          Ein SUV mit einem Listenpreis von 60.000€ und einer einfachen Entfernung zum Arbeitsplatz von 50km.

          Lt. Argumentation im Podcast 1% vom Kaufpreis = 600%
          Auf diese 600€ zahlt der Nutzer des Dienstwagens dann Einkommenssteuer & Sozialabgaben.
          Nehmen wir der Einfachheit halber mal 30% an, dann wären dies ein Minus am Nettogehalt von 180€.
          Ja, für dieses Geld würde ich auch einen SUV fahren.

          Tatsächliche Berechnung:
          Kaufpreis x 1% = 60.000 x 1% = 600€
          Kaufpreis x 0,03% x Entfernung zum Arbeitsplatz = 60.000 x 0,03% x 50km = 900€
          Summe = 1.500€
          Auf diese 1.500€ zahlt der Nutzer des Dienstwagens dann Einkommenssteuer & Sozialabgaben.
          Mehr Bruttoeinkommen bedeutet i.d.R. höhere Steuerlast.
          Nehmen wir der Einfachheit halber mal 35% an, dann wären dies ein Minus am Nettogehalt von 525€.
          Nein, für dieses Geld würde ich keinen SUV fahren.

          Lt. meiner Erfahrung führt die o.a. Kalkulation dazu, dass der gewählte Firmenwagen in der Größe gewählt wird, in der auch einen privat gekaufter Wagen gewählt würde.
          In meinem Fall ist der Firmenwagen eine Art Gehaltserhöhung. Jetzt einen Wagen zu wählen, der genau so viel kostet wie ein privat finanziertes Fahrzeug fand ich nicht sinnvoll. Dann hätte ich bei gleichen Kosten ein großes Fahrzeug gefahren. Ich habe mich für einen klassischen Familienkombi entschieden fahre damit in der gleichen Fahrzeugklasse wie vorher.
          Das gesparte Geld investiere ich dann z.B. in ÖPNV-Tickets um in den Urlaub zu fahren (Eigenlob :-)).

          Es gibt noch weitere Punkte:
          Auch Firmen kalkulieren ökonomisch und ökologisch. Nur weil es einen Firmenwagen gibt, zahlt das Unternehmen nicht pauschal für jeden Nutzer einen SUV.
          Im Fall aller (!) mir bekannten Firmenwagennutzer wird der Wagen beruflich und privat genutzt. Am Ende wird also auch ein Fahrzeug weniger produziert.

          Die Kritik an Ulf hier im Forum beruht auf seiner stark vereinfachten Kritik am Modell Dienstwagen im Podcast und seiner Weigerung die o.a. Argumente/Punkte anzuerkennen.

          Ich glaube der Anteil der Firmenwagen an der Gesamtzulassung liegt bei 50% (?). Das sind nicht alles SUV fahrende “Umweltsäue”.

          Ich denke, das Thema ist zu kompliziert um in 2 Sätzen bewertet zu werden.
          Aber mehr als ein pauschales Dienstwagenbashing hätte ich mir schon gewünscht.

        • @ Dirk: Hier liegt ein Logik-Fehler vor, meiner Meinung nach:

          Du sagst:

          “In meinem Fall ist der Firmenwagen eine Art Gehaltserhöhung. Jetzt einen Wagen zu wählen, der genau so viel kostet wie ein privat finanziertes Fahrzeug fand ich nicht sinnvoll. Dann hätte ich bei gleichen Kosten ein großes Fahrzeug gefahren. Ich habe mich für einen klassischen Familienkombi entschieden fahre damit in der gleichen Fahrzeugklasse wie vorher.”

          Damit sagst du ja gerade, dass sich die Dienstwagenmöglichkeit finanziell lohnt.

          Folgendes lese ich aus deinen Zeilen heraus:

          1. Bei gleichen(!) Kosten würde ich einen größeren(!) Dienstwagen erhalten als ein Privatauto.

          2. Dasselbe(!) Auto würde ich als Dienstwagen billiger(!) fahren können verglichen mit als Privatauto.

          Diese 2 Zeilen sind korrekt. Aber daraus folgt ja gerade:

          –> Die Dienstwagenmöglichkeit macht Autofahren attraktiver!

          Und das passt ja auch zu deiner Aussage, dass du dir dank des Dienstwagens ja Geld sparst!

          Zur Veranschaulichung (mit Fantasie-Zahlen, zum leichteren Verständnis):

          – Auto kostet als Privatauto 100 Euro

          – exakt dasselbe Auto kostet als Dienstagwagen 60 Euro

          – ÖPNV kostet 10 Euro

          Klar ist ÖPNV am attraktivsten, da 10 Euro ja ganz klar viel viel viel billiger sind als 60 oder 100 Euro. Und mir scheint es, dass viele Kommentatoren sich darauf beziehn. Also dass sie sagen: “Häh? Dienstwagen ist doch gar nicht attraktiver als Bahnfahren. Bahnfahren ist doch viel billiger, also fahre ich Bahn! ” Ist absolut korrekt, aber darum geht es gar nicht.

          Sondern (und DAS ist der springende Punkt):

          Man betrachte alle Leute, die kurz davor stehen, das Privatauto für 100 Euro zu kaufen, aber sie sind sich unsicher, ob ihnen das zu teuer ist. Sie überlegen und überlegen, ob sie wirklich das 100Euro-teuro Auto kaufen oder nicht. Es erscheint ihnen sehr teuer. Ich nenne diese Personengruppe mal “die Unentschlossenen”. Sie sind unentschlossen, ob sie wirklich diesen hohen Preis von 100 Euro zahlen sollen.

          Und jetzt angenommen: Es gäbe das mit den Dienstwägen gar nicht.
          –> Ganz viele von diesen “Unentschlossenen” würden entscheiden: “Ach, 100 Euro Privatauto ist mir zu teuer. Ich steige um auf ÖPNV”

          Und jetzt für den Fall es GIBT die Dienstwagenmöglichkeit:
          –> Dann sagen diese “Unentschlossenen”: “Hmm, 100 Euro Privatauto is mir zu teuer. Ich kaufe dieses Privatauto nicht! Aber eigentlich will ich ja autofahren. Ahhh, es gibt ja dasselbe(!) Auto als Dienstwagen, für nur 60 Euro! 100 Euro waren mir zwar zuviel, aber für 60 Euro nehm ich es!”

          Folglich: Durch die Dienstwagenmöglichkeit fahren (im gesamten betrachtet) mehr Menschen Auto, als wenn es diese Dienstwagensache nicht gäbe.

        • @JasminD:
          Ich glaube, jetzt liegt bei dir ein Denkfehler vor. :-)

          Was du (mit deinen Phantasiezahlen) beschreibst ist im Wesentlichen alles richtig. Aber:
          Der unentschlossene hat ja nun einmal nicht einfach so die Möglichkeit, jetzt den Dienstwagen für 60€ zu nehmen. Das kann er eben nur dann, wenn der Arbeitgeber die 100€, die er als unentschlossener hätte zahlen müssen, übernimmt. Wenn der Arbeitgeber das tut, dann ist das faktisch eine Gehaltserhöhung. Insofern wäre der richtige Vergleich hier:

          Der Unentschlossene hat die Wahl zwischen
          – 60€ weniger netto durch die Steuern für den Dienstwagen
          – 100€ mehr Brutto, 100€ weniger netto für den privat gekauften Wagen
          – 100€ mehr Brutto, 10€ weniger nett für das ÖPNV Ticket.

        • @ Nadine

          Meine Kritik an Ulf die ich oben geäußert habe, beruhte nicht auf den Punkten die Du ansprichst.
          Ich diskutiere gerne über Sachthemen, hatte aber das Gefühl, dass Ulf diese Diskussion abgebügelt hat.
          Pauschal zu Deinen Punkten: Wir folgen der gleichen Logik, ziehen aber unterschiedliche Schlussfolgerungen daraus.

          ***************************
          “In meinem Fall ist der Firmenwagen eine Art Gehaltserhöhung. Jetzt einen Wagen zu wählen, der genau so viel kostet wie ein privat finanziertes Fahrzeug fand ich nicht sinnvoll. Dann hätte ich bei gleichen Kosten ein großes Fahrzeug gefahren. Ich habe mich für einen klassischen Familienkombi entschieden fahre damit in der gleichen Fahrzeugklasse wie vorher.”
          Damit sagst du ja gerade, dass sich die Dienstwagenmöglichkeit finanziell lohnt.
          Folgendes lese ich aus deinen Zeilen heraus:
          1. Bei gleichen(!) Kosten würde ich einen größeren(!) Dienstwagen erhalten als ein Privatauto.
          2. Dasselbe(!) Auto würde ich als Dienstwagen billiger(!) fahren können verglichen mit als Privatauto.
          Diese 2 Zeilen sind korrekt. Aber daraus folgt ja gerade:
          –> Die Dienstwagenmöglichkeit macht Autofahren attraktiver!
          ***************************

          Hier unterscheiden wir uns. Die Dienstwagenmöglichkeit macht für mich persönlich das Autofahren preisgünstiger aber nicht attraktiver.
          (Wenn ich diesen Satz lese, klingt das schon fast philosophisch)
          Was ich sagen möchte ist: Für mich ändert sich nicht das Autofahren. Ich fahre weder ein größeres Auto noch fahre ich mehr. Ich habe einfach mehr Geld netto in der Tasche und kann mit meiner Frau einmal öfter ins Restaurant.

          Mein kompl. Fahrverhalten hat sich durch den Dienstwagen nicht geändert.
          Wie oben geschrieben, kann ich Deiner Logik folgen, teile aber die Schlussfolgerung nicht.

          ***************************
          Man betrachte alle Leute, die kurz davor stehen, das Privatauto für 100 Euro zu kaufen, aber sie sind sich unsicher, ob ihnen das zu teuer ist. Sie überlegen und überlegen, ob sie wirklich das 100Euro-teuro Auto kaufen oder nicht. Es erscheint ihnen sehr teuer. Ich nenne diese Personengruppe mal “die Unentschlossenen”. Sie sind unentschlossen, ob sie wirklich diesen hohen Preis von 100 Euro zahlen sollen.
          Und jetzt angenommen: Es gäbe das mit den Dienstwägen gar nicht.
          –> Ganz viele von diesen “Unentschlossenen” würden entscheiden: “Ach, 100 Euro Privatauto ist mir zu teuer. Ich steige um auf ÖPNV”
          Und jetzt für den Fall es GIBT die Dienstwagenmöglichkeit:
          –> Dann sagen diese “Unentschlossenen”: “Hmm, 100 Euro Privatauto is mir zu teuer. Ich kaufe dieses Privatauto nicht! Aber eigentlich will ich ja autofahren. Ahhh, es gibt ja dasselbe(!) Auto als Dienstwagen, für nur 60 Euro! 100 Euro waren mir zwar zuviel, aber für 60 Euro nehm ich es!”
          Folglich: Durch die Dienstwagenmöglichkeit fahren (im gesamten betrachtet) mehr Menschen Auto, als wenn es diese Dienstwagensache nicht gäbe.
          ***************************

          Auch diese Schlussfolgerung teile ich nicht.
          Menschen ohne Dienstwagen unterteile ich in 2 Gruppen. Die Gruppe mit einem privaten PKW und die Gruppe ohne PKW.

          Menschen die bereits einen privaten PKW nutzen und jetzt zu einem Dienstwagen wechseln, werden aus meiner Erfahrung nicht ihr Fahrverhalten ändern. Sie haben nur mehr Geld in der Tasche, fahren aber nicht mehr Kilometer. Es ändert sich ja nicht plötzlich der Alltag.

          Menschen mit einem privaten PKW die überlegen, den PKW abzugeben und zum ÖPNV zu wechseln. Ich glaube, diese Gruppe ist überschaubar klein. Jemand der sich heute einen PKW leistet obwohl er die Alternative ÖPNV hat, wird diesen nicht unbedingt abgeben. Dies träfe ja auch nur auf Menschen in größeren Städten zu, in denen es ein vernünftiges ÖPNV-Angebot gibt.
          Wenn jemand in dieser Situation einen Dienstwagenangeboten bekommt, wird er diesen wahrscheinlich nehmen.
          Ob er jetzt mehr Auto fährt oder das gesparte Geld in ein ÖPNV-Ticket steckt kann ich echt nicht beurteilen.

          Dann gibt es noch Menschen ohne PKW. Ob jemand der heute ohne PKW und nur mit ÖPNV unterwegs ist, plötzlich einen Dienstwagen nimmt? Wenn ja, dann hättest Du recht.

          Ich glaube insgesamt nicht, dass mehr Auto gefahren wird wenn es die Dienstwagenregelung gibt. Das widerspricht einfach meiner persönlichen Erfahrung.

          Das liegt am Ende auch daran, dass Du als Angestellter nicht einfach zu Deinem Chef gehst und sagst: Ich will einen Dienstwagen. Ein Dienstwagen kostet das Unternehmen natürlich Geld und Dein Chef wird sich überlegen ob Du ihm dieses Geld wert bist.

          Teilweise sehe ich sogar ökologische Vorteile bei diesem Thema.
          Ich meinem Fall steht jetzt nur ein PKW auf der Straße und nicht zwei.

          Wir sind uns einig, dass wir grundsätzlich den Schadstoffausstoß reduzieren wollen. Ich glaube, dass der bessere Weg über eine CO2-Steuer (in welche Form auch immer) und der Förderung effizienterer Systeme führt.

          Damit hätten wir auch die ganze Diskussion zum Thema SUV etc. vom Tisch. Ein Verbraucher (egal ob PKW oder Heizung oder…) kostet einfach mehr Geld und wird dadurch unattraktiv.
          Wenn dann noch der ÖPNV bei uns auf dem Land ausgebaut wird, bin ich glücklich.

          Den Vorschlag von Ulf & Philip die Einnahmen aus einer solchen Steuer direkt wieder an die Bürger auszuschütten finde ich ebenfalls gut.

        • Vielen Dank euch beiden für eure ausführlichen hilfreichen Antworten :-)!
          Ich lese sie in Ruhe und überdenke gerne nochmal meine Überlegung!

      • Ich gehöre zu den Dienstwagen-Fahrer und werde ab Anfang nächsten Jahres einen Hybrid fahren. Daher will ich ein paar persönliche Erfahrungen und Gedanken mit einbringen.

        – Dienstwagen = SUV
        Diese oft gemachte Gleichsetzung kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Es entsteht der Eindruck, alle Dienstwägen seien SUVs. Ich kenne keine Zahlen für die Allgemeinheit, bei mir in der Firma kommt auf ca. 10 Dienstwagen nur ein SUV, die meisten anderen sind das was man als Golf-Klasse bezeichnet. Selbst wenn das nicht repräsentativ ist, verstehe ich die Gleichsetzung nicht.
        Ich finde, man muss die Argumentation in Bezug auf Dienstwagen und dem Fahrzeugtyp trennen. Ich stimme dem Argument gegen Dienstwagen zu, dass mit den aktuellen Regelungen und Rahmenbedingungen das Fahren von SUVs und anderer unnötig großer Autos begünstig wird. Es werden aber auch häufig Argumente gegen SUVs automatisch auch als Argumente gegen Dienstwagen gesehen, was ich nicht für richtig und sinnvoll erachte.

        – 0,5% für Elektro- und Hybridautos
        Die fehlende Thematisierung der 0,5% statt 1% für Elektro- und Hybridautos wurde ja bereits angesprochen. Mich hat das ebenfalls beim Hören irritiert. Wenn ich es richtig verstanden habe, war nun zuletzt das Argument, dass damit ja Dienstwägen noch billiger und damit Autofahren interessanter wird.
        Das kann ich nachvollziehen, aber ich sehe darin aber nicht nur das Schlechte, sondern eben auch die (oftmals geforderte) ökologische Lenkungswirkung. Gerade deshalb hat es verwundert, dass es nicht stärker thematisiert wurde. Ob diese ökologische Lenkungswirkung nun gut oder schlecht umgesetzt ist, ist nochmal ein anderes Thema.
        Für mich persönlich bedeutet es, dass mein nächster Dienstwagen ein Hybrid sein wird. Dafür habe ich unseren Geschäftsführer überzeugen können, dass er in unserer Tiefgarage Ladestationen installieren lässt (was ihn durchaus viel Geld kostet, was mit erst dem Gebäudebesitzer geklärt werden musst, usw.). Inzwischen zeichnet sich auch ab, dass mittelfristig der Großteil unserer Dienstwagen-Flotte auf Hybride umgestellt wird.

        – Dienstwagen als Chance?
        In einer der letzten Folgen kam das Argument, dass Dienstwagen eine sehr große Wirkung auf den Gebrauchtmarkt hat. Daher seien Dienstwagen schlecht, da damit ja die ganzen SUVs im Anschluss auf dem Gebrauchtmarkt fluten.
        Da ich aber gerade den Trend zu den Hybriden bei uns beobachten kann, wäre aber gerade das auch ein Argument für Dienstwagen und der steuernden Wirkung der 0,5% Besteuerung. Würde ich mir privat ein Auto kaufen, wäre das ein mehrere Jahre alter Benziner. Zum einen wegen den hohen Anschaffungskosten (die Hybriden/Elektroautos sind deutlich teurer im Neupreis), zum anderen auch weil ich in meiner Mietwohnung in der Tiefgarage keine Möglichkeit für eine Ladestation habe. Dieses Auto würde ich dann auch vermutlich die nächsten 10 Jahre fahren. Statt also Anfang nächsten Jahres einen Hybriden zu fahren, wäre ich mit einem Privatauto erst Jahre später elektrisch unterwegs.
        Ich sehe hier in Dienstwagen grundsätzlich durchaus eine Chance zeitnah und flächendeckend andere Antriebstechnologien einzuführen, was dann hoffentlich auch eine flächendeckendere Infrastruktur (Ladestationen) mitzieht. Wenn Anreize geschaffen werden, dass Hybrid/Elektroautos (im besten Fall speziell die kleinen, sparsamen Varianten) gefördert werden, kann ich mir gut vorstellen, dass dann in ein paar Jahre eben Hybride und Elektroautos statt SUVs auf den Gebrauchtmarkt gespült werden.

        – Hybrid ein Irrweg?
        Ja, ich weiß auch, dass viele Hybride nur über Ihren Verbrenner betrieben werden. Für mich ist es aber nicht ersichtlich, warum die Hybridtechnologie damit gleich ein kompletter Irrweg sein soll, nur weil es möglich ist. Selbst wenn viele der Dienstwagen-Fahrer ihre Hybriden nicht über die Batterie betreiben, sollte man doch nicht gleich alle Hybrid-Besitzer in den gleichen Topf werfen. Wir schaffen z.B. extra Ladestationen an, meinen Arbeitsweg werde ich mit dem Hybriden zukünftig rein elektrisch zurücklegen.
        Wenn die Subvention von Hybriden in der der aktuellen Form am Ziel vorbei geht, dann würde ich dafür plädieren, diese anders zu gestalten. Und sei es über Rechnungen für die Lade-Kosten über den Lohnsteuerjahresausgleich oder ein CO2 Messgerät in jedem Auspuff (nur mal aus der Hüfte geschossen). Ich bin mir sicher, es finden sich Lösungen wie das besser umsetzbar wäre.
        Streicht man diese einfach nur komplett, werden die Leute deshalb nicht auf ÖPNV umsteigen (oftmals, weil sie es gar nicht können), sondern viele werden einfach weiter Benziner/Diesel fahren. Das betrifft dann vielleicht auch die, die den Hybrid sinnvoll einsetzen.

        – Dienstwagen vs. Privatauto vs. ÖPNV
        Auch wenn man Dienstwagen komplett streicht und stattdessen den Leuten die Differenz als Gehalt auszahlen würde, bezweifle ich, dass die große Masse auf ÖPNV umsteigen wird.
        Als Beispiel meine persönliche Situation: Ich wohne außerhalb von München, meine Arbeitsstelle ist am Rande von München (ich muss also nicht in die Innenstadt). Mein Arbeitsweg beträgt 24 km (mit dem Auto). Mit dem von mir favorisierten Hybriden sind laut Hersteller 60 km rein elektrisch möglich. Ich kann also mein Auto in der Arbeit laden und meinen Arbeitsweg rein elektrisch zurücklegen. Mit einem Privatauto wäre ich mit Benzin unterwegs, da mir schon allein die Lademöglichkeit daheim fehlt (weder in der Tiefgarage noch in der Umgebung).
        Mit ÖPNV bin ich die einfache Strecke, statt ca. 25-30 Min mit dem Auto, um die 60 Minuten unterwegs (quer durch die Stadt, zweimal umsteigen). Das sind täglich ca. 1 Std mehr. Dazu ist die Zuverlässigkeit eine Katastrophe und verpasste Anschlüsse die Regel. Jetzt kann sich jeder selbst fragen, ob sie/er dazu bereit wäre täglich ca. 1+ Std mehr für den Arbeitsweg zu erübrigen, selbst wenn er die Kosten dafür nicht selbst tragen müsste. Selbst ohne Dienstwagen und selbst wenn das 365 Euro Ticket für alle kommen würde, würde ich vermutlich lieber mit dem Privatauto fahren, als täglich diesen zusätzlichen Zeitaufwand in Kauf zu nehmen.
        Ich hatte deshalb auch schon überlegt umzuziehen, vergleichbare Wohnungen kosten aber in München und in der direkten Umgebung um die 500 Euro mehr.
        Ohne bezahlbaren Wohnraum in der Nähe meiner Arbeitsstätte und ohne einen gut ausgebauten und zuverlässigen ÖPNV, bin ich auf ein Auto angewiesen. Und in diesem Fall würde ich aus ökologischer Sicht behaupten, lieber einen Hybriden als Dienstwagen als einen Benziner als Privatauto, speziell wenn ich den Arbeitsweg rein elektrisch zurücklegen kann.

        – Fahrverhalten Dienstwagen vs. Privatauto
        Ich fahre weite Strecken gerne mit dem Zug, sowohl beruflich wie auch privat. Ich habe sogar zusätzlich zum Dienstwagen beruflich eine Bahncard, dass schließt sich ja nicht aus (zumindest in meiner Firma nicht). Auch zu Termine in der Münchner Innenstadt nehme ich gerne die S-Bahn, allein weil es in die Innenstadt so gerne mal schneller geht (kommt allerdings drauf an wo in der Stadt) und ich vor allen keinen Parkplatz brauche. Es ist also nicht so, dass man mit Dienstwagen die öffentlichen Transportmittel komplett meidet. Oder bin ich damit eher eine Ausnahme?
        An meinem privaten Fahrverhalten würde sich ohne Dienstwagen vermutlich nicht so viel ändern. Ich schätze, ohne Dienstwagen würde ich vielleicht 5-10% weniger fahren. Allerdings hauptsächlich deshalb, weil ich, z.B. bei Ausflügen, im Freundeskreis in der Regel der Fahrer bin. Ohne Dienstwagen würden sich die Fahrten auf mehrere Personen verteilen, aber insgesamt nicht weniger werden.
        Dazu kommt, Dienstwagen sind Leasingfahrzeuge, Leasing wird für eine bestimmte Laufleistung abgeschlossen. Wir müssen monatlich den KM-Stand melden und es wird darauf geachtet, dass wir die Laufleistung des Leasings nicht überziehen. Also auch wenn ich das Auto privat nutzen darf, heißt es nicht, dass ich damit beliebig viel fahren kann.
        Trotzdem, wenn ich z.B. 10% weniger mit dem Privatauto fahren würde, was ist ökologisch vorteilhafter: 18000 km im Jahr mit Benziner/Diesel oder 20000 km mit einem Hybrid (davon ca. 12000 km rein elektrisch über Kurzstrecken/Arbeitsweg)?

        – Mein Fazit
        Ich halte es für gut und sinnvoll die Anzahl von Autos und den individuellen Verkehr zu reduzieren. Nur, mir fehlt aktuell noch die große Vision wie uns das als Gesellschaft zeitnah in wirklich merkbaren Größenordnungen gelingen soll. Dazu wird es auch in Zukunft immer Gründe für Autos geben, allein schon, weil man mit dem ÖPNV nicht alles abdecken kann.
        Mit (richtig eingesetzten) Hybriden und Elektroautos sehe ich aktuell eine realistische Möglichkeit zeitnah ökologisch etwas zu bewirken. Und Dienstwagen halte ich dabei für einen sehr guten Hebel, der jetzt vielleicht noch nicht richtig eingesetzt wird. Ich würde mir wünschen, dass dieser Hebel nicht abgeschafft, sondern sinnvoll genutzt wird.
        Es ist auch klar, dass Hybridautos keine finale Lösung sein können, aber das müssen sie ja auch nicht. Das ist aber eine Technologie die jetzt aktuell vorhanden ist und die einen ökologischen Vorteil gegenüber der üblichen Verbrenner hat. Gerade sitzt jeden Tag jemand in seinem Büro oder auf seiner Couch und tritt eine Entscheidung, ob ein Benziner/Diesel oder Hybrid bestellt wird. Die Entscheidung ob Auto oder ÖPNV ist zu diesem Zeitpunkt bereits gefallen. Ich glaube, dass es (heute) sinnvoll ist, dass es ein Hybrid wird.

        Danke fürs lesen
        Simon

        • Ich appelliere an dich persönlich, weiter nach anderen (Teil-)Lösungen für deine Mobilität zu suchen und dich ggf. auch in der lokalen Politik zu engagieren bzw. dort vorstellig zu werden. Mir fallen spontan folgende Dinge ein, die ggf. zu weniger Emissionen führen könnten:
          – ein reines E-Auto, nicht ein Hybrid
          – Fahrgemeinschaften bilden
          – Dir eine E-Roller zulegen (kleinere Masse)
          – versuchen, häufiger (z.B. einmal die Woche) Home-Office zu machen.
          – gelegentlich ÖPNV fahren
          – sich für besseren ÖPNV einsetzen

    • Hallo Johannes,
      mir geht es ganz ähnlich wie dir. Zu deinem finalen Wunsch:
      “Ich würde mich freuen, wenn Ihr wieder zur alten Form zurückfinden würdet – gerne mit etwas weniger persönlicher Meinung aber vor allem mit neutraler Recherche und Tatsachenberichterstattung.”

      Ich finde die persönlichen Meinungen durchaus hörenswert und berechtig. Ich denke aber, dass die Menge der sachlichen Fehler zurückgehen muss.

    • “Seit dieser Zeit verwende ich für möglichst objektive Recherchen eine Kombination aus virtueller Maschine, VPN und zB Brave als Browser. So etwas möchte ich auch Euch ans Herz legen. ”
      Also man kann es auch sehr übertreiben. Inwiefern hilft dir eine VM, die Filterblase zu meiden? Am ende liegt es an dir welchen Quellen du glauben schenken willst!

      Apropos Filterblase: Ich finde deine Äußerung, dass in deiner Arbeitsstätte und deine Kollegen nur noch Hybrid-Autos als Firmenwagen zugelassen werden und gefahren werden, sehr Amüsant. Weil die Statistiken ein anderes Bild Zeichnen. Denn laut dem Kraftfahrbundesamt lag der Anteil von denn Neuanmeldungen von Hybridfahrzeuge nur bei 7,7%(Im September, wobei die Vormonatswerte bei 6-8% rangieren).
      Selbst hier befindest du dich in deinem echten Leben, ohne irgendwelche “Manipulationen” von Google und Co., in einer Filterblase.

      https://www.kba.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/Fahrzeugzulassungen/pm22_2019_n_09_19_pm_komplett.html?nn=2141748

      • Hallo Walter,

        ich bin Firmenwagen Fahrer und mein Leasing läuft Ende des Jahres aus. Ich habe mich mit dem Thema Hybride und Leasing gerade sehr intensiv auseinander gesetzt.
        Aus meiner Sicht kannst du die aktuellen Neuanmeldungen für Hybridfahrzeuge bis zum September nicht werten. Bis vor kurzem gab es bei Mercedes, VW und den anderen klassischen Firmenwagen-Hersteller so gut wie keine Hybrid-Modelle im Angebot. Das hat sich jetzt Ende September zur IAA geändert. Erst jetzt ist es also möglich z.B. einen Passat oder eine C-Klasse als Hybrid zu bestellen. Interessant werden also die Zulassungen ab diesem Oktober.
        Bei mir in der Firma fangen also jetzt alle an umzusteigen. Und das wird sich die nächsten 3 Jahre ziehen, bis dann alle alten Leasingfahrzeuge ausgelaufen sind.

        Schöne Grüße
        Simon

  77. Hallo!

    Kleine Präzision:
    Extinction Rebellion rebelliert nicht nur gegen das Aussterben der Menschheit, sondern auch gegen das Massenaussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, das bereits im vollen Gange ist.
    https://www.nature.com/articles/nature09678

    Gruß
    Anne

  78. Hallo Ihr,

    ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Ihr beim Thema Auto und auch Pendlerpauschale oder Firmenwagen einfach zu dogmatisch seid und alle Gegenargumente einfach pauschal zur Seite wischt.
    Ein Zuhörer weist Euch daraufhin, dass Eure Rechnung nicht stimmt und Euer Kommentar “Nö das überzeugt mich nicht”. Ganz ehrlich das ist ein bisschen sehr wenig.
    Und was die grundsätzliche Kritik am Auto angeht … ja … wenn ich in Berlin wohnen würde, hätte ich auch kein Auto. Aber Ihr ignoriert einfach total pauschal, dass nicht alle in Berlin oder Hamburg wohnen. Und die SPD kann man wirklich für viele Dinge kritisieren – der SPD zum Vorwurf zu machen, dass Sie sich darum kümmert, dass nicht nur Richter und Journalisten in Berlin damit leben können, zeugt schon für ein gerüttelt Maß an Arroganz auf Eurer Seite.

    Beste Grüße,

    Roland

    • Was haben wir der SPD denn Deiner Ansicht nach vorgeworfen? Vielleicht hörst du dir die Stelle noch einmal an, eher Du hier so austeilst. Deine Kritik hat jedenfalls mit unserem Statement in der Lage nichts zu tun.

      • Rein sachlich: Ihr habt der SPD vorgeworfen, am 10€/t CO2 Preis verantwortlich zu sein – die Unionsfraktionen seien mit einem höheren Preis in die Verhandlungen eingestiegen.

  79. Hallo ihr zwei,

    im großen eine schöne Folge. Von der Auseinandersetzung mit der geäußerten Kritik zur Pendlerpauschalen-Bewertung aus Folge 159 in dieser Folge war ich allerdings – gelinde gesagt – ziemlich schockiert. Ihr (in dem Fall konkret: Ulf) seid im Wesentlich überhaupt nicht auf den geschilderten Fall eingegangen, habt lediglich ein “Siehste, deshalb haben wir doch noch mehr recht” – ohne wirkliche Auseinandersetzung – in den Ring geworfen. Der Kritiker bekommt ja gerade kein Mittelklasse-Passat von seinem Arbeitgeber, sondern hat sich für ein ÖPNV-Dauerticket entschieden. Ich bin (vermutlich) in einer ähnlichen Situation wie der Kritiker: Ich könnte gegen Gehaltsumwandlung einen Dienstwagen bekommen. Nach meiner Einschätzung lohnt sich das jedoch nicht, und ich habe mir privat einen PKW gekauft. Grund dafür ist eben, dass die steuerliche begünstigung (finanzierung des PKW aus dem Bruttogehalt, PKW als “Betriebsausgaben”) eben NICHT die steuerliche belastungen (1% Regel, Entfernungs-Besteuerung) ausgleichen. Insofern verstehe ich immer den Begriff “Dienstwagenprivileg” nicht so ganz.

    Die Lage höre ich insbesondere deshalb gerne, weil sich hier differenziert mit Themen auseinandergesetzt wird und dann bewertet wird. Außerdem stellt ihr euch Kritik und seht eigene Fehler ein. Das ist toll. In den letzten Folgen habe ich aber immer mehr das Gefühl, dass Ihr polemisch mit verschiedenen Themen umgeht – insbesondere der Pendlerpauschale und Autos. Ich sehe die negative Lenkungswirkung der Pendlerpauschale vollständig ein – ich vermisse bei euch die differenzierte Auseinandersetzung von Folgen der “Begrenzung” irgendwelcher Kosten auf betrieblicher Ebene. Wo hört so eine Einschränkung auf? Wie sieht es mit einer LKW-Spedition aus – hier werden auch Kosten für Betriebsfahrzeuge angesetzt die weit jenseits von 30ct/km liegen – und das ist (vermutlich unumstritten) auch in Ordnung so. Steuerung durch regulierung ist immer enorm diffizil, hat Seiteneffekte oder man muss merkwürdige Abgrenzungen oder Sondereffekte “nachregulieren”. Es entstehen entweder unvorhersehbare Verhaltensweisen, die so möglicherweise ungewünscht sind, oder komplizierte Gesetze die keiner mehr versteht. Beides will man nicht.

    Ich wünsche mir wirklich wirklich wirklich sehr stark, dass Ihr in Zukunft wieder sachlicher werdet, und unreflektierte Polemik wieder aus der Lage verschwindet.

    PP

    • Was genau war jetzt Deiner Ansicht nach polemisch?

      • Polemisch: “Ziel ist, die eigene Meinung auch dann durchzusetzen, wenn sie sachlich nicht oder nur teilweise mit der Realität übereinstimmt.”

        Ihr habt zum einen sachliche Kritik überhaupt nicht angenommen, sondern merkwürdig probiert, dass als eigentliche Stützung eurer These zu werten. So Ulf in der aktuellen Folge: “Ich hab das jetzt nicht genau durchgerechnet, aber trotzdem stimmt das”. Dann seit Ihr auf den Fall des Kritikers nicht eingegangen sondern seid von Annahmen ausgegangen “Der Arbeitgeber zahlt viel zu viel für das Auto, und außerdem gibt’s ne Tankkarte” – das hat der Kritiker (Christian) aber überhaupt nicht gesagt – vermutlich stimmt es nicht.

        Dann behauptet Ihr Dinge über steuerliche Absetzbarkeit und Betriebskosten von Autos, die einfach falsch sind.

        Schließlich habt Ihr Forderungen zur betrieblichen Absetzbarkeit von Betriebsmitteln, ohne über etwaige Konsequenzen (außer dem gerade im Fokus stehenden “Fahrer mit dickem SUV”) nachzudenken. (Gut – ich möchte hier nicht unterstellen, dass Ihr darüber nicht nachgedacht habt. Aber zumindest habt ihr nicht darüber geredet.)

        Nach meiner Einschätzung kann man das dann tatsächlich sachlich richtig als “polemisch” bezeichnen.

        • Hallo zusammen,

          ich glaube es wäre sinnvoll, das Ganze an Christians Beispiel nochmals zu rechnen, alles erst einmal ohne Tankkarte:

          Für die Fahrten zur Arbeit muss er monatlich 0,03% * Listenpreis für den Entfernungs-km ansetzen. In seinem Fall (LP 40.000 Euro) monatlich 12 Euro pro Entfernungskilometer oder 6 Euro pro tatsächlichem km. Nehmen wir durchschnittlich 18 Arbeitstage an sind das also 33 ct/km. Das muss er als geldwerten Vorteil angeben der besteuert wird und teilweise sozialversicherungspflichtig ist. Hier muss ich einen Prozentsatz annehmen, z.B. 40%? Dann kostet ihn das also 13ct/km. Das ist schon ein niedriger Wert. Ich schätze ein eigenes Auto in dieser Klasse (und so neu wie ein Dienstwagen) hätte deutlich mehr Wertverlust/Wartungskosten etc. pro km (vielleicht um die 20ct/km?).

          Christian hatte geschrieben er nutzt stattdessen ein ÖPNV Ticket für jährlich 2000 Euro. Das ist in seinem Fall natürlich viel billiger als der Dienstwagen (ca. 7ct/km). Ich selbst zahle ca. 19ct/km, um mit dem ÖPNV zur Arbeit zu kommen. Da ist der Dienstwagen dann immer noch teurer, wenn man keine Tankkarte dabei hat, aber der Unterschied ist nicht mehr groß.

          Für die Privatfahrten muss man pauschal monatlich 1% * Listenpreis ansetzen, also im Beispiel 400 Euro. Netto bedeutet das (wieder mit 40% gerechnet) 160 Euro. Nehmen wir an, privat werden 1000 km/Monat gefahren, dann sind das 16ct/km, erneut ein niedriger Wert. Der wird natürlich umso besser, je mehr privat gefahren wird. Bei 1500 km/Monat sind es nur noch 11ct/km.

          Bei E-Dienstwagen oder Hybriden halbieren sich die ganzen Pauschalen. Das sind dann nur noch 6.5 ct/km für die Fahrten zur Arbeit und 8 ct/km für Privatfahrten (bei monatlichen 1000 km). Da kann dann in vielen Fällen der ÖPNV nicht mehr mithalten (auch wenn man das Benzin noch hinzurechnet). Das heißt hier wird auf der einen Seite E-Technologie gefördert, dabei aber der ÖPNV gleichzeitig gegenüber dem Dienstwagen unattraktiver.

          In vielen (den meisten?) Fällen wird vom Arbeitgeber mit dem Dienstwagen auch noch eine Tankkarte ausgegeben, manchmal mit Einschränkungen, z.B. nur innerhalb Deutschlands nutzbar. Steuerlich ist die mit den ganzen Pauschalen oben schon abgegolten! Das heißt, dann gelten die Werte oben inklusive Benzin:
          13ct./km für die Fahrten zur Arbeit (6,5ct/km bei E-Technologie)
          16ct/km für Privatfahrten bei 1000km/Monat (8ct/km bei E-Technologie).

          Mein Fazit: Ulf hat mit seiner Kritik Recht. Die Nutzung von Dienstwagen ist damit steuerlich begünstigt. Damit ist es für Arbeitgeber und Arbeitnehmer attraktiv eine Entgeltumwandlung für einen Dienstwagen inkl. Tankkarte vorzunehmen (oder eine Gehaltserhöhung über einen Dienstwagen laufen zu lassen). Es ist viel günstiger als ein eigenes Auto. Aber vor allem: In vielen Fällen ist es auch günstiger als den ÖPNV zu nutzen.

          Ich bin kein Experte in Steuerrecht, also möge man mir Fehler verzeihen und ggf. korrigieren.

        • Nachtrag: Sorry, ich glaube ich habe noch einen Denkfehler in der Rechnung. Denn so ist nicht berücksichtigt, dass der Arbeitnehmer ja wegen dem Dienstwagen auch weniger Bruttogehalt bekommt. Oder ich dürfte andersherum die Rechnung nicht auf 40% Netto beziehen.
          Brutto ist der geldwerte Vorteil:
          33ct./km für die Fahrten zur Arbeit (16,5ct/km bei E-Technologie)
          40ct/km für Privatfahrten bei 1000km/Monat (20ct/km bei E-Technologie)

          Dann sieht es aber so aus, als ob sich der Dienstwagen nur lohnt, wenn man eine Tankkarte dazubekommt und wenn man viel privat fährt (>1500 km/Monat) und/oder wenn E-Technologie verwendet wird.

        • @Martin:
          Vielen Dank für deine Rechnung und insbesondere den Nachtrag. Ein kleiner Hinweis: Die Grenz-Besteuerung (die relevant wäre) dürfte deutlich über 40% liegen. Bei Verheirateten kommt es mit 40% bei vielen Familieneinkommen so etwa hin – als Single für den ein Dienstwagen in Frage kommt (das sind in der Regel keine Arbeitnehmer mit <20k€ Jahresgehalt) liegt der relevante Steuerbetrag eher bei 48% bis deutlich über 55%

          siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Grenzabgabenlast

          Das ist ein sehr relevanter Parameter in der Frage, ob sich ein Dienstwagen lohnt.

  80. Der höchste Feiertag der Juden ist der shabbes. http://www.hagalil.com/judentum/feiertage/kippur/versoehnungstag.htm steht falsch in der Wikipedia, machen viele falsch.

  81. Thema Syrien:

    Donald Trump hat wenig Interessen in Syrien, wir allerdings schon.
    Warum setzten wir nicht das Deutsche/Europäische Militär ein, um die Grenze zu sichern und damit unsere Interessen zu vertreten?

    Ich finde es doppelmoralisch, die USA für etwas zu kritisieren, das wir auch selber machen könnten!

  82. Sehr geehrte Damen und Herren,

    die Kritik in den Kommentaren bezog sich vor allem auf Ihre offensichtlichen FALSCHAUSSAGEN bezüglich der Pendlerpauschale. Es lassen sich als angestellter Arbeitnehmer eben nicht wie von Ihnen behauptet die tatsächlichen Kosten absetzen, man ist im Gegenteil beim Arbeitsweg an die Pauschale von 0,30 ct pro km gebunden.

    https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/wann-duerfen-tatsaechliche-fahrzeugkosten-abgezogen-werden/150/3098/318712

  83. Bitte um relevantere Fokussierung

    Ist ein Verhalten (als) richtig (erkannt) (und wird – günstigenfalls – schon von vielen Bürgern befolgt ;-), können in direkter Adressierung weitere “Follower” durch
    – Überzeugungsarbeit,
    – steuerliche Reize und/oder
    – gesetzliche Zwangsvorgaben
    dazu gebracht werden, um einer guten Sache willen auch “Opfer” zu bringen.

    Steuergesetze haben m.E. aber leider nur einen allzu diffusen Lenkungseffekt, denn
    – Steuerpflichtige mit hinreichender Finanzkraft können sich weiterhin ohne für sie große Mühen “freikaufen”,
    – Wenigverdienern bleibt nur die Wahl zwischen Vermeidungsmehraufwand oder Strafkosten und
    – die resultierende Ungerechtigkeit schreit nach Ausgleichsregularien samt unvermeidlicher Zusatzbürokratie.

    Die Ausleuchtung von allerlei Facetten dieser Variante hat eure Aufmerksamkeit in letzter Zeit m.E. weit über Gebühr beansprucht!

    Lob

    Den Fach-Ausflug von Ulf (diesmal ins Naturrecht) fand ich (wie schon öfter) als juristischer Laie hochinteressant.

  84. Ich bitte euch, die Namen von Terroristen wie dem in Halle nicht mehr zu nennen. Das ist keine wesentliche Information, befriedigt das Ego des Mörders und regt damit Nachahmer an, die die gleiche Bekanntheit erreichen wollen. Damit haben Namen solcher Täter in einer seriösen Berichterstattung mMn nichts verloren.

    • Ein wie ich finde guter Ansatz. Einfach nur noch Attentäter von sagen. Verschwinden sie etwas in der Anonymität ohne dass es die Berichterstattung irgendwie beeinflussen würde.

  85. Guten Morgen,

    und wieder ein toller, ausgewogener und sehr informativer Podcast.
    Nur das Thema SUV/ Autoverkehr ist mir zu emotional und das einzige Thema, bei dem ihr komplett die Argumente dritter wegwischt. Selbst wenn ihr darauf aufmerksam gemacht werdet, dass ihr in den letzten Folgen teilweise nicht die echten Kosten/ Verbräuche/ Sicherheit bedacht habt ist das Fazit: Egal – wir haben recht.

    Sorry – das passt überhaupt nicht zu allen sonstigen Beiträgen und Reaktionen.

    Grüße

    Franz

    • Du kannst uns doch nicht ernsthaft vorwerfen, dass wir ausführlich eine Kritik vorlesen und dann an unserer Wertung festhalten, wenn die Kritik dieser Wertung nicht entgegensteht?

      • Angenommen, das wäre richtig (die Kritik steht eurer Wertung nicht entgegen) – dann habt ihr diese Wendung ziemlich schlecht rübergebracht.

        Bei mir ist angekommen Kritiker: “Die Besteuerung von Dienstwagen hat bei mir dazu geführt, dass ich jetzt ÖPNV fahre.”
        Ihr: “seht ihr – die Besteuerung ist also vieeel zu niedrig.”

        Den Sprung hab ich mental einfach nicht hinbekommen.

        • “Die Besteuerung von Dienstwagen hat bei mir dazu geführt, dass ich jetzt ÖPNV fahre.” – Die Argumentation im Podcast war (reformuliert):
          Es geht darum, dass du die Kosten, die dir durch die Steuer beim Dienstwagen entstehen, mit den Kosten vergleichst, die du hättest, wenn du dir das Auto selbst zulegen würdest. Keine Kosten ist nicht. Die Steuern sind immer geringer als die Kosten für das eigene Auto. Das ist falsch. Die Kosten, die der Allgemeinheit auferlegt werden, noch nicht mit gerechnet. Wenn Kosten für ein Auto (Steuer oder selbst haben) höher sind als ÖPNV, dann ist das halt so. Dann kann der Homo Ökonomikus sich ja für die günstigere Variante entscheiden. Das ist dann (eine exisierende) Lenkungswirkung.

  86. 12. Oktober 2019 um 9:22 Uhr
    Anne-Katrin Hickmann

    Liebes Lageteam,

    Ich versuche gerade mich ohne eigenes Auto mit dem ÖV und Car Sharing Diensten fortzubewegen.
    Leider muss ich dabei regelmäßig feststellen, warum es einfach keine sinnvolle Alternative für viele Menschen werden kann. Wenn man versucht Termine pünktlich zu erreichen muss man dank der Bahn eigentlich immer mind. 1h Puffer einbauen. Und am Ende gibt es nur ein „wir bedauern uns für die Verspätung und wünschen einen guten Tag“. Bei Verspätungen unter einer Stunde gibt es keine Entschädigung, wenn man Termine nicht erreicht bekommt man auch keine Entschädigung. Würde ich so gegenüber meinem Arbeitgeber auftreten, wäre ich whs. die längste Zeit angestellt gewesen.
    Diese Probleme sind der Bahn ja nicht unbekannt. Ich finde, sie sollten mehr Verantwortung übernehmen, um als Unternehmen wirklich eine Alternative zum Auto darzustellen. Wenn ich eine Verbindung buche, dann muss ich mich darauf verlassen können, dass ich nicht 40-60min zu spät ankomme. Manchmal gibt es einfach keine früheren Züge. Wenn Verspätungen auftreten, dann sollten Kunden angemessen entschädigt werden, nicht erst bei Verspätungen von über 60min. Häufig zieht es weitere Probleme mit sich. Auch späte Verbindungen sollten häufiger Angeboten werden oder Kombiangebote mit attraktiven Übernachtungsangeboten in DB Hotels.

    • Es ist stark abhängig von den Strecken, ob die Bahn verlässlich ist oder nicht. Ich pendle seit ca. einem Jahr auf einer Strecke, für welche die Bahn 15 Minuten benötigt. Die Bahn fährt halbstündlich. Ich bin vielleicht vier oder fünf Mal eine halbe Stunde zu spät gekommen in den letzten 12 Monaten. Würde ich anderswo in der Region leben, könnte ich sogar ich alle zehn Minuten die S-Bahn nehmen. Mein Bruder fährt immer mit dem Auto von Köln und Düsseldorf und steht regelmäßig im Stau.

  87. Hallo Lage-Team,

    1. Peter hat Recht.

    2. Ihr versucht sachlich (objektiv) zu argumentieren und subjektiv zu kommentieren/bewerten. Die Balance gelingt euch meistens gut, teils werdet ihr der Komplexität der Realität trotzdem nicht gerecht, die vielen Reaktion auf die Pendlerpauschale/Firmenwagen etc. -Debatte zeigen das deutlich. Insbesondere die hier berührten Steuerrechtsbereiche sind ungenau berücksichtigt. An solchen Stellen dann gerne Experten hinzuziehen oder Detailtiefe verringern.

    3. Zur Sendung vom 3. Oktober und einem Teil der Kommentare und Herr Burmeiers Antworten dort: Ich denke die Lage sollte nicht der Ort sein, um für Beamte mehr Geld zu “fordern”, um dann auch noch in den Kommentaren valide Gegenargumente (Pension, Versicherung, hohe akademische Hürden, etc.) zu übergehen und nur die angreifbaren aufzunehmen. Das war mmn eher schlechter Stil und wirkte unsympathisch. Hier und generell gilt (und habt ihr auch bereits bewiesen): Man darf auch einsichtig sein, zurückrudern, neu bewerten, etc. und bräuchte nicht einen nicht zu haltenden Standpunkt mit Ellenbogen verteidigen. Übers Ziel hinausschießen kann passieren, abhaken, weitermachen.

    4. Herr Banse, nun räuspern sie sich doch gelegentlich einmal (off-mic). Das tut beim zuhören manchmal ein bißchen weh.

    5. Thematisch/Inhaltlich habe ich nichts beizutragen, da ich mich selbst nicht genügend informiere.

    6. Vielen Dank für eure Arbeit!

    • Ich hoffe, dass die in Entwicklung befindliche Neugestaltung der Kommentarsektion automatisiert solchen Trackingmüll wie die Facebook-Click-ID aus dem Link im übergeordneten Kommentar oder irgendwelche Affiliate-Parameter entfernen wird.

  88. Cdn oder dynamisch skalierte Webserver

    Habt ihr mal darüber nachgedacht, am Veröffentlichungsdatum dynamisch mehr Server hochzufahren, die den ersten peak abfangen? Trennung von Webseite (Kommentare) und ausliefern der mp3 Dateien? Oder ein CDN zu benutzen? Aktuell ist die Seite fast nicht erreichbar.

    • Für mich sieht es so aus als würde schon ein CDN verwendet. Funktioniert allerdings nicht sehr gut. https://imgur.com/jDuCh4T

      • Leute, hört doch mal auf, zur Technik zu spekulieren. Es ist ja nett, dass ihr uns helfen wollt. Aber es passt hier denke ich nicht hin. Zum einen ist das Setup für 99% der Menschen, die hier mitlesen, völlig irrelevant. Zum anderen hilft es uns auch nicht weiter, weil unser Setup viel komplexer ist als ihr denkt, sodass die Kommentare alle neben der Sache liegen.

  89. Dass Auschwitz nicht noch einmal sei, so formulierte Adorno den kategorischen, postfaschistischen Imperativ. Artikel 1 des Grundgesetzes postuliert exakt dasselbe. Und wie sieht es damit heute aus?

    – Die Kurden in Nordsyrien werden Edogan zum Fraß vorgeworfen, zermalmt unter deutschen Panzerketten, und Deutschland tut exakt nichts.

    – im Mittelmeer findet ein Massenmord durch Unterlassen statt, und Deutschland tut nichts.

    – in Libyen werden dieselben Flüchtlinge versklavt, ausgebeutet und dann zum Sterben liegen gelassen, und Deutschland tut exakt nichts.

    – Wo sich Deutschland allerdings hervortut ist (siehe oben): Fluchtursachen schaffen.

    – Das sich ändernde Weltklima bedroht die Lebensgrundlagen von über 2 Milliarden Menschen, und Deutschland ist nicht annähernd bereit zu tun, wozu es sich in Paris selbst verpflichtet hat.

    Die Maxime deutscher Politik scheint es nur noch zu sein, dass Auschwitz – wenn es nochmal sei – möglichst weit weg geschehe.

    “In Halle ist passiert, was in Deutschland unmöglich schien.” Frank-Walter Steinmeier.

    Wenn der oberste Vertreter eines Staates offenkundig nicht die geringste Ahnung hat, was in seinem Land vorgeht, dann muss man sich auch nicht wundern, dass Synagogen an Jom Kippur zehn Minuten lang unter Feuer liegen können, ohne dass Polizei auftaucht.

    Der faschistische Terror in Deutschland wurde und wird absichtlich ignoriert, indem man ihn einfach für “unmöglich” erklärt.

    Das Morden wird weitergehen, solange der Rechtsextremismus in Deutschland als Kavaliersterrorismus behandelt wird und die AfD als parlamentarischer Arm desselben wirken darf, solange es irgendwo in Deutschland noch Zusammenarbeitsgedanken mit den Faschisten gibt und eine andere Lösung als die übers StGB für möglich gehalten wird.

    Wer das nicht begreift, ist Teil des Problems. Faschismus ist noch nie irgendwo einem Friedensangebot gefolgt. Wer ihre Vertreter ins ZDF Morgenmagazin einlädt, ist ähnlich naiv wie Herr Biedermann in einem berühmten Max-Frisch-Drama.

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