LdN156 Landtagswahlen, Bildungsungleichheit, SPD-Parteispitze, Klimakabinett, Brexit

Du bist noch kein Abonnent/+?
Hier erfährst Du mehr über
Kuechenstud.io/+
Einloggen

| 324 Kommentare

Begrüßung

Landtagswahlen

Bildungsungleichheit

SPD-Parteispitze

Klimakabinett

Brexit

Feedback: Vermögenssteuer

Feedback: Mietendeckel

Bildnachweise

Hausmitteilung

324 Kommentare

  1. Hallo ihr beiden!

    Zu Anfang erst einmal vielen Dank für eure tolle Arbeit. Zur Treibhausgas-Bilanz von Elektroautos:

    Ihr habt natürlich Recht, wenn ihr sagt, dass die Treibhausgas-Bilanz von Elektroautos über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs IMMER besser ist als die anderer Antriebsarten. Das Wort IMMER hängt allerdings von einer entsprechend langen Nutzung des Elektroautos ab, was meiner Meinung nach deutlicher heraus gestellt werden sollte.

    So zeigt der ADAC in seiner aktuellen Motorwelt Zeitschrift eine Lebenszyklus-Analyse der Forschungsgesellschaft Joanneum Research. Demnach spielt ein im Strommix betriebenes Elektroauto im Vergleich zu Benzin und Diesel seine Vorteile erst nach ca. 127.500 km oder 8,5 Betriebsjahren bzw. ca. 219.000 km oder 14,6 Betriebsjahren aus.

    Erst mit Nutzung von regenerativem Strom zeigt sich eine deutliche Verbesserung der Treibhausgas-Bilanz von Elektrofahrzeugen. Deshalb ist der Ausbau der erneuerbaren Quellen zur Stromerzeugung zur Schaffung eines ausreichenden Angebots regenerativ erzeugter Energien sowie Versorgungsnetze, die an die neuen Bedingungen angepasst sind, zwingend erforderlich.

    Da uns der Strommix allerdings noch einige Jahre begleiten wird, heißt IMMER somit aktuell nach 8,5 bis 14,6 Betriebsjahren.

    https://www.adac.de/verkehr/tanken-kraftstoff-antrieb/alternative-antriebe/co2-treibhausgasbilanz-studie/

    Glückauf!
    Ralph

    • Du hast natürlich Recht, aber ich finde es müßig darauf hinzuweisen, das Elektroautos natürlich mit Ökostrom betrieben werden müssen. Da sind wir zwar etwas ins Stocken geraten, aber verglichen mit anderen Feldern sieht es bei der Stromwende relativ gut aus, so dass ich davon ausgehe, dass wir uns da an die 100 Prozent ranrobben.

  2. Ich begrüße es sehr, dass Ihr sprachlich genau zwischen Rechtspopulisten, Rechtsextremen etc. unterscheiden wollt. An anderer Stelle ist mir der Sprachgebrauch von “sozial schwach” aufgestoßen, da kommt mir immer ein Zitat von Hagen Rether in den Sinn:

    “Menschen mit wenig Geld sind nicht sozial Schwach; sie sind wirtschaftlich Schwach. Oft sind eher die wirtschaftlich Starken die sozial Schwachen.”

  3. Hallo Lage-Team,
    ich bin ehrenamtlich in der Jugendarbeit einer Kirchengemeinde aktiv. Ich habe vor kurzem erfahren, dass ab 2021 Umsatzsteuer auch für juristische Personen des Öffentlichen Rechts fällig wird. Leider ist das Thema sehr kompliziert und ich verstehe es nicht so ganz, allerdings habe ich den Eindruck, dass auch unsere Ferienlager, Kuchenverkäufe, Gruppenkassen etc. versteuert werden müssten. Für uns wäre das eine Katastrophe, da wir alle ehrenamtliche sind und so die weiteren Belastungen kaum stemmen könntet. Es würde mich freuen, wenn ihr vielleicht in einem eurer nächsten Podcasts darüber reden könntet.
    Außerdem ist hier noch ein sehr interessantes YouTube Video (https://www.youtube.com/watch?v=4K2Pm82lBi8&t=288s) von Mai Thi Nguyen-Kim und Rezo in dem sie bestimmte Maßnahmen gegen den Klimawandel fordert. Das Video ist sehr umfangreich und gut recherchiert… absolut sehenswert!

  4. Die hohen zahlen der unterstützungsbedürftigen Schüler an der berliner schule die ihr zitiert habt ist sehr erschreckend. Die konsequenz Ssa einzustellen ist aber nur ein teil der lösung. Das schreit doch geradezu danach das schulsysten anzuschauen und zu gucken woher die probleme (auch) kommen. Manchmal habe ich den eindruck, dass Ssa eher fluch als segen ist: Ssa verschleiert die waren probleme des schulsystems. Es ist eine kurzfristige lösung die den eltern und allen ein gutes gefühl vorspielt, aber eigentlich müsste man viel tiefer gehen und das schulsystem so umstellen das weniger schüler überhaupt hilfe brauchen.
    Im zuge meiner masterarbeit habe ich 10 SchulsozialarbeiterInnen interviewt. Dabei hat sich immer durchgezeichnet – und dieser punkt war mir von euch zu harmonisch dargestellt – wie abhängig ssa von lehrkräften und schulleitungen der schule sind. Für ssa ist es ein kampf in schulen mit ungleich verteilter macht. Die schule wird weniger vom Ssa beeinflusst und “gnädiger” sondern vielmehr wird der (zumeist allein arbeitende) Ssa den logiken der schule unterworfen: wenn lehrkräfte sagen “hier gibt es kein problem” dann ist der ssa in den meisten fällen machtlos. Zum glück gibt es aber auch positive beispiele, wo tatsächlich schulleitungen auf die einschätzung der Ssa hören und mehr nachsicht mit einem schüler haben. Es liegt aber immer im ermessen des schulleiters und der lehrkräfte.
    Leider werden ssa viel zu oft erst dann eingeschalten wenn es schon brennt. Sie behandeln also nur die symptome, d.h. an den zahlen wird sich nichts ändern.

    • An der Schule, an der ich arbeite, habe ich auch den Eindruck nur noch als Feuerwehr zu versuchen Brände einzudämmen also Präventionsarbei leisten zu können. Zu viele Probleme, zu wenig Zeit….

  5. Hallo,

    zunächst einmal ein Lob und Dank für eure Arbeit. Sie leistet einen entscheidenden Beitrag dazu, dass ich als müde, berufstätige und allein erziehende Mutter nicht völlig ins private Alltagsoblivion abdrifte.
    Zur letzten Ausgabe habe ich einen Kritikpunkt. Dabei geht es mehr um die Sprache als den Inhalt, obwohl sich das natürlich nur bedingt trennen lässt. Philip, du sprichst bei Thema AvD-Erfolg in Sachsen und Brandenburg von einer “emotionalen Realität” und davon, dass es eines Erwachsenen nicht würdig sei, aus Protest eine Verfassungsfeindliche und rassistische Partei zu wählen. Ich bin inhaltlich absolut deiner Meinung, glaube aber, dass das bei denen, über die gesprochen wird, wie genau das paternalistische westdeutsche Framing ankommt, dessen sie so überdrüssig sind. “Emotionale Realität” kann wie “gefühlte Realität” verstanden werden. Bei den Leuten geht es aber um faktische biographische Realitäten (und damit natürlich auch emotionale), die sich von Statistiken nicht erfassen lassen. Auch wenn es so ist, dass die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sich die Lebensverhältnisse verbessert haben. Viele müssen lange Wege pendeln und einen bedeutenden Teil ihres Nettoverdienstes für Sprit und Auto ausgeben, um einem unterbezahlten Job nachgehen zu können. Sie haben Arbeit aber kaum Zeit für ein Sozial- oder Familienleben und oft kein oder ein kaum höheres Einkommen als wenn sie Hartz IV in Anspruch nähmen. Keine Zeit und kein Geld, das bedeutet keine Möglichkeit zu gesellschaftlichen und kulturellen Teilhabe oder zum Aufstieg durch Weiterbildung, abgesehen davon, dass es dort wo es an Supermärkten und Arztpraxen mangelt meist auch keine Theater, Kinos oder Bibliotheken gibt. Meiner Meinung nach muss man antidemokratischen und antiaufklärerischen Strömungen mit entschiedenem Widerstand und Bildung, aber vollem dadurch, dass man den Rechten das Wasser abgräbt, indem man anfängt eine soziale und egalitäre Politik zu machen. Ansonsten werden diese Strömungen weiter wachsen und erstarken.

    Langer Rede kurzer Sinn: Ich glaube nicht, dass deine Worte paternalistisch gemeint waren, fürchte aber, dass sie mancherorts so verstanden werden.

    Viele Grüße
    Juliane

  6. Vielen Dank für den Input zur Schulsozialarbeit, ich bin gerade noch) Lehramtsstudentin und finde es super, dass die Arbeit der SozialarbeiterInnen hier gewertschätzt wird. Sie verdienen leider deutlich weniger als die LehrerInnen, neben denen sie arbeiten, was sich meiner Meinung nach dringend ändern sollte. Aus der Ausbildungsperspektive der Lehrkräfte wollte ich beisteuern, dass es natürlich klar ist, dass Lehrkräfte bei der Stundenanzahl, die es zu unterrichten gilt, nicht psychosoziale Arbeit allein stemmen können, darauf aber auch (und hier mein Punkt) so gut wie gar nicht vorbereitet werden (zumindest nicht im Lehramtsmaster der HU Berlin). Wir keine psychologisch ausgerichteten Seminare, lernen nichts über beziehungsarbeit mit Schüler*innen. Der Anteil der Erziehungswissenschaften (also alles was nicht Fachwissenschaft oder Fachdidaktik ist), begrenzt sich auf einen überblick über bildungstheorien im Bachelor und im Master liegt der Fokus (weil die Uni ja eine Forschungsinstitution ist) auf dem „Forschen in der Schule“. Es geht ein bisschen um Inklusion, Evaluation und Diagnostik. Aber was auf interpersoneller Ebene zwischen Lehrenden und Lernenden passiert, findet keine Beachtung. Nicht nur sind wir aus Zeitgründen auf die Schulsozialarbeiter*innen angewiesen, auch auf ihr Know-how, das uns unser Studium in keinster Weise mit auf den Weg gibt.

  7. Lieber Herr Banse, lieber Herr Buermeyer,

    bzgl. psychologischen Konzepten an Schulen wollte ich kurz das Konzept in Bayern vorstellen:

    Ich bin/war in Bayern Lehrerin und Schulpsychologin zugleich – eine Kombination, die mich leider in den Burnout trieb, wie auch zwei andere Schulpsychologinnen in meinem Bekanntenkreis. Ich habe deshalb vor einigen Monaten den Beruf als Lehrerin+Schulpsychologin beendet und mache derzeit eine Umschulung zur Programmiererin.
    In Bayern kann ein Lehramtsstudierender – anstatt 2 Unterrichtsfächer zu studieren, wie es üblich ist – ein Unterrichtsfach und quasi als zweites Fach Schulpsychologie studieren. Man ist dann einen Teil der Wochenstunden ganz normaler Lehrer für ein Unterrichtsfach und die übrigen Wochenstunden ist man der Schulpsychologe, d.h. heißt man sitzt im Beratungszimmer der Schule und führt Einzelberatung meist mit Schülern, aber auch mit Eltern oder Kollegen, also Lehrkräften, durch. Neben der Einzelberatung ist der Schulpsychologe aber auch für Gruppenprävention- oder Interventionen zuständig (z.B. bei Mobbingfällen), für Krisenintervention (z.B. bei Suizidankündigungen von Schülern, oder bei häuslicher Gewalt), und muss generell beim Thema Schulentwicklung in der Schule mitwirken. An manchen Schulen gibt der Schulpsychologe auch Psychologieunterricht in den höheren Klassen.
    Die Tatsache, dass man der EINE Schulpsychologe (bzw einer von maximal zweien) war an einer Schule mit 700-800 Schülern, wurde mir zum Verhängnis. Ich konnte irgendwann kaum mehr durch das Schulhaus laufen, ohne dass ein Schüler/eine Schülerin oder ein Lehrerkollege/-kollegin auf mich zugerannt kam, weil es irgendwo wieder “brannte”. Die Aufgaben und Anforderungen erschienen mir immer uferloser. Die KollegInnen waren ja selbst alle sehr engagiert und wollten den Schüler/die Schülerin xy nicht im Stich lassen und nicht wegschauen – was ja auch wünschenswert und lobenswert ist -, nur hatte dies immer zur Folge: Die Lehrer dachten sich: “Den Schüler xy schicken wir besser mal zur Schulpsychologin”. Sprich, am Ende war ich die, die alles abfangen musste.
    Auch diese Doppelrolle Schulpsychologin zu sein und gleichzeitig Lehrerin wie die anderen auch, war nicht leicht zu meistern. Auch weil die übrigen Lehrkräfte sich nicht in meine Arbeit hineinversetzen oder zum Teil eifersüchtig/neidisch reagierten, weil ich – einfach aufgrund meiner Position als Schulpsychologin – “Sonderrechte” hatte (die Schüler vertrauten mir Dinge an, die sie den anderen Lehrern nicht sagten – natürlich weil ich ja Schweigepflicht hatte; oder ich “durfte” gewisse Dokumente, z.B. Therapiegutachten lesen, die nicht für das eigentliche Lehrerkollegium zugänglich waren. Usw.)
    Das war nur ein kleiner Teil von vielen vielen ganz verschiedenen Umständen, die mich letztlich krank gemacht haben, weil ich mit ihnen nicht umgehen konnte/sie nicht bewältigen konnte.

    Ich habe die Arbeit mit den Jugendlichen geliebt, ich würde sagen, nur dank der Schüler habe ich die letzten Jahre nicht aufgegeben, diesen Stress und diese Überforderung in Kauf zu nehmen. Denn die Arbeit mit den Schülern hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, hat mir einfach viel gegeben. Aber diese ganzen Rahmenbedingungen haben mich einfach fertig gemacht, sodass ich letztendlich beschlossen habe, einen anderen Beruf zu wählen, bei dem ich dauerhaft gesund bleiben kann.

    Soviel zu dem Konzept an bayerischen Schulen – und zu meinem “Schicksal”.

    Liebe Grüße

  8. „Rasse“-Erklärung aus Jena, ihr berichtet bestimmt kurz darüber: In der aktuellen ZEIT steht als Schlusssatz „In Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes aber, zwischen Abstammung und Sprache, steht das Wort noch immer“. Kann man ersatzlos streichen. Artikel 116(2) GG? Vielleicht durch „historischen Rassenbegriff“ ersetzen?
    Der Gesetzgeber – und Publizisten ! – könnten dieser Jenaer Steilvorlage folgen, die Änderung(en) des GG ankündigen und sich ganz proaktiv und frontal mit diesem Kampfbegriff auseinandersetzen.
    Pegida wird dann ausweichen: auf kulturelle Inkompatibilitäten (daher ist „Vermischung“ böse) und die böse “Migration“ (noch so Kampfbegriffe). Ein klasse Argument ist m.E. dass andauernde Anpassung (statt „Vermischung“) & Mobilität (statt „Migration“) die Basis des Erfolgs der Menschheit waren.
    Visualisierung der Ländergrenzen seit der Prähistorie z.B. hier: https://m.youtube.com/watch?v=-6Wu0Q7x5D0

    • Noch besseres Video für diese Zwecke: https://youtu.be/UY9P0QSxlnI – nur Europa, nur ab 400 vor Christus

      • Ich finde das erste Video besser, nicht nur wegen der zusätzlichen Informationen (Wo sind wir? Ach! Mona Lisa!). Gerade weil es die Geschichte der gesamten Welt zeigt, kontrastiert es schön mit dem verbreiteten eurozentrischen Weltbild. Und da es mit dem Auszug der Menschen aus Afrika beginnt, findet die ganze Geschichte, auf die einige Leute glauben stolz sein zu müssen, erst in den letzten 5% des Videos statt. Das gibt mehr Perspektive als das zweite Video.

  9. Hallo liebes LdN Team,

    vielen Dank für Euren Podcast. Ich höre seit 3 Monaten regelmäßig zu.
    Ich finde es sehr mutig von Euch, das Thema SUV so direkt anzusprechen.

    Ich bin prinzipiell eurer Meinung. Ein wirklicher Fortschritt wird sich aber nur über eine Regulierung erreichen lassen, gepaart mit einem generellen Tempolimit.
    Ich finde den Ansatz aus Japan interessant, wo Kleinfahrzeuge (Kei-Cars) Privilegien genießen, insbesondere in den großen Städten (https://en.m.wikipedia.org/wiki/Kei_car)

    Danke und Beste Grüße Florian

    • Ja, bessere Angebote machen statt shaming oder Verboten.
      Und Ja: es geht um klein & leicht & langsam & leise & sauber versus groß & schwer & schnell & sound & Dreck, nicht um „SUV“s.
      Parken & Fahren in den Städten muss sowieso neu verteilt werden. Aber:
      – billigeres Längs-Parken für Kurze – mit OWi-Preisen, von denen sich eine abschreckende Überwachung auch ernähren kann
      – billigere Parkhausdecks nur für Schmale – mit Begrenzungspfosten
      – Ein- & Durchfahrtszonen für Langsame & Leise & Saubere – nur wenn Tempo oder KfZ-Typ nicht passt wird geblitzt, also datenschutzkonform

  10. Hallo ihr beiden,
    ich bin seit weniger Monaten erst begeisterter Zuhörer von LdN und möchte mal meinen ersten Kommentar schreiben, da mich LdN 156 irgendwie…naja..aufgewühlt hat.

    Und zwar geht es um die AfD. Ich mag sie nicht und ich bin kein Sympatisant und ich würde mir lieber den linken Zeh abschneiden als dort mein Kreuz zu setzen.
    Jedoch haben sie sehr viele Stimmen bekommen und ich finde, dass man, unabhängig davon was die Beweggründe der Wähler waren, diese nicht wegignorieren darf. Auch in LdN wird halt einfach gesagt, es sind Nazis und fertig. Der Tenor ist überall der Gleiche: wir beschäftigen uns nicht mit der AfD, mit ihren “Argumenten” und dem ganzen Shit. Wir machen weiter wie bisher und grenzen sie aus. Das ist doch genau das, was die wollen. Wir spielen dieses Spiel alle mit.

    Lass sie uns doch auf einem Gebiet schlagen, wo wir gut sind: in den Argumenten und demokratischen Prozessen. Aber solange man sie ganz offensichtlich ausgrenzt kriegen die doch was sie wollen und die frustrierten (?) Wähler fühlen sich bestätigt: “Hier behandelt man die Partei so, wie mich!”.

    Warum nutzt LdN die Zeit, in denen AfD gebasht wird, nicht einfach darauf, deren Parteiprogramm sachlich auseinander nehmen? Dürfte doch nicht so schwer sein, oder?

    • Wir sagen gerade NICHT einfach so, dass das Nazis sind, sondern Antidemokraten – und wir erklären auch warum wir das so sehen. Was genau fehlt Dir denn?

      • Ich muss dem Mithörer insofern recht geben, dass ich es falsch finde, wie ein in der Lage (wie in den meisten nicht rechten Lagern in Deutschland) gegen die AfD argumentiert wird. Wir müssen damit Anfangen die AfD als normale, rechtmäßige Partei anzusehen. Bitte jetzt keinen roten Kopf bekommen, denn es ist zweifelsohne auch Tatsache, dass es innerhalb der AfD Strömungen, Haltungen und Personen gibt die antidemokratisch handeln. Diese zu stoppen und vom demokratischen Prozess auszuschließen ist natürlich von absoluter Wichtigkeit. Deswegen allerdings der ganzen Partei an den Kragen zu wollen ist falsch, und wird meiner Meinung nach auch nicht dazu führen das beabsichtigte Ziel zu erreichen. Die AfD als Dir ‘sogenannte Alternative für Deutschland’ anzumoderieren (sie heißt so, oder habt ihr jemals von der ‘sogenannten christlich demokratischen union’ gesprochen?) und sich zu fragen ‘wer wählt AfD’ führ nur dazu, dass sich die Wähler und potenziellen Wähler der AfD verständlicherweise als für Dumm verkauft fühlen. Wenn man Leute davon überzeugen will, dass andere Parteien eine bessere Alternative sind, sollte man dringend damit Anfangen sachlich über Inhalte zu sprechen, weshalb wir Zuwanderung brauchen, den Unterschied zwischen Flüchtlingen und Einwanderern, etc.
        Leider bin ich aber hier etwas pessimistisch, dass Argumente helfen werden, da diese Bemühungen von Jahren der Vernachlässigung durch die Bundesregierung vereitelt werden. Dennoch bin ich der Überzeugung wir müssen jedem, egal ob er zum selben Politischen Lager gehört oder nicht ernsthaft zuzuhören und sachlich zu begegnen. Häme, und sei sie noch so fein ist Gift.

        Weil jegliche Argumentation die nicht gegen die AfD gerichtet ist in Dt leider dazu führt selbst in die rechte Ecke gestellt zu werden, möchte ich wie mein Vorredner klarstellen, dass nicht AfD wählen würde. Konjunktiv da ich als Schweizer nicht wahlberechtigt bin. Im Moment sehe ich die Grünen als die Partei mit dem nachhaltigsten und am langfristigsten gedachten Programm sowohl in ökologischer, sozialer als auch wirtschaftlicher .

    • Wer nicht mehr Nazi genannt werden will, muss einfach beim nächsten Mal was anderes als die AfD, NPD, Die Rechte oder der III. Weg wählen. Ist das schon zu viel verlangt?

      Es ist doch die AfD, die andere ausgrenzt, keine Argumente hat, nicht an Fakten interessiert ist und den demokratischen Prozess torpediert.

      Und in den ÖR werden doch ständig AfD-Politiker eingeladen und freundschaftlich interviewt. Das war bei der NPD ganz anders. Da sind die Moderatoren des ÖR am Wahlabend den NPD-Politikern ins Wort gefallen und haben ihnen sofort widersprochen, wenn sie Propaganda verbreitet haben. Sowas hab ich bei der AfD noch nie erlebt.

  11. Hallo zusammen,

    hier eine nachdenklich machende Doku des ZDF zur Schattenseite der Elektromobilität:

    https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-der-wahre-preis-der-elektroautos-100.html

    Offensichtlich schafft diese Technologie neue ökologische Probleme, die den Nutzen fraglich erscheinen lassen. Ich würde mich über einen Beitrag zur (unterschätzten) Brennstoffzelle freuen.

    Vielen Dank für euer Engagement!

  12. Hallo ihr beiden! Ich fand euren Beitrag zum Thema Schulsozialarbeit sehr informativ und wichtig, da gerade in aktuellen politischen Debatten das Thema Bildung und Chancengleichheit stark in den Hintergrund gerät. Was ich jedoch als schade empfunden habe, ist dass ihr kaum auf die Rolle von Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen im Schulalltag eingegangen seid. Neben den Schulsozialarbeitern nehmen diese eine wichtige Rolle im System Schule ein, gerade auch vor dem Hintergrund der Inklusion. Ich bin selbst Studentin dieses Faches und empfinde die fehlende Aufmerksamkeit bishin zur teilweisen Abwertung dieses Berufes als beispielsweise “Behindertenlehrer” als sehr schade und würde mir wünschen, dass gerade in solchen Kontexten wie dem von euch angesprochenen dieser Tätigkeitsbereich Erwähnung finden würde. Im Bereich der Inklusion gibt es aktuell einen erschreckend hohen politischen Handlungsbedarf und ich denke ein Aufmerksam machen auf diese Problembereiche durch öffentliche Medien wie euren Podcast, könnte dieser wieder stärker in das Bewusstsein der Allgemeinheit gelangen.

    • Hallo Laura!
      Ich finde beide Themen (Schulsozialarbeit & Sonderpädagogen) sehr wichtig – leider wir m. E. zu wenig über die tagtägliche, konkrete Arbeit und die damit verbundenen Probleme und Fragen diskutiert.

      Meine Erfahrungen beziehen sich ausdrücklich auf die Sek I in NRW – nicht auf die Grundschulen!

      Stichwort “Schulsozialarbeit” – sicherlich sehr gut, aber konfliktbeladen, z.B. durch die unterschiedliche Präsenz am Arbeitsplatz. Vollzeitlehrer sind rund 22 bis 24 Zeitstunden (Zeit- nicht Unterrichtsstunden!) in der Schule, Schulsozialarbeiter (zumeist Angestellte der jeweiligen Stadt – Schulverwaltung, Sozial- oder Jugendamt) müssen rund 38 Zeitstunden (!) arbeiten.
      Lehrer haben 12 Wochen Ferien (also 60 Arbeitstage, in denen sie selbst entscheiden, ob und wie viel sie arbeiten), Schulsozialarbeiter dagegen rund 30 Urlaubstage. Von anderen Unterschieden (Vergütung, private Krankenversicherung, Pensionsansprüche, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall …) ganz zu schweigen.
      Auch inhaltlich: es gibt z.B. keine geregelten Zeiten für Teamarbeit und Besprechungen, in der Regel alles freiwilliges Engagement, für Lehrer also zusätzlich zu den Unterrichtszeiten. Oft fehlt es auch ganz banal an Besprechungsräumen oder Büros. Konflikte sind da vorprogrammiert und gehen oft auf Kosten der Schüler.
      Bei Sonderpädagogen (wie gesagt: Sek I) ist es ähnlich: es kommt ja nicht nur darauf an, dass es sie in der Schule gibt, sondern auch auf das Selbstverständnis und die Arbeitsmöglichkeiten. Fühlt man sich “nur” für die “Schüler mit besonderem Förderbedarf” zuständig (macht sich also selbst zum “Behindertenlehrer”) – oder arbeitet man mit allen Schülern? Da es keine durchgängige Doppelbesetzung gibt, muß man in der Regel auch in mehreren Klassen arbeiten … nur mit den “Behinderten” (so werden die Schüler inzwischen wieder von fast allen genannt)? Oder für alle bzw. mit Teilgruppen. Unfriede kann auch der Umstand stiften, dass die Sonderpädagogen in der Regel keine Klassenarbeiten entwerfen, durchführen und korrigieren müssen, also mehr Präsenszeiten in der Schule haben müssten … was oft abgelehnt wird. Besprechungen (= Teamarbeit) sind auch schwierig durchzuführen, da es ja keine Klassenlehrer im engeren Sinne gibt, sondern an den Fachunterricht getaktete Wechsel verschiedenster Lehrer. Besprechungen gehen folglich nur außerhalb der Unterrichtsstunden – und das mögen viele Lehrer nicht so sehr – abgesehen davon fehlen wiederum Büros usw. Dann gibt es für viele Schüler noch “Schulbegleiter”, auch “Einzelfallhelfer” genannt. Das sind (zumeist junge) Menschen im “freiwilligen sozialen Jahr” oder im “Bundesfreiwilligendienst”. Die sind in der Regel fachlich nicht qualifiziert, aber den ganzen Schultag für einzelne “Behinderte” zuständig. Und in all’ diesem Kudelmuddel fehlt eine Art “ordnende Hand” im Sinne einer (Abteilungs-)leitung oder verantwortlichen Koordination durch Vorgesetzte. Ich könnte noch auf viele Schwierigkeiten hinweisen, die aus einer wichtigen und notwendigen Idee (“Inklusion” … wieder Vorsicht: der Begriff an sich ist inhaltsleer) eine Scheinlösung machen … das alles wäre mal ein eigenes Lagethema wert.
      Kurz zu mir: ich bin Sonderpädagoge in NRW (heute nennt man das “Förderpädagoge”), habe viele Jahre als Schulleitung gearbeitet – und mich schon für Inklusion eingesetzt, als die Lehrergewerkschaften (z.B. die GEW) noch dagegen waren, eine kleine Gruppe fortschrittlicher Menschen sich an Italien (“Auflösung der Sonderschulen”) oder Dänemark (“Normalisierungsprinzip”) orientiert haben.
      Ein Qualitätssprung in der Schule wäre für alle Schülern denkbar gewesen – aber neue Etiketten sind leicht anzubringen, andere Inhalte zu gestalten erfordert Willen, Ideen und Kraft.

  13. Hallo,

    ich möchte euch auf ein Thema hinweisen, dass ihr vielleicht schon
    mitbekommen habt: Ökonomie im Krankenhaus. Geldverdienen vs. gute
    Behandlung könnte man es vielleicht auch nennen. Der STERN nennt es:
    “Der Ärzte-Appell: Gegen das Diktat der Ökonomie in unseren
    Krankenhäusern

    Der Artikel ist recht reißerisch, aber das Thema ist sicher wichtig. Der
    Artikel kursiert gerade durch die gesamte Ärzteschaft,

    Ich bin selbst Arzt und meine Kolleg*innen und ich ringen täglich mit
    dem Kostendruck. Schneller arbeiten, bescheidene Ausstattung, das
    Medikament ist zu teuer … kennen alle. Sich selbst und die
    Patient*innen vor der Ökonomie zu schützen ist eine tägliche Aufgabe.

    Mich würde freuen, wenn ihr euch auf das Thema stürztet.

    Vielen Dank und liebe Grüße,
    Erik aus Berlin

  14. Hallo Phillip, hallo Ulf,

    ich bin ja oft auf einer Wellenlänge mit euch, aber über eure Bewertung der deutlich gestiegenen Beteiligung bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg bin ich doch etwas erschrocken. Da sagt Philip z.B. “die Nachteile überwiegen” und es sei ein “erheblicher Schaden” eingetreten durch die hohe Wahlbeteiligung.

    Man kann doch aber eine hohe Wahlbeteiligung nicht schlecht finden, nur weil einem das Wahlergebnis nicht gefällt! Eine hohe Wahlbeteiligung ist IMMER gut und dadurch wird auch kein Schaden angerichtet, der nicht eh schon eingetreten ist. Die Leute und ihre Gesinnung verschwinden doch nicht, wenn sie nicht wählen gehen!

    Im Gegenteil, durch eine höhere Wahlbeteiligung wird ein Problem und dessen politischer Umfang ggf. überhaupt erst transparent. Dann muss man das Problem angehen, aber man kann den Leuten doch nicht sagen, bevor ihr SO wählt, bleibt lieber zuhause und wählt gar nicht. Auch wenn das Problem so ein unangenehmes ist, wie dass es einen erheblichen Teil der Bevölkerung gibt, deren Anliegen anscheinend durch keine der anderen Parteien wirkungsvoll adressiert werden. Wenn man andererseits glaubt, dass eine Partei so gefährlich ist, dass man sie eigentlich nicht wählen “darf”, dann muss man halt rechtliche Schritte unternehmen.

    • Bitte hör Dir die Stelle noch einmal an – es geht bei der Kritik (natürlich) nicht um die hohe Wahlbeteiligung, sondern um den Wahlausgang.

      • Gerne. Philip sagt: “Die Wahl unterm Strich wird so beurteilt: “Mit ‘nem blauen Auge sind die Demokraten davon gekommen. Und besonders toll ist doch, dass die Wahlbeteiligung so nach oben gegangen ist. Ist die Demokratie nicht die eigentlich Gewinnerin der Wahl, ist das nicht ein belebendes Element?” Und da glaub mich, kann man sagen, die Nachteile überwiegen. Ja, es ist schön, wenn die Leute zur Wahl gehen, immer gut. Aber hier ist der Schaden doch erheblich, der dadurch eingetreten ist.”

        “Die Nachteile” beziehen sich auf die gestiegene Wahlbeteiligung und “dadurch” auf “wenn die Leute zur Wahl gehen” – oder hab ich da was falsch verstanden? Würde mich freuen…

      • Ulf, bitte hör Du die Stelle auch noch einmal an – und versuche neutral zu bewerten, ob Eure gewollte Aussage zweifelsfrei rüberkam. Mir ging es wie Kai, ich glaubte schon rauszuhören, dass Phillip der Meinung ist, dass “die Falschen” zur Wahl gegangen sind. Wie auch schön das Thema SUV zeigt, müsst ihr bei Eurer inzwischen riesigen Reichweite schon darüber nachdenken, dass Sagen, Meinen, Hören und Verstehen nicht das gleiche sind. Das passiert Euch in letzter Zeit häufiger, ich erinnere nur an “alle Sachsen in die Antifa” usw.
        Vielleicht hattet ihr auch einen schlechten Tag, denn auch bei der Ursachenanalyse seit ihr über die oberflächlichen Ferndiagnosen nicht hinausgegangen. Wie man bei einer etwas detaillierteren Wahlanalyse (https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-09/waehler-ostdeutschland-analyse-alter-geschlecht-beruf-schulabschluss-religion) sehen kann, waren die AFD-Wähler gerade nicht die älteren Bürgen mit “gebrochener Biografie”. Es waren die Jüngeren und die eher besser ausgebildeten. Das sollte doch viel mehr Sorge machen. Wenn sich der im Artikel dargestellte Trend fortsetzt, dass die AfD dort stark ist, wo die Bevölkerung schrumpft, wird das Problem wohl noch stärker werden. Denn in der Fläche werden die ostdeutschen Länder in den nächsten Jahren systematisch entvölkert und deindustrialisiert werden. Das haben sogar die Kollegen vom Aufwachen!-Podcast in Folge 398 erkannt. Verdeutlicht wird das Problem schön hier: http://waka.soup.io/post/185409923/DE-wichtige-Unternehmen-unvollst-ndig-ca-80 Diesem Trend müsste entgegengewirkt werden (können). Da hilft keine neue ICE-Strecke in die Lausitz, weil die wird nach 5 Jahren wegen mangelnder Auslastung eingestellt werden. Für die alten Budnesländer ist eine fehlgeschlagene Infrastrukturinvestition nicht so schlimm, da fährt man halt auf einer alten Straße in ein funktionierendes Unternehmensnetzwerk. Seit 30 Jahren versucht man im Osten aber mit politischen Maßnahmen einen selbsttragenden Wirtschaftskreislauf aufzuziehen, das funktioniert einfach nicht. Und das führt zu einer weit verbreiteten Erkenntnis, dass die Politik und ihre handelnden Akteure völlig wirkungslos sind.

        Vielleicht nochmal ein Gedanke in eine ganz andere Richtung, damit man mal die sich hier immer deutlicher ausprägende Filterblase verlässt – im englischen Podcast talkingpolitics hat Helen Thomson in einer Folge mal die steile These aufgestellt, dass das erstarken der AfD gut für Deutschland sei und eine wichtiger Schritt für den Beibehalt der demokratischen Ordnung sei. Begründung: Mit der AfD werden erstmals wieder die weitverbreiteten rechtskonservativen Meinungen sichtbar und die dazugehörigen Wähler einem politischen Diskurs zugänglich gemacht. Wenn man das – auch gegen innere Widerstände – mal nachvollzieht ist da schon was dran. Das zeigen ja auch die steigenden Wahlbeteiligungen. Es ist vielleicht nicht schön den Eiter unter der Binde zu sehen, aber wenigstens kann man ihn bekämpfen und verhindert eine überraschende Blutvergiftung.

  15. Hi, ich möchte hier mal ein Themenvorschlag einbringen und fragen, was ihr davon haltet:

    Ich gehe mal davon aus, dass ihr alle die sehenswerte Phoenix-Runde mit Philip gesehen habt und da wurde erwähnt, dass in anderen Polit-Talkshows die Gäste teils in irgend einer Form gebrieft werden. Da Philip es aber nur (nachvollziehbarerweise) in einem Nebensatz erwähnt hat, fände ich es cool, wenn das im Rahmen einer Lage detaillierter erklärt oder erörtert wird bzw. werden könnte.

    Besten Dank im Voraus und Grüße
    Fabian

  16. Hallo Ihr zwei,

    vorab vielen Dank für Euren Podcast.

    Zum Thema Bildung: Mich überrascht das Abschneiden Deutschlands hier überhaupt nicht, da ich selbst zwei Kinder in der Schule habe (2. und 6. Klasse) und live mitbekomme, wie die Schüler aus weniger verdienenden oder weniger sozialisierten Familien zurückfallen.

    Auch wenn ich normalerweise nicht an einfache Lösungen glaube, so bin ich mir sicher, dass in diesem Fall eine einfache und erprobte Lösung existiert: Die verlässliche Ganztagsschule mit Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag.

    Hier die Begründung: Aktuell ist der Unterricht nur _ein_ Bestandteil des Lernens. Die zweite Komponente sind die Hausaufgaben. Hier wird allerdings nicht nur eine Vertiefung des gelernten vorgenommen, sondern häufig genug wird Stoff, der im Unterricht nicht geschafft wurde in die Hausaufgabe verlagert. D.h. die Kinder sollen sich hier selbst neues Wissen aneignen. Ein Kind in z.B. der dritten Klasse kann das aber noch nicht leisten und somit werden die Eltern zu Ersatzlehrern.

    Auch beliebt: Anfertigen von ganzen Heftern zu einem Thema, wo dann ein Viertklässler als “Hausaufgabe” alle Hintergründe recherchieren soll. Da wird dann erwartet, dass die Kinder die Informationen selbstständig im Internet recherchieren, ohne das jemals in der Schule gelernt zu haben. Folglich sitzen hier die Eltern mehrere Stunden mit dem Kind zusammen, erklären wie man Google und Wikipedia nutzt und helfen einer 10-jährigen die nüchternen Formulierungen auf Wikipedia zu verstehen.

    Das sind Leistungen, die viel Zeit erfordern. Wir können uns den Luxus erlauben, dass meine Frau nur Teilzeit arbeitet und selbst da ist die Bewältigung der Hausaufgaben für zwei Kinder schon eine Herausforderung und stört das Familienleben auch am Wochenende erheblich. Wie aber soll eine geringverdienende Alleinerziehende diese Leistung erbringen, wenn sie nach Feierabend um 18:00 nach Hause kommt? Wie sollen das Eltern von Migranten leisten, die die Deutsche Sprache noch nicht beherrschen? In beiden Fällen gerät das offensichtlich zum Nachteil des Kindes und es gerät meh rund mehr ins Hintertreffen.

    In anderen Ländern sind verlässliche Ganztagsschulen üblich. Die Hausaufgaben (die meiner Meinung nach nur zum Üben des im Unterricht Gelernten dienen sollten) werden durch Pädagogen am Nachmittag betreut und wenn die Kinder nach Hause kommen haben sie auch wirklich Freizeit von der es im Moment viel zu wenig gibt. In diesem Szenario haben alle die gleichen Chancen, da das Zutun der Eltern von der Notwendigkeit zum entbehrlichen Luxus wird.

    Viele Grüße aus Berlin

    Sven

    • Ich kann mich dem leider nur zum Teil anschließen.
      Nicht jedes Kind ist für eine Ganztagsschule “geeignet”, viele Kinder gehen da auch unter, es fehlen einigen Kindern auch die ruhigen Rückzugsorte z.B. am Mittag. Bei meiner Tochter beispielsweise ist dies so. Wie sollte denn die individuelle Hausaufgabenbetreuung aussehen? Eine Person für 25 Schüler? Würde bedeuten, man hätte in einer Stunde etwa 2-3 Minuten Zeit für jedes Kind. Das ginge nur mit mehr Personal und der Lehrermangel ist jetzt schon für den regurären Unterricht erschreckend. Lehrer fehlen an allen Ecken und Enden. Dies ginge nur mit mehr Personal! Aber selbst das gibt es nicht, auch wenn man Stellen dafür schaffen würde.
      Auch höre ich oft den “indirekten Wunsch” der Eltern nichts mehr mit der Ausbildung ihrer Kinder zu tun haben zu wollen…. In der ersten Klasse abgeben, und nach 13 Jahren mit dem Abitur wieder abholen… Wer Kinder bekommt muss sich darüber im Klaren sein, dass auch diese ELTERPFLICHTEN dazugehören. Oft habe ich den Eindruck, dass Eltern die Ausbildung ihrer Kinder leider nur noch als Serviceleistung des Staates ansehen. Darunter leidet leider auch das Sozialverhalten der Kinder. Nachmittags mit Freunden treffen, Fußballspielen, sonstige Freizeitaktivitäten… Wenn die Kinder erst am Späten Nachmittag aus der Schule/Betreuung kommen haben die dafür keine Zeit, Lust und auch Kraft mehr. Vielleicht sollten einige Eltern sich mal überlegen, was es für ein 6-jähriges Kind bedeutet 9 oder 10 Stunden am Tag in einer großen Gruppe “fremdbetreut” zu werden… Das ist für die Kinder wie ein Arbeitstag für einen Erwachsenen!!! Kinder müssen auch mal Kinder sein dürfen!
      Ich plädiere eher dafür, dass Elternzeiten/Teilzeiten besser ausgebaut und flexibler genutzt werden könnten. Aber dann hätten die Arbeitgeber wieder was dagegen, wenn der Familienvater anstatt um 17 Uhr um 14 Uhr aus dem Büro geht… Auch dem Staat würden natürlich (Steuer-)Einnahmen entgehen. Man wird als Vater ja schon doof angeschaut, wenn man von seinem Recht Gebrauch macht seine erkrankten Kinder zu Hause zu betreuen… (Kann das nicht Oma oder eine Freundin übernehmen…???)
      Ich denke, viele Eltern denken oft bei ihren Entscheidungen bzgl Betreuung mehr an sich als an das Wohl der Kinder.
      Es gibt natürlich auch immer Fälle, in denen man verstärkt auf Fremdhilfe angewiesen ist (Alleinerziehende mit einem Vollzeitjob), aber dies sollte die Ausnahme und nicht die Regel sein!
      Wer fragt denn mal seine Kinder, wie sie betreut werden wollen, was ihnen gut tut, was sie möchten? Ich habe das mit meinen Kindern getan und sehr interessante Antworten erhalten. Kinder sind nunmal Kinder und keine kleinen Erwachsenen. Bitte niemals vergessen….
      Wir leisten uns übrigens auch den Luxus, dass wir nicht beide (beide Eltern) in Vollzeit arbeiten. Klar fehlt dann Einkommen, aber dafür kann ich auf die Bedürfnisse meiner Kinder besser eingehen, als dies eine Betreuung je leisten könnte (zumindest nicht unter den Voraussetzungen, die der Staat schaffen würde: große Gruppen, gering ausgebildetes Personal usw…)

    • „Die verlässliche Ganztagsschule mit Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag.“

      Mehr vom Falschen ist ganz sicher keine Lösung. Eine Lösung wäre, wegzukommen vom Prinzip „Lehren und Lernen“, das der Logik der industriellen Massenproduktion folgt, hin zu selbstgesteuertem, entdeckenden Lernen, bei dem Kinder eigene Unklarheiten in eigene Klarheit verwandeln dürfen, verbunden mit einem klaren Bekenntnis zu Kreativität.

      Wer über die Ganztagsschule spricht, sollte sich mal anschauen, wie das dort konkret ausschaut. Ich kenne nur solche, wo die Lehrkräfte um 13 Uhr im Golf sitzen und nachmittags Bufdis, Studierende und Hausfrauen so gn. AGs leiten. In der Hausaufgabenzeit wird primär Aufsicht geführt und wer nicht fertig wird, muss das am Abend fertig machen. Das Hausaufgaben keinen nennenswerten Effekt auf die schulischen Leistung habe, ist übrigens gut untersucht.

      • Genau das meine ich ja! Wenn, dann müssten das ausgebildete Pädagogen übernehmen und die gibt es einfach nicht. Es ist kaum möglich bei dem Lehrermangel den regulären Unterricht überhaupt noch abzuhalten. Eine Betreuung darüber hinaus ist auch kaum noch möglich. Auch weiterführenden Schulen mit Ganztag sind die Unterrichtsstunden am Nachmittag eher schwer für alle Beteiligten. Nach der Mittagspause ist einfach die Luft raus. Und da gibt es nicht nur Hausaufgabenbetreuung, AGs usw sonder Unterricht wie Mathe oder Englisch. Das steigert auch nicht gerade die Qualität! Aber Hauptsache die Kinder sind in der Schule und “betreut”…

  17. Bezüglich der Lage in Großbritannien (und der Vorwürfe, das Land könne in ein autoritäres System abrutschen) lohnt sich dieser Kommentar von Jan Roß:

    https://www.zeit.de/2019/38/boris-johnson-demokratie-no-deal-brexit-verhandlungen-parlament

    In der Tat ist die in Deutschland gängige Darstellung doch arg verkürzt. So unklar die Fragestellung war, so knapp das Ergebnis war, so unerfreulich sich die Verhandlungslage darstellt: Es gab eine Mehrheit für den Brexit. Und dass es selbst der Basis-Deal von May (der ja im Wesentlichen einen Aufschub der wichtigen Fragen bedeutet hätte) nicht durch das Unterhaus geschafft hat, spricht nicht für konstruktives Zusammenarbeiten der Oppositionsparteien.

  18. Ulf, sag mal, was hältst du (ich hoffe, ich darf dich duzen) als Verfassungsrechtler davon, den Klimaschutz ins Grundgesetz aufzunehmen. Also zB einfach den 20a erweitern, bzw spezifizieren. Hätte das eine Auswirkung auf die Rechtssprechung des BVerfG? Und wenn ja oder wenn nicht, wie müsste man das machen?

  19. Zu SUVs:
    Warum fahren Leute SUV? Ich hab von einer Mutter mit Kleinwagen gehört, dass ihr die Anschaffung eines SUV ans Herz gelegt wurde. Es sei unsicher, ihre Kinder im Kleinwagen zu transportieren. Im SUV seien sie besser geschützt. Das sind z.B. Beweggründe zur Anschaffung. Eltern fahren ihre Kinder mit diesen Panzern bis vor die Schultür.
    Elektromobilität:
    Das betrifft auch Wasserfahrzeuge. Dieses Thema hat zu wenig Beachtung. Es sind viele Freizeitjachten mit Zweitaktern oder Viertaktern auf Gewässern unterwegs.
    Fahrgastschiffe sind meist Dreckschleudern. In Brandenburg fährt die “Havelfee”. Die Passagiere erfreuen sich an der Natur in einem Fahrzeug, das diese beschädigt.
    Es gibt einige motorbootfreie Gewässer, sollten aber mehr werden.

  20. Hallo,
    danke auch für diesen Podcast
    Bzgl. Heterogenität, hätte ich gerne einen Link zu der Studie, die besagt, dass alle Seiten profitieren sollen. Denn ich habe da meine Zweifel, ob das pauschal für jegliche Form der Heterogenität gilt.
    Je größer die Diskrepanz zwischen den Leistungsnievaus, desto fragwürdiger und desto mehr Zweifel habe ich.

    VG
    Dirk

  21. Hallo,

    wie immer war es ein sehr informativer Podcast. Ich habe Fragen/Denkanstöße zur Bildungsgerechtigkeit: Im Internationalen Vergleich bietet Deutschland mit einem quasi kostenlosem Studium und der staatlichen Unterstützung beim
    Lebensunterhalt (BAFöG) wesentlich bessere Vorraussetzungen als ander Länder, warum wirkt das nicht? Liegt die Ursache also tatsächlich in der Schule? Wenn ja: Gibt es hier deutliche Unterschiede von ländlichem Raum (nur eine Schule zur Auswahl) und Großstadt?

    Anderer Aspekt: In den Nachrichten wird manchmal gesagt, dass das System der Lehre eine Besonderheit in Deutschland ist. Wie wird diese Besonderheit in den Statistiken berücksichtigt? Als gelernte Fachkraft kann der Verdienst durchaus hoch sein (VW-Mitarbeiter i.V.z. Journalist) und der selbe Beruf kann in andern Länder ein Studium sein.

    • Hallo Tim,
      ich würde mich deiner Anfrage anschließen wollen.
      Das letzte Mal als ich mich vor allem bzgl. der Bewertung unseres Dualenausbildungssystems in Rahmen der OECD beschäftigt hatte, kam ich zu dem Schluss, dass Qualifizierung nach dem deutschen Ausbildungssystem völlig unzureichend berücksichtig wurde.
      Die OECD tut sich bis heute glaube ich extrem schwer einen Gesellen oder Ausbilder oder Meister korrekt einzuordnen. Unser Duales Ausbildungssystem hat auch seine Macken, allerdings führt es halt zu einer Mindestqualifizierung, die viele andere Länder, u.a. die USA lediglich durch einen Bechlor an bestimmten Colleges erreichen, ich sage bewusst an bestimmten Colleges, da z.B. ein Abschluss von der sogenannte Trump-University das Papier wohl nicht wert ist.
      Bei unserem dualen Ausbidlungssystem, plus die Qualifizierungsmöglichkeiten innerhalb der DIHK, führt zu einem extrem genormten und vergleichbaren Qualifizierungspfad, der seines Gleichen sucht. Nehmen wir den als Beispiel den Fachinformatiker, die nächste Stufe nach abgeschlossener Ausbildung gilt der IT-Spezialist, IT-Professional, der einem Fachwirt bzw. einem Bechlor entspricht, zuguter letzt der strategische IT-Professional, der einem Betriebsfachwirt, bzw. einem Master entspricht. Was diese Abstufungen zeichen ist die fortwärende Weiterqualifikation, die unser System eigentlich schon sehr lange kennt. Sie ist den Leuten leider nicht bekannt, und deshalb hat meines Erachtens der Hype über immer mehr Studenten etwas vom Tanz um das goldene Kalb.
      Wir brauchen nicht zwangsläufig mehr Akademiker, wir brauchen vor allem mehr Qualifizierte Menschen, wie man sich jetzt qualifizieren muss nach den einzelnen Fähigkeiten des einzelnen empfohlen werden.
      Ich finde, unsere Gesellschaft hat einen Schrank voller Werkzeuge, nur nutzen wir nur die von der OECD angestrahlten zu häufig.

      VG

  22. Wenn mann die CO2-Abgabe auf Kraftstoff erhebt und die Pendlerpauschale erhöht, haben die mit einem hohen Einkommen mehr davon. Wenn man die Pauschale beim Lohnsteuerjahresausgleich absetzten möchte, aber nicht viele Steuern bezahlt hat, bekommt man wenig wieder. Es gibt genug die auf das Auto angewiesen sind, aber nichts geltend machen können. Ein Abgabe finde ich im richtigen Maß wichtig, aber eine Rückerstattung an wenige ist nicht fair.

  23. Liebes LDN Team,

    Vielen Dank für diesen interessanten Podcast. Was mich beim beim Thema Brexit interessieren würde, wären die konkreten Verpflichtungen der EU im Falle eines no deal brexit. Einerseits betont die EU ja immer wieder das eine harte Grenze um jeden Preis verhindert werden muss. Andererseits ist die EU im Falle eines no-deal-brexit verpflichtet, ihre Außengrenzen und den Binnenmarkt zu schützen was aber wiederum eine harte Grenze in Nordirland bedeutet. Soll eine harte Grenze also wirklich um jeden Preis, das heißt auch um den Preis der Kontrolle über die Außengrenze verhindert werden? Aus britischer Perspektive scheint hier leider der schwarze Peter bei der EU zu liegen. Entweder sie führt keine Grenzkontrollen ein (dann haben die brexit Hardliner bei ihrem Poker gewonnen) oder sie führt eine harte Grenze ein und wird dann von den brexit Hardlinern für ein mögliches Wiederaufflammen des Irland Konfliktes verantwortlich gemacht. Und was passiert beim no-deal, falls sich Irland weigert eine harte Grenze einzuführen? Wahrscheinlich ist es nicht, aber völlig ausgeschlossen auch nicht. Wie wird dann die EU reagieren müssen? Das sind wichtige Fragen, die meines Erachtens in der deutschen Berichterstattung völlig untergehen.

    Daher denke ich, dass die Handlungsoptionen der EU im Falle eines no deals ein Thema sind, dass sich anzusprechen und zu diskutieren lohnt. Das was allgemein berichtet wird ist zwar nicht falsch, mittlerweile aber doch ein wenig ausgelutscht.

    MFG
    Jakob

    (Ach ja, ein nicht erwähnter Vorteil des SUVs ist eine deutlich höhere Überlebenswahrscheinlichkeit bei Unfällen und allgemein ein geringeres Risiko für schwerere Verletzungen bei solchen, Stichwort Panzer. Natürlich nur für den SUV Fahrer . So rechtfertigen meine Bekannten die Anschaffung eines solchen Wagens)

  24. Lieber Ulf, lieber Philip (ich hoffe die Du-Form passt für euch),

    Erstmal vielen Dank für euren Podcast,
    ich habe lange nach einer Möglichkeit gesucht, mich genauer über aktuelle politische Geschehnisse zu informieren und das in einem zeitlichen Rahmen, der in meinen Wochenablauf passt. Durch euch habe ich seit etwas mehr als einem Jahr diese Möglichkeit gefunden.

    Ich möchte euch zur aktuellen Ausgabe schreiben, da ich selbst Schulsozialarbeiter bin und mich dadurch in besonderem Maße “betroffen” gefühlt habe.
    Zunächst habe ich aufgehorcht, als die Bildungsleichheit bzw. -Ungleichheit in Deutschland angesprochen wurde und im weiteren Verlauf das Gute-Kita-Gesetz als Stellschraube genannt wurde.
    Aus meiner Sicht liegt das Problem nicht nur in der Schaffung von Kita-Plätzen sondern genauso in der Förderung der Erzieher*innen-Ausbildung.
    Wenn tatsächlich ein Bedürfnis an guten Kitas und guten Erzieher*innen besteht, frage ich mich weshalb nicht an der Attraktivität des Berufs gearbeitet wird.
    Erzieher*innen absolvieren eine Ausbildung die in Ihrem vollen Umfang 4 Jahre beträgt. Dies in der Regel unentgeltlich da es sich um eine schulische Ausbildung handelt.
    Über die anschließende Bezahlung ist in der Vergangenheit häufig berichtet worden so das ich die Tarife jetzt nicht ausführlich darlege.
    Ich selbst bin seit 4 Jahren Schulsozialarbeiter, habe nach dem Abitur eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger gemacht und mich nach einiger Zeit im OP zum Studium der Sozialen Arbeit entschieden. An meinen Bachelor-Abschluss und das sich anschließende Anerkennungsjahr habe ich ein Masterstudium angehängt, welches ich ebenso wie mein Bachelorstudium mit einem 1er-Schnitt abgeschlossen habe.
    Es geht mir nicht darum zu betonen was ich für ein toller Hecht bin. Vielmehr möchte ich unterstreichen das ich nicht mehr an Versprechungen eines Zusammenhangs zwischen Leistung und beruflichem Erfolg, zumindest in monetärer Hinsicht, glaube.
    In der Tat sind meine vielen Kolleg*innen und ich tagtäglich darum bemüht Bildungsbenachteiligungen (SGB 8 § 13) entgegenzuwirken.
    Hierzu entwickeln wir Konzepte zur Arbeit mit Gruppen und Schulklassen, führen Beratungsgespräche mit Schüler*innen Erziehungsberechtigten und Lehrer*innen. Wir bieten auch Lehrer*innen psychosoziale Beratung an und unterstützen sie in Ihrer Arbeit.
    Wir vernetzen uns im Gemeinwesen, bauen Partnerschaften mit anderen Akteuren der Kinder- und Jugendhilfe auf und kooperieren mit vielfältigen Beratungsstellen.
    Ein Team von 8 Kolleg*innen wie in eurer Sendung ist dabei ein Glücksfall.
    Ich bin an einer verhältnismäßig kleinen Schule mit immerhin 370 Schüler*innen derzeit der einzige Sozialarbeiter/Sozialpädagoge und viele meiner Kolleg*innen sind an weit größeren Schulen quasi im Alleingang tätig.
    Dabei liegt unser Gehalt je nach Trägerschaft und tariflicher Eingruppierung
    (als Beispiel: https://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/tvoed/sue?id=tvoed-sue&g=S_11b&s=1&zv=VBL&z=100&zulage=&stkl=4&r=0&zkf=&kk=15.5)
    in einem Bereich, der es je nach Lebenssituation (z.B. Alleinverdiener) schwer macht über die Runden zu kommen.

    Ich wünsche mir von der Politik, dass diejenigen die am Ende der Bildungsbenachteiligung auch praktisch entgegegenwirken sollen, auch vom alten Leitsatz “Leistung muss sich wieder Lohnen” profitieren können.

    Nun entschuldigt meinen viel zu langen Kommentar. Es gäbe noch mehr zu schreiben, dass wäre aber wirklich zu viel des Guten. Ihr dürft mich gerne mal interviewen ;).

    Noch einmal vielen Dank für eure Arbeit, bitte macht weiter so.

    Viele Grüße

    Jasper

  25. Ich habe den Eindruck, die Protestwähler*innen aus Ostdeutschland fühlen sich als schützenswerte Minderheit, für die nichts getan wird. Dann sehen sie, dass andere Minderheiten geschützt werden, wie z.B. Flüchtlinge, Behinderte, LGBTQASIP* und sind frustriert.
    Dazu kommt der ewige Neid auf alle anderen, die scheinbar immer mehr Geld, mehr Glück und mehr Sex haben als sie selbst, weil sie das doch täglich im TV, auf Facebook, Instagram oder per WhatsApp sehen. Und die Werbung flüstert ihnen auch noch dauernd ins Ohr, was sie alles kaufen sollen, um endlich dazu zu gehören, glücklich und schön zu sein.

  26. In meinen Augen ist euer SUV-Bashing “etwas” überdenkenswürdig. Denn ist ist schlicht und ergreifend falsch, dass SUV mehr verbrauchen und größer sind als andere Fahrzeuge. Ich hab mal ein paar Beispiele zusammengestellt.
    Für die Gut betuchten:
    VW Multivan T6 ab 57.k€ 2l TDI 222g/km L 4,9m B 1,9m H 1,97m
    VW Touareg ab 63k€ 3l TDI 211g/km L 4,87 B 1,98 H 1,71

    Für die Familie:
    VW Touran 30k€ 1,5l TSI 158g/km L 4,53m B 1,83m H 1,63m
    VW Caddy 25k€ 1,4l TSI 171g/km L 4,97m B 1,79m H 1,86m
    VW Tiguan 30k€ 1,5l TSI 147g/km L 4,7m B 1,83m H 1,63m

    Oder auch abseits des VW-Konzerns:
    Mini Countryman 25k€ 1,5l Benziner 127g/km L 4,3m B 1,82m H 1,56m
    Ford Focus 20k€ 1,0l Benziner 127g/km L 4,55m B 1,82m H 1,84m

    Gerade am letzten Beispiel sieht man: Der Countyman soll Böse und der Focus in Ordnung sein? Das sind doch nur billige Stammtisch-Parolen. Es gibt einfach auch viele kleine SUV. z.B. Dacia Duster, Mazda CX-3, Opel Crossland X. Die sind alle kleiner als ein Golf Variant. Problematisch sind halt die Riesen-Kisten wie BMW X7 oder Audi Q8. Aber auch die sind weder in der Größe, noch im Verbrauch schlechter, als z.B. ein Mercedes-AMG E 63 S oder ein aktueller Audi RS6 Avant. Letzterer ist einer der wenigen Famillien-Kombis mit denen man mit über 300km/h und Kind und Kegel in den Urlaub fahren kann. So ein Auto soll auf dem Supermarktparkplatz in Ordnung sein? Die Diskussion geht doch total an dem Problem vorbei. Wir retten das Klima nicht, wenn wir zum Brötchen holen ein Auto mit 6l Verbraucht anstelle von 8l verwenden. Wir retten das Klima, wenn wir die Brötchen zu Fuß oder mit dem Fahrrad holen. Aber das erreichen wir aber ganz sicher nicht, indem wir irgendwelche SUV-Fahrer auf ihre Autos ansprechen. Das erreichen wir, indem wir zukunftsfähige Mobilitätakonzepte erstellen. Ich Persönlich bin demnächst auch einer der Bösen. Bisher: VW Passat B6 2.0l TDI 170PS 177g/km L 4,77m B 1,82m H 1,47m, demnächst: MINI Cooper S E Countryman ALL4 1,5l Benziner(Hybrid) 136PS (224PS Systemleistung), 47g/km L 4,3m B 1,82m H 1,56m. Bisher war ich also der fürsorgliche Familienvater und jetzt bin ich die Umweltsau? Wenn mich irgendjemand auf meinen Ach-So-Bösen SUV ansprechen würde und ich mir doch gefälligst ein Nicht-SUV anschaffen… Der würde von mir wirklich was zu hören bekommen. Wir brauchen in der Gesellschaft einen Wandel. Weg von immer mehr und immer größeren Autos, hin zu besserem ÖPNV und (z.B. App-gesteuertem) Mitfahrsystemen. Wir müssen generell weniger Auto fahren.

    • Hallo
      Ihr Beiden / ich bin begeisterte Höherin Eures Podcast – gestern habe ich mich aber geärgert über den Aufruf SUV Fahrer anzusprechen u letztlich zu stigmatisieren …

      Ich finde Euer Auffruf ist ein Eingriff in das Recht auf Selbstbestimmung !
      Ich lebe in Bayern in einer ländlichen Gegend mit richtigen Wintern , bin viel unterwegs auch in den Bergen u habe einen Hund , den ich oft transportieren muss . Deshalb ein SUV – für mich das beste u sicherste Auto – 6 er Diesel u 190 Ps sowie 4 Rad Antrieb.
      Ich fahre aber nicht mit 180 sondern brav 140 , so dass sich der Verbrauch in Grenzen hält – schon
      aus Kostengründen.
      Eine wohl durchdachte Entscheidung , die nichts damit zutun hat , dass ich ein Statussymbol brauche .
      Ich habe auch keine Lust mich deshalb gegenüber irgendjemand zu rechtfertigen !!

      Ich finde Euren Aufruf diskriminierend sowie undifferenziert und finde auch, dass das nicht mehr von dem journalistischen Auftrag , den Ihr ja sehr ernst nehmt, gedeckt ist !

      Bitte überdenkt das noch einmal u diskutiert das auch im Podcast – ich will nicht in einer Gesellschaft leben , in der ich mich moralisch gegenüber wildfremden Personen rechtfertigen muss warum ich welches Auto fahre – außerdem sehe ich die Gefahr , dass so etwas schnell aus dem Ruder läuft bei etwas radikaleren Personen !

      In diesem Sinn trotzdem weiterhin ein Fan von Euch !

      • Hallo Bettina,

        im ländlichen Raum, habe ich weniger ein Problem mit SUV, aber in der Stadt mit engen Seitenstraßen, da reicht ein SUV und ein Lieferwagen und es geht nichts mehr. Dann kommt man teilweise mit einem Fahrrad auch nur noch als Fußgänger weiter.
        Und ich meine mich zu erinnern, dass im Podcast vor allem die Meinung geäußert wurde, dass SUVs im Stadtgebieten Mist sind.

        Leider kommt man an SUV kaum noch vorbei, selbst wenn man eigtl. nur ein etwas komfortables JEEP ähnliches Fahrzeug braucht.

        Ich wünsche allzeit umfallfreie Zeit. SUV vs. Mensch ist extrem übel, wird m. Meinug nur durch Bus und LKW getoppt

        VG

        • Das ist doch genau das Problem. Warum wird SUV immer mit “riesigem Auto” gleichgesetzt?
          Ein Dacia Duster nimmt nunmal weniger Platz weg, als eine aktuelle C-Klasse oder ein Audi A4. Der Duster-Fahrer soll jetzt der Böse sein?
          Und zu der Unfallproblematik: Ich hab als Fußgänger viel mehr angst davor, dass ich von einem Wilden Paketboten-Sprinter umgefahren werde…

        • Hallo Dirk,

          > SUV vs. Mensch ist extrem übel

          Schauen wir mal hier rein (2011) Sport Utility Vehicles im Unfallgeschehen [https://udv.de/de/file/7874/download?token=szOPRUXS] vom GDV, da heißt es:
          “Beim Zusammenstoß mit einem SUV tru- gen 47 % der Fußgänger schwere oder lebensbedrohliche Verletzungen (MAIS 3+) davon. Wenn der Unfallgegner ein Personenwagen war, waren davon nur knapp 40 % betroffen. ”

          Weiter kommt die Studie dann zu dem Schluss:

          “Fußgänger und andere ungeschützte Verkehrsteilnehmer weisen infolge anderer Anprallstellen und somit veränderter Bewegungsabläufe auch andere Verletzungsmuster als beim Zusammenprall mit konventionellen Pkw auf. Eine generell höhere Verletzungsschwere bei Fußgängern, die von SUV erfasst wurden, ließ sich aber nicht feststellen.”

          Gut die Studie ist von 2011 und müsste wahrscheinlich noch mal wiederholt werden, aber die damaligen Konstruktionen waren nachteiliger als heutige, die Personenschutz integriert haben müssen. Hier sollte man also sogar eine Verbesserung erwarten.

          Aber schon die Studie erkennt auch, dass es schwierig ist ein SUV abzugrenzen. Zwischen einem Porsche Cayenne/Audi Q8 und einem Dacia Duster oder VW Tiguan/T-Roc besteht sowohl im Gewicht als auch in den Ausmaßen ein großer Unterschied und wie angemerkt in den hier bereits beschriebenen Maßen: Wenn ein Duster und ein Tiguan die Straße blockieren, dann ebenfalls ein Golf und ein Caddy – Das Argument ist also Schwach.

          Man kann dazu mehr auch hier lesen: https://www.tagesspiegel.de/wissen/debatte-um-verkehrssicherheit-wie-gefaehrlich-sind-suv-wirklich-das-sagen-unfallforscher/25003278.html

          Genauso sieht es beim Verbrauch aus.

          Sinnvoll wäre ein Tempolimit in der Stadt von beispielsweise 30 km/h. Das hätte massive Auswirkung auf die Unfallzahlen und Unfalltoten UND ist ökologisch sowie ökonomisch sehr sinnvoll. Stattdessen wird über SUVs verallgemeinert und Tempolimit auf der Autobahn diskutiert, die beide nur einen geringen Einfluss, sowohl ökologisch als auch auf die Unfallstatistik haben. Und das ganz einfach aus dem Grund weil die meisten sich das leicht vorstellen können und daher keine sekunde darauf verwenden, das mal zu Recherchieren.

    • Hallo Arne,

      “ja ne, is klar”
      Entschuldigung auf der einen Seite beklagst du, dass es einen Wandel braucht zu ÖPNV und weg von immer größeren Autos, aber kaufst dir als nächstes einen zwar Kürzeren aber Höheren und unterstützt weiterhin den Wahnsinn, den du selbst abgeschaft sehen möchtest.
      Das der Verbrauch g/km Dank Hybridtechnik heruntergerechnet werden darf steht nicht auf einem anderem Blatt. Ich hoffe, bei deinem neuen springt nicht schon ab 45 km/h der Benziner an, sondern erst ab 70 km/h. Dann kommst du im Großtadtverkehr klar.

      Allzeit Umfallfreie fahrt

      • Den Hybriden kann ich kostenfrei auf Arbeit aufladen. Wegen ISO 14001-Zertifizierung beziehen wir Ökostrom. Bis 125km/h kann ich den komplett elektrisch fahren. Es passt also mit dem geringeren Verbrauch.
        Ich muss zur Arbeit einmal quer durch Hamburg fahren. Mit dem Auto ca. 45 Minuten. Mit dem ÖPNV 1:30. Mein Bus vor der Haustür fährt unterhalb der Woche einmal die Stunde, am Wochenende alle 2 Stunden. Toll für Hamburg, nicht wahr? Das Problem in Hamburg ist einfach, dass alle Bereich südlich der Elbe ÖPNV-Technisch miserabel an die Stadt angebunden sind. Wenn sich da etwas ändern würde, wie z.B. eine zweite Schienengebundene Elbquerung würde ich sofort für meinen Weg zur Arbeit auf den ÖPNV umsteigen.
        Aber das ist ja eigentlich garnicht der springede Punkt. Auch der “normale” Countryman Verursacht weniger Emissionen als der Passat. Je nach Variante liegt man da bei 140g/km, wenn man nicht gerade die Sport-Variante nimmt. Auch dann währe ich platzsparender und Umweltfreundlicher als mit meinem alten Passat.
        Ich finde es ganz einfach ungerecht mit dem Countryman zusammen mit Porsche Cayenne, Macan, Audi Q8, BMW X7 und Volvo XC90 in einen Topf geworfen zu werden.

        • Hallo Arne,
          Danke für den erweiterten Input.
          Netter Plugin-Hybrid, nette Technik.
          Das ist sowas bescheuert, dass man sich einen Mini SUV-Verschnitt kaufen muss, damit man überhaupt Plugin-Hybride findet.
          Nachdem ich mir jetzt noch einmal die Kante gegeben und gesucht habe, ist dieses Thema sehr ernüchtern. Für mich persönlich gibt es bis jetzt praktisch keinen Ersatz zum Fahrrad / ÖPNV und hin und wieder mit einem sparsamen Benziner zu fahren.
          Seit dem ich meinen ÖPNV mit dem Fahrrad verkürze, bin ich mittlerweile auch “nur” noch 50 Minuten stadt 75 unterwegs. Mit Auto wären es 35-45, aber plus Parkplatz suche.
          Du hast recht, dein Countryman ist kein Cayenne, und der ÖPNV bei dir scheint wirklich Käse zu sein.
          Naja immerhin bietet deine Firma dir ja auch noch Ökostrom an. Da bleibt mehr Kritik an den Umständen als am Fahrzeug selber.
          Es ist einfach nur Absurd, dass wir auf den Straßen immer höher bauen, irgendwie bekomme ich das Bild von Stadtmauern nicht aus dem Kopf….

          @Lasse
          Danke für den Zeitungsartikel.

          Tempo 30 km/h innerorts als Standard wäre als Endziel auch eine richtige Entwicklung, insbesondere da, wo andere Teilnehmer nicht direkt vom Autoverkehr getrennt sind. Hätte zudem den Vorteil das Polizei und Feuerwehr mit 40-50 km/h leichter und vernünftiger durchkämen.
          Des Weiteren bräucht es eine weitere Differenzierung bei SUVs im Namen, der Mini kann man als Kompakt bezeichnen genauso wie manche anderen, die aber entgegen dem Mini deutlich höher sind. Des Weiteren muss unterschieden werden zwischen light mid and heavy. Heavy > 2 Tonnen, Mid > 1,5 Tonnen.
          Schlussendlich müssen insbesondere Innenstädte quasi autofrei werden, Autos sind im P+R Parkhäuser abzustellen und weitergehts mit ÖPNV oder Lastenrad.

          Lasse/Arne
          VG

  27. Lieber Herr Banse und Herr Buermeyer,

    Vielen Dank für Eure tolle Sendung! Ich bin seit Herbst jede Woche dabei :-)
    Zum Thema Klimakatastrophe, zusätzlich zur CO2 Steuer, könnten Staaten nicht folgende ähnliche Reguliertungsmassnahmen ergreifen wie beim Rauchen?
    -Man sollte vorschreiben Werbeplakatte und Filme in Flughäfen und Flugzeugen zu zeigen, die hautnah aufzeigen wie die Umwelt kaputt geht, Tiere kein Lebensraum mehr haben, Leute die am härtesten betroffen sind extrem leiden. Jeder Flug sollte einem ein extremes Schuldgefühl geben!
    – Güter/Lebensmittel die einen hohen CO2 Abdruck hinterlassen sollten auch mit Katastrophenbildern versehen sein die aufzeigen das ihr kauf dem Klimawandel beisteuert.

    Was meint Ihr zu dieser Massnahme?

    LG Manuel

  28. Liebe Lage,

    vielen Dank, dass ihr die Bedeutung der Schulsozialarbeit in eurer letzten Sendung thematisiert hat. Das Land Berlin kam mir da aber fast ein bisschen zu gut weg. Die Berliner Schulen sind weit von einer der Bedeutung der Schulsozialarbeit angemessenenen Ausstattung mit Sozialarbeiter*innen entfernt. Bisher sind über das Landesprogramm Jugendsozialarbeit an Schulen ca. 250 Berliner Schulen mit Sozialarbeiter*innen ausgestattet. Das Programm ist also bei weitem nicht an allen Schulen. Hinzu kommt, dass es befristet ist und regelmäßig beantragt werden muss. Das sorgt für wenig Kontinuität, Verbindlichkeit und vor allem für befristete Arbeitsverhältnisse.

    Als Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft setzen wir uns dafür ein, pro 100 Schüler*innen eine Schulsozialarbeiter*in einzustellen. Mindestens aber eine*n Schulsozialarbeiter*in an jeder Schule (für kleinere Schulen). Weiter fordern wir, dass die Schulsozialarbeit wieder in die öffentliche Hand gelangt. Der überwiegende Teil der Schulsozialarbeiter*innen sind bei einem freien Träger beschäftigt, darauf hattet ihr ja hingewiesen, mit all den Nachteilen: u.a. die teils deutlich schlechtere Vergütung und die befristete Beschäftigung.

    Abschließend noch ein Hinweis: die Aufgabe, die die Schulsozialarbeiter*innen an den weiterführenden Schulen übernehmen, leisten an den Berliner Grundschulen bis zur sechsten Klasse größtenteils Erzieher*innen. Auch die wichtige Arbeit der Erzieher*innen in der Ganztagsschule wird in der öffentlichen Diskussion nicht ausreichend gewürdigt. Es herrscht viel zu oft noch das Bild vor, Erzieherinnen seien lediglich zum Spielen, Basteln, Aufpassen da. Diese niedrige Wertschätzung schlägt sich auch in der nach wie vor zu niedrigen Bezahlung von Erzieher*innen (wie Sozialarbeiter*innen) nieder.

    Viele Grüße und vielen Dank für eure Arbeit

  29. Hallo,

    zum Thema Bildung gibt es gerade ein gutes Buch von Dr. med. Michael Winterhoff “Deutschland verdummt”, das ich sehr empfehlen kann. Als Mutter des diesjährigen Erstklässlers bin ich total schockiert und frustriert von den Fakten, die in dem Buch und in Ihrem Pocast dargestellt wurden. Da leiden einfach unsere Kinder an der Dummheit der Erwachsenen, die nicht in der Lage sind, eine der wichtigsten Aspekte des Lebens, Bildung eben, vernünftig zu gestalten.
    mgf
    m.

    • Sorry, aber Michel Winterhoff macht ja Vieles, aber schreibt sicher keine guten Bücher zu den Themen Erziehung und Bildung. Viel mehr erinnert er an Thilo Sarazin und Bernhard Bueb. Eigentlich liefert er keine Belege oder Argumentationen, dafür viel Meinung und viel Alarmismus. Winterhoff argumentiert wie Spitzer. Ich halte ihn in für ähnlich “seriös”. Alleine schon Aussagen wie “50% der Kinder fehlt die soziale Kompetenz und die ‘erworbene Intelligenz'” – woher kommt diese Zahl und wie kann man das ernst nehmen?

      Winterhoff kritisiert das Bildungssystem auf struktureller Ebene zurecht – das sind m.E. Binsen, die sich allerorts finden lassen. Die Schulen sind marode, die Betreuungsschlüssel fatal, wir bräuchten eine bessere Qualität (nicht, wie er sagt: “mehr Qualität”). Das Problem ist, dass er diese realen Missstände ideologisch auflädt. Die Schulen wurden “kaputtreformiert” [sic!]. Er will wieder “Lehrer wieder als Lehrer”, dass “Erzieher wieder Erzieher sind”. Er wettert gegen Lernbegleiter, gegen “autonomes Lernen” – damit meint er wahrscheinlich selbstgesteuertes Lernen. Und wenn wir uns das dann mal empirisch anschauen, stellen wir fest (Traub, 2012), dass selbst in Projektwochen an Schulen weder Lehrende noch Lernende eine starke Verbindung zum selbstgesteuerten Lernen sehen und selbstgesteuertes Lernen eher wenig beobachtet werden kann. Dann schauen wir uns die TIMSS-Studie an und stellen fest, dass nicht Reformen ein Problem sind, sondern viel eher die Weigerung etwas zu ändern. Denn trotz veränderter Bedingungen, z.B. immer heterogener werdender Klassen, gilt: “Wir haben noch immer den gleichen Unterricht wie vor acht Jahren. Es ist ständig von mehr Individualisierung die Rede, aber sie findet immer noch zu wenig statt.” (Wilfried Bos, Bildungsforscher und Autor der TIMSS-Studie).

      Ich stimme Winterhoff übrigens darin zu, dass wir mehr auf “Soft-Skills” schauen sollten – Kreativität würde ich sehr weit vorne nennen – Schulen sind aber leider eher kreativitätsfeindliche Orte, was am Konzept “Lehren und Lernen” liegt, welches der Logik der industriellen Massenproduktion folgt und eben nicht freiem, entdeckenden Lernen. Nehmen wir zu Kreativität noch Kommunikation, Kollaboration und kritisches Denken, dann hätten wir dann die 4K der Bildung zusammen – aber wie viele Schule haben sich ernsthaft dahingehend reformiert? Und wie viele machen noch immer das Alte?

      Winterhoff bemerkt zu recht, das Betriebe über Auszubildende klagen; der Grund ist aber m.E. nicht, dass die Schulen alles radikal verändert haben, sondern der Grund ist tendenziell viel mehr, dass die Betriebe heute ganz andere Anforderungen haben und Schule trotz dieser geänderten Anforderungen grosso modo noch immer dasselbe macht. Mal abgesehen davon, dass Winterhoff hier das sokraktische “Die Jugend von heute liebt den Luxus”-Spiel spielt, sind die Jugendlich nicht vielleicht gerade deshalb schlecht vorbereitet, weil sie in der Schule nicht denken dürfen, sondern das tun müssen, was sie gesagt kriegen und zwar wie sie es gesagt kriegen? Sie dürfen nicht nachahmen, sondern müssen kopieren. Sie dürfen nicht eigene Unklarheit in eigene Klarheit verwandeln, sondern werden mit Antworten auf Fragen erdrückt, die zu stellen sie keine Chance hatten. Sie haben schlicht keine Gelegenheit zum Lernen, weil sie mit Reproduzieren beschäftigt werden. Und dann kommen sie in die Betriebe – und niemand legt ihnen eine Bedienungsanleitung hin. Gestern noch im Ellenbogensystem, heute sollen sie Teamfähig sein. Gestern hat man ihnen gesagt, wann sie aufs Klo dürfen, heute sollen sie Eigenverantwortung tragen. (…) Das passt nicht zusammen.

      Winterhoff will Erziehung (im sehr klassischen, überkommenen Sinne) statt Beziehung. Er will zurück, will mehr vom Alten. Dabei kritisiert er das Neue und macht es verantwortlich, verpasst aber, dass es in der Praxis nicht oder allenfalls in Ansätzen angekommen ist. Die Theorie-Praxis-Lücke ist enorm, Winterhoff tut aber so, als sei die Theorie falsch.

      Unter uns: Weder in der Psychiatrie noch in der Praxis der JH treffen wir Kinder, deren Eltern “Beziehung statt Erziehung” gelebt oder beziehungs- und bindungsorientierte Pädagogik praktiziert haben. Das widerspricht allen meinen Erfahrungen. Ich habe es oben schon gesagt: Winterhoff argumentiert wie Spitzer. Er dreht sich die Dinge zurecht, wie er sie braucht, um seine Auffassung zu unterlegen. Er macht ganz klar den Zielscheibenfehler. Er schießt erst seinen Pfeil, malt dann die Kreise drumherum und ruft “Volltreffer!”

      Kurz: Winterhoff verrührt Binsenweisheiten mit ein paar Erziehungsängsten, nimmt dazu ein Bund pädagogische Glaubenssätze, die jeder Grundlage entbehren, dazu drei Messbecher defizitorientiertes Menschenbild, das davon ausgeht, dass Kinder nicht gestärkt, sondern abgehärtet werden müssen. Darüber streut er eine Priese Populismus und viel Meinung eines ewig Gestrigen im vermeintlich wissenschaftlichen Gewand – und schon habe wir das Destillat einer satten Verallgemeinerung eines spezifischen Blickes auf eine Minderheit von Kinder- und Jugendpsychiatriefällen als Erziehungsratgeber. Vielleicht hat der Mann als Psychiater und Arzt etwas drauf, aber wer seine Ratschläge als Pädagoge annimmt, sollte sich vom nächstbesten Sozialpädagogen den Blinddarm entfernen lassen.

      Zum Weiterlesen:
      Zeit online: “Deutschland verdummt”: Pädagogik zum Gruseln
      https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2019-05/deutschland-verdummt-michael-winterhoff-bildungssystem-paedagogik-kinder/komplettansicht

  30. Vielen Dank mal wieder für die tolle Sendung!
    Ich bin selber Sozialarbeiterin und habe Freunde als Lehrer*innen.

    Schulsozialarbeit ist leider nicht ansatzweise an allen Schulen so vertreten wie ihr in Eurem Beispiel aufzeigt. Gerade die “Brennpunkt” -Schulen haben oft 1-2 Sozialarbeiter*innen für die ganze Schule. Hier müssten weit aus mehr Stellen geschaffen werden!
    Genauso ist hier zu bedenken, dass Lehrer*innen überhaupt nicht die richtige Ausbildung haben, um neben ihrem Unterricht auf die psychosozialen Probleme einzugehen. Daher bin ich sehr für eine Reformation der Lehrer*innen Ausbildung.

  31. Ulf endete glaube ich damit “dass Volksabstimmungen” für die Tonne seien oder so ähnlich. Das schien mir undifferenziert und evt. sollte man dazu mal jemanden von Mehr Demokratie e.V. oder vom Omnibus für Direkte Demokratie interviewen. Soweit ich weiß war das Brexit Referendum ein “konsultatives Referendum” von der Regierung initiiert. M.E. müssen Volksabstimmungen immer vom Volk (“von unten”) ausgehen und über Unterschriftensammlungen und ähnliches erst ein legitimes Interessen eines angemessen großen Teils der Bevölkerung nachweisen. Es geht bei “Volksabstimmungen” meiner Meinung nach nicht darum, dass sie die regierenden ihre Aktionen vom Volk absegnen lassen.
    Viele Grüße,
    Wolfgang

  32. Was man meiner Meinung nach bei der Diskussion um Bildungsarmut nicht vergessen darf ist, dass sich die gesellschaftliche und wirtschaftliche Wahrnehmung und Anerkennung von vielen Berufen ändern muss. Es bringt nichts, wenn mehr und mehr junge Leute studieren – sondern es bringt wirklich was, wenn junge Menschen während ihrer Schulzeit ihre Stärken und Interessen ausloten können und Talente gefördert werden. Denn wenn ich in der Schulzeit bereits entdecke, dass mir beispielsweise Frisuren für andere zu finden Spaß macht oder ich ein gesprächiger, offener Typ bin und mir dann aber gesellschaftlich und auch über das Durchschnittsgehalt vermittelt wird, dass weder Friseurin noch Einzelhändler so anerkannt sind, dann überlege ich es mir vielleicht nochmal und bin dann auch nicht bereit, voll hinter meiner Entscheidung zu stehen.
    Aber das gilt auch fürs Gymnasium: In meinen 13 Jahren Schuljahren waren zwar die Pflichtbesuche beim Berufsberater und im Berufsbildungszentrum angesagt, aber die meisten Lehrer haben lustlos den Lehrplan durchgezogen und niemandem Feedback gegeben.

    An meiner Schule gab es einen Schulpsychologen, allerdings wurden die Schüler*innen, die zu ihm gingen stigmatisiert. Dabei könnte man als Schulpsycholog*in auch wirklich gute Projekte machen – Kurse für mehr Selbstwert, Girl’s und Boy’s Day nachbereiten usw. usw.

  33. Lieber Ulf, lieber Philip,
    ich habe die LdN seit etwa Folge 90 gehört:

    Zuerst ausgewogen, analytisch und mit begeisternden Analysen; eine Symbiose aus juristischem Sachverstand und jounalistischem Feingefühl als Euer USP. Ein Format, das mich bei meinem Ziel der ausgewogenen Informationsbeschaffung echt bereichert hat. Dafür 100fach Dank.

    Seit einigen Monaten bemerke ich eine Verschiebung in einen Gesinnungsjournalismus. Vielleicht auch getragen durch Euren verdienten Erfolg und dem vielfachen, Euch sehr gegönnten Zuspruch und Zulauf. Am Ende vielleicht aber auch nur eine große Echo-Kammer, die Ihr Zentrum im Lifestyle der deutschen Metropolen, insbesondere Berlin, hat.

    Kalauer wie “Feinstaub-Andy” und “Hotte-Seehofer” hatte ich immer wie Fremdkörper in Eurem Format empfunden, die in einem feinsinnigen jouralistischen Format m.E. nichts zu suchen haben. Mich hat sowas (ich bin 50+) an “Merkels Frisur…. – Pause – Lacher” erinnert. Das hat Euch (insbesondere in der Lage live) phasenweise dicht an Formate wie die heute show geführt. Egal, kurz fremd geschämt und dann gerne weiter gehört.

    Mit Eurem Aufruf, SUV-Fahrer anzusprechen, habt Ihr mich jetzt als Fan Eures Formates verloren. Wo führt das hin? Gutmenschen und Schlechtmenschen? Die Moralisierenden und die, die sich schämen sollen? Ansprechen, Sticker, Aufkleber, die sich nicht lösen lassen, Kratzer, Sachbeschädigung, …? Ich weiß, das habt Ihr nie gesagt. Aber was habt Ihr nochmal über Trump so zutreffend analysiert: Er hat es nicht gesagt, aber er fördert ein Klima von…
    Demnächst dann vor dem Steak-House oder an der Fleischtheke im Supermarkt?

    Wir brauchen nicht noch mehr Spaltung in der Gesellschaft. Und auch keine Moral-Feindbilder. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der Verbote der erste Reflex sind. Das ist von Bevormundung nur schlecht zu trennen. An anderer Stelle haltet Ihr (wie ich finde völlig zu Recht) die Anreizsysteme hoch. Man muss nicht kompliziert denken, um auch bei teuren Autos, Flugreisen, Kreuzfahrten etc. entsprechende regulierende Wirkkreise zu diskutieren. Wenn man denn anderen Menschen Wohlstand oder sogar Luxus gönnen mag.
    Am Ende werde ich den Verdacht nicht los, dass beim Thema SUV die alte Auto-Neid-Status-Debatte unter dem Deckmantel der CO2-Problematik wieder ins Tageslicht drängt.

    Grüße, und Euch weiter viel Erfolg!

    (Und ich möchte nicht falsch verstanden werden: auch ich möchte viel weniger Autos in den Innenstädten: vor allem schnelle, laute und stinkende. Ob das Auto 3,80 m lang ist oder 5m, naja…)

    • Vorab: Ich finde den Vorschlag SUV-Fahrer anzusprechen völlig bescheuert, aber doch stört mich einiges an deinem Kommentar:

      “Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der Verbote der erste Reflex sind.”

      Es wurden doch explizit KEINE Verbote gefordert! Leute ansprechen auf ihr Verhalten und ein gesellschaftlicher Diskurs darüber was sinnvoll und notwendig ist, ist doch genau das GEGENTEIL eines Verbots! Sondern das Vertrauen darauf, dass jeder seine Freiheit vernünftig einsetzt!

      “Aber was habt Ihr nochmal über Trump so zutreffend analysiert: Er hat es nicht gesagt, aber er fördert ein Klima von…”

      Die beiden in eine Reihe mit Trump zu stellen ist nun wirklich absurd. Selbst wenn deine Vorwürfe stimmen würden: Autofeindlichkeit ist etwas anderes als Menschenfeindlichkeit. Ein SUV zu kaufen ist eine bewusste Entscheidung. Homosexuell oder Nicht-Weiß zu sein nicht. Ein zerkratzter SUV wäre etwas anderes als ein toter Mensch.

      “dass beim Thema SUV die alte Auto-Neid-Status-Debatte”

      Ich habe Angst, dass das alte – und schon immer falsch – Neidargument wieder auftaucht… Glaubst du die beiden könnten sich kein SUV leisten? Als Journalist im ÖR und als Richter? Ich könnte mir vermutlich jedes Jahr ein neues SUV leisten, aber habe noch nie in meinem Leben ein Auto besessen während Leute, die weniger verdienen immer eins hatten. Es gibt 1 Million Neu-Zulassungen jedes Jahr von SUJVs. Das hat doch mit Status nichts mehr zu tun!

      “brauchen nicht noch mehr Spaltung in der Gesellschaft.”

      Aber ein Miteinander Reden – wie es gefordert wurde – sorgt m.M.n. genau für weniger Spaltung. Weil Leute mal in Kontakt kommen und sich austauschen. Weil der SUV-Gegner mit einem SUV-Fahrer in Kontakt kommt anstatt in getrennten Mileus gegeneinander zu hetzen.

      “Wo führt das hin? Gutmenschen und Schlechtmenschen? Die Moralisierenden und die, die sich schämen sollen?”

      Es ist doch völlig normal, dass es in einer Gesellschaft Dinge gibt, die akzeptiert sind und solche die sozial eher geächtet werden. Natürlich gibt es Moral in unserer Gesellschaft! Wie schrecklich wäre es, wenn nicht? Ob jetzt der direkte Dialog eine sinnvolle Maßnahme ist wage ich zu bezweifeln. Aber dass es einen gesellschaftlichen Diskurs gibt über solche Dinge ist das normalste der Welt!

      • Hallo Faiid,
        vielen Dank für Deine Reaktion. Du hast Dir bei Deiner Erwiderung viel Mühe gemacht, deswegen möcht eich auch noch einmal darauf eingehen und vielleicht präzisieren:

        Miteinander Reden: Hier fehlt mir die Fantasie oder vielleicht auch einfach nur positive Erfahrung. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass aus so einer Situation ein konstruktiver Dialog entsteht. Vermutlich wird es Ausnahmen geben. In der Regel dürfte so etwas den Charakter von Peinlichkeit, Verärgerung und Scham tragen. Mit klar verteilten Rollen. Und – Hand aufs Herz – doch oft auch so beabsichtigt?

        Verbote und Neid: dies bezieht sich auf die Stimmung, die sich in der jüngeren Vergangenheit wieder breit macht: Der SUV wird nach meiner Einschätzung als Symbol des unreflektierten oder egoistischen Ressourcenverbrauchs stilisiert (Stadtpanzer,…). Und dabei werden nicht selten auch Verbote gefordert. Warum wird gerade der SUV rausgepickt? Was ist mit Urlaubsreisen, Fleischkonsum etc.? Die Frage, die eine Gesellschaft für sich beantworten sollte: Wie gehen wir mit überdurchschnittlich hohem Ressourcenverbrauch von (u.A.) Einzelpersonen um? Tolerieren? Moralisch ächten? Kompensieren (über Preis und zB Aufforstung) oder verbieten?
        Zugegeben, ich persönlich habe nicht für jede Fragestellung die gleiche Antwort. Im SUV-Fall halte ich die erste, zweite und vierte Variante für ungeeignet.
        Das mit dem Neid bezog sich bestimmt nicht auf dei Beiden! Die sind sehr authentisch. Ich frage mich nur, warum wir uns in der Gesellschaft gerade wieder auf genau dieses Feld einschießen. Das Auto dient immer noch Vielen dazu, um den Vermögensstatus zu dokumentieren. Ich finde das armselig. Aber warum stören sich gerade diejenigen daran, die von solchem Darstellungszwang frei sind?

        Trump: Es ging mir um das Prinzip., der eigenen Anhängerschaft mitzuteilen:
        “Ihr seid in Ordnung. Ihr seid moralisch auf der richtigen Seite. Die anderen sind es nicht.” Verbunden mit der Aufforderung zum Handeln kann es immer auch die geben, die sich bestätigt fühlen, einen Schritt weiter zu gehen. Das war oft genug auch Thema der Lage.

        Gruß, Jens

        • Hallo Jens, schade das es keinen “stimme dir voll zu” button gibt…. So bleibt mir nur dieser mühsame Weg dir zu schreiben. Ich hoffe das Format des podcasts bleibt so ausgewogen wie ich es kenne und wird nicht polemisch

        • Lieber Jens

          ich bin sogar schon seit Folge 5 treuer Hörer und ich bin dir extrem dankbar für deinen Kommentar. Ich hätte es nicht besser formulieren können. Ich habe genau das gleiche Störgefühl seit Monaten. Ich hatte Philip dazu schon mal was im Medienradio nach seinem interessantem Interview mit Heinz Bude geschrieben (das mir viel ausgewogener erschien als die LdN) er verwies darauf dass dieser von mir damals kritiserte Missionierungsansatz dr LdN noch wenig bei Ihnen kritisiert wird, was ich ihm natürlich auch glaube, wenn ich mir die meisten Leserzuschriften ansehe. Trotzdem bin ich überzeugt, dass die beiden sich deutlich vom Anspruch entfernt haben, in dem sie angetreten sind, weil genau der mich überzeugt hat, sie auch finanziell zu unterstützen. ich hatte die Idee der LdN so verstanden, dass sie wöchentlich die aus ihrer Sicht der Dinge relevanten politischen Sachverhalte darstellen und aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Dass das ganze eine eher urban und links geprägte Perspektive war, kam mir entgegen, ist auch meine. Aber wie Jens bin ich 50+, bin sozusagen gut situiert, lebe im Ausland und habe daher vielleicht mehr als andere LdN Hörer Freunde, Bekannte, Kollegen, die nicht LdN hören. dafür aber SUV fahren, Fleisch essen, eher konservativ auf die Gesellschaft schauen, die aber aus meiner Sicht keinerlei wenig Gutmenschen sind, wie man in linken Kreisen gerne annimmt. Die nehmen Flüchtlinge auf, die organiseren Vereins- und Kirchenarbeit, die spenden oft erheblich und trennen sogar den Müll. Wenn ich die dann auf die LdN verwies, aber ich immer geworben, eher links, aber reflektiert und ausgewogen, aber diese Umsonst-Reklame mache ich schon seit einiger Zeit nicht mehr, insbesondere weil die Perspektive auf die lokale Berlin-Politik für gerade absurd übertrieben positiv dargestellt wird. Jeden noch so kleine möglicherweise interessante Politikversuch wird gefeiert, aber übet das komplette Behördenchaos (habe auch ein paar Freunde in Berlin) wird freundlich hinweg gesehen. Letzes Beispiel war der Mietendeckel, den ich als Idee sogar für diskussionswürdig finde, aber der gerade in Berlin mit dieser Verwaltung und der vorgeschlagene Ausgestaltung einfach nicht funktionieren kann. Nach dem ziemlich aufgestauten Frust der letzten Monate hat mich das Thema SUV und die Empfehlung meine Freunde oder irgendwelchen anderen bösen SUV Besitzer darauf anzusprechen (aber immer dabei sachlich bleiben😞) dazu gebracht, meine liebgewonnen Hörgewohnheiten zu verändern iund mich auf die verzweifelten Suche zu machen, einen Podcast ohne Gesinnungs- und Missionarsdrang zu finden. Wird schwer, Ihr bleibt mir grundsätzlich sympatisch ( hier auch eher Philip, denn Ulf’s Weltbild ist so in Stein gemeisselt, da nutzt ihm sein auch sein SPD Austritt nichts) und sehr kompetent seid ihr beide’ Ich bin da echt traurig drüber, aber da ich auch nicht beabsichtige, in der Zukunft meine Freunde, Kollegen, Nachbarn auf ihren Wasser, Strom, Fahrrad, Fleisch oder Zuckerverbrauch anzusprechen, ziehe ich weiter mit dem Wunsch, dass ihr euch eure ersten Podcasts nochmal anhört. Vielleicht bringt es ja auch nichts, ihr macht jetzt was die Hörer wollen, hat Euch ja sicher Eure Umfrage gezeigt! Ich wünsche Euch alles Gute, den Erfolg habt ihr Euch absolut verdient, das meine ich sehr ehrlich, ist halt nur nicht mehr meine Welt

  34. Zur Aufforderung, SUV-Besitzer anzusprechen und ihnen ihr Auto zu verleiden, fällt mir nur folgendes Zitat ein:

    *Was wir schlecht finden, muss für alle verboten werden.
    Was uns nicht gefällt, dürfen auch alle anderen nicht haben.
    Was wir nicht sehen wollen, sollen auch alle andere nicht sehen.

    Wie man das *liberal* bei den Linksliberalen infrage stellen kann, ist mir wirklich ein Rätsel.*

    Das trifft es auf den Punkt.

    • Hallo Normadenseele,
      die Aufforderung insbesondere im Bekanntenkreis Personenanzusprechen, warum sie einen SUV gekauft haben und nicht etwa ein kompakteres Fahrezug, halte ich für legitim und vernünftig.
      Insebsondere in Angesicht des von Menschen extrem beschleunigten Klimawandels. Der ein oder andere SUV-Fahrer zur Reflexion anzuregen, halte ich für einen vernünftigen weg.
      Wenn dabei rauskommt, dass man dem Besitzer das Fahrzeug verleidet, dann doch wahrscheinlich nur deswegen, weil dem Beistzer bewusst geworden ist, dass er statt sich ein Nutzfahrzeug zukaufen, ein Statussymbol gekauft hat, was wenigstens zum Großen- bis Größtenteil an seinem eigentlichen Bedürfnissen vorbei geht.

      Der Vermeintlich Punkttreffer, geht m.E. folglich, auch ziemlich weit am Ziel vorbei.
      Ein Zitat kann im Übrigen ich auch, mit Quelle:
      “Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.” Immanuel Kant (1724-1804)

      Auf SUV bezogen, sehe ich das Problem, dass unsere Städte weder von den Straßen noch von den Parkplätzen, dafür geeignet sind, und spätestens da wo Fahrradfahrer keinen eigenen Weg haben, wird die Freiheit und zugleich die Sicherheit durch die Meisten SUV gefährdet, wenn nicht gar eingeschränkt. Und nein, allein von der Vernunft, macht es meines Erachtens überhaupt keinen Sinn Geld für größere Parkplätze und Straßen auszugeben, nicht im angesicht des von Menschen extrem beschleunigten Klimawandels. ÖPNV kombiniert mit P+R, sowie Fahrrad müssen gefördert werden, da deren Instandhaltungskosten für Straßen deutlich niedriger als der motorisierte individuall Verkehr.

      • Leute wie Sie werden nie begreifen, dass sie nicht das Recht haben, andere zu erziehen. Diskussionen mit Leuten wie Ihnen sind sinnlos Wenn ein Freund oder Bekannter dies versuchen würde, egal worum es geht, wäre er die längste Zeit mein Freund oder Bekannter gewesen.

        Irgendwann sind Leute wie Sie einsam, können sich aber einreden, Recht zu haben.

        • Liebe Nomadenseele, welche Substanz genau soll Ihr letzter Kommentar haben? Welchen sachlichen Punkt wollen Sie machen? Ich finde es einen schlechten Stil derart zu antworten. Egal, wie pathetisch Sie dabei werden.
          MfG

        • Schlechter Stil oder nicht ist mir egal.

          Sowohl der Vorschlag im Forum, SUV-Fahrer zu drangsalieren als auch in Dirks Verteidigung kann man beobachten, wie totalitär gesinnt Linke sind. Ich merke auch, dass ich nicht einmal mehr virtuell mit solchen Leuten verkehren möchte. Leute einfach leben zu lassen, wie sie möchten und es für richtig halten, geht nicht. Sie haben gefälligst so zu leben, wie man sich dies selbst vorstellt.
          Es ist schon spannend, wenn jemand in der PhoenixRunde über die Spaltung der Gesellschaft spricht und genau dies tut.

          Und Sie, Andrea, sind der Beweis, dass nur die Filterbubble akzeptiert wird, in welcher Widerspruch nur stört. Wie in einer Sekte.

          Ich lese gerade auf Empfehlung des Podcasts gerade *Wie Demokratien sterben* und Seite 97 und vorige habe mich derartig getriggert, dass ich glatt aufs Kommentarfeld gegegangen bin. Weil es mich fatal an den Podcast und Dirk erinnert.
          Interessanterweise gehen solchen Gefahren nie von einem selbst aus, sondern immer nur von den anderen.

        • Ok, so langsam wird klar, dass wir es hier mit einem Troll zu tun haben … sollten wir nicht weiter füttern.

        • *Ok, so langsam wird klar, dass wir es hier mit einem Troll zu tun haben … sollten wir nicht weiter füttern.*

          Ach so geht ihr mit Andersdenkenden um – passt ins Gesamtbild. Linke halt.

          Ihr seid zweibeinige Linksgrünen – Klischees – und ist kein Lob, soll auch keine Beleidigung sein, sondern eine (traurige) Feststellung.

          Hoffentlich gibt es mal einen richtig harten Rollback und hoffentlich wird dann mit Leuten wie Sie es sind genau so umgegangen wie ihr mit anderen umgeht. Aber kommt wahrscheinlich kommt dann die Feststellung, dass man ja so nicht mit Leuten umgeht. Austeilen ist bekanntlich angenehmer als einstecken.

          In der PhoenixRunde über die Spaltung der Gesellschaft der Gesellschaft und deren Überwindung philosopieren und dann selbst den Hammer zur Spaltung ansetzen, indem man dazu aufruft, SUV-Fahrer zu drangsalieren, und Kritiker als Trolle beschimpfen. Zerreißt es Sie eigentlich nicht vor inneren Widerspruch? Oder sind Sie merkbefreit? Oder ist Ihnen der Erfolg so zu Kopf gestiegen, dass Sie nicht mehr merken, was Sie treiben? Oder alles zusammen?
          Ich weiß ohnehin nicht, worum Sie noch ein Zweiergespräch führen, wenn Sie ohnhin beide immer diesselbe Meinung haben. Diskussion kann man das nicht mehr nennen. *Ich bin der und der Meinung.* – *Ja, hast Recht.*

          Was Sie da treiben, gerade wegen der hohen Zugriffszahlen, ist, politisch betrachtet, gelinde gesagt unintelligent. Wegen Leuten wie Sie es sind, wählen Leute den Widerstand. Lassen Sie sich das einfach von jemanden sagen, der wegen Leuten wie Ihnen die AfD wählt und viele AfD-Wähler kennt. Leute wie Sie verhärten die Fronten, und treiben die Wähler zur AfD.
          Da Ihnen in Ihrer Blase nur bestätigt wird, dass Sie vollkommen korrekt sind, lassen Sie sich sich einfach mal etwas sagen, der nicht in der Blase lebt.

          Und lesen Sie mal Henning Sußebach – Deutschland ab vom Wege: Eine Reise durch das Hinterland, ich habe als Schmackerl einen Auszug für Sie, vielleicht erkennen Sie sich ja wieder:

          Die meisten Redaktionen sind voller Städter, die fast immer Akademiker sind. Das ist kaum vermeidbar, weil es in meinem Beruf um Lesen und Schreiben geht, nicht darum, wie man ein Schwein schlachtet, einen Motor repariert oder ein Dach deckt. Der Fehler ist, sich deshalb wissend fühlen statt beschränkt. Wer verdrängt, dass es die anderen sind, die etwas können und etwas erleben, ist verschlossen da, wo Aufgeschlossenheit angebracht wäre. Ich kenne Redakteure, die fast nur mit Redakteuren befreundet sind. Ich kenne zig Redaktionen, in denen Menschen ähnlichen Alters, ähnlicher Sozialisation und ähnlichen Status beieinandersitzen, die sich alle für Werke von Quentin Tarantino interessieren, aber nicht für marode Turnhallen oder für Sturmschäden des Orkans Kyrill.

          Akademiker schrieben für Akademiker über Akademikerprobleme. In einigen Zeitungen wurden bis in feinste Verästelungen zwischen Positionen von Post., Post-Post Feministinnen und Pop-Feministinnen unterschieden, oder Antworten auf Antworten gedruckt, die bereits Antworten auf einen Essay waren, der sich mit der Frage befasst hatte, ob das Rauchverbot in Restaurants eines neuen Tugendterror sei. Insbesondere in Berliner Redaktionen konnte man den Eindruck haben: Das Das Spektrum des Bedenkens- wie Berichtenswerten werde immer schmaler – und zugleich verfestigte sich das Vorurteil, gleichaußerhalb der Stadt beginne eine Art nationales Dschungelcamp, ein Dumpfland, in dem die Leute nur damit beschäftigt sind, ihre Autos zu waschen und Grills anzufeuern. (S. 66- 68)

        • Ich werde nun hier aussteigen, bevor das hier endgültig eskaliert.

          Ich habe nur zwei Bitten an Sie beide und Ihresgleichen:
          Sollte die AfD irgendwann einmal über 20-30% im Bund kommen, dann nehmen Sie sich ein Glas Rotwein, setzen sich alleine damit in den Lieblingssessel und denken Sie mal ganz ehrlich über Ihren Anteil datan nach.

          Und wenn Sie eine Doku darüber sehen oder ein Buch darüber lesen, wie Trumps Wahl geschehen konnte, dann reflektieren Sie sich selbst. Sie können solche Politiker verhindern, aber nicht auf die Art und Weise, wie Sie sich das denken. Und je mehr Zuhörer oder Follower auf Twitter man hat, umso mehr sollte man sich seiner Verantwortung bewusst sein.

          Leute wie Sie lösen Widerstand aus, und meine Möglichkeit, und die vieler anderer, ist nur, entsprechend zu wählen. Lassen Sie die Leute einfach so leben, wie diese es wollen.

      • Ich wäre da bei dir, wenn es nicht immer nur so platt um die “SUV’s” gehen würde, da gibt es kleine und große und warum zaubert ein fast 5m langer und 2m hoher Bully ein lächeln ins Gesicht. In Hamburg Eimsbüttel ist die VW Bully Dichte enorm hoch und sicher genauso zu hinterfragen ….

  35. Lieber Herr Banse, lieber Herr Buermeyer und liebe Community,

    auch im Bezug auf die heutige Phoenix Runde, möchte ich etwas näher verstehen. Es geht dabei um wie „leicht“ man unsere Demokratie aushebeln kann. In Groß Britannien geschiet dies bereits und ich habe mich mit einer Kollegin lange darüber unterhalten.

    Ihre Grundlage war folgender Artikel in der SZ (Obacht Paywall: https://sz.de/1.4588860 ). Ist das tatsächlich so leicht möglich? Bisher dachte ich man braucht zeitgleich Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat (damit auch in mehreren Bundesländern), dem Bundestag und bei der Wahl zum Bundespräsidenten. Am Besten sogar noch beim Bundesverfassungsgericht, falls es zu Verfassungsklagen kommt. Das erschien mir immer recht schwierig und in dem Artikel der SZ wird ein anderes Szenario dargestellt. Zugegeben, es ist eine Dystopie, aber das klingt einfacher, als (möglichst) Zweidrittelmehrheiten und einem*r unterstützenden Bundespräsidenten*in.

    Ich freue mich auf Antworten.

    Liebe Grüße
    Daniel

  36. Hallo ihr zwei.

    Ich möchte etwas zu dem Thema Bildungsungleichheit – Kita soll kostenlos werden sagen.

    Meine Meinung ist, dass eine Kita NICHT kostenlos sein sollte. Mehr noch, der Kita-Beitrag sollte nach dem Gesamteinkommen des Haushaltes gestaffelt werden – genau wie es in Hamburg üblich ist.

    Ich wohne in Sachsen und bezahle für mein Kind gerade rund 120Euro für einen 8 Stunden Kita-Platz.
    Die 120Euro plus rund 70Euro für Essen monatlich stehen je nach Haushaltsnettoeinkommen in einem anderen Verhältnis.
    Beispiel:
    – Beide öffentlicher Dienst rund 4000Euro Netto Haushaltseinkommen – Kindergartenbeitrag 4.5%
    – Handwerker und Friseurmeisterin rund 2500Euro Netto Haushaltseinkommen – 7.2%

    Wer ein geringes Einkommen hat kann über das Paket Bildung und Teilhabe Unterstützung erfahren.
    Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Leistung_f%C3%BCr_Bildung_und_Teilhabe#Anerkannte_Bedarfe_f%C3%BCr_Minderj%C3%A4hrige

    In Sachsen ist die SPD ein Vertreter, dass Kitas kostenlos werden sollen. Ein SPD Kandidat Martin Duhlig, welcher auch den wegfall der Gebühren fordert, konnte mir vor der Wahl im Bürgergespräch folgende Fragen dazu nicht beantworten:
    – Wie sollen die kostenlosen Kita-Plätze finanziert werden?
    – Wenn Sie einen Finanzierungsplan haben, warum konnten Sie den Erziehern nicht entgegen kommen mit wichtigen Punkten wie der
    — Senkung des Personalschlüssels und beispielsweise
    — Anerkennung von mehr Vorbereitungszeit.
    Beide Themen sind grundlegende Forderungen des Graswurzelbündnisses (Link: http://die-bessere-kita.de ).

    Zusammenfassend: In Sachsen kann jeder der wenig verdient bei den Kita-Gebühren einfach unterstützt werden. Wie es in den anderen Bundesländern aussieht weiß ich leider nicht.
    Sachsen kann den Betreuerschlüssel nicht weiter senken, weil sie nicht wissen wie das finanziert werden soll.
    Sachsen kann den Erziehern keine weiter Vorbereitungs- oder Nachbereitungszeit bezahlen, weil kein Geld da ist.
    Und bei all dem fordert die SPD kostenlose Kitas. Wie soll das gehen?

    Ich finde ein nach Einkommen gestaffelter Beitrag und dann investieren wir eher in die Qualität der Kitas. Denn das hat in den letzten Jahren sehr gelitten.

    Viele Grüße, Frank (kein Erzieher – nur Papa)

  37. Boys! Langsamer. Ihr habt euer Gesprächstempo wieder so upgestepped. Empfinde es teilweise etwas anstrengend euch zuzuhören.
    Vielleicht könnt Ihr ja das Redetempo etwas reduzieren?
    Beste Grüße!

    • Die einen finden es zu schnell, die anderen zu langsam … dabei gibt es eine einfache Lösung: In einer guten Podcast-App kann man die Geschwindigkeit selbst einstellen ;)

  38. Lieber Philip Banse, lieber Ulf Buermeyer,

    zum Thema Schulsozialarbeit möchte ich einen kurzen Bericht aus der Praxis geben: Ich bin Lehrer an einer sogenannten Brennpunktschule: sehr viele sozial schwache Familien, viele Schüler mit Migrationshintergrund, viele “Flüchtlingskinder”. An unserer Schule werden über 1000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Derzeit haben wir einen Schulsozialarbeiter! Eigentlich würde man für jeden Jahrgang einen benötigen. Wir Lehrer übernehmen Aufgaben, für die wir nie ausgebildet wurden: Integration, Sprachförderung, Schulsolzialarbeit, Inklusion…. Ach ja, Unterricht ist da ja auch noch: In sehr leistungsheterogenen und z.t. “verhaltensoriginellen” Klassen (vom Schüler mit einem Förderbedarf, über Flüchlingskindern, die wenig Deutsch sprechen, schreiben und verstehen, bis zum Schüler, der Abitur machen möchte, ist bei einer Klassenstärke von über 30 Schülern alles dabei. Natürlich meist ohne einen dafür ausgebildeten (Förderschul-)Lehrer oder zumindest eine Doppelbesetzung. Entlastungen oder Fortbildungen in/für diesen Bereich? Fehlanzeige. Der Förderschullehrer absolviert dazu viele Semester einen speziellen Studiengang. der “normale” Kollege soll das nach einem Tag Fortbildung (sofern diese überhaupt angeboten wird) können.
    Schulsozialarbeit ist ein ganz wichtiger Faktor an Schulen in Zusammenarbeit mit Lehrern und Jugendämtern, Beratungsstellen usw. Aber eine Person an einer großen Schule sind selbstverständlich zu wenig. Das deutsche Schulsystem krankt an vielen Stellen…
    Bildung kostet viele personelle und finanzielle Ressourcen, die es nicht gibt… Wundern wir uns also nicht über die Folgen….

    Bitte befasst euch weiterhin mit dem Thema Bildung! Auch im Vergleich der einzelnen Bundesländer. Dort gibt es nämlich teils erhebliche Unterschiede! Denn Bildung ist ja Ländersache…

    • Ich kann mich dieser Aussage nur anschließen.
      Ich bin angehende Lehrerin in Leipzig und arbeite neben meinem Staatsexamen als Schulbegleiterin und Nachhilfelehrerin. Die Idee der Sozialarbeiter_innen ist super wichtig, wird aber so gut wie nie umgesetzt, da zu wenig Personal eingesetzt wird. Außerdem fehlt es an Lehrkräften, sodass die Schüler_innen teilweise ein halbes Jahr keinen Mathematikunterricht haben oder permanent wechselndem Lehrerwechsel ausgesetzt sind. Inklusion ist in der Theorie schön, in der Praxis wird dafür zu wenig Personal beschäftigt. Um das Problem zu beheben, werden Studienplätze erhöht. Aber die Universitäten haben einen Mangel an Professsor_innen, sodass wir teilweise von Professoren oder Professorinnen im Ruhestand unterrrichtet werden. Die Räumlichkeiten für Laborpraktika reichen nicht aus etc.
      Bildung ist ein Thema, was in eurem Podcast bisher selten erwähnt wurde. Ich höre sehr gerne euren Podcast und bin sehr zufrieden.
      Mit dem Thema Bildung könnt ihr euch gerne mehr beschäftigen. Hier sind Probleme nicht weit und die Politik stellt diese erst fest, wenn es zu spät ist (siehe Lehrer_innenmangel)

  39. 11. September 2019 um 20:15 Uhr
    Andreas Baumkötter

    Hallo ihr zwei,
    euren Podcast habe ich heute auf dem Weg zur Arbeit in meinem SUV gehört.
    Zu den Fakten:
    Ich fahre einen VW Tiguan mit 150PS, ohne Allrad und mit Automatik. Der CO2-Ausstoß liegt bei 155g/km. Das ist vergleichbar mit einem Passat oder Golf oder Touran mit gleicher Motorisierung. Mein Auto ist auch nicht schwerer als ein Passat. Aber es ist ein SUV und damit bin ich ein schlechter Mensch!

    Ich will damit sagen, dass es eben unterschiedliche SUV gibt. Klar gibt es die übermotorisierten Panzer. Aber es gibt auch Sportwagen oder Limousinen mit mehr als 300PS. Das ist dann ok?

    Der Aufruf, SUV-Fahrer an den Pranger zu stellen ist vergleichbar mit der Aussage, alle Ausländer wären kriminell! Das ist technologischer Rassismus (ich weiß, etwas übertrieben).

    Sinnvoll wäre endlich ein Tempolimit und eine Leistungsobergrenze (PS/kg). Ich finde einen Golf GTI genauso unsinnig und gefährlich wie einen Porsche Macan und einen Mercedes AMG.

    Bis vor ein paar Jahren bin ich übrigens mit der Bahn gependelt, aber der immer schlechtere Service (Verspätungen, Ausfälle, Überfüllung, schlechte Anschlüsse) hat mich (wie so viele andere) wieder auf die Straße getrieben.

    Viele Grüße und danke für den tollen Podcast,
    Andreas

    • Hallo Andreas,
      auch wenn ich mich jetzt wahrscheinlich sehr unbeliebt mache bei dir….
      Erst einmal zu der Aussage, dass ein Touran oder ein Golf, bei gleicher PS zahl ca. den gleichen CO2-Ausstoß haben, das hätte ich gerne verlinkt und schriftlich.
      Ich habe jetzt nicht nach Datenblättern gesucht, die dürften auch nur sehr schwierig zu finden sein, also habe ich mit VW-Konfigurater herum gespielt, dieser funktioniert aktuell für die von dir genannten Modelle nur für die “IQ. DRIVE”-Serien:
      Der Tiguan “IQ.DRIVE”: 1,5 l TSI OPF 110 kW (150 PS) 6-Gang Super 95 Kraftstoffverbrauch kombiniert: 5,8 l/100km9 und CO₂-Emission kombiniert: 132 g/km9
      Der Touran “IQ.DRIVE”: 1,5 l TSI OPF 110 kW (150 PS) 6-Gang Super 95 Kraftstoffverbrauch kombiniert: 5,9 l/100km8 und CO₂-Emission kombiniert: 135 g/km
      Der Golf “IQ.DRIVE”: “IQ.DRIVE” 1,5 l TSI ACT OPF 110 kW (150 PS) 6-Gang Super 95 Kraftstoffverbrauch kombiniert: 5,1 l/100km8 und CO₂-Emission kombiniert: 116 g/km <<<<<
      Golf Variant "IQ DRIVE" 1,5 l TSI ACT OPF 110 kW (150 PS) 6-Gang Super 95 Kraftstoffverbrauch kombiniert: 5,1 l/100km8 und CO₂-Emission kombiniert: 117 g/km

      Ein Unterschied 116 zu 132g/km mag jetzt groß wirken aber bei 20.000km sind das schon 320 KG eingespaartes CO2, bei einer Laufleistung von 60.000-70.000km ist es sogar schon 1t CO2. Es läppert sich.
      Das Sich der Tiguan und der Touran nicht groß unterscheiden dürfte nieamnden verwundern, da das eine ein SUV, das andere ein "Familien"-Van ist. Die sind halt deutlich Schwerer als der Golf oder ein Variant und haben einen höheren Luftwiderstand, falls letzteres bei der Berechnung überhaupt berücksichtig wird.
      Weswegen ich auch inständig hoffe, dass die Leute, die sich einen Golf kaufen auch nach Möglichkeit, die kleinste PS Zahl nehmen. Scheinbar ist diese bei dem obigen Modell nur folgende:
      TSI OPF 85 kW (115 PS) 6-Gang Super 95 Kraftstoffverbrauch kombiniert: 4,8 l/100km8 und CO₂-Emission kombiniert: 110 g/km
      Warum ein Kleinfahrzeug nicht mit "nur" 90/95/99 PS angeboten wird, ist mir persönlich nur schleierhaft, hat allerdings wahrscheinlich damit zu tun, dass die Autos heute im Schnitt allesamt größer und Schwerer sind als früher.

      Eigene Erfahrung:
      Ich habe mir mit 2 weiteren Personen und Ladung mal für eine Strecke von 1600km einen SUV geteilt, egt. war ein Kombie vorbestellt.
      Es war eine interessante Erfahrung, aber mir war damals schon klar, dass ich so ein Fahrzeug niemals selber haben will. Als pasionierter Sprinter Fahrer, habe ich sofort gemerkt, dass trotz Sensorik und Rück-Kamera, es immernoch mehr tote Winkel gab, als bei einer Limousine oder Kombi.

      SUV-Fahrer an den Pranger zu Stellen halte ich für den falschen Weg.
      SUV/Van-Fahrern das Fahren insbesondere in Innenstädten zu vermiesen, bin ich sofort dabei.
      Folgendes:
      Zum einen zeigen die Zahlen oben relativ deutlich, dass ein SUV einiges mehr g/km an CO2 produzieren als z.B. ein Golf mit der gleichen Motorisierung, zudem sind sie leider auch noch um einiges Breiter als z.B. als ein Golf und auch als ein Kombi. Letzteres führt unweigerlich zu Problemen auf Parkplätzen.

      Als Fahrradfahrer:
      Ich habe das Glück von der Größe etwas über dem Durchschnitt zu liegen, aber selbst für mich ist es auf den Fahrrad teilweise schon echt ungangenehm, einen SUV vor der Nase zu haben. Ein Van ist meistens auch nicht viel besser. Für Schulkinder mit Fahrrad, sind beide Fahrzeuge gleichermaßen eine Katastrophe, insbesondere dann, wenn die Scheiben getönt sind.

      Bei Fahrzeugen größer als ein Kombi gilt meines Erachtens, der Fahrer muss mit besonderer Aufmerksamkeit fahren. Leider so mein Eindruck fahren fast alle Verkehrsteilnehmer umsichtiger als viele SUV-Fahrer.
      Meine Vermutungen: Man fühlt sich sehr sicher in diesen Fahrzeugen, man hat (vermeintlich) einen guten Überblick; bei nicht wenigen führt das zu "mutigerer" statt vorsichtiger Fahrweise, denn wer will einem schon reinfahren; das sowohl unsere Straßen als auch die Parktplätze nicht für SUV ausgelegt sind, führt aber zugleich zu einem höheren Stresslevel, was wiederum die Aggression fördert, welche wiederum sich sehr negativ auf die Aufmerksamkeit auswirken kann.
      Insbesondere um Schulen und Kindergärten, die nicht selten in unmittelbarer Nähe liegen, halte ich sogar einen Bann für bestimmte Fahrzeugtypen langfristig für gerechtfertigt.

      Viele Grüße
      Dirk

    • “Der Aufruf, SUV-Fahrer an den Pranger zu stellen ist vergleichbar mit der Aussage, alle Ausländer wären kriminell! Das ist technologischer Rassismus (ich weiß, etwas übertrieben).”

      Ich verstehe was du damit meinst, nämlich dass Verallgemeinerung und alle über einen Kamm scheren nicht hilfreich ist. Das stimmt natürlich. Trotzdem verharmlost es Rassismus, wenn man Kritik an SUJVs damit vergleicht. Gegenstände und Menschen sind etwas fundamental unterschiedliches. SUV-Fahrer könnten auch ein anderes Auto fahren. Nicht-Weise oder Homosexuelle können nicht Weiß oder Hetero sein.

  40. Hallo ihr beiden,
    erst einmal vielen Dank für den informativen und spannenden Podcast.
    Ich höre die Lage jetzt seit gut zwei Jahren und bin immer wieder sehr überzeugt.
    Ihr ruft in der Folge dazu auf mit SUV Fahrern zu sprechen und ich würde mich freuen, wenn ihr noch zu viel mehr aufrufen würdet.
    Ich studiere Umweltingenieurwissenschaften in den letzten Zügen meines Bachelors und beschäftige mich neben dem Studium sehr viel damit welche Maßnahmen im Bezug auf das Thema Klimaschutz wie wirksam und effektiv sind. Ihr gebt immer wieder Empfehlungen ab, so wie diese mit dem SUV Fahrern, ich würde mir dazu mal etwas fundiert recherchiertes wünschen, quasi als Überblick.
    Ich glaube das Individuum kann in diesem Bereich sehr viel bewirken und gerade, da ihr eine sehr große Hörerschaft habt könntet ihr in diesem Bereich viel erreichen.
    So wären zum Beispiel die CO2 Kompensation von Flügen und die Ernährung, hier vor allem auch die Regionalität und manchmal sogar noch effektiver die Saisionalität neben Vegetarismus und Veganismus, Punkte die ich bis jetzt entweder nicht mitbekommen habe bzw. etwas vermisse.
    Ein anderer Punkt der für mich generell oft völlig untergeht wäre vielleicht auch darüber nachzudenken privat Geld in die Hand zu nehmen.
    Eine Tonne CO2 zu kompensieren kostet auf atmosfair.de (die Tranparenz und Wirksamkeit sei jetzt einfach mal angenommen) momentan etwas 23€. Der durchschnitts Deutsche verbraucht im Jahr (wieder laut atmosfair) etwa 11 Tonnen im Jahr, womit man mit ca 21€ im Monat bilanziell schonmal klimaneutral leben würde. Die Idee stammt daher, dass wir uns im Freundeskreis gefragt haben warum man denn bei der Kompensation von klimaschädlichen Verhalten bei Flügen aufhören sollte. So haben wir uns dann mit dem ein oder anderen entschlossen einfach direkt unser ganzen Leben auszugleichen und mit Verhalten was klimafreundlicher als Durchschnitt ist sogar bilanziell CO2 aus der Luft holen.
    Dies ließe sich natürlich in viele Richtungen weiter denken, sprengt aber glaub ich die übliche länge eines Kommentars.
    Ich hoffe ich konnte einen kleinen Anstoß geben und würde, falls ihr so vorgeht, bestimmt auch den ein oder anderen Artikel oder wissenschaftliche Grundlage beisteuern können.
    Beste Grüße

  41. Hallo Ulf,
    stör dich nicht daran, das du immernoch Post bekommst von der SPD mein Vater hat bis vor einem Jahr noch Post von denen bekommen, obwohl er vor ziemlich genau 3 Jahren gestorben ist…

  42. Hallo ihr Beiden,

    Etwas verspätet, aber dennoch möchte ich mich zum Thema Vermögenssteuer äußern.

    Ich komme von einem mittelständischen land- und forstwirtschaftlichenFamilienbetrieb mit 20 Mitarbeitern. Auf Familienunternehmen seid ihr zwar extra eingegangen, ich möchte aber trotzdem noch einmal auf die Sonderstellung der Land- und Forstwirtschaft eingehen und zeigen, was für verheerende Folgen eine solche Vermögenssteuer in diesem Sektor haben kann.

    Dazu eine kleine Rechnung am Beispiel unseres Betriebs:

    Durch einen großen Hof und einige Gebäude welche unter Denkmal- und Ensembleschutz stehen ergeben sich hohe laufende Kosten, welche natürlich den Gewinn mindern! Mit einem Jahresgewinn von 70-120.000€ nach Steuern (bei den momentanen Holzpreisen durch die Trockenheit sind es eher 40-50.000) sind wir in normalen Jahren bzw. im langjährigen Mittel dennoch gut aufgestellt und die Familie mit 3 Generationen kann gut davon leben.

    Bei den durch Investoren und Spekulationen absurd hohen Bodenpreisen ergeben sich in unserer Gegend zwischen 40 und 60 Mio€ Vermögen für unsere Land- und Forstflächen. Dabei sind die Gebäude, Maschinen etc. noch gar nicht mit eingerechnet. Das klingt nun erstmal nach viel, aber rechnen wir nun weiter:

    Nehmen wir den von euch besprochenen und wohl auch allgemein diskutierten Steuersatz von 1% bis 1,5% auf das Vermögen, so ergibt sich eine jährliche Vermögensteuer von 400.000 und 900.000.

    Wie unschwer zu erkennen, kann ein solcher Betrieb wie der unsere unter keinen Umständen eine solche jährliche zusätzliche Steuerlast tragen und das trotzdem uns der Betriebsprüfer einen äußerst effiziente Wirtschaftsweise bescheinigt und die Bodenpreise in unserer Region noch relativ moderat sind (andernorts liegen sie bis um das 4-fache höher), was sich natürlich auf den Vermögenswert auswirkt.

    Anders als in anderen Brachen sind land-und forstwirtschaftliche Unternehmen extrem kapitalintensiv bei verhältnismäßig geringen Erträgen. Insbesondere Familienbetriebe sind auf ein langfristiges
    Erhalten der Einkommensquelle für die eigene und zukünftige Generationen ausgelegt. Eine einfache Bewertung des Vermögens, bei einem etwaigen Verkauf von Grund und Boden ist daher nicht aussagekräftig darüber wieviel Steuern ein solcher Betrieb verkraften kann. Umso absurder erscheint hier die Bewertung von Gebäuden auf dem Hof, welche durch Denkmal- und Ensembleschutz sogar nur sehr eingeschränkt genutzt werden können ( die großen Dachflächen beispielsweise dürfen nicht für
    Photovoltaik genutzt werden, Tore sind für moderne Maschinen zu klein, …). Solche Gebäude stellen für einen Betrieb lediglich hohe Kosten, und vielleicht einen sozialen Nutzen durch nettes ländliches bzw. bäuerliches Aussehen dar, wirtschaftlich sind sie aber nicht. Das ebendiese Gebäude nun noch besteuert werden sollen, erschließt sich mir nicht, das hat auch nichts mit Vermögensanhäufung zu tun.

    Ich hoffe ich konnte euch eine neue Perspektive auf die Sonderrolle der Land- und Forstwirtschaft eröffnen und ihr seht, dass Unternehmen eben nicht gleich Unternehmen ist und die Bemessung des Vermögens durchaus weniger aussagekräftig sein kann, als die des Ertrags. Der Pflichtanteil für weichende Erben beispielsweise wird genau aus diesem Grund in der Land- und Forstwirtschaft am Ertrag und nicht am Vermögen bemessen, da sonst der Erbvorgang jeden derartigen Betrieb mit mehreren Erben in den Ruin treiben würde.

    Ich hoffe trotz meiner wirren schnell auf dem Handy getippten Zeilen etwas aufklären zu können.

    Herzliche Grüße von einem trotz dieses langen Textes begeisterten Hörers eures Podcasts.

    A.

    • Lieber A., herzlichen Dank für Deinen Beitrag!

      Die Bedenken finde ich absolut plausibel – natürlich gibt es Konstellationen wie Deine, wo der Buchwert des Vermögens in keinem Verhältnis zum Ertrag steht. Ähnlich ist es bei Startups, die für
      Millionenbeträge gehandelt werden, aber keinen Cent verdienen, weil sie jahrelang Geld von Investoren verbrennen in der Hoffnung, dass die Bude irgendwann “fliegt”.

      Für solche Konstellationen müsste eine VSt. natürlich Ausnahmen kennen.

    • Bei 60.000.000€ Wert und 120.000€ jährlicher Gewinn kann man nur sagen:

      VERKAUFEN!!!

      Wir reden hier von einer Rendite von 0,2%. So viel Zinsen bekommst du auf dem Girokonto.
      Schon bei einer moderaten Entnahme von 1%, womit euer Vermögen NIE aufgebraucht wird, verfünffachst du dein jährliches Einkommen.

      Eigentlich kann man bei der jetzigen Situation nur von Liebhaberei sprechen. Oder du spekulierst darauf, dass die Bodenpreise weiter steigen. Dann ist genau dafür die Vermögenssteuer gedacht.

      • “Eigentlich kann man bei der jetzigen Situation nur von Liebhaberei sprechen.”

        Sollte nun Liebhaberei finanziell “bestraft” werden in dem man eine entsprechende Vermögenssteuer einführt? Ich bin ja definitiv für eine Vermögensteuer, aber ich möchte auch nicht in einer Geselschaft leben in der keine Liebhaberei mehr möglich ist und alles immer Rendite abwerfen muss…

        Wobei eine Vermögenssteuer natürlich nur Liebhabereien ab einer bestimmten Höhe angreifen würde…

        • Dazu folgendes Beispiel:
          Ich sitze in meinem 2 Millionen Euro Loft und besitze einen 1 Millionen Euro Maserati.
          In meinem Loft bastel ich Modeschmuck und fahre den mit meinem Maserati an Kunden ausfahre. Damit mache ich 500€ Gewinn im Monat.

          Das sind genau die gleichen Verhältnisse, wie im o.g. Beispiel. Nur wird hier niemand davon ausgehen, dass Auto und Wohnung nicht unter die Vermögenssteuer fallen sollten, nur weil 0,2% “Rendite” daraus gezogen wird.

          Entweder überschätzt Landwirt A. den Wert seines Bodens massiv oder er nutzt ihn völlig unwirtschaftlich. Denn weiß nicht, welcher Investor mit der Verlockung von 0,2% Rendite 60 Millionen Euro in die Hand nimmt.
          Und für diesen Fall ist ebenfalls eine Vermögenssteuer gedacht.

  43. Ich bin Hörer der ersten Stunde und möchte vorab Danke sagen für den Podcast.

    Thema: Kita-Pflicht

    Ich habe mit erstaunen vernommen, dass die geforderte Kita-Pflicht hier nur randläufig aber völlig unkritisch als “gute Sache” wegkommt. Dazu gäbe es Vieles zu sagen; ich möchte mich aber im Wesentlichen auf einen Aspekt beschränken.

    Wer eine Kita-Pflicht fordert, sollte sich vorher gut anschauen, ob die Kinder überhaupt von der Kita profitieren. Das ist bei näherem Hinsehen nicht so einfach zu behaupten. Es liegt vollkommen auf der Hand, dass das eine Frage der pädagogischen Qualität der Kita ist. Aber auch die Kinder mit ihren Familien sind nicht alle gleich. Die Frage müsste also lauten: Wer genau profitiert den eigentlich von welcher Kita – und wer vielleicht nicht?

    Als Referenz hierfür sei die NUBBEK-Studie genannt: “Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit” (siehe: http://www.nubbek.de/media/pdf/NUBBEK%20Broschuere.pdf).

    NUBBEK hält zunächst fest, dass die Prozessqualität bei rund 80% der erfassten 567 Betreuungssettings (Kita) mittelmäßig, bei knapp 10% gut und bei etwas mehr als 10% schlecht war. Dem läßt sich (holzschnittartig) die Prozessqualität der Familien gegenüberstellen (knapp 2.000 Familien wurden untersucht).

    Hinsichtlich der pädagogischen Qualität von Kindertageseinrichtungen und Familien lassen sich somit folgende Konstellationen überkreuzen:

    Familie: gute Qualität/ mittlere Qualität/ schlechte Qualität
    Kita: gute Qualität/ mittlere Qualität/ schlechte Qualität

    Verallgemeinert lässt sich nun feststellen, dass Kinder, die zu Hause eine qualitativ gute Familienerziehung erhalten, vom Besuch einer qualitativ guten Kindertageseinrichtung (10%) kaum beeinflusst werden. Bei einer mittleren oder schlechten Qualität (90%) der Kita können Nachteile nicht ausgeschlossen werden.

    Betrachtet man nun die Kinder aus eher mittelmäßigem häuslichen Umfeld, so können diese nur vom Besuch einer qualitativ guten Kita profitieren; die mit knapp 10% aber sehr selten ist.

    Erfreulich profitieren können Kinder aus niedrigen sozioökonomischen Lebenslagen, so sie nicht in den schlechtesten Kitas landen (10%).

    Ich fasse zusammen: Für die meisten Kinder bleibt das Bildungsangebot in den Kindertageseinrichtungen hinter der familiären Bildungsanregung zurück. Der Bildungs- und Entwicklungsstand der Kinder hängt stärker mit Merkmalen der Familie als mit Merkmalen der außerfamiliären Betreuung zusammen.

    Natürlich müssen wir die Schwächsten besonders in den Blick nehmen. Bevor wir aber kritiklos über eine Kita-Pflicht nachdenken, sollten wir uns die Qualität der Kita genau anschauen. Die Qualität der Kita sehe ich auch durch das “Gute-KiTa-Gesetz” nicht nennenswert verbessert. Es fehlen massenhaft Fachkräfte, nicht zuletzt durch die Einführung des Rechtsanspruchs. Stattgefunden hat ein quantitativer Ausbau, der die Qualität völlig außer acht gelassen hat. In Hamburg werden gerade Erzieher*innen in sechs Wochen “ausgebildet”. Mittels einem Crashkurs können Krankengymnast*innen, Hebammen, Entbindungspfleger oder Dorfhelfer*innen sich für die Arbeit in der Kita “qualifizieren” ( §7 Abs. 2 Nr. 10 KiTaG). Und während in Deutschland Erzieher*innen in Schulen ausgebildet werden, wird in fast allen EU-Ländern eine Ausbildung auf Universitätsniveau verlangt. So dürfen deutsche “staatlich anerkannte Erzieher*innen” z.B. in Frankreich nur als Helfer*innen arbeiten…

    M.E. können wir in Deutschland erst dann über eine Kita-Pflicht nachdenken, wenn die Qualität der Einrichtungen stimmt. Dazu bräuchten wir eine Professionalisierung, die nicht in 1-2 Jahren über die Bühne geht.

    Im Übrigen haben wir hierzulande schon sehr lange eine Schulpflicht (übrigens keine Bildungspflicht). Einen guten Beitrag zur Auflösung des bedeutenden Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status der Eltern und dem Bildungserfolg der Kinder leistet diese Pflicht bislang nicht. Sie führt im Gegenteil m.E. zu Innovationsresistenz. Lebenszeitprinzip/ Verbeamtung und die mit der Schulpflicht einhergehende Machtstellung von Lehrkräften verhindern dringend erforderliche Anpassungsleistungen.
    Ich schließe mit dem Zitat des Bildungsforschers Wilfried Bos (Autor der TIMSS-Studie), der angesichts einer immer heterogener werdender Schülerschaft sagte: “Wir haben noch immer den gleichen Unterricht wie vor acht Jahren. Es ist ständig von mehr Individualisierung die Rede, aber sie findet immer noch zu wenig statt.“

  44. Da dies mein erster Kommentar ist, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mich für eure wöchentliche Arbeit zu bedanken. Auch wenn ich euren Ansichten nicht immer zustimme, nehme ich eure Informationsgrundlage immer als verlässlich und fundiert wahr.

    Nun zum Inhaltlichen: Wenn ich mich nicht irre, dann habt ihr das Problem der Kreuzfahrten im Rahmen der LdN noch nicht ausführlicher thematisiert. Die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere aus Deutschland ist seit 2004 kontinuierlich von 890 Tsd. auf mittlerweile 2,7 Mio. gestiegen (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/180388/umfrage/passagiere-von-kreuzfahrten-aus-deutschland/). Abgesehen davon, dass Kreuzfahrten meiner Meinung nach die uninspirierteste Art, zu reisen, sind, sind sie wirklich klimaschädlich. So verursacht ein Passagier einer 7-tägigen Kreuzfahrt einen CO2-Ausstoß von über 3 Tonnen (Neumeier, CO2-Ausstoß von Kreuzfahrtschiffen berechnen, 13.7.2016, https://www.cruisetricks.de/klimarechner-co2-ausstoss-kreuzfahrtschiffe/). So nötig ein Umdenken im Bereich des Fliegens auch ist, eine drastische Reduzierung, wenn nicht sogar ein Verbot von Kreuzfahrten ist mindestens genauso wichtig. Fliegen ist auf langen Strecken praktisch alternativlos und es kann in einer globalisierten Welt gute Gründe dafür geben. Diese können beruflicher Natur sein, aber auch ein Urlaub in einem fernen Land, sofern es kein Strandurlaub in einem Ferienressort ist, trägt meines Erachtens einen wichtigen Teil zur interkulturellen Verständigung bei. Kreuzfahrten hingegen sind nicht nur klimaschädlich, sondern auch schlecht für die Reiseziele (Asam, Stehen Kreuzfahrten vor dem Aus, 12.8.2019, https://www.merkur.de/reise/stehen-kreuzfahrten-aus-hafenbehoerde-venedigs-richtet-ernstgemeinten-appell-staedte-zr-12895501.html; Bravebird, 7 triftige Gründe, keine Kreuzfahrt zu buchen, 1.9.2018, https://www.bravebird.de/blog/7-triftige-gruende-keine-kreuzfahrt-zu-buchen/). Ein “Cruise-Shaming” ist deshalb überfällig. Genau in die falsche Richtung geht es, wenn Kreuzfahrten auf Veranstaltungen wie den Hamburg Cruise Days (https://www.hamburgcruisedays.de/) abgefeiert werden. Verantwortet werden diese von der Hamburg Tourismus GmbH, die unter dem Dach der Hamburg Marketing GmbH organisiert ist (https://marketing.hamburg.de/allgemeine-unternehmensinformationen.html). Deren Aufsichtsrat wird zum Großteil von staatlicher Seite gewählt und deren strategische Ausrichtung erfolgt durch die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (https://marketing.hamburg.de/aufsichtsraete-gremien.html). Dieses perfide Fest hat also den staatlichen Segen.
    Ich würde mir wünschen, dass dieser klimaschädliche Faktor neben Fliegen, SUVs und Kohleverstromung thematisiert wird, um diesen Werbeveranstaltungen entgegenzutreten.

  45. Hallo ihr beiden!

    Thema: Chancengleichheit / Kita / psychische Gesundheit der Kinder

    Ich höre euch regelmäßig und möchte erst mal danke sagen und euch mein Lob aussprechen!

    Bei dieser Folge hat mir zum Thema Kinder ein Aspekt gefehlt.

    Eine Kita-Betreuung ist sicherlich ein wichtiger Punkt in Sachen Chancengleichheit. Auf der anderen Seite habt ihr selbst angesprochen, dass es viele Kinder gibt, die im Schulalter psychologische Unterstützung bräuchten. Dafür gibt es wahrscheinlich viele Ursachen wie z.B. das Elternhaus, die Erwartungshaltungen in Schule & Medien usw.

    Es gibt allerdings Studien, dass eine U3 –Fremdbetreuung zwar die kognitive Entwicklung leicht positiv beeinflussen kann, jedoch eine frühe Trennung von der Haupt-Bezugsperson Folgen für die Gesundheit eines Kindes haben kann. Je nach Umfang der Fremdbetreuung erleiden die Kinder eine hohe Stressbelastung. Der hohe Cortisolspiegel kann das Immunsystem schwächen und kurz- und langfristig die seelische Gesundheit sowie die sozioemotionale Entwicklung negativ beeinflussen. Diesen Zusammenhang erklärt der Kinder- und Jugendarzt Dr. med. Rainer Böhm in diesem Video sehr nachvollziehbar: https://www.youtube.com/watch?v=DERhmXrE7QQ

    Ich befinde mich in der luxuriösen Situation, dass ich meinen Sohn 3 Jahre selbst betreuen kann und habe vollstes Verständnis für jede Familie, bei der aus finanziellen Gründen eine Fremdbetreuung einfach notwendig ist.

    Eine Kita-Pflicht wäre aus meiner Sicht ab 3 Jahren eine Lösung, doch für jüngere nicht tragbar. Dass der Staat ein Interesse daran hat, junge Eltern schnell wieder auf den Arbeitsmarkt zu bekommen, kann ich nachvollziehen. Aber sparen wir hier nicht am falschen Ende? Wäre es nicht wichtiger junge Familien dabei zu unterstützen, Zeit für ihre Kinder zu haben und psychisch stabile Kinder heranzuziehen? Vielleicht wäre das sogar aus finanzieller Sicht sinnvoller? (Sicherlich gibt es einige wenige Fälle, bei denen die Fremdbetreuung auch für Jüngere die bessere Alternative ist, da im Elternhaus etwas im Argen liegt, aber das ist hoffentlich nicht der Regelfall.)

    Liebe Grüße und danke fürs Lesen! :)
    Jasmin

  46. Hallo Herr Buermeyer und Herr Banse,
    vielen Dank für die Lage!
    >> Kurz zum Thema Bildungsungleichheit: <<

    Es fiel die These, dass es ja grundsätzlich wichtig und gut sei, dass der Anteil der unter Dreijährigen in Kitas steigt. Mir fehlt da die Sicht von der anderen Seite. Wäre es nicht auch schön, wenn Lebenshaltungskosten (v. a. Miete) und die Löhne in einem solchen Verhältnis zueinander stünden, dass nicht beide Elternteile nach knapp einem Jahr nach der Geburt des Kindes wieder Vollzeit arbeiten müssten? Wäre es nicht schön, wenn es finanziell – von mir aus auch durch eine Art Elternbafög – für beide Elternteile möglich wäre weniger zu arbeiten und die ersten Entwicklungsjahre der Kinder intensiever mitzubekommen? Stattdessen müssen alle Kinder so schnell wie möglich in die Kita, damit man wieder für den Vermieter arbeiten gehen kann. Ich sehe natürlich den positiven Aspekt für die soziale Entwicklung der Kinder, aber diese Pauschalisierung finde ich zu schnell geschossen.
    Nochmals besten Dank für Ihre Arbeit und viele Grüße
    Ben

    • Du ziehst eine Verbindung wo nicht notwendigerweise eine existiert. Nur weil mehr Kinder in die KiTa gehen, bedeutet das nicht automatisch dass mehr Eltern von 1 Gehalt nicht mehr leben können.

      Ich kenne mehrere Familien, die das klassische Modell leben (Mann arbeitet, Frau zu Hause) und die Kinder trotzdem in die KiTa gehen. Einfach weil es den Kinder Freude bereitet, sich positiv auf ihre Entwicklung auswirkt und die Eltern dann auch mal Zeit für sich haben.

  47. Hallo Herr Banse, Hallo Herr Buermeyer,

    zunächst einmal vielen Dank für Ihre Arbeit und Ihren Podcast, es ist das erste Mal, dass ich mich hier im Forum zu Wort melde, aus diesem Grund sollte das an erster Stelle stehen, denn ich höre die Lage sehr gerne und Sie leisten damit einen wirklich wertvollen Beitrag zu unserer Gesellschaft!

    Ich möchte mit Ihnen an dieser Stelle meine Gedanken zu der Aussage von Katja Kipping teilen:
    Aus meiner Sicht hat sie die Lage sehr richtig eingeschätzt, was umso bemerkenswerter ist, da sie mit ihrer Aussage grundsätzlich anmerkt, dass “Die Linke” von den meisten Bürgern nur aus Protest und nicht aus Überzeugung gewählt wurde. Im Grunde sagt sie, die Menschen haben die “Die Linke” gewählt, weil sie sich vernachlässigt und abgehängt fühlen, weil sie das Gefühl haben, dass ihre Bedürfnisse nicht wahr und/oder ernst genommen werden. Sie hatten im Grunde die Hoffnung, dass Sie durch “Die Linke” eine Partei gefunden haben, die ihren Bedürfnissen wieder eine Bedeutung schenkt.

    Inzwischen mussten sie feststellen, dass auch die Linke nicht dazu in der Lage ist, sich für sie in dem Ausmaß einzusetzen, wie sie sich das gewünscht haben, also suchen sie sich eine neue Möglichkeit. Sie suchen eine Art und Weise auf sich aufmerksam zu machen, die weniger überhört werden kann, die unangenehmer ist (im Grund wie ein Kind, das lauter schreit).

    Und an diesem Punkt, glaube ich dürfen wir nicht mit Logik und Argumenten reagieren und den Menschen vorschreiben, dass sie die AfD nicht wählen dürfen, weil diese nicht demokratisch sind. Das zieht an dieser Stelle nicht. Jeder, der aktuell nicht die AfD wählt oder mit diesem Gedanken spielt, kann dieser Logik folgen und wird unweigerlich zustimmen, doch, wenn ich erstmal das Gefühl habe, nicht gehört zu werden, dann bin ich nicht bereit zuzuhören und dann lösen Argumente und Logik möglicherweise sogar eine Trotzreaktion hervor. Protestwähler, und das sind die AfD-Wähler mehrheitlich, möchten gehört, verstanden, ernst und wahrgenommen werden, sie möchten das Gefühl haben, dass ihre Meinung zählt.

    Natürlich dürfen, und da bin ich wieder ganz bei Ihnen, wir die AfD nicht demokratisieren und ansatzweise darüber nachdenken, sie in eine Regierungsbeteiligung zu holen, beziehungsweise glauben, wenn wir unsere Politik an die ihre angleichen, können wir ihre Wähler gewinnen. Aber wir, jeder für sich, und allen voran unsere Politiker, sollten anfangen, die Bedenken und zu Grunde liegenden Bedürfnisse wahrzunehmen, uns in die Menschen hineinzuversetzen und zu verstehen, ohne über sie zu urteilen. Dabei hilft es sich vor Augen zu führen: Wenn wir uns in ihrer Situation befinden würden, ihre Erfahrungen gemacht hätten, würde jeder von uns genauso handeln wie sie. Aus diesem Grund ist es aus meiner Sicht der falsche Ansatz mit dem Finger darauf zu zeigen, diese Menschen zu verurteilen, oder zu sagen, was sie zu tun haben, sondern wir müssen anfangen ihre Bedenken, Ängst und Sorgen ernst zu nehmen und ihnen Brücken zu bauen, Hoffnung geben und Zukunftschancen zu schenken. Ich bin überzeugt, es ist nicht per se die Angst vor Ausländern, sondern die Angst vor der Ungewissheit, der Bedeutungslosigkeit und dem Existenzverlust, die viele Menschen die AfD wählen lässt. Hierfür muss die Politik Lösungen finden. Bisherige Lösungen sind oftmals an den Bedürfnissen der Menschen vorbei, weil wir zu oft mit unserer Sichtweise, Erfahrung und Weltanschauung beschäftigt sind und die wahren Bedürfnisse der Menschen gar nicht erst wahrnehmen, und da schließe ich mich gerne mit ein.

    Wir müssen anfangen zuzuhören, und zwar erst einmal um zu verstehen, was die Menschen wirklich bewegt. Mit Logik kommen wir an dieser Stelle nicht weiter.

    Einen spannenden Beitrag liefert an dieser Stelle Ian Bremmer, mit seinem Buch Us vs. Them, wirklich lesenswert.

    Liebe Grüße

    Michael Bitzer

    • …und um das noch hinzufügen, wir reagieren alle so, in jeder Hinsicht, wenn unsere Bedürfnisse beispielsweise in einer Beziehung oder am Arbeitsplatz nicht wahrgenommen werden, blocken wir ab, wir sind nicht mehr empfänglich für logische Argumente, wir tun dann Dinge von denen wir im Nachhinein selbst wissen, dass sie uns nicht gut tun/getan haben, doch in dem Moment möchten wir Aufmerksamkeit und Verständnis, und solange wir das nicht bekommen, gibt es Konflikte. Konflikte, die viel zu oft mit schnellen Lösungen abgetan werden, ohne die wirklich Bedürfnisse zu ergründen, aus diesem Grund schwelen diese Konflikte weiter und brechen immer wieder an den unterschiedlichsten Stellen hervor, die in diesem Moment vielleicht gar nicht nachzuvollziehen sind.

      Wenn wir Konflikte lösen wollen, müssen wir zuhören, um zu verstehen. Egal, ob es sich um unseren Partner, unsere Mitarbeiter oder in diesem Fall um AfD-Wähler geht. Ansonsten schaffen wir nur kurzfristige, nicht nachhaltige Scheinlösungen.

      Viele Grüße

      Michael Bitzer

      • Leider ist es extrem schwierig mit den AfD Sympathisanten logisch zu diskutieren, da alle Fakten, die diesen Leuten nicht in den Kram passen, als unwahr oder Propaganda dargestellt werden, während sie selbst komplett nur auf der emotionalen Schiene unterwegs sind. Ich habe es mehrfach versucht, bei Menschen die ich persönlich kenne. Ich habe Tage später wissenschaftliche Arbeiten vorgebracht um meine Agumente zu untermauern. Es hilft leider nicht. Ich bin leider dadurch sehr demotiviert es auch nur noch zu versuchen.

  48. Hallo ihr beiden,

    Wie immer zunächst mal ein dickes Danke für eure tolle Arbeit!

    Kurze Buchempfehlung zum Thema demokratiefreundlichkeit der Parteien außer AFD: Shoshana Zuboff – The Age of Surveillance Capitalism. 2018 erschienen und in unserer Zeit und Zukunft höchst relevant zum Verständnis der modernen Schnittstelle von Data/Marketing und Demokratie.

    Es gibt ihre Hauptthesen auch in einem Paper was 2015 von ihr erschienen ist, oder in zahlreichen Youtube Videos. Große Empfehlung mal reinzuschauen!

  49. Hallo Ulf, hallo Phillip,

    Ich bin nicht hundert Prozent sich, ob das ein Thema für den Lage-Podcast ist. Ich versuche es trotzdem mal. Hier ist also mein Themenvorschlag:
    Meine Wahrnehmung ist, dass unsere Strafverfolgungsbehörden zu wenig unternehmen, wenn Autofahrer andere nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer gefährden oder sogar schädigen.

    Beispiele:
    Mich hat ein VW-Bus zu eng überholt, nachdem der Fahrer vorher schon meine Wahrnehmung nach durch Motor-Aufheulenlassen hat. Ich habe diesen Fall zur Anzeige gebracht (§240 StGB, §315c StGB). Das Verfahren wurde eingestellt. Das Argument, dass der Fahrer nicht ermittelt werden, ist für mich noch akzeptabel. Das Argument, dass 1 Meter Abstand beim überholen in Ordnung sind, kann ich aber nicht nachvollziehen. Laut einem Urteil vom Bundesgerichtshof von 1967 gelten 1,5 bis 2 Meter Abstand.

    Einen weiteren krassen Fall habe ich bei Twitter gefunden:
    https://twitter.com/natenom/status/1171125534144827392
    Der Twitter-User wurde mit 25cm Abstand überholt. Die Polizei weigerte sich, die Anzeige aufzunehmen und bemängelt lieber, dass durch das Filmen der Datenschutz verletzt wurde und montierte Abstandshalter eine Gefährdung darstellen.

    Beim Zuparken von Fahrrad- und Gehwegen konnte mehr getan werden. Fahrradfahrer müssen so immer wieder in den fließenden Autoverkehr ausweichen und Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen werden behindert, weil die Behörden zu wenig unternehmen.

    Ist meine Wahrnehmung verzerrt? Oder seht ihr das vielleicht auch so? Wenn Ihr es auch so seht, was meint Ihr, sind die Ursachen?

    Im Hinblick auf den Klimawandel sehe ich das Thema als relevant an. Wenn wir die Leute dazu bringen wollen, wieder mehr zu Fuß zu gehen oder mehr mit dem Rad zu fahren, dann könnte es helfen, wenn wir die Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer im Straßenverkehr verbessert.

    Grüße
    Henning

  50. Habe bei dem Thema Chancengleichheit in der Bildung etwas die (kostenpflichtigen) Privatschulen vermisst.

    Ich hatte mal die Chance einen Blick in eine im Raum München zu werfen und war wirklich entsetzt über die Dekadenz der Möglichkeiten dort.

    Ist es sinnvoll die oberen X %, in einer Blase auszubilden?

    Wären die dort eingesetzten Mittel nicht im gesamt System sinnvoller aufgehoben (auch die Lehrkräfte natürlich)?

  51. Ihr Wessis! Wir verdienen weniger, weil für uns nur die Scheiß-Jobs abfallen! Ostdeutsche arbeiten nicht im Tarifvertrags-Mittelstand, sondern im Callcenter, oder im Staat als Angestellter ohne Verbeamtung für Ost-Tarif oder ohne Tarif für 40% weniger in der Autowerkstatt.

  52. Debyl!
    Das ist doch die Idee vom Volk! Ein Volk gibt sich Ideen, Kultur, Gesetze, alles wonach es leben will. Und natürlich ist die Idee des Nationalstaates, dass man hinein bläst wir hinein soll. Und wir nicht hinein soll, der soll eben auch nicht hinein!

    Und im Osten ist das natürlich so, dass man abgehängt ist. Ja! Man ist abgehängt! Im Osten haben meine Eltern immer die linke gewählt. Seit es die AfD gibt wählen Sie eine andere Protestpartei. Die Linken haben sie nicht gewählt, weil sie die Linken gut fanden, sondern weil Gregor Gysi so toll war oder weil sie eben früher die PDS waren. Und weil die PDS früher die es ID war hat man sie gewählt. Und nicht weil sie die SED war, sondern weil Weil sie den Gegenpol gegen den Westen gemacht hat. Die SED/PDS hat uns Ost deutsche irgendwie repräsentiert. Aber sie hat es nicht gut genug gemacht. Ihre Ideen/ihre Forderungen/die Forderungen ihrer Wähler wurden nicht eingebracht oder umgesetzt. Deutschland ist immer noch ein asozialer Start. Ostdeutsche verdienen weniger. Es gibt keine Gewerkschaften in Ostdeutschland. Ostdeutschland ist abgehängt. Ostdeutschland verdient selbst im öffentlichen Dienst weniger als West Deutschland.

    Es ist doch die Idee eines Nationalstaates, eines Volkes, eines Staates – das er sich um sein eigenes Volk, also um sich selbst kümmert. Und nicht immer mehr Leute von außen hinein lässt. Die Leute von außen sollen sich um ihr eigenes Land kümmern. Da können Sie tun was sie wollen. Aber in Deutschland sollen die deutschen entscheiden worum es geht. Das Problem in Deutschland ist aber, dass die Grünen und Linken seit Jahrzehnten das deutsche Volk entmachten wollen. Es wird immer mit dem Zweiten Weltkrieg argumentiert. Das ist drei Generationen entfernt!
    Es ist doch Scheiß egal was mein Urgroßvater gemacht hat! Und es ist doch auch Scheiß egal was meine Uhr Mutter nicht gemacht hat. Die Linken und Grünen reden uns immer eine Schuld ein. Das ist Quatsch! Ich habe nichts damit zu tun. Und Ausländer gehören einfach nicht hierher. Vielleicht ist das im Westen anders.

    • Es ist doch Scheiß egal was mein Urgroßvater gemacht hat!

      Ja. Wichtig ist nur, daß Du nicht den selben Scheiß machst.

      Und Ausländer gehören einfach nicht hierher.

      Schau Dir Deinen Stammbaum an. Wo haben Deine Vorfahren vor 100 Jahren gelebt? Vor 200 oder 500 Jahren? Du wirst reichlich Ausländer unter Deinen Ahnen finden. Menschen sind schon immer migriert.

    • ” Es ist doch die Idee eines Nationalstaates, eines Volkes, eines Staates – das er sich um sein eigenes Volk, also um sich selbst kümmert.”

      Nein. Auch ein Nationalstaat existiert nicht isoliert. Nationalstaaten haben schon immer mit anderen Nationalstaaten interagiert.

      “Und nicht immer mehr Leute von außen hinein lässt.”

      Die USA sind dir bekannt? Die Inschrift auf der Freiheitsstatue auch? Und die USA sind krassere Patrioten als alle Pseudo-Patrioten hier. Nationalstaaten hatten schon immer Wanderungsbewegungen (Einwanderung, Auswanderung).

      “Da können Sie tun was sie wollen.”

      Nein. Es gibt internationale Verträge und Menschenrechte die auch Nationalstaaten einschränken in dem was sie tun.

      “Aber in Deutschland sollen die deutschen entscheiden worum es geht. Das Problem in Deutschland ist aber, dass die Grünen und Linken seit Jahrzehnten das deutsche Volk entmachten wollen.”

      Und die Grünen und Linken sind keine Deutschen? Kohl hat die europäische Integration auch vorangetrieben. War Kohl kein Deutscher? Es steht einem Volk völlig frei sich in einere größere Organistation (UN, EU) zu integrieren! Auch das ist nationale Souveräntität!

      “Es wird immer mit dem Zweiten Weltkrieg argumentiert. Das ist drei Generationen entfernt!”

      Wenn Leute wie du das Sagen hätten, wäre es weniger als eine Generation hin…

  53. Zum Thema Anstieg der Kleinkindbetreuung (0-3 Jahre) in Deutschland möchte ich dringend die Debatte auf das Wohl des Kindes lenken. Folgender Beitrag fasst gut zusammen, warum das nicht unbedingt eine gute Entwicklung ist.

    https://www.kinder-verstehen.de/aktuelles/so-eine-also-bist-du/

  54. Der Chemiker spricht Lithium übrigens zu allermeist nicht Li-zi-um aus, sondern Li-thi-um, kommt ja auch vom griechischen líthos, dem Stein. Laut Duden sind beide Varianten korrekt.
    Siehe beispielsweise: https://www.gutefrage.net/frage/sagt-man-lithium-oder-lizium#answer-228836501

    Das brannte mir gerade noch auf der Seele. Toller Podcast, macht weiter so!

  55. Hallo Philip und Ulf,

    erst mal ganz großes Lob für die Lage – mein absoluter Podcast-Favorit. Ich möchte kurz etwas zum Thema Schulsozialarbeit hinzufügen, da ich mit einer Schulsozialarbeiterin verheiratet bin. Ich habe ihr Studium mitverfolgt und verfolge nun mit, welche Erfahrungen sie im beruflichen Alltag macht – und wie sie sich ständig durch Fortbildungen und Lektüre weiterbildet. Und an dem Punkt muss man mit einem Missverständnis aufräumen, wenn man es gut findet, dass SchulsozialarbeiterInnen den LehrerInnen hier eine wichtige Aufgabe im Bereich der sozialen Betreuung von Kindern und Jugendlichen abnehmen: Sie nehmen es nicht ab, da LehrerInnen diese Betreuung per se gar nicht erst leisten können. Sie sind dafür schlichtweg nicht ausgebildet. Es gibt sicherlich eine pädagogische Grundlagenausbildung im Lehramtsstudium, aber was das Studium der Sozialen Arbeit abdeckt – und hier mit einem Schwerpunkt auf Schulsozialarbeit – ist sehr viel komplexer. Und da muss man mit einem möglichen zweiten Missverständnis aufräumen: SchulsozialarbeiterInnen haben nicht einfach nur ein Ohr für die Kids, sind nicht einfach nur da und hören nicht einfach nur zu. SchulsozialarbeiterInnen gehen systemisch vor, wissenschaftlich, konzeptuell. Das geht weit über das Zuhören und Empathie hinaus. So etwas muss man lernen und dann muss man diese Handlungsmuster situativ anwenden können. Wie krass das ist, wie gut fas funktioniert, erlebe ich selbst in der eigenen Familie mit unseren Kids. Ich dachte da früher, dass da ein guter Psychologe in mir steckt, dass ich mit Empathie, etwas Logik, Lebenserfahrung und Moderationsfähigkeiten gewisse Streitsituationen schon schlichten kann. Als es dann nicht funktioniert hat, dachte ich – tja, ist halt so, lässt sich nicht ändern. Und dann kam meine Frau, redete mit unseren Kindern auf eine Art und Weise, die auf System, Konzept und wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht, keineswegs aber so wirkte. Es WAR empathisch, es WAR liebenswürdig – aber es war vor allem auch erfolgreich. Sie hat mit ihren Ansätzen bei unseren Kindern Selbstreflexion herausgekitzelt. Sie belehrte die Kinder nicht mit ihren Erkenntnissen und forderte doch bitte Verständnis für diese Erwachsenen-Logik – nein, die Kindern gewannen ihre Erkenntnisse selbst! Sie erarbeiteten sich eine eigene Lösung zu ihrem eigenen Problem. DAS ist Schulsozialarbeit – übrigens auch in klarer Abgrenzung zu Schulpsychologen! Und ich finde es toll, dass Ihr das Thema aufgegriffen habt, fände es aber noch besser, wenn ihr dem Thema in einer neuen Ausgabe noch mehr Platz einräumen könntet, da es so wichtig, wie aber leider auch unbekannt ist. Für die meisten sind Schulsozpäds wohl nur Kümmerer und gute Zuhörer, doch sie sind weitaus mehr: Sie sind top ausgebildete Experten mit wissenschaftlichem Fachwissen und menschlichen Skills. Und weil sie so enorm wichtig sind für einen der wertvollsten Schätze unserer Gesellschaft: unsere Kinder – werden sie auch himmelschreiend unterbezahlt und teils in prekären Arbeitsverhältnissen angestellt. Und auch die Politik scheint den Wert Ihrer Arbeit – und ihre Arbeit an sich – noch nicht wirklich verstanden zu haben und zögert bei der Finanzierung neuer Stellen an den Schulen. Es wäre also klasse, wenn Ihr das Thema noch mal aufgreifen könntet.

    Danke und beste Grüße!
    Michael

  56. Hallo,

    .. zur Debatte um die Wahl von Rechten Parteien. Es ist schwierig zu “erwarten”, dass alle Menschen mit einer solchen Weitsicht und einem solchen Reflektionsvermögen ausgestattet sind. Nicht jeder hat studiert, nicht jeder den Zugang zu politischer Bildung und vor allem nicht jeder das kognitive Niveau! Es ist sehr wichtig zu differenzieren und Menschen sämtlicher Schichten mitzudenken. Daher finde ich die besprochene Erwartungshaltung an alle Menschen schwierig. Die Menschen müssen ganz klar die Erfahrung machen, dass Parteien ihr individuelles Leben verändern.

    • Hallo. Ich hab irgendwie nicht gesehen, wie ich einen neuen Kommentar mache ohne auf einen anderen zu antworten. Der hier passte noch am meisten…

      Zum Umgang mit der AfD fand ich die Analyse nicht so treffend. Ich halte es für einen Fehler, wenn man von Reportern verlangt, immer mehr “Haltung zu zeigen”, weil genau das das Problem zu sein scheint. Es ist ja keineswegs so, dass die Medien nicht bereits Haltung zeigen würden aber das funktioniert eben nicht. Im Gegenteil gibt das erst vielen Menschen das Gefühl, das System, die “Lügenpresse” etc. hätten sich gegen “das Volk” verschworen. Wenn die AfD irgendeinen Vorschlag macht und darauf nur mit sowas wie “auf das was von diesen Rassisten kommt, gehen wir gar nicht ein” reagiert wird, dann bewirkt das m. E. das Gegenteil von dem was man will, nämlich den Inhalt ggf. als dumm zu offenbaren.
      Darüber hinaus fand ich die Idee gut, dass Nachrichten sich darauf verständigen was rassistisch, rechtsradikal etc. ist und diese Begriffe dann auch konsequent benutzen. Soweit so gut. Aber auch da sehe ich die Gefahr, die Begriffe zu weit zu fassen, so wie es nämlich im Moment oft passiert. Beispiel: jemand hat Bedenken beim Adoptionsrecht: Schwulenhasser. Bedenken gegen den Islam: rassistisch. Bedenken gegen die Auflösung von Nationalstaaten: Nationalist, rechtsradikal. Leute denen man solche Begriffe an den Kopf wirft nachdem sie eine noch legitime Meinung vertreten haben, gehen das nächste Mal in irgendeinen dubiosen chatraum, um sowas zu vermeiden. Dort treffen sie aber auf Spinner, mit denen sie eine Leidensgemeinschaft bilden und sich gegenseitig radikalisieren mit ihren anfangs nur teilweise bedenklichen Meinungen. Das ist vergleichbar mit dem Kiffer, der nur Gras kaufen will aber beim Straßendealer dann gleich das harte Zeug angedreht kriegt.

  57. Moin!

    Habt ihr selbst Mal die Begriffe: Rassismus, Populismus, Rechtspopulismus, usw. Für euch definiert?
    Ich finde, dass es ein guter Schritt wäre, wenn ihr solche Begriffe erst einmal selbst definiert, bevor ihr fordert, dass Andere diese Definition anfertigen.

    Ich kann ja auch nicht fordern, dass SUV Fahrer auf einen kleinen Elektrowagen umsteigen, wenn ich selbst mit einem großen dreckigen Diesel durch die Städte fahre. ;)

    Vielen Dank für euren Podcast und die weitreichenden Blickwinkel auf die Themen unserer Zeit!

    • Hallo ihr!
      Als Grundlage für Begriffsdiskussionen in Medienhäusern kann ich das Glossar der Neuen Deutschen Medienmachern sehr empfehlen (gibt es auch als Printversion) https://glossar.neuemedienmacher.de/

    • Hallo Philip und Ulf, ich würde die Frage von Alex unterstützen und euch bitten, dass ihr die Begriffe selber mal ausführlich definiert.
      Vielleicht könntet ihr sogar eine kleine Serie daraus machen, jede Woche einen Begriff oder in einem gewissen regelmäßigen Abstand. Ich denke, da hätte ihr wieder einmal einen besonderen Punkt gemacht, der euch von gedruckten Medien abheben würde.
      Danke aber für die sehr gute Wahlanalyse dieser Folge und auch die Hinweise zur Klärung der “Begriffe”; allein diesen Gedanken fand ich schon hilfreich.
      Ich freue mich auf jede neue Folge, weiter so!

  58. Zum Elektro Auto

    Aus meiner Sicht ist diese ökologische Fortbewegung immer noch viel zu teuer.
    Anschaffung ab 30.000€, Batteriemiete um die 100€ (mehr tanke ich momentan kaum), dazu die Ladekosten, die bei Ökostrom der Stadtwerke richtig zu Buche schlagen.

    Das ist so noch nicht ausgereift, sorry

    • “die bei Ökostrom der Stadtwerke richtig zu Buche schlagen”

      Bei meinen Stadtwerken ist Ökostrom pro kWh billiger als konventioneller Strom. Und auch sonst ist der Unterschied nicht wirklich groß.

      “Das ist so noch nicht ausgereift, sorry”

      Hat m.W. auch noch nie jemand behauptet, sorry!

      Tut mir Leid wenn ich hier rumnörgele… Du hast natürlich Recht, dass das noch teuer ist. Aber deshalb ist es halt auch wichtig das weiterzuentwickeln…

  59. Hi,
    Euer Podcast ist toll und ich denke oft noch länger noch die angesprochenen Fragestellungen nach. Diesmal besonders lange. Die Idee SUV-Fahrer hat bei mir zwei grosse Fragen ausgelöst:

    1. Möchte ich in einer Gesellschaft leben, in der man sich für seine Autowahl vor wildfremden Menschen rechtfertigen muss? (Meine Familie von 2 Erwachsenen und zwei Kleinkindern hat keinen SUV, wir haben nicht mal ein überhaupt ein Auto und das Überzeugung. Ich fürchte mich sehr vor SUVs wegen meiner kleinen Kindern und der Höhe etc.. Diese Details nur, dass hier keiner denkt ich fühle mich persönlich angegriffen.) Nach langem Nachdenken habe ich beschlossen, dass ich so eine Gesellschaft nicht möchte. Ich fliege fast nie, aber meine Familie ist über den Globus verteilt und manchmal möchten wir uns sehen. Dann versuche ich das ein bisschen zu kompensieren und steige in den Flieger ein und ja ich fühle mich schlecht dabei (aber einen Aktivisten, der mich am Gate abfängt, brauche ich nicht). Ich bin verrückt nach Avocados und Sushi und ja, die sind beide schlimm. Aber wir wohnen in einer 3.5 Minergie-Wohnung usw. Das weiß nun wieder keiner, wenn ich mir mal Sushi im Park gönne. Ich möchte dann eigentlich nicht angesprochen werden, sondern mein Essen genießen. Also im Fazit: ich finde fremde Leute ansprechen finde ich ok, z.B. wenn sie jemanden fertig machen oder sich kriminell verhalten. Nur für ein Auto, eher nicht.

    2. Warum gibt es überhaupt so viele SUVs, die Neuzulassungszahlen sind ja schockierend? Ich lebe in Zürich und man sieht hier nicht halb so viele SUVs oder überhaupt “dicke Autos” wie in meiner Heimatstadt Frankfurt. Auf das Statussymbol Auto in Deutschland will ich gar nicht eingehen. Aber kürzlich waren mein Mann (Schweizer) und ich in Frankfurt. Ich habe überlegt, was anders wäre, wenn wir nach Deutschland ziehen würden. Er hat ohne zu überlegen gesagt: “Ich würde noch vor der Ankunft zwei mal diesen dicken Volvo-SUV bestellen. Einen für Dich und einen für mich.” Alles andere ist auf diesen Autobahnen grob fahrlässig. Wie gesagt wir haben gar kein Auto und dafür die Schweizer BahnCard 100. In Deutschland bräuchten wir ein Auto, weil in dem Frankfurter(!)-Stadtteil meiner Eltern mitten am Tag gerade mal alle 20 min ein Bus fährt (in Zürich in vergleichbarer Lage alle 7 min) und so ein sicheres, weil wir die Autobahnen fürchten.

    Insofern finde ich sollte man nicht die SUV-Fahrer bashen (es sei denn sie parken/fahren schlecht) und den Verkehrsminister bzw. die Parlamente fordern. Der öffentliche (Nah-)Verkehr ist katastrophal und dass es keine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt, ist aus CH-Sicht ein Witz (ja es gibt ein paar Idioten, die über die Grenze zum Rasen gehen. Das ist aber kein Argument gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen) und die Strafen für Raserei in Deutschland sind ebenfalls ein Scherz. Die Innenstädte sind VIEL zu autofreundlich, auch hier ließe sich sooo viel machen (weniger Spuren, anliegerfrei, Parkverbote, horrende Parkgebühren usw., Tempo 30 usw.).

    Liebe Grüße!

  60. Hallo Liebe Lage,

    gerne bin ich Lagehörer. Nur empfand ich die letzte Lage eher schlecht und dünn recherchiert. Zum einen hätte ich gerne mehr über mögliche Koalitionen und Wahlkampfprogrammen der einzelnen Parteien gehört, also in wie fern inhaltlich bestimmte Koalitionen Sinn machen.

    Dann habt Ihr für michpersönlich nur die Rechtsruckthematik aufgegriffen und behandelt was Ihr schon oft besprochen habt.

    Bildungsungleichheit ist ein wichtiges und gutes Thema nur kommt mir das so vor als würdet Ihr einfach Philipss Medienradiopodcast ausschlachten, dann verweist doch lieber auf das Interview, dann können interessierte Personen das hören. Ich weiß das ich Teile überspringen kann, weiß vorher aber nicht ob ich jetzt wieder eine Wiederholung höre.

    Klimakanbinett ist das gleiche einfach aufregen das zu wenig getan wird und dann das Elektroauto als Allheilmittel zu verkaufen und noch über SUV herzuziehen davon wird das Problem auch nicht gelöst. Zu übergriffigem Verhalten gegenüber SUV-FahrerInnen aufzurufen ist auch echt zu wenig von euch! Und über Populismus bezüglich eines Feindbildes habt ihr ja am Anfang auch schon geredet.

    Bezüglich der SUV’s habe ich jetzt schon sehr viele Kommentare (und eure Antworten) gelesen die euer Verhalten kritisieren.

    Für mich zählt da ehrlich gesagt nicht das Ihr mit SUV’s nur die schweren Autos meint. Die sind mit Absicht so designed das dies Form groß wirkt und das können dann nicht viele Menschen unterscheiden.

    Und wenn Ihr das so breit tretet dann ist das Meinung der Lage!

    Und das ihr nur die Messenger seid stimmt auch nicht, Ihr ruft doch zum Handeln auf!

    Sorry, aber das war dünn und irgendwie wünsche ich mir dann eher eine kürze Lage mit weniger Wiederholung. Sonst finde ich euch super und kündige mein Abo auch nicht ;).

  61. “Nicht die SUV-Fahrer sind bei Unfällen das Problem, denn die Hauptrisikogruppe der jungen Raser ist hier nur schwach vertreten – kein Wunder, bei den horrenden Preisen der Autos. Die Fahrzeuge selbst sind die tödliche Gefahr. Denn bei einem Unfall zwischen einem SUV und einem normalen Pkw, noch dazu, wenn es ein Kleinwagen ist, treffen völlig unterschiedliche Gewichtsklassen aufeinander. Ein BMW X5 wiegt mehr als zwei Tonnen, ein Opel Corsa bringt es gerade mal auf die Hälfte. Dazu kommt die unterschiedliche Höhe der Fahrzeuge, die “nicht kompatibel” sei, wie Brockmann sagt. “Ein SUV schlägt höher ein.” Wer von einem SUV seitlich gerammt wird, kann deshalb schon bei geringen Aufprallgeschwindigkeiten schwerste Verletzungen erleiden. Bei höherem Tempo haben die Pkw-Insassen nur geringe Überlebenschancen.

    Die SUV-Insassen profitieren bei einem Crash hingegen von ihrem schweren Gefährt. Denn die größere Masse hat geringere Schäden zur Folge. ”

    https://www.sueddeutsche.de/auto/verkehr-wie-gefaehrlich-sind-suvs-als-unfallgegner-1.3671701

    Wer sich beim Fahren sicher fühlen will, braucht selber einen SUV, auch wenn er diese eigentlich ablehnt.

  62. Liebes Lage-Team,
    erst mal Dankeschön für Euren tollen Podcast! Ich würde gerne die Punkte Afd-Wähler*innen und Schulsozialarbeit kommentieren:
    Ich finde es gut, dass Ihr für eine klare Haltung gegenüber der AfD plädiert, allerdings finde ich die Differenzierung zwischen Politiker*innen und Wählerinnen der AfD nicht immer nachvollziehbar. Wenn die Politik der AfD so eindeutig rassistisch, völkisch und antidemokratisch ist, warum sollen es dann nicht auch die Leute sein, die sie wählen. Dass die Debatte dabei immer wieder auf die beiden Pole “das sind alles Nazis” (was meint das eigentlich genau?) und “die haben halt schlechte Erfahrungen gemacht und fühlen sich abgehängt” reduziert wird, ist leider alles andere als hilfreich. Ich denke man muss sich damit auseinandersetzen, wie weit verbreitet autoritäre, antidemokratische und rassistische Denkweisen verbreitet sind – und zwar nicht nur bei AfD-Wähler*innen. Das zeigen Studien immer wieder (vgl. u.a. https://www.boell.de/de/leipziger-autoritarismus-studie). Dass Rassismus und noch mehr vieleicht Antisemitismus heutzutage offiziell tabuisiert sind (es also kaum Leute gibt, die sich dazu “bekennen”), heißt ja leider nicht, dass diese Denkweisen nicht verbreitet wären. Das Problem wird m. E. da richtig groß, wo solche Haltungen zur Mehrheitsmeinung werden oder staatliches Handeln bestimmen (wie z.B. beim m. E. skandalösen Urteil im Prozess in Chemnitz, wo jemand quasi ohne Beweise verurteilt wird, um dem “Rechtsempfinden” (Herbert Reul) in Sachsen vor einer Wahl gerecht zu werden) oder beim verharmlosenden Umgang mit rechten Straftaten, über den Ihr ja dankenswerter Weise schon öfters berichtet habt. Anders formuliert: Die soziale Situation der AfD-Wähler*innen zu beleuchten, ist sicher wichtig, aber das “Mindset” ist m. E. ebenso zentral. Die AfD mobilisiert vorhandene Ressentiments und Affekte. Deshalb sind aus meiner Sicht Appelle rationaler (z.B. “diee AfD tut ja gar nichts für diese Schicht”) oder moralischer Art (“aber auch dann darf man doch nicht Rechtsradikale wählen”) eher hilflos.
    Gefreut habe ich mich darüber, dass Ihr das Thema Schule/Bildung aufgegriffen habt. Meiner Meinung geht die Schere zwischen dem Wissen, wie Lernen funktioniert (individuelle Zugänge, sichere soziale Beziehungen, Selbstwirksamkeitserwartung, Resilienz) und dem wie Schule oftmals “funktioniert” (Disziplinierung, “Bulemie-Lernen”, Leistungsorientierung) immer weiter auf. Erfolgreiche Schulen legen daher den Schwerpunkt darauf, überhaupt Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen zu schaffen. Ein Beispiel hierfür ist die Gebrüder-Grimm-Schule in Hamm, die dieses Jahr mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde (https://www.deutscher-schulpreis.de/aktuelles-wettbewerbsjahr). Wie das in der Praxis aussieht, zeigt diese Reportage vom Deutschlandfunk: https://www.deutschlandfunk.de/lob-als-erfolgskonzept-wie-grundschueler-zum-lernen.1771.de.html?dram:article_id=457343). Würde mich freuen, wenn Ihr dem Thema nochmal irgendwann nachgeht.
    Viele Grüße

  63. Zum Thema Schulsozialarbeit:

    Ich bin Lehrer an einer Schule in kirchlicher Trägerschaft und habe mein Referendariat an einer staatlichen Schule gemacht. An beiden Schulen gab bzw. gibt Schulsozialarbeit, und ich bin wahnsinnig dankbar, dass es sie gibt! In den gerade mal acht Dienstjahren haben subjektiv psychische Auffälligkeiten bei Schülerinnen und Schülern definitiv zugenommen. Kollegen mit zwanzig und mehr Dienstjahren berichten ähnliches, gerne mal polemisch reduziert auf die Phrase “Die Schüler werden immer schlimmer!”.

    Wir beobachten, dass es sowohl durch das familiäre Umfeld wie auch die Medienlandschaft zu immer mehr psychischen Problemen kommt. Auf der einen Seite des Spannungsfeldes stehen Helikoptereltern, auf der anderen Eltern, die man angesichts der Vernachlässigung ihrer Erziehungsaufgaben kaum so nennen kann. In allen Fällen ist die Unterstützung durch Schulsozialarbeiter_innen eine enorme Entlastung, damit wir uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren können. Trotzdem gehen gerade als Klassenlehrer unzählige Arbeitsstunden für Gespräche mit Eltern und Schüler_innen drauf, ohne dass wir in der Universität oder in den Studienseminaren jemals dafür ausgebildet worden sind.

    • Liegt das nicht auch daran, dass es eine andere Sensibilität für psychische Auffälligkeiten gibt als früher? Ich bin Jahrgang 1960 und bei uns war es noch normal vom Lehrer für Fehlverhalten geschlagen zu werden. Diese waren nicht unbedingt Personen mit denen man über psychische Probleme hätte reden wollen. Und da die Väter fast alle im Krieg gewesen waren, hatten die ihre ganz eigenen Sorgen und waren nicht unbedingt in der Lage ihren Kindern bei psychischen Problemen zu helfen. Die Medienlandschaft war in den 70ern eine andere, aber bei meinen Kindern in den 90ern und 2000ern gab es auch schon Privatfernsehen, Videospiele, Internet, SMS und Mobiltelefone. Nur soziale Medien wie Facebook gab es noch nicht, aber dafür klassische Internetforen.

  64. Hallo Zusammen,

    sehr gute Folge. Eine Anmerkung zum Thema “Chancengleichheit”. Ihr habt gesagt (ich glaube Ulf), dass es beim Thema Gerechtigkeit nicht darum geht, dafür zu sorgen dass am Ende “alle gleich viel haben”, sondern dass man die Startvorraussetzungen angleichen muss. Wenn dann Ungleichheiten aus gleichen Startvorraussetzungen resultieren – zB weil jemand fleißiger, ehrgeiziger etc. ist – ist das in Ordnung, bzw. nicht ungerecht. Das war mir ein bisschen zu unkritisch. Klar ist das eine intuitiv attraktive Position. Die Gerechtigkeitstheorie, die da dahintersteckt ist der sogenannte “Luck-Egalitarianism”, der eben genau besagt, dass (ökonomische und soziale) Ungleichheiten genau dann ungerecht sind, wenn sie aus Zufällen resultieren, aber nicht wenn sie selbstverschuldet sind. So ist es dann eben ungerecht wenn es (fiktives Beispiel) Ulf im Leben besser geht als Philip, weil er in eine reichere und gebildetere Familie geworden wurde. Es ist aber nicht ungerecht, wenn es Ulf besser geht als Philip, weil er sich mehr angestrengt hat. Das erste ist ein Zufall, das zweite nicht.

    Das ist, wie gesagt, eine zunächst attraktive und einleuchtende Position, allerdings steht sie auf sehr wackeligen Beinen, da sie vorraussetzt, dass wir eine genaues Kriterium dafür haben, was ein Zufall ist und was nicht. Warum soll es denn zum Beispiel nicht als Zufall gelten, dass Ulf als fleißiger Mensch geboren wurde, während Philip als fauler Mensch geboren wurde? Oder dass Ulf intelligenter ist als Philip? Oder dass Ulf größer ist als Philip (was eines der am besten belegten Kriterien für beruflichen Erfolg ist)? Laut der Theorie wären Ungleichheiten, die daraus resultieren nicht ungerecht, solange bei beiden formale “Chancengleichheit” bestand.

    Aufgrund dieser Probleme ist der “Luck Egalitarismus” m.E.n. keine besonders überzeugende Position, zumindest solange wir kein wasserfestes Kriterium dafür haben, was genau im Leben als Zufall gilt und was nicht.

    Viele Grüße und danke für Eure Arbeit

    Korbinian

    • Danke für diese kritische Nachfrage, Du hast mich zum Nachdenken gebracht :)

    • Interessanter Ansatz, ich komme jedoch zum Schluss, dass “Luck Egalitarismus” eine überzeugende Position ist, so lange der Umkehrschluss noch unsinniger ist.

      Wenn zwei im selben Job sind, einer aber mehr und bessere Leitung bringt, und die Ursache dafür vielleicht auf Glück zurückführen ist, dann gibt es zwei Möglichkeiten:
      A) Man bezahlt erstmal beide gleich, bis man ein wasserfestes Kriterium dafür hat, was genau im Leben als Zufall gilt und was nicht.
      B) Der, der mehr Leistung zeigt, wird besser bezahlt.

      Für mich ist B ziemlich eindeutig die bessere Variante.

  65. Ich finde die Berichterstattung zum Thema Elektroautos leider jedes mal zu klein gedacht. Ja, der Elektromotor ist sehr effizient, da Elektrizität deutlich geziehlter genutzt werden kann als ein Brennstoff, aber in einem Land in dem der Strom zu über 70% aus Brennstoffen gewonnen wird ist das Argument eher unbedeutend. Langfristig gesehen halte Ich Elektromobilität für eine sinnvolle Technologie, kurz- bis mittelfristig ist es umweltschädlicher als jede andere moderne Antriebstechnik.
    Ein Auto mit Verbrennermotor lässt sich verlustfrei betanken und verliert keine Energie, solange es nicht fährt. Es ist realitv egal wie die Außentemperatur ist, die Effizienz bleibt ähnlich. Es wandelt Sprit in mechanische Energie, die direkt auf die Straße gebracht werden kann (Ja mit einem Wirkungsgrad von lediglich ca 30%). Die entstehende Abwärme kann genutzt werden um den Innenraum zu heizen.

    Gegenmodell Elektroauto (heute): Der Strom wird zu über 70% in einem Verbrennungskraftwerk erzeugt, Wirkungsgrad bei 30-60% (wobei 60% die absolute Ausnahme sind, die nur hochmoderne Gaskraftwerke in Volllast erreichen). Also wir wandeln Brennstoff in mechanische Energie, mechanische in elektrische Energie, transportieren den Strom über Hochspannungsleitungen, wandeln den Strom in niedrigere Spannung schicken ihn zu den Haushalten, wandeln Wechselstrom wieder in Gleichstrom und laden einen Akku mit deutlichen Ladeverlusten, entladen den Akku wieder mit Entladeverlusten. Letzendlich betreiben wir damit einen Motor, der mit bis zu 90%iger Effizienz den Strom in mechanische Energie wandelt. Verbrauchen enorme Strommassen um im Winter unseren Innenraum aufzuheizen, mit einem Akku, der bei den Außentemperaturen massiv an Effizienz einbüßt. Wow, welch beeindruckende Effizienz, wer hier aber nur auf die 90% schaut macht es sich zu einfach.
    Die Energie verliert auf ihrem Weg vom Kraftwerk bis auf die Straße bei weitem mehr als bei einem herkömlichen Verbrenner vom Tank bis auf die Straße (fairerweise muss man sagen, dass auch Benzin/Diesel nicht energieneutral an die Tankstellen transportiert werden kann)
    Es ist leider nicht möglich diese ganzen Verluste realistisch aufzumultiplizieren, dafür sind sie auch einfach individuell zu variabel.
    Das Argument dass man den selbstproduzierten Ökostrom ja verwenden kann hinkt in meinen Augen auch. Wir produzieren Solarstrom in unserem Haushalt und speisen diesen ins Netz ein. Kaufen wir uns nun ein E-Auto steigt unsere Eigenstromverbrauch, ergo wir speisen weniger ins Netz ein, ergo unsere Nachbarn verbrauchen statt unseren Strom Kohlestrom. In dem Modell wird missachtet, dass der Strom von unserem Dach ins Auto weniger Verluste erleidet als wenn er ins Netz fließt, bzw. aus dem Netz entnommen wird. Aber der Punkt ist, dass mehr Elektroautos deutschlandweit mehr Stromverbrauch bedeuten und dieser kann erst einmal nur gedeckt werden, indem fossile Kraftwerke unter höherer Last betrieben werden (unsere 30% regenerative Energiequellen laufen in der Regel schon unter Volllast).
    Ja man kann sagen “Hey Ich verdiene 200.000 im Jahr, produziere meinen eigenen Strom und Verbrauche diesen für mein E-Auto, meine Ökobilanz ist klasse” aber macht es Sinn so individuell zu denken und dabei zu ignorieren, dass Leute mit weniger Geld daraus resultierend deutschlandweit plötzlich Strom aus 80%-90% fossiler Energie verwenden? Der nationale Effekt also negativ ist, obwohl man individuell weniger C02 ausstößt.

    Es stößt mir selber übel auf wie wenig Quellen Ich mein schwammiges Gefasel hier stützen kann, aber es ging mir in erster Linie darum aufzuzeigen, dass Elektroautos die Lösung sind als die sie momentan verkauft werden. Und etwas andere Denkanstöße zu setzen. Ich habe leider wie gesagt keine Zeit wirklich vorzeigbare Quellen zu recherchieren, aber Ich bin ein junger, umweltbewusster Ingenieur der hier keine Technologie verteufeln will. Ich möchte dazu anregen etwas differenzierter E-Mobilität (vorerst!) zu hinterfragen und den Focus stärker auf regenerative Energiegewinnung zu legen, bis Elektroautos wirklich ohne schlechten Beigeschmack gefahren werden können.
    Auf die Umweltschäden der Produktion gehe Ich nicht weiter ein, diese wurden im Podcast ja auch schon angesprochen.

    Hier ein paar Quellen, teilweise mit Vorsicht zu genießen, aber zumindest im Ansatz interessant:

    Energiegewinnung Deutschland:
    https://www.strom-magazin.de/info/stromerzeugung-in-deutschland/

    Energieeffizienz:
    https://sedl.at/Elektroauto/Energieeffizienz

    Effizienz Kohlekraftwerk:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlekraftwerk#Wirkungsgrad

    • *Dass Elektroautos nicht die Lösung sind, als die sie momentan verkauft werden

      Sollte das natürlich heißen

      • Und noch ein kleiner Einwand: bei 70% Brennstoffenergie werden auch die Brennstäber der Kernenergie mitgezählt, da die Kraftwerktechnik (Gasturbine) gleich ist und auch der Wirkungsgrad in etwa. Trotzdem ist dies natürlich nicht so leicht mit dem Verbrennen herkömlicher Brennstoffe zu vergleichen (Abfall/Strahlung, statt C02 und Feinstaub). Wer hier also die AKWs nicht mitzählen möchte rechne mit knapp 60% Energiegewinnung durch Brennstoffe.

    • Wegen solchen Kommentaren wurde doch in der Lage eine entsprechende Studie erwähnt. Ergebnis: “In allen untersuchten Fällen hat das Elektroauto über den gesamten Lebensweg einen
      Klimavorteil gegenüber dem Verbrenner.”

      Wo weicht die Studie unbegründet von deiner Analyse ab?

      • Das frage ich mich auch … natürlich ist das eAuto umso klimafreundlicher, je sauberer der Strom gewonnen wird – aber der Anteil von Ökostrom wächst ja erfreulicherweise, und damit wir möglichst bald zu CO2-Einsparungen kommen muss der Fahrzeugpool schon heute auf eMobilität umgestellt werden.

        • Das stimmt auf jeden Fall, nur hört sich das bei euch an als wären E-Autos schon Klimaneutral. Der CO2 Ausstoß ist aber in etwa der gleiche wie bei einem Diesel. Sicher ist es sinnvoll wenn jetzt vermehrt auf Elektroautos umgestiegen wird das wird aber bei dem aktuellen Atomausstieg dazuführen das der zusätzliche Stromverbrauch erstmal wieder über weitere fossile Kraftwerke erzeugt werden muss. Was die Bilanz der Elektroautos nicht verbessern wird…

          Von der Herrstellung und Haltbarkeit der Akkus mal abgesehen.

        • Jetzt hört doch bitte mal endlich mal mit diesen Gruselgeschichten auf … wir haben doch eigens in der aktuellen Folge darauf hingewiesen, dass die Bilanz bei eAutos schon heute und trotz der Herstellungs”kosten” an CO2 positiv ist.

        • Ja leider lässt sich in der Studie nicht einsehen was genau alles berücksichtigt wurde, aber es scheint zumindest wenn man nur CO2-Ausstoß beachtet definitiv nicht schlechter zu sein als ein Verbrenner.
          Der Anteil an regenrativer Energie steigt aber nur solang unser Gesamtstromverbrauch nicht noch stärker steigt. Was bei einer starken Zunahme von E-Autos der Fall wäre…
          Aber wenn ihr ländlich wohnt nen einigermaßen neuen Wagen habt und 100.000€ die ihr gerne loswerden würdet und die Möglichkeit habt Photovoltaik zu verbauen. Dann kauft euch bitte kein E-Auto sondern investiert erst einmal darein, auch wenn es kein so tolles Statussymbol wie ein Elektro-Auto ist.
          In der Stadt kauft euch lieber von dem Geld 20 Jahre lang eine Bahncard 100…
          Wenn das alles keine Option ist und ihr viel Pendelt ist wohl tatsächlich auch jetzt schon ein Elektroauto eine gute Idee.

        • “Ja leider lässt sich in der Studie nicht einsehen was genau alles berücksichtigt wurde,”

          Ich bin mir nicht sicher, was genau dir fehlen könnte… Die Studie geht sowohl auf die Materialien als auch auf den Fertigungsprozess der Batterieherstellung ein.

          Dahingehend geht deine Betrachtung weitestgehend davon aus, dass Benzin in Tankstellen nur aus dem Boden gepumpt werden muss. Versteh mich nicht falsch, ich bin offen für jede Art von kritischem Denken. Aber wir sind lange über die Stufe “da müsste man echt mal drüber nachdenken” hinaus.

          Zu deiner Berechnung:
          30-60% (Kraftwerk) * 80% (Ladeverlust laut Eichamt: 20%) * 90% (E-Motor) = 21,6% bis 43,2%.

          Das Umweltbundesamt gibt den Brutto-Wirkungsgrad übrigens eher mit 40-50% an.

          Also auch dein Worst-Case Szenario ist bei 70/30 Energie-Mix praktisch so effizient wie ein Verbrennungsmotoren (21,7*100/70 = 30,85).

  66. Lieber Ulf, lieber Philip,

    vielen Dank, dass ihr das so wichtige Thema der Schulsozialarbeit angesprochen habt! Ich würde euch gerne auf ein ganz besonderes Schulformat hinweisen. Die Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen namens “Laborschule”. Ich darf mich glücklicherweise zu jenen zählen, die diese Schule besuchen durften. Eine Schule ohne Klassenräume, eine Schule ohne Noten, wo jeder und jede jeden und jede duzt, wo gemeinsam gelernt wird durch alle Bildungsschichten hinweg und in der besonders der Fokus auf die individuielle Entfaltung jeder Person gelegt wird.
    Diese Schule ist eng an die Pädagogische Fakultät der Univeristät Bielefeld angebunden und hat etliche Studien veröffentlicht. Ein Besuch dieser, auch architektonisch außergewöhnlichen, Schule ist lohnenswert!
    Ich kann mich erinnen, dass auch ich durch gute Betreuung von Sozialarbeitern an der Laborschule betreuut wurde.
    Falls ihr mehr erfahren möchtet, könnt ihr mir gerne eine Email schreiben.
    Liebe Grüße
    Leon Lohrmann

  67. Deutschland ist ein kapitalistisches Land! Durch Regulierungswut lässt sich das nicht ändern. Die Menschen wollen keine Bevormundung mehr wie in der DDR. Was interessiert es die Menschen wie das Klima in 50 Jahren aussieht? Die leben im hier und jetzt. Deswegen boomen auch Kreuzfahrten, Flugreisen und Grillparties so.

    Die Grünen wären fast aus dem Bundestag geflogen als sie den Veggie-Tag vorgeschlagen haben, einen freiwilligen vegetarischen Tag in öffentlichen Kantinen. Würden die Grünen Sachen fordern, die den Menschen wirklich weh tun, würden sie den Großteil ihrer Wähler verlieren und nur noch ihre Stammwähler überzeugen. Der SPD kann man das auch nicht empfehlen, die Kumpel in der Lausitz wollen nix wissen vom Klimawandel. Die wollen ihre Jobs behalten. Und Die Linke wird sicher nichts fordern, das arme Menschen benachteiligen würde. Wenn das Schnitzel im Supermarkt 5€ kostet statt 2€, belastet das den Hartz-IV-Empfänger mehr als den Manager.

  68. Zur Schulsozialarbeit:
    Aus meiner Zeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der universitären Lehrerbildung in Leipzig weiß ich, wie wichtig SchulsozialarbeiterInnen sind. Die angehenden LehrerInnen werden auf konkrete sozialpädagogische Herausforderungen, wie sie heute an beinah jeder Schule zum Tagesgeschäft gehören, nämlich in keinster Weise vorbereitet. Ich leitete ein Seminar im Modul Bildungswissenschaften zum Thema “Erziehung und Bildung als Auftrag aller Akteure an der Schule”, in dem ich verschiedenstes pädagogisches Personal zu Gastvorträgen für die Lehramtsstudierenden einlud. Unter anderem eine Schulsozialarbeiterin, eine Sexualpädagogin, eine Schulbegleitung, eine DaF/DaZ-Lehrerin, Integrationsbegleitungen, Praxisberatungen usw. Das Spektrum ist hier mittlerweile riesig.
    Als die Schulsozialarbeiterin von ihrem Berufsalltag mit seinen Herausforderungen erzählte – und dazu gehören z.B. sexuelle Übergriffe, Drogen, körperliche oder psychische Gewalt der SchülerInnen untereinander sowie auch ausgehend vom Elternhaus – wurde die Überforderung der Studierenden im Seminar fast körperlich spürbar. Am erschütterndsten war, dass die angehenden Lehrkräfte keinerlei Kenntnisse des entsprechenden Hilfesystems hatten. Sie gaben zu, dass sie keine Ahnung hätten, was sie tun oder an wen sie sich wenden sollen, wenn ein Kind im Vertrauen auf sie zukäme und von gewalttätigen Übergriffen des Vaters berichtete.
    Die Förderrichtlinie “Schulsozialarbeit” der Sächsischen Staatsregierung legte im vergangenen Jahr fest, dass ab dem Schuljahr 2018/2019 an jeder staatlichen Oberschule eine oder mehrere Fachkräfte in einem Gesamtumfang von mindestens 1,0 Vollzeitäquivalenten tätig sein müssen. Die Schulsozialarbeiterin in unserem Seminar berichtete, dass es hier noch erheblich an der Umsetzung hapert. Es gibt zu wenige Fachkräfte, vor allem auf dem Land. Weiterhin erzählte sie, dass die größte Herausforderung bei ihren täglichen Aufgaben die Kommunikation mit dem Jugendamt sei. Die zuständigen Beamten seien kaum erreichbar. Alle hätten wohl ein Diensthandy, das für den Kontakt genutzt werden sollte, jedoch würden sie nur ungern die Telefonnummer herausgeben. Wenn ein Kind seiner Schulsozialarbeiterin von gewaltsamen Übergriffen in der Familie erzählt, ist diese unter bestimmten Umständen dazu verpflichtet, diesen Fall dem Jugendamt zu melden, sodass ggf. die nötigen Schritte eingeleitet werden müssen. Scheitert dies schon an der Erreichbarkeit der zuständigen Stellen, kann das Hilfesystem natürlich nicht greifen. Ebenso schwierig gestaltet sich wohl teilweise die Kooperation mit Lehrkräften oder anderen Aktueren in der Kinder- und Jugendhilfe.
    Das Konzept ist also sinnvoll und mehr als notwendig, allerdings scheitert es wie so oft an Bürokratie, Hierarchie und allgemein lahmenden und lähmenden Rahmenstrukturen.

  69. Liebes Lage-Team!

    Erstmal danke für diesen tollen Podcast. Mein Mann und ich hören ihn regelmäßig gemeinsam und freuen uns über die Aktualität der Themen und die sympathische und spannende Aufarbeitung!
    In der aktuellen Folge betrifft mich ein Thema persönlich, was mich dazu bewegt hat, einen Kommentar zu schreiben. Ich bin Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin und arbeite an einem Frankfurter Gymnasium. Grundsätzlich finde ich es toll, dass ihr das Thema angesprochen habt. Vielen Dank dafür!

    Leider gibt es allerdings in Deutschland, was die Schulsozialarbeit betrifft, ein großes Wahrnehmungsproblem. Schulsozialarbeiter*innen werden primär als Entlastung der Lehrerschaft angesehen, die sich dann nicht mehr um Streitereien zu Hause oder auf dem Schulhof kümmern müssen. Entsprechend werden meine Kolleg*innen und ich von vielen Personen in der Gesellschaft als kostengünstige Hilfskräfte gesehen, mit deren Unterstützung man dem breit thematisierten Lehrermangel begegnen kann. Mit anderen Worten: Im Grunde kann jeder Sozialarbeit, wenn er oder sie denn die Zeit dafür hat!
    Mir ist wichtig zu betonen, dass genau das nicht der Fall ist. Sozialarbeit ist eine unabhängige Profession, die u.a. auf der Basis von (entwicklungs-) psychologischen und soziologischen Theorien steht und kein reiner „Kummerkasten“. Eine Profession, die in ihren arbeitsfeldtheoretischen Ansätzen einen völlig anderen Blickwinkel als Lehrkräfte entwickelt und in die Schule trägt.

    Tatsächlich sind die wenigsten Lehrer*innen fachlich dafür qualifiziert, mit den vielfältigen psychosozialen Problemen der Schüler*innen adäquat umzugehen (beispielsweise Essstörungen, suizidales Verhalten, Gewalt in der Familie, um nur einiges wenige zu nennen!).

    Vielen Dank für die aktuelle Folge und viele Grüße aus Frankfurt am Main!

  70. Guten Morgen Philipp & Ulf,

    ich würde gerne verstehen, worauf die Aussage basiert, dass es (dank der “neo-liberalen” Reformen) einem Großteil der Menschen schlechter geht als vor 20 Jahren (ca. bei 17:30) – nach meinem Verständnis geht es einem großen Teil der Gesellschaft (>75%) an objektiven Kriterien bemessen besser als in den 90ern, insbesondere in den östlichen Bundesländern. Gerne lasse ich mich durch Quellen eines Besseren belehren, bis dahin bin ich erstaunt über diese polemisch-emotionalisierte Aussage, die meines Erachtens primär subjektiv ist (und angereichert mit klassenkämpferischen Allgemeinplätzen wie den 30% mit Millionen auf dem Girokonto) – im übrigen genau das, was Ihr den AfD Wählern vorwerft.

    VG
    Philipp

    • google mal “Hartz IV” oder “Kinderarmut” … es geht einigen sicher besser, aber denen am unteren Rand der Gesellschaft eben auch richtig mies, während die Reichen immer mehr Reichtum anhäufen. Das hat mit Populismus nichts zu tun, in der vergangenen Folge haben wir dazu eine Menge Quellen angegeben.

      • Ok – ich habe kurz recherchiert (ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit): Mehrere Studien zeigen, dass sich die allgemeine Armutsquote in Deutschland über die letzten 15 Jahre im Schnitt um etwa 1% auf aktuell etwa 15,5% erhöht hat – im gleichen Zeitraum ist die Armutsquote im Osten um etwa 3% gefallen (siehe Armutsstudie der Hans-Böckler-Stiftung, Statista etc.).

        Ich zweifle nicht an, dass viele Agenda 2010 Reformen den unteren Rand der Gesellschaft massiv getroffen haben und es Menschen in prekären Lebensverhältnissen schlechter geht als vor 20 Jahren. Meine Kritik, dass die Aussage, es gehe mehr als 60% der Menschen schlechter als vor 20 Jahren, weil Sie eben keine Millionen auf dem Konto haben, polemisch und inhaltlich falsch ist, sehe ich allerdings bestätigt.

        Im übrigen ändert das nichts an der Tatsache, dass die Schere zwischen Arm und Reich in D zu schnell zu weit auseinander geht, dass die Kinderarmut im reichen Deutschland beschämend ist, auch nicht an der Tatsache, dass sich Reichtum ggf. zu leicht vermehren lässt – trotzdem sollte man Zahlen & Fakten nicht mit “gefühlten” Realitäten verwechseln.

  71. Hallo Ihr Beiden, ich höre Euren Podcast eigentlich sehr gerne und dachte immer, dass Ihr gut recherchiert. Seltsam finde ich jedoch, dass Ihr bei dem Stichwort “SUV” scheinbar jegliche Sachlichkeit und Differenziertheit verloren habt. Hier wird (ähnlich wie bei mancher von Euch gescholtenen Partei) einfach mal undifferenziert was in den Raum gestellt. “SUV” ist ein Oberbegriff für eine Bauweise von Autos (vgl. auch Kombi, Mini Van etc.). Der Fahrzeugtyp sagt rein garnichts über seine Umweltverträglichkeit aus. Wenn man früher höher sitzen wollte gabe es nur die großen und mittleren Van wie Bulli, Zafira, Touran, Sharan etc. zu kaufen. Heute kann ich mir sogar einen “SUV” in Pologröße kaufen – ist das Auto dann plötzlich deshalb böse und umweltschädlich? Wenn ich mit einem Kombi fahre, ist der besser als ein SUV der gleichen Größe? Bei niedrigen Geschwindigkeiten hat die Bauhöhe auch keinen Einfluß auf den Verbrauch. Immer mehr “SUV”s werden sogar elektrisch oder als Hybrid angeboten, da sie den entsprechenden Platz haben. Sind diese dann auch böse?
    Bitte in dem Thema mit dem Bashing aufhören und auch hier differenziert und sachlich berichten. Ich fände es schade, wenn diese Art der Berichtserstattung – vergleichbar einer großen bildenden Tageszeitung – bei Eurem Podcast stattfinden würde. Bitte kommt – gerade bei dem Thema – wieder zu Eurer eigentlichen Stärke zurück, nicht zu generalisieren und zu verbieten. Umweltschädigung muss seinen Preis haben – egal ob Kombi, Kleinwagen oder SUV. Die Umwelschädigung hängt von der Technologie, der Leistung, der Fahrweise etc. ab, nicht von der Namensgebung.

    • 10. September 2019 um 9:35 Uhr
      Christoph Haffner

      Ich denke auch, dass es keinen Sinn macht sich auf SUVs… oder die SUV Fahrer als Feinbild so zu fokussieren. Auch den Punkt auf SUV-Fahrer zuzugehen und sie anzusprechen warum sie so ein Auto fahren finde ich nicht sehr zielführend. So hat der “Bulli”-Fahrer gemeinhin noch ein viel besseres Image, aber das Auto steht einem Riesen-SUV in Sachen Platzbedarf, Gefährdung bei Unfällen mit Fußgängern oder Radfahrern und Energieeffizienz in nichts nach. Auch viele 7-sitzige Familien-Vans sind so gesehen kritisch. Ich denke das draufhauen auf bestimmte Autotypenbesitzer hilft hier nicht weiter.
      Viel wichtiger sind neue Konzepte – vor allem für die Städte aber auch auf dem Land. Was ich mir wünsche, ist die Mobilität die ich in verschiedenen Situationen brauche. Im Alltag kann ich in meiner Heimatstadt Hamburg fast alles mit dem Fahrrad machen – schön wäre auch der ÖPNV aber der ist leider der teuerste in Deutschland und feiert sich vor allem mal gerne selbst. Wenn ich ein Wochenende ans Meer möchte, dann wäre vielleicht ein Bus mit Schlafmöglichkeit klasse oder ein kleines E-Auto wenn ich einfach nur einen Ausflug mache. Ich habe selbst auch ein Auto, das steht allerdings mehr als 95% der Zeit nur rum und verbraucht Platz. Ich denke der Zugewinn an Platz und Lebensqualität (z.B. durch weniger Lärm und bessere Luft) wird immer wichtiger und relevanter, gerade in den Städten. Und bei der Diskussion sind SUVs eben nur ein Punkt unter vielen. Umdenken müssen wohl alle. Autoindustrie und Autofahrer.

      • Ich finde es mindestens bedenklich, wir hier SUV-Fahrer zum Feindbild stilisiert werden und auch welchen aggressiv-abwertenden Wortschatz ihr dann benutzt – und die Aufforderung SUV-Fahrer anzusprechen ist eine Grenzüberschreitung – mit sowas begibt sich der Podcast in kritisches Fahrwasser. Was kommt als nächstes: einfach mal die Leute ermuntern um bei Besitzern von großen Häusern “Druck” zu machen? Einfach mal klingeln und fragen, was das Haus soll? Oh, eine Gasheizung? Vielleicht einfach mal ganz freundlich zum Auszug “ermuntern”? Geht gar nicht, Leute. Ihr überschreitet da eine Grenze.

        Es wird hier auch total undifferenziert berichtet. Es gibt Autos, die machen keinen Sinn, insbesondere hier in Deutschland. Dodge RAM, X7, Q7, Caddilac Escalade – das sind meist wirklich Spritvernichter die aber nur eine sehr kleine Minderheit fährt weil man hier kaum Platz für diese Autos hat. Genau wie Sportwagen – die machen auch keinen Sinn, die sind teuer, verbrauchen irrsinnig viel Sprit und sind genauso unvernünftig wie die dicken SUVs, nur halt noch unbequemer und schneller.
        Ich selber fahre einen X3 (Firmenwagen), 2-Liter-Dieselmotor. Ich fahre über 80km am Tag (reiner Arbeitsweg). Verbrauch: 5,5 bis 6 Liter/100km. Der VW Caddy (Benziner) meiner Frau schluckt 7-7,5 Liter / 100km – in der Spitze also gut 2 Liter mehr. Kleinere Autos machen für uns keinen Sinn, wir haben zwei Kinder. Ich zahle für den X3 in der 1%-Regelung schon ordentlich – dazu kommt noch der lange Arbeitsweg, diese Autos sind schon teuer genug. Der 3-Liter-Diesel wäre im X3 noch schöner, dadurch wird das ganze Fahrzeug aber noch mal erheblich teurer, sowohl im Leasing, als auch in der 1%-Regelung.
        Warum fahre ich einen SUV? Wir arbeiten schon lange mit BMW als Firmenfahrzeuglieferant zusammen. Super Service, Autos fahren sich toll, Werkstattpreise – wenn mal was sein sollte – sind ebenfalls in Ordnung. Ich bin vorher einen 218d-Gran Tourer gefahren, der war mir aber deutlich zu unbequem als Fahrer. Der 3er als Kombi ist mir zu klein und es ist mir im Alltag mit den niedrigen Fahrzeugen – insbesondere wenn auch mal Kinder mitfahren – einfach zu unkomfortabel. Ich bin den 3er Kombi mal eine zeit lang mit hochschwangerer Frau gefahren – es war eine Qual für sie aus dem Fahrzeug auszusteigen (oder sie herauszuziehen) und die Kinder in so einem flachen Auto in die Autositze zu setzen und anzuschnellen ist einfach “scheiße”. Wer das noch nie gemacht hat: einfach mal ausprobieren. Hohe Autos haben einen erhöhten Komfort beim Ein- und Aussteigen – dazu gehören aber auch der VW Transporter (der passt eh schon nicht in jedes Parkhaus oder Parklücke), Caddies, Tourans, Sharans & Co. Das sind alles große Autos und wenig stromlinienförmig – für Familien allerdings oft die erste Wahl – insbesondere wenn man ländlich lebt und die Einkäufe mit Kind und Kegel in der nächstgrößeren Stadt erledigen muss. Günstiger gibt es da von Nissan den Qashqai oder ähnliche asiatische SUVs, die werden hier wohl am meisten gefahren, da die meist noch günstiger sind als die genannten Modelle aus dem VW-Konzern aber trotzdem den hohen Komfort durch die Höhe haben (und serienmäßig mit mehr Ausstattung ausgeliefert werden). Also, es sind meistens Familien, die SUVs fahren, der Komfortfaktor ist sicherlich einer der Gründe – die Kosten asiatischer SUVs im Vergleich zu den VW-Vans ein anderer. Dann gibt es sicherlich ein paar gute betuchte, die Fahren sowas wie einen SQ5. Ja, unvernünftiges Auto. Aber ist ein R6 besser? Oder doch lieber ein Porsche 911? Wer in dieser Preisklasse Autos fährt, fährt keine vernünftigen Autos, egal ob SUV oder Flitzer. Einfach mal den nächsten Porsche 911-Fahrer anhalten und fragen, was das soll. Warum er so ein unvernünftiges Auto fährt. Cabrio … ach, und Saisonkennzeichen? So viel Herstellungsaufwand für ein Auto, dass nur 6 Monate im Jahr gefahren wird und in dessen Kofferraum nur eine Louis Vuitton Tasche passt? Einfach mal fragen, was das soll, bei total uneinsichtigen oder arroganten Menschen einfach mal das Cabriodach aufschlitzen, Krähenfüße setzen oder so ….[/Ironie off].

        • Schade dass es in diesem Kommentartsystem keine Möglichkeit zur Bewertung von Beiträgen gibt.
          Ich würde hier einen dicken Daumen hoch geben.

          PS: Vielleicht sollten wir auf arme Leute zugehen und sie fragen warum sie einen unterdurchschnittlichen Beitrag zum BIP leisten und ihnen einen Aufkleber auf die Stirn kleben…
          (Mal wieder eine Diktatorsche Extremwertbetrachtung)

    • Mir ist das “Bashing” der SUVs in der aktuellen Folge ehrlich gesagt auch sauer aufgestossen. In unserer Familie fahren wir einen SUV und einen Kleinwagen. Wir wohnen auf dem Land, sind mit dem SUV noch nie in die Stadt gefahren. Wenn wir in die Stadt müssen, nutzen wir die hervorragenden P+R-Parkplätze und fahren mit der U- oder S-Bahn in die Stadt. Somit ist die Kritik der “Platzverschwendung in den Städten” zwar nicht ganz von der Hand zu weisen, betrifft aber bei Weitem nicht alle SUV-Fahrer (und ehrlich gesagt alle Autobesitzer in der Städten hingegen schon).
      Der Verbrauch unseres SUVs ist genau so hoch wie bei unserem Kleinwagen, da wir uns bewusst für einen kleinen und effizienten Motor entschieden haben. Wir brauchen keine schnelle Beschleunigung und keine hohen Geschwindigkeiten.
      Zusätzlich ist in den Medien gerade viel zu lesen, dass als Folge des Unfalls in Berlin über die SUVs nachzudenken ist. Hier verstehe ich die Logik leider nicht. Mit meinem Aygo hätte ich in dem Fall genau so die Menschen umgefahren, mein SUV hingegen hätte die Menschen erkannt und eine Notbremsung durchgeführt. Es liegt also meiner Meinung nach viel mehr an der Nutzung von technischen Möglichkeiten und dem Verhalten der Fahrer, als an der Bauform des Autos.
      Ich bin mir nach wie vor sicher, dass ich mit der Wahl des SUVs (übrigens ein Auto-Abo-Modell, das für mich ein richtiger Schritt in Richtung der Mobilität der Zukunft ist) die richtige Wahl bezüglich Sicherheit der Personen (Fussgänger, andere Verkehrsteilnehmer, Insassen) und Ökologie getroffen habe. Das kann bei Menschen in anderen Lebenssituationen ganz anders aussehen. Daher finde ich das generelle “Bashing” der SUV-Besitzer wenig zielführend und auch logisch nicht nachvollziehbar.
      Wäre schön, wenn ihr das noch mal überdenken und richtigstellen könntet.

    • Technisch mag der Begriff “SUV” ungenau sein, daher würde ich vorschlagen, ihn metaphorisch zu begreifen: Er steht für PKW, die das Prinzip des motorisierten Indivualverkehrts (1. 1000+x kg in Bewegung setzen um 50+x kg zu transportieren und dadurch enorm hoher Ressourcenverbrauch, 2. 5+x m2 Platz verbrauchen, auch wenn das Fahrzeug 90% der Zeit nicht genutzt wird, 3. maximale Sicherheit für die Insassen bei hoher Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer*innen) auf die Spitze treiben. Anstatt über sinnvollere Verkehrskonzepte nachzudenken, signalisieren sie “Hauptsache ich hab’s bequem und kann mich durchsetzen”.

      • Danke Kai, so meinten wir das – aber die terminologische Unschärfe war trotzdem ungeschickt. Das werden wir noch mal klarstellen.

        • Ich habe es nochmal nachgehört – und für mich kam es nicht wirklich so rüber. Und ich würde nochmal sagen, das Herauspicken einer Gruppe, sei es auch nur metaphorisch gemeint, führt zu nichts ausser viel Streit und verhärteten Positionen.
          Ich denke das alle Autos in der Summe ein Problem darstellen was Umweltverschmutzung, Ressourcenverschwendung, Platzbedarf und Sicherheit angeht. Auf der anderen Seite ist individuelle Mobilität für viele Menschen ein sehr wichtiges Gut. Es muss aber sicher nicht permanent und täglich beansprucht werden. Vorausgesetzt es gibt echte Alternativen.
          Ich fände es klasse, wenn ihr in eurem Podcast bei diesem Thema (das sicher immer wieder kommen wird) vielleicht auch noch mehr von Ideen und Konzepten berichtet, die wirklich Potential haben etwas zu verändern – oder auch solche die gekloppt sind. Wenn jetzt alle SUV Fahrer loslaufen würden und e-Kombis und e-Familienvans kaufen, dann wären wir nicht wesentlich weiter.

    • Tja, ganz deiner Meinung.

      Ich finde den Rat, SUV-Fahrer anzusprechen, warum sie denn so ein Auto fahren würden, schon ein wenig übergriffig. Geschweige denn, Aufkleber auf fremde Autos zu kleben, da ist die Grenze zu “schreib doch mal was schönes mit einem Schlüssel in den Lack” nicht weit, wenn nicht das Aufkleben von irgendwelchen Dingen nicht sogar schon eine Sachbeschädigung darstellt.

      Und zum Kontext: Ja, ich fahre ein SUV, und ja, der hat 400PS, und ja, ich brauche den um meinen Sport (Reiten) ausüben zu können. Ohne Hänger verbraucht der (Euro 6d temp) um die 7-8l/100km.
      Da gibt es mit Sicherheit eine große Anzahl an Fahrzeugen, die wesentlich umweltschädlicher sind.

    • Kann Peter da nur zustimmen. Das empfinde ich auch als Grenzüberschreitung und auch als Populistisch. Mal als Beispiel, bei der AFD verurteilt Ihr die Schaffung eines Feindbild und hier bildet Ihr eins na Super!

      • Ich möchte mich in meinem ersten Kommentar auch als SUV Fahrer outen. Ich habe eine Familie mit Kindern und wir brauchten zur Geburt meines ersten Sohnes ein größeres Auto. Zur Wahl stand ein Kombi, ein Mini Van und ein SUV. Der Kombi war deutlich länger als das SUV und der Mini Van sowohl höher als auch länger. Beide verbrauchten deutlich mehr Sprit, wir haben uns somit für das SUV entschieden und verbrauchen auf der Autobahn jetzt satte 2 Liter weniger und bekommen Kinder samt Kinderwagen etc. im Auto untergebracht. Meine Frage: welches Auto sollen wir als Familie bitte fahren?

        Denn ein Auto benötigen wir in unserer Großstadt im Ruhrgebiet, alleine um die Kinder in die KITA zu bekommen. Obwohl in unserer Straße zwei KITAS sind haben wir einen Platz in sieben Kilometer Entfernung entgegen unserer Arbeitswege bekommen. ÖPNV dauert Stunden, Radwege gibt es nicht, mein Leben will ich auf unseren schlechten Straßen ohne Radweg nicht riskieren.

        Ich möchte mich in diesem Kontext nicht noch für die Wahl des Autos (auf das ich liebend gerne verzichten würde) rechtfertigen. Wir fahren mit besagtem Auto keine 10000 km im Jahr, ich denke, dass jeder der nach Übersee fliegt oder eine Kreuzfahrt macht der Umwelt mehr schadet.

        Als Fazit: gebt mir die entsprechenden Strukturen und ich schaffe mein Auto ab, aber bis dahin diskriminiert mich bitte nicht, ihr könnt in mein Leben nicht reinschauen.

  72. Zum Klimakabinett:
    Um den Klimawandel abzuschwächen bedarf es unpopulärer einschneidender Maßnahmen. Das betont ihr auch iin dieser Folge wieder sehr eindrücklich (und auch zurecht).
    Liegt nicht genau hier das größte Problem der Demokratie?
    Wer auch immer eine solche Maßnahme durchsetzt wird sehr wahrscheinlich abgewählt und es übernehmen Typen mit einer eigenen Realität.
    Mir wird jedenfalls bange…

    • Dazu kommt jetzt noch das Dilemma, dass unpopuläre Entscheidungen dann die AFD stärken könnte, was ja auch nicht gewollt ist.

    • Ich persönlich frage mich ob “unpopulär” wirklich “unpopulär” ist oder einfach zu faul um einen Sachverhalt der Bevölkerung auch logisch zu erklären.
      Ich fand den Begriff “pille-palle Liste” wirklich sehr treffend. Denn wenn man sich jetzt mal an dem CO2 Ausstoß aufhängt und diese nach Ausstoßmenge sortiert – stehen doch nicht auf dem 1. und 2. Platz Flug-und Autoverkehr. Sondern unangefochtene Nummer 1 ist die Energiewirtschaft.
      Und anstatt jetzt einfach einen schnellen Kohleausstieg zu forcieren, wird halt auf den hinteren Plätzen gefischt. Und dann auch noch ineffizient. Weil teurer machen doch nicht bedeutet, dass es ein Auto oder ein Flugzeug weniger gibt.

      Wenn man doch erreichen will, dass weniger Flugzeuge fliegen, dann schränke ich doch die Zahl der Flüge ein. Dann werden die Tickets ggf. auch teurer, weil ja das Angebot verknappt wird, aber ggf. werden auch die Flugzeuge größer und voller. Ich wohne bei Frankfurt und dort fliegen im 15 Minuten Takt morgens Flieger nach Berlin. Muss das sein? könnte man statt 4 Maschinen nicht einfach eine große nehmen?
      Ähnlich sehe ich es mit Autos – wenn ich erreichen will, dass in Deutschland weniger Autos fahren, dann versuche ich daraus doch nicht ein Luxusgut zu machen, sondern eine Unannehmlichkeit.
      In Innenstädte dürfen keine Autos mehr rein. Keine Luxuskarossen und keine Kleinwagen. Einfach keine Autos. Alle müssen mit Öffis fahren, Fahrrädern, e-Rollern oder Elektroshuttle. Vom Manager bis zum Maurer.
      Weil ich stimme dem Johannes zu, es würde zur Spaltung der Gesellschaft führen, wenn nur noch “Reiche” sich ein Auto leisten können und dann frei auf allen Straßen fahren können, während der Pöbel mit dem Bus fahren muss.
      Und der sogenannte Impakt würde auch direkt beim Klima ankommen (weil kein Autoverkehr mehr in der Stadt).
      Warum ein schneller Kohleausstieg zu einer Abwahl unserer Regierungsparteien führen sollte, kann ich nicht nachvollziehen. Von dem Kohleausstieg betroffen wären nur kleine Regionen Deutschlands und zur Verfügung gestellt wurden Milliarden, um das zu kompensieren. Es könnte Aufforstungsprojekte gestartet werden, für die man ja auch Leute braucht. Es könnte eine Förderung für Firmen geben dort hinzugehen, um Arbeitsplätze zu schaffen. Es wäre ein Strukturwandel notwendig, aber das ist ja auch klimatechnisch dringend notwendig.

      • Das funktioniert nur nicht solange du eine Partei am Start hast die allen erzählt, dass der Klimawandel eine Lüge ist und man gar nichts ändern braucht.
        Sollten sie sich damit irren haben halt alle anderen Pech gehabt. Da die Protagonisten ihre Ziele dann schon erreicht haben und sich die Radieschen von unten anschauen.

  73. Hallo zusammen,

    ich habe eine Frage bezüglich dem Brexit. Das Parlament hat nun ein Gesetz beschlossen, was Boris Johnson “zwingt” eine Verlängerung zu beantragen, sollte es keinen Deal geben.

    Was heißt genau zwingt? Was passiert, wenn er es einfach nicht macht? Welche Konsequenzen für ihn hängen daran?

    Vielen Dank und Grüße
    Johannes

  74. Hey ihr beiden,
    zum Thema AfD möchte ich auch noch ein kleines Feedback geben:
    Ich bin mir bei Eurer Diskussion nicht ganz sicher, ob Ihr die Vernunft der Menschen nicht ein wenig überschätzt. Ich leide selbst unter stolzen AfD-Wählern in meiner eigenen engeren Familie, bei denen mit Vernunft so gut wie gar nichts auszurichten scheint. Hier spielen die gefühlten Wahrheiten eine viel größere Rolle als klar belegbare Tatsachen oder vernünftige Argumente.
    So seien alle Migranten eben nur kriminelle Wirtschaftsflüchtlinge und Vergewaltiger deren “ständige” Kriminalität von der Politik und den (gleichgeschalteten) Medien permanent als Einzeltaten der “Goldstücke” verharmlost werden. Und Merkel sei ja nur eine Volksverräterin die hingerichtet gehört. – Ich distanziere mich ausdrücklich von diesen Aussagen!
    Eine große Rolle spielt die von Euch angesprochene Frustration: Eine häufige Argumentation ist z.B. dass in Deutschland ja für nichts ausreichend Geld da sei, aber wenn die Flüchtlinge kommen dann gibt es auf einmal Geld. Alternativ hat man sein ganzes Leben gearbeitet und muss jetzt von einer mickrigen Rente leben, während die Flüchtlinge kommen und “ohne einen Finger krumm gemacht zu haben” ihre Sozialleistungen bekommen und sich in die soziale Hängematte legen können. Die subjektiv empfundene Ungerechtigkeit ist hier enorm!
    Die soziale bzw. wirtschaftliche Spaltung spielt hier in meinen Augen eine große Rolle. Ich bin davon überzeugt, dass sich deutlich weniger Menschen an der Migration stören würden, wenn es allen Menschen in Deutschland wirtschaftlich gut ginge.
    Ich finde es in diesem Kontext extrem perfide, dass die AfD ein extrem neoliberales Wirtschafts- und (A)Sozialprogramm vertritt, dass genau diese gesellschaftliche Spaltung fördern würde, um diese dann im Fremdenhass zu kanalisieren. Letztlich würden viele Wähler der AfD unter deren Politik am meisten Leiden. Die verwendete “die-gegen-uns-Rhetorik” hat schon zu Hitlers Zeiten hervorragend funktioniert und tut es heute immer noch. Nichts schweißt ein Volk oder jede Personengruppe derart zusammen, wie ein gemeinsamer Feind.

    Grüße

    • Wenn echtes oder gefühltes Abgehängtsein der Hauptgrund für den AfD Zulauf ist, dann gehört zu einer ehrlichen Analyse hinzu, dass man diesen in den meisten Fällen nicht mit Steuermilliarden zukleistern kann. Sofern es sich um eher ländliche Gebiete handelt – wie für die hohen Stimmenanteile der AfD in Ostbrandenburg, Ostsachsen und Ostbayern – kommt doch zu dem seit zwei Jahrzehnten kommentierten demographischen Wandel (der politisch bisher nur durch Rentenreformen und herumdoktern bei der Pflege adressiert wurde) doch noch eine Landflucht hinzu. Wir können doch nicht an jede Milchkanne einen S-Bahn-Anschluss, einen Supermarkt, eine Schule, eine Kneipe und einen Sportverein bauen. Angesichts des enormen und weiter zunehmenden Flächenverbrauches in Deutschland könnte man mal überlegen, ob einzelne kleine Gemeinden die keine kulturhistorische bzw. architektonische Relevanz haben nicht besser aufgegeben werden sollten. Bzgl. der städtischen Gebiete mit hohen AfD Wahlergebnissen (z.B. Essen-Nord und andere Stadteile im Ruhrgebiet und andernorts), hier sollte man die Politik der sozialen Trennung der vergangenen Jahrzehnte und den geringen Anteil von Sozialwohnungen in den Blick nehmen; wie wäre es in den reichen Stadtvierteln kommunale Sozialwohnungen hochzuziehen und im Gegenzug in den sozialen Brennpunkten einen Teil der Bausünden abzureißen und durch Luxuswohnungen zu ersetzen? Dann gäbe es Stadteile in einer Negativspirale vielleicht so nicht. Auch könnte man festlegen, dass die Ausgaben pro Schüler, Bürger (bzgl. Gesundheitswesen oder ÖPNV) und die Ausgaben für Hartz IV nicht von der Finanzkraft der Kommune abhängen, sondern zentral von Berlin an die Kommune überwiesen werden.

      Bzgl. der Anmerkung in der Lage, die Linkspartei wäre eine klar demokratische Partei, sollte doch klargestellt werden, dass diese die Nachfolgepartei der SED ist und immer noch viele hohe SED Kader in Ehren hält. In der Masse mag sich die Linkspartei demokratisiert haben, für die 1990er Jahre und alle Parteimitglieder mag dies nicht so uneingeschränkt gelten.

  75. Hallo LdN-Team,

    sehr schöne Sendung. Zur Wahl habe ich einen ergänzenden Artikel von Krautreporter den ich nur wärmstens empfehlen kann (Paywall):
    https://krautreporter.de/3041-frau-hofmann-hat-die-afd-bezwungen

    Anmerkung zu den SUVs (nicht die erste vermute ich):
    Ja, sie produzieren mehr CO2, ist ein Punkt, aber wenn alle SUV-Besitzer auf einen Mittelklassewagen wechseln, ist es ein bisschen besser. Wenn sie auf E-Autos wechseln würden, wäre es nochmal etwas besser, aber so viel ist auch das nicht, im Bereich des 1/2 bis 1/3? Wenn der CO2-Ausstoß effektiv und schnell reduziert werden soll, heißt das im Punkto Verkehr: Weniger Autos! Also z.B.:
    – Fahrgemeinschaften. Je nach Anzahl Mitfahrer 1/2 bis 1/5 weniger.
    – Öffentliche Verkehrsmittel, keine Ahnung 1/10?
    – Fahrrad. Ist auch nicht neutral, fährt aber mit 100W statt 100kW Leistung (Faktor 1000) und wiegt statt 1-2t nur 10-30kg (Faktor 100). 1/100?
    – Und am besten: Gar nicht fahren. Z. B. indem Homeoffice gefördert wird.
    Gerade Fahrrad finde ich persönlich die wichtigste Option, aus dem einfach Grund weil das vor ein paar Jahrzehnten schon mal sehr gut funktioniert hat und in vielen (ausländischen) Städten auch noch sehr gut funktioniert. Hauptursache ist, dass in Deutschland bei Baumaßnahmen meist die Planung in der Reihenfolge Auto, Fußgänger und dann Fahrrad erfolgt und die Situation für Fahrradfahrer entsprechend katastrophal ist. Dazu kommt auch, dass viele Leute sich gar nicht vorstellen können, mit dem Fahrrad zu fahren und gar nicht auf die Idee kommen es tun zu können: Es regnet, es ist kalt, es ist dunkel, usw. früher sind alle wetterunabhängig mit dem Fahrrad gefahren und heute geht das sogar noch viel besser, dank passender Sportbekleidung. Hier würde m.M.n. ein Umdenken eine ganze Menge hin Richtung weniger CO2 bringen (und mehr Platz in den Städten, da Fahrradparkplätze wesentlich kleiner sind).

    Viele Grüße
    Florian

  76. Hallo liebes Lage-Team und liebe Lage-Hörer,

    Zum Thema SCHULSOZIALARBEIT

    In Bayern gibt es ein Regierungsprogramm das sich Jugendsozialarbeit an Schulen nennt. Das heißt, es arbeiten Sozialarbeiter als Externe an Schulen. Angestellt sind die Sozialarbeiter bei freien Trägern der Jugendhilfe oder beim zuständigen Jugendamt. Schulen können einen Antrag stellen, um einen sogenannten JaSler für die Schule zu gewinnen. Dann wird geprüft ob die Schule “förderfähig” ist, hierzu müssen bestimmte Kriterien vorliegen.
    Für die Jugendsozialarbeit an Schulen gibt es Richtlinien, die beschreiben welche Aufgaben die Fachkraft an der Schule wahrnimmt. Erklärtes Ziel ist es eine Chancengleichheit herzustellen. Zielgruppe sind sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche.
    Es würde den Kommentar sprengen, das alles genauer auszuführen.
    Die Jugendsozialarbeit an Schulen ist Teil der Jugendhilfe und soll flächendeckend eingesetzt werden.
    Dieses Angebot wird von der Schülerschaft sehr gerne angenommen, problematisch ist allerdings teilweise die Zusammenarbeit mit dem Lehrerkollegium, zu dem man als Externer nicht gehört und die Zusammenarbeit mit den Eltern, die nicht immer von den Problemen hören oder deshalb aktiv werden wollen. Die Zusammenarbeit mit den Jugendämtern ist von Amt zu Amt verschieden, es spielen dabei viele Faktoren eine Rolle, aber teilweise entsteht der Eindruck, dass die JaS-Fachkraft dafür eingesetzt wird, um ambulante Jugendhilfe zu reduzieren oder so lange es geht hinauszuschieben, um so Kosten zu sparen.
    Trotzdem ist es eine sinnvolle Arbeit und verdient weiter ausgebaut zu werden, auch wenn bei dem Konzept noch etwas Luft nach oben ist.

  77. Liebes Lage-Team!

    Ich fand eure erstarkenden Worte gegenüber Schul-SozialarbeiterInnen sehr positiv, denn deren gesellschaftliche Relevanz wird häufig unter den Tisch gekehrt – nicht nur im Kontext Schule. Verblüffend geringe Bezahlung, scharfe Kritik gegenüber deren Professionalität und das Infragestellen deren Wirkungsgrades stehen an der Tagesordnug für jede/n SozialarbeiterIn. In einer für Multi-Problemlagen gezeichneter Gesellschaft nehmen sie eine zentrale Rolle ein, auch am Teilsystem Schule.

    Mit Sicherheit wäre die unzureichende gesellschaftliche Akzeptanz, unterirdische Bezahlung und die Signifikanz der Stellung von SozialarbeiterInnen im Sozialstaat ein interessantes Thema in der Lage. Dies könnte ja mit der Reformierung des Psychotherapeutengesetzes verbunden werden, das vor einigen Wochen vonstatten ging und worauf bereits mehrere Lage-HöhrerInnen hingewiesen haben.

    Ansonsten war die Lage wie immer abschließend erörtert!

    VG

  78. Zum Thema definitorische Klarheit in Zusammenhang mit der AfD:
    Euer Plädoyer für einheitliche Definitionen gefällt mir sehr gut, an dieser Stelle möchte ich als Politikstudent allerdings darauf hinweisen, dass die AFD sehr wohl der Definition einer rechtspopulistischen Partei entspricht.
    Obwohl der Begriff auch in der Wissenschaft sehr umstritten ist, einigen sich die meisten Forscher mittlerweile darauf das Populismus sich aus Anti-elitismus und einer Zentrierung bzw. Vereinnahmung “des Volkes” zusammensetzt. Beides trifft auf die AfD zu. Einen sehr guten Überblick und Einstieg in das Thema gibt folgende Artikel von Guardian:

    https://www.theguardian.com/news/2019/jan/10/we-the-people-the-battle-to-define-populism

    Man müsste die AFD also sehr wohl als populistische Partei bezeichnen, könnte im Sinne definitorischer Klarheit und Abgrenzung von beispielsweise der Linken aber Definitionen wie antidemokratisch oder systemfeindlich hinzuziehen.

    Viele Grüße und weiter so!

  79. Hallo liebes Team von Lage der Nation,

    vielen Dank für Euren Podcast, der mich wöchentlich meinen langen Arbeitsweg sinnvoll nutzen lässt!

    Zur aktuellen Folge möchte ich Euch zwei Anmerkungen schreiben:

    1. Klimakabinett
    Die vorgeschlagenen Maßnahmen habt Ihr sehr pointiert als zu wenig weitreichend dargestellt (Pendlerpauschale, Emissionszertifikate…). Ich möchte den Gedanken in den Raum werfen, dass den Bürgern auch deutlich gemacht werden muss, dass die kommenden Maßnahmen ihre Existenzgrundlagen nicht angreifen werden. Weiteres kann man ja noch nachlegen, wenn die ersten Impulse Wirkung zeigen. Nach den jüngsten Wahlen muss man bedenken, dass mit einer Partei, die den menschengemachten Klimawandel leugnet, ganz sicher nichts umzusetzen sein wird… und dorthin möchte man die Menschen ja nicht treiben.

    2. SUV-Debatte
    Hier seid Ihr mir nicht sachlich genug. Als SUV oder Geländewagen gelten Fahrzeuge vom Opel Mokka (Kleinwagen) bis hin zum Audi Q7 (Oberklasse / Luxusklasse). Die Unterschiede zu gleichwertigen Limousinen oder Kombis bzgl. Treibstoffökonomie sind vorhanden, aber nicht so extrem wie dargestellt. Ein SUV benötigt bei gleichem Nutzwert (Kofferraumvolumen) weniger Verkehrsfläche, da höher. Höheres Unfallrisiko? Bitte belegen, kann ich nicht erkennen. Dass man sich über Porsche Cayennes in der Berliner Innenstadt aufregt, verständlich. Aber reagiert Euch nicht an jedem Fahrer eines Skoda Yeti oder VW Tiguan ab, die sind sicher nicht das Problem (bilden aber die große Mehrheit der Zulassungszahlen).

    Und jetzt möchte ich etwas pointieren: Mein Arbeitsweg dauert mit Pkw 60min, mit dem ÖPNV 3,5 Stunden. Nein, ich möchte ganz bestimmt nicht mit jedem ÖPNV-verwöhnten Großstädter über die Sinnhaftigkeit meines Fahrzeugs debattieren und ganz sicher muss ich mich auch nicht rechtfertigen.

    Viele Grüße,
    Markus

    • Danke, Markus!
      Der Beitrag zu den SUVs hat mich auch gestört. Hier seid Ihr etwas in den Öko-Populismus abgerutscht, schade, da es einer der Stärken der Lage ist, wenn Ihr ausdifferenziert.

      Das Problem ist nicht pauschal am Feindbild SUV fest zu machen, wie Markus völlig richtig schreibt: Ihr sprecht die Größe und den Verbrauch an: richtig! Aber was ist mit meinem alten Sharan Diesel (Euro 4)? Ich habe drei Kinder und wohne NICHT in einer Stadt. Von den Grundmaßen ist der Sharan vergleichbar (und sogar überwiegend größer) als durchschnittliche SUVs. Als alter Diesel war das eine Dreckschleuder par excelence. Mein Neuer ist als Platzgründen (Familie, s.o.) nun seit Anfang des Jahres ein mittelgroßer SUV (X3), der aber etwas KLEINER ist, als der Sharan (passt jetzt in meine Garage), WENIGER Hubraum hat und daher (selbst gemessen, KEINE Händlerangabe) rund 2-3 Liter WENIGER verbraucht und als 6 d Temp (hoffentlich ;-) erheblich schadstoffärmer ist. Anderes Beispiel: der elektrische Tesla Modell x ist mit ca. 5m x 2 m größer als der SUV BMW X3 (4,75 x 1,89m).

      Durch ein plattes, populistisches Feindbild macht Ihr aber das richtige Thema kaputt: Wir müssen die Verkehrswende frei von Vorurteilen diskutieren und lösen: wie kriege ich die Autos aus den Innenstädten, wie krieg ich die Leute in den ÖPNV, auch und gerade auf dem Land? Diese Fragen lösen wir nicht, wenn alle undifferenziert auf SUVs einschlagen. Hängt das Thema Platzverbrauch und Abgase nicht an Klischees auf. Auch Elektroautos verstopfen die Innenstädte und Parkhäuser ebenso wie Familienvans und der VW T3 (bei uns in der Gegend “Prenzelberg-Ferrari” genannt). Beim Thema Abgase stehen alte Fahrzeuge ebenso auf der Agenda, wie auch Sportwagen. Die Sache ist viel differenzierter, als dass es mit populistischen Plattitüden gelöst werden könnte. Offenbar seid Ihr dem Klischee (Feindbild?) des Berliner Cayenne-Fahrers/Fahrerin erlegen.

      Noch was: völlig daneben fand ich Euren Aufruf, auf SUV-Fahrer einzureden, ihnen Sticker an die Autos zu pinnen, um diese so zu einem Bewusstseinswandel offenbar zu zwingen. Zwangsmaßnahmen stehen einer liberalen Gesellschaft aber niemals gut zu Gesicht. Da ist es egal, ob diese staatlich oder zivil ergriffen werden. So etwas führt zu weiterer Spaltung der Gesellschaft. Für meinen Sharan habe ich mich nie rechtfertigen müssen, bei meinem (kleineren und schadstoffärmeren) SUV ständig. Also: mehr Hirn und weniger Bauch in die Debatte!

      Liebe Grüße aus Franken

      Marc

  80. Hallo,
    Ich bin sehr frustriert von der allgemeinen Klimawandel-Debatte aber auch insbesondere von der Darstellung in der “Lage der Nation”. Es wird immer über simplifiziert und sehr “Wehtun”-Zentriert betrieben und dabei alles durcheinandergeworfen. Ich will ehrlich sein und gestehen, dass ich inzwischen auch so emotionalisiert bin, dass ich wohl auch nicht mehr ganz fair bin.

    Meines Erachtens geht es bei den Diskussionen nicht um den Klimawandel, sondern um Schuld zu verteilen und *leicht polemisch* um “Feelgood” Aktionen. Wie man im Mittelalter sich durch Selbstgeisselung von Sünden befreien könnte. *ende Polemik*

    Ich werde trotzdem versuche einiges zu trennen und ein ganz paar der Rückkopplungen aufzuzeigen, die es denke ich gibt, die das ganze sehr viel komplizierter machen. Ich weiss aber ganz genau, dass ich das nicht komplett durchschaue und eigentlich nur die Komplexität anreissen kann. Ob die aktuellen angedachten Massnahmen die richtigen wären, weiss ich nicht, aber die Diskussion über diese ist meines Erachtens eindeutig zu flach. Mir ist auch durchaus bewusst, dass eine Belegung meiner einzelnen Behauptungen nur dürftig ist, aber ich denke deswegen steht meine These dass es alles hochkomplex ist und ohne einfache Lösungen trotzdem, allein durch die Existenz von so unterschiedlichen Denkansätzen. Die Einfache Darstellung des Problems ist für mich einfach nur *leichte Polemik* Populismus*ende*.

    1. Wir müssen unterscheiden zwischen dem Klimaschutz und der gerechten Verteilung der Lasten.
    Wenn wir echten Klimaschutz (welches Menschenschutz ist, die Umwelt kommt auf jeden Fall mit dem neuen Klima irgendwie klar), so haben wir es mit einem Optimierungsproblem zu tun. Das kann man auf zwei Arten angehen, entweder setzt man den Aufwand fest und versucht mit diesem ein möglichst gutes Resultat zu bekommen oder man setzt das Ziel fest und versucht den Aufwand dafür zu minimieren. In beiden Fällen müsste man das aber die Optimierung SYSTEMWEIT tun. Der Ansatz entspricht dem globalen Emissionshandel. Das ist gut. Dementsprechend ist es voll ok, im soll und sogar Sinnvoll Emissionsrechte einzukaufen. Dieses wird aber von vielen Diskreditiert. So wurde auch in dieser Sendung gesagt, wie schlimm das wäre, das Deutschland Emissionsrechte einkaufen wird. Alles was das heisst, ist, das andere einfacher CO2 sparen können als wir. Eine Verteilung welches Land wieviel CO2 sparen muss erhöht nur UNNÖTIG entweder die Kosten für die gegebene Einsparung oder verringert den Effekt bei den nötigen Kosten. Einen Mindestpreis für CO2 zu fordern hat nichts mit dem Klimaschutz zu tun sondern ist eine Soziale/Gerechtigkeitsfrage und ein Systemwechsel. Aktuell wird global der CO2 Korridor festgelegt und der Preis ergibt sich dann aus der Schwierigkeit das Ziel einzuhalten. Über die Art wie der Korridor festgelegt wird kann man sicher streiten (wie sozial/gerecht das System ist).Meines Erachtens sollte in diesem System theoretisch die Wissenschaftler den Korridor festlegen. Über das “Freikaufen” wird auch häufig gemosert, aber ich weiss nicht was daran verkehrt ist, wenn das Ziel erreicht wird indem z.b. einer aus den Industriestaaten Geld für einen Solarkocher ausgibt, der jemand aus der Dritten Welt ermöglicht ohne CO2 verbrauch zu kochen. Dabei entfällt bei letzterem auch noch das Aufwändige Holz sammeln. Für mich heisst das, 2 Menschen sind froh und der Umwelt ist auch geholfen. Perfekt.
    Man könnte natürlich aber auch ein Gerechtigkeitssytem erstellen, wie dass jeder Mensch im Schnitt pro Tag 5min etwas für das Klima tun muss und der kann sich dann überlegen was er damit macht. Das wäre einen globales gleiches System und würde auch die Leistungskraft der einzelnen in Bezug nehmen (evlt -Leute die unterhalb des Existenzminimums leben?). Das wäre aber eine Änderung des Grundsystems, wir würden den Aufwand festlegen und hoffen dass genügend dabei raus kommt.

    2.Hierbei ist aber auch ganz wichtig der Unterschied zwischen Theoretischen und Praktischen Einsparungen. Ich möchte es erstmal an einem Beispiel aus meinem Beruf klar machen. Ich bin Programmierer und habe häufiger die Aufgabe einen Vorgang zu Beschleunigen. Eine Möglichkeit ist es die Aufgabe von z.B. einem Prozessor auf 4 Prozessoren zu verteilen. Theoretischen würde ich sagen, dass ich dann nur 1/4 der Zeit brauche. Praktisch dauert es aber häufig vielleicht doppelt so lange wie theoretisch erwartet.. .ich komme also nur auf 1/2 der Zeit, es kann aber auch sein dass es sogar doppelt so lange dauert.
    Und solche Effekte müssen wir auch beim CO2 berücksichtigen. So haben die meisten Massnahmen die wir treffen können viele Seiteneffekte die die ganze “Berechnung” kippeln können. So wurde ja wiederholt die Forderung für erzwungenen Verzicht gestellt. Hier will ich nur als Beispiel ein worst case Scenario entgegenstellen. Wenn der Druck zu groß wird, so wird spielen wir nur den Klima-Leugnern in die Hände und stärken Antidemokratische Tendenzen. Und wie Trump es mit dem Klimaschutz sieht wissen wir alle. Nehmen wir nur etwa die Ostdeutschen, wo (wenn ich es richtig Verstanden habe) jetzt schon die Verkehrsanbindung ein Thema ist, dass der AFD in die Hände spielt. Wenn wir jetzt noch das Benzin erheblich verteuern (so dass es weh tut) dann braucht die AFD keine Werbung mehr finanzieren… . Das ist jetzt abstrakt, aber ich habe schon in meinem Westdeutschen Umfeld von Leuten, die eigentlich Pro-Umweltschutz eingestellt sind, gehört, dass Ihnen die Debatte Angst macht und dass die “Androhungen” für sie Wahlentscheidend sein werden….
    Häufig wird auch davon geredet, dass man die Indirekten-Folgekosten vom Klimawandel berücksichtigen sollte. Dass müsste man aber dann allgemein machen. So wird z.b. häufig in der Lage der Nation propagiert, dass die Städte doch verdichtet werden sollen, teilweise unter Reduzierung der Grünflächen. Dies wäre ja ein so einfacher und kostengünstiger Weg vieles zu verbessern. Hierzu habe ich gelernt, dass eine Erhöhung einer Populationsdichte zu einer Erhöhung von Stress führt, was erhebliche Folgen für Gesundheit und Sozialverhalten hat. Dafür habe ich keinen direkten Nachweis, aber ich habe einen dafür, dass die Kriminalitätsrate steigt, wenn man die Pflanzenmenge in der Umgebung reduziert (https://www.npr.org/templates/transcript/transcript.php?storyId=646413667). Dies dürfte auch mit erheblichen Indirekten Folgekosten einhergehen. Die Abwägung dieser wage ich nicht.

    4. An der Stelle möchte ich auch noch mal Mahnen dass die Datenlage extrems schwierig ist bei so was und wir häufig nur von Modellen der Klimafolgen reden und nicht mal von Realstudien, geschweige denn von wertigen Daten. Ich rede nicht von der Aussage, dass der Klimawandel vom Menschen gemacht ist, sondern eher von so Sachen wie “das Elektroauto ist effizienter”… . Es handelt sich dabei um extremst komplexe Systeme die eigentlich nie Komplett verstanden sind und meistens so viele entscheidende Variablen haben, dass man sie *Polemik* gleich in den Müll werfen kann *ende* weil es eigentlich sich nur um eine Variablenwahl handelt. Bei der hier angegebenen Klima Bilanz “Klimabilanz von Elektroautos (Institut für Energie- und Umweltforschung)” hab ich z.B. keinen Fall gefunden, wo der Treibstoff auf hauptsächlich Biotreibstoff umgestellt wird. Das heisst man stellt ein Scenario mit Weiterentwicklung hin und die Alternative lässt man sich nicht weiterentwickeln. Auch habe ich keine Zahlen gefunden wieviel CO2 jetzt für die Herstellung eine Solaranlage angenommen wird, was sehr viel für die Berechnung ausmacht und sehr unterschiedlich sein kann (https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/energie/chinesische-solarzellen-verheerende-umweltbilanz/). Beides mag zwar dem geschuldet sein, dass ich die Texte nur überflogen habe, aber es wären aber typische Fälle von selektiver Wahrnehmung/confirmation bias und notwendigen Überannahmen. Ich glaube ehrlich gesagt, dass man so eine Bilanz nicht richtig machen kann.

    Auf Grund der schon aktuell nicht geringen Länge werde ich hier nur kurz erwähnen, dass man eigentlich zwischen Energieträgern/Speicherung, der Umsetzung in die gewünschte Zielgröße (zb Fortbewegung) und “Energiegewinnung” trennen muss (ein Benzin Auto kann CO2 neutral sein und ein Elektro Auto eine CO2 Schleuder).

    5. Anreize setzen, neue Lösungen und Innovativ denken
    Um dem ganzen ein nicht rein destruktive Wendung zu geben, noch ein paar positive Gedanken. Ich denke dass man sich die Anreiz Systeme überlegen muss und bei diesen mit Anreize und nicht mit Strafen arbeiten sollte und eine erhöhte Transparenz schaffen sollte.
    -Vielleicht nur als Idee, sollten alle Geräte mit einberechneten Energiekosten gekauft werden. Wenn der Preis des Fahrzeuges sich schon im Kaufpreis niederschlägt und das Risiko des Autoverbrauchs beim Hersteller liegt würden die wahrscheinlich anders agieren. Ich weiss aber nicht welche Nebenwirkungen das alles hätte und wie man einen Teil davon abfedern könnte.

    Ich denke man sollte Ganzheitliche Lösungen von außerhalb suchen und nicht in seinen Schubladen denken bleiben.
    So ist das was CO2 verbraucht immer noch der Mensch. Also die größte Einsparung die man überhaupt machen kann ist Menschen einzusparen. Vielleicht sollte man also die Familienförderung einstellen. Das ist hier natürlich eine sehr einseitige Betrachtung aber durchaus mal denkbar.
    Auch wäre es sehr sinnvoll in die Stärkung der Weltweiten Frauenrechte zu investieren, denn das würde auch über Verhütung und vieles andere wahrscheinlich mehr CO2 einsparen also so manche einschneidende Maßnahme bei uns(https://www.ted.com/talks/katharine_wilkinson_how_empowering_women_and_girls_can_help_stop_global_warming?language=de)

    Eine massive Investition in Forschung (auch Grundlagenforschung) wird meines Erachtens auch viel zu wenig diskutiert/vorgenommen, wie z.B die neue Entdeckung von massiv CO2-fressenden Mikroben darlegt (https://www.ted.com/talks/karen_lloyd_the_mysterious_microbes_living_deep_inside_the_earth_and_how_they_could_help_humanity) .Was gibt es noch für Innovationen die viel des Problems reduzieren können?

    Schluss Sätze:
    Das heute so gefeierte Verbot der FCKWs hat auch meinen Informationen nach ganz weich angefangen. Idealismus und Visionen sind wichtig, um die Richtung zu sehen, aber nur mit Augenmaß, Mäßigung und Realismus, dem Mitnehmen der meisten Menschen, kann man was erreichen.
    Grüße

    p.s. Im Allgemeinen bin ich großer Fan von der Lage auch weil es für mich gefühlt in der Regel eine ausgewogene vielseitige Diskussion der Punkte gibt. Deswegen höre ich sie schon seit Jahren regelmäßig und freue mich auf jede neue Folge!

    p.p.s: Ich bin Legastheniker und habe deswegen sicher viele Rechtschreibfehler hier übersehen.

  81. Hallo liebes Team, ich bin treue Hörerin eurer Lage und gehöre der Großmuttergeneration an.
    Das Klassenzimmer auf dem Foto zum Kapitel Bildungsgleichheit unterscheidet sich null von einem aus den 60er, 70er…….Jahren: Frontal ausgerichtete Tische und Stühle mit Kreidetafel vorne an der Wand. Die Struktur gibt die Lernmethode vor: Lineare Lernziele, die alle SchülerInnen gleichzeitig erreichen sollen. Wer es nicht schafft, wird abgehängt. Zentrale Klassenarbeiten sorgen dafür, dass keine LehrerIn auf dumme Gedanken kommt. Keine Zeit für SchülerInnen-Fragen, entdeckendes Lernen oder ressourcenorientierten Unterricht.(unglaublich was SchülerInnen alles schon wissen und voneinander lernen können!) das betrifft erst einmal, von der Herkunft unabhängig, alle SchülerInnen. Die Bildungsgleichheit bzw. Chancenungleichheit, wie Philip sie beschreibt, wurde bereits Anfang der 70er Jahre heiß diskutiert, mit den selben Beobachtungen und Erkenntnissen. Als Lösung galt die integrierte Gesamtschule. Diese hat sich bis heute, jedenfalls in Niedersachsen, nicht etabliert und gilt als Ausnahme. Diese Schulform gäbe allen SchülerInnen die Chance voneinander zu lernen und befreite auch diejenigen vom Leistungsdruck und den familiären Erwartungen, die von Haus aus fürs Abitur vorbestimmt sind. Dort würden auch handwerkliche Begabungen geweckt, gefördert und wertgeschätzt und nicht gegen andere ausgespielt. Diese Möglichkeit könnte alle SchülerInnen glücklicher machen.

    • Dem muss ich entschieden widersprechen.
      Schon im Kindergartenalter sieht man Unterschiede zwischen den Kindern. Warum soll ein klügeres Kind in der Klasse ausgebremst werden von einem Kind welches nicht so gut mitkommt?
      Warum soll ein Kind, welches sich nicht für den theoretischen Stoff begeistern kann, dafür aber künstlerisch oder handwerklich sehr begabt ist, in der gleichen Klasse sitzen wie einer der mit Freude Mathematikaufgaben löst und kein aber auch kein Bock auch Kunst- oder Musikunterricht hat (schreibe aus Erfahrung)

      Ende der achtziger habe ich in Hessen eine sehr gute Schulform genossen. Ich finde diese sollte überall schon ab der 3 Klasse eingeführt werden.
      Alle Kinder waren auf der gleichen Schule und hatten z.B. Mathematikunterricht.
      Es gab 3 verschiedene Mathematikgruppen a,b,c. Wer fit war kam in die Gruppe a. Diese Gruppen gab es auch in anderen Fächern.
      D.h. wer in Mathe gut war, kam in Gruppe a unter, wenn dieses Kind in Musik nicht so gut war, kam es im Musikunterricht in die Gruppe c.

      Diese Schulform galt damals in der 5 und 6 Klasse. Ab der 7 wurden die Kinder aufgeteilt in Haupt- und Realschule oder Gymnasium. Wobei es bei uns dankenswerterweise noch das technische Gymnasium gab. So musste sich keiner mit Latein, Altgiechisch oder Geschichte rumplagen der es nicht wollte.

      Ich fand die Schulform perfekt.
      Was hätte ich denn von einem Hauptschüler lernen sollen? Kanackendeutsch? Das kleine 1×1 in der 8 Klasse? Im Sportunterricht wäre ich dennen bestimmt unterlegen. Aber sonst?
      Auch bin ich gegen Inklusion. Wir haben es bei unserem Großen gesehen. 100% Fail. Jedes Kind muss entsprechend seiner Talente gefördert und gefordert werden.

  82. Hallo, ich höre sehr interessiert die Lage und bin mit euren Kommentaren fast immer d‘accord. Im Zusammenhang „Bildungsgleichheit“ musste ich jedoch kurz schlucken. Ich bin Tischlermeister und würde mich nicht als Menschen mit geringem Bildungsabschlüsse bezeichnen. Ulf, das kann dir bestimmt nur so rausgerutscht sein, oder?

  83. 9. September 2019 um 17:08 Uhr
    Christoph Bergoint

    Zum Thema Bildungsungleichheit vielleicht noch ein Aspekt, der eindeutig zu wenig Aufmerksamkeit erhält: LRS ( Lese-Rechtschreib-Schwäche. Als Vater von zwei Kindern, die stark von Legasthenie betroffen sind gibt es meiner Erfahrung nach mehrere Punkte in der deutschen (bzw. hessischen) Schullandschaft, die problematisch sind.
    1. scheint das Problem in vielen Grundschulen systematisch ignoriert zu werden. Wenn man nicht das Glück hat, auf engagierte Lehrkräfte zu stoßen, kann es durchaus passieren, dass das Problem geleugnet wird.
    2. auch in weiterführenden Schulen ist man stark davon abhängig, ob die Schule selber ein Konzept zur Betreuung und LRS-Fällen hat und dieses auch umsetzt.
    3. Finanzielle Belastung. Meine älteste Tochter hat 9 Jahre durchgängig eine (sehr erfolgreiche) Therapie durchlaufen, nicht zuletzt, um den Anspruch schulischen Nachteilsausgleich zu erhalten. (In der Grundschule Notenschutz, zuletzt beim Abitur Bonuszeit). In der Zeit haben sich ihre Rechtsschreibfähigkeiten zwar deutlich erhöht, aber monatliche Kosten in Höhe von ca. 300€ aufgeworfen – die NICHT steuerlich anrechenbar sind! Zwar sind wir in der Lage, diese Kosten zu tragen, aber das ist nicht jede Familie. Und
    Legasthenie ist deutlich häufiger, als landläufig angenommen. Viele Fälle werden immer noch nicht erkannt oder aus Kostengründen nicht therapiert.

  84. 9. September 2019 um 16:17 Uhr
    Sebastian Schwarze

    Thema: Psychische Betreuung in Schulen

    Hallo Herr Buermeyer und Herr Banse,

    Ich bin ein 17-jähriger Schüler aus Bochum, NRW. Ich habe auch schon indirekt Erfahrungen mit unserer Sozialbetreuerin, da eine gute Freundin von mir dort aufgrund ihrer Depressionen in Behandlung war. Ich gebe Ihnen vollkommen Recht, dass man meinen sollte, dass diese Sozialbetreuerstellen von gut augebildeten Person bekleidet seien, dies ist jedoch leider nicht der Fall. Auch an unserer Schule ist diese Stelle leider völlig fehlbesetzt und in den Kreisen der Schüler werden aus Ironie immer wieder Sprüche gedrückt wie ,Wenn‘ s dich stört geh‘ doch zu Fr. (Name)‘. Auch meine Freundin fand, dass diese Beratungsstuden bei ihr nicht den erhofften Effekt nach sich zogen, da sie zu schlecht ausgebildet war. Auch von anderen Schulen habe ich gehört, dass diese Sozialarbeiter keinen guten Ruf haben an den Schulen, sie haben oft keinen engen Draht zu den Schülern, oder sind schlicht und einfach nicht weit genug ausgebildet im Thema Psychologie.

    Liebe Grüße

    • Hallo Sebastian,

      vielen Dank, für den internen Einblick als junger Betroffener!
      Aus Elternsicht, hatte ich genau diese Vermutung: Das die Betreuer*innen nicht das Ideal leisten können, wie in der Lage geschildert, sondern das sich ein solcher Schulalltag etabliert, in dem sich die Kinder mit einer weiteren Autorität “gut stellen” müssen, um nicht aufzufallen.

      Generell finde ich die Institution der psychologischen Betreuung an einem Ort gut, an dem sich die Kinder immer länger am Tag aufhalten müssen, sollen oder auch können. Leider ist es hier, wie auch überall anders, unerlässlich, das eine durchweg professionelle Arbeit stattfindet. Durch die Landesschulämter, Kommunen, Schuldirektionen, das Kollegium und den Betreuer*innen selbst.
      Was wohl, wenn ich Dich Sebastian richtig verstanden habe, nicht so ist. Und sich mit unserer Erfahrung deckt.

      Viele Grüße

  85. Thema AfD und Ostdeutschland

    Ich denke über dieses Thema nun schon lange nach. Ich bin Jahrgang 81, bin im Nordwesten Deutschlands geboren und aufgewachsen, habe auch mal in Sachsen gelebt und die Familie meiner Frau wohnt in Mecklenburg-Vorpommern. Durch mein eigenes Aufwachsen fühle ich mich als gesamtdeutscher Mensch und nicht als Wessi. Aber in Ostdeutschland spüre ich immer wieder eine Identität als “Ossi”.
    Meinen Schwiegereltern gehts sehr gut. Er arbeitet im Homeoffice für eine Firma in Westdeutschland, hat alle möglichen Vergünstigungen und profitiert sehr davon. Die beiden haben spät noch mal ein Kind bekommen, welches jetzt auf eine private Schule geht, die sich eher alternativer Reformpädagogik bedient. Und beide sind AfD-Wähler. Immerhin ist Schwiegermutter nun aufgewacht als Frau von Storch in einem Interview sagte, man müsse der Sonne mal sagen, sie solle weniger scheinen, dann höre der Klimawandel auch auf. Das war für Schwiegermutter zu dämlich. Aber wirklich nur das. Die beiden sind keine Rassisten, keine verkappten Nazis. Die beiden genießen den Kapitalismus, profitieren vom freien Arbeitsmarkt und von einer Wahlmöglichkeit im Schulsystem. Beide haben eine ganz klare Identität als Ex-DDR-Bürger. Wenn es geht, wird in jedem Gespräch noch eine DDR-Referenz reingebracht (z.B. “…das kostete bei uns damals noch 5 Mark – Ostmark!”). Wenn die AfD wirklich entscheidend an die Macht käme, müssten die ganz viele Abstriche mache. Die Schule ihres Kindes würde bestimmt sehr schnell geschlossen. Die berufliche Situation von Schwiegermutter ist gerade etwas heikel aber mit dem jetzigen System kümmert man sich um sie. Unter der AfD wäre das sicher nicht so gewünscht. Es ist wie gesagt keine Wahl aus rassistischen Gründen oder aus Angst vor Islamisierung. Es ist auch keine Wahl aus dem Gefühl abgehängt zu sein und in Armut zu enden. Die wohnen in keinen Plattenbauslums sondern im Eigenheim in einer wunderschönen Idylle. Ist es jetzt Protest gegen die Westdeutschen Altparteien? Ist es Enttschäuschung von der Linken, wie Frau Kipping es beschrieben hat? Ist es einfach Desinteresse und in diesem Fall mangelnde Bildung oder fehlender Wille sich zu informieren?
    Ihr habt in dieser Folge darüber geredet, warum man AfD wählt. Gezielt die Politik der AfD zu unterstützen ist sicher ein Grund, Protest sicher ein anderer, das Gefühl sozial abgehängt zu sein ist sicher auch ein nachvollziehbarer Grund. Im Fall von Ostdeutschland spielt Frustration mit den Parteien und den Entwicklungen nach der Wiedervereinigung sicher auch eine Rolle. Aber es gibt auch eben meine Schwiegereltern, die man vielleicht beim Thema Frust gegenüber den Altparteien einsortieren kann, die aber ansonsten ohne jeglichen Grund bei vollem Bewusstsein AfD wählen und sich dann auf dem Weihnachtsmarkt ausgelassen und freudig mit der früheren, dunkelhäutigen Kindergärtnerin unterhalten und die zum Essen einladen. Es bleibt mir ein Rätsel.

    • Wohlstandsverwahrlosung.

    • Lieber Philipp, lieber Ulf,

      ich finde das Thema AfD und Deutschland habt ihr in dieser Lage gut beleuchtet. Ich stimme euch zu, dass es verantwortungslos ist die AfD zu wählen und dass sich unsere Demokratie in Acht nehmen sollte. Dennoch habe ich ein paar Anmerkungen. Meiner Meinung nach, genau wie Thomas das anhand seiner Schwiegereltern schildert, gibt es noch eine andere Gruppe AfD Wähler. Während sich in Westdeutschland geborene nicht als “Wessis” bezeichnen, gibt es die “Ossi” Identität. Bloß wo kommt diese her? Ich bin Jahrgang 1994 und in Sachsen geboren. Bis ich zum Studium nach Bayern zog, habe ich mich nie als Ostdeutsch identifiziert. Viel zu oft kamen dann im Studium nach Angabe meiner Herkunft, “Ossi” Witze, humorvoll gestellt Fragen à la “Na wie wars im Sozialismus?” oder “Weist du was eine Mango ist?” und Aussagen über meine Kindheit, von Leuten die ich gerade erst kennen gelernt hatte. Ich fing an den Osten zu verteidigen und empfand zum allerersten Mal das Gefühl anders zu sein, nämlich “Ossi” zu sein. Ehemalige DDR Bürger wurden in die BRD eingegliedert und stellten eine Minderheit gegenüber den ehemaligen BRD Bürgern da. Ostdeutsche sind damals wie heute von sozialer, kultureller und identifikativer Abwertung betroffen. Akteure dieser Diskriminierung sind Westdeutsche, die abwertende Aussagen und Witze treffen; die Medien, die über Ostdeutschland als eine Einheit sprechen; und eine Politik, die es nicht geschafft hat, diese Diskrimierung zu unterbinden. Ich bin nach der Wende geboren, meine Familie hat mir keine “Ossi” Identität in die Wiege gelegt und kein einziger meiner Verwanden wählt die AfD. Dennoch fühlte ich mich, vor ein paar Wochen persönlich gekränkt, als ich die Titelseite vom Spiegel sah: “So isser, der Ossi” zusammen mit einem schwarz-rot-goldenem Fischerhut. Auch wenn der Artikel versucht die Stereotypen zu durchbrechen, verschärft er sie erst einmal mit der Wahl dieser Titelseite. Es ist diese diskriminierende Rhetorik, die sich durch unsere deutschen Medien, unser sozial Leben und unsere Politik zieht, die die “Ossi” Identität kreiert und das “Problemkind Ostdeutschland” am Leben hält. Es ist eine Form der Diskriminierung die uns allen strukturell in die Wiege gelegt wird und die Menschen mit westdeutscher Herkunft entweder gar nicht oder nicht als problematisch wahrnehmen. Es geht dabei nicht um historische Frustrationen oder um den Ost-West Ausgleich. Entscheidend ist, dass der Westen, die Kultur des Ostens/die ehemalige Lebensweise in der DDR als minderwertig einstuft, somit Vorurteile schürt und eine Zerteilung am Leben hält, die es eigentlich auf einer emotionalen Ebene nicht mehr geben müsste. So menschenverachtend, rechtsradikal und autoritär die AfD ist, suggeriert sie mit Parolen wie “Wende 2.0” eine neue Ostdeutsche Identität und verspricht somit indirekt die Verbesserung der Diskriminierung. Die AfD nutzt die seit dem Mauerfall vom Westen geschaffene “Ossi” Identität nun zu ihrem Vorteil. Vielleicht ist das ein weiterer Grund warum Menschen mit Ostdeutscher Herkunft die AfD wählen. Trotz dieser ausformulierten Vermutung, möchte ich mich hier nochmal ganz klar von der Partei abgrenzen und klarstellen, dass in meinen Augen auch das kein Grund ist die AfD zu wählen.

      Die Lage der Nation hat mittlerweile eine große Reichweite, zu Recht, ihr schmeißt den Laden richtig gut. Ähnlich wie ihr diese Woche dazu aufgerufen habt, das kulturelle Phänomen SUV, freundlich und friedlich zu bekämpfen, könntet ihr auch dazu aufrufen, das kulturelle Phänomen “Ossi Witze” als nicht witzig einzustufen. Das wäre vielleicht ein Anfang.

  86. Diese Folge war wieder einmal sehr gut. Vor allem die verschiedenen Aspekte der Chancen-Ungleichheit.
    Die immer wiederkehrenden Beiträge zum Umweltschutz gefallen mir sehr, außer das moralische Aufladen der Schuld auf SUV-Fahrer und andere Gruppen der Gesellschaft. Selber fahre ich keinen SUV, weil mir ein kleines Auto ausreicht und mir das Geld für Unterhalt, Versicherung etc. zu schade ist. Trotzdem hört bitte auf mit diesem Herumgehacke auf bestimmten Personengruppen. Geht doch erst einmal mit gutem Beispiel voran und stellt eure Server auf Ökostrom um, kauft ein E-Auto als Dienstwagen usw. usw.

    Einen Kommentar fand ich dazu sehr gut; das Thema Dienstwagen kommt bei der Betrachtung viel zu kurz. Da ist über die Anpassung der Absetzbarkeit im Steuerrecht schon vieles möglich um eine nachhaltigere Nutzung zu erzielen. Bedeutet für mich, es sind kleinere Autos unterwegs.
    Warum nicht einen atmenden Deckel beschließen. Jedes Dienstfahrzeug darf zum Anschaffungspreis abgesetzt werden, ebenfalls wie bisher der Treibstoff usw. Wenn ein Auto den gewünschten durchschnittlichen CO2-Ausstoß übersteigt kann der Preis nur noch um einen verminderten Prozentsatz abgesetzt werden.
    Z.B. Preis 80.000 Euro. CO2-Ausstoß 110Gramm.
    Gewünschter durchschnittlicher CO2-Ausstoß nur 100Gramm. Also dürfen 10% des Preises nicht mehr abgesetzt werden. Folglich sind das 72.000 statt 80.000 Euro.

    Wie es mit einem Verbot für Firmen aussieht, dass Mitarbeiter keine Tankkarte bekommen, ist ein sehr schwieriges Thema. Alleine das es wieder ein Verbot ist. Das ist ein sehr großer Eingriff in die Vertragsfreiheit. Auf der anderen Seite muss die Menschheit vielleicht vor sich selbst geschützt werden und in dem Fall geht es nur über Verbote. Bestes Beispiel dafür ist FCKW in Kühlschränken. Besser wäre meiner bescheidenen Meinung nach das Unternehmensausgaben für ein bewusst umweltschädigendes Verhalten nicht mehr bei der Berechnung von Unternehmenssteuern berücksichtigt werden können.

    Was ist generell von der Idee einer europäischen Lösung zu halten, dass von Jahr zu Jahr für jeden in die EU eingeführten oder zugelassenen (Neu)Wagen der über dem Durchschnittsverbrauch liegt eine Abgabe zu zahlen ist. Je höher der tatsächliche Verbrauch über dem Durchschnittsverbrauch liegt umso höher ist die Abgabe. Diese Abgabe kann dann ein Bestandteil der Kfz-Steuer sein.
    Etwas ähnliches gibt es in Österreich mit der sogenannten Motorsteuer.
    Oder noch einfacher, europaweit wird eine Mindestabgabe auf alle Treibstoffe und Brennstoffe eingeführt. Die Höhe steigt von Jahr zu Jahr um einen Festbetrag oder mindestens einen prozentuallen Anteil bis sich eine Absenkung der Treibhausgasemmission zeigt.

  87. was muss passieren damit autokonzerne verboten wird für ihre SUVs zu werben? alkohol und tabak werbung sind doch auch verboten/eingeschränkt…

  88. Hallo!
    Ein Lesetipp passend zu den Themen “Landtagswahlen” und “SPD-Parteispitze”:
    SPD-Parteivorsitz-Kandidatin Petra Köpping hat in ihrem im letzten Jahr erschienen Buch “Integriert doch erst mal uns! Eine Streitschrift für den Osten” (Ch. Links Verlag) mit von der Wende negativ beeinflussten Biografien, deren Entwertung danach und den daraus resultierenden Emotionen beschäftigt.

  89. Also ich finde es ehrlich gesagt problematisch, anderen Leuten das SUV fahren madig zu machen. Mit der gleichen Begründung könntet ihr auch dazu aufrufen, an den Flughafen zu fahren (natürlich nur mit ÖPNV) und den Mitmenschen bezüglich ihrer “unnötigen” Flugreisen ins Gewissen zu reden. Und jedem der mit einer Plastiktüte aus dem Supermarkt kommt, etc.etc.
    Es ist immer leicht, das Verhalten der anderen zu verurteilen, aber wer im Glashaus sitzt…

    • Vollkommen richtig ! Man sollte auch über Flureisen neu nachdenken. Wie missionarisch man das macht kann man vielleicht diskutieren. Aber das wolltest Du gar nicht sagen , oder?
      Aber ich finde innerstädtische Flugreisen total uncool und versuche die zu vermeiden. Du nicht ?

  90. Hey ihr beiden,
    erstmal vielen Dank für eure Arbeit und den super Podcast. Ich höre euch regelmäßig!

    Zum Thema SUV und dicke Autos habe ich noch eine Ergänzung. Ich finde, dass man auch über das Thema Dienstwagenregelung mit Privatnutzung nachdenken sollte. Im Alltag habe ich schon oft erlebt, dass Mitarbeiter einen Dienstwagen auch privat nutzen dürfen. Das ist erstmal nicht schlimm, da der geldwerte Vorteil auch versteuert wird. Zusätzlich ist es auch oft so, dass es eine Tankkarte dazu gibt mit der auch privat getankt werden darf – sozusagen Auto als “Flatrate”. Das spornt natürlich gar nicht zum Spritsparen oder zu einen Ausweichen auf ÖNVP an.
    Schon bei der Bestellung des Dienstwagens kann der Motor gar nicht groß genug sein. Den Diesel zahlt ja eh die Firma und gefahren wird dann auch entsprechend, nämlich Vollgas. Und bei über 200 km/h ist kein Auto mehr sehr umweltfreundlich. Meist würden die Leute nie so mit ihrem privaten Auto fahren und dann reicht auch plötzlich der kleinere Diesel.
    Soviel zum Thema Umweltschutz.

    Viele Grüße

  91. Das Problem bei der nächsten Wahl in England bleibt doch das selbe.
    Parlamentarisch wird eine Partei gewählt werden die von sich behaupten Süd könnten “brexit” nur um dann nach der Wahl da zu sitzen wo wir jetzt sind und bei einer Volksabstimmung wird es heißen “wir wollen ein brexit mit Deal”
    Und niemandem ist geholfen.
    …. Außer man differenziert es aus:

    1. Cancel brexit
    2. No deal brexit
    3. Brexit mit deal und wenn das nicht geht dann gar kein brexit
    4. Brexit mit deal und wenn das nicht geht no deal brexit
    5. May’s deal
    6. Neuer Deal
    7. Back stop ja
    8. Back stop nein
    9. Brexit ja, aber wir bleiben in der handeslzone
    10. Wir machen ein Fest wo wir rituel europäische Flaggen verbrennen und nennen es brexit.
    Dann haben wir jedes Jahr ein brexit, lassen aber politisch alles so wie es ist

    Bitte kreuzen Sie maximal 3 Punkte an und nummerierten Sie die kreuzte nach Ihrer Wichtigkeit.
    Keine Bleistifte und nicht abschreiben

    • Tja, und dann hat der Sieger-Vorschlag weniger als 50% der Punkte und die „Verlierer“ werden Betrug schreien. Das ist auch das Problem bei den 3 Alternativen der Podcaster.
      Beispiel: „Exit vom Brexit“ kriegt 45%. „War ja klar betrogen, die Ausstiegswilligen hatten zusammen 55%, aber deren Mehrheit wurde in zwei Alternativen zersplittert“.
      Oder: „May‘s Deal“ kriegt 45%. „War ja klar betrogen, weil mit der durch die Befragung versauten Johnson Verhandlungsstrategie konnte ja nur das rauskommen“
      Nö, Neuwahlen mit dem klaren Mandat an die Abgeordneten, in dieser Frage nach ihrem Gewissen zu entscheiden, ohne Fraktionszwang. So wie‘s ja eigentlich sein sollte, in einer repräsentativen Demokratie.
      Dann wird’s Viele mit einem sturen Brexit-Kurs geben. Aber ich hoffe ja auf eine Mehrheit, die differenzierter argumentiert.

  92. Stichwort SUV – Für mich ein tolles Beispiel dafür, was passiert wenn man für industrielle Eigenverantwortung bzw. gegen staatliches Eingreifen argumentiert. Die Aussage “Der Kunde möchte SUVs” – also geben wir sie ihnen, zeigt was Unternehmen aus Ihrer Verantwortung machen, nämlich nicht genug. Der Ökonomische Erfolg steht an erster, zweiter und dritter Stelle, ehe dann einmal über die Folgen nachgedacht wird. Wie Ihr auch richtig sagt, folgt daraus nur, dass diese Segmente noch mehr beworben und dadurch noch mehr verkauft werden. Meiner Meinung nach wird sich das ohne strikte Vorgaben der Politik niemals ändern.

    • Ich finde das Gerede von der “Verantwortung” von Unternehmen generell schwierig. Jedenfalls Kapitalgesellschaften sind ihren Anteilseignern verpflichtet. Punkt. Wenn man da mehr als Peanuts für Ökoschnickschnack ausgibt, dann gibt es auf der nächsten Hauptversammlung ein Schlachtfest.

      Deswegen ist staatliche Regulierung so wichtig: Sie setzt Rahmenbedingungen, mit denen das Management gegenüber den Kapitalgebern argumentieren kann. Und das Kapital kommt eben immer öfter nicht mehr von braven Sparern, sondern von eiskalten Hedgefonds. Denen kann man nicht mit Verantwortung kommen, sondern nur mit harten Compliance-Anforderungen.

      Daher plädieren wir in der Lage seit Jahren dafür, das Gerede von der “Verantwortung” von Firmen sein zu lassen. Das sind Nebenkerzen, die vor allem das Ziel verfolgen, echte Regulierung zu verhindern.

      • Genau, den: “Viele Herren = keine Herren”, so schreibt die aktuelle Financial Times dazu.

        Würde CEOs nun auch andere Stakeholder bedienen müssen oder können, geht die Verantwortlichkeit von CEOs und auch von Politiker komplett verloren.

        Der Job der Politik ist gute Rahmen für die Wirtschaft zu setzten. Wenn die Politik das nicht macht, dann ist das ein Scheitern der Politik.

  93. Klima:
    Es ist so einfach. Ich will mal meinen Vorschlag in für Diskussion einbringen.
    1. CO2 Steuer pro Tonne einführen (Beispiel 40€) mit jährlicher Erhöhung um 10€
    2. Rückerstattung an jedem Staatsbürger in Höhe des derzeitigen durchschnittlichen Verbrauchs in Deutschland (11t/Jahr/Bürger) –> 440€/Jahr pro Bürger, in einer 4-köpfigen Familie also 1760€ zum Jahreswechsel
    3. Reduzierung der 11t/Jahr/Bürger bis 2040 auf 0t/Jahr/Bürger mit jährlicher Erstattung in Höhe des errechneten Verbrauchs, also keine Erstattung mehr im Jahr 2040

    Wer weniger verbraucht, bekommt Geld zurück. Wenn mehr verbraucht, zahlt über das Jahr hinweg eben auch mehr.

    Das ist ein einfacher Wurf, sozial ausgewogen und wirksam.

  94. Zum Abschmieren der Linke würde ich das Buch “Rückkehr nach Reims” von Didier Eribon empfehlen – ohnehin ein sehr lesenswertes Buch. U.a. wird dort der Einbruch des parti communist in Verbindung mit dem Erstarken des Front National in Frankreich thematisiert. Sicherlich gibt es Unterschiede, was die Parteienlandschaft und die jeweiligen politischen Systeme und deren Entwicklung betrifft, dennoch denke ich, dass seine Diagnose auch spannend in Bezug auf die deutsche Linke ist. Als einen Hauptgrund sieht Eribon, dass zu Beginn der 80er Jahre die Französische Linke zunehmend das kollektive, systemische Denken verlernt hat, was sich zum Beispiel daran zeigt, dass die Begriffe “Unterdrückung” , “Ausbeutung” und “soziale Klasse” weitestgehend aus dem Wortschatz der Linken getilgt wurden. Stattdessen findet sich auch bei den Linken eine Tendenz zur Individualisierung, was – sehr abgekürzt – dazu führt, dass eine positiv affirmative Gruppenzugehörigkeit, die sich auf Zugehörigkeit zu einer sozialen Klasse stützte, zusammengebrochen ist. Dieses Vakuum wurde dann Stück für Stück durch eine anders, vor allem über die Nationalität definierte Gruppenzugehörigkeit gefüllt, was wiederum ganz verschiedene gesellschaftliche Teilgruppen verband.

  95. Ich bin noch nicht ganz durch die dieswoechige Lage durch, aber ich muss schonmal ein, für mich zumindest, immer wiederkommender Frustrationspunkt loswerden: Diese dämliche OECD-Studie bezüglich der Akademikerquote. Ja die gibt es, ja die ist korrekt, und nein sie hat fast keine Aussagekraft für Deutschland. Das Problem ist, dass, gerade im angelsaechsischem Raum, kein äquivalent zum deutschen Ausbildungswesen existiert. Und auch allgemein die Wirtschaftsstrukturen nur sehr begrenzt vergleichbar sind.
    Fangen wir mit letzterem an: In den USA (aber auch in England) existiert das Konzept von einem ausgebildetem Verkäufer nicht. Wenn man hier zur Bäckerei geht darf man erwarten, dass das Verkaufspersonal einem sagen kann was man mit welcher Allergie/Erkrankung essen kann und was nicht. In den USA wird dafür der Supervisor geholt (sofern einer da ist). Letzter hat im Normalfall ein Collegeabschluss (nicht notwendigerweise in irgendetwas zu dem Tätigkeitsfeld relevantem) und eine Fortbildung (aka Wochenendseminar). Als fertig Ausgebildeter, und mehr noch mit nem Techniker/Meister obendrauf, ist man ähnlich qualifiziert wie der generische liberal arts Major im angelsächsischem Raum.

    An dem Punkt haben wir aber noch nichtmal über den wirklich relevanten Unterschied geredet: Krankenschwester sind bei uns ein Ausbildungsberuf, im angelsächsischem Raum ein Studium. Laborassistenten, exakt das gleiche Spiel. Lebensmittelkontrolloere, exakt das gleiche Spiel. Beamte, exakt das gleiche Spiel (technisch gesehen weis ich nicht wie die ganzen Verwaltungshochschulen in Deutschland gezählt werden, von daher ein bisschen Vorsicht desto weiter man in der Liste kommt).

    Der häufigste Ausbildungsberuf der Vergangenheit (Bürokaufmann) ist mittlerweile ein Studium (BWL) geworden. Ich habe bis jetzt noch nicht gehört, dass die Leute wesentlich qualifizierter als zuvor sind, und hier kommt der relevante Teil, auch nicht, dass die aktuellen Gehälter wesentlich besser sind. Ich glaube unbesehen, dass “mehr Bildungszeit” mit “mehr Gehalt” korreliert, dass das ein konstanter Faktor für alle Bildungsjahre ist bezweifle ich schwer (Ich mache gerade meine Doktorarbeit und bin mir relativ sicher, dass das die finanziell dämlichste Entscheidung meines gesamten Lebenswegs sein wird). Genauso ist die Frage was hier alles zu “mehr Bildungszeit” zählt, Hochschulbildung (wo ich jetzt das Abitur einfach mal drunterfasse für diese Diskussion) sollte da nicht den Größten Wert aufweisen.

    Wir hatten letzte Woche kein warmes Wasser, die Hausverwaltung war nicht in der Lage einen Handwerker beizuholen, da die schlicht und einfach alle ausgebucht sind. (Hochschul)Bildung als Allheilmittel anzupreisen erscheint mir weder für die betroffenen Menschen (BWL-Ba vs Bürokaufmannausbildung) noch gesamtgesellschaftlich (Handwerkermangel) sinnvoll, was aber natuerlich nicht heist, dass die Vorselektierung wer in welchen Beruf “hineinwächst” gut ist, die momentan da ist. Aber diese dämliche Fixierung auf die Akademischen Laufbahnen hat bereits einen Schaden angerichtet und verhindert das Angehen von den tieferen Problemen, die komplizierter sind als eine Zahl (Akademikerquote) zu erhöhen.

    • Hallo Andreas,

      das sehe ich exakt genau so. Obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob diese Gleichnis von der Lage so aufgestellt wurde: Jeder wird Akademiker == Jeder wird Reich. (Einfach ausgedrückt). Bei einer Studie kann ich dieses Ergebnis nachvollziehen.
      Wogegen ich bin, ist die Fixierung auf die mutwillige Chancenverwährung, bei Kindern aus niederen Schichten, in diesem Land. Rückblickend war für meinen “2. Bildungsweg zum Dipl.-Ing.” nicht der gesellschaftliche Habitus, der überwunden werden musste, sondern der der eigenen Familie. Den einen ist es egal, was aus einem wird (im Guten wie im Schlechten), die anderen wollen nicht wirklich, das man sich auf den Weg macht, um sich möglicherweise über sie zu stellen. – Auch das eine stark Verkürzte Analyse!

      Viele Grüße

      • 10. September 2019 um 11:12 Uhr
        Shavana von der Aue

        Liebes Lage-Team!
        Ich wollte mich nur kurz bei euch bedanken für den immer toll gemachten Podcast! Ich komme selber aus Neuseeland, lebe aber seit über 10 Jahren in Berlin und bleibe gerne informiert nicht nur über Weltpolitik aber auch über das, was gerade direkt um mich herum passiert. Daher ein großes Lob an euch – der Podcast ist wirklich überragend!
        An Ulf: Schöne Grüße soll ich Dir von meiner Schwiegermutter, Gisela von der Aue, ausrichten!
        Liebe Grüße, Shavana

  96. Hallo zusammen,

    ich höre die Lage seit mehr als 2 Jahren und werde nun das Abo beenden. Ich hatte gehofft, dass die Lage faktenbasiert aufbereitet und nicht von populistischem Quatsch geleitet ist. Die Behauptung, dass der CO2-Ausstoß bei SUVs “viel, viel, viel höher ist als bei anderen Autos” trifft nun wirklich nicht zu. Genauso wenig ist es nicht korrekt, dass SUVs grundsätzlich “schwerer sind und mehr Leistung brauchen”. Und am wenigsten stimmt es, dass SUVs bei über 200g pro km liegen und “andere Autos” im Schnitt bei 130g. Habt ihr euch überhaupt mit dem Thema auseinandergesetzt?
    Ein einfacher Blick auf z.B. https://www.audi.de/de/brand/de/neuwagen/layer/energieeffizienz.html (SUVs hier an den Q vor der Bezeichnung zu erkennen) zeigt, dass der CO2-Ausstoß überhaupt nichts mit der Karosserieform zu tun hat, sondern allein mit dem Gewicht. So stößt ein Q3 bereits deutlich weniger CO2 aus als ein einfacher A3!

    Aber richtig wütend wurde ich, als die Herren der Lage zum Bekleben von SUVs mit Stickern aufgerufen haben und die linke Parole “SUV ist so cool wie seinen Müll auf dem Bürgersteig abwerfen” rausgehauen haben. Ich dachte immer, dass es sich hier um seriösen Journalismus handelt, habe mich aber wohl getäuscht!

    Achja und eSUV sind natürlich auch schlecht, weil sie “mehr Platz verbrauchen”??? Aber VW Bulli fahren ist ok, weil man damit ja in die Natur fährt und der CO2-Ausstoß ist dann auch egal.

    Da drängt sich mir die Frage auf, wenn nun hier schon so schludrig recherchiert wurde, wie sauber werden andere Themen ausgearbeitet? Habt ihr schon mal versucht ein EAuto zu fahren, wenn ihr mitten in Berlin wohnt und pro Straße maximal eine Ladesäule vorhanden ist? Und habt ihr schonmal versucht einen Doppelkinderwagen in einen Golf zu bekommen, wenn die Kita 20 Minuten Autofahrt entfernt ist? Ach nein, ihr seid ja damit beschäftigt, die Menschen auf falscher Informationsgrundlage gegen SUV-Fahrer aufzuhetzen… Also mein Q3 jedenfalls stößt deutlich weniger CO2 aus als ein A4 Avant (Kombi). Und genau das werde ich den Menschen erzählen, wenn sie mich auf dem Weg zur Kita auf mein Auto ansprechen verbunden mit der dringenden Empfehlung ebenfalls das Lage-Abo sofort zu beenden.

    Viele Grüße
    Sven

    • Erst mal vielen Dank für die Unterstützung der Lage!

      Hast Du jetzt wirklich mit einem Link auf eine “neutrale” Audi-Seite gegen unseren SUV-Beitrag argumentiert … ? Wenn Du solche Quellen zugrundelegst, dann fällt es natürlich leicht, uns schludrige Recherche vorzuwerfen.

      Hier ist das Problem beispielsweise, dass die Liste nur Audi-Modelle enthält, d.h. durchweg mehr oder weniger fette und schwere Autos. Unser Punkt war: schweres Auto = hoher Energieverbrauch. Das ist eine physikalische Gesetzmäßigkeit. Wenn man in einem schweren Auto einen effizienten Motor einsetzt, dann verringert man das Problem der Emissionen zwar, aber derselbe Motor würde in einem kleinen Auto noch weitaus weniger CO2 in die Luft pusten.

      Generell: Don’t shoot the messenger! Ich kann es ja verstehen, dass es nervt, wenn wir Dir in diesem Beitrag den Spiegel vorhalten. Aber wir sehen es nicht als unsere Aufgabe an, den Menschen nach dem Munde zu reden. Und der SUV-Wahnsinn gehört nun einmal gestoppt (wobei wir mit SUV natürlich große, schwere und tödliche Karren meinen, nicht aufgemotzte Opel Corsas, da hätten wir uns in der Tat präziser ausdrücken müssen).

      • Ich kann hier dem Kommentar von Sven nur zustimmen. Ich will mich nicht auf die Fakten beziehen, welches Auto nun mehr oder weniger CO2 ausstößt, sondern auf euren Aufruf SUV-Fahrer anzusprechen um sie offensichtlich in Erklärungsnot zu bringen. Zuerst einmal hat das wirklich nichts mehr mit Journalismus zu tun, wenn man dazu aufruft anderen ein schlechtes Gewissen einzureden. Das SUVs nicht mehr zeitgemäß sind sehe ich auch so, aber deswegen die moralische Keule zu schwingen finde ich absolut unangemessen. Soll ich dann als Fahrradfahrer auch jeden Autofahrer mit meinem ökologisch einwandfreien Gewissen ansprechen, wieso er oder sie nicht mit dem Rad in die Stadt gefahren ist? Was ist mit den Old/Youngtimer-Fahrern, deren geliebtes Schätzchen über jede Abgasnorm erhaben ist? Den Leuten die mit Plastiktüte einkaufen gehen, statt mit Jutebeutel? Wir brauchen umfassende Konzepte um die ökologisch Krise zu meistern, was wir überhaupt nicht brauchen ist einzelnen Menschen ein schlechtes Gewissen einzureden. “Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.”

        • Zunächst mal war das die Position von Phil, nicht von der Lage insgesamt. Aber ich würde die Grundaussage unterschreiben: SUVs müssen auf Nischenmärkte zurückgedrängt werden (Jäger, Landwirte).

          Dass es auch andere Verhaltensweisen gibt, die ökologisch nicht OK sind, ändert doch nichts an der Kritikwürdigkeit des SUV-Fahrens – das ist 1a Whataboutism. Ob man jetzt die Menschen anspricht oder ihnen Zettel ans Auto klebt bleibt ja jedem selbst überlassen. Aber wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens, dass es einfach nicht OK ist, solche Autos zu fahren (von Ausnahmen abgesehen, wo es ein sachliches Bedürfnis gibt, s.o.).

        • Ich kommentiere mal meinen eigenen Kommentar, da die maximale Tiefe der Kommentare wohl erreicht ist und ich somit Ulfs Antwort nicht mehr kommentieren kann.

          Zuerst einmal vielen Dank für Deine Antwort.

          Ich finde es absolut falsch SUV-Fahrern ein schlechtes Gewissen zu machen. Für mich stellt dieses Verhalten ein Kernproblem unserer Zeit dar. Ich kann mir vorstellen, dass genau dieser Mechanismus dazu führt, dass Leute sich von der Gesellschaft abwenden. Die Käufer eines SUVs haben doch keinen Fehler begangen, oder? Haben sie etwas illegales getan? Nein. Es gibt unzählige Dinge, die man, aus welchen Gründen auch immer, vielleicht besser nicht tun sollte. Aber in unserer liberalen Gesellschaft ist jedem freigestellt dieses Dinge zu tun, so lange sie nicht illegal sind. Ich finde es wirklich nicht gut, dass es ein Trend zu sein scheint, den einzelnen auf Grund seiner legalen Entscheidungen für etwas zur Verantwortung zu ziehen. Was man damit lediglich erreicht ist, dass sich die Leute ausgegrenzt fühlen. “Jetzt darf man noch nicht mal mehr SUV fahren…”. Man sollte dafür sorgen, dass es teurer wird diese Autos zu fahren, oder sie meinetwegen sie auch verbieten, aber den Einzelnen dafür verantwortlich zu machen finde ich absolut nicht in Ordnung. Dann kann man nämlich auch all diejenigen an den Pranger stellen, die sich sonst angeblich moralisch oder ökologisch unkorrekt verhalten. Das ist kein Whataboutism, sondern meiner Meinung nach der Kern einer liberalen Gesellschaft, es auszuhalten, dass Leute, von welchem Standpunkt auch immer betrachtet, Fehler machen. Das soll nicht heißen, dass jeder bis in alle Ewigkeit SUVs fahren können soll, sondern dass eine gesamtgesellschaftliche Lösung gefunden werden muss.

        • Du hast natürlich insoweit Recht, als das das Kaufen eines SUV rechtlich nicht zu beanstanden ist. Phil hat aber auch mit keiner Silbe rechtliches Vorgehen gegen SUV-Fahrer gefordert.

          Zwischen Recht und Moral ist zu trennen und nur das Recht kann mit (Rechts-)Zwang durchgesetzt werden (frei nach Kant). Das heißt aber natürlich nicht, dass es rechtswidrig oder unmoralisch ist, auf Amoralisches gesellschaftlichen oder persönlichen Druck auszuüben. Solcher Druck ist ganz entscheidend beim Erreichen von “Moralischem Fortschritt”, so man denn an so etwas glaubt.

          Natürlich ist die Situation in Frage für beide Parteien eher unangenehm – angenehm wurde aber jetzt wirklich lange genug versucht. (was nicht heißen soll, unfreundlich werden, sei in Ordnung)

    • Ich seh‘ in meinem Umfeld viele große und schwere Autos, nicht nur SUVs. Hab‘ selber Eins, aber das fährt nur noch die Langstrecken (wo dann der Platzverbrauch ziemlich wurst ist, der Verbrauch bei 150 kmh aber sogar besser als bei einem Kleinwagen). Weil: Seit 2 Jahren haben wir einen Elektro-Smart. Liebevoll SmartE genannt.
      So, jetzt kommt‘s: Der SmartE ist als Stadtauto so sexy, dass schon zwei Weitere Einen gekauft haben. Shaming bringt wenig, ziemlich sinnlos in meinem Umfeld, sondern die besseren Angebote sind die überzeugenderen Argumente.
      Das regen wir bei den Herstellern am Besten über die bekannten Verbrauchsvorgaben an, aber den Mumpitz mit Elektro = 0 und die verschiedenen Vorgaben für unterschiedliche Klassen müssen wir ausschleichen. Beim Konsumenten über konsequentere Spritsteuer und die bekannten Strom-Umlagen. Mehr braucht‘s nicht. Und mehr sollte es dann auch nicht sein.

      Noch drei Anmerkungen zu anderen Kommentaren:
      Momentan werden auch die erst recht schweren Hybriden als Firmenwagen massiv gefördert (die dann doch nur mit Sprit betrieben werden, dank Tankkarte) und ich las mal irgendwo dass 50% der Neuwagen Firmenautos sind.
      Was mich als Fußgänger und Radfahrer an den SUVs besonders nervt ist deren Höhe und oft getönten Fenster. Wenn da Einer an der Kreuzung parkt: Null Durchblick.
      Danke, dass ihr nicht den Unfall mit den 4 Toten in Berlin für eine SUV-Stadt-Verbotsdiskussion benutzt habt. Das hätte nämlich mit meinem SmartE auch passieren können. Geschwindigkeit (E = m/2 v Quadrat) und Unfallhergang sind viel entscheidender als Masse.

    • Ich seh‘ in meinem Umfeld viele große und schwere Autos, nicht nur SUVs. Hab‘ selber Eins, aber das fährt nur noch die Langstrecken (wo dann der Platzverbrauch ziemlich wurst ist, der Verbrauch bei 150 kmh aber sogar besser als bei einem Kleinwagen). Weil: Seit 2 Jahren haben wir einen Elektro-Smart. Liebevoll SmartE genannt.
      So, jetzt kommt‘s: Der SmartE ist als Stadtauto so sexy, dass schon zwei Weitere Einen gekauft haben. Shaming bringt wenig, ziemlich sinnlos in meinem Umfeld, sondern die besseren Angebote sind die überzeugenderen Argumente.
      Das regen wir bei den Herstellern am Besten über die bekannten Verbrauchsvorgaben an, aber den Mumpitz mit Elektro = 0 und die verschiedenen Vorgaben für unterschiedliche Klassen müssen wir ausschleichen. Beim Konsumenten über konsequentere Spritsteuer und die bekannten Strom-Umlagen. Mehr braucht‘s nicht. Und mehr sollte es dann auch nicht sein.

      Noch drei Anmerkungen zu anderen Kommentaren:
      Momentan werden auch die erst recht schweren Hybriden als Firmenwagen massiv gefördert (die dann doch nur mit Sprit betrieben werden, dank Tankkarte) und ich las mal irgendwo dass 50% der Neuwagen Firmenautos sind.
      Was mich als Fußgänger und Radfahrer an den SUVs besonders nervt ist deren Höhe und oft getönten Fenster. Wenn da Einer an der Kreuzung parkt: Null Durchblick.
      Danke, dass ihr nicht den Unfall mit den 4 Toten in Berlin für eine SUV-Stadt-Verbotsdiskussion benutzt habt. Das hätte nämlich mit meinem SmartE auch passieren können. Geschwindigkeit (E = m/2 v Quadrat) und Unfallhergang sind viel entscheidender als Masse.

  97. Sehr guter Beitrag über psychosoziale Unterstützung an Schulen. Ein kleiner Zusatz aus meiner Erfahrung:
    Ich hatte in der Schulzeit auch nicht immer eine leichte Zeit, wie das vielen so geht. Besonders durch soziale Umstände habe ich Schwierigkeiten gehabt, die sich auch in meiner schulischen Leistung gezeigt haben. An meiner Schule gab es auch einen so genannten Schulsozialarbeiter, der aber leider außer durch eine Vorstellung über einen Brief an die Eltern kaum präsent war und dadurch, zumindest für mich, mit meinen sozialen und privaten Schwierigkeiten nicht als Ansprechperson in Frage kam. Ich hatte das große Glück das ich mich meinem Klassenlehrer anvertrauen konnte, der quasi die Rolle übernommen hat.
    Aus meiner Erfahrung muss die Kommunikation über eine solche Personalie einfacher gehen und die Möglichkeit bestehen ein Verhältnis und Vertrauen aufzubauen bevor man mit Problemen aus dem eigenen Leben zu ihm oder ihr geht. Besonders für Kinder und Heranwachsende ist meines Erachtens die Hürde sich mit solchen privaten Problemen einem komplett fremden zu öffenen ein Grund diese Hilfe nicht anzunehmen.

  98. Hallo Lage-Team und Lage-Hörer,

    sehr gute Folge! Trotzdem wollte ich anmerken, dass der Ankauf von Steuer-CDs sich als absolut lupenreine Anstiftung zum Verrat von Geschäftsgeheimnissen subsumieren lässt (§§ 26 StGB, 17 UWG (a.F.) – einige Staatsanwälte dürften das in dem Zusammenhang samt § 258a StGB (Strafvereitlung im Amt) großzügig übersehen haben. “Common Sense” ist also vielleicht übertrieben. Ich weiß nichts zum konkreten Fall.

    Im Zusammenhang mit dem Bildungserfolg von Kinden hätte ich mir gewünscht, ihr hättet kurz erklärt, inwiefern Vererblichkeit eine oder keine Rolle spielt.

  99. Hallo ihr zwei,

    immer wenn ihr über Klima, regenerative Energien, CO2 und über den ÖPNV als Heilsbringer sprecht, dann muss ich an eine unglaubliche Erkenntnis denken die ich während meiner technischen Ausbildung zum Lokführer gelernt habe – haltet euch fest!

    Ich fahre als Lokführer die Züge der S-Bahn in Berlin. (Und das gerne und mit Leidenschaft) Die Züge werden durch zahlreiche Elektromotoren mit Strom aus der Stromschiene betrieben. So wie auch bei Elektroautos üblich, erzeugen auch die S-Bahnen beim Bremsen Strom. Was glaubt ihr was mit diesem durch Bremsen erzeugten Strom (und das sind pro Tag und Zug enorme Mengen an Strom) passiert? NICHTS – Also fast nichts. Wir machen Wärme daraus. Der durch das Bremsen erzeugte Strom wird nicht, wie etwa bei ICEs zurück ins Netz gespeist, sondern durch sogenannte Bremswiderstände unter dem Zug in Wärme umgewandelt. Dieser Wärme wird dann einfach an die Umgebung abgegeben. Nicht einmal im Winter verwenden wir den erzeugten Strom oder die erzeugte Wärme zum Heizen. Dafür gibt es eine Heizung – und der Strom dafür wird aus der Stromschiene gezogen. Krass oder? Die Infrastruktur würde es hergeben den erzeugten Strom aufzunehmen aber man tut es nicht. Und so kann man es durchaus wörtlich nehmen wenn es heißt: “Die S-Bahn heizt in Berlin durch die Stadt”

    Macht weiter so!

    • Danke Manuel! Das ist in der Tat krass. Denn technisch ginge es sicher anders – wenn nicht durch Rückspeisung ins Netz, dann über Puffer-Akkus. So läuft es beispielsweise bei den eGolfs, die in Berlin jetzt als WeShare betrieben werden.

  100. Hallo ihr beiden,
    höre die Lage meistens mit meinem 9jährigen Sohn, wenn wir an Wochenenden zu Sportveranstaltungen unterwegs sind, sind beide große Fans!
    Heute sind mir einige Dinge aufgefallen, bei denen ich eure Diskussion ungewohnt klischeehaft und auch widersprüchlich fand.
    Zunächst ist mir bei dem wichtigen Thema Chancengleichheit aufgefallen, dass ihr nach dem Bericht aus der Kurt-Schwitters-Schule sinngemäß sagt: tja und jetzt denk mal, wie das an einer Brennpunktschule ist, da kommt Armut dazu, da spielt Gewalt in der Familie eine Rolle… das hat mich sehr geärgert, denn ihr habt damit eigtl das gleiche gemacht, was ihr zurecht kritisiert habt. Gerade Gewalt in der Familie kommt in allen Schichten vor. Gerade Anfang der Woche kam der Monitoringbericht zu sexualisierter Gewalt gegen Kinder raus, der wieder feststellt, dass in jeder Schulklasse 1-2 betroffene Kinder sitzen, aber nur 13% der Schulen haben ein Schutzkonzept dafür. Auch körperliche und psychische Gewalt sollten wir nicht den Armen und schlecht Ausgebildeten zuschreiben. Das wird weder diesen Familien noch den Kindern aus sog. besserem Hause, deren Eltern man oft nur das Beste zutraut, gerecht.
    Genauso finde ich es (als Ossi und ,Wendekind’, deren Altersgenossen ja auch mehrheitlich AfD gewählt haben) immer wieder schwierig, dass behauptet wird, dass die AfD-Wähler keine Nazis sind. Ich frage mich ehrlich gesagt, wozu das dient. Ab wann ist man Nazi? Wenn man eine rechtsextreme Partei wählt, die einen Neonazi als Spitzenkandidaten hat und aber sagt, man will nur protestieren? Oder nur wenn man Mitglied in einer rechtsextremen Partei ist? Oder nur, wenn man zum rechtesten Haufen
    dieser Partei gehört? Wer diese Ideologie unterstützt und sich von diesen Politikern vertreten fühlt, ist es da nicht viel wahrscheinlicher, dass man diese Ideologie teilt als das Gegenteil? Ich habe beinahe das Gefühl auch diese Umfragen nach: wollen Sie protestieren oder sind Sie mit den Inhalten einverstanden, sehr ritualisiert beantwortet werden. Könnte es nicht auch so sein, dass es sich hier um eine letztlich gefährliche Entlastungsstrategie der demokratischen Kräfte handelt, so eine Art Selbstberuhigung – wird schon nicht so schlimm sein…? In den letzten Jahren wurde oft eine seltsam kategorische Trennung zwischen den Wählern der AfD und der AfD selbst gemacht, das hat gar nichts gebracht, ich halte es daher für einen Irrweg. Insbesondere wenn man sieht, wie dominant der Flügel in der Partei geworden ist und wie gut das im Osten ankommt. Was meiner Meinung nach übersehen wird: im Osten sind Rechte und Rechtsextreme normal. Man geht mit ihnen zur Schule, man trainiert mit ihnen im Sportverein, man kennt sich von klein auf. Was man kennt, davor hat man nicht so viel Angst, zumal die wenigstens Deutschen, die sich politisch nicht aktiv zeigen, von Neonazis direkt bedroht oder körperlich attackiert werden. Dazu kommt eine sehr verfängliche Erzählung, die sagt: du bist gut so, wie du bist, die anderen sind schlechter als du. (im Grunde knüpft das ja auch an die Erzählung vom ,besseren Deutschland’ an) Gleichzeitig sprecht ihr von einer Traumatisierung durch Treuhand und Wende. Damit entlässt man doch die Wähler aus der Verantwortung und marginalisiert sie letztlich. Zwar sagt ihr ,erwachsene Menschen müssen…‘ aber es sind ja traumatisierte Erwachsene, das Trauma bewirkt doch, dass man im Opferstatus hocken bleibt und gar nicht anders kann, als genau wieder nur als Opfer zu funktionieren. Damit geht auch ihr diesem Opfernarrativ, dass von der LINKEN in den letzten 30 Jahren geprägt wurde und nun dankbar von der AfD geerntet wird, ein Stück weit auf den Leim. Mir kommt das unzureichend vor. Was in den letzen 30 Jahren im Osten passiert ist, ist weltweit ohne Beispiel. Eine völlig marode und verarmte Landschaft ist wirtschaftlich wiederbelebt worden. Wenn man die Einkommen mit den Lebenshaltungskosten gegenrechnet, dann ist das Armutsrisiko im Osten geringer als im Westen, der Unterschied zwischen Stadt und Land zB ist auch größer als zwischen Ost und West. Auch das berühmte Rentenbeispiel, ja noch immer sind die Renten bei 96% (Angleichung ist aber wirklich bald geschafft), aber die Realrenten im Osten sind höher, da es sich in der Regel im Doppelverdienderhaushalte handelt (siehe Rentenbericht). Usw. Die wirtschaftlichen Probleme sind doch vor allem Folge der DDR-Wirtschaft, nicht der Wiedervereinigung. Mittlerweile scheint dies aber Konsens zu sein, der insbesondere von Jana Hensel in der ZEIT befeuert wird. Ich finde zumindest, man sollte nicht immer nur die DDR von ihrem Ende her erzählen (auch die über 50 Jahre Diktatur haben ihre Spuren hinterlassen, 50 Jahre Kollektiv – ein Kollektiv, dass die AfD jetzt problemlos wiederbelebt) und nicht so tun, als wäre 90 alles bei Null losgegangen und dann sei man eben mit dem Osten ungerecht umgegangen. Wenn wir die AfD-Wähler wirklich ernst nehmen wollen, und das fordern sie Ja sehr nachdrücklich, dann muss man diese Stimme als das werten, was sie ist: eine Stimme für Nazis, die viel dafür tut, dass Nazis in unserem Land Nazidinge tun können, wie zB die Demokratie abzuschaffen und Terror und Gewalt zu verbreiten. Das können wir doch nur verhindern, wenn wir nicht länger so tun, als hätten die Wähler mit ihrer Stimme etwas ganz anderes gemeint.

    Ich freue mich schon auf eure nächste Folge! Vielen Dank und herzliche Grüße!

  101. CW #Essstörung #Suizidversuch #Depression #SVV

    Zu der psychologischen Betreuung in der Schule:

    Ich war (bis diesen Sommer) auf einem sehr guten & renommierten Gymnasium in Berlin, das hauptsächlich von weißen Mittelklasse-Kindern mit akademischem Familienhintergrund besucht wird. Bei uns im Jahrgang gab es, unter anderem wegen des hohen Leistungsdrucks, der von Schulleitung und Lehrkräften ausgeübt wurde, aber auch wegen mangelnder privater psychologischer Betreuung bei schwierigen Einzelfällen (sehr schwer, in Berlin jugendpsychologische Betreuung zu finden, wenn man kein “akuter Notfall” ist) massive psychische Probleme (von Essstörung über Depression und selbst verletzendem Verhalten bis hin zu mehreren Suizidversuchen), die auch allen bekannt waren. Die Gesamtschüler*innen-Vertretung macht sich zwar seit Jahren stark dafür, endlich eine schulpsychologische Unterstützung zu erhalten, Schulleitung blockiert aber mit Verweis auf mangelnde finanzielle Mittel (ist nicht ganz klar, inwiefern das zutrifft). Was ich damit sagen will: Pädagog*innen und Psycholog*innen werden dringend (!) an jeder Schule benötigt, natürlich vermehrt an Schulen mit großflächigeren strukturellen Problemen, wie sog. “Brennpunktschulen”, aber selbst an “Elite-Gymnasien”…

  102. Zitat von 17:20: “Die Lebensbedingungen in Deutschland haben sich einfach dramatisch verschlechtert, wenn man nicht zu den oberen dreißig Prozent von Einkommen und Besitz gehört.” – Und das glaubst du?

    Ich möchte dazu gerne steven pinker: “aufklärung jetzt” empfehlen.

    • Und ich empfehle einen Blick auf die Entwicklung der Reallöhne seit Anfang der 90er-Jahre. Die oberen drei Einkommensdezile sind deutlich gestiegen, während es für die unteren vier Einkommensdezile Einbußen gab. Von einer dramatischen Verschlechterung würde ich nicht sprechen, aber wenn man nicht zu den oberen 60% gehört, ist das Leben härter geworden. Sieht man ja auch daran wie sich die Anzahl der Tafeln in diesem Land seit Anfang der 90er-Jahre massiv erhöht hat.

      • Jaja, alles schon gehört. Ich (bzw. Ulf/Philipp) habe aber nicht von Reallöhnen geredet (die sich ja nach deiner Auskunft auch nicht dramatisch verschlechtert haben), sondern von Lebensbedingungen. Die dürften sich in Deutschland leicht verbessert haben, während sie in den meisten Ländern der Welt deutlich besser geworden sind.

        In Pinkers Buch wird das gut erklärt.

  103. Zu den Bildungschancen und Unterschieden will ich gerne noch subjektiv etwas beitragen.

    Zwei Punkte.
    1. Ich selbst habe kein Abitur und nur mittlere Reife.
    Aktuell führe ich ein Team von 12 Leuten, welche Teils studiert haben. Da ich schon mit 17 Jahren meine Ausbildung begonnen hatte, kann ich mit meinen nun 38 Jahren auf 20 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Diese waren nicht immer einfach und mit jeder Menge harter Arbeit verbunden.
    Meine beiden Eltern hatten selbst nur Hauptschulabschluss.
    Ich denke es hängt nicht immer von der Bildung der Eltern oder dem Bildungsabschluss ab. Der eigene Einsatz kann auch ein entscheidendes Kriterium sein. Auch spielt eine Rolle ob man sich die Ausgangsbasis selbst erarbeiten musste oder vieles von den Eltern in die Wiege gelegt bekam.

    2. Gerade die einfachen Tätigkeiten qualifizierter, akademischer Berufe werden sich in Zukunft stark automatisieren lassen. Viele aufwendigen Handwerkerberufe werden jedoch schwierig zu automatisieren sein. Diese Berufe werden also nach wie vor eine wichtige Bedeutung für die Gesellschaft haben. Wohingegen alles was klar strukturiert ist sich gut automatisieren lässt. Sollten wir also nicht auch weiter darauf achten, dass die Akademiker-Quote nicht zu hoch wird und auch einfache Berufe qualifiziert ausgebildet werden können?
    2008 hatten rund 25% der Abschlussgänger Abitur, heute sind es schon rund 32%. https://de.statista.com/infografik/17058/anteil-der-bevoelkerung-mit-hochschulreife/ I
    st diese Entwicklung Gesamtgesellschaftlich wirklich so gut?

    • Ich denke, dass ihr das Problem mit dem Habitus aus der falschen Richtung betrachtet. Ein wirklich großes Problem in unserer Gesellschaft ist, dass sehr viele Unternehmen (und vor allem Vorgesetzte) viel zu unflexibel gegenüber der Vielfalt der Menschen unserer Gesellschaft sind.

      [In meiner ersten Version war hier ein langer Roman. Aber da ich annehme, dass es wahrscheinlicher wird, dass das hier jemand liest, wenn ich mich kurz fasse, picke ich jetzt einfach mal nur die Gruppe mit dem größten Potential für Realsatire raus:]

      Die Gruppe der “Minderleister”. Menschen, die nicht selten hochbegabt sind, aber dann anstrengend werden, wenn sie unterfordert werden. Viele von denen legen großen Wert auf Anstand und Ehrlichkeit und haben kein Problem damit, zuzugeben, wenn sie etwas nicht können. Also in unserem Betrieb wäre so jemand unhaltbar. Generell haben es kompetente Menschen, die irgendwie anecken oft sehr schwer. In der Dokumentation “Der Hartz IV-Report” vom ARD wurde zum Beispiel ein Langzeitarbeitsloser mit einem Doktor in Chemie vorgestellt, der zugegeben erst einmal etwas grob wirkt. Aber wer wäre das nicht, der fachlich gut, aber zum Rumgammeln verdammt ist. Also ich habe Kollegen, die schlimmer sind. Und die können ihre Kompetenz nicht als Ausrede verwenden.

      Und ich hör schon die Ausreden, dass es ja auch auf soziale Kompetenz ankommt. Und ganz ehrlich: Am Arsch. Aus fast jedem Arbeitstag könnte ich ne Sitcom drehen, bei der kaum jemand gut weg kommen würde. Irgend ne Macke haben wir doch alle. Wer damit nicht klar kommt, dem fehlt soziale Kompetenz. Es sollte nicht das Ziel sein den akzeptierten Habitus zu erfüllen. Es sollte das Ziel sein, diejenigen die darauf Wert legen aus Führungspositionen loszuwerden.

      • Danke für diese Perspektive!

        Ich murmele bei jedem Einstellungsprozess immer „ich mag Nerds“ vor mich hin, damit ich diese Vorurteile kontere … aber ob mir das gelingt weiß ich auch nicht.

        • Moin Ulf,
          erst einmal Danke für Eure tolle Arbeit.
          Und nun um sicher zu gehen, dass ich mich mit meiner Plapperschnautze nicht missverständlich ausgedrückt habe. Ich dachte vor allem an die große Vielfalt der unterschiedlichen Menschen.
          Ich arbeite in einer umsatzschwachen, ländlichen Region und war in meinem Betrieb lange als Gehilfe in der Halle angestellt. Dann landete ich irgendwie im Büro.
          Wir arbeiten viel mit Gehilfen. Befristete Verträge und Probezeit auf Limit. Durchschnittsgehalt in der Halle nicht nenneswert über Mindestlohn und hohe Fluktuation der Angestellten. Anteil der nicht-deutschsprachigen über 90% und selbst Plattdeutsch spricht nur die Hälfte. Kurz: Genommen wird, was verzweifelt ist oder den Arbeitsvertrag nicht lesen kann. Ist ein interessanter Haufen.
          Der Satz mit der Macke kommt von meinem damaligen Hallenleiter. Wenn irgendjemand ein schlechtes Wort über nen anderen verloren hat, hat der sich jedes Mal eingemischt und dafür geworben sich einfach nicht wie ein Arschloch zu verhalten. Und es funktionierte.
          Getauscht habe ich gegen nen Anzug, der mich immer noch von oben herab behandelt, an neuen Bewerbern ständig die seltsamsten Dinge kritisiert und einmal die Woche nen 90 minütigen Monolog über die Wichtigkeit des Dialogs hält…
          … naja und gegen doppeltes Gehalt und Gleitzeit. Also wenn Du vor dem Monolog noch mal pinkeln gehst, sind die 90 Minuten schon zu ertragen.
          Aber trotzdem war mir der Umgangston in der Halle lieber. Dort muss mensch einfach irgendwie miteinander klar kommen und es funktioniert. Oben ist die handverlesene Elite und meine Inspiration für eine Sitcom.
          Und weil ich mich gezwungen fühle noch mal kurz Ernst zu sein: Ich war da in den Jahren als die AFD erstarkte. Die Betonung liegt wirklich auf “es funktioniert”. Lustig war es nicht immer. Aber keiner hat vorgeheuchelt jemand anderes zu sein und mensch ist sich halt einfach aus dem Weg gegangen. Im Büro mögen die Seiten weniger extrem zur Geltung kommen. Aber womit ich wirklich ein Problem habe ist, wenn jemand einen Spruch bringt, der für mich die Grenze überschreitet und Kollegen lachen, von denen ich weiß (/hoffe), dass sie nicht dahinterstehen.

  104. Moin,

    mich beschäftigt seit einigen Wochen ein Thema, dass nicht zur aktuellen Ausgabe der Lage passt, aber bereits angesprochen wurde. Und zwar die kostenlosen Bahntickets für Bundeswehrsoldaten.

    Als die Debatte hierüber begann, habe ich mich zunächst über eine erneute Verschwendung von Steuermitteln im Verteidigungsministerium geärgert, was aber auch damit zusammenhängen kann, dass ich mich im letzter Zeit ständig über die BW ärgere. Auch wenn ich es durchaus positiv finde, wenn öffentliche Verkehrsmittel gefördert werden, sehe ich nicht die grundsätzliche Notwendigkeit uniformierte Soldaten in Bus und Bahn zu sehen. Und mir ist zunächst der Vergleich zu Polizeibeamten eingefallen, die in bestimmten Bereichen ebenfalls gratis mit Öffis fahren dürfen, wenn sie in Uniform fahren. Diese sind dann aber “quasi im Dienst” und müssen als Ansprechpartner in Streitfällen zur Verfügung stehen, haben somit also einen gesellschaftlichen Nutzen (https://community.bahn.de/questions/1731989-durfen-polizeibeamte-aller-lander-kostenlos-bahn-fahren).

    Nach der neuen Regelung dürfen jetzt auch Soldaten in Uniform gratis fahren. Da die Bundeswehr im Innern jedoch grds. nicht tätig werden darf, kann eine solche Verpflichtung zum Einschreiten hier wohl kaum bestehen. Und ich möchte es auch nicht erleben, dass Soldaten zu Hilfspolizisten werden.

    In einer der letzten Folgen habt ihr dann das Feedback einer Hörerin / eines Hörers aufgenommen, dass die Ausgaben für diese Einigung mit der Bahn theoretisch in den Wehretat eingerechnet werden müssten und Deutschland damit auch dem 2% Ziel (etwas) näher kommt, was ich einen ganz netten Hack fand und habe mir dann mal Gedanken gemacht, ob diese Vereinbarung mit der Bahn nicht noch mehr positive Auswirkungen haben könnte. Und kam zumindest vorläufig zum Ergebnis: Die Bahntickets könnten für den Steuerzahler günstiger sein als gedacht.

    Grundsätzlich stellen sämtliche alle Güter, die in Geld oder Geldeswert bestehen und im Rahmen einer Einkunftsart zufließen Einnahmen nach § 8 EStG dar. Da die Bahntickets vom Dienstherrn für seine Soldaten gezahlt werden und diese lt. AKK eine Wertschätzung für deren Einsatz darstellen sollen, kann man das denke ich ohne weiteres bejahen.

    Nach § 3 Nr. 15 EStG sind jedoch Zuschüsse des Arbeitgebers zum ÖPNV, die zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt werden, steuerfrei. Dies gilt auch für die private Nutzung. Die gewährten Zuschüsse mindern aber den Werbungskostenabzug. (https://www.haufe.de/finance/steuern-finanzen/jobticket-wie-die-fahrkarte-steuerfrei-bleibt_190_333460.html) (Haufe drückt sich da etwas präziser aus ;) ).

    Das Interessante ist imo, dass die Bahntickets für Soldaten aber nicht nur den Nahverkehr gilt, sondern auch für den Regionalverkehr und den und den Fernverkehr. Diese Fahten werden nicht von der Steuerbefreiung erfasst und müssten somit steuerpflichtigen Arbeitslohn darstellen. Da die Soldaten während der Fahrt auch keine hoheitlichen Aufgaben wahrnehmen, würde ich sie während der Fahrt auch nicht als “quasi im Dienst” ansehen.

    So wie ich das System verstanden habe, sollen die Soldaten aber in einem System der Bundeswehr die Tickets bestellen und ausdrucken und dann nutzen können, sodass eine individuelle Wertermittlung möglich ist. Im Regelfall dürfte die Bemessungsgrundlage 96% des regulären Ticketpreises betragen, wobei eine Freigrenze von 44,- pro Monat besteht. Eine Fahrt mit dem Fernzug liegt in der Regel aber dadrüber.

    Wenn wir also einfach mal davon ausgehen, dass Soldaten ganz gut verdienen und einen Steuersatz von 30% haben und dass nur jeder fünfte der 182.832 Soldaten einmal im Jahr eine Fernreise über das System bucht, und für Hin- und Rückfahrt im Wert von 120,- Euro bucht, kommen wir auf Steuereinnahmen von:

    182.832 Soldaten / 5 * 96% v. 120,- Euro / 30% Steuersatz = 1.263.734 Euro.

    Ich weiß, dass meine Zahlen nur ausgedacht sind und keiner statistischen Erhebung folgen (geht ja bisher auch noch nicht). Aber ich denke sie sind sehr konservativ gerechnet, da Regionalfahrten noch gar nicht mit eingerechnet wurden und auch schnell die 44,- Euro übersteigen und in die Steuerpflicht fallen. Auch andere Faktoren müssten noch berücksichtigt werden. Es ist z. B. durchaus denkbar, dass für Fahrten, die sonst mit dem Auto gefahren würden, die Soldaten zwar gratis fahren, ihre Mitfahrer aber bezahlen müssen.

    Und die 1,2 Mio sind noch weit von den 4 Millionen entfernt, die der Bund an die Bahn zahlt, aber hierbei handelt es sich theoretisch um linke Tasche, rechte Tasche. Spannender finde ich, dass die Einkommensteuer zur Hälfte den Ländern zusteht und somit gleichzeitig eine Finanzierung der Länder stattfindet. Und wer weiß, vielleicht, kommt das ganze bei den Soldaten so gut an, dass die Steuereinnahmen langfristig auch die 4 Mio überschreiten. Außerdem kann es nie schaden, die Fahrgastzahlen der Bahn zu erhöhen.

    Vielleicht ist das ja ein interessanter Denkansatz, mich würde euer Feedback und das der Hörerinnen und Hörer jedenfalls interessieren.

    Liebe Grüße von eurem Fan

    Jan

  105. 8. September 2019 um 19:38 Uhr
    Sarah Müggenburg

    Hallo, ihr beiden!
    Danke für den unglaublich guten Podcast! Gerade das Thema Chancengleichheit und Habitus an Schulen ist wirklich spannend!
    Die Kurt-Schwitters-Schule war auch Erstwunschschule bei unserem Kind und ein I-Status wäre definitiv erleichternd gewesen, um einen Platz zu bekommen. Die Mischung dort scheint gut zu funktionieren. Hoffentlich wird die Rolle der Sozialarbeit zukünftig höher angesehen und langfristige Arbeitsverträge sind bei so einem Vertrauensverhältnis ein muss. Danke für die interessanten Einblicke und Einschätzungen.
    Grüße,

    Sarah M.

  106. “Verdopplung in 10 Jahren” –

    In der Folge zu den Mietpreisen (2 Episoden her) wird die “Verdoppelung der Mietpreise in 10 Jahren in Berlin” als ein drastischer Fakt genommen.

    Das ist aus meiner Perspektive statistisch nicht sauber. Eine Verdopplung in 10 Jahren entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 7.18% vor Inflation. Nimmt man 2% Inflation an (kommt ungefähr hin), ist das ein jährliches Wachstum der Mieten in Berlin von ca. 5%.

    Dieses Wachstum sollte sich durch eine vernünftiges Lohnwachstum eigentlich ausgleichen. Stimmt die Mathematik von mir nicht oder ist das Lohnwachstum einfach wesentlich geringer oder die Zahlen falsch?

    P.S. Ich wohne neben dem Urania und kenne die bekannten mit Kindern die Umziehen mussten sehr gut, mich interessiert tatsächlich der Kern des Problems weil es auf Basis der Zahlen die genannt wurden erstmal nicht so schlimm klingt.

    • Um 7 % p.a. Mietsteigerung auszugleichen muss man eine jährliche Lohnsteigerung von 7 % erreichen. Ob man nun 2 % Inflation abzieht und damit auf die reale Mietsteigerung kommt, ist unerheblich: Die Inflation muss man bei der Lohnsteigerung ja dann wieder hinzuaddieren.

      5 % Reallohnsteigerung ist für Akademiker, die gerade in ihren Beruf einsteigen, durchaus möglich – je nach Tätigkeit sogar problemlos. Das wird jedoch eine 45-jährige Bäckereifachangestellte bei weitem nicht schaffen. Diese kann froh sein, wenn sie die Inflation schlägt und überhaupt eine Reallohnsteigerung erzielt.

  107. Wie immer anregend zum Mitdenken!
    Als Lesetipp empfehle ich „Rückkehr nach Reims“ von Didier Eribond, in dem der französische Soziologe/Philosoph anhand seiner eigenen Lebensgeschichte überzeugend analysiert, warum konsequent kommunistisch wählende Milieus in Frankreich ab den späten 70er/ frühen 80er Jahren ihre politische Heimat beim rechtsextremen Front national finden. Gleichzeitig ein kenntnisreicher Beitrag zum Thema Bildungsgerechtigkeit, Habitus und dem Umgang mit dem Unbekannten. Genau diesen Umgang mit dem „Fremden“ thematisiert auch Konrad Schuller in seinem heutigen Beitrag in der FAS: Er legt, ebenfalls mit autobiographischen Rückgriffen, dar, warum die “Wessis“ die Ausnahme in Europa darstellen – und nicht die „Ossis“….. (Wessiland, FAS, 8.09., S. 16)

  108. Ich höre die Lage sehr gerne. Der Kommentar von Philip Banse, dass nicht alle AfD Wähler Nazis seien hat mich jedoch so fuchsig gemacht, dass ich hier zum ersten Mal kommentiere. Die Aussage lese ich oft auch in andere Medien und finde sie einfach falsch. Vor 10 Jahren wurden NPD Wähler überall als Nazis betitelt. Was hat sich den seitdem geändert? Es sind doch die selben Leute, nur der Name der Partei ist anders.

    Im Kern ist es doch ganz einfach – wer Nazi Sachen macht ist ein Nazi. Nazi Sachen sind zum Beispiel:
    – Flüchtlingsheime anzünden
    – AfD wählen
    – Ausländer verprügeln

    Ob der einzelne Wähler sich dabei selbst als Nazi sieht ist dabei vollkommen unerheblich. Die Gesellschaft entscheidet doch wer ein Nazi ist. Wenn ich etwas klaue, sehe ich mich vielleicht selbst auch nicht als Dieb – trotzdem würde niemand auf die Idee kommen zu sagen: Ne, der ist kein Dieb; das ist nur ein besorgter Bürger.

    Lasst uns endlich Nazis als Nazis bezeichnen und mit den Relativierungen aufhören.

    • 8. September 2019 um 19:43 Uhr
      Mikel Bühring-Uhle

      Ist das dein Ernst?

      • Ja klar. Und es ist mir unklar wie man dazu kommen kann Nazis nicht Nazis zu nennen, sondern besorgte Bürger oder enttäuschte Wähler.

        • Du hast also Recht, weil du Recht hast. Beeindruckend. Man nennt es auch Zirkelschluss.

        • Nee, das klingt nach Frust. Und ich kann es verstehen, mit bestimmten Weltbildern mag man sich schon aus hygienisch Gründen nicht auseinandersetzen – selbst wenn sich das Weltbild nur darin manifestiert, eine bestimmte Partei zu wählen.

        • Ich bin weder frustriert noch geht es mir ums Recht haben. Ich lasse mich gerne von Argumenten überzeugen – davon kamen bisher allerdings keine. Ferner setzte ich mich sehr wohl mit Rechtsextremismus auseinander.

          @Mikel: Wie würdest du denn einen NPD-Wähler bezeichnen? Wenn als Antwort nun kommt: “Das kann man so pauschal nicht sagen. Da muss man jeden Menschen einzeln betrachten.” – kann ich nur Bullshit antworten. Der Witz einer Partei ist ja, dass sie für eine einheitliches Programm steht. Dieses Programm ist bei der AfD rechtsextrem und zielt darauf ab unsere Demokratie anzugreifen und letztendlich abzuschaffen. Die Wähler der AfD stimmen diesem Programm zu und sind damit ebenso rechtsextrem und demokratiefeindlich.
          Man fragt doch auch bei einer Demonstration nicht jeden einzelnen Demonstraten – sind sie wirklich ein Nazi? Wie ist denn ihre detaillierte Ansicht zum hier geforderten “Ausländer raus”? Nein, jeder weiß, dass ist eine Nazi-Demo; alle die da mitlaufen sind Nazis. Jeder Mensch mit Verstand, der kein Nazi ist, würde dort nicht mitlaufen.

  109. Danke für eure super Arbeit, finde ich inhaltlich Klasse und hat meine Wochenzeitung ersetzt!

    Ein kurzer Kommentar zu Vermögenssteuer und Eigenkapitalrendite. Damit es anschaulich ist am Beispiel der “Lage der Nation”.

    Was ist “Die Lage der Nation” wert? Sprich, was ist also das “Vermögen” von Ulf und Phillipp das wir besteuern sollten?

    Vermögen:
    Aus Sicht des Finanzamts/Investor folgende Logik. Achtung: Das ist eine Überschlagsrechnung, ich kenne die echten Zahlen nicht.

    Es gibt die Einnahmekanäle Werbung (sehr gebildetes Publikum, hohe Wiederhörrate, hohes Einkommen), Events (20 Euro pro Ticket) und Merchandise. Daraus ergibt sich ein Wert pro Subscriber von ca. 20 – 30 Euro.

    Das ist konservativ, weil sicher noch mehr geht bei allen Kanälen, plus das hohe Wachstum von 10-20% monatlich (geraten) außen vor gelassen. Plus, den Wert der Marke als solches.

    Ich nehme an, es gibt aktuell 100,000 – 300,000 Subscriber (geraten), nehmen wir mal 200,000.

    Also hat die Lage der Nation einen Wert von 200,000 Subscriber * 20 Euro wer pro Subscriber = 4mio Euro.

    Ulf und Philipp gehören beide 50%, also haben Ulf und Philipp ein Vermögen von 2m Euro. Darauf fällt jetzt eine Steuer an.

    Es ist völlig egal, ob das Unternehmen eine GmbH ist oder wie viel Gewinn es tatsächlich abwirft, denn es wird ja das Vermögen als solches besteuert, dessen Wert wie oben abgeleitet.

    Eigenkapitalrendite:

    Was ist die Eigentkapitalrendite der Lage der Nation? Definition Eigenkapitalrendite = Gewinn / Eigenkapital.

    Eigenkapital: ein paar gute Microfone, Laptops, Isolierzeug fürs Studio. Schätze einmal insgesamt 5,000 Euro.

    Gewinn: Da die beiden bereits woanders Geld verdienen setzten wir mal die Arbeitskosten auf Null. Jetzt nehmen wir an, im Jahr kommt ein Umsatz zusammen von 150,000 Euro zusammen, nach Kosten für die Events / Hosting / etc. bleiben da 100,000 Euro über.

    Eigenkapitalrendite: 5,000 / 100,00 = 2,000%

    Nach der Logik der Episode können Ulf und Philipp ja easy eine Vermögensteuer auf jeweils 2mio Euro zahlen, da die Eigenkapitalrendite ja 2,000% beträgt.

    P.S.
    Achtung, ich kenne die tatsächlichen Zahlen nicht. Will nur die Mechanik darstellen.

    • Ich kenne mich leider nicht mit der Vermögenssteuer von damals aus, aber ich denke, dass deine/ Ihre Rechnung einen Haken hat. Ich würde einfach mal davon ausgehen, dass als Bemessungsgrundlage der gemeine Wert herangezogen werden muss. Dieser ist bei immateriellen Wirtschaftsgütern schwer zu ermitteln, aber ist grundsätzlich der Wert, den ein gedachter Erwerber hierfür zahlen würde. Also müssen wir uns fragen, um welche Wirtschaftsgüter es sich handelt. Da wäre zum einen das Equipment, das wir wie oben geschrieben mit 5.000,- Euro ansetzen. Darüber hinaus haben wir die bereits produzierten Folgen, die so gut sie auch sind, nicht all zu viel wert sein dürften, da man mit Podcasts grds. kein Geld verdient und dieses durch zusätzliche Monetarisierung wie Werbung verdienen muss. Das Geld für die Werbung in den Folgen und die Liveshows dürfte jedoch schon vereinnahmt sein. Natürlich dienen die alten Folgen als Werbung und als Zitatgeber, aber da diese unter einer CC Lizenz veröffentlicht werden, ist auch hier nicht viel zu holen. Ansonsten bleibt noch die Marke “Lage der Nation” an sich und das Logo, etc.
      Da der Begriff Lage der Nation nicht geschützt ist (so weit ich weiß) dürfte auch dieser nicht all zu viel wert sein. Auch die Zuhörer/innen als Wert anzusetzen halte ich für falsch, da das Format von Ulf und Philip lebt. Angenommen ein Erwerber würde die Lage kaufen und ohne die beiden fortführen, wären nach zwei Wochen 90% der Zuhörer/innen verschwunden.

      So leid es mir tut, denke ich also, dass die Lage nicht mehr als, bzw. wenn überhaupt, einen niedrigen fünfstelligen Betrag wert ist.

      MfG

      JanvH

      • Ich würde einfach mal davon ausgehen, dass als Bemessungsgrundlage der gemeine Wert herangezogen werden muss.

        Wie die Bemessungsgrundlage berechnet wird ist doch gerade die zentrale Frage bei der VSt. Daher hilft es nicht weiter, sich eine mögliche Berechnungsmethode aus den Fingern zu saugen und damit generell gegen eine VSt. zu argumentieren.

        Wichtig finde ich aber den Hinweis, dass eine VSt. nicht dazu führen darf, dass ein Vermögensgegenstand weit über den daraus gezogenen Ertrag hinaus besteuert wird.

        • Wie wäre es dann einfach direkt den Ertrag zu besteuern. Am besten mit einer sogenannten Progression damit die sogenannten Reichen sich stärker beteiligen als die Armen. Oh wait…

        • Aber damit sind wir doch direkt beim Kern des Problems einer Vermögenssteuer.

          Während ihr bei eurem Podcast sicher nicht wollt, dass als Wert 4 Millionen angenommen wird, aber bei der BMW-Aktie soll wohl doch eher der Aktienkurs von 64€ genommen werden, nicht der 1€ Nennwert.

          Vielleicht sollte man doch über die bestehenden Systeme gehen, statt eine weitere Steuer einzuführen. Wenn auf Kapitalerträger eine progressive Einkommenssteuer zu zahlen wäre und nicht 25%, und damit weniger als jeder Arbeiter für Rente, ALV und KV bezahlen muss, Spekulationsgewinne bei Häusern überhaupt besteuert wären, Grundstücke mit einer vernünftigen Grundsteuer belegt wären, die Erbschaftssteuer vernünftig erhoben werden würde, bräuchte man dann noch eine Vermögenssteuer?

          Idee zur Erschaftssteuer: Eine neue Kapitalgesellschaftsform: Aktien-Erben-Gesellschaft. Der Staat bekommt 40% (tbd) der Stammaktien, die Erben den Rest. Gewinne werden künftig über die Aktien ausgeschüttet, der Staat ist direkt beteiligt. Erben könne ihre Anteile ganz normal verkaufen.

  110. Moin,
    danke für eure spannenden Beiträge und eure wirklich gute Arbeit.

    Zum letzten Beitrag über die Wahlen in Sachsen und Brandenburg und eure Analyse der Erfolge der AfD möchte ich allerdings noch etwas ergänzen: Wenn ich mir eine Handreichung der Amadeu-Antonio-Stiftung über den Umgang mit der AfD anschaue, dann kann man zum Schluss kommen, dass die Menschen die AfD wählen, weil sie rassistische Positionen und aus ihnen abgeleitete politische Konzepte in die parlamentarische Debatte trägt (vgl. https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/wp-content/uploads/2019/08/AFD_Handreichung_web.pdf, S. 11 ff.; zur genaueren Aufschüsselung https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.595120.de/diw_sp0975.pdf). Insbesondere letztere Untersuchung unterfüttert diese Einschätzung, indem sie herausarbeitet, dass es möglich ist, über die politische Haltung zum Thema Flüchtlinge und Migration mit 70%er Wahrscheinlichkeit zu bestimmen, ob jemand die AfD wählt oder nicht. Einkommen, Wohnort, Alter, Geschlecht etc. spielen statistisch gesehen eine wesentlich geringere Rolle.
    Wenn man vor diesem Hintergrund von einer Protestwahl reden möchte, dann müsste man aber zumindest noch sich darüber unterhalten, wie es möglich sein kann, dass, zum Beispiel, der Protest gegen eine geplante Stromtrasse, oder gegen die Schließung des lokalen Schwimmbads sich ausgerechnet gegen jene richtet, die nach Deutschland flüchten, geflüchtet sind, oder einfach nur einwanderten und als fremd wahrgenommen werden. Man könnte ja gegen jede andere, nach sozialstrukturellen Merkmalen einigermaßen genau definierbare Gruppe protestieren. Warum gerade gegen jene, die durch reale Fluchtbewegungen, durch ähnliche soziale Lagen, aber vor allem durch rassistische Stereotype als homogene Gruppe überhaupt erst produziert werden? Und wie kann man dann noch, wie ihr es tut, zwischen realpolitisch begründetem Protest gegen gesellschaftliche Entwicklungen und dem “Gefühl, abgehängt zu sein” gefahrlos unterscheiden, wenn sich die Stoßrichtung von letzterem derzeit sehr schnell gegen sehr breit definierte Gruppen von Menschen richtet?
    Unter anderem aus diesem Grund ist, so finde ich, die Rede von einer Protestwahl ein Euphemismus. Die Menschen mögen die Partei gewählt haben aus begründetem Frust. Aber sie haben sich, zumindest wenn man der Argumentation der Studien folgt, auch und womöglich vor allem für sie entschieden, weil die Partei u.a. rassistische, sexistische, oder antisemitische Positionen vertritt und – das gehört dazu – sich die Menschen von dieser Politik womöglich Vorteile erhoffen. Insofern ist die Rede von einer Protestwahl aus meiner Sicht eine Art Sedativum, weil es suggeriert, man könnte die Wähler*innen der AfD wieder zu Demokrat*innen machen, indem man ihnen das Gefühl gibt, sie zu hören, das Gehörte in Politik umzusetzen und dann zu hoffen, dass sie beim nächsten Mal wieder die CDU wählen. Da müsste, denke ich, wesentlich mehr passieren, insbesondere in der politischen Bildung. Vielleicht könntet ihr euch über dieses Thema bei Gelegenheit noch einmal auseinandersetzen? Ich fände das sehr spannend.

  111. Ich bin etwas erschrocken als ihr behauptet habt, dass Die Linke keine autoritäre Partei sei und keine antidemokratischen Tendenzen gehabt hätte. Meiner Meinung nach kann man die Grünen und Linken bei dem Thema nicht in einem Atemzug nennen. Bei den Grünen war es immer klar, dass die Erreichung der Ziele nur demokratisch erfolgen kann. Die Linke hat zwar behauptet, dass die Leute in einer demokratischen Republik leben würde, aber das war eine Lüge. Es gibt zwar auch den westdeutschen Teil, der aus der Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit (WASG) hervorgegangen ist, aber die Linke im Osten hat ihre Wurzeln ganz klar in der SED. Es gab Bestrebungen diese nach der Wende aufzulösen, aber diese sind gescheitert. Stattdessen hat sie als SED-PDS weiterexistiert und ist dann später mit der WASG zur Linken geworden. So Geburtstagswünsche an Raul Castro oder die merkwürdige Haltung beim Thema Venezuela zeigen auch heute noch die antidemokratischen Tendenzen innerhalb der Partei. Viele Bürger in den neuen Bundesländern haben traumatische Erinnerungen an die DDR und könnten daher niemals Die Linke wählen. Für diese Leute ist die AfD weniger vorbelastet, sondern erinnert sie an die Kohl-CDU zwischen 1982 und 1998, die ja deutlich weiter rechts stand als die heutige CDU unter Merkel. Diese Einschätzung ist natürlich falsch, Kohl war ein Pro-Europäer, aber so sieht leider die emotionale Realität für einige AfD-Wähler aus.

  112. Liebes Lage-Team,

    1. Wahl des SPD Vorsitzenden
    Die Hinweise auf die jungen, netz-affinen, anti-establishment Kanidaten ließt man öfter. Das zieht vielleicht bei deren Zielgruppe, aber wenn man sich mal die Altersstruktur der Parteimitglieder anschaut zerplatzt der Traum gleich wieder:

    https://www.bpb.de/politik/grundfragen/parteien-in-deutschland/zahlen-und-fakten/140358/soziale-zusammensetzung
    (Zahlen von 2017)

    Ich mutmaße mal dass das Durchschnittsmitglied der SPD (60+ und männlich) sich keinen Podcast anhört. Diese Regionalkonferenzen sind genau dieses Publikum gedacht: Kurze Statements die als O-Töne Abends in der Tagesschau gesendet werden können.

    Stark an der medialen Berichtserstattung ist daher zu kritisieren, dass es von Anfang WIEDER nur um Personen geht: “Wieso hat sich noch niemand aus der ersten Reihe als Kandidat gemeldet?”, “Oh nur ‘hinterbänkler’, das wird ja langweilig”. Jetzt konzentriert sich alles auf Scholz und das auch nur weil er der bekannteste Kandidat ist. Wo geht es jetzt noch um Inhalte, wenn…
    1.) Scholz eigentlich nur für das “weiter-so” steht
    2.) Er sich in eine Reihe von SPD Köpfen stellt, die, zumindest auf den ersten Blick, “linker” als er waren und trotzdem alle gescheitert sind (Schulz, Nahles…)

    Dann mutmaße ich, wäre es bei der nächsten Bundestagswahl wieder so, dass es zwei kaum zu Unterscheidende Kandidaten gibt, die auch noch im selben Kabinett sitzen und die Polarisierung noch stärker an den Rändern stattfindet.

    2. Brexit
    Zum Brexit empfehle ich das aktuelle Interview im Deutschlandfunk mit Nicolai von Ondarza vom SWP:

    https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2019/0904/interview_mit_nicolai_von_ondarza_swp_zum_brexit_dlf_20190904_2310_c536b0b0.mp3

    Ich bin der Meinung dass in der “Lage” (und auch bei vielen anderen) viel zu sehr mit der “Deutschen Brille” auf den Brexit geschaut wird. Fakt ist dass es derzeit wohl weder im Parlament noch in der Bevölkerung für irgendetwas eine Mehrheit gibt. Auch nicht für eine Absage des Brexits auch wenn das Herr Buermeyer sich wünscht. Ich bezweifle dass das eine Neuwahl ändert, denn entweder gewinnt Johnson massiv oder die Brexit-Partei wird sehr sehr stark. Herr Banse hat es doch selbst gesagt: Labour will eine Neuwahl nach dem 31.10 das die Tories die Quittung bekommen, weil Sie nicht den Brexit umgesetzt haben. Dann wären Labour und die Tories in den Umfragen gleich auf. Entschuldigung, aber dass ist doch paradox und ändert nichts an der Situation?! Die Brexit-Partei wäre wahrscheinlich der Gewinner der Wahl. Labour wird den Brexit nicht absagen. Außerdem sind Umfragen bei dem gängigen Mehrheitswahlrecht nicht aussagekräftig. Es hilft auch nichts wenn sich jetzt besonders viele “junge” Menschen zur Wahl registrieren. Denn wenn, mal angenommen, bei einer Neuwahl, alle Londoner den Kandidaten der Liberaldemokraten wählen würden und das Verhältnis der tatsächlich zur Wahl gegangen Menschen zwischen London und den Wahlkreisen im Umland im “millionenbereich” wäre, ändern wird sich nichts an der Situation. Es wäre nur ein Kandidat. Ein Freund von mir, der in London lebt, beschreibt es so: Es gibt zwei grundverschiedene Galaxien die eine ist London, die andere der Rest Englands. Daher bringt es auch nichts eine Straßenumfrage in der Londoner City zu machen um ein Stimmungsbild zum Brexit zu bekommen.

    Ein neues Referendum, was außer in Deutschland, niemand in GB will, weil es eben so ähnlich knapp wie das letzte ausfallen würde. Entweder in die eine oder andere Richtung. Bei einem Sieg der Remainer würden sich die Brexit Befürworter “betrogen” fühlen, bzw. stellt sich die Frage, wieso das eine Referendum das andere sticht. Umgekehrt hätten würde das Remain-Lager dann auch nicht Ruhe geben. Die Spaltung wäre massiv und die Polarisierung an den Rändern würde sich weiter verstärken.

    Faktisch wird der Brexit auch im Hintergrund schon umgesetzt: Eine Verwandte von mir wollte für ein Jahr nach Schottland um dort zu arbeiten. Mittlerweile gilt aber für alle, auch EU-Bürger, dass man eine sogenannte “Residential Card” benötigt: Beantragungszeit mehrere Monate und man benötigt eine Person mit Staatsbürgerschaft von GB die für einen “bürgt”. Das ist der Brexit durch die Hintertür!

    Bei einer Verlängerung der Austrittsfrist um NUR drei Monate ergeben sich aber noch weitere Probleme:
    1.) Was macht Macron? Stimmt Frankreich einer Verlängerung zu? Das war beim letzten mal schon kritisch.
    2.) Welchen Grund gibt London für eine Verlängerung bei der EU an? Den Schuß Neuwahlen hat man nur einmal und fraglich ob es was ändert (siehe oben)
    3.) GB schickt keinen EU Kommissar: In einem anderen Podcast den ich höre wurde diskutiert ob das überhaupt geht, wenn GB auf dem Papier noch Mitglied bleibt. Das wäre aber tatsächlich ein Hebel Johnsons um den harten Brexit zu erzwingen. Der andere Podcast war sich in der Frage unschlüssig wie das durch die Verträge geregelt wäre. Also müsste die EU GB deswegen rausschmeißen oder sanktionieren weil sie nicht handlungsfähig wären?
    4.) Die neue Kommission verteilt in den kommenden Monaten, im Rahmen des EU Haushalts, die Gelder an die Migliedsstaaten, wie wäre das mit GB?
    5.) Der Austritt soll um drei Monate verschoben werden, was will eine mögliche neue Regierung in dieser Zeit anders machen? Hat die Opposition, außer dass sie keinen ungeregelten Brexit will, andere Vorschläge gemacht? Würde Corbin jetzt einfach dem Vertrag der EU zustimmen den er vorher abgelehnt hat? Ich bezweifle, dass die Brexit-Gegner jetzt wie durch ein Wunder die absolute Mehrheit erreichen, daher schließe ich die Variante aus.

    Die Punkte zeigen also, meiner Meinung nach, dass es, falls es zu einer Verlängerung kommt, diese wirklich die aller letzte ist. Das sieht man meiner Meinung nach auch schon daran, dass die Opposition in GB sie wirklich nur bis Ende Januar beantragen wollte. Sie glauben wohl auch nicht wirklich daran, dass die EU praktisch gesehen die Frist weiter aufschieben könnte, auch wenn sie es politisch wollte.

  113. Ich kann das mit “mehr in Bildung investieren” gar nicht mehr hören. Besonders dann nicht, wenn man nicht definiert, was man unter mehr Bildung überhaupt meint. Inwiefern verbessert W-LAN den Lernerfolg? Das sind immer Buzzwörter die in den Raum geworfen werden aber die Diskussion nie voran treiben. Wie wäre es eigentlich mit ein einheitliches Abitur bzw. Schulsystem? Werden die Leistungsträger z.B. aus Bayern nicht benachteiligt in dem die Mathe-Noten in Hamburg nach oben korrigiert werden? Oder wenn das Berliner Abitur nichts Wert ist?

    Im NRW Wahlkampf war es eine große Schwarz-Gelbe Angelegenheit mehr Lehrer einzustellen. Am Ende hieß es, dass es doch keine Priorität wäre. Der Lehrermangel läßt sich einfach nicht lösen – egal ob von Rot oder von Schwarz. Gleichzeitig frag ich mich wer heute noch diesen Beruf ausüben will. Die Kinder, besonders in sozioökonomisch schwachen Schichten gehen absolut respektlos mit den Lehrkräften um. Dennoch werden die Eltern nie zur Rechenschaft gezogen.

    Und jetzt bin ich beim angesprochenem Punkt. Die Chancengleichheit ist doch gegeben. Jeder Schüler hört das Selbe, was von dem Lehrer gesagt wird, hat Zugang zu den selben Büchern etc.. Familien die auf ALG II angewiesen sind haben auch Anspruch auf Nachhilfeunterricht. Wo genau besteht die Ungleichheit? Vielleicht ist es doch die Schuld der Eltern, die nicht darauf achten, dass das Kind richtig lernt? Deshalb finde ich diese “Ungleichheit” im Ausgang auch völlig in Ordnung. Entweder schafft das Kind aus eigener Kraft die Leistungen zu erbringen, oder die Eltern helfen da mit. Wieso diese Diskussion immer und immer wieder hochkommt bleibt mir schleierhaft.

    • Vielleicht ist es doch die Schuld der Eltern, die nicht darauf achten, dass das Kind richtig lernt?

      Ob man von Schuld reden kann weiß ich nicht, aber sicher tragen die Eltern in sehr vielen Fällen die Verantwortung.

      Nur: Willst Du wirklich die Kinder dafür büßen lassen, dass sie leider verkorkste Eltern hatten? Das ist der Punkt, wo man sagen muss: Solche elterlichen Defizite muss der Staat ausgleichen. Denn kein Kind schafft aus eigener Kraft eine Karriere, alle Kinder werden von ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen erzogen und gebildet. Selbst wenn Kinder sich selbst viel beibringen – das habe ich selbst auch getan, von Lesen bis Programmieren – dann verdanken sie diese Fähigkeit ihrer Erziehung.

      • Die Schulen und das Schulsystem bieten schon genug Chancen, sodass die Kinder auch die Kurve kriegen können. Ganz davon abgesehen, spätestens mit 16 sollte es auch jedem klar sein, dass man die Leistungen erbringen muss. Schließlich spricht man auch von Wahlrecht ab 16. In dem Sinne finde ich es schon richtig, dass man als “junge Erwachsene” Verantwortung für sich selbst übernimmt.

        Und wenn Du davon sprichst, dass der Staat die Defizite ausgleichen soll weiß ich immer noch nicht wie das geschehen soll. Sicherlich nicht (nur) in dem man mehr Sozialarbeiter einstellt. Oder der Staat nimmt die Kinder weg und steckt sie in ein Bootcamp? Das will sicherlich keiner. Bis jetzt habe ich noch keine schlüssigen Vorschläge gehört wie der Staat das Problem effektiv lösen könnte. Deshalb verstehe ich auch nicht wieso der Staat (zum größten Teil) für diese Situation verwantwortlich sein sollte

        • Hast Du die Folge gehört? Wir machen doch ganz konkrete Vorschläge: zB obligatorischer Kindergarten und mehr Schulsozialarbeiter.

  114. Hi zusammen,

    In Bezug auf die Bildungsungleichheit: Ich hatte das Glück an meiner Schule zum Teil einige kompetente Lehrer zu haben die in mir mein Potential erkannt und es gefördert haben. Dies brachte mich zu Organisationen und Unternehmen (Transparency International, Vereinte Nationen und einer Wirtschaftsberatung der Big Four). Meine Lehrer waren zwar nicht sehr begabt darin auf meinen sozio-ökonomischen Background zu achten und genau so wenig in der Lage andere Mitschüler*Innen parallel individuell zu fördern, hatten dennoch aber immer ein freies Ohr und Einfühlsamkeit, die wir Jungs oftmals blockierten. Mir und einem gemeinsamen Freund – der auch einen Migrationshintergrund hat und dessen Eltern keine Akademiker*Innen sind – haben dennoch die einfühlsamen und bedachten Reaktionen unserer Lehrer geholfen das Abi abzuschließen und die Motivation zu erhalten eine tragende Rolle in der Gesellschaft einnehmen zu wollen. Der Freund ist nun (vorbildlicherweise) Lehrer in Kassel und ich arbeite gerade in einer Wirtschaftsbreatung. Hätte ich Sozialarbeiter*Innen auf meiner Schule, die sich um mehr der Schüler*Innen gekümmert haben, wäre das ganze sicherlich besser für alle gelaufen (i.A. des schon marginalen Effekts auf mich und meinen Freund) und wir hätten viel Besser mit Fehlschlägen, Ablehnung und dem Unterschied zwischen dem Background unserer Familien und der Gesellschaft in Deutschland leben können.

    Viele Grüße und danke für den Podcast!

  115. Hallo zusammen,

    möchte noch einen Aspekt mit in die Diskussion einbringen, warum ich denke, dass sich viele im Osten vom „System“ im Stich gelassen fühlen. Man muss eins bedenken. Während es in der alten BRD es wichtig war sich politisch zu engagieren, um was zu verändern, würde eigenständiges Denken in der DDR vom Staat unterdrückt. Man konnte nichts verändern, wenn man nicht in der Parteilinie war. Menschen die in der DDR aufgewachsen sind, sind es nicht gewohnt, Verantwortung für Veränderungen zu übernehmen. Das Folgen für die Denkweise eines einzelnen sind nicht zu verachten.

    Zum Begriff System: Was ist damit eigentlich gemeint? Was will die AfD abschaffen? Das System ist die freiheitlich demokratische Rechts- und Grundordnung. Unter diesem Aspekt sollte man die AfD sehen. Deswegen stimme ich euch zu, wenn ihr sagt, dass man die AfD nicht parlamentarisch einbinden kann. Das ist auch ein großer Unterschied zur Linken. Die Partei bekennt sich zumindest nach außen zur Demokratie im unser derzeitigen Staatsordnung.

    Viele Grüße Marco

  116. Hallo Ihr Beiden,

    ich schätze Euren Podcast wirklich sehr. Er ist fester Bestandteil meiner Podcastliste und begleitet mich oft auf dem Arbeitsweg oder beim Joggen. Ich schätze die sachliche Aufbereitung Eurer breitgefächerten Themen und auch, dass Ihr i.d.R. klar Eure Meinung äußert und nicht herumlaviert. Natürlich könnt Ihr nicht bei allen Sachen Experten sein (wie auch?). Beim Thema Automobil seid Ihr es ganz sicher nicht. Das ist auch überhaupt nicht schlimm aber mit Eurem Beitrag zu dem vermeintlichen SUV-Wahnsinn habe ich da so meine Schwierigkeiten. Es ist momentan unglaublich in, auf die “Monster-SUV” einzudreschen. Leider auch beim Handelsblatt, dessen Titelblatt leider BILD-Niveau aufweist. Die drei dort abgebildeten Modelle sind auf dem Markt, klar. Aber die Stückzahlen sind äußerst gering. Suggeriert wird aber, dass inzwischen jeder mit solch einem Fahrzeug unterwegs sei. Das ist Quatsch. Die großen SUV machten bis einschl. Juli gerade mal 2% aller Pkw Neuzulassungen aus. Das höchste Wachstum innerhalb der SUV machen die kleinen Fahrzeuge aus. Also in erster Linie VW T-Roc, Ford Ecosport, Renault Captur oder SEAT Arona. Ich beschäftige mich beruflich mit Daten für die Automobilbranche und sehe dort z.B. auch, dass eine ganze Menge Privathaushalte ihren 6-10 Jahre alten Golf gegen einen neuen T-Roc mit modernster (Motoren-)technologie tauschen. Viel Spaß dabei, diese Käufer darauf hinzuweisen, dass ihre Kaufentscheidung moralisch ähnlich verwerflich ist wie Kettenrauchen oder illegal Müll zu entsorgen (wie Ihr es vorgeschlagen habt). Da seid Ihr wirklich weit übers Ziel hinausgeschossen und ich kann nur appellieren, bei solchen Dingen genauer hinzuschauen, auch und gerade wenn Ihr mit Autos nicht wirklich viel anfangen könnt.
    Das nur als kleine, gut gemeinte Anregung. Ansonsten macht weiter so. Ich freue mich auf die nächsten Ausgaben.

    • Michael, ich halte die pauschale Kritik an der Fahrzeugklasse SUV für völlig berechtigt. Mir fällt kein Anwendungsszenario ein, in dem ein SUV erforderlich wäre.

      Wer wirklich auf ein hochmotorisiertes, geländegängiges Fahrzeug angewiesen ist, wird zu einem echten Geländewagen greifen. Erforderlich scheint mir das aber nur auf dem Land für Forstwirte, Jäger und ähnliche Berufsgruppen. In der Stadt erschließt sich mir der Sinn der SUV in keiner Weise.

      Es mag ja sein, dass moderne, kleinere SUV eine bessere Öko-Bilanz aufweisen als alte Standard-PKW. Aber die Öko-Bilanz eines kleineren, leichten modernen Fahrzeugs ist sicher noch viel besser, warum also die Vorteile der Fortentwicklung der Motorentechnologie in großen Teilen wieder aufgeben durch unnötig große und schwere, hochmotorisierte Fahrzeuge?

      Neben der Öko-Bilanz und der Größe der Fahrzeuge sind sie bei Unfallen eben auch noch besonders gefährlich, wegen ihrer Kraft und ihres Gewichts.
      https://www.sueddeutsche.de/panorama/berlin-panzer-in-der-innenstadt-1.4592208

      Ich bin Laie in Sachen Automobil, das ist meinem Beitrag sicher anzumerken. Und doch halte ich die Zusammenhänge für ziemlich eindeutig.

      Liebe Grüße, Bernhard

      • Die Zusammenhänge scheinen auch mir so offenkundig, dass ich nicht ganz verstehe, warum man darüber diskutieren muss: Dass ein schwereres Auto auch mehr Energie benötigt und demnach bei gleicher Motorentechnologie mehr Sprit frisst ist eine einfache physikalische Gesetzmäßigkeit.

        Und zu den Gefahren … dieses Wochenende hat ein SUV in Berlin-Mitte vier Menschenleben ausgelöscht, weil der Fahrer auf den Gehweg geraten ist. Kaum vorstellbar, dass ein Twingo oder ein Corsa ähnliche Schäden angerichtet hätten.

        • Puh. Ich verstehe was Ihr meint und hättet ihr einfach gesagt Autos mit mehr als 100 PS sind Quatsch hätte ich auch zugestimmt. Die Bauform SUV ist allerdings nichts das Problem. Ein T-Roc ist zum Beispiel leichter als ein Golf und verbraucht gleichviel. Hier bitte nochmal die Argumente nachschärfen bevor das Public shaming los gehen kann.

        • Hallo Ulf,

          Ihr seid sonst immer so differenziert in der Analyse. Ich finde das SUV-Bashing infolge dieses tragischen Unfalls auch etwas unglücklich in der aktuellen Folge und in den Medien. Ob SUV oder nicht, Auto und Fußgänger auf immer enger werdendem Raum bieten immer mehr Potenzial für schwere Unfälle.
          1. Raus mit Autos (jeder Größe) aus der Innenstadt.
          2. Autos jenseits der 150 PS gehören runter von den Straßen und rauf auf die Rennstrecke.

          Interessant finde ich das man (ich weiß nicht mehr genau welches Medium es als erstes war) vor etwa einem Jahr die Autos von Politikern angesehen hatte und unser Bürgermeister Müller kam ganz schlecht dabei weg. Aber dieses Artikel hab ich heute gesehen: https://www.tag24.de/nachrichten/koeln-pietro-lombardi-auto-mercedes-benz-gt-63-4-tuerer-amg-s-1206562
          Wenn auch kein seriöses Blatt, aber “CO2” oder “Klima” kommt darin nicht vor. Schaut man sich Mal seine Facebookseite dazu an merkt man schnell: die Leute feiern ihn für sein neues Gefährt. Was für ein Vorbild.

          Feedback: macht bitte weiter so. Ich höre jede Folge mit Begeisterung!

        • Hallo Ulf,

          ich habe Anfang des Jahres ein neues Auto bestellt. Davor hatte ich einen Kombi mit 150PS, nun fahre ich einen kleinen SUV mit 115PS. Mir ging es nicht um die PS, mir ging es um den Komfort. Ich habe mich bewusst gegen den Kombi mit 150PS und für einen SUV mit 115PS entschieden. Ich kann da wesentlich bequemer einsteigen. Auch vom Gewicht her ist der SUV genauso schwer wie ein Kombi.

          Vielleicht solltet Ihr in Euren Bewertungen den Begriff des SUV etwas genauer definieren, ein Auto, dass 1240KG schwer ist und als normales Auto gilt und mein neuer SUV 1280KG wiegt. Ich rede nicht von einem großen SUV mit 2 Tonnen!

        • Hallo,

          erstmal auch von mir vielen Dank für die wöchentlichen Aufarbeitungen des politischen Geschehens.

          Natürlich würde ein Twingo oder Corsa bei solchen Unfällen ggf. weniger Schäden anrichten, als ein SUV. Dennoch kommt es dabei aber auch auf andere Faktoren, wie zum Beispiel die Geschwindigkeit. Ich finde daher diese etwas pauschale Argumentation schwierig. Es gibt beim Autokauf für die meisten Menschen (mit Familie zum Beispiel) nicht die Alternative SUV oder Kleinwagen, sondern eher SUV (zB VW T- Roc) oder Kombi (VW Passat). Daher wäre ein solcher Vergleich (auch in puncto Sicherheit im Straßenverkehr) eher angebracht.

          Darüber hinaus, finde ich es nicht vernünftig, Menschen mit erhobenen Zeigefinger auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Solche Diskussionen sind im privaten Bekanntenkreis mit Sicherheit möglich und werden bei vielen klimabewussten Menschen auch geführt. Aufklärung und politische Stellschrauben drehen ist wichtig, aber eine Polarisierung dieser Weise sehe ich als nicht förderlich. Wie schon bereits weiter unten in den Kommentaren genannt: das würde dann auch auf Flughäfen und viele Konsumprodukte aus dem Bereich Textil und Lebensmittel zutreffen. Müssten wir uns dann auch vor Supermärkten aufhalten und die Menschen, die Fleisch eingekauft haben, auf Klima und Umwelt hinweisen?
          Grundsätzlich fehlt mir manchmal in den Diskussionen zum Klima die Alternativen zu E Mobilität. Viele Ingenieure sehen die Zukunft in synthetischen Kraftstoffen, die eine klimaneutrale Fortbewegung ermöglichen und sich gut in die aktuellen Strukturen einbringen lassen.
          Dies ist von mir keine Absage an die E Mobilität, sondern lediglich der Wunsch nach einer Ausweitung der Diskussion.

          Ansonsten vielen Dank für den Podcast!

        • Moin, Ulf.
          problematisch ist alle SUV in einen Topf zu werfen. Es gibt Micro- als auch Mini-SUV.
          Diese basieren auf den Klein- und Kleinstwagen der Hersteller.
          So hat der Opel Mokka (meistverkaufter Mini SUV) als Basis einen Corsa….und wiegt somit weniger als ein Golf.

          Da hinkt der Vergleich zu den eigentlich gemeinten SUV (X5, Q7) nun wirklich.
          Da werden die Zulassungszahlen einfach falsch interpretiert.

        • Die Werbeeinnahmen von Audi habt ihr aber anscheinend mit gutem Gewissen eingenommen, die bauen ja nur Kleinwagen, fast ausschließlich elektrifiziert…Nachtigall ick hör Dir trapsen…

        • Über die Werbung entscheidet bei uns eine Agentur, d.h. Redaktion und Werbevertrieb sind – wie bei allen seriösen Medien – strikt getrennt.

          Außerdem beweist dieser Punkt ja nur, dass wir uns von Werbekunden nicht beeinflussen lassen.

      • Hallo Bernhard,
        Du schreibst “Mir fällt kein Anwendungsszenario ein, in dem ein SUV erforderlich wäre.” Das glaube ich Dir gerne, aber obwohl ich weder Jäger noch Landwirt bin habe ich mir neulich einen SUV (Kia Sportage) geleistet. Unser vorheriges Auto hat nach 13 Jahren den Punkt erreicht an dem der TÜV uns geschieden hat und so musste Ersatz her. Eigentlich will ich mich für unsere Enscheidung für dieses Auto nicht vor jedem rechfertigen müssen, aber hier mal die Parameter die für uns entscheidend waren:
        – Meine Frau ist stark gehbehindert und hat bei “niedrig liegenden Fahrzeugen” ernste Probleme mit dem Ein- und Aussteigen. Wir haben vor dem Kauf auch einen der besseren Kleinwagen Probe gefahren, aber der SUV war letztlich für ihre Beschwerden die angenehmere Alternative.
        – Ich habe einen Sohn mit 1,85cm Größe der auf der Rückbank entsprechend Platz braucht. Und dieser Platz ist in manchen Kleinwagen schon grenzwertig.
        – Wir haben einen Hund der oft mit fährt, dementsprechend brauchen wir eine entsprechend großen Kofferraum.
        Also ein SUV, tatsächlich groß und hoch, aber dank 1.6er Benzin-Motor noch am unteren Ende des CO2-Ausstoßes für diese Modellreihe.
        Und tatsächlich fahren tue ich:
        – ein bis zweimal die Woche zum Lebensmittel kaufen für die Familie
        – zweimal die Woche meine Frau zur Therapie
        – Im August waren wir zweimal in Italien um unsere Kinder dort hin zu bringen und abzuholen.
        Ansonsten gehe ich zu Fuß in die Arbeit oder wenn es das Wetter zulässt mit dem Fahrrad. Wir sind als Stadtbewohner auch gut mit ÖPNV versorgt, was wir auch nutzen wenn es nichts zu transportieren gibt. Und auch mit dem Hund gehe ich normalerweise zu Fuß, außer als wir im Sommer an die nächstgelegene Wasseransamllung gingen damit der Hund sich abkühlen kann.
        Meine monatliche Fahrleistung mit dem Auto ist also sehr überschaubar. Aufgrund meines Alters (58) fahre ich auch sehr “entspannt”, ich wage die Behauptung, dass so mancher Jungspund der seinen Golf “sportlich” fährt wohl mehr Spritverbrauch hat als ich.
        Muss ich jetzt diesen Kommentar ausdrucken und an meine Autoscheibe pappen damit mir keiner einen Aufkleber ans Auto klebt, wie “böse” ich doch bin? Oder soll ich mir einen Smart als Zweitwagen kaufen den ich dann für meine Fahrten zum Supermarkt nutze? Das kann ja auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein…

  117. Betrifft Sozialarbeit an Schulen

    Ich habe den Eindruck, dass beim Thema Kinder und Schulen regelmäßig ein sehr entscheidender Zusammenhang stark vernachlässigt wird. Die Probleme als Kinder und Jugendliche prägen die Menschen ein Leben lang und verursachen nicht selten Folgeprobleme, das ist bekannt. Der Umfang dieser Erkenntnis wird aus meiner Sicht aber vernachlässigt. Hilfe bei Mobbing, sexuellem Mißbrauch, Gewalt, Vernachlässigung oder anderen scheinbar ausweglosen Situationen hilft vielen Menschen zu mehr oder weniger unbelasteten Erwachsenen heranwachsen. Jemand mit möglichst wenig Problemen im Gepäck wird später ebenfalls seltener übergriffig und gewalttätig und kann sich deutlich besser den „Luxus“ leisten, für Tierrechte, Umweltschutz, Menschenrechte einzutreten oder die Wirtschaft voranzutreiben.

    Ich meine, jede Investition in das Wohl der Kinder in ohnehin bereits gerechtfertigt, rentiert sich aber später zusätzlich um ein Vielfaches in ganz anderen Bereichen. Wäre das akzeptiert, gäbe es keine Schule ohne Sozialarbeiter in diesem Land.

  118. Liebe LdN,
    Bzgl Bildung u Chancengleichheit: Als fertig studierte Psychologin (MSc) liest man so allerlei Jobseiten durch. Therapieausbildung ja/Nein, promotion, etc. Viele, viele offene Jobs gibt es für SchulpsychologInnen. Wäre das eine Laufbahn? Warum machen das so wenige meiner Psycho-Kolleginnen? Exemplarisch eine Stellenanzeige https://karriere-in-mv.de/stelle/956-psychologin-bzw-psychologe-w-m-d-fachbereich-diagnostik-und-schulpsychologie
    In Kürze :
    1) Gehalt mäßig, Promotionsgehalt.
    2) stets befristet, hier sogar weniger als ein Jahr
    3) Bedingungen. Enorme Verantwortung, meist “allein auf weiter Flur”, Gutachten schreiben macht einen wahnsinnig angreifbar, Rechtssicherheit? Etc..
    4) Surreale Anforderungen, langjährig berufserfahrene auf eine TVöD 13 Stelle? Wo soll man die sammeln? Zusatzausbildungen? Wer soll die zahlen?

    Darum machen das, wie bei euch dargestellt, nur Idealisten. Und das ist traurig. Ich hätte eine_n SchulpsychologIn damals gebraucht, einige von uns an der Schule. Eine Lehrerin, lange Vertrauenslehrerin, die immer viel angefangen hat war schon 2 mal mit burn out stationär. Wir brauchen schulpsychologInnen das ist klar, aber wir brauchen vor allem auch Arbeitsbedingungen, die es möglich machen diese Stellen zu füllen.

    Liebe Grüße von einer desillusionierten Psychologin,
    (die nun ein Zweitstudium macht und daher raus ist was diesen Berufsweg angeht ;-))

  119. Hallo ihr beiden,

    ich würde mich gerne nochmals zu LdN 153 zum Thema Soli äußern. Ich besuche dieses Semester die Vorlesung Steuerlehre des Professor Dr. Spengel, Uni Mannheim (er war unter anderem involviert in die Aufarbeitung der Cum Ex Skandale und erst vor wenigen Tagen in der Tagesschau)
    Euer Vorschlag war den Soli für alle abzuschaffen und dafür an der Einkommensteuer zu drehen. Dies ist aber aus folgendem Punkt nicht so einfach:
    1. Die Einkommenssteuer wird nach einem Schlüssel auf Bund und Länder verteilt.
    2. Der Soli ist eine Abgabe die ausschließlich dem Bund zu gute kommt.

    Eine Abschaffung des Solidaritätszuschlages, bei aufkommensneutraler Erhöhung der Einkommenssteuer würde zu weniger Einnahmen beim Bund und Mehreinnahmen für die Länder führen. Das föderale System steht dem also entgegen. Dies gilt übrigens auch für andere Änderungen am Steuergesetz, weshalb Änderungen so schwierig sind.

  120. Ich bin seit vielen Jahren treuer Hörer. Ich habe mich lang nicht mehr bemüßigt gefühlt, einen Kommentar abzugeben, aber heute habe ich mich so über die teils oberflächliche Berichterstattung zu den „Wahlen im Osten“ zwischen Minute 15 und 22 geärgert, dass ich dazu gern mal eine andere Perspektive hinzufügen möchte. Vor allem geht es um die Darstellung der ostdeutschen Mentalität durch Philip, der zwar einräumt, dass der Verdienst und die Renten in den „ehemaligen DDR-Bundesländern“ immer noch niedriger sind, aber immer wieder betont dass sich doch „auf der faktischen Ebene vieles zum Guten geändert hat“. Es schwingt die ganze Zeit ein Ton mit, der die Wahlmotivation bei vielen Leuten als Resultat einer „traumatisierten, psychologischen Ebene“, eines „sich vom Westen als minderwertig behandelt fühlen“ kleinredet, die zwar irgendwie schon nachvollziehbar sei, aber, wenn man genau darüber nachdenkt, doch eigentlich „für uns wenig mit den realen Fakten zu tun hat“, „weniger rational“ und nur eine „emotionale Wirklichkeit“ ist. Diese Darstellung klingt für mich erstens etwas überheblich (wer ist hier eigentlich gemeint mit „uns“, sind das Philip und Ulf, oder die Nicht-AfD-Wähler, oder die Westdeutschen?) und zweitens sehr verkürzt. Jedenfalls Danke an Ulf, der hier zumindest ein bisschen gegengehalten hat.

    Wer an einer, es tut mir leid, etwas weniger unterkomplexen Darstellung der Gemütslage bei einigen ostdeutschen Wählern interessiert ist, dem seien die Interviews von Tilo Jung mit Jana Hensel (Aufwachen Podcast 397) und mit Naika Foroutan (Jung und Naiv #433) empfohlen. Nur mal zwei Zahlen aus dem ersten dieser Interviews: direkt nach der Wende haben 80% der Ostdeutschen ihren alten Arbeitsplatz verloren. Nicht alle davon sind danach arbeitslos geblieben, aber mussten zumindest „umlernen“, „neu anfangen“, bereits geplante Lebenswege abbrechen. Heute, 30 Jahre später ist die Zahl der Ostdeutschen in den sogenannten Eliten (RichterInnen, ProfessorInnen, Aufsichtsräte etc.) zwischen 0.5 und 1%! (Jaja, aber die Bundeskanzlerin ist doch Ossi!). Ich selbst bin in den 90ern in der ostdeutschen Provinz groß geworden und erinnere mich an Geschichten am Abendtisch und auf dem Schulhof, Gerüchte darüber warum schon wieder ein Lehrer weg ist, niemand wusste warum, ob es wohl „wieder so eine Stasigeschichte“ war, man wusste es einfach nicht, Geschichten, dass der neue Chef, den man einfach so „vorgesetzt“ bekommen hat aus Hamburg, unerträglich ist, Geschichten über alte Freunde, die jetzt auch in den Westen „abgehauen“ sind und über den Freund der Familie, der sich das Leben genommen hat, weil er hoffnungslos überschuldet war. Als Begleitmusik gab es im Fernsehen Ossiwitze bei Stefan Raab und Harald Schmidt, die Ostdeutsche in der Regel als naiv, provinziell und undankbar darstellten.

    Die AfD hatte bei der Landtagswahl in Sachsen ihre besten Ergebnisse bei den heute 30- bis 60-Jährigen, das heißt genau bei denjenigen deren formative Lebensjahre in diese Zeit fielen und die damals diesen Bruch in der Biografie hatten, oder von deren Kindern, die die Zukunftsangst ihrer jungen Eltern live zu Hause miterleben konnten. Zudem ist die Partei vor allem stark bei Männern, also denjenigen die besonders stark vom Industrieabbau in dieser Zeit betroffen waren. Diese Menschen sind nicht verschwunden und leben nicht alle in prekären Verhältnissen, wie Philip richtig anmerkt, sie arbeiten heute als Berufsschullehrer kurz vor der Rente, im Bürgeramt, als Berufskraftfahrer oder sind selbstständig als Bauunternehmer (oft mit langen Fahrten zu Aufträgen in Westdeutschland, wo mehr gezahlt wird) oder mit einem eigenen Friseursalon. In den Städten leben sie in Wohnungen, die in den meisten Fällen von westdeutschen Eigentümern vermietet werden (siehe dazu die MDR-Dokumentationsreihe „Wem gehört der Osten“). In machen Fällen sind sie bis heute arbeitslos. Was sie gemeinsam haben, sind Umbruchs-, und Demütigungserfahrungen; Erfahrungen als Mann und Familienvater wertlos zu sein und seine Familie nicht unterstützen zu können. Heute geht es vielen dieser Menschen vielleicht „faktisch besser“ als 1994, aber ihre „gebrochenen Biografien“, wie es immer so schön heißt, sind nur selten erzählt worden, nicht in Büchern, nicht im Fernsehen. Wenn sie sie doch erzählen wollen, wird ihnen oft gesagt, sie mögen doch bitte nicht so nostalgisch sein und nicht so viel jammern, das sei so ostdeutsch.

    Auf genau dieses Gefühl hat die AfD im Wahlkampf, vor allem in Brandenburg gezielt (deren Spitzenkandidaten ironischerweise aus Westdeutschland kommen). Viele AfD-Wähler sehen in der Offenheit und Toleranz der modernen Gesellschaft, in den „Flüchtlingsströmen“, im „Genderwahn“, und im „Klimawahn“ eine Bedrohung für das bisschen Stabilität in ihrem Leben, das sie sich gerade erst wieder mühsam erkämpft haben. Sie wissen natürlich, dass sie von „Ausländern“ nichts zu befürchten haben in ihrem Dorf im Erzgebirge, weil es dort keine gibt. Aber nicht trotzdem, sondern deswegen wählen sie die AfD, damit das „nämlich auch so bleibt, weil wenn wir uns nicht wehren, dann wissen wir ja was passiert, da muss man nur mal sich die Problemkieze in Berlin und in Köln anschauen“, Stadtteile, die diese Leute meist nur aus dem Fernsehen oder von Facebook kennen. Und so weiter. Wer diesen Zusammenhang zwischen einmal bereits erlebter, existenzbedrohender Instabilität in den Neunzigern und eingebildeter, drohender Instabilität durch „eine verfehlte Migrationspolitik“ nicht versteht, wird das Problem der Protestwahl nicht lösen können und wird sich an eine starke AfD (oder eine ähnliche Partei) im Osten in den nächsten 20-30 Jahren gewöhnen müssen.

    Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich geb euch beiden ausdrücklich recht, dass es Unsinn ist, deswegen eine rechtsradikale Partei zu wählen. Das wissen die Anhänger der Partei selbst, 37% der AfD-Wähler sagen, die Partei distanziere sich nicht genug von Rechtsextremen. Und wir müssen auch nicht darüber diskutieren, dass die AfD eine große Gefahr für unsere Demokratie darstellt. Nur: wer deren Wähler jetzt als trotzige Kinder darstellt, wird nichts an deren Wahlerfolgen ändern. Zu guter Letzt noch die Bitte, nicht zu vergessen, dass drei Viertel der Wähler in Brandenburg und Sachsen eben nicht die AfD gewählt haben. Diese Menschen sollte man auch sehen!

  121. Liebe Lage und Lagehörer,

    Ich höre euch jetzt schon ziemlich lange, und das Thema Klimawandel liegt euch wohl sehr am Herzen. Ich würde mir allerdings wünschen, wenn ihr vielleicht euch etwas mehr auf die möglichen Lösungen für das Problem aus Wissenschaft und Technik eingehen würded, statt einen moralischen Klassenkapf aus diesem Problem zu konstruieren. Es ist niemandem geholfen, wenn ihr anfangt, die Gesellschaft zu spalten, anstatt nach konstruktiven Lösungen zu suchen. Genau so kritisch sehen ich auch das Anrollen an Verboten. Klar man muss keinen 5 tonnen SUV in der Innenstadt fahren, aber ist das wirklich das Problem? Andere Leute, grade die sich umwelttechnisch engagieren, unternehmen sehr gerne Fernreisen. Wenn ich leute mit SUVs an den Pranger stellen wollt, sollte sich bitte auch jeder, der einen Flughafen zu urlauszwecken betritt, rechtfertigen müssen.
    Die Wahrheit ist, das Leben ist CO2 intensiv. Bei manchen mehr, bei anderen weniger. An dieser grenze allerdings Schützengräben auszuheben und die “anderen” zu verteufeln bringt niemandem etwas, auser Frust und Hass.

    Wenn es möglich wäre, relativ einfach viel CO2 wieder aus der Atmosphäre zu filtern, wäre das fahren eines SUVs überhaupt kein Problem. Und seien wir mal ehrlich, die anderen Gründe ware doch vorgeschoben. Kleinwagen sind übrigend, was die anderen Abgase angeht viel schädlicher, weil oft billigere Motoren verbaut werden.
    Verbote sind nicht wirklich eine Lösung, sondern wir brauchen mehr Innovation und wissenschaftliche herangehensweisen an das Thema.

    • Technische Verbesserungen alleine reichen eben nicht aus. Nehmen wir den PKW-Verkehr: die Motoren wurden in den letzten 20 Jahren deutlich effizienter, sodass pro gefahrener Strecke ein Auto heute im Schnitt 15% weniger CO2 emittiert als noch 1995 (obwohl die Autos gleichzeitig schwerer wurden). Hört sich toll an, bringt aber nichts: in der gleichen Zeit ist das Verkehrsaufkommen so stark gestiegen, dass der PKW-Verkehr insgesamt nun 0,5% mehr CO2 emittiert als 1995.
      Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/daten/verkehr/emissionen-des-verkehrs#textpart-3
      (Bei LKWs sieht es noch schlimmer aus: beim einzelnen LKW sind die Emissionen heute um 30% geringer, insgesamt um 20% höher.)

      Insgesamt sehe ich die Lösung eher in politischen Änderungen, die die Unternehmen in die Pflicht nehmen (ja, inklusive Verboten, wo es Sinn macht) anstatt Privatpersonen moralische Vorwürfe zu machen. Aber wer glaubt, dass wir unser Verhalten nicht ändern müssen und technologischer Fortschritt uns schon noch retten wird, der ist einer Lüge aufgesessen.

  122. Hallo liebes Lage Team!

    Zu dem ersten Beitrag mit den Landtagswahlen und der AFD.
    Ich finde es absolut richtig, sich immer wieder in aller Trennschärfe von der AFD zu distanzieren, was ihr auch immer und ausdauernd tut! Ich würde aber gern nochmal auf den Punkt mit der “Emotionaliät” eingehen, die Phillipp erwähnt hat, und da würde mich eure Meinung (und die aller anderen Kommentatoren) interssieren:

    Ich glaube ein Problem ist, dass das Engagement der demokratischen Parteien für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse im Osten nicht als “ehrlich” empfunden werden kann. Man (also eigentlich ich) hat nicht das Gefühl, dass es aus der inneren Motivation kommt, sondern dass es jetzt als “Reaktion” auf die AFD passiert. Also es ist kein agieren für den Osten, sondern ein reagieren. Und zwar erst wenn es so richtig brennt. Und vllt. fühlen sich die Menschen dann wieder nicht ernstgenommen, sondern nur wieder als Schachfigur am Brett des Systems, in dem es am Ende nur drauf ankommt, die Mehrheit im Landtag zu haben, und nicht den Menschen zu helfen.

    Ich würde mir wünschen, dass die Debatte über die Verbesserung der Verhältnisse im Osten völlig unabhängig von der AFD* und Regierungsoptionen geführt würde. Zum beispiel ein öffentlicher Ideen-Wettstreit aller demokratischer Parteien um die besten Ideen für eine Verbesserung der Verhältnisse im Osten. Ruhig auch mit medialer Unterstützung und Fernsehduellen, auch jetzt (oder gerade jetzt), wo der Wahlkampf wieder in weiter Ferne liegt. Ich glaube das könnte die Menschen von der Aufrichtigkeit des Wunsches nach wirklicher Veränderung überzeugen, und letztlich auch von der Demokratie überzeugen.

    Viele Grüße aus Regensburg,
    Benjamin

    * Was nicht heißt, man sollte die Debatte um die AFD nicht führen. Ich würde nur eine saubere Trennung von inhaltlicher Politik und Auseinandersetzung mit der AFD befürworten

  123. Hallo Philip und Ulf,
    auch ich danke für Eure tolle Arbeit, ich verpasse keine der Folgen!
    Zur Bildungsgleichheit möchte ich mein Beispiel erzählen: Durch die Trennung meiner Eltern und leider deren Unvermögen damit gut umzugehen, wie auch große Probleme mit dem zweiten Partner meiner Mutter war ich viele Jahre ein sehr schwieriges und unglückliches Kind/Jugendliche. Ich kam aufs Gymnasium, war aber ab der 7. Klasse schlecht und fast permanent kurz vor dem Sitzenbleiben. Ab der 10. Klasse zogen wir um und ich kam auf ein evangelisches Gymnasium, das sozialer und nachsichtiger eingestellt war. Meine Mutter erklärte in der Schule mehrfach die Situation, unterrichtete die Lehrer, dass ich in Therapie sei. So wurden zwei Mal alle Augen zugedrückt, so dass ich versetzt wurde, auch wenn die Noten nicht gereicht hätten.
    Meine Therapie begann zu wirken, ich konnte in der Oberstufe Fächer abwählen und ich machte ein anständiges Abitur durch das ich studieren konnte, was ich meine gesamte Jugend durch nie für möglich gehalten hätte. Jetzt bin ich seit 20 Jahren selbstständig, verdiene gut und bin dem „Mörike“ für ihren nachsichtigen Umgang mit mir sehr dankbar! Manche Kinder brauche ihre Zeit …
    Viele Grüße!

  124. Tolle Lage!! Eine der Besten.

    Zur Verknüpfung der Flüchtlings Debatte und Bildungsfrage: meiner Meinung muss die deutsche Politik im besonderen Maße in die Bildung von Flüchtlingen investieren. Ansonsten besteht die Gefahr, das eine wahrgenommene höhere Kriminalität im Verlauf der Zeit in eine tatsächlich höhere Kriminalität übergeht. Das wäre eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Wenn “echte” bürgerliche Parteien versuchen der AFD Stimmen streitig zu machen in dem sie Insgesamt die Teilnahme von Flüchtlingen am Bildungssystem und Fortschritt erschweren.

    Danke und Grüße!

  125. Bereits etwas älter, dieser Text von Freya Klier. Aber vor dem Hintergrund des Treuhand-Wahlkampfs der Linken in Sachsen und Brandenburg und der anhaltenden Debatte um die Ursachen der rechtsextremen Wahlerfolge im Osten finde ich ihn aufs Neue sehr aufschlussreich.

    “Die Politik der herrschenden Sozialisten war der Dünger für Ressentiments gegenüber allem, was von der Norm abwich. So trübten nie Obdachlose das graue Straßenbild der DDR – wer nicht zu arbeiten gedachte, fand sich als Asozialer hinter Gittern wieder, wo er zur Arbeit gezwungen wurde, für einen Sklavenlohn. Für Behinderte gab es keine Schrägen, Integrationsschulen waren ein Fremdwort.

    Die SED mutierte zur PDS, dann zur honigsüßen Die Linke
    Schon unmittelbar nach dem Mauerfall sah ich, wie die verantwortlichen sozialistischen Genossen das ganze Thema dem „Westen“, der „BRD“, dem „Kapitalismus“ unterzujubeln begannen. Ihre Propagandamaschine rotierte über die Jahre so massiv, dass heute ein Satz wie der von den „nach dem Mauerfall entwurzelten Jugendlichen“ ebenso gesamtdeutscher Standard ist wie der von den tollen Kindergärten in der DDR. Gelernt ist gelernt. Gleichzeitig mutierten die Genossen selbst von der SED zur PDS und dann zur honigsüßen Partei Die Linke.

    Wie viele Jahrzehnte halten und reproduzieren sich tief verinnerlichte Verhaltensmuster? Das Unbehagen von DDR-Bürgern galt ja jedem Abweichen von der Norm, grellen Haarfarben von Punkern ebenso wie „Negern“ oder „Fidschis“, Körperbehinderten oder auch nur Menschen mit einem ungewöhnlichen Hut auf dem Kopf.”

    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article13727979/Neger-Fidschis-und-die-Heuchelei-der-Linken.html?wtmc=socialmedia.facebook.shared.web

    • Danke für den Kommentar. Diese Verpittiplatschisierung einer grausamen, nationalistischen, antisemitischen und rassistischen Diktatur, die zum Sehnsuchtsland der Kinder und Enkelkinder der letzten DDR-Bürger mutiert ist die Grundlage für die ,Wende 2.0‘ der AfD…

  126. Hallo an das ganze LdN-Team
    und ganz vielen Dank erstmal für euer tolles Engagement. Letzten Samstag war ich das erste mal auf einer Lage live in HH, was mir sehr gefallen hat, und ich Jeder*m nur wärmstens empfehlen kann.

    Gerne würde ich bzgl. der Landtagswahlen in BB und S noch einmal auf das zweimal zitierte Goebbels-Zitat eingehen: Klar, der Sinngehalt der damals und heute durch die AfD postulierten Demokratie”feindschaft” ist vergleichbar, dennoch fehlt mir die historische Einordnung dazu. Denn die Weimarer Republik war damals bei vielen Deutschen sehr unbeliebt, viele vermissten das Kaiserreich. Somit war die damals deklarierte Meinung sehr
    viel populärer als heute. Dementsprechend muss man auch die Demokratiektitik zur damaligen Zeit anders einordnen als heute, nach 2 WK, nach der Erfahrung eines Demokratieverlusts. Heute sind solche Aussagen damit noch krasser.

    Viele Grüße, macht weiter so und ich hoffe auf eine baldige Lage live in Köln

  127. Zum Thema Klimaschutz und Verhaltensänderung:
    Eine finnische Bank hat einen Algorithmus entwickelt, auf dessen Basis bei jeder Banktransaktion der entsprechende CO2-Footprint ausgewertet wird. Neben dem Kontostand sieht man dann auch seinen Footprint und kann dafür z.B. eine Ausgleichszahlung vornehmen.

    Vor allem bietet die Bank den Algorithmus auch allen anderen Banken als Service an. Tomorrow hat es bspw. bereits auf der Roadmap, diesen Service ebenfalls zu integrieren:

    https://trello.com/c/sYV16SzZ/33-pers%C3%B6nliche-co2-bilanz

    https://www.alandsbanken.com/news/alandsbanken-foerst-i-vaerlden-med-miljoevaenligt-betalkort-med-vilket-du-kan-maeta-din-miljoepaverkan

    Ich denke derartige Services können auf alle Fälle dazu beitragen, ein besseres Bewusstsein für die Auswirkungen des eigenen Konsumverhaltens zu erlangen. Und das ist ja zumindest schon einmal ein sehr wertvoller erster Schritt.

    Ich bin aber ganz bei euch, dass es darüber hinaus harte Anreize geben muss – und dass das nun mal am besten über den Geldbeutel geht.

  128. Zu den geleakten Inhalten des Klimakabinetts:

    Wie von euch schon angesprochen finde ich die Vergrößerung der Pendlerpauschale so absurd, dass es fraglich ist, ob die Mitwirkenden den Ernst der Lage ( ;) ) erkannt haben. Abgesehen davon, dass es viel besser wäre, wenn Arbeit und Wohnen wieder näher beieinander wären: Man kann doch nicht die ‘Bürger’ nutzungsabhängig (!) entlasten: Der Vorschlag ist komplett konträr zu den den besseren (grünen?) Ansätzen, nach die Einnahmen aus der CO2-Gebühr wieder durch andere Mechanismen an die Bürger zurück gegeben werden. In dieser Welt besteht ein spieltheoretisches Interesse des Einzelnen, weniger und / oder klimaschonender zu fahren. Der Vorschlag zur Erhöhung der Pendlerpauschale (mutmaßlich von der CSU) bewirkt spieltheoretisch das genaue Gegenteil: Wenn ich Sprit spare, hab ich auch nicht mehr Geld als vorher. Bei mir schwindet der Glaube an den gesunden Menschenverstand immer mehr und ich frage mich, wie man so einen Vorschlag ernsthaft als Klimamaßnahme verkaufen kann. In meinen Augen ist das eine klimaschädliche Subvention.

    • Zur Erhöhung der Pendlerpauschale möchte ich einen Gegenpunkt geben: Dies wird ja nur deswegen als unsinnig bezeichnet, weil steigende Kosten für Kraftstoffe durch eine höhere Absetzbarkeit kompensiert wird. Plakativ gesagt wird Benzin also 100 Euro teurer, man bekommt aber auch 100 Euro wieder zurück – man zahlt demnach weder mehr noch weniger.

      Dabei wird aber ein wichtiger Punkt vergessen: Die Pendlerpauschale gilt ungeachtet des tatsächlichen Verkehrsmittels. Wer weiterhin mit dem Auto zur Arbeit fährt, hat weder mehr noch weniger als vorher. Wer jedoch auf die Bahn oder das Fahrrad umsteigt, bekommt die gleichen 100 Euro Erstattung ohne die Mehrkosten der höheren Spritpreise tragen zu müssen. Ein Anreiz ist also durchaus gegeben.

      Damit will ich nicht sagen, dass es die sinnvollste oder effizienteste Maßnahme ist, aber zu unterstellen, dass gar kein Anreiz geschaffen wird, trifft neunmal auch nicht zu.

  129. Hallo an das ganze LdN-Team
    und ganz vielen Dank erstmal für euer tolles Engagement. Letzten Samstag war ich das erste mal auf einer Lage live in HH, was mir sehr gefallen hat, und ich Jeder*m nur wärmstens empfehlen kann.

    Gerne würde ich bzgl. der Landtagswahlen in BB und S noch einmal auf das zweimal zitierte Goebbels-Zitat eingehen: Klar, der Sinngehalt der damals und heute durch die AfD postulierten Demokratie”feindschaft” ist vergleichbar, dennoch fehlt mir die historische Einordnung dazu. Denn die Weimarer Republik war damals bei vielen Deutschen sehr unbeliebt, viele vermissten das Kaiserreich. Somit war die damals dekkarierte Meinung sehr
    viel populärer als heute. Dementsprechend muss man auch die Demokratiektitik zur damaligen Zeit anders einordnen als heute, nach 2 WK, nach der Erfahrung eines Demokratieverlusts. Heute sind solche Aussagen damit noch krasser.

    Viele Grüße, macht weiter so und ich hoffe auf eine baldige Lage live in Köln

  130. Ich bin pensionierter Lehrer und habe 40 Jahre an einer Geamtschule gearbeitet, an der es 1,5 bis 3 Sozialpädagogenstellen bei über 1100 Schülern gab. Die Zahl war natürlich viel zu gering. Da die Sozialpädagogen auf der Gehaltsliste der Kommune standen, gab es immer wieder Versuche, die Stellen zu kürzen, bzw. zu streichen, was die schwankende Stellenzahl erklärt. Die meist sehr engagiert arbeitenden Sozialpädagogen waren für unsere Arbeit sehr wichtig. Zum Teil haben wir sehr eng mit den sozialpädagogischen Kollegen zusammengearbeitet, einige Problemfälle hätten wir auch nicht alleine lösen können. Der Zugang der Sozialpädagogen zu den Schülern ist natürlich ein anderer als der eines Lehrers. Um einmal einige Beispiele zu nennen: Mobbingfälle mit und ohne Smartfon sind an der Schule nicht selten. Das Herausfinden, was und wie gelaufen war, ist in der Regel sehr zeitaufwendig und kaum nebenher zu klären, aber sehr wichtig, um an das Problem heranzukommen. Die darauf folgende Aufarbeitung zusammen mit Sozialpädagogen, die damit schon Erfahrungen hatten, unverzichtbar. Die Fachstunden einer Woche reichen in der Regel kaum dafür aus, um so wichtiger ist eine Hilfe von nicht am Unterricht beteiligten Fachkräften, auch damit man sich als Lehrer nicht verrennt. Man kann natürlich nicht alle Probleme dadurch vollständig lösen, aber es passiert durch diese Maßnahmen bei den Schülern eine ganze Menge, wohlgemerkt bei allen! Bei unser geringen Ausstattung mit Sozialpädagogen an der Schule konnte nur an der Spitze des Eisberges gearbeitet werden, individuelle Betreuung einzelner Schüler mit Problemen war nur in Einzelfällen möglich. Ich halte daher mindestens 2 Sozialpädagogen pro 100 Schüler für notwendig.

  131. Hallo Ihr,

    ich höre regelmäßig Euren Podcast – gute Hintergrundinfos, interessante Diskussion.
    War auch letzte Woche in HH … bisschen warm, aber das war es wert.

    Ich hätte mal ein / zwei Anmerkungen zur aktuellen Sendung:

    Landtagswahlen und AfD:
    Es wird die ganze Zeit rumgeweint, dass die Wähler der AfD ja sicherlich keine Nazis seien, sondern dass dies eine Protestwahl sei, weil man ja auf den Osten nicht hört und man sich vernachlässigt fühlt. Bullshit … wer jemanden wählt, der aussieht wie der kleine Bruder von Heinrich Himmler und sich auch so äußert und benimmt, der weiß, was er tut und das muss man dann auch nicht klein reden. So wie man Höcke und Konsorten klar benennen muss, muss man auch den Wählern dieser Männer klar sagen was sie sind und was sie machen … ohne rum zu weinen und rum zu lamentieren: 27,5% in Sachsen haben Nazis gewählt und ich habe auch kein Problem damit solche Leute Nazis zu nennen.
    Und zum Thema der arme Osten und die versuchen sich ja nur Gehör zu verschaffen (siehe O-Ton Frau Kipping) … kommt mal ins Ruhrgebiet, kommt mal nach Duisburg, kommt mal nach Duisburg-Rheinhausen … und dann vergleicht das mal mit Dresden, Erfurt oder Leipzig … und dann möchte ich nix mehr von gebrochenen Biografien hören und davon, dass es uns im Osten ja so schlecht geht. Das sind nur billige Ausreden! All das erläutert natürlich nicht, warum man die AfD wählt, aber die meisten Erläuterungen, die ich bisher gehört habe, sind für mich nur Ausreden. Man tut so als seien die Wähler der AfD nur kleine, dumme Kinder, die nicht wissen was sie tun; ein solches Verhalten ist hochnäsiger Besser-Wessi … die haben bewusst die AfD gewählt und im Zweifel: wer Nazis wählt, ist nicht besser als die Nazis, die sie bewusst gewählt haben.

    Zum Thema Klima, Autos und “… es muss weh tun …”
    Ich habe fast 10 Jahre in HH gelebt; ich hatte diese 10 Jahre kein Auto … einfach, weil ich keines brauchte. Super ÖPNV, sehr gute Taktung bis in die Nacht rein, gelegentlich Car-Sharing und der Rest mit dem Fahrrad. Das geht aber nur, weil der ÖPNV in HH, Berlin oder München sehr gut ausgebaut ist. Ich bin jetzt wieder an den Niederrhein bzw. das Ruhrgebiet zurück gezogen. Und jetzt fahre ich auch wieder Auto – weil es ganz ehrlich nicht anders geht. Ich komme problemlos von Duisburg Hbf nach Essen Hbf oder D’dorf Hbf … aber ich habe fast keine Chance halbwegs sinnvoll zum Hbf zu kommen. Insofern ist es sehr einfach in B zu leben und davon zu sprechen, dass der Klimaumstieg (und hier geht es ja vor allem um das Auto) “… weh tun muss …”. Sich dann darüber zu echauffieren, dass die SPD (und vielleicht auch die CDU) versucht den Umstieg nicht nur denen aufzuhalsen, die sich nicht wirklich wehren können, ist sehr billig und einfach. Man muss tatsächlich keinen SUV fahren (auch wenn es zugegebenermaßen einfach Spaß macht) und diese großen Autos massiv zu verteuern ist sicherlich eine Diskussion wert, aber diese pauschale Verteufelung der Autos ist billig und funktioniert nur in Städten wie B. Was wirklich notwendig wäre, um einen nachhaltigen und ernsthaften Umstieg zu erreichen wäre ein guter ÖPNV (wie in HH, B oder M), massivste Investitionen in die Bahn und den ÖPNV, Vereinfachung der Genehmigungsverfahren, Verbilligung der Tickets, etc. Aber seien wir ehrlich … mit Feinstaub-Andi, der die Lösung aller Probleme in den E-Scootern sieht, wird das nicht passieren.

    In diesem Sinne … macht weiter so, auch wenn ich nicht immer Eurer Meinung bin: Super-Sendung!

    Beste Grüße,

    Roland

    • zu 2): es muss weh tun, damit genug Dynamik da ist, Alternativen zu denken und umzusetzen. Und damit die wirtschaftlich konkurrenzfähig sind.
      zu 1): kann man so sehen, hat Main-Stream-Deutschland jahrelang so gemacht, hat aber nicht geholfen. Dass es anderen Leuten auch schlecht geht, ist kein Argument (eher Whataboutism). Klar versuchen alle ungehörten Gruppen irgendwie und auf verschiedene Arten sich Gehör zu verschaffen. Das ist grundsätzlich nicht verwerflich. Ich bin dafür zuzuhören, Konsequenzen aufzuzeigen (dann haben wir rechte Politik) und Alternativen ( ;) ) anzubieten. Von einer anderen Gesprächskultur profitieren dann auch andere Gruppen. Zum Alternativen anbieten gehört auch, den Leuten die Möglichkeit zu geben, ohne Gesichtsverlust sich wieder von der AfD abzuwenden. Es kann sein, dass dir z.B. eine solche Offenheit viel abverlangt, ich sehe aber dazu keine Alternative.

  132. Hi ihr beiden,

    Vielen Dank, dass ihr die Arbeit von Schulsozialarbeitern näher beleuchtet habt. Ich studiere Soziale Arbeit und wenn mich Leute nach meinem Studium fragen, ist die Reaktion auf meine Antwort zumeist ein ungläubiges “Ach so etwas gibt es? ” oder “Was macht man denn damit?”. Meine Profession ist so vielfältig, was Zielgruppen und Bereiche betrifft und doch so unsichtbar und wie viele soziale Berufe so gering wertgeschätzt. Ich wünschte es würde mehr Öffentlichkeit dafür geben, wo man sich überall Unterstützung holen kann und dass es ok ist, das dann auch zu tun. Es wäre so schön, wenn die Leute über diese Strukturen schon Bescheid wissen, bevor sie sie brauchen und diese für jene fördern, die sie zurzeit benötigen.
    Noch einmal vielen Dank und macht weiter so tolle Podcasts!

    Liebe Grüße

  133. Schön, dass ihr aus dem Interview mit Katja Kipping zitiert habt, ich fand ihre Punkt auch beachtenswert. Mich hat das Interview allerdings dazu bewogen dem WDR zu schreiben, wie schlecht ich die Gesprächsführung der Moderatorin fand. Die hat Frau Kipping nämlich zunächst nicht ausreden lassen, sondern mit tradierten „Ja, aber…“-Narrativen gekontert. Sollte man nicht tun, bevor alle Argumente genannt sind. Klar, das Format ist ein anderes als eures. Aber genau das schätze ich hier, dass neuen Perspektiven erst diskutiert und dann eingeordnet werden. Daran habe ich mich so sehr gewöhnt, dass ich bei machen Moderatoren ÖR-Sender (TV & Radio) echt die Krise kriege, weil ich den Stil unterirdisch finde.

  134. Hallo ihr Lieben,
    eure Themen sind immer super spannend und ich finde es toll, dass ihr euch so ausführlich damit einmal die Woche auseinandersetzt. Allerdings vermisse ich ein bischen das Gendern, das immer wieder mal vernachlässigt wird.
    Ich finde die klaren Stellungsnamen sehr gut und richtig, besonders, wenn es um Demokratie und Zusammenleben in unserer Gesellschaft geht. Allerdings finde ich, muss ebenso Kritik am bisherigen politischen Establishment geübt werden, die nicht minder wenn nicht gar am meisten ihren Beitrag dazu geleistet haben, dass viele Menschen das Gefühl haben, Protest wählen zu müssen – das kann man noch so falsch und unreflektiert halten, dennoch ist es Aufgabe der Politik, die Menschen aufzuklären, für offene Diskussionen zu sorgen und mit Argumenten und Ehrlichkeit den Protestwählenden entgegen zu wirken.
    Grüßle

  135. Hallo zusammen,

    ich finde es super, dass ihr übers Klima berichtet. Ich höre noch nicht so lange, habt ihr denn auch vom Klimastreik am 20. September berichtet? Für mich ist das noch mehr mit dem 20. September verknüpft als die Vorstellungen des Klimakabinetts – die auch wichtig sind.

    Ich habe noch eine Ergänzungen zu den Auswirkungen des Nicht-Tuns: Klar sind Strafzahlungen ein Punkt. Und die Auswirkungen des Klima-Wandels selbst. Da gehören Stürme und Naturkatastrophen dazu. Ich denke aber, es ist noch schlimmer: Wir sehen jetzt schon auf Äckern und in Gärten, wie trocken die sind. Wir werden Probleme in der Wasserversorgung und in der Landwirtschaft bekommen, denke ich. Ich habe Prognosen gesehen, dass wir klimatische Bedienungen wie aktuell in Marokko bekommen werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass unser Öko-System sich da so schnell dran anpassen kann.
    Als exemplarischen Artikel dazu: https://www.rbb24.de/panorama/thema/2019/klimawandel/beitraege/klimawandel-berlin-brandenburg-zukunft-szenario-2100.html . Hier werden auch insbesondere Dürren, Wasserknappheit und Ernteausfälle erwähnt.
    Auch werden viele unserer Bäume werden überleben, was zu weiteren Problemen führt.
    Auch unsere Freizeitaktivitäten (See, Wandern, was man so draußen macht, was vielen Leuten Spaß macht) werden wir so nicht mehr nachgehen können. Das sollten wir uns vor Augen führen und uns überlegen, was uns wichtiger ist.

    Die Auswirkungen des Klimawandels betreffen ganz klar unsere unmittelbare Lebensgrundlage. Den Klimawandel jetzt zu bekämpfen ist so viel effizienter (und auch billiger) als später. Zudem müssen wir langfristig handeln, da das System träge ist und sich Auswirkungen nicht sofort zeigen – und dann mit Wucht. Z.B.: Wir sehen jetzt erst die CO2-Emissionen von vor 10 Jahren – und in 10 Jahren erst die von heute. Und beides wirkt lange weiter (https://www.scinexx.de/news/geowissen/klima-co2-braucht-zehn-jahre/)

    mfg

  136. Lieber Philip Banse, Lieber Ulf Buermeyer,
    besten Dank für die neue Lage, hat, wie so oft, Spaß gemacht, euch zu folgen und bereichert und reflektiert meine eigenen Gedanken, eine Bereicherung, die ich auch bei jeder Gelegenheit weiterempfehle.
    Kurz zur Schulsozialarbeit: ich arbeite bei einem Träger der Kinder- und Jugendhilfe in Berlin, mit Schwerpunkt auf Marzahn-Hellersdorf. Ich selbst arbeite zwar nicht in der Schulsozialarbeit, aber wenn ihr Bedarf an einem Interview zum Thema mit der Leitung unserer Schulsozialarbeit habt und da mal tiefer in den Realitätskosmos des Schulalltags, gerade auch in Bezug auf sogenannte Brennpunktschulen, reinkommen möchtet, dann schreibt mir gern zurück.
    Ich denke, dass könnte sowohl für euch, als auch für eure Hörer*innen spannend sein und ein Abbild von Alltäglichkeiten geben, mit dem man außerhalb des Schulkosmos kaum oder nie in Berührung kommt, der aber dennoch sehr bezeichnend, beschreibend oder ergänzend für gesellschaftliche Tendenzen und Erscheinungen ist.

    Macht bitte bitte weiter so, nochmals allerbesten Dank für euren Aufwand und für dieses grandiose Podcast-Format.
    Oliver

  137. Vielen Dank für euren Cast in dieser Woche! :-)

    Ich möchte kurz etwas zu der Lehrersituation und den Modell der Beziehungen zwischen Lehrkräften schreiben: Ich arbeite an einer berufsbildenden Schule (kein Lehrer) in Hessen und beobachte in den vergangen letzten 10 Jahren, dass bereits in vielen Bereichen von einzelnen KollegInnen versucht wird ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Schülerinnen und Schülern aufzubauen (z.B. über WhatsApp Gruppen, Facebookfreundschaften ect.). Ich sehe diese Vertiefung des Verhältnisses Lehrkraft-Schüler und die damit einhergehende ständige “Rufbereitschaft” für die Lehrkraft auch außerhalb der Unterrichtszeiten kritisch. Viele LehrerInnen versuchen damit u.a. auch sich die stressigen Schuljahre erträglicher zu gestalten, indem sie den Aufbau eines freundschaftlichen Verhältnisses auf “Kumpelart” etablieren. Zwar wird damit der Umgang zwischen Lehrkraft und Schüler offensichtlich angenehmer gestaltet, trotzdem kennen SchülerInnen durchaus die Mechaniken heutzutage, wie sie ihre LehrerInnen damit manipulieren können. Das Erschleichen von Vorteilen oder der günstigeren Benotung, indem man auf kumpelartige Art und Weise Geschichten erfindet, das Drücken auf die Tränendrüse aufgrund der sozialen Probleme, das Berechnen möglichen Notenkonstellationen – wo es sich lohnt sich anzustrengen und wo nicht, teilweise das Ausnutzen des Vertrauens der LehrerInnen (selbst erlebt: Schüler stehlen Abituraufgaben aus der Aktentasche, noch zu Zeiten vor dem Zentralabi), zeigt mir ein höchstmögliches Interesse daran, das System gekonnt auszuspielen. Eine gewisse vertrauensvolle Begegnung zwischen LehrerInnen und SchülerInnen halte ich für sinnvoll, aber eine engere Verbundenheit, die über die Arbeit in der Schule hinausgeht möchte ich kritisch bewerten.

  138. Hallo LdN Team,

    danke für eure gute und analytische Arbeit, womit ihr einen guten Beitrag zur politischen Bildung bringt.

    Das es in Brandenburg und Sachsen zu solch einem Rechtsruck (der aufgrund der vorherigen Europawahl eher zurück gegangen ist) kam, ist unter anderem der Abgehängtheit und der wirtschaftlichen Probleme in diesen Ländern geschuldet. Dabei ist es zwar, wie ihr gesagt habt, durchaus so, dass es in den Ländern eine geringere Arbeitslosigkeit gibt, aber man muss auch sagen, dass in beiden Ländern eine sehr geringe Tarifbindung herrscht und viele der zusätzlichen Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor entstanden sind. In Sachsen ist eine Tarifbindung von 39 %, womit dieses Land die mit Abstand niedrigste hat und das da ein Gefühl der Ungerechtigkeit entsteht ist doch nur verständlich. Die bisherige Entwicklung in diesem Bereich ist erschreckend und gibt der AfD eine Bedeutung, die aufgrund des Versagens bzw. der Erkenntnis das die Linke nichts verändern konnte. Diese Hoffnung wird nun auf die AfD projeziert, die hiermit ihr neuestes Projekt entwickelt hat. Mit dem Slogan “Vollende die Wende” und “Wende 2.0” haben sie sich als neue Hoffnung der Ostdeutschen (anstatt der Linken) platziert, was rein aus marketingtechnischer Sicht ein Glanzstück war.
    Das Problem für die etablierten Parteien ist dabei, dass es glücklicherweise nicht zu einer Regierungsbeteiligung der AfD kommen wird um sie, wie bei den Linken geschehen, zu entzaubern womit gezeigt würde, dass es auch durch sie nicht besser werden könnte. Aber die Hoffnung der AfD Wähler wurde hierdurch neu geweckt, wie man an der hohen Wahlbeteiligung und der hohen Verluste in beiden Bundesländern sehen kann. Eine Lösung des Problems AfD sehe ich im Osten nur dann, wenn sich die AfD weiter nach rechts orientiert und sich dadurch für die meisten Wähler unwählbar macht. Die Tendenz ist insbesondere durch die Wahl von Kalbitz, auch wenn es erschreckend ist, “positiv”.

  139. Vielen Dank für diesen Cast,
    Jetzt bin ich mir ganz sicher das nächste mal AFD zu wählen.
    Soviel Überheblichkeit hat man selten in so kurzer Zeit. Man kann vielleicht mal erwarten, daß gestandene Journalisten und Anwälte den Zustand in Deutschland anhand von Taten und nicht von Worten beurteilen.
    Antidemokratisch gehandelt wurde allein im letzten Jahr von Euren “Alternativen”:
    Glyphosat
    Urheberrechtsreform
    Impfpflicht
    Anerkennung von Guaido
    Sanktionen gegen Iran
    Es ist echt peinlich, wie Ihr den Zustand Deutschlands als demokratisch hochlobt. Vom wissenschaftlichen Beirat des Parlaments als vermutlich verfassungs- und/oder völkerrechtswidrig erklärte Handlungen und Gesetze werden trotzdem erlassen.
    Wir haben eine korrupte Parteiführungsoligarchie in den Händen von Lobbyisten.
    Die AFD wird nur dadurch wählbar, weil es die demokratischste Form ist, diese Parteispitzen ihre Plätze im Parlament verlieren zu lassen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Friedrich

    • Ach Gottchen. Immer dieses Nazi-Erpressungsgetrolle: „Weil IHR etwas sagt, das mir nicht passt, wähl ICH jetzt AfD. Ihr zwingt mich ja praktisch dazu…“

      Wie peinlich. Wenn Sie die Nazis wählen wollen, dann tun sie es halt. Erstaunlich, wie schwer es zu sein scheint, zu seinem Wahlverhalten zu stehen, wenn man sich einen Podcast suchen muss, um diesem dann die „Schuld“ dafür zu geben. Niemand zwingt Sie, sich das anzuhören.

      • Das blöde ist ja, dass sie beide Recht haben. Wobei der Podcast nicht weiß einziger Grund für die Entscheidung genannt werden (lesen und verstehen wollen)
        Andererseits stehen da schon valide Punkte: es werden immer wieder Gesetze beschlossen, die vom BVG kassiert werden usw.
        Ob man deswegen ernsthaft blau wählen oder besser am Wahltag blau machen sollte wird schon über lange diskutiert. Nur dass Wahlenthaltung keine Konsequenzen hat.
        Statt blau wählen kann auch satirisch gewählt werden.

    • Das sind alles valide Gründe von der aktuellen Politik enttäuscht zu sein (auch wenn ich zum Teil eine andere Meinung habe). Im Rahmen der demokratischen Institutionen hast du noch weiter Möglichkeiten: Eine Partei suchen oder gründen, die deine Interessen vertritt. Oder die Partei der Nicht-Wähler wählen. Oder eine neue solche gründen. Ich kann das schon emotional ein bisschen nachvollziehen, aber so gibst du einer anderen Partei Macht, andere komische(re) Dinge zu machen als die, die du kritisiert hast.

      • @Hans
        Ich bin von der aktuellen Politik nicht enttäuscht, sondern nenne sie antidemokratisch. So deutlich wird das in diesem Podcast nicht ausgedrückt.
        Wenn ich jetzt eine Partei gründe oder eine unter 5% Partei wähle, ändern sich die Personen kein bisschen.
        Ich gebe durch Wählen immer jemanden Macht, die jetzigen über 5% Parteien haben alle antidemokratisch gehandelt, das Geschrei um die AFD erinnert mich an das Geschrei während die Gründungzeit der Grünen und die ersten Jahre der PDS, da sollte das Demokratie ja auch untergehen.
        @Bene
        An ihrem Handeln sollt ihr sie erkennen.
        Seit wann ist das Wählen einer Partei Erpressung? Solange sie nicht verboten sind, stehen sie auf dem Boden des Grundgesetzes.
        Gehandelt, also tatsächlich undemokratisch waren nur die Regierungsparteien. Das hat nichts mit Emotionen zu tun sondern mit Demokratieverständis. Wer nicht demokratisch handelt ist ein Antidemokrat. Und das wird hier im Podcast immer nur beschwichtigt.
        Hier wird nur gegen die AFD polemisiert, Aufrufe zu Demonstrationen gegen antidemokratisches Handeln in Regierungsverantwortung suche ich hier vergebens.
        mfg
        Friedrich

        • die Demokratie statt das, ich war wohl schon versucht das Abendland zu schreiben, immer diese freudschen Versprecher…

        • Kannst Du bitte einmal genau begründen, warum die Groko Deiner Ansicht nach undemokratische Entscheidungen trifft? Nur weil sie Dir nicht passen, heißt das ja nicht, dass die undemokratisch wären.

        • @Ulf
          -Die Sanktionen gegen den Iran als auch die Anerkennung Guaidos wurden vom wissenschaftlichen Beirat der Parlaments als völkerrechtswidrig befunden,
          -Die PKW-Maut wurde vom selben Beirat als verfassungwidrig eingestuft.
          – 2009 wurde die Bundesrepublik von der EU aufgefordert, die Weisungsberechtigung von Justitzminister gegen Staatsanwalte abzuschaffen, 2019 erfolgte ein Urteil des EuGH, daß Deutschland den europäischen Haftbefehl nicht mehr ausstellen darf, weil obiges nicht umgesetzt wurde.
          – beim Verkacken der Groko einfach mal nach Rezo googlen.

          Ja das passt mir nicht, aber es ist auch undemokratisch.
          Ja Nazis soll man beim Namen nennen, aber Antidemokraten auch.
          Seehofer: “Man muss Gesetze kompliziert machen. Dann fällt das nicht so auf”. Das ist nicht satirisch sondern antidemokratisch.

        • Hallo Friedrich,

          ich finde mich bei Deinen Anmerkungen nicht ganz zurecht:

          1. Als ich versuchte, die von Dir angedeuteten Zusammenhänge zu recherchieren, kam ich leider nicht weiter, schau mal: https://www.google.com/search?ei=hkx2XZ3FJOHjsAfayIHwCA&q=wissenschaftlichen+Beirat+Parlament+sanktionen+irak
          Kannst Du noch die Quellen zu Deinen Aussagen nachreichen?

          2. Was genau ist für Dich “undemokratisch”, und inwieweit unterscheidet es sich für Dich von “antidemokratisch” – zwei Begriffe, die Du häufig benutzt, und ich möchte sicher gehen, dass wir über dasgleiche reden.

  140. Ich bin ein sehr großer Fan von eurem Podcasts und erwarte jede Woche sehnsüchtig eure neue Folge :)

    In der vergangen Sendung habt ihr natürlich das Ergebnis von den Landtagswahlen analysiert und euch überlegt wie das gute Abschneiden der AFD zu stande kommt. Ich muss Frau Kipping ebenfalls recht geben. Und ihr meintet auch, dem Ost ginge es jetzt besser und die Arbeitslosigkeit ist gesunken und die Löhne gestiegen.

    Dazu erst einmal zwei Sachen:

    1. Nur weil man einen Job hat geht es einem finanziell noch lange nicht gut
    2. Ja die Löhne sind gestiegen, mehr als in den Jahre zuvor. Werden die Zahlen aber genauer analysiert, sieht man sehr schnell welche Löhne gestiegen sind. Und zwar hauptsächlich beim Mittelstand und den Besserverdienern. Die Zahlen bei den Geringverdienern machen da eher traurig. Offene EU-Grenzen lässt Arbeitern aus anderen Ländern noch Deutschland kommen. Was generell gut ist, eröffnet aber einen neuen Preiskampf um die Billiglöhne. Das gilt zum Beispiel bei Handwerkern und LKW Fahrern die auch unter dem Mindestlohn arbeiten.

    Ihr habt die Woche zuvor erwähnt, dass 40% der Haushalte kein Vermögen bzw. Erspartes haben. Die Zahl ist erschreckend, schaut man sich dann aber jeden Einzelfall an, kommen einem echt die Tränen.

    Mir geht es jetzt finanziell gut, komme aber aus sehr armen Verhältnis, obwohl ich in Bayern geboren und aufgewachsen bin. Meine Eltern haben nie Sozialgelder erhalten. Mein Vater war Krankenpfleger und meine Mutter hatte neben der Erziehung von vier Kindern zwei Minijobs. Damals glaub ich auf 630 Euro.

    Keine Ersparnisse haben klingt erst einmal nicht so dramatisch, ich möchte aber kurz eine Geschichte aus meiner Kindheit erzählen was mich bis heute geprägt hab. Ich war damals frisch eingeschult, also ca. 7 Jahre alt. Ich hörte meine Mutter im Keller fluchen, als ich zu ihr nach unten kam saß sie heulend mit dem Rücken an die Waschmaschine gelehnt und war völlig aufgelöst am Heulen. Auf die Frage warum sie weint, meinte Sie die Waschmaschine mach komische Geräusche. Als Kind ist diese Aufregung natürlich nicht ganz nach zu vollziehen. Aber allein der Gedanke, dass die Waschmaschine kaputt sein könnte und man nicht den Hauch einer Idee hat wie man die Reparatur geschweige denn ein neues Gerät bezahlen soll, bringt einem Verzweifeln. Das Auto springt nicht nach zwei Sekunden gleich an… Angstschweiß!  Das Gefühl verfolgt dich überall hin…

    Meine Eltern hatten immer SPD gewählt und als dann Schröder die Wahl gewann dachten Sie “jetzt wird alles besser”, was aber geschah brauche ich euch natürlich nicht zu erzählen. Meine Eltern wählen heute nicht mehr.

    Jetzt könnte man sagen heute ist alles besser, dass kann ich leider nicht bestätigen. Eine gute Freundin von uns ist Lehrerin. Von Schulen werden jährlich Beiträge wie Bücher- und Papiergeld eingezogen. Meines Wissens pro Schüler jeweils zweimal 15 Euro. Ihr wollt nicht wissen wie viel Briefe sie bekommt, ob man das auch in Raten ab stottern kann, weil die Eltern teilweise sonst kein Geld mehr fürs Essen haben.

    Das ist leider nicht nur ein subjektives Empfinden, einen nicht kleiner Teil der Bevölkerung geht es wirklich schlecht. Ja, häufig auch mit selbst verschuldet aber das kann man nicht als Einzelfälle deklarieren.

    Ich möchte noch einmal den Bogen zur AFD spannen. Felix von Leitner hatte mal die Wahlen von Trump analysiert. Er ist IT-Sicherheits-Experte und hat ebenfalls einen eigenen Blog & Podcast. Er verbringt viele Zeit beruflich in Amerika. Seinem Empfinden nach verachteten Viele Trump-Wähler Trump und die Republikaner. Aber Sie waren so unheimlich frustriert und enttäuscht von der Regierung als komplette Organisation, dass sie den kompletten Apparat in sich zusammen stürzen sehen wollten. Demokratie ist für sie nichts mehr Wert, egal was sie wählen ist eines sicher. Es geht ihnen mit Sicherheit hinter her nicht besser.

    Ich halte die AFD zu wählen für sehr falsch, kann aber auch verstehen warum man auf solche Gedanken kommt.

    Vielen Dank fürs Lesen und schöne Grüße
    Samuel

    • Hallo Samuel,

      kurzer Einwurf zu deiner anekdotischen Evidenz zu Schulmaterialien: Das ist über das sog. Bildungs- und Teilhabepaket (SGB II, § 19 iirc) abgedeckt.

      Ich finde es nicht gut, Probleme zu beschreiben ohne die Antwort, die der Sozialstaat liefert, mitzunennen.

  141. Hallo,
    ich hätte ernsthaft erwartet, dass ihr euren Fehler mit der Eigenkapitalrendite des deutschen Mittelstands in Verbindung mit der Vermögenssteuer korrigiert.
    Meines Wissens ist im Konzept der Vermögenssteuer der Unternehmenswert Berechnungsgrundlage der Steuer. Dieser Wert hat mit dem Eigenkapital des Unternehmens rein gar nichts zu tun. Die übliche Eigenkapitalausstattung des deutschen Mittelstands ist in den letzten Jahren gestiegen und liegt heute zwischen 20 und 35% der Bilanzsumme (statistika). Je kleiner das Unternehmen, desto geringer.
    Der steuerliche Wert kann darüber hinaus ein Vielfaches der Bilanzsumme betragen, da er sich insbesondere nach den Gewinnen des Unternehmens bemisst. Die Diskrepanz nimmt zu, je personalintensiver ein Unternehmen (Dienstleistung, IT) ist.
    Ich halte es daher für unredlich, mit der Rechnung “1EUR von 17EUR Gewinn ist nicht zu viel” zu argumentieren und hätte eine Klarstellung erwartet.

    • Wir haben nichts korrigiert, weil wir nicht denken, dass wir einen Fehler gemacht haben. Es gibt einfach verschiedene Methoden, den Wert eines Unternehmens zu bestimmen. Dazu findet sich in den Kommentaren zur vergangenen Folge eine sehr spannende Diskussion, aus der Du auch entnehmen kannst, warum wir denken, dass die Eigenkapitalrendite durchaus eine aussagekräftige Kennziffer ist.

      • Ich habe das zur letzten Folge nachgelesen und halte dennoch eine Klarstellung für sinnvoll. Falls als Bemessungsgrundlage für die Vermögenssteuer von Unternehmen wirklich die Eigenkapitalausstattung zugrunde gelegt werden sollte ergeben sich meines Erachtens folgende Probleme:
        1. Der Marktwert eines Unternehmens hat mit der Eigenkapitalaustattug nichts zu tun und liegt in der Regel um ein vielfaches höher. Für die Zwecke der Erbschaftssteuer wird er zum Beispiel nach der Ertragswertmethode berechnet. Somit wäre die Vermögenssteuer direkt wieder angreifbar, weil sie (wieder einmal) unterschiedliche Vermögensarten unterschiedlich betrachtet.
        2. Es gibt den politischen Willen, dass die Unternehmen eine gute Eigenkapitalausstattung haben (bei Banken gibt es sogar Gesetze dafür). Für den Fall, dass Eigenkapital besteuert wird, gibt es einen Anreiz, dieses möglichst gering zu halten.
        Ich halte eueren Ansatz daher immer noch für falsch oder doch zumindest für den wirtschaftlich unbedarften Zuhörer für irreführend.

        • Danke für die präsise Kritik … das könnten wir in der Tat noch einmal aufgreifen! Mir ist an der Stelle außerdem der Hinweis wichtig, dass wir ja nicht klar für die VSt. Position bezogen haben, sondern sie durchaus kritisch diskutiert haben, insbesondere im Vergleich zur Alternative ErbSt.

  142. 8. September 2019 um 10:19 Uhr
    Peter Scharkowski

    Zum SUV-Wahnsinn :
    Der CO2-Ausstoß und der Verbrauch eines Autos hängt weniger von der Karosserieform als vom Motor ab – Beispiel : VW 4 Zylinder Otto-Motor 1498 ccm Hubraum 110 kW
    VW Polo VI : Verbrauch 6,3 l Super nach WLTP, 142 g/km nach WLTP
    VW Golf VII : Verbrauch 6,4 l Super nach WLTP, 145 g/km nach WLTP
    VW Tiguan II : Verbrauch 6,8 l Super nach WLTP, 155 g/km nach WLTP
    Der VW Tiguan ist der in Deutschland in 2018 meistverkaufte SUV (laut Spiegel Online)

  143. Bin selbst Lehrer an einer regionalen Schule in Mecklenburg-Vorpommern. Auch bei uns wären mehr Schulsozialarbeiter sinnvoll. Zusätzlich wird aber oft vergessen, dass leistungsheterogene Klassen einen höheren Zeitaufwand bei der Unterrichtsvorbereitung beanspruchen – Stichwort Binnendifferenzierung. Dies ist mit der regelmäßig erhöhten wöchentlichen Stundenzahl jedoch in der Praxis nicht zu vereinbaren, weshalb auch hier Verbesserungen erzielt werden müssen.

    Thema Energiewende: Wie vielen meiner Vorrednern erscheint mir Ihre Diskussion sehr einseitig auf das Auto fokussiert und durch urbane Einflüsse geprägt. Durch die Verteuerung des Kfz ohne entsprechenden Ausgleich sinkt die Attraktivität von ländlichen Arbeitsplätzen weiter: was das in Bezug auf die gesellschaftliche Entwicklung bedeutet, diskutieren auch Sie regelmäßig an entsprechenden Stellen. Ohne ein Auto hätte ich den Job an der besagten ländlichen Schule nicht annehmen können. Wenn das Kfz als primäres Verkehrsmittel ersetzt werden soll, müssen bezahlbare, ernsthafte Alternativen geschaffen werden!

  144. Guten Morgen,
    Ich höre mir gerade die Lage an und muss im Bereich Energiewende fällt mir immer wieder auf, dass das Thema immer wieder auf das KFZ fällt. Ich würde mir wünschen wenn ihr eure Meinung zum besten gebt, wie ihr die Energiewende (in Gesamtheit betrachtet, also Mobilität, wohnen, Energieproduktion ect.) entgegen bzw. Umsetzten würdet und was es dort für Ansätze gibt. Denn in dem Thema kommt ihr, in meiner Wahrnehmung, immer wieder auf das Kfz.

    Thema Lehrer und Sozialarbeiter bzw. Chancengleichheit

    In der Uni Kassel wird zu Lehrerqualität geforscht und ich kann euch nur Empfehlen dort mal nachzufragen. Da die Chancengleichheit stark mit der Lehrpersonal zusammenhängt gehört dieser Bereich mit dazu.
    Lg
    Fabio

  145. Moin,
    Ich bin Lehrer an einer integrierten Schule in einem Speckgürtel und Quereinsteiger.
    Bei uns an der Schule gibt es nur einen Schulsozialarbeiter für alle Schüler (knapp vierstellig). Und er ist kaum wegzudenken. Das Vertrauenslehrerkonzept setzt setzt auf Eigenmotivation. Junge Menschen sind häufig nicht in der Lage zu erkennen, dass sie ein Problem haben, das nach Hilfe verlangt. Da hilft der Vertrauenslehrer, der nur begrenzt zur Verfügung steht.
    Da ist es gut, jemanden hat, der Probleme der Kinder aktiv erforschen kann und die Zeit dafür hat, weil das sein Kernaufgabengebiet ist.

    Bitte mehr davon und wie Lehrer bezahlt!

    Gruß

    Pfiet

  146. Prinzipiell eine sehr interessante Sendung. Allerdings sollte man sich mal dazu bekennen, dass man eben eine Lage der Nation aus stramm linker Sicht macht. Dieses Vorgaukeln von Neutralität wirkt für mich langsam wirklich lächerlich. Ich höre es mir weiter gerne wöchentlich an, aber man sollte einfach offen zu seiner politischen Gesinnung stehen. Würde der Sendung gut tun.

    • Was genau gaukeln wir denn vor und wodurch? Niemand ist „neutral“. Wir berichten so objektiv wie möglich die Fakten, aber jede Bewertung, die wir vornehmen, ist notwendigerweise subjektiv. Das gilt aber für jedes Medium.

      • Der linken Sicht kann ich nach der aktuellen Sendung nur zustimmen, denn die Aussage das Deutschland seit 1998 (!) aus sozialer Sicht konservativ bzw. stramm konservativ regiert wird, kann man nicht mehr neutral nennen. Erstens war die Regierung vorher (erinnere mich dunkel an Helmut Kohl…) konservativer als alles was danach kam und zweitens war die Regierung Rot/Grün von 1998-2005 bis auf die aus meiner Sicht notwendige Reformation der Arbeitslosengesetze durchaus sozial. Des Weiteren war die SPD außer zwischen 2009-2013 immer an der Regierung und die hat durchaus eine soziale Komponente in das System gebracht.

    • Ich finde das keine stramm linke Sicht. Ich finde sie eher konservativ.

      • Nachtrag (Leider kann ich den Kommentar nicht mehr bearbeiten): Nicht konservativ im Sinne von CDU/CSU sondern eher sehr zurückhaltend in der Meinungsbildung.

    • An der LdN schätze ich besonders das Nennen aller Argumente, dem das begründete Beziehen einer Postion folgt. Im Einzelfall wohl angreifbar, aber die Grundeinstellung: Vorbildlich.

      An das Team: Diese Trennung hat nachgelassen, in letzter Zeit. So kommt Andy zu Recht zu seinem Eindruck.

  147. Wer sein Grundrecht auf Demonstrationsrecht wahrnimmt und anmeldet, dessen Daten werden von sächsischen Kommunen an den VS weitergereicht. Da freut man sich doch gleich 2x auf die nächste Fridays for Future-Demo. https://www.addn.me/antifa/stadt-dresden-gibt-massenweise-informationen-zu-versammlungsgeschehen-an-den-verfassungsschutz-weiter/

    Btw.: ein Überblick für den 20.09. wäre gut. Es rufen mittlerweile auch so viele Unternehmen für den 20.09. auf, dass man da leicht den Überblick verliert.

  148. Danke für die aktuelle Lage!
    Zur Bildungsgerechtigkeit: meiner Erfahrung nach (bin politisch tätig und Mutter von Schulkindern) werden die Fragen „Sind Sie generell für Durchmischung usw.“ und ob das eigene Kind in eine solche Klasse geschickt wird, von vielen Eltern unterschiedlich beantwortet.
    Theoretisch klingt das gut, praktisch sieht das oft anders aus. Ich kann mir vorstellen, dass der zitierte Forscher im O-Ton das so meinte.

  149. Ich mag ja die Lage mit ihren tiefgreifenden Analysen von aktuellen Problemen sehr. Nur beim Thema Volksabstimmungen muss ich leider wieder mal Widerspruch anmelden.

    Die Brexit-Abstimmung war keine Volksabstimmung, sondern ein Meinungsbild. Genau da liegt das Problem: Eine echte Volksabstimmung über ein Gesetz oder eine Verfassungsänderung wäre gerade nicht so wage, sondern würde verbindliches Recht schaffen, das sich normal Auslegen lässt.

    Davon abgesehen finde ich es unseriös, eine Meinung über Volksabstimmungen im Allgemeinen auf eine einzige Abstimmung in einem Land abzustellen, das nur ganz selten Volksabstimmungen durchführt. Wenn man über die Vor- und Nachteile von Volksabstimmungen in der gewohnten Lage-Qualität sprechen möchte, dann bitte basierend auf einem Beispiel, wo Volksabstimmungen regelmäßig zu verschiedenen Themen vorkommen und ins politische System eingebettet sind, wie z.B. in der Schweiz oder in Kalifornien.

    Falls Interesse an einem Gespräch zu Volksabstimmungen in der Schweiz, beispielsweise anlässlich einer aktuellen Abstimmung, besteht, dann könnte ich interessante Gäste vermitteln.

    • Was aus meinen Augen die These mit dem Meinungsbild unterstützt: Die erste Abstimmung hatte keine konkrete Formulierung. Wie ein Bekannter aus London formulierte:
      “It was the choice between: Everything stays as it is vs. Phantasyland”
      Die Brexit-Variante innerhalb der Abstimmung war einfach nicht tiefergelegt.

    • Ich denke, dass Volksentscheide Rennen auch eingeübt werden müssen… Ich wäre sehr dafür, damit sehr bald anzufangen.

  150. Hallo ihr beiden,

    zuerst mal Danke für die wöchentliche Arbeit. Warum wählen Menschen die AfD?
    Zunächst zu mir: Ich bin 21, mein Vater kam als Flüchtling aus dem Jugoslawien. Rassismus und Menschhass wie es die AfD teilweise betreibt liegt mir fern. Trotzdem würde ich mich auf Grund meiner Sozialisierung in einer sehr konservativen Stadt in Südwestdeutschland, als konservativ im Bezug auf gesellschaftliche Fragestellung beschreiben.

    Warum wählen Menschen AfD?
    Aus meinen Gesprächen mit AfD Wählern und Sympathisanten (in Baden-Württemberg, AfD Hochburg in Westdeutschland) habe ich 2. Gründe mitbekommen:

    1. Das Gefühl, dass Deutschland in fast allem zurück fällt. China ist Vorreiter, die USA mit Silicon Valley sowieso. In Deutschland zerfällt die Infrastruktur, die Menschen sehen jeden Tag, dass wir nicht mal in der Lage sind einen neuen Flughafen zu bauen. AfD Wähler wünschen sich also das alte starke Deutschland der 80/90er zurück in der wir weltweit als Hightech Land geachtet wurden. Viele Menschen die aus diesem Grund AfD wählen glauben auch nicht, dass die AfD das ändern kann. Aber sie haben Angst ,,das unser Land auf dem absteigenden Ast ist“ – Es geht also im wesentlichem um wirtschaftliche Abstiegsängste. Gar nicht für sich persönlich, viele halten sich für anpassungsfähig bzw. sagen sie schaffen es schon bis zur Rente. Aber für ihre Kinder, fehlen die Perspektiven! Man hat das Gefühl Deutschland gehört in der Globalisierung zu den Verlierenden. Viele konservative haben aber eine starke Verbundenheit zu Deutschland/ihrer Region. Sie wollen nicht, dass diese verliert.

    2. Viele waren kritisch gegenüber der EU und der Flüchtlingskrise 2015. Wer sich aber kritisch geäußert hat zu 2015 oder auch zum Euro wurde sehr gerne in die rechte Ecke gestellt. Aus meiner Perspektive ist erstmal nichts rassistisch an der Postion: Ich will keine Flüchtlinge/den Euro. Wer aber immer wieder in die rechte Ecke gestellt wird, obwohl er kein Nazi ist, der entfernt sich irgendwann aus dem bürgerlichen Spektrum. Der liest irgendwann keine ,,normalen“ Medien mehr. Ich glaube es war ein Fehler zu Anfangszeiten der AfD, diese auszuschließen bzw. vor allem ihre Wähler auszuschließen. 2015 und davor wäre die Zeit gewesen in der viele wirklich nur ,, besorgte Bürger‘‘ waren. Inzwischen haben sich viele aus dem bürgerlichen Lager ins ,,bürgerliche Lager der Gaulands’‘ verabschiedet. Inzwischen lebt man in einer Art Blase. Meiner Meinung nach tragen daran die anderen Parteien und Medien in Deutschland erhebliche Mitschuld. Das gerade dieses 2. Argument auch für Ostdeutschland gilt, sehe ich daran, dass Sprüchen wie: Wende 2.0 und Meinungsdiktatur funktionieren.

    • Danke, das sind sehr spannende Begründungsansätze! Nur die These vom „in die rechte Ecke stellen“ halte ich für einen klassischen Opfermythos von AfD-Wählern, die geradezu pathologisch immer wieder meinen, sie könnten ihre Meinung nicht mehr sagen, obwohl sie genau das auf furchtbare Weise tun.

      • Ich finde das schon richtig, dass manche Meinungen einfach lange nicht gehört wurden, obwohl sie legitim waren. Das ist etwas anderes als Meinungsfreiheit, wird aber oft in den gleichen Topf geworfen und miteinander vermischt. Auf Nöte im Osten (oder Aussagen darüber) hat man nicht gehört, auf Sorgen zur Euro-Einführung auch nicht. Da versuchen Leute, sich Gehör zu verschaffen, und es klappt nicht. Ja, es klappt jetzt auf fruchtbar und perfide Art und Weise. Aber zeigt das nicht genauso oder noch mehr ein Problem in der Aufmerksamkeitsverteilung von ‘Main-Stream-(West-)Medien’? Was ziehest du für Schlüsse, wenn du dich erst für Thema A einsetzt und kein Gehör findest, dann für Thema B, dann Thema C,… nie findest du Gehör. Bei Thema Q klappt es dann. Dann wirst du wohl mit Thema Q weiter machen und das auch für wichtiger halten. Thema Q sind in diese Metapher die rassistischen und rechten Einstellungen. Darauf sind die etablierten Medien sofort angesprungen. Und ich beziehe mich bei dieser Überlegung auf die von euch angesprochenen ca. 15% der Wähler der AfD, die nicht die 10% grundsätzlich rechtes eingestellten sind, sondern die anderen.

      • 8. September 2019 um 20:07 Uhr
        Mikel Bühring-Uhle

        Philipp, schön, wenn du es noch nicht selbst erlebt hast. Das “in die rechte Ecke stellen” ist aber ein weit verbreitetes Phänomen, zu dem es an Beispielen nicht mangelt. Das ist den Leuten auch bewusst (“Ich bin ja kein AfD-Wähler, aber…”).

        Bekanntestes Beispiel ist wohl Thilo Sarrazin. Der ist für so ziemlich alles was er gesagt hat “in die rechte Ecke” gestellt worden, ihm wurden Nazi-Thesen unterstellt, die er nie geäußert hatte, und hat aufgrund des öffentlichen Drucks hat er schließlich seinen Posten geräumt. Ich wähle bewusst dieses Beispiel, weil du ihn vermutlich selbst “in der rechten Ecke” siehst. Vielleicht ist er ja inzwischen auch dort angekommen. So geht kann es ja auch gehen: Erst stellt man öffentlich sie dort hin, dann gehen sie selbst dorthin.

      • Ich habe mich ebenfalls mit AfD-Wählern unterhalten und musst zustimmen, dass diese von den Medien einfach als “rassistisch” oder “dumm” abgeschrieben werden und eine Fokussierung der Medien auf das Flüchtlingsthema bei der AfD stattfindet. Das Parteiprogramm einer Partei ist lang, allerdings wird bei der AfD nur über Migrations- und Flüchtlingsäußerungen berichtet. Und diese Thematik ist gerade in Deutschland sehr stark mit Emotionen aufgeladen. Wer könnte sich in Deutschland schon offen zu einer Partei bekennen, die von den Medien als rassistisch und anti-demokratisch bezeichnet wird? Wenn ich dann in privaten Gespräche versuche gegen die AfD zu argumentieren, gehen mir sehr schnell die Argumente aus, weil ich mich nur auf einzelne anti-demokratische oder rassistische Äußerungen einiger Parteimitglieder berufen kann.

        Dabei werden von AfD-Wählern ganz andere Wahlgründe genannt, wie z.B. Bargeld-Abschaffung, Eurokrise, bessere Einwanderungsgesetze o.ä.. Das sind ja prinzipiell keine schlechten Themen. Kommt man auf die Äußerungen von Höcke und Co. zu sprechen, distanzieren sich die meisten ganz klar und würden einen Parteiausschluss mehr als begrüßen.

        Viele sehen ihre Wahl natürlich auch als Protest-Wahl. Ihr sagt zwar, dass diese Protest-Wahl nicht die Lösung ist, was wäre aber die Alternative gewesen? Die Wahl ist und bleibt die einfachste Möglichkeit, um seine Unzufriedenheit mit einer aktuellen Regierung zu äußern. Wenn die AfD nicht so große Zustimmung erfahren hätte, wie würden etablierte Parteien sonst erfahren, dass das Volk unzufrieden ist? Wenn alle weiter CDU/SPD/FDP/Grün wählen, was hätten diese dann für einen Anreiz, ihre Arbeit zu verbessern? Die Wahl ist für die meisten Menschen die einzige bzw. einfachst Form, ihre Meinung zu äußern – und hat auch einfach die stärkste Signalwirkung. Natürlich kann man jetzt mit der Gründung einer eigenen Partei, Teilnahme an Protesten oder einem Parteieintritt argumentieren, was aber für die breite Masse keine wirkliche Lösung darstellt. Vielen Menschen fehlt dazu die Zeit, entsprechende Charaktereingeschaften oder das Know-How.

        Den Zulauf bei der AfD stoppen wir nicht, indem wir den AfD-Wählern ständig vorhalten, dass sie Nazis und rassistisch sind bzw. dass sie dies doch bitte einsehn und vernünftig werden sollen. Das hat in den letzten Jahren nicht funktioniert und wird auch zukünftig nicht zu sinkenden Wahlergebnissen führen.

        • Nina, da stimme ich Dir in jeder Hinsicht zu.

        • Nina, Kathi: Ja, stimmt, so nicht. Aber wie dann? Oder, grundsätzlicher, warum ist AFD-Wählen schlecht, wenn überhaupt?
          Weil prominente Vertreter unser System grundsätzlich ablehnen. Das sollte ohne die Clickbaits „Nazi“ oder „Rassismus“ argumentiert werden, die fundamentalen Angriffe auf erste bis vierte Gewalt sowie das Grundgesetz müssten konkret benannt werden. Blöderweise passt das nicht in eine Schlagzeile.
          Ich schlage die Bezeichnung „AD“ für die Schlagzeile vor, das stünde für „Anti-Demokratisch“ und spräche sich „Ade“, wie Tschau, Auf (Nimmer-)Wiedersehen, Servus.
          Im Text aber: konkret wo wird unser System attackiert? Diese Debatte „zur Geschäftsordnung“ muss auch als klar wichtiger dargestellt werden, als jeder ansonsten diskussionswürdiger Beitrag.

        • Hach, wünsche mir eine Flut von Artikeln, nur mit der Schlagzeile „AD AfD“. Und guten Begründungen zur Geschäftsordung im Text.

  151. Hi zusammen,
    erstmal vielen Dank für Euer wöchentliches Input. Zur Analyse des AFD-Wahlerfolges finde ich folgenden Beitrag sehr interessant: https://wochendaemmerung.de/interview-mit-matthias-quent-deutschland-rechts-aussen/
    Viele Grüße,
    Kay

    • Den hatte ich auch rausgesucht. Insbesondere greift das Interview die vielen unterschiedlichen Begrifflichkeiten Neonazi, Rechtsextrem, Rechtspopulisten… und ordnet diese ein. Das hatte Ihr ja in Eurer letzten Sendung als fehlend in der Medienlandschaft bemängelt.

  152. Hallo ihr beiden!

    Danke für diese Lage.
    Thema Klima: Würdet ihr den globalen Klimastreik am 20.09. unterstützen? Ich finde nicht nur für die deutsche Politik sollte an diesem Tag ein Zeichen gesetzt werden. Würde mich freuen, wenn ihr ihn in der nächsten Folge erwähnt.

    Thema Bildung: Als Lehrerin, sowohl an Förderschulen wie an Gymnasien, sind meiner Meinung nach psychische Probleme ein enormes Problem. Vor allem an den Förderschulen kann man beobachten, wie diese Probleme auch „vererbt“ werden. Der IQ spielt nicht die Hauptrolle.
    Kleiner Hinweis an Ulf: Ein Meister ist ein Hochschulabschluss.

    • Kleine Korrektur zum Meister: Meinte nicht Hochschulabschluss, sondern berechtigt zu einem Studium an einer Hochschule, ist also zu vergleichen mit dem Abitur.

    • Hey ihr beiden,
      danke für die wiedermal sehr interessante und lehrreiche Folge.
      Das Thema Chancengleichheit bestürzt mich sehr und ich sehe es als ein riesiges Problem, das mit allen Bereichen des Lebens verknüpft ist! Was mir dazu noch einfällt ist, dass z.B. Heimkinder einen Großteil ihres verdienten Geldes aus einem Nebenjob an das Jugendamt abgeben müssen und es ihnen oftmals unmöglich gemacht wird, sich eigenständig unabhängig zu machen bzw. sich etwas anzusparen für einen Auszug aus dem Heim. Ebenso wie das Gehalt von Kindern aus Hartz4 Familien einberechnet wird und somit auch diese sich nur unglaublich schwer eigenständig aus der Armut lösen können.
      Thema Sozialarbeiter an Schulen: An meiner Schule gab es nur eine Sozialarbeiterin und diese auch erst ein paar Jahre nach Gründung der Schule. Ich kann bestätigen, dass viele Jugendliche psychische Probleme haben, nur war es bei uns leider so, dass kaum jemand hingegangen ist weil unter Schüler*innen viel gelästert und Gerüchte verbreitet wurden und es einfach verlächerlicht wurde. Meiner Meinung nach sollten sich Schulen also von Anfang an bemühen, die Schulsozialarbeiter und ähnliches Personal als “normal” und “okay” nahezubringen, präsenter zu machen und natürlich mehr Personalstellen dafür vorzusehen. Gute Bezahlung in sozialen Berufen ist ja eh das, was grundlegend fehlt.
      Die auf einem Buch basierende Serie “13 Reasons Why” behandelt in vielen Punkten ziemlich gut, mit welchen Problemen Schüler*innen zu kämpfen haben und wie viel mehr in bessere Schulsysteme und psychologische Hilfen vor Ort investiert werden müsste. Sie verweist außerdem in jeder Folge auf Hilfenotrufe und ist ein tolles Beispiel dafür, wie Medien für Jugendliche auf eine sensible, gute Weise gestaltet werden können.
      Mich würden für weitere Folgen die Themen Medienkonsum und Umgang mit Alltagsrassismus interessieren. Ebenso wie die anderen Kommentierenden auch der 20.09. !
      Viele Grüße

  153. Das Prinzip der Schulsozialarbeit klingt zwar sehr gut, ist aber leider nicht so weit verbreitet. Ich an meiner Schule hatte noch nie eine(n) Sozialarbeiter(in). Dennoch sollte man es aufrecht erhalten und lieber weiter verbreiten.

  154. Lieber Herr Banse und Herr Buermeyer,

    vielen Dank für eure wöchentliche Arbeit!
    Könntet ihr etwas über die Proteste in Russland (v.a. über die Stadtratswahl) berichten? Ich habe das Gefühl, dass es aufkeimende demokratische Bewegungen gibt, die mögliche nationale Auswirkungen haben können.

    Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.