LdN152 IPCC-Bericht, Mobilität, Hongkong (Interview Katharin Tai), Dayton und El Paso

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Begrüßung

IPCC-Bericht

Mobilität

Hongkong (Interview Katharin Tai)

Dayton und El Paso

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Bildnachweise

Hausmitteilung

136 Kommentare

  1. Hi,
    Sehr schöne Folge mit vielen nützlichen Anregungen zum Umweltschutz. Aber ich bin doch sehr verwundert, dass das Thema Fahrradfahren so kurz kommt. Dabei wird dauernd über Carsharing und ÖPNV geredet, die letztlich auf die ein oder andere Weise Schadstoffe ausstoßen, wo doch das Fahrrad die naheliegenste Lösung ist um emissionsfrei durch den Verkehr zu kommen. In vielen Städten sind aber diese Möglichkeiten viel zu schlecht ausgebaut und dennoch kommen Fahrradfahrer oft viel schneller durch den Stadtverkehr (wenn auch gefährlicher, wegen fehlender Infrastruktur und rücksichtslosen Autofahrern). Blicken wir doch nur einmal nach Dänemark oder die Niederlande, dort gibt es keine Diskussion über Grenzwerte in den Innenstädten.
    Gleichzeitig wurde bisher großteils außer Acht gelassen, dass ein sehr ausschlaggebender Grund den ÖPNV nicht zu nutzen ein psychologischer ist. Menschen möchten von Natur aus nicht mit einer Horde Fremden eingepfercht in einem Waggon oder einem Bus den Weg zur Arbeit oder sonst wo zurücklegen. Deshalb bleiben viele beim Auto.
    Auch aus diesem Grund muss das Fahrrad viel ernsthafter als Ersatz für alle Kurzstrecken diskutiert werden und in den Köpfen der Politik ankommen!

  2. Hallo,

    hier meine Einschätzungen zu der Car-Sharing Studie der Unternehmensberatung “ATKearny” und eurem Bericht darüber:

    Wir ihr richtig sagt, betrachtet die Studie ausschließlich das sogenannte “free-floating” Car-Sharing. Dazu sagt die Studie aus, dass dieses keine nennenswerte Reduzierung der privaten PKW-Flotten in den betrachteten Städten bewirkt. Das ist richtig. Allerdings ist dies keine neue Erkenntnis. Eine Studie des Bundesverband Car-Sharing hat dies bereits 2018 nachgewiesen. In dieser Studie wurden die verschiedenen Systeme (“free-floating”, stationsbasiert, eine Kombination aus beidem) miteinander verglichen bzw. per Umfragen der Benutzer aller Systeme die verschiedenen Entlastungswirkungen ermittelt. Hier ergab sich, dass die Reduzierung der privaten PKWs bei den reinen free-floating Benutzern bei lediglich 5% liegt, bei den Benutzern reiner stationsbasierter Car-Sharing Anbieter jedoch um 65% (!). 65 Prozent der Benutzer von stationsbasiertem Car-Sharing haben demnach ihr Pkw veräußert, nachdem sie sich bei dem jeweiligen Anbieter angemeldet haben.
    Ich finde es deshalb schade, dass diese aktuelle Studie einer Unternehmensberatung ein solches Medienecho nach sich zieht, wobei vielfach auch unreflektiert Überschriften wie “Car-Sharing doch nicht umweltentlastend” oder ähnliches benutzt wird. Dies scheint mir generell bei der aktuellen Debatte um die Themen Verkehr und Mobilität der Fall zu sein. Die vorliegende Studie scheint mir außerdem die rein betriebswirtschaftlichen Gewinnmöglichkeiten von Car-Sharing Unternehmen in den Vordergrund zu stellen. Es heißt dort ja, dass es schwer ist, ein solches lukrativ zu gestalten. Das mag sein. Aus meiner beruflichen Erfahrung bei einer “kleinen Großstadt” (Einwohner zwischen 100.000 und 500.000) kann ein stationsbasiertes Car-Sharing durchaus wirtschaftlich betrieben werden (große Gewinnmargen sind aber wahrscheinlich nicht drin, was allerdings für die verkehrsentlastende Wirkung irrelevant ist ;) ).

    Viele Grüße

  3. Die Diskussion, ob man jetzt Carsharing billiger oder teurer machen muss, um den ÖPNV attraktiver zu machen, finde ich absurd. Da versucht man, mehr vom Gleichen zu machen, um genau diese Sache zu reduzieren. Man muss den ÖPNV attraktiver machen, damit er attraktiver wird! Er muss billiger werden oder gleich kostenlos. Städte wie Melbourne haben es vorgemacht, das muss man nur nachmachen. In Berlin hat man überall (außer im tiefsten Grunewald oder Tegeler Forst vielleicht) maximal 15 Minuten Fußweg bis zur nächsten BVG-Haltestelle. Busse und Bahnen fahren tagsüber alle paar Minuten, nachts alle halbe Stunde. Davon kann man in vielen Gegenden Deutschlands nur träumen. Wenn die Stationen, Züge und Fahrzeuge nicht immer so dreckig wären und es nicht so viele Überfälle, Gewalt und Belästigungen gäbe, würden sicher auch in Berlin mehr Leute BVG fahren.

    Die Einführung der kostenlosen Schülertickets in Berlin wird hoffentlich dazu führen, dass mehr Kinder BVG fahren und weniger Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, zu Freunden oder zum Sport bringen, sodass der Stadtverkehr abnehmen wird und somit auch das Radfahren und das Zufußgehen ungefährlicher werden.
    Wenn man jetzt an den Endstationen von U+S-Bahn, also in den Außenbezirken, noch günstige Carsharing oder Fahrradstationen hätte, könnte man auch dort öfter aufs Auto verzichten.

  4. Liebes Lage-Team,

    Was sich da bezüglich einer europaweiten Vorratsdatenspeicherung zusammenbraut kling höchst erschreckend, siehe z.B. hier:

    Klingeltöne und WhatsApp: EU-Staaten für maximale Vorratsdatenspeicherung | heise online
    https://heise.de/-4498291

    Wieso wird so wenig darüber geredet?

    Wie kann das noch gestoppt werden?

  5. Liebes Lage-Team,
    auch bin großer Fan und möchte hier mal einen Themenvorschlag machen. Ich finde es wird viel zu wenig über die Situation im Jemen berichtet. Dort herrscht die aktuell größte humanitäre Krise: 86 Prozent der Bevölkerung sind auf Hilfe angewiesen. Jüngst gab es wieder Angriffe in Aden, die Beschränkung des Luftraums verhindert seit Jahren Krankentransporte ins Ausland, der Zugang für humanitäre Helfer und Journalisten ist sehr schwierig, bald endet der Rüstungsexportstopp – nur um einige Stichwörter zu nennen. Vielleicht sind ja noch andere Hörer an der aktuellen Situation vor Ort interessiert?

  6. Liebe Lage,

    Ich würde gerne Feedback geben zur aktuellen Folge bezogen auf das Thema
    Carsharing/neue Mobilität. Die erwähnte Studie wird in Fachkreisen hoch
    kritisch diskutiert, vor allem wegen der einseitigen Betrachtung des
    Free-Floating Carsharings. Siehe dazu auch die Stellungnahme des
    Bundesverbandes
    CS: https://www.carsharing.de/presse/pressemitteilungen/stellungnahme-zu-the-demystification-of-car-sharing-at-kearney

    Ich denke es ist wichtig, diese Einordnung vorzunehmen, wird doch
    aktuell sehr viel Halbwissen über Mobilität in allerlei Zeitschriften
    und Zeitungen diskutiert. Zu schnell ordnet sonst ein Hörer ein, dass
    Carsharing nicht in der Lage wäre, den privaten PKW abzuschaffen. Ich
    stimme euch zu, dass push Faktoren wie reduzierter Parkraum wichtig
    sind, die Attraktivität und Einfachheit des privaten PKWs zu reduzieren.
    Ich plädiere jedoch dafür, nicht jedes Fortbewegungsmittel singulär zu
    betrachten und zu diskutieren ob das eine das andere abschaffen kann.
    Diese Diskussion wird ja aktuell auch fälschlicherweise bei e-Scootern
    geführt. Natürlich ersetzt ein e-Scooter keinen PKW. Was er jedoch in
    der Lage ist, ist für intermodale Strecken mit der Bahn eine
    attraktivere Kombination darzustellen. Durch eine andere Art des
    Vehikels entsteht eine andere Art, sich fortzubewegen. Andere Wege und
    mehr Spaß. Das darf man meiner Meinung nach nicht vergessen. Es stimmt,
    dass eine Kannibalisierung des zu Fuß Gehens fatal ist – hier sind noch
    schlaue Lösungen erforderlich, vermutlich wird sich das aus rein
    ökonomischer Perspektive erledigen wenn die aktuellen Poweruser die
    Rechnung aufstellen.
    Weiterhin halte ich die Diskussion darüber, dass die e-Scooter nicht
    lange halten, etc. für paradox. Durch die deutsche Verordnung wurde eine
    neue Produktgeneration entwickelt, welche erstmal richtig
    sharingoptimiert ist. Die Anbieter haben nun bereits nach kurzer Zeit
    Modelle in Aussicht, welche tauschbare Akkus haben und so den
    betrieblichen Aufwand deutlich reduzieren. Solch ein kurzer
    Entwicklungszyklus ist sehr untypisch für sonstige Verkehrsmittel und
    zeigt, wie schnell diese Branche sich entwickelt. Aus diesem Grund
    verstehe ich nicht, wieso alle auf e-Scooter schimpfen aber keiner
    berücksichtigt, dass PKWs nach Jahrzehnten immer noch gesundheitlich
    gefährlich sind. Haben zur Einführung des Volkswagens Menschen „die
    Dinger müssen weg!“ skandiert? Jede Technologie braucht Zeit und aktuell
    sind wir noch in der Probierphase der Akzeptanz – nicht in der
    technologischen Reifephase.

    Und zuletzt: Wer sagt eigentlich, dass ÖPNV nur aus Bus und Bahn bestehen darf?

    Hier mein O-Ton dazu
    dazu: https://soundcloud.com/shedrivesmobility/she-drives-mobility-11

    Zu meiner Einordnung. Ich beschäftige mich als Innovationsmanager und Berater mit neuer, multimodaler Mobilität und entwickle Konzepte, wie diese in Zukunft für den Nutzer aussehen muss.
    Multimodalität erfordert Offenheit im Kopf, damit die Verkehrswende passieren kann. Wir brauchen keine schlauen Studien, die vorschnell urteilen sondern Experimentierfreude,
    welche die nötige Verantwortung für Umwelt und Lebensqualität berücksichtigt.

    Danke für euren Podcast und weiterhin viel Freude damit!

  7. Hallo liebes Lage-Team,

    eine kurze Frage betreffend Klimaschutz: gibt es eigentlich Überlegungen oder Studien oder Bemühungen dazu, den Pendlerverkehr möglichst zu reduzieren?
    Es wird immer darüber geredet, welche Verkehrsmittel die besten sind und Stadt- gegen Landleben verglichen. Was ist eigentlich mit einem generellen Recht auf Home-Office, oder sagen wir sogar eine Pflicht dazu, soweit das für die Arbeitenden möglich sein sollte.
    Ich könnte mir vorstellen, dass das, nüchtern betrachtet, eigentlich nicht weiter schwer sein sollte, solange allerdings Austausch über E-Mail und Telefon möglich sein sollte (Stichwort: Internet in Deutschland), und außerdem müsste sicher überdacht werden, wie man umgehen könnte, dass alles Mögliche ausgedruckt werden muss, weil ja alles Mögliche unterschrieben wird (was ja heute auch sehr viel fälschungsanfälliger sein dürfte als ein einfaches Häkchen, das von einem gut gesicherten PC-Account gesetzt wird).
    Das papierlose Büro wäre also die Voraussetzung. An wem hängt da die Umsetzung?
    Und könnte man nicht sehr viel CO2 dadurch einsparen, alleine weil man viel zu Hause bleibt?

  8. Hallo,

    kurze Anmerkung zum Thema Car Sharing: In Kombination mit autonomen Fahren wird sich das volle Potential entfalten und nicht nur in Berlin profitabel sein.

  9. 15. August 2019 um 8:07 Uhr
    Patrick Müller

    Hallo liebes Lage-Team,

    ich bin ein großer Freund Eures Podcasts und hätte eine Themenanregung für die neue Folge.

    Ich hatte gestern diese Artikel gelesen und war etwas verwirrt. Mir ist nicht ganz klar, warum Die „Abschiebung“ bereits grundsätzlich rechtswidrig sein soll?… ich dachte, die DublinVO sieht gerade vor, dass grundsätzlich das Land zuständig ist, in dem der Asylantrag erstmalig gestellt wurde. Über die Sinnhaftigkeit der DublinVO und der generellen Ausgestaltung des Asylrechts zwischen den Mitgliedstaaten muss man sowieso nachdenken. Auch die spezielle Situation in Griechenland ist zu berücksichtigen. Aber warum im konkreten Fall der Afghane nach Deutschland geholt werden muss, um dann auf die Hauptsacheentscheidung zu warten, die dann im Ergebnis feststellen müsste, dass Griechenland für das Verfahren zuständig ist, leuchtet mir nicht so recht ein. Was das Gericht grundsätzlich an dem Verwaltungsabkommen kritisiert würde mich sehr interessieren. Gilt die Kritik nur dem DEU-GRE-Abkommen oder generell den Verwaltungsabkommen?

    Ihr arbeitet die Themen immer sehr analytisch auf. Vllt könnt ihr dieses Thema mit auf die Agenda nehmen. Fände ich sehr toll.

    Danke und beste Grüße
    Patrick
    https://www.tagesschau.de/inland/urteil-abschiebung-fluechtling-101.html

  10. Hallo Lage-Team,

    ich höre seit einer Weile euren Podcast und bin jedes Mal begeistert von eurer Themenauswahl und der sachlichen Herangehensweise und Analyse. Aus diesem Grund fand ich es auch sehr schade wie ihr in der letzten Folge kurz über das Thema Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion im Rahmen des IPCC-Berichts diskutiert habt. Ich selber bin Agrarökonomin und promoviere gerade an der Universität Göttingen. Vielleicht ist des deswegen auch eine Art Berufskrankheit bei diesem Thema noch genauer hinzuhören.

    Ich stimme absolut zu, dass wir eine dringend eine Agrarreform benötigen, weltweit oder wenigstens europaweit. Allerdings kann ich nicht zustimmen, dass es auschlieslich nur noch Biobauern geben sollte. Es gibt wissenschafltliche Studien dazu, dass organic farming nicht das Allheilmittel ist. Das hängt zusammen, mit den doch immer noch sehr viel geringeren Erträgen bei gleichzeitig größerem Landverbrauch. Außerdem gibt es wissenschaftliche Studien, dass konventionelle Betriebe oftmals mehr zum Umweltschutz beitragen als Ökobetrieben (nicht alle und nicht überall natürlich).
    Auch in der ökologischen Landwirtschaft werden Dünger und Pesitzide/Herbizide eingesetzt. Nur eben keine chemischen. Dennoch sind die Probleme hier nicht geringer, insbesondere die im Podcast erwähnten Nitratauswaschungen durch den Einsatz von Gülle betreffen auch den Ökolandbau massiv. Der Einsatz von Kupfer stößt in einigen Produktionen in Deutschland mittlerweile auch an seine Grenzen. Da der Pestdruck durch den Klimawandel wohl eher noch verstärkt wird, steht dieser Sektor genauso wie die konventionelle Produktion vor großen Herausforderungen.

    Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin absolut kein Gegner des Ökolandbaus. Aber der alleine wird gar nichts bewirken, im Gegenteil. Das Produktionssystem muss sich an den Standort anpassen und Nachhaltigkeit sollte das Ziel sein. Und nein, nachhaltig und ökologisch sind nicht das gleiche.
    Was ihr vielleicht in diesem Zuge mal besprechen könnt, wäre die Reform der GAP, die momentan wieder ansteht. Meine Kollegen haben dieses Jahr eine Studie über die Umweltfreundlichkeit der GAP vorgestellt, die auch gerade erst im Science Journal (Science, 2. August 2019: Pe’er et al, A greener path for the EU Common Agricultural Policy) veröffentlicht wurde. Viele Agrarökonomen drängen seit Jahren auf eine Neuausrichtung der GAP.

    Ein letzter Punkt noch… Im Rahmen der Ergebnisse des IPCC-Berichts, sollten wir vielleicht endlich mal anfangen sachlich(!) über GMOs und genetic engineering zu reden. Ohne das wird es nicht gehen. Europa vertut da eine große Chance dem Klimawandel zu begegnen und macht es gleichzeitig den Bauern in den noch stärker vom Klimawandel betroffenen Ländern noch schwerer. Das wäre doch ein spannendes Thema für euch.

    Sorry, das es so viel Text geworden ist. Macht weiter so.

    • Ich hatte in einer Reportage gesehen, dass man einfach nur aufhören müsste die Felder dauernd zu pflügen. Der Ertrag würde in geringem Maß steigen und der Boden würde mehr CO2 aufnehmen. Die Reportage spielte in Amerika. Stimmt das wäre es ein Gewinn auf allen Ebenen. Weniger Arbeit für den Bauern, mehr Ertrag und mehr CO2 aus der Atmosphäre.
      Sollte man meiner Meinung nach mehr testen und wenn es stimmt flächendeckend umsetzen egal ob Öko oder konventionell

      • Man müsste aufhören, die Felder mit schweren Maschinen zu bearbeiten, die den Boden durch ihr Gewicht zusammenpressen. Dadurch können die Pflanzen nicht tiefer als die Pflugtiefe wurzeln. Pflügen ansich ist kein Problem, und fördert eher die Einlagerung von CO2 im Boden.

  11. Habt ihr euch bei Minute 13 zum Thema Fleisch nicht vertan? Ist der Verbrauch von CO2 bei Fleisch nicht höher als bei Gemüse? Also ca. 13 Kg bei Gemüse und ca. 138 Kg bei Fleisch und nicht umgekehrt?

  12. Zu E-Scootern: Meiner Meinung nach können E-Scooter das Auto nicht ersetzen, weil dafür viel zu langsam sind. In München z.B. kann man außerhalb des Berufsverkehrs mit 60 km/h (abschnittsweise sogar ohne Ampeln) über den mittleren Ring fahren. Bei den maximal 20 km/h braucht man also allein damit schon mindestens drei mal so lang für die selbe Strecke. Es kommt aber noch dazu, dass man damit natürlich nicht über den Ring fahren darf, also an diversen Ampeln halten muss, sodass man realistisch eher 4-5 mal so lang brauchen wird.
    Zugegebenermaßen ist das jetzt schon ein sehr konstruierter Vergleich. Auf den meisten Strecken kommt man mit dem Auto auch nicht so gut voran. Aber dennoch sehe ich die Scooter höchstens für kurze Strecken bis max. 5km als legitimes Verkehrsmittel an – allein wegen der sehr niedrigen Geschwindigkeitsbegrenzung. 25km/h wären schon sinnvoller. Wirklich interessant wäre es ab 30 km/h.

  13. Wie ihr von einem Mörder aus Eritrea auf Nazis kommt, ist reiner Populismus.

    Natürlich muss man fragen was der hier macht. Es gibt keinen Grund aus Eritrea Asyl zu beantragen. Selbst wenn gäbe es direkte Nachbarländer wo sie hingehen können.

    Tatsächlich wollen die aber nur den Wohlstand Europas, speziell Deutschlands für sich haben. Die falschen Vorstellungen gehen dabei wahrscheinlich soweit, daß die glauben hier liegt das Geld auf der Straße. Deutschland ist, will und kann nicht die Wohlfahrt der Welt sein. Das Land ist vergleichsweise klein und nicht unendlich reich.

    Zur Forderung mehr Polizei: Brauchen wir. Nicht nur auf Bahnhöfen, sondern überall. Die Polizei kommt ihrer Pflicht nicht mehr ausreichend nach. Die Justiz auch nicht. Wenn das so weitergeht werden sich irgendwann Bürgerwehren bilden, die selbst für Ordnung sorgen. Das wäre gefährlich für die Demokratie. Auch sind unseren Polizisten die Flügel gestutzt. Die Polizei müsste aufhören kriminelle mit Samthandschuhen anzufassen. Thema Verrohung: Wer meint ein Polizisten angreifen zu müssen muß damit rechnen, daß er erschossen wird.

    Zur Psychologie: Die kann viel weniger ausrichten als ihr angedichtet wird. Es wird so getan als könnten Charaktäre geändert werden. Das klappt aber nur im Film.

    Rechtlich wird die Lage auch falsch beurteilt. Bloß weil einer verrückt ist oder in anderen Fällen stark betrunken, kann man ihn nicht aus der Verantwortung für seine Taten entlassen. Da versagt die Rechtsprechung. Wenn jemand normales genau die gleiche Begründung sagt, er hatte Angst um sein Leben und hat dann in Panik versucht mehrere Leute vor einen Zug zu stoßen, wird er wohl kaum freigesprochen.

    Auch so ein Quatsch ist der Unterschied zwischen Mord und Tötung. Tot ist der andere in beiden fällen und sollte auch gleich bestraft werden.

    Nächstes Problem: Strafe lebenslänglich. Heißt bei uns nur so. Gibt es nicht. Lebenslänglich heißt für mich: Derjenige bleibt im Gefängnis bis er stirbt. Bei uns werden verschiedene Strafen aber nicht mal addiert. Für mehrere Morde müsste bei unserer Definition von lebenslänglich zumindest mehrmals lebenslänglich ausgesprochen werden.

    Ich halte unser Land für verweichlicht und das wir schlau sind, kann man heute auch nicht mehr sagen.

  14. Hallo liebes Lage-Team,

    zuerst einmal Danke für eure tolle Arbeit, ich fiebere jede Woche schon der neuen Folge mit Vorfreude entgegen.

    Wie ihr bin ich großer Anhänger einer CO2-Abgabe. Philips Frage “Doppeln wir uns mit einer CO2-Steuer?” hat meiner Ansicht nach den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn ganz entgegen Ulfs Meinung wäre das meines Verständnisses nach schlimm, da es einer CO2 Abgabe ihre Eleganz nimmt.

    Durch eine Abgabe werden Produkte nach ihrer Emissions-Schädlichkeit preislich neu geordnet. Der Witz an der Sache ist, dass als erstes solche Produkte wegfallen, bei denen für wenig Mehraufwand (Zusatzkosten) viel CO2 gespart werden kann (Kosteneinsparung). Produkte mit emissionsarmen erschwinglichen Alternativen fallen also eher weg, als solche, wo es z. B. schlicht keine Alternative gibt und die unbedingt notwendig sind. Das heißt, eine CO2-Abgabe ist deshalb so toll, weil durch den Markt automatisch zuerst die effizientesten Maßnahmen ergriffen werden.

    Fangen wir an künstliche Zusatzmaßnahmen, wie die genannte Fleisch-Umsatzsteuer, hinzuzufügen, verliert die CO2-Abgabe diese Wirkung. Es würde beispielsweise zuerst beim Fleisch gespart werden, weil dieses überproportional teuer ist, anstatt an einer anderen Stelle. Dabei könnte es aber sein, dass eine Vermeidung dieser anderen Handlung mit viel weniger Aufwand viel mehr Emissionen verhindert hätte.

    Denn eigentliches Problem ist nicht das Fleisch, sondern CO2. Dem Klima ist egal wo gespart wird.

    Deshalb aus meiner Sicht: “Ja, so eine Dopplung ist schlimm.”

  15. 5,57 Euro sind ein “erheblicher Preisanstieg” gegenüber 5 Euro? Seufz! Ich denke an die Zeiten zurück, als die Grünen mutig 5 Mark pro Liter Benzin gefordert haben und damit eine wichtige Diskussion auslösten. Heute lassen auch sie sich von den Lobbys ausbremsen.

    Ihr könntet auch mal über die Sache mit der Windkraft berichten, die von den Bürgern selber ausgebremst wird – auch bei uns Normalmenschen bewegt sich im Umdenken nämlich nichts wirklich – man kauft sich ein E-Fahrrad und hält sich für den Umweltschützer, woher der Strom kommt, ist aber wurscht: https://www.deutschlandfunk.de/energiewende-der-schwierige-weg-zu-neuen-windraedern.724.de.html?dram:article_id=455824

  16. Car-Sharing hat doch nicht als Ziel Autos in der Stadt zu verdrängen oder gar private PKWs abzuschaffen.
    Es ist nur ein weiterer Absatzmarkt für die Autohersteller. So kann man überprodozierte Fahrzeug sowie Fahrzeuge in den Markt drücken die zu meist erst als Jahreswagen den Weg zum privaten Konsumenten vor die Haustür finden.

    Autohersteller können einige Milleniums auch nur so ihre Marke näher bringen in der Hoffnung das sie zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sie doch wieder auf dem Land leben mit der Familie und wegen der besseren Luft, doch ein Auto von Ihnen zu kaufen.

    CarSharing kann nur funktionieren wenn man es reguliert und klar Vorgaben macht wie z.B. viel größeres Geschäftsgebiet. Wird sich nicht rechnen und kein Hersteller machen.

    Helfen tut nur Ausbau ÖPNV. Bevor da nicht richtig investiert wird, Takte verkürzt, Straßenbahn im Westen von Berlin ausbauen – dreht sich alles nur im Kreis.
    Wenn man dann schon Held in die Hand nimmt dann leisere Busse und digitale Angebote die alle ÖPNV-Anbieter und deren Informationen bündelt und sinnvolle und hilfsreiche Informationen zur Verfügung stellt damit ich über etwaige Einschränkungen immer informiert bin.

  17. Thema Fahrrad- und Fußgängerwege ausbauen: Ich bin völlig bei euch – die sollten ausgebaut werden. Umso wütender macht es mich, dass in unserer süddeutschen Kleinstadt (40.000 Einwohner) einfach ca. 70cm breite rote Streifen mit Fahrradsymbol drauf an die Straßenränder gemalt wurden. Weiß nicht, was das Fahrradfahrern bringen soll. Aber gut, dass der Bund dann sagen kann, dass in der vergangenen Legislaturperiode xMillionen € für Radwege ausgegeben wurden. Unfassbar.

  18. Hallo!
    Ich höre die Lage jetzt schon seit einer Weile immer während ich zur Arbeit radeln. Ich mag den Podcast sehr gern und finde es schön, wie kritisch und differenziert ihr in den meisten Dingen argumentiert. Macht bitte weiter <3

    So nun zur aktuellen Folge, da habe ich zwei Anmerkungen:

    1. Thema Fleisch. Es lässt mein Veganerin-Herz zwar höher schlagen, wenn ihr dazu auffordert, weniger Fleisch zu konsumieren….Aber ich finde, dass das Tierleid bei euch viel zu wenig Platz eingenommen hat. Bitte macht darüber doch nochmal einen extra Beitrag. Es wurde nur so kurz angerissen und ist dabei doch das größte Verbrechen unserer Zeit. Die Rechtslage hier ist eine Katastrophe. Küken dürfen beispielsweise bis zu 24 Stunden, zusammengepfercht in Kartons, transportiert werden..männliche werden meistens geschreddert…Kuhmüttern werden ihre Babys entrissen etc. etc. Das wissen die meisten sicherlich, daher frage ich mich, wie man überhaupt noch guten Gewissens tierische Erzeugnisse konsumieren kann? Und wie unser Staat so etwas verantworten kann? Unser Tierschutzgesetz ist ein Armutszeugnis par excellence. Und es ist nicht nur Fleischverzicht…Das würde das Problem nicht lösen, wenn dann alle ihren Milch-, Ei- und wasweißichnichtalles-Konsum erhöhen würden. Dafür müssen auch Tiere "produziert" werden. Ich bin jetzt mal zynisch und sage, wenn wir jetzt nicht etwas im Bewusstsein von uns selbst ändern, dann ist es bald ohnehin egal, weil es in ein paar Jahren niemanden mehr geben wird. Konsumreduktion for future!
    Und das ist sogar billiger als alles andere.

    2.Ich musste etwas lachen, weil ihr sagtet, es gehört sich für Journalisten nicht, für Unternehmen zu arbeiten (stimme absolut zu!!!) und direkt im Anschluss Werbung für die Apotheken-Umschau erfolge. Ist das nicht paradox? Ich hatte mich schon so auf eine Folge zur Kritik an der Pharmaindustrie gefreut, aber da kann ich jetzt wohl lange warten… :-(

    Um mit was positiven abzuschließen: Ich freue mich jedesmal schon auf die neue Folge und liebe den Mix aus Journalismus und juristischem Fachwissen :)

    • Also Eier sehe ich nicht unbedingt als das große Problem an. Die Hühner legen die eh meist unbefruchtet.
      Da sollte man sich also mehr an die Haltungsbedingungen halten als Totalverzicht.

  19. Liebes Lage-Team,
    mir liegt das Thema Carsharing sehr am Herzen daher möchte ich noch einen anderen Blick drauf werfen. Genauer gesagt werde ich jetzt den Begriff ‘Auto-Teilen’ verwenden um keine Verwechslungen aufkommen zu lassen. Euch schon mal danke, dass ihr kurz darauf hingewiesen habt, dass sich euer Beitrag und auch der Artikel der SZ auf ‘Free-Floating-Carsharing’ beschränken. Mein (platt formulierte) Hypothese, die ich gleich zu untermauern gedenke: ‘Free-Floating’ ist schlecht, Sationsgebunden gut. Ich setzte mal bei euren Preisüberlegungen an. Ich finde: ‘Schädliche’ Usecases müssen teurer / unbequemer, ‘nützliche’ Usecases müssen billiger / bequemer werden. Free-Floating ins nur bei ‘schädlich’ im Bereich ‘günstig’. D.h. für alle von euch besprochenen Fahrten sind sharenow und co. bequem. Ich selbst habe kein Auto und wieso kann ich darauf verzichten? Weil ich für wichtige Fahrten auf Stationsgebundenes Carsharing (Stattauto München, und etwas anders Oply) zurückgreifen kann. D.h. ich kann damit in den Urlaub fahren. Ein anderer Mitfahrer darf auch ans Steuer. Ich kann mir ein Auto reservieren und das ist dann sicher da. Bei Stattauto: ich habe einen reservierten Parkplatz. Ich darf ins Ausland fahren. Ich bekomme genau das Auto, das ich gebucht habe. Übrigens ist München keine Kleinstadt, darauf sollte man das stationengebundene Modell nicht beschränken. Im Gegensatz dazu: Freefloating: das kann ich nur spontan nehmen, ich kann mich nicht darauf verlassen. Daher ersetzt es nur anders auch zu erledigende Fahrten. Wer einmal mit sharenow für 4 Stunden bei IKEA war, traut bei der Rechnung seinen Augen nicht. Das Auto zu parken (und gebucht zu lassen) ist viel zu teuer. Eine Fahrt rechnet sich eigentlich nur, wenn ich eigentlich nur fahre, nicht parke. Da ersetzt man dann natürlich nur Fahrten, die man sonst anders gemacht hätte. Free-Floating hat aber leider den Begriff ‘Carsharing’ fast verbrannt. Wenn man es richtig macht, funktioniert das – für mich und andere Münchner. Tatsächlich waren Leute aus anderen Städten schon neidisch auf das Angebot. Und es zieht sich bis in die Vorort, es kommt mit verschieden dicht besiedelten Räumen aus.

    Danke fürs Lesen und die Arbeit!

    • Hallo Susanne,

      ich habe beim Hören des Podcasts etwas sehr ähnliches gedacht und freue mich sehr, es hier als Kommentar zu lesen.

      Ich selbst komme aus Bremen und bin ein großer Fan von dem stationsgebundenen Carsharing. Dieses hat uns die Entscheidung sehr vereinfacht, das Auto abzugeben. Für die Wege im Alltag (zur Arbeit, zum Sport, zu Freunden, einkaufen,…) kommen wir mit dem Rad super klar, zusätzlich gibt es einen einigermaßen guten ÖPNV. Allerdings ist ein Auto eben auch mal praktisch, wenn es etwas sperriges zu transportieren gibt oder mal eine Strecke aufs Land ansteht, wofür das Rad und der ÖPNV nicht unbedingt immer gut geeignet sind. Das sind aber zumindest bei uns Sonderfälle. Und auf die Idee, bei Regen mal eben schnell ein Auto für den Weg zur Arbeit zu nehmen (wie das bei Freefloating sein könnte) komme ich erst gar nicht, da ich das Auto dann erst nach Feierabend an der Station zurückgeben könnte – was mir viel zu teuer ist. So nehme ich auch bei Regen das Rad und das Carsharingauto nur sehr selten. Ich habe auch gelesen, dass in Bremen ein Auto im stationsgebundenen Carsharing 16 Privatautos ersetzt – und das finde ich schon respektabel.

      Somit finde ich es auch sehr wichtig, das stationsgebundene Carsharing und das Freefloating in einer Diskussion getrennt zu betrachten.

      In dem im Podcast verlinkten Heise-Artikel steht, dass die Carsharing-Anbieter einen hohen Kostendruck haben. Ggf. hängt dies auch damit zusammen, dass der Besitz und Betrieb eines eigenen Autos möglicherweise zu günstig ist und die Gesamtkosten auf die Allgemeinheit umgelegt werden. Wäre das Besitzen teurer, wäre das Teilen ökonomischer.

      Natürlich kann (stationsgebundenes) Carsharing nicht DIE Lösung für ALLE sein. Aber den Anspruch sollte man in meinen Augen auch nicht an eine Maßnahme haben. Stationsgebundenes Carsharing ist in meinen Augen EINE sehr gute Sache, die aber nur im Zusammenspiel mit einer Vielzahl anderer Handlungen (Ausbau und Vergünstigung des ÖPNV, Förderung des Radverkehrs, CO2-Steuer, Reduktion der Parkplätze in der Stadt, Verteuerung des Individualverkehrs, …) zum Gelingen der Mobilitätswende beitragen kann.

  20. Keine inhaltliche Anmerkung zu Eurer sympathischen Sendung, aber eine ehrliche Frage: Bei YouTube wirkt es sich in der Regel für den Kanal nachteilig aus, wenn man die Werbung nach ein paar Sekunden überspringt. Wie ist das bei Euch? Lässt sich auslesen, wo im Podcast-Player “vorgespult” wird? Wäre ja auch jenseits der Werbung als indirektes Feedback interessant …

    • Hi, wir bekommen da keine Auswertung von den Podcast Playern, da gibt es schlicht bisher keinen Rückkanal zu den Podcastern (die App-Herstellen wissen sicher so einiges).

      Spotify ist eine gewisse Ausnahme, da wissen wir, dass 90 Prozent und mehr derjenigen, die eine Episode anfangen, sie auch zu Ende hören, und dass es keinen erkennbaren “Dip” nach ein, zwei Minuten gibt, sondern ein kontinuierliches, aber eben nur sehr leichtes Abbröckeln im Laufe einer Folge.

  21. Ich wohne im Umland einer großen Metropole. Anfang des Jahres habe ich beim hiesigen stationsbasierten CarSharing-Anbieter angefragt, ob meine Gemeinde angeschlossen werden kann. Sie konnte, unter der Voraussetzung, dass die Gemeinde einen Parkplatz zur Verfügung stellen und die Führerscheinprüfung durchführen kann. Daraufhin habe ich meinen PKW abgeschafft und erledige alle privaten und geschäftlichen Fahrten mit einem dieser PKW. Das sind nicht viele, aber diese wenigen Fahrten sind unvermeidlich. 95 Prozent meiner Mobilität erfolgt mit dem ÖPNV.
    Vor Ort gibt es einige Bürger, die das Angebot ebenfalls nutzen und nun ebenfalls überlegen, ihren PKW abzuschaffen. Ich habe keinen Zweifel, dass stationsbasiertes Carsharing in unserer Regionen attraktiv und zukunftsfähig ist.

  22. Liebes Lage-Team,

    vielen Dank für eine weitere hoch informative Sendung.
    Das Thema Landwirtschaft und Ernährung aus einem anderen Blickwinkel: Was ist, wenn wir jedem Menschen den gleichen Fleischkonsum wie einem Bundesbürger zugestehen? Deutschland importiert Millionen Futtermittel pro Jahr und exportiert Millionen Tonnen Gülle jedes Jahr. Wenn das alle Nationen so machen, haben wir mindestens ein Problem. Die Menge an landwirtschaftlich nutzbarem Boden ist begrenzt. Die Abholzung von Regenwäldern für die Futtermittelproduktion ist nicht ohne weiteres umkehrbar, mit Gülle zerstörte Humusschichten sind auch nicht morgen wieder regeneriert.
    Der Fleischkonsum mag zur kulturellen Identität gehören oder in Schwellenländern gerade jetzt hinzukommen. Zu kulturellen Identität gehören aber auch Familien mit Kindern. Letzteren gilt es, eine einigermaßen bewohnbare Erde zu hinterlassen. Offenkundig haben wir zuletzt über unsere Verhältnisse gelebt. Es sind Korrekturen notwendig. Das diese ohne Einschnitte wirksam sein können, gehört ins Reich der Illusion. Wenn wir uns als Gesellschaft darüber verständigen, dass das eine oder das andere eben zugunsten unserer Kinder und Enkel notwendig ist, wird es uns leichter fallen, alle auf dem Weg mitzunehmen. Nur viel Zeit haben wir nicht mehr, zuviel Zeit haben wir wider besseren Wissens ungenutzt verstreichen lassen. Das gilt gewiss nicht nur für den Bereich Landwirtschaft und Ernährung, sondern auch für Verkehrssysteme, Gebäude, Städtebau und so weiter und so weiter.
    Ein Letztes: Es ist gegenwärtig nicht ausschließen, dass andere weniger demokratisch organisierte Gesellschaften diesen Weg schneller und wirksamer beschreiten. Dies ist gegebenenfalls weniger dem Umweltschutz als dem Machterhalt geschuldet. Nur: Dabei können Technologien und Produkte entstehen, denen Europa dann nichts mehr entgegen zu setzen hat. Man sollte also vorsichtig dem Arbeitsplätzeargument umgehen.

    Viele Grüße

  23. Liebes Lageteam,

    Auch wenn Bio gerade bei Fleisch gerade für die Gesundheit etc. natürlich besser ist, ist beim Klimaschutz leider genau das Gegenteil der Fall. s. zB dieser Artikel:

    https://m.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/wiesenhof-chef-peter-wesjohann-ueber-bio-huehner-und-das-klima-16327440.html

  24. Die Carsharing-Studie ist in der Tat sehr zweifelhaft angelegt. Sie bezieht sich nur auf Freefloat-Angebote. In Deutschland herrscht jedoch dass stationsgebunde Carsharing vor. In zahlreichen Städten mit 100k+ Einwohnern gibt es seit Jahrzehnten Unternehmen und Initiativen, dir es wirtschaftlich betreiben.
    Siehe dazu auch: https://www.carsharing.de/presse/pressemitteilungen/stellungnahme-zu-the-demystification-of-car-sharing-at-kearney

  25. 13. August 2019 um 16:28 Uhr
    Daniel Kretzschmar

    Hallo Lage-Team,

    Carsharing als Lückenschluss kann doch bspw. in Berlin nicht funktionieren, weil die Zuführung zum ÖPNV für die Außenbezirke relevant ist. Die Geschäftsgebiete erstrecken sich aber ausnahmslos auf den Citybereich, wo der ÖPNV deutlich dichter ist. Mindestens free floating müsste also eine andere Ausrichtung bekommen, die sich an den Bedürfnissen der Außenbezirke orientiert.

    Beste Grüße

  26. Moin

    ich halte eine Änderung des MwSt-Satzes auf Fleisch auch für nicht zielführend. Zum Einen ist der Betrag sehr gering, zum Anderen kann ich mir gut vorstellen, dass diese Erhöhung am anderen Ende bei den primären Lieferranten getragen wird. Wenn ich im Bekannten- und Verwandtenkreis mit den Landwirten spreche sagen mir alle, dass bei Fleisch und Milch der Preis nicht durch die Kosten entsteht, sondern durch den gewünschten Verkaufspreis. Ähnlich sieht das ja bei der Milch aus, wo Preise von den Supermärkten vorgegeben werden und nicht die Kosten für die Herstellung abbilden. Das geht teilweise so, dass der eigentliche Gewinn durch Biogasanlagen gemacht wird oder nur große Tierbestände überhaupt tragbar gehalten werden können.

    Ein anderes Beispiel eines Schäfers:
    “Mein Meister hat vor […] 40 Jahren, 4 Mark pro Kilo lebendes Schaf gekriegt. Im Augenblick liegt der Preis so im Deutschlandschnitt, quasi zwischen 2,10€ und 2,40€.” Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=fi2yADrWnuY

    Da hilft es auch wenig wenn man Bio Produkte anders besteuert, das mag für das Tierwohl ein wenig besser sein, aber löst Probleme nicht. Nachhaltig könnte man wahrscheinlich besser am anderen Ende anfangen und z.B. die Anzahl der Tiere pro Züchter einschränken (angebot verringern) oder die Möglichkeiten der Züchter stärken (Beratung, mindestpreise, temporäre Zulassung von Preisabsprachen) oder eben den Einkauf beschränken.

    Und letztlich muss man den Markt dann auch durch Zölle schützen. So gerne ich EU Bürger bin und Zollfreien Handel innerhalb der EU befürworte: Wenn man diese Einschränkung für Bauern/Landwirte trifft, nämlich potentiell teurer zu sein als die Konkurrenz im Ausland, muss man das entsprechend abfangen in dem man den Markt schützt und eben nicht in dem man Subventionen ausschüttet.

    Die Preiserhöhung die dadurch entsteht ist höher und sicherlich in einem gewissen Punkt nicht sozialverträglich, aber denke ich gesünder aus ökologischer Sicht und auch für die Hersteller selbst.

  27. Hallo liebes Lage-Team,

    Aufhänger für meinen Kommentar ist die Darstellung der vermeintlichen FDP-Meinung zur erhöhen Besteuerung von Fleisch. Meine Anmerkung bezieht sich aber auf einen allgemeinen Eindruck den ich über längeres Lage hören gewonnen habe.

    Ihr gebt euch sehr große Mühe die Themen immer möglichst sachlich und von allen Seiten aus zu beleuchten, ab und zu passiert es euch aber, dass ihr in der Zitation von Politikern oder der Wiedergabe von Parteimeinungen etwas zu schnell schießt und undifferenziert berichtet.

    Am Beispiel dieser Folge:
    Offensichtlich ist die FDP gegen eine Besteuerung von Fleisch. Das wird richtig dargestellt. Das Problem liegt in der Begründung. Wolfgang Kubicki ist weithin bekannt für seine recht reißerischen Aussagen und dafür mit diesen ab und zu über das Partei Ziel hinaus zu schießen. Er hat in seiner Aussage aber dennoch eine wichtige Position erwähnt, die ihr aber durch den billigen Köder “keine Steuer weil Steuer” leider übergangen habt. Der Punkt war mMn. Eigentlich, dass die Besteuerung das falsche Mittel für die richtige Teuerung des Fleisches ist. Dafür sollten strengere Richtlinien für die Haltung und Pflege von Tieren eingeführt werden. Somit verteuert sich die Herstellung von Fleisch und die Produzenten haben mehr Anteil an der Wertschöpfung und daraus folgende Einfluss auf die Qualität und Nachhaltigkeit der Produkte. Ein allgemeiner Anstieg der Preise ist zu erwarten und gerade bei Betrieben mit Mängeln im Tierwohl ist mit großen Aufschlägen zu rechnen. Eine Steuer hingegen würde diesen Verbraucher und Tierschutz Aspekt viel weniger direkt beeinflussen und eine Umwidmung der Steuermittel für andere Zwecke (Rentenkasse, Rüstung, etc.) wäre zu befürchten.

    Diese Interpretation in Anlehnung an das Statement von Kubicki und angereichert mit weiteren Aussagen von FDP Politikern entstanden.

    Mit der Feststellung, dass die Steuer nur abgelehnt wird, weil sie eine weitere Steuer ist, habt ihr es euch leider in meinen Augen zu einfach gemacht und vorschnell mit der Klischee-Keule zugeschlagen.

    Ich finde gerade die politische Vielfalt der demokratischen (!) Parteien in Deutschland ein sehr wichtiges gut und würde mir von euch wünschen, dass ihr wenn ihr deren Meinungen erwähnt auch ein bisschen mehr Hintergründe liefert und deren Gegenvorschläge schildert. Dies gilt nicht nur für die FDP (wie in diesem Beispiel) sondern genauso für die Grünen und die Linke.

    Vielen Dank für eure Ansonsten wirklich ausgesprochen gute Arbeit!

    • Zusatz:
      Die Aussage Kubickis, die hier von Belang ist, ist folgende (aus dem in der Lage verlinkten Beitrag):

      “Wer zudem den Eindruck vermittelt, höhere Steuern würden dem Tierwohl automatisch dienen, möchte in die Irre führen. Denn tatsächlich ginge dies nur über strengere rechtliche Vorgaben und vor allem mehr Kontrollen.”

      Bitte entschuldigt etwaige grammatikalische Fehler. Das mobile Verfassen eines dann doch recht lang gewordenen Kommentars ist leider nicht ganz so bequem wie mit Maus und Tastatur und die (Auto-)Korrektur legt einem einige Steine in den Weg

  28. Liebes Team der Lage der Nation,

    in der letzten Lage habt ihr richtig darauf verwiesen, dass wir unsere Ernährung ändern sollten. Weniger Fleisch auf unseren Tellern wäre sehr hilfreich. Leider fehlte mir ein konstruktiver Vorschlag, wie dies gelingen könnte – denn an mangelnden Handlungsalternativen scheitert dieses Vorhaben aus meiner Sicht derzeit, selbst wenn der Wille da ist.

    Die App “Plant Jammer” zeigt, wie man mit Gemüse großartigste Gerichte zaubern kann! Das Start Up hat die Mission die Welt vegetarischer/veganer zu machen. Die App geht von dem Gemüse aus, was im Kühlschrank ist und hilft dem Nutzer, die köstlichsten Gerichte zu kreieren! Ich nutze sie seit kurzer Zeit und habe mein Kochverhalten komplett verändert!

    Solltet ihr Zeit haben, schaut euch die App an und erwähnt sie vielleicht im nächsten Podcast als Nachsatz zum Thema Fleisch. Ich glaube, diese App könnte vielen Menschen zeigen, WIE man leicht auf Fleisch verzichten könnte – ein Aspekt der in eurer letzten Lage (verständlicherweise) gefehlt hat.

    Viele Grüße!
    Sara

    • Du könntest Werbung wenigstens als solche kenntlich machen… Dass es Werbung ist schließe ich daraus, dass nur eine App genannt wird während es mehr als genug Kochbücher, Internetseiten und vermutlich auch andere Apps zu dem Thema gibt…

  29. Danke für die gute Podcast-folge.

    Mobil abgehängt in der Stadt:

    Ich Wohne in einem weniger dicht besiedeltem Gebiet (Art vgl. Neustaaken, ÖPNV-tariflich betrachtet allerdings im Innenraum) in einer südlichen Großstadt. 15 min bis 20 min zu Fuß zur S-Bahn. Der Bus Fährt alle 20 min und Abends gar nicht mehr. Die Straßen sind mit Individualverkehrsmittel voll geparkt, der Bus kommt daher häufig zu spät. Scheinbar haben viel hier den ÖPNV abgeschrieben. Das Gebiet ist kein Geschäftsgebiet von Drieve-now, dem Shuttleservice der Verkehrsgesellschaft (vgl. Berlkönig), von Leihfahrrädern und E-Scootern. Diese Services gibts hier nur in Gebieten, die eh schon relativ gut vom ÖPNV erschlossen sind. (Busse, U- unb S-Bahnen alle 10 min, ein dichtes Haltestellennetz, …). Deswegen Halte ich das Ganze momentan noch für ein nicht ernst zu nehmendes Spaßangebot.
    Ach übrigens, Drive-now hat das scheinbar jetzt geändert, aber vor einiger Zeit war es nicht erlaubt in den Autos Dinge zu transportieren. Der Service war ausschließlich dazu da, um mit den Autos herum zu fahren.

    • Mobilität

      Was mich an der zitierten Studie stört ist, dass hier scheinbar nicht untersucht wurde, ob auf einen Autokauf verzichtet wird. Nach meinen empirischen Beobachtungen hier in der Carsharing Blase Berlin (Innenstadt), verzichten die meisten jungen Menschen darauf sich ein eigenes Auto zuzulegen. (Ganz im Gegensatz zu meiner Generation (Jahrgang 1971), wo es mit 18 unbedingt ein eigenes Auto sein musste!).
      Dieses Verhalten der aktuellen jungen Generation wird m.E.n. durchaus durch die vielfältigen Möglichkeiten (ÖPNV, Taxi, Berlkönig, Uber, Carsharing, e-Roller, Leihräder etc. pp.) begünstigt. Ich denke man muss solche Prozesse langfristiger und vor allem auch in den verschiedenen Generationen beobachten.
      Bereits nach relativ kurzer Zeit den Schluß zu ziehen, dass dies alles nichts bringt und das darauf hin wieder zu verbieten ist in meinen Augen zu kurz gegriffen.

  30. Nach der Korrektur doch noch mal eine Ergänzung bezüglich Psychotherapeuten: zur Facharztweiterbildung für Psychiatrie gehört obligatorisch eine Therapieausbildung, jede Psychiaterin ist auch ärztliche Psychotherapeutin (abgesehen von Altfällen, war vor 2003 anders geregelt). Daneben kann man als Arzt aber auch außerhalb der Psychiatrie noch eine PT-Ausbildung machen und das dann etwa im Rahmen hausärztlicher Versorgung mit anbieten.

  31. Vielen Dank, dass ihr das Thema Hongkong besprochen habt!
    Ich bin in Hongkong und deshalb natürlich sehr interessiert, dass auch die internationale Gemeinschaft mitbekommt, was hier passiert. Hier ein paar Anmerkungen und Updates zur Lage vor Ort.

    Zu der Frage, warum es Deutsche oder Europäer interessieren sollte – Ich denke die Antwort wurde schon in einer späteren Frage angeschnitten: Wir müssen uns überlegen, wie wir mit autokratischen Regierungen umgehen sollen. Diese Regimes sind nicht nur in Fernost, sondern zeigen schon Anzeichen innerhalb der EU, von daher ist die Frage absolut relevant. Die Deutsche Politik ist wedelt gerne den erhobenen Zeigefinger und erinnert die chinesische Regierung an Menschenrechte. Auf der anderen Seite aber unterstützen sämtliche Firmen gerne die chinesische Wirtschaft. Die wachsende Wirtschaft ist, wie erwähnt wurde, ein Hauptgrund, warum sich die KP an der Macht halten kann. Also wenn Deutschland wirklich an Menschenrechten interessiert wäre, müsste die Politik auch unliebsame wirtschaftliche Konsequenzen in Betracht ziehen.
    Die Firmen werden mit Sicherheit keine Entscheidung gegen ihren Profit treffen, deshalb muss die Politik in Verantwortung gezogen werden. Versace, Coach und Cathay – alles Beispiele aus den letzten 3 Tagen die zeigen wie schnell Unternehmen Anweisungen aus China Folge leisten.

    Ich habe noch ein paar Anmerkungen zur Lage vor Ort, die ich für wichtig halte. Die Regierung von Hongkong (Carrie Lam) ist absolut unsichtbar. Seit Beginn der Massenproteste ist sie de facto verschwunden, tritt ab und zu vor der Presse auf, um die Gewalt der Demonstranten zu verurteilen. Das ist ein Hauptgrund für die Eskalation, mit ein bisschen geschickter Kommunikation wäre es nie soweit gekommen. Stattdessen werden die Forderungen komplett ignoriert.
    Die Polizei wird vorgeschoben, um ein politisches Problem zu lösen. Diese wiederum setzt massiv Gewalt ein. Ein Update nur vom letzten Sonntag:
    – Eine Demonstrantin wurde ins Auge geschossen und erblindet einseitig
    – Fliehenden Demonstranten wird von 1 Meter Entfernung in den Rücken geschossen
    – Tränengas wird innerhalb einer U-Bahn Station eingesetzt
    – Polizei verkleidet sich als Demonstranten, um Leute festzunehmen (damit ist auch nur noch schwer zu beweisen, welche Gruppe innerhalb der Demonstranten Gewalt einsetzt)
    Ein weiterer wichtiger Vorfall war der Angriff von mutmaßlichen Triaden, die heimkehrende Demonstranten und Zivilisten in der U-Bahn verprügelt haben. Die Polizei brauchte 40 Minuten, um zu reagieren und wurde auf vielen Bildern sehr kooperativ mit den Schlägern gezeigt.
    Es gibt Gerüchte (mit vielen Indizien), die nahelegen, dass chineschische Polizei in die Hongkonger Polizei eingeschleust wurde.
    Es gibt diverse Beweise, dass die Polizei illegal handelt (Beispiel abgelaufenes Tränengas).
    Das Rechtssystem ist damit total untergraben, 1 Land 2 Systeme existiert auf dem Papier, aber mehr auch nicht.

    Wie es weiter geht? Die KP und Polizei verbreitet strategisch Furcht unter der Bevölkerung, zum Beispiel mit weiteren Andeutungen die Armee einzusetzen oder mit massenweise Verhaftungen. Seit letzter Woche nimmt die Angst in der Bevölkerung, aber auch die Empörung weiter zu. Die Bevölkerung wird auch weiter gespalten, es gibt einige Gruppen, die China unterstützen. Am 1. Oktober ist chinescher Nationalfeiertag. Deshalb sehen es viele als eine Art Meilenstein für die KP, bis dahin für Ruhe zu sorgen.

    • Sollten Sie bei den Protesten dabei sein: Lassen Sie sich nicht unterkriegen und geben Sie auf sich acht!

  32. Hallo Lage-Team,

    ich bin etwas irritiert von der Fleisch-Diskussion. Die wird allerseits sehr emotional geführt und nimmt auch hier im Forum großen Raum ein. Das passt aber nicht zur möglichen CO2-Einsparung. In diesem Krautreporter-Artikel
    https://krautreporter.de/2976-ja-fleisch-essen-belastet-die-umwelt-aber-kuhe-sind-trotzdem-keine-klimakiller
    wird von etwa 2,6 Prozent vegan gesprochen, im Spiegel-Artikel neulich
    https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/berechnung-zum-klimaeffekt-was-fleischverzicht-fuer-den-klimaschutz-bringt-a-1280923.html
    ging es um etwa ein Prozent vegetarisch.
    Auch wenn die Zahlen beim IPCC jetzt anscheinend etwas größer sind:
    Ich finde das lenkt alles nur ab von den restlichen mindestens 95%. Fleisch ist ein sehr emotionales Thema, es bedeutet für viele Leute einen Einschnitt in ihre kulturelle Identität. Es bringt viele Leute dazu klimaschützende Maßnahmen generell abzulehnen. Auf der anderen Seite gibt es Leute die ihren veganen oder vegetarischen Lebensstil mit einem weiteren Argument rechtfertigen/weiterverbreiten etc. wollen.

    Soll jeder gerne machen, aber für das Klima ist es egal, woher das CO2/Methan etc kommt. Daher einfach eine CO2-Steuer einführen, Emissionshandel etc. Ich finde es voll nervig, dass mir ständig jeder erzählt wie klimaschädlich dieses oder jenes ist. Ich (promovierter Physiker) kann mich nicht über alle möglichen Emissionen meines täglichen Lebens informieren und das ständig ausrechnen. Was ist klimaschonender: Stoffhandtuch, Papierhandtuch oder Heissluftfön?

    Ich halte diese ablenkende Diskussion für sehr gefährlich.

    Liebe Grüße,

    Flo

  33. Liebes Lage Team!

    Vielen Dank an euch, dass ihr diesen wunderbaren Podcast betreibt, es macht wirklich Spaß euch zuzuhören!

    Ich möchte mich ebenfalls zum Thema Carsharing äußern.

    Ich denke, dass diese Studie, sowie die Ansichten zum Thema CarSharing hier in Deutschland viel zu kurz gefasst sind. In der heutigen Zeit reden wir im Automobilbereich von vier Revolutionen:

    1. Elektromobilität
    Die E-Mobilität erfährt in DE gerade die allerersten Schritte. Die Fahrzeuge sind heute schon sauberer als Diesel oder Benziner und werden in Zukunft immer besser.

    2. Shared
    Carsharing hat in Deutschland bisher kaum eine Bedeutung. Ansätze wie Uber, Lyft und co. sind hier nicht als Chance, sondern als Gefahr für Taxiunternehmen gesehen. Deshalb auch verboten.

    3. Connected
    Um einen möglichst reibungslosen Ablauf mit Fahrzeugen (sei es Carsharing oder E-Mobilität) zu gewährleisten, ist eine gute Vernetzung aller entscheidend

    4. Autonom
    In den USA bereits flottenweise zum Test in den Städten unterwegs (Google Waymo, Telsa, Uber,…) sind autonome Fahrzeuge in Deutschland verschrieen, weil sie angeblich gefährlich sind. Deshalb setzt man erstmal eine Ethikkommission oben drauf.

    All diese Segmente allein werden insbesondere hier in Deutschland oft klein geredet. „E-Autos retten das Klima nicht!“, „Carsharing kann die Städte nicht von Autos befreien!“, „Autonome Autos sind gefährlich und töten Menschen!“. Dass diese Innovationen in Kombination zugleich eine riesige Chance sind, andererseits aber genug Sprengkraft bieten, um unsere gesamte Automobilindustrie auszulöschen ist den wenigsten bewusst. Es gilt diese Innovationen zu kombinieren und nicht als Einzelne „Produkte“ zu betrachten. Hierzulande hat kaum ein Bürger/Politiker/Konzernchef die Weitsicht das zu tun.

    Schauen wir zu Google: Deren Autonome Taxiflotte (aktuell noch mit Sicherheitsfahrer hinter dem Lenkrad) ist elektrisch, fährt selbstständig und kann per App abgerufen werden. Es gibt keine Situation mehr, in der man zum Auto laufen muss, das Auto kommt einem von allein entgegen. Man steigt aus und das Fahrzeug fährt selbstständig zum nächsten Kunden. Die Flotte ist noch zu klein um einen Alltagsbetrieb zu ermöglichen. Stellt man sich nun also eine größere Flotte vor, könnten Menschen vielleicht bereits am Vortag angeben, wann sie zu welcher Uhrzeit wohin möchten. Das System plant dann ein Fahrzeug, welches auf dem Weg weitere Personen aufsammelt und alle an passende Punkte bringt. Sammeltaxi-Prinzip. Tesla hat das gleiche Prinzip bereits für 2021 mit Serienfahrzeugen angekündigt.

    Würde man diese Bündelung an Innovationen jetzt dem gleichen Test unterziehen, könnte man die Anzahl an Fahrzeugen bereits um mehr als 33% reduzieren.

    Würde man zeitgleich den Öffentlichen Nahverkehr ausbauen und vergünstigten, so würden noch weniger Leute auf Carsharing zurückgreifen und die Anzahl an Fahrzeugen würde weiter sinken. Dazu erhöht man die Preise von Parkplätzen in der Stadt (egal ob Dauerplatz oder Kurzzeitplatz).

    In Hamburg wird seit Anfang August das Projekt HEAT in der HafenCity erprobt. HEAT ist ein autonomer Kleinbus für bis zu 15 Personen. Man könnte sich vielleicht vorstellen mit großen Bussen zentralere Stellen anzufahren und die Fahrgäste mit Kleinbussen ohne Fahrer weiter zu verteilen.

    Wie die Studie schon richtig sagt wird Carsharing allein nicht die Welt retten. Ganz im Gegenteil.
    Da unsere Automobilindustrie allerdings so weit abgeschlagen ist, dass sie auf keinem der 4 Innovationsgebiete mehr führend sein werden, ist die Studie natürlich ein willkommenes Geschenk an unsere OEMs.
    Ich weiß hier konkret nicht, ob die Studie von den Auto-OEMs bezahlt wurde, jedoch gab es in der Vergangenheit einige solche „Studien“.

    Ich kann dazu Vorträge von Dr. Mario Herger empfehlen, ebenso wie sein Buch „Der letzte Führerscheinneuling…“. Visionäre Ansichten, die hier in Deutschland leider Mangelware sind.

    • Danke für den super Kommentar, das erspart mir viel Text :-) Kann dieses aus Amerikanischer Sicht genau so Bestätigen (lebe an der Westküste). Die Zukunft wird die Kombination aus autonomen Fahren, Ride-Sharing, App-basierten Transportunternehmen (Uber, Lift) und Elektromobilität sein. Besonders im Bereich der Transportunternehmen verschlafen wir in Deutschland den Trend, indem wir Taxiunternehmen künstlich am Leben halten und denken, mit der Investition in ÖPNV ließe sich alles Lösen.

      • Vielen Dank für die Zustimmung!
        Hierzulande wurde (leider noch) nicht verstanden, dass diese Technologien das bestehende Verständnis vom Automobil komplett umkrempeln werden.
        Diese Studie dient wirklich nur einem einzigen Zweck, nämlich der Öffentlichkeit in den Schädel zu drücken, dass Carsharing nicht funktioniert und nutzlos ist. Schaut man sich das Medienecho dazu an, hat es (mal wieder) funktioniert. Kommentarbereiche sind gefüllt mit Unverständnis, Privilegiendiskussionen (“Nur die Reichen können sich noch leben in der Stadt leisten!!1!”) und absolutem Unwissen in fast allen Bereichen.
        Blicken wir zurück. Wann haben wir solche Reaktionen schon erlebt?

        – Dieselfahrverbote (Von “Mein Diesel ist sauber, da sollte ich überall fahren dürfen!” bis “Die Politiker haben keine Ahnung!”)

        – Elektromobilität (Von “Elektroautos werden das Netz zusammenbrechen lassen!” bis “Seltene Erden und Kinderarbeit, am E-Auto klebt BLUT!”)

        – Autonomes Fahren (Von “Die Ethikfrage muss gestellt werden!” über”Der Unfall von Uber wird nicht der einzige gewesen sein!” bis “Wir lassen nicht zu das Tötungsmaschinen durch unsere Straßen fahren!”)

        Es stellt sich die Frage welche Unternehmen meist im Zusammenhang mit diesen oder ähnlichen Aussagen genannt werden und wer von dieser Meinungsmache profitiert.
        Die Antwort darauf ist recht einfach: Firmen wie Tesla, Uber, uvm. werden Tag für Tag durch den Dreck gezogen (man brauch sich nur mal die aktuellsten Meldungen zu diesen Firmen bei Google durchlesen), der Verband Deutscher Automobilindustrie (VDA), also unsere OEMs und Zulieferer profitieren davon (die Medien berichten nur wohlwollend). Statt in mindestens eine dieser neuen Technologien zu investieren redet man sie weiterhin schlecht und versucht es abzuwenden. “Wenn Tesla endlich pleite ist können wir uns wieder in Ruhe auf unsere Dieselmotoren besinnen!” ist da wohl die Mentalität. Allerdings wird der Albtraum Tesla nicht verschwinden. Auch das autonome Fahren wird nicht einfach so wieder nachlassen. Es bleibt da.
        Man sollte sich überlegen ob es der Wahrheit entsprechen kann, wenn alle Qualitätsmedien die exakt gleichen FUD-News über konkurrierende Firmen von sich geben, oder ob da nicht vielleicht eine Agenda hinter steht.

        Wir leben hier in Deutschland in einer extremen Filterblase. Unser deutsches Auto ist unser Heiligtum, das nicht von irgendwem in Frage gestellt werden darf. Dass wir uns hier in Deutschland weiter in dieser Blase suhlen wird uns auf kurz oder lang den Kopf kosten, denn im Ausland wird daran geforscht und gearbeitet. Wir werden auf dem Weltmarkt irrelevant. Einige Stimmen sagen bereits, dass wir in den nächsten 10 Jahren zwei der drei Automobil-OEMs verlieren werden (egal ob aufgrund von Insolvenz oder Kauf durch chinesische Großunternehmen wie Geely oder Great Wall Motors)

        Daher sehe ich solche “Studien” eher als ein weiterer Spatenstich beim Schaufeln des eigenen Grabes. Es fehlt nicht mehr viel, dann ist es tief genug.

    • Gute Zusammenfassung, leider wird von vielen Ignoranten behauptet und geglaubt es sei einzig und allein grüne Politik und Klimahysterie die der deutschen Automobilindustrie den Garaus machen wollen.

  34. 12. August 2019 um 17:56 Uhr
    Philipp Heinicke

    Liebe Lage,

    noch ein zweiter Beitrag von mir zur CO2-Debatte.

    Wenn ich von Berlin nach München fliege, werde ich schief angeschaut und muss erklären, warum ich nicht mit der Bahn fahre. Wenn ich als Single in einer 100 m2 Wohnung wohne, obwohl 50 m2 vielleicht auch ausreichen würden, kommt kaum jemand auf den Gedanken, mich für mein klimaschädliches Verhalten zu kritisieren, obwohl mehr Wohnfläche ja mehr Heizbedarf und damit mehr CO2 Emissionen bedeutet. Uns fehlt als Verbraucher schlicht das Verständnis für die Größenordnungen im Bezug auf CO2. Deswegen ist es so immens wichtig, dass eine CO2 Steuer kommt, denn dann ist es “eingepreist”.

    Um die CO2 Steuer einzuführen, muss aber natürlich erst einmal berechnet werden, wie viel CO2 in den jeweiligen Gütern und Dienstleistungen steckt. Meines Erachtens sollte dieses Wissen nicht nur als Berechnungsgrundlage der Steuer dienen, sondern an den Verbraucher transparent kommuniziert werden. Ich kann mir zum Beispiel viel mehr Schokolade leisten als ich tatsächlich kaufe, aber dank der Nährwertangabe weiß ich, dass Schokolade verdammt viel Zucker und Fett enthält und damit gesundheitsschädlich ist. Daher zügle ich mein Einkaufsverhalten. Anderes Beispiel: Zigaretten. Hier wird der Konsum auch nicht allein durch steigende Steuern gesenkt, sondern seit einigen Jahren auch durch abschreckende Bilder und Botschaften auf den Verpackungen. Wenn künftig Rindfleisch also aufgrund einer CO2 Steuer 50 Cent teurer wird, wird das sicherlich den Konsum senken. Wenn darüber hinaus aber auch kommuniziert wird, wie viel CO2 darin steckt, kann dies einen zusätzlich positiven Effekt auf das Konsumentenverhalten haben.

    Wenn wir schon den CO2 Gehalt von Produkten erheben, dann lass uns ihn auch an den Konsumenten kommunizieren statt ihn nur als Steuerbemessungsgrundlage zu nutzen.

    Viele Grüße
    Philipp

    • Warum so kompliziert? CO2 Preis pro Tonne und deutlich an das Produkt dran schreiben wie viel des Preises CO2 ausmacht
      Alles andere muss man erst rechnen und denken, das will aber kaum einer beim Einkaufen.

  35. Achja… Nochmal was ganz anderes?

    Finde es ein wenig schräg, wenn hier verurteilt wird, dass jemand als Keynote-Speaker arbeiet.

    Was ist daran so schlimm?

    Und was ist weniger schlimm daran, Werbung für ein Apothekenmagazin zu machen, dass Homöopathie als alternative Behandlung beschreibt?

    • 12. August 2019 um 18:31 Uhr
      Wiebke Steinfeld

      Hallo Dave,

      ich habe beim Hören der Lage keine generelle Verurteilung von Keynote Speakern gehört. Es wurde vielleicht etwas unspezifisch ausgedrückt, aber ich denke was Philip sagen wollte ist, dass es durchaus zu Interessenskonflikten kommen kann, wenn man als Keynote Speaker für bestimmte Unternehmen auftritt und dass er einfach froh ist, wenn er nicht darauf angewiesen ist. Durchaus eine legitime Meinung.
      Also kein Grund sich gleich persönlich angegriffen zu fühlen und so einen Kommentar zu verfassen ;) Einfach mal ein bisschen locker bleiben.
      Freundliche Grüße

    • Hi Dave! Ich möchte keine Keynote-Speaker verurteilen! Das ist falsch rüber gekommen. Mein Punkt ist: Ein Auftrag als Keynote-Speaker ist eine bezahlte Geschäftsbeziehung. Diese sollten Journalisten meiden, wenn es den Anschein eines Interessenkonflikts gibt. Ich finde, dass Journalisten gar nicht (zumindest nicht bezahlt) bei Industrieveranstaltungen auftreten sollten. Denn warum engagiert ein privates Unternehmen einen Star-Journalisten oder eine Star-Journalistin? Wegen seiner oder ihrer tollen Rede-Fähigkeiten? Vielleicht. Weil es etwas abhaben will vom sauberen Image, das mit unabhängigen Medien verbunden ist? Ziemlich sicher. Das nennt man PR. Und das sollten Journalisten nicht machen.

    • Gebe Dir vollkommen Recht. Ich finde es sehr gut, dass Ihr von den Erlösen leben könnt. Auch weil eure Arbeit sehr gut ist. Die Selbstherlichkeit der Unabhängigkeit wird absorbum geführt, wenn nach den Äußerungen, Werbung eingelesen wird von der Apotheker und Phamalobby.

  36. 12. August 2019 um 16:12 Uhr
    Philipp Heinicke

    Liebe Lage,

    kurzer Kommentar meinerseits zur Carsharing-Debatte.

    Ich freue mich, dass ihr das Thema Mobilität in Großstädten so intensiv & kontrovers diskutiert. In der Ausgabe 152 habe ich richtig gemerkt, dass es auch euch schwerfällt, eine abschließende Meinung zu dem Thema zu formulieren. Einfach sehr komplex.

    Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Carsharing einen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende in urbanen Räumen schaffen kann. Dafür müssen aber bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Damit Konsumenten nämlich tatsächlich auf ihren eigenen PKW zugunsten von Carsharing verzichten, muss a) die Planbarkeit gegeben sein – wenn ich morgens aus dem Haus gehe und nicht sicher sein kann, dass ich ein Fahrzeug vorfinde, mit dem ich pünktlich zur Arbeit komme, dann ist das einfach ein großes Hemmnis und b) muss Carsharing aufgrund der kollektiven Nutzung und daher höheren Auslastung günstiger sein als ein eigenes Auto (und das muss für den Konsumenten leicht ersichtlich sein, sprich km Entgelte und keine Minutenpakete).

    Solange diese beiden Bedingungen – Keine Nachteile hinsichtlich der Verfügbarkeit und niedrigere Kosten im Vergleich zum eigenen Auto – nicht erfüllt sind, wird das Carsharing Wachstum immer nur zu Lasten von ÖPNV, Fahrrad und Fußwege gehen. Carsharing muss seine “Value Proposition” verbessern, damit es die Verkehrsmittel ersetzt, die es ersetzen soll.

    Keep up the good work!

  37. Wenigernutzung von Autos erreicht man nicht über Bestrafungen und Repressionen. Parkplätze teurer zu machen, würde nichts bringen. Wer die Kohle hat, innenstadt-nah zu wohnen, der hat auch die Kohle zum Parken.

    Die, meiner Meinung nach, absolut EINZIGE, wirklich sinnvolle Möglichkeit, besteht darin, mehr Anreize zu setzen. Den ÖPNV attraktiver zu machen… SO attraktiv, dass man einfach nicht drüber nachdenken muss…

    Meine Idee: Innerstädtisch 1 Euro pro Tag… Keine Monatstickets, keine Jahrestickets, keine sonstigen Vergünstigungen.

    Ich selber wohne im Speckgürtel von Mainz… Hatte jetzt zwei Wochen das Auto in der Werkstatt und habe auf den kostenlosen Mietwagen verzichtet und mal versucht mit Fahrrad und ÖPNV zur Arbeit zu fahren…
    Ergebnis: ÖPNV hier mit dem RMV ist eine totale Katastrophe! Verspätungen, Ausfälle, kaputte Automaten, keine modernen Zahlungsmöglichkeiten, usw. In mehr als der Hälfte der Fälle bin ich nicht wie geplant angekommen.
    Und wir reden hier von 4,5km zum Zentrum (5,5km zur Arbeit).

    Ich ziehe gerade um, und ich habe vorher für 50km mit dem Auto kürzer gebraucht, als jetzt für 5km mit dem Bus…

    2,80 EUR kostet eine Fahrkarte. Für 5km, sind das fast 60cent pro Kilometer.
    Da bin ich mit dem Auto nicht nur schneller und bequemer unterwegs (mein Arbeitgeber hat ein Parkhaus), sondern auch noch günstiger und ich bin nicht morgens schon genervt, wenn ich auf der Arbeit ankomme.

    Was für einen Grund sollte es geben, dass ich den ÖPNV nutze?
    Gut für die Umwelt? Sorry, da bin ich ehrlich, dafür ist mir meine Lebenszeit (und meine Nerven) zu schade…

    Was auch fehlt ist eine vernünftie Flatrate für den Fernverkehr.
    War schon mehfach kurz davor mal für ein Jahr eine Bahncard 100 zu testen und nur öffentlichen Verkehr zu nutzen… Scheitert aber immer daran, dass ich die Karte nicht als Flatrate nutzen kann, sondern den ÖPNV nur in wenigen, ausgewählten Großstädten nutzen kann.

  38. Liebes Lage-Team,

    vielen Dank mal wieder für eure Arbeit, die Lage der Nation informativ und (angemessen unterhaltsam) zusammenzufassen. Das waren wie immer 70 gut genutzte Minuten.
    Schon seit Monaten verfolge ich die Diskussion zur Verkehrswende, zu neuen Mobilitätsformen und zur Problematik von Individualverkehr – auch bei der Lage der Nation. Ein kurzer Disclaimer: Ich arbeite für einen Ökostrom-Anbieter, der in Köln ein stationsbasiertes E-Lastenrad-Sharing anbietet. Gemäß unseres Haupttätigkeitsfeldes haben wir natürlich ein Auge darauf, dass unsere Stationspartner die Lastenräder mit sauberer Energie laden. Dementsprechend sind Nutzerinnen und Nutzer mit ihnen emissionsfrei unterwegs. Unser Ziel ist denkbar simpel: Wer innerhalb von Köln seinen Großeinkauf, einen Umzug oder einen Familienausflug plant, greift statt zum Auto zum Lastenrad. Dank der elektrischen Unterstützung lassen sich damit auch Lasten (z. B. sechs Getränkekisten oder zwei Kinder) bequem und klimafreundlich transportieren. Im Frühjahr 2018 ging unser Sharing-System an den Start, im Oktober haben wir die 2.000-Kundinnen-und-Kunden-Marke geknackt.
    Wie ihr in der letzten Folge richtig festgestellt habt, nützen alternative Mobilitätskonzepte denkbar wenig, wenn sie hauptsächlich andere, klimafreundliche(re) Mobilitätsformen substituieren. Die Problematik bei Carsharing und E-Tretrollern habt ihr ja geschildert. Umso spannender finde ich vor dem Hintergrund die Rolle, die (elektrische) Lastenräder hier einnehmen.
    Bei einer Umfrage unter 450 Nutzerinnen und Nutzern unseres E-Lastenrad-Verleihs gaben 35 Prozent an, dass sie ohne unser Angebot das Auto genommen hätten. Damit hat jede dritte Ausleihe eine Autofahrt ersetzt. Eine Erkenntnis, die mich beim Hören eurer letzten Folge nochmal doppelt gefreut hat.
    (Die Ergebnisse unserer Studie plus die so tatsächlich eingesparten Emissionen findet ihr hier: https://donk-ee.de/presse/pressemitteilungen/e-lastenrad-sharing-jede-dritte-ausleihe-ersetzt-eine-autofahrt.html.)

    Liebe Grüße und bis zur nächsten Folge
    Dominique

    PS: Über eine Lage Live in Düsseldorf würde ich mich sehr freuen. :-)

  39. Liebe Leute,

    danke für die tolle Folge! Wie die meisten melde ich mich aber, weil ich etwas zu meckern habe: Ihr stellt Biolebensmittel aus meiner Sicht völlig undifferenziert positiv dar. Als persönliche Meinung ist das okay, aber journalistisch halt etwas kurz gesprungen.

    Zusammenfassend lässt sich sagen: Nahezu keines der häufig vorgebrachten Vorteile halten einer objektiven Überprüfung stand:
    – Die CO2-Bilanz von Biolebensmitteln ist meist schlechter.
    – Es gibt keine nachweisbaren Gesundheitsvorteile.
    – Biodiversitätsvorteile werden durch höheren Flächenverbrauch wettgemacht.

    Objektiv bleibt eigentlich nur das Tierwohl und selbst da gibt es Ausnahmen: So werden Biohühner meist in Großgruppen gehalten, was ein enormer Stress ist. Es gibt viele Biologen, die sagen, dass konventionelle Kleingruppenstallhaltung deutlich besser sei. (Ideal wäre natürlich Kleingruppen-Biohaltung, die ist aber idR unwirtschaftlich.)

    Was bleibt: Isst mal Fleisch, ist bio aus Tierwohlsicht meist etwas besser. Ansonsten gibt es objektiv nur wenig, was für bio spricht.

    Das ist übrigens für mich alles kein Grund, warum man biologische Landwirtschaft nicht fördern sollte! In der Regel kaufe ich selbst viel bio. Aber man verbessert die Welt mit Biolebensmittel im besten Fall nur marginal und im schlechtesten Fall (nämlich in Sachen Klima) verschlechtert man sie sogar.

    Viele Grüße!

    Sebastian

    • Hallo Sebastian,
      dazu würden mich Hintergrundinfos und Fakten interessieren.
      Wieso ist die CO2-Bilanz bei ökologischer Landwirtschaft meist schlechter?
      Wieso spricht ein größerer Flächenbedarf, welcher ökologisch genutzt werden würde, gegen Biodiversität?

      Vielen Dank,
      Frederik

      • Moin Frederik,
        ich kann das an dieser Stelle natürlich nur in Auszügen beantworten und habe auch nicht die Zeit, Quellen herauszusuchen, aber es ist z.B. so, dass Rinder in der klassischen Masthaltung spezielles Futter bekommen, dass dahingehend optimiert ist, weniger Methanproduktion anzuregen. Das ist auf der Weide natürlich nicht möglich, da die Tiere dort natürlich zu großen Anteilen Gras wiederkäuen, was mit dem besagten hohen Ausstoß von Methan zusammenhängt.
        In Bezug auf den Flächenbedarf ist die Rechnung etwas komplizierter. Es hilft die Vorstellung, dass jegliche Bewirtschaftung von Land meistens mit einer Herabstufung der ökologischen Wertigkeit verbunden ist. Nehmen wir an, Stufe 5 wäre Biotop und Stufe 1 komplett versiegelt. Beim Mastbetrieb wird meinetwegen 1 ha Land von Stufe 5 auf Stufe 1 heruntergestuft – der Verlust an Wert für die Biodiversität ist 1×4. Nun braucht die gleiche Menge Rinder eine Weidefläche von 10 ha (dieser Wert ist völlig frei erfunden, aber ich denke, das Verhältnis ist eher noch größer) und deshalb wird diese Fläche von Stufe 5 auf Stufe 2 heruntergestuft (wo Rinder weiden, wird nunmal nie viel mehr als kurzer Rasen wachsen) – der Verlust an Wert für die Biodiversität ist 10×3.
        Grüße Lukas

        • Hi Lukas,
          vielen Dank für die Veranschaulichung. So fällt es mir schon leichter Sebastians Hintergründe zu verstehen. Ich werde mich mal nach Studien umsehen, die das mit realen Zahlen belegen.
          VG,
          Frederik

    • Moin Sebastian,
      genau diesen Kommentar wollte ich auch verfassen.
      Den unproblematischen Verzehr von Fleisch oder grundsätzlich tierischen Erzeugnissen gibt es einfach nicht. Der einzige Grund, weshalb Bio Fleisch am Ende vielleicht doch CO2 Emissionen reduzieren kann, ist dass die höheren Produktionsstandards zu einer Verteuerung und damit weniger sowie bewussteren Konsum führen können.
      Das einzige was wirklich hilft, ist der Verzicht auf tierische Erzeugnisse oder wenigstens ein reduzierter Konsum. Das ist dann zwar eine große Einschränkung, aber das kommt nun einmal dabei heraus, wenn man Probleme jahrelang vor sich herschiebt.

      Mal abgesehen von den tatsächlichen Folgen eines vermehrten Konsums von Bio-Produkten, fällt mir auch immer wieder auf, dass mit ´ich esse auch extra nur Biofleisch´ eigentlich nur das Steak, Schnitzel o.ä. gemeint ist, das zuhause auf dem Grill oder in der Pfanne landet. Was aber für Fleisch in der Tortellini, der Mettwurst, dem Fleischsalat, dem Fertiggericht o.ä. drinsteckt, ist dann wieder herzlich egal. Ebenso verhält es sich damit, wenn viele Menschen sagen, sie würden selten Fleisch essen – stärker verarbeitetes Fleisch ist dann meist nicht gemeint.

      Grüße Lukas

    • Die Sache mit der CO2-Bilanz ist m.W. noch nicht ganz raus. Bio-Böden z.B. speichern angeblich mehr CO2.

      Richtig ist aber dass Bio keine Lösung für die Klimakrise ist.

      “So werden Biohühner meist in Großgruppen gehalten, was ein enormer Stress ist. Es gibt viele Biologen, die sagen, dass konventionelle Kleingruppenstallhaltung deutlich besser sei”

      Und konventionelle Hühner werden häufiger in Kleingruppen gehalten? Wie kann ich im Laden herausfinden ob mein Huhn aus einer Klein- oder Großgruppe kommt?

  40. Thema: Verkehrswende

    Ich lebe in Köln. Hier hat man den Eindruck, es solle eine Verkehrswende vom ÖPNV zum Kfz-Individual-Verkehr vollzogen werden. Während eine zweistündige Einkaufsfahrt mit dem PKW (der Einfachheit ohne Betriebskosten) im Parkhaus inklusive Parkrabatt eines angeschlossenen Supermarktes mit 1 EUR zu Buche schlägt, kostet eine Hin- und Rückfahrt mit dem ÖPNV (VRS-Tarif) mit Einzelfahrkarte 6 EUR! Eine zügige Nord-Süd-Querung der linksrheinischen Innenstadt mit dem Rad ist durch die autofreundliche Stadgestaltung so gut wie unmöglich, wenn man davon absieht, sich im Sommer auf dem gemeinsamen Fuss- und Radweg auf der Rheinpromenade durch tausende von Besuchern zu quälen. Dabei gehört Köln als eine der mit den höchsten Schadstoffmengen belasteten Städte Deutschlands. Aber statt hier mit geeigneten Massnahmen wie Förderung des ÖPN- und Radverkehrs gegenzusteuern, folgt man treu dem seit Jahren gleichen Jammern der Einzelhandelslobby (https://www.ehdv.de/fahrverbote-gefaehrden-innenstaedte/).

  41. Zum Thema Mobilität:
    Aus meiner eigenen Erfahrung, fühle ich mich als Fahrradfahrer oft nicht ernstgenommen oder gewertschätz von der Gesellschaft und Politik. Das geht bei fehlenden Fahrradständern bei Arbeit und Geschäften los, und überdacht schon gar nicht. Fahrradwege und Fahrradstraßen brauchen Zeit zum Ausbau, sind aber dringend notwendig und insbesondere die Fahrradstraßen auch ein gutes Mittel, um Fahrräder attraktiver zu machen, als Autos. Als Student fahre ich auch oft Bahn. Den Anschluss würde ich gern mit dem Fahrrad erledigen, aber das darf ich ja nur mit Aufpreis in den Zug nehmen, und wenn ich es am Bahnhof stehen lasse, wird es entweder beschädigt oder geklaut. In meiner Erfahrung werden Fahrraddiebstähle auch nicht besonders verfolgt. Mit großer Freude werden aber Fahrradfahrer die ohne Licht unterwegs sind mit einem Bußgeld belegt. Natürlich ist Licht am Fahrrad wichtig, aber es fühlt sich dennoch als Gängelung eines sowieso schon benachteiligten Verkehrsteilnehmer.

    Vielleicht wäre es ein gutes Mittel zur Steuerung die Betrag, den man für Km Arbeitsweg zurück legt zu erhöhen oder den von umweltschädlichen Mitteln zu senken.

    Ihr unterscheidet ja oft zwischen Stadt und Land. Das der Övp in den Großstädten funktioniert ist unumstritten aber schon in der Kleinstadt kann man da am Grenzen stoßen, da muss man nochnicht ein Mal richtig aufs Land.

    • “Vielleicht wäre es ein gutes Mittel zur Steuerung die Betrag, den man für Km Arbeitsweg zurück legt zu erhöhen oder den von umweltschädlichen Mitteln zu senken.”

      Erinnert mich an den Ärger, den ich mal auf Arbeit mit dem Fahrrad hatte. Musste auf einen Termin jwd. Bahn brachte mich nur grob in die Nähe und sollte dann eigentlich mir ein Taxi nehmen für die letzten 10km. Es war ein schöner Tag, also Fahrrad in die Bahn und die Fahrt mit dem Fahrrad absolviert. Bei der Reisekostenabrechnung musste ich dann lange erklären, warum ich jetzt unbedingt ein Fahrrad mitnehmen musste und dafür ein Bahnticket für 4,50 kaufte. Dass ich dafür keine Taxikosten hatte, interessierte keinen. Aber die Sache hat ein HappyEnd. Da es mein eigenes Fahrrad war, hab ich sogar 50Cent km-Pauschale bekommen und mir davon eine halbe Kugel Eis gekauft.

  42. Hallo liebes Lage Team,

    ich verfolge euren Podcast jetzt schon seit einer ganzen Weile und bin wirklich absolut begeistert von der Aufmachung und den Themen die Ihr diskutiert.
    Ich finde es besonders toll, dass ihr nicht nur die aktuellen Probleme ansprecht, sondern das ihr auch immer über mögliche Lösungen diskutiert. Hier kommt Ihr oft auf, für meine Begriffe, sehr vernünftige und gut nachvollziehbare Lösungsansätze.
    Bei dem Thema Bio Lebensmittel und deren Bevorzugung gegenüber konventioneller Landwirtschaft musste ich diesmal allerding sehr erschrocken die Hände über dem Kopf zusammen schlagen.
    Denn Bio ist nicht die Lösung! Nicht nur weil es wie Philip so schön gesagt hat “unter den Bio Bauern auch schwarze Schafe gibt” sondern das gesamte Konzept der Bio-Landwirtschaft nicht dazu geeignet ist viel Menschen gut zu ernähren und vor allem das Klima zu schützen!
    Da ich die Argumente für diese These hier nicht alle niederschreiben kann, möchte ich euch diesen Artikel hier einmal beispielhaft ans Herz legen. https://www.salonkolumnisten.com/glaube-statt-wissenschaft/

    • Hier noch ein zweiter Artikel der besonders aufzeigt, dass Bio-Landwirtschaft nicht zur Ernährung vieler Menschen geeignet ist und somit auch nicht zur Lösung unseres Klima-Problems beitragen kann!
      https://www.salonkolumnisten.com/bio-paradies-kuba/

      • Ich finde in dem letzten Link keine Argumente gegen Bio, sondern nur Informationen darüber wie schlecht die Situation in Cuba wirklich ist?

        Der erste Artikel trifft tatsächlich einen wunden Punkt: Die Bio-/Öko-Szene hat sehr viele Schnittstellen mit der Eso-/Hippie-Szene und diese lehnen an vielen Stellen Wissenschaft ab. Das sehe ich auch als Problem an.

        Zwei Sachen stören mich:

        1. Es gibt große Unterschiede zwischen EU-Bio, Demeter, Bioland und den anderen Formen. Demeter sind m.W. die schlimmsten Esos von allen.
        2. Das Argument “Funktioniert nicht für die ganze Welt!!!! Dafür fehlt die Fläche!!!!” finde ich aus mehreren Gründen nicht überzeugend. Zum einen kommt es auf die Ernährungsgewohnheiten an. Ich esse u.a. weniger Fleisch, weil ich mir dann häufiger Bio-Fleisch leisten kann. Zum anderen ist “funktioniert nicht überall” kein Argument es überhaupt nicht zu tun. Vielleicht werden wir in Zukunft nur in bestimmten Bereichen Bio haben und in anderen Bereichen konventionell arbeiten.

        • Hi Faiid

          Ja mit dem Artikel zu Cuba habe ich wirklich leider ins Klo gegriffen. Der Autor hat mehrere interessante Artikel zum Thema Bio/Landwirtschaft geschrieben die ich alle vor einer Weile mal gelesen habe und sehr aufschlussreich fand. Eigentlich wollte ich Diesen Artikel verlinken: https://www.salonkolumnisten.com/das-100-prozent-bio-maerchen/ (hatte die Artikel nur nochmal überflogen und dann den falschen gewählt)
          Ich war vorher immer der Meinung Bio ist ne tolle Sache, an der nichts auszusetzen ist und war dann echt erschrocken, dass da doch vieles im Argen liegt. Besonders schlimm finde ich dass die öffentliche Wahrnehmung hier für überhaupt nicht vorhanden ist, was mir durch die letzte Folge der Lage auch nochmal aufgestoßen ist.
          zu Punkt 1. Gebe ich dir Recht, dass es viele Unterschiedliche “Siegel” gibt und hier keine Klarheit herrscht, was in meine Augen eine Bevorzugung von Bio im allgemeinen(Steuervorteile) nicht besser machen würde.
          Zu Punkt 2. Das Argument “Funktioniert nicht für die ganze Welt!!!! Dafür fehlt die Fläche!!!!” finde ich sogar sehr überzeugend! Je mehr Fläche wir auf der Welt für den Ackerbau nutzen müssen um alle Menschen zu ernähren desto weniger Wälder, Naturwiesen und Natur belassene orte gibt es und was das für das Klima und die Tierwelt bedeutet sollte klar sein. Ganz einfacher Punkt: Bio Landwirtschaft im traditionellen Sinn ist nicht effizient genug und auch nicht immer weniger schädlich für die Umwelt(Stichwort Kupfer als Antipilzmittel).

        • Das Argument mit dem geringeren Flächenverbrauch ist aus meiner Sicht ein anderes als das “geht nicht!!!”.

          Unabhängig davon ist es aber ein interessantes Argument und wirft die Frage auf: Wann ist es sinnvoll kleinere Flächen intensiver zu bewirtschaften und wann ist es besser größere Flächen weniger intensiv zu bewirtschaften.

          Wo ich dem Artikel 110% zustimme ist, dass “Bio”-Landwirtschaft definitiv weg von der Esoterik und mehr Richtung Wissenschaft gehen sollte um zu entscheiden ob etwas gut für’s Ökosystem ist oder eher schlecht.

  43. Liebes Lage Team,
    Zunächst ein großes Lob für Eure interessante Sendung.
    Zwei Fragen hätte ich:
    – zum Klimawandel. In der Geschichte der Erde hat es ja immer wieder heiße und kalte Perioden gegeben. Ohne Zweifel beschleunigt die Menschheit ger massiv den Übergang in die nächste heiße Phase. Es wird doch aber Effekte geben, die wieder zu eine Umkehrung führen. Zum Beispiel massive Vulkanausbrüche, die den Himmel verdu keln. Könntet ihr nicht mal einen Bericht zu möglichen aktiven Interventionen machen (z. B. Einbringen bestimmter Partikel in unsere Atmosphäre, genmanipuliette Kühe, etc)
    -Mobilität: unsere Städte sind für Autos geplant. Dazu gehört, dass wir selbstverständlich unsere privaten Fahrzeuge kostenlos auf öffentlichem Grund abstellen dürfen. Ein Anwohner Parkausweis in Berlin kosten unter 20,-. Im Jahr! Wenn das Abstellen von Autos schrittweise auf z. B. 20,-am Tag erhöht würde, hätte das bestimmt einen größeren Effekt, als Subventionen von Elektroautos. Hier werden doch auch wieder nur Lobbyinteressen bedient, ohne dass sich daraus für das Ziel “Mobilitätswende” wirklich etwas tut.
    Der öpnv sollte mittelfristig ohnehin kostenfrei und massiv ausgebaut werden. Es gibt ja bereits Konzepte zu Szenarien wie diesen. Diese zu beleuchten wäre doch mal wirklich interessant.

    In beiden Fällen – Klima und Mobilät – denke ich, dass Technologie eine entscheidende Rolle bei der Lösung spielen wird.

    Danke für Eure Zeit!

    • “z. B. Einbringen bestimmter Partikel in unsere Atmosphäre”

      Ich verstehe diese Art zu Denken ehrlich nicht. Wir haben ein Problem, weil wir zu viel CO2 in der Atmosphäre haben. Was ist die naheliegendste Lösung? Doch wohl weniger CO2 in die Atmosphäre zu pumpen. Und nicht noch weitere Partikel reinzubringen von denen wir keine Ahnung haben welche Auswirkungen sie auf die Gesundheit der Menschen und der Umwelt haben…

      Die Menschheit ist jetzt schon nicht in der Lage die bestehenden Emissionen in den Griff zu bekommen und deren Konsequenzen zu kontrollieren und man will noch mehr emittieren? Klingt für mich erstmal nicht so schlau…

  44. Meine persönliche Einschätzung von Carsharing ist dass es nur als Ersatz für den ÖV genutzt wird, leider teilweise auch weil es keinen passenden ÖV gibt.

    Ich besitze kein Auto und habe bereits 2x auf ein Carsharing zurückgreifen müssen um nach einem Konzert in einer anderen Stadt noch nach Hause zu kommen, da es häufig gerade Nachts keine Möglichkeit gibt mit den ÖV für den Rückweg zu nutzen. Leider ist Carsharing für diesen Anwendungsfall auch noch relativ ungeeignet da man die gesamte Zeit während des Konzerts auch bezahlen muss da es nicht möglich ist das Auto in einer anderen Stadt ab zu stellen.

    Teilweise hat man Glück und findet bei BlaBlaCar oder ähnlichen Diensten eine Mitfahrgelegenheit für exakt dieses Konzert aus der eigenen Stadt, dies ist aber leider häufig nicht der Fall.

    Wenn man nicht auf Konzerte verzichten will und dafür auch nicht in die Metropolen ziehen möchte bleibt einem leider keine Wahl als entweder noch eine Übernachtung dran zu hängen oder eben auf Carsharing zurück zu greifen…

    • Hallo zusammen,

      Ich denke auch, dass Carsharing noch weiter ausgebaut werden muss, um effektiv zu wirken. Mir fallen dazu drei Punkte ein.
      1. Die Stadtgebiete der Anbieter beschränken sich bisher auf Ballungsgebiete, in denen es auch viele Angebote an ÖPNV gibt oder in denen man Ziele mit dem Fahrrad erreicht. In abgelegenen Orten und Standrandgebieten gibt es kein Carsharing. Aber gerade dort wäre die Nachfrage da. Ich kann verstehen, dass Anbieter einige Nachteile in diesen Gebieten sehen, aber gerade dort sollte es gefördert werden.
      2. Ich denke es ist sehr schwierig einen jahrelangen Autofahrer von seinem Auto abzugewöhnen, soweit, dass er es abgibt. Hingegen gibt es bestimmt einen höheren Anteil an Personen, die jetzt heranwachsen und sich gar nicht erst ein Auto kaufen, da sie sich an Alternativen von Anfang an gewöhnen. Somit ist der Prozess effektiv, aber schleichender.
      3. baut auf 2. auf: Es gibt auch Carsharing Portale, bei denen Privatpersonen ihr eigenes Auto vermieten können. Ich denke bei diesem Ansatz könnte man Anreize schaffen (Versicherung, Steuern…), damit mehr Leute diese Funktion nutzen und somit die privaten Autos mehr genutzt werden. Ein Privatwagen steht i. d. R. 23 h/d nur herum.

  45. Hei ihr Zwei,

    Ich hätte da man was zu dem ganzen Fleisch- Bio -Steuern- Nachhaltigkeits- Thema zu sagen.
    Also erstmal danke, dass ihr dieses wichtige Thema so häufig und auch so intensiv im Podcast behandelt. Auch wenn zur Zeit politisch so erschreckend wenig passiert, dürfen wir auf keinen Fall aufhören darüber zu sprechen, um Veränderung zu bewirken.
    Leider war ich diemal mit ein paar eurer Darstellungen nicht ganz so glücklich.
    1. Ihr hattet das Thema Methan und dessen Auswirkungen erläutert. Das war ja auch alles richtig, was ich nur noch anmerken wollte ist, dass wir nicht vergessen dürfen, dass nicht nur Schlachttiere Methan ausstoßen, sondern Milchkühe ein ebenso großes Problem sind. Auch diese Tiere fressen, pupsen, käuen wieder… Ich weiß es ist sehr unbequem, aber Milch, Joghurt, Käse… sind ökologisch leider keinen Deut besser als Fleisch. Das könnte man den Leuten auch mal mitgeben.
    2. Es kam im Podcast ja die Idee auf, Bioprodukte mit 7, konventionelle Produkte mit 19 Prozent zu besteuern. Bio zu fördern finde ich prinzipiell super, nur ist das Problem, dass in Deutschland schon jetzt der Großteil der Lebensmittel mit 7 Prozent besteuert wird. Der Vorschlag hätte also nicht den Effekt, dass Bioprodukte billiger, sondern dass konventionelle Lebensmittel teuerer werden. Und obwohl der Preisunterschied dann vielleicht etwas geringer ausfiele, bin ich mir sicher, dass der Großteil der Menschen sich trotzdem dass billigere, sprich konventionelle Produkt kaufen würde.
    Ich persönlich denke die Stellschraube ist da eher die Subventionierung von Biobetrieben und -produkten durch den Staat, um zum einen Anreize für Bauern zum Umstieg zu bieten und Bioprodukte tatsächlich zu verbilligen, ohne Abstriche beim Tierwohl und der Nachhaltigkeit zu machen.
    Ansonsten vielen Dank für den tollen Podcast, auch wenn ich in letzter Zeit immer häufiger ganz schon deprimiert aus den Folge gehe.

    LG Lara

    • Hallo Lara,

      dein Kommentar entspricht genau dessen, was ich in meinem Koimmentar darunter angemerkt habe. Es werden zwei Themen total vermischt. Ökologische Lebensmittelproduktion vermindert keine Traibhausgasemissionen!
      Wenn es dir um Tierwohl geht, könnte man auch diskutieren, ob es ökologisch gehaltenden Tieren besser geht. Es wird bei den Ökosigeln nbämlich nicht Krankheiten und Tierarztkosten der Betriebe kontrolliert. So kann es sein, dass ein konventioneller Betrieb seine Tiere besser bedingungen (Auslauf, Größe der Bucten etc.) vorgeschrieben. Diese alleine verbessern aber nicht das Tierwohl.

      Wie gesagt, ich würde mir eine faktenbasierte Sendung zu diesen Themen wünschen.

      Gruß Martin

  46. Hallo Lage Team,

    Zunächst einmal möchte ich euren Podcast für die interessanten Themen loben. Ich habe ich in vielen Themen eine andere Grundeinstellung als ihr, muss aber sagen, dass ich durch euren Podcast in einigen Themen meine Meinung geändert habe (Stichwort Urheberrecht z.B.).

    Zum Thema Landwirtschaft und der Einfluss auf den Klimawandel möchte aber mal ein paar kritische Sätze schreiben. Ich bin Agrarökonom und ich bin wirklich enttäuscht, dass ihr zu diesem Thema kaum oder vielleicht auch schlecht und tendenziös recherchiert habt. Ihr vermischt zwei große Themen: Klimawandel und Tierschutz.
    Richtig ist, dass durch den massiven Fleischkonsum in der westlichen Welt viel Landfläche und vor allem Wasser für die Produktion verbraucht wird. Falsch ist allerdings die Schlussfolgerung, dass durch Ökofleisch dieser Verbrauch reduziert werden kann. Vielmehr würde der Verbrauch noch steigen, da eine intensive, konventionelle Mast deutlich effizienter als eine Weidehaltung ist. Außerdem ist die Belastung des Grundwassers bei einer Weidehaltung auch größer, da die anfallende Gülle nicht aufgefangen werden kann.
    Auch bei der Methanbelastung durch Kühe kann man eine kleine Rechnung aufmachen. Ein Bio Kuh gibt rd. 5.000 kg Milch/Jahr. Eine konventionelle Kuh 10.000 kg Milch/Jahr. Man benötig somit 2 Biokühe um die gleiche Menge Milch zu produzieren. Somit entsteht auch die doppelte Menge an Methan, da dieser durch den Erhaltungsbedarf der Kühe entsteht.
    Landwirtschaft ist sehr komplex. Grundsätzlich möchte ich an dieser Stelle einmal sagen, dass es wohl kaum einen Wirtschaftszweig gibt, der so nachhaltig wirtschaftet wie die Landwirtschaft. Die meisten Betriebe bewirtschaftet seit unzähligen Generationen die gleichen Flächen. Das gibt es sonst nirgends.
    Es gibt noch viele weitere Punkte, die ich jetzt noch aufführen könnte. Ich würde mir stattdessen wünschen, dass ihr vielleicht male eine Lage Live im Kuhstall macht, in dem es dann nur um Landwirtschaft geht. Das Thema Landwirtschaft ist aktuell in aller Munde und wird sehr idiologisch und leider nicht faktenbasiert geführt. Das ist doch perfekt für euch!! 😊

    Viele Grüße Martin

    • Hallo
      also ich denke auch, dass das Thema Landwirtschaft sehr komplex ist und ihr vielleicht mal einen Experten im Interview dazu einladen solltet. Vielleicht sogar den Martin, als Agrarökonom wird er geeignet.
      Ein Hinweis zu Nutzungsfläche möchte ich mit folgenden Link geben. Hier wird mit LED-Beleuchtung über mehrere Etagen Salat, Kräuter ect angebaut. Sicherlich nicht für jeden Gemüse/Obst geeignet und ja LEDs brauchen Strom, aber im Bezug auf Fläche mal ein interessanter Ansatz
      https://www.tagesspiegel.de/wissen/indoor-farming-erleuchtung-fuers-gemuese/23795594.html

      Zum Thema Klima und Gegensteuern. Was meiner Meinung eine wichtige Maßnahme wäre, sind die fertig abgebauten “Löcher” vom Tagebau wieder neu zu bewalden. Ich komme aus der Nähe des Tagesbaus Garzweihler II und soweit ich weiß ist nach Ende des Abbaus ein volllaufen lassen mit Grundwasser und darum herum Freizeitanlagen wie Wasserskie geplant.
      Wäre es nicht viel sinnvoller die Fläche wieder in einen urbanen Wald wie den Hambacher Forst zurückzuwandekn und zwar bitte auf Kosten von RWE. Aber wie bekommt man einen Konzern und die Politik dazu…

  47. Hallo,
    danke für euren tollen Podcast. Ein Gedanke zur Anpassung des Steuersatzes für Fleisch. Der Effekt wird m.E. weniger stark als intuitiv zu vermuten ausfallen. Verbraucher*innen, die Fleisch nicht im Supermarkt, sondern bspw. in Restaurants oder Kantinen kaufen, dürften die Erhöhung dort gar nicht zu spüren bekommen. Gastronomie und Hotellerie kalkulieren schließlich mit Netto-Einkaufspreisen ihrer Lieferanten. Eine Preiserhöhung wirkt sich also nicht auf den Endpreis in der Speisekarte aus. Allenfalls wird Fleisch to go teurer werden – also der Döner auf die Hand, weil dieser nicht mehr mit 7% versteuert werden dürfte.
    Ich habe ad hoc keine Zahlen zum Fleischkonsum nach Ort des Konsums gefunden (eigene Küche vs Kantine/Restaurant/Hotel sowie zum Mitnehmen vs vor Ort), denke aber, dass ein nicht unbedeutender Teil des Fleisches kommerziell eingekauft wird. Falls es hier Zahlen gibt, würde das natürlich zur Einordnung helfen. Das nur als Gedanke.

  48. Re: Studie zweifelt an Nutzen von Carsharing: Die Studie betrachtet das Timing nicht ausreichend. Car Sharing wird erst zu einem Rückgang des Fahrzeug Absatzes sorgen wenn diese VERBINDLICHE MOBILITÄT sicherstellen kann. Im Ramp-Up Szenario der letzten Jahre war dies noch nicht abbildbar. Mehrere Studien, auch aus meiner Feder, belegen dass eine kritische Masse an Fahrzeugen erforderlich sind, um Privat PKW zu substituieren.

  49. Werbung

    Liebes Lage-Team,

    zu Beginn der Folge kritisiert Philip, dass er es als Journalist unredlich finden würde, wenn er als Keynote-speaker auftreten würde. Er findet es falsch, wenn Journlist*innen Bsp. auf Sparkasseneröffnung als Moderator*innen auftreten. Ich muss euch an dieser Stelle die Rückfrage stellen: warum habt ihr dann Werbung in eurem Angebot? Ja mehr noch, die Werbung kommt nahezu direkt im Anschluss und ich frag mich, warum ist es für euch bzw. für Philip nicht ok, wenn er als Keynote-Speaker eine IT-Veranstaltung moderiert, aber wenn ihr Werbung, wie in diesem Falle und wiederholt für die Apotheken-Rundschau, macht, dass dann in Ordnung ist?
    Wie kommt ihr zu dem Schluss, dass ihr in letzterem Fall weniger abhängig seid? Auch hier könnte man doch sagen, wenn ihr morgen über Esoterik-Schwachsinn und Homoöpathie-Berichten wollt und die Apothekenrundschau die groß verteidigt und fördert (Disclaimer: Keine Ahnung wie die Apothekenrundschau dazu steht), dass ihr dann auch in einem Interessenskonflikt kommt, ebenso wie es mit einem Auftreten als Keynote-Speaker mach oder machen könntet? Ich will eure Integrität nicht in Abrede stellen, habe darin ein großes Vertrauen, ich will nur die Frage aufmachen und den Vergleich deutlich.

    In dem Zuge noch ein Punkt. Ich verstehe, dass ihr für nicht Lage+-Hörer*innen Werbung schaltet. Cool wäre es, wenn es komplett spendenbasiert wäre, aber ich kann nachvollziehen, dass ihr auch nicht von Luft und Liebe alleine lebt. Aber müsst ihr die Werbung dann wirklich selbst einsprechen? Ich halte das für problematisch, ihr kennzeichnet den Beitrag zwar, aber es sind dann doch die vertrauten und beliebten Stimmen „meiner“ Podcaster die das Produkt anpreisen. Klar, ich sage auch, dass ich lieber eure vertrauten Stimmen höre und die Werbung weit weniger nervig ist, wenn ihr sie vortragt, aber ist nicht genau das das Problem? Werbung will nicht nerven. Aber ich sage, dass sie nerven muss! Wenn schon Werbung, dann muss sie sich abheben, dann muss sie herausbrechen und da kann fünfmal die Info laufen „Achtung Werbung“, wenn sie mein*e vertraute*r Podcaster*in vorliest, dann verbinde ich das Produkt unweigerlich mit ihm oder ihr. Es ist die Empfehlung des Freundes, der Freundin die mich erreicht, er wirbt dafür und das Produkt verbindet sich unweigerlich mit der Integrität der Person und gewinnt durch diese. Es ist aus meiner Sicht eine Sache, wenn ein Hersteller sich Werbezeit bei euch einkauft – auch dies kann man kritisieren –, aber ich halte es für falsch, wenn die Akteure das Produkt selbst bewerben. Trotz Werbehinweis wird es somit Teil der Gesamtproduktion und ihr werdet zu Garanten des Produktes. Da kann ich mir diesen Sachverhalt hundertmal kognitiv vor Augen führen, unbewusst setzt es sich doch fest. Deswegen freut es ja die Werbefirmen, wenn ihr (oder andere) die Werbung selbst übernehmt. Es stört weniger! Das freut die Werbeagentur. Aber es muss stören, sage ich.

    • > Aber müsst ihr die Werbung dann wirklich selbst einsprechen?

      Am Anfang gab es fremde Werbclips, das fanden hier dann viele auch nicht gut, weil so ein klassischer Werbejingle halt überhaupt nicht zum sonstigen Ton des Podcasts passt. Und dann kam von hier der Vorschlag, dass man das doch selbst einsprechen könne, viele US Podcasts würden das auch tun, dann wäre der Bruch nicht so fürchterlich. Gesagt, getan. Jetzt ist das anderen nicht recht.

      > Wie kommt ihr zu dem Schluss, dass ihr in letzterem Fall weniger abhängig seid?

      Für mich der Hauptunterschied ist: Jeder bekommt mit dass Werbung eben Werbung ist, jeder hört ganz transparent, wofür geworben wird. Dies ist auch deutlich gekennzeichnet. Macht man Jobs für Unternehmen, dann würden wir als Hörer dies nur mitbekommen, wenn wir danach suchen würden. Auch ist das “Abrutschen” in irgendeine Abhängigkeit viel größer, insbesondere weil man es selbst vielleicht nicht einmal bemerkt.
      Beispiel: Philipp macht die Keynote und Moderation bei einer großen Telekom Veranstaltung. Mehrmals. Passiert es ihm dann vielleicht unbewusst (oder schlimmer sogar bewusst), weniger Kritik am Gebaren der Telekom zu üben und umso mehr seinen Fokus auf andere Provider zu legen? Denn er will den Job ja weitermachen, der sichert seinen Lebensunterhalt.

      Ich finde schon dass man als Moderator arbeiten kann, aber vermutlich mehr auf unabhängigen Veranstaltungen, von denen es ja auch viele gibt.

      • “Am Anfang gab es fremde Werbclips, das fanden hier dann viele auch nicht gut, weil so ein klassischer Werbejingle halt überhaupt nicht zum sonstigen Ton des Podcasts passt. Und dann kam von hier der Vorschlag, dass man das doch selbst einsprechen könne, viele US Podcasts würden das auch tun, dann wäre der Bruch nicht so fürchterlich. Gesagt, getan. Jetzt ist das anderen nicht recht.”

        Die Diskussion ging leider an mir vorrüber, hab hier nicht ausreichend reingeschaut wohl dazu. Sind denn diese (meine) Bedenken damals auch aufgekommen und wurden sie diskutiert? Nur weil man sich für etwas entscheidet, muss man ja nicht dabei bleiben. Dass es eher aus dem US-Raum kommt, ist mir bewusst, aber auch dort halte ich es für problematisch. Ich gestehe ein, dass ich wohl etwas spät zur Party bin und danke ihnen für die Info, aber
        Ihnen aber vielen Dank für die Information, dass ich leider etwas spät zur Party bin. Aber ein “Gesagt, getan. Jetzt ist das anderen nicht recht.” halte ich für ein unzulässiges Argument. Haben Sie dennoch vielen Dank für die Info, dass es wohl die Diskussion (in Teilen) schon gab.

        “Für mich der Hauptunterschied ist: Jeder bekommt mit dass Werbung eben Werbung ist, jeder hört ganz transparent, wofür geworben wird.”

        Machen die beiden dies nicht vorbildlich bereits bei anderer Gelgenheit? Wie oft erwähnt etwa Ulf, auch nur bei der kleinsten Gelegenheit und Gefahr, dass da Interessen verschwimmen würde, dass er Vorsitzender der GfF ist oder vielleicht den einen oder die andere Jurist*in persönlich kennt?

        “Auch ist das “Abrutschen” in irgendeine Abhängigkeit viel größer, insbesondere weil man es selbst vielleicht nicht einmal bemerkt.
        Beispiel: Philipp macht die Keynote und Moderation bei einer großen Telekom Veranstaltung. Mehrmals. Passiert es ihm dann vielleicht unbewusst (oder schlimmer sogar bewusst), weniger Kritik am Gebaren der Telekom zu üben und umso mehr seinen Fokus auf andere Provider zu legen? Denn er will den Job ja weitermachen, der sichert seinen Lebensunterhalt.”

        Ist es das? Keynotes sind meist einmalige Geschichten und klar wünscht man sich eine Widerholung, aber ist die wirklich höher als wenn besagtes Unternehmen sagt: “Wir kaufen dreimal das Into der LdN und schauen dann, ob wir nochmal 15 kaufen.”

  50. Keine Zeit, deswegen kurz,
    wie wärs denn mit Kochen in der Schule wieder einzuführen (weiß nicht obs das noch gibt) mit saisonalen und regionalen Produkten (national !!! ironie-off) und nur manchmal bzw. Fleisch (damits nicht so apologetisch rüberkommt). Macht den Kindern Spaß, die transportieren nach außerhalb der Schule und die Afd steht blöde da.

    LG

    • Gute Idee, scheitert aber vermutlich an der Ausstattung und dem Personal (das ja schon jetzt kaum ausreicht). Außerdem kann man das auch erst mit etwas älteren Kindern machen (sprich in dem Alter wo man auch schon selbst Experimente im Chemie-Unterricht macht), und da ist der Lehrplan vermutlich jetzt schon ziemlich voll. Vielleicht als AG nachmittags? Wobei ich nicht weiss ob es so etwas überhaupt noch gibt.

      • Eine Freundin von mir macht das schon mit ihren Kita-Kindern, es geht auch schon mit sehr kleinen. Man muss natürlich die Aufgaben entsprechend anpassen.
        Aber klar, das Ausstattungsproblem ist davon auch noch nicht gelöst.

  51. Hallo,
    die absoluten Zahlen von 3 Mio Mitgliedern in 2013 bzw 27 Mio in 2018 bezogen sich nicht nur auf Deutschland sondern weltweit, soweit ich den Heise-Artikel richtig verstanden habe; kam in eurer Lage nicht so richtig rüber.

  52. Ich teile Eure Einschätzung zum Free-Floating-System bei Carsharing voll und ganz. Diese Form von Carsharing basiert in der Idee ja darauf, dass ich von A nach B will. Dies würde ansonsten mit ÖPNV zurückgelegt werden.
    Was aus meiner persönlichen Erfahrung aber die Ziele (weniger private PKW, Stärkung des ÖPNV) erreicht, ist das stationsbasierte Carsharing. Hierzu möchte ich Euch meine Erfahrung mitteilen, da meines Erachtens dies in der Lage zu kurz kommt. Ich wohne in einer Großstadt und bin bei einem stationsbasierten Carsharing-Anbieter angemeldet. Dies ermöglicht es mir, vereinzelt nach Notwendigkeit auf ein Auto zurückzugreifen (Einkauf im Baumarkt, Fahrt zu einer Hochzeit auf dem Land,…). Ein eigenes Auto habe ich deshalb nicht. Gleichzeitig lege ich alle Fahrten innerorts sowie berufsbedingte Fahrten und Fernstrecken mit der Bahn zurück, da hier die Kosten-/Nutzenbetrachtung gegen das Auto spricht.
    Die Grundidee von stationsbasiertem Carsharing ist, dass ich Fahrten von A nach B und zurück zu A fahre. Und genau für diese Art von Fahrten werden bisher eigene PKW benötigt. Um also die Autos aus den Städten zu bekommen, hilft meines Erachtens nur die Förderung stationsbasierter Carsharing-Angebote. Ich habe im Umkreis von 1km 4 Stationen mit schätzungsweise 12 PKW (in unterschiedlichen Größen) und hatte nie ein Problem ein PKW zu bekommen. Dennoch sehe ich, dass diese ständig in Bewegung sind, da meist “nur” 3-5 zur Verfügung stehen. Das heißt, dass eine Vielzahl ein Menschen auf ein Auto verzichtet. mit diesen 12 Parkplätzen werden also sicherlich eine dreistelligen Anzahl an Personen kein eigenes Auto brauchen.

    Vielen Dank für Euren Podcast!

    • Dem stimme ich voll und ganz zu. Wir und einige Freunde verzichten auf ein eigenes Auto und nutzen stattdessen Carsharing. Ich fand es etwas enttäuschend, dass ihr (und wohl die Allgemeinheit) Carsharing mit diesem Free-floating-Kram gleichsetzt (von ein, zwei, Nebensätzen abgesehen).
      – Free-floating wird von Automobilkonzernen betrieben. Natürlich werden die nicht das Ziel haben die Zulassungszahlen zu senken. Im Gegenteil, die wollen jungen, urbanen Menschen das Auto schmackhaft machen.
      – Bei diesem Preismodell können keine Autos ersetzt werden, das muss schon seit Jahren klar sein. Dazu braucht man eigentlich keine Studie. Ihr habt ja auch an eurem eigenen Nutzungsverhalten vor ein paar Folgen gesehen, dass es nur den ÖPNV angreift (Autokonzerne…).
      – Echtes Carsharing ersetzt schon seit Jahrzehnten viele Autos. Wichtig ist hier vor allem die Planbarkeit und das Kostenmodell, so dass man auch Urlaube etc damit machen kann. Echtes Carsharing sind oft Vereine oder Firmen von Umweltaktivisten o.ä. Deren Ziel ist Autos zu ersetzen.

    • Ich sehe das auch so, dass das “richtige” Carsharing, das stationsbasierte, im Gegensatz zum Free Floating tatsächlich in der Lage ist, private PKWs zu reduzieren. Je nach familiärer Situation komplett oder zumindest den Zweitwagen.

      Ein paar Stichpunkte:

      * Keine Nutzung aus Faulheit anstelle des ÖPNV aus dem einfachen Grund, dass das Fahrzeug immer wieder zurückgebracht werden muss, um die Nutzung zu beenden.

      * Große Modellvielfalt macht ein breiteres Nutzungsspektrum möglich: Kleinsttransporter (Corsa Combo) für alle zwei Monate 16 Getränkekisten kaufen; größerer Transporter (Ford Transit) für gelegentliche Möbeltransporte o.ä.; Kleinbus für Ausflüge in Gruppe; Cabrio für gelegentliche Ausflüge ins Grüne, …

      * Funktioniert außerhalb der Hotspots.

      Das Free Floating Modell ist in der Tat zum Ersatz des ÖPNV ausgelegt. Man fährt von A nach B und mit Ankunft in B endet die Nutzung. B muss in einem begrenzten Gebiet liegen (ähnlich ÖPNV). Stationbasiert fahre ich hingegen von A nach B und wieder nach A. Während meines Auftenthalts in B dauert die Nutzung an. B kann überall sein, wo man mit einem Auto hinfahren darf, also auch ein abgelegener Wanderparkplatz oder eine andere Stadt oder ein entferntes Dorf. Das entspricht eher dem, wie man sein eigenes Auto nutzt.

      Ich nutze seit über zehn Jahren stationsbasiertes Carsharing als Ergänzung zum ÖP(N)V. So konnte ich bis jetzt auf ein eigenes Auto verzichten.

  53. Hallo,

    ich höre euren Podcast jetzt schon einige Zeit und daher erstmal vielen Dank von meiner Seite. Immer wieder spannend und interessant. Also weiter so.

    Als ich heute die letzte Folge, u.a. mit der Diskussion zum IPCC Bericht, gehört habe und es in den Kontext eurer Themen der letzten Jahre gesetzt habe, da sind mir ein paar interessante Gedanken haben und mich würde interessieren, was ihr dazu sagt.

    Im Grunde gibt es doch eigentlich drei Hauptfragen, die wir als Menschheit beantworten müssen, wenn wir noch länger auf dieser Welt in Harmonie leben wollen:
    1.) Brauchen wir ein anderes Wirtschaftssystem als das was wir jetzt haben? Kapitalismus, soziale Marktwirtschaft und so basieren ja alle auf der Idee des Wachstums. Allerdings leben wir auf einer finiten Welt, die nicht weiter wachsen kann. Sprich das muss doch aus reiner Logik schon irgendwann zum Kollaps führen. Brauchen wir nicht eigentlich ein Wirtschaftssystem, dass die Nachhaltigkeit als Mantra hat? Wie könnte so etwas aussehen?
    2.) Da unsere Erde finit ist und wir, auch laut IPCC-Bericht, bald zu viele Menschen sind, wie gehen wir damit um? Irgendwann kommt man dann ja an den Punkt, wo man die Menschheit jetzt dezimieren müsste, um den langfristigen Fortbestand zu sichern. Das wirft natürlich ganz viele Fragen auf. Wie denkt ihr darüber?
    3.) Wenn die Menschheit auf seinen Untergang zusteuert, ist die Demokratie dann noch die richtige Regierungsform? Oder anders gesagt: Wenn die Mehrheit der Menschen nicht am langfristigen Bestehen interessiert ist (was wir ja im Moment stark zeigen), dann führt eine Demokratie ja zwangsweise zum Ende der Menschheit, weil die Demokratie die Mehrheit vertritt. Sprich unter der Prämisse, dass Menschen in der Mehrheit ihr jetziges Glück dem Glück anderer in der Zukunft überstellen, dann haben wir doch eh keine Chance oder?

    Ich weiß, dass sind relativ schwierige Fragen zu beantworten, aber ich denke ohne uns wirklich über diese Fragen Gedanken zu machen können wir noch lange über die Besteuerung von Fleisch diskutieren ohne großen Erfolg. Vielleicht mögt ihr ja auch mal eine Sondersendung zu diesen Fragen machen oder so. Ich würde mich freuen.

    Liebe Grüße

  54. Da das Thema persönliche CO2 Einsparung bei euch immer wieder Thema ist, wollte ich dazu mal kommentieren. Klar ist jeder kleine Beitrag sinnvoll, aber ich komme mir nach meinen Erfahrungen in Wirtschaft und Industrie immer etwas albern vor, wenn ich vegetarisch koche und dabei denke:
    “Ich bin voll der Klimaretter”.

    Als Beispiele fallen mir da ein:
    – Nach einer 3tägigen Messe kommen 2000qm neuer Teppich in den Container und einer in einer anderen Farbe in die Halle
    – Nach einer Managemententscheidung kommen 200 Router nach etwa 3 Monaten im Betrieb aus Datenschutzgründen in den Schredder
    – Ein 200 Seiten Katalog wird gelayoutet und 10.000 mal gedruckt. Danach fällt dem Kunden ein: Ach so ganz gefällt mir die Farbe doch nicht. Alles in den Schredder und neu gemacht.

    Vielleicht sollte man eine Abgabe auf industrielle Entsorgung erheben/erhöhen…

    Sowieso fühle ich mich als Verbraucher von der Politik bei den Klimaschutzthemen im Stich gelassen:
    – Das EU-Energielabel ist laut Wikipedia seit 1998 nicht aktualisiert worden. Sogar der Handel hat mit den A++ Kennzeichnungen reagiert. Nette Idee vergammeln lassen.
    – Die Plasikverpackungen, die es überall gibt, könnten aus kompostierbaren Kunststoff hergestellt werden. Der ist zwar scheinbar auch nicht die optimale Lösung (https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/19738-rtkl-bio-plastik-kompostierbare-plastiktueten-warum-die-meisten-menschen), aber zumindest kann er nicht ewig im Meer kreiseln. Warum wird s owas nicht gefördert? Oder das Plastik besteuert?
    – Wie Ihr erwähnt, wird ein großer Teil der Lebensmittel weggeworfen. Zwar sind hier auch die Verbraucher Schuld(https://www.zeit.de/wissen/2019-05/lebensmittelverschwendung-haushalte-essen-muell-deutschland), aber der einzelne ist nur über lange Zeit zu “erziehen”. Daher erstmal “containern” legalisieren oder anders das Wegwerfen im Handel unattraktiv machen.
    – Wieso gibt es noch immer keine/wenig Inspektoren für Nitratbelastung? Das Problem mit der Gülle stand schon in meinen Schulbüchern aus den 80ern…

    Noch ein spannender Radiobeiträge zum Thema Landwirtschaft: https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/tiefenblick/landwirtschaft-folgen-umwelt-100.html

    Oh und BTW: Danke für eure wöchentlichen Analysen!

    Prof. Bienlein

  55. Hallo,
    in der aktuelle Folge des Podcast wird gesagt, dass man die Preise für Fleisch erhöhen sollte, um den Konsum zu verringern und somit unter anderem die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Zwar ist es richtig, dass bei der Fleischproduktion nicht unbeachtliche Mengen an Treibhausgasen entstehen. Allerdings sind diese bei der Produktion von Milchprodukten noch höher. Das kann man unter anderem hier nachlesen:
    https://www.bundestag.de/resource/blob/459034/6e4108a96aa55c9940a3da82bb133f5a/wd-5-068-16-pdf-data.pdf
    Man müsste also auch Milchprodukte höher besteuern, nicht nur Fleisch.
    Zu dem Thema Ökolandbau: Richtig ist, dass der ökologische Landbau zahlreiche Vorteile für die Umwelt mit sich bringt, allerdings muss bedacht werden, dass der Ertrag pro Fläche geringer ist und für die mechaische Unkrautregulierung meist mehr Energie aufgewendet werden muss. Dies gleicht qausi der Einsatz und die Produktion von Petiziden etc. in der konventionellen Landwirtschaft wieder aus und somit kann nicht pauschal gesagt werden, dass der Ökolandbau die bessere CO2-Bilanz hat. Denn das ist sehr komplex und hängt auch stark von dem Standort und den angebauten Feldfrüchten ab.
    Zudem könnte ich mir vorstellen, dass Biofleisch sogar eine schlechtere CO2 Bilanz aufweist, da die Tiere dort ja langsamer wachsen und länger leben und somit mehr Futter benötigen und auch der Flächenverbrauch höher ist. Allerdings ist dafür der Anteil an Kraftfutter, insbesondere an Soja aus Südamerika, sehr viel geringer, was die CO2-Bilanz von konventionellem Fleisch deutlisch verschlechtert.

  56. Noch ein Themenvorschlag – sorry habe gerade Zeit: Negativzinsen sind in der üblichen Presse eher negativ belegt insbesondere die Diskussionen darum, ob auch Bargeld mit einer Gebühr beaufschlagt werden müsse. Zum Einstieg von alternativer Seite dies hier: https://humane-wirtschaft.de/iwf-oekonomen-diskutieren-fliessendes-geld-steffen-henke/ aber auch (sorry, selbe Quelle) https://humane-wirtschaft.de/gentrifizierung-im-zahlungsverkehr/ zur bedeutung von Bargeld allgemein

  57. Themenvorschlag: https://www.spiegel.de/panorama/justiz/jeffrey-epstein-fbi-ermittelt-nach-tod-in-gefaengniszelle-a-1281387.html
    Dazu würde mich Eure Recherche mal interessieren, das Netz ist diesbezüglich ja ungefähr unendlich (also ungefähr doppelt so unendlich wie üblich)…

  58. Ich habe vorhin zum ersten Mal euren Podcast gehört. In der Folge vom Samstag redet ihr unter anderem über Bio Lebensmittel und darüber diese steuerlich zu bevorzugen.

    Ich finde, man sollte dort immer noch zwischen tierischen- und Agrarprodukten unterscheiden!

    Ob biologische Agrar Produkte zwingend besser für den Menschen oder die Umwelt sind, kann man gar nicht so einfach sagen. Da sollte ein viel höherer Fokus auf regionale und saisonale Produkte liegen.
    Ziemlich gut dargestellt in diesem Video https://youtu.be/KV1NVltMZjQ

    Bei tierischen Produkten geht es ja auch noch um das Tierwohl, auf welches ihr ja bewusst nicht eingegangen seid und auch gesagt habt, dass das nicht unbedingt mit Ökologie zusammenhängt. Da stimme ich euch zu.

    Finde nur, wie gesagt, dass man auch pflanzliche und tierische Produkten noch unterscheiden sollte, gerade in Diskussionen.

    Ansonsten hat mir euer Podcast sehr gut gefallen! 👍🏼

    Passend zum Thema noch:
    https://youtu.be/y6f3dwxexZM

  59. Ein einfache Forderung von meiner Seite an diejenigen die die Öffentlichkeit über den Stand der Klimakrise informieren:
    Beim IPCC sollte das letzte C für Crisis stehen. Eine einfache Korrektur die man werbewirksam transportieren kann und die die Doomsday Clock öffentlich von 3 vor auf 7 nach 12 stellt.

  60. 11. August 2019 um 16:52 Uhr
    Cornelius Fleischhaker

    Liebes Lage Team,

    Beim Thema Fleischbesteuerung ist einiges durcheinander gekommen. Es war immer wieder von Umsatzsteuer die Rede, aber es geht natuerlich um die Mehrwertssteuer. Eine Besteuerung von 19% waere aber auch keine Strafsteuer sondern der Regelsteuersatz, der fuer die meisten Waren und Dienstleistungen anfaellt. Fleisch ist also im Moment steuersubvensioniert, weil es als Grundnahrungsmittel gilt. Die veringerte Besteuerung von Nahrungsmitteln wird mit sozialer Gerechtigkeit begruendet, ist aber in dieser Hinsicht sehr ineffizient: Reiche Haushalte geben – absolut – mehr fuer Nahrungsmittel aus und profitieren daher – in Euro pro Kopf – mehr vom verringerten Steuersatz. Effizienter waere ein einziger Mehrwertssteuersatz (unter 19%) und ein Ausgleich fuer Geringverdiener bei der Einkommenssteuer oder bei Sozialleistungen.
    Fuer die Steuerfunktion waere eine CO2 Steuer das bessere Instrument. Bei einer Steuer von 50 Euro pro Tonne CO2 und den erwaehnten 13 kg CO2 pro Kg Rindfleisch wuerde diese 65 Cent pro Kilo Rindlfeisch betragen. Sie waere in so fern steuernd, dass andere Fleischsorten die einen geringeren Carbonfootprint haben auch weniger kosten wuerden.
    Die Bio-Diskussion ist auch etwas fehl am Platz. Bei Rindfleich haengt der Ausstoss sehr stark von der Wachstumsgeschwindigkeit bzw Effizienz (kg Futter pro Kg Fleisch erzeugt) ab, desweitern von der Art das Futters das sich auf die Verdauung auswirkt. Da ist Biohaltung nicht unbedingt besser.

    Viele Gruesse,

    Cornelius aus Washington (heute aus Brasilia)

    • hmm, es gibt offiziell gar keine Mehrwertsteuer, die heißt nur umgangssprachlich so. Der offizielle Name ist Umsatzsteuer … demgemäß ist auch nichts durcheinandergeraten.

      Bitte macht euch doch erst mal schlau, ehe ihr uns Fehler unterstellt – wir machen schon genug echte ;) Da brauchen wir hier keine Hinweise auf vermeintliche.

  61. Vielen Dank für das Gespräche zum Thema Hongkong, hat mir persönlich wirklich gut gefallen. Ich hätte mir nur gewünscht, dass der Konflikt zwischen “eingeborenen” Hongkongern und zugewanderten Festlandschinesen ein wenig beleuchtet worden wäre, denn das spielt bei den Protesten durchaus eine Rolle. In den Zusammenhang hätte man vielleicht erwähnen können, dass Deutschland erstmals Hongkong-Chinesen als politische Flüchtlinge anerkannt hat. (https://www.spiegel.de/politik/ausland/deutschland-schuetzt-zwei-aktivisten-aus-hongkong-china-ist-empoert-a-1268929.html)

    • Ich denke auch, dass zusammen mit politischen und wirtschaftlichen Faktoren einer der wichtigen Treiber der aktuellen Proteste und damit definitiv erwähnenswert ist. Leider ist die Situation aktuell so komplex, dass es schwer ist, alles Wichtige in weniger als 20 Minuten zusammenzufassen – besonders, da man oft nochmal grundsätzlich erklären muss, wie HK zu China steht . Wir hatten bei Fernostwärts selber eine fast einstündige Folge zu dem Thema und auch da sind uns sicher einige wichtige Aspekte entgangen.

  62. Themenvorschlag: Sexkaufverbot

    Aktuell treiben einzelne SPD-Frauen ein Sexkauf-Verbot nach dem sog. „nordischen Modell“ voran, s. z.B.:
    https://m.tagesspiegel.de/politik/streit-um-prostitutionsgesetz-spd-frauen-wollen-kauf-von-sex-komplett-verbieten/24455180.html
    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/prostitution-ist-auch-ein-arbeitsmarktthema-debatte-ueber-sexkaufverbot-a-1276368.html

    Ich finde das Thema aus mehreren Gründen wichtig: Zunächst sind da natürlich grundlegende Erwägungen der individuellen Freiheit, die hier eingeschränkt würde. Dies könnte zum Schutz der Prostituierten allerdings geboten sein. Leider scheint ein Verbot deren Situation aber eher zu verschlechtern:
    https://www.economist.com/europe/2019/06/15/the-idea-of-criminalising-prostitutes-clients-is-spreading

    Aktueller Schlagabtausch zwischen Leni Breymaier und Sonja Dolinsek dazu: https://www.deutschlandfunk.de/streitkultur.2926.de.html

    • Hallo,

      Ich habe noch eine paar Punkte zum Thema Mobilität.

      Ich bin einer der Early Adopters der such zum Start der e Scooter einen eben solchen gekauft hat. Ich ersetzte damit tatsächlich mein Auto und bin auf UBahn und e Scooter für die letzte Meile umgestiegen.

      Die Berichterstattung vor der Einführung und auch jetzt noch ist zum großen Teil sehr negativ gehalten, das führt in der Realität dazu, das ich regelmäßig verbal beschimpft werde, einmal wenn ich mit dem (zusammengeklappten) e Scooter in die UBahn steige und natürlich mehr Platz benötige als ohne (obwohl die Münchner MVG ausdrücklich die Mitnahme gestattet) und auch sehr häufig wenn ich auf Radwegen oder falls nicht vorhanden auf der Straße fahre. Für die Fußgänger bin ich zu leise, für die Radler zu langsam und die Autos fahren gern hupend und schimpfend mit 2cm Abstand an mir vorbei.

      Ich hatte mich eigentlich sehr auf den e Scooter gefreut und war froh das ich mein Auto stehen lassen konnte, aber die aktuelle Stimmung in der Gesellschaft und die sinnfreie Beschränkung auf 20 km/h lassen mich mittlerweile wieder überlegen das Teil bei eBay zu verkaufen und wieder Feinstaub-schleudernd den Arbeitsweg zu bestreiten.

      So wird das nix mit autofreien Innenstädten.

      Gruß,

      Nick

  63. Hallo und vielen Dank für Euren tollen und informativen Podcast!

    Ich bin vor kurzem auf das Prinzip des systemischen Konsensierens aufmerksam geworden (www.sk-prinzip.eu) und könnte mir vorstellen, dass es zur Entscheidungsfindung in komplexen Prozessen, die von vielen Beteiligten mitbestimmt werden, äußerst hilfreich ist. In einer der schon etwas länger zurückliegenden Folgen habt Ihr Euch auch schon mal mit der Umgestaltung der Parteienlandschaften auseinander gesetzt und dass es zunehmend schwieriger wird, mit vielen Parteien zu guten Entscheidungen zu kommen. In unserer Demokratie geht es zu oft zu vielen um Macht und zu wenig um gute Entscheidungen. Und diese Entscheidungen brauchen wir heutzutage dringender denn je (der Klimawandel treibt mich dabei am meisten um).

    Ich selbst habe keinen Interessenskonflikt, habe mit den Entwicklern der Methode nichts am Hut. Ich bin Psychotherapeut in eigener Praxis.

    viele Grüße
    Norbert Winkler

  64. Moin aus Hamburg!

    Hätte noch einen kurzen Einwurf zum kompletten Themenkomplex Carsharing/E-Tretroller/innerstädtische Mobilität.

    Als ich vor einigen Jahren nach Hamburg gezogen bin, war ich vor allem sehr positiv beeindruckt von StadtRAD, einem stationsbasierten Leihsystem für Fahrräder. Der Clou: Die ersten 30 Minuten Ausleihen sind kostenlos und das Stationssystem ist in vielen Gebieten relativ dicht.
    Gerade als Ergänzung zum ÖPNV funktioniert StadtRAD extrem gut, da die Stationen natürlich oft an U- und S-Bahnhaltestellen sowie anderen verkehrsrelevanten Orten positioniert sind.

    Habe StadtRAD sehr gerne genutzt, als ich noch etwas außerhalb gewohnt habe und nicht die komplette Strecke zur Uni mit dem Rad zurücklegen konnte, gerade aber die letzten Meter von der U-Bahn zur Uni mit dem Bus im Berufsverkehr extrem zäh waren. Mit dem StadtRAD konnte ich meistens entspannt und kostenlos vorbei radeln.

    Wohne mittlerweile etwas zentraler und kann 99% meiner Strecken vollständig mit dem eigenen rad erledigen und benutze StadtRAD deutlich seltener (wenn mein Rad defekt ist, bei ungeplanten Strecken, mit Besuch aus anderen Städten, …), schätze das Angebot aber immer noch sehr und halte es für einen wesentlich sinnvolleren Beitrag zur innerstädtischen Mobilität als E-Tretroller oder Carsharing. Teilweise gibt es an einigen Stationen mittlerweile auch Lasten-Pedelecs und andere fancy Räder, damit habe ich aber keine Erfahrungen.

    Denke, dass sich gerade Leihräder auch in kleineren Städten mit überwiegend kürzeren Wegen super sinnvoll einsetzen ließen. Rechnen tut sich ein entsprechendes Angebot mit kostenlosen Mietzeiten sicherlich nicht, aber mit politischem Willen und in Anbetracht einer dringend notwendigen Mobilitätswende sollten sich imho mehr Städte entsprechende Leihrad-Systeme leisten!

    Zusätzlich wünschenswert sind natürlich weitere Maßnahmen für fahrradfreundlichere Städte (die Anzahl an Nahtoderfahrungen, die man als Radfahrer*in an einem Tag macht, ist erschreckend!) usw., aber das ist ein ganz eigenes Thema.

    Viele Grüße und danke für euren tollen Podcast!

  65. Was mich bei der Diskussion Klima und Ernährung etwas irritiert: Man hört – nicht nur bei Euch – immer Zahlen, in denen die Bilanz für 1 Kilo $nahrungsmittel genannt wird. Das mag, wie in der Sendung genannt, das 80fache sein, allerdings sollte da der Nährwert mit rein recherchiert werden.

    Ich kenne selbst keine Nährwertvergleichszahlen, kann also nicht sagen in welchen Größenordnungen sich das bewegt. Ich würde aber aus dem Bauch raus sagen, dass mit einem Kilo Fleisch 4-5 Leute ernährt werden können, mit einem Kilo Gemüse eher weniger.

    Mit ist bewusst, dass das Verhältnis dadurch auch nicht um Größenordnungen verschoben wird, aber es geht irgendwie unter

    • Auf den ersten Blick ja, aber wir müssen die Tiere für eine bestimmte Zeit am leben halten und mästen. 97% der Kalorien aus dem Tierfutter gehen für uns verloren. Nur 3% werden in Fleisch umgewandelt, welches wir nutzen können.
      (https://www.youtube.com/watch?v=y6f3dwxexZM die Videos von Kurzgesagt möchte ich wärmstens empfehlen)

    • Den Eindruck von Christian würde ich gerne bekräftigen. Ich find es auch irgendwie schräg Gemüse mit Fleisch zu vergleichen. Ich kann ja meinen Fleischkonsum nicht dadurch kompensieren, dass ich nur noch Gemüse esse. Wie sieht der Vergleich zwischen Fleisch und möglichen Alternativen aus?

      Und außerdem habe ich leider keine Recherche bei Foodwatch gefunden, die belegt, dass die ökologische Landwirtschaft nicht immer umweltfreundlicher ist als die konventionelle Landwirtschaft. Den Einseiter auf ihrer Webseite liefert da auch keine Belege:
      https://www.foodwatch.org/de/informieren/bio-landwirtschaft/

    • Hallo Christian, du musst bedenken, dass den Tieren nicht Gemüse gefüttert wird sondern Getreide/Soja. Für die Produktion von 1 kg Rindfleisch zum Beispiel etwa 16 kg Getreide verfüttert werden müssen. Davon kann man deutlich mehr Leute ernähren als von einem Kilo Fleisch.
      Etwas anders sieht es natürlich aus, wenn die Rinder auf der Weide stehen und nur Gras und vielleicht noch Heu/Grassilage fressen, die wäre für uns Menschen ja nicht verwertbar und somit gäbe es dann keine Nahrungsmittelkonkurrenz. Doch mal ehrlich, wie viele Rinder werden so ernährt? Nur bei Bio ist die Zufütterung von Kraftfutter beschränkt (generell alle Bioprodukte haben in DE momentan einen Marktanteil von etwas über 5%) und und dann gibt es noch die Bauern, die ihre Rinder tatsächlich weiden lassen, aber der Großteil aller Rinder steht das ganze Jahr über im Stall und bekommt Kraftfutter gefüttert.

  66. Die @fdpbt-Positition zur #Fleischsteuer wurde nur halb wiedergegeben:
    Kontra 1: Staat nimmt genug Geld ein (Ja, das sind #FDP_Classics)
    Kontra 2: #Tierwohl wird mit strengeren Vorgaben & Kontrollen geholfen (ja, auch #FDP mag Tiere 😉)
    Der Interessensverband ISN e.V. sieht das übrigens ähnlich und fordert wie die FDP eine Nutztierstrategie von Julia Klöckner und dem BMEL. Da sind wir also auf der richtigen Fährte ;-)

    https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-08/fleischsteuer-mehrwertsteuer-tierwohl-klimaschutz#welche-anderen-moeglichkeiten-gibt-es-fuer-mehr-tierwohl-zu-sorgen

    Weitere FDP-Stimmen pro #Tierwohl:
    https://cityreport.pnr24-online.de/fdp-brandenburg-ja-zum-tierschutz-nein-zur-fleischsteuer/

    Ulf’s folgender Punkt war IMHO am überzeugendsten:
    Eine undifferenzierte #Fleischsteuer hilft Massentierhaltung, da manche Bürger von #Bio- auf #Billigfleisch umsteigen werden (müssen).

    Darauf hatte Linda Teuteberg übrigens auch hingewiesen:
    https://www.liberale.de/content/hoehere-fleischsteuer-traegt-weder-zum-tierwohl-noch-zum-klimaschutz-bei

  67. Zum Thema “Weniger Steuern auf Bioprodukte”: Gerade im Kontext des IPCC Berichts zur Landflächennutzung wäre es fatal, jetzt ausschließlich den (deutschen) Biolandbau zu fördern. Biolandbau verbraucht mehr Fläche für den gleichen Ertrag. Das bestreiten auch Biolandbauern nicht (zumindest die meisten). Auf Bioland.de (nicht gerade ein Lobbyverein gegen Biolandbau) erschien gerade ein Artikel, der ausdrücklich sagt, dass Biolandbau allein keine Lösung ist, sondern das ein Mix aus konventionellen und Biolandbaumethoden ernsthaft nachhaltig wäre. Hier der Artikel: https://www.bioland.de/im-fokus/meinung/detail/article/nein-der-oekolandbau-ist-nicht-das-patentrezept.html
    Zum gleichen Schluss kommt auch dieses Video von kurzgesagt auf YouTube: Bio-Produkte haben minimal geringere Spuren von Pestiziden auf sich und sind ein kleines bisschen besser für Ökosysteme, gleichzeitig verbrauchen sie aber mehr Land und sind weniger ertragsstabil. Auch kurzgesagt kommt zu dem Schluss: Wir müssen von beiden Formen lernen und eine Zwischenform entwickeln, die die Vorteile beider Methoden kombiniert und die Nachteile (Hoher Pestizideinsatz bei den konventionellen und dogmatische Ablehnung neuer Technologien bei Bio) los wird. Hier das Video https://www.youtube.com/watch?v=KV1NVltMZjQ

    Beide Forderungen wären quasi komplett hinüber, würde Ulfs Forderung nach einer steuerlichen Bevorteilung von Bioprodukten stattgegeben.
    Davon mal abgesehen bedeuten höhere Steuern auch immer: Dann können sich halt Besserverdiener gutes Fleisch leisten, und alles vom Durchschnittslohn abwärts darf Massentierhaltungsfleisch essen. Wenn man was fürs Tierwohl und Klima tun will, sollte man Stallgrößen, Tierzahlen und Flächennutzung für die Tierhaltung begrenzen. Gleichzeitig muss massiv was dafür getan werden, dass auch Geringverdienende sich eine gute Ernährung leisten können. Denn mit der bewussten Wahl von besseren Produkten ist nicht viel her, wenn man sich einfach nur die jeweils billigste Qualität leisten kann. Da hilft es nicht, wenn das Biofleisch von 30 € auf 25 € das Kilo gesenkt wird, wenn sowieso nur Pute für 5 bis 6 €/kg das Kilo in Frage kommt.
    Und letztendlich: Solange wir unsere Energie darauf verwenden, über den korrekten Steuersatz für Lebensmittel zu streiten, wenden wir sie nicht dafür auf, endlich die Kohlekraftwerke abzuschalten. Kaum etwas hätte einen größeren Effekt auf den CO2 Fußabdruck wie der Ausstieg aus der Kohle. Diskussion über Fleischkonsum oder Vielfliegerei sind wichtig, haben aber global gesehen nicht ansatzweise die Wirkung wie ein Ausstieg aus der Kohle (und weg vom Erdöl).

    • Ergänzend dazu: Die beiden Ziele “Tierwohl” und “Minimierung von Emissionen” sind leider nicht beide mit dem Kauf von Bio-Fleisch erreichbar. Im Gegenteil: Artgerechte Tierhaltung emittiert (u.a. durch die körperliche Aktivität der Tiere) mehr Treibhausgase pro Kilo Protein. Um den “Hoofprint” der Tierhaltung zu reduzieren, plädiere ich daher dazu, weniger Fleisch zu essen. (Dazu kommt, dass insbesondere Rinder wesentlich mehr Treibhausgase emittieren als andere Tiere. Man kann also auch darüber nachdenken, welches Tier man essen sollte; Bio-Fleisch hilft dem Klima aber nicht.)
      https://www.economist.com/feast-and-famine/2013/12/31/meat-and-greens

  68. Moinsen,
    erstmal wieder eine fettes Dankeschön, für diese tolle und ungebrochen leidenschaftliche Folge.
    Bei der Diskussion über 19% MwSt. auf Fleisch fehlen mir 2 Aspekte.
    1. Als ich vor ein paar Jahren mit meiner Ex auf fleischlose Ernährung umstellte, stiegen unsere monatlichen Ausgaben für Essen um fast 30%. Bedenkt man weiterhin, dass die MwSt. gerade eine der Abgaben ist, unter welcher Geringverdiener am meisten zu leiden haben, dann sollte man auf soziale Ausgewogenheit dieser “Steuerung” des Fleischkonsums achten. Wie wäre es z.B. die MwSt. auf Gemüse das viel Eiweiß enthält zu senken? (Ja, meinetwegen auch auf 0 Prozent, wenn man keine neue MwSt. Gruppe einführen will.)
    2. Die steuernde Wirkung einer MwSt. Erhöhung wird bedeutungslos, wenn man sich klar macht, dass heute bereits 30% des produizierten Fleisches von Deutschland ins Ausland exportiert werden. Noch dazu werden viele der Mega-Produzenten subventioniert. Ich vermute die Abschaffung dieser Subventionen und umgekehrt Anreize zu schaffen, nicht zu exportieren (Wie könnte man das machen? Habt Ihr eine Idee?) hätte weit positivere Auswirkungen auf unseren CO2-Eintrag.
    Grüße nach Berlin

    • Ich würde gerne verstehen, wie diese Steigerung zu erklären ist. Gerade die eiweisshaltigen Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen etc. sind im Vergleich zu Fleisch ja nicht gerade teuer. Seid Ihr auf stark verarbeitete Fleischersatzprodukte wie Tofu-Würstchen oder Seitan-Burger umgestiegen?

      • Wenn man sich mit Fleisch schon gesund ernährt hat, braucht man nach einer Umstellung im großen und ganzen nichts verändern – nur das Fleisch weglassen. Den Rest in der Menge erhöhen, teuer sollte es so eigentlich nicht werden.

      • Würde mich auch interessieren. Ich tracke seit 2 Jahren meine Ausgaben und habe Anfang des Jahres angefangen meinen Fleischkonsum stark reduziert und es ist nicht teurer geworden.

        Im Gegenteil: Ich koche häufiger selber, weil ohne Fleisch der Pizzaservice/Dönerbude unattraktiver ist. Und wenn ich dort was vegetarisches bestelle, dann ist das meistens billiger als die Fleischvariante.

        Insgesamt ist das ein extrem komplexes Thema, weil es zahlreiche Wechselwirkungen gibt. Deshalb sind Aussagen wie “Vegetarische Ernährung ist teurer” immer schwierig. Umgekehrt gilt es natürlich auch “Vegetarisch ist billiger/gesünder” ist ebenso kritisch zu sehen.

        Kommt immer extrem auf die Details an…

  69. Eine namentliche Erwähnung des “Bellincat-Reporters” wäre schön gewesen. Robert Evans ist schließlich nicht irgendwer, sondern einer der fachkundigsten Beobachter der Alt-Right. Evans’ Einschätzungen zum Thema haben meines Erachtens jedenfalls deutlich mehr Gewicht, als die der meisten anderen, da er sich tatsächlich die nervlich immens anstrengende Arbeit ans Bein bindet, die entsprechden Foren und Message-Boards der Alt-Right ausdauernd zu lesen. Das gibt ihm eine besondere Perspektive, die irgendeinem Wald- und Wiesenreporter nicht offen steht. Evans ist als Journalist und Podcaster ein Kollege von euch, der namentliche Anerkennung verdient.

    Ansonsten gute Arbeit. :)

  70. Ich fand bei der vorletzten Lage 151 toll, dass beide Moderatoren versucht haben, leider ohne Erfolg, den Interviewpartner über Thema Verhalten Russland in der Ukraine die Sicht Russlands zu beschreiben. Ich hatte das Gefühl, das er das nicht nur wollte, sondern auch nicht konnte. Ich denke zu jedem Thema gibt es viele seriöse Spezialisten die eine konträre Meinung haben. So ein gutes Pendant zu dem Interviewpartner in der Lage 151 zu Russland wäre Frau Prof. Gabriele Krone-Schmalz als Interiewpartnerin. Sie ist eine seriöse und absolute Spezialistin zum Thema Russlandengagement in der Ost-Ukraine, Syrien und Wahleinmischung in westliche Demokratien. Sie beleuchtet auch das Thema Abspaltung der Krim aus völkerrechtlicher Perspektive, und war bei den großen Polittalkshows eingeladen. Leider habe ich sie schon länger nicht mehr gehört/gesehen.

  71. Zum Thema Carsharing – Philipp hat das schon angeschnitten, aber weil das eher in einem Nebensatz war, will ich euch nochmal ermutigen, in einer zukünftigen Folge darauf einzugehen: Der Punkt “stationsgebundenes Carsharing” sollte nochmal ausdrücklich beleuchtet werden, denn darauf bezog sich ja die genannte Studie explizit nicht. Ich denke, es wäre wichtig, zu diesem Thema ebenfalls belastbare Daten zu bekommen und (so sie sich von der “Free Floating” Untersuchung signifikant unterscheiden) zu präsentieren.

    Intuitiv könnte ich mir jedenfalls sehr gut vorstellen, dass stationsgebundenes Carsharing auch bei einer sehr viel geringeren Bevölkerungsdichte sinnvoll zu betreiben ist (was natürlich auch die Zielgruppe schlagartig und beträchtlich vergrößern würde). Das kann ich aber nicht mit empirischen Daten, sondern nur mit persönlicher Erfahrung belegen – jedenfalls sind die Stationen von stadtmobil für uns der Grund, dass wir (in einem mit 800 Ew/km² deutlich weniger dicht als in der Studie besiedelten Vorort von Karlsruhe) seit Jahren gut ohne eigenes Auto auskommen.

    Vielleicht findet ihr zu diesem Thema ja noch was.

    P.S.: Ich will mir da gar keinen Heiligenschein aufsetzen – unser Verzicht auf das Auto ist vielmehr finanziellen Umständen als der Verfügbarkeit von Mietautos geschuldet, insofern ist man den Carsharing-Fahrzeugen immer durch eine gewisse Hassliebe verbunden. Allerdings würde sich wohl die Abwägung für mehr Leute in Richtung Carsharing verschieben, wenn ein eigenes Auto tatsächlich teurer würde, ohne auch das Carsharing gleichermaßen zu belasten.

    • In dem Zusammenhang finde ich das Konzept von Drivy/Getaround spannend: Die bieten an, dass man sein eigenes Auto dem CarSharing zur Verfügung stellen kann (also auch stationsgebunden) und so Geld verdienen kann.

      Mit Drivy Open muss man wohl gar nicht mehr die Übergabe betreuen, sondern der Kunde kann wie bei klassischen Sharing-Angeboten per App das Auto öffnen: https://www.drivy.de/open-autobesitzer

    • Ich möchte den Kommentar von Florian bekräftigen. Beim Thema “Carsharing” werden stationsgebundene und Free-Floating-Modelle häufig in einen Topf geworfen. Die Free-Floating-Modelle werden in aller Regel nach Minuten abgerechnet; längere Mieten werden meist exorbitant teuer. Für den Großeinkauf oder die Fahrt ins Grüne kommen diese Anbieter daher eigentlich nicht in Betracht; vielmehr ersetzen sie andere Verkehrsträger in der rein innerstädtischen Mobilität und schaffen damit einen Bedarf, der vorher gar nicht bestand.

      Stationäres Carsharing ist damit nicht zu vergleichen. Die Fahrzeuge verstopfen meist nicht den öffentlichen Parkraum, da sie auf festen, angemieteten Stellplätzen abgestellt sind. Die Kosten setzen sich aus einer Stundenpauschale (idR 2-5€) und einer Kilometerpauschale (ab 25 Cent) zusammen, d.h. Standzeiten am Zielort sind kalkulier- und bezahlbar – im Gegensatz zu den Free-floating-Anbietern, von denen die allermeisten mittlerweile keine günstigen Parktarife mehr haben. Zudem ist die Nutzung planbar, d.h. ich kann mir ein bestimmtes Auto an einem bestimmten Ort für eine bestimmte Zeit fest buchen – meist sind sogar die Stornoregeln sehr fair (zwischen 24 und 1 Stunde vor Mietbeginn).

      Natürlich setzt stationäres Carsharing voraus, dass sich eine Station in der Nähe des Wohnorts befindet – ich schätze mal, dass ca. 10 Minuten Fußweg die Obergrenze für Alltagstauglichkeit und Akzeptanz sind. In Freiburg hat man beispielsweise mit einem Bebauungsplan Stellplätze dem Allgemeingebrauch entzogen und zu dedizierten Carsharing-Stellplätzen umgewandelt (https://www.freiburg.de/pb/502977.html). Positiver Nebeneffekt: Bei Mietende habe ich einen festen, reservierten Parkplatz; lästiger und CO2-intensiver Parkplatzsuchverkehr entfällt komplett.

      Wo stationäres Carsharing zu teuer wird (etwa ab einem vollen Tag bzw. bei größerer Kilometerleistung), kommt dann das konventionelle Mietauto ins Spiel – und das konkurriert auf der Langstrecke dann mit der Bahn (die leider zu sehr auf Einzelreisende setzt und zu wenig sinnvolle Angebote für Kleingruppen mit 2-5 Passagiere macht).

      Mein Fazit: Stationäres Carsharing ist ein echter Beitrag zum Modalmix und kann auch außerhalb der Innenstädte ein eigenes Auto sehr gut ersetzen; außerhalb der großen Städte kann es jedenfalls ein Zweitauto überflüssig machen (das in vielen Familien vorhanden ist). Ich finde, die Kommunen sollten viel schneller und entschlossener Parkraum dem Individualgebrauch durch private Fahrzeughalter entziehen und durch das Ausweisen dedizierter Carsharing-Parkplätze, Ladezonen und Fahrradstellplätze wieder einen echten Allgemeingebrauch dieser Flächen herstellen.

    • Carsharing hat zwei groessere Probleme:

      1) Es reduziert zwar den individuellen Fahrzeugbesitz(*) und damit den Flaechenverbrauch im ruhenden Verkehr, aendert aber wenig am durchschnittlichen Besetzungsgrad von Kraftfahrzeugen. Ob nun durchschnittlich 1,2 Menschen jeweils in einem eigenen oder in einem kurzfristig gemieteten Fahrzeug sitzen, ist relativ wurscht fuer die Raumgeometrieprobleme insbesondere in der Stadt. Vor dem Hintergrund sind gut funktionierende Car_pooling_systeme vermutlich sinnvoller als Carsharing. Wenn ich Fahrzeuge moeglichst effizient auslaste, verbrauche ich sowohl weniger Flaeche als auch weniger Kraftstoff pro Kopf.
      2) Es ist – wie auch die E-Stangenroller – einfach ein paralleles Produkt, im Zweifel fuer sich alleine stehend wie das KFZ in Individualbesitz. Fuer das Eigen-KFZ funktioniert das sehr gut; wenn geteilte KFZ (oder E-Stangenroller oder beliebige andere Innovationstheaterformate) aber eine Rolle in multimodalen Wegeketten spielen sollen, muessen sie sich in ein Gesamtsystem integrieren. Und zwar von der Beauskunftung bis zu einer Tarifintegration oder sonstigen kindereinfachen Buchungsmoeglichkeiten _ohne_ ueberall extra einen Account haben zu muessen.

      Wenn dann muessen wir eigentlich hin zu einem System, in dem ich auf dem Handy einfach „Start: Hier, Ziel: Kuechenstudio“ eingebe, und dann bekomme ich eine durchgehende Wegekette mit Stangenroller zum Bahnhof, Nahverkehrsvorlauf zum ICE, und in Berlin traegt mich dann Ulf zum Ziel, weil das grad eine neue Mobilitaets-Startup-Idee ist, die er grad mal ausprobieren will (oder so).
      Dieses Ziel erreichen wir nur, wenn konsequent alle Anbieter, die auf unseren oeffentlich finanzierten Verkehrswegen Mobilitaetsdisruption spielen wollen, die zur Beauskunftung notwendigen Daten als Open Data bereitstellen und auch die Buchungsintegration in beliebige Drittanwendungen moeglich ist. Die Mitfahrdezentrale uebersetzt zB regelmaessige Fahrgemeinschafts-Angebote in das offene GTFS-Fahrplanformat – und dadurch kann ich mir eben auch dann einen Weg zur naechsten Stadt und von dort aus im ICE-Netz zum wartenden Ulf im ÖV-Routenplaner anzeigen lassen, wenn bei mir schon lang kein Bus mehr faehrt. Selbst die altbekannten Mitfahrbank-Ideen, die oefter mal im laendlichen Raum auftauchen lassen sich so ins Bewusstsein und damit auch ins potenziell Nutzbare rufen.

      Spannenderweise sind es gerade die Carsharing-Anbieter, die sich bislang sehr entschieden dagegen verweigern, die Standorte ihrer Fahrzeuge als Open Data bereitzustellen. Mal abgesehen von der Frage, ob automatisch gemessene Faktendaten wie Standorte ueberhaupt irgendeinem Immaterialgueterrecht unterliegen koennen, muss man sich die Begruendung auf der Zunge zergehen lassen: Wie viele Fahrzeuge an einer Sharing-Station stehen – also genau das, was man notwendigerweise und sinnvollerweise an die eigenen Kunden ausliefern will! – sei naemlich ein Geschaeftsgeheimnis. Na dann auf zur Verkehrswende.

      Fussnotensternchen mit leinem Klassendetail an der Stelle halt auch fuer die wohlverdienenden Staedter: Es ist richtig, dass Carsharing ab mehreren 10.000 Kilometern im Jahr guenstiger sein kann als Individualbesitz. Der Grossteil der Fixkosten beim eigenen KFZ kommt aber vom Wertverlust bei der Anschaffung. Und auf die Anschaffung einer gebrauchten Muehle koennen auch gerade die Wenigverdienenden im laendlichen Bereich mit richtig beschissenem ÖPNV sparen – und haben damit den Berg ueberwunden und danach erstmal a) eh-da-Kosten und b) niedrigere Kilometerpreise. Wer den ÖV kaputtspart und im Zweifel nur durch die Ausgleichsmittel aus der Schuelerbefoerderung nach § 45a PBefG ueberhaupt noch betreibt, erntet halt MIV.

    • Stationsbasiertes CarSharing zu beleuchten fände ich auch sehr wichtig.
      Vielleicht lädt Ihr jemandem vom BCS (Bundesverband Carsharing) ein. Die schreiben zu dieser Studie übrigens:
      https://carsharing.de/carsharing-deutschland-verkehrsentlastend-nachhaltig

      • Au ja bitte ladet ihn ein und fragt ihn dann bitte auch warum der Verband der Ansicht ist, dass Verfuegbarkeitsdaten von Carsharern nicht im Allgemeinwohlinteresse als Open Data bereitgestellt werden sollen (Stichwort integrierte multimodale Mobilitaet), sondern wenn dann nur gegen Geld verkauft.

  72. Ich finde es interessant wie unterschiedlich linke Medien hierzulande über die USA und Russland berichten. Während die USA oft und gerne kritisiert werden, schlägt man bei Russland oft andere Töne an. Siehe diese Monitor-Sendung vom letzten Jahr:
    https://youtu.be/-iJNtff6HTU

    E​​in Problem im deutschen Journalismus ist, dass Expertentum zusammengespart wird. Der Beitrag von Monitor ist ein ganz gutes Beispiel dafür. Offenbar hatten die beteiligten Journalisten nur ein sehr begrenztes Wissen über politische Zusammenhänge in Osteuropa. Dass sie sich trotzdem zu diesem Thema zu Wort melden — das deprimiert mich sehr. Die Argumentationsketten sind unsauber, wenn nicht gar faktisch falsch. Es findet keine Reflektion statt, Putins Zitate werden nicht eingeordnet, Gegenstimmen kommen nicht zu Wort. Und vor allem ist an dem Beitrag nicht das Geringste neu.

    Hinter diesem Bericht ist ein kolonialer Blick auf Osteuropa zu erkennen. Bei Polen, den Balten und auch der Ukraine handelt es sich, dem Autor folgend, um keine zum selbstständigen Handeln fähigen Staaten, sondern um Instrumente der Nato im Machtkampf mit Russland.

    Dieser Logik folgend kommt natürlich auch kein einziger O-Ton eines osteuropäischen Verteidigungsexperten vor. Noch nicht einmal eine kritische Stimme aus Russland. Hier liegt der Verdacht nahe, dass sich der Autor die Sicht des Kremls aneignet. Das ist insofern recht preiswert, als er der Autor im Zuge dessen sich die Recherche in Russland sparen konnte.

    Dann die Bilder des Militärmanövers, ganz am Anfang: Die werden falsch eingeordnet. Der Off-Sprecher sagt, dass die Präsenz von 23.000 westlichen Soldaten eine „Demonstration militärischer Macht in Richtung Russland“ sei. Ein Satz, der gleich in doppelter Hinsicht unwahr ist: Zum einen geht es bei Militärmanövern nur am Rande um die „Demonstration militärischer Macht“, sondern eher um das Einstudieren militärischer Fähigkeiten. Zum anderen ist dieses Einstudieren im Sinne der Verteidigungsfähigkeit allein schon deswegen notwendig, weil das Russland umgekehrt auch tut. Im Vergangenen Herbst hat Russland mit bis zu 100.000 Soldaten den Einmarsch in ein fiktives Land erprobt – auf belarussischen Boden übrigens, also auch im Ausland.

    Was ist falsch daran, dass die USA Russland als Bedrohung für die nationale Sicherheit betrachten? Die russische Regierung hat im Jahr 2016 versucht, die amerikanische Präsidentschaftswahl zu manipulieren. Außerdem hat sie im Jahr 2014 internationale Abkommen gebrochen, wie zum Beispiel das Budapester Memorandum und zum ersten Mal seit 1945 Grenzen in Europa revidiert. Warum sollten westliche Staaten vor diesem Hintergrund Russland nicht als Gefahr für die Sicherheit sehen?

    Dann werden die Militärausgaben verglichen und gegeneinander aufgerechnet. Ganz so, als gäbe es noch ein bipolares politisches System, in dem sich ausschließlich der Westen und Russland gegenüber stünden. Dass zum Beispiel die amerikanischen Militärausgaben sich zu einem großen Teil aus dem so genannten „Kampf gegen den weltweiten Terrorismus“ summieren, das scheint den Autor nicht zu interessieren. Und auch nicht, dass man die europäischen Ausgaben nicht einfach so addieren kann – weil dahinter nationale Systeme stecken, die jeweils für sich unterhalten werden müssen.

    Die Kündigung des ABM-Vertrags kann man kritisch sehen. Ich bin nun wirklich kein Fan der Bush-Jahre. Aber Bush hat eben auch wörtlich bei der Kündigung des Vertrags nach 9/11 gesagt: „Russia is not an enemy, but in fact is increasingly allied with us on a growing number of critically important issues… Today, the United States and Russia face new threats to their security.“ Übrigens war zu diesem Zeitpunkt das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen keineswegs angeknackst. Putin hatte noch Monate zuvor eine sehr bewegende Rede im Bundestag gehalten. „Massive Proteste“ gegen den Raketenschutzschild gab es nicht, wohl aber Widerspruch. Der wurde aber meist eher leise geäußert.

    Der russische Journalist Mikhail Zygar, langjähriger Chefredakteur des letzten unabhängigen Fernsehsenders „Doschd“, sieht den Bruch Russlands mit dem Westen etwa in der Zeit von 2005 bis 2007. Noch 2004 hatte Putin bei einem Staatsempfang in London gesagt, dass Russland „ohne Zweifel ein Teil Europas“ sei. (sehr spannend dazu: Zygars Buch „All the Kremlin’s Men“) Bis 2005 habe Russland sogar gehofft, Teil der Nato zu werden, deswegen habe Putin auch ein paar Kröten geschluckt. Der russische Präsident selbst soll ein Anhänger der Außenpolitik von Bush gewesen sein. Es spricht also viel dafür, dass man das amerikanisch-russische Verhältnis keineswegs so monokausal sehen sollte. Nach dem Motto: Der Westen hat Russland beleidigt, und deswegen kann man es auch irgendwie verstehen, wenn Russland die Ukraine überfällt.

    Was ich dem Monitor-Beitrag ebenfalls vorwerfe ist, dass er den Sinneswandel Putins nicht nachvollzieht. Da wird, ohne Kontext, die Rede Putins von der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 zitiert. Da ist von einer möglichen Nato-Erweiterung die Rede. Zur Debatte standen aber zu diesem Zeitpunkt realistischerweise nur noch der Beitritt Kroatiens und Albaniens. Was man dazu hätte sagen können: Diese Rede markierte einen Einschnitt. Vorher waren solche Töne von Putin nicht zu hören gewesen. Er benutzte die Nato-Osterweiterung, um sich zu distanzieren. Bereits ein Jahr später marschierte Russland mit seiner Armee in Georgien ein.

    Völlig absurd wird der Beitrag, als zum Ende hin der russische Krieg in Syrien zu einer Folge des Libyen-Konfliktes undeklariert wird. Das gezielte Bombardement von Krankenhäusern, der Einsatz von Brandbomben mit Massenvernichtungspotenzial – all das soll Russland nur getan haben, weil es sich zurecht vom Westen benachteiligt fühlte? Darauf muss man erst einmal kommen. Die Quelle dafür sind laut Film „viele Experten“, die aber noch nicht einmal namentlich zitiert werden.
    Ist es wirklich möglich, mit solch einem Unsinn durch eine öffentlich-rechtliche Redaktionskonferenz zu kommen? Da haben sämtliche Qualitätssicherungssysteme versagt. Oder wollte die Redaktion am Ende Politik machen? Das will ich nicht hoffen​.

    • Ich finde den Monitor-Beitrag mal erfrischend, weil er mal ein anderes Licht auf Russland wirft und dabei auf Sachkundige Russlandexperten zurückgreift. Diese sind wirklich hochcharätig. Es stimmt es werden fast ausschließlich Fehler des Westens von den Experten beschrieben aber am Anfang die beiden Hauptbotschaften des Beitrags sind a) Russland ist nicht alleine Schuld an der Misere, wie es so oft in den Medien beschrieben wird. b) Es ist wichtig für den Frieden mit Russland zusammenzuarbeiten, auch wenn es schwierig scheint. Beidem kann ich nur zustimmen. Ich denke, wir kommen nur raus wenn wir unsere Interessen klar formulieren und die der Russen wenigstens verstehen sollten duch möglichst viel Gesprächmöglichkeiten. Ähnlicher Meinung und ein gutes Pendant zu Ihrem Kommentar, sind ganz tolle Russland-Spezialisten Frau Prof. Gabriele Krone-Schmalz, langjährige Russlandkorrespondentin für die ARD, General a.D Harald Kujat, längjährig tätig gewesen bei der NATO und auch, zwar etwas schrill, Herr Willy Wimmer, war Mitglied des Bundestages, verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung. Es lohnt sich wirklich diese mal zu googlen und zu sehen, was diese zu sagen haben. Darüber hinaus finde ich Ihren Beitrag aber auch sehr gut, weil nämlich das Narrativ des Mainstreams westlicher Russlandexperten darstellt und zusätzlich eine eigene Note hat.

      • Willy Wimmer, der zur Geburtstagsfeier von Putins Auslands-Propagandasender “RT” eingeladen wurde und dort mit Putin am Tisch saß, gegenüber von Trumps kurzzeitigem National Security Adviser Michael Flynn (der sich schuldig bekannt hat das FBI wegen illegaler Absprachen mit Russland im Wahlkampf belogen zu haben und aktuell noch auf seine Verurteilung deswegen wartet)?

        Ganz toller Russland-Spezialist, ja.

        https://www.nbcnews.com/news/world/guess-who-came-dinner-flynn-putin-n742696

        • Witzig. Cyril Svoboda war einer meiner Dozenten während meines Auslandssemesters in Prag vor einigen Jahren.

  73. Bei dem ersten Bericht ging es ja um den Klimawandel. Wieso dann die Besserstellung von BIO-Fleisch eine Lösung sein soll verstehe ich nicht.
    Ich bin selbst Fleischesser, aber mir wird klar, dass wir damit aufhören müssen, also ernsthaft AUFHÖREN. Das ganze drum herum ist nur Augenwischerei und nicht mit den Erkenntnissen der KlimawissenschaftlerInnen zu vereinen.
    Wir, jetzt!

    • Was in der Episode leider nicht angesprochen wurde, ist der Einfluss des Futters auf den Methanausstoß von Wiederkäuern. Die chemischen und biologischen Vorgänge in den Mägen werden an fistulierten Tieren erforscht. Durch die Gabe bestimmter Futter oder Futterzusätze ließe sich das Problem der Methanabgabe dieser Tiere wohl erheblich reduzieren.

      Auch der Ansatz künstlicher Fleischherstellung fand leider keine Erwähnung.

      Der Ansatz, individuelles Verhalten natürlicher Personen vorzuschlagen, um was für das Klima zu tun, ist doch letztlich eine Krücke. Als ob es keine wirklich großen Hebel gäbe, mit denen sich etwas beeinflussen ließe.

      • genau, deswegen braucht es klare gesetzliche Regelungen.
        Beispielsweise das Verbot von Massentierhaltung, ganz egal ob Bio oder nicht.

  74. Hallo Lage-Team,
    ich schreibe diese Zeilen ohne Verärgerung, und hoffe dabei einiger Masen objektiv zu bleiben. In der letzten Sendung ging es beim Thema Klimawandel darum dass das Autofahren in Zukunft teurer werden müsse. Dabei kam eine Aussage die ungefähr lautetet: „In Städten könnte man dafür den Nahverkehr günstiger und besser machen, und für die Menschen auf dem Lande müssten einfach damit leben, aber dafür wären die Lebenskosten auf dem Land ja eh günstiger!“ Dies fand ich schon etwas irritierend. Was ich dann aber als unprofessionell eingestuft habe ist die Aussage:“ Wir leben zwar nicht auf dem Land, aber haben dort Freunde und wissen deswegen wie das Leben in der ländlichen Region ist!“
    Ich lebe in einer ländlichen Region (Nähe Aschaffenburg) und selbst ich würde mir nicht heraus nehmen zu wissen „wie DAS Leben auf dem Land ist.“ Ich kenn das leben nur in dieser Region. Außerdem genieße ich durch meinen Beruf (Ingenieur) bestimmte Finanzielle Freiräume, und kann deswegen auch nicht für alle in dieser Region sprechen.
    Mir geht es gar nicht darum dass das Autofahren teurer wird, sondern das meiner subjektiven und vieler anderen Meinungen nach die Menschen in den Ländlichen Gebieten in den letzten Jahren ehr zurückstecken mussten. Die Ärztliche Versorgung auf dem Land wird gegenüber Städten immer schlechter. Der Nahverkehr findet in vielen Bereichen fast gar nicht mehr statt und zum Thema Infrastruktur (Glasfaser, Mobilfunk) möchte ich mich gar nicht auslassen. Doch diese Themen werden in der Öffentlichkeit (Die Lage ausgenommen :-) ) wenig representiert.
    Wenn hingegen die Luft in den Städten zu schlecht ist, gibt es sofort Fahrverbote, oder wenn sich die Leute in den Städten das Wohnen nicht mehr leisten können denkt man öffentlich über Zwangsenteignung nach, und schafft eine gesetzliche Mietpreisbremse ein.
    Bitte versteht mich nicht falsch. Auch ich bin für einen Mietpreisbremse und unterstütze das Fahrverbot wenn der Feinstaub zu hoch ist. Mir geht es aber ehr um die Öffentliche Wahrnehmung dass die Interessen der Ländlichen Gebiete vernachlässigt werden. Dies könnte dazu führen, dass diese Leute Parteien wählen, die Vorgeben sich für ihre Interessen zu Interessieren. Und dann ziehen die sich gelbe Westen an und Fahren nach Berlin ….
    Ich möchte mit diesen Zeilen keine Diskussion eröffnen ob die oben genannten Punkte (Unterschied Stadt / Land) zutreffen oder nicht. Dies spielt eigentlich auch gar keine Rolle, denn es reicht aus, wenn dies von der Landbevölkerung so wahrgenommen wird. Und für diese Menschen ist die Mobilität nun mal ein heikles Thema, und deswegen sollte man bei diesem Thema diesen Menschen wenigstens eine mögliche Perspektive zum Thema Mobilität aufzeigen.

    Danke für alle bisherigen und noch viele spannende Sendungen.

    • An Marcel und das Lage_team,

      Ich würde gerne bestätigen und ergänzen. Ich würde von mir behaupten, sowohl DAS Land-Leben, als auch DAS Stadt-Lebn zu kennen, denn ich bin nach ettlichen Stationen in Städten und Dörfern vor einem Jahr endgültig von Berlin zurück in eine Kleinstadt im Schwarzwald gezogen.
      Ich liebe das Landleben, sonst wäre ich nicht zurück gekommen, aber rein objektiv habe ich überall drauf gezahlt. Meine Miete ist hier, bei ähnlicher Größe, vergleichbar, ÖPNV nicht vorhanden, daher bin ich seit einigen Monaten Autobesitzerin, da ich Biokäuferin bin, bleibt oft nur der kleine, superteure Markt im Nachbarort ( Ketten wie in Berlin gibt es hier nicht), mein Fitnesstudio ist doppelt so teuer, einfach, weil es keine Konkurenz gibt und Freizeitaktivitäten, essen gehen usw. kosten ein Vielfaches.

      Mir geht es nicht darum zu jammern, ich könnte ja jederzeit zurück, mich nervt die Überheblichkeit der Großstädtler à la “ja bei euch ist ja alles so superbillig blabla” und die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.
      Wir müssen überall nachhaltiger leben, aber wenn es hier de facto keine Busse gibt und eine Bio-Brezel 2,80Euro kostet, ist das halt einfach schwierig.