LdN151 8-jähriger vor Zug gestoßen, Ukraine (Interview Wilfried Jilge), Straße von Hormus, Korrektur: Brexit, Feedback: Klimaschutz

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Begrüßung

8-jähriger vor Zug gestoßen

Ukraine (Interview Wilfried Jilge)

Straße von Hormus

Feedback: Klimaschutz

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Bildnachweise

Hausmitteilung

190 Kommentare

  1. Auch ich würde mich sehr über einen Beitrag über die prekäre Lage der PiAs freuen.
    Besonders relevant wären für mich die folgenden Aspekte deutlich zu machen:
    -In wie fern tatsächlich die Umstände so schlecht sind, bzw. wie sich das für den einzelnen bemerkbar macht
    – Konsequenzen der fehlenden Übergangsregelung (12 Jahre zu kurz, Pia vs. Piw bei Praktikavergabe, Aufnahmestopp der Ausbildungsinstitute, etc.)
    – Bisheriger Ablauf (Vertagungen) und Unfähigkeit der Politik (konstruktiv;) )
    – mögliche Lösungen

  2. Hallo,

    ich studiere im Moment Psychologie und würde mich total freuen, wenn ihr die PiA-Reform in eurem Podcast behandeln würdet. Ich selber bin noch im alten System und stehe nach Abschluss meines Studiums vor dem totalen Ungewissen. Ich weiß nicht, ob es Übergangsregelungen für mich und meine Kommilitonen geben wird oder wie diese aussehen werden. Ich weiß nur, dass es mich wirklich traurig stimmt, dass all die Leuten die diesen sowieso schon schweren Weg gehen um Psychotherapeut zu werden, weil sie dafür brennen, vor eine komplett ungewisse Zukunft gestellt werden. Und gleichzeitig wird sich beklagt, dass Therapieplätze rar sind und gesucht werden. Ich verstehe die Schlussfolgerung einfach nicht.

    LG Lisa

  3. Hallo,

    mich freut sehr zu hören, dass ihr einen Beitrag zur Reform der Psychotherapie-Ausbildung in Planung habt!

    Wie das PiA Bündnis Köln unten schon erwähnte ist die aktuelle Situation untragbar. Hinzukommt, dass der geplante Gesetzesentwurf keine Übergangsregelungen für aktuelle Studierende und PiAs enthält, die diese Ausbildung entsprechend bald beenden würden.

    Als Teil der Psychologie-Fachschaften-Konferenz (www.psyfako.org) bin ich und viele weitere Studierenden seit Jahren fachpolitisch engagiert und organisiert um Studierenden der Psychologie eine Stimme zu geben.

    Im Zuge des Gesetzgebungsprozess brachten wir dieses Frühjahr die Petition 92805 in den Petitionsausschuss ein, die über 84000 Unterschriften erhielt. Kurzfristig, nur drei Wochen nach Ende der Petition und noch vor der 2. und 3. Lesung im Bundestag fand die Verhandlung statt mit Katharina Janzen und mir als Petentinnen. Auf Grund der Sommerpause gibt es zwar keine weiteren Neuigkeiten momentan, wir erwarten diese aber zum Herbst. Insofern stehen wir beide sehr gerne als Interviewpartnerinnen bereit.

    Den Petitionstext, sowie eine Aufzeichnung der Anhörung finden sich unter den nachfolgenden Links:
    https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2019/_03/_31/Petition_92805.nc.html
    https://www.bundestag.de/mediathek?videoid=7364720#url=L21lZGlhdGhla292ZXJsYXk/dmlkZW9pZD03MzY0NzIw&mod=mediathek

    Wir würden uns sehr freuen, etwas aus studentischer Perspektive beisteuern zu können und laden insbesondere Studierende ein sich in ihren Fachschaften und in der PsyFaKo für eine Reform für alle einzusetzen. Weitere Positionen und Stellungnahmen finden sich auf der Website.

    Maria Heuring für den PsyFaKo e.V.

  4. Das Störungsbild einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis und die Schwierigkeiten bei der Behandlung sind sehr gut zusammengefasst! Ich bin selbst Psychotherapeutin in Ausbildung und würde mich sehr über einen Beitrag zum Thema Psychotherapieplätze/Ausbildungskosten/Kassensitze etc. freuen.

  5. Also was eure Interviewpartner zu Themen der Außenpolitik angeht, habt ihr ja weiter ein schlechtes Händchen. Weiterhin ist die Quote der Neocons sehr hoch. Bei diesem Interviewpartner habt ihr es ja selbst gemerkt und ihn gefragt, ob er denn etwas zur russischen Sicht sagen kann, was ja nur schwer möglich war. Hoffentlich verbessert sich die Quote bald mal…

  6. Wir sind begeisterte Zuhörerinnen Ihres Podcasts und Psychotherapeutinnen in Ausbildung (PiA) aus Köln. In dieser Podcastfolge haben Sie unsere Ausbildungssituation im Rahmen des Berichts zu Frankfurt kurz erwähnt, mit der Überlegung einen Bericht über unsere Ausbildungssituation zu bringen. Schon vor einigen Monaten haben Sie uns im Zusammenhang mit der Ausbildungssituation von Friseur*innen erwähnt. Wir schreiben Ihnen diese E-Mail, weil es uns ein sehr großes Anliegen wäre, wenn Sie tatsächlich einen Bericht über unsere Ausbildungsbedingungen bringen würdet und unsere Situation, die oftmals nicht bekannt oder ignoriert wird, öffentlich machen würden.

    Nach unserem abgeschlossenen Psychologiestudium arbeiten wir im Rahmen der Ausbildung 1,5 Jahre in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen und leisten dort reguläre psychologische Versorgung, ohne die die meisten Stationen ihren Versorgungsauftrag nicht bewältigen könnten. Neben anderen Unbestimmtheiten wird unsere Vergütung durch das 1999 erlassene Psychotherapeutengesetz nicht festgelegt. Vor allem in Ballungsgebieten nutzen die Kliniken diese Gesetzeslücke aus, sodass im Rahmen der praktischen Tätigkeit Psychotherapeut*innen in Ausbildung ganz regulär wie fest angestellte Psycholog*innen eingesetzt werden. Oft haben wir hierbei dieselben Pflichten und Verantwortungen, wie festangestellte Psycholog*innen. Der große Unterschied: Es gibt keine festen Arbeitsverträge, eine Vergütung meist weit unter dem Mindestlohn und Sozialversicherungsleistungen werden von vielen Kliniken nicht übernommen. Es wird somit Lohndumping unter dem Deckmantel des Ausbildungsbegriffes betrieben. In der Studie der Bundestagsabgeordneten der Grünen Maria Klein-Schmeink geben 93% der Befragten PiA an, keine angemessene Vergütung zu bekommen, der Großteil unter 500€ monatlich (Ergebnisbericht der Studie siehe Anhang unserer E-Mail). Das entspricht einem Stundenlohn von c.a. 4-5€, während wir gleichzeitig die Kosten unserer Ausbildung von 25.000-70.000€ aus eigener Tasche an die privaten Ausbildungsinstitute bezahlen! Uns beispielsweise blieben im Monat somit 50€ für die Miete und den Lebensunterhalt. Das bedeutet, dass wir uns mit Nebenjobs finanzieren und viele von uns hoch verschuldet sind. Seit 20 Jahren hat sich an dieser Situation nichts geändert. Die Politik verlässt sich hierbei auf den Idealismus der angehenden Psychotherapeut*innen und ignoriert die Ausbeutung dieser gänzlich. In Deutschland ist die Ausbildung an privaten Ausbildungsinstituten der einzige Weg psychotherapeutisch Tätig werden zu können. Es gäbe somit in Deutschland keine Psychotherapeut*innen, wenn nicht viele junge Menschen bereit wären diese Kosten und Belastungen auf sich zu nehmen! Diese Situation schreckt ab, den Psychotherapeutenberuf zu ergreifen. Und das obwohl er immer wichtiger wird: Wartezeiten bei einem ambulanten Psychotherapeuten liegen derzeit bei 20 Wochen. Diejenigen, die sich trotz dieser Umstände für die Ausbildung entscheiden, kommen aufgrund der hohen Kosten meist aus Familien mit hohem sozioökonomischen Status. Diese stark selektierte Therapeutengruppe wird der vielfältigen Patientengruppe nicht gerecht.

    Wir finden diese Situation untragbar! Im Mai 2018 haben wir mit 300 Teilnehmer*innen die größte PiA-Demonstration in NRW seit dem Bestehen des Psychotherapeutengesetzes 1999 organisiert. Anschließend haben wir uns zum PiA-Bündnis Köln zusammengeschlossen. Wir treffen uns seitdem monatlich und organisieren mit der Unterstützung der ver.di weitere Demos, Protestaktionen und Informationsveranstaltungen. In anderen Städten NRWs haben sich weitere Bündnisse gegründet, mit denen wir im regelmäßigen Austausch stehen. Kürzlich fand in NRW die erste landesweite PiA Konferenz statt, bei der wir mit Bundestagsabgeordneten über unsere Situation und Vorstellungen für die im September 2019 anstehende Reform des Psychotherapeutengesetzes diskutierten. Wir müssen feststellen, dass der Reformentwurf keine zufriedenstellende Übergangsreglung vorsieht, was bedeutet, das PiAs in den nächsten 12 Jahren weiterhin unter den beschriebenen ausbeuterischen Bedingungen arbeiten werden. Wir finden es erschreckend festzustellen, wie wenig, auch unter Politikern, über unsere Situation bekannt ist.

    Es wäre uns sehr wichtig und ein dringendes Anliegen, wenn Sie über unsere miserable Ausbildungssituation berichten würden. Mit Fragen würden wir Ihnen dabei sehr gerne zur Verfügung stehen.

    Wir würden uns sehr freuen, von Ihnen zu hören!

    Herzliche Grüße

    Julia Dapper & Paula Winter

    vom PiA-Bündnis Köln

    PS: Wir schicken Ihnen hier noch einige Informationen

    Facebookseite unseres Bündnisses, auf der ihr unter anderem unter Videos Aufnahmen unserer ersten Demo in Köln findet:

    https://www.facebook.com/PiAProtestKoeln/

    Artikel in der Zett mit Erfahrungsberichten der Kollegin Anne-Lena Leidenberger aus Berlin:

    https://ze.tt/so-werden-menschen-in-ihrer-psychotherapie-ausbildung-ausgebeutet/

    Artikel unserer Kollegin und Vertreterin des PiA-Politik Treffens Katharina van Bronswijk zur Reform des Psychotherapeutengesetzes:

    https://observer-gesundheit.de/reform-der-psychotherapeutenausbildung-kann-die-junge-generation-auf-die-alten-polit-profis-vertrauen/

  7. Hallo Philip, hallo Ulf,
    ich folge euch schon eine Weile und würde gerne euren Vorschlag annehmen und ein paar Themen vorschlagen (die ihr ja teilweise auch schon aufgegriffen habt).

    Folgende Themen würden mich interessieren:

    Handelsbilanz-Überschuss Dtlds.

    Grenell hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt: „Es ist wirklich beleidigend zu erwarten, dass der US-Steuerzahler weiter mehr als 50 000 Amerikaner in Deutschland bezahlt, aber die Deutschen ihren Handelsüberschuss für heimische Zwecke verwenden.”

    Was geschieht eigentlich mit dem Handelsüberschuss? Wie wird der verbucht?
    Warum haben wir so viele Schulden (ca. 2 Billionen Euro), wenn wir doch seit Jahrzehnten einen Handelsüberschuss haben? Erscheint dieser im Bundeshaushalt? Wofür wird er von wem verwendet?

    Iran-Konflikt:
    Ich bin froh, dass Deutschland sich zurückhält und hoffe, dass das so bleibt und wir uns nicht in diesen Konflikt hineinziehen lassen.
    Zugleich wünschte ich wir hätten mehr Arsch in der Hose und würden uns den USA mehr widersetzen. Ich wünschte mir auch, die USA würden fairer mit dem Rest der Welt umgehen, aber das ist wohl naiv.

    Interessant fand ich die Aussage, dass es sich bei der Straße von Hormus nicht um internationale Gewässer handelt, sondern diese Meerenge dafür zu schmal ist. Daher sind viele Schiffe in Iranischen Hoheitsgewässern unterwegs und der Iran hat hier gemäß Seerecht das Sagen.

    “Um diese Fälle, bei denen internationale Wasserwege zwangsweise die territorialen Gewässer von Anrainerstaaten berühren zu regeln, wurde eine UNO-Konvention vereinbart. Die „United Nations Convention on the Law of the Sea“ (UNCLOS) (2). Diese Konvention trat 1994 in Kraft. Die Mitglieder der Konvention erklären, sowohl „arglosen“ zivilen als auch militärischen Schiffen das Recht einzuräumen, solche Straßen zu nutzen, auch wenn sie die eigenen territorialen Gewässer durchqueren.
    Der Iran ist ein Mitgliedsstaat dieser Konvention (UNCLOS), allerdings mit einer Einschränkung. Der Iran erklärte, nur Unterzeichnerstaaten (natürlich nur solchen, welche den Vertrag auch ratifiziert, also für völkerrechtlich verbindlich erklärt haben), der Konvention die in der Konvention erklärten Rechte einzuräumen. Staaten, welche die UNO-Konvention nicht ratifiziert haben, benötigen demnach eigentlich eine ausdrückliche Erlaubnis des Iran für das Eindringen in die entsprechenden Hoheitsgewässer.
    Nun haben die USA aber diese UNO-Konvention, auf die sie sich jedoch jeden Tag berufen, selbst zwar unterzeichnet, aber nicht ratifiziert.”

    IWF und Bargeld

    Der IWF wendet sich gegen das Bargeld (https://finanzmarktwelt.de/perfider-iwf-vorschlag-bargeld-116728/).
    Nachdem er also bereits in vielen Ländern in größerem Stil negativen Einfluss hatte (s.a. https://www.nachdenkseiten.de/?p=3202)
    sind nun die normalen Bürger dran? Wäre das nicht eine fundamentale Einschränkung unserer Freiheit?
    Immerhin könnten (halb-)staatliche Akteure das Geld dann noch besser überwachen. Da findet sich bestimmt eine schöne Begründung auf Basis von Schwarzgeld und organisiertem Verbrechen.

    Dabei stellt sich auch die Frage, in wessen Sinne der IWF handelt. Wenn ich das richtig verstanden habe, sind auch hier die USA federführend.

    Macht´s gut
    Verita

  8. Schon die zweite wirklich starke Folge hintereinander! (Gesetz der Serie und so ;)). Super fundierte Lösungs- und Nicht-Lösungsansätze für Fälle wie in Frankfurt und auch das Interview war für mich super erkenntnisreich.

    Im Feedbackteil merkte man wiederum etwas, dass ihr euch nicht erneut mit der gewohnten Tiefe mit den Themen auseinandergesetzt habt bzw. eurer Einschätzung keine Artikel zugrunde lagen. Nein, z.B. ist Batterie vs. Brennstoffzellen (im Bezug auf den Wirkungsgrad) keine Frage der Forschung sondern von physikalischen Grenzen. Hier würde ich mir wünschen, dass ihr euch nicht in Nebensätzen auf zu absolute Aussagen versteift, nur weil ihr das Feedback kommentiert.

    • Ich finde diesen Podcast auch super interressant, insbesondere den rechtlichen Aspekt, da ich von Jura ziemlich wenig Ahnung habe.
      Ich muss Tim zustimmen, dass es unglaublich viele Technologien gibt die aus diversen Gründen in der Schublade bleiben. Der Hauptgrund sind Patentrechte. Es gibt einfach sehr viele Unternehmen denen es gerade zu teuer ist inovativ ihre Produktionen umzustellen und die Konkurrenz hindern sie durch Patente daran umzusteigen. Da muss es schon sehr viel politischen Druck geben, damit Konzerne umsteigen. Bestes Beispiel sind unsere großen Energiekonzerne, seit Jahren gibt Möglichkeiten zur alternativen Energiegewinnung, die Infrastruktur der Konzerne hätte dafür aber überarbeitet werden müssen. Dies wurde schlichtweg verpennt und nun ist die Lobby dran am arbeiten die notwendigen Veränderungen zu bremsen…
      Ich denke eine CO2-Steuer ist dringend für alle notwendig. Denn abgesehen vom Induvidualverkehr werden auch viel zu viele Lebensmittelund andere Güter von A nach B transportiert. Ein Beispiel gerade war ich erst einkaufen und im Laden gab es 5 Apfelsorten, davon kam eine aus Europa. Bioäpfel aus Neuseeland…
      Eine CO2-Steuer wurde auch den Konsum positiv beeinflussen. Wir müssen nicht zu jeder Jahreszeit ALLES an Obst und Gemüse zur Verfügung haben. Außerdem ist es ein Luxus Dinge die hier nicht wachsen essen zu können, dass sollte man auch wieder am Preis merken. Ich bin sicherlich keine Nationalistin, aber wenn man sich die LKWs auf den Autobahnen und insbesondere den dreckigen Schiffsverkehr anguckt, wird wohl klar was ich meine.
      Zusätzlich sollte ein Teil der Steuer an eine internationale Institution fließen, die dann Projekte in ärmeren Teilen der Welt unterstützt. Denn viele der dreckigen Industrien haben wir schlichtweg ausgesourct und damit ist Europa dann fein raus. Ein Beispiel ist die Vitamin Herstellung, für Schwangere und kleine Kinder einfach sehr wichtig. Allerdings eine unglaublich schmutzige Chemie und deswegen weltweit nach China exportiert…
      Zum Schluss noch eine kurze Bemerkung zum Thema exzellenz Universitäten und Forschungsgelder. Ich studiere Chemie und hab deswegen eine andere Perspektive als zumindest nicht-Naturwissenschaftler. Das Thema Arbeitsplätze an den Universitäten. Sehr viele der Angestellten sind Leute die noch Studieren und auf 450€ Basis als wissenschaftliche Hilfskräfte tätig sind oder die Promovieren oder Postdocs und diese Leute wollen gar keine Verträge die länger als 1-3,5 Jahre sind. Das muss man dann auch mal rausrechnen bei den Forderungen der Gewerkschaft. Der zweite Punkt ist, dass Universitäten und Fachhochschulen in erster Linie Ausbildungsorgane sind und das sollte nicht vergessen werden. Durch die immer stärkere Förderung ganz Bestimmter Cluster bleibt die Grundlagenforschung nämlich ziemlich auf der Strecke und diese wird nun mal NUR an öffentlichen Einrichtungen gemacht. Hier finde ich sollte man bedenken, dass es genau aus diesem Grund neben den Unis ja Max-Planck und Frauenhofer-Institute gibt.

  9. Ich höre sehr gerne eure Lage und bin begeistert, wie vielfältig die Themen sind und welch eine Horizonterweiterung sie bietet.
    In vielen Folgen sprecht ihr jedoch von Elektroautos als die neue Zukunft. Der Meinung bin ich persönlich nicht. Natürlich muss eine Alternative zu den herkömmlichen Energietechniken her, keine Frage.
    Daher fände ich es sehr spannend, über die Nischen-Ideen zu sprechen. Es gibt Forschungen zu dem Betrieb mit Salzwasser, zum Beispiel. Könnte das die neue Zukunft werden?

  10. Hallo,

    zu Beginn der Folge habt ihr erwähnt, dass ihr das Thema Reformation der Psychotherapeuten-Ausbildung auf dem Zettel habt. Ich würde mich sehr freuen, wenn dieses Thema von euch behandelt wird.
    Eine Person, die sich im Internet viel mit diesem Thema und auch der Entstigmatisierung von psychischen Krankheiten auseinandersetzt, ist die Psychotherapeutin Anke Glaßmeyer (@diepsychotherapeutin auf Instragam). Das wäre mit Sicherheit eine gute Ansprechperson, falls ihr über das Thema berichten wollt.

    Viele Grüße.

  11. Hallo,

    ich möchte hier mal darauf hinweisen, dass es prinzipiell bereits jetzt die Möglichkeit gibt freiwillig eine Art CO2-Steuer zu bezahlen. Es gibt zwar nicht, den von vielen gewünschten sozialen Cashback durch den Staat, aber für diejenigen, denen ein schnelles Handeln am Herzen liegt und die nicht am Existenzminimum leben, ist eine Kompensation seines CO2-Ausstoßes über die bekannten Organisationen wie Atmosfair immer möglich. Ein kleines Cashback kann man sich auch hier über die Einkommenssteuer zurückholen.
    Wir sind seit mehr als 10 Jahren am kompensieren, zunächst nur die Flüge, später Fähr- und Autofahrten und jetzt werde ich auch unseren gesamten jährlichen CO2-Verbrauch überschlägig ermitteln und dann demenstprechend in klimaschützende Projekte investieren.
    Es geht also schon jetzt und wir müssen eigentlich gar nicht auf die langsame Politik warten!

    • Ach, übrigens, ich glaube, dass ich damals durch das Küchenradio Folge 130 darauf gekommen bin. Legendäres Podcastformat;o)

  12. Hallo.
    Mein Kommentar geht auf die Diskussion bei ca. 1:13:00 Std. ein.
    Wieder besprecht ihr, dass das Leben auf dem Land billiger sei als in der Stadt.
    Ob dies de facto so ist (außer die offensichtlich günstigeren Mieten), möchte ich hier erstmal nur als Denkanstoß stehen lassen. Vor allem auch, weil ich mit den Lebenshaltungskosten bisher nicht auseinandergesetzt habe.

    Aber: das Leben auf dem Land, so es denn günstiger sei, kann doch nur bezahlt werden, gerade weil die individuelle Mobilität so günstig ist.
    In meinem Wohnort (500 Einwohner, 40 km von der nächsten „> 100.000 Einwohner Stadt“) muss alles mit dem Auto erledigt werden. Die dabei entstehenden Kosten gleichen aus meiner Sicht jeden Mietvorteil wieder aus… von „verlorener Lebenszeit“ ganz zu schweigen.

    Doch was bedeutet die Forderung nach deutlicher Verteuerung von Individualverkehr in der Konsequenz? Eine potentielle Landflucht?!

    Worauf ich hinaus will. Wenn das Tanken aufgrund einer CO2-Abgabe deutlich teuerer wird, werde ich meinen Weg zur Arbeit trotzdem mit dem Auto fahren müssen, da es schlicht kein vernünftiges ÖPNV-Angebot gibt. (es sei denn hier zählte man bereits die stündlich verkehrenden Busse zwischen 7-16 Uhr, womit ich bei 1,5-2 Std Anfahrtszeit je Strecke auf eine max. Arbeitszeit von 5 Std. am Tag komme).
    In letzter Konsequenz bedeutete dies für mich lediglich, dass ich mir auch das „billigere“ Leben auf dem Land nicht mehr leisten könnte.

    Man verstehe mich bitte nicht falsch. Aber das Autofahren per se zu verteufeln oder zu verteuern, bringt in diesem Fall (fast) nichts.
    Es erwächst ein Druck, Fahrgemeinschaften zu bilden, was einen positiven Effekt für das Klima und einen negativen auf die Work-Life-Balance hätte… habe ich aber trotzdem schon getan.

    Ich bin sehr wohl der Meinung, dass wir viel und das sehr schnell tun müssen. Aber es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die klimabewusstes Handel überall ermöglichen.
    Andernfalls ist alles nichts.

    LG
    Jan

    • Durchaus sinnvoll wäre, mit der CO2-Steuer den Ausbau des ÖPNVs u.a. mit zu finanzieren. Dadurch, dass diese ja auch schrittweise angehoben wird, ist das zeitlich so vielleicht auch möglich. Kommt natürlich auf das Dorf an, ob es sich lohnt – denn ein mit 3 Personen besetzter Bus ist schlechter als 3 PKW, selbst wenn’s ein E-Bus ist.
      Außerdem können über die CO2-Steuer ebenfalls emissionsfreie Autos finanziell gefördert werden. Am besten natürlich solche, die dann auch wenig Strom brauchen. Vielleicht eine neue Abwrackprämie.

      Und vielleicht muss man auch kreativer werden. Mit den Nachbarn zusammen zum Einkaufen fahren und Sprit teilen. Fahrgemeinschaften zur Arbeit bilden, falls möglich. Mit dem Auto nur ein Stück fahren und den Rest mit dem Zug. Fahrrad und Öffis kombinieren. Geld sparen beim Kauf von regionalen Lebensmittel mit guter CO2-Bilanz.

      Ja, das wird teuer und unbequem. Aber wenn man sich den letzten IPCC Bericht ansieht & die jetztige Mitteilung in Bezug auf Nahrungsknappheit liest, dann ist klar – es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Wir müssen jetzt was tun. Und das wird unbequem, teuer, kompliziert. Aber es muss sich etwas ändern.

      Das heißt nicht, dass Einkommensschwache nicht Unterstützung dabei erfahren sollten. Aber die Steuer muss leider auch an manchen Stellen etwas weh tun, damit sie Wirkung zeigt und sich endlich etwas ändert

      • So nötig die Änderung der Lebensweise jedes Einzelnen ist, sollte man nicht vergessen dass besonders die Gewinner, die die Situation dorthin gebracht haben, wo wir heute weltweit sind, bei den allermeisten Überlegungen nicht belastet werden. An die Klima-Killer Energieerzeuger, Luftfahrt, Zementherstellung, Schifffahrt (insbesondere Kreuzschiffe) wird nicht herangegangen. Dort sprudeln die Profite, auf Kosten aller anderen, seit Jahrzehnten. Und was passiert dort? Hat jemand mal was gehört wo es den Betreibern finanziell an den Krage geht? Ich bitte um Wortmeldungen.

        • Oh, Nachtrag, das Militär weltweit (und die dadurch verursachten Konflikte / Kriege) hatte ich ganz vergessen in der Liste der Klima-Killer). Dort geht der Trend dann auch noch in die gänzlich falsche Richtung, sprich mehr Ausgaben, mehr Konflikte, etc.

        • Das stimmt natürlich, aber hier ging es ja um die Schwierigkeit, die Individualmobilität auf dem Land zu reduzieren, deswegen bin ich auf alles außerhalb davon nicht eingegangen.
          Theoretisch müssten die Unternehmen auch von der CO2-Steuer betroffen sein – wird nur wahrscheinlich auf die Kunden umgelegt. Das wird aber – hoffentlich – zu Einbußen führen. Allerdings sollte man sich wirklich überlegen, ob da nicht sogar Strafen angemessen wären, da viele dieser Unternehmen (vor kurzem kam das über einen Ölkonzern raus) wissentlich aktiv zum Klimawandel beigetragen haben und viel Geld in die Verleugnung gesteckt haben.

          Und was gar nicht geht: Kohlestrombetreibern Geld für den Kohleausstieg zu zahlen. Die wussten ganz genau, dass das kommen wird.

  13. Danke, dass ihr in der Folge darauf hingewiesen habt, dass auch abgesehen von den Flügen viele andere Bereiche zur CO2 Reduktion beitragen müssen.
    Ich fände es toll, wenn ihr bei euren Klimawandelbeiträgen mal Infos dazu bringen könntet, welche Lebensstiländerung wie viel CO2 einsparen kann.

    Laut https://uba.co2-rechner.de komme ich auf einen Jahresausstoß von 5.3t, 2.3t alleine durch die alte Ölheizung im 1950er Jahre Haus.
    Lebensstiländerungen: Vegan, keine Flüge oder Auto sondern Zug, öfters mal gebrauchte Sachen/Klamotten kaufen.
    Vor allem Hinweise darauf, welchen Effekt vegane Ernährung hat (von den ethischen Fragen ganz zu schweigen) und wie einfach diese heutzutage ohne Qualitätsverlust umzusetzen ist, vermisse ich bei euch. Auf ÖPNV vs Auto&Flugzeug weist ihr ja schönerweise schon öfters hin.

    Also, eine gut recherchierte Übersicht über CO2 Einsparpotential wäre super! :)

    • Lieber Flo,
      Ich finde deinen Vorschlag sehr gut, neben dem reinen Verkehr auch auf andere Lebensbereiche einzugehen, um CO2 und ähnliches zu sparen.
      Hier gibt es sehr viele Möglichekeiten, so kann man zumindest in der Stadt darauf achten viele Produkte unverpackt zu kaufen (gibt es spezielle Läden), oder wenn man außerhalb lebt und den Platz hat sich das eine oder andere Gemüse selbst anbauen. Auch gibt es viel mehr second hand Läden oder Tauschbörsen, sowie Foodsharing Kühlschränke vor allem an Universitätsstandorten.
      Natürlich stimme ich dir auch zu, was die Reduktion von Fleischkonsum angeht, in diese Richtung denkt man ja momentan auch mit der “Fleischsteuer”.
      Was vegane Ernährung angeht sehe ich das allerdings etwas kritisch. Eine Vegane Ernährung ist nämlich nur so lange gut fürs Klima, als man es schafft sich ausreichend mit heimischen Produkten zu ernähren, die nicht gekühlt gelagert werden müssen. Sobald Früchte, Gemüse oder Nussprodukte importiert werdem müssen, kommen CO2 Tonnen durch den transport hinzu, die sich im Sinne einer ausgewogenen, gesunden Ernährung oft leider nicht vermeiden lassen, nur Kartoffeln und Kohl reichen im Winter nunmal nicht aus.
      Hier würde ich hingegen eine regionale und saisonale Ernährung mit deutlich reduziertem Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten vorziehen. Ich sehe allerdings kein Problem (fürs Klima und auch ethisch!), wenn ich mir vom Bauernhof um die Ecke mal eine Flasche frische Milch, die Eier von einem Bekannten, der alte Hühnerrassen züchtet und auch Gnadenfälle aufnimmt, und hin und wieder mal vom Metzger etwas Fleisch zu holen. Natürlich kann das auch nicht jeder und ist auch nur auf dem Land so richtig praktikabel.

      Zum Thema CO2 Ersparnis von veganer Ernährung hat mailab (Funk Kanal) ein sehr schönes Video gemacht: https://youtu.be/keEKlr2dG-I

      Zum Thema gut recherchierte Übersicht, finde ich die Idee sowas mal zusammenzustellen grundsätzlich nicht schlecht, denke aber nicht, dass das zwingend in der Lage sein muss…

  14. Hallo Philip, hallo Ulf,

    zum Thema Klimawandel möchte ich euch auf zwei interessante Quellen hinweisen:
    https://detektor.fm/wissen/mission-energiewende-die-plastik-krise
    “Dass wir ein Problem mit Plastik haben, ist allen mittlerweile klar. Wie schlimm es wirklich ist, wissen viele aber noch nicht. Ein Gespräch über die Plastik-Lobby, verdrängten Müll und die Recycling-Lüge.”
    Neu war mir, dass das Mikroplastik sich auf die Kleinstlebewesen der Ozeane in der Weise auswirkt, dass die Funktion der Ozeane als CO2-Senke eingeschränkt wird.
    Außerdem gibt es einen britischen Konzern (Ineos), der mit Fracking-Gas aus USA Plastik herstellt und in Antwerpen eine neue Produktionsstätte baut (https://www.boell.de/de/2019/05/27/konzerne-die-aktivitaeten-der-plastik-lobby).
    Die Gesprächspartnerin kam von der Heinrich-Böll-Stiftung, welche einen Plastikatlas erstellt hat:
    https://www.boell.de/de/plastikatlas

    Zwar ist folgendes von Kenfm.de, was hier schon mal als Fake-News-Schleuder bezeichnet wurde, so dass ich das Portal vorsichtiger betrachte.
    Folgender Artikel bringt meiner Ansicht einige interessante Punkte:
    – “Statt weniger Produktion, weniger Verbrauch, weniger Konsum, weniger Emissionen, wird darauf gesetzt, die Mittel zur Energiegewinnung einfach auszutauschen. […] Ganz im Gegenteil: Durch die Fixierung auf erneuerbare Energien schaffen wir nur die nächsten Umweltkatastrophen. Die erneuerbaren Energien, insbesondere die Elektromobilität, erfordern viele Rohstoffe, deren Abbau massiv die Umwelt schädigt. Ein Beispiel dafür ist Lithium.”

    Natürlich ist es schön, wenn alles so weiter gehen kann, wie bisher, nur dann halt mit Strom.
    Aber aufgrund der Auswirkungen sollten wir überlegen, ob wir das wollen.
    Wollen wir Plastik produzieren, das nur einmal genutzt wird und ewig in der Umwelt schädlich aktiv ist?
    Wollen wir auf Elektro-Mobilität umsteigen und dafür die Schäden durch den Lithium-Abbau in Kauf nehmen?
    Durch die fridays-for-future-Bewegung ist inzwischen auch die Politik umgeschwenkt.
    Gibt es keine anderen Möglichkeiten, durch welche die Politik die Meinung der Bevölkerung erfahren kann? Hierfür würde ich mir online-Umfragen wünschen.
    > Postwachstumsökonomie (Niko Paech) kam bei euch meiner Erinnerung nach schon mal vor und setzt sich für eine Reduktion der Produktion ein.
    > Gemeinwohlökonomie geht in eine ähnliche Richtung. Hierzu gab es einen interessanten Podcast von Dossier Politik (https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/dossier-politik/kapitalismus-verantwortung-wirtschaften-100.html), in welchem Gemeinwohlökonomie und Soziale Marktwirtschaft und deren Auswüchse diskutiert wurden.

    Grüße von Verita

    • Natürlich ist Plastik ein Problem, aber das hat mit dem Klimawandel nichts zu tun … für mich klingt das doch sehr nach Derailing / Whataboutism. Vielleicht schaust Du Dir mal an, was diese Begriffe bedeuten, denn es trägt sehr zu sinnvollen Diskussionen bei, wenn alle diese Gesprächskiller vermeiden.

      • Ich verstehe zwar, dass man auf diesen Gedanken kommen kann.
        Im Podcast wird aber einfach auf diesen Zusammenhang hingewiesen. Insofern schlage ich vor, ihn sich anzuhören, da auch der Text nur eine knappe Zusammenfassung ist.

      • Wenn wir mal ganz ehrlich mit uns sind, sollte doch ziemlich klar sein, dass wir mit einem System, das nur durch
        – ständige Expansion
        – größerer Gewinn als im Quartal davor-
        – Wachstum als Motor
        – etc
        das Klima-Problem nicht lösen werden.

        Selbstverständlich können wir den Absturz, in dem die Menschheit sich gerade befindet, in einen mehr oder minder steilen Sinkflug überführen. Aber ändern wir nichts an der Grundlage des weltweiten Wirtschaftssystems sehe ich echt schwarz. Immerhin wird es dann wohl mich nicht mehr betreffen.

  15. 7. August 2019 um 15:29 Uhr
    Robert von Cube

    Hallo,

    das Thema Schizophrenie wurde m. E. zu sehr aus der Sicht des Juristen erörtert, der naturgemäß die problematischen Fälle kennt. Viele Schizophrene sind unauffällig und behandlungsbereit. Eine „Heilung“ ist gerade nicht möglich, aber das ist vielleicht Wortklauberei. Die Quote erfolgreicher medikamentöser Behandlung ist deutlich geringer als „80-90%“. Vor Allem aber erscheint mir die Darstellung von Schizophrenen als „Verdächtigen in Tötungsdelikten“ sehr verzerrt. Habt ihr Zahlen dazu? Ulf sagte „sehr, sehr häufig“. Will keine Eigenwerbung machen, aber um mich nicht zu sehr zu wiederholen verweise ich auch auf meinen Beitrag bei den Ruhrbaronen: https://www.ruhrbarone.de/nach-mord-in-frankfurt-diskussion-auf-dem-ruecken-psychisch-kranker/171541

    • Hallo!

      Das Thema “Psychiatrische Versorgung” und insbesondere “Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis” wird im Podcast sehr oberflächlich diskutiert. Wie Robert schreibt, ist die Annahme 80 bis 90% der Betroffenen “dauerhaft heilen” zu können selbst unter Idealbedingungen utopisch. Der Begriff “Heilung” ist unter Fachleuten in Bezug auf diese Erkrankungen aus gutem Grund verpönt.
      In der wirklichen Welt kommt es bei vielen Betroffenen zu (nicht selten) häufigen Rückfällen. Bekannte Gründe sind unter anderem die vor allem langfristig beschränkte Wirksamkeit der Antipsychotika und deren häufiges Absetzen (Stichwort: “Drehtürpsychiatrie”).
      Tatsächlich fällt nur ein relativ geringer Anteil an Erkrankten durch Gewaltdelikte auf. Insgesamt gesehen muss man aber wohl einen migrationsbedingten Anstieg solcher Delikte erwarten, da Migration ein deutlicher Risikofaktor für den Ausbruch von Psychosen zu sein scheint. Wie hier zusammengefasst: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/66049/Psychosen-unter-Migranten-und-Fluechtlingen-haeufiger verdoppelt sich das Erkrankungsrisiko schon bei “normaler” Migration um ca. 70%. Bei Flüchtlingen und Menschen aus Ländern südlich der Sahara erhöht sich das Risiko annähernd auf das dreifache.
      Hier gibt es leider tatsächlich kein einfaches “Gegenmittel”. Die psychiatrische Behandlung von Menschen aus anderen Kulturen ist bekanntermaßen besonders schwierig, selbst wenn sie die Sprache der Behandler gut beherrschen.
      Hysterischer politischer Aktionismus hilft, da habt ihr natürlich völlig recht, auch nicht weiter.

      • Hi, vielleicht hörst Du die Passage einfach noch einmal … die von Dir angesprochenen Punkte kommen nämlich vor, beispielsweise haben wir das Problem der schlechten Compliance ausdrücklich besprochen, ebenso das problematische Konzept der Heilung in diesem Kontext. Und niemand hat behauptet, dass ein bestimmter oder gar ein hoher Anteil der Erkrankten gewalttätig werde.

        • Hallo Robert!

          Nein, meines Wissens ist nur eine Minderheit der Verdächtigen in Tötungsdelikten schizophren. Ich habe dazu leider keine belastbaren Zahlen. Umgekehrt wird wohl eher ein Schuh daraus: An Psychosen Erkrankte verüben deutlich überdurchschnittlich häufig Gewalttattaten (Zahlen sehr umstritten, ich formuliere deshalb lieber allgemein).
          Der Anteil Erkrankter an der Bevölkerung ist jedoch niedrig (1 bis eher 2 Prozent, besonders, wenn man die affektiven Psychosen hinzunimmt).

        • Vielen Dank  dafür, dass ihr das Thema Schizophrenie mit aufgenommen habt. Ich möchte mich den vorherigen Kommentaren in einem Punkt anschließen. Meiner Wahrnehmung nach, betonte eure Darstellung eine Gewaltbereitschaft bei Schizophrenen Menschen, die in der Realtität nur wenige einen geringen Anteil schizophrener Menschen betrifft. Ich finde es wichtig, dies noch mal ganz deutlich zu sagen, da an Schizophrenie erkrankte Menschen sehr unter der Stigmatisierung zu leiden haben, die mit der Erkrankung leider immer noch einher geht.

          Euren Vorschlag die psychischen Versorgungsstrukturen zu verbessern finde ich sehr gut. Als psychologische Psychotherapeutin in Ausbildung möchte ich dies noch mit mehr Inhalt füllen. Ein Problem, was wir haben, ist, dass es in der Ausbildung keine Seminare zu transkultureller Psychotherapie gibt. Dies wäre jedoch äußerst wichtig, da es interkulturelle Unterschiede gibt, wie psychische Störungen behandelt und verarbeitet werden. Ein Beispiel: Die Psychotherapeut_innen, die nach dem Genozid in Ruanda die Menschen einzelnd durch Gespräche in abgeschotteten Räumen (also ein typisches Setting bei uns) behandeln wollten, kamen nicht weit damit. Die Menschen in Ruanda brauchten Gemeinschaft, Tanz und Musik unter freien Himmel um ihre Traumata zu integrieren. Zu solchen tranksulturellen Unterschieden gibt es während der Therapie-Ausbildung keine Semianre. Das wäre ein erster Ansatzpunkt. 
          Weiterhin müsste die ambulante Versorgung von schizophrenen Patient_innen verbessert werden. Es gibt nur wenige Therapeut_innen, die sich auf Psyhotische Störungen spezialisieren. Die Problematik ist, dass Schizophrene Patient_innen in psychotischen Krisen nicht brav einmal die Woche zur Therapie Sitzung kommen. Ausgefallene Termine werden jedoch nicht von der Krankenkasse bezahlt. Das heißt, die Spzialisierung auf eine Behandlung von schizophrenen Menschen, die eigentlich unbedingt begleitet werden müssen, stellt ein hohes wirtschaftliches Risiko dar. 
          Außerdem kostet die therapeutische Spezialisierung auf Schizophrenie noch mal viel Geld (und das zusätzlich zur ohnehin schon sehr teuren Psychotherapie-Ausbildung, für die wir im übrigen zwischen 16.000 und 35.000 Euro bezahlen).

          Eurer Vorschlag, einfach ein bisschen empathischer miteinadner umzugehen und besser aufeinander aufzupassen und frühzeitig auf psychische Auffälligkeiten zu reagieren, hat mich etwas schmunzeln lassen. Schizophrenie ist eine Erkrankung vor der viele approbierte Psychotherapeutinnen großen Respekt haben und es ist viel verlangt von jedem einzelnen da gut mit umzugehen. 

        • Nur, weil man nicht explizit behauptet, dass ein Großteil der Menschen mit einer Schizophrenie Gewalttaten begeht, heißt das nicht, dass das nicht implizit mitschwingen und Stigmatisierung begünstigen kann. Denn ihr habt über Psychosen und Schizophrenie nur in Bezug zu Gewalt gesprochen und da gehört meines Empfindens nach ein Nebensatz dazu, dass nur ein Bruchteil der Erkrankten gewalttätig wird. Ich habe ja schon öfter gesagt, dass ich mir in Bezug auf euer Berichten über Gewalttaten und damit eventuell zusammenhängende psychische Erkrankungen etwas mehr Sensibilität wünsche – und zwar in dem Maße, die ihr z.B. in Bezug zu Migrationshintergründen schon zurecht an den Tag legt.

      • Nicht die Migration an sich fördert das Risiko, sondern u.a. wie die Gesellschaft mit den Menschen umgeht. Das steht auch im Text und sollte deshalb in der Argumentation nicht fehlen.

        “Der Hauptautor James Kirkbride vom University College London führt das erhöhte Risiko auf die vielfältigen sozialen, wirtschaftlichen, körperlichen und psychischen Belastungen zurück, die Flüchtlinge in ihrer Heimat und auf der Flucht ausgesetzt sind. Es könnte aber auch post-migratorische Faktoren geben, zu denen Diskriminierung, Rassismus und soziale Ausgrenzung im Aufnahmeland gehören.

        Hiervon sind offenbar besonders Menschen aus den afrikanischen Ländern südlich der Sahara betroffen. Diese Bevölkerungsgruppe ist die einzige, in der Migranten, die schon länger in Schweden leben, ein gleich hohes Risiko auf nicht-affektive Psychosen hatten, wie die neu hinzugekommenen Flüchtlinge. Der „sichtbare Minderheitenstatus“, sprich die dunkle Hautfarbe könnte hier eine Rolle spielen, vermutet Hollander.”

        • Hallo Dani!

          Schön, dass du dir die Mühe machst, so ausführlich aus dem Text zu zitieren.
          Allerdings ist deine eigene Behauptung durch nichts gedeckt, was in dem Text steht.

          Bei jeglichen Studien sollte man die Ergebnisse und deren Interpretation sauber trennen. Was nicht heißt, dass ich in diesem Fall die Interpretation für unplausibel halte.
          Gerade die genannten post-migratorischen Faktoren dürften auch meiner Ansicht nach eine Rolle spielen. Nur sind diese vermutlich sehr schwer zu verändern.

          Darüber hinaus ist in der Fachwelt allgemein bekannt, dass Migration sehr wohl
          “an sich” das Psychoserisiko erhöhen dürfte. Was ist im Sinne der “Life-event Forschung” ebenfalls plausibel ist. Allein Urlaubsreisen erhöhen das Risiko für eine psychotische Episode. Hierzu kommen bei Flüchtlingen häufig Traumatisierungen im Herkunftsland und während der Migration (so, wie sie derzeit de facto stattfindet).

        • 8. August 2019 um 13:53 Uhr
          Robert von Cube

          War vielleicht anders gemeint, aber für mich klang es, als wäre ein sehr großer Teil der Verdächtigen in Tötungsdelikten schizophren.

        • Hallo Peter,
          danke für Deine Antwort. Das würde theoretisch bedeuten, dass zum Beispiel ein Umzug, das Risko eines Kindes/Jugendlichen an einer Psychose zu erkranken erhöhen würde?

        • Hallo Dani!

          Unbedingt! Ein Umzug gehört zu den einschneidenden “Life-Events”.
          Wir sind soziale Wesen und mit einem Umzug ändert sich für die Kinder ein großer Teil ihrer Welt. Bei Jugendlichen ganz wesentlich der Freundeskreis und das schulische Umfeld.
          Wer also einen Umzug nicht vermeiden kann, sollte in sich der Zeit danach ganz besonders um seine Kinder kümmern. Leider ist das bei den vielen Jugendlichen, die den Kontakt zu ihren Eltern verloren haben (und umgekehrt), kaum möglich.

          (Natürlich erlebt trotz “Life-Event” nur eine Minderheit besonders vulnerabler, also sensibler und “verwundbarer” Menschen eine psychotische Episode. Und es gibt ohne Zweifel auch Fälle, in denen ein Umzug den Kindern/Jugendlichen gut tut.)

  16. Hallo,

    vielleicht noch eine gute Quelle bezüglich der Elektromobilität: http://www.mythbuster.ch. Hier führt Herr Rotta als Schweizer Tesla-Fahrer eine Diskussion gegenüber den allseits bekannten Vorurteilen gegenüber der Elektromobilität. Die Diskussion wird mit Hintergrundquellen belegt, dann aber aufs wesentliche reduziert. Einige Punkte sind ein wenig schweizspezifisch. Die meisten werden aber auch für Deutschland ausgeführt (z.B. CO2-Anteil im Strom) bzw. sind allgemeingültig.
    Meines Erachtens sehr lesenswert, gerade, wenn es um den CO2-Rucksack und die unsägliche “Schwedenstudie” geht, oder um alltägliche Fragen zum Laden und “Wie weit komme ich denn”…

    Viele Grüße und weiter so
    Christian

  17. Liebe Lage,

    könntet ihr das Thema judas.watch aufnehmen? Wie kann es sein, dass eine offensichtlich antisemitische öffentliche Website eine Personenliste anlegen darf, auf der jüdische Menschen mit einem Davidstern markiert werden? Für das BKA ergibt sich hieraus keine besondere Gefahrenlage, demnach darf die Seite weiter bestehen. Hintergrund zum rechtlichen Rahmen zur Veröffentlichung solcher Listen fände ich sehr spannend und ob das Thema in der Politik zurzeit behandelt wird.
    Quelle: https://www.tagesschau.de/investigativ/report-muenchen/judas-watch-101.html

  18. Liebes LdN-Team,

    vielen Dank für eure allwöchentliche Arbeit. Zur “konstruktiven Journalismusarbeit” möchte ich euch ein Beispiel unserer persönlichen Energiewende geben. Das ist sicherlich nicht auf jeden übertragbar, insbesondere war vieles nur im Neubau möglich – aber eben dort ist auch viel möglich :-)

    Wir wohnen mit 4 Personen auf 150 m² in einem Niedrigenergiehaus aus 2013. Geheizt wird mit einer Luft-Wärme-Pumpe. Im ganzen Jahr verbrauchen wir für Warmwasser und Heizung sagenhafte 1.000 kWh Strom. Dieser wird ziemlich genau zu 50 % aus eigener PV gemacht. In Summe sind das Energiekosten in Höhe von 180 EUR im Jahr. Erreicht wird dies u.a. durch eine optimale Einstellung, welche eigentlich nur tags heizt (also tendenziell mit mehr PV auch im Winter und bei höheren Außentemperaturen), also eben nicht in kalten Nächten. Das geht, da das Haus über Nacht ohne Heizung gerade mal 1 K verliert. Hier muss ich mir m.E. keine Gedanken mehr machen, eine aufwändigere Heiztechnik einer Solewasserpumpe einzusetzen – die noch dazu ja in vielen Fällen einen schlechteren Wirkungsgrad hat und außerdem ja eben nicht aus einer unendlichen Energiequelle schöpfen kann.
    Leider muss ich beruflich recht viel fahren (Bauüberwachung im Großraum München). Im Jahr fallen rund 35 Tkm inkl. ein paar privater Wochenendfahrten mit Familie an. Diese Strecke fahren wir seit 2,5 Jahren elektrisch, erst mit einem Ioniq, derzeit mit einem Kona.
    In Summe verbrauchen wir damit rund 8.000 kWh Strom (rund 60 % PV), erzeugen aber auf dem Dach auch 10.000 kWh je Jahr. Andere Energieträger haben wir nur 500 l LPG für ein Zweitauto (soll mittelfristig auch elektrisch werden) und den Grill. Bilanziell ist also zumindest unser privater Verbrauch weitestgehend positiv (natürlich ist das nur ein Teil) bzw. wird dies jetzt durch die Erweiterung unserer PV-Anlage auf 15 kWp.

    Was mir aber in all den Diskussion zur Energiewende auffällt: Die Energiewende wird immer als große Bürde mit vielen Einschränkungen hingestellt. Das mag durchaus den ein oder anderen Punkt richtig treffen. Meines Erachtens kann man die Energiewende aber auch als win-win erleben – und gerade das kann man ja auch transportieren, um die Leute zum Mitmachen zu animieren. Ich für meinen Teil möchte nicht wieder zurück ins Elternhaus, wo wir 12 Ster Holz im Herbst sägen mussten und 3000 Liter stinkendes Heizöl im Winter verbrannt haben. Ich möchte auch keinen Benziner oder gar Diesel mehr fahren, bei dem ich ständig das Öl kontrollieren muss und stinkenden Kraftstoff an Tankstellen nachfüllen muss – alleine schon der zeitliche Aufwand fürs Tanken wäre mir zu viel. Nein, ich freue mich, dass ich in einem Haus leben darf, das immer wohl temperiert ist und automatisch gelüftet wird. Ich freue mich, dass ich mit einem so schönen, durchzugskräftigen, aber im positiven Sinne vollkommen unspektakulärem Auto fahren darf, das am Morgen immer voll geladen mit genügend Reichweite für den Arbeitstag im Carport steht. Ich für meinen Teil freue mich also, dass ich schon einen Teil der Energiewende gehen durfte.

    Ich weiß, dass für eine derartige Umstellung viele im Altbau und zur Miete lebenden Mitbürger und Mitbürgerinnen noch zu große Hürden gesetzt sind. Insbesondere im Neubau verstehe ich aber nicht, warum man noch auf fossile Brennstoffe setzt und nicht hier gleich den Schritt auf Energieeinsparung sowie komplett Strom als Energieträger geht – nur dieser kann irgendwann einmal CO2-frei hergestellt werden. Mit kleinen Mehraufwendungen in PV-Anlagen, die sich schon nach wenigen Jahren rechnen, bekomme ich die bilanzielle CO2-Freiheit sogar sofort hin.

    Macht weiter so!

    Christian

    • Danke für Deinen Erfahrungsbericht, Christian!

      Eine Nachfrage: Dein Text klingt so, als wärest Du Profi aus der Bauwirtschaft, Architekt, Bauingenieur o.ä. … denkst Du, dass ein solches Haus auch für Menschen realistisch ist, die beruflich etwas ganz anderes machen?

      • Hallo Ulf,

        sehr gut getippt: Ich bin Bauingenieur. Allerdings aus dem Betonbau. Mit Energie und Dämmwerten kannte ich mich davor auch nicht aus. Was ich aber beobachtet habe: Sobald man eine PV-Anlage auf dem Dach hat, möchte man das Wissen und weiß es dann auch. Da erging es mir als Ingenieur nicht anders als meinen Freunden, die keinerlei technischen Hintergrund haben.

        Und “ja”, ich bin der festen Meinung, dass eine derartige Bauart für alle zugänglich sein kann. Wie überall, wo man sich nicht auskennt, braucht man eben einen guten Architekten, der das für einen plant. Hier sehe ich durchaus noch Entwicklungspotential, da dieser Fachmann in unterschiedlichen Fachgebieten sein muss. Das System “Niedrigenergiehaus” lebt ja gerade von der sinnvollen Abstimmung der Dämmung bzw. des solaren Gewinns über die Fenster und der Technik (Wärmepumpe, Lüftung, Photovoltaik). Die richtige Wärmepumpe auszuwählen ist deutlich schwieriger, als eine passende Gastherme. Oder anders: Wähle ich die falsche Wärmepumpe (z.B. Luftwärmepumpe bei schlechter Dämmung), habe ich danach deutlich mehr Ärger, als bei einer ggfls. falsch ausgewählten z.B. überdimensionierten Gastherme.

        ABER: Es funktioniert und ist keine Raketenwissenschaft. In der Bedienung würde ich dann sogar deutliche Vorteile für jeden und eben auch den technikfernen Nutzer sehen: Genauso wie Elektroautofahren deutlich einfacher und angenehmer als Verbrennerfahren ist, so ist auch das Leben in einem Niedrigenergiehaus einfacher: Ich habe immer die Temperatur, die ich möchte, den Luftaustausch, den ich einmal eingestellt habe etc. Die Technik dahinter ist deutlich einfacher (Luftwärmepumpe, Lüftung, PV, fertig) als in herkömmlichen Häusern (Ölbrenner, Kollektoren auf dem Dach, Warmwassertasche im Holzofen etc.). Ja, man muss sich mit der Technik ein wenig beschäftigen. Das gilt aber für alle derartigen Systeme und fällt nach meiner Einschätzung eben durch das bei Niedrigenergiehäusern mögliche KISS-Prinzip (Keep it simple, stupid) dann aber einfacher aus. Das schöne: Man muss sich wirklich nicht um die Technik kümmern, das erfolgt im Hintergrund – man lebt einfach in dem Haus. Nur wenn man Lust hat, kann man sich dann die Stromauswertungen ansehen und sich über diese erfreuen…

        Und letztlich ist die Konzentration auf den Energieträger “Strom” mit soviel Vorteilen verbunden: Nur Strom kann CO2-frei sein und Strom ist super wandelbar. So kann ich das Haus heizen, das Warmwasser machen oder im Sommer eben auch das Auto laden. Zur Not verkaufe ich den Überschuss. Das alles geht mit Sonnenkollektoren nicht. Hier kann viel Energie im Sommer nicht genutzt werden…

        Viele Grüße
        Christian

      • Diese etliche Jahre alte Podcastepisode zum Thema dürfte immer noch relevant sein: https://cre.fm/cre180-passivhaeuser

    • Wer es sich leisten kann, sicherlich ein sinnvoller Ausblick was alles machbar ist.

      Ob das allerdings so auf Mehrfamilienhäuser in den Städten anwendbar ist? Dort, wo jetzt schon die Preise so hoch sind, dass Leute wieder in die alten, teilweise abgewrackten Gebäude der 50er-60er Jahre ziehen. Wo immer noch denkmalgeschützte Gebäude von Anfang 1900 stehen?

      • Hallo Christian,
        es gibt teilweise Projekte in verschiedenen Städten, z.B. in Heidelberg die Quartierversorgung Südstadt.
        https://heidelberger-energiegenossenschaft.de/projekte/solarprojekte/quartiersversorgung-suedstadt

        • Vielen Dank für den Link. Tolles Projekt – ich hoffe, es findet Nachahmer.

          Hier sieht man auch schön, dass es sich rechnet: Bei einer Erzeugung von 53 MWh und der Annahme, dass 50 % im Haus verbraucht werden (m.E. bei 130 Haushalten eine eher konservative Schätzung), kommen rund 10 TEUR Ertrag je Jahr heraus. Insofern wäre selbst mit Speicher die Anlage nach 10 Jahren abgezahlt. Ab da macht sie jedes Jahr 10 TEUR Gewinn. Wo bekommt man denn eine solche Rendite? Und das ganze ist ohne jegliche Strompreissteigerung gerechnet…

      • Hallo,

        nein, ich glaube auch nicht, dass das überall möglich ist. Das schreibe ich ja auch. Gerade mit Dämmungen im Altbau kann man ja auch einiges verkehrt machen. Im Neubau hat man aber diese Beschränkungen nicht – und so verstehe ich es nicht, warum man nicht deutlich häufiger konsequent auf Strom setzt. Insofern: Warum soll man es dort, wo es umsetzbar ist, nicht machen? Nur, weil es nicht überall geht? Meines Erachtens muss man es daher genau dort machen, wo es gut geht, um eben das Rest-CO2-Kontingent für die aufzuheben, die hier nicht so einfach um fossile Brennstoffe kommen.
        Ja, und natürlich ist man im WEG-Recht oder gar als Mieter deutlich beschränkter, als im Eigenheim. Aber ich habe mal gehört, dass auch ein Mehrfamilienhaus ein Dach haben soll – warum dann nicht mit PV belegen? Und auch in den Mehrfamilienhäusern gibt es ja Ansätze, wie man es verwaltungstechnisch besser machen kann, Stichwort Mieterstrommodelle. Wenn man als WEG möchte, kann man hier also auch tätig werden und zumindest ein wenig CO2-freier werden.

        Zum Finanziellen:
        Bei üblichen PV-Anlagen (ohne Speicher) ist es doch keine Frage, ob sie sich rechnen, sondern nur wann. Sind es 8 oder doch 10 Jahre? Das ist doch für ein Haus kein Zeitraum.
        Die Frage ist meines Erachtens nicht “Wer kann sich PV leisten?”, sondern eher “Wer kann sich KEINE PV leisten?”.

        Viele Grüße
        Christian

        • Hallo Christian,

          Nochmal ich. 😊

          Ich kann Deinen Enthusiasmus PV-Anlagen betreffend durchaus gut verstehen. Fast nirgends amortisiert sich eine Investition so sehr wie in diesem Bereich.

          Persönlich denke ich, dass viele das nicht in Betracht ziehen weil es jahrelang negative Berichterstattungen dazu gab. Das bleibt eben länger im Kopf hängen.

          Man sollte darüber hinaus auch nicht vergessen, dass es inzwischen sehr teuer ist ein Haus zu bauen oder zu sanieren, wenn man es nicht geerbt oder günstig erworben hat. Da kann eine Investition, die sich eigentlich lohnt, dennoch hinten angestellt oder nicht getätigt weil 100 € oder 200€ mehr im Monat dann doch einen Unterschied machen was die komplette Finanzierung angeht.

        • Hallo Dani,

          irgendwie kann ich nicht auf Deinen Post antworten – die Verschachtelung wird wohl zu tief.

          Ich bin bei Dir, dass es bestimmt Hausbauszenarien gibt, die auf Kante genäht sind. Hier ist es sicherlich schwierig, jegliche Mehrkosten unterzubekommen. Berücksichtigen muss man aber auch, dass eine PV-Anlage ja nicht nur kostet, sondern auf anderer Seite auch Ersparnis bzw. Einnahmen bringt: Bei angenommenen Kosten für die PV-Anlage von 10 TEUR netto (ganz grob ca. 8 kWp Leistung) kostet ein Kredit ohne Grundschuldabtretung über 12 Jahre 81 EUR/Monat Zins und Tilgung (siehe z.B. Ethikbank), also rund 1.000 EUR im Jahr. Auf der anderen Seite kann ich mit einer derartigen Anlage ganz grob 1.300 EUR netto erwirtschaften (Annahme: 3 MWh Eigenverbrauch, 5 MWh Einspeisung je Jahr).
          Mit anderen Worten: Für alle, die über ihren Hauskredit hinaus noch kreditwürdig sind, darf der Einbau einer PV-Anlage zum Hausbau on top gar keine Frage sein. Die ersten 12 Jahre erwirtschafte ich ohne eigenes Geld 300 EUR/Jahr, ab Jahr 13 sind es dann 1.300 EUR/Jahr. Und das mit dem ja eigentlichen Ziel, dass wir den CO2-Ausstoß mindern.
          Hinzu kommt, dass die Kosten während eines Sowieso-Baus meist geringer sind. So fallen z.B. sowieso schon Kosten für ein Gerüst für die Fassade an, welches für PV mitgenutzt werden kann. Ein Jahr später muss ich es ggfls. gesondert aufstellen…

          Also, lasst uns die Dächer voll machen, wenn wir eh am Haus arbeiten :-)

          Sonnige Grüße
          Christian

  19. Hallo liebes LdN Team,
    ich glaube Ihr habt Euch beim Thema “8 jähriger wird vor ICE geschuppst und stirbt” etwas verrant. Ihr redet minutenlang davon, das solche Menschen in Deutschland nicht richtig betreut dabe ist das aber gar nicht das eigentlich Problem in diesem Fall gewsen, denn das eigentlich Problem ist ja, dass die Kommunikation zwischen der Schweiz und der Bundesrepublik nicht richtig funktioniert hat und dieses die Tat begünstigt hat.
    Just my 5 cent
    Euer Hörer
    kha

    • Im konkreten Fall hat die Schweiz in der Tat keine internationale Fahndung eingeleitet, ja. Aber uns ging es um die sinnfreien Reaktionen aus der Politik und die Frage danach, was man hätte besser machen können.

  20. Zum Thema psychische Erkrankungen: Wäre es nicht auch sensibilisierend wenn das beim Erste Hilfe Kurs thematisiert wird. Handeln und erkenne von psychischen Krisensituationen.
    In Firmen die einen Ersthelfer haben, könnte das ebenfalls Bedeutend sein.

    Ich denke damit erreicht man schon einige Leute.

  21. Thema: Klimaschutz – Autogas – Paradoxon

    Guten Tag,

    Am besten komme gleich zum Kern: Warum setzt sich Autogas (nicht Erdgas) als Übergangstechnologie nicht durch?

    Angeblich ist Autogas umweltfreundlicher als Benzin und Diesel sein.

    10-16% weniger CO2
    80% weniger Stickoxide

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Autogas

    Vollständig belastbare Quellen konnte ich leider nicht finden. (Shell und Dvfg sind 2trangige Quellen m. E.):

    https://www.energiedirect.at/media/pdf/68/15/15/shell-lpg-studie-de-2015.pdf

    https://www.welt.de/motor/article154150610/Die-verkannten-Vorzuege-der-Gasautos.html

    https://www.dvfg.de/fahren-mit-fluessiggas/vorteile-von-fluessiggas-als-kraftstoff/

    ABER: Alle Recherche bestätigt aber, dass Autogas tendenziell umweltfreundlicher ist und sich viel CO2 und Stickoxide einsparen lassen.

    !!!!! Und es kann sofort losgehen. Niemand muss gesetzlich, infrastrukturell oder technologisch etwas tun. Es ist alles da.!!!!!

    Ich fahre seit 10 Jahren und ca. 250.000 km Autogas. Ursprünglich tat ich dies nur aus ökonomischen Gründen (ja es lohnt sich sehr!). Ich habe das Thema damals sehr lange recherchiert. M. E. Lohnt sich Autogas als PKW-Umrüstung ökonomisch nur bei Wenig- oder Nicht-Fahren gar nicht. Für Pendler oder Langstreckenfahrer ist es ideal.

    Grund für das Nicht-Durchsetzen kann nicht Zweifel an Technologie oder Risiken sein. Die lassen sich ausräumen.

    Also habt Ihr eine Erklärung, warum es so wenige nutzen ? Gerade als Übergangstechnologie bis sich neue Konzepte durchgesetzt haben.

    Ein Beitrag zum Klimaschutz kann einfach sein.

    Gruß Sven

  22. Moin liebe Lage,

    erstmal vielen Dank für eure Berichterstattung! In dem Themenkomplex Klimawandel ist mir nur manchmal aufgefallen, dass die Partei die Grünen immer und ausnahmslos stellvertretend für Umweltschutz zu stehen scheint und sozusagen als Retter dargestellt wird. Und ich würde mir wünschen, dass das auch so ist, bin da aber etwas skeptisch. Im Angesicht des Aufstiegs dieser Partei und möglicher Regierungsambitionen fände ich aber eine etwas kritischere Auseinandersetzung mal sehr interessant!
    In dem Zusammenhang möchte ich auch auf Nico Paech verweisen, ein Postwachstumsökonom, der hier das ein oder andere Paradox aufzeigt. Hinter der Politik der Grünen und auch hinter der Energiewende sieht er das Konzept des „Grünen Wachstums“. Also die Annahme, dass Wachstum und Ressourcenverbrauch uneingeschränkt positiv ist, wenn die richtige Technologie entwickelt wird, um die negativen Folgen zu kompensieren (Recycling, CO2-Abscheidung und -Lagerung, Förderung der erneuerbaren Energieerzeugung). Der Ansatz der Postwachstumsökonomie ist hingegen, dass Wachstum nur bis zu einem gewissen Stadium nachhaltig ist, da jede neue, noch so grüne Technologie eine ganze Vorkette an Prozessen benötigt (und ein Lebensende), die wiederum Umwelteinflüsse aufweisen und das dies eine technologische Aufrüstungsspirale darstellt. Das im Grunde Probleme, die durch Wachstum kommen, nicht durch Wachstum gelöst werden können! Dem „grünen Wachstum“ wird Suffizienz gegenübergestellt, also Beschränkung, um den Zustand zu erreichen, in dem man eigentlich alles hat, was man benötigt und kein weiteres Wachstum erforderlich ist. Wie genau eine gesellschaftliche Entwicklung aussehen könnte, die zu einem Postwachstumsstadium führt, wird in den unter verlinkten Videos auch beschrieben.
    Außerdem zeigt er das Paradox der Grünenwähler, die einerseits gebildet, wohlhabend und sich des Klimawandels sehr bewusst sind, andererseits aber auch mehrmals im Jahr in den Urlaub fliegen, SUVs fahren und überspitzt gesagt, alles mit dem Label „Bio“ konsumieren, was über den Weg läuft. Ob die Grünen in ihrer Vergangenheit immer nachhaltig und „grün“ gehandelt haben, wenn sie mal an Regierungen beteiligt waren, da bin ich mir sehr unsicher.

    Ich fände es sehr interessant, wenn ihr mal Lust hättet zum Einen diese, ich nenn es mal realistische Utopie, zu diskutieren, sowie die Frage, ob die Radikalität der Grünen nicht zu beschränkt ist, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Viele Grüße!

    Interessante Links zum Thema:
    https://www.youtube.com/watch?v=fUA73HeiIFo
    https://www.youtube.com/watch?v=0xR2JeOpzug

  23. Hallo Ulf & Philip!

    Mich würde interessieren, ob ihr vorhabt, am 20.09. ebenfalls für das Klima bzw. Klimaschutz zu streiken bzw. zu demonstrieren? Natürlich die Antwort lieber im Podcast als hier, aber ich würde sie auch hier nehmen ;)
    Gerade wenn man sich die von euch ebenfalls nochmal aufgezeigte Dringlichkeit vor Augen führt und sich derer bewusst ist, ist die Teilnahme an dieser Internationalen Demonstration, so sehe ich es zumindest, wichtig – egal, ob man jetzt wirklich streikt oder sich Urlaub nimmt. Natürlich wird es nicht bei jedem gehen, wir wollen schließlich auch vollbesetzte Krankenhäuser und vielleicht ist das auch beim Gericht schwierig. Aber ihr könntet ja vielleicht mal erzählen, ob ihr daran teilnehmt und warum ihr euch wie entschieden habt.

    Vielleicht wäre für dieses Wochenende in der Lage ja auch ein Interview mit jemandem im Bereich der Klimaforschung bzw. des Klimaschutz interessant oder sogar ein längeres Interview im Medienradio?

    Danke, dass ihr euch dem Klimaschutz so ausführlich die letzten Folgen gewidmet habt. Ich würde mich freuen, wenn ihr da weitermacht!

    Liebe Grüße
    Sonne

  24. 6. August 2019 um 11:34 Uhr
    Anne Herbermann

    Zum Vorfall in Frankfurt

    Lieber Philipp, liebr Ulf,
    Ihr habt das m.E. sehr gut beleuchtet und eingeordnet! Danke!
    Ich finde, Ihr habt recht, wenn Ihr der Politik in diesem Fall eine emotionale Hektik unterstellt, die destruktiv ist.
    Ich bin aber gleichzeitig auch der Meinung, dass unsere Leit-Medien sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben.
    Muss denn die Tagesschau (!) den Vorfall als erste Nachricht und Aufmacher bringen?
    Und dann interviewen sie als einzigen Oppositionspolitiker einen AFD-Abgeordneten…
    War es nötig, dass die ehemalige Herkunft des Täters überhaupt genannt werden musste?
    Zumindest das ZDF bzw. Claus Kleber ist etwas zurück gerudert und hat eingeräumt, dass die Redaktion wohl nicht glücklich über ihre eigne Berichterstattung sei.

    Auch die vierte Gewalt trägt eine Verantwortung und sollte Konsequenzen aus der viel zitierten Binsenweisheit, dass wir in einer komplexen Welt leben, ziehen ….

  25. Hallo,
    könnt ihr euch nochmal mit 5G auseinandersetzen? So wie ich das verstanden habe, wird es eher unsere Strahlenbelastung senken, aber ich bekomme gerade über einen Mailverteiler “sowas” hier (siehe Website) zugeschickt.
    VG,
    Jasper

    • Ich denke, dieser Blogbeitrag macht wieder einmal deutlich, dass wir alle große Verantwortung dafür tragen, welche Medien wir konsumieren.

      Auf der einen Seite gibt es diesen esoterischen Blog-Post von irgendeinem Typen aus Nordrhein-Westfalen, und auf der anderen Seite stehen hunderte von Studien etablierter Wissenschaftler. Da kann ich mir die Frage nicht verkneifen, warum man diesem Blog-Post irgendeine Bedeutung beimessen sollte.

      Leute, informieren wir uns aus Qualitätsmedien! Es ist einfach zu viel Quatsch im Netz zu finden. Nicht umsonst gibt es Menschen, deren Job es ist, Themen zu recherchieren: nämlich Journalist*innen. Wenn man deren Arbeit nutzt, erspart man es sich, selbst den ganzen Bullshit auszufiltern, den manche Leute ins Netz stellen.

  26. Liebes Lage-Team,

    im Hinblick auf die Schießereien ind USA an diesem Wochenende sind mir vermehrt Tweets aufgefallen, dass offenbar schon Gesetzesvorlagen oder -initiativen zur Regulierung von Schusswaffen vorliegen, diese aber einfach durch Ignorieren von Seiten des Senats bzw. konkret Mitch McConnell, blockiert werden.
    Und auch die Berufung von Merrick Garland in den Supreme Court wurde ja z.B. dadurch torpediert, dass der Senat sich (einfach) geweigert hat, die Anhörungen durchzuführen und so das ganze Problem ausgesessen hat.

    Meine Frage(n):
    Gibt es denn im System der USA keine verpflichtenden Prozesse / Abläufe / wasauchimmer, die ein solches “Aussitzen” in einem Gesetzgebungsverfahren verhindern und die jeweils Beteiligten verpflichten, “ihre Arbeit zu machen”, um es mal so zu sagen?
    Wie können Vorladungen zu Anhörungen vor Ausschüssen ignoriert werden oder das Nichtbeachten solcher Vorladungen angeordnet werden?
    Oder ist das einfach so eine “Mir doch egal, was ihr wollt! Verklagt mich doch!”-Attitüde?

    Das sind so Sachen, bei denen ich nur noch kopfschüttelnd Nachrichten lese…

    Es wäre schön, wenn ihr in einer der nächsten Sendungen mal kurz darauf eingehen könntet oder hier in den Kommentaren etwas ausführen könntet…

    • Die beiden Kammern des Kongresses (Repräsentantenhaus und Senat) sind unabhängig voneinander, müssen aber zusammenarbeiten damit ein Gesetz zustandekommen kann. Die Gewaltenteilung der USA ist sehr stark an der damals mehr oder weniger bandneuen Theorie von Charles de Montesquieu orientiert, der u.a. geschrieben hat: “Eigentlich müßten diese drei Befugnisse einen Stillstand oder eine Bewegungslosigkeit herbeiführen. Doch durch den notwendigen Fortgang der Dinge müssen sie notgedrungen fortschreiten und sind daher gezwungen, in gleichem Schritt zu marschieren.” Der gute Mann war da reichlich optimistisch…

      Das Problem bei den Vorladungen ist, dass die Legislative (das Parlament) hier auf die Mitarbeit der Exekutive (hier speziell der Polizei) angewiesen ist. Prinzipiell hat der Kongress zwar eine eigene Polizeigewalt innerhalb des Kongressgebäudes, und es gibt dort sogar eine Arrestzelle, aber das Repräsentantenhaus kann nicht einfach Beamte losschicken die dann irgendwelche Minister verhaften. Die Verfassung sieht hier als Lösung vor, dass das Parlament als ganzes den Präsidenten als letztendlich Verantwortlichen seines Amtes entheben kann. Dazu müssen wieder beide Kammern zusammenarbeiten: Das Repräsentantenhaus muss zunächst anklagen (“Impeachment”, absolute Mehrheit), und der Senat muss dann verurteilen (“Conviction”, Zwei-Drittel-Mehrheit). Weil die Republikaner “ihren” Präsidenten schützen, wird es zu letzterem nicht kommen. Unterm Strich sorgt das dafür, dass Trump de facto tun kann was er will, jedenfalls solange die Senatoren der Republikaner darin einen politischen Vorteil für ihre Staaten oder ganz banal für sich persönlich sehen.

      • 7. August 2019 um 7:37 Uhr
        Thomas Anderson

        Impeachment ist doch nicht dafür da, den Präsidenten rauszuwerfen wenn die Regierung nicht bei den Gesetzten mit macht!
        Zumal der Senat nicht Teil des Exekutive ist.

        Es ist einfach so, dass es keine politischen Mehrheiten für Waffengesetze auf Föderaler Ebene gibt. Das kann man doof finden, aber so ist es derzeit.

        Der richtige Weg wäre es eigentlich, den 5. Verfassungszusatz, der es der Bundesregierung verbietet solche Gesetze zu erlassen, abzuschaffen. Dafür gibt es bewährte Prozeduren. Es gibt bloß keine Mehrheiten dafür.

        • Impeachment ist dafür da, dass das Repräsentantenhaus als Volksvertretung den Präsidenten (oder andere Amtsträger [“all civil officers”], z.B. auch Verfassungsrichter) anklagen kann, und zwar dann, wenn sie in der Amtsführung ein Fehlverhalten sieht. Der Verfassungstext zählt als mögliche Gründe dafür “Treason, Bribery, or other high Crimes and Misdemeanors” auf (Verrat, Bestechlichkeit, oder andere Verbrechen und Fehlverhalten”), letztendlich ist es aber eine politische Entscheidung, was die Mehrheit des Repräsentantenhauses als solches interpretieren will (gerade “Misdemeanors” ist da sehr schwammig).

          Wenn der Senat als Staatenvertretung der Sichtweise des Repräsentantenhauses zustimmt und verurteilt, sind diese Amtsträger dann ihr Amt los. Dieses Verfahren ist die einzige Möglichkeit für das Parlament, Personen aus der Exekutive oder Judikative zur Verantwortung zu ziehen und damit (neben einer Beschränkung der Handlungsfähigkeit über entsprechende Gesetzgebung) Kontrolle über die anderen beiden Gewalten auszuüben.

          (Dass der Senat Teil der Exekutive sei habe ich nirgendwo behauptet…?)

        • 7. August 2019 um 16:40 Uhr
          Thomas Anderson

          Nein, hast du nicht.

          Aber mir ist nicht klar, wieso Impeachment die Lösung ist, wenn der Mehrheitsführer im Senat irgendwelche Gesetze einfach nicht weiter bearbeitet. Denn davon sprach Silvio.

          “Die Verfassung sieht hier als Lösung vor, dass das Parlament als ganzes den Präsidenten als letztendlich Verantwortlichen seines Amtes entheben kann.”

          Für was sieht die Verfassung Impeachment als Lösung vor und was hat das mit Gun Regulation zu tun?

          Der Präsident, als Führer der Exekutive, ist wie genau verantwortlich für die Untätigkeit des Senats?

        • @Thomas:

          Ah, jetzt verstehe ich die Ursache unseres Missverständnisses. :) Silvio hat zwei unterschiedliche Themen angesprochen: 1. Hemmnisse im Gesetzgebungsverfahren und 2. Vorladungen zu Ausschussanhörungen.

          Meine Antwort zum Impeachment bezieht sich auf Punkt zwei: Wenn das Parlament Angehörige der Exekutive vorlädt, diese sich (auf Weisung des Präsidenten) dem aber widersetzen, hat das Parlament wenig Druckmittel. Auch eine Verurteilung durch die Judikative erfordert letztendlich die Mitwirkung der Exekutive. Ob das klappt, probiert die Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus ja gerade aus. Wenn nicht, bleibt als Werkzeug nur noch Impeachment.

        • 8. August 2019 um 8:36 Uhr
          Thomas Anderson

          Ja, das ist durcheinander gekommen.

          Aber ich sehe nicht, wo hier ein Fall beschrieben wird, in dem ein Prozess deswegen geblockt wird, weil der Präsident jemand (unrechtmäßig) verbietet vor einem Ausschuss auszusagen.

          Das Beispiel weitere Beispiel (für “2. Vorladungen zu Ausschussanhörungen”?) ist Garland. Aber auch hier hat der Präsident nichts mit zu tun gehabt (das war Obama zu der Zeit). Da hat der Senat das einfach ausgesessen. Seine Rollen in dem Prozess sind “advise and consent”. Man kann wohl davon ausgehen, dass kein Consent vorlag.

        • @Thomas:
          Nein, nicht Garland. Das House Judiciary Committee und das House Oversight Committee haben in letzter Zeit eine ganze Reihe Personen als Zeugen vorgeladen, die Auskunft über vermutetes Fehlverhalten von Trump bzw. seiner Regierung geben können. (Zu diesen Personen gehört z.B. auch Justizminister Barr.) Auf Anweisung des Weißen Hauses weigern sich diese Personen aber, den Vorladungen nachzukommen. Die Ausschüsse haben in einigen Fällen die Missachtung der Vorladung formell festgestellt (“Contempt of Congress”). An der Stelle wird’s jetzt schwierig, weil das Parlament hier nicht alleine weiterkommt, sondern entweder die Hilfe der Exekutive oder der Judikative benötigt. Der Standardfall ist, dass ein Staatsanwalt tätig wird, denn CoC ist eine Ordnungswidrigkeit auf die bis zu einem Jahr Gefängnis stehen kann. Aktuell weigert sich das Justizministerium aber, entsprechende Hilfe zu veranlassen, untergräbt also die Arbeitsfähigkeit des Parlaments. Das Judiciary Committe versucht es deshalb jetzt mit einem Gerichtsverfahren.

          https://www.politico.com/story/2019/08/07/house-judiciary-don-mcgahn-subpoena-1452257

        • Ja, sorry für die Vermischung von zwei unterschiedlichen Sachverhalten. Aber da ich mich über den ersten grad so wunderbar aufgeregt habe, rutschte der zweite einfach mit raus. Schulligung…

  27. Hallo,
    nach dem Anhören (der ersten Hälfte) des jüngsten Podcasts, muss ich leider auch auf argumentative Fehler hinweisen. Ich bin der Meinung, dass ihr bei dem Fall Frankfurt von eurer sonst sehr souveränen, sachlichen und objektiven Argumentationslinie abgekommen seid. Manche Argumente von euch haben mich wirklich ärgerlich gemacht:

    * Zum Thema Frankfurt / Kassel: Ihr vergleicht den missglückten Mordversuch an einem jungen Mann mit dem Mord (oder Totschlag?) an einem Kind und den versuchten Totschlag an einer Mutter. Vielleicht bin ich als Vater von kleinen Kindern nicht objektiv, aber wenn ich in mich hineinfühle scheint mir die zweite Tat einfach viel viel schockierender, ergreifender, niederträchtiger, weniger nachvollziehbar zu sein. Und das macht das Verbrechen so emotional aufwühlend (und somit für die Medien und Politik interessant). Ich schreibe dieses Gefühl nicht einer unbewussten rassistischen Neigung zu sondern einer vermutlich der menschlichen Natur eigenen Prädisposition, die das Wohlergehen von Kindern höher einstuft als das von erwachsenen Menschen. (Mich würde es wundern, wenn es zu diesem Thema noch keine Dissertation gäbe ;-) Dies allein erklärt aus meiner Sicht die erhöhte mediale Aufmerksamkeit. Ich empfinde euren Vergleich an dieser Stelle als einen Mangel an Empathie eurerseits den Opfern gegenüber.

    * Frankfurt: Ihr behauptet, wenn der Frankfurter Täter seine Opfer nicht auf die Gleise hätte schubsen können, hätte er genauso gut aus dem Bahnhof raus an die Straße laufen können und dort jemanden vor einen Lieferwagen schubsen können. Ihr müsst bitte einsehen, dass das eine völlig andere Situation ist: Auf dem Weg vom Gleis zur Straße hätten ggf. Passanten den Mann aufhalten können (sofern sein geistiger Zustand bemerkbar gewesen wäre). Autos können ausweichen (!), haben einen viel kürzeren Bremsweg und (in der Regel hoffentlich vorrausschauend fahrende) Lenker, die einen Todesfall im besten Falle in einen Blechschaden hätten abwenden können. Ich finde den Vergleich arg bemüht und nicht stichhaltig.

    * Was mich richtig ärgert: “… kann man nichts machen … damit müssen wir leben …” Ja, ein Stück weit stimme ich zu, und ich verstehe was ihr meint, wenn ihr quasi vom Restrisiko in unser “freiheitlichen Gesellschaft” redet. Aber dann dieses vorsätzlich herbeigeführte, fürchterliche Unglück in die gleiche Schublade zu stecken wie einen Verkehrsunfall bei dem jemand einnickt oder von einer SMS abgelenkt wird finde ich zynisch. Zumindest sagt mir mein innerer, moralischer Kompass, dass diese zwei Dinge doch hoffentlich unterschiedlich einzuordnen und handzuhaben sind.
    Dann: “Wir gehen über die Straße … stehen auf dem Zebrastreifen … jemand sieht uns, drückt aufs Gaspedal und überfährt uns…” Also bitte, was für ein hanebüchenes, konstruiertes Szenario ist denn das bitte? Ich meine, ich verstehe schon was ihr meint, aber bitte versucht gute Vergleiche zu finden. Das war echt fürchterlich mit anzuhören ist eurem sonst hohen Anspruch und Niveau nicht gerecht geworden.

    * Plexiglas am Bahnsteig: Ob es das Frankfurter Verbrechen verhindert hätte oder nicht, sei dahingestellt. Unabhängig davon: Ich habe in vielen asiatischen Städten in China, Korea und Japan, Plexiglas oder andere Barrieren an den U-Bahngleisen gesehen, ohne dass die Fahrpreise sehr hoch gewesen wären. Zudem bin ich Ingenieur der Elektrotechnik und ich meine beurteilen zu können: die Behauptung die automatische Türöffnung wäre ein “unfassbar kompliziertes System” ist nicht richtig. Beispiele für unfassbar komplizierte Systeme sind: Ein Airbus A380, ein Atomkraftwerk, ein Teilchenbeschleuniger. Automatische Türöffner auch in Verbindung von Zügen mit möglicherweise variierenden Türabständen ist ein relativ einfach zu lösendes Problem. Auch ein “Milliardenaufwand” wäre vmtl. nicht zu erwarten. Es würde ja schon mal reichen, Bahnhöfe mit besonders viel Personenverkehr auszustatten, vielleicht auch zunächst nur U-Bahnen. Niemand würde wohl erwarten, dass sämtliche Bahnhöfe Deutschlands auszustatten wären.
    Außerdem finde ich, zu behaupten eine Absperrung an Bahngleisen würde die Sicherheit nicht erhöhen, ist als würde man sagen, das Entfernen von Brückengeländern würde die Sicherheit nicht reduzieren. In beiden Fällen ist man mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit tot oder zumindest verletzt. Oder nicht?

    Mein Eindruck ist, dass ihr bei dem Versuch, in diesem heiklen, polical-correctness-verminten Fall die Objektivität zu wahren, über das Ziel hinausgeschossen seid. Ich habe euch zumindest in dieser Folge von der Lage, nicht in eurer üblichen Neutralität und Objektivität erlebt.

    • Hallo Max,

      Du kritisierst das der Podcast beim Thema Frankfurt die “sonst sehr souveränen, sachlichen und objektiven Argumentationslinie” verlässt. Aus meiner Sicht stellt es sich eher so dar, dass Du den gleichen Impulsen erliegst wie so Viele andere in dieser Diskussion.

      * Leben sind nicht vergleichbar in Wert oder Qualität – ein Mord bleibt ein Mord, unabhängig vom Alter des Opfers. Natürlich darf Dir der Tod eines Kindes näher gehen als der Tod eines Erwachsenen. In der *sachlichen* und *objektiven* Betrachtung darf er das aber eben nicht!
      Das ist einer der Grundsätze unseres Rechtsstaats, nicht nach emotionalen Kriterien zu gewichten.

      * Leider widerlegt Dich die Realität, ganz aktuell, im Fall des Tate Modern in London: Ein Jugendlicher stößt ein Kind vom Dach eines Gebäudes, ohne erkennbaren Anlass und ohne das Opfer zu kennen. Wie vermeiden wir das als Gesellschaft in Zukunft? Plexiglas um alle Balkone, Brücken, Fußwege, Bahntrassen etc.?
      Was ist das Ziel dieser Handlung? Plexiglas an allen Bahnhalten mag vielleicht einen solchen Mord an einem Bahnhof verhindern, aber zu welchem Preis?
      Wir werden bei einer anders gearteten Attacke, wie in London, nicht erfahren, ob ein Täter diese Tat wählte, weil an den Bahnsteigen Plexiglasbarrieren installiert wurden. Für eine solche Tat lässt sich immer ein alternatives Szenario erdenken und damit leider auch ausführen.
      Unsere Umwelt lässt sich technisch nicht zu 100% gegen Missbrauch absichern – ich denke, dass kannst Du, insbesondere als Ingenieur, verstehen.

      Auch wenn es Dir und vielen anderen Zuhörern anfänglich emotional schwer erträglich vorkommt, möchte ich insbesondere die sachliche und objektive Behandlung des Themas in der aktuellen Podcastfolge loben.
      Ja, eine Gesellschaft muss sich fragen, wie sie sich selbst verbessern kann – ohne schnellen und emotionalen Impulsen zu verfallen.

      • Danke Thomas. Das kann ich nur unterschreiben. Man könnte die beiden genannten Fälle in sofern auch vergleichen, wenn man davon ausgehen würde, dass beide Täter eine akute Psychose hatten. Somit wäre von einer Kurzschlusshandlung und nicht von Vorsatz auszugehen (extra im Konjunktiv weil wir das noch nicht gesichert wissen).

        Auch konnte ich keinerlei widersinnige Konstruktion in den Beispielen von Philip und Ulf feststellen. Einen ähnlichen Fall wie das Beispiel mit dem Gas geben am Zebrastreifen, gab es vor einigen Jahren in meiner Region. Der Täter hatte ebenfalls einen psychotischen Schub und ein Mensch wurde getötet.
        Es ist immer traurig, wenn so etwas passiert und es ärgert mich jedes Mal wenn die Medien die Emotionen bewusst hochkochen lassen, um mehr Klicks zu generieren. Warum reden wir nicht über unser kaputtes Gesundheitssystem? Dass psychisch Erkrankte teilweise bis zu 2 Jahre auf einen Therapieplatz warten müssen? Dass manche erst gar keine Therapie machen aus Angst später keine Versicherung mehr abschließen zu können? Dass unsere Gesellschaft in vielerlei Hinsicht ziemlich ignorant mit Dingen umgeht von denen sie nicht persönlich nicht betroffen sind?

        Wie so oft gibt es auf komplexe Savhverhalte keine einfache Antworten.

        • Thomas K., Dani, vielen Dank für eure Antworten.

          Ich bemühe mich wirklich sehr, die Sache objektiv zu betrachten. Vielleicht liegt im Kern meiner Ansicht aber eben genau das Bedauern darüber, dass in unserem Rechtssystem dem Tod eines Kindes die gleiche Wertigkeit zugesprochen wird wie dem Tod eines Erwachsenen. (Ist das überhaupt so? Ich weiß es tatsächlich nicht. Gibt es nicht im Recht evtl. so etwas wie das Konzept, dass Minderjährigen und Kindern eine besondere Verletzlichkeit und Schutzwürdigkeit zugesprochen wird?) Man könnte doch bspw. auch „objektiv argumentieren“, dass im Falle eines Mordes einem Kind mehr Lebenszeit genommen wird als einem Erwachsenen und daher ersteres schwerer wiegt? (Oh je, sicherlich haben so schon Tausende vor mir argumentiert und sich dann verrannt…)

          Das Recht soll doch auch immer die Lebensrealität der Menschen abbilden, die sich ihm freiwillig unterstellen. Und ich finde es immer problematisch, wenn die Rechtsprechung dem Gerechtigkeitssinn der Mehrheit der Menschen entgegensteht. Wenn (!) es in der „Natur des Menschen“ liegt, den Tod eines Kindes als „schlimmer“ zu empfinden als den eines Erwachsenen, fände ich es zumindest plausibel oder vielleicht sogar angemessen, wenn sich diese Abstufung auch im Recht wiederfände. Aber vielleicht geht es ja auch mir so in meiner momentanen Situation.
          Ich sehe schon auch, dass eine derartige Differenzierung potentiell problematisch ist, weil es dann Präzedenz schafft, ggf. andere „Abstufungen“ einzuführen, die nicht einfach am Alter gemessen ist. Schwieriges Thema. Bitte verzeiht die Abschweifung.

          Zum Thema Plexiglas: Ich habe ganz explizit nicht behauptet, solche Absperrungen hätten das konkrete Verbrechen in Frankfurt (oder ein anderes ähnlich gelagertes) verhindern können. Und ich habe auch ganz explizit nicht gefordert oder suggeriert, dass jetzt bitte überall Plexiglas verbaut wird :-)
          Das ganze Thema Plexiglas ist sowieso im Grunde „bikeshedding“, also die am wichtigen Kern der Thematik vorbei geführte Diskussion.

          Was mich am Podcast einfach störte war das lapidar und unbelegt vorgetragene Gegenargument „zu kompliziert (‚unfassbar kompliziert‘)“ und „zu teuer (‚Milliarden‘)“. Beispiele in anderen Städten zeigen ganz offensichtlich, dass solche Sicherheitsmaßnahmen implementierbar und finanzierbar sind. Selbstverständlich sind das hauptsächlich Sicherheitsmaßnahmen zum Erhöhen der Sicherheit gegenüber Unfällen, nicht gegenüber psychisch kranker Menschen.

          Ich bin von der Wirksamkeit solcher Maßnahmen bzgl. der Unfallsicherheit genauso grundlegend überzeugt wie von der Wirksamkeit eines Tempolimits auf Autobahnen. Klar kann man sich die Frage nach „dem Preis“ stellen, aber einen positiven Effekt hätte es, da bin ich mir ganz sicher.
          Als Anekdote: Ich habe einmal zur Rushhour in der Londoner U-Bahn an einem überfüllten Bahnsteig gestanden. Da hätte ich mir schon zumindest sowas wie ein Geländer gewünscht, an dem ich mich notfalls hätte abstützen können.

    • Vielen Dank Max O.J. für diesen Beitrag. Auch ich bekam bei dem “Rant” auf den politischen Umgang mit den beiden Taten das Gefühl, dass ihr zumindest in der Tonlage über das Ziel hinausgeschossen seid. Ich halte es für kontraproduktiv, in diesem Kontext von einer “Mutti mit ihrem Sohn” zu reden, das hörte sich für mich nicht gut an, da es nach fehlendem Respekt den Opfern gegenüber klingt.

      Davon abgesehen möchte ich mich aber sehr bedanken für eure Mühe und den dadurch sehr informativen und klare Kante zeigenden Podcast!

  28. Hallo liebes LdN Team,
    Ich möchte jetzt endlich auch mal danke sagen! Ich höre schon seit einigen Monaten die Lage (leider erst sehr spät entdeckt, aber ich hole auf. Alte Folgen sind in dem Rückblick von heute sogar richtig Interessant). Euer Format macht mir wirklich sehr viel Spaß und die Einschätzungen und Meinungen, die Ihr vertretet, sowie die aktuellen Themen dirkutieren wir auch im Freundeskreis oft.
    Vielen Dank also für diesen vielseitigen und super informativen Podkast und die ganze Arbeit, die ihr da rein investiert!

    Da ich momentan die alten Folgen höre, hätte ich eine kleine Idee, was ihr, wenn Zeit und Lust da ist, noch machen könntet: Wenn man in die KW des Vergangenen Jahres zurückgeht, könnte man nochmal kurz (!) darüber quatschen, was da aktuell war und wie sich die Ereignisse entwickelt haben oder ob Ihr mit eurer Einschätzung richtig lagt. Das würde irgenwie ein langfristiges “Big Picture” erzeugen und einen größeren Zusammenhang oder Relativierung erzeugen. Viel wurde ja z.B. in Zusammenhang mit der Flüchtlings”krise” schwarz gemalt, was dann gar nicht so schlimm war.
    (Allerdings ist mir bewusst, dass ihr so schon jede Woche sehr viel zu erzählen habt, was ich im Übrigen wirklich super finde!)

    Liebe Grüße,
    Katja

  29. “Leben auf dem Land ist billiger”

    Ihr habt wohl noch nie in einem Dorf am Bodensee gewohnt. Hier kostet ein Haus sicher nicht “nur 200.000 bis 300.000 EUR”. Trotzdem kann man im Ort nicht einkaufen. Trotzdem gibt es keine U- oder S-Bahn, trotzdem fährt der Bus nicht gut (bzw. Nachts gar nicht mehr).

    Dennoch würde ich natürlich gerne auf mein Auto verzichten. Ich sehe aktuell nur nicht wie das gehen soll.

    • Ich finde es gibt total legitime Kritik an der Position der beiden, aber eine Urlaubsgegend wie der Bodensee ist jetzt nicht wirklich ein gutes Gegenbeispiel…

      • @ Faiid: Ich finde die Klage durchaus berechtigt. Es bleibt doch der Umstand, dass es auch in Urlaubsregionen Dörfer gibt, die teuer sind und eine schlechte Infrastruktur haben. Weil der Tourismus, von dem nicht jeder lebt, die Preise hochtreibt. Solange es noch Einheimische gibt, die es sich leisten können, dort zu wohnen…

    • Ich verstehe den Einwand gut, genauso muss man mit einbeziehen, dass gerade in den Randgebieten von Städten die Leute hinziehen, denen das Leben in der Stadt zu teuer ist. Die Tatsache, dass die Mieten oder Preise für Immobielien dort geringer sind ist für manche notwendig, da ja sonst das Gehalt nicht reicht. Wenn man jetzt argumentiert, dass sie ja sparen, weil sie nicht in der Stadt wohnen, und sich deshalb auch höhere Preise für Kraftstoff oder Steuer leisten können, heißt das, dass niemand billiger leben können sollte als die Städter.

      Natürlich kann man nicht ständig längst überfällige Handlungen für das Klima rausschieben, nur weil man es nicht jedem einzelnen recht machen kann. Irgendwo muss man nunmal anfangen und irgendjemand muss da abstriche machen oder wird zwangsläufig finanziell benachteiligt. Ich finde es nur schwierig, wenn eine Mehrbelastung für einen doch recht großen Teil der Bevölkerung stattfindet, ohne dass gleichzeitig (oder am besten vorher) Alternativen geschaffen werden. Und ich sehe nicht, wie in Deutschland der öffentliche Nahverkehr so ausgebaut werden soll, dass auch kleine Dörfer erreicht werden. Sowas würde ja Geld kosten.
      [Ich komme aus einen kleinen Dorf in Bayern, wir haben keine Einkaufsmöglichkeit im Dorf, zum nächsten Lebensmittelgeschäft braucht man 10 km, für Kleidung, Technik oder Behördengänge fährt man schon gerne mal 15-20km. Einzige Öffis sind die Schulbusse morgens um 7, danach kann man um 1, 3 oder 5 Uhr wieder nach Hause fahren. Preislich liegt das pro Fahrt bei ca 8 Euro. Ich sehe nicht, wie da jemand aufs Auto verzichten kann, oder auch nur die eine oder andere Fahrt spart.]

      • Erbschaftssteuer erhöhen, Steuerschlupflöcher schließen, Finanztransaktionssteuer einführen. Oh mir würde so einiges einfallen wie der Staat ohne den “kleinen” Mann zu belasten an Geld kommt, um es dann für die Infrastruktur auszugeben.

      • Ich finde auch, dass Städter hier oft vom hohen Ross herab den (noch) Großteil der Bevölkerung verurteilt, die aktuell auf ein Auto angewiesen ist. Die sollen eben in die Stadt ziehen, dann brauchen wir auch keine Autos mehr. Wenn man aber mal drüber nachdenkt, ist das vielleicht tatsächlich die beste Lösung.
        Leider wurde in Deutschland über Jahrzehnte eine Auto freundliche Politik betrieben, die nicht so schnell zurück zu drehen ist. Das Automobil ist das mit Abstand am stärksten subventionierte Verkehrsmittel in Deutschland. Wenn wir ähnlich intensiv über Investitionen in den Straßenbau und -erhalt diskutieren würden, wie wir über Bahnsubventionen diskutieren, wäre schon viel gewonnen. Wir halten es für selbstverständlich, dass jeder sein Auto kostenlos auf eine von Steuern bezahlte Straße stellen kann aber die Bahn muss sich selber finanzieren. Wir eröffnen ein Neubaugebiet für Einfamilienhäuser nach dem anderen mit einer Einwohnerdichte, die keine Nahversorgung trägt und wundern uns, dass immer mehr Autos rumfahren. Die Lösung ist eine Verdichtung in den Städten und Vorstädten, gemischte Nutzung zulassen (Wohnen, Arbeiten, Einkaufen) und verbesserte Anbindung des Umlands. Nicht jedes Dorf wird eine U-Bahn haben aber dann muss ich eben zum nächstgelegenen Park+Ride Parkplatz, wenn ich in ein dichteres Wohngebiet fahren möchte. Autos sollte man dort nämlich nur begrenzt rein lassen, das ist eine zu ineffiziente Platzausnutzung. Ich glaube nicht, dass wir es uns weiterhin leisten können das Landleben so stark zu subventionieren. Weitere Gedanken dazu gibt es hier: https://youtu.be/WgExzJs0irU

  30. Zur “Nicht-Gleichbehandlung” der beiden Fälle (wobei doch zu erwähnen ist, dass in einem der beiden Fälle der Verletzte nicht getötet geworden ist, macht es keineswegs besser aber ändert natürlich die Reaktion) dürfte man durchaus auch die Rolle der großen Medien erwähnen. Zur Aufmerksamkeit des Falles kommt es auch, da dieser als erste tagesschau-Meldung aufgezeigt wird, da er überall in den Newsleisten oben stand, da viele Meinungen und Banger-Schlagzeilen schnell niedergedruckt wurden. ((er dann sogar bei euch als opening-Thema behandelt wird (Teufelskreis))? Die großen Überschriften kamen soweit ich weiß auch vor Seehofers Reaktion (was diese wiederum erklärt). Die Bevölkerung BILDet(leider) sich ihre Meinung aus den Medien, viele aus oberflächlich-subjektiven (nett formuliert) Zeitungen wie der BILD. In eurer Analyse wird mir hier zu viel Schuld bei der Einzelperson gesucht, obwohl viele eben nicht in der Lage sind, ihre Haltung und Einstellung intensiv zu reflektieren.

    • Was mir in der Diskussion leider etwas gefehlt hat, ist ein Vergleich mit dem Fall von Voerde (NRW) vom 20.7. Ich hatte davon gelesen (lief in den Medien unter “Sonstiges”) und war deshalb umso mehr überrascht, dass der Fall von Frankfurt ein derartiges Medien-Echo ausgelöst hat, das auch über die Grenzen Deutschlands Beachtung fand.

      Schon die Länge der Artikel bei Spiegel-Online zeigt, wie unterschiedlich die Fälle in den Medien behandelt werden:
      Voerde: https://www.spiegel.de/panorama/justiz/voerde-mann-schubst-frau-vor-einfahrenden-zug-opfer-stirbt-a-1278256.html
      Frankfurt: https://www.spiegel.de/panorama/justiz/frankfurt-am-main-kind-vor-ice-gestossen-was-bislang-bekannt-ist-a-1279596.html

      • Der Hauptunterschied ist sicherlich, dass in Frankfurt ein kleines Kind betroffen ist, dass sich kaum angemessen wehren bzw verhalten kann.

      • @ Constantin, das ist mir auch aufgefallen! Mein allererster Gedanke, als ich vom Kölner Fall hörte war auch, dass es sich um eine Nachahmertat handeln könnte. Und ich frage mich, wie gut es ist, von solchen Attacken so intensiv zu berichten. Über Suizide tut man das ja auch nicht. Die beiden Fälle scheinen jetzt sehr unterschiedlich gelagert zu sein, deswegen frage ich mich unabhängig davon, bei welche Arten von Gewaltakten wohl der Werther-Effekt eintritt.

    • Nun würden die Leitmedien Frankfurt nicht als Aufmacher bringen kämen von rechts gleich wieder Rufe nach Lügenpresse und Vertuschung.
      Immerhin hat ja sogar Meuthen den noch als “Merkels Gast” bezeichnet obwohl längst klar war, dass der aus der Schweiz gekommen war.
      Sollte man bei der Einordnung auch immer im Hinterkopf haben.

  31. Zum Todesfall im Hbf FFM:

    Ich bin eigentlich total froh, dass die Politik auf den Mordfall nicht mit einer Diskussion über psychisch kranke Straftäter reagiert hat. Denn zum einen wissen wir doch gar nicht, was bei der psychiatrischen Krankenversorgung in der Schweiz falsch läuft (und was dort vielleicht auch besser gemacht wird). Zum anderen würde eine Diskussion über psychisch kranke Straftäter schnell den Spin bekommen, dass die Gesellschaft undifferenziert vor „Verrückten“ oder „Psychopathen“ geschützt werden müsse.

    Ich fände es insbesondere menschenrechtlich fatal, wenn nach dem Mord an einem Kind eine populistische Diskussion darüber ausbräche, ob die Unterbringungsvoraussetzungen nach den Landes-PsychKG gesenkt werden müssen oder ob jeder mit einer F-Diagnose unter Generalverdacht gestellt gehört.

    BTW: Die schlechte Medikamentencompliance bei Neuroleptika liegt auch an den Nebenwirkungen. Bei Interesse:
    https://youtu.be/hUAEH81rAUo

    • 6. August 2019 um 11:21 Uhr
      Anne Herbermann

      Zu Jürgen / Todesfall HBF FFM:
      Ich kann Deine Sorge, dass Medien/Politik sich sehr vereinfachend auf psychisch erkrankte Menschen “gestürzt” hätten, sehr nachvollziehen. Auch in diesem Bereich gibt es ja sehr krasse Forderungen und der Bau einer Forensik geht in aller Regel mit einer Bürgerinitiative, die dies zu verhindern sucht, einher.
      Ich finde aber Deine Ableitung nicht ganz korrekt.
      1.) Eine flach geführte Diskussion über die Herkunft des Täters ist allerdings genauso wenig zielführend und genauso frappierend wie eine Generalverurteilung von psychisch erkrankten Menschen. (Stichwort den Teufel mit dem Belzebub austreiben, vom Regen in die Traufe)
      2.) Ulf und Philipp fordern ja eine differenzierte, konstruktive Diskussion. Wir können diese Diskussion, also um die Voraussetzung zur Behandlung von Psychisch Erkrankten und den richtigen Umgang mit psychsich Erkrankten, und wie (in sehr seltenen Fällen) die Gefahr, die sie für sich selbst und andere darstellen, verhindert/eingegrenzt werden kann, nicht nicht führen aus Angst, dass es zu Vereinfachungen, Generalisierungen und Diffamierungen kommt. Es ist wichtig, die Debatte aktiv konstruktiv und differenziert zu gestalten. Ich fürchte Haltung “lieber erst gar nicht rüber reden”, führt viel eher zu einer Tabusierung.

      Btw: Mein Lebensgefährte leitet eine Klinik für psychisch Erkrankte in der Schweiz. Und er hat sich sehr geärgert, dass man nicht über die Betreuung und Behandlung von den psychisch Erkrankten debattiert. Eine Debatte wäre nämlich der erste Schritt zu einer Verbsserung der Bedingungen.

      • Ich habe unter der letzten Folge, quasi voraussichtlich, schon mal etwas Ähnliches kommentiert. Die mediale “Debatte” bei Straftaten, die evtl. (!!! das wird so oft weggelassen…) im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung stehen, wird oft leider viel zu platt und undifferenziert geführt. Wenn man das Thema aufgreift, dann sollte man auch explizit Studien dazu recherchieren. Ulf und Philip haben da meiner Meinung nach keine groben Fehler gemacht und auch meistens explizit die Wahnvorstellungen, die Teil einer Schizophrenie sein können, genannt anstatt einfach nur plump “psychische Erkrankung” (kam meines Erachtens nach eher seltener). Genauso haben sie darauf hingewiesen, dass bei guter Behandlung kein erhöhtes Gewaltrisiko besteht. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass nochmal darauf hingewiesen wird, dass nicht alle psychischen Erkrankungen das Gewaltrisiko erhöhen, dass selbst bei solchen, die es erhöhen können, oft auch keine Gewalt auftritt, und dass das Risiko bei mit guter Behandlung (zu der man eben auch schnell genug kommen muss, Stichwort Wartezeit auf einen Therapieplatz…) erheblich abnimmt und oft verschwindet. Letzteres haben sie angedeutet.

  32. Hoppla, da ist euch auf den letzten Metern der wie immer sehr guten Folge noch ein Malheur passiert:
    Zu behaupten die Menschen auf dem Land sollen sich wegen hohen Spritpreisen nicht so anstellen, weil dort alles günstig sei, ist unglaublich. Das Vermögen auf dem Land ist signifikant geringer als in der Stadt. Die Leute sind kurz gesagt meist ärmer. Um einen Job zu finden, der einen/die Familie ernährt, muss man weite Wege in Kauf nehmen, bei schlechtem/gar keinem ÖPNV. Und genau diese Menschen sollen nun mehr für Benzin zahlen? Das kann nicht die Lösung eines sozialen Staats sein. Wir können nicht jetzt das Benzin verteuern und dann in 10 Jahren die neuen S-Bahntrassen fertiggestellen! Leider sorgt der Klimawandel teilweise für sozial sehr blinde Auswüchse.

  33. 4. August 2019 um 19:32 Uhr
    Florentine Zimmermann

    Zum Thema hinschauen und aufmerksam sein bei psychisch Kranken im eigenen Umfeld: das Hinschauen ist nicht das Problem, die Uneinsichtigkeit der Betroffenen umso mehr! Ich hatte einen Mitarbeiter, der in der Vergangenheit bereits in Behandlung war wegen psychotischen Schüben (Wahnvorstellungen, Kameras in seiner Wohnung, Telefonterror etc.) – war bekannt. Nun kam wieder ein solcher Schub und er ist nicht zur Arbeit erschienen. Ich als Vorgesetzte habe zusammen mit einer Kollegin versucht, ihn zu einer Behandlung zu bringen – hat nicht funktioniert: der Mann wollte unter keinen Umständen ärztlich betreut werden! Wir wurden Teil seiner Verschwörungstheorien und kamen nicht mehr an ihn ran. Es ist sehr frustrierend, weil man eben nicht immer was tun kann, selbst wenn man um die Symptome eines solchen Krankheitsbildes weiß… außerdem ist es (aus guten Gründen!) nicht leicht ihn quasi zu einer Behandlung zu zwingen – solange er nicht fremd- oder selbstgefährdend ist. Im geschilderten Fall musste leider die Kündigung ausgesprochen werden…

    • Bei so schwerwiegenden Fällen wie bei einer Schizophrenie mit Wahnvorstellungen kann das schon schwer sein… Bei anderen psychischen Erkrankungen kommt die Krankheitseinsicht oder zumindest die Bereitschaft, sich mal von einem Psychotherapeuten oder Arzt beraten zu lassen, eher – Depression, Angststörung, psychosomatische Störungen oder tw. bei Suchterkrankungen, um nur ein paar zu nennen. Da kann ich zumindest anekdotisch aus Erfahrung sprechen. Ich weiß nicht, wie häufig bei einer Schizophrenie zunächst nur depressive Symptome ohne Wahnvorstellungen o.Ä. auftreten, aber ich habe gelesen, dass zumindest auch depressive Symptome auftreten könnten. Ob man da “Vorgreifen” kann, weiß ich nicht. Also eher schwierig… Auch bei Essstörungen fehlt oft die Krankheitseinsicht…

      Aber gerade bei anderen psychischen Erkrankungen ist diese schneller möglich. Da lohnt es sich, auf andere zu achten!

  34. Also dieses krampfhafte Hinweisen auf die russische Position und dem Experten zu unterstellen er nehme ja nur einen von mehreren möglichen Standpunkten zum Ukrainekonflikt ein, fand ich sehr schrecklich zum Zuhören.
    Russland annektiert die Krim, bewaffnet den Donbass und verteilt russische Pässe als Give-aways. Und ihr stellt die Position des Kremls als eine legitime Sichtweise der Dinge dar…

    • Von “legitim” war nicht die Rede … aber es gehört nun einmal zum Bild der Situation in der Ukraine dazu, zumindest zu sagen, wie Moskau die Dinge sieht. Das mag ja falsch sein, aber totschweigen wäre kein sauberer journalistischer Umgang mit diesem Konflikt.

      • Hm, ja das sehe ich ein. Auf mich wirkte es im Podcast so, als gäbe es hier mehrere valide Standpunkte und häufig ist es ja auch so. Nur der Ukrainekonflikt gehört da eben nicht dazu. Ich könnte das Sträuben des Experten hier gut nachvollziehen.

        • Ich verstand es eher so, dass vor allem die Darstellung Putins und seiner Regierung nach innen beleuchtet werden sollte. Das macht Sinn für mich. Wie ein Staat sich und sein Handeln den eigenen Bürgern darstellt, ist oft sehr aufschlussreich. Der Umgang der US-Regierung mit der Öffentlichkeit im Vorfeld des Irakkrieges ist da wohl das offensichtlichste Beispiel in diesem Jahrtausend.

      • Ich persönlcih finde die Russische Sichtweise sehr wichtig! Fand es auch gerade sehr schade, dass sich der Experte da nicht zu einer konkreten Aussage hat hinreißen lassen, das wäre sehr interessant gewesen.
        Natürlich kommt viel Propaganda aus dem Kremel, aber nicht zu wissen oder nicht zu sagen, wie Putin sein Handeln rechtfertigt, heißt gleichzeitig sich nicht dafür interessieren, wie die andere Seite zu dem Konflikt steht. Natürlich sagt niemand über sich “Wir zetteln jetzt hier einen Krieg an und sorgen für katastrophale Zustände, damit wir uns dann als Helfer und Retter inszenieren können”, aber genau deshalb ist es doch wichtig zu wissen, wie die andere Seite argumentiert, um da vielleicht sogar geziehlt drauf eingehen zu können.

        Ich habe 2013/14 zu Beginn des Konflikts in Russland gelebt und habe da (sehr am Rand, sprachbarriere) miterlebt, wie die “Propaganda” in der Bevölkerung auf sehr fruchtbaren Boden gefallen ist, es gab sogar zivil organisierte Flüchtlingsprogramme, um die aus der Ukraine “geretteten” Brüder und Schwestern zu versorgen. Problem ist nicht nur, dass der Russische Staat in der Ukraine und ähnlichen Staaten kein “richtiges” Ausland sieht, sondern auch die Russen selber. Viele ältere sind während der Sowietzeit dort geboren und später ins Kernrussland gekommen, oder haben Verwandschaft und Freunde dort. Es ist einfach noch gar nicht so lange her, dass beide Länder noch eines waren. Und die Annäherung der Ukraine an die EU wurde fast schon als Verrat empfunden.
        (Das sind alles subjektive Eindrücke, die ich als Schülerin zu dem Zeitpunkt selbst in Russland gesammelt hab und nichts recherchiertes oder offizielles)

    • Aber es ist doch besonders interessant zu erörtern, warum Russland dies tut. Und wieso sie es genau so tun. Ich denke uns sollte mittlerweile allen klar sein, dass Russland genauso wenig “böse” ist wie die USA “gut”. Jeder hat eine Agenda, und erst einmal ist es wichtig beide Seiten zu beleuchten.

      Da der Gesprächspartner offensichtlich nicht von sich aus bereit war dies zu tun, haben Ulf und Philipp korrekterweise nachgehakt. Dass dann weiterhin keine Antwort kam ist interessant, da kann sich dann jeder seinen eigenen Reim darauf machen.

  35. Hallo liebes Lageduo!

    Ich wollte mich nur kurz für den sehr differenzierten und gut informierten Bericht über den Fall des “Bahnhofschubsers” bedanken! Ihr erörtert finde ich sehr treffend wie psychische Gesundheit bzw. Krankheit im Zusammenhang mit solchen Taten steht.

    Weiter so!

    Liebe Grüße
    Julian

  36. Komentar zum Thema Klimaschutz, oder besser: ein kaum beachtetes Argument zu “warum wir von fossilen Brennstoffen weg müssen”.

    Ich faher privat ein kleines Elektroauto (BMW i3) und erzeuge mit meiner PV-Anlage mehr Strom, als ich im Jahre verbrauche. Und das, obwohl ich meinen i3 nur zu Hasue lade.
    Ein Argument was mich zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bewegt hatte und das für mich neben Klimaschutz immer wichtiger war und in der Öffentlichkeit zu wenig beachtet wird, sind die Millionen Menschenleben, die uns die fossilen Brennstoffen bisher beschert haben.

    Wieso? Seit jahrzehnten werden fast alle Kriege vor allem wegen Öl geführt. Mich würde dazu mal eine Statistik interessieren, wieviel Leid der Menscheid wegen Öl in den letzten 100 Jahren zugefügt wurde, wieviel Tote und wieviel $ das die Menschheit schon gekostet hat. Im nahen Osten wird es es erst dann Frieden geben, wenn wir und andere westliche Staaten uns von Öl und Erdgas unabhängig gemacht haben.

    • Sehr guter Punkt! Wie bei der Kernenergie werden bei fossilen Energieträgern einfach Folgekosten auf alle umgelegt. Das z.B. PV mittlerweile trotzdem billiger geworden ist sollte uns froh stimmen. Aber dieses ganze Gejammer über die Probleme in diesem Bereich lenkt einfach von den Lösungen ab. Klar, die sind nicht von heute auf morgen gemacht. Nur schieben wir diese Diskussionen schon JAHRZEHNTE vor uns her, nicht nur die Energieversorger sondern auch gerade die Politik drücken enorm auf die Bremse.

  37. Hi,
    ich möchte kurz was zum Thema Psychosen dalassen. Ein Freund von mir hat vor einigen Jahren eine schizophrene Psychose entwickelt und wir (dh einige Freund*innen) haben versucht und versuchen bis heute, ihn dabei zu unterstützen. Leider ist das sehr schwierig, denn obwohl er (meistens) eine Krankheitseinsicht hat, ist es während den psychotischen Schüben extrem schwer ihn in die Klinik zu bewegen, weil er dort bei einem der ersten male sehr schlimme erfahrungen gemacht hat, wo er fixiert und betäubt wurde und alles ganz schrecklich für ihn war. Dass er deshalb nicht dahin zurück will verstehen wir sehr gut, gleichzeitig ist es als Laie kaum möglich mit jemand umzugehen, der*die in einer eigenen Realität lebt.
    Zweites Problem ist, dass die Medikamente überhaupt nicht so easy peasy sind. Sie unterdrücken zwar die Psychose (meistens, aber auch nicht immer), aber sie pegeln auch alle anderen Gefühle runter, Freude, glücklich sein, sie machen antriebslos, beeinträchtigen die Sexualität, den Appetit, er ist ständig müde etc. Er hat die Medikamente schon öfter eigenständig abgesetzt und ist, genau wie ihr gesagt habt, sofort wieder in die Psychose gerutscht. Andererseits kann ich ihn auch verstehen – er möchte halt auch nicht so “gefühllos” leben oder so.
    Ich glaube, es müsste dringend mehr geforscht werden und eine Möglichkeit gefunden werden, Betroffenen besser zu helfen, denn aus meiner Sicht gehen die bisherigen Möglichkeiten eher (jetzt sehr zugespitzt) Richtung ausknocken und wegsperren.

    Ansonsten, großes Lob, ich liebe euren Podcast, danke für die ganze Arbeit :)

    • Danke Dir für den sehr persönlichen Beitrag!

    • Liebe Samira,
      ich kann nur bestätigen, dass die Medizin was das Thema Schizophrenie/Psychosen noch in den Kinderschuhen steckt. Deshalb möchte ich auch eine persönliche Geschichte teilen. Ich betreue seit 6 Jahren ehrenamtlich einen psychisch kranken Menschen, der seit seinem 15. Lebensjahr in wechselnden Abständen immer wieder psychotische Schübe erlitten hat. Er wurde von einer psychatrischen Einrichtung in die nächste weitergereicht bis er endlich einen Betreuer gefunden hat, der erfolgreich mit ihm gearbeitet hat, der ihn als Mensch mit Potential gesehen und ihm erfolgreich eine eigene Wohnung und eine Arbeitsstelle in einer Werkstatt für behinderte Menschen ermöglicht hat. Schlimm war, dass er nach ca. 10 Jahre Beschwerdefreiheit erneut einen massiven Schub hatte und 6 Wochen lang vermisst wurde. Ich kann berichten wie schwierig es war die Polizei zu überzeugen eine sofortige Vermisstenfahndung einzuleiten (trotz Erklärung der chronischen Erkrankung). Der Schub war derart schwer, dass er vollkommen mutistisch (unfähig zu sprechen) bei totaler Verweigerung von Essen und Trinken in eine Psychatrie aufgenommen wurde. Persönliche Papiere hatte er zuvor weggeworfen. Die Identifikation fand damals nur statt weil er in eine Landesklinik überwiesen wurde und diese dann endlich den Kontakt zur Polizei suchte, ob er denn vermisst gemeldet wurde. Für uns als Familie waren das quälende 6 Wochen in denen wir nicht mehr davon ausgegangen sind, dass er lebend gefunden wird. Auch in der Psychatrie wurde es nicht besser. Ständiges Ausprobieren einer Medikation mit absoluter Hilfslosigkeit der Ärzte, dass man nun noch einen Versuch unternehme und wenn der nicht funktioniere, müsste man sich darauf vorbereiten, dass der Zustand dauerhaft so bleiben würde. Ich bin heute noch davon überzeugt, dass wir als Familie diejenigen waren, die schliesslich den Zugang zu ihm wiedergefunden haben, indem wir Stunden mit ihm verbracht haben und einfach nur da waren. Wie schrecklich muss es sein, wenn ein Mensch diesen Familienverbund nicht hat. Die Situation in einer psychiatrischen Abteilung ist für niemanden einfach, weder für die Patienten, Angehörigen noch das Pflegepersonal. Was hier für ein Leiden stattfindet wünsche ich niemandem, aber vielleicht würde es dem ein oder anderen die Augen öffnen mal seine Ansichten über psychische Erkrankungen zu überdenken. Auch möchte ich auch nochmal betonen, was für eine schwierige Arbeit das Pflegepersonal hier leistet und wie wenig das von der Gesellschaft honoriert wird. Ebenfalls sind auch innerhalb der Betreungseinrichtungen grosse Wissenslücken vorhanden inwiefern ein psychisch kranker Mensch wieder integriert werden kann. Ich habe oben berichtet, dass er eine Arbeitsstelle hatte und mittlerweile auch dort wieder arbeitet wovon die Heimleiterin in seiner jetzigen Wohneinrichtung keinerlei Kenntnis hatte, dass das überhaupt möglich ist. An seinem Arbeitsplatz musste ich lange Gespräche mit seinem Vorgesetzten führen weil sich seine Arbeitsleistung verschlechtert hatte. Schließlich konnten wir klären, dass trotz starker Medikation die psychotischen Symptome des Stimmenhörens immer präsent sind was eine unheimliche Anstrengung erfordert sich zu konzentrieren. Auch hier würde ich mir wünschen, dass eine Einrichtung für kranke Menschen nicht wie ein Unternehmen geführt werden würde. Davon mal abgesehen welche Ängste mein Betreuter durchstehen musste weil er befürchtete seine Arbeitsstelle zu verlieren. In der Forschung, dem Gesundheitssystem und der Möglichkeit der gesellschaftlichen Teilhabe ist also noch extrem viel Luft nach oben.

  38. Betreff: Psychotherapeuten: Es gibt sowohl medizinische als auch psychologische Psychotherapeuten, d.h. sowohl Mediziner als auch Psychologen können Psychotherapeuten sein.

  39. Sie hatten in der Lage mal die DeutscheBahn und den Glasfasarausbau erwähnt.
    Die DeutscheBahn macht ernst
    https://www.teltarif.de/deutsche-bahn-glasfaser-eisenbahnstrecken-onefiber/news/77505.html

  40. Auch wenn ich den Punkt nachvollziehbar finde, dass Individualmobilität teurer werden muss und das eben auch die ländlichen Regionen betrifft, finde ich schwierig, die geringeren Lebenshaltungskosten auf dem Land als Begründung zu nutzen, dass eine Preissteigerung beim eigenen Auto praktisch ausgeglichen würde. Immerhin sind die Einkommen im ländlichen Raum und gerade in Ostdeutschland niedriger (https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/IzR/2003/Downloads/3_4GatzweilerMilbert.pdf?__blob=publicationFile&v=2 ein wenig alt, leider nichts aktuelleres gefunden). Und im Rahmen aktueller Mobilitätsmodelle bedeutet der Verzicht auf das eigene Auto auch eine deutlich beschränktere soziale Teilhabe.

  41. Zu Philips Argument: “An den schlechten Arbeitsbedingungen des Lithiumsabbaus können wir was ändern”: So einfach ist es halt leider nicht. Erstmal gibt es ja nicht nur große Minen, in den auch die Standards eingehalten werden, sondern im Kongo beispielsweise sind seltene Erden gebietweise unter jeder Oberfläche zu finden, so dass die Menschen anfangen, in ihrem Garten zu graben und Mini-Minen auszuheben, in denen nicht selten jemand tödlich verunglückt (Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/kobaltabbau-im-kongo-der-hohe-preis-fuer-elektroautos-und.724.de.html?dram:article_id=454818). Und die Menschen fangen ja letztendlich an in ihrem Garten zu graben, weil sie bitterarm sind. Es hilft also nicht, nur die Arbeitsbedingungen und Umweltstandards für den Abbau seltener Erden zu verbessern, sondern man muss Menschen großflächig eine bessere Perspektive geben, so dass sie nicht mehr irgendwo anfangen nach seltene Erden zu suchen oder Kinder in die Minen geschickt werden. Und um Menschen eine bessere Perspektive zu geben, spielen doch ganz viele Dinge eine Rolle: Stichwort Zölle z.B. zwischen der EU und afrikanische Ländern, Überschwemmung mit billigen Agrarprodukten aus Europa, der Verkauf von Fischereirechten an die EU, so dass die lokalen Fischer nichts mehr fangen usw. usw. Es bringt halt nicht, nur an einer Stellschraube zu drehen, wenn wir es weiterhin so praktizieren, dass der Globale Süden immer nur den Kopf für uns herhalten darf. Daher -wie ich auch schon letzte Woche geschrieben habe-: Wir müssen das alles in einen größeren Zusammenhang stellen. Wir müssen uns eine Vision einer Welt überlegen, in der wir alle gut leben können. Und dazu gehört auch für uns hier im Globalen Norden der bewusste Verzicht von Dingen. Damit wäre nicht nur einem Großteil anderer Menschen geholfen, sondern auch dem Klima. Hierzu auch ein gutes Interview von Niko Paech: https://www.deutschlandfunk.de/oekonom-zu-klimaschutz-wir-brauchen-einen-aufstand-der.694.de.html?dram%3Aarticle_id=454447&fbclid=IwAR2FVe-kNiqsJNXbSi7BA7_A7N2df-dkwjRQ2jGNRudbGsilL5FDn6BUHAw
    Er hat auch ein gutes Buch darüber geschrieben: “Befreiung vom Überfluss”

    • Ein paar Anmerkungen:
      * Lithium zählt nicht zu den seltenen Erden
      * Der erste Schritt der Lithiumgewinnung ist klassisches Salzsieden. Aus dem Salz dann Lithium abzuscheiden ist technisch anspruchsvoll und nicht in Heimarbeit leistbar.
      * Die Hauptlieferländer sind zur Zeit Australien und Chile

      Damit will ich natürlich nicht die Probleme bei der Rohstoffgewinnung in der Dritten Welt kleinreden.

      • Ok, dann waren das grobe Fehler meinerseits. Aber man wird nicht nur Lithium für Elektrogeräte benötigen, die vor allem wir im Globalen Norden nutzen, oder? Also du verstehst, worum es mir geht. Auch, dass die Lithiumgewinnung aus dem Salz nicht “in Heimatarbeit leistbar” ist, spricht für meine These: Es wird ausgepresst wo geht und die Schritte, die wirklich Kohle einbringen, werden natürlich im Globalen Norden durchgeführt, damit im Globalen Süden bloß niemand zuviel Geld für die Rohstoffe bekommt, die dort abgebaut wurden.

  42. 3. August 2019 um 21:59 Uhr
    Christian Burkard

    Zum Thema Klimaschutz… ich habe letzte Woche ja schon dezente Kritik geübt, aber diese Woche habt ihr euch in meinen Augen wirklich etwas disqualifiziert.
    Ihr vergleicht oft Stadt und Land. Kurz zusammengefasst: in der Stadt kann man leichter auf das Auto verzichten, aber da sind die Mieten teuer. Auf dem Land braucht man zwar das Auto, aber die Mieten wären ja deutlich günstiger.
    Für euch gibt es scheinbar nur Stadt und Land. Nun, ich wohne in einem Ort namens Wicker bei Flörsheim. Ein schönes Örtchen, die Weinberge vor der Tür, das “Tor zum Rheingau”.
    Bei uns gibt es keinen Supermarkt, keinen Getränkemarkt, keinen Metzger. Meine Kinder gehen in einem Nachbarort zur Schule. Es gibt keine Buslinie, die dort hinfährt! Aber Wicker liegt im Einzugsgebiet des Flughafens Frankfurt, der Industriepark Höchst ist nicht weit. Viele der Leute hier arbeiten dort, meist im Schichtdienst. Zum Frühdienst kann man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht fahren, da um diese Uhrzeit einfach noch nichts fährt. Man ist also zu vielen Dingen des alltäglichen Lebens auf das Auto angewiesen. Aber nach eurer Logik wird das ja durch die günstigeren Mieten hier wieder…. aber halt. Von wegen günstige Mieten! Es ist ja vielleicht nicht das Niveau der Frankfurter Innenstadt, aber von den 5€ pro m² sind wir aber meilenweit entfernt! Und mein Wicker ist in Deutschland sicherlich nicht einzigartig, solche Orte gibt es massenhaft.
    Wenn ihr also solche Beispiele anführt, dann denkt auch an solche Städtchen.

    • Frankfurt/Wächtersbach: Ich glaube, der Unterschied zwischen den beiden Taten ist, der Junge und die Mutter in Frankfurt hätten „wir alle“ sein können. Opfer in Wächtersbach nur die (sehr wenigen) Dunkelhäutigen unter uns. Daher die Aufmerksamkeit, die Berichterstattung, das besondere Mitgefühl der Mehrheitsgesellschaft und der unterbrochene Urlaub von Seehofer.

  43. Nochmal zur Strasse von Hormus:
    Wenn die EU Profil zeigen will, geht es einfacher und ungefährlicher als wenn man versucht auch mit Militärpräsenz in anderen Orten der Welt aufzufallen.

    Die EU müsste nur Ihre Seite des Atomvertrags erfüllen anstatt vor den USA zu kuschen.
    Das würde der EU international politische Bedeutung geben, und die EU als neutral und vertragstreue Entität Glaubwürdigkeit geben.

    Den USA würde das nicht gefallen aber die Drohungen der USA würden schnell verhallen wenn die EU auf Drohung von Sanktionen gegen EU Unternehmen mit Sanktionen gegen US Unternehmen drohen würde.
    Am Ende würde nichts passieren und die USA würden Ihre Drohungen zurückziehen da sie es sich nicht leisten können gleichzeitig China und die EU wirtschaftlich zu erpressen.
    Die EU würde stark und glaubwürdig mit eigenem Profil dastehen. Der Iran würde vom Vertrag profitieren und müsste dann ebenfalls das Nuklearabkommen wieder vollständig erfüllen.
    Die EU würde aussenpolitisch ganz ohne Militaereinsatz und Völkerrechtsverletzungen auf Augenhöhe mit den USA sein, und moralisch sogar drüberstehen.
    Die EU hätte nun einen Präzedenz Fall geschaffen und klar gemacht dass man auf ihre Unabhängigkeit zählen kann, und würde dann auch auf Konflikte mit Nordkorea positiven Einfluss nehmen können.
    Die USA sind ja nach dem Bruch des Nuklearabkommens mit Iran international wenig glaubwürdig und wären kaum in der Lage wirklich NK zu einer Kursaenderung zu überzeugen.

    Eigenen Profil kann die EU also ganz ohne gefährlichen Militaer Macho Gehabe entwickeln.

  44. Einerseits sagt ihr, dass noch garnicht klar ist, ob der Täter von Frankfurt psychisch krank war oder nicht und auf der anderen Seite kritisiert ihr, dass die Politik nicht über die Krankheit und dazu passende Maßnahmen redet. Das passt doch irgendwie nicht zusammen.

    • Wir kritisieren, dass die Politik über Maßnahmen redet, die offensichtlich nichts bringen würden – jedenfalls nicht, um Fälle wie diesen zu verhindern.

  45. Wenn ich mich recht erinnere, hab ich hier noch nie kommentiert. Dies möchte ich aber nun tun um Ihnen beiden einfach mal ein Lob auszusprechen. Ich finde es gut wie simpel Sachverhalte geschildert werden und finde Ihre Einstellungen zu einem Thema immer sehr nachvollziehbar erklärt. Als Hörer muss man ja nicht immer Ihrer Meinung sein, aber es ist gut Argumente aus mehreren Sichtweisen zu hören.
    Im Podcast machen Sie beide auf mich einen klugen und sympathischen Eindruck. Bitte machen Sie weiter so!

  46. Zum Thema Psychosen:

    Auch PsychiaterIn (Facharzt/Fachärztin für Psychiatrie) können die Weiterbildung zum PsychotherapeutenInnen absolvieren, das ist nicht an ein Psychologiestudium gebunden.

    Medikamentencompliance: Die Medikamenteneinnahme von Neuroleptika ist mit starken Nebenwirkungen verbunden. Deswegen werden die Medikamente auch häufig abgesetzt. Deswegen ist es wichtig, dass Erkrankte an eine Schizophrenie ein gutes Netz zur Prävention haben. Leider ist unser Gesundheitssystem eher auf Behandlung statt auf Prävention angelehnt. Mittlerweile sagen MedizinerInnem eher Adhärenz ( shttps://de.wikipedia.org/wiki/Adh%C3%A4renz?wprov=sfti1) statt Compliance. Der Wikipedia Artikel stellt die Begriffe gut gegenüber.

  47. Europäische Kriegsschiffe vor iranischer Küste würden einfach als Provokation vom Iran empfunden werden. Speziell wenn die EU weit weg von der EU Handelsschiffahrt schützen will, aber vor Gibraltar nicht.
    Die EU macht sich damit auch nicht glaubwürdig wenn sie so eine Reaktion hinlegen aber die Britische Aktion vor Gibraltar nicht verurteilen und dort keine Konsequenzen ziehen.
    Letzendlich lässt sich die EU da nur in eine von den Briten und USA gemachte Krise reinziehen.

    Auch ist es genau das was Trump wollte. Der Druck auf Iran wird erhöht ohne dass die USA die Kosten tragen muessen. Ausserdem wird die EU sich dann bei weiterer Eskalation zwischen USA und Iran nicht rausziehen können, und fuer welche Seite wird die EU sich wohl entscheiden selbst wenn die erste Agression von den USA ausgehen sollte.

    Was wird wohl passieren wenn es eine Agression seitens der USA geben sollte, und der Iran will zurückschlagen aber es EU Schiffe auf dem Weg gibt. Die USA, EU Schiffe also praktisch als Schutz benutzen?

    In eine Krise mit mehr Militaer reingehen, hilft ueberhaupt nicht und wirkt garantiert nicht deeskalierend. Ausserdem wie will man dem Steuerzahler erklaeren dass jetzt Geld ausgegeben wird fuer eine EU Mission, wenn diese doch gar nicht notwendig gewesen waere haetten die Briten nicht selber provoziert?

  48. Thema Feedback Klimaschutz:
    Ich fand das Beispiel mit der Notwendigkeit des Bali-Fluges sehr gut und finde es schade, dass ihr aufgrund der Kommentare in der letzten Ausgabe zurückgerudert habt. Anschließend habt ihr auf mögliche politische Maßnahmen gegen den Klimawandel hingewiesen. Letzteres ist richtig, jedoch lenkt es von einem grundsätzlichen Problem ab: Während alle nach Klimaschutz schreien und ein zusehends großer Teil der Bevölkerung Maßnahmen der Politik fordert, fühlt sich jeder einzelne angegriffen, wenn es darum geht die eigenen Gewohnheiten klimafreundlicher zu gestalten. Wenn jeder eben wirklich 1-2 Flüge pro Jahr weniger macht, für das Obst und Gemüse im Supermarkt nicht jedes mal eine einzelne Plastiktüte verwendet, öfter die Öffis nimmt (was ihr auch immer sehr schön betont) und/oder weitere klimafreundliche Gewohnheiten annimmt, dann machen wir einen riesigen Schritt in richtig Klimaschutz. Politische Lenkung ist schön und gut, aber wie viele Leute setzen sich denn wirklich mal selber hin und fragen sich selbst:
    Wie kann ich meinen Alltag klimafreundlicher gestalten?
    Wenn Personen des öffentlichen Lebens (wenn auch etwas provokative) Vorschläge für einen klimafreundlicheren Lebensstil machen, fühlen sich jene Menschen angegriffen. Der ‘Bali-Flug zu viel’ ist genau die Art von konstruktivem Journalismus, die es in diesen Zeiten braucht. Die Uhr tickt. Wir können uns nicht leisten zu sagen ‘die da oben sollen mal machen’ und uns dann zurücklehnen. Jeder einzelne ist gefragt und ich hoffe, dass früher oder später in der Gesellschaft mal wirklich dieses Umdenken stattfindet.

    Vielen Dank für den Beitrag und die Aufmerksamkeit, die ihr mit eurer Reichweite dem Thema widmet. Weiter so!

    • Ich konnte mir bislang noch keinen Flug nach Bali leisten. Wenn ich es denn könnte, würde mich eine CO2-Steuer sicherlich nicht davon abhalten. Schon seltsam, wenn ein Luxusproblem exemplarisch für den ökologischen Fingerabdruck genommen wird und sicherlich ganz weit weg von der Lebensrealität der meisten Leute.

      • Wie oben geschrieben, geht es vor allem um Gewohnheiten. Dazu gehören viele Dinge, wie u.a. Flüge. Das Flugziel ist dabei nur exemplarisch ausgewählt. Bei 120 Mio. Flugpassagieren (s. Quelle unten) jährlich in Deutschland, ist die Frage meines Erachtens nach angebracht, ob es denn immer notwendig ist zu fliegen.
        Natürlich soll es jemanden, der lange auf eine Reise gespart hat, nicht davon abhalten diese auch zu tätigen. Viel mehr geht es um Vielflieger, welche sicherlich an der einen oder anderen Stelle verzichten oder auf andere Verkehrsmittel wie bspw. die Bahn (auch in der Lage erwähnt) umsteigen könnten. Dabei ist es gut, wenn Unternehmen oder auch die Politik Anreize geben. Andererseits kann auch der Kunde eine bewusste Entscheidung für die umweltfreundliche Alternative treffen. Bei der Wahl seines Transportmittels ebenso wie in anderen, alltäglicheren Situationen.

        https://www.zeit.de/mobilitaet/2019-03/statistisches-bundesamt-passagiere-flughafen-deutschland-reisen

      • Seltsam ist das überhaupt nicht, sondern es liegt gerade daran: wenn man eh nicht fliegt, ist es viel einfacher, da Verzicht zu fordern – “ich mache das ja auch nicht und wenn selbst ich das schaffe, dann können andere das ja auch bleiben lassen”.
        Bei sowas wie Autofahren, was fast jeder auch in der Stadt wie selbstverständlich macht, ist das viel schwieriger – denn dann müsste man sich ja an die eigene Nase fassen…

      • Durch Billigflüge ist häufiges Fliegen aus touristischem Anlass leider kein “Luxusproblem” mehr. Das können sich heutzutage, ebenso wie Pauschalreisen, erhebliche Schichten der Bevölkerung leisten. Und leider erzeugt das einen Co2-Ausstoß, der das Klima zerstört. Nicht drumrum reden, bitte.

        • Aber genau deshalb sind sie doch zurückgerudert, wenn ich es recht verstanden habe: Es geht eben *nicht* darum, dass sich eine Kaste von Vielfliegern einen Flug im Jahr verkneift. Es geht darum, dass *wir alle* gucken, was wir konkret mit unserem Alltag vereinbar tun können. Das sind nicht immer pauschal dieselben Maßnahmen. Aber um mal ein Beispiel aus dem Problemkreis Stadt/Land zu nehmen: Ich bin in der Pampa aufgewachsen und meine Eltern leben heute noch in dem Dörfchen. Auch wenn das öffimäßig noch verhältnismäßig gut angebunden ist, ohne Auto geht’s nicht recht. Aber dafür haben die meisten dort einen Garten und bauen einen Teil Ihres Obsts und Gemüses selber an. Das spart auf die Masse eben auch CO2. Ich glaub auch, das Ulf und Philipp es sich an der Stelle gelegentlich etwas zu einfach machen, aber das entlässt uns ja nicht aus der Verantwortung, selber zu gucken, was geht.

  49. Was ich nicht verstehe (wahrscheinlich fehlen mir da einfach die Hintergründe): Warum ist es legitim, wenn die Briten einen iranischen (nicht-EU) Tanker wegen eines EU-Embargos festsetzen?
    Spontan erscheint mir das nicht weniger übergriffig, als wenn der Iran anfängt, seine eigenen Regeln zu definieren und deshalb britische Tanker festzusetzen…

    Würde mich freuen, wenn mir da jemand weiterhelfen könnte (gerne auch mit Links) 😊

    • Richtige Frage. Das EU Embargo fuer Syrien bezog sich darauf dass kein EU Land syrisches Öl kaufen sollte. Hier geht es aber darum dass eine vermeintliche Öl Lieferung eines nicht EU Landes an Syrien gestoppt werden sollte.

      Man stelle sich vor der Iran erhebt ein Embargo gegen Saudi Arabien, weil Saudi Arabien den Jemen seit mehreren Jahren bombardiert und internationale Hilfe fuer die notleidende Bevölkerung blockiert.
      Hätte der Iran dann das Recht alle Schiffe egal welcher Nationalitaet die saudisches Öl transportieren festzusetzen? Nein. Also warum haben Briten das recht ein Schiff eines nicht EU Landes auf Grund eines nicht bewiesenen Verstosses gegen ein EU Embargo festzusetzen?

  50. Im Ukraine-Interview fand ich es schwierig mit anzuhören, wie sich Hr. Jilge mit Händen und Füßen gewehrt hat, mal die russische Perspektive einzunehmen. Da frag ich mich, was das für ein Think Tank ist. Danke jedenfalls fürs hartnäckige Nachfragen!

    • Die Nachfrage und die Bitte ums Hineinversetzen in die russische Perspektive fand ich auch super. Ganz toller Journalismus, der die, ich nenne es mal etwas einseitige Haltung von Herrn Jilge sehr klar herausgestellt hat, ohne irgendwie unhöflich oder ähnliches zu werden.

  51. Liebes Lage-Team,

    Ich möchte noch eine kleine Ergänzung zum Thema Frankfurt machen, auf die von euch nicht eingegangen wurde. Die Frage, die ihr stellt, ist, weshalb ausgerechnet dieser Fall mehr mediales und öffentliches Interesse erregt als der Fall des getöteten Eriträers. Eure Antwort ist die (sowohl bewusste als auch unbewusste) rassistische Sichtweise der Bevölkerung. Wie viele andere Fälle zeigen, ist das auf jeden Fall ein aktuelles Problem unserer Gesellschaft und sollte mehr aufgearbeitet werden. Aber ich denke, der Knackpunkt in diesem Fall ist woanders verortet, und ich wundere mich, warum sich niemand (ich konnte bisher auch in den Kommentaren nichts in diese Richtung lesen) damit beschäftigt, was am naheliegendsten ist: In Frankfurt kommen mehrere Faktoren zusammen, in denen die Gesellschaft eine besondere Schwere der Tat feststellt. Zum Ersten handelt es sich bei dem Opfer um ein kleines Kind. Zum Zweiten erscheint diese Tat aufgrund der äußeren Umstände, in denen sich jeder wiederfindet (Bahnhof, Öffentlichkeit, Zufallsopfer) besonders grausam. Und nicht zuletzt wird diese Grausamkeit auch durch den Tathergang (Tod durch Überrollen eines Zuges) unterstrichen. Dies sind Gegebenheiten, die die Menschen besonders bestürzen, woher ich auch das öffentliche Interesse verstehen kann. Ich denke nicht, dass der Großteil der Menschen die Tat durch die Herkunft des Täters als besonders schlimm empfindet. Deshalb sehe ich es als absolut menschlich an, dass die Tat mehr Aufmerksamkeit bekommt als die Tat in Wächtersbach. Und gleichzeitig bekommt diese Tat wiederum wahrscheinlich mehr mediale Aufmerksamkeit, als wenn dort ein Deutscher erschossen worden wäre, denn ohne den rassistischen Hintergrund wäre “nur ein Mann erschossen worden”- Fälle, die tagtäglich passieren, ohne dass sich tatsächlich irgendjemand dafür interessieren würde. Dieser Fall hätte aber aufgrund seines Hintergrundes noch mehr Aufmerksamkeit bekommen sollen, da stimme ich euch zu. Das rechtfertigt aber nicht zu sagen, dass Frankfurt nur durch die Herkunft des Täters so hochgekocht wird- wie gesagt spielen da wahrscheinlich andere Faktoren eine Rolle, die man auf keinen Fall außer Acht lassen sollte.

    • Dem Kommentar von Julia stimme ich zu 100% zu.
      In eurer Analyse zu dem Vorfall und der medialen Berichterstattung kommt der Fakt, dass ein Kind (!) getötet wurde praktisch gar nicht vor. Dies ist aber vermutlich der zentrale Punkt warum diese Tat mehr (mediale) Aufmerksamkeit erhalten hat als andere Gewalttaten. Nach meiner subjektiven Wahrnehmung stand dies auch zunächst im Zentrum der Berichterstattung und nicht die Herkunft von Täter oder Opfer.
      Dass durch die mediale Aufmerksamkeit dann auch die politischen Parteien bzw. Bundesminister entsprechend reagieren, ist auch erstmal nichts Ungewöhnliches. Wenn anschließend bestimmte Gruppen die Tat instrumentalisieren dann kann und muss man das auch kritisch diskutieren, so wie ihr es getan habt. Wichtig ist aber, und dies kam mir einfach zu kurz, dass man differenziert und nicht vorschnell Assoziationen zieht warum genau diese Tat so viel Aufmerksamkeit bekommt. Es ist offensichtlich, dass das auch immer von mehreren Faktoren abhängt aber Gewalt, die dazu führt, dass ein Kind auf diese Weise stirbt, ist einfach schwer zu ertragen und erklärt mMn auch das große öffentliche Mitgefühl/Interesse an dem Vorfall, wie ja auch schon erwähnt wurde.
      Diese Tat (oder generell Gewalttaten) mit anderen Gewalttaten zu vergleichen und warum sie wie viel/zu wenig Aufmerksamkeit – im Vergleich! – bekommen, hilft, denke ich, niemandem.

      Trotzdem will ich mich an dieser Stelle auch nochmal für euren Podcast bedanken, den ich regelmäßig höre und sehr interessant finde.

      • Sicherlich ist einer der wichtigen Faktoren, das hier eben ein Kind gestorben ist. Aber über den in Essen gestorbenen 2 jährigen, der von seinem (deutschen) Vater eingesperrt wurde, wird kaum berichtet, das geht in den Medien komplett unter. Ich stelle hiermit die Behauptung auf, wäre der Vater ein Migrant, dann würde auch dieser Fall deutlich mehr mediale Aufmerksamkeit erfahren!

  52. Es war zu erwarten, dass ihr euch den Bahnhofs-Vorfall wieder einigermaßen gezielt herauspickt, um ihn für eure mittlerweile einfach nur noch ermüdende linksideologische Antirassismus-Propaganda zu instrumentalisieren. Dass das eigentliche Opfer dieses Vorfalls im Prinzip keine Erwähnung findet und allenfalls als Steigbügelhalter für euren Whataboutismus dient, finde ich schon bemerkenswert befremdlich und in Sachen Methodik kaum mehr vom rechtsäußeren Rand zu unterscheiden.

    Dass man mit der Frage nach der Herkunft des Täters vielfach auf das strukturelle Problem einer ungeregelten, undifferenzierten, unkontrollierten Masseneinwanderung abzielen möchte, ohne notwendigerweise den Kausalzusammenhang zwischen soziokultureller Herkunft und Gewaltaffinität und Kriminalität zu ziehen, ist offenbar ein Gedanke, der mit euren verengten Weltsicht nicht mehr fassbar zu sein scheint.

    • Kannst Du der geneigten Leserschaft noch kurz erläutern, was eine im Wortsinne Wahnsinnstat eines offenbar psychisch kranken Zürichers mit einer “ungeregelten, undifferenzierten, unkontrollierten Masseneinwanderung” zu tun hat? Oder auch mit “soziokultureller Herkunft und Gewaltaffinität und Kriminalität”?

      Mir scheint, dass er hier Zusammenhänge nur vor dem Hintergrund eines rassistisch gefärbten Menschenbildes gibt. Wie oft müssen wir eigentlich noch die Statistiken des BKA bemühen, wonach Menschen mit Migrationshintergrund WENIGER zu Gewalt und Kriminalität neigen als Menschen mit denselben sozioökonomischen Eigenschaften (Alter, Beruf, …), aber ohne Migrationshintergrund? Vielleicht informierst Du Dich erst mal ein wenig abseits von rechtsradikalen Webseiten, ehe Du hier derart aggressiv kommentierst.

      • Selbstverständlich nichts. Den Zusammenhang wollte ich aber auch nicht ziehen. Der zweite Absatz ist als allgemein gesprochen und losgelöst von dem Frankfurt-Vorfall zu lesen. Es war ja gerade der Kernpunkt meiner Kritik, dass ihr Gegenpositionen beim Thema Migration & Kriminalität bevorzugt auf den extremistischeren Teil eines wesentlich breiteren Meinungskorridors verengt, der sich publikumswirksam als rassistisch abfeiern lässt und als allgemeingültiger Platzhalter offenbar den Eindruck verankern soll, dass sich beide Themen gar nicht erst zusammen denken lassen, ohne sich bereits in fremdenfeindlichem Fahrwasser zu befinden.
        Ich bin meines Wissens nach auch nicht der Erste, der diese Kritik formuliert.

        Dass du eine vertiable Statistk zur Hand hast, aus der sich Aussagen in deinem Sinne ableiten lassen, ist schön für dich. Ich möchte zwar wetten, wenn man sich eingehender mit er Datenlage beschäftigt, wird man ein wesentlich differenzierteres Bild erhalten als du meinst als erschlagendes Endergebnis ableiten zu können, aber geschenkt. Es ging ja gerade nicht darum, Migranten qua Herkunft als zwangsläufig krimineller herauszuarbeiten oder den Einfluss sozioökonomischer Faktoren zu bestreiten, sondern für mehr Toleranz und Ausgewogenheit gegenüber Positionen und Denkansätzen außerhalb gesinnungsethischer Absolutismen zu werben ohne in dieser Richtung durch voreingenommenen Rassismus-Verdacht geprägte Diskursverengung zu betreiben.

    • Steile Thesen wirfst du hier auf, Tobias. Und im Überschwang auch etwas unsachlich formuliert. Aber wenn du dir so sicher bist, kannst du deine Meinung bestimmt ausführen und – ganz wichtig – die Behauptungen auch auch belegen.
      Ansonsten musst auch du dir den Vorwurf einer verengten Weltsicht und das Nacherzählen von Propaganda gefallen lassen.
      Also? Ich bin gespannt!

    • Ok, lieber Tobias, worauf willst Du hinaus? Hätte ein Schizophrener deutscher Herkunft ein Kind vor den Zug geschmissen, dann wär alles in Butter, weil nicht strukturell? Oder dass ein Nicht-Migrant nicht in die Verlegenheit kommt unter Wahnvorstellungen zu leiden? Oder dass der serbische Täter eine Woche davor in Voerde kein Migrant war, weil weiß und Europäer?Oder hast Du auch damals schon die strukturellen Problemen mit osteurpäischen Migranten angesprochen? Falls ja, bist Du sicher auch für die Abschiebung aller Russlanddeutschen? Erzähl mal ohne unlogisch zu werden!

  53. Zum Thema Frankfurter Hauptbahnhof drei Anmerkungen:
    1. Für die Tat ist nach derzeitigem Erkenntnisstand die Herkunft des Täters völlig irrelevant. Dass diese schlimme Tat überhaupt so viel diskutiert wird, liegt zum Großteil daran, dass seine Herkunft aber so betont wird.
    2. Wenn nämlich nicht ein Ausländer die Tat begangen hätte, sondern ein Deutscher, wäre es natürlich genauso schlimm, es wäre vielleicht auch eine Nachricht gewesen, weil ein Kind zu Tode gekommen ist. Aber es wäre sicher nicht so hochgekocht. Dass die Tat so viel diskutiert wird, hat also an sich schon eine rassistische Komponente.
    3. Damit ist der Vergleich zu dem Angriff in Wächtersbach nicht der erste wichtige Vergleich, den man ziehen sollte. Eigentlich müsste man die Tat aus Frankfurt erst einmal mit einem psychisch kranken Deutschen vergleichen, der jemanden vor einen Zug gestoßen hat, um herauszuarbeiten, dass die Aufregung über den Frankfurter Fall auch mit Rassismus zu tun hat. Im Wächtersbacher Fall war ja die Herkunft des Opfers ganz entscheidendes Kriterium für den Angriff, in Frankfurt spielt die Herkunft weder von Täter noch Opfern eine Rolle, zumindest soweit wir wissen. Dass der Wächtersbacher Fall nicht so viel diskutiert wurde, macht noch einmal ein neues Fass auf, nämlich die Verharmlosung von rechtsextremen Taten. Gemein haben die Fälle nur, dass wir in Deutschland ein Problem mit Rassismus haben, auch in der Berichterstattung.

  54. Zu Frankfurt:
    Ihr habt vollkommen recht, wenn ihr sagt, dass man nicht jede Gewalttat durch Aktionismus verhindern kann. Ich glaube auch nicht, dass Plexiglaswände hier die richtige Antwort sind oder jede Straftat durch mehr Polizei verhindert werden kann.
    Was ich aber glaube ist, dass die Menschen dazu gebracht werden müssen, sich mit dem Thema Gewalt und Selbstschutz auseinander zu setzen. Wenn man sich nicht selbst darum kümmert, zeigt einem niemand, wie man auffälliges Verhalten erkennen kann und wie man sich verhalten muss, um die Chance, Opfer einer Gewalttat zu werden, zu verringern.
    Ich bin mir sehr sicher, dass der Eritreer in Frankfurt im Vorfeld Verhaltensauffälligkeiten zeigte, die von der Norm abweichen. Vielleicht lief er vorher nervös umher oder redete mit sich selbst. Wenn ich aufmerksam bin und auf dieses abweichende Verhalten achte, kann ich darauf reagieren und dem Mann aus dem Weg gehen (nebenbei: es gibt auch genügend Deutsche, die psychisch krank sind – das hat nichts mit der Ethnie zu tun). Ich könnte vielleicht auch Sicherheitskräfte ansprechen, die sich dann um ihn kümmern. Aber was machen die meisten Menschen? Stehen am Bahnsteig, glotzen auf ihr Handy und nehmen ihre Umgebung überhaupt nicht wahr.
    Die amerikanische Armee hat dazu ein sehr schönes Modell entwickelt, dass sich “Combat Profiling” nennt. Es geht darum, von der Normalität abweichendes Verhalten zu bemerken, zu bewerten und seine Konsequenzen daraus zu ziehen. Damit konnten sie die Angriffe mit Sprengsätzen auf ihre Patrouillen durch Prävention drastisch verringern. Die Essenz dieses Modells lässt sich sehr schön auf den Alltag übertragen (das Buch dazu nennt sich “Left of the bang”).

    Die Deutschen legen traditionell ihre Sicherheit stark in die Hände des Staates. Dieser kann aber schon lange nicht mehr den persönlichen Schutz gewährleisten. Das ist in einem Land wie Israel (ein extremes Bespiel) oder sogar den Niederlanden ganz anders, wo die Eigenverantwortung einen hohen Stellenwert hat. Besser wäre es, wie in den genannten Ländern die Eigenverantwortung zu stärken und die Menschen dazu zu bringen, ihr Verhalten zu ändern. Man muss auch so ehrlich sein und den Menschen sagen, dass man sie nicht immer schützen kann und dies auch Teil der Eigenverantwortung ist.
    Ich denke nicht, dass dies eine Einschränkung der persönlichen Freiheit wäre, sondern der Weg, eben diese zurück zu gewinnen und sich nicht einem durchaus rationalen Angstgefühl zu beugen. Wie in dem Zitat von Yoda: “Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.” Besser kann man es nicht zusammenfassen.

    Daher glaube ich auch nicht, dass wir einfach eine fremdenfeindliche Grundstimmung haben. Wir haben eine grundsätzliche Angststimmung. Die Menschen haben Angst, weil der Staat sie nicht mehr schützen kann. Die Gesellschaft hatte schon immer genug mit Straftätern und psychisch Kranken aus den eigenen Reihen zu tun. Jetzt kommen noch zusätzlich viele Menschen hinzu, die komplett anders sozialisiert und oft auch traumatisiert sind. Weiterhin werden immer mehr Forderungen aus dem muslimischen Umfeld gestellt, die unter dem Deckmantel der Toleranz europäische und christliche Werte untergraben (und die haben wir hier verrückter Weise!). Keine andere Religion stellt so viele Forderungen und ist gleichzeitig so intolerant anderen gegenüber, wie der Islam – man darf es nur nicht sagen, weil dann – zack – direkt wieder die Nazikeule geschwungen wird. Und dann ist sie wieder da die Furcht. Und dann die Wut. Dann der Hass und am Ende das unsägliche Leid.

    • Zitat: “Was ich aber glaube ist, dass die Menschen dazu gebracht werden müssen, sich mit dem Thema Gewalt und Selbstschutz auseinander zu setzen.”

      Okay, also Du möchtest im Prinzip eine landesweite Informationskampagne mit dem sinngemäßen Inhalt “Leute, ihr seid in ständiger Gefahr, schützt euch selber! Seid misstrauisch gegenüber Fremden, und vertraut nicht auf den Staat!”? Nein danke. Das ist Wahlwerbung für die AfD, sonst nichts. Und hat mit der Entwicklung der realen Kriminalität in Deutschland auch nichts zu tun. Du reagierst nicht auf Angst, sondern schürst sie.

      Was Du “persönliche Freiheit” nennst ist nichts anderes als Sehnsucht nach dem Naturzustand von Thomas Hobbes. Die Überwindung desselben nennt man “Zivilisation”.

      • Das ist so nicht richtig und unangemessen vereinfacht. Ich sage sinngemäß: “Leute, es ist einfach vernünftig davon auszugehen, dass ihr jederzeit Opfer einer Straftat werden könntet, also passt auf euch auf. Haltet die Augen offen und achtet auf euer Umfeld. Vielleicht braucht ja auch jemand anderes eure Hilfe, dann helft ihm auch.
        Seid freundlich und hilfsbereit zu jedermann – egal welcher Hautfarbe oder Nationalität. Aber vertraut nicht darauf, dass der andere es automatisch auch ist – in diesem Fall muss es mit der Freundlichkeit auch mal vorbei sein. Vertraut dem Staat und der Polizei, aber, hey, sie kann nicht immer schnell genug da sein, um euch zu schützen. Bis dahin müsst ihr notfalls alleine klarkommen. Und, übrigens: AfD und Konsorten bestehen zum größten Teil aus Idioten und werden euch auch nicht helfen können, wenn es für euch mal schlecht läuft. Die findet ihr aber in anderen Parteien leider genau so. Und übrigens: wann habt ihr euren letzten Erste-Hilfe-Kurs gemacht?”

        Was ich “persönliche Freiheit” nenne, ist das Gefühl, auch nachts um zwei ohne Angst in einer städtischen Innenstadt laufen zu können, weil ich in der Lage bin, mögliche Gefahren zu erkennen, zu meiden und mich im Notfall auch wehren zu können. Unter “Freiheit” verstehe ich, dass meine Tochter dies ebenfalls kann.

        So oder so ähnlich.

        Ich möchte keine Angst schüren, sondern die Realität gerade rücken.

        Für ein zivilisiertes Zusammenleben.

      • Ergänzend zu meinem Kommentar noch eine Anmerkung:

        – der 36jährige, der in Stuttgart mit dem Schwert zerhackt wurde,
        – der Eritreer, der in Hessen angeschossen wurde,
        – die Mutter, die mit ihrem Kind in Frankfurt auf dem Bahnsteig angegriffen wurde
        – usw usw usw,

        die alle hatten sich morgens beim Aufstehen niemals träumen lassen, was ihnen von Menschenhand im Laufe des Tages angetan werden wird. Und es ist einfach nur rational, davon auszugehen, dass jeder von uns der nächste sein kann, der an der Reihe ist. Ich kann mich jetzt vor Angst verkriechen oder kann versuchen, irgendwie damit umzugehen. Vielleicht, ganz vielleicht… habe ich ja eine Chance, das Unglück für mich und meine Lieben zu verhindern.

        Bei Krankheiten ist es doch ähnlich. Wir sagen den Leuten, dass sie an einem Herzinfarkt oder an Krebs sterben könnten und raten ihnen, gesund zu leben und zur Vorsorge zu gehen. Schüren wir damit Ängste? Möglicherweise, na und? Das ist ja nicht die eigentliche Intention. Man möchte die Menschen dazu bringen, verantwortlicher mit sich selbst und ihrem Körper umzugehen. Und hier schließt sich der Kreis.

  55. Hallo, ich hätte gern die Adresse dieser ländlichen Idylle, wo 1qm 5€ oder gar nichts kostet. Ich ziehe da morgen hin. Danke.

    • Das ist mir auch aufgefallen: 5 Euro pro qm “wenn überhaupt” als ergänzende Kommentierung ist durchaus ein Beleg für die “Ihr seid ja Städter”-Klassifizierung, der ihr ja eigentlich entgehen wolltet mit der Diskussion um CO2-Steuer und Kosten für Individualmobilität. Bin mit vielem einverstanden aus dem aktuellen Podcast – aber diese Kommentierung zu den Quadratmeterkosten war sehr Stadt-Klientel-bezogen – für uns Landeier, die in meinem Fall in Baden-Württemberg die Preise von Kommunen mit um die 5.000-10.000 Einwohner vor Augen haben, wo durchaus 8,45 Euro kalt als durchschnittlicher Normalpreis gezahlt werden, etwas ein Schuss ins Aus. Ansonsten: gute Sendung wieder mal.

      • Wir haben doch nicht behauptet, dass man überall außerhalb großer Städte für fünf Euro pro Quadratmeter eine Wohnung findet, aber es gibt solche Wohnungen in vielen Teilen Deutschlands.

        • Ja, nur hat der niedrige Preis ja auch seinen Grund in schlechter Infrastruktur, kaum ÖPNV, wenig niedergelassen Ärzten, wenigen Freizeitangeboten und vor allem viel weniger Beschäftigungsmöglichkeiten.
          Die Leute, die aufs Land ziehen, tun das meist nicht , weils da so schön und billig ist, sondern weil es in der Stadt so teuer ist, dass sie sich das schlichtweg nicht leisten können, besonders wenn sie in nichtakademischen Berufen arbeiten. Über das Problem der hohen Mieten in Ballungsräumen habt ihr doch selbst schon so oft berichtet, dass es schon befremdlich rüberkommt, wenn ihr nun deren Ängste vor dem Verlust ihrer Mobilität aus den für sie noch erschwinglichen Landquartieren in die Arbeitskräftehungrigen Stadtquartiere, so salopp mit (paraphrasiert) “Da muss man sich eben einschränken” oder “die Vorteile des billigen und so viel schöneren Landlebens sehen – ziemlich städtisch-arrogant wegwischt.

      • Mir ist dieser Kommentar auch etwas bitter aufgestoßen, denn so schwarzweiß ist es einfach nicht. Und es sollte einfach nicht der Weg sein, dass die, die auf den Individualverkehr noch angewiesen sind, weil sie einfach keine andere Wahl haben, am meisten gebeutelt werden. Was der Kommentar unten ja auch sagt: Viele leben nicht auf dem Land weil geil und billig, sondern weil es in der Stadt einfach unbezahlbar ist. Da sollte es doch viel mehr in den Fokus genommen werden, dass der ÖPNV ausgebaut wird, dass man nicht mehr Stunden und drei verschiedene Busse braucht, um vom Dorf in die nächste mittelgroße Stadt zu kommen, die man per Pkw innerhalb einer halben Stunde erreicht. Hier durch SH führen ungefähr drei Bahnlinien und wenn man weiter als 20 km von Kiel entfernt wohnt, kommt man da auch nicht mehr per Bus hin. Mal abgesehen davon, dass man sich um die “schönen Flecken” eh mit Ferienhausbauern und Airbnbs kloppen muss.

        • Die Frage stellt sich auch, inwieweit der ÖPNV in solchen Gebieten als Klimaschutzmaßnahme überhaupt sinnvoll ist.
          Aus der Perspektive ist der ÖPNV kein Wert an sich, sondern lohnt sich nur dann, wenn er unterm Strich pro Nase effizienter als der Individualverkehr ist – in den Städten ist das fast immer gegeben, aber auf dem Land sieht das nicht so einfach aus.

          Es lohnt sich schlichtweg nicht, einen engen Fahrplan und ein dichtes Streckennetz anzubieten, wenn dann pro Bus und Strecke im Schnitt nur noch 3,7 Fahrgäste drin sitzen… Und ab einer gewissen Ausdünnung ist der Individualverkehr einfach effizienter als große Transportmittel, die fast leer eine (von der Länge her) suboptimale Strecke fahren, um alle relevanten Haltestellen mitzunehmen. Das gleiche gilt übrigens auch für den Nachtverkehr in den Städten – so geil das auch ist, dass ich noch um 3 Uhr überall hinkomme…

        • @Sandra Admin: Ich denke fürs Dorf braucht man dringend flexiblere Lösungen. Sowas wie Moia wo der Bus auch nur dort hinfährt wo die Leute hinmüssen. Dann gibt es effektiv keine Leerfahrten mehr.

          Außerdem muss ja nicht immer ein Bus fahren. Ein normaler PKW genügt ja auch. Wenn dann 2 Leute drinsitzen, die von A nach B müssen, dann hat man den Austoß schon halbiert. Vorrausgesetzt natürlich der Bus fährt nicht leer zurück.

          Ansätze für solche Lösungen sind ja oft schon da. In meiner Heimatstadt (~100k Einwohner, Uni) gab es Nachts Sammeltaxis. Bei einer Bekannten aufm Dorf muss man 1h vorher anrufen, wenn man mit dem Bus fahren will usw.

          Wenn man das ganze noch mit der Digitalisierung kombiniert (z.B. einer App), müsste doch einiges gehen.

    • Jetzt grade kann ich Dir 6€/qm bieten im Vorort einer Kleinstadt mit Buslinien, Supermarkt, Tanke, Ärzten, Post, Apotheke, Bäcker, alle Schulen (Grundschule bis Oberstufe) in Sichtweite. Nächste Großstadt mit Uni und Programmkinos ist 15 km entfernt.

      • Es ist ja schön, das es so etwas gibt, aber hier bei uns gibt es keinen Supermarkt, keine Post, keine Apotheke, eine Grundschule, keinen Metzger, keinen Getränkemarkt, teilweise keine Busverbindung zu den Schulen im Nachbarort. Aber locker 12-15€/m²! Bitte nicht verallgemeinern!

        • Dann stellt sich die Frage: Wieso wohnt man dann dort?

        • Würde mich ChristianE anschließen und zwar völlig ernst gemeint: Weshalb zahlt man 12-15€/qm, wenn es dort praktisch nichts gibt? Selbst hier in Franken in einer 30k Einwohnerstadt mit Schulen, Supermärkten und guter Anbindung an große Städte zahlt man eher 12€/qm…

          Natürlich kann man das nicht verallgemeinern, aber in einigen Fällen ist das Landleben auch einfach nur Luxus, den man sich auf Kosten der Natur gönnt, weil Sprit so billig ist…

  56. Zur eurem Thema der Woche:
    Ich kann den Frust von Ulf verstehen. Ich hatte die Tage um den Vorfall keine Nachrichten gehört und dann erst durch instrumentalisierende Social Media Posts davon gehört und dann in den Nachrichten die Pressekonferenz vom Horst gehört. Und da dachte ich mir auch nur, dass unser Innenminister wieder nur Kohlen ins Feuer schüttet und klassische Medien und Menschen auf Social Media einfach versagen. Schön zu hören, dass du dich mal mit Leidenschaft drüber aufregst.

  57. Zum Thema Frankfurt.
    In Wächtersbach geht ein Deutscher bewaffnet auf die Strasse mit dem Ziel einen Flüchtling zu töten.Es trifft einen Mann aus Eritrea.In Frankfurt schubst ein Mann aus Eritrea einen Deutschen vor einen Zug.Könnte nicht einfach Rache oder Vergeltung für seinen Landsmann das Motiv sein?

    • 3. August 2019 um 9:27 Uhr
      Susanne Drangmeister

      Es ist nicht immer die einfachste und eingängigste Erklärung die richtige. Deshalb finde ich ja diesen Blog so gut.

    • Theoretisch könnte manches sein, aber hier spricht nichts dafür: Der mutmaßliche Täter von FFM fühlte sich längst nicht mehr als Eritreer, sondern als Schweizer – und er litt eben nach allem was wir wissen an einer Psychose.

      • Was, wenn der Täter aus Kassel ebenfalls an einer nicht diagnostizierten (und mit Alkohol selbst-behandelten) Psychose litt? Würden ihn das weniger Nazi machen? Und was, wenn der Täter aus FFM nicht an einer Psychose litt, würde er dann auch des Rassissmus verdächtigt?
        Sehr provokant, aber ich fand eure Argumentation leider zu schnell und zu schnell in Schubladen, fand aber den Teil der reaktionären Politik sehr gut. Mehr Plexiglas oder mehr Polizei wird keine der Tatrn verhindern. Es liegt alles in der Gesellschaft, die weniger auf sich Acht gibt.

        • Ich habe noch nie erlebt, dass jemand im Zuge einer paranoiden Schizophrenie zum Rassisten wird, aber klar, sollte sich das herausstellen, dann würde natürlich auch die Tat aus Wächtersbach in einem anderen Licht erscheinen. Die Umstände sprechen allerdings wahrlich nicht dafür, dass es sich so verhielt.

  58. Vielen Dank für eine weitere sehr interessante und aufschlussreiche Folge LdN.
    An einer Stelle habe ich euch beiden allerdings laut widersprochen. Ihr sagtet bezüglich der öffentlichen Wahrnehmung der beiden kürzlich geschehenen Gewalttaten, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung schlicht nicht für einen Eritreer, der von einem Nazi angeschossen wird, interessiert – für eine Mutter und ihr Kind, die von einem Eritreer angegriffen werden, dafür umso mehr. Dies spiegele sich eurer Meinung dann eben auch in den Reaktionen der Politik wider.
    Ich glaube (und hoffe) eben genau nicht, dass die Reaktion von Horst Seehofer und der Regierung die Betroffenheit der Gesellschaft widerspiegelt. Viel mehr würde ich die Reaktionen in der Politik mit 2 Aspekten begründen. Zum einen besitzt die AfD inzwischen eine solche Diskurshoheit, dass die rassistischen Äußerungen zum Beispiel von Frau Weidel zwangsläufig eine Reaktion in Form von Distanzierung auch von linken PolitikerInnen hervorrufen und die Gewalttat von Frankfurt so in den Mittelpunkt gerückt wird. Zum anderen hat die CDU/CSU vor allem in Form von Horst Seehofer weiterhin keinerlei Interesse, auf rassistisch motivierte Gewalttaten und deren Anstieg in Deutschland aufmerksam zu machen, weshalb die Gewalttat in Wächtersbach scheinbar nicht mit der gleichen Intensität und Ernsthaftigkeit aufgegriffen wird.
    Ich glaube oder hoffe aber nicht, dass das die Wahrnehmung und das Interesse der Mehrheit der deutschen Bevölkerung widerspiegelt, sondern dass viele Menschen eine rassistische Gewalttat weit mehr beunruhigt, als eine Gewalttat von einem psychisch kranken Menschen, die wie ihr sagt ohnehin schwer zu verhindern ist.
    Umso wichtiger, dass ihr euch mit der Tat in Wächtersbach in euren Podcast genauso intensiv beschäftigt habt, wie mit der Tat von Frankfurt und so einen Beitrag dazu leistet, diesem Zerrbild entgegenzuwirken. Vielen Dank dafür!

  59. Danke dass ihr euch zu der “Psychose” geäußert habt. Klärt doch mal über Psychopathen auf, dann wird den Leuten einiges sehr viel klarer

    Gibt es zufällig einen Zusammenhang zwischen eurer Werbung und der negativen Konnotation der Selbstmediaktion?

    • Zwischen unseren Inhalten und der Werbung gibt es nie einen Zusammenhang, weil wir die Werbung nicht selbst aussuchen, sondern eine Agentur.

      Umso mehr Zusammenhang gibt es zwischen meiner Erfahrung aus der Schwurgerichtskammer, wo die allermeisten Menschen mit paranoider Schizophrenie, die jemandem nach dem Leben trachteten, es mit Selbstmedikation versucht haben. Dabei sind sie immer tiefer in die Psychose abgerutscht, einfach weil Cannabis nur die Symptome (zB Angstzustände) lindern kann, aber die freidrehende Hirnchemie nicht wieder in Ordnung bringt. Das ist in etwa so sinnvoll, wie Zahnschmerzen mit Aspirin zu betäuben.

      That said: Ich bin – wie die meisten Strafrichter*innen und inzwischen sogar der Bund der Kriminalbeamten – für eine Freigabe des Cannabis-Konsums. Nur im Kontext von Psychosen ist diese Selbstmedikation blankes Gift.

  60. Danke dass ihr euch zu der “Psychose” geäußert habt. Klärt doch mal über Psychopathen auf, dann wird den Leuten einiges sehr viel klarer

    • 3. August 2019 um 11:39 Uhr
      Tante Alighieri

      Guten Tag,

      der Mordversuch an einem Eriträer hat sich in Wächtersbach ereignet, nicht in Kassel. Wächtersbach liegt in Südhessen. Bitte bei Verortungen von Ereignissen stets gewissenhaft sein, sonst kommt man ja völlig durcheinander.

      Dankeschön und herzliche Grüße

  61. Ach ein Attentat war es nicht wegen fehlender kommunikativer und planerischen Aspekten. Aber jeder der Ungereimtheiten in der Aufbereitung von Terroranschlägen sieht ist ein Verschwörungstheoretiker und gehört an die Wand gestellt.
    Habt ihr nie gesagt, aber gemacht…

  62. 2 Anmerkungen zur Psychose:

    Ihr erwähnt Cannabis als Selbstmedikation und Krankheitsverstärker. Beides ist in der Tat richtig, während der Cannabiswirkung wird von vielen Betroffenen eine Milderung der Symptome berichtet. Leider kommen die Symptome oft mit Nachlassen der Wirkung verstärkt zurück. In einer kontrollierten Abgabe mit konstanter Dosierung kann somit auch eine valide Behandlungsmethoden liegen.

    Wer als “Neuronormaler” Schwierigkeiten hat sich in das Krankheitsbild einzudecken dem sei das Tagebuch einer Psychose ans Herz gelegt. Aus Sicht des Erkrankten handelt er vollkommen rational. Die Entstehung dieser Krankheit lässt sich in diesem Text sehr gut nachvollziehen.

    http://archiv.pahaschi.de/tagebuch.htm

  63. 2. August 2019 um 23:33 Uhr
    Martin Schröder

    Das Gegenmodell zum US-Einsatz gegen den Iran wäre kein EU-Einsatz, sondern eine UN-Mission. Die UN gibt’s nämlich auch noch. Siehe den Beitrag von Bettina Gaus in der taz: https://taz.de/Archiv-Suche/!5610605/
    Ich habe übrigens von der Diskussion über Out-Of-Area-Einsätze der Bundeswehr noch in Erinnerung, daß das eigentlich nur im UN-Rahmen möglich ist.

  64. Danke für eure Besprechung der schrecklichen Tat am Frankfurter Bahnhof. Ihr sprecht aus meiner Sicht essentielle Aspekte an, gerade was die Debatte rund um die Ethnie des Täters betrifft.

    Was mir auffällt: Immer, wenn es zu einer Gewalttat kommt, fragen wir nach der Hautfarbe, Ethnie, Ideologie, Motivation oder eben der psychischen Gesundheit des Täters. Nach dem Geschlecht fragt niemand. Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass der Täter männlich ist.

    Ihr sprecht von der Tat als einem durch Psychose o.ä. ausgelöstem Impulsakt, vor dem sich die Gesellschaft nicht schützen könne. Es brauche mehr und bessere psychische Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene. Ich bin damit vollkommen einverstanden.

    Doch ich wünsche mir eine zusätzliche Debatte, nämlich zur Frage, warum wir uns so sehr an männliche Gewalt gewöhnt haben. Denn bei Frauen führen psychotische Krankheiten sehr viel seltener oder fast gar nie zu solchen Gewalttaten. Eine Auseinandersetzung mit Formen sog. „toxischer Männlichkeiten“ würde nicht nur die Diskussionen – eure inbegriffen – bereichern. Sie könnte auch Antworten liefern auf die Frage, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft tatsächlich bewegen müsste, um solchen Taten nicht „schutzlos ausgeliefert“ zu sein.

    • Dass es bei psychisch kranken Frauen sehr viel seltener oder nie zu Gewalttaten führt, ist eine kühne Behauptung. In meiner polizeilichen Praxis habe ich das aber sehr oft anders erlebt. Ebenso hanebüchen ist die Aussage, dass wir uns an “männliche Gewalt gewöhnt” haben. Wie kommen Sie darauf? Ihr Kommentar zeigt aber, dass man heutzutage wirklich jedes Thema gendern kann. Man kann es mit dem Feminismus wirklich übertreiben.

      • Männer üben 80 Prozent aller Gewalttaten aus, 95 Prozent der Gefängnisinsassen sind männlich.

        Die Statistiken des BKA sprechen für sich. Ich möchte dieses Thema nicht unnötig „gendern“, frage mich aber, warum diese überwältigenden Zahlen so selten zur Sprache kommen, wenn nach dem Hintergrund von Gewaltdelikten gefragt wird. Es zeigt: diese Statistiken sind – im Gegensatz zu Ethnie, Herkunft, Religion, Gesundheitszustand – nicht der Rede wert = wir haben uns „daran gewöhnt“.

        https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Partnerschaftsgewalt/Partnerschaftsgewalt_2017.html?nn=63476

        • Und jetzt? Wenn Männer einen so hohen Prozentsatz ausmachen, was soll man daran besprechen? Wäre es besser, hier eine Frauenquote einzuführen?
          Es wird ja auch nicht darüber diskutiert, dass 95% des Kindergartenpersonals Frauen sind oder 90% der Lkw-Fahrer Männer. Ohne das abwerten zu wollen, aber es gibt auch andere Delikte, bei denen es Geschlechterunterschiede gibt. Ist das wirklich eine Diskussion wert?

        • Ja, es wäre eine Diskussion wert. Dazu, was es heisst, wenn Männer in unserer Gesellschaft weniger Schwächen zeigen dürfen, Gefühle weitestgehend verstecken oder unterdrücken sollen, es sei denn, es handelt sich um Wut oder Aggression. Dazu, was die Auswirkungen sein können, wenn ein Junge/Mann lernt, Konflikte vor allem durch Gewalt zu lösen oder der eigenen Wut und Verzweiflung gewaltsam Ausdruck zu geben. Allgemein zu den „Nebenwirkungen“ der Unfähigkeit, über das eigene körperliche oder seelische Befinden mit anderen zu reden.

        • Ja, das ist eine Diskussion wert. Eine derart eindeutige Faktenlage ist das immer, nur dann kann man die entsprechenden Probleme möglichst sinnvoll besprechen, was wiederum Voraussetzung dafür ist, wirksame Lösungen zu entwickeln.
          Was ein sehr allgemeines Muster ist und hier nur zufällig mit einem Gender-Ding zusammenfällt.

  65. Beim Beitrag zum Vorfall am HBF FFM habt ihr etwas daneben gegriffen.
    Ich finde es sehr gut, dass ihr vermeintliche „Präventivmaßnahmen“ diskutiert, dass ihr den Fokus auf medizinische statt etwa rassistische Hintergründe lenkt. Klar. Dass ihr aber etwa die Plexiglas Wände als nichtig abhakt, die man in diversen europäischen Großstädten vorfindet (machen das Paris und Kopenhagen etwa weil sie so populistisch sind regiert sind?), dass ihr das Thema abrundet mit der Aussage „wir müssen lernen, dass es so etwas wie Schicksal gibt … dass wir manche Sachen nicht ändern können“, das sind Aussagen, die ich von eurem Podcast, und auch von eurem (von mir wahrgenommenen) eigenen Anspruch an eure Arbeit nicht erwarte.
    Plexiglas verhindert nicht alle Gefahr. Derartige Krankheitsbilder finden sich noch zu wenig im öffentlichen Diskurs. Ich stehe wie so oft sehr hinter euren Thesen, finde aber, dass ihr euch mit pauschalisieren Aussagen gegenüber etwaigen contra Argumenten herablasst auf ein Diskussionsniveau, das in einer differenzierten Debatte, wie ihr sie anbieten wollt, nichts zu suchen hat. Und das ist eine generelle Kritik, die mir bei euch schon häufiger aufgefallen ist.
    Ich würde mir wünschen, dass ihr auch Positionen, die ihr und vermutlich der Großteil der Hörer/innen nicht vertretet, genau so differenziert beleuchtet wie eure favorisierte Meinung. Verschiedene Sichtweisen betrachten, das gefällt mir ansonsten sehr an euch.
    Ich bin begeistert von eurer Arbeit, höre sie jede Woche, aber ärgere mich immer wieder, dass ihr einige Argumente, die ja doch von einem nicht irrelevanten Teil der Gesellschaft vertreten werden, mit pauschalisierenden oder emotionalisierten Aussagen entgegentretet wie in diesem Fall. Ich würde mich freuen, wenn ihr auch die Leute, die bspw Seehofer für seinen Auftritt genauso wie etwa 50 Polizist/innen am Bahnsteig abfeiern, dass ihr euch bemüht, diese Leute genauso von euren Argumenten zu überzeugen, wie diejenigen, die es eh schon tun. Mit „Schicksal“ werdet ihr Seehofer Sympathisanten vermutlich eher nicht von einem differenzierteren politischen Diskurs überzeugen können. Wie viele von diesen anders Denkenden die Lage hören, sei mal dahingestellt.
    Danke!

    • Danke für deinen Kommentar. Es ist völlig richtig, dass wir Meinungen darstellen müssen (und auch wollen), die wir nicht teilen. Aber über offensichtlich nicht zielführende Ideen kann man einfach nicht beliebig lange reden … wir haben uns mit den Plexiglaswänden und den Bundespolizisten ja inhaltlich auseinandergesetzt. Aber ich bin nicht überzeugt, dass es ein Mehrwert für die Lage gewesen wäre, wenn wir diesen Idee noch mehr Raum gegeben hätten.

      • Ich glaube diese Plexiglaswände, oder andere Geländer haben einen anderen Sinn: sie müssen von suicidalen erstmal überstiegen werden. Und sollen vermutlich Unfälle verhindern.

        • Ergänzung: Ich meine natürlich die Plexiglaswände, die in anderen Ländern realisiert wurden, haben diese Idee als Ursprung.

    • Die Plexiglaswand in Paris hat einen ganz einfachen Grund: Die Züge fahren automatisch. Es gibt keinen Lokführer im Zug, der eine Notbremsung einleiten kann, wenn Personen im Gleis sind. Diese Wände werden auch immer dann diskutiert, wenn es darum geht, zu verhindern, dass Personen in die Tunnel eindringen.

      • Kurzer Hinweis hierzu: Auch in Nürnberg fahren die U-Bahnen (zum Teil) vollautomatisch und ohne Fahrzeugführer. Hier gibt es soweit ich weiß an keinem Bahnhof entsprechende Wände oder Geländer. M.a.W.: Vollautomatisch bedeutet nicht automatisch (sic!), dass Plexiglaswände an den Bahnhöfen verbaut werden müssen.

  66. Beim Thema Zugpreise ist es mit der Mehrwertsteuer definitiv nicht getan, ein kleines Beispiel:

    Ich bin letzte Woche mit einer weiteren Person von Regensburg nach Deggendorf und zurück gereist. Kurz den Standardpreis geprüft, absurd, deswegen die günstigste Ticketversion organisiert, ein “Servus Ticket”.

    Kosten: 23 € + 7 € für jeden weiteren Mitreisenden = 30 €.

    Kurzer Vergleich im Spritrechner (bitte Link entfernen falls unterwünscht):
    https://www.spritkostenrechner.de/

    Spritkosten: 14.00 €
    Abnutzung: 7.30 €
    Gesamtkosten: 21.30 €
    Pro Person: 21.30 €

    “Servus Ticket” bei Annahme einer KOMPLETTEN Streichung der Steuer:
    30 € / 119 * 100 = 25,21 €

    Wir haben hier ein massives Preisproblem.

    Der Zug war im Übrigen voll, Zeitraum von Inauftraggabe bis Inbetriebnahme neuer Abteile wird auch problematisch werden.

    Beim besten Willen, ich sehe hier schwarz, eine derartige Disruption ist von der Politik nicht zu erwarten.

    • Ihr hattet die Frage gestellt warum die öffentliche und mediale Bewertung der beiden Gewalttaten so grundverschieden ausfällt.
      Mediale Bewertung des versuchten Mordes durch einen Schuss auf einen dunkelhäutigen Menschen in den Medien:
      Schreckliche, rassistisch motivierte Tat. (Die Bewertung teile ich)

      Mediale Bewertung des versuchten 3-fachen Mordes, wovon ein Versuch an einem KIND sogar vollendet wurde: normales Lebensrisiko, warum passte die Mutter nicht auf? Warum wusste das Kind nicht das einführende Züge immer gefährlich sind?
      Die Nationalität/Rasse des Täters spielte in den meisten Nachrichtenmeldungen, die ich wahrgenommen habe, keine Rolle, (tut die ja auch nicht für das Tatgeschehen), wurde zumeist nicht mal erwähnt.

      Die gesellschaftlich abweichende Bewertung der Taten liegt in der Tatsache begründet das die meisten Menschen Sympathien zu Kindern empfinden (dies ist bei eurem Beitrag völlig unbeachtet geblieben). Meine Frau ist aktuell hochschwanger und ich werde demnächst zum ersten Mal Vater und konnte auch an mir eine veränderte emotionale Reaktion auf die über-rationale Berichterstattung bemerken.

  67. Ich hatte gehofft, das insbesondere Ulf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur europäischen Bankenunion kommentiert.
    Interessanterweise findet sich ein Link zum einem Spiegelartikel https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bundesverfassungsgericht-haelt-europaeische-bankenunion-fuer-rechtens-a-1279612.html unter dem Thema Ukraine. Da macht der Link aber wenig Sinn. Die Sektion habe ich mir auch angehört, dabei wird das Urteil sinnigerweise nicht behandelt.
    Habt Ihr das Urteil in einer eigenen Sektionen behandelt, die es nicht ins Inhaltsverzeichnis geschafft hat? Oder was soll der Link auf den Spiegelartikel?

    • Das würde mich in der nächsten Folge ebenfalls sehr interessieren. Genauso wie Ulfs Einschätzung zur Auslegung des Mordmerkmals Heimtücke, über das der BGH kürzlich ein (richtungsweisendes) Urteil gesprochen hat: https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/bgh-5str128-19-mord-heimtuecke-feindselige-willensrichtung-wille-opfer-rechtsfolgenloesung/
      Vielleicht könntet ihr die beiden Urteile ja nächste Woche in einen kleinen „Jura-Block“ einbauen ;)

    • Ihr hattet die Frage gestellt warum die öffentliche und mediale Bewertung der beiden Gewalttaten so grundverschieden ausfällt.
      Mediale Bewertung des versuchten Mordes durch einen Schuss auf einen dunkelhäutigen Menschen in den Medien:
      Schreckliche, rassistisch motivierte Tat. (Die Bewertung teile ich)

      Mediale Bewertung des versuchten 3-fachen Mordes, wovon ein Versuch an einem KIND sogar vollendet wurde: normales Lebensrisiko, warum passte die Mutter nicht auf? Warum wusste das Kind nicht das einführende Züge immer gefährlich sind?
      Die Nationalität/Rasse des Täters spielte in den meisten Nachrichtenmeldungen, die ich wahrgenommen habe, keine Rolle, (tut die ja auch nicht für das Tatgeschehen), wurde zumeist nicht mal erwähnt.

      Die gesellschaftlich abweichende Bewertung der Taten liegt in der Tatsache begründet das die meisten Menschen Sympathien zu Kindern empfinden (dies ist bei eurem Beitrag völlig unbeachtet geblieben). Meine Frau ist aktuell hochschwanger und ich werde demnächst zum ersten Mal Vater und konnte auch an mir eine veränderte emotionale Reaktion auf die über-rationale Berichterstattung bemerken.