LdN150 Premierminister Johnson, Rassismus, Facebook-Währung, Feedback, Klimaschutz

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Begrüßung

Premierminister Johnson

Rassismus: Schüsse auf Eritreer in Wächtersbach

Feedback: Rassismus

Feedback: Interviewpartnerinnen

Facebook Währung Libra

Klimaschutz

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Bildnachweise

Hausmitteilung

177 Kommentare

  1. Während ich gerade diese Folge der Lage höre, ärgere ich mich als noch-Schalke Mitglied über die rassistischen Äusserungen von Clemens Tönnies und über den Umgang des Vereines damit. Ärgern ist noch freundlich ausgedrückt. Ich könnte gerade ganz fest im Strahl ko**en. Das ist auf so vielen Ebenen fürchterlich was da zur Zeit passiert.
    Alles das was ihr zum Thema Spaltung der Gesellschaft und Rassismus sagt wird mir zur Zeit sehr anschaulich vor Augen geführt. In so einer Situation bin ich froh, dass es euren Podcast gibt,. Er bestärkt mich, weiter aktiv gegen den Rassismus vorzugehen. Danke dafür!

  2. Hallo Ulf und Philip,
    Vielen Dank für euren tollen Podcast! Ich freue mich sehr, dass ihr aus der Sommerpause zurück seid und höre wieder gespannt zu.
    Ich kenne mich mit digitalen Währungen nicht besonders gut aus. Eure Argumentation im Podcast gegen Libra konnte ich gut nachvollziehen und habe auch gesehen, dass das Thema hier in den Kommentaren heiß diskutiert wurde. Ich frage mich, wie sich Libra von anderen digitalen Währungen wie z.B. Bitcoin unterscheidet und warum es darüber nicht so einen großen Aufschrei bzw. Eine Verbotsdiskussion gibt.

    Viele Grüße
    Tanja

  3. Lieber Ulf, lieber Philipp,
    Erstmal vielen herzlichen Dank für die sinnvollste Stunde in der Woche.
    Zum Thema Klimawandel, CO2 Emissionen und Nachhaltigkeit möchte ich euch den Podcast Forschergeist Episode 53 mit Volker Quaschning ans Herz legen.
    Leider besteht der sehr verbreitete Irrglaube, dass Deutschland etwas gegen den Klimawandel durch Häuser dämmen, Photovoltaik und Windenergie ausrichten kann, bzw. Als gutes Beispiel voran gehen muss.
    Resümee der Podcast-Folge: der noch schlummernde Hunger nach CO2 in den Entwicklungsländern übertrifft die aktuellen Emissionen bei weitem und sind die größte Herausforderung, die wir uns stellen müssen.

  4. Lieber Ulf, lieber Philip,

    späte Ergänzung zum Waffenbeitrag:
    Es gibt schon seit einigen Jahren die Initiative “Keine Mordwaffen als Sportwaffen”.
    http://www.sportmordwaffen.de
    Was Schützenvereine sicher nicht brauchen sind vollautomatische Schusswaffen.
    Beste Grüße!

  5. Hallo Ulf und Philip,
    vielen Dank für euren Podcast. Ich höre immer wieder gerne zu. In einem Nebensatz zum Thema Waffenrecht habt Ihr kurz über Jäger und die Notwendigkeit der Jagd geredet. Dieses Thema wird sicherlich sehr emotional und kontrovers diskutiert, jedoch gibt es zahlreiche Quellen zu diesem Thema und einfach pauschal zu sagen, Jagd sei notwendig, da es nicht genügend Raubtiere gebe, kann ich so nicht stehen lassen. Es gibt Beispiele aus der Schweiz, die zeigen, dass sich die Bestände ganz von selbst regulieren. Auch beim BUND und NABU wird die Jagd in der jetzigen Form abgelehnt, um nur zwei Organisationen zu nennen. In erster Linie geht es Jägern nicht um die Hege und Pflege von Wildbeständen, sondern wie immer um Geld. Ein großes Revier mit viel schießbarem Wild bringt Kohle. Daher werden die Tiere auch gerne gefüttert und somit die Vermehrung künstlich gesteigert. Folgen davon sind vermehrter Wildverbiss und somit die Schädigung des Waldes. Also bitte, macht es so wie immer und recherchiert gründlich und wiederholt nicht irgendwelche längst überholte Parolen von DJV

    • Hallo Seemann,

      du hast natürlich recht wenn du sagst, dass der DJV nicht immer alle Fakten objektiv darstellt, gleiches gilt aber auch für Tierschutz- und Naturschutzverbände.
      Deshalb möchte ich deinen Kommentar ebenfalls nicht einfach so stehen lassen und zu einigen Punkten Hinweise geben.

      Als kleiner Vermerk, wir (mein Mann, meine Kinder und ich) essen Max. zwei bis dreimal wöchentlich Fleisch. Wir essen fast ausschließlich Wild, weil wir dies für die einzig artgerechte Lebensweise für Tiere halten, hin und wieder Geflügel oder Schweinefleisch von einem Biolandhof in unserer Region.

      Zu deinem Kommentar:

      Die Fütterung von Wild außerhalb von Norzeiten ist in allen Bundesländern verboten! Notzeiten werden von offizieller Stelle ausgerufen (habe ich erst einmal erlebt als wir über mehrere Wochen hohe Schneelagen hatten)

      Kirrungen (Anlockfütterungen) mit ganz geringen Mengen Getreide (Wir reden hier von vielleicht 10 Hand voll dreimal die Woche) sind mittlerweile in fast allen Bundesländern stark reglementiert und müssen genehmigt bzw. bei der unteren Jagdbehörde angezeigt werden.

      Die Pacht eines Jagdbezirks ist für den Pächter ein kostenintensives Unterfangen, die Preise für Wildbrett liegen beim Wildhändler bei derzeit 1,50€ bis 2,00 € pro Kg in Decke (also mit Fell ohne Innereien). Das ist in der Regel die einzige Einnahme. Ausgenommen sind hier die wenigen Reviere mit Rotwildbestand, hier kann der Pächter hin und wieder den Abschuss eines starken Hirsches verkaufen. Dafür ist die Pacht pro ha. wesentlich, tw. dreimal so hoch. Dem gegenüber stehen nicht unerhebliche Kosten:
      Jagdpacht
      Ansitzeinrichtungen
      Versicherung
      Wildschadensersatz an Waldbesitzer und Landwirte

      Es würde mich interessieren wie sich das Wild ohne ausreichend natürliche Fressfeinde auf ein für den Wald erträgliches Maß reduziert? Das enorme Futterangebot aus der Landwirtschaft!!!!! trägt seid Jahren dazu bei, dass die Wildbestände anwachsen und die Entmischung der natürlichen Baumverjüngung zunimmt. Denn letzteres ist neben den Schäden in der Landwirtschaft (auch laut Umweltverbänden)das eigentliche Problem. Zur Erläuterung: Insbesondere Rehwild ist ein sogenannter Konzentratselektierer, sie fressen am liebsten die Pflanzen von denen am wenigsten vorhanden sind (sie wollen nicht jeden Tag Nudeln essen 😉).
      Das führt dazu, dass sich wertvolle Baumarten wie Eiche, Bergahorn, Kirsche usw. in vielen Revieren nicht natürlich verjüngen lassen (Also ohne Pflanzung, Zaun, Vergrämunsmittel etc.).

      Schöne Grüße,
      Hanna

      • Hallo Hanne,
        ich hoffe, ich darf hier etwas verlinken: https://wildbeimwild.com/tierrechte/genf ist ein Artikel von vielen, der ein privates Jagdverbot im Kanton Genf in der Schweiz beschreibt, das bereits seit Mai 1974 besteht. Natürlich gibt es auch hier ein Dementie des DJV und die Wahrheit liegt sicherlich irgendwo dazwischen.
        Im Artikel werden auch noch einge anderen Aspekte beschrieben, wie zum Beispiel die Jagdunfälle, die bei privaten Jagend leider doch immer vorkommen. Und darum ging es ja ursprunglich im eigentlichen Podcast. Um privaten Waffenbesitz.
        Zum Anfüttern von Wild – natürlich ist das alles geregelt und gibt es Gesetze und Schutzzeiten. Leider halten sich nicht immer alle Menschen an solche Gebote.

  6. Lieber Philip, lieber Ulf,
    Gerade eure neue Folge der Lage gehört und mich gefreut, dass ihr auch ein Interesse daran habt und zeigt, mehr Frauen als Interview-Partnerinnen in den Podcast zu holen. Ich habe dazu zwei Gedanken, die ich euch gerne mit auf den Weg geben möchte.

    Zum einen: Beschränkt euch in eurem Inklusions-Gedanken bitte nicht nur auf Frauen. Gerade wenn ihr über Themen wie Rassismus sprecht – holt euch doch BIPOC (black, indigenous und people of colour) ins Boot. Sprecht mit Menschen mit Behinderung, sprecht mit transgeschlechtlichen Personen.

    Zum anderen: Ich verstehe, dass euer Aufruf sich zu melden, aus einer guten Intention heraus entstanden ist. Das Problem, das es mit diesem Aufruf gibt: Ihr schiebt die Verantwortung von euch weg. Denn wenn sich nun niemand meldet könnt ihr euch ausruhen auf einem „wir haben ja alles versucht“. In eurer vorletzten Folge habt ihr in der Besprechung von Exit Racism sehr richtig erkannt, dass es nichts Schlimmes ist, Privilegien zu haben – aber dass damit eben eine Verantwortung einher geht. Eure Verantwortung als weiße Männer ist auch, ein bisschen mehr zu machen als paraphrasiert zu sagen: Liebe marginalisierte Gruppen, meldet euch mal, wir entscheiden dann, ob wir unsere Plattform für euch öffnen.
    Es gibt ein Phänomen, das als Männerbünde beschrieben wird. Männer sozialisieren sich mit anderen Männern. In der Uni freundet ihr euch an, man kennt sich eben von früher – und wenn sich dann eine Gelegenheit bietet (ein Job, ein Interview), dann bietet man diese erstmal seinen Kumpels von früher an. Ihr stellt eure Interviewpartner häufig vor als Männer, mit denen ihr auch befreundet seid, die ihr persönlich kennt. Solche Strukturen machen es für Frauen sehr schwer und die Lösung ist nicht, Frauen jetzt zu bitten sich selbst zu kümmern.
    Bitte legt die Verantwortung für diverse Interview*partnerinnen nicht auf die marginalisierten Gruppen selbst. Recherchiert nochmal – auf speakerinnen.org gibt es inzwischen über 2.500 Einträge, viele Unis haben öffentliche Mitarbeiter*innen-Verzeichnisse in denen sich dann auch Professorinnen/Expertinnen gezielt nach Fach suchen lassen, auf sozialen Medien sind Aktivistinnen sehr sichtbar, bspw. mit dem Hashtag #instafeminismus auf Instagram.

    Ich würde mir von euch wünschen, dass ihr es zu mehr Diversität in eurem Podcast schafft, ohne dass die bisher ausgeschlossenen Gruppen sich darum kümmern müssen – sondern ihr als Macher und privilegierte Personen das leistet.

  7. Hallo Philip, hallo Ulf, hallo liebe Mitleser,

    vielen Dank für euere Berichterstattung zur Energiewende, insbesondere die Darstelleung des sich selbst verstärkeden Klimawandels hat mir aufgezeigt wie dringend da Thema ist.

    Zur Berichterstattung und den Kommentaren im Bereich Klima hier möchte ich noch einige Kleinigkeiten hinzufügen und Aussagen relativieren:

    1) Lithium und Kobalt für Batterien:
    Ohne Zweifel ist der Abbau beider nicht besonders “sauber”.
    Der Lithiumanteil in aktuellen Zellen ist allerdings geringer als man erwarten möchte. Er liegt in einer Größenordnung von 1.5 % der Zellmasse [1], ein Batteriepack von 300 kg hat also gerade einaml 3 kg Lithium, was im Verhältnis steht zu 10 000 Liter Benzin die andernfalls in einem Autolebenszyklus verbrannt werden.

    Bei Kobalt sind die Hersteller aktuell stark bestrebt den Anteil zu reduzieren und machen große Fortschritte, u. a. auch auf Grund der Kosten. Die aktuellen Tesla-Batterien enthalten so laut dieser Quelle [2] nur noch 3% Kobalt, statt 13% bei älteren Entwicklungen. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Problematik daher in naher Zukunft mit dem fortschreitenden Trend deutlich reduziert.

    2) Energiewende und Netze:
    Wie schon von anderen Kommentatoren dargestellt ist Elektromobilität nicht ganz unproblematisch für die Netze. U. a. wurde im Juni von einem nahen Zusammenbruch der deutschen Netzte berichtet [3], hier allerdings hauptsächlich durch Spekulationen verursacht.
    Mit dem Netz verbundene Fahrzeuge können aber auch eine Lösung sein und nebenbei keine schlechte Einnahmequelle. Hätte man seinen E-Golf (35 kWh) in den beschriebenen drei Zeiträumen a vier Stunden zur Verfügung gestellt, wären beim gehandelten Preis von 38 €/kWh 3990 € für den Reservenstrom bezahlt worden!
    Auch wenn das ein Extrembeispiel ist, es zeigt doch die Potenziale auf. Was noch fehlt ist eine Vorgabe der Politik zu intelligenteren Ladetechnologien. Entweder diese Technologien sind noch nicht nötig, oder das Thema wird gerade verschlafen?

    3) CO2-Preise
    Die Diskussion um höhere Kosten für Autofahrer scheint mir geradezu hysterisch, beim aktuellen Emissionshandelspreis von 25 €/t CO2 sprechen wir von 6 ct pro Liter Benzin oder Diesel. Möchte man den Autoverkehr allerdings sinnvoll in den Emissionshandel mit einbinden und nur nach CO2 bepreisen müsste man bisherige Steuern, die auf andere Energieträger nicht erhoben werden, ersteinmal abschaffen – was einer enormen Verbilligung an der Zapfsäule gleichkäme.

    Das Szenario mit einem fairen Preis wäre also, dass die Mobilitätswende vorerst deutlich an Fahrt verliert, aber wie ihr schön mit dem Beispiel Großbritannien gezeigt habt im Energiesektor zu deutlichen Reduktionen führt. Auch durch Einbezug des Luftverkehrs wäre Lenkungswirkung zu erwarten. Es stört zwar unser Bild wie Umweltfreundlichkeit aussieht, eine fairere Bepreisung von CO2 würde einer schnellen und Effizienten Reduktion von Emissionen aber sehr zugute kommen.

    4) Vorschläge der Kohlekommission und Arbeitsplätze als Argument
    Arbeitsplätze waren ein großes Argument für eine Zukunft der Kohleverbrennung in Deutschland. Tätsächlich finde ich ist ein größerer Verlust in ohnehin schwachen Regionen politsch nicht zu unterschätzen. Dennoch möchte ich dieses Argument mit einem Zahlenbeispiel relativieren:
    Die Anzahl vorzeigtiger Todesfälle durch Kohleverbrennung in Deutschland wird von Greenpeace mit 3100 pro Jahr angeben [4], andere Quellen gehen auch von mehr als 1000 aus.
    Das macht bei einem Weiterbetrieb bis 2035 also mindestens 15 000 weitere Todesfälle. Dagegen stehen 28 000 Arbeitsplätze [5] in Kraftwerken und Tagebauen. Welch ein Irrsinn! Nicht, dass ich solche Rechnungen für ein gutes Mittel halten würde, ganz im Gegenteil, aber ich finde das Beispiel zeigt, dass die erhaltenen Arbeitsplätze in keinem Verhältnis zu den Schäden stehen.

    [1] Quelle: Rohr, S. – A Techno-Economic Analysis of End of Life Value Chains for Lithium-Ion Batteries from Electric Vehicles
    [2] https://www.teslarati.com/tesla-model-3-batteries-cobalt-volkswagen/
    [3] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/deutsches-stromnetz-chaotische-zustaende-mit-europaweiten-folgen-16263310.html
    [4] https://www.greenpeace.de/themen/energiewende/fossile-energien/3100-todesfaelle-durch-kohlekraftwerke
    [5] https://www.heise.de/tp/news/Kohlekommission-Arbeitsplaetze-Welche-Arbeitsplaetze-4070734.html

  8. Moin,

    ich finde es zwar gut, dass ihr Alternativen zu normalen Benzin-Autos ansprecht, aber es wird mir für meinen Geschmack das Elektroauto, nicht zuletzt durch eure Werbung, zu stark gelobt und in den Vordergrund gestellt.

    In der Sendung Terra X die auf ZDF lief, hat der Physiker Harald Lesch versucht ein bisschen zu relativieren, dass das Elektroauto wahrscheinlich nicht die alleinige Lösung sein kann [1]. Das Video wurde zwar auch stark kritisiert, denn in seiner Beispielrechnung ist die Ladeleistung für die aktuelle Zeit enorm hoch und unrealistisch (er rechnet mit 350kW). Die Kritik gab es in den Kommentaren von Leschs Video, oder auch zum Beispiel in einem Video von “Robin TV Blau” auf Youtube [2]. Die Redaktion von Terra X hat sich auch in den Kommentaren des Youtube-Videos noch einmal zu Wort gemeldet und versucht Missverständnisse zu erklären.
    Insgesamt bin ich aber der Meinung, dass das Deutsche Stromnetz in der aktuellen Form nicht in der Lage, dass alle Menschen elektrisch Fahren. Meiner Meinung nach müssen wir weg von Individualverkehr, und hin zu öffentlichen Nahverkehr. Es ist einfach zu sagen, „dann sollen sich die Leute eben ein Elektroauto holen, und nur noch Ökostrom tanken.“ Aber so einfach ist die Angelegenheit eben nicht. Das Hochloben des Elektroautos als ultimative Lösung sehe ich in diesem Kontext zu vereinfachend, und auch ein bisschen gefährlich.
    Außerdem ist nicht außer Acht zu lassen, dass die Gewinnung von Lithium nicht unproblematisch ist. Auch wenn sich verschiedene Quellen nicht über die benötigte Wassermenge für 1 Tonne Lithium einig sind (ob 2 oder 0,4 Millionen Liter Wasser [1,3]), ist dennoch immer viel Wasser beteiligt und das in der Regel in sehr sehr trockenen Wüstenregionen.

    Noch einmal zu den Berechnungen und der Belastung des Stromnetzes:
    Harald Lesch geht von einer Zukunft aus, in der alle elektrisch fahren und schnelle Ladungen normal sind. Wir haben 50 Millionen Autos in Deutschland. Es wollen 1 Millionen Autos eine Schnellladung mit 350kW gleichzeitig durchführen:
    350kW * 1.000.000 = 350GW [1]
    Das deutsche Stromnetz kann aktuell aber nur 68,5GW liefern, also nur ein Fünftel.

    Robin TV meint, dass man zu Hause aktuell mit 3,7 bis 22kW sein Auto lädt, und solche schnellen Ladungen nur für weite Strecken notwendig sind [2]. Nun hat Herr Lesch aber auch mit einer Utopie, dass alle elektrisch fahren, und nun müsste man klären, wie viele Menschen weitere Strecken am Tag zurücklegen, damit solch eine schnelle Ladung notwendig ist.
    Ich würde noch eine andere, eher konservative Berechnung machen. Nehmen wir an, wir fahren alle elektrisch. Abends stecken 10 Millionen Menschen ihr Auto zu Hause an die Steckdose, und laden es über die Nacht für den nächsten Tag, mit der geringen Leistung von 3,7kW.
    3,7kW * 10.000.000 = 37GW
    Auch bei dieser sehr sehr konservativen Rechnung zeigt sich, dass immer noch die Hälfte der Leistung des deutschen Stromnetzes benötigt würde. In so einer Zukunft würden die Menschen wahrscheinlich schneller laden wollen, und vermutlich würden mehr Autos gleichzeitig an die Steckdose gesteckt werden. Das zeigt, dass ein weiterer Netzausbau dringend notwendig wäre, vor allem unter dem Hintergrund, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien wie Wind und Solar die Netzkapazitäten weiter belasten werden.

    Mein Fazit:
    1. Wir müssen weg vom Individualverkehr.
    2. Elektroautos können zur CO2-Vermeidung helfen, sind aber nicht die Lösung für alles.
    3. Technologien wie Wasserstoffautos sollten weiter in Betracht gezogen werden.

    [1] https://www.youtube.com/watch?v=TswNLBnAPjU
    [2] https://www.youtube.com/watch?v=2DdGlcW0eiY
    [3] https://edison.handelsblatt.com/erklaeren/lithium-aus-lateinamerika-umweltfreundlicher-als-gedacht/24022826.html
    [4] https://www.golem.de/news/co2-emissionen-und-lithium-ist-das-elektroauto-wirklich-ein-irrweg-1907-142336.html

  9. Hallo Ulf & Philip!

    Ich freue mich schon auf die neue Lage und gehöre zu den Hörern, die die Lage möglichst sofort nach dem Hochladen anhört. Es macht jedes Mal wieder Spaß zuzuhören, ganz abgesehen davon dass es auch einfach unglaublich interessant ist.

    Ich schreibe hier für die zukünftige Lage dieses Wochenende (hoffe, das kommt noch rechtzeitig): Ich hatte in der Vergangenheit hin und wieder das Gefühl, dass wenn es um Gewalttaten in Verbindung mit psychischen Erkrankungen geht, ihr für mein Empfinden manchmal ein wenig zu undifferenziert mit den Begriffen umgeht (das ist Meckern auf hohem Niveau und ich spreche nicht von groben Fehlern hier!). Wenn vom Zusammenhang von Gewalttaten und psychischen Erkrankungen gesprochen wird, ohne dass dabei differenziert wird, dass das Risiko je nach psychischer Erkrankung schwankt und dass häufigere Erkrankungen wie z.B. die Depression oder Angststörungen unter Berücksichtigung aller Faktoren das Gewaltrisiko nicht erhöht, dann könnte der Begriff “psychische Erkrankung” undifferenziert in Verbindung mit “Gewaltrisiko” abgespeichert werden und somit zur Stigmatisierung in diesem Bereich beigetragen werden. Dabei reicht ein Nebensatz, dass bei anderen psychischen Erkrankungen als z.B. der Schizophrenie das Gewaltrisiko nicht oder wenn, dann nur minimal erhöht ist und dass es selbst im Bereich der Schizophrenie (oder auch Suchterkrankungen), v.a. wenn sie gut behandelt ist, auch nur teilweise dazu kommt.
    Ich vergleiche das gerne mit dem Migrationshintergrund eines Täters: Da ist es auch wichtig hinzufügen, dass das Gewaltrisiko bei Ausländern / Flüchtlingen nicht oder so gut wie gar nicht erhöht ist, wenn man es mit der jeweiligen Altersgruppe der Deutschen vergleicht. Es wird nur mehr darüber berichtet, daher entsteht bei einigen eine Stigmatisierung im Kopf. Natürlich ist eine psychische Erkrankung aber nicht komplett damit zu vergleichen! Trotzdem kann man mit einem Nebensatz zur Entstigmatisierung beitragen, nochmal: Dabei reicht ein Nebensatz, dass bei anderen psychischen Erkrankungen als z.B. der Schizophrenie das Gewaltrisiko nicht oder kaum erhöht ist und dass es selbst im Bereich der Schizophrenie, v.a. wenn sie gut behandelt ist, auch nur teilweise dazu kommt.

    Wie gesagt, ich freue mich schon sehr auf die neue Lage!

    Quellen: https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/article/926984/psychische-stoerungen-risikofaktor-gewalttaten.html

    https://www.aerzteblatt.de/archiv/202033/Praevention-psychischer-Erkrankungen-Fokus-auf-die-Risikogruppen

    Letzterer geht auch darauf ein, wie man ein Psychoserisiko früh erkennen kann und Prävention betreiben kann.

    • Oh, das habe ich jetzt doch vergessen: Der Klimateil war wirklich richtig gut und so wichtig! Danke, dass ihr dieses Thema regelmäßig aufgreift und euch kritisch mit der Politik diesbezüglich auseinandersetzt!

      • Liebe Sonne (toller Nickname übrigens),
        vielen Dank für Deinen Kommentar, den ich sehr wichtig finde. Eigentlich sollte es mal eine extra Sendung über dasThema geben. Leider auch eine Sache mit der man sich als Gesellschaft nur ungern auseinandersetzen will, wenn man nicht selbst betroffen ist.

        • Haha, danke, ist tatsächlich fast mein Vorname und bin mit dem Namen auf Twitter etc. unterwegs (natürlich nicht als Handle)

          Ich hatte mir auch schon überlegt, ob ich der Lage oder auch dem Medienradio von Philip (was mittlerweile ja eher Gesellschaftsradio ist) einen Interviewpartner ans Herz legen könnte, um mal ausführlicher darüber zu sprechen. Ich weiß nicht, ob du es gesehen hast, aber Philip hat auf Twitter gefragt, welche Frauen ihm als Interviewpartnerinnen ans Herz legen können. Ich habe mal Lena Kuhlmann empfohlen, die Kinder- und Jugendlichentherapeutin ist und das Buch “Psyche? Hat doch jeder” geschrieben hat. Mich würden aber auch WissenschaftlerInnen interessieren, die sich explizit mit dem Thema Stigmatisierung, vielleicht sogar im Zusammenhang mit Berichterstattung in den Medien, beschäftigt haben. Da fiel mir bis jetzt nur Julia Shaw ein, Autorin des Buchs “Böse”, darin geht es zumindest ein wenig darum…

          Du siehst, habe schon etwas mehr darüber nachgedacht, da ich eben auch persönlich betroffen bin. Vielleicht fallen ja dem ein oder anderen noch geeignete Interviewpartner dazu ein, interessant wäre es auf jeden Fall…

        • Ich fände ja einen Bericht von einem/einer Betroffenen super, damit die Stigmatisierung weiter aufgebrochen wird. Wir sind schliesslich nicht alle mega labil und nicht lebensfähig. Als Interviewpartnerin fände ich Dominique de Marné spitze. Sie hat einen super Podcast “Die Psychotanten”, wenn Du das noch nicht kennst.

        • Ja, die kenne ich tatsächlich auch, wollte bald Mal ihr Buch lesen! Ist bestimmt nochmal was anderes, wenn ein/e Betroffene/r eingeladen wird, das stimmt. Ich weiß nur nicht, ob das thematisch in die eher politische Lage passt? In das offenere Medienradio-Format aber schon eher.
          Wobei es ja auch vor Kurzem einen guten Beitrag zum Thema Rassismus gab, also könnte sich das vielleicht auch gut einreihen. Wie auch immer, sich mit dem Thema differenziert auseinanderzusetzen ist wichtig, v.a. wenn es auch politisch, und somit auch in der Lage, regelmäßig um Straftaten geht, die (mal mehr, mal weniger) mit psychischen Erkrankungen zusammenhängen (sollen).

        • Hallo Sonne,
          Du hast Recht mit der politischen Richtung des Podcasts. Darüber habe ich natürlich auch nachgedacht. Wahrscheinlich passt das wirklich besser ins Medienradio von Philipp als in die Lage der Nation. Dennoch fände ich ein Interview sehr spannend. Denn es ist definitiv immer besser miteinander als übereinander zu sprechen. Wie fühlt sich ein Mensch mit einer psychischen Erkrankung, der von den Medien evtl. als gewaltbereites Pulverfass beschrieben wird? Was würde dieser Mensch sich wünschen, damit wir achtsamer miteinander umgehen und nicht alle in einen Topf schmeissen? Und dann wird es schon politisch. Wer weiss denn schon Bescheid wie es in einer Psychatrie abläuft? Wie belastend das für das Pflegepersonal und die Angehörigen ist (von den Erkrankten selbst mal abgesehen)? Finde das gehört auf jeden Fall viel breiter diskutiert und nicht totgeschwiegen.

        • Damit hast du auf jeden Fall recht! Ich glaube, da besteht nochmal ein meilenweiter Unterschied zwischen jemandem wie mir, der 2 Jahre an einer Depression litt (manche sagen, das hat man immer, ich fühle mich so, als sei sie wirklich hinter mir) und jemandem, der Psychosen und Zwangseinweisungen erlebt hat und immer stark betroffen war oder sein wird… Da muss auch ich noch dazulernen, und das am besten nicht nur von unbetroffenen Experten

  10. Lieber Ulf, lieber Philip,

    auch ich möchte noch mein Feedback zum Rassismus-Teil aus der LdN 149 loswerden. Ich finde es extrem wichtig, sich seiner rassistischen Impulse und Vorurteile bewusst zu werden und sich ehrlich damit auseinanderzusetzen. Äußert irritiert war ich allerdings von einer Äußerung fast am Ende der Debatte: “Ich muss jetzt hier auch nicht in großer Zahl Menschen aus Afrika in Deutschland haben”, die einfach so im Raum stehen blieb, ohne sie irgendwie in den Kontext der gerade zuvor stattgefundenen Reflexionen zu setzen. Wie passt das denn aus eurer Sicht zusammen? Der folgende Kommentar, dass Migration “unterm Strich auch positive Effekte habe” hat es für mich leider nicht viel besser gemacht … Würde mich freuen,wenn ihr diese Äußerungen nochmal aufgreifen und kontextualisieren könntet. Viele Grüße, Lena

  11. Hallo Ulf, hallo Philip, hallo an alle weiteren Lesenden,

    ich finde ihr habt die Klimadebatte und den Zustand des Weltklimas mit seinen Umschlagpunkten sehr treffend beschrieben. Wissenschaftlich muss man wohl feststellen, dass wir nicht wissen wann es wirklich ungemütlich wird.
    Mir ist aufgefallen, dass bei der Frage nach der Gerechtigkeit von Maßnahmen zwei Dinge im aktuellen Diskurs leider konsequent übersehen werden. Die Gerechtigkeitsdebatte kreist im Moment darum keinen Bürger zeitnah übermäßig im Geldbeutel zu belasten. Dagegen sollte man auch betrachten, dass nur Maßnahmen die effektiv sind gerecht sind, weil man sonst die Folgen auf die politisch unterrepräsentierte Jugend abwälzt. Bei FFF liegen die Vorstellungen von einem Preis/t(CO2) nicht umsonst bei 180€ (nach UBA) wogegen er in der Regierung eher bei 35€ (ohne Evidenz) liegt. Gerecht wäre es nach dem Verursacherprinzip am Ende nur die Klimakosten leistungsgerecht aus der Rentenkasse zu nehmen, wenn der Klimawandel nicht eingedämmt wird. Dann verrechnet man die eine Generationenverantwortung mit der anderen.

    Der zweite Aspekt liegt bei der Konsumentenverantwortung. Die Regierung setzt immer noch viel auf Freiwilligkeit und hier und da auf einen ‘Anreiz’ (https://www.youtube.com/watch?v=5cVLxnyor4U&list=PLuQE_zb4awhV8JxSNeJzUnHskCx0eyjVj&index=26). Ungerecht ist nur, dass wer sich freiwillig einschränkt, mehr zahlt, ausgleicht etc. den Klimawandel auch für alle abmildert, die es nicht tun und das ohne Ausgleich. Auf der anderen Seite sozialisiert wer sich besonders schädlich verhält seine Klimafolgekosten und -lasten. Gerechtigkeit lässt sich hier nur über verbindliche Regeln einführen, die vermeiden, dass einzelne einen Lebensstil deutlich über Gebühr haben, oder zumindest einen Ausgleich dafür leisten. Auch das gebietet schon einen Preis von 180€/t(CO2). Wenn ich kürzere Strecken bis 1500km auch mal mit dem Rad zurück lege, habe ich keine Lust die Leute die Fliegen damit zu subventionieren, auch wenn Radfahren natürlich viel schöner ist als Fliegen.

    Vielen Dank für all eure geistreichen Einsichten,
    Julian

  12. Lieber Ulf, lieber Philip, hallo an alle Lesenden,

    da ihr in der letzten Lage ausführlich über die Frage gesprochen habt, warum wir uns Trump und Boris antun 😉 möchte ich hier mal etwas teilen, über das ich schon lange nachdenke und das eine Lösung sein könnte.

    Wir haben uns grundsätzlich darauf geeinigt, dass wir uns an Werten orientieren wie denen, die im Grundgesetz oder in der UN-Menschenrechtskonvention verankert sind (z.B. die unantastbare Würde des Menschen oder die Gleichberechtigung), und darauf, dass Demokratie auch Minderheitenschutz beinhaltet. In Anbetracht dessen wäre doch zu überlegen, ob vielleicht an der Spitze von Demokratien auch nur Leute sein sollten, die diese Werte (wirklich, nicht nur zum Schein) vertreten. Offensichtlich ist das im Moment nicht der Fall. Meine Idee ist nun, dass es eine Art Aufnahmebedingung gäbe, um an die Spitze der Demokratie zu kommen, genauso wie es auch für andere Berufe Aufnahmebedingungen gibt (z.B. Sportprüfung bei der Polizei und vieles vieles mehr). Es ist ja eigentlich auch ganz logisch, dass man bestimmte Berufe nur machen kann, wenn man bestimmte Fähigkeiten hat.

    Es gibt eine objektiv und valide messbare Eigenschaft, die, würde man sie für politische Entscheidungsprozesse nutzen, aus meiner Sicht dazu beitragen würde, dass an der Spitze nur Leute sind, die diese Werte vertreten. Es handelt sich um ein Mindestmaß an Ich-Entwicklung.

    Es gibt in der Psychologie zahlreiche mehr oder weniger bekannte Entwicklungsstufenmodelle, die sich mit der Entwicklung von verschiedenen Facetten des Menschen beschäftigen. Grundaussage all dieser Modelle ist, dass sich Entwicklung in Stufen abspielt. Die Stufen bauen aufeinander auf, d.h. dass, um z.B. die Stufe 4 zu erreichen, zuvor die Stufen 1, 2 und 3 durchlaufen werden müssen. Eine Person auf Stufe 4 kann sich – jedenfalls im von mir gleich vorgestellten Modell – (im Allgemeinen) an die vorhergehenden Stufen erinnern, hat aber erkannt, dass diese Stufen, nun… irgendwie unvollständig und nicht so reif sind. Umgekehrt geht das natürlich nicht, denn auf Stufe 2 kennt man einfach Stufe 4 noch nicht und kann sich das auch nicht, oder nur schwer, vorstellen.

    Eines der bekanntesten Entwicklungsstufenmodelle ist wohl dasjenige von Piaget, das sich mit der kognitiven Entwicklung von Kindern beschäftigt. Ebenso bekannt dürfte das Modell der moralischen Entwicklung von Kohlberg sein. Verschiedene Personen, unter anderem Susanne Cook-Greuter, beobachteten nun, dass die Entwicklung mit dem Erreichen des Erwachsenenalters nicht zwangsläufig endet. In ihrem Modell beschäftigt sie sich also hauptsächlich mit der Entwicklung Erwachsener. Es gibt horizontale und vertikale Entwicklung. Horizontale Entwicklung beinhaltet z.B. Wissenserwerb. Vertikale Entwicklung ist die Fähigkeit zur erweiterten Perspektivübernahme.
    Grob gesagt kann man ganz am Anfang (als Säugling) nur sich selbst wahrnehmen, dann lernt man, dass es ein Gegenüber gibt und kann sich irgendwann in dessen Perspektive versetzen, dann kann man aus einer dritten Perspektive quasi von außen beobachten, dass gerade eine Kommunikation zwischen zwei Personen (einem selber und dem Kommunikationspartner) stattfindet usw.
    Entsprechend verändern sich mit dem Schreiten von Stufe zu Stufe das Weltbild und die Werte, und damit auch die Umgangsweise mit sich und der Welt. Ab einer gewissen Stufe sieht man zwangsläufig, dass es sinnvoll bzw. gut ist, Dinge so zu entscheiden, dass dabei Menschen und andere Lebewesen nicht kaputt gehen.

    Das Modell ist nicht Mainstream in der Psychologie, ist aber wissenschaftlich gut erforscht und auch tatsächlich valide und überprüfbar (obwohl es, je nachdem, wer davon berichtet, zunächst etwas esoterisch anmuten mag).
    Es gibt dazu auf Youtube einige Videos (auf englisch), in denen Frau Cook-Greuter die jeweiligen Stufen erläutert: https://www.youtube.com/watch?v=nxou856WnSE&list=PLqnkzUGD6P46Nj8w7oZrkIm8WZtuQN5Nf&index=2
    Ich empfehle, direkt bei „Stages 1 & 2“ zu beginnen – ihr werdet sehr schnell einen Herrn Trump wiedererkennen 😉
    Eine deutsche schriftliche Zusammenfassung findet sich hier: https://www.integralesforum.org/images/01_Medien/Aufbauwissen/9-Stufen-Selbstentwicklung.pdf
    Einen guten und sehr ausführlichen Überblick über den Forschungsstand gibt Thomas Binder in seiner Dissertation „Ich-Entwicklung für effektives Beraten“, die in Buchform erschienen ist. (Und, wer sich dafür interessiert: Frederic Laloux hat in seinem Buch „Reinventing Organizations“ die Entwicklungsstufen auf Organisationsformen übertragen. Sehr interessant aus meiner Sicht.)

    Es gibt ein Instrument, mit dem man die Ich-Entwicklung, und somit – aus meiner Sicht – die Eignung für einen politischen hohen Posten messen kann. Man könnte also einen Cut-Off-Wert bestimmen, ab dem man für diesen Job geeignet ist und dann allen angehenden z.B. BundeskanzlerInnen und MinisterInnen, vielleicht sogar allen, die für den Bundestag kandidieren, den entsprechenden Test vorlegen.

    Mir ist völlig klar, dass das unglaublich kontrovers ist. Die Frage ist, ob es umsetzbar wäre (im Moment wohl eher noch nicht, vermutlich braucht es erst noch ein Stück gesamtgesellschaftliche Entwicklung) und ob es demokratievereinbar wäre. Ich bin mir außerdem ziemlich sicher, dass dieser Vorschlag viel Widerstand auslösen kann und wird, weil einige sich angegriffen fühlen könnten (obwohl es darum überhaupt nicht geht) und, sollten sie auf einer eher niedrigen Stufe sein, das vielleicht nicht verstehen könnten. Deshalb: Ganz ganz wichtig ist mir zu betonen, dass es hierbei nicht um Wertung geht. Niedrig bedeutet einfach nur, dass man die entsprechenden Perspektivwechsel (noch) nicht gelernt hat. (Zudem ist jeder von uns auf einer „niedrigen“ Stufe, denn es gibt immer noch weitere, die wir noch gar nicht kennen.) Niemand würde bei einem Kind sagen es ist schlecht, weil es noch nicht laufen kann oder so. Es ist einfach auf einer bestimmten Entwicklungsstufe. Genauso ist das bei Erwachsenen auch. Es ist einfach nur eine Aussage darüber, wie Menschen die Welt sehen und sehen können. Es ist an sich nicht schlechter, wenn man etwas nicht kann. Es ist nur allerdings in bestimmten Positionen ungünstig.

    Wie gesagt, ich halte meinen Vorschlag selbst für kontrovers. Ich glaube nur halt, dass die Umsetzung dazu beitragen würde, dass es uns allen besserginge. Und das ist vielleicht ein Argument, ernsthaft darüber nachzudenken.

    Ich wünsche mir eine Welt, die von Menschen auf der postkonventionellen Stufe regiert wird – zum Wohle aller.

  13. zur Klimakrise:

    Mittlerweile ist deren Dringlichkeit sogar in den Mainstream-Medien angekommen. Täglich gibt es neue Artikel, die seriöse Studien zitieren und einordnen, so wie ihr es auch in dieser Folge getan habt. In Deutschland wird sich kaum jemand finden lassen, der die Klimakrise leugnet – schon gar nicht unter den Lage-Hörer*innen.

    Deswegen muss nun aber ein neues Narrativ her. Die Zeit titelte kürzlich: “Die Apokalypse ist auserzählt.” (lesenswert: https://www.zeit.de/kultur/2019-07/klimakatastrophe-apokalypse-weltuntergang-hysterie-erderwaermung/komplettansicht)

    Es ist leicht, angesichts der bereits in Gang gesetzten, teilweise irreversiblen Veränderung des Klimas in Apathie zu verfallen. Wir dürfen jetzt kein Gefühl der Machtlosigkeit aufkommen lassen! Deswegen würde ich mir wünschen, dass ihr in künftigen Beiträgen auch positive Botschaften sendet, die trotz des unbestritten dramatischen Ausblicks ermutigen, statt zu beunruhigen.
    Lesenswert hierzu Welzer: https://www.stern.de/panorama/gesellschaft/sozialpsychologe-harald-welzer–die-vision-einer-besseren-welt-8592078.html

    Viele Grüße
    Eva

  14. Lieber Ulf,
    ich fand die Aussage „…Menschen werden Ihr Verhalten ändern müssen […] vielleicht nicht mehr jedes Jahr nach Bali fliegen.“ Sehr bezeichnend für die Moralisierung Debatte.

    Nur durch einen Nebensatz, wird – ähnlich wie bei der Rassismus Debatte – eine gewisse Gruppe angesprochen, die symbolisch für klimaschädliches Verhalten steht. Ähnliche Äußerungen kamen auch bezüglich der Pendler.

    Dabei wird impliziert, dass das Verhalten dieser Gruppe besonders schlimm für das Klima ist. Fakt ist aber, dass fast jeder die 2 Tonnen, die wir pro Nase ausstoßen dürften, überschreitet.
    Warum fangen wir nicht an, uns selbst schonungslos zu hinterfragen. So habt Ihr es beim Rassismus gemacht, fand ich super! Damit wird dann eigentlich fast jedem Deutschen klar, dass er oder sie Teil des Problems ist. Es wird jedem weh tun!

  15. Schön, dass das Thema Klimaschutz dieses Mal etwas detailierter diskutiert worden ist!

  16. “Schröpfen wir Amazon!”

    Ist das euer Ernst? Denkt Ihr, dass ist der richtige Weg für euch? Glaubt Ihr nicht, dass Ihr damit eurer Glaubwürdigkeit und Integrität schadet?

      • Hey Ulf, muss man Dir wirklich erklären, warum Amazon ein fragwürdiges Unternehmen ist, das man, bei allem Bemühen um ethisch korrektes Verhalten, wahrlich kaum unterstützen kann? Glaub ich nicht…
        Amazon ist nach Möglichkeit zu vermeiden. Buy local – wenn du morgen noch eine lebenswerte Innenstadt mit Einzelhändlern, die ihre Mitarbeiten nach Einzelhandelstarifen bezahlen, haben möchtest. Um nur mal einen bescheidenen Grund zu nennen. Gibt noch mehr, aber ich habe auf dieser Seite von Ockhams Rasiermesser erfahren und will es deshalb mal dabei belassen.
        So einfach ist das!

      • Klar, nur unterstützen wir die ja auch nicht, sondern ihre Kundinnen und Kunden uns.

        • Ach so. „Wir sagen zwar nicht, dass es gut ist bei Amazon zu kaufen, aber wenn ihr es sowieso macht, dann unterstützt das nebenbei auch die Lage“. Auf diesen feinen gedanklichen Unterschied war ich bislang nicht gekommen. Wieder was gelernt!
          Ich glaube, ich schließe endlich mal ein Abo ab, um euch zu unterstützen!

        • Ja genau, deswegen schreiben wir auch “schröpfen”, was jetzt eher nicht übermäßig freundlich in Richtung Amazon ist ;)

          Über ein Abo freuen wir uns natürlich!

  17. Lieber Philip, lieber Ulf,

    zunächst einmal ein großes Dankeschön für diesen – wie ich finde – sehr wertvollen und inspirierenden Podcast. Es tut gut, Euch beide auf eine “fruchtbare” Art und Weise über aktuelle politische Themen diskutieren zu hören und ich nehme für mich vieles daraus mit.

    Beim Hören des Teils zum Thema Nachhaltigkeit und Klimawandel in dieser Folge kam mir eine Idee, die ich Euch gerne nahelegen möchte:
    Ich denke, dieses Thema ist eines, das viele Lagehörer insofern auch auf einer persönlichen Ebene beschäftigt, als dass sich viele die Frage stellen, was ihr persönlicher Impact in puncto Klimawandel ist und was man selbst in seinem Alltag ganz konkret tun kann.
    Natürlich ist den meisten vermutlich bekannt, dass Fliegen schädlich ist und, dass man vielleicht nicht unbedingt zu jeder Plastiktüte greifen sollte, um sie im nächsten Moment wegzuwerfen. Doch ist Verhaltensänderung, von einer motivationspsychologischen Perspektive aus betrachtet, sehr kostenintensiv und ansträngend, was eine Fokussierung auf bestimmte Punkte notwendig macht, damit Verhaltensänderungen nachhaltige Wirkung erzielen kann. Die Frage ist, welche sind hierbei die ökologisch, aber psychologisch sinnvollsten Punkte? Gibt es hierzu eine Art Guideline, auf die man sich stützen kann?

    Dr. Michael Bilharz, Experte für „Nachhaltige Konsumstrukturen“ im Umweltbundesamt und Autor des Buches „”Key Points” nachhaltigen Konsums: Ein strukturpolitisch fundierter Strategieansatz für die Nachhaltigkeitspolitk“ wäre m.E. ein bestens geeigneter und sehr spannender Interviewpartner zu eben diesem Thema. Ich denke, er kann wertvolle Orientierung darüber geben, welchen Impact welche Maßnahmen tatsächlich haben und auf dieser Basis Input zu der Frage, welche die “Big Points” sind, auf die sich der einzelne Bürger im Alltag fokussieren kann und sollte.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr – sofern auch Ihr diesen Vorschlag für sinnvoll erachtet – einen Teil einer Podcast-Folge diesem Thema mit Herrn Bilharz als Experten widmen würdet, um den Lage-Hörern eine fundierte Guideline nachhaltigen Verhaltens / Konsums an die Hand zu geben.
    Was meint Ihr?

    • Das klingt nach einer echt guten Idee – ich kenne den vorgeschlagenen Interviewpartner nicht, aber ein Interview zu dem Thema würde sich meiner Meinung nach gut in die Lage passen!

  18. Die UKIP wurde nicht aufgelöst, sondern hat einen massiven Rechtsruck hinter sich. Farage hatte sich erst zurückgezogen, dann übernahmen die Rechtsextremisten die Partei und als sich dann der Brexit verzögerte, ließ Farage die Brexit-Partei gründen, übernahm sie kurz darauf und hat sie dann zu den Wahlerfolgen geführt, die denen der UKIP vor einigen Jahren ähnelte.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Brexit_Party

  19. Ich denke, ein Großteil der Aufregung um Libra rührt daher, dass es (ich vermute vor allem aus Marketinggründen) als Währung promotet wird, wo es mir dann doch am Ende sehr ähnlich zu PayPal (die als Zahlungsdienstleister auftreten) ist: Ein großes Internetunternehmen (FB oder Ebay) erlauben Dir, am einen Ende Geld einzuzahlen, das dann irgendwo am anderen Ende rauskommt. Und am liebsten ist es ihnen, wenn man das Geld am Ende nicht rausholt, sondern im System belässt, um es dann selber bei der nächsten Zahlung virtuell weiter zu transferieren. Und ja, da gibt es Probleme, aber die sind bei PayPal identisch: Man macht einen Monopolisten noch größer, man stellt ihnen in großem Umfang Einlagen zur Verfügung, es steht erstmal dem Unternehmen frei, Konten einzufrieren und so Auszahlungen zu verhindern (ein immer wiederkehrender Vorwurf bei PayPal) und das von Euch erwähnte Datenschutzprobleme. Aber alles erstmal nichts neues. Es gibt Probleme, aber es braucht auf dringend eine einfache internationale Bezahlmöglichkeit im Internet, Überweisungen kosten schnell Unsummen, wenn sie Währungswechsel beinhalten und/oder aus dem Sepa-System rausgehen, Western Union mindestens so viel und Kreditkarten haben ihre eigenen Probleme (und gehen halt nicht privat zu privat).

  20. Hallo zusammen,
    erst einmal danke für euren Podcast, ich war schon etwas auf „Entzug“ ;-)
    Klimawandel: Was auch mich immer stört, ist die Annahme, wenn man nur das alte Auto gegen ein E-Auto austauscht, ist alles in Ordnung. Die Politik freut sich denn auch, dass sie weiter einseitig die Autokonzerne fördern kann, statt die Mittel wirklich umzuverteilen auf ÖPNV, Ausbau des Radverkehrs, etc.. Die Hintergründe der Herstellung werden hier genannt (wurde hier bestimmt schon erwähnt):
    https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/kann-das-elektro-auto-die-umwelt-retten-100.html
    Ich lebe im Rheinland, habe ein Jobticket, aber selbst hier fahre ich manche Strecken mit dem Auto, weil ich mit dem ÖPNV 5x so lang bräuchte (auf dem Land ist das noch schwieriger, das verstehe ich).
    Hier gäbe es aber auch Lösungen: mit anderen zusammen fahren, etc. Wenn jede/r sich mal ganz intensiv an die eigene Nase packen würde und konsequenter handeln würde, wäre uns schon viel geholfen.
    Ganz viel könnten auch Städte unternehmen, denen aber oft das Geld fehlt,
    z.B.
    https://www.strasse-zurueckerobern.de/geschichten/fuer-jede-strasse-ein-lastenrad/
    – ÖPNV-Tarife so vereinfachen, dass sie jede/r versteht und so steuerlich unterstützen, dass es nicht jedes! Jahr teurer wird, wie hier im Rheinland.
    – bei Ausschreibungen auf Klimaschutz achten

    Ein Thema, was ihr auch mal beleuchten könntet, wäre die Umweltbelastung durch die Nutzung des Internets.

    Viele Grüße
    Kirstin

  21. Lieber Philip, lieber Ulf,
    danke für Eure Arbeit und den tollen Podcast, den ich nun schon eine Weile verfolge. Ich finde Eure Berichterstattung und vor allem die Hintergrundinformationen und Gedanken immer sehr interessant und anregend.
    Als ich heute Morgen angefangen habe, Eure neueste Folge zu hören, konnte ich mir, bei Eurem Aufruf Mordankündigungen in einer Kneipe unbedingt der Polizei zu melden, ein Brauen Hochziehen nicht verkneifen. Das grundlegende gesellschaftliche Problem an jeglichen radikalen Bewegungen ist doch, dass jede Gruppe sich in ihrer eigenen Blase befindet. Sowie Lage-Hörer.innen wohl eine bestimmte Gruppe Menschen sind, die in der Regel nicht mit Menschen in Kontakt kommen, die solche Mordäußerungen tätigen würden, kommen Menschen wie der Täter in dem geschilderten Fall wohl vor allem mit Menschen in Kontakt, denen solche Aussagen nichts ausmachen oder sie unterstützen. Ich finde Euren Aufruf sehr wichtig und unterstützenswert, doch ist er vielleicht nicht an die richtige Zielgruppe gerichtet.
    Daran anknüpfend eine generelle Frage, die ich mir selbst immer wieder stelle: Wie kann man dafür sorgen, dass sich die Blasen überschneiden? Wir werden durch soziale Kreise, Algorithmen auf Facebook, Twitter und co., Zeitungen, die wir lesen, Freunde usw. immer nur auf ähnliche Meinungen und Informationen, die uns interessieren, gebracht. Doch wie sorgt man für einen Austausch von einer/m “white supremacist” mit einer/m Antifa-Aktivistin/en? (Entschuldigt die Überspitzung!) Oder wie bringt man jemanden, der tatenlos in dieser Kneipe saß, Inhalte wie die Lage zu hören und ernst zu nehmen?
    Soweit meine Gedanken zu dieser Thematik… Ich würde mich freuen, wenn Ihr Euch dazu Ideen teilen würdet!
    Danke für Eure tolle Arbeit! Ich freue mich auf Eure nächste Lage-Ausgabe!

  22. Zu Johnson würde ich ergänzen, dass ich ihn eigentlich als einen sehr schwachen Premierminister betrachte. Wie Trump hat er nicht die erforderlichen Fähigkeiten, um erfolgreich zu regieren. Wie Trump hat er signifikante Teile der Medienlandschaft auf seiner Seite (In UK ist das die rechte Presse, gerade Times/Sun (Murdoch), Telegraph (Barclay-Brüder) und Mail). Aber er ist eigentlich kein Massenredner, sondern funktioniert am besten in geschlossener Gesellschaft, und ihm fehlt der Genuss an der Gemeinheit, die Trump zum erfolgreichen Bully macht, sowie die gezielte Schaffung einer umfassenden alternativen Wirklichkeit, zu der sich seine Basis bekennt und in der 2+2=5 (ja, Johnson macht das vielleicht in Bezug auf die EU aber bei Trump ist das viel umfassender und beinhaltet Dinge, z. B. Anzahl Zuschauer bei der Vereidigung, die gerade nicht für Sachthemen relevant sind). Seine Tollpatschigkeit mag in kleineren Jobs vielleicht (gerade in der britischen Kultur) liebenswürdig wirken, aber in diesem wird sie ihm schnell schaden.
    Eine auffällige Meldung war, dass Johnsons Top-Berater in Downing Street ein Dominic Cummings wird. Das war der führende Kopf der Leave-Kampagne und gilt als brilliant sowie skrupellos, er sucht wie Trump die Spaltung als Mittel zur Macht. Mein Tipp: Johnson wird schnell zur Marionette von Cummings. Vielleicht gelingt es Cummings und den milliardenschweren Presse-Baronen, das no-deal-Brexit durchzudrücken, aber Johnson selbst wird am Ende eine ärmliche Figur abgeben.

    • Die Tollpatschigkeit und Planlosigkeit ist zum großen Teil inzeniert, und sollen ihn harmlos und sympatisch erscheinen lassen. Der gemeine Wähler soll seine Herkunft vergessen, und seine politischen Konkurrenten bzw. Gegner sollen ihn unterschätzen. Wenn man sich mal ein wenig mit der britischen Berichterstattung beschäftigt (BBC, Channel4 etc.) stößt man immer wieder auf entsprechende Episoden und Berichte. Wenn er nicht wüsste was er tut, wäre er nicht da wo er heute ist (Trump war bei seiner Wahl Quereinstiger, Johnson seit 18 Jahren Berufspolitiker).

  23. Lieber Philip, lieber Ulf,

    ich finde, ihr macht es euch beim Thama CO₂-Abgabe etwas zu einfach.
    Eure Annahme, dass vor allem Einkommenschwache von einer Auszahlung der Abgabe an alle profitieren, scheint mir etwas zu kurz gedacht.

    Dazu gab es neulich einen recht interessanten Artikel in der ZEIT:
    https://www.zeit.de/2019/24/co2-steuer-soziale-gerechtigkeit-kohlendioxid-emissionen-umweltschutz-klimaziele

    Fazit dort:
    ======
    “Die CO₂-Steuer bewirkt also eine Umverteilung: vom Land zur Stadt; von Öl-Heizern zu Pellet-Fans; von Singles/Paaren/Alleinerziehenden zu Familien. Dass besonders die Einkommensschwachen profitieren, ist unwahrscheinlich.”
    ======

    Ich würde mich freuen, wenn ihr dieses Thema noch einmal genauer beleuchtet.
    Welche Abgabe/Auszahlungs Modelle stehen derzeitig zur Diskusion? Was sind die Vor/Nachteile und Konsequenzen? Welche Parteien bevorzugen welche Modelle? Was wollen die Grünen eigentlich? Habt ihr vielleicht eigene Ideen wie ein “sozial gerechtes” Modell aussehen könnte?

    Das würde ich wirklich sehr interessant finden.

    Beste Grüße,
    Felix

    • Hallo Felix,

      den Zeit- Artikel habe ich auch gelesen. Für mich blieb unklar, ob darin auch indirekte CO2-Kosten betrachtet wurden. Konkret: Menschen mit hohem Einkommen habe regelmäßig auch einen hohen Konsum. Die Waren und Dienstleistungen, die konsumiert werden, werden durch einen CO2-Preis auch teurer, weil entlang der Produktionskette dieser Waren/Dienstleistungen auch an vielen Stellen geheizt oder transportiert wird. Das belastet gerade diejenigen, die viel davon konsumieřen, und verschiebt das Gleichgewicht doch zugunsten der Geringverdienenden

  24. Hallo Philipp, hallo Ulf,

    Vielen Dank, dass ihr das Thema der Klimaproblematik gleich diese Woche aufgegriffen habt und gleich noch viele Beispiele angeführt.
    Zum Thema Permafrostboden in Sibirien hier noch ein Artikel, der beschreibt, was dort momentan schon passiert und was die Auswirkungen des Schmelzens sind:
    https://www.srf.ch/news/international/waermerer-boden-in-sibirien-das-auftauen-des-permafrosts-verursacht-loecher-in-den-strassen
    Es gibt also schon Erfahrungen, was ansatzweise in solchen Situationen passiert und gibt einen Eindruck, was die Menschen, die dort (evtl. nicht mehr lange) wohnen, in der Zukunft erwarten wird.

  25. Hallo Philipp und Ulf,

    gestern traf ich durch die Arbeit Martin Kolek, einen Traumatherapeuten, der u.a. mit Carola Rackete auf der Seawatch gedient hat – allerdings nicht bei ihrem letzten Einsatz. Angeregt durch die vorletzte Folge diskutierte ich das Thema Seenotrettung. Seine Argumente waren grob zusammengefasst:

    Viele Flüchtlinge wissen gar nicht genau, was sie tun. Sie sind irgendwann in dem Flüchtlingsstrom, werden von Schleusern bedrängt das maximal Mögliche an Geld von ihrer Familie zuhause per Smartphone zu organisieren und dann ohne Vorankündigung in überfüllte Boote ohne Crew und Ausrüstung gesetzt, die für das Mittelmeer zu klein sind. Es ist also weniger eine bewusste Entscheidung für oder gegen Überfahrt, weil die Wahlmöglichkeiten und Informationen fehlen, als ein das Ergebnis von (sozialem) Druck. Die Aussicht auf Rettung ist demnach überhaupt kein Argmuent, das überlegt wird. Den Worten entnahm ich auch, dass die von Seawatch und Co geretteten Flüchtlinge wohl eher ein Tropfen auf dem heißen Stein sind.
    Ein weitere These war, dass das Mittelmeer mittlerweile so gut überwacht ist, dass es bestimmten Akteuren wie der ital. Küstenwache möglich ist, jedes Schlauchboot zu orten. Hilfe wird dennoch nicht ausgeschickt, was teils durch ein paar vorgeschobene jurisitsche Argumente begründet ist. Dahinter steckt u.a. der Frust mit der Flüchtlingsthematik von Europa alleine gelassen zu sein.
    Weiterhin setzt er sich dafür ein, dass es auch einen europ. Verteilungsschlüssel für Mittelmeerleichen gibt.

    Ich fand es nochmal sehr spannend und habe ihn als sehr reflektiert erlebt. Er wäre auch gerne bereit ein Interview zu geben, wenn ihr das wünscht: kolek@klangenfenster.de . Er ist zwar keine Frau, aber intressant wäre es dennoch.

    Viele Grüße

    Benedikt

  26. Hallo Ulf,
    hallo Philip,

    einige Gedanken zum Thema Waffen….

    Erstmal zur Grundsätzlichkeit:
    [ZITAT] Waffen sind nur für eins gemacht: Zum töten [ZITAT], kommt auf den Benutzer an, in der Hand eines Soldaten ist das vermutlich so, in der Hand eines Sportschützen ist es ein Sportgerät und sicher nicht so.
    Ein anderer Gedanke, ein Küchenmesser ist auch eine tödliche Waffe, ist damit jede Hausfrau/mann ein potenzieller Attentäter?

    Das Attentat das diese Diskussion ausgelöst hat wäre problemlos mit einem Messer, Bogen oder einer Armbrust verübbar gewesen, was alles frei zugängliche Geräte sind.
    Es ist einfach, sich auf die schon stark reglementierten Sportschützen zu stürzen als das Thema von Philip mit der Zivilcourage in den Mittelpunkt zu stellen.

    Ein ketzerischer Gedanke:
    Ein Amoklauf ist Medientechnisch viel lukrativer als eine Meldung über Zivilcourage. Hier zwei fiktive Schlagzeilen:
    “Sportschütze tötet Eritreer nach Ankündigung in einer Bar” (1. Seite)
    “Bar Besucher verhindern Amoklauf” (Lokalteil)

    Ich lebe in der Schweiz, hier ist besonders auf dem Land in jedem 3. Haushalt ein Sturmgewehr zu finden. Das liegt an der Organisation des Wehrdienstes führt aus meiner Wahrnehmung aber nicht zu mehr Missbrauch oder Tötungsdelikten.

    Hoffentlich kann ich mit dem Kommentar den Diskurs breiter machen.

    Gruss aus den Alpen.

    • > Ein anderer Gedanke, ein Küchenmesser ist auch eine tödliche Waffe, ist damit jede Hausfrau/mann ein potenzieller Attentäter?
      Zweck Küchenmesser: Dinge schneiden
      Missbrauchspotential: Klar, ist gegeben. Aber jemandem ein Messer in den Körper zu stechen, ist aber wohl schwieriger auf > 1 Meter.

      Zweck Waffe: Töten
      Missbrauchspotential: Wird noch mehr benutzt zum töten ;) Muss nicht einmal missbraucht werden um Menschen in einer Entfernung von > 1 Meter zu verletzen.

      Aber ja, Waffen sind Grundsätzlich kein Problem, genau :D

  27. Hallo ihr Beiden.
    Ich verfolge euch auch schon seit geraumer Zeit. Ein Thema was mir sehr am Herzen liegt ist die E-Mobilität. Vorneweg: ich bin ein Befürworter.

    Ihr sprecht in euren Podcasts oft darüber und insbesondere in dieser Folge wieder. Die Elektromobilität wie sie aktuell vom Technischen Stand her ist, ist ja eine mittlere Katastrophe für Mensch und Umwelt. Lithium und andere seltene Erden werden unter Menschenverachtenden Bedingungen und mit riesigem Energieeinsatz abgebaut. Je nach dem wen man frägt wird dabei auch Wasser ohne Ende verschwendet und so weiter und so fort. Der Strommix ist noch nicht so weit und kommt größtenteils aus Kohle.

    Mein Argument dagegen ist immer, wenn man das nicht in Kauf nimmt, kommt die E Mobilität nie in Schwung. Wenn sie auf der Straße ankommt entsteht Infrastruktur. Damit entsteht Nachfrage. Und erst mit großer Nachfrage wird an besserer Akkutechnik intensiv genug geforscht. Der Strommix wird besser werden, aber es dauert eben noch. Lieber jetzt die Emobilität mit Nachteilen auf die Straße bringen, dafür ist sie dann etabliert, wenn der Strommix passt.

    Wenn ich es verpasst haben sollte und ihr darauf schonmal eingegangen seit, entschuldige ich mich gleich vorneweg. Ich würde mir wünschen, dass ihr diese Thematik auch mal aufgreift. Emobilität notwendig, weil Planet und so, aber Emobilität muss eben auch in die richtige Richtung gelenkt werden. Es muss genau hingeschaut werden, woher kommt das Lithium (Fairtrade-Lithium ;)?), was für Strommix bezieht der Ladesäulenbetreiber usw und so fort. Wie ist der Stand der Forschung zu Li-Ion Alternativen?

    Macht auf jeden Fall weiter so!
    Grüße
    Martin Weber

  28. Hallo lieber Ulf und Philip, ich höre euch schon fast von Folge 1 und kann mich auch nur herzlich bedanken mit welcher Mühe ihr diesen podcast betreibt! Eure persönlichen Einschätzungen finde ich auch immer interessant. Ich würde euch gerne eine Folge des Podcasts Mission Energiewende nahelegen und zwar: Klima und Sprache, vom 09.07.2019, kann man auch nachlesen. Gerade für Journalisten und Menschen mit medialer Reichweite ist dies von hoher Relevanz. Vermutlich habt ihr schon ganz intuitiv viele der Hinweise berücksichtigt.
    Als Themen für nächste Folgen könnte ich mir mal die Landtagswahlen in Brandenburg vorstellen-da fällt mir ein Kandidat ganz übel auf…
    Ansonsten habe ich in der letzten Zeit stark über „das Internet“ nachgedacht. Ich habe das Gefühl, dass wir da momentan an einem Punkt sind, wo all die Vorteile und Freiheiten die sich dadurch bieten/geboten haben beginnen den Nachteilen hinterher zu hängen. Ich meine eine veränderte Gesellschaft. Ein paar Bsp: 1) facebook – Datenmissbrauch in großem Umfang, Filterblasen, Cambridge Analytics- fb verändert Wahlen, unterstützt Hetze und spaltet die Gesellschaft 2) Amazon – angefangen von schlechter Personalführung über unfaire Geschäftsbedingungen, Datenkrake (Alexa&Co), der Unterstützung von ramschigen China Artikeln für paar Cent um den Globus geschifft, dem Postgewerbe bis hin zur veränderten Stadtentwicklung (Einzelhandel) 3) Google 4) darknet …. ich frage mich wie lange wir so weiter machen können und welche Möglichkeiten der Regulierung da sinnvoll wären.

  29. Liebes “Lage-Team”,

    vielen Dank für diese gelungene Folge. Wieder einmal sehr spannende Themen!
    Im übrigen ganz toll, dass ihr eines der dringendsten Themen unserer Zeit, dem Klimawandel, so viele Minuten gewidmet habt. Gerne mehr davon. Ich denke man kann gar nicht genug darüber reden und darauf aufmerksam machen. Auch das zusammentragen der Fakten: Einfach top!

    Nur eine Sache die mir in diesem Zusammenhang schon einige Male aufgefallen ist, würde ich gerne zur Diskussion stellen. Und zwar das Thema E-Mobilität. Es wird immer wieder in euren Folgen angesprochen, als wäre dies das Allheilmittel des Klimawandels.
    Elektroautos (bzw. deren Batterien) sind extrem energieaufwendig in ihrer Herstellung.
    Es werden für die Produktion der Batterien vor allem Lithium und Kobalt verwendet, die beim Abbau z.T. für extreme Umweltschäden sorgen.
    Zudem kann ein Elektroauto immer nur so sauber sein, wie der Strom mit dem sie geladen werden. Und in Deutschland besteht der Energiemix leider noch zum größten Teil aus fossilen Quellen.
    Es gab zu diesem Thema vor einiger Zeit eine interessante ARD Doku. Einige Fakten daraus fasst dieser Artikel zusammen: https://www.focus.de/auto/ueber-elektromobilitaet-tv-doku-entlarvt-das-maerchen-vom-emissionsfreien-autofahren_id_10789038.html

    Und noch ein Gedanke:
    Es wird so viel Raum für Autos in den Städten zugepflastert. Würde man das mal zusammen rechnen
    käme man bestimmt auf eine beträchtliche Fläche für Wohnungsbau oder Grünanlagen um die Artenvielfalt in den Städten zu fördern. Lastenräder beispielsweise könnten Waren transportieren und obendrein die Städter entschleunigen.

    Ich wünsche mir von euch das ihr das Thema vllt. nochmal etwas kritischer betrachtet.

    Ansonsten, weiter so. Vielen Dank für so viele hörenswerte Lage-Folgen!

  30. Hallo ihr beiden,

    Danke für eure tolle Sendung Woche für Woche.
    Mit einem Punkt stimme ich in dieser Woche aber nicht überein. Ich finde schon, dass wir Städter uns in bestimmten Punkten etwas zurückhalten müssen, was die Wahlmöglichkeiten bei der Mobilität angeht. Ich bin selber ein Fahrrad- und ÖPNV-Fahrer und freue mich sehr, kein Auto zu brauchen. Wer aber auf dem Land lebt (und das hilft uns Städtern bei der angespannten Wohnraumsituation auch) mag keinen brauchbaren Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel haben. Und der Umwelt-Vorteil eines Elektroautos mag mir einfach nicht einleuchten, da wohl kaum alle Autos in Deutschland mit erneuerbaren fahren könnten (und die Produktion besonders energieintensiv ist). Damit würde es wahrscheinlich für Menschen auf dem Land auch nicht zu umgehen sein, einen höheren Preis für Mobilität zu zahlen. Wenn diese nun stärker entschädigt würden für erhöte Ausgaben, wäre das nur gerecht und hoffentlich stellen viele am nächsten Bahnhof ihr Auto auf den Parkplatz und setzen sich mit einem extra dicken Portemonaie in die Bahn. Ob das über die Pendlerpauschale funktionieren kann, weiß ich nicht.

  31. Erstmal vielen Dank für euren ausgezeichneten Podcast. Ich lebe seit einiger Zeit im Ausland und mit dem Podcast kann ich auf dem Laufenden bleiben, was so wichtiges in Deutschland und Europa passiert.
    Da ihr das Thema Demokratie und wie man sie bewahren kann angesprochen habt, kam mir die aktuelle politische Situation in Hongkong in den Sinn. Seit vielen Wochen demonstriert eine Bevölkerung, die niemals Demokratie kennen gelernt hat, gegen ihre Regierung (und die Chinas) und für ihre Grundrechte. Wenn ihr ein paar Minütchen in einer zukünftigen Sendung Zeit habt, ich würde mich sehr freuen, wenn das Thema Hongkong aufgegriffen werden kann und die Menschen darüber informiert werden.
    Besonders interessant ist, das die jungen Demonstranten ihre Zukunft riskieren, wenn sie protestieren. Die meisten Demonstrationen sind verboten, viele junge Menschen wurden verhaftet und erwarten Verurteilung (44 Menschen erst gestern) – Wenn China in einigen Jahren übernimmt, werden die politischen Gegner gewiss nicht willkommen sein. Während also in vielen Teilen der Welt freiheitliche Werte in Frage gestellt werden, geht hier eine ganze Generation dafür auf die Straße.

  32. Hallo Ulf, hallo Philip,

    ich fand Eure Gedanken dazu wie Leute wie Trump und Johnson durch demokratische Prozesse an die Macht kommen können sehr gut, und fände es schön, wenn Ihr in der Richtung noch weiter bohren könntet. Einen Artikel der sehr gut zu dem Thema passt ist in der aktuellen Ausgabe von Publik Forum erschienen. (Autor: Hannes Grassegger, Titel: “Die Erschaffung des Bösen”; Link: https://www.publik-forum.de/Politik-Gesellschaft/die-erschaffung-des-boesen )
    Mein Verständnis der Situation ist folgende:
    Trump, Johnson, Netanjahu, (und zu Beginn seiner Karriere auch ) Orban hatten gar keine Mehrheit in der Gesellschaft und haben sie z.T. auch immer noch nicht, aber durch destruktive Kampagnen (d.h. ich habe keine Lösungsidee, aber ich rede den Gegner und seine Idee schlecht, so dass dessen Anhänger nicht zur Wahl gehen und ich meine Anhänger maximal motiviere) schaffen sie es, mehr Zustimmung an den Wahlurnen zu bekommen, als sie eigentlich haben.

    Da bleibt natürlich die Frage, warum Menschen auf diese “Angst”-Kampagnen hereinfallen
    (Frust, dass die etablierten Parteien eh’ nichts für mich tun werden?)
    Gefühl, dass es eh nicht mehr schlimmer werden kann? (Fatalismus, den Status-Quo als selbstverständlich ansehen etc.)
    Gefühl, dass es ungerecht zugeht? (Verteilung von Reichtum, (Nicht-)Besteuerung von Vermögen, Niedriglöhne?)

    Und es bleibt die Frage, wie eine Gesellschaft gegen so einen Nonsens robuster werden kann. (Mehr (staatspolitische) Bildung? Mehr soziale Gerechtigkeit? Öffentlich-rechtliche Medien? Pressefreiheit? Wahlpflicht für ALLE? (Dann würde eine Demotivierung des politischen Gegners nichts mehr bringen))

    Vielleicht gehört es auch einfach dazu, dass “man” als Gesellschaft oder Person permanent mit Herausforderungen konfrontiert ist bzw. sein muss und WILL! (Wohlstand führt zur Selbstgefälligkeit, dann zur Langeweile, zur Geringschätzung des erreichten und schließlich zur Bereitschaft alles aufs Spiel zu setzten, was man hat, einfach nur damit das Leben wieder spannend wird..)

    Viele Grüße,
    Karl

  33. Hallo liebes “Lage-Team”!

    Ein kleiner Kommentar zur Klimadebatte: Ich hatte mich vor einiger Zeit mit einem pensionierten Professor für Klimaforschung (leider weiß ich seinen Namen nicht mehr) unterhalten. Im laufe des Gesprächs erzählte mir dieser dass es bis 2011 in der EU Verhandlungen gab die AKWs zu zentralisieren um so alte und Sicherheitstechnische Kraftwerke außer betrieb zu nehmen und so nur noch wenige aber sichere über die komplette EU verteilt laufen zu haben. Diese Pläne waren laut ihm schon komplett ausgearbeitet und standen kurz vor dem Beschluss als Japan und die anschließende Kurzschlusshandlung passierte.
    Ich komme auf dieses Thema da Greta Thunberg sich ja klar für betreiben von AKWs ausgesprochen hatte und somit meiner Meinung nach die Fridays for Future Bewegung auch dafür steht, was mich wiederum zu den Gedanken bringt wie die Grünen diese Bewegung noch unterstützen können?
    Auch frage ich mich bezüglich der CO2 Debatte, ob die Politik nicht langsam einmal etwas an den Fernbus halte stellen ändern sollte. Ich bin vor kurzem einmal mit einem solchen Bus von München nach Erfurt gefahren. Im laufe der Fahrt hat der Bus selbstverständlich in unterschiedlichen Städten gehalten, doch statt die Haltestellen möglichst am Stadtrand, kurz hinter der Autobahnabfahrt und per S-Bahn, U-Bahn oder Straßenbahn erreichbar zu machen ist der Bus immer mitten in das Zentrum der Städte hinein gefahren. Meiner Meinung nach läuft hier etwas gewaltig falsch!

    • Die CO2 Bilanz von AKWs ist bei weitem nicht so gut wie er manchem erscheint. Bau und Rückbau ist extrem CO2 belastend (Beton ist hier als besondere Treiber genannt). Weiterhin ist die Gewinnung und der Transport von Uran und dem strahlenden Restmüll mit zu betrachten. Von einer Zwischen- bzw Endlagerung ganz abgesehen und den damit verbundenen Risiken.

      Studiehierzu:
      https://www.oeko.de/oekodoc/318/2007-008-de.pdf

  34. Hallo und Guten Morgen!

    Danke für Eure letzte Ausgabe, welche ich wieder mal mit großer Aufmerksamkeit gehört habe!

    Gerade den Teil zum Thema Rassismus habe ich mit tiefer Betroffenheit wahrgenommen.
    Nicht nur, weil Ihr völlig recht habt, sondern weil ich vor ein paar Jahren schon selber
    betroffen war und daraus resultierend von unseren Ordnungsbehörden stark enttäuscht bin.

    Ein kurzes Abriss:

    Ich habe zu Beginn 2016 in meinem Umfeld einen deutlich rechsextremen Menschen entlarvt
    (ehemaliger Partner einer Bekannten (inzwischen getrennt nach der Kenntnis über die Gesinnung
    Ihres Freundes) und diesen nach kurzem Zögern persönlich an die Polizei in meiner Stadt (an das
    entsprechende Kommissariat) gemeldet und sogar ein Aktenzeichen erhalten.

    Ich habe bei diesem Vorsprechen alle mir vorliegenden (und teilweise damals auch öffentlich
    einsehbaren) Hinweise an den Beamten geliefert.

    Darunter waren u.a.:

    Facebook-Likes auf rechten Seiten von Parteien und Bands (verfassungsfeindlich und teiweilse
    zum damaligen Zeitpunkt schon verbotene Bands und Parteien/Organisationen).

    Kaufbelege in Online-Shops aus denen sich die Beschaffung verfassungsfeindlicher Symbole
    und Schriften/Tonträger ableiten ließ.

    Sowie ein “Organigram” der rechten ostdeutschen Szene rund um Cottbus/Chemnitz.

    Etc.

    Diese Meldung verlief leider aus meiner Sicht im Sande, mal abgesehen davon, dass der Beamte
    mich bat, das Aktenzeichen “vertrauten” Personen in meinem Umfeld zu geben, falls meine
    Anzeige/Hinweise bekannt würden (hier wurden aus meiner Sicht also eindeutig Repressalien
    erwartet!).

    Als ich im letzten Jahr davon erfuhr, dass die gemeldete Person sogar den “Vatertag” mit seinem
    Umfeld in Auschwitz beging (wie pervers ist denn eigentlich sowas?!), habe ich mich mit dem
    Aktenzeichen versucht an das Innenministerium des Landes NRW zu wenden. Nach vielen Telefonaten und noch mehr “Ich/wir sind nicht zuständig!” habe ich um Rückruf/Kontaktaufnahme
    mit dem Innenminister gebeten.

    Auch dieser Bitte ist man von Seiten des Ministeriums nicht nachgekommen.

    Eure Podcast-Folge hat mich wieder gedanklich zu diesen Dingen zurückkehren lassen, die Ereignisse von gestern am Frankfurter HBF mich zu dieser Kommentar veranlasst.
    Jeder spricht von den den ausländischen Tätern, jeder von den “Nordafrikanern”, welche im in Schwimmbädern Randale machen.

    Wer redet über die vielen Nazis, die einfach so unter uns leben können/dürfen, ohne dass sich
    nur einer dafür zu interessieren scheint?!

    Und jetzt mal die Preisfrage:

    Wenn ich als “belichteter” Bürger der Mitte schon so über das “Nichtstun” unserer Politik und
    der Behörden denke – Wie soll denn ein “unorientierter” Mensch mit den Pressemeldungen und
    den “Sprücheklopfern” umgehen, die immer sofort da sind, wenn es gegen “Nichtdeutsche”
    geht.

    Ich bin 100% bei Euch – Es gibt eine deutliche Disbalance, ein aktives Wegschauen was den
    braunen Mob angeht!

    Ansonsten auf jeden Fall Danke für Euren unermüdlichen Einsatz, auch dieser Gleichgültigkeit
    und der falschen Fokusierung im Umgang mit Übergriffen und Terror jeder Richtung die Stirn
    zu bieten.

    • Hallo Oliver und hallo an die beiden Lage-Moderatoren,

      deine Gesichte verdeutlicht nochmals etwas vor dem ich inzwischen schon fast ein bisschen von Angst sprechen muss. Denn dieser Wandel der in der Gesellschaft momentan zumindest berichtet wird aber auch vor allem im Internet spürbar ist sorgt bei mir für Kopfzerbrechen. Sind denn Teile der Bevölkerung so ignorant oder so verzweifelt, dass sie ihre Gefühl nur noch durch Hass Kund tun können? Und um ehrlich zu sein, die Masse ist zwar deutlich anderer Meinung aber selbst wenn diese so wie du auch vorbildlich reagiert, ändert es denn im Leben eines einzelnen so viel, dass dieser dann seine Anfeindungen unterlässt? Ich befürchte das schürt eher noch den Hass. Die Frage wie man dem Herr werden kann ist leider so schwierig..

      Danke für den tollen Podcast und bitte macht weiter so!!

  35. Hallo liebe “Lage-Macher”!

    Ein kleiner Kommentar zur Klimadebatte: Ich finde, es ist inzwischen Zeitverschwendung immer noch sogenannte Klimawandelleugner überzeugen zu wollen. Ja, es gibt auch Leute die an die flache Erde glauben. Aber was solls?
    Viel wichtiger ist es dagegen sich mit realen Zukunftsszenarien zu befassen. Und auch da finde ich die deutsche Debatte oft wenig zieflführend. Retten wir das Klima, wenn wir in Deutschland Kurzstreckenflüge verbieten (3% der weltweiten klimaschädlichen Abbgase werden vom Flugverkehr verursacht, der Anteil des innerdeutschen Flugverkehrs ist kaum meßbar). Retten wir das Klima, wenn Großstädter öfter Fahrrad fahren? Großstädter werden dabei höchstens fitter, können sich damit eher vemehren und leben länger, alles eigentlich eher schlecht fürs Klima.

    Warum spricht man nicht mehr über technische Lösungen? Ja, der CO2 Außstoß muß teurer werden, aber dies wird nicht den Flugverkehr reduzieren. Die Leute fliegen nach New York vollkommend egal, ob der Flug jetzt 500 oder 1000 Euro kostet. Menschen wollen neues entdecken, reisen, neugierig sein, sich in andere Menschen verlieben, mit anderen Menschen zusammenarbeiten, usw (also zumindest viele Menschen, von AfD Anhängern mal abgesehen).
    Also müssen die Mehreinnahmen, die man mit der Erhöhung der CO2 Gebühren generieren kann (und sollte) zu 100% in die Forschung und Entwicklung neuer Energiequellen, neuer Antriebe und nicht fossiler Kraftstoffe fliessen (power-2-fuel, etc). Wo ist der deutsche Ingenieur- und Forschergeist hingekommen? Wo ist der Tritt der die Leute vom Sofa hochreißt? Ich würde sogar so weit gehen, dass wir sämtliche Verteidigungsausgaben auf null setzen sollten und dies alles in die Entwicklung von neuen Antrieben stecken müssten (schon mal eine Abgasmessung bei einem Panzer gemacht? Gewusst, dass die US Armee mehr fossile Kraftstoffe pro Jahr verbrennt, wie ganz Skandinavien?). So hätten zum Beispiel Kraftstoffe, die in der Kombi regenerative Engergiequelle + Power-to-fuel Technik hergesstellt werden würden einen wesentlich größeren Einfluß aufs Weltklima, wie ein Verbot deutscher Innlandsflüge, vor allem wenn sie günstiger wie fossiler Kerosin (+ CO2 Steuer) angeboten werden würden. Man könnte sogar soweit gehen, dass man mit der Power-to-fuel Technik mehr CO2 aus der Luft, wie man anschließend wieder verbrennt … wenn man dazu genug Enegrie zur Verfügung hat, also brauchen wir große neue Energiequellen (Erneuerbare Energiequellen + Kernfusion ). Und warum fliessen ind ie Erforschung dieser Techniken nur ein paar läppische Millionen Euro und nicht ein paar Billionen (und zwar deutsche Billionen und keine englischen).

    LG Florian

  36. Hallo zusammen,

    Kurze Anmeldung zu dem verlinkten https://implicit.harvard.edu/implicit/takeatest.html Implicit-Havard-Test: Seit dieses Paper https://www.researchgate.net/publication/308926636_A_Meta-Analysis_of_Change_in_Implicit_Bias heraus gekommen ist ist der Test in der Psychologie eher als kontrovers einzustufen. Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, sondern wurde nur selbst einmal darauf verwiesen, als ich den Test empfohlen habe, also bitte mir der angemessenen Prise Salz verarbeiten.

    BG und danke für die unterhaltsame Folge!

  37. 30. Juli 2019 um 8:52 Uhr
    Verita Severum

    Übrigens sind wir dabei unseren Nato-Beitrag von etwa 40 auf etwa 80 Mrd Euro zu verdoppeln und beteiligen uns demnächst am Konflikt mit dem Iran.
    Stattdessen sollten wir das Geld lieber anders verwenden.

    • Das ist nicht der “NATO-Beitrag”. Der komplette Verteidigungshaushalt umfasst dieses Jahr 38,5 Mrd. Euro und soll nächstes Jahr auf 43,2 Mrd. Euro steigen. Wenn man die von der Bundesregierung geplanten 1,5% des BIP heranzieht, ist für 2024 eine Steigerung auf ca. 60 Mrd. Euro anvisiert, wobei die mittelfristige Finanzplanung das noch nicht hergibt. Wie gesagt, das ist das komplette Geld, das für die Bundeswehr insgesamt ausgegeben wird.

      Und zum Iran hat es bislang erstmal nur einen amerikanischen Aufruf und die britische Idee eines europäischen Beitrags gegeben. Inwieweit Deutschland sich daran beteiligen will und ob das dann ein militärischer Beitrag ist, steht in den Sternen; soweit ich sehen kann hat sich in Deutschland bislang niemand für einen entsprechenden Bundeswehreinsatz ausgesprochen, lediglich der BDI hat die Bedeutung einer funktionierenden Handelsschiffahrt betont.

  38. 30. Juli 2019 um 8:37 Uhr
    Verita Severum

    Hallo Philip, hallo Ulf,

    heute Morgen war ich gleich zweimal schockiert.
    Zunächst von den von euch zusammengestellten Infos zu den Auswirkungen des Klimawandels, der mich natürlich sofort dafür sein ließ, eine CO2-Steuer einzuführen.
    Kurz danach durch den Beitrag auf KenFM (https://kenfm.de/tagesdosis-26-7-2019-sommerhitze-kein-grund-zur-klima-panik-podcast/), der darauf hinweist, dass wir hier geradezu religiös dem CO2 hinterher laufen. Dabei wurde die Frage gestellt, wem das nützt, und ob es wirklich am CO2 liegt.
    Hierzu wurde Rüdiger Rauls zitiert, der unter (https://ruedigerraulsblog.wordpress.com/2019/07/23/aufruf-zur-besonnenheit-keine-co2-steuer/) zur Besonnenheit aufruft und dazu, zu überlegen, was wirklich helfen könnte, statt in Panik zu reagieren, was insbesondere die Politik tue, die sich von FFF unter Druck gesetzt sähe.
    Dieser Beitrag lässt mich wieder an der CO2-Steuer zweifeln.

    Frustrierend daran ist für mich das Gefühl, dass die Diskussionen eher stimmungsgeleitet als faktenbasiert sind. Ich wünsche mir Objektivität und bekomme Lenkungsinformation.
    Ich hätte gerne ein Portal ähnlich wikipedia, das Fakten zusammenträgt und alle Interpretationen und Meinungen dazu darstellt und auch aufführt, was jeweils für oder gegen eine Position spricht.

    In diesem Zusammenhang ist auch der Beitrag über Massenmedien und Propaganda interessant, der letztlich von Noam Chomsky aus dem Jahr 1989 ist (https://kenfm.de/das-propagandamodell-die-politische-oekonomie-der-massenmedien/).

    • Du solltest vielleicht die Auswahl der Medien noch einmal kritisch hinterfragen. KenFM ist eine berüchtigte Fake-News-Schleuder, wo man sich mit Gusto in Verschwörungstheorien suhlt, so offenbar auch hier, mit der schon klassischen Frage „Cui Bono??!?!???!??“ Und irgendwelche bösen Konzerne finden sich halt immer, deren Profitinteressen angeblich dahinter stehen.

      Und ein beliebiger Blogbeitrag von einem unbekannten Blogger scheint mir auch eine Quelle von begrenztem Wert, insbesondere wenn auf der anderen Waagschale die einhellige Meinung der Fachwissenschaften liegt.

      Ich glaube, wir alle müssen Verantwortung übernehmen für den Medien-Mix, den wir uns geben, und dabei auf Qualität im Sinne von Wahrhaftigkeit achten. Sonst ertrinken wir in einer Flut verwirrender Informationen und wissen irgendwann nicht mehr, wo oben und unten ist.

    • Liebe/r Verita Severum,

      Philip und Ulf machen das extrem gut und Deine Anschuldigung ihre Diskussion sei nicht faktenbasiert finde ich echt unfair. Natürlich spielen Emotionen auch eine Rolle – wie denn auch nicht, es geht hier ja schließlich um unsere Zukunft! – aber alles was sie in der aktuellen Lage gesagt haben basiert auf Fakten, ist gut recherchiert und kommt von glaubwürdigen Quellen.

      Das Argument “man muss doch aber beide Seiten betrachten” zieht in diesem Kontext einfach nicht, und es wäre sogar extrem irreführend, die Frage, ob der Klimawandel wirklich so schlimm ist, als kontrovers diskutierte Frage darzustellen. Ich selbst promoviere in Umweltwissenschaften und finde es extrem frustrierend, wenn in Interviews eine Wissenschaftlerin, die das Problem seit Jahren erforscht jemandem gegenübergestellt wird, der/die ein paar Verschwörungstheorien im Internet aufgegriffen hat, und beide Standpunkte als gleichwertige “Meinungen” vertreten werden. Nahezu ALLE wissenschaftler, die sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen sind sich des Zusammenhanges zwischen CO2 und Klimawandel, sowie der Tatsache, dass die Situation wirklich ernst ist, sicher. Natürlich gibt es Meinungsunterschiede und Unsicherheiten, aber die betreffen dann halt lediglich die Frage ob es schlimm, sehr schlimm oder extrem schlimm ist.

      Heißt das, dass wir alles was uns die “Massenmedien” auftischen unkritisch als Wahrheit annehmen sollen? Natürlich nicht! Aber es sind eben nicht nur die Medien, sondern fast alle ernstzunehmenden Wissenschaftler, Forschungsinstitute und Regierungen dieser Welt. Hier bitte ich Dich einfach mal, Okhams Rasiermesser anzuwenden. Was wäre einfacher und mit weniger Variablen zu erklären: Dass ein nachgewiesener physikalischer Effekt Auswirkungen hat die mit unseren Beobachtungen übereinstimmen, oder das sich hundertausende Wissenschaftler, Institute und Medienkongomerate weltweit zusammengeschlossen haben um die größte Verschwörung der Menschheitsgeschichte zu planen, um… was genau zu erreichen? Einen marginal höheren Steuersatz?

      Bei diesem Thema nach einer ausgeglichenen Debatte zu fragen, ist ungefähr so sinnvoll, wie eine Debatte darüber, ob die Erde eine flache Scheibe auf dem Rücken einer fliegenden Schildkröte ist.

      • Lieber Theo,
        ich habe keine Anschuldigung vorgenommen. Ich verstehe zwar, dass mein Wunsch nach einem Info-Portal in diesem Kontext so verstanden werden kann.
        Ein Portal dieser Art vermisse ich aber schon seit langem.

        Mein Beitrag war vor allem Selbstoffenbarung.

        Ich bin im übrigen von der Lage begeistert und schätze vor allem die Darstellung der verschiedenen Perspektiven und Diskussion der Argumente.

  39. Moin Ulf, moin Philip,

    wie immer eine schöne Folge, dafür erst einmal danke.

    Libra: Meiner Meinung nach sollte das nicht verboten werden. Die “Welt” will doch einen “freien” Markt und einen Markt der alles in sich selbst regelt. Aber wenn dann Facebook kommt soll das nicht ok sein?
    Nicht das man mich falsch versteht, ich versuche den Konzern Facebook überall zu meiden wo es geht. Kein Instagram, kein WhatsApp, kein Facebook, etc.
    Aber im Grunde verkaufen sie etwas, das man dann zum weitertauschen verwenden kann. Im Grunde wie jede andere Ware auch.

    CO2:
    Jaja, das gute CO2. Ja, ich denke auch wir müssen ein wenig leiden (auch wenn es unfair ist das unsere Generation es muss, aber hey, so ist es nun einmal).
    Benzinpreise können steigen (ja, auch ich fahre viel Auto, denn ob ich 2 Stunden mit dem Auto brauche für 200km, oder ob ich schon für eine Strecke 2 Stunden brauchen möchte um dann trotzdem nicht am ziel zu sein ist schon ein krasser Unterschied).

    Viel schlimmer finde ich allerdings das Thema Heizkosten. Wie die meisten wohne ich zur Miete. Ich habe keinen Einfluss darauf was für eine Heizung mein Vermieter benutzt. Nun habe ich eine Ölheizung und ICH muss – wenn da was geändert wird – drunter leiden, obwohl ich es nicht ändern kann (ja klar, umziehen :D *lach*), anstatt das Vermieter gezwungen werden die Mehrkosten zu tragen, wenn sie keine modernere Heizung einbauen.
    Als Mieter guckt man doch nur noch in die Röhre.
    Kaufst Du einmal ein Haus, kannst das ewig weiter vermieten, alle kosten auf den Mieter umschlagen usw. und machst Dir ein schönes Leben.

    Sportschützen:
    Puh… ich verstehe ja das man so was machen möchte, so ganz grundsätzlich. Aber wieso muss auch nur EINE Person Privat eine (oder mehrere) Waffen zu Hause haben, nur weil sie im Schützenverein ist? Waffen sind nur für eins gemacht: Zum töten
    Und dazu werden Waffen auch immer wieder verwendet werden.

    Ich bin für eine stärkere Regulierung, BESONDERS bei Menschen in Schützenvereinen (denn dort sind sicher die meisten privaten Waffen zu finden)

  40. Hallo Ulf und Philip,

    Danke für die spannende Episode! Es wurden schon einige Kommentare zu Libra abgegeben. Ich würde gerne noch 2-3 Ergänzungen machen. Ich forsche zu Digitalen Währungen und betreibe auch einen Podcast zu diesem Thema (https://alexanderbechtel.com/podcast/).

    1. Datenschutz und Vertrauen sind ein Problem im Zusammenhang mit Facebook, aber es ist nicht nötig Facebook zu Vertrauen, um Libra nutzen zu können. Es ist nur nötig Facebook zu vertrauen, wenn man Calibra (die Wallet) nutzen möchte. Ansonsten ist Facebook nämlich nur eines von vielen Mitglieder der Libra Association, dessen Einfluss auf eine Stimme bzw. maximal 1% aller Stimmen beschränkt ist. Es steht jedem offen eine andere Libra Wallet zu nutzen, so dass Facebook also sicher keinen Zugriff auf deine Zahlungsdaten hat.

    2. Die Libra Reserve investiert nicht an der Börse. Die Liquidität wird entweder in Form von Bankeinlagen gehalten, oder in sicheren Staatsanleihen investiert.

    3. Die Berechnung der erwarteten Rendite von Phillips und Levine finde ich völlig übertrieben. Sie machen mehrere überzogene bis falsche Annahmen. Bspw. nehmen sie an, dass die Libra Reserve zu 100% in T-bills investiert wird und damit eine Rendite von 2% abwirft. Tatsächlich sieht es so aus, dass nur rund 50% der Reserve in Form von USD gehalten werden und auch nur ein Teil dieser 50% als T-Bills. Der Rest sitzt in USD Bankeinlagen, die überhaupt keine Rendite abwerfen. Die anderen 50% der Reserve fliessen in andere Währungen/Staatsanleihen. Im Vergleich zu T-Bills hat ein Grossteil dieser Staatsanleihen allerdings negative Zinsen, bspw. deutsche und japanische Staatsanleihen. Auf Bankeinlagen in diesen Länder werden oft auch negative Renditen verlangt, v.a. von Grosskunden. Wenn man sich die Reserve als Ganzes ansieht, dann ist der T-Bill also das Investment, das mit Abstand am meisten Rendite abwirft. Der Rest hat oft keine Rendite oder sogar eine negative Rendite. Wenn man das mal durchrechnet, dann kommt man gerade so auf eine positive Rendite, die aber weit von 2% entfernt ist. Wenn man das dann noch mit einer realistischeren Annahme der erwarteten Grösse der Reserve multipliziert, dann reichen die Einnahmen der Reserve gerade um die laufenden Kosten zu decken (zumindest im aktuellen Zinsumfeld).

    4. Es ist übrigens so, dass die Libra Association gar nicht allzu viel Gewinn machen darf, da es sich um eine non-profit Organisation handelt. David Marcus hat auch in den Anhörungen vor dem US Kongress gesagt, man plane keine grossen Gewinne zu machen mit der Reserve. Es gehe hauptsächlich darum die laufenden Kosten zu decken.

    5. Last but not least besteht die Gefahr als ETF/Geldmarktfonds reguliert zu werden, wenn die Rendite der Libra Reserve zu hoch ist. Das würde bedeuten der Libra Coin wird zum Wertpapier und somit unbrauchbar als Währung, da er nur über regulierte Wertpapierbörsen gehandelt werden darf.

    Macht weiter so, ich höre jede Woche interessiert zu! Meldet euch gerne, falls ihr Fragen zum Thema Libra habt.

    Beste Grüsse,
    Alex

    • Hi Philip und Ulf,

      ich hänge mich mal mit meinem Kommentar an den Post von Alex, damit das Thema irgendwie zusammenhängend bleibt.
      Eure Frage zur „typisch deutschen Angst vor Innovation“ würde ich tendenziell bejahen. Ihr habt einige negative Aspekte beleuchtet, die Alex teilweise bereits relativiert und ich würde dem gern noch etwas anfügen.

      a) Es geht ja bei Libra zunächst um überschaubare Transaktionen und gerade nicht darum, den Pkw-Kauf abzuwickeln. Wenn ich also meinen 300EUR-Zalando-Einkauf mit Libra begleiche und vorher mal 500EUR eingezahlt habe, geht die Welt bei Totalverlust nicht unter und – fast noch wichtiger – werde ich deswegen keinen Bankrun starten. Sollte ich dennoch tollkühner weise 100.000 EUR in Libra tauschen und auf diese neue Technologie – warum auch immer – überproportional setzen, ist es schlicht und einfach mein persönliches Risiko verbunden mit einer ökonomischen Entscheidung, für die ich natürlich selbst hafte!

      b) Wie groß ist das Risiko eigentlich? Nun, zur Deckung der Libra hat sich Alex bereits geäußert. Nach dem aktuellen Setup gibt es keinen Grund der Annahme, warum der Wert instabiler als der Wert der unterlegten FIAT-Währungen sein sollte. Ich wage sogar zu behaupten, dass durch eine potenzielle künftige Anpassung des unterlegten Währungs- bzw. Anleihenkorbes, Libra wertstabiler werden könnte, als die heute relevanten FIAT-Währungen.

      c) Denn eines muss hier ganz klar herausgestellt werden: Der Glaube, dass ich heute einen Euro gegen Libra eintausche und damit morgen Güterhandel bestreiten kann, ist nicht fundamental anders als bei jeder anderen Währung. Jede Zentralbank gibt uns das Versprechen, dass die von ihr ausgegebene Währung auch morgen noch einen Wert hat, sodass wir unseren Kühlschrank füllen können. Es ist allerdings nicht mehr als das – ein Versprechen. Papiergeld ist Glaube oder viel eher Vertrauen!

      d) Spannend zu beobachten wird sein, wie im Rahmen der weiteren Abwertung unserer Leitwährung(en) ein privater Wettbewerber in Zukunft agieren könnte. Denn sollte Libra (oder ein Amazon coin, der auch nur eine Frage der Zeit ist) eine höhere Wertstabilität realisieren können als USD und EUR, könnten Anleger, Spekulanten und vielleicht sogar Verbraucher vermehrt auf Libra wechseln. Kein Szenario fürchten Zentralbanken mehr als dieses, da das Vertrauen in die FIAT-Währung absolut notwendig ist, um die auf ungedeckte Verschuldung basierende Staatsfinanzierung zu stemmen.

      e) To be added and continued…

      Ist also eigentlich alles ganz spannend, sollte aber unbedingt reguliert werden. Mich sorgt da die Leichtfertigkeit (oder Ahnungslosigkeit?) in den bisherigen Äußerungen offizieller Vertreter.

      Viele Grüße
      Robin

      P.S. Selbst wenn die Assocation mit der Anlage Geld verdienen sollte, ist das nichts anderes als das Geschäftsmodell der Banken heute. Ist das schlimm?

  41. 30. Juli 2019 um 7:32 Uhr
    Matthias Becker

    Guten Tag an euch zwei,
    Ich höre bereits seit über einem Jahr euren Podcast. Die aktuelle Folge hat mich dazu bewogen auch einen Kommentar zu hinterlassen. Denn beim Thema Klimaschutz fehlt mir bei euch, wie auch in den Medien und den öffentlichen Diskussionen der Mut zur Realität. Laut Studien ist die Auswirkung des Deutschen CO2 Ausstoßes auf das Weltklima selbst wenn dieser auf null sinken würde bei unter einem Jahr „Zeitgewinn“liegt. Die dazu nötigen Kosten und Risiken stehen daher in keinem logischen Verhältnis. Es wäre auf Europäischer Ebene daher eher spannend mit dem Geld das nötig wäre in Europa 1% zu Gewinnen in Indien, Asien etc. Förderprogramme aufzusetzen um diese Länder auf Europäisches Niveau zu bekommen. Sanktionen gegen China und USA sollten ins Spiel gebracht werden um den Druck zum Thema Klimaschutz zu erhöhen. Die Diskussionen in Deutschland kosten und auf Weltklima Sicht nur eines „Zeit“ mit viel zu geringen Globalen Auswirkungen. Das soll nicht bedeuten wir können die Füße hoch legen, sondern wir sollten die Entwicklung der für diesen Bereich nötigen Hochtechnologie Fordern und fördern. Die E-Mobilität ist wenn man es ehrlich betrachtet auch keine Lösung in ihrer aktuellen Form. https://www.google.de/amp/s/www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/elektroauto-co2-bilanz-insgesamt-verschlechtert-sich-a-1246276-amp.html
    Brennstoff oder Liquid Fuel sind dort schneller in die vorhandene Infrastruktur zu Integrieren. Selbst Flugzeuge lassen sich damit klima neutral bewegen. Daher nicht Verbote, Verteuerung etc. Sind die Lösung sondern Technologie und deren Export in die Welt. Wohin fließt aktuell als Beispiel die Öko Abgabe welche auf Kraftstoff bereits erhoben wird? Lassen sich diese Mittel Evtl. Effektiver für den Klimaschutz einsetzen? Was ist mit der Schifffahrt, habt ihr euch einmal eine Schiffstracker App angeschaut wieviel Schiffe auf den Weltmeeren unterwegs sind? Betrieben mit Schweröl ohne Filteranlagen zugelassen in dritte Welt Ländern etc? Auch in diesem Bereich könnte man viel Bewegen, denn dort entstehen auch sehr viele Rußpartikel welche sich weltweit niederlegen etc. Etc.
    Daher bitte über den Tellerrand blicken und einmal rein rational realistisch und Global dieses Thema betrachten und nicht emotional „diktatorisch“ mit Verboten und für das Weltklima nichts bringenden Verteuerungen in Deutschland. Das Weltklima retten wir nicht in Deutschland sondern nur im Globalen Gedanken.
    VG
    Matthias

  42. Guten Morgen,

    ich bin Geschäftsführer von einem Schützenverein mit knapp 200 Mitgliedern und eigenem Schießstand. Ein Kollege (Rainer) hat sich ja schon trefflich zu dem Thema geäußert.

    Doch ich möchte gerne auf einen anderen Punkt aufmerksam machen. Das Vereinsleben in Deutschland hat einen sehr hohen Stellenwert und ist ein hohes Kulturgut. Es gibt eigenes Gesetz, ein amtlich geführtes Register. Die Schützenvereine sind häufig sehr alte Verein und ich möchte sie mal als “Schlafzimmer” des Vereinslebens bezeichnen.

    In meinem Verein haben wir sehr viele Interessenten. Mittlerweile hat ca. die Hälfte davon
    einen Migrationshintergrund. Wir haben da keinerlei Berührungsängste und so sind auch Özden, Salih, Rustam, Vladimier willkommen.

    Wenn es Menschen mit Migrationshintergrund in das Schlafzimmer des deutschen Vereinswesens schaffen, dann ist die Integration gelungen. Weiterhin muss ich dazu sagen, dass diese Menschen oft ein vorbildliches Benehmen an den Tag legen, im Vergleich zu dem einen oder anderen deutschen Rüpel.

    Wir brauchen hier nun wirklich keine “schärfere” Regulierung. Eher das Gegenteil: Vereinsleben sollte gefördert werden, das ist ein Beitrag zur Integration. Und gerade Schützenvereine sind eine starke Gruppe, was die Zahl der Mitglieder angeht. Ich glaube, die Schützen sind nach Fußball der zweitgrößte Sportverband, kann das aber grad nicht mit einer Quelle belegen.

    Ich freue mich, dass ich das so schreiben kann, obwohl ich der Flüchtlingspolitik und auch vielen euren Ausführungen an dieser Stelle sehr kritisch sehe und einen anderen Standpunkt vertrete.

  43. Ich finde es verrückt, E-Mobilität als Allheilmittel zu sehen (irgendwo sagt ihr beim Klimawandel-Segment “…, außer man hat ein E-Auto”). Dafür braucht man seltene Erden, deren Preis menschlich und auch umwelttechnisch gesehen einfach nicht okay sind (siehe z.B. https://www.deutschlandfunk.de/kobaltabbau-im-kongo-der-hohe-preis-fuer-elektroautos-und.724.de.html?dram:article_id=454818). Ich finde, wenn man über E-Mobilität, Smartphones, Tablets usw. spricht, dann muss man auch darüber sprechen. Und man muss auch darüber sprechen, dass Elektroschrott auf einer riesigen Müllhalde im Globalen Süden landet (die Doku “Welcome to Sodom” bietet da einen tiefgreifenden Einblick, aber Agbogbloshie dürfte vielleicht auch so ein Begriff sein). E-Autos sind nicht die Lösung.
    Ich fände es nicht gut, wenn ihr eine neue Kamera für eure Live-Übertragung gekauft habt. Wozu eine brandneue Kamera, wenn die Liveübertragung vielleicht sowieso nicht funktioniert?
    Das ist leider echt das Problem bei so vielen Menschen, die eigentlich gut handeln wollen. Sie fliegen doch mit dem Flugzeug, weil Zug teurer ist und so lange dauert (es gibt Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht fliegen dürfen und dann eben die Dauer einer Zugreise und deren Preis auf sich nehmen müssen, wenn sie mal einen Tapetenwechsel brauchen, warum sollten gesunde Menschen das nicht können?), sie kaufen neue elektronische Geräte (es gibt mittlerweile so viele seriöse Plattformen, die gebrauchte Geräte anbieten oder man kauft es jemandem privat ab) oder Klamotten (man kann seine Klamotten oft reparieren oder anders tricksen wenn irgendwas nicht mehr wie neu aussieht und wenn man sich was neues kauft, sollte man wenigstens drauf achten, dass es fair produziert wurde). Ich bin sicher auch nicht perfekt, aber es nervt mich einfach, dass nirgends der große Zusammenhang angesprochen wird. Wenn ich hier ständig konsumieren will, dann sind meine neuen Sachen nun mal mit Flugzeug oder Schiff um die halbe Welt gewandert und haben auch sonst in der Produktion Ressourcen verschlissen.
    Wenn ihr Lust habt, schaut doch mal auf der Seite vom ILA-Kollektiv vorbei (https://aufkostenanderer.org/), das neue Buch “Das Gute Leben für Alle” beschreibt wie wir in einen größeren Zusammenhang zwischen ausbalanciertem Klima, Mobilität, Handel und Bedürfnissen ein gutes Leben für alle Menschen hinkriegen können. Ich finde es super.

  44. Kurze Anmerkung zum Thema Großbrände in der Arktisregion: Grundsätzlich finde ich es schön und richtig, dass ihr darauf aufmerksam macht, allerdings wurde auch hier wie bei unzähligen anderen Medien der Fehler gemacht, Waldbrände mit Hitze bzw. hohen Temperaturen in eine Kausalitätskette zu bringen. Wälder brennen nicht, weil es heiß ist, sondern weil es trocken ist. Trockenheit und hohe Waldbrandgefahr könnte es genauso gut auch bei niedrigeren Temperaturen geben. Und nur weil es wärmer ist, wird es nicht automatisch trockener. Gegenbeispiel sind die Regenwaldregionen, wo es sehr heiß aber auch sehr feucht ist und dementsprechend kaum nennenswerte natürliche Waldbrände gibt. Jörg Kachelmann weißt auf seinem Twitter Account regelmäßig darauf hin. Leider auf sehr polemische Weise, aber im Grunde hat er Recht.

    Ansonsten bitte weiter so – höre euch seit über einem Jahr sehr gerne. Würde mir aber ab und zu ein paar schönere Abschlüsse zu den Themen wünschen. Die Übergänge kommen oftmals irgendwie sehr plötzlich (liegt vllt am Schnitt?)

    • Natürlich führt Wärme nicht immer zu Trockenheit. Im Falle der Waldbrände liegt es aber doch an den gestiegenen Temperaturen.

  45. “Der Gottseibeiuns als Premierminister”
    Boris Johnson pfeift auf Streamlining und macht sein Ding.
    Er läßt sich z.B. entrüstungsfrei der Oberklassenabstammung zeihen – obwohl er die Edel-Bildungsstationen Eaton und Cambridge nur Dank Stipendien durchlaufen konnte.
    Er hat als Londoner Bürgermeister rundum reüssiert: Olympische Spiele ohne Zeit- und Budgetüberschreitungen hingelegt, Londoner Mordrate halbiert, liberales Multi-Kulti allgemein anerkannt nach vorne gebracht.
    Vielleicht kann er ja im Führerhaus des von (einem kontrastierend “seriösen”-) David Cameron auf die Schiene gebrachten idiotischen Brexit-ICEs an besten zum Wohl seines Landes wirken wenn er las verkappter Nach-Wie-Vor-Remainer einen Nigel Farage mittels Merkelscher Themenbesetzungsstrategie überflüssig macht.
    Also bittet bei solchen Kalibern etwas langsamer mit vorschnellem Urteilen!

    • Von seinen Erfolgen als Bürgermeister habe ich zugegebenermaßen noch nie so gehört, an “Multi-Kulti” hat er heute aber wohl kein Interesse mehr und fällt eher durch rassistische Aussagen auf.

      Zur Person und seinen Strategien fand ich das neue Video von Last Week Tonight sehr erhellend (und witzig wie immer). Ist auf Englisch, aber hier zu finden:

      https://www.youtube.com/watch?v=dXyO_MC9g3k

  46. Was ich komisch finde, ist, dass die Einkünfte aus einer CO2 Steuer in den sozialen Ausgleich/Umverteilung gesteckt werden sollen. Wenn wir dann bis 2050 sukzessive klimaneutral werden, wird das Geld dieser Gruppe später wieder entzogen, ohne dass die CO2 Neutralität kausal mit einer sozial gerechteren Gesellschaft zusammenhängt.

    So notwendig Umverteilung und Klimaschutz auch sein mögen: Es macht wenig Sinn dass die Armen hoffen, die Reichen sollten so viel CO2 wie möglich produzieren.

  47. Hallo,

    vielen Dank für die spannende Folge.

    Ein kleiner Hinweis zum Klimawandelsegement:

    Ihr verweist auf die Studie der Leopoldina (https://www.leopoldina.org/publikationen/detailansicht/publication/klimaziele-2030-wege-zu-einer-nachhaltigen-reduktion-der-co2-emissionen-2019/), die zu rigoroserem Handeln zum Erreichen der Klimaziele aufruft. Die Leopoldina ist Deutschlands Nationale Akdemie der Wissenschaften und nich die Universität in Lüneburg (das ist die Leuphana) ;).

  48. Liebes Lage-Team,

    nachdem ich über ein Jahr lang wöchentlich euren interessanten und unvoreingenommenen Meinungen und Einschätzungen gelauscht habe, werde ich das Hören nun einstellen. Für mein Empfinden werden Themen nicht mehr offen, sondern zunehmend mit Scheuklappen und unvollständig diskutiert. Zudem lasst ihr wenig Spielraum für eine eigene Bewertung der Themen, euer Standpunkt wird relativ deutlich als die einzig richtige, weitsichtige, vernünftige und human vertretbare Ansicht dargestellt:

    – Seenotrettung: Für euch gibt es nur 2 Möglichkeiten: a) alle ertrinken lassen; b) alle aufsammeln und nach Europa bringen und auf die Mitgliedstaaten verteilen. Ich denke da gibt es durch aus ein breiteres Spektrum.

    – CO2-Bepreisung: Ich fahre mit dem Auto 35 Minuten zu Arbeit, mit öffentlichen Verkehrsmitteln benötige ich je nach Tageszeit zwischen 1:45 und 2:00 Stunden. Soll ich jetzt meinen Kindern sagen, dass sie Papa umweltbedingt nur noch am Wochenende sehen? Ich würde sehr gerne mit der Bahn fahren, aber hier fehlt es einfach an öffentlicher Infrastruktur. Gleiches gilt für E-Autos.

    – Libra: Ich bin weder bei Facebook, Instagram und WhatsApp. Dennoch sehe ich kein Grund, Libra einfach so zu verbieten, solange geltendes Recht eingehalten wird. Das Verstöße geahndet werden müssen ist selbstredend. Die Zahlen des Beitrags erschienen mir recht willkürlich und nicht ausreichend validiert (10% der Geldmenge würden in Libra investiert!?), zudem wurde dort mit zweierlei Maß gemessen. Ich bekomme bei der VR-Bank auch so gut wie keine Zinsen auf mein Tagesgeld, obwohl diese mit meinem Geld arbeitet und damit eine ordentliche Rendite erwirtschaftet. Die Frage ist doch vielmehr, welchen regualrischen Anforderungen muss Facebook/Libra sich unterwefen.

    Dennoch euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg,
    Björn

    • Hi Björn, schade, dass Du die spannenden Stellen verpasst hast ;)

      Seenotrettung: Für euch gibt es nur 2 Möglichkeiten: a) alle ertrinken lassen; b) alle aufsammeln und nach Europa bringen und auf die Mitgliedstaaten verteilen. Ich denke da gibt es durch aus ein breiteres Spektrum.

      Haben wir diskutiert – es ist leider tatsächlich so, weil die Länder Nordafrikas keine sichere Alternative sind, sodass man Gerettete dort nicht einfach aussetzen kann.

      Ich würde sehr gerne mit der Bahn fahren, aber hier fehlt es einfach an öffentlicher Infrastruktur. Gleiches gilt für E-Autos.

      Haben wir in der aktuellen Folge diskutiert und ausdrücklich gefordert, dass man eben nicht nur Sprit teurer machen darf, sondern auch für Alternativen sorgen muss.

      Libra: Ich bin weder bei Facebook, Instagram und WhatsApp. Dennoch sehe ich kein Grund, Libra einfach so zu verbieten, solange geltendes Recht eingehalten wird.

      Das haben wir auch nicht gefordert, das war nur ein O-Ton zum Einstieg in unsere Diskussion.

      Trotzdem vielen Dank für Dein Feedback und auf Wiederhören.

      • Aus eigenem Horerlebnis kann ich Björns Aversionsanflüge nachvollziehen.
        Unzureichende Offenheit wurde schon verschiedentlich gefeedbackt und oft genauso beantwortet wie jetzt der Seenotrettungseinwand:
        Wenn dem Idealverhalten irgendwo und irgendwann schlicht Grenzen gesetzt sind, kommt das Denkverbot – obwohl dem Wünschbaren glasklar vorhersehbar nicht mehr entsprochen werden kann.

        • Es gibt kein Denkverbot. Aber man muss schon Alternativen aufzeigen, die den Gesetzen, Menschenrechten und den allgemeinen Moralvorstellungen der westlichen zivilisierten Welt Genüge tun.

        • @ChristianE
          Konkrete Alternativen sind in konkreten Notfällen erforderlich.
          “Alternativlos” war beispielsweise 2015 eine Grenzöffnung zur Katastrophenvermeidung auf der überfüllten Balkanroute. Nicht mehr alternativlos war dagegen die schicksalshaft unterbliebene sofortige Klarstellung, dass das keine weiterreichende Einladung darstellt.
          Und so sollte auch in der Diskussion, ob ein Rettungssystem immer gleich prospektiv und weitreichend an alle provozierten und eskalierenden Massenseenöte anzupassen ist, niemand mundtot gemacht werden, indem er in die ganz ganz fürchterliche Unmenschencke verfrachtet wird (auch Leute, die selbst das Bild von der durchgehenden Schlauchboottransferbrücke ins gelobte Europa nicht schreckt, reden ja berechtigterweise mit).

        • @Leif:

          Es geht darum welche Alternativen man hat, als in Seenot befindliche Menschen zu retten und an einen sicheren Ort zu bringen. Ich vermisse da von den Leuten, die glauben es gäbe ein “Denkverbot”, die Alternativen. Was soll man sonst tun? Ich warte immer noch auf Antworten.

        • @ChristianE
          Die Vorstellung, immer irgendetwas tun zu müssen, zeichnet den Aktionisten aus.
          Sein Handycap: Er verschwendet seine (wie bei jedem anderen begrenzten) Energien auf ertragsarmen Nebenkriegsschauplätzen – ohne jemals zu realisieren, dass bisweilen punktuelle Inaktivität die effektivste Reaktion wäre.
          ;-)

        • @ChristianE / Konkretisierumg
          Es geht nicht darum, einem neben dem Boot Zappelnden die rettende Hand zu verweigern. Es geht beispielsweise um das Unterlassen organisierter Hilfe aus weiter Ferne. Es gibt halt einen Unterschied zwischen unvorhersehbarem Nöteeintritt und dem Einsatz des eigenem Lebens zwecks Teilnahme an einem Upgrade-Roulette, bei dem die Gefährdung der Croupiers zumindest billigend in Kauf genommen wird (und zwar gerade nicht von den Ärmsten und Geschundendsten, sondern von denen, die – statt sich um ihre Länder zu kümmern – z.B. tausende von Euro fûr die Durchquerung der Sahara und die Mittelmeerbeschiffung auf den Tisch legen konnten).

      • Der Punkt der sicheren Mittelmeeranrainerstaaten gilt sicherlich für Libyen, bei Tunesien schaut die Sache schon wieder anders.
        Insofern finde ich auch, dass Ihr insbesondere in der Flüchtlingsthematik sehr in absoluten Kategorien argumentiert.
        Dies soll natürlich nicht heißen, dass es falsch ist den eigenen Standpunkt klar zu machen. Im Gegenteil, finde ich es positiv wenn Ihr eure eigenen Ansichten darlegt und begründet. Dann sollte aber auch deutlich gemacht werden, dass es sich hierbei um subjektive Einschätzungen handelt und nicht um den einzig moralisch vertretbaren Standpunkt.

        Generell empfinde ich es immer als ein Highlight der Lage wenn Ihr versucht Thematiken nicht nur aus einem Blickwinkel zu betrachten, sondern auch die Motivation und Argumentation der vermeintlichen Gegenseite betrachtet. Ich finde, dass bekommt Ihr bei anderen Themen sehr gut hin.

        • Vielleicht ist die Lage auch einfach sehr klar, und es fällt nur manchen Menschen schwer, das zu akzeptieren? Wir können ja schlecht einen Diskurs aufmachen, wo es eigentlich nicht viel zu diskutieren gibt.

  49. Hallo,

    zum Thema Klimaschutz und CO2 Steuer oder CO2 Zetifikatehandel kann ich nur die neue Sternstude Philisophie Empfehlen (https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/graeme-maxton-schafft-sich-die-menschheit-bald-ab?id=18695c3c-16f9-4570-8b72-62c6bd704f32).

    Dort wird doch relativ klar erläutert, dass die ganze Diskussion ob Co2 Steuer oder Co2 Emissionshandel eine Scheindiskussion ist und die Politik mal wieder keine wirklich nachhaltige Lösung präsentiert. Dort wird auch deutlich gemacht, dass eine wirklich nachhaltige Lösung nur mit schweren Einschränkungen einhergehen wird und das geht nun mal in dem bestehenden Weltwirtschaftssystem nicht. Ich fand das Interview sehr interessant und viel aufschlussreicher als die Diskussionen über Co2-Steuer oder Co2 Emissionshandel.

  50. Hallo,
    ich bin schon seit längerem Hörer eures Podcasts und eure Sichtweisen zu den Themen des politischen Alltags finde ich immer interessant. Beim Thema CO2 habe ich allerdings manchmal das Gefühl, das ihr etwas festgefahren und auch etwas “betriebsblind” seid. Speziell eure Haltung zum privaten PKW finde ich fast schon ignorant.
    Eine CO2-Steuer würde ich unter gewissen Umständen begrüßen, aber es kann nicht das Ziel sein, die Tank- und Heizkosten für den Bürger in die Höhe zutreiben. Es kann sich eben nicht jeder von uns mal eben eine neuen Heizung oder ein neues Auto leisten. Ich bin 49 Jahre und Familienvater mit 2 Kindern. Ich bin Schichtarbeiter und bin durch meine Arbeitszeit auf das Auto angewiesen. Ich beginne um 5 Uhr früh, da fahren noch keine öffentlichen Verkehrsmittel. Unsere Ölheizung in quasi “im besten Alter” und gut gewartet, sie hat noch einige Jahre vor sich. Ich kann doch nun nicht mit tausenden Leidensgenossen zur Bank laufen und einen Kredit aufnehmen. Zumal mein Arbeitgeber kein Geheimnis daraus macht, das unser Betrieb demnächst verkauft werden soll. Wie sich mein Einkommen dann entwickelt, das steht in den Sternen.
    Stellt euch lieber die Frage, ob es nicht sinnvoller ist, Inlandsflüge zu verbieten. Niemand muss von Frankfurt nach München fliegen! Das würde deutlich mehr CO2 einsparen, als ein höherer Spritpreis.
    Macht das Parken in den Innenstädten spektakulär teuer und richtet Pendlerparkplätze an den Stadtgrenzen ein. Das würde auch die Städte entlasten und die Luft dort verbessern.
    Wie viele PKWs müssten täglich durch Hamburg fahren, um den gleichen Schadstoffausstoß zu erreichen, den die Schiffe im Hafen täglich liefern? Auf den Meeren fahren Schiffe, die uralt sind und deutlich mehr CO2 ausstoßen, als es neuere Frachter tun.
    Eine Steuer auf fossile Brennstoffe trifft in erster Linie die falschen Menschen. Fast alle Dinge des täglichen Lebens würden teurer werden (Liefer- und Transportkosten). Die Herstellung vieler Produkte würde sich verteuern. Der eigene Verbrauch würde teurer werden, selbst wenn man sich etwas einschränken kann. Aber wenn man nicht gerade im Stadtgebiet lebt, ist man meist auf den PKW angewiesen. Für viele Situationen habe ich schlicht keine Alternative zum eigenen PKW. Es existieren kaum Möglichkeiten, dies zu umgehen.
    Ach ja, und was den Urlaub auf Bali angeht… mein ältester Sohn wird dieses Jahr 18. Wir waren in diesen 18 Jahren 4x in Urlaub, davon 2 Flugreisen. Mehr ging aus finanziellen Gründen leider nicht.

    • Danke für diese Perspektive, Christian!

      Ich kann die Sorge, dass die Abgabe auf CO2 Deine Familie besonders hart treffen könnte, gut nachvollziehen. Wenn allerdings die Einnahmen aus der Abgabe als Kopfpauschale wieder ausgeschüttet werden sollten, dann bin ich mir nicht sicher, ob ihr nicht sogar Plus macht. Auf jeden Fall macht Dein Statement klar, woran man denken muss, wenn man die Menschen im Lande mitnehmen möchte bei der Einführung einer solchen Steuer.

      • …und es macht auch klar, dass eine einheitliche CO2 Steuer vielleicht doch nicht so sinnvoll ist, da manche Bereiche, wie Innlandsflüge, höheren Steuern unterliegen sollten. Interessant dazu auch das Interview bei Deutschlandfunk – Tacheles “Abschied von Kohle und Co” mit der Präsidentin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, Marie-Luise Wolff (apropos Interviewpartnerinnen…). Sehr interessanten Input findet man auch hier: https://www.oekologisches-wirtschaften.de/index.php/oew/index
        Ich finde auch, dass euer Diskussionsstil bei manchen Themen etwas zu wünschen übrig lässt, dennnoch regt ihr zur kritischen Reflektion an und nehmt neue Gesichtspunkte und Quellen über die Kommentare auf. Es gibt aber niemals nur zwei Optionen und eine binäre Denkweise hilft vor allem in gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Verhandlungsprozessen selten weiter.
        Einen interessanten Aspekt finde ich auch, wie kommuniziert man eigentlich Klimawandel und seine Folgen am Einflussreichsten – es gibt dazu mittlerweile schon fast ein eigenes Forschungsfeld. Anregungen findet man hier: https://www.klimafakten.de/
        Gerade habe ich auch einen super spannenden TED Talk der schottischen Ministerin Nicola Sturgeon gehört, die sich mit Island und Neuseeland aufmacht, das BIP zu reformieren. Sie nehmen Aspekte auf wie Bildung, Ungleichheit, Kinderbetreuung, Gesundheit, Status der Umwelt usw. https://www.ted.com/talks/nicola_sturgeon_why_governments_should_prioritize_well_being
        Wenn man einen geeigneten Rahmen für die Erweiterung des BIPs schafft, könnte man dadurch komplexe globale Prozesse wie die Umsetzung der Klimaverhandlungen, die Umgestaltung der Wirtschaft und die Erreichung der SDGs messen und Politik lenken. Würde mich total interessieren, wenn ihr sowas mal behandeln oder ein Interview dazu führen könntet, u.a. zu wie könnte man sowas in DE umsetzen?

        Vielen Dank für eure tolle Arbeit und viele Grüße,
        Liesa

    • Zunächst war auch ich der Ansicht, dass man Inlandsflüge so teuer machen sollte, so daß die Leute anders reisen würden. Doch nach einiger Überlegung bin ich nicht mehr sicher ob das wirklich eine Lösung ist. Die meisten würden dann wohl auf das Auto umsteigen. Und das ist klimatechnisch schlechter als das Auto. Wenn man das Auto gleichermaßen verteuern würde, was liebe dann? Die Bahn. Doch die ist in einem desolaten Zustand, und jetzt schon vor dem Kollaps. Sicherlich kann man die Bahn wieder aufbauen, doch dies wird Jahrzehnte brauchen. Die haben wir aber nicht, Außerdem fährt auch die Bahn nicht komplett “grün”.

      Das Problem, und das ist die unangenehme Wahrheit, ist unser Wirtschaftssystem. Solange unsere Arbeitswelt erfordert, dass wir ständig überall in Deutschland und sogar der Welt sein müssen, ändert sich gar nichts. Solange von jedem verlangt wird für den Job den Wohnort zu wechseln oder 5ß+ Kilometer pro Tag zu pendeln, wird sich nichts ändern. Denn diese Art von Mobilität kann nicht klimaneutral sein. Zumindest nicht in den nächsten 20 Jahren.

  51. Hallo aus GB!
    Vielen dank für eine neue tolle Lage. Ist immer gut zu hören, was in Deutschland so passiert.
    Betreffend dem Klimawandel-Kaptiel würde mich einmal eure Meinung zur Atomkraft interessieren. Mir schein, dass Kernenergie bei der Debatte um den Klimawandel komplett ignoriert wird, aus rein politischen Gründen wie ich finde. Auf https://www.electricitymap.org/?page=country&solar=false&remote=true&wind=false&countryCode=FR wird der aktuelle CO2 Ausstoß in den meisten europäischen Ländern aufgezeichnet, und Frankreich ist immer grün weil dort der meiste Strom Atomstrom ist. Ebenso in Schweden. Vielleicht findet sich ja ein williger Physiker, den ihr einmal interviewen könnt. Da Klimawandel so existenzbedrohend ist, scheint es fast wahnsinnig, dass sichere, low-carbon Technologien wie Kernkraft nicht genutzt werden. Klar, Uran ist auch endlich, aber es schein doch bei weitem sinnvoller AKWs zu betreiben, anstatt weiter fröhlich Kohle zu verbrennen, oder?

    Mit freundlichen Grüßen,
    Gustaf

    • Atomstrom ist aus der CO2-Perspektive nur dann “grün”, wenn man den enormen Energiebedarf beim Bau und Rückbau (!) eines AKW ebenso außer Betracht lässt wie den Aufwand für Produktion und Transport der Brennstäbe (Stichwort Castoren). Außerdem sind da noch die enormen Risiken … ich denke daher, dass es sehr sinnvoll ist, dieses Fass nicht wieder aufzumachen, sondern sich auf Technologien zu konzentrieren, die eine Zukunft haben.

  52. Vorab: Ich finde Libra höchst bedenklich, da es die Marktmacht der Gründungsunternehmen weiter ausbaut bzw. festigt. Außerdem sollte meiner Meinung nach die zentrale Administration einer globalen Währung nicht in der Hand weniger privater Unternehmen liegen.

    Minute 57:50 im Podcast: Der Coindesk Artikel (Quelle in den Show notes) von Kirk Phillips und Adam Levine ist aus zwei Gründen bedenklich:
    (1) In den von Phillips und Levine getroffenen Annahmen spiegelt sich wider, dass keiner der beiden Autoren ein Ökonom ist. Das Rechenbeispiel des Artikels: 10% der amerikanischen Geldmenge M1 (US M1 = $3784 Milliarden, Federal Reserve, Mai 2019) werden in Libra investiert, dass entspricht $378.400.000.000 ($378 Milliarden). Wie die Autoren zu dieser Annahme kommen wird nicht erklärt. Mit momentan 2.400 Million Facebook Nutzern müsste jeder Facebook Nutzer Libra im Gegenwert von ca. $155 kaufen und dort liegen lassen. Aus westlicher Sicht scheint diese Summe gering, allerdings sind $155 für einen Großteil der Facebook Nutzer aus Asien, Latein Amerika und Afrika viel Geld. Diese Regionen stellen immerhin zwei Drittel der Facebook Nutzer. Außerdem ist es fraglich, dass alle 2.400 Million Facebook Nutzer auch Libra nutzen werden.
    (2) Coindesk wurde in 2016 von der Digital Currency Group (DCG) gekauft. Auch ein Gründungsunternehmen der Libra Association, Coinbase, ist finanziert von der DCG. Coindesk ist auch in der Vergangenheit schon durch stark gefärbte Berichterstattung aufgefallen und hat in schlecht recherchierten Artikeln direkt auf Scam Projekte verlinkt.

  53. Ich würde Boris Johnson nicht als demokratisch gewählt ansehen. Er wurde von den Mitgliedern seiner Partei zum Vorsitzenden gewählt, um dann von der Queen mit der Regierungsbildung beauftragt zu werden.

    Großbritannien zählt rund 67,5 Millionen Einwohner. Die Tories haben 160.000 Mitglieder, das entspricht gerade einmal 0,23% der Bevölkerung, die ihn wählen durften. Von diesen 160.000 Mitgliedern sind gerade einmal 311 durch das Volk in das Parlament gewählt worden. Ich sehe hier keine signifikante demokratische Legitimierung für Johnson.

    Ansonsten ein kleiner Schrei der Verzweiflung: Scheuer ist Bundesminister! BUNDES! Wieso nehmen wir das 2019 immer noch einfach so hin, dass eine einzelne Region derart überproportional im Bund beachtet wird?

  54. Moin,
    Danke erneut für die Lage, Ihr seid mir beide sehr sympathisch mit Eurer Art und auch mit Eurer Richtung. Die Lage ist fester Bestandteil meiner Hundespaziergänge durch die Wälder und extra für Euch habe ich mir einen kleinen Bluetoothlautsprecher zugelegt, den ich am Schlüsselband habe, um nicht immer das Handy irgendwo befestigen oder irgendwie halten zu müssen, während ich Euch lausche.
    Aber was anderes: in der Hoffnung nicht als Spielverderber abgestraft zu werden oder Euch Euren wirklich sehr gegönnten Umsatz zu vermiesen, aber: wenn Ihr einerseits – zu recht – sehr düster die aktuelle Klimaentwicklung plastisch darstellt, jedem ans Herz legt im Kleinen schon seinen Teil beizutragen und nicht auf mögliche Vorgaben aus der großen Politik zu warten, dann ist es doch sehr fragwürdig regelmäßig eine Lage-Live zu veranstalten, oder?
    Bitte nicht falsch verstehen: mir ist der Unterhaltungswert Euch live zu erleben durchaus klar und auch ich würde mir das vermutlich nicht entgehen lassen, sobald Ihr in meiner Nähe seid, aber ein Widerspruch ist es doch schon. Sicher kann man argumentieren, man dürfe jetzt nicht alles dramatisieren und jedes Kulturangebot der CO² Emission opfern, ein Format, was aber letztlich ein reines Audioformat ist – oder ursprünglich war – auf eine Ebene zu hieven, die das verursacht, was ihr ausführlich kritisiert, nämlich hunderte Menschen dazu zu bringen CO² auszustoßen um die Lage zu erleben, ist doch zumindest bedenkenswert.
    Ich hab die Kommentare durchgeguckt, ob das an anderer Stelle schon mal diskutiert wurde (und dabei Ulfs wiederholt geäußerte und berechtigte Bitte im Hinterkopf gehabt, man möge doch bitte die Kommentare durchschauen, ob Gleiches schon abgehandelt wurde, um zeitraubende Doppelt- und Dreifachantworten zu vermeiden), bin aber nicht fündig geworden. Sollte ich das also übersehen haben bitte ich um Entschuldigung.

    Grüße aus dem Rheinland
    Oliver

    • Keine Sorge, wir reisen immer mit der Bahn an, und weil wir normalerweise in Ballungsräumen auftreten dürfte das auch für die Mehrzahl der Menschen gelten, die vorbeischauen. Natürlich ist das nicht CO2-neutral, aber der Impact dürfte vergleichsweise gering sein.

  55. Hallo ihr beiden,
    ich bin seit langer Zeit ein stiller Hörer der Lage und dachte ich diskutiere jetzt auch mal mit.
    Vorneweg will ich mich bei euch bedanken, was ihr mit der Lage der Nation macht finde ich ganz großartig und hoffe das es euch genauso viel Spaß macht daran zu arbeiten, wie es mir macht das ganze zu hören :)
    Mein Gedanke als ich vor ein paar Wochen von Libra gehört habe war ein anderer, als der bei den meisten anderen. Ich hatte nicht so viel Angst vor einem Bankrun, im Gegenteil, ich glaube Facebook wird dort einen tatsächlich großen Vorteil gegenüber herkömmlichen Banken haben. Banken sind nämlich darauf angewiesen aus öffentlich zugänglichen Informationsquellen Ereignisse hervorzusagen (was eben schwierig ist). Facebook widerum hat ja eine solche Menge an Daten über jeden einzelnen von uns, Cambridge Analytica hat bewiesen, dass alleine mit unseren Facebook-Accounts erkannt werden kann, wen wir an der Wahlurne wählen wollen. Wenn sich Facebook selber jetzt alle unserer Daten anschaut, wird es mit Sicherheit um ein vielfaches leichter sein Änderungen im Kundenverhalten vorzubestimmen und es möglicherweise auch noch ohne große Probleme entweder zu manipulieren, oder sich zumindest darauf vorzubereiten.
    Was ich deutlich interessanter finde, ist der Gedanke, dass Libra eine Währung ist, die nicht in der Hand des Staates (also der Vertretung der Menschen) liegt, sondern in der einer Privatorganisation. In unserer kapitalistischen Gesellschaft bedeutet Geld gleich Macht (um jetzt mal Foucault etwas frei zu interpretieren), dementsprechend ist es besonders relevant diejenigen, die Macht über unser Geld haben so gut wie möglich zu kontrollieren. Im Gegensatz zu einer Regierung muss sich Facebook nicht vor uns, sondern nur vor den eigenen Aktionären rechtfertigen und wenn ich mir die mangelnde Kommunikation anschaue, die Facebook an den Tag legt, dann steigt mein Vertrauen nicht unbedingt.
    In einer gewissen Weise finde ich es interessant, dass Libra die wirtschaftliche Antwort auf Blockchain sind. Währungen wie Bitcoin sind frei zugänglich und ganz wichtig auch dezentral. Der Gedanke dahinter ist ja, dass man niemandem, nicht mal dem Staat, Macht über die Finanzen geben sollte. Libra ist das genaue Gegenstück, die Macht liegt nicht mal mehr beim Staat, sondern bei einer noch kleineren wirtschaftlichen Elite und das finde ich persönlich sehr gefährlich.

  56. Beim Thema Libra dürft ihr nicht mit zweierlei Maß messen. Bzgl. Datenschutz wäre vlt ein Vergleich mit PayPal sinnvoll. Auch was die Rendite angeht, reicht ein Vergleich mit einer traditionellen Bank. Auch wenn du Geld auf deinem Girokonto bunkerst, legt die Bank es im Hintergrund an und erwirtschaftet Gewinne, die nicht an den Endkunden ausgezahlt werden. Ich bin kein Librafan, halte es sogar für ein Marketinggag und gehe davon aus, dass Libra niemals das Licht der Welt erblicken wird.

  57. “jemanden der” ist auch grammatischen richtig, auch wenn von einer Frau gesprochen wird.
    Immer diese Verschlimmbesserungen durch die Genderpolizei. – Vor kurzem wurde mir noch geagt”was regst du dich auf, darf doch jeder sprechen wie er will”…

    • “Vor kurzem wurde mir noch geagt”was regst du dich auf, darf doch jeder sprechen wie er will”…”

      Und jetzt? Ist es bei Strafe verboten so zu sprechen? Bist du schon von der Sprachpolizei verhaftet worden?

      Man kann ja unterschiedlicher Meinung zum “gendern” usw. haben, aber diese lächerliche Angst vor eine Sprachpolizei ist doch mehr als nur kindisch…

  58. Hallo zusammen,

    ein Gedanke der mir zur letzten Folge und Boris Johnson kam: Ihr habt von der Spaltung der Gesellschaft gesprochen, ohne dabei die zentrale Rolle der Medien in den Blick zu nehmen. Insbesondere bei Johnson ist doch krass, dass er jahrelang Lügen über Zeitungen verbreiten konnte und dass da niemand aus der Redaktion eingeschritten ist (…weil es die Auflage steigert). Damit ist Johnson doch DAS Symbol dafür was in Großbritannien in Bezug auf die EU, und in der heutigen Zeit allgemein, komplett falsch läuft.

    Ich muss immer an John Stewart bei CNN denken [1]: Ohne dass ein größerer Teil der Medien mitspielt, kann niemand den demokratischen Diskurs zerstören: Es gibt keine nationale Öffentlichkeit ohne Medien.

    Wen wundert die Spaltung der Gesellschaft, wenn “die Öffentlichkeit” mit unkritisierten Falschaussagen überschwemmt wird, die lediglich darauf abzielen aufzupeitschen (und damit Umsatz zu generieren) oder die den Geschäftsinteressen weniger entgegen kommen.

    Vielleicht bin ich auch etwas zu jung, und das Problem bestand schon immer?

    Grüße

    [1] https://www.youtube.com/watch?v=aFQFB5YpDZE

  59. Hallo Philipp und Ulf,

    Ihr sprecht in der Lage immer wieder die Klima-Katastrophe an, und die scheinbare Unfaehigkeit ueber Parteigrenzen hinweg, Massnahmen zu ergreifen, die der Situation und der Dringlichkeit angemessen waeren.

    Zu Schulstreiks habt ihr euch ja schon mehrmals wohlwollend geaeussert – mich wuerde interessieren, wie ihr angesichts dessen zu zivilem Ungehorsam steht, wie etwa von Extinction Rebellion? Gerade auch vor dem Hintergrund, dass ich insbesondere Ulf als klaren Rechtspositivisten wahrgenommen habe (etwa als es darum ging, von der Polizei erlaubte Neonazi-Demonstrationen zu verhindern) interessiert mich eure Meinung dazu. Wieweit kann, darf, oder muss man als Einzelne / Einzelner in einem Rechtsstaat gehen, wenn man glaubt, dass höhere Gueter verletzt werden? Nach welchen Kriterien darf man entscheiden, dabei Gesetze zu verletzen – vielleicht nicht aus rechtlicher Sicht (der “Widerstandsparagraph”, obwohl gerne zitiert, duerfte hier nicht relevant sein), aber doch aus ethischer? Es wuerde mich freuen, wenn ihr das in einer der kommenden Folgen diskutieren koenntet.

    Vielen Dank,

    Till (u.a. Extinction Rebellion Finnland)

  60. “Was das für Gesellschaften sind, die solche Leute…” genau die gleichen wie in D. Hier werden wir nur besser belogen… Echt schlechter Stil auf andere zu zeigen, während sich bei uns so honorigen Menschen wie Zenzursula, Kampf Knarrenbauer, Mortler usw sich auf die schönsten Plätzchen loben…

  61. Hallo ihr Zwei,

    ich habe einen Buchtip für Euch und die anderen Hörer zum Thema Demokratie:
    In dem Buch “Wie Demokratien sterben – und was wir dagegen tun können” der Harvardprofessoren Steven Levitsky und Daniel Ziblatt werden u.a. historische Beispiele genannt, wie Demokratien von Autokraten nach demokratischen Wahlen ausgehöhlt wurden. Es wird auch auf die von Euch aufgeworfene Frage eingegangen, ob eine demokratische Verfassung ausreicht, um eine demokratische Ordnung am Leben zu halten – oder ob es noch anderer Akteure (z.B. Bürger, demokratische Politiker) dazu bedarf.

    Ich bin zwar selbst gerade erst ca. bei der Hälfte des Buches angekommen, war aber sehr überrascht und erfreut zugleich, dass Ihr in dieser Folge genau darüber gesprochen habt und wollte euch diesen Tipp daher nicht vorenthalten.

    Danke für Eurer Engagement – weiter so!

  62. Mein mitpodcaster jomat hat vor einiger zeit auf unserem podcast einen Eintrag verfasst bezüglich der braunen Karte von Google und gmx supported noch immer die dazugehörigen Mail Adresse.
    https://termitinitus.org/asylfeindliche-google-maps-karte-brief-an-gmx/2367

  63. Hallo liebes Lage Team,

    eine Anmerkung zum CO2 Ausstoß, den Großbritannien massiv gesenkt hat. Man muss berücksichtigen, dass dies vor allem deshalb möglich war, weil man dort massiv auf Atomstrom setzen kann um die Kohlekraftwerke abzustellen (habe keinen Link zur Hand, bin darüber aber mal in einer Diskussion auf einer englischsprachigen Seite gestoßen). Diese Möglichkeit bietet sich in Deutschland ja nicht mehr.

    Damit öffnet man die Diskussionen, in welchen sauren Apfel man beißen muss. Holt man Atomkraftwerke zurück, bzw. baut neue nach aktuellem Forschungsstand, betreibt die Kohlekraftwerke weiter, oder setzt auf erneuerbare Energien, Energiespeicher und den Energieverbrauch zu senken?

    Gruß,

    Michael

  64. Zum Klima: Der Zyniker in mir freut sich, dass immerhin das Fermi-Paradoxon gelöst ist.

  65. Hallo zusammen,

    danke für Euren Podcast, wenn eine Folge ausfällt, fehlt mir schon etwas in der Wahrnehmung und an Denkanstößen zur Meinungsbildung. Vor allen Respekt für die Recherche, die doch zeitaufwendig ist.

    Habe heute drei Ansichten, die ich anbringen möchte.

    Erstes Thema: Demokratie – Sovereign – Sozialisierung. Ich wundere mich schon seit einiger Zeit über die dümmliche Ignoranz, nicht nur in unserer Gesellschaft. Recht tolerant erzogen konnte und kann ich die Ursachen dafür verstehen, leider fehlt mir zunehmend das Verständnis, dass dümmliche Ignoranz zunehmend von Mehrheiten über das geschichtliche bzw. wissenschaftliche Wissen und Humanität gestellt wird. Was ich als Ursache sehe und verstehen kann ist, dass es einfacher und zu Teil auch erfolgreicher ist sich dem sozialgeprägten Konsum hinzugeben und die notwendigen Zwänge zur Geldbeschafung über sich ergehen zu lassen. Dafür gibt man, manche sind auch dafür schon zu faul, seine Stimme und damit auch das Gewissen und Verantwortung alle paar Jahre an einer Urne ab.
    Die ganze Idee von der modernen Demokratie fußt auf dem Konzept des mündigen Bürgers, aus dem der Sovereign besteht. Die Mündigkeit wird aber m.E. nur durch Bildung, als wichtiger Teil der Sozialisierung, erreicht. Diese kann man mit Lehrplänen so gestalten, dass der Sovereign blind dafür ist, was und wie mit ihm geschieht. Ob das absichtlich abläuft, vielleicht bei religiösen Fanatikern, lasse ich mal offen.

    Da komme ich schon zum zweiten Thema: Politik(er) vom Ideologem zum Opportunisten. Ich höre in Euren Dialogen eine Erwartung an die Politiker mitschwingen, die ich zwar mit Euch teile, allerdings inzwischen zu der Überzeugung gelangt bin, dass sie falsch ist. Diese Erwartung basiert auf den Geist des ideologischen Zeitalters, das offensichtlich zu ende ist. Da hatten politisch Verantwortlichen eine Vision oder Idee von der Zukunft der Gesellschaft in dem jeweiligen Land oder Region. Das Volk hat dann den Vertreter einer Idee gewählt, mit der es sich auch die Zukunft für sich vorstellen konnte. Seit dem die Meinung vorherrscht mit Visionen zum Arzt gehen zu müssen, hat sich m.E. grössten Teils der Typ Politiker gewandelt. Es ist viel erfolgversprechender ein Thema oder Bedürfnis im Volk zu identifizieren, das eine Mehrheit bewegt und egal wie primitiv es ist, es lauthals zu verkünden, das man es umsetzen wird, ob es realistisch ist oder nicht. Die Leute füllen sich endlich verstanden und mit ihren Sorgen ernst genommen und wählen die Nase. Mündigkeit sieht wirklich anders aus. Und das hier oder da um 5% gefälscht wird, ändert mein Gesamtbild nicht, das die hälfte der Wähler dümmlich ignorant ist. Die »Aufklärung« liegt meistens dann auch in Händen der gewählten, die von derren Fehlen profitiert haben. Hoffentlich bleib das uns in der BRD erspart.

    Kommen wir zum dritten Thema: Humanismus – Rassismus – Nationalismus. Danke für die ehrliche Darstellung der Selbstreflexion zur Wahrnehmung fremdartig aussehender Menschen. Das steckt in uns allen evolutionsgeschichtlich, so zu sagen im Kleinhirn, hängengeblieben. Das wird durch Neugier und Erfahrung, findet man hauptsächlich im Großhirn, überspielt. Leider ist der Mensch, Tiere wahrscheinlich auch, aus meinen empirischen Beobachtungen so gestrickt, dass wenn diese einfachen Merkmale wie Hautfarbe, Nasenform, Haarfarbe etc. nicht zur »Klassifizierung« zu Verfügung stehen, etwas abstraktere Merkmale zu Diskriminieren herangezogen werden: Sprache, Geburtsort, Religionszugehörigkeit etc. Bin sogar der Meinung, dass ethnische Konflikte, viel häufiger sind als Rassistische. Und ist es nicht ein wenig naiv zu glauben, wenn jemand für eine reine Ethnie kämpft oder mordet, bei Rasse sich toleranter verhält?
    Wo man die Abgrenzungslinie zieht, ist m.E. egal, sie dient immer dazu, sich über jemand anderen zu positionieren, aus welchen primitiven Ansprüchen auch immer. Da hilft nur Aufklärung und Nachdenken. Der Nationalismus nährt sich natürlich aus den gleichen Instinkten, die jetzt und in der nächsten Zukunft uns weiter überwältigen werden. Warum? In allen vergangenen Epochen der Weltgeschichte kam es, nach radikalen Klimaänderungen zu Völkerwanderungen mit entsprechenden Konfliktpotentialen. Das steht uns in dem aktuellen Klimawandel auch bevor, und seltsamerweise sind alle Leugner des Klimawandels dabei sich abzuschotten oder propagieren es im kleinen oder großen Maßstab.
    Zur Eurer Verwunderung um Wächtersbach, man ist der eigenen »Klicke« den Mitgliedern sehr viel Toleranter, die Gruppe wird über das Recht der Anderen gestellt, ob in der Familie oder Staaten, Beispiele fallen Euch bestimmt dazu ein. Der Kampf dagegen ist mühselig, weil nachhaltig nur gewaltfrei durch Aufklärung und Sozialisation möglich.

  66. Hey Jungs, schöne Folge wieder mal, danke dafür :)

    Ein Kommentar zu den „zu günstigen“ CO2-Zertifikaten: Die Zertifikate sind nicht „zu günstig“, sondern reflektieren die Grenzkosten für jede weitere eingesparte Tonne CO2. Ein besserer Kritikpunkt wäre also dass zu viele Zertifikate in Umlauf sind. Günstige Einsparkosten sind an sich erstmal kein Problem sondern bedeuten einfach dass der finanzielle Aufwand (noch) nicht besonders groß ist.

    Liebe Grüße :)

  67. Noch eine vertiefende Info zum No-Deal-Brexit: Es gab Überlegungen (bzw. es wurde nicht ausgeschlossen) von Boris Johnson das Parlament zu „proroguen“, es also bis zum Austrittsdatum aufzulösen, sodass die Abgeordneten einen Austritt ohne Deal nicht verhindern können. Das wäre für mich ein neuer Gipfel des Undemokratischen und bereitet mir Sorgen. Meine Quelle hierzu ist der YouTube-Kanal TLDR-News, den ich für Brexit-Themen sehr empfehlen kann: https://youtu.be/OpvMud16gC8

  68. Hintergrund – Deutschlandfunk: Kobaltabbau im Kongo – Der hohe Preis für Elektroautos und Smartphones http://www.deutschlandfunk.de/kobaltabbau-im-kongo-der-hohe-preis-fuer-elektroautos-und.724.de.html?dram:article_id=454818
    https://www.deutschlandfunk.de/lithium-abbau-in-suedamerika-kehrseite-der-energiewende.724.de.html?dram:article_id=447604
    Meine Frage ist, ob E-Mobilität die bessere Lösung ist. Zudem wohne ich auf “dem Land“ und ich habe keine Möglichkeit mit Bus oder Bahn zu fahren zudem kann ich es mir nicht leisten, mal eben so auf ein Elektro-Auto umzusteigen, zumal ich dem wir benannt ebenfalls kritisch gegenüber stehe! Mein Dieselstinker würde in einem anderen Land weiterhin die Luft verpesten und muss dort noch nicht einmal zur AU!

    • Und die Arbeitsbedingungen bei der Ölförderung sind so viel besser? Die Saudis finanzieren mit ihrem Ölgeld Terrorismus – finde das viel schlimmer…

      “Zudem wohne ich auf “dem Land“ und ich habe keine Möglichkeit mit Bus oder Bahn zu fahren zudem kann ich es mir nicht leisten, mal eben so auf ein Elektro-Auto umzusteigen”

      Das wurde doch schon 100 mal durchgekaut… Gähn…

  69. Hallo zusammen,
    vielen Dank für die wieder mal sehr informative Folge!
    Zum Klimaschutz ein Buchtipp: Ein Journalist, der seit 30 Jahren die Klimapolitik in Deutschland und weltweit verfolgt, hat mal aufgeschrieben, warum die Politik bei dem Thema so versagt: https://www.amazon.de/30-Jahre-Dummheit-Warum-retten/dp/3739233850/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=ÅMÅŽÕÑ&crid=3HV4L0Y820ZX1&keywords=30+jahre+dummheit&qid=1564303064&s=gateway&sprefix=30+jähre+du%2Caps%2C150&sr=8-1

  70. Hallo ihr zwei, hier mal ein paar Anmerkungen zum Thema Waffenrecht & Schießsport. Ich bin seit 30 Jahren der Vorstand eines Schützenvereins und ja, wir schießen auch mit scharfen Waffen, unser Schießstand ist für Waffen bis zu einer Mündungsenergie von 1500 Joule (im Vergleich, ein frei verkaufbares Luftgewehr hat eine Mündungsenergie kleiner 7,5 Joule) zugelassen.
    Das eine was man mal erklären muss, wenn man das erschrecken der Leute sieht wenn es heißt “der hatte 1000 Schuss Munition daheim” ist, dass 1000 Schuss nicht viel ist. An einem normalen Trainingsabend verbraucht man 70 Schuss, wer eifriger trainiert auch mehr. Nun gibt es hier aber (anders als in der USA) den Waffenhändler nicht gleich um die Ecke, wenn ich Munition kaufen will muss ich erst mal 30 km fahren. Daher kaufst Du nicht den Vorrat für eine Woche, sondern gleich mal 1000 Schuss oder mehr damit Du nicht so oft fahren musst.
    Zum Thema “wir brauchen ein schärferes Waffenrecht” kann ich nur sagen, wir haben hier schon ein sehr gutes Waffenrecht. Um eine Waffenbesitzkarte zu bekommen brauchst Du:
    a) ein unbedenkliches polizeiliches Führungszeugnis. Wer z.B. seinen Führerschein wegen Alkohol am Steuer abgeben muss, der verliert auch gleich siene WBK.
    b) einen Sachkundenachweis. Das bedeutet ein meist eintägiger Lehrgang mit abschließender Prüfung, man lernt den sicheren Umgang mit der Waffe und die gesetzlichen Vorschriften des Waffenrechts und auch die Notwehrparagraphen.
    c) Den Nachweis eines “Bedürfnisses” eine Waffe zu besitzen. Also die Mitgliedschaft in einem Schützenverein sowie die regelmäßige Teilnahme am Schießbetrieb (dafür stellt der Verein Waffen zur Verfügung, aber mit einer eigenen Waffe kann man argumentieren, bessere Ergebnisse zu erzielen). Regelmäßige Teilnahme bedeutet im aktuellen Kontext mindestens 1x im Monat über 12 Monate.
    Dann hast Du eine WBK (WaffenBesitzKarte) de Dir erlaubt, eine Waffe zu besitzen, die dazu gehörige Munition zu erwerben und diese von zu Hause (wo sie im Tresor aufzubewahren ist) zu einem Schießstand zu transportieren (Verschlossenes Behältnis, Munition getrennt ebenfalls einem verschlossenen Behältnis). Am Schießstand darfst Du damit schießen, sofern der Schießstand für diese Waffenart zugelassen ist. Bei uns darfst Du also z.B. .45 ACP (Pistole) schießen, aber keinen Schwarzpulver-Vorderlader weil der Stand dafür nicht zugelassen ist.
    Und man darf die Waffe nur “transportieren”, also nicht einsatzbereit im Schulterholster tragen, denn das wäre “Führen” und dafür brauchst Du einen “Waffenschein”, also das was z.B. Polizisten bekommen die ja dienstlich einsatzbereite Waffen mit sich herumtragen.
    Zum Thema “Bedürfnis” (Punkt “c” für die WBK) ist noch zu sagen, dass früher diese Bescheinigung vom Vorstand des jeweiligen Schützenvereins ausgestellt wurde. D.h. als Vorstand hattest Du eine gewisse Verantwortung und konntest das auch verweigern. Wenn z.B. jemand als “Interessent” kommt und dann in der einen Hand einen Aufnahmeantrag hat, in der anderen gleich das Formular für die Bedürfnisbescheinigung, dann dürfte ziemlich klar sein, dass der nur möglichst schnell an eine Waffe kommen will. Und solche Leute muss man nicht aufnehmen und muss ihnen auch keine Bescheingung ausstellen. Seit dem Amoklauf von Erfurt im Jahr 2002 wurde das Verfahren aber geändert, jetzt stellt der Verein keine Bedürfnisbescheinigungen mehr aus, das macht nun ein Sachbearbeiter beim jeweiligen Dachverband, bei uns z.B. beim BSSB (Bayerischer Sportschützenbund). Der Antragsteller braucht dazu lediglich den Nachweis der Teilnahme am Schießbetrieb und den kann ich leider keinem verweigern. Dann noch 20 Euro Bearbeitungsgebühr und die Bürokratie nimmt ihren Lauf. Der Sachbearbeiter beim Dachverband entscheidet nach “Aktenlage” ohne den Antragsteller persönlich zu kennen und kann daher kaum einschätzen, ob ein tatsächliches schießsportliches Interesse da ist oder eher der Wunsch nach einer “Wumme”. Ich bin mir da nicht sicher, ob das tatsächlich eine Verbesserung darstellt.

    • Danke für den ausführlichen Kommentar und den Blick auf die Praxis! Sehr interessant.

    • @Rainer

      Hast du Einblick in die Situation in Großbritannien? Soweit ich weiß, haben die vor gut 15 Jahren das strengste Waffenrecht in Europa eingeführt. Aber auch dort gibt es ja weiterhin Schießsport.

      Was ich mir, der eine Schusswffe nur während des Wehrdienstes angefasst hat, wünschen würde, wären regelmäßige psychologische Begutachtungen aller Waffenbesitzkarteninhaber. Also alle paar Jahre ein zumindest oberflächlicher Test, ob derjenige noch als zuverlässig einzuschätzen ist.

      • @Günter leider habe ich keine Infos wie das in UK gehandhabt wird. Was das Thema “psychologische Begutachtung” betrifft, da würdest Du Dich sehr unbeliebt machen. Ein solches Gutachten ist übrigens vorgeschrieben wenn Du eine großkalibrige Waffe haben willst, aber noch keine 25 Jahre alt bist. Erfahrungsbericht hier: https://german-rifle-association.de/waffenrecht-mpu-fuer-sportschuetzen-nach-%C2%A7-6-abs-3-waffg-ein-erfahrungsbericht/ (mal schnell gegeoogelt, hat nix mit meinem Verein zu tun).
        Aber prinzipiell würdest Du mit so einer allgemeinen Forderung wahrscheinlich den gleichen Shitstorm ernten wie wenn Du forderst, dass Autofahrer ab 50 alle 5 Jahre zur MPU muss um weiterhin seine Fahrerlaubnis zu haben.
        Wir hatten im letzten Jahr übrigens einen Fall, in dem ein Mitglied die WBK von der Ordnungsbehörde versagt wurde. Begründung war, dass er nach einem Schlaganfall den rechten Arm nicht mehr großartig nutzen kann, was ihm allerdings bei der Sachkundeprüfung keinerlei Probleme bereitet hat. Die Sachbearbeiterin in der Ordnungsbehörde hat sich aber dann angemasst, aus dieser körperlichen Behinderung eine “mangelnde geistige Befähigung zum Besitz einer Waffe” abzuleiten, was für mich schlicht eine absolute Unverschämtheit ist. Das wäre das gleiche wie wenn ich einen Rollstuhlfahrer als “geistig behindert” einstufen würde.

    • Danke für die Information. Meiner Meinung nach ist es aber trotzdem noch ein Unterschied, ob man Pistolen und Jagdgewehre zu Hause lagert oder Kriegswaffen wie Pumpguns oder Sturmgewehre. Die haben im Privatbesitz nichts zu suchen.

      • Hallo zusammen,

        vielen Dank, das war wieder eine tolle Folge der Lage!

        Ihr habt Euch gegen Ende gefragt, warum es mit dem Klimaschutz nicht vorangeht. Eure Antwort war: die Auswirkungen betreffen einen nicht direkt, die Folgen sind noch weit weg, der Druck ist noch nicht hoch genug…

        Ich denke es gibt noch einen weiteren Aspekt: warum soll gerade ich damit anfangen? Ich hab in einem Programm von Dieter Nuhr mal folgendes gehört: “der Mensch will nicht glücklich sein, aber glücklicher als die anderen.”

        Und für mich passt das. Warum soll ich auf Pendeln verzichten? Warum soll ich für eine Partei stimmen, die mir das Leben schwerer macht aber die großen Klimasünder ungeschoren davon kommen lässt? Warum darf ich nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren, aber billige und steuerfreie Importware konsumieren?

  71. Zu der Pendlerpauschale:
    Ich denke die Idee hinter der schnellen CO2 Bepreisung ist:
    1. Incentives schaffen auf günstigere, CO2-ärmere Alternativen
    2. Geld zurück zahlen an Menschen, die schwerer von der Bepreisung getroffen sind.
    Da finde ich passt eine Pendlerpauschale ganz gut rein, da diese ja erst bei der Steuererklärung wieder zurück kommt. Ich denke viele werden trotzdem überlegen in CO2-ärmere Alternativen zu investieren (zb Elektroauto), aber nicht jeder wird es so schnell schaffen können, so dass eine Erhöhung der Pendlerpauschale schon fair klingt.

    Zu Libra:
    Was glaube ich zu kurz gekommen ist sind die Vorteile von Libra, insbesondere der sehr günstige Geldtransfer. Gerade in Entwicklungsländern sind Familien auf die Wucherpreise von Western Union und co angewiesen. Die würden alle ersetzt werden. Außerdem hat Facebook eingestanden, dass sie alles dafür tun werden um compliant zu sein in jedem Land wo sie an den Start gehen. Wenn die Länder wissen, was genau wie reguliert werden sollte, wird man das denke ich schon hinbekommen. Die größten Fragezeichen sind ja Datenschutz, Geldwäsche, Sicherheit.
    Und nicht zu vergessen: Wenn Facebook und co nicht mit Libra an den Start gehen, könnte eine andere, womöglich weniger reglementierte Währung an den Start gehen (zb aus China).
    Ein letzter Punkt: Bei der 5 Mrd Strafe der FTC an Facebook kann Facebook nicht weitermachen wie bisher: sie müssen unabhängige Gremien für Datenschutz implementieren und Zuckerberg darf keine Datenschutzentscheidung selbst treffen. Das Gremium darf entscheiden wie in Zukunft Datenschutz bei Facebook aussieht (https://www.google.com/amp/s/techcrunch.com/2019/07/24/facebook-settles-with-ftc-5-billion-and-new-privacy-guarantees/amp/)

    • > 1. Incentives schaffen auf günstigere, CO2-ärmere Alternativen

      Die Frage bleibt halt nur, ob es Alternativen gibt. Und, bilden sich diese Alternativen schnell genug falls sie noch nicht vorhanden sind. Ich glaube ohne eine extreme finanziella Unterstützung und Erforschung der Alternativen enden viele Versuche, sein Leben umzustellen, in einer Sackgasse.

      Sicherlich, in der Stadt kann ich relativ leicht auf ein Auto verzichten. Im ländlichen Raum derzeit eher nicht. Lebe ich in einer Mietwohnung in einer Großstadt, wo Wohnraum derzeit ohnehin knapp ist, kann ich dann umziehen wenn ich feststelle, dass das Haus schlecht gedämmt bzw eine ältere Zentralheizung hat. Uns fallen gemeinschaftlich jede Menge weitere Beispiele ein, wo es einfach keine, schlechte oder nur teure Alternativen gibt.

      Und zu glauben, dass “der Markt” das schon regelt wenn man die richtigen Anreize setzt, mag zwar punktuell stimmen, aber tut er das schnell genug? Tut er das in Bereichen, in denen erst einmal viel investiert werden muss?

      Ich habe leider auch keine Lösung parat, allerdings wird es nur der Markt alleine nicht schaffen.

      • Das sind gute Einwände – aber man muss ja die Bepreisung von CO2 nicht lassen, wenn man andernorts Entwicklungen hin zu klimafreundlicheren Technologien subventioniert. Im Gegenteil scheint mir ein höherer Preis für CO2-Verbrauch überhaupt erst die Voraussetzungen zu schaffen, damit sich alternative Lösungen am Markt behaupten können.

  72. Zu Ulfs Problem mit den privaten Waffen von Polizisten möchte ich anmerken, dass ich Polizisten kenne, die darüber klagen im normalen Dienst viel zu wenig Schießtraining haben, um ihre Waffen zielsicher und intuitiv einsetzen zu können und sich daher privat diese fehlende Übung auf eigene Kosten nachrüsten.
    Das gilt übrigens auch für aktive Soldaten und Reservisten.
    Disclaimer: ich bin selbst aktiver Reservist und habe so die Möglichkeit gerade mal an zwei Schulschießen und im Jahr teilzunehmen (+ Wettkämpfe). Und auch bei uns sind immer wieder aktive Soldaten und Polizisten dabei, die jede Möglichkeit wahrnehmen wollen, um für unser aller Sicherheit ihre Schießfähigkeiten zu trainieren. Geschossen wird dabei mit Waffen der Bundeswehr unter strengster Überwachung, bei der jeder einzelne Schuss in der Schießkladde protokolliert wird. Alle Schießlehrer sagen dabei, dass eine Handvoll Schießübungen mit pro Tag im Schnitt 20 Schuss viel zu wenig sind, um eine Waffe souverän zu beherrschen von mehreren Typen ganz zu schweigen.
    Wenn also jemand einen Grund hat, privat in Schützenvereinen das Schießen mit unterschiedlichen Waffen zu üben, dann normale Polizisten. Abgesehen davon ist es mir persönlich sehr viel wohler, wenn Polizisten in Schützenvereinen ein Auge auf die Mitglieder dort haben.

    • Korrektur: Philips Probleme, Ulf sah das ja weniger kritisch.
      Zum Klima. Ich bin ganz eurer Meinung, dass jeder mitmachen muss aber mit CO2-Vermeidung alleine können wir es global nicht schaffen, da Indien gerade mit dem beginnt, was China gerade unter Vollgas betreibt: den Lebensstandard der Bevölkerung durch massiv erhöhten Energiekonsum zu heben. Wie Hans Rosling in seinem Buch Factfullness auch nachweist, brauchen wir den global erhöhten Lebensstandard, um das Bevölkerungswachstum weiter zu verlangsamen, was auch für den CO2-Ausstoß langfristig absolut erforderlich ist.
      https://www.amazon.de/Factfulness-lernen-Welt-sehen-wirklich-ebook/dp/B077K69VX2
      Also müssen wir auch CO2-Kompensation durch Aufforstung und Sequestrierung bei jeder Art von CO2-Eintrag mittels entsprechender Zertifikate in großem Stil nutzen, denn wie soll sonst der weitere CO2-Eintrag bis zur völligen Umstellung auf klimaneutrale Technik gemanagt werden.
      Wie das gehen könnte, beschreibt der Deutsche Zukunftsforscher und Informatikprofessor F. J. Radermacher in seinem Buch “der Milliardenjoker” oder interviewt von Tim Pritlove in seinem Podcast Forschergeist
      Forschergeist: FG066 Klimaneutralität http://forschergeist.de/podcast/fg066-klimaneutralitaet/
      Er zeichnet dort auch das Bild von CO2-neutralen Synthetischen Kraftstoffen durch P2L.
      Während nach neueren Vergleichsstudien Power2Liquid in der CO2-Gesamtbilanz für den europäischen Verkehr in den nächsten 30 Jahren den niedrigsten Wirkungsgrad aller Konzepte aufweist, scheint es mir für den Flugverkehr die einzige Alternative zu sein, vor allem wenn es wie bei der weltweit größten Versuchsanlage in Marokko in einem Land aufgebaut wird, dass Sonne im Überschuss aber keinen Anschluss ans europäische Stromnetz dafür aber die Infrastruktur für Mineralölwirtschaft hat.
      Forschergeist: FG066 Klimaneutralität http://forschergeist.de/podcast/fg066-klimaneutralitaet/

  73. Vielen Dank für viele spannende und informative Stunden, die mich in Kalifornien den Anschluss nicht verlieren lassen!
    Ich wollt ich nur vorschlagen den Link zu den Kommentaren bei jeder Sendung oben in die Shownotes zu packen. Dann könnte man vom Podcast Player aus direkt dorthin kommen.

    Liebe Grüße

  74. Hallo Ulf, hi Philip,

    kurze Anmerkung zum Thema Libra und Blockchain ohne zu sehr in die technischen Details einzusteigen. Die Libra Blockchain ist deutlich (!) abzugrenzen von der Blockchain wie der von z.B. Bitcoin. Allen voran ist Libra nicht dezentral. Die von euch erwähnten Unternehmensgruppen haben sehr große Kontrolle über die Nutzung von Libra. Das verstößt gegen den Grundgedanken der Blockchain! Andere Kryptowährungen werden i.d.R. nicht von einer zentralen Organisation kontrolliert.

    Es gibt viele weitere Unterschiede (z.B. ist der Bestand von bitcoin begrenzt auf 21 Millionen – das Angebot von Libra hingegen kann von der Association angepasst werden). Ich habe noch nicht an der Oberfläche gekratzt. Ich würde Euch deshalb nahe legen, den Terminus Blockchain im Kontext von Libra und anderen Kryptowährungen mit Vorsicht synonym zu verwenden.

    Danke für die Folge – schönes Wochenende Euch.

    • Ich habe mir die Stelle nochmal angehört (ca. Minute 50:00):
      Der Zusammenhang zur Blockchain wird bereits in der Einleitung als “Buzzword” abgestempelt.

      • Auch wenn nur ein Buzzword und auch wenn das bei Libra nicht derartige Ausmaße annehmen wird, noch zum thema Blockchain, Bitcoin, Libra, Klimaschutz etc.:

        Der Stromverbrauch, der für das Mining des Bitcoins und damit das erstellen der Blockchain investiert wird, bewegt sich aktuell zwischen dem der Schweiß und Tschechien (https://www.cbeci.org/comparisons/)

        Für diejenigen die es interessiert, die technischen Details sehen in etwa wie folgt aus (auch wenn sehr oberflächlich behandelt): Transaktionen werden zusammengefasst und zu einem Block zusammengeschnürt und mit einem “Hash” “verschlüsselt”. An sich ist es nicht schwer einen Hash zu erstellen, jedoch wird in regelmäßigen Abständen die komplexität dieses Verfahrens künstlich gesteigert damit das minen nicht zu schnell von statten geht. Dafür wird vom System administrativ vorrausgesetzt, dass die ersten Ziffern dieses Hashs Nullen sein müssen (momentan glaube ich die ersten 17 Stellen). Einen Hash zu erzeugen, der aber genau diese Vorraussetzung erfüllt ist hingegen ziemlich schwierig (im Grunde als wolle man eine Verschlüsselung Knacken). Damit wird der Rechenaufwand und damit der Energieverbrauch erhöht.

        Wie gesagt, ich denke beim Libra wird das anders laufen, da die Unternehmen kein Interesse daran haben werden Mrd. in Strom zu investieren, finde es aber trotzdem interessant und sollte vllt. im Hinterkopf behalten werden.

        Ich bin recht neu als Lage-Hörer, bin aber sehr begeistert und habe großen Respekt vor Eurer Arbeit. Danke dafür :)

  75. Die von euch zum wiederholten Male geäußerte Meinung, dass eine generelle CO2-Bepreisung am schnellsten die Treibhausgaszunahme begrenzt, blendet leider die Schwierigkeiten bei der unvermeidbaren Vorgewichtung je nach Verbrauchsfeld völlig aus.
    Wenn der Preis fossiler Brennstoffe durch CO2-Besteuerung beispielsweise mit zweistelliger Prozentrate steigt, lassen SUV-Fans doch noch lange nicht von ihrer Vorliebe und selbst wenn sich die thermische Dämmung von Neubauten drastisch verbessert, werden “Altwohner”, denen ohne Gegensteuerungsmöglichkeiten die Taschen geleert werden, auf die Barrikaden gehen.
    Ich persönlich würde die gezielte Einzelvornahme eines Bündels von Maßnahmen (durchaus bis hin zum ebenso schlichten wie definitiv wirkungsvollen SUV-Verbot) der bei genereller Bepreisung fälligen Nachsteuerungsflut vorziehen.
    Wo das bessere Aufwand-Nutzen-Verhältnis denn nun wirklich liegt, dürfte offen sein – und damit diskussionsbedürftig!

  76. Ich höre euch schon eine ganze Weile und hatte nie einen Grund, großartig Kritik zu äußern. Nach dieser Folge ist es so weit, denn ihr habt den „Impliziten Assoziationstest“ (kurz IAT) empfohlen.
    Kurz zu meiner Person: ich bin promovierter, wissenschaftlich tätiger Psychologe und beschäftige mich hauptberuflich mit dem Problem, dass in der Psychologie oft sehr schwer zu erfassende Konstrukte getestet werden. Ich weiß daher, dass das mal gut (bei Intelligenz), mal „ganz okay“ (bei Persönlichkeit) und mal gar nicht funktioniert. In letztere Kategorie fällt der von euch empfohlene Test.

    Als der IAT veröffentlicht wurde, dacht man lange, man habe den heiligen Gral entdeckt. Vorurteile, besonders wenn sie als sozial unerwünscht oder „politisch nicht korrekt“ gelten sind schwer zu erfassen, weil Leute selten ehrlich antworten. Der IAT schickte sich an, „unbewussten“ (in der Fachsprache „impliziten“) Rassismus zu messen. Das Problem: er funktioniert nicht.

    Nachdem man über 100 Studien mit mehr als 81000 Testpersonen ausgewertet hat, kam ein Forscherteam zu folgendem Ergebnis:

    >„…dass der Zusammenhang zwischen impliziten Vorurteilen und diskriminierendem Verhalten schwächer erscheint als bisher angenommen. Sie kommen auch zu dem Schluss, dass es sehr wenig Beweise dafür gibt, dass Veränderungen in den impliziten Vorurteilen etwas mit Veränderungen im Verhalten einer Person zu tun haben. Diese Ergebnisse, so schreiben sie, “stellen eine Herausforderung für diesen Forschungsbereich dar”
    (Übersetzung von mir, Quelle: https://www.chronicle.com/article/Can-We-Really-Measure-Implicit/238807, Link zur Originalstudie: https://www.researchgate.net/publication/308926636_A_Meta-Analysis_of_Change_in_Implicit_Bias)

    Das war auch keine neue Erkenntnis, denn 2013 kam man zu einem ähnlichen Schluss, als man die zu der Zeit verfügbaren Studien auswertete (https://www.researchgate.net/profile/Frederick_Oswald/publication/239732934_Predicting_Ethnic_and_Racial_Discrimination_A_Meta-Analysis_of_IAT_Criterion_Studies/links/0a85e53a9a75e2ec00000000.pdf).

    Klartext: „unbewusste Vorurteile“ gemessen mit dem IAT sagen kaum etwas über diskriminierendes Verhalten aus und Trainings, die diese „unbewussten Vorurteile“ verändern, bringen auch nichts. Mittlerweile geben das auch die Autoren des IAT selbst zu (https://www.vox.com/identities/2017/3/7/14637626/implicit-association-test-racism).

    Die dunkle Seite des IAT: das Konzept dahinter funktioniert mit allen möglichen Themen. Weniger wohlmeinende Personen könnten diesen Fake-.Test dafür einsetzen, „implizite Vorurteile“ gegenüber der aktuellen Regierung, einer zur Macht gekommenen politischen Idee oder „der deutschen Volksgemeinschaft“ zu testen. Er würde dabei genauso gut funktionieren und auch da hätte niemand die Macht über seine eigenen „Vorurteile“. Dass das Test nichts Reales misst, wäre ja dann egal.

    Um es deutlich zu sagen: der IAT ist nicht besser als ein Rorschach-Test. Ja, das ist der mit den Tintenklecksen. Bitte nehmt eure Empfehlung zurück, auch wenn sie wohlmeinend war und auch wenn ich euer Eintreten gegen Rassismus absolut unterstütze.

    • Auch wenn der Test nicht geeignet ist, Rückschlüsse auf diskriminierendes Verhalten zuzulassen, scheint er zumindest geeignet, ggf. vorhandene unbewusste Vorurteile bei einem selbst zumindest aufzuzeigen. Das ist zumindest aus der perspektive der Selbstvergewisserung nicht uninteressant, müsste dann aber auch entsprechend eingeordnet werden.
      Oder verstehe ich das falsch?

      • Das Problem ist, dass der Test so ungenau ist, dass du mit deinem Ergebnis nicht einmal sagen kannst, ob du nun „unbewusste Vorurteile“ hast oder nicht. Das liegt daran, dass zwei aufeinander folgende Testergebnisse des IAT so stark schwanken, dass du mal voller Vorurteile, mal völlig frei davon sein kannst. Ob du diese Vorurteile nun hast oder nicht kriegst du so nie raus. In Fachtermini hat er „eine Test-Retest-Reliabilität von r = .55“, das ist ungefähr vergleichbar mit den (zu recht) in Verruf geratenen Tintenkleckstests.

  77. So Typen wie Donald Trump und Boris Johnson sind doch nur Ablenkungen. Die wahre Macht auf dieser Welt haben nicht Politiker.

    Die Mehrheit der Amerikaner ist dagegen, dass ein Krankenhausbesuch ein Vermögen kostet, sie ist dagegen dass viele Uni-Absolventen bis an ihr Lebensende ihre Studienkredite abstottern müssen und sie befürworten es auch nicht, dass jeder vierte Gefangene auf der Welt in einem amerikanischen Gefängnis sitzt, wo er für einen Hungerlohn arbeiten muss. Alle zwei Jahre wählen sie einen neuen Kongress und kein einziger von diesen hat an den oben genannten Punkten etwas geändert. Weil die Kongressabgeordneten von großen Lobbyorganisationen abhängig sind, die ihre Wahlkämpfe finanzieren. Sicher gibt es auch Ausnahmen, aber die haben bei über 400 Abgeordneten kein Gewicht.

    Nur neun Länder auf der Welt haben weder eine verpflichtende Elternzeit, noch einen Mutterschutz. Die USA gehören dazu, einige wenige Bundesstaaten haben allerdings eigene Gesetze verabschiedet. Welchen Wert hat ein demokratisches System, welches die Lebensqualität seiner Bürger seit 40 Jahren kontinuierlich verschlechtert hat? Die Frage stellt sich übrigens auch für Großbritannien. Vor Thatcher, Blair und Cameron ging es den meisten Briten besser. Erst der radikale Sparkurs der Tories hat den Frust der Bürger so groß werden lassen, dass sie sich von den Brexiteers aufhetzen ließen.

    Die exzessiven Ausgaben für das Militär und die drastischen Steuersenkungen in den Jahren seit Reagan sind dafür verantwortlich, dass in den USA kein Geld mehr für die eigenen Bürger da ist. Daran wird auch ein Demokrat nichts ändern können. Die USA waren auch 2015 vor Trump kein Paradies. Und in fünf Jahren könnte dann ein noch extremerer Politiker als Trump davon profitieren, dass der demokratische Präsident in seiner ersten Amtszeit keine signifikanten Änderungen in die Wege leiten konnte. Weil den Kongressabgeordneten ihre Geldgeber wichtiger sind als ihr Präsident.

    Es ist nicht zu erwarten, dass sich die genannten Probleme (es gibt in beiden Ländern noch viel mehr) in den kommenden Jahrzehnten in Luft auflösen werden. Die Frage ist also wie leidensfähig die Bevölkerungen sind und wann der Punkt erreicht ist, an dem sie das System nicht mehr akzeptieren.

    In dieser Situation finde ich echt, dass die Ähnlichkeiten zum Ende der DDR immer weiter zunehmen. Natürlich geht es uns im Westen heute besser und so weiter, die Medien können freier schreiben usw., das meine ich nicht.

    Aber damals 88/89 habe ich als Kind erlebt, wie schon ein Jahr vorher jeder wusste, so wird es mit diesem Land nicht weitergehen. Nur wusste auch damals keiner, was danach kommen sollte. Die staatlichen Stellen und die Medien haben diese Fragen natürlich abgestritten, aber dann auch schon immer weiter ausgeblendet. Was nicht sein darf, das nicht sein kann. Wenn doch, dann wurde immer wieder angeführt, dass die DDR ja große Errungenschaften für die Menschen erreicht hätte, wie sichere Arbeitsplätze – und das wolle ja wohl bei allen kleinen Problemen keiner aufs Spiel setzen …

    Und so schleppte sich die Sache immer weiter hin. Im Nachhinein finde ich es erstaunlich, wie lange sich das hingezogen hat – und wie gesagt, da wusste fast jeder, das Land ist am Ende. Der Staat zerfiel fast schon in sich vor Schwäche, die überalterte Führung war todkrank und viele Häuser zerfielen buchstäblich. Man musste das Ende fast sehen, ob man wollte oder nicht. Ganz anders als heute, wo man ja bei den Nachrichten wegschalten kann und die Währungen immer noch kaufkräftig sind.

    Jedoch: Noch im Delirium des Zerfalls der DDR lief eine riesige Parade wie ein Uhrwerk ab, viele Leute funktionierten weiter. Und es hätte sich alles noch weiter hingezogen, wenn nicht Gorbatschow von außen den Leuten signalisiert hätte, macht, was ihr für richtig haltet, wir setzen keine Gewalt mehr ein und das Westfernsehen mit seiner Werbung nicht jeden Abend signalisiert hätte, kommt zu uns, hier gibts alles.

    Warum ich das alles schreibe: Weil ich auch nicht weiß was kommt, aber aus dem was ich schon gesehen habe, versuche, etwas abzuleiten. Und das ist in diesem Fall, dass Menschen dahin tendieren, immer weiter vor sich hinzuwursteln, auch wenn sie innerlich schon lange wissen, es wird krachen, einfach weil sie nicht wissen, was sie tun sollen und was kommen wird.

    Weil das so ist vermute ich, dass sich die Sache einfach hinschleppt, zum Schaden der ganzen Welt. Theoretisch müsste die Illusion irgendwann platzen, aber ich glaube, das dauert noch sehr lange.

  78. Nicht die Wähler sind die Voraussetzung von Böckenfördes Diktum, sondern das Grundgesetz selbst! Ohne dieses und dessen Ewigkeitsgarantie könnten demokratisch gewählte Personen doch frei nach ihrem Gusto verfahren.

    • Das Grundgesetz sind Worte auf Papier. Damit es irgendeine Wirkung entfalten kann, müssen diese Worte auch geachtet und mit Leben erfüllt werden, und zwar jeden Tag aufs neue. Und das ist das, was Böckenförde meint. Ohne eine Gesellschaft, die alle Wertvorstellungen des Grundgesetzes teilt und die in ihm gestaltete Staatsordnung stützt, ist das Büchlein nur Altpapier.

  79. P.S. Mannoman, ich mache so viele Tippfehler. Wäre schön wenn man hinterher nochmal verbessern könnte. Sorry :-/

    • no worries, das geht uns ja allen so … wir überlegen uns mal eine etwas ausgefeiltere Lösung für die Kommentare.

  80. Global Warming

    Ich möchte auch auf dieses epochale Paper hinweisen:
    https://www.nature.com/articles/s41586-019-1401-2

    Gegenargument vieler Leugner des Global Warming war immer, dass es schon immer warnte und kalte Klimaperioden auf der Erde gegeben hat. Dann kam das Argument, ja, aber so schnell wie jetzt war es noch nie und es korreliert mit CO2.

    Diese neue Arbeit zeigt, dass es in der Tat schon immer warnte und kalte Klimaperioden auf der Erde gegeben hat; diese passierten aber immer gleichzeitig auf verschiedenen Erdteilen. das heißt an einer Stelle wurde as kälter, an einer anderen wärmer. Im Schnitt war das Weltklima also konstant.

    Seit der industriellen, CO2-ausstoßenden Phase ist dies aber zum *ERSTEN* mal komplett anders. Es wird *ÜBERALL* auf der Erde wärmer; das Gesamtklima der Erde erwärmt sich also. Das ist ein einzigartiger Vorgang, den es so noch nie gegeben hat,

  81. Exzellenzinitiative und Deutsche Hochschullandschaft

    Hierzu einige Anmerkungen aus internationaler Sicht. Ich hatte einen Lehrstuhl in Deutschland, Australien und den Niederlanden:

    1) Deutsche Unis sind *NICHT* unterfinanziert, auch wenn deutsche Professoren (die nie im Ausland in Führungspositionen hatten) gerne Mantra-artig wiederholt wird. Deutsche Professoren sind im Vergleich zu ausländischen Unis überfinanziert. Ihre Produktivität ist nach allen relevanten Parametern nur halb so groß pro Euro als die anderer Länder. Am gerne aufgeführten Beispiel Harvard zahlt die Uni vielen Profs nur 30% ihres Gehalts, den Rest müssen sie sich durch eingeworbene Drittmittel erarbeiten. Da möchte ich gerne mal deutsche Professoren sehen. Andere Länder haben so gut wie keine Forschungsgrundausstattung. Professoren haben Lehrdeputate von 50% (in Deutschkand i.d.R. nur 8 Semesterwochenstunden). Was fehl läuft ist die *VERTEILUNG* des Geldes nach dem Gießkannenprinzip und nicht nach Forschungs- oder Lehrleistung.

    2) Das beklagen von zu wenig festen Stellen ist komplett unlogisch. Ein Professor hat in seinem ganzen Berufsleben (sagen wir mal 40 Jahre) vielleicht 40 Doktoranden und 20 Postdocs als Mitarbeiter gehabt. Da die Anzahl der Stellen an einer Uni relativ fix ist, kann rein rechnerisch nur *EINER* von diesen 60 jemals sein/e Nachfolger/in werden. Werden 2 seiner Mitarbeiter Prof, dann wird irgendwo ein Prof überhaupt keinen Nachfolger haben. Es ist absurd für alle anderen 59 auch feste Stellen zu fordern. Diese 60-fache Stellenvermehrung alle 40 Jahre ist einfach nicht da. Nur die akademisch aller-allerbesten sollten an der Uni gehalten werden.

    3) Lehre ist keine Aufgabe und kein Ziel der Exzellenzinitiative. Das Ziel der Exzellenzinitiative ist es trotz der meist desolaten Führung der Unis durch zumeist Amateure was Management betrifft (ehrenamtliche Dekane, Präsidenten ohne besondere Qualifizierung ein Multimillionen-Betrieb leiten zu können) die Spitzenkräfte in der Forschung zu Förderung und sie dadurch quasi unabhängig vom Strudel des Mittelmaßes zu machen.

    4) Lehre ist eine völlig vernachlässigte Kernaufgabe der Universitäten Weill gute Lehre nicht Karriere-relevant ist und nur halbherzig vom Management der Fakultäten und Präsidium qualitätsüberwacht wird. Geld und Personal wäre reichlich vorhanden.

    5) Forschung und Lehre ist einer den spannendsten und interessantesten Berufe der Welt und man soll der Gesellschaft ewig dankbar sein, dass sie einem dies ermöglicht. Ich jedenfalls bin es zutiefst.

    Prof. Dr. med. Harald H.H.W. Schmidt
    Universität Maastricht, Niederlande
    wohnhaft in Aachen

    • Zu 2): das ist doch in jedem Betrieb ähnlich. Es gibt einen Chef, der das vermutlich viele Jahre ist. Und es gibt hunderte Angestellte, die alle niemals Chef werden. Aber trotzdem haben die alle einen festen Vertrag!

    • auch zu 2:

      Die fehlenden festen Stellen beziehen sich nicht auf Professuren, sondern auf Doktoranden/Postdocs. (So verstehe ich die Diskussion jedenfalls.)

      Eine voll bezahlte Promotionsstelle ist (je nach Fachbereich) schwierig bis gar nicht zu kriegen, in der Regel erhalten Doktoranden eine 50%- oder eine 75%-Stelle. Dabei wird ihnen nicht die Promotion, sondern die nebenbei laufende Lehre oder sonstige Aufgaben bezahlt. Diese Stellen sind dann auch gerne befristet, weil sie über Exzellenzinitiativen oder Forschungsprojekte finanziert sind und weiteres Budget erst beschafft werden muss.
      In meiner Firma gibt es mehrere Kollegen, die bereits vor dem Ende ihrer Promotion bei uns angefangen haben, weil sie keine Verlängerung ihrer Stelle an der Uni erhalten haben. Die Promotion wird dann in Abend- oder Wochenendschichten fertiggestellt. (Einige Professoren dieser Kollegen wundern sich dann noch, warum diese keine Lust haben, an die Uni zurückzukommen.)

  82. Hallo ihr Zwei,

    Schöner Podcast.
    Einzig beim Thema Libra halte ich eine kleine Klarstellung richtig. Libra ist kein Finanzprodukt das eine Rendite für den Käufer erreichen will. Vergleiche mit Geldmarktfonds und Sparbüchern mit 0% sind quatsch. Libra soll eine (elektronische) Währung zum bezahlen sein und nicht mehr. Ich erwarte ja auch keine Zinsen wenn ich mir US Dollar kaufe. Im Bericht ging es meiner Meinung nach zu sehr in die Richtung eines Finanzproduktes. Ich denke auch nicht, dass die Kerneinnahmen durch Zinserträge zustande kommen sondern durch die Gebühren.

    Meine größte Angst für die europ. Wirtschaft wäre, dass Facebook die Staatsanleihen die sie kaufen wird, und das werden ja dann eine ganze Menge sein, nicht wieder über den Sekundärmarkt in den Finanzkreislauf bringen darf. Sprich sie horten Unmengen an gefragten Anleihen (e.g. Bunds) und verstärken die von der EZB geschaffene Knappheit noch weiter. Wichtig ist meiner Meinung nach daher ein Zugang zum Repo- und Wertpapierleihemarkt.

    Ansonsten wiedermal tolle Arbeit, nur an dem Vergleich mit dem Sparbuchvergleich und diesen als Negativpunkt darzustellen habe ich micj etwas gestört.

    Vg
    Julian

  83. Natürlich war das nur ein Nebensatz in euren Diskussion, aber ich halte es für gefährlich, Trumps Politik auf seinen unbestreitbaren Narzissmus zu reduzieren.

    Schon Ende 2017 hat Adam Serwer für den Atlantic ausführlich dargelegt, auf welche Tradion des rassistischen Nationalismus Trump sich bezieht. [1] Und dass es eine Trump-Figur bereits vorher gab. Er nimmt hier das Beispiel des KKK-Manns David Duke, welcher um ein Haar in den frühen Neunzigern für den Staat Louisana in das House eingezogen wäre. Interessanterweise sah die Mediendiskussion danach mehr oder weniger identisch aus, wie nach Trumps Wahl 2016. Es wurden alle möglichen Erklärungsversuche durchdekliniert … bis auf eben jenen rassistischen Nationalismus, der es bereits den geehrten “Founders” möglich machte von den “inaliable rights of man” zu sprechen, während sie oder ihre Mitstreiter Menschen versklavten.

    Ein Jahr später brachte Serwer den Trumpismus auf den Punkt mit der Formel “The cruelty is the point.” [2] Die Grausamkeit gegen “den Anderen”, meist rassistisch definiert, ist eben kein Nebenprodukt seiner Politik. Es *ist* seine Politik. Fast alle seiner Wahlversprechen waren glatte Lügen: Er versprach als einziger Republikaner, das Gesundheitssystem auf- und nicht abzubauen—Seine Regierung tut das Gegenteil. Anstatt den “Sumpf” der D.C.-Lobbyisten “trockenzulegen”, setzt er sie in jene Behörden, die ihre Wirtschaftszweige kontrollieren sollen. Usw. usf.

    Das einzige Wahlversprechen, welches er niemals brechen wird ist das, gegen “die Anderen” mit Grausamkeit vorzugehen. Und so lange er das tut, wird seine Basis zu ihm halten.

    ________

    [1] https://www.theatlantic.com/politics/archive/2017/11/the-nationalists-delusion/546356/

    [2] https://www.theatlantic.com/ideas/archive/2018/10/the-cruelty-is-the-point/572104/

  84. „Auf dem rechten Auge sehbehindert.“
    Ihr fragt, wie es sein kann, dass wegen der zahlreichen Übergriffe von rechts kein Aufschrei durchs Land geht. Mich hat das unten verlinkt Interview mit der Gerichtsreporterin Annette Ramelsberg sehr beeindruckt. Sie hat für die SZ den NSU-Prozess beobachtet und beschrieben und liefert facettenreiche Antworten auf die Frage, woher die Gleichgültigkeit kommen könnte.
    Absolut hörenswert.
    http://www.jungundnaiv.de/2019/07/14/annette-ramelsberger-ueber-rechtsradikalismus-den-nsu-prozess-folge-422/

  85. Es gibt ein ganzes Bündel von Trends, die zu Phänomenen wie Trump, Johnson, etc. führen.

    1. Mediengesellschaft: immer mehr Menschen bilden sich eine politische Meinung im Wesentlichen auf Grundlage medialer Vermittlung. Persönliches Eingebunden sein in Milieus, Parteien, Gewerkschaften, Gemeinden mit weltanschaulicher Komponente geht zurück. Relevant sind dann nur noch Personen und Gedanken, die in den Medien “trenden”.

    2. Profanisierung der Medien und Verlust der Gatekeeperfunktion: mit wenigen Ausnahmen findet seit Jahrzehnten ein Race to the Bottom statt. Wenn Clicks und User Engagement die Grundlage für Einnahmen sind, wird ein Großteil der medialen Inhalte aus Sex und Angst bestehen. Denn diese Reize sorgen verläßlich für Aufmerksamkeit im Publikum.

    In dem durch 1) und 2) geschaffenen Umfeld können Politiker, die in erster Linie auf Spektakel setzen, überhaupt erst zu dominanten Figuren werden. Umgekehrt werden alle Persönlichkeitstypen, die den medialen Auftritt weniger gut beherrschen, als Politiker entwertet.

    3) Die Menschen unterscheiden sich in ihrer Wahrnehmung von Wandel. Während der eine eher mit Neugier reagiert, ist bei dem anderen Abwehr die instinktive Reaktion. Je selbstbewußter ein Mensch ist, desto eher stellt sich ein positives Verhältnis zum Wandel ein, je verunsicherte die Person ist, desto eher wird (weiterer) Wandel abgelehnt. Die vergangenen Jahrzehnte haben in vielen Teilen der Welt gewaltigen Wandel und gewaltige Verunsicherung mit sich gebracht. In den Industriestaaten hat sich für Menschen ohne akademische Bildung mit Lebensmittelpunkt abseits der Metropolen tendenziell die Welt deutlich zum Schlechteren gewandelt. Verunsicherung und Abwehr sind die psychologischen Folgen, was die Anfälligkeit für “Führerpersonen” erhöht.

    4) Einhergegangen mit der Verunsicherung ist ein massiver Vertrauensverlust in die staatliche Ordnung und deren Fähigkeit, die Dinge im subjektiven Empfinden der Verunsicherten zum Besseren zu wenden. Wer nicht daran glaubt, durch den politischen Prozeß etwas verbessern zu können, der wendet sich ab. Oder aber, er wählt keine Politiker im herkömmlichen Sinne, sondern Gladiatoren/Wrestler, die dem Gegner eins auf die Fresse geben sollen. Dass die Funktion und Legitimität des politischen Systems beschädigen, gar zerstören, ist aus Sicht ihrer Wähler kein Hindernis. Denn für die ist das System schon lange kaputt und delegitimiert.

    5) Technokratisierung der etablierten Politik. Meines Erachtens lassen sich alle größeren politischen Verwerfungen der letzten Zeit darauf zurückführen, dass “seriöse” Politiker völlig den Blick dafür verloren haben, dass das System, in dem sie operieren, eben nicht sich selbst unabhängig von ihrem Tun für ewig erhält, sondern an Voraussetzungen gebunden ist. Ein passendes Bild dafür ist die Unterscheidung in “endliche” und “unendliche” Spiele. In endlichen Spielen ist es rational alles daran zu setzen und sich nur darum zu kümmern, den nächsten Punkt zu machen. Denn bald ist das Spiel vorbei und fertig. Politik ist aber ein unendliches Spiel, bei dem sich alle Teilnehmer immer wieder bis ans Ende der Zeit um das Brett versammeln müssen, damit das System erhalten bleibt. Vergrätzt man Mitspieler zu stark, werden sie irgendwann nicht mehr an die Spielregeln halten wollen.

  86. Hallo, ich finde es super wie ihr uns komplexe Themen verständlich macht.
    Ein Thema, was aktuell immer wieder in den Nachrichten ist, ist die Demokratiebewegung in Hongkong. Könnt ihr das zum Thema machen? Interessant wäre die Historie von Hongkong (warum ist diese Stadt eine Sonderverwaltungszone von China?) und ob das ganze zu einer großen Demokratiebewegung in China werden könnte.

  87. Kurze Anmerkung zum Thema Boris Johnson: Bitte benutzt NICHT nur den Vornamen wenn ihr über ihn sprecht. „Boris“ ist hier im UK eine PR Strategie des Teams um Boris Johnson. Es soll dazu führen, dass man Boris Johnson als Kumpel – Mann aus der Mitte – Mann des Volkes versteht. Das ist geschicktes Marketing und als Journalist sollte man nicht drauf reinfallen. Wir nennen Angela Merkel ja auch nicht „Angela“ oder Donald Trump „Donald“. Oder stellen wir uns vor wir hätten über Theresa May nur als „Theresa“ gesprochen. Also: „Boris Johnson“ bitte!

    • Guter Hinweis!

    • Und weil es mir dazu gerade einfällt, da es die andere Seite der selben Münze ist: Mir stößt es immer sauer auf, wenn Leute unsere Bundeskanzlerin nur “Merkel” nennen. Das ist AfD-Sprech, das ihr die Legitimation ihres Amtstitels nimmt und sie durch die Reaktion auf den Nachnamen entpersonalisieren soll.
      Ich würde “Angela Merkel”, “Bundeskanzlerin Merkel”, oder ganz schlicht “Frau Merkel” vorziehen. Da drängt sich auch der naheliegende entwürdigende Reim nicht so auf. Sicher auch ein intendierter Effekt der Verkürzung.

      • Sorry, ich glaube, du siehst hier Gespenster. Es ist durchaus üblich, insbesondere Prominente so zu bezeichnen.
        Das reicht von Politikern (Trump, Schröder, Kohl, von der Leyen) bis hin zu Fußballern (“Rahn schießt, Tor!”).

  88. Ein Podcast-Tipp zu eurer Frage, ob und wie sich Klimawandel in einer Demokratie eingrenzen lassen kann:

    https://is.gd/wHXwS

    Global warming will change much more than the world’s coastlines. Joel Wainwright and Geoff Mann, authors of “Climate Leviathan,” think it will bring about a new planetary sovereign, answering to no authority other than capital and climate stability. But they see other possibilities, too.

  89. Libra ist sicherlich aufgrund der Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes kritisch zu sehen. Der Behauptung, dass Libra wegen der Tatsache, dass sie das Geld, was sie von ihren Kunden erhalten, in den verschiedenen Währungen, die in ihrem Währungskorb vorgesehen sind, anlegen, ist zu widersprechen. Man wird das Geld vermutlich, wie es auch Zentralbanken tun, wenn sie Devisenreserven halten, in festverzinslichen Wertpapieren, etwa Staatanleihen, halten. Diese sind relativ sicher und haben ein sehr großes Volumen, so dass selbst ein dreistelliger Milliardenbetrag, etwa in den USA kaum einen Einfluss auf die Kurse der Staatsanleihen hätten.

    Selbst wenn der Wert der Investments um 10% zurückginge, was bei einer breiten Streuung des Geldes in vergleichsweise sichere, festverzinsliche Anlageformen schon ein höchst ungewöhnlicher Vorgang, wäre, hätte Libra immer noch eine Eigenkapitalqoute von 90%, das heißt, dass Libra, wenn man 100€ als Libra-Coins besäße, 90€ in tatsächlicher Liquidität halten würde, die man sofort wieder verkaufen könnte und es an den Kunden zurückzahlen könnte. Somit ist eine Anlage bei Libra mit weitaus mehr tatsächlich vorhandener Liquidität gedeckt als bei JEDER deutschen Bank. Der Spitzenreiter im Eigenkapital bei deutschen Banken ist die Volkswagenbank mit 14,4%, d.h. sie besitzt 14,4€ von 100€, die man dort auf dem Konto hat. Die größeren Banken haben nochmal eine deutlich niedrigere Eigenkapitalqoute, die Commerzbank 6,2%, die Deutsche Bank 4,6% (Quelle: https://www.onvista.de/news/welche-sind-die-sichersten-deutschen-banken-104901135, Zahlen aus Mitte 2018). Hier wird wirklich der falsche Baum angebellt, wenn man sich Sorgen um einen Bankrun machen möchte, dann bei den klassischen Banken.

    • Hinzufügen könnte man, dass natürlich auch alle Privatbanken der Welt denselben Zweck verfolgen, nämlich Rendite für ihre Eigentümer (oder Aktionäre) anzuhäufen. Das macht hier natürlich auch Facebook mit Libra.

      • Ich habe beim Beitrag zum Libra ein bisschen die Bestandsaufnahme vermisst. Ich schätze an der Lage, dass ihr zunächst die Fakten darstellt und dann in Bewertung springt. Der erste Teil ging für mich unter. Ich teile die Skepsis gegenüber Facebook, aber wie von Benedikt beschrieben, ist der Status Quo nicht durchgehend die bessere Alternative. Es ist ja beispielsweise schon bemerkenswert, dass Paypal und Mastercard sich dem Konsortium angeschlossen haben. In welchem Szenario kann man sich so eine Kooperation vorstellen, wenn nicht eine echte Bedrohung der eigenen Marktstellung vorliegt.

    • Das sich die Politik mit Kritik bezüglich Einführung von Libra zurück hält, ist nicht verwunderlich. Politikern (im Deutschland) kann doch nichts besseres passieren, als dass sich Libra zeitnah auf breiter Front durchsetzt.

      Vor dem Hintergrund des Geldwäschegesetzes in Verbindung mit Zahlungsdiensterichtlinie, die im Januar 2018 in Kraft trat, (Stichwort: “Daten abrufen, übertragen und speichern” im Zusammenhang mit Überweisungen) ist der Bürger bereits gläsern. Natürlich geschieht dies ausschließlich, um Steuerunehrlichkeit einzudämmen und um Terrorismusfinanzierung zu unterbinden.

      Mit der Einführung von Libra (und den entsprechenden Transaktionsdaten) wird die Datenqualität (für das Finanzamt z. B.) weiter verbessert. Das Bild des einzelnen Menschen wird noch detailreicher. Am Ende stellt sich die Politik auf den Standpunkt “Wir hatten damit nichts zu tun, das war eine Sache der Privatwirtschaft. Woher hätten wir das wissen sollen?” und alles ist schön (für die Politik).

    • Benedikt, deine Analyse zur Eigenkapitalquote von Libra basiert auf einer falschen Annahme bezüglich Eigenkapital. Per Definition ist eine Bilanzposition als Fremdkapital anzusehen, wenn auch nur die geringste Rückzahlungsmöglichkeit besteht. D.h., lediglich die mindestens $10 Million buy-in pro Mitglied der Libra Association sind potenziell als Eigenkapital anzusehen.

      Ein Bankrun ist natürlich für Libra ebenso ein Problem wie für jede Privatkundenbank.

  90. Ihr stellt einigermaßen fassungslos die Frage, wie es dazu kommen kann, dass Demagogen wie BoJo, Trump & Co. an die Spitze demokratischer Regierungen gespült werden. Ich halte die Frage für leicht zu beantworten.
    Es gibt Menschen, die mit intellektuellen, ökonomischen Bildungs- und/oder Begabungs-Privilegien auf die Welt kommen und auf diese Ressourcen dann für den Rest ihres Lebens zurückgreifen können. Diese schicksalshafte Elite wird sich mit einiger Wahrscheinlichkeit als wirkmächtig erleben und ihren anregungsreichen Alltag erheblich freudiger erleben als der Rest derer, denen diese Privilegien nicht zuteil wurden. Das sind beispielsweise solche Leute wie Ihr, ich und die große Mehrheit eurer Hörer.
    Und dann gibt es all die vielen anderen. Die haben in stark wettbewerbsorientierten Gesellschaften eher weniger Chancen, sich aus Zwängen, unbedingten Notwendigkeiten und Abhängigkeiten frei zu kämpfen und ihren Alltag so zu organisieren, dass er als freudige Herausforderung, als anregend und lustvoll erlebt werden kann.
    Wenn nun die von mir so genannten Eliten in ihrem Rausch die Belange der anderen aus dem Blick verlieren, dann werden die anderen irgendwann so ärgerlich, dass sie alles — aber wirklich alles — bereit sind zu tun, um den gesellschaftlichen Status irgendwie zu verändern. Sie vollziehen das rasende Toben der Ohnmächtigen, die sich nicht artikulieren können; oder so sie das tun, nicht gehört werden. Dass sie durch die Instrumentalisierung von Demagogen ihre Lage in der Regel spürbar verschlechtern, ist ihnen egal. Hauptsache die empfundene (und zumeist auch gegebene) Ungerechtigkeit wird irgendwie pulverisiert. Wahnsinn wird mit Wahnsinn bekämpft, und diese Revolte gelingt historischen gesehen praktisch nie, weil die Blitzgescheiten sich einfach mit allen Verhältnissen arrangieren und es sich ganz oben behaglich einrichten. Nie wurde dieses Muster deutlicher als heute, wo wir uns den Wahnsinn von jedem Ort der Erde aus live und in Großaufnahme anschauen können.

  91. Kleines Feedback zum Brexit Teil. Erstmal Kompliment für die wie immer sehr gute Übersicht. Zwei kleine Korrekturen (die zumindest ich nicht unwichtig finde).

    Erstens erscheint es mir falsch, davon zu sprechen, dass es bei den Liberaldemokraten keine klar erkennbare Linie zum Brexit gäbe. Bereits seit dem vorletzten Parteivorsitzenden Tim Farron setzt sich die Partei klar gegen jede Form von Brexit ein und fordert lange schon einen People’s Vote (etwas verkürzt gesagt ein zweites Referendum).

    Zweitens hat Nigel Farage UKIP niemals aufgelöst, sondern ist nach dem Referendum lediglich als Vorsitzender zurückgetreten. Daraufhin (und auch wohl durch die Sinnkrise des gewonnenen Referendums und einbrechender Wahlergebnisse – das Parteiziel war ja in gewisser Weise erreicht) verbrannte die Partei mehrere Vorsitzende innerhalb kürzester Zeit, bis sie schließlich beim jetzigen Gerard Batten ankamen, der die Rettung wohl im Rechtsruck sah und offene Rassisten der ehemaligen English Defense League beitreten ließ. Das wiederrum gab Farage die Möglichkeit, sich bei der Bildung seiner neuen “Brexit” Partei als moderate Alternative und das Original zu stilisieren.

    • Herzlichen Dank für die Hinweise … das ist mir jetzt wirklich unangenehm, müssen wir beim nächsten Mal korrigieren.

    • 27. Juli 2019 um 20:18 Uhr
      Patrick Huesmann

      Genau, LibDems & Greens haben sich als klare Remain-Parteien profiliert und damit schon neulich bei der Europawahl zahlreiche Stimmen von ehemaligen Labour-Wählern bekommen, die keine Lust mehr auf Corbyns undefinierbaren Schlingerkurs hatten.

  92. Hi, danke euch beiden für die, wie immer, super Folge. Stichwort Klimaschutz. Sind Elektroautos wirklich so sehr umweltfreundlich(er)? Die Stickoxid-, Feinstaub- und mit Einschränkungen die CO2-Emissionen sinken, ja, mir war aber z.B. bis vor kurzem nicht bewusst, wie viele Ressourcen (z.B. Kobalt) eigentlich für die Herstellung von Akkus für die E-Autos aufgewendet werden, bzw. wie umweltschädlich deren Gewinnung ist. Würden jetzt alle ihre Spritschlucker gegen Elektroautos eintauschen, hätten wir nicht weniger Probleme. Eine Doku zum diesem Thema: https://youtu.be/aS_xTJmzdgA .
    Meiner Meinung nach sollten Sharing-Konzepte viel stärker gepusht/gefördert werden. In meiner Wohnanlage (Frankfurt) habe ich z.B. das Glück, dass mein Vermieter zwei Elektroautos in die Tiefgarage gestellt hat (inkl. Ladestationen), die sich Mieter exklusiv über eine App ausleihen können (pro 15 Minuten und gefahrene Kilometer abgerechnet). Der Vermieter bekommt das A. gefördert und B. muss er das Ganze noch nicht einmal betreiben, das übernehmen darauf spezialisierte Betreiber, wie z.B. https://www.mobileeee.de/ und bieten das auch u.a. Kommunen an. VG Daniel – E-CarSharing-Fan

    • Stimmt, ist nicht ganz einfach, aber über die Lebenszeit sind E-Autos jedenfalls aus der CO2-Perspektive deutlich umweltfreundlicher.

      • Ich gehe grundsätzlich damit konform, dass die Verbrennung fossiler Energieträger in Kfz-Motoren so schnell wie möglich reduziert und langfristig eliminiert werden muss. Bei der CO2-Bilanz eines E-Autos bin ich aber weniger optimistisch. Neben den oben angesprochenen Ressourcen-Problemen, den schon häufig diskutierten enormen CO2-Emissionen, die bei der Batterieherstellung anfallen und die auf die Laufleistung umgerechnet werden müssen, muss ja auch noch in die Waagschale geworfen werden, dass die Erzeugung des Ladestroms, der aus der Steckdose kommt, alles andere als CO2-neutral erfolgt. Stand heute betragen die spezifischen CO2-Emissionen des deutschen Strommixes mit dickem Daumen etwa 500 g pro erzeugte Kilowattstunde (Quelle: Bundesumweltamt). Bei einem angenommenen durchschnittlichen Verbrauch von 15 kWh pro 100 km eines E-Autos bedeutet das eine unmittelbare CO2-Emission von 75 Gramm pro Kilometer. Das ist nicht deutlich weniger, als die Emissionen eines modernen Kleinwagens mit Otto-Motor. Unterm Strich ist die CO2-Bilanz eines E-Autos damit sogar schlechter, als die eines neuen Benziners oder Diesels (das soll kein Votum für den Fortbestand dieser Antriebskonzepte sein!). Den Hype um die Elektromobilität kann ich daher nur eingeschränkt teilen. Und so lange die Batterien aus China kommen, wo die Kohlekraftwerke wie Pilze aus dem Boden schießen, und der massive Ausbau regenerativer Energien in Deutschland aus den verschiedensten Gründen stockt oder nur langsam voranschreitet, wird sich daran nicht viel ändern.
        Alternative Konzepte, z. B. die Solar- oder Windenergie-Methanisierung, werden für meinen Geschmack viel zu wenig diskutiert. Durch die nahezu CO2-neutrale Verbrennung von zuvor künstlich hergestelltem Methan (Wasserelektrolyse unter Einsatz regenerativer Stromquellen) in konventionellen Otto-Motoren, lassen sich viele Schwachpunkte der E-Mobilität (Reichweite, Ladeinfrastruktur etc.) eliminieren.
        Die E-Mobilität kann und wird aus meiner Sicht nicht das Allheilmittel für die Lösung unserer Umwelt- und Mobilitätsprobleme sein. Sich alleinig darauf zu stürzen und alle Alternativen auszublenden kann nicht der richtige Weg sein.

    • Ich denke, wir sollten die Kirche im Dorf lassen.

      Ja, Kobalt wird im Zusammenhang mit Elektromobilität benötigt. Beim Verbrennungsmotor, z. B. für das Härten der Kurbelwelle, wird ebenfalls Kobalt verwendet. Ich bin nicht sicher, ob der globale Kobaltbedarf für Verbrennungsmotoren (für die Kurbelwelle zum Beispiel) kleiner ist, als der globale Bedarf im Bereich Elektromobilität. Die nächste Frage ist, ob die Wiedergewinnung von Kobalt aus Verbrennungsmotoren – global betrachtet – in größerem Umfang erfolgt, als im Bereich Elektromobilität.

      Was das Thema Lithium betrifft, so benötigen auch Smartphones für ihre Akkus Lithium. Da Smartphones i. d. R. nach 2 bis 3 Jahren ausgemustert werden (weil es keine Sicherheitsupdates mehr gibt), wird viel Lithium gebunden. Konzeptionsbedingt werden Elektrofahrzeuge länger genutzt als 2 bis 3 Jahre. Trotzdem werden Smartphones nicht verteufelt.

    • Diesel, Benzin, Wasserstoff, Hybrid oder Elektro sind doch nur die Trägerformen, in denen sich sowohl solar erzeugte als auch fossile Energie speichern läßt bzw. von vornherein gespeichert ist (ja, auch solar erzeugter Strom läßt sich in all diese Formen überführen und wird hierdurch jederzeit abrufbereit lagerfähig).
      Was soll “Elektro” da für einen Vorteil haben, wenn der Batteriestrom aus fossiler Erzeugung kommt?
      Was spricht gegen Diesel, wenn der (noch unüblich, aber durchaus möglich) in der Folge Solarstrom-Wasserstoff-Diesel erzeugt wurde.
      Der Aufmerksamkeitsfokus gehört auf’s funktionierende Gesamtsystem
      Sonnenstrom (aus Solarzellen oder Windkraft) – Verteilungsnetz – Energielagerung (in Pumpspeicherwerken oder in Batterien*, Kohlenwasserstoffen oder Wasserstoff).
      * kleinste Energiedichte = größte Tottransportmasse

  93. Eine kurze Ergänzung zu Eurem demokratietheoretischen Exkurs im Rahmen der Causa Johnson und Böckenförde, “Die Demokratie hängt von Voraussetzungen ab, die sie selber nicht schaffen kann.”. Hierzu zählt m. E. entscheidend auch der “politsch mündige Bürger”. Die Herren Trump, Johnson, Salvini sind ja nicht das Problem, sondern die Leute, die sie wählen (“Wie kann das passieren”), ruft Ihr ja verzweifelt aus. Warum, um Gottes Willen, stört es die Menschen nicht, wenn Boris Johnson sie offen anlügt? Warum glauben so viele Leute immer noch nicht, wenn die Wissenschaft einhellig sagt, dass der Klimawandel menschengemacht ist? Warum verlieren so viele Menschen auch den Blick für den Wert jedes menschlichen Lebens, z. B. in Seenotrettungsdiskussionen.
    Ist das nicht auch eine Frage der politischen und allgemeinen Bildung, muss die aufgeklärte Demokratie nicht definitionsgemäß auch dafür sorgen, dass sie ihre Kinder zu aufgeklärten Menschen erzieht? Gehören zum Rechtsstaatsprinzip nicht auch eine Mehrheit von Bürger*innen, die die Grundzüge von Rechtsstaat und Verfassung begriffen haben? Wenn man sich so ein bisschen im Internet herumtreibt, dann kann sich schon der Eindruck einstellen, dass vielen Leuten da ganz grundsätzliche Fähigkeiten bzw. politisch-moralische Maßstäbe fehlen. An das häufig angeführte Argument von der Filterblase glaube ich gar nicht so sehr. Ich zumindest treffe, z. B. auf Twitter häufig auf die beiden Hälften der “gespaltenen Gesellschaft”, die sich aneinander abarbeiten, meinetwegen, man sich mal anschaut, was für Kommentare bei Luisa Neubauer so aufeinandertreffen oder an ganz vielen anderen Stellen, wo zentrale Fragen diskutiert werden. Dass Menschen sich ihre Meinung erstmal an Orten bilden, bzw. da bestätigen, wo sie unter ihresgleichen sind, war doch schon immer so (früher wars der Stammtisch, die K-Gruppe, das Uni-Seminar, etc.). Mir scheint wieder nur das Problem zu sein, dass sich das bessere Argument nicht durchsetzt, auch das wieder eine Frage der politische Bildung, die Leute wissen teilweise nicht zu hierarchisieren zwischen Quelle “Wissenschaft” oder “Meinung des örtlichen AfD-Vorsitzenden”.

    • Die Herren Salvini, Trump und Johnson sind auch in Deutschland nicht weit entfernt. Im ARD Sommerinterview bei Tina Hassel

      https://www.daserste.de/information/nachrichten-wetter/bericht-aus-berlin/videosextern/bericht-aus-berlin-3082.html

      sagte Christian Lindner am 21. Juli 2019 bei ≈ 9 Minuten auf die Frage, wie CO2 bepreist werden soll:

      [START inhaltliche Wiedergabe]
      Der Markt wird den Preis des CO2 bilden. Die Politik soll sich da nicht einmischen.
      [STOP inhaltliche Wiedergabe]

      Das sich am Markt bei Grundbedürfnissen (Justiz und Infrastruktur sind prominente Beispiele) keine wahren Preise bilden, ist bekannt. Wieviel ein Tag Gefängnis in Berlin den Steuerzahler kostet, haben Ulf Buermeyer und Phillip Banse in der Lage der Nation mehrfach genannt. Dass die deutsche Bahn die Infrastruktur auf Verschleiß fährt, wurde in der Lage der Nation erörtert. Vor diesem Hintergrund behauptet Christian Lindner, dass der Markt den wahren Preis des CO2 bilden wird?

      Die FDP reklamiert für sich, dass sie um die Marktmechanismen weiß. In dieser Partei erlangte Christian Lindner eine Spitzenposition? Entweder hat Herr Lindner mit seiner Aussage zur CO2-Bepreisung die Bürger frech angelogen, oder er hat keine Ahnung vom Marktversagen im Bereich der Grundbedürfnisse. Ich bin mir nicht sicher, was schlimmer ist.

      • Christian Lindner macht mich unglaublich wütend, und zwar genau, weil er meines Erachtens sehr populistisch agiert. Ich kann ja zum Beispiel überhaupt nicht haben, wenn die Grünen der FFF als “ideologiegetrieben” verunglimpft werden. Das Gegenteil ist doch, zumindest in Klimafragen der Fall, die berufen sich doch auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Sehr wütend macht es mich auch immer, wenn mit “Freiheitsrechten” argumentiert wird. Das ist doch unlauter, unsere Freiheit C02 zu verbrauchen, nimmt Menschen in anderen Teilen teilweise komplett die Lebensgrundlagen, die haben dann gar keine Freiheit mehr, zumindest da, wo sie sind. Wenn die AfD oder die CSU das machen, dann erwartet ich nichts anderes, aber bei der FDP erwarte ich doch einen gewissen Anstand. Linder macht mich auch so kirre, weil ich mich immer frage, warum der tut, was er tut, glaubt er das selbst, was er sagt, lügt er bewusst, ist ihm das völlig egal, so wie wir es ja auch von Johnson annehmen müssen? Ja, und was schlimmer ist, weiß ich auch nicht, ich finds auf jeden fall schlimm :-)

  94. Da ihr beiden nochmal auf die Exzellenzinitiative eingeht:

    Zumindest in den Naturwissenschaften kann man externe Institute und Unis nicht trennen, da die Kooperation viel zu eng ist. Das neue Verfahren wurde dann halt nicht an der HU, sondern am BESSY II entwickelt – aber 2 Doktoranden sind direkt von der HU und der AG-Leiter ist da gleichzeitig auch Dozent – nur steht halt nirgendwo HU und sowas spielt in den Unirankings praktisch keine Rolle.
    Deshalb ist die Unterteilung in “reine Forschungsinstitute” und Institute mit Forschung und Lehre für eine Betrachtung in diesem Kontext nicht sinnvoll.

    Was anderes ist es, wenn wir die Qualität der Lehre betrachten – nur haben wir hier das Problem, wie man sowas am Besten misst. Zufriedenheitsskalen sind international nicht wirklich vergleichbar, die technische Ausstattung wird irrelevant sobald sie hinreichend ist und auch so Größen wie das Verhältnis-Anfänger/Absolvent sind nicht übertragbar. Deshalb läuft es letztlich dann doch auf “den Output” hinaus – soll heißen: Paper, Patente etc. Und damit wären wir wieder beim obigen Punkt.

    Zu guter Letzt bin ich auch kein wirklicher Freund der Exzellenzinitiative – die Anreize, die gesetzt werden halte ich tendenziell für positiv, aber in meinen Augen handelt es sich dabei um eine Luxusmaßnahme – und dafür geht es den Unis in der Basis zu schlecht.

    • Diesen Punkten kann ich nur zustimmen, die Qualität von Lehre ist in der Tat sehr schwierig zu messen und international zu vergleichen. Aber in einem Punkt sind sich viele einig: das Betreuungsverhältnis spielt eine wesentliche Rolle. Und hier wird meines Erachtens der Hauptunterschied zwischen deutschen und zB anglo-amerikanischen Unis deutlich. Ich selbst habe an einer sogenannten Elite-Uni in Deutschland studiert und saß dort normalerweise mit 10-20 Studierenden in einem Tutorium, das von Doktorierenden oder Mitarbeitern geleitet wurde. Zum Vergleich: in Cambridge sitzt man im Grundstudium alleine oder zu zweit der Professorin gegenüber! Man kann sich vorstellen, dass sich die Studierenden dann ganz anders auf die Tutorien vorbereiten (und auch die Professorinnen). Möchte man das Betreuungsverhältnis an deutschen Unis verbessern, steht man leider vor dem Problem der förderalistischen Bildungspolitik, die jeweils auf Länderebene das Betreuungsverhältnis vorgibt. Pro Lehrstelle muss die Uni XY soundsoviele Medizinstudenten (zB) aufnehmen. Selbst wenn sich einzelne Länder aufraffen würden dies zu reformieren, kämen enorme Kosten auf sie zu, da ein Faktor Zwei im Betreuungsverhältnis gleichzeitig doppelt so viele Lehrstellen bedeutet und damit ein riesiges Plus an Fixkosten für das Land verursacht. Ich sehe in Deutschland keine schnelle Lösung dieses Problems.

      Man kann jedoch das niedrigere Betreuungsverhältnis auch positiv bewerten: meiner Erfahrung nach sind Studierende an deutschen Unis meist selbstständiger als anderswo, da man sich während des Studiums vieles eigenverantwortlich aneignen muss.

      • Das stimmt, der Betreuungsschlüssel ist auf jeden Fall nicht unwichtig.
        Wie gut oder schlecht der ist hängt allerdings auch stark vom Studiengang und der Veranstaltung ab – bei uns in der Physik an der HU gibt es im Master auch genügend Vorlesungen(!), wo man mit dem Dozenten zu fünft ist – und umgekehrt bedient sich woanders z.B. auch des einfachen Tricks, zu wenig Plätze anzubieten… wenn man halt nur die ersten n% zulässt, gibt es keine vollen Räume (MIT, I’m looking at you!).

        Kennst du da konkrete Zahlen? :)

  95. Hallo Ulf und Philip,
    wieder mal eine super Folge. Vielen Dank euch. Ihr sprecht immer wieder über sehr interessante Themen. Dieses mal fand ich euren Kommentaare zur Demokratie im Teil “Donald & Boris” sehr gut. Was mir hier allerdings gefehlt hat und wasa ich sehr spannend fände, wenn ihr mal darüber eure Gedanken zum Besten geben könntet: Demokratie ohne oder nur mit eingeschränkten Wahlen (auch Demarchie genannt https://de.wikipedia.org/wiki/Demarchie). Die Regierung oder ein Teil der Regierung wird zufällig bestimmt aus den Bürgern des Landes, wie auch die Jury in den USA bspw. Dieser Teil darf natürlich nicht zu klein sein und muss repräsentativ sein. Ein Querschnitt der kompletten Bevölkerung, der dann zu allen wichtigen Themen Vorträge o. Ä. hören darf und so Entscheidungen wissensbasiert treffen kann. Ob dieser Teil dann auch Gesetzesinitiativen hervorbringen kann ist nochmal wasa anderes, wäre aber definitiv auch spannend. Meiner Meinung wäre aber ein erheblicher Druck vom Wahlkampf genommen. Die Bürger können nicht mehr mit populistischen Verprechungen getäuscht werden. Denn im Idealfall und hoffentlich auch im Regelfall wird einem Donald Trump oder Boris Johnson einfach alles und jede Initiative, die bescheuert ist abgeschmettert, da dieser zufällig gebildete Querschnitt über alle Effekte und Folgen der Vorschläge gebildet werden.
    So das waren mal meine ersten Gedanken zu eurem tollen Podcast, den ich schon ewig höre. Vielen Dank nochmal und ich hoffe ihr werdet ihn noch sehr lange so weitermachen!
    PS: Der Artikel, durch den ich auf Demarchie aufmerksam wurde: https://www.zeit.de/2017/04/rechtspopulismus-demokratie-wahlen-buergerversammlungen-politisches-system-griechenland/komplettansicht

    • Danke Info für das Feedback und den Hinweis! Darüber muss ich wirklich einmal nachdenken, bisher habe ich keine feste Meinung dazu.