LdN149 EU-Kommissionspräsidentin, AKK wird Verteidigungsministerin, Exzellenz-Universitäten (Interview Armin Himmelrath), Impfpflicht, Rassismus im Alltag

Du bist noch kein Abonnent/+?
Hier erfährst Du mehr über
Kuechenstud.io/+
Einloggen

| 205 Kommentare

Begrüßung

Kommissionspräsidentin von der Leyen

AKK wird Verteidigungsministerin 

Elite-Universitäten 

Masern-Impfpflicht

Rassismus 

Sponsoren

Bildnachweise

Hausmitteilung

205 Kommentare

  1. Toll, der Link zu dem Impfbefürworter-aber-dennoch-Impfpflichtgegner-Arzt! Ich sehe das ganz einfach: Es gibt ein 1:1’000’000 Risiko eines schweren Impfschadens und ein 1:1’000 Risiko eines schweren Masernfolgeschadens (ich meine, diese Zahlen soweit am häufigsten gelesen zu haben – beide Zahlen halte ich für falsch, das Impfschadenrisiko halte ich für höher und das Masernfolgeschadenrisiko für deutlich geringer, aber geschenkt). Jedes Jahr werden ca. 700’000 (also eigentlich 1.4 Mio wenn man die Zweitimpfung mit reinrechnet) Kinder geimpft und bei der aktuellen Realität jedes Jahr -stark schwankend- im Bereich ein par hundert Erkrankungen. Es ist also in Anbetracht des Verhältnis Wahrscheinlichkeit zu absoluter Basis in beiden Fällen gegeben, das es zu einem schweren Schaden kommt – wie erklärt man dem Impfschadenopfer, der eigentlich nicht geimpft hätte, das nun…? Wie wird sichergestellt, dass Impfschäden nicht vertuscht werden und in den Wochen nach der Impfung der Patient (wenn er tatsächlich per Gesetz dazu gezwungen wird!) ausreichend beobachtet wird? Impfung ist eine irreversible Riksio mit einem wenn auch geringen existenten Risiko… wie kann man dazu zwingen wollen und verantwortet den dem Gezwungenen erleidetet Schaden (moralisch, rechtlich, finanziell…)?

    • Das Thema haben wir doch schon tausendfach durchgekaut: ja, es mag Impfschäden geben, aber sie sind zum Schutze derjenigen gerechtfertigt, die man noch nicht impfen kann (Herdenimmunität). Die Hausärzte sprechen sich in dem PDF zwar gegen die Pflicht aus, weil sie keine Lust auf Diskussionen mit ideologisch verblendeten Teilen der Kundschaft haben („auf Vertrauen angewiesen“), sind aber eindeutig für die Impfung.

      • Ich wollte das auch nicht erneut durchkauen (verspüre eine leicht allergische Reaktion auf Impfkritik in Deinem Kommentar ;-) ) sondern lediglich auf die m.E. vernünftige Position hinweisen, dass die Impfplicht nichts signifikant ändern wird sondern lediglich Fronten verhärtet. Das hat der Arzt in dem Taz-Artikel https://taz.de/Arzt-ueber-Masern-Pflichtimpfung/!5607541&s=impf/ sehr schön zum Ausdruck gebracht.

        /Quote
        Die Befürworter sind auf jeden Fall hysterisch geworden… Eine epidemische Situation wird herbei fantasiert…
        /Unquote

        Ist das jetzt schon ein Urheberrechtsverletzungsproblem wenn man so große Teile im Kommentarteil eines Blogs postet? Habe es mal doch weiter eingekürzt…

        Danke für Eure Geduld und im Großen und Ganzen doch recht sachlichen Umgang mit dem Thema…auch hier im Forum! Woanders kochen da immer gleich unfassbare Emotionen hoch (s. hysterisch im obigen Zitat)

    • Danke für die Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus, ein kurzer Kritikpunkt zur Sprachhygiene: “Afrika und andere Staaten” gehört zu den Fomulierungen, die Vorurteile und ungerechte globale Machtstrukturen fördern.

  2. Leider hatte ich nicht die Zeit, Euren Podcast LDN149 zeitnäher zu kommentieren. Einen Großteil der Kommentare zum Thema „Rassismus“ habe ich gelesen aber nicht alle. Insofern bitte ich um Verzeihung, wenn mein Gedanke eine Wiederholung sein sollte.
    Unsere Sprache ist ungenau und außerdem kontextabhängig. Dennoch sollte man zumindest versuchen Sachverhalte zu unterscheiden, wenn es dafür unterschiedliche Worte gibt. So meine ich zu erkennen, dass ausgelöst durch den allgemeinen Diskurs, es zum Thema „Rassismus“ kunterbunt durcheinander geht:

    Nicht jedes Vorurteil ist gleich Rassismus!

    Wir brauchen Vorurteile, zur schnellen Freund/Feind-Erkennung, seit Jahrtausenden und auch heute noch, wenn auch in weniger existentiellem Sinne (Raubtiere, Tod, Gift, usw.). Und wie es mit vielem ist, so haben auch Vorurteile ihre zwei Seiten.
    Positiv ist die Vorsicht, die sich daraus ableitet werden kann. Negativ ist z.B. eben der Rassismus, der m. M. n. erst dann beginnt, wenn aus Vorurteilen Handlungen werden, die die „Fremdartigen“ benachteiligen, diskriminieren oder gar gefährden.

    Problematisch und tückisch ist die Tatsache, dass der Übergang von sinnvollen Vorurteilen (Warnungen, Vorsicht) zu Urteilen, die diskriminierende und schädliche Handlungen auslösen, fließend ist.
    Deshalb ist Euer Appell, sich selbst zu beobachten und über die eigenen Verhaltensmuster nachzudenken richtig und gut. Verhindert er doch, dass aus Beurteilungen Verurteilungen werden.

    Eure instinktiven Reaktionen betrachte ich immer noch als Vorurteile und nicht als Rassismus, vor allem weil ich Euch für selbstkontrolliert genug halte, dass daraus keiner entsteht.
    Ich glaube auch, dass ihr eher auf den vermuteten kulturellen Background unbewusst reagiert habt, und nicht auf die Rasse. Das haben auch andere Kommentare angedeutet. Und hier wird es interessant, worin bestehen die kulturellen Unterschiede zwischen, sagen wir Nordafrikanern und Asiaten? Wie kommen diese zum Ausdruck, auf welche Trigger reagieren wir?

  3. Zum Thema Rassismus:
    Ich finde es sehr gut, dass ihr dieses Thema ansprecht und auch den Bezug zu unserer Gesellschaft herstellt. Es ist so wichtig, dass man die Vorurteile, die man hat immer wieder kritisch hinterfragt.
    Ich wollte unbedingt ein Video mit euch teilen, das ich zu diesem Thema sehr empfehlenswert finde! Es heißt “Die Gefahr einer einzigen Geschichte” von Chimamanda Adichie:
    https://www.youtube.com/watch?v=D9Ihs241zeg
    Schaut es euch an!
    (Es ist auf englisch, aber man kann sich deutsche Untertitel anzeigen lassen)

  4. Liebes Lage-Team,

    schon einge ganze Zeit bin ich treuer der LDN-Hörer und möchte Euch hiermit nun endlich ein dickes Lob für Eure Arbeit aussprechen – vor einem guten Jahr habe ich Euch entdeckt und seitdem (fast) keine Folge ausgelassen. Die Ehrlichkeit, mit der ihr Themen angeht und die Denkanstöße, die ihr im Rahmen dessen liefert, sind wirklich klasse. Besonders ist mir das mal wieder bei der aktuellen Lage zum Thema Alltagsrassismus aufgefallen und in der Folge davor beim Thema Seenotrettung. Und auch für Selbstkritk seid Ihr euch auch nicht zu schade (Stichwort Handystrahlung), was in der heutigen Medienlandschaft ja leider keine Selbstverständlichkeit ist. Kurzum: Weiter so! Und vielleicht schafft ihr es ja mal für eine Lage live in die schöne bayerische Landeshauptstadt, ich wäre dabei.

    • Hi, danke für das Feedback! Ja, wir wollen im nächsten Frühjahr nach München kommen und arbeiten an einem Deal mit dem Gasteig.

  5. Hallo Phillip und Ulf
    Ich möchte mich auch noch zum letzten Teil der Folge, dem Thema Alltagsrassismus, äußern.
    Das erzählte Beispiel lässt sich zwar so interpretieren, dass man einen unconscious Bias hat und es deshalb rassistisch war, aber man kann es auch anders interpretieren. Bankautomaten sind dafür gedacht sie alleine zu bedienen und man will dabei eigentlich nicht beobachtet werden. Man kann die Szenarien in denen mehrere Menschen den Automaten bedienen an einer Hand abzählen: der Eigentliche Benutzer ist alt, oder hat eine Behinderung oder versteht die Sprache nicht und braucht deshalb Hilfe bei der Bedienung. Nun gibt es statistisch gesehen mehr Menschen mit dunkler Hautfarbe die nicht Deutsch sprechen als die Deutsch sprechen. Als erste Schlussfolgerung ist die dritte Möglichkeit also nicht ganz so verkehrt. Würden drei Männer vor mir an dem Geldautomaten rumfuhrwerken an dem ich gleich Geld abheben möchte und keiner der 3 Möglichkeiten würde Sinn machen, dann würde mir das alles schon sehr komisch vorkommen.
    Nun welche Interpretation ist nun wahr? Keine. Interpretationen sind nicht wahr, sie können nur logisch konsistent sein, aber wenn man zwei logisch konsistente Interpretationen hat, sind beide gleichwertig. Das ist zumindest der Ansatz beim Interpretieren von literarischen Texten und Kunst aller Art. Und was man sich bewusst machen sollte: Die gleiche Art von Interpetation wird benutzt um etwas als rassistisch/sexistisch etc zu deklarieren. Etwas anderes ist es natürlich wenn man Beweise hat, aber Beweise für einen Unconscious Bias sind schwer zu bekommen, insbesondere wenn die Studien dazu häufig nur an der Oberfläche kratzen (z.B. die Studie auf der der Gender-Pay-Gap basiert), anstatt alle möglichen anderen Erklärungen auszuschließen.
    Und nun zu Trump und seinen Tweets: Obwohl ich die Tweets ebenfalls verurteile, weil die ich die Argumentation “Wems nicht passt der kann ja gehen” nicht für in irgendeinerweise zielführend halte, muss man ihm zu gute halten, dass er die mit den Tweets angesprochenen nicht einfach außer Landes schaffen wollte, sondern ihnen gesagt hat, sie sollen in ihre Herkunftsländer zurückgehen, dort die Probleme lösen, und wenns funktioniert hat zurückkommen und zeigen wie es geht. Inhaltlich gings also eher darum, dass die angesprochenen “Progressives” immer krassere Forderungen stellen (“Abolish ICE” etc) also das System umwerfen wollen anstatt die Probleme zu verbessern. Es ist also nicht das gleiche wie “In Anatolien entsorgen”
    Dazukommt aber noch der eigentliche Sinn hinter den Tweets: Trump will dass sich die Demokraten darüber aufregen und sich dann in immer noch absurderen und abgehobenen Einschätzungen überbieten (“Worse than Racism”, “Concentration Camps” etc). Er fördert also das Trump Derangement Syndrome bei den Linken und den Medien. Denn er gewinnt dadurch die Wähler der Mitte, dass sich die Demokraten zu weit bei ihren Forderungen und beim Pushen der Identitätspolitik aus dem Fenster lehnen. Und das tun sie ständig, allen voran Alexandria Ocasio Cortez aber auch mit der Diskussion um Einwanderungspolitik und Reparations. Und es funktioniert. Deshalb wird 2020 auch Trump gewinnen, denn die Kandidaten der Democrats die das Spiel nicht mitspielen (Gabbard, Yang), sind Außenseiter, die niemals vom DNC als Kandidaten aufgestellt werden würden.

  6. Elite-Universitäten:
    Von meinen Kollegen, die etwas mehr Zeit an der Uni verbracht haben als ich, hörte ich, dass das von Ulf erwähnte “kreative Umwidmen” von Geldern absolut üblich ist (unabhängig von der Geldquelle).
    Da wird das letzte Projekt gerne mit dem neuen zu Ende finanziert, weshalb das neue Projekt natürlich auch chronisch unterfinanziert ist.

    • Zum Thema kreativ Umwidmen der Gelder kann ich nur sagen: anders geht es leider nicht.

      Ich bin als wissenschaftliche Mitarbeiterin (Doktorandin) an der Stuttgarter Uni (unter prekären Bedingungen – 4. Arbeitsvertrag nach 3,5 Jahren Anstellung) und kann verschiedene Punkte, die angesprochen wurden bestätigen. Das Geld fehlt an der Uni wirklich überall und die Arbeitsbedingungen sind alles andere als attraktiv. Ich bin an einem Institut im Bereich Maschinenbau (größte Fakultät an der Uni Stuttgart) und wir sind im Endeffekt mittlerweile so klein gespart, dass wir komplett handlungsunfähig sind. Die wenigen Mitarbeiter (überwiegend Doktoranden) die noch da sind, müssen sich entweder mit organisatorischen Dingen beschäftigen (Mittelanforderungen, Abrechnungen von Drittmittelprojekten, Bestellungen, Finanzplanung und Controlling etc.), mit Reparaturen (meist muss hier selbst repariert werden, da solche Kosten in den meisten Fördervarianten nicht vorgesehen sind – bei uns kann das noch nichtmal ein Techniker/ Werkstattmeister oder ähnliches übernehmen, weil wir kein Geld haben jemanden zusätzlich einzustellen) oder müssen Projektanträge schreiben, die dann in viel zu vielen Fällen (nach ewigen Bearbeitungszeiten) doch nicht genehmigt werden. Neben all dem muss auch die Lehre gestemmt werden, wobei das allermeiste an den Doktoranden hängen bleibt (Vorlesungen vorbereiten, Prüfungen vorbereiten und korrigieren, Studentische Arbeiten betreuen, und all die Orga drum rum).
      Bei all dem zwingend notwendigen Geschäft bleibt keine Zeit und keine Kraft mehr um „frei“ forschen zu können. Das ist sehr schade und viel Potential wird deswegen nicht ausgeschöpft.

      Eine echte Lösungsstrategie dafür kann ich leider nicht vorschlagen. Die Bedingungen sind von Institut zu Institut (selbst im selben Fachbereich) extrem unterschiedlich. Vieles wird so dezentral organisiert, dass Kräfte nicht gebündelt werden können und so werden dieselben Probleme an vielen Stellen separat angegangen. Vieles hängt sehr stark vom jeweiligen Professor oder Institutsleiter ab. Hier hoffe ich, dass die Zeit diese Wunden irgendwann heilt. Neue junge Professoren haben hoffentlich eher einen Bezug zu einer „gemeinsam sind wir stärker“ Mentalität und setzen den einen oder anderen Digitalisierungsprozess (welcher mehr als dringend notwendig ist – und zwar egal in welchem Bereich der Uni) vielleicht irgendwann in Gang.

      Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass sich die Ellenbogenstrategie der einzelnen Institute entspannen würde, müsste nicht jeder um jeden Groschen so verbittert kämpfen. Dass viele Gelder an Absolventenzahlen hängen ist auch eine sehr gefährliche Strategie. Darunter leidet im Endeffekt nur die Qualität der Lehre, weil im Zweifelsfall jeder durchgeschleust wird, was Deutschlands größtes Potential (kluge fleißige Köpfe) auf lange Sicht ausrotten wird.

      Zum Glück aber kommen in regelmäßigen Abständen immer wieder frische engagierte Doktoranden, die den Laden am laufen halten. Über die meisten Festangestellten kann ich das leider nicht sagen.

  7. Danke für diese gute Folge und ganz besonders für den ehrlichen Erfahrungsbericht, Philip. Niemand ist frei von Vorurteilen, wir alle wachsen in Strukturen auf, die uns prägen. Das hat nichts mit Schuld zu tun, wir leben nunmal nicht in einem leeren Raum. Wir werden geprägt von Familie, FreundInnen, LehrerInnen, Bücher, Filme, Werbung, alles um uns herum. Und es ist erschreckend, wie oft man mehr oder weniger subtilen Rassismus, Sexismus, und andere -ismen darin findet. Es ist vor allem am Anfang vielleicht nicht leicht, sich als weißer Mensch damit auseinanderzusetzen aber es ist doch kein Vergleich zu den Problemen, die Menschen durch Diskriminierung ständig erfahren. Das Buch von Tupoka Ogette kann ich mehr als empfehlen, ich hatte bereits das Glück an einem ihrer Seminare teilzunehmen, woraus später die Idee für das Buch entstanden ist. Ihren Namen hast Du übrigens fast richtig ausgesprochen, Tupoka klang gut, bei Ogette ist ebenfalls die mittlere Silbe kurz, also Betonung auf dem doppel-t. Es lohnt sich auch, ihr auf Social Media zu folgen weil sie regelmäßig Lesungen in Deutschland (manchmal auch Österreich oder Schweiz) gibt. Wenn ihr sie einmal zu einem Interview einladen wollt, dann unbedingt vorher ihr Interview “mit sich selbst” lesen :-)

    http://www.migazin.de/2018/10/05/das-interview-welches-ich-gern-einmal-ueber-rassismus-fuehren-wuerde/

    https://www.tupokaogette.de/

    Meine Überlegung zu den klassischen Reaktionen wenn man jemanden im Alltag auf rassistische Sprache oder Verhalten hinweist und es dann heißt “nein, das war nicht rassistisch, das war doch gut gemeint,” oder vielleicht sogar “ein Kompliment” (für die “exotischen” Haare, die “guten Deutschkenntnisse” oder was auch immer): Wie ist das wenn ich jemandem aus Versehen auf den Fuß getreten habe? Es war keine Absicht! Und vielleicht habe ich es nicht einmal gemerkt. Und bin mir auch keiner Schuld bewusst. Aber wenn derjenige mich dann darauf hinweist, dass ich auf den Fuß getreten bin und es jetzt schmerzt, dann sag ich doch nicht “Was unterstellst du mir da, dass ich jemand bin der andere Menschen tritt?!” oder “kann gar nicht sein” oder “das war doch keine Absicht” oder am besten noch “aber das war doch gut/witzig gemeint!”. Viel lieber möchte ich sagen: “Das tut mir Leid, das hab ich nicht gemerkt, ich versuche beim nächsten Mal besser aufzupassen”. :-)

  8. Könntet ihr etwas zur EZB Sitzung berichten und den möglichen anstehenden Negativzinsen im Euroraum und was das für Arm und Reich bedeutet? Es klingt äußerst beunruhigend, wenn man sein Geld zufällig nicht u.a. auf den Cayman Islands geparkt hat.

  9. War aus Versehen, in einem anderen Thread gelandet, hier nochmal neu:

    Das “White Privilege” Experiment haben die Amerikaner für uns schon ausprobiert. Wohin das führt, sieht man hier, in der Graduation Speech der Evergreen University 2018:
    https://youtu.be/-picXVi2S2c
    Achtet besonders auf den Teil der Absprache zwischen 1:07:40 und 1:09:45. Absolute Gänsehaut.

    Mir ist nicht klar, wohin die Diskussion um “weiße Privilegien” führen soll. Ich finde es selbstverständlich, sich seine eigenen Vorurteile immer mal wieder vor Augen zu führen und kritisch zu beleuchten. Genau dies wird auch in dieser Folge besprochen. Zuerst die erschrockene Reaktion über die eigenen Gedanken, dann die Selbstreflektion und der Entschluss, das nächste Mal behutsamer zu urteilen. Aber direkt den Sprung zu machen und zu sagen, dass die weiße Gesellschaft durchsetzt ist mit unbewusstem Rassismus, führt in die Katastrophe. Schon jetzt findet man hier in der Kommentarsektion Wortmeldungen, die behaupten, nur Weiße können rassistisch sein. Was für eine Wortklaubeierei. Reiner Unsinn. Die Definition von Rassismus wird so umgeschrieben, dass Schwarze die Opfer der Gesellschaft sind und Weiße ihre Unterdrücker. Und das in einer Zeit in der der Westen historisch noch nie weniger rassistisch war.

    Noch eine Anmerkung zum Begriff “Microagression”, der ebenfalls gegen Ende der Folge viel:
    Konkret wurde die Frage nach der Herkunft als Beispiel einer solchen Microagression angeführt. Das ist schlichtweg eine irreführende Definition. Schließlich findet kein Akt der Aggression statt. Höchstens Ignoranz und Unsensibilität.
    Die Frage ist: In welchem Licht will man eine solche Frage interpretieren?
    “Ach da hat man’s. Schon wieder diese rassistisch angehauchte Frage.”?
    Oder sollte man sich vielmehr darauf fokussieren, das die fragende Person sich doch ehrlich für einen interessiert und mehr über den Hintergrund erfahren möchte.
    Die Rhetorik der Microagression erlaubt es, dem angeblich “aggressierten”, zu definieren, wann ein Gewaltakt stattgefunden hat, obwohl der angebliche “Aggressor” nur gute Motive im Sinn hatte.
    Wenn man solche Unterhaltungen bewusst in einem rassistischen Licht bewerten will, bringt man ja extra eine neue Ladung Vorurteile in das Gespräch ein. Das kann nicht zielführend sein.

    Ich hoffe, dass die Diskussion um dieses Thema in einer späteren Folge nochmal aufgegriffen wird und weitere Aspekte beleuchtet werden können

    • “Ich finde es selbstverständlich, sich seine eigenen Vorurteile immer mal wieder vor Augen zu führen und kritisch zu beleuchten. Genau dies wird auch in dieser Folge besprochen”

      Sorry, aber Privilegien sind nicht dasselbe wie Vorurteile. Da hast du die Folge wohl nur halb angehört…

    • Ich glaube Microagression meint etwas anderes, Luca. Es geht nicht darum, dass ein (bewusster/unbewusster) Akt der Aggression statt gefunden, sondern viel mehr, dass durch viele kleine stetige scheinbar “nicht-schlimme” Fragen/Handlungen/Witze etc. Aggression bei (in diesem Fall) der Person of Color entsteht. Es spielt dabei auch keine Rolle ob der/die Fragende nur gute Motive im Sinn hatte. Es geht darum, der anderen Person Glauben zu schenken dass es verletzend war, auch wenn man es selbst vielleicht nicht verstehen oder nachfühlen kann. Was macht es mit einem Menschen, der in Deutschland geboren ist, wenn er/sie sein Leben lang gefragt wird: wo kommst du her? Natürlich kann man sich für andere Menschen interessieren, aber was, wenn die Antwort “Bochum” eben nicht reicht? Dann wird gefragt “aber woher so richtig?” und “woher kommen deine Eltern?” und manchmal wird ewig lang gebohrt und der ganze Stammbaum auseinandergenommen. Es kommt auch drauf an, in welchem Kontext die Frage gestellt wird. Natürlich ist es toll, wenn Menschen sich austauschen und gegenseitig mehr übereinander erfahren können, aber es ist ein Unterschied, ob die Frage “wo kommst du her” in einem interessanten, ausgeglichenen Gespräch fällt (Also das beide Seiten das gleiche Fragen), oder man diese Frage andauernd bekommt, egal wo man hin geht, egal von wem, egal worum es geht, manchmal als erste Frage überhaupt, und es ständig diese Erklärungsnot gibt, vermeintliche Rechenschaft darüber abzulegen zu müssen, dass man “anders” aussieht und deshalb zwangsläufig von “wo anders” kommen muss. Ich werde als weißer Mensch in Deutschland nicht dauernd gefragt wo ich herkomme. Und wenn ich gefragt werde, dann wird die Antwort “Berlin” akzeptiert, dann kommen keine weiteren Fragen dazu, woher ich denn “wirklich” komme, oder von welchem Kontinent meine Eltern kommen, etc. etc.

      Aus einem anderen Kommentar von mir:
      Meine Überlegung zu den klassischen Reaktionen wenn man jemanden im Alltag auf rassistische Sprache oder Verhalten hinweist und es dann heißt “nein, das war nicht rassistisch, das war doch gut gemeint,” oder vielleicht sogar “ein Kompliment” (für die “exotischen” Haare, die “guten Deutschkenntnisse” oder was auch immer): Wie ist das wenn ich jemandem aus Versehen auf den Fuß getreten habe? Es war keine Absicht! Und vielleicht habe ich es nicht einmal gemerkt. Und bin mir auch keiner Schuld bewusst. Aber wenn derjenige mich dann darauf hinweist, dass ich auf den Fuß getreten bin und es jetzt schmerzt, dann sag ich doch nicht “Was unterstellst du mir da, dass ich jemand bin der andere Menschen tritt?!” oder “kann gar nicht sein” oder “das war doch keine Absicht” oder am besten noch “aber das war doch gut/witzig gemeint!”. Viel lieber möchte ich sagen: “Das tut mir Leid, das hab ich nicht gemerkt, ich versuche beim nächsten Mal besser aufzupassen”. Das wäre doch schön, wenn wir so zusammen leben können :-)

      • Danke für deinen Kommentar Luzie ich stimme dir da voll und ganz zu. Ich möchte noch anfügen, dass Luca sich hier wirklich auf dünnes Eis begibt indem er den Fehler im Verhalten oder der Interpretation des Betroffenen sieht. Es ist ziemlich einfach zu sagen “in welchem Licht will man eine solche Frage interpretieren”, wenn man dem nie ausgesetzt war und sein wird. Da kann ich nur Luzie Recht geben und sagen hier muss man der Person vertrauen, wenn sie sich angegriffen oder verletzt fühlt. Durch diese ständigen Fragen findet ein “Othering” statt bei dem der Person vermittelt wird anders zu sein und das kann man als Mikroaggressionen bezeichnen. Denn dabei kommt es gar nicht auf die Intention des Fragenden an.

    • Das Problem bei dem Konzept der Microaggression ist, dass es jegliche Verantwortung vom Rezipient nimmt. Der ist natürlich, zumindest zum Teil, dafür verantwortlich die Intention einer Aussage zu interpretieren. Ich stelle mal die These auf, dass sich ein schwarzer, den man aus aufrichtigem Interesse fragt wo er seine Wurzeln hat, im Normalfall nicht angegriffen fühlt.
      Ich fände eine Umfrage unter schwarzen Menschen spannend, wie sie dieses Konzept sehen. Ich glaube, dass die meisten Schwarzen Microaggressionen nicht als Problematisch ansehen und das man sich bei dieser Diskussion hauptsächlich stellvertretend für eine andere Gruppe empört.

      Microaggressionen sind nicht die Wurzel von Rassismus, sondern ein Gefühl von Frust, Abgehängtheit und Selbsthass, dass Rassisten verspüren und es auf andere projizieren. Schaffen wir keine Probleme dort wo es keine gibt. Sondern fokussieren wir uns lieber auf die vielen Probleme, die wir tatsächlich in unserer Gesellschaft haben.

      • Wie gesagt, ich glaube Microaggressionen beschreiben nicht einen aggressiven Akt, sondern dass eine vermeintlich unrelevante und sogar total nett gemeinte Frage Aggression auslösen kann, wenn man dieser Situation immer und immer und immer wieder ausgesetzt ist, zum
        Beispiel aufgrund der Hautfarbe. Es geht dabei auch nicht um Dinge, die von (bewussten/bekennenden) Rassisten gemacht/gesagt werden, sondern von Menschen die gar nicht rassistisch handeln wollen, es im Alltag aber manchmal leider trotzdem tun, ohne es zu merken (mich eingeschlossen).

        Um auf mein Beispiel zurück zu kommen, wenn ich jemand anderem aus Versehen auf den Fuß getreten habe und es hat diesem Menschen weh getan, dann liegt es an mir diese Gefühle ernst zu nehmen. Natürlich haben unterschiedliche Menschen unterschiedliche Schmerzgrenzen, natürlich stört es manche mehr und manche weniger, aber das ist doch nicht der Punkt. Völlig unabhängig davon, dass es manchen Menschen vielleicht kaum oder gar nicht schmerzt, aus Versehen auf den Fuß getreten zu werden, ist es mein Bedürfnis in einer Gesellschaft zu leben, in der Menschen drauf achten dass es möglichst selten passiert. Und wenn doch, dann entschuldige ich mich dafür, anstelle meine(r) Gegenüber zu erzählen, dass die Gefühle übertrieben oder schlimmstenfalls erfunden sind. Übrigens, auf den Fuß treten passiert auch gerne mal beim Tanzen, also da haben beide normalerweise die allerbesten Absichten, sogar Spaß dabei, und trotzdem kann es mal passieren :-)

        Ja, es gibt viele Probleme. In der Lage der Nation werden über viele verschiedene Probleme gesprochen und hier im Blog auch diskutiert. Alltagsrassismus ist ein auch Problem, das jetzt mal seine 5 Minuten bekommen hat und das ist gut so! Es runterzuspielen ist leider ein klassisches Teilproblem des eigentlichen Problems. Gleichzeitig ist Alltagsrassismus etwas, welches man selbst aktiv verkleinern kann, wenn man sich informiert, damit auseinander setzt und entsprechend handelt :-)

  10. Für alle Leser hier, welche wissen wollen wie rassistisch sie unterbewusst sind, verlinke ich hier einen Rassismustest der Harvard University.
    Sorry falls das schon jemand vor mir verlinkt hat, habe mir nicht alle Kommentare hier durchgelesen.
    https://implicit.harvard.edu/implicit/Study?tid=-1

  11. Ihr wolltet Hinweise für die nächste Sendung in die Kommentare, richtig? Ich denke, Überschrift und Anreisser sprechen für sich selbst. (Sorry, hab das aus Versehen eben auch unter LDN148 kommentiert ^^)
    https://m.spiegel.de/politik/deutschland/berateraffaere-und-ursula-von-der-leyen-u-ausschuss-prueft-befragung-a-1278878.html

  12. Info-Kommentar:

    1) Alles, was in der Lage gesagt wurde entspricht dem, was antirassistische Literatur heute sagt. Diese stammt von POC und ExpertInnen in dem Feld, deren Beruf es ist, sich damit zu beschäftigen.
    Zuhören und ernst nehmen lohnt sich also.

    2) Unsere Gesellschaft hat seit Jahrhunderten Hierarchien. Rassismus, Sexismus, Klassismus sind die 3 klassischen Ismen was das angeht.
    Unsere Gesellschaft ist darauf aufgebaut und es steckt in uns allen und in allem was uns umgibt drin, außer man hat AKTIV versucht, die Strukturen aufzubrechen.

    3) Es heißt Schwarz, POC (person of color), nicht-weiß und weiß.
    Nicht “weiß”. Nicht farbig, nicht bunt, nicht fremd, nicht “mit Migrations Hintergrund”.
    Im Falle des Falles einfach fragen, aber meistens ist es nicht relevant, also BITTE fragt einfach nicht.

    4) Bitte geht nicht zu euren POC Freunden und erzählt ihnen wie rassistisch oder wie nicht rassistisch ihr seid. Arbeitet einfach an euch und sprecht mit weißen drüber.

    5) Nehmt immer immer immer ernst, wenn jmd sagt, dass etwas nicht okay war. Diskutiert nicht rum, ihr hättet es nicht so gemeint oder wir sind doch Freunde oder Goldwaage blablabla.
    Wir erklären permanent Fremden und Freunden alles mögliche.
    Wir sind müde.

    • Die Punkte 1,2,4,5 sind eindeutig nachvollziehbar.
      Punkt 3 ist nicht eindeutig. Wie genau meinst du das mit „weiß“ und „nicht weiß“. Wo ist der Unterschied zwischen „people of color“ und „farbig“? Welche Formulierung ist okay, welche nicht?

      • Soweit ich mich erinnere, von einer Anti-Rassismus-Trainerin gelernt:
        Sehr großer Unterschied zwischen People/Person of Color und farbig, weil People of Color und Schwarz (groß geschrieben) Selbstbezeichnungen sind, also ok. Aber farbig ist eine Fremdbezeichnung, von weißen erfunden, nicht cool. Vom N-Wort ist in den Kommentaren der LdN zum Glück nichts zu lesen, das ist ja schon mal erleichternd.

        So wie man PoC (People/Person of Color) sagen kann, gibt es auch Woman/Women of Color, Man/Men of Color, Kids of Color, etc., das ist in der Deutschen Sprache manchmal vielleicht bisschen umständlich, dann kann man auch sagen Schwarze Frau, Schwarzer Mann, etc. (Schwarz groß geschrieben, hört man beim Sprechen natürlich keinen Unterschied, das ist ok), wenn man es denn überhaupt sagen muss, weil die Hautfarbe ein relevanter Bestandteil der Unterhaltung ist – wenn nicht, dann kann man auch einfach Mensch sagen oder den Namen nennen, wenn man ihn kennt :-)

  13. Hallo zusammen,

    habe eine kleine Anmerkung zur Werbung des Lohnsteuerhilfevereins.
    Dort wird behauptet man müsse seine Einkommenssteuererklärung zwangsläufig bis Ende Juli abgeben. Dies stimmt allerdings nur für die Personen, die verpflichtet sind eine solche abzugeben. Für alle anderen gilt weiterhin eine Frist von 4 Jahren.

    Der von Philip vorgelesene Text ist Irreführend und zwecks des kurzen Zeitrahmens bis Ende Juli wohl so gewollt, um möglichst Zugzwang zu bei den Höhrern zu erzeugen.

    Ich weiß ihr wählt eure Werbung nicht selbst aus. Was Ihr da vorlest sollte jedoch trotzdem wenigstens inhaltlich korrekt sein.

    Sonst ein super Podcast, weiter so!

    Beste Grüße
    Justin

  14. Ich finde das ja schon witzig, dass Ulf jetzt auch mal langsam auf den Gedanken kommt, in welch “Wahn”-Welt seine Gesinnungsgenossen – vornehmlich Linke – eigentlich leben.

    Er kriegt dies gerade mit voller Häme und Härte ab. Ich kann mir da ein bisschen Schadenfreude nicht verkneifen, will aber natürlich konstruktiv begründen, wieso:

    Unter Linken ist es ein Sport, sich gegenseitig den “Minderheiten”/”Opfer”-SchwarzPeter zuzuschieben. Es gibt da auch ganz amüsante graphische Darstellungen zu.

    Die Position, in der du dich gerade befindest, habe ich auch immer inne, wenn ich mich zu Einwanderung äußere. In manchen Ecken der Republik KANNST du dann nur verlieren, so viel Hass, Häme und Polemik spritzt dir aus allen Seiten entgegen.

    Vielleicht gibt dir das zu denken und du hast gegenüber konservativen Positionen demnächst ein offeneres Ohr.

    Und zweiter Punkt: Dass ihr Werbung und Redaktion strikt trennt, finde ich auch interessant; du siehst hier also bereits, wie schwierig es sein kann, ein Unternehmen zu führen, sei es auch noch so klein, wie LdN nun mal gerade klein ist. Auch hier hoffe ich, dass bei dir ein Lerneffekt eintritt: Dass du nicht immer auf die bösen Konzerne schimpfst, sondern immer auch die Position derer einnehmen kannst, die ein VW oder Daimler oder Vodafone führen. Das ist eben noch mal was anderes, als Studentin der Soziologie zu sein und von der Seitenlinie altklug was reinzurufen.

    Und noch ein Wort zu Luisa: Dass du überhaupt einen Unterschied machst, wer hier wie Interviewpartner sein könnte (M/W), deckt deinen Sexismus auf. Sollte nicht einfach ein kompetenter MENSCH Interviewpartner sein? Wieso WoC oder MoC? Wieso nicht einfach ein Mensch, der was Konstruktives zum Thema zu sagen hat?

    • Hast du dich in der Folge vertan? Es ist mir nicht im Ansatz möglich dass Geschriebene auf diese Folge zu beziehen…

      Abgesehen davon klingt dein Kommentar ziemlich hämisch und unreflektiert…

  15. Liebes Lage Team,

    ich bin seit geraumer Zeit begeisterter Lage Hörer und freue mich jede Woche wieder auf eure interessante und fundierte objektive Analyse, aber auch Meinung.

    Ich bin zum ersten Mal auf eurer Seite gelandet, um die Kommentare über das Thema Alltagsrassismus zu lesen. An den vielen Kommentaren hier kann man sehen, dass ihr damit einen Nerv getroffen habt und dieses Thema immer aktueller wird. Mich selbst beschäftigt dieses Thema sehr, da ich selbst in meinem nahen Umfeld gemerkt habe, dass rassistische Einstellungen oder auch Phrasen immer normaler werden. Ich denke dabei ist es wirklich sehr wichtig sich immer wieder zu erinnern, wie privilegiert man als weißer (in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft) ist. Zu der Frage, ob es nun angebracht ist anders aussehende Menschen nach ihrer Herkunft zu fragen oder darüber zu urteilen, wie diese Menschen die Frage aufzunehmen haben ist grotesk, genauso grotesk, wie eine Talkshow über Rassismus in der nur weiße Männer sitzen und sich über Rassismus austauschen.

    Ich habe gesehen, dass schon viele Kommentatoren Bücher oder Podcasts empfohlen haben, allerdings war das Buch, was ich zu diesem Thema am bereicherndsten sehe, noch nicht dabei.

    unter weissen von Mohamed Amjahid (was es heißt, privilegiert zu sein)

    Ich kann es jedem empfehlen, der ein Interesse daran hat, was es heißt Teil einer Minderheit zu sein und wie viele unbewusste Privilegien man als weißer selbstverständlich genießt.
    Vielleicht wäre Herr Amjahid ja mal ein interessanter Interview Partner für die Lage.

    LG und danke für dieses Format

    • Hi, danke für den Kommentar!

      Kannst du vielleicht mal anführen, was Herr Amjahid weißen Menschen rät, wie sie mit ihren Privilegien umzugehen haben?
      Interessanter noch fände ich deine persönliche Meinung dazu.

      LG,
      Luca

      • Mohamed Amjahid formuliert in diesem Buch keine Verhaltensregeln oder Vorschläge. Als Journalist des Zeit-Magazins und Sohn marokkanischer Migranten, die nach einigen Jahren nach Marokko zurück gekehrt sind, setzt er sich seit langem mit Minderheiten und Ungerechtigkeiten auseinander. Soweit ich es interpretiere möchte er mit diesem Buch Dinge ansprechen, die für viele gar nicht als Rassismus wahrgenommen werden (aber für die Adressaten sehr verletzend sein können) oder auf Privilegien aufmerksam machen, die vielen nicht bewusst sind. Man braucht natürlich kein schlechtes Gewissen haben diese Privilegien zu haben, dennoch hat es zumindest mir sehr geholfen sich diesen bewusst zu sein, um vieles besser einordnen zu können.
        Ich habe mich vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt. Ich wollte hiermit nicht die Lage kritisieren. Ich finde sie haben diesen Teil sehr gut behandelt, denn sie haben ja hauptsächlich darüber gesprochen, dass sie selbst diese Vorurteile haben und wie sie damit umgehen. Vielmehr finde ich es problematisch (grotesk), wenn in einem Format – ich sage mal wie Lanz – ausschließlich von weißen darüber debattiert wird, was Rassismus ist und was nicht und was dabei verletzt und was nicht. Dabei kann ich nur auf Ankis Kommentar Punkt 5 von heute verweisen.
        Ich denke das wichtigste ist, wenn man gesagt bekommt “das war gerade rassistisch von dir” nicht direkt in den Verteidigungsmodus verfällt und negiert, denn man hat ja eine weltoffene Haltung. Trotzdem heißt das nicht, dass man frei davon ist rassistische Vorurteile oder Formulierungen zu verwenden. Ich hoffe mein Punkt ist klarer geworden. Ich kann wirklich nur auf das Buch von Herrn Amjahid verweisen, so gut wie er werde ich es nie auf den Punkt bringen.
        LG

    • Oh und außerdem wüsste ich gerne, was grotesk daran ist, dass zwei weiße Männer sich über Rassismus unterhalten.

  16. Habe ich richtig verstanden, dass neben einer Impfung auch der Nachweis einer vorhergehenden Erkrankung genügen soll?

    Na dann könnte das zum ganz großen Schuss in den Ofen werden, wenn nämlich bescheuerte Masern-Partys starken Auftrieb bekommen.

    • Ich habe mir gerade vorgestern von meinem alten Hausarzt eine Bescheinigung ausstellen lassen: “Der Patient war 03/92 an Masern erkrankt.”
      Ich kann über meinen Impfpass zwar auch eine zweifache Masern-Impfung im Abstand von zwei Monaten im Jahr 1976 nachweisen. Ich wollte aber in jeder Hinsicht abgesichert sein, um nicht noch einmal geimpft werden zu müssen. Schließlich gibt es zurzeit nicht einmal einen Einzelimpfstoff gehen Masern. Die Sinnhaftigkeit einer weiteren Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln erschließt sich mir nämlich nicht, wenn man wie ich alle drei Krankheiten schon gehabt hat.
      Dies als Rückmeldung zu Ihrem Kommentar: Es gibt wohl keinen besseren Nachweis als eine durchgemachte Erkrankung. Auch bei zweimaliger Impfung gibt es immer noch wenige Impfversager und auch der Langzeitschutz bei zwei sehr frühen Impfungen, die jetzt zunehmen werden, wird diskutiert. Vielmehr müsste man sich über die Inkonsequenz im Masernschutzgesetz aufregen, dass vor 1970 Geborene keinen Nachweis erbringen müssen!
      Für eine Masernparty bräuchte man übrigens erstmal eine Erkrankung im Familien- oder Freundeskreis, die in den letzten 20 Jahren nur noch mit niedrigen und keinesfalls steigenden Fallzahlen vorkommt. Epidemisch sind die Masern schon gar nicht, weswegen ich glaube, dass das Gesetz noch die Gerichte beschäftigen wird.
      Ich glaube, das Argument “Masernparty” dient häufig dazu, Menschen zu kritisieren, die keine uneingeschränkten Befürworter einer Masernimpfpflicht sind. Dass man Zweifel über die Sinnhaftigkeit der Impfpflicht haben kann, habe ich in einem weiteren Kommentar zu dieser Lage-Folge bereits ausführlich aufgezeigt.

      • Das stimmt sicher alles, was Sie sagen. Und die Sinnhaftigkeit bei Betroffenen ist absolut einzusehen; ob eine nochmalige Impfung da überhaupt was bringen oder nicht vielleicht sogar schaden könnte, weiß ich nicht (ich habe keine Fachkenntnis).

        Aber ein Punkt sollte bedacht werden: Es geht bei der Impfpflicht nicht um Milieus, die man sonst bloß nicht erreicht, also eine Gruppe von Menschen, die wie beim Thema Organspende einfach zu faul sind, sich einen Ausweis zuzulegen, aber grundsätzlich nichts dagegen hätten. Um die zu erreichen, könnte man Aufklärung stark intensivieren, Besuche durch die Jugendämter einführen oder am besten Impfkampagnen in Schulen und Kindergärten starten, bei denen alle Kinder geimpft werden, deren Eltern nicht ausdrücklich widersprochen haben.

        Eine zwangsweise durchsetzbare Pflicht aber führt man nur ein, weil es Menschen gibt, die tatsächlich gegen das Impfen sind (und sich nicht nur einfach nicht kümmern). Zur generellen Sinnhaftigkeit einer solchen Pflicht (insbesondere ob sie bei denen zuletzt angesprochenen, um die es einzig gehen kann, überhaupt etwas nützt oder nicht vielmehr schadet) ist hinlänglich diskutiert worden. Aber: In bestimmten Kreisen/Milieus sind impfskeptische Auffassungen weiter verbreitet und Kinder entsprechend weniger geimpft (z. B. Waldorfschulen), Impfgegner also nicht überall gleich stark vertreten. Natürlich müssten Eltern sich dafür organisieren, aber um ihren Sprössling vor einer Impfung und damit vor – in ihren Augen – riesigen Gefahren zu bewahren, werden diese Eltern sicherlich auch durch die Republik gurken, um ihr Kind mit Masern zu infizieren. Im Gegensatz zu Ihnen sehe ich da durchaus Potenzial. Ganz im Sinne von: Oh, an einer Waldorfschule sind mal wieder Masern ausgebrochen, alle schnell da hin.

        Es ist ferner sicherlich richtig, dass schon Menschen, die bloße wissenschaftliche Mindermeinungen vertreten haben und bspw. ganz dezidierte Kritik an bestimmten Empfehlungen der STIKO geäußert haben, der falsche Vorwurf der (verschwörungstheoretischen, kontrafaktischen, esoterischen) Impfgegnerschaft gemacht wurde. Hier schießen Anhänger der wissenschaftlichen Mehrheitsmeinung offensichtlich übers Ziel hinaus. Aber andererseits darf man Irregeleiteten (Stichwort Autismus durch Impfen) auch nicht bescheinigen, eine wissenschaftliche Mindermeinung zu vertreten. Das ist eine schwierige Gratwanderung. Die Fraktion Masernparty (und ich kenne solche Leute persönlich) existiert aber; und sie ist eindeutig der esoterischen Gruppe zuzuordnen.

        Jedenfalls sehe ich hier Missbrauchspotenzial und ich frage mich, ob vor diesem Hintergrund – wie gesagt glaube ich, dass die Impfpflicht nur für aktive Impfverweigerer Sinn macht, und um deren Umgehungsstrategien geht es hier – die Sinnhaftigkeit einer Impfpflicht nicht generell in Frage stehen könnte. Ich habe diesen Aspekt bisher in der Debatte jedenfalls noch nicht wirklich wahrgenommen.

    • Vielen Dank für euren Beitrag zum Thema “Exzellenzuniversitäten”. Mir fehlten jedoch sowohl beim Gastbeitrag als auch bei den Nachfragen ein wenig die kritischen Töne. Ein paar der Hauptkritikpunkte an der Initiative selbst wurden zwar aufgegriffen, aber andere Punkte fehlten mir.

      Als größten Erfolg wird das “Umdenken” der Universitäten aufgeführt. Dabei sollte doch die zentrale Frage sein, ob denn auch besserer oder mehr Forschungsoutput durch(!) die Mittel erzeugt wird. Des Weiteren fehlt die Diskussion darum, wie unglaublich viel bürokratischer Aufwand durch diesen Wettbewerb erzeugt wird. Ähnlich wie bei den Akkreditierungsverfahren werden teilweise ganze Abteilung ausschließlich für die Begleitung dieser Verfahren abgestellt. Verwaltung und Forscher müssen viel Zeit und Ressourcen in die Pläne, Entwürfe und Statements stecken. Wenn dann auch noch ein ablehnender Bescheid kommt, sind dies Ressourcen, die schlicht verschwendet wurden.

      Des Weiteren sehe ich den Hinweis kritisch, dass das Umdenken tatsächlich zu einer Veränderung der Arbeitskultur geführt haben soll. Erfahrungsgemäß führen solche Wettbewerbe eher dazu, dass die Antragsteller lernen wie der Antrag für die Gutachter aussehen soll. Ohne, dass dabei substantiell in der Organisation Veränderungen eintreten. Am Ende lernen die Universitäten eher, wie sie sich gut verkaufen.

      Ganz davon abgesehen, dass die Exzellenzcluster fast hauptsächlich auf Forschungsbereiche abzielen, die auf Verwertbarkeit für die Wirtschaft zielen…

      Danke dennoch für euren Beitrag und weiter mit der tollen Arbeit!

  17. Hallo ihr beiden,

    hier einmal ein vollkommen inhaltsfreies Feedback: Ich verpasse keine Folge von euch und freue mich jedes Mal, wenn eine neue Lage online ist. Außerdem fühle ich mich meist sehr gut informiert und habe den Podcast schon meinen SuS (ich bin PoWi-Lehrerin) empfohlen. Danke für eure Arbeit und Hut ab!

    Sonnige Grüße
    Lea

  18. Hallo,
    Zunächst mal einen grossen Lob für den Podcast – wirklich top top top!
    Ihr habt ja verschiedentlich schon mal das Datenschutz/ Nutzung von Messengern/ Browsern etc aufgegriffen.
    Wie wäre es mal mit einem kleinen Special dazu im Sinne:
    Für einen normalen Benutzer ohne Aluhut:
    Welcher Browser/ Messenger/ Mailanbieter ist aus eurer Sicht gut/ empfehlenswert für Mobil/PC?
    Das so einmal gesammelt und kompakt zusammengestellt wäre echt top, auch wenn es vll nicht 1:1 im Lage Scope ist. Vielleicht ja wenn das nächste Mal so oder so ein Datenschutzthema aufpoppt…
    Liebe Grüße
    Maximilian

  19. 24. Juli 2019 um 7:59 Uhr
    Verita Severum

    Hallo Philip, hallo Ulf,

    ich würde mir wünschen, dass ihr das Thema “Erhöhung des Nato-Beitrags” vertieft. Die Erhöhung auf 2% des BIP entspricht etwa einer Steigerung von 40 Mrd € auf 80 Mrd €.
    Warum hat sich Dtld. dazu verpflichtet, mit welcher Legitimation wurde diese Entscheidung getroffen? Was passiert mit diesem Geld? Wird das nicht unser Beitrag zu Konflikten wie dem mit Iran? Entlasten wir damit z.B. die USA an anderer Stelle, damit diese mehr Geld für Konflikte haben? Ist das nicht ein Weg, dauerhaft mehr Geld für Konflikte zur Verfügung zu haben, damit nicht einzelne Kriege offen bezuschusst werden, wie damals der Irak-Krieg?
    Letztlich schließe ich mich wohl der Meinung von Daniele Ganser an (https://kenfm.de/dr-daniele-ganser-deutschland-ruestet-auf-und-preisverleihung-mind-award-2018-19/) und lehne eine solch drastische Erhöhung ab.
    Die Aufgabe und Legitimation der NATO könnte ebenfalls näher beleuchtet werden.
    Wer entscheidet innerhalb der NATO (USA, Generalsekretär, …)? Wofür wird das Geld verwendet?
    Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, im Vertrag wurde die friedliche Konfliktlösung verankert (https://www.nato.int/cps/en/natohq/official_texts_17120.htm?selectedLocale=de), der sich hier an die Satzung der UN anlehnt (http://www.staatsvertraege.de/uno/satzung45-i.htm), welche auf den Weltfrieden abhebt.
    Interessant finde ich auch, dass viele Medien wenig NATO-kritisch zu sein scheinen (https://swprs.org/medien-navigator/).

    LG Verita

    • Das 2%-Ziel ist eine gemeinsam vereinbarte freiwillige Selbstverpflichtung aller NATO-Staaten. Es stammt aus dem Jahr 2002 (damaliger deutscher Verteidigungsminister: Peter Struck, SPD; Außenminister: Joschka Fischer, Grüne). Die Selbstverpflichtung ist 2014 noch einmal bekräftigt worden (Verteidigungsministerin: vdL, CDU; Außenminister: Steinmeier, SPD). Hintergrund war zunächst die Aufnahme neuer osteuropäischer Mitgliedsländer in das Bündnis, die dazu animiert werden sollten rasch den technischen Standard der übrigen Länder zu erreichen, und später dann der Ukraine-Konflikt.

      Investiert werden soll das Geld in die jeweils eigene Verteidigung; in Deutschland geht es also um Investitionen in die Bundeswehr (Material, Infrastruktur usw., also z.B. renovierte Kasernen und neue Flugzeuge; hierfür sollen mindestens 20% des Etats verwendet werden) und um die anteilige Finanzierung von NATO-Einsätzen.

  20. Reifung, Entwicklung, Menschwerdung, erfolgreiches Lernen, all das geht darauf zurück, dass wir mit der Zeit lernen, unsere Gefühle in den Griff zu bekommen, ohne sie dabei zu erwürgen. Sie sollen uns Kraftwerk sein, ohne uns durch Ekstase oder Exzess aus der Gemeinschaft zu katapultieren.
    Die Angst vor dem als fremd Erlebten, wohnt uns natürlicherweise inne und hat die Qualität eines Reflexes. Aber wie wir so vieles lernen im Laufe des Lebens, können wir diese Angst durchaus wandeln, sie kultivieren, zu etwas Schönerem entwickeln.
    Idealerweise fangen wir gleich in der frühesten Kindheit damit an, Kinder auf diesem steinigen inneren Weg zu begleiten. Und natürlich ist das auch eine staatliche Aufgabe, weil der Staat sich ja einen Bildungsauftrag auferlegt hat. Blöderweise überwiegt jedoch im Bildungssystem der Selektionsauftrag, Angst geht also ständig in den Schulen um, und all das wichtige Andere, namentlich die Herzensbildung, kommt in den Lehrplänen gar nicht vor.
    Man muss sich also nicht wundern, dass heute Erwachsene ihren niederen Reflexen hilflos ausgeliefert ist. Anstatt in der Schule den Umgang mit Angst zu lernen, wurden wir und werden unsere Kinder heute noch mit Angst (vor Ausgrenzung und Abstieg) gefügig gemacht. Einer der unschönen Nebeneffekte dieser Sozialisierung ist, dass sich reflexhaft die Aggression über die Angst schiebt. Die Angst wird nicht mehr erlebt und geleugnet, die Aggression als gutes Recht erlebt. – Primitiv, zum Fremdschämen, aber sehr weit verbreitet.

  21. Hallo,

    kurze Erfahrung meinerseits, die ähnlich wie die geschilderte war. Ich hjätte mich damals auch als “nicht-rassistisch” bezeichnet – dann stieg ich beim umsteigen aus dem Flugzeug in Adis Abeba – Äthipien – und habe mich selbst erwischt, wie ich mich “gewundert” habe, wie normal die Schwarzen um mich herum sind – jetzt waren dort halt 95% schwarz und ich ein Weißer. Und genau diese Verwunderung, wie “normal”, manche mit Anzug, manche einfach gekleidet etc, hat mich so geschockt.

    Ich war dann 6 Wochen lang in Südafrika, viel mit Weißen und bei Weißen unterwegs. Nach der Zeit in Südafrika, und quasi einer Zeit, in der es völlig normal ist, viele Schwarze in allen Lebenslagen zu sehen, habe ich dann auch gemerkt, dass diese instinktiven Vorturteile abnahmen. Ich kann daher ein Reisen in Länder mit anders aussehenden Menschen nur wärmstens empfehlen.

  22. Bitte, bitte, bitte berichtet mehr über das wichtigste Thema dieser Zeit. Die Klimakatastrophe ist kurz davor zu kippen. Wir haben noch 5-10 Jahre Zeit unser System radikal zu wandeln, bevor der Klimawandel unumkehrbar wird. Und dann wird die Menschheit untergehen, und zwar nicht erst in 100 Jahren.
    https://www.forbes.com/sites/jeffmcmahon/2018/01/15/carbon-pollution-has-shoved-the-climate-backward-at-least-12-million-years-harvard-scientist-says/

    Es gibt sogenannte Klimakipppunkte, bei denen Ökosysteme umfallen und die Erderwärmung beschleunigen. So etwa passiert es diesen Sommer in der Arktis, wo seit zwei Monaten die “größten Brände, die der Planet je gesehen hat”. Das Permafrost taut jetzt auf statt wie erwartet 2090, 80 Jahre vorher.
    https://www.faz.net/aktuell/wissen/erde-klima/feuer-im-polarkreis-die-arktis-brennt-16282777.html

    Das Klima kennt keinen politischen Kompromiss. Was wir 2050 für Klimaziele erreichen ist vollkommen egal, weil dann werden die Kämpfe um Wasser, Nahrung und Lebensraum bereits in vollem Gange sein.

    Bitte berichtet über dieses Thema in der vollen Brutalität. Wir müssen handeln, und zwar jetzt. Wir können nicht auf die Politik warten. Eine CO2-Steuer und ein paar Subventionen werden nicht mehr reichen. Wir hatten 40 Jahre Zeit, und es ist zu wenig passiert.

    Ausserdem berichtet bitte über den erfolgreichen Widerstand, der sich insbesondere in Großbrittanien aber auch in anderen Ländern gebildet hat. Extinction Rebellion hat die britische Regierung bereits dazu gezwungen, den Klimanotstand auszurufen und Bürgerversammlungen einzuberufen, nachdem die Bewegung London über mehrere Tage lahmgelegt hat. Das brauchen wir hier auch.
    https://www.theguardian.com/environment/2019/jun/20/uk-citizens-assembly-on-climate-emergency-announced

    Es ist eine vorbildliches Beispiel, wie gewaltfreier ziviler Ungehorsam echte Änderungen bewirken kann. Die Forderung nach CO2-Neutralität 2025 ist extrem, aber wissenschaftlich notwendig. Und da die Krise nur noch schlimmer wird, wird der Widerstand weiter wachsen. Weil das jetzt wirklich mal alternativlos ist.

  23. Nur um diese Summe bei der ‘Exzellenzinitiative’ ein wenig einzuordnen: Würde die RWTH Aachen zusätzlich zu ihren derzeitigen Budget noch die gesamte Summe aus dieser Initiative bekommen, dann hätte sie das selbe Budget wie die ETH Zürich. Die ETH muss aber nur halb so viele Studenten versorgen. Das, und auch einiges mehr, konnte man am 19.07 im WDR 5 Politikum hören: https://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/podcast/weltweit/fsk0/196/1965293/wdr5politikum_2019-07-19_unisnichtinersterligafeelgoodtruppemeinungsmagazin_wdr5.mp3

    • Hinzu kommt ist, dass diese derzeitige “Exzellenzinitiative” nicht der Bildung, sprich den Studierenden, zu Gute kommt, sondern der Forschung, sprich den Lehrstühlen allgemein. Das ist zwar nicht grundsätzlich schlecht, aber ordnet ein dass die Anzahl der Studenten bei der Analyse relativ egal ist.

  24. Super witzig dass hier jeder Achim unkommentiert behaupten darf, dass er sehr wohl fragen darf, wo jemand herkommt, denn wir sind hier nur stolze weiße Deutsche und keine Rassisten!1111 Aber die Frauen, die sich über mangelnde Repräsentation beschweren, sind zu emotional und auch eigentlich bisschen doof zum interviewen. Ihr seid der Knüller!

    • Inhaltlich sind wir hier offen für viele, gelegentlich auch eher schräge Positionen – wir lassen uns aber nicht als frauenfeindlich anpöbeln, bzw. wer das versucht, darf sich über Gegenwind nicht wundern.

      • Würdest du das kritisieren und benennen von rassistischen oder homophoben Argumenten auch als anpöbeln bezeichnen? Kann verstehen, dass dich der Vorwurf trifft, aber dein Kommentar mit den smarten Gesprächspartnerinnen war sehr fragwürdig.

        • Wenn mir jemand vorwerfen würde, rassistisch oder homophob zu sein – ja, das fiele für mich in die Kategorie Pöbelei.

          Und das Argument ist natürlich nicht schön, aber es beschreibt leider unsere Erfahrungen.

        • War nicht euer Take in der Folge, dass alle (weißen) Rassismus im Alltag verüben / Rassisten sind / oder rassistische Impulse haben? Stimme mit der These total überein, aber derselbe Mechanismus gilt m.M.n auch bei sexismus und homophobie. die hier kommentierenden Frauen haben dich auf von dir (bestimmt unbewusst) verübten sexistischen Kommentar / Wortwahl hingewiesen.

        • Der Take war: negative Konnotationen beim Anblick dunkelhäutiger Menschen sind ebenso normal wie falsch. Ich habe (natürlich) keinerlei negative Emotionen beim Anblick weiblicher Menschen, und ich moderiere exakt gleich, wenn als männlich markierte Menschen hier unfaire Vorwürfe erheben. Wirklich interessant, auf welche Abwege die Diskussion hier gerät.

      • Eigene Buchempfehlung wohl selbst nicht gelesen?

        • Du hast vielleicht keine negativen Emotionen beim Anblick weiblicher Personen, aber da wir nicht nur in einer rassistischen Gesellschaft leben (wie ihr selber richtig feststellt), sondern auch in einer von Frauenfeindlichkeit durchdrungen Gesellschaft, hast du (wie die meisten Männer; ich übrigens auch) sexistische Vorurteile internalisiert. Dies hat sich an deinem Statement über die Gesprächspartnerinnen sowie an deiner Wortwahl gegenüber Luisa und den anderen kommentierenden Frauen deutlich gezeigt. Spätestens hier sollte eigentlich die von euch angesprochene Selbstreflexion und Rationalisierung passieren, stattdessen gehst du in einen Abwehrmechanismus über und begehst eine Täter-Opfer-Umkehr (du als Opfer unfairer „Pöbelei”).

        • Wer meine Moderation hier eine Weile verfolgt, der wird schnell merken, dass ich auch gegen unsachliche Kritik von männlich erscheinenden Postenden klare Kante zeige.

          Die Täter-Opfer-Umkehr kam von Luisa, die erst unsachliche Angriffe formuliert und sich dann beklagt, dass man das als Posten mit „Schaum vor dem Mund“ beschreibt. Einem Mann hätte ich exakt dasselbe geschrieben, ich kenne Luisa ja gar nicht. Vielleicht ist es auch ein männlicher Troll oder divers oder you name it. Es spielt einfach keine Rolle.

          Der Sexismus liegt – wenn hier überhaupt welcher im Spiel ist – in dem skurrilen Versuch, Kritik an Luisas unsachlichen Vorwürfen dadurch zu diskreditieren, dass ihr krampfhaft ein Mann-Frau-Schema übergestülpt wird, in dem Kritik eines Mannes an einer Frau natürlich sexistisch ist. Das kaufe ich nicht, denn auch eine Frau kann einfach mal Unsinn schreiben, und das kann Mensch dann ganz geschlechtsneutral als daneben kennzeichnen, auch wenn Mensch zufälligerweise männlich ist.

        • “Der Sexismus liegt – wenn hier überhaupt welcher im Spiel ist – in dem skurrilen Versuch, Kritik an Luisas unsachlichen Vorwürfen dadurch zu diskreditieren, dass ihr krampfhaft ein Mann-Frau-Schema übergestülpt wird, in dem Kritik eines Mannes an einer Frau natürlich sexistisch ist.“
          Du glaubst also ernsthaft an reverse Sexism (also, dass es Sexismus gegenüber Männern gibt) ??

        • Das mag Mensch sehen wie Mensch mag – wir sind hier ja nicht im Judith-Butler-Lesekreis. Jedenfalls ist es nicht sexistisch, eine Frau wegen unsachlicher Angriffe zu kritisieren, so wie es nicht rassistisch ist, wenn ein Ghanaer von der Polizei angehalten wird, wenn er über Rot fährt.

          Und ich bitte darum, dass wir es jetzt mal gut sein lassen, ich denke die Argumente sind wahrlich hinreichend ausgetauscht.

  25. Zum Rassismus, wie es am Ende thematisiert wurde, möchte ich gerne einmal eine gedankliche Alternative einbringen.
    Zunächst sind hier so genannte rassistische Gedanken natürlich nicht schön, wie es auch schon ausgedrückt wurde. Einmal davon abgesehen ist aber glaube ich der Knackpunkt der Sache, dass Menschen immer auffallen, wenn sie anders aussehen.
    Wenn jemand in einem Hähnchenkostüm gackernd durch die Stadt läuft, es sich aber bei einem Gespräch herausstellt, das derjenige ein Atomphysiker ist oder Chef einer bekannten, seriösen Firma, dann wäre ich ja auch überrascht.
    Das Problem dabei ist, dass es schwierig (wenn nicht unmöglich) ist, das Besondere als etwas total normales wahrzunehmen. Wenn man jemanden mit dunkler Hautfarbe, zum Beispiel hier in Weimar sieht, dann fällt es auf und das wird sich erst ändern, wenn so ein Anblick für jemanden üblich wird und danach sieht es in weiten Teilen Deutschlands nun einmal nicht aus.
    Das heißt aber nicht, dass man denen gegenüber fremdenfeindlich sein darf oder dass man sie benachteiligen darf.
    Ich finde nur, dass so wie es im Podcast heute übermittelt wurde, eher dazu führt, dass man sich entweder immer wieder schuldig fühlt, weil man ja einmal kurz gedacht hat, dass jemand andere Vorfahren als man selbst haben könnte; vielleicht blockt man auch irgendwann ab, nach dem Gedanken “Ich kann es eh nie jemandem recht machen” und dann kümmert man sich gar nicht mehr um seine Wahrnehmung, weil das dann leichter ist.

    Warum kann man nicht einfach alle möglichen, interessanten Unterschiede zwischen den Menschen erkennen und sich darüber freuen dürfen. Zum Beispiel:
    “Der hat aber eine dunkle Haut, der hat es gut, der bekommt bestimmt kaum Sonnenbrand.”
    “Die meisten Leute, die nicht klassisch deutsch aussehen, sprechen oft anders, aber deinen thüringischen Dialekt finde ich in der Kombination total toll.”
    “Leute die sich bei uns bewerben und südländisch aussehen, machen oft nicht so einen seriösen Eindruck, aber unser letzter Bewerber kann da so gut überraschen, den sollten wir nehmen [und nicht Herrn Müller, von dem erwartet man das, da ist es langweilig]”

    Meiner Meinung nach ist es nicht schlimm, Vorurteile zu haben, wenn man es schafft, sein Handeln nicht darunter leiden zu lassen. Genauso sollte man unvoreingenommen rangehen, wenn man eine Person dann “bewertet”. Also auch wenn der erste Gedanke ist, dass mehrere Schwarze an einem Geldautomaten den vielleicht knacken wollen, dann sollte man sich erst dabei ertappen und korrigieren dürfen, bevor man sich gedanklich selbst geißelt, also eigentlich genau wie es im Podcast mit der eigenen Aufarbeitung der Situation passiert ist.

    Man sich da einen Wolf erklären, den Inhalt rüberzubringen, den man auch will, ist da sehr schwierig, da habe ich bestimmt hier auch mehrere Fehler gemacht, sorry dafür!

    • Dieser Kommentar ist btw ein Beispiel für #whitefragility.

      Doch. Man sollte streng mit sich sein. Für euch mag das dann zwischendurch mal anstrengend sein, ein zweites Mal nachzudenken und auch mal was Falsches gesagt zu haben, aber für uns ist das auch nicht gerade ein Ponyhof.

      Dass mein Schwarzsein mit nem Hähnchenkostüm verglichen wird ist verletzend.

      Außerdem:

      -Wir brauchen auch Sonnencreme, das ist nur ein Vorurteil.

      -Wir sprechen einfach die Sprache und den Dialekt des Ortes in dem wir leben und oft geboren sind, das ist nichts Besonderes, du machst es gerade dazu und das ist weird. (Schlagwort “othering”)

      -Wieso sind die meisten von uns eher unprofessionell?

      Du scheinst nett zu sein, aber dein Kommentar war leider voller Rassismen.

      • Danke für Deine Antwort, Anki, die bringt es auf den Punkt!

        • Hm, ich finde das eher wenig überzeugend. Die vermeintlichen Zitate aus Alex’ Kommentar sind so verzerrt, verkürzt oder einfach nicht wahrheitsgetreu wiedergegeben, dass es nur noch sehr wenig bis nichts mit dem Inhalt der eigentlichen Aussagen zu tun hat. Der damit gesponnenen Strohmann ist dann natürlich auf irgendeine Weise angreifbar.

          Man müsste mir auch mal erklären, inwiefern man sich von so einer nun wirklich belanglosen und wertfreien Aussage wie über die Sonnencreme in seiner Ethnie abwertet fühlt, zumal sich rein wissenschaftlich belegen lassen dürfte, dass dunkle Hautpigmente nun mal besseren Sonnenschutz bieten als helle. Ja, ich kann nachvollziehen, dass das u.U. ein sehr sensibles Thema ist und es nicht schön ist, das permanent unfreiwillig geraderücken zu müssen. Aber wer es nicht für nötig hält hier zu differenzieren und faktisches Unwissen oder einfach nur unbeholfene menschliche Neugierde grundsätzlich mit bewusstem, bösartigen Rassismus im Sinne menschlicher Abwertung gleichzusetzen, der tut sich am Ende auch als Betroffener selbst keinen Gefallen und sabotiert seine eigenen Ziele.

  26. Lieber Ulf, lieber Philip!

    Ich bin schon seit Längerem zufriedene Hörerin der LdN, dies ist aber das erste Mal, dass ich dem Impuls nachgehe, euch das auch mitzuteilen. Ich bin afrodeutsche Studentin und habe es als sehr wohltuend empfunden, Themen, die mich auf Grund meiner Lebensrealität in Deutschland ständig beschäftigen, in dieser Folge wiederzufinden. Danke, dass ihr eure Plattform für Anstöße zu rassismuskritischem Denken und Handeln nutzt.

    LG

  27. 23. Juli 2019 um 15:15 Uhr
    Alexander Kinas

    Ein Gedanke zum Thema von der Leyen und CDU/CSU im Allgemeinen bisher kam mir einmal und ich hatte beim Podcast das Gefühl, dass Sie da in eine Falle tappen.
    Ja, es ist schön, dass von der Leyen nun auf andere Parteien zugeht und Zugeständnisse aus grüner oder sozialdemokratischer Sicht macht. Aber die Frage ist für mich, woher dieser Sinneswandel kommt und da habe ich große Sorge:
    Es ist doch so, dass die CDU (lassen wir CSU einmal außen vor, das ist wohl eher ein eigenes Thema für sich) seit Ewigkeiten keine echten eigenen Themen mehr hat. Man kann sich die Frage stellen, ob zur Zeit in BRD und EU alles so ist wie es bleiben kann oder ob wir Veränderung wollen und darüber kann man ja unterschiedlicher Meinung sein. Da der gesellschaftliche Tenor ja aber schon in die Richtung geht, dass sich etwas ändern muss, macht mir das unentwegte Ideen-Saugen der CDU Sorge. Ein Argument gegen die Sorge, so wurde mir einmal gesagt, sei, dass das eben die konservative Mitte ist und alle Ideen und Vorhaben eher zögerlich und abgeschwächt umgesetzt werden.
    So betrachtet ist die CDU das Bremspedal, das uns davor bewahren soll, dass uns andere Parteien mit ewig vielen Reformen ungebremst in verschiedene Krisen fahren. So weit so… naja kann man von halten was man will.

    Kern dieses Verhalten ist meiner Ansicht jedoch, dass die CDU sich längst davon verabschiedet hat, eigene Politik zu machen und durchsetzen zu wollen und dafür eigentlich nur noch Marketing betreibt.
    Umwelt ist Mode? Da dann machen wir jetzt Umweltschutz. Arbeitslosigkeit sieht in der Statistik schlecht aus? Bringen wir Menschen in Arbeit, egal wie die verdienen und was die dafür in Kauf nehmen müssen, Hauptsache die Zahlen sehen besser aus etc…

    Dieses Prinzip funktioniert zur Zeit insofern gut, weil viele richtige Anliegen die lautesten sind.
    Was passiert aber, wenn sich Ausländerfeindlichkeit weiter durchsetzt? Wenn plötzlich mehr Leute und ausdauernder als Pegida auf die Straße gehen und Abschottung, Ausweisung und Nationalismus fordern?

    Was macht die CDU dann? Das ist -in Gott sei Dank auch kleinerem Maße- mit der eben erwähnten Pegida-Bewegung ja schon passiert. Vor 2014/2015 wäre es niemandem in den Sinn gekommen, plötzlich konsequent Ausländer abschieben zu wollen, aber ein paar Leute gehen auf die Straße und beschweren sich und was macht da die große Partei anstatt den “besorgten Bürgern” klar entgegenzutreten und in dem Sinne aufzuklären:? “Dass ihr Sorgen habt, verstehen wir, aber, auch wenn es sich nach viel anhört, SO viele Leute kommen nicht nach Deutschland und NEIN, die sind nicht krimineller, die nehmen niemandem etwas weg und die haben unsere Hilfe wirklich nötig… usw….”

    Nein, da muss plötzlich abgeschoben werden und es sieht auch besser aus, wenn die Flüchtlinge nicht mehr unter kaum tragbaren Bedingungen vor der deutschen Grenze in Auffanglagern dahinvegetieren. “Wisst ihr was toll ist? Wir lassen die in der Türkei unter kaum tragbaren Bedingungen in Auffanglagern dahinvegetieren, da sind die nämlich weiter weg.”
    Nach dem Motto “da heult das dumme Volk wenigstens nicht mehr so laut rum.”

    Es ist sicher deutlich geworden, was ich damit ausdrücken will, um auch auf von der Leyen zurückzukommen: Es werden keine Lösungen gesucht, sondern Wählerstimmen, keine Politik sondern Marketing betrieben und DAS haben schon andere große Politiker und “Politiker” mit schlimmen Folgen gemacht.
    Ich will keinen staatlichen Anführer, der mir und allen dummen Leuten nach den Mund redet. Ich will da jemanden haben, dem ich so vertraue, dass er mir auch mal sagen kann, dass ich falsch liege. Stichworte sind hier Ehrlichkeit zu anderen und zu sich selbst und dazu gehört es auch, mal Fehler zuzugeben und zu dieser Vorstellungen eines vertrauenswürdigen, fällt mir kein CDU-Politiker ein.

  28. Hallo Philip und Ulf,
    wieder einmal eine facettenreiche Folge – vielen Dank für eure sehr konstant gute Arbeit!

    Beim Masernschutzgesetz habe ich noch nicht verstanden, warum es nicht der Zustimmung des Bundesrates bedarf, was in der Pressemitteilung zum Kabinettsbeschluss vom 17.07.2019 (https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/2019/3-quartal/masernschutzgesetz.html) vermerkt ist.
    Gehört das Gesetz damit zu den “Einspruchsgesetzen”? Ich habe versucht, mich in die Thematik einzulesen, habe es aber noch nicht verstanden, ob der Bundesrat überhaupt irgendeine Form von Einfluss nehmen kann. Vielleicht kannst du, Ulf, dazu noch einen kleinen Hinweis geben.

    Abschließend fand ich Ulfs Schlussbewertung des Gesetzes, dass die Vorteile der Impfpflicht die Nachteile überwiegen werden, etwas ungenau. Ich finde, dass man das nicht einfach sagen kann. Eben völlig richtig ist und sehr wichtig ist, dass sehr unklar bleibt, wie sich das Impfprogramm auf die Zukunft auswirkt. Das gleich in den Bereich der esoterischen Überlegungen zu packen, ist mir zu einfach, da es ganz klare medizinische Probleme durch die Impfpflicht gibt, die auch jetzt schon nachweisbar sind, wie ich exemplarisch belegen möchte.
    Die Impfpflicht wird dazu führen, dass die erste und zweite Masernimpfung flächendeckend so früh wie möglich bzw. nach dem durch die STIKO vorgegebenen Impfschema durchgeführt wird. Gerade über den Zeitpunkt der zweiten Impfung gibt es international sehr unterschiedliche Ansichten.
    Es ist sehr wahrscheinlich, dass für einen wirksamen Langzeitschutz gegen Masern sinnvoller ist, gerade die zweite Impfung nicht zu früh durchzuführen. Passiert das wegen der Notwendigkeit des Nachweises einer Impfung nicht, geht man das Risiko ein, dass man in einiger Zeit genauso viele (oder vielleicht sogar mehr) Masernerkrankte im Erwachsenenalter hat wie heute, die jetzt schon einen wesentlichen Teil der Masernerkrankten ausmachen und ihrerseits ungeschütze Babys gefährden, die bis zum 9 Monaten noch nicht geimpft werden können, aber einen verkürzten Nestschutz haben (weil die Mütter in der Regel selber nur noch geimpft und nicht mehr selber erkrankt sind – bei den Müttern, die die Krankheit selber durchgemacht haben, ist der Nestschutz einige Monate länger als der, der durch die Impfung erzielt wird. Eben deshalb sind Babys heute länger gefährdet als früher – eben bis sie mit frühestens 9 Monaten die Impfung erhalten können).
    Dies alles ist keine Esoterik, sondern ein Risiko, das man von staatlicher Seite eingeht.
    Ich zitiere dazu abschließend aus der Einleitung der Sächsischen Impfkommission zur Masernimpfempfung von 2017 (https://www.kvs-sachsen.de/fileadmin/data/kvs/img/Mitglieder/KVS-Mitteilungen/2017-02/2017-02_schutzimpfungen.pdf), die einen späteren Zeitpunkt für die zweite Masernimpfung vorschlägt als die STIKO und sich damit in Einklang mit dem überwiegenden Teil der EU-Staaten befindet:
    “Die zweite MMR-Impfung hat neben dem Erreichen primärer Impfversager auch die Boosterung (Auffrischung des Impfschutzes) im Auge. Der Boostereffekt tritt nur bei längerem
    Abstand (Monate bis Jahre) ein. Dies ist auch für die Röteln- (bei Mädchen) und Mumpsimmunisierung (bei Jungen) von großer Wichtigkeit. Der Abstand der zweiten Rötelnimpfung zu einer Schwangerschaft (die gegenwärtig tendenziell immer später eintritt) wird bei Vorverlegen der 2. MMR-Impfung unnötig ausgedehnt. Mit der Empfehlung der 2. MMR-Impfung erst nach dem 2. Lebensjahr geht die SIKO weiterhin konform mit mehr als 80 % der EU-Staaten (Empfehlung überwiegend mit 4 bis 6 Jahren oder noch später) sowie auch
    mit beispielsweise auf dem Gebiet der Infektionsprävention so bedeutenden Ländern wie den USA und Kanada (beide empfehlen die 2. MMR-Impfung im Alter von 4 bis 6 Jahren).
    Die Nutzung des Boostereffektes für einen lang anhaltenden Impfeffekt durch größeren Abstand ist damit gewährleistet.
    Durch die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut erfolgte eine Vorverlegung der 2. Masernimpfung in das 2. Lebensjahr im Jahr 2001 ohne wissenschaftliche Begründung nur mit dem Argument, dass sich damit die Impfraten erhöhen würden, da die kinderärztliche Betreuung im 2. Lebensjahr noch besser sei als im 4. bis 6. Lebensjahr.”
    Abschließend noch einmal meine Meinung zu einem Detail des Gesetzes: Dass vor 1970 Geborene ausgenommen sind, ist für mich an Inkonsequenz nicht zu überbieten. Klar, man geht davon aus, dass diese Generation in der Regel die Masern durchgemacht hat. Aber für jemand kurz danach Geborenen, ist dies nicht einsichtig, weil überhaupt nicht klar ist, ob die vor 1970 geborene Person nicht doch noch Masern bekommen kann.
    Das schreibe ich als 1974 Geborener, der 1976 im Abstand von zwei Monaten (das würde heute auch möglich sein und zum Nachweis des Impfschutzes vollständig ausreichen) zweimal gegen Masern geimpft wurde, aber 1992 dennoch erkrankt ist. Bei mir ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich möglicherweise einem zu kurzen Impfabstand zum Opfer gefallen bin. Über den wusste man damals allerdings noch nichts. Abgesehen davon, man glaubte Mitte der 1980er-Jahre auch noch, dass eine einmalige Masernimpfung lebenslange Immunität verleiht und die STIKO hat die zweifache Masernimpfung erst 1991 als Empfehlung aufgenommen (https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/317/28L3WqtyhaI.pdf?sequence=1&isAllowed=y). Bis 1990 galt eine einmalige Impfung als ausreichend (vgl. die Historie der Impfungen unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Materialien/Poster/Poster_Stiko_Hist.pdf?__blob=publicationFile)

  29. Sehr guter Beitrag über Rassismus! 👍🏼 Allerdings verwenden die zwei Frauen von Feuer & Brot selber Begriffe wie „toxische Männlichkeit“. „Toxische Männlichkeit“ kommt von der APA. Das sind Leute die Foltermethoden mitentwickelt haben. https://www.sueddeutsche.de/politik/usa-psychologen-und-peiniger-1.2593195-0

  30. Thema: Europäische Sozialpolitik

    Liebe LdN,

    Ich finde euren Podcast echt toll und höre ihn immer gerne.

    Das Segment über von der Leyens Plan zur europäischen Sozialpolitik hat meine Aufmerksamkeit kurz erregt und ich wollte einen kleinen Meinungsbeitrag da lassen. Ich glaube nicht, dass sie hier nur Wörter hat fallen lassen, sondern auf mich wirkte es wie ein gute informierter Plan, der viele Ideen und Programme (Europäische Säule Sozialer Rechte, Refokussierung des Europäischen Semesters) aus der Juncker-Kommission weiterführen will. Ich schätze ihre Kompetenz als ehemalige Bundesarbeitsministerin hier auch hoch ein.

    Hier nochmal ein Pressestatement von der European Trade Union Confederation zu vdLs Plänen:
    https://www.etuc.org/fr/node/18150

  31. Der Phoenix e.V. bietet Anti-Rassismus-Trainings an, die auf sehr unmittelbare und persönliche Art und Weise die Auseinandersetzung mit dem verinnerlichten gesellschaftlichen Rassismus ermöglichen. Ich habe selber noch nicht bei einem solchen Workshop teilgenommen, habe mich aber einmal länger mit einer Teilnehmerin unterhalten, sodass ich das doch gerne als Tip weitergeben möchte.

    https://www.phoenix-ev.org/anti-rassismus-training.html

  32. Hallo alle,
    Danke, wieder sehr wertvolle Sendung!

    Vielleicht wäre es auch mal an der Zeit über zwei Angstkomplexe zu sprechen:
    a) Wenn der Erderwärmung weiter so fortschreitet wird es nicht nur Kipppunkte u.a. in Sibirien geben sondern auch u.a. in Afrika: Rein physikalisch hat jeder Mensch im “StandBy” eine interne Leistung von 50W (Gehirn, Verdauung, Herz, …) und eine Verlustleistung in Form von Wärme von 100 Watt. Bei Temperaturen unter etwa 25 bis 30 Grad werden die 100Watt an die Umgebung abgegeben iw durch Konvektion und Verdunstung (von Schweiß). Bei über 30 Grad wird das sehr schwierig, mehrere Liter/Tag trinken bringt u.a. den Mineralienhaushalt aus dem Lot, schon ab etwa 41 Grad führt ein längerer Kontakt mit einer Oberfläche zu Verbrennungen.
    Daraus sieht man, dass Äquator – nahe Zonen bald unbewohnbar werden – ohne andauernden Aufenthalt in klimatisierten Räumen.
    Wenn dann nicht 1 Mio Menschen / Jahr nach Europa einwandern wollen/müssen sondern 10 oder 100 Millionen nutzt eine Küstenwache oder Stacheldraht nichts mehr. Abschiebungen per Flieger sind völlig sinnlos.
    Die diletantische Untätigkeit der EU Regierungen in Sachen Erderwärmung und Fairness gegenüber den Südländern ist sehr bedrückend.

    b) Bei ungeplanten Begegnungen mit AfD Fans habe ich erkannt, dass es bei einem Teil dieser sehr konservativ denkenden Menschen teilweise einen sehr tiefsitzenden Frust über die Lobby-hörigkeit der CDU/CSU gibt. Das hat die CDU/CSU offenbar noch gar nicht als eines ihrer Probleme erkannt und die AfD Fans haben nicht begriffen, dass die AfD das Problem auch nicht lösen kann oder will.

  33. Zum Thema Elite-Universitaeten sollte man unbedingt hervorheben, dass der Ansatz der wissenschaftlichen Methode entgegen steht. Diese ist doch ein kollaboratives Unterfangen, bei der Forscher Erkenntnisse, Resourcen, Methoden usw. teilen sollten. Forscher konkurrieren sicher immer um knappe Gelder. Dieser “Wettbewerb” ist nun ein weiterer, scharfer Anreiz.

    Darueber hinaus sollte an hinterfragen inwiefern sich ein Wettbewerb um Forschungsgelder auf Entscheidungen auswirkt, welche Projekte an Instituten unterstuetzt werden. So kann man sich vorstellen, dass schwer vermittelbare Grundlagenforschung weniger geeignet ist, diesen Wettbewerb zu gewinnen als, zum Beispiel, Forschung, die auf paesentierbare Ergebnisse abziehlt.

  34. Lieber Ulf Buermeyer,

    vielen Dank für den tollen Podcast!

    Thema: Seenotrettung

    Auch wenn ich mit Ihrer Meinung persönlich übereinstimme: ich muss dem Kommentator “Franz” in seiner Kernaussage rechtgeben: unter dem Aspekt “sich auch mal in die Sichtweise der anderen reinzuversetzen” fand ich das Kommentar über die Meinung derer, die Seenotrettung anzweifeln/ablehnen unangebracht. Grund:
    1) Sie haben Ihre persönliche Meinung geäußert- ein gutes Recht- aber dadurch auch Hörer, die anderer Meinung sind, als amoralisch dargestellt (mein Empfinden);
    Wäre die Frage nach dem “Warum denkt ihr so? Wie konnte es soweit kommen, dass ihr das Gefühl habt, bedroht zu sein durch Einwanderer/Flüchtlinge etc,?/Was können wir gegen dieses Gefühl unternehmen” nicht viel zielführender?
    2) Es erinnert mich an Frau Merkels Aussage , wenn wir uns für die Aufnahme von Flüchtlingen entschuldigen müssten, wäre es nicht ihr Land ( https://www.youtube.com/watch?v=2IT_0Q6XkvE)
    Führt nicht genau diese Schwarz-Weiß- Denke zu den AfD- Zuläufen? Gibt es nicht verschiedene Graustufen ohne gleich rassistisch/rechts/amoralisch zu sein? Wir müssen nicht jede Meinung gutheißen, aber jede Meinung anhören und nicht von vorneherein verurteilen und bewerten. Dieses “Ersticken” von Diskussionen ist meiner Meinung nach ein Hauptproblem in der derzeitigen Kommunikation bzgl. der Flüchtlingsthematik: auch mal in die Ansicht des anderen schlüpfen…so abstrus, unnachvollziehbar, fürchterlich sie aus meiner Sicht auch sein mag.

    Habe ich hier gelernt: Buchtipp: Boris Palmer -“Wir können nicht allen helfen”

    LG Franzi

    • Ich sehe nicht wie man über Seenotrettung “diskutieren” kann. Jedenfalls nicht, wenn man allgemein jedem Menschenrechte zugesteht.

      Worüber man diskutieren kann ist, was man mit den Geretteten tun kann / soll. Und das haben die beiden Podcaster auch getan. Dabei haben sie die Alternativen aufgezählt, und klar gemacht weswegen sie der Meinung sind, dass man aus Seenot gerettete Flüchtlinge nicht nach Nordafrika zurückbringen kann. Dies kann man anders sehen. Gute Alternativen haben die anders Denkenden hier nicht oder nur eingeschränkt gebracht. Falls ich die überlesen habe möge man mich darauf hinweisen.

      Und der Titel des Buches, das Sie angeben, ist so unglaublich populistisch, dass ich es schon gar nicht lesen will. Denn: Wir müssen auch nicht allen helfen. Nur denen, die unsere Hilfe brauchen.

      • Hallo,

        es ging mir gar nicht um den Inhalt der Diskussion, sondern um die Art und Weise mit anderen Meinungen umzugehen. Das soll auch gar keine Anklage sein, sondern ein Anregen zum Nachdenken, wie wir allen mit Respekt begegnen können.

        Um sich eine Meinung über ein Buch zu machen, hilft es, es zu lesen ;-) Den Titel finde ich auch diskutabel.

    • 23. Juli 2019 um 15:36 Uhr
      Thomas Anderson

      Also wenn man grundsätzlich die Seenotrettung zur Diskussion stellen will, dann könnte man ja auch zur Diskussion stellen, ob man Flüchtlinge nicht auch unter der Bedingung ins Land holt, dass sie für 20 Jahre als Sklave für einen Europäer arbeiten und dann die Freiheit geschenkt bekommen.

      Oder ob man eine Game Show macht, deren Gewinner nach Europa kommen dürfen. Die Verlierer werden von Haien gefressen. Sowas wie Takishis Castle, bloß tödlich.

      Nein, man muss nicht über alles diskutieren dürfen. Und gerade die Frage “Ertrinkende retten – ja oder nein” mit dem Argument “sich auch mal in die Sichtweise der anderen reinzuversetzen” zur Diskussion zu stellen, ist grotesk.

  35. Danke, dass ihr das Thema der rassistischen Impulse angesprochen habt.
    Dazu gibt es auch ein tolles Buch von Jane Elliott „Blue eyed“. Sich mal einen Film ihrer Workshops anzusehen gibt einem „Weißen“ ordentlich zu denken.

    Ich kann nur bestätigen, dass ich selbst rassistische Impulse habe, die ich in verschiedenen Situationen festgestellt habe.

    Nachfolgend eine Auswahl, extra ohne viel Kontext und neutral gehalten zum Nachdenken.

    Situation 1:
    Person 1: Oh, guck mal ein Schwarzwälder!
    Person 2: Oh, guck mal ein Weißbrot!
    Person 1: Ich meine das doch gar nicht böse.
    Person 2: Ich auch nicht.

    Situation 2:
    Person 1: 1 junge Deutsche ist Europameisterin geworden!
    Person 2: Die ist doch keine Deutsche!
    Person 1: Natürlich ist sie Deutsche (googelt nochmal zum Beweis).
    Person 2: Aber der Nachname hört sich nicht Deutsch an. Die kommt doch aus Afrika.
    Person 1:  Na und? Dein Mädchenname hört sich polnisch an. Das macht Dich doch auch nicht weniger Deutsch.

    Situation 3:
    Person 1: Die bauen da jetzt eine Flüchtlingsunterkunft. Ich habe mir schon einen Elektroschocker gekauft.
    Person 2: Am besten lernen wir die Menschen erstmal kennen bevor wir so drastische Maßnahmen ergreifen.
    Person 1: Ja, ich habe ja gar nichts gegen die Leute, aber da kommen ja wieder bloss junge Männer……
    Anmerkung: Es gab niemals eine Information der Stadt, dass dort nur Männer einziehen, sondern es wurde immer bestätigt, dass es Familien sein werden.
    Fun Fact: Hinter der Unterkunft wird ein Haus mit großem Grundstück verkauft.
    Person 1: Ich war beim Besitzer und dachte, ich kann das spottbillig kaufen. Ist ja jetzt nichts mehr wert und er kann froh sein, wenn er es überhaupt los bekommt.

    Situation 4:
    Person 1: Die Juden sind ein ganz furchtbares Volk!
    Person 2: Und woher weißt Du das?
    Person 1: Das steht schon in der Bibel!
    Person 2: In der Bibel steht auch, dass Maria eine unbefleckte Empfängnis hatte.
    Person 1: Ja, aber (….irgendein Argument).
    Person 2: Kennst Du denn überhaupt einen Juden?
    Person 1: Nein.
    Person 2: Na dann bist Du ja Spezialist.

    Situation 5:
    Person 1: Exzessiver Rant auf Facebook über Moslems/Flüchtlinge und wie schwer es doch ist einen Partner zu finden, der die gleiche politische Einstellung teilt ohne gleich ein „echter“ Nazi zu sein.
    Person 2 kommentiert: Halbnazi gibt es ebenso wenig wie halbschwanger.
    Person 1: Blockiert Person 2 auf Facebook, monatelanges Vermeiden jeglicher Kontaktaufnahme.

    Situation 6:
    Person 1: Da laufen jetzt überall Neger herum bei uns. Da kriegt man es richtig mit der Angst zu tun.
    Person 2: Wahrscheinlich haben sie mehr Angst vor Dir als umgekehrt und wollen bloß ihre Ruhe haben.
    Lass uns doch mal zu der Flüchtlingsunterkunft laufen.
    Unterwegs sehen wir viele junge Männer auf Fahrrädern oder zu Fuß. In der Unterkunft wird fröhlich Fußball gespielt.
    Niemand spricht uns an oder beachtet uns.
    Person 2: Und? Findest Du immer noch, dass sie gefährlich sind?
    Person 1: Nein.

    Situation 7:
    Vor mir laufen 2 junge Mädchen. Hinter mir 2 junge dunkelhäutige Männer.
    Die Männer lachen und blödeln herum.
    Mein erster Gedanke: Oh Gott, Vergewaltigung!
    Dann stelle ich fest, dass die Mädels die Jungs kennen. Und dass es hier um ein
    total harmloses Geflirte von Jugendlichen geht, das mir mit weißen Jugendlichen überhaupt nicht aufgefallen wäre. Und es passiert mir regelmäßig, wenn ich eine Gruppe Männer sehe, die eine andere Sprache sprechen, dass ich nervös werde.
    Ich kann es nicht abstellen, auch wenn es komplett unbegründet ist.
    Shame on me!

    Situation 8:
    Person 1: Im Cafe am Rathaus esse ich nicht!
    Person 2:  Warum nicht?
    Person 1: Das sind Türken! Ich kaufe nichts bei Türken!
    Person 2: Hört sich an wie: „Kauft nichts beim Juden“. Der Betreiber ist übrigens Grieche und der Cousin einer Freundin.
    Person 1: —–

    Situation 9:
    Stilblüten von der Arbeit:
    „Da kommt die Schleierhexe.“ (Putzfrau mit Hijab)
    „Ich mag Missy Elliott nicht, diese Affenbitch.“
    „Die deutsche Elite macht Urlaub in deutschen Landen.“

    Situation 10:
    Ich schreibe einen Kommentar gegen Rassismus. Ich habe Bedenken ihn zu veröffentlichen weil ich weiß, dass es unreflektierte Antworten und vielleicht sogar Beschimpfungen geben wird.
    Ich schicke ihn trotzdem ab und werde den Hass ertragen.
    Deutschland 2019

  36. Hi,
    super Podcast, die Lage!
    Mir ist diesmal zum ersten Mal eine Ungereimtheit aufgefallen, im Bezug auf die sachliche Eignung von Ministern. Ich konnte eurem Argument folgen, dass die Kompetenz eher im Bereich Management/Politik liegen sollte als in dem spezifischen Bereich des Ministeriums. Wobei ich sagen muss, dass ich nicht 100 % zustimme, da einige komplexere Themen etwas mehr als nur eine Beratung erfordern (die man ja auch bewerten bzw. einordnen können muss). Oftmals habe ich das Gefühl das vereinfachte Lösungen für komplexe Probleme daher kommen, dass die Politiker in Spitzenpositionen nicht die gesamte Lage überblicken können.
    Wo ich allerdings gar nicht mehr folgen konnte, war der Punkt, dass man als einziges für das Justizministerium eine fachliche Qualifikation haben sollte. Warum sollte hier nicht auch eine Beratung ausreichen? Natürlich ist das Gesetz eine komplexe Angelegenheit aber doch sicher nicht komplexer und/oder einzigartiger als z. B. Wissenschaft und Forschung (ein Bereich, der meiner Meinung nach häufig etwas mehr Qualifikation von den zuständigen Politikern verdienen würde) oder Wirtschaftspolitik (auch letztendlich ein hochkomplexes Thema mit sehr vielen Stellschrauben mit jeweils weitreichenden Folgen).

  37. Konstruktive Kritik zum Elite-Uni-Beitrag:

    Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) hätte hier zumindest eine Erwähnung verdient gehabt. Sie ist der Grund dafür, dass wir keine zentralisierte, einzelne Spitzenuniversität haben, sondern dass stattdessen führende, spezialisierte Institute deutschlandweit verteilt sind. Diese sind an die jeweiligen lokalen Universitäten angegliedert. Wenn man mal die MPG als Ganzes betrachtet, sprechen die Zahlen eine andere Sprache:
    Der Nature Publishing Index führte die MPG 2018 als drittbeste Institution weltweit in Bezug auf Publikationen in Magazinen des Nature Verlags (u.a. geschlagen von der Harvard University https://www.natureindex.com/annual-tables/2018/institution/all/all). 2016 war sie noch auf Platz 4 (https://www.natureindex.com/news-blog/ten-institutions-that-dominated-science-in-twentyfifteen).
    In einem anderen unabhängigen Ranking wurde 2018 ebenfalls Platz 4 erzielt (https://research.webometrics.info/en/world).

    Bei diesen Indizes und Rankings geht es primär um die Qualität der Forschung, nicht der Lehre. Die von euch und den Studentenschaften angesprochenen Probleme sind natürlich trotzdem aktuell. Aber man sollte sich hierzulande nicht über einen Mangel an deutschen Unis in den internationalen Rankings (wie zum Beispiel Times Higher Education) beklagen, da diese die MPG aufgrund ihrer dezentralen Struktur ignorieren, Harvard jedoch nicht.

    Wären alle MPG Institute an einem Ort und würden eine eigene Uni bilden, wäre Deutschland in den Top-5 jedes Rankings vertreten.

    • Habe Armin noch mal um Stellungnahme gebeten. Hier seine Antwort:

      „ja, diese Zersplitterung der Forschungslandschaft (nicht nur durch die MPG, auch durch Helmholtz, Fraunhofer, Leibniz etc.) ist in der Tat ein sehr deutsches Problem – da hat er Recht. Die Argumentation, man müsse nur alle MPIs zusammenrechnen und hätte dann „die deutsche Eliteuni“, ist allerdings nicht ganz zutreffend (wenn auch von MPG-Seite gerne immer wieder genannt): die Institute bilden ja gerade keine Studierenden aus, und sie verstehen sich auch als sehr eigenständig und nicht als gemeinsames Institut. Der Exzellenzwettbewerb will aber genau das: einzelne Unis nach vorne pushen (und eben keine reinen Forschungsinstitute).“

      • Vielen Dank Philip für das Nachhaken, ich stimme Armin da insgesamt zu.

        Die Krux liegt darin, dass die Reputation der besten Unis einerseits durch ihre herausragende Forschung und andererseits durch weltweite Rankings (zum Beispiel „Times Higher Education“) entsteht. Die Rankings benutzen viele Faktoren, insbesondere aber eben auch wiederum wie stark die Forschung ist.

        Dementsprechend kann man wohl zusammenfassend sagen, dass die „Zersplitterung der Forschungslandschaft“ (Zitat Armin) es eben strukturell schwieriger macht eine deutsche Uni in die globale Reputations-spitze zu pushen als das für ein anderes Land der Fall wäre.

        Das ging aus eurem Beitrag nicht hervor, daher kam er mir etwas unfair/unpräzise vor.

        Danke nochmal fürs Nachfragen und weiter so! Macht echt Spaß euch zuzuhören! :)

  38. Hi zusammen,
    ich wollte etwas zu euren Rassismus-Slot loswerden: Ich finde eure Haltung dazu genau richtig und an eigenen Erfahrungen super schön erklärt: Man muss sich selbst beobachten, sich für sein Fühlen nicht bestrafen, aber dem Gefühl eben auch nicht blind vertrauen. Das hat auch viel mit Selbstreflexion und Erfahrung zu tun. Die Argumentation lässt sich super gut auch auf Vorurteil über Geschlechter übertragen, da habe ich sehr ausführlich drüber nachgedacht. Ich bin auch nicht frei von Vorurteilen, wünsche mir aber genau die von euch beschriebene Haltung um stückchenweise die Welt zu verbessern.

  39. Vielen Dank für den wie immer ansprechenden Podcast!

    Ich würde mich Sonny unter mir anschließen mit dem Themenwunsch Hongkong. Darüber hinaus wäre sicherlich ein Update zum Iran interessant. Es wäre toll, wenn ihr dafür vielleicht Interviewpartner fändet.

    Ich wollte darüberhinaus einmal fragen, wie Euch Kommentare hier beeinflussen, die Euch hier stark kritisieren bzw beleidigen. Meist seid ihr
    (diesen Kommentaren zu Folge) ja eher die linksgrünversifften Gutmenschen, aber in dieser Folge zum Beispiel Frauenhasser und Rassisten. Vielleicht werdet Ihr auch andere Dinge genannt, da habt Ihr sicher den besseren Überblick. Trifft Euch das irgendwie oder lasst ihr das nicht an Euch ran?

  40. Liebe Lage,
    Könntet ihr mal was zu den Protesten in Peking bringen? Das Thema ist jetzt seit einiger Zeit in den Medien. Bisher waren eure Beiträge zu internationalen Themen sehr aufschlussreich, weiter so!

    • Hallo Sonny,

      stimme dir auch zu.

      Allgemein fände ich mehr über China interessant (Themen: Gefangenenlager, Seidenstraße, Überwachung,…)

      Ansonsten: weiter so :)

  41. 22. Juli 2019 um 17:23 Uhr
    Thomas Anderson

    Bezüglich euren Kommentars zur Seenotrettung:
    Bezieht sich diese Beobachtung in erster Linie auf die Kommentare, die ihr gar nicht erst freigeschaltet habt? Denn die negativen veröffentlichten Kommentaren lasen sich eigentlich immer so:
    “Seenotrettung ist eine moralische Pflicht, aber Gerettete sollten keinen Anspruch darauf haben, nach Europa gebracht zu werden.”

    • Nee, die Kommentare gingen dahin: retten muss man die Menschen wohl, aber hinterher kann man sie einfach in einen unsicheren Staat im Norden Afrikas bringen, egal ob sie dort überleben oder nicht. Derlei Menschenverachtung zieht mir persönlich die Schuhe aus.

      • 22. Juli 2019 um 17:56 Uhr
        Thomas Anderson

        Naja, das “egal ob sie dort überleben oder nicht” denkst du dir aber dazu.

        Ich kann mir vorstellen, ohne in deren Köpfe schauen zu können, dass viele schon der Meinung sind, dass man die Staaten entsprechend verpflichten muss die Menschenrechte einzuhalten und dass man die Lager z.B. unter UN Verwaltung stellen könnte und entsprechende Ressourcen bereitstellen muss.

        Der Unterschied liegt aber mindestens im Glauben an die Existenz des Pull-Effekts und ob man sich dadurch juristisch besser stellen können sollte, dass man Schlepper bezahlt und sich in Lebensgefahr begibt.

        • Unabhängig davon, dass es schwierig ist, einen souveränen Staat zu etwas zu verpflichten – geschweige denn einen durch Krisen belasteten; solange die Situation faktisch lebensbedrohlich ist, geht das nicht ganz zusammen.

        • 22. Juli 2019 um 18:34 Uhr
          Thomas Anderson

          Also ja: wer sich in Lebensgefahr begibt und Kriminelle bezahlt, der darf einreisen?
          Und das man jemanden der erstmal hier ist nicht mehr ausweisen kann und man ihn deswegen auch gleich voll integrieren sollte, ist ja bekannterweise ein LdN Standpunkt (dem ich mit Vorbehalt auch zustimme).

  42. Etwas provokant formuliert, alle Menschen aller Hautfarben sind tendenziell immer Rassisten. Manche von uns sind sich dessen bewußt und arbeiten am Abbau dieser Tendenzen, viele leider nicht und trauen sich auch nicht, sich selbst dies einzugestehen.

    Ulfs Hinweis, dass man seinen ab- und ausgrenzenden Gefühlen und rassistischen Impulsen nicht freien Lauf lassen soll und darf ist absolut richtig. Es ist auch eine fundamentale Erkenntnis, dass alle! Menschen diese Impulse haben.

    Ich würde vermuten, die emotionalen und kognitiven Mechanismen, die Ursache dieser Impulse sind, sind bis zu einem gewissen Punkt Teil unseres “festverdrahteten” Gehirns. Einerseits bringt dieser quasi heuristische Teil vielleicht Vorteile was Geschwindigkeit und Aufwand angeht, andererseites wird er oft gesellschaftlich fehlprogrammiert. In diesen Fällen schießt die Heuristik dann im inneren Dialog quer, gegen anders aussehende Menschen, “militante Radfahrer”, alle “alten weißen Männer” oder “links-grün-versiffte”.

    Bei Trevor Noah habe ich einen Ansatz gehört, den ich bisher noch nicht an anderer Stelle gefunden habe – Rassismus sozusagen als behandelbare Angsstörung oder Psychose anzusehen. Er stellt als erstes klar, dass es sicherlich sozusagen unheilbare Fälle gibt, sagt aber auch, dass es nie so sein wird, dass alle alten Rassisten irgendwan “aussterben” und das Problem dann aus der Welt wäre.
    (Nach der obigen Theorie würden *ismen sowieso unkontrolliert immer wieder neu entstehen, weil sich dieser Impuls-Mechanismus zur Ausgrenzung im Zweifel auf andere Gruppen, die gesellschaftlich ausgrenzbar sind, immer wieder neu fokussieren würde.)

    Trevors Ansatz, der mir nicht ganz abwegig erscheint, ist eine Art “Konfrontationstherapie” (Trevor Noah ist schwarzer Comedian, der das mit satirischem Unterton so formuliert…), da Rassismus nicht selten einer unbegründeten Phobie ähnelt.
    Vor den drei Schwarzen am Geldautomaten hatte Philip vermutlich auch deswegen Angst, weil seine Assoziationen mit ähnlich aussehenden Menschen nicht (überwiegend) aus gemütlichen und fröhlichen Grillparties, Fußballspielen oder Kegelabenden bestanden, sondern aus Bildern in Nachrichten und einem Nachhall kolonialrassistischer Motive.

    Wichtig ist, dass wir Menschen aller Hautfarben am Ende bewusster mit unseren rassistischen Impulsen umgehen, inden wir diese Impulse einzuordnen lernen und Vorurteile durch persönliche Erfahrung ersetzen.

  43. Zum Thema Rassismus:
    Ich finde es großartig, dass ihr das Thema angeht, und auch die Lektüre von “Exit Racism” von Tupoka Ogette unterstütze ich nachhaltig. Es ist meiner Meinung nach zusammen mit “Deutschland Schwarz Weiß” von Noah Sow und “Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche” von Reni Eddo-Lodge eins der drei wichtigsten Bücher zum Thema. Und auch eine große Empfehlung für “Feuer & Brot”, höre den Podcast auch schon lange mit großer Begeisterung. Vor allem die Folge zur kulturellen Aneignung ist sehr empfehlenswert.
    Den Zusammenhang von Rassismus als Legitimation zur Unterdrückung ganzer Bevölkerungen kann man gar nicht genug betonen. Es geht nämlich nicht nur um die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, was immer impliziert, dass es Menschen gibt, die dieser Gruppe nicht angehören (klassische Mechanismen der Identitätskonstruktion), sondern es geht zusätzlich und in erster Linie darum, durch dieses sog. “Othering” Macht auszuüben. Klassiker in diesem Zusammenhang (wenn auch etwas älter): Orientalism von Edward Said über die Konstruktion des Orients durch den Okzident mittels bestimmter Vorstellungen. Auch hier ging es um Hegemonie gegenüber den so konstruierten Menschen.

    Zum Schluss möchte ich noch auf eine der letzten Folgen eingehen, als es um die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke ging. Ihr hattet euch gefragt, warum immer, wenn es in Diskussionen um Rechtsterror geht, das Argument kommt, der linke Terror ist ja mindestens genauso ein Problem. Meiner Meinung nach zeigen sich hier Mechanismen der Schuldabwehr. Wir reden jetzt in Deutschland seit ca. 40 Jahren über die Aufarbeitung der NS-Zeit in der Öffentlichkeit und dennoch gibt es Menschen, die sich offensichtlich nicht damit beschäftigen wollen und einen Schlussstrich fordern. Wir haben ja schließlich alles aufgearbeitet, so die Argumentation. Logische Konsequenz wäre, dass es in DE ja daher keine Nazis und keinen Rechtsterror mehr geben kann – was leider nicht stimmt. Aber dieser Gedankengang – weil nicht sein kann, was nicht sein darf – ist es meiner Meinung nach, der diese Relativierung (“Aber die Linken!”) nach sich zieht. Denn sonst müsste man sich eingestehen, dass man Teil dieser Gesellschaft ist, die Trotz der NS-Zeit wieder Rechtsterrorismus und rechtextremes Gedankengut hervorbringt. Das ist für manche Menschen offenbar schwer zu ertragen.
    Was wiederum auch zum Rassimus passt. Man will nicht in einer rassistischen Gesellschaft leben und auch noch Teil des Problems sein, deshalb verschließt man die Augen davor… was leider nicht zur Verbesserung der Situation beiträgt.

  44. Hey Philip & Ulf,

    könntet Ihr bei Gelegenheit bitte genauer erörtern, warum man aus Eurer Sicht als Minister*in nicht zwingend von Anfang an totale Fachexpert*in sein muss, um den guten Job machen zu können?

    Ich höre in meinem Umfeld regelmäßig dieses (Totschlag?)Argument “Mit dem/der kann das ja nichts werden, weil die hat ja vorher gar nichts damit gemacht!”. Ich möchte das nicht so undifferenziert stehen lassen und würde in solchen Situationen gern Gegenargumente bringen. Ich bemerke aber leider immer wieder, dass ich mein Gegenüber selten überzeugen kann, weil ich keine pointierten Argumente formuliert bekomme.

    Beste Grüße
    Danke für die Lage!
    Martin

    • ich glaube sie haben das schon einmal/öfter erörtert.
      Ging meines Wissens in die Richtung: ein Minister*in hat unter sich viele Experten, welche sich auf das jeweilige Gebiet spezialisiert sind und sich in die jeweiligen Thematiken einarbeiten. Daraufhin beraten sie die/den Minister*in und er muss sich aus dem Gesamtbild eine Meinung machen.

    • Um Marius’ Antwort noch ein wenig zuzuspitzen:
      Ein Gesundheitsminister behandelt keine Menschen, ein Verteidigungsminister kämpft nicht.
      Das sind ganz einfache Verwaltungsposten; und ob ich jetzt Krankenhäuser oder Kasernen verwalte, ist auf dieser Ebene kein Unterschied.

  45. Lieber Philip, lieber Ulf,

    vorab möchte ich anmerken, dass ich euren Beitrag zum Alltagsrassismus sehr gut fand und da voll mit euch übereinstimme. Ich ertappe mich auch immer wieder in solchen Situationen und habe schon oft darüber nachgedacht. Allerdings finde ich ihr habt zwei Punkte nicht diskutiert, die ein wichiger Bestandteil des Problems sind und bei denen ich selber unschlüssig bin, wie man damit umgehen sollte.

    Erstens spielt doch die gesellschaftliche Schicht, in der eine bestimmte Personengruppe vorwiegend lebt, eine große Rolle. Übertrieben gesagt, wenn der Großteil der Schwarzen in Deutschland in Armut lebt, und unter Armen Menschen die Quote der Kleinkriminellen höher ist (hierzu kann Ulf vielleicht mehr sagen, ich weiß selber garnicht wie es da statistisch aussieht), dann führt das doch genau zu solchen vorurteilbehafteten Gedanken, die Philip beschrieben hat. Ein großer Teil des Problems ist dann die gesellschaftliche Eingliederung bestimmter Personengruppen.

    Zweitens, zum dem Beispiel Nordafrikaner und Frauen, habt ihr den Faktor “Kultur” nicht diskutiert. Anders als genetische Faktoren ist eine Kultur ja doch von jedem Menschen “erlernbar”, wenn er darin aufwächst und solange er eben nicht davon ausgeschlossen wird. Genau so glaube ich, dass es eine Zeit braucht, bis bestimmte kulturelle Angewohnheiten in einem neuen Land abgelegt werden, vielleicht passiert dies auch nie. Es gibt aber nunmal Länder (z.B. Saudi-Arabien) in denen die Frau eine andere Stellung in der Gesellschaft hat als bei uns. Ist es dann immer noch Rassismus, wenn man annimmt, dass jemand, der in dieser Kultur aufgewachsen ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmte kulturelle Muster an einem anderen Ort weiterhin auslebt? Rassismus bezieht sich nach meiner Auffassung ja eher auf genetische Faktoren, an denen ein Mensch nunmal nichts ändern kann.

    Mich würde sehr eure Meinung zu den beiden Punkten interessieren.

    Viele Grüße

  46. Schöne Folge, ein kleiner Schnitzer ist mir nur aufgefallen:

    Bei ungefähr 1:02:30 behauptet ihr, dass mit Alexandria Ocasio-Cortez eine mögliche Konkurrentin Trumps heranwächst. AOC macht zwar momentan den Anschein, als würde sie irgendwann mal die Kandidatur übernehmen, kann aber nicht gegen Trump antreten, da sie zu jung dafür ist. US Präsident*in darf man erst ab 35 Lebensjahren werden und da AOC 1989 geboren ist, könnte sie also erst 2024 zur Wahl antreten. (Ok, angenommen Trump wird 2020 nicht gewählt, lässt sich aber 2024 nochmal aufstellen, ist sie dann vllt. doch eine mögliche Konkurrentin, aber das ist dann schon etwas unwahrscheinlich ;)

  47. Hej, herzlichen Dank für den erneut wunderbaren Podcast.

    Zum Thema People of Color in Deutschland möchte ich euch unbedingt den Podcast „halbe Katoffl“ empfehlen.
    Hier werden in Interviews die alltäglichen Lebenswelten von Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln in Deutschland mit Interesse, Würde und Humor ausgeleuchtet.

    Danke, dass ihr das Thema Alltagsrassismus / Vorurteile zu POC als Thema aufgegriffen habt.

  48. Ich mag euren Podcast und langsam komme ich in die Versuchung das + zu buchen. Manchmal habe ich leider das Gefühl, dass ihr euch durch die Themen peitscht. Das finde ich schade.

    zum Rassismus:
    Hättest du die gleichen Gedanken gehabt, wenn es ‘schäbig’ aussehende Weiße, oder jugendliche in ‘Szenekleidung’, oder ähnliches gewesen wären?

    Die Buchempfehlung hab ich mir mal für den Urlaub gemerkt und bedanke mich.

    • Durch Themen peitschen: Das ist manchmal vorgekommen, ja. Aber gerade in den letzten Folgen hatte ich eigentlich ein gutes Gefühl, was Rhythmus, Infodichte und Zeit für Diskussion angeht. Wir müssen halt immer ein Optimum finden zwischen: Alle wichtigen Themen unterbringen, nicht oberflächlich sein, aber auch nicht völlig ausufern und den Überblicks-Charakter verlieren.

      Rassismus: Glaube ich nicht. Ist mir so jedenfalls noch nicht aufgefallen.

  49. Hallo LdN,

    ich kann mich der Kritik von Samantha bezüglich der männliche Gesprächspartner nur anschließen. Bei der Aussage von Ulf „die Wahrheit ist halt, dass es gar nicht so einfach ist, smarte Gesprächspartnerinnen zu finden“ handelt es sich um eine misogyne Schutzbehauptung, die ihr innerhalb dieser Folge selbst dekonstruiert, indem ihr auf den Podcast feuerundbrot verweist. Alice Hasters, deren Namen (!) Philip bezeichnenderweise vergessen hat und anschließend zu unmotiviert ist, diesen nachzureichen, wäre ganz offensichtlich eine solche „smarte Gesprächspartnerin“ gewesen. In einer Sequenz über Alltagsrassismus keine davon betroffenen Personen zu Wort kommen zu lassen, zeigt einmal mehr, dass eure durchaus begrüßenswerte Selbstreflexion bezügliche eurer diversen Privilegien noch ganz, ganz am Anfang steht.

    Mit freundlichen Grüßen
    Luisa

    • Ich kann mich nicht erinnern, dass wir zum Thema Rassismus einen Mann interviewt hätten … und warum sollen nur Frauen in der Lage sein, etwas zum Thema Rassismus beizutragen? Das scheint mir ziemlicher Quatsch zu sein.

      Generell ist es nach meiner Erfahrung einfach extrem schwierig, Frauen zu Interviews zu bewegen, weil viele offenbar ihre eigene Kompetenz systematisch unterschätzen und/oder sich nicht aus dem Fenster lehnen wollen.

      Face it, es liegt nicht an unserem guten Willen.

      • Selbstverständlich können nicht nur Frauen etwas zum Thema Rassismus beitragen, hier verstehst du mich absichtlich falsch. Allerdings habt ihr zum Thema Rassismus niemanden interviewt, dies war mein Kritikpunkt. Warum habt ihr denn trotz eures “guten Willens” bspw. Alice Hasters nicht in den Podcast eingeladen, anstatt ihren Namen zu unterschlagen. Sie hat ja offenbar im Vorfeld mit Philip gesprochen und ihm Literaturhinweise gegeben und scheint ihre “eigene Kompetenz” keineswegs zu unterschätzen.

        • Ich will mich hier nicht auf irgendeine Seite schlagen. Mir fiel nur spontan der Podcast “Rasenfunk” ein, der genau dieses Thema der männlichen/weiblichen Interviewpartner bei sich aufgegriffen hat. Dort wurde auch gesagt, dass Frauen tendenziell ihre Kompetenzen unterschätzen und eher überredet werden müssten. Insofern ist das Argument von Ulf nicht von der Hand zu weisen.

          Bei meinem Beispiel ist es wahrscheinlich auch der Tatsache geschuldet, dass der Fußball weitestgehend von Männern dominiert wird und auf Frauen immer besonders genau geschaut wird. Nichtsdestotrotz gelingt es dem Rasenfunk immer wieder, weibliche Fans und Journalistinnen ganz natürlich und selbstredend in die Sendung zu integrieren.
          Mit diesem Positiv-Beispiel will ich kein Urteil über die Lage sprechen, sondern mich lediglich anschließen, dass ich es gut finde, auf eine Proportion zu achten (wobei ich mich auch an Interviewpartnerinnen erinnern kann).

      • Ich verstehe dich nicht absichtlich falsch, Du kommentierst mit Schaum vor dem Mund und schießt dabei weit übers Ziel hinaus.

        So auch bei der Frage, warum wir die Dame nicht interviewt haben: weil das Gespräch mit ihr Phil spontan eingefallen ist. Deine Forderung würde dazu führen, dass wir uns in einem Podcast (!) nicht mehr spontan zu einem Thema äußern können, sofern wir nicht zufälligerweise die Handy-Nummer einer Frau haben, die dann auch noch innerhalb von ein paar Minuten für ein Interview zur Verfügung steht.

        Sorry, aber das ist echt Feminismus zum abgewöhnen. Männer sind nicht immer böse, und wenn irgendwo mal keine Frau auftaucht, dann nicht notwendigerweise aufgrund männlicher Unterdrückung.

        • [persönliche Angriffe redigiert]

          Wenn eine Frau dich argumentativ kritisiert, hat sie also “Schaum vor dem Mund”. Fehlt ja nur noch das alte Hysterie Argument.

          [persönliche Angriffe redigiert]

        • Bitte bleib doch sachlich. Du hast die Lage eben nicht argumentativ kritisiert, sondern eine Reihe unfairer Vorwürfe erhoben, beispielsweise Frauenhass bzw. absichtliches Unterdrücken weiblicher Stimmen.

        • Ich glaube hier geht es ja um zwei verschiedene Themen, erst hat Luisa das Thema mit den wenigen Interviewpartnerinnen aufgegriffen und dann zweitens darauf hingewiesen, dass es beim Thema Rassismus evtl. schön gewesen wäre, da mit einer betroffenen Person oder Expert*in zu reden. Beide Punkte halte ich für gerechtfertigt.
          Deine Aussage “Generell ist es nach meiner Erfahrung einfach extrem schwierig, Frauen zu Interviews zu bewegen, weil viele offenbar ihre eigene Kompetenz systematisch unterschätzen und/oder sich nicht aus dem Fenster lehnen wollen.” kann ja stimmen, auch wenn es etwas in die Richtung “ja wir würden ja gerne mehr Frauen in den Vorständen haben, aber es gibt einfach keine qualifizierten” geht, aber es ist hier in deinen Kommentaren gerade ein ziemlich unangenehmer Ton aufgekommen ” Face it…”, “Schaum vor dem Mund”. Wie wäre es denn da reflektierter vorzugehen und zu sagen, es stimmt, dass wir weniger Interviewpartnerinnen haben, ist uns auch schon aufgefallen und wir versuchen dagegen vorzugehen. Es ist ja auch eine Frage wonach und wie man sucht.

          Nebenbei bemerkt kommt das ” weil viele (Frauen) offenbar ihre eigene Kompetenz systematisch unterschätzen und/oder sich nicht aus dem Fenster lehnen wollen.” eventuell auch zum Teil aus einer patriarchalen Gesellschaft, in der Frauen immer noch häufiger Shitstorm unterliegen, wenn sie sich öffentlich äußern. Dagegen vorzugehen, geht zum Beispiel damit, dass man bewusst versucht gerade Frauen miteinzubeziehen.

        • Pardon, die Dame hat uns gleich im ersten Beitrag der Frauenfeindlichkeit geziehen und allerlei unsachliche Vorwürfe erhoben. Ich habe lediglich in derselben deutlichen Tonlage geantwortet. Wer so einsteigt, darf sich nicht wundern.

          Aber wie gesagt, das bringt ja alles nix, um einen fairen Austausch ging es offenbar eh nicht. Man sollte solche Pöbeleien einfach nicht veröffentlichen. Es gibt ja erfreulicherweise genug Menschen, die uns sachlich und konstruktiv kritisieren.

    • Schade, dass hier die meiner Meinung nach begründete und sachliche Kritik von Luisa (die man auch als Denkanstoß oder Optimierungsvorschlag verstehen kann) als irrational abgetan und abgelehnt wird. Niemand hat „Schaum vor dem Mund“ oder behauptet, dass Männer immer böse sind, es wurde lediglich auf ein Ungleichgewicht im Hinblick auf die InterviewpartnerInnen hingewiesen und darauf, dass das Argument „wir haben keine qualifizierte Frau gefunden“ im Prinzip von euch selbst widerlegt wurde. Niemand will euch verbieten, spontan eine Meinung zu äußern, aber wenn es um das Thema Rassismus geht, wäre eine PoC als GesprächspartnerIn ein eindeutiger Gewinn für die Folge gewesen.

      • hingewiesen und darauf, dass das Argument „wir haben keine qualifizierte Frau gefunden“ im Prinzip von euch selbst widerlegt wurde

        Genau das ist ein unsachlicher Angriff: Die Kritik war, dass wir zu wenig Frauen als Interviewpartnerinnen hätten, die Begründung habe ich geliefert. Und dann wird ein ANDERER Fall (nämlich die Rassismus-Diskussion) herausgegriffen und so getan, als hätten wir behauptet, DORT keine Frau finden zu können. Es bringt aber für den Diskurs hier nichts, wenn uns die Worte im Munde verdreht werden, nur um uns in eine rassistische oder frauenfeindliche Ecke zu stellen. Aber wahrscheinlich räume ich hier Haterinnen einfach zu viel Raum ein und hätte schon den Ursprungskommentar von “Luisa” einfach nicht freischalten sollen.

        • Lieber “Ulf”,

          unsere Kritik bezieht gerade darauf , dass ihr im ALLGEMEINEN nur sehr wenige Frauen einladet, mit der Begründung, ihr fändet keine “smarten Speakerinnen” und es im SPEZIELLEN (in der Rassismus-Diskussion) versäumt, eine qualifizierte WoC, zu der ihr offenbar Kontakt habt, einzuladen. Uns als “Haterinnen” mit “Schaum vor dem Mund” zu diffamieren ist genau die Unsachlichkeit, die du uns vorwirfst.

          Mit freundlichen Grüßen
          Luisa
          P.S.: ja, ich heiße tatsächlich so.

        • Nicht euch – dich. Die anderen Frauen hier diskutieren ja sachlich.

          Deine oben nochmals wiederholte Kritik habe ich bereits kommentiert. Wie werden ein Thema, das uns am Herzen liegt, sicher nicht weglassen, nur weil wir gerade kein Opfer an die Strippe bekommen. Außerdem ging es uns beim Thema Rassismus diesmal gerade um die Perspektive der Mehrheitsgesellschaft, der wir ja nun mal angehören.

        • Hallo Ulf,
          es haben doch schon schon mehrere Frauen hier geschrieben, dass sie Luisas Kritik unterstützen und weder unsachlich noch unberechtigt finden und trotzdem behauptest du, nur sie hätte sich im Ton vergriffen und würde anders argumentieren als die Anderen. Du meinst also ihre Kritik sei, weil sie dich verletzt hat und du dich nicht für sexistisch hälst, nicht berechtigt?
          Mich würde interessieren was du damit meinst, dass ihr kein Opfer an die Strippe bekommt?

        • Hi Lisa, das ist hier unsere Party, und wir achten darauf, dass die Gäste sich zivilisiert benehmen. Natürlich ist es subjektiv, was noch ok ist und was nicht mehr, und deswegen ist diese Entscheidung auch keinen Mehrheitsentscheidungen zugänglich. Aber wer uns als frauenfeindlich bezeichnet, nur weil er/sie keine Ahnung von unserer Arbeitsweise hat und daher abwegige Schlüsse zieht, darf sich über verbalen Gegenwind nicht wundern.

          Ich habe jedenfalls den Eindruck gewonnen, dass die “Luisa” hier nur provozieren will. Wenn Du das anders siehst – ok, das müssen wir nicht ausdiskutieren. Generell wäre ich dankbar, wenn wir uns jetzt wieder über Inhalte unterhalten könnten.

    • Ich muss sagen, dass ich ziemlich entsetzt bin von diesem Thread. Ich bin schon lange Lage-Hörerin und sicherlich keine “Haterin”.
      Ich habe mich bei dem Kommentar unten, dass es nicht so einfach sei, “smarte Gesprächspartnerinnen” zu finden ganz schön schlucken müssen. Ich fand es auch ziemlich traurig, dass Philip nicht mal den Namen von Alice vorher recherchiert hat.
      Fakt ist, dass in dem Podcast nicht nur keine Frauen, sondern auch keine people of color (geschweige denn women of color) zu Wort kommen. Das gehört allerdings zu einer echten rassismuskritischen Auseinandersetzung dazu. Es gibt außerdem zahlreiche Podcasts, die das eben auch hinbekommen, deswegen kann es kein Ding der Unmöglichkeit sein. Ich denke auch, dass der Beitrag sehr viel spannender gewesen wäre, wenn Alice etwas zu Alltagsrassismus gesagt hätte, als nur die rassistischen Vorurteile von Philip zu reproduzieren.
      Genau diese Art und Weise von Ulf, die berechtigte Kritik von Luisa nicht anzunehmen, ihr den Vorwurf zu machen, sie hätte sie in einem “falschen Ton/mit Schaum vor dem Mund” vorgetragen und sich selbst zum Opfer zu machen “du stellst mich als Sexist und Rassist dar”, wird übrigens von Tupoka Ogette in dem Buch ganz ausführlich beschrieben. Es ist problematisch als priviligierte Person, Menschen, die Diskriminierung benennen, zu silencen statt sich selbst mal mit den eigenen Denkmustern auseinander zu setzen – ihr behauptet in der Folge ja aber, dass ihr eben das machen möchtet.Ich weiß nicht, ob Ulf das Buch, das ihr empfohlen habt, tatsächlich gelesen hat, aber das wäre glaube ich ziemlich sinnvoll. Man lernt nie aus.
      Ich wünsche mir, dass ihr vielleicht die Kommentare der Frauen hier als Denkanstoß nutzt, statt uns als “Haterinnen” zu bezeichnen.
      Ich schreibe diesen Kommentar, weil ich den Podcast in Zukunft weiter hören möchte und ich glaube, dass ihr auch einen diskriminierungsfreien Podcast machen wollt.
      Daher diese Nachricht, ganz in Ruhe und mit besten Wünschen.
      Liebe Grüße

      • Als Haterin sehe ich nur die “Luisa”; warum habe ich schon mehrfach begründet: unberechtigte Vorwürfe, persönliche Angriffe, Word-im-Mund-Verdrehen, Opfermythen.

        Ehrlich gesagt nervt es kolossal, wenn uns hier Leute die ehrliche Begründung, dass es schwierig ist, Gesprächspartnerinnen zu finden, zum Vorwurf machen. Wir haben uns das nicht ausgesucht. Ich verstehe auch nicht, was gewonnen wäre, wenn wir einfach nur Kommentare unbeantwortet lassen oder gar nicht erst freischalten würden. Aber genau das ist doch die Konsequenz, wenn man für ehrliche Antworten mit derartigen Angriffen überzogen wird.

        Abgesehen davon – “Fakt” ist es nicht, dass keine Frauen zu Wort kommen, wir hatten in den 149 Folgen bisher natürlich auch eine ganze Reihe weiblicher Gäste.

        Und zum Thema POC ging es gerade NICHT um deren Sicht; Thema war die notwendige Selbstreflektion der “Täter”. D.h. wir haben zu dem Thema ganz bewusst über uns gesprochen, weil es uns hier darum ging, dass Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft sich ihre Emotionen bewusst machen.

        Und warum Phil den Namen nicht recherchiert hat habe ich ebenfalls schon begründet – weil ihm dieser Bezug SPONTAN eingefallen ist. Wie kann man sich denn ernsthaft darüber ereifern, wenn jemand in einem Podcast etwas nicht ausrecherchiert hat, und dann darauf auch noch den wenigstens insinuierten Vorwurf gründen, darin zeigten sich rassistische Vorurteile? Das ist doch gaga.

    • Hey Luisa,
      das also nennst du argumentative Kritik? Du unterstellst Ulf eine misogynen Schutzbehauptung, du findest es bezeichnend, dass Philipp den Namen der Podcasterin vergessen hat und unterstellst ihm anschließend zu unmotiviert gewesen zu sein, den Namen nachzurecherchieren. Das ist nicht sachlich.

      Ich finde, dass die beiden da ein Thema aufgemacht haben, das offenbar auf vermientem Gebiet liegt. Und sie haben es – neben den Punkten aus dem Buch und der Begegnung – auch sehr persönlich gehalten. Vielleicht ist nicht immer jede Formulierung glücklich (diesmal oder zuvor). So, wie ich die beiden, in der mittlerweile längeren Zeit, in der ich den Podcast höre, kennengelernt habe, ist es ihnen ein großes Anliegen, sich so weit wie möglich frei von Rassismus und Sexismus auszudrücken. Deshalb finde ich die Anklage, die ich bei dir rauslese, zum einen unpassend und ich glaube auch nicht, dass sie deinem Anliegen förderlich ist („Feminismus zum Abgewöhnen“). Wenn du‘s kritisieren willst, mach´s anders.

  50. Zum Thema Rassissmus und eurem Buchtipp:
    Ich finde es gut und wichtig, dass ihr dieses Thema angesprochen habt. Auch ich würde nicht von mir behauptet, dass ich keine rassistischen, sexistischen oder ähnlich Denkweisen implementiert habe und finde es wichtig sich diese bewusst zu machen.
    Bei eurem Buchtipp musste ich allerdings an ein Erlebnis denken, was mich persönlich zum Thema Rassismus fast am traurigsten gestimmt hat. Und zwar war ich auf einer Lesung von der Buchautorin Tupoka Ogette und war erschrocken darüber wie das Thema Rassissmus in dieser angegangen wurde. Frau Ogette sprach in ihrer Lesung explizit dunkelhäutige Menschen als “wir” an und hellhäutige als “ihr”, stellte die These auf, dass auschließlich “Weiße” rassistisch seien könnten und sich dieser immer gegen “Schwarze” beziehe und sich die “Schwarzen” dagegen wehren müssten und jeder “Weiße” behaupten würde, dass er nicht rassistisch wäre. Das hat mich sehr traurig gestimmt, da ich denke, dass jegliche Art von Diskriminierung und Gruppen nach äußeren Merkmalen über einen Kamm scheren vermieden werden sollte. Ich kam mir bei dieser Veranstaltung vor wie ein Statist, dem Sachen unterstellt wurden, gegen die die “andere Gruppe” kämpfen müsse. Und gerade dies fand ich sehr kritisch, da es statt ein “wir” zu fördern sofort den Raum gespalten hat. Damit möchte ich nicht in Abrede stellen, dass sie ein gutes und wertvolles Buch geschrieben haben kann. Ich habe diese zugegebenermaßen nach diesem Erlebnis nicht mehr gelesen.

    • Hallo Marina,
      ich denke es wäre gewinnbringend für dich, wenn du das Buch dennoch lesen würdest. Denn deine Abwehrreaktion ist genau der Punkt, den Ogette dort anspricht. Strukturellen Rassismus gegenüber Weißen gibt es tatsächlich nicht, da Rassismus ein Konzept ist, das per se Weiße Überlegenheit gegenüber Nicht-Weißen Menschen konstruiert. Und so lange wir Weißen das nicht akzeptieren, nichtmal wahrhaben wollen, dass wir Privilegien genießen, ändert sich daran nichts. Das soll nicht heißen, dass es nicht auch Diskriminierungen gegenüber Weißen geben kann, aber nicht auf der Ebene des Rassismus, da Weiße eben immer noch Privilegien genießen, die Nicht-Weiße nicht haben.

      • Puh, bist Du Dir sicher dass es in, sagen wir, Kenia, oder Pakistan, keinen Rassismus gegenüber Weißen geben kann?

        • Diskriminierung ja, aber keinen Rassismus, da dieses Konzept ursprünglich von Weißen gegenüber Nicht-Weißen zur Legitimierung ihrer Überlegenheit konstruiert wurde.
          Es gibt einen Unterschied zwischen Driskriminierung und Rassismus, auch wenn dieser Punkt in der Alltagssprache meist übergangen wird und die Begriffe synonym verwendet werden. Ansonsten schließe ich mich Angelika weiter unten an.

      • Zum einen setzt du in deinem Kommentar Diskriminierung und strukturelle Diskriminierung gleich – was aber nicht geht. Diskriminierung findet nicht nur auf struktureller Ebene statt, sondern selbstverständlich auch auf individueller Ebene (bspw. im Job, Verein, Familiär, …).

        Aber bleiben wir ruhig bei der strukturellen Diskriminierung: Um strukturell diskriminieren zu können, muss man in einer Machtposition sein – das ist richtig. Aber zu behaupten, dass per se nur Weiße Menschen in so einer Position sein könnten ist absurd.

        Denn selbst wenn wir in DE und deinem Schwarz/Weiß-Schema bleiben – und hier gibt es ja unbestreitbar nicht wenig strukturelle Diskriminierung – hängt das auch immer noch von der Skala ab, die ich betrachte und in der ich mich bewege.
        Beispielsweise habe ich habe inzwischen mehrere Regionen kennengelernt, in denen du als weiße Person schlichtweg keinen Fuß fassen kannst – die Leute schneiden dich, feinden dich teilweise an, in den Läden hat man plötzlich angeblich nichts mehr etc. — die Weißen sind hier unerwünscht…
        Jetzt könntest du den Betroffenen natürlich entgegenhalten, dass sie ja im großen Maßstab Privilegien genießen – nur ist das in der Situation halt egal.

        Aber selbst wenn wir solche Situationen mal außer acht ließen, beinhaltet deine Aussage einen massiven Denkfehler: Durch sie wird es beispielsweise unmöglich, strukturelle Diskriminierung bspw. gegen Polen, Russlanddeutsche etc. als solche zu benennen – denn die sind ja meist weiß… Die Unterteilung in Weiß/nicht-Weiß ist nicht zielführend, da die Hautfarbe nur eins von vielen Kriterien ist, die eine Person als scheinbar nicht-zugehörig kennzeichnet; ein Akzent, der falsche Name etc. können genauso Auslöser sein.

        • “Beispielsweise habe ich habe inzwischen mehrere Regionen kennengelernt, in denen du als weiße Person schlichtweg keinen Fuß fassen kannst – die Leute schneiden dich, feinden dich teilweise an, in den Läden hat man plötzlich angeblich nichts mehr etc. — die Weißen sind hier unerwünscht…
          Jetzt könntest du den Betroffenen natürlich entgegenhalten, dass sie ja im großen Maßstab Privilegien genießen – nur ist das in der Situation halt egal.”

          So geht es aber auch Schwarzen im großen Maße im Westen. Fuß fassen ist da einfach teilweise schwer.

          Sicherlich existiert Rassismus auch in Vorurteilen gegenüber Polen und Russen, aber die Unterscheidung Schwarz (oder auch People of Color) bzw. Weiß deutet hier ja darauf hin, dass man schon ohne einen Akzent gehört zu haben in Rassismen verfällt.

          Wenn man als Weiße jahrhundertelang gewürtet hat in der Welt und dies unglaubliche Verhältnisse mit sich bringt, die sich in die krassen Dichotomien Weiß und Schwarz und entsprechende Adjektive entladen (reich/arm, gebildet/ungebildet, entwickelt/unterentwickelt…), muss man es aushalten können, dass zu hören zu bekommen. Auch wenn die eigene Familie nicht unmittelbar daran beteiligt war. Denn man hat einfach unglaublich viele Privilegien mitgenommen und trägt zu deren Aufrechterhaltung bei. Wir (Weiße) können jetzt nicht sagen: “Hey, Schwamm drüber, lasst uns mal nicht in Gruppen denken, sondern im WIR!” Das funktioniert eben nicht, weil du dadurch Menschen einen Selbstempowering-Prozess absprichst, der bitter nötig ist. Und man als Weiße selbst dann auch wieder vorgibt, was denn richtig und falsch ist.

          Und deswegen: Nein, es gibt keinen strukturellen Rassismus gegen Weiße. Diskriminierung ja, aber was für eine Art Diskriminierung ist hier meistens gemeint? Dass man im Globalen Süden als weiß anerkannt wird, indem man höhere Preise bezahlt z. B. Keine krasse Diffamierung, oder? Selbst wenn man dumm angemacht wird, weil man weiß ist oder ausgeraubt wird oder wie auch immer: Ich will das nicht rechtfertigen. Natürlich ist das nicht okay. Aber diese Diskriminierung fußt auf dem Weltbild, das wir durch Kolonialismus aufgebaut haben.

        • “So geht es aber auch Schwarzen im großen Maße im Westen. Fuß fassen ist da einfach teilweise schwer.” – das weiß ich zwar aus eigener Erfahrung; aber nett, dass du mich darauf hinweist, Angelika.
          Mir ging es nur darum, dass der Kommentar des OP kategorisch verneint, dass du als Weißer von entsprechender Diskriminierung auch nur jemals betroffen sein könntest.

          “aber die Unterscheidung Schwarz (oder auch People of Color) bzw. Weiß deutet hier ja darauf hin, dass man schon ohne einen Akzent gehört zu haben in Rassismen verfällt” –
          und wenn man zuerst den Namen in einer Bewerbung etc. sieht; noch lange bevor man die Hautfarbe der Person wahrnehmen konnte?
          Die Hautfarbe nur ein Indikator von vielen, um Menschen als scheinbar nicht zugehörig einzustufen – und je nach Situation noch nicht mal der erste.
          Eine reine Beschränkung auf die Hautfarbe ist eine Simplifizierung, die einer ganzen Menge Leute Unrecht tut. Wie ist das denn mit dem sprichwörtlichen Abdul Ahmet, dessen Bewerbung direkt wegen seines Namens weggelegt wird – aber nein, der wird nicht strukturell diskriminiert – geht ja gar nicht; er kommt sehr nach seiner Mutter und geht praktisch als weiß durch?

          “Wir (Weiße) können jetzt nicht sagen: “Hey, Schwamm drüber, lasst uns mal nicht in Gruppen denken, sondern im WIR!” Das funktioniert eben nicht, weil du dadurch Menschen einen Selbstempowering-Prozess absprichst, der bitter nötig ist. Und man als Weiße selbst dann auch wieder vorgibt, was denn richtig und falsch ist.” – ich habe kein Problem damit, wenn sich die anderen als Gruppe zusammenschließen und sich selbst empowern. Ich habe aber ein Problem damit, wenn die versuchen, das Monopol auf die Opferrolle exklusiv für uns zu sichern.
          Das zeugt von einem derart ausgeprägt tribalistisch-egoistischem Denken, dass diese Personen in meinen Augen diskreditiert.

          “Nein, es gibt keinen strukturellen Rassismus gegen Weiße.” – es gibt strukturellen Rassismus gegen alle, die als “nicht von hier” eingeordnet werden. Sei es aufgrund des Akzents, aufgrund des Aussehens (Hautfarbe und andere Beispiele), aufgrund des Namens…
          Ich wiederhole mich, aber bei einer reinen Beschränkung auf die Hautfarbe sprichst du halt automatisch allen anderen ab, dass sie ein Opfer strukturellen Rassismus geworden sein könnten – egal, ob sie gerade alleine wegen ihres ausländisch klingenden Namens abgelehnt wurden – aber nein, sie passen ja nicht in deine Opfergruppe… tja, Pech^^ Aber schön, dass du nicht vorgeben willst, was richtig und was falsch ist.

        • @Sandra: Ich wollte mit der Aussage “So geht es aber auch Schwarzen im großen Maße im Westen. Fuß fassen ist da einfach teilweise schwer” klar machen, dass viele Weiße es als rassistisch/diskriminierend empfinden, wenn sie plötzlich Nachteile aufgrund ihrer Hautfarbe wahrnehmen, aber den Perspektivwechsel nicht hinkriegen und nicht merken, dass Schwarze damit schon lange kämpfen. Dass du als PoC gelesen wirst, konnte ich nicht wissen.
          Stimmt, die Hautfarbe ist nur *ein* Indikator, um Menschen als anders einzustufen. Wie ich das als weiße Person verstanden habe, geht es ja auch bei dem Begriff Schwarz/PoC eher um solche Zuschreibungen, die man auf den ersten Blick fällt. Aber ja, du hast Recht, das trifft sicher nicht auf alle Menschen zu, wie deinem Beispiel Abdul Ahmet zeigst. Aber natürlich würde ich auch sagen, dass er strukturell diskriminiert wird, wenn seine Bewerbung wegen seinem Namen weggelegt wurde. Mit „es gibt keinen strukturellen Rassismus gegen Weiße“ meinte ich nicht, dass alle Polen und Russen oder nach der weißen Mutter gekommene Abdul Ahmeds keinen strukturellen Rassismus erfahren können in Deutschland. Ich meinte das global.
          Was meinst du mit „Opferrolle“? Wie grenzt du das von Empowering ab? Mir ist schon klar, dass das zwei verschiedene Dinge sind, aber bevor man sich als Gruppe selbst empowern kann, muss man eben Wunden lecken und Schmerz nochmals durchlaufen. Das gehört zum Heilungsprozess. Ich finde nicht, dass man Dinge einfach halten kann und nur mit dem Finger auf die eine Gruppe zeigen darf, aber man kann eben gewisse größere Anteile und kleiner Anteile entdecken…

      • Hallo Kristina,
        deine Rassismusdefinition ist leider nicht korrekt, Rassismus ist ein 360°-Phänomen.

  51. Totalitäre Klackscheiße ist das mit der Impfpficht!

    Informiert euch darüber wo die Masern herkommen. Die lassen sich nicht ausrotten…

    Euer Format kotzt mich leider immer mehr an.

    • Wie wäre es denn mal mit Argumenten und vor allem Links, statt hier so zu pöbeln?

    • Schade, dass nach diesem “starken Einstieg” (im Sinne von: weit aus dem Fenster gelehnt) nichts mehr kommt. Hätte mich jetzt inhaltlich doch interessiert, insbesondere wieso das außer Franz scheinbar niemand weiß oder zugibt.
      Aber ich ahne schon, wo die Reise hingeht.

  52. Hallo zusammen!
    Den eigenen Alltagsrassismus kann man sich beim Besuch einer Dönerbude etc. klar machen: Der Dönermann wird automatisch geduzt, während der weiße Currywurstmann o.ä. gesiezt wird.
    Bevor jetzt hier wieder auf weiße cis-Männer geschimpft wird: das machen alle so, die ganze Gesellschaft und nicht nur unsere. Auch die Opfer dieses Alltagsrassismus wenden ihn selbst an.
    Bewusst machen hilft sicher schon Mal, aber vielleicht auch, wenn man versucht sich auf Merkmale zu konzentrieren die jeder Mensch selbst beeinflussen kann: Frisur, Kleidung, Auftreten, Tattoos, etc.
    Das ist dann zum Teil auch gewollt, dass man anders behandelt wird. Ich kann mich als Punk oder Nazi inszenieren und möchte dann auch so wahrgenommen werden.
    Liebe Grüße,
    Flo

    • Wer duzt denn bitte einen Dönerverkäufer oder irgendeinen anderen Fremden?

    • Ich duze bei Ikea und sieze beim Döner. Muss wohl an meiner mir bisher nicht bewussten Schweden-Feindlichkeit liegen!

  53. Lieber Ulf, lieber Philip,

    vielen Dank für Eure Themenauswahl und immer wieder überraschenden Details zu den vielschichtigen Themen. Die Zeit, die Ihr für die Behandlung des Themenspektrums aufbringt (Vorbereitung) und die Diskussion (Podcast), machen Eure Argumente verständlich und einprägsam.
    Meistens nicke ich Euch zu, manchmal würde ich auch gern spontan meinen Senf dazugeben ;-)

    Zu Eurer Frage gegen Ende des letzten Podcasts vor der Sommerpause, warum die “RAF” oder die Gewalt von “Links” bedrohlicher wahrgenommen wird als die Gewalt von “Rechts”, würde ich nun doch gerne etwas loswerden.
    Beim Nachdenken über diese unterschiedliche Wahrnehmung sind mir verschiedene ursächliche Komponenten aufgefallen.

    Begrifflichkeiten:
    Begriffe wie “Rechts”, “Nazi”, etc. werden im öffentlichen Sprachgebrauch undifferenziert, gleichbedeutend und inflationär verwendet, genauso wie auf der anderen Seite etwa “Links”, “alternativ”, etc.

    Speziell was den Bereich “Rechts” betrifft, sehe ich in Deutschland die mediale Suche nach immer weiterer begrifflicher Steigerungen, um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Verachtenswerte Personen oder Missstände werden mit Vergleichen/Gleichsetzungen zu Hitler, KZ, Holocaust oder sonstigen traumatischen/ traumatisierenden Begriffen aus dem Dritten Reich beschrieben.

    Diese verbalen bzw. begrifflichen Entgleisungen haben in meinen Augen zwei Auswirkungen. Zum einen werden das Elend und die Unmenschlichkeit der Verhältnisse im Dritten Reich verharmlost. Zum anderen werden die jeweils beschriebenen verachtenswerten Personen oder Misstände zumeist überdimensioniert. Meist sind die jeweiligen Vorfälle nach 1 Woche dann auch wieder weg aus der öffentlichen medialen Aufmerksamkeit.

    Konsequenterweise stellt sich mit der Zeit ein Gleichgültigkeitsgefühl in der Gesellschaft ein bei Diskussionen um die Schrecken der Herrschaft des Nationalsozialismus.
    Dazu kommt noch, dass “Rechts” als der Nazi und das “Böse” irgendwie auch relativiert wird durch die Verwendung von “rechts” aufgrund der Verortung der Konservativen im Parlamentsgebäude. “Rechts” spricht also nicht für sich, sondern ist immer im Kontext zu sehen. So verwässern auch andere Begriffe und diese taugen dann nur bedingt als absolute Signalwörter.

    Organisation von “Rechts” und “Links”:
    Die Linken als “Autonome” oder “Linksradikale” verbindet man grundsätzlich mit Angriffen auf (Staats-)Eigentum, Hausbesetzung oder Widerstand gegen die Staatsgewalt (Proteste, Anketten an Gleise). Diese Aktionen werden leicht medial hochgespielt und können auch steril und leidenschaftslos (kapital-) gesellschaftlich und juristisch verurteilt werden. Hinzu kommt, dass keine straffe Organisation vorherrscht.
    Die RAF unterschied sich von dem gerade genannten:
    Gut organisiert, Angriff gegen den Staat als Ganzes aber auch mit Attentaten und gezielten Tötungen von Menschen.

    Rechte Gruppierungen wie der NSU ähneln den Beschreibungen der RAF. Anders als die RAF hinterließ der NSU keine Bekennerschreiben und es handelte sich bei den Morden nicht um bekannte Personen des öffentlichen Lebens. Die Ermordeten hatten somit kein Gesicht.
    Während des Mordens des NSU wurde die Bedrohung und die währende Gefahr als solche nicht in der Gesellschaft gefühlt.
    Die RAF hingegen tötete neben vielen (normalen) Menschen wie Zivilisten und Polizisten eben auch medienwirksam Vorstandsvorsitzende von DAX Unternehmen, Richter, den Generalbundesstaatsanwalt, einen Ministerialdirektor und den Arbeitgeberpräsidenten.
    Vor diesem Hintergrund erscheint der jetzige Aufstand gegen Rechts in dieser Ausprägung durch den Staat bis hoch zum Bundesinnenminister sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass der von einem “Rechten” Hingerichtete ein Regierungspräsident war.

    Bilder der Gewalt:
    In meiner Wahrnehmung sind die “Gewalttaten von Links” medial viel spektakulärer inszeniert und dargestellt.
    “Linke” Randalierer, wie der Schwarze Block beim G20 Gipfel in Hamburg bieten natürlich ein nachhaltigeres Bild der Gewalttaten mit dem Gefühl live dabei zu sein. Ebenso eindrucksvoll sind die Bilder mit den Verwüstungen der Attentate der RAF.
    Aufmärsche von Rechten bringt man pauschal nicht mit Vandalismus und Zerstörung in Verbindung. Die Nachrichtenszenen im Fernsehen mit maximal 5-10 Sekunden Länge und mit gedämpfter Lautstärke und sachlicher Beschreibung der Aufmärsche lassen auf der Couch kein wirkliches Gefühl der Bedrohung im Wohnzimmer aufkommen. Insgesamt lässt sich mit Ausnahmen wie G20 in der Reizüberflutung mit 15-Sekunden-News-Taktung kein wirkliches Bewusstsein für das Ausmaß und den Hintergrund etwaiger Straftaten bzw. Bedrohungen entwickeln

    Staatsapparat BRD:
    In meinen Augen trägt die BRD vor und nach der Wiedervereinigung einen gelebten Widerspruch in sich. Zum einen gibt es die Staatsräson, die sich offen vom Dritten Reich distanziert und sich das Schuldbewusstsein bis hin zur Erbsünde für die begangenen Gräueltaten auferlegt. Zum anderen vollzog die BRD mehr oder minder wissentlich die Übernahme der alten Kader und Gesinnungen aus dem Dritten Reich in Politik, Justiz, Verwaltung, Gesundheitswesen, Industrie und Kultus.
    Durch die Ost-West-Spannungen war der Sozialismus, also das “Links” nicht gesellschaftsfähig. Diese Staatshaltung war auch stark beeinflusst durch die USA als Besatzungsmacht und wirtschaftlicher Förderer, die selbst im eigenen Land Jagd auf Kommunisten durchführte.
    Es bestand also seit jeher die explizite Ächtung des “Linken” und die Vertuschung und Leugnung des “Rechten”, weil dieses Phänomen im Selbstverständnis der BRD nicht vorgesehen war.

    Es könnte sich daher ein gewisser Bearbeitungsgrundsatz in Exekutive und Judikative etabliert haben, Hinweisen auf Straftaten aus dem rechten Bereich nicht nachzugehen (Bombenattentat Münchener Oktoberfest, NSU). Im Gegensatz dazu wurden Hinweise auf linke Motive sofort als solche kategorisiert und öffentlich kommuniziert. Weiter erscheint der Verfassungsschutz immer wieder in einem unrühmlichen Licht.
    Es zeigt sich, dass sich der Staat sehr schwer tut mit Straftaten, die dem rechten Bereich zuzuordnen sind.

    Gesellschaft:
    Die oben genannten Komponenten haben m.E. dazu geführt, dass das Gefühl “stolz, ein Deutscher zu sein” als nicht politisch korrekt gilt. Es führt dahin, dass eine “typisch deutsche” Eigenschaft erst einmal verdächtig ist und kritisch auf die politische Korrektheit geprüft werden muss. Das Problem ist dabei, dass typisch deutsche Eigenschaften oder gar Tugenden immer auch den Deutschen des Dritten Reichs zuzuordnen sind.
    Wenn deutsche Fahnen gehisst werden, wird gleich das “Rechts”-Attribut angeheftet: sowohl anklagend als auch trotzend.
    Dass dies oft schon als “Rechter Akt” in der Öffentlichkeit bewertet wird, nimmt wie schon eingangs erwähnt die Ernsthaftigkeit aus der Thematik und führt zum Abstumpfen gegenüber einer Diskussion über rechter Gewalt und Symbole.

    Entwicklung:
    Wie es weitergeht, wird sich zeigen. Vermutlich werden die ideologischen Gräben breiter und tiefer zwischen den politisch-ideologischen Lagern. Die Begriffe werden weiterhin aufgeheizt und Stimmungen zuordnet ohne gemeinsames Verständnis über die Bedeutungen. Es wird weiterhin Talk Shows geben, die davon leben, dass nur noch Phrasendrescherei geboten wird: Sobald einer aus der Runde sich vom Oberflächlichen dem wahren Problem annähert, greift sofort der “Moderator” ein und leitet in das Bullshit Bingo zurück. Alle “Diskussions”-Teilnehmer haben ohnehin schon ihr Schlussplädoyer vor der Veranstaltung formuliert.

    “Demokratie”, “national”, “liberal”, “frei”, “deutsch”, “fremd”, “multikulti”, “Wohlstand”, “radikal”, “Tradition”, “(Leit-)Kultur”, “Ausländer”, “Recht”, “Freiheit”, „Elite“, „Stolz“, “Gerechtigkeit”, “Macht”, “Minderheit”, “Gleichheit”, “Fortschritt”, “Ordnung”, “Glaube”, “Angst”, “Neid”, “Reichtum”, “Glück” (…) –>
    Erst wenn wir eine Diskussion zulassen, dass jeder Bürger zu den oben genannten Begriffen eine Meinung und ein Gefühl entwickeln darf und mitteilen darf und wir dann im Sinne einer Pluralität die schillernden Facetten wertschätzen, dann kehrt eine Zufriedenheit und eine Identität in Deutschland ein.
    “Links”, “rechts” und “in der Mitte” verliert sich dann. Dann erreichen wir die Einheit in der Vielheit mit dem Grundgesetz als Fundament für ein Zusammenleben im Norden, Osten, Süden und Westen der Bundesrepublik Deutschland.

    Meine Vision ist die Beurteilung einer (Straf-)Tat nicht nach Zuordnung zu “links / rechts / religiös” sondern
    nach Schaden für
    * Menschlichkeit,
    * Gesundheit,
    * Eigentum und
    * Demokratischer Grundordnung.

    Mein Zugang zur unterschiedlichen Wahrnehmung von rechten und linken Straftaten/Vergehen sind nun doch länger geworden als gedacht. Umso mehr freue ich mich, dass Ihr bis hier durchgehalten habt.

    Es hat mich gefreut, wieder Eure neue Lage erörtert erhalten zu haben.
    Eure Sommerpause zog sich länger als die der Bundesliga :-)
    Ich hoffe, Ihr habt Euch gut erholt und habt volle Akkus!
    Ich freu mich auf den nächsten Podcast.

    Viele Grüße
    Wolfgang

  54. Dear Lage der Nation,

    thank you for your segment on racism and your book recommendation. I believe Tupoka Ogette’s enumeration on how white privilege is enacted comes from Peggy McIntosh’s essay called: “White Privilege and Male Privilege: A Personal Account of Coming to See Correspondences Through Work in Women’s Studies” to be found here:
    https://nationalseedproject.org/Key-SEED-Texts/white-privilege-and-male-privilege
    I discovered this because of Claudia Rankine’s essay in last week’s New York Times magazine called:
    “I Wanted to Know What White Men Thought About Their Privilege. So I Asked.” to be found here:
    https://www.nytimes.com/2019/07/17/magazine/white-men-privilege.html
    Love your show!

  55. Irgendwie schon fast ironisch: Ursula von der Leyen wird Präsidentin der Europäischen Kommission und bei der Lage läuft Werbung für Boston Consulting…

    • Vor allem ist es seltsam, dass die Berateraffäre weder beim Thema vdl noch bei akk wirklich angesprochen wurde. Auch wurde mein voriger Kommentar dazu gelöscht. Zufall?

    • Wir stehen halt nicht so auf billigen Verschwörungsbullshit … zumal wir die Berateraffäre schon ausführlich behandelt haben.

      • Es war halt schon sehr auffällig, dass vdl hinsichtlich ihrer Eignung ob ihrer Versprechen, ihrem Geschlecht und ihrer Multiligualität bewertet wurde. Dass sie bisher in allen Ämtern Chaos verbreitet hatte und wegen der Berateraffäre einen Untersuchungsausschuss am Hals hat, wurde dabei gar nicht beachtet. Und auch beim Thema AKK/Verteidigungsministerium wurde das nicht als wichtig erachtet. Wichtiger war da eher, ob sie die “Doppelbelastung” schafft. Vor einem halben Jahr hatte das noch ganz anders ausgesehen. Als Merkel die Doppelrolle aufgegeben hat, wurde das als eher ungewöhnlich bewertet.
        Und dann kommt plötzlich und ungewohnt ein zweiter Werbeclip, der auch nicht wie sonst von euch eingesprochen wurde und von einer Beraterfirma kommt.
        Als ihr mit Werbung angefangen hattet war klar, dass bei einer solchen finanziellen Abhängigkeit Fragen kommen können. Bisher war da auch nichts auffälliges, aber diesmal waren das dann doch ein paar Sachen, die einen aufhorchen ließen. Und dann Kritik daran als Verschwörungstheorie abzutun und zu löschen, macht es nicht besser.
        Ich will gar nicht vorwerfen, dass dies eine bewusste Sache war, aber die berühmte “Schere im Kopf” kann auch unbewusst zuschlagen.

        • Die Schere im Kopf kann schon deswegen nicht zuschlagen, weil wir die Werbung nicht aussuchen, sondern unsere Agentur AS&S.

          Und auch inhaltlich hat Dein Beitrag leider nicht viel mit unserem Podcast zu tun. Wir haben die Berateraffäre schon ausführlich thematisiert – nämlich in einem ganzen Themenblock zum Berater-Unwesen in Ministerien, namentlich im BMVg. Und auch im Kontext Kommissionspräsidentschaft haben wir mehrmals darauf hingewiesen, dass vdL als Ministerin gescheitert ist, u.a. aus diesem Grund.

          Echt mal, wir machen wahrlich genug Fehler. Können wir nicht darüber reden, was wir tatsächlich falsch machen, statt dass ihr euch Schwächen der Sendung aus den Fingern saugt, wo keine sind?

          Steile Thesen wie “Lage verschweigt Berateraffäre” oder “Lage hasst Frauen” bringen echt niemandem etwas.

    • Na da habt ihr zwei Tiefschläge schön verpackt. ;)

      BCG Werbung und “…ich kenn fünf Leute, die wären von einem Job schon überfordert…” bei AKK macht Verteitigungsministerium halbtags.

      Super, weiter so!

      • “Lage hasst Frauen”? Wo hab ich denn das behauptet? So viel zum Thema “aus den Fingern saugen…

        Zumindest nachvollziehen, dass die Werbung völlig deplatziert war, könnt ihr hoffentlich ein wenig.

        • Das Frauen-Thema kam nicht von Dir, sondern weiter unten … und zur Werbung können wir nur immer wieder sagen, dann wir den Vertrieb an eine Agentur ausgelagert haben, weil wir Redaktion und Werbung streng trennen.

  56. Zum Thema Alltagsrassismus und rassistische Strukturen weißer, westlicher Gesellschaften
    super Podcast:
    https://www.npr.org/programs/ted-radio-hour/707189471/confronting-racism?t=1563730315713

    Und Reni Eddo Lodge: Why I’m no longer talking to white people about race

  57. Hi,

    es war wieder eine sehr interessante Lage. Ich tue mich nur äußerst schwer mit Ulfs Einschätzung, dass Florida ein sicherer Staat für Trump wäre. Florida ist schon seit Ewigkeiten ein 50/50-Staat. Barack Obama hat 2008 und 2012 hauchdünn in Florida gewonnen. Von Gore vs, Bush 2000 will ich gar nicht reden. Bei den Midterms 2018 hat Andrew Gillum (Demokrat) mit knapp 30.000 Stimmen Unterschied hauchdünn gegen Ron DeSantis (Republikaner) verloren (Quelle: https://www.politico.com/election-results/2018/florida/governor). Die Wahl zum Senator bei den Midterms 2018 zwischen Bill Nelson (Demokrat) und Rick Scott (Republikaner) hat Bill Nelson noch knapper mit 10.000 Stimmen Unterschied verloren (Quelle: https://www.politico.com/election-results/2018/florida/senate).
    Bernie Sanders und Joe Biden führen in Umfragen gegenüber Trump (Quelle: https://www.politico.com/story/2019/06/18/2020-florida-poll-trump-biden-sanders-1368167). Weiterhin wurde während der Midterms 2018 ein Zusatzartikel zur Verfassung des Bundesstaates Floridas angenommen, der 1,4 Millionen ehemaligen Häftlingen das Wahlrecht zurückgegeben hat (Quelle: https://www.brennancenter.org/analysis/voting-rights-restoration-efforts-florida). Die republikanische Mehrheit in Florida und der republikanische Gouvernör versuchenzwar mit aller Macht, dies noch zu verhindern. Aber durch diese Vielzahl an möglichen zusätzlichen Wählern ist Florida noch unberechenbarer geworden, was den Ausgang von Wahlen angeht. Vielleicht könntet ihr ja mal einen Lagebeitrag darüber machen, wie in den USA rigoros die Demokratie untergraben wird (Stichwort: Gerrymandering, Voter disenfranchisement, Photo ID laws, Holder v. Shelby County).

    • Offen gestanden ist die These zu Floridas Rechtsruck gar nicht meine eigene Idee, sondern sie beruht auf einer Analyse, die in den letzten Tagen in der NYTimes erschienen ist – zu finden in den Shownotes.

    • Danke für die wirklich interessante Zusammenstellung, Christian!

  58. 21. Juli 2019 um 18:06 Uhr
    Genervter Hörer

    Schon wieder eindeutige Linkspositionierung, außerdem gibt es zu jedem Thema noch ‘ne Portion Feminismus & Flüchtlinge obendrauf. Das ist nicht die Lage der Nation, das ist die linke Lage der Nation. Möchte mal wissen, wo eure Unabhängigkeit hin ist.
    Deabo, schöne Grüße.

    • Wir sind unabhängig wie immer, stellen die Fakten ausgewogen dar – und sagen wie eh und je unsere Meinung. Das ist unser Rezept seit LdN001.

      Wenn Du etwas kritisieren möchtest, dann bitte konkret und mit Quellen, so wie wir die Sendung ja auch mit dutzenden Quellen belegen. Dass Dir etwas zu links ist sagt möglicherweise mehr über Dich als über die Folge aus.

  59. Hallo, liebe Lageristen,

    finde die aktuelle Lage wieder sehr gut, insbesondere die Einordnung zum Thema Vorurteile und das mutige Bekenntnis, dass auch Ihr nicht frei davon seid (wie wir es ja auch alle nicht sind, aber wir geben das nicht zu).

    Was mich ein bisschen wundert, ist die Einschätzung, dass es einen erheblichen Aufwand bedeutet, gleichzeitig Verteidigungsministerin und Parteivorsitzende zu sein. Ich meine: Klar, dass das eine Menge Arbeit ist. Aber man sollte dabei wenigstens erwähnen, dass Angela Merkel jahrelang gleichzeitig Bundeskanzlerin war und das trotzdem beides gewuppt bekommen hat. Es scheint also machbar zu sein…

    Besten Gruß

    Max

    • Das habe ich mir tatsächlich auch gedacht! Allerdings hat sich Merkel als Parteivorsitzende oft eher zurückgehalten und ist eher als Bundeskanzlerin als als CDU-lerin aufgetreten, AKK muss sich da noch viel mehr profilieren und ist da natürlich involvierter. Aber ich gehe trotzdem davon aus, dass Bundeskanzlerin eine Nummer zeitaufwendiger ist als Verteidigungsministerin.

  60. Als Psychologe möchte ich noch mal Ulf sekundieren. Die Verhaltensebene haben wir tatsächlich meist am besten im Griff. Emotionale Schemata nicht, sie sind tatsächlich notwendig, um nicht alles kognitiv zerlegen zu müssen. Ein depressiver ist oft so ambivalent, dass er gar keine Entscheidungen mehr treffen kann, Emotionen sind also wichtig für das Überleben. Bei emotionalen Schemata ist es natürlich durchaus ein Problem, dass wir zwar ein Angstgefühl im Magen wahrnehmen können, wenn wir mehrere Schwarze sehen aber diese emotionalen Schemata letztendlich uns nichts mehr darüber sagen, wie wir sie gelernt haben. Da fehlt die bewusste Verknüpfung. Es dürfte aber in den wenigstens Fällen daran liegen (zumindest in Deutschland), dass wir aktiv schlechte Erfahrungen mit schwarzen Menschen gemacht haben. Ulf hat recht, dass Gefühle nicht die Wahrheit sind. Psychologen nennen das emotionale Beweisführung. Ich bin kein Experte für Rassimus, aber ich kann trotzdem jedem raten, sich mal genauer mit Emotionen zu beschäftigen. Ein Grundverständis für emotionale Schemata zu haben und maladaptive und adaptive Gefühle unterscheiden zu können. Verhalten, Gedanken und Gefühle sind reziprok miteinander verknüpft. Durch anderes Verhalten verändern wir auch unsere Gefühle und Gedanken. Das kann man gut an Gesetzen ablesen, wie zum Beispiel dem Tabakkonsum. Hier in Bayern war der Aufschrei groß, nachdem Rauchen in geschlossenen Räumen verboten wurde. Noch nicht mal ein Jahrzehnt später stellt das niemand mehr im Ansatz infrage. Und wenn wir uns anders verhalten, als es uns unsere Gefühle und Impulse nahelegen, lassen wir gewisse emotionale Schemata bei unseren Kindern erst gar nicht entstehen.

  61. Liebe Lage der Nation,
    ich finde euren Beitrag zum Thema Rassismus sehr wichtig und finde es gut, dass ihr da so offen drüber geredet habt und euch diesem sehr heikel zu diskutierendem Thema genähert habt. Es ist richtig und wichtig, diese Gedanken anzusprechen und andere Menschen dazu anzuhalten, ihre eigenen Gedanken dahin gehend zu hinterfragen.

    Allerdings finde ich eure Erklärungen zu den Ursachen von solchen Gedanken etwas kurzgefasst. Zuerst nennt ihr Angst vor Fremden oder Andersartigkeit. Das ist mit Sicherheit ein menschlicher Zug. Aber er ist nur bedingt dazu fähig rassistische Gedanken gegen Schwarze Menschen zu erklären. Wir haben schließlich in der Regel auch keine Angst (da ihr das Beispiel von dem Bankautomaten gebracht habt) vor Asiat*innen auch wenn diese anders aussehen als man selbst (auch wenn Asiat*innen sicher auch rassistischen Vorurteilen unterliegen und ich diese mit diesem Satz nicht klein reden möchte). Trotzdem denke ich es ist elementar zu benennen, dass eben nicht die Angst vor Fremden die Hauptursache für rassistische Gedanken Schwarzen Menschen gegenüber ist. Dann nennt ihr als zweiten Grund einen schon lange verankerten Rassismus in unserer Gesellschaft. Diese Erklärung kann man geschichtlich natürlich nachvollziehen. Was mir allerdings hier fehlt, ist eine Aufklärung darüber, dass das kein (reines) Phänomen der Geschichte bzw. der Vergangenheit ist. Unsere Gegenwart hat immer noch weit verbreitete rassistische und sexistische Strukturen und die manifestieren sich dadurch in unseren Köpfen. Das fängt bei der Bildsprache und den Erzählungen in Kinderbüchern an und zieht sich durch die gesamte Bild- und Filmsprache der Unterhaltungsmedien, aber auch der Nachrichten und Berichterstattungen (Wann wird beispielsweise die Nationalität von Straftäter*innen erwähnt und sehr detailliert aufgedröselt und wann nicht). Deshalb ist es eben nicht nur ein Phänomen, was sich aus der Vergangenheit bis heute in unserer Gesellschaft verankert hat, sondern was tagtäglich auch heute immer und immer wieder reproduziert wird.
    Ich finde es daher zwar richtig, dass ihr sagt, jede*r sollte sich mit seinen/ihren rassistischen Gedanken auseinandersetzen, diese hinterfragen und ablegen, das reicht aber leider nicht, um den aktuellen Rassismus in unserer Gesellschaft zu beenden. Jede*r ist vielmehr dafür verantwortlich in seinen/ihren Handlungen, und das sowohl privat als auch beruflich, dafür einzutreten, dass dieser Rassismus, die Stereotypisierungen und die Rollenzuschreibungen eben nicht fortgeführt werden.

    Die Aussage von Ulf, dass er persönlich auch kein gesteigertes Interesse an Afrikaner*innen hat, die nach Deutschland einwandern, fand ich außerdem problematisch. Das kann natürlich seine persönliche Meinung sein, aber diese in der Lage der Nation so zu formulieren, finde ich schwierig. Das hätte man meiner Meinung nach viel genauer einordnen müssen. Hat er prinzipiell kein Interesse an (Im-) Migration und damit auch beispielsweise innerhalb Europas nicht oder auch nicht von Amerikaner*innen oder Asiat*innen nach Deutschland oder geht es um Menschen, die (vermeintlich) keine Ausbildung besitzen oder geht es speziell um Afrikaner*innen (egal mit welchem Hintergrund) und wenn dann um alle oder um nur gewisse Nationen in Afrika? Für mich wirkte es nach seiner reinen Aussage so, dass es prinzipiell um Afrikaner*innen (und eben nicht um generelle Migration) geht, woraufhin sich natürlich die Frage ergibt, wieso, worauf leider nicht eingegangen wird. Mit so einer Aussage werden (mindestens indirekt) die Vorurteile nach kulturellen, sozialen und bildungstechnischen Unterschieden (auch wenn die nicht explizit genannt werden, aber eben auch keine anderen Ursachen genannt werden) verstärkt. Das dann kurz danach die Erwähnung zu der Kölner Silvesternacht kam, verstärkt dieses Bild, auch wenn ihr das versucht habt einzuordnen und auch darauf hingewiesen habt, dass man daraus eben gerade nicht auf alle schließen kann.

    Ich finde es super, wie ihr feministische Ansätze in den meisten eurer Themen miteinbezieht, was meiner Meinung nach wichtig ist, da es eben nicht nur feministische Themen gibt, sondern Feminismus eigentlich in jedem Thema eine Rolle spielen sollte. Genauso verhält es sich mit Anti-Rassismus. Auch dieses Thema ist eben nicht nur ein gesondertes Thema für sich, dass ihr nun einmal angesprochen habt, sondern ich würde mir wünschen, dass ihr versucht auch das, mehrdimensional und intersektional zu denken und evtl. auch in andere Bereiche miteinfließen zu lassen.

    Ich freue mich auf die weiteren Folgen!
    Viele Grüße
    Samantha

    • vielen Dank, genauso etwas in die Richtung wollte ich auch noch kommentiert haben. die thematisierung von alltagsrassismus aus der “täterperspektive” finde ich gut. sowas sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht, daher sehr löblich. über die ursachen dafür wird dann mE aber etwas hinweggehudelt, als sei das nunmal so in uns menschen genetisch verankert und eben “normal” und jetzt müssen wir es eben reflektieren und dann wird alles gut. nein, es sind eben immer noch bestehende diskriminierende strukturen, die unsere vorurteile schaffen und verstärken. ich würde sehr radikal sagen, wir können gar nicht nicht rassistisch sein und, analog, patriarchat, wir können auch nicht nicht sexistisch sein.

  62. Meint ihr das ernst mit der moralischen Begründung des Argumentationsverbotes gegen den Diskurs über die Seenotrettung?
    Debattenverbote?
    Das ist eure Methode?

    Man sollte über alles reden dürfen, sonst stärkt man die extremen Ränder.
    Wenn nur noch die Nazis sich trauen für kontrollierte Grenzen einzustehen, weil alle anderen gemäßigten konservativen Politiker zu feige sind sind oder Angst haben, an den moralischen Pranger gestellt zu werden, braucht man sich auch nicht wundern, wenn sich niemand mehr traut seine Meinung öffentlich zu sagen und die Läute dann bei den Wahlen die AFD wählt. (Genau so ist Trump passiert.)
    Schöne neue Welt.
    Moralische Denkverbote schwächen die Demokratie und jede demokratische Partei.

    • *Leute :)

    • Ich glaube, due übertreibst hier ein wenig bzw. sitzt gegebenenfalls einem Missverständnis auf.
      Es geht zunächst um die Frage, ob Menschen aus Seenot zu retten sind, wobei die Antwort sowohl rechtlich als auch moralisch “ja” lautet. Es ist nämlich eine abgeschlossene Frage, diese Bewertung hat auch Eingang in internationales Recht gefunden, sodass es sogar eine Pflicht gibt, Menschen in Seenot zu retten, hier besteht also bereits internationaler Konsens.
      Wieso sollte man jetzt das bereits vorliegende und rechtlich verankerte Ergebnis wieder zur Disposition stellen und so tun, als handle es sich um eine offene Frage, wenn sie de facto bereits entschieden ist?

      Die Frage, wie mit geretteten Menschen zu verfahren ist, ist dabei eine völlig andere und genau hierüber wird auch stark diskutiert und das schon seit Jahren. Hier gibt es alles andere als ein Debattenverbot.

      Ich würde in Bezug auf die AfD eher argumentieren, dass das Framing der Seenotrettung als “offene” Frage, bei der man legitimerweise ein Ertrinkenlassen und Retten vertreten kann, zu einer Aufweichung des bereits erzielten Ergebnisses führt und damit auch der AfD-Position zusätzliche Legitimität verleiht.

    • “Debattenverbote” – niemand verbietet dir, zu debattieren… die Frage ist halt nur, was die Debatte bringt, da es bei der Konkreten Frage eben nur zwei mögliche Optionen gibt.
      Entweder du rettest die Schiffbrüchigen oder du rettest sie nicht… und wenn du sagst, dass Nichtretten für dich keine Option ist, weil das deinen ethischen Prinzipien zutiefst zuwiderläuft – was willst du mit einer Debatte “sollte man retten oder nicht” erreichen?

      Und das ganze kannst du natürlich auch auf die Gesellschaft übertragen: wenn unser Wertesystem und Grundgesetz, das internationale Seerecht etc. alle einstimmig sagen, dass Menschen in Seenot zu retten sind – was willst du mit einer gesellschaftlichen Debatte erreichen…?
      Aber selbstverständlich darfst du natürlich trotzdem versuchen, diese Debatte anzustoßen; nur impliziert das halt, dass du das Nichtretten als ernsthafte Option in Erwägung ziehst.

      • Für mich ist die Kritik an “Moralisiererei” immer ein sehr durchsichtiger Vorwand bestimmte Debatten und politische Positionen zu diskreditieren. In Wirklichkeit wollen diejenigen, die sich als Opfer von Debatten-, Redeverboten darstellen, selber bestimmte Debatten verhindern. Wer will, soll doch darüber diskutieren, ob Carola Rackete kriminell ist. Aber die Person diskreditiert sich dann als Troll, weil das Thema ist geklärt. Ich persönlich glaube, dass solchen Argumentationsstrategien viel strenger begegnet werden sollte, denn sie zerstören konstruktive Gespräche.

  63. Angenehmer Beitrag zum Thema Rassismus und vor allem Mikroaggressionen.
    Bin “nur” zur hälfte Asiate aber musste die Frage “Wo kommst’n eigentlich her?” auch unzählige Male beantworten. Drauf angesprochen erhält man meist nur Unverständnis.

    Meine Frage:
    Die Liste an Widrigkeiten welche man ohne weise Haut erfährt, welche Herr Banse erwähnt – kann man die irgendwo selbst nachlesen?

    Danke!

  64. Eine Anmerkung zur Eurem Bericht über die Exzellenz-Initative: Da fehlte mir etwas das Gesamtbild der deutschen Forschungslandschaft.

    Dass deutsche Universitäten in der Forschung nicht mit Harvard, Orxford, etc. “mithalten” können, liegt ja auch vor allem daran, dass es – zumindest bis zu Jahrtausendwende – auch einfach nicht politisch gewollt war. Traditionell fand die Spitzenforschung in Deutschland nicht in den Universitäten statt, sondern in den außeruniversitären Forschungseinrichtungen (v.a. bei der Max-Planck-Gesellschaft, den Helmholtz-Zentren und der Fraunhofer-Gesellschaft). Gerade nach Gründung der BRD wurde diese Entwicklung nochmal deutlich verstärkt. Bis heute fließt ein erheblicher Anteil der Forschungsgelder in Deutschland in diese Institutionen (insbesondere weil hier der Bund in großem Stile investiert), und viele Forschungsaktivitäten, die in den USA an den Top-Unis stattfinden, gibt es an deutschen Universitäten nicht, weil sie in Deutschland in den außeruniversitären Einrichtungen stattfinden und dort die Finanzierung für solche großen Infrastrukturen (Teilchenbeschleuniger, Rechenzentren, etc.) vorgesehen ist, und nicht an den Universitäten.

    Das stört mich immer etwas an der Berichterstattung – keine Universität kann im deutschen System den Status von Harvard oder Oxford erreichen (und sollte das auch nicht). Das – unqualifiziert – als Ziel auszugeben, ist problematisch, weil es einfach utopisch und systemisch unmöglich ist und den Universitäten unrecht tut. Genauso ist die jährliche Diskussion, warum deutsche Universitäten nur so wenige Nobelpreisträger hervor bringen, problematisch – weil Forschung, die in diese Richtung geht, in den außeruniversitären Einrichtungen stattfindet.

    Das sich Universitäten mit deutlicher Bundesförderung in der Forschung in gewissen Bereichen besser aufstellen ist in Ordnung – die Fokussierung darauf verdeckt aber das Problem, dass (1) die von den Ländern getragene Grundfinanzierung viel zu gering ist und die Unis hier systematisch kleingespart wurden und (2) dass die Universitäten niemals einem Vergleich mit internationalen Eliteuniversitäten standhalten können, weil das im deutschen System halt so nicht vorgesehen ist.

  65. Fand den Vergleich mit Harvard auch eher daneben.

  66. Hallo! Ich lebe seit 25 Jahren in Deutschland und habe einen Migrationshintergrund. Hamburg ist der Ort wo ich lebe und Erwachsen wurde. Der Ort wo ich Wurzeln geschlagen habe, meinem Mann kennenlernte und mit ihm einen wunderbaren Sohn bekam. Ich lebe und arbeite hier ganz normal. Inzwischen ist mir mein Migrationshintergrund selten bewusst… Und dann gibt es diese Momente wo ich durch Fragen, Äußerungen, Feststellungen daran erinnert werde. Ich bin kurz irritiert und dann fällt mir erst ein, dass meine Hautfarbe etwas dunkler ist, ich mit leichtem Akzent spreche, immer noch Schwierigkeiten mit der Grammatik habe (Deklination), einen sehr schönen Namen habe aber immer buchstabiert werden muss… Und dann schleicht sich wieder dieses komische undefinierbare Gefühl ein…

    • Beruflich telefoniere ich sehr häufig mit Menschen mit Einwanderungsbiographie und mit Ausländern, Ex-Pats, die sich seit einigen Jahren in Deutschland aufhalten. Ich freue mich dann immer, weil diese Gespräche (die meist gefolgt sind von einer längeren Zusammenarbeit) mit einer neuen Sicht auf meine innere und äußere Lebenswelt einher gehen. Gleichzeitig staune ich dann über so manches. Etwa wie es meinen Gesprächspartnern gelingt, sich in eine für sie anfangs komplett neue und ungewohnte Lebenswelt einzufügen, sich die Sprache (so wie Sie) zu einem oft ganz erstaunlichen Fertigkeitsniveau anzueignen. Und oft kommt dann noch die zusätzliche Schwierigkeit hinzu: Den eigenen Kindern bei der Eingewöhnung in diese Welt von sehr früh an den Vortritt zu lassen. Ich selber besaß nie den Mut zu so einem Schritt, ziehe innerlich davor den Hut und bin froh, im Gespräch an diesem Erfahrungsschatz teilhaben zu können. So löst der Moment der Begegnung Bewunderung aus und eine spezielle Freude an der Abwechslung. Raus aus der Monotonie der immer gleichen Perspektive, der Homogenisierung des Erlebens und Verhaltens. Wie langweilig es doch ist, im Spiegel immer nur sich selber zu erblicken.
      Es wird ja generell zu wenig gesprochen, besonders bei schwierigen Themen. Täten wir es mehr, müssten wir nicht nur über den reflexhaften Schreck angesichts des als fremd Erlebten reden, sondern würde wir uns früher oder später auch über das Bereichernde, die Verlebendigung, den Zugewinn an Selbsterkenntnis und Reife unterhalten.

  67. Hallo liebes LDN Team,

    ganz herzlichen Beitrag für euren Beitrag zu Rassismus – ich kann mich euch da uneingeschränkt anschließen.
    Aus meiner Sicht trifft das, was Ihr über Rassismus sagt, genauso auf Sexismus zu. Auch hier sind die Vorurteile Mann/Frau tief und oft unbewusst verankert, und erfordern Mühe und bewusstmachen, wenn man sie überkommen will.

  68. Ich kann allgemein zum Thema eigene Vorurteile empfehlen, sich mal ein paar sog. Impliziter Assoziationstests (https://de.wikipedia.org/wiki/Impliziter_Assoziationstest) zu unterziehen, zB hier aus Harvard (auf Englisch):

    https://implicit.harvard.edu/implicit/takeatest.html

    Man erfährt doch Erschreckendes über sich – und wird hoffentlich zu weiterer Beschäftigung angeregt…

  69. Coole Werbung. Boston Consulting Group ist ein top Arbeitgeber

    Vielleicht für Linke nicht unbedingt die Top Adresse, da BCG aktiv um Steuervermeidung ringt, mit Ländern wie Luxemburg halblegale Absprachen trifft, damit ihre Kunden weniger Steuern abführen müssen.
    Ich als liberaler kann das nur gut heissen, da der Staat ein denkbar schlechter Investor ist.

  70. Ich möchte mal eine Lanze sowohl für “Vorurteile” wie auch für eine Reflexion darüber brechen. Wir brauchen als Individuen Vorurteile, um uns in der Welt zurecht zu finden, um andere Menschen und Risiken einzuschätzen. Nehmen wir mal folgendes Beispiel: Frauen liegen nicht falsch, wenn sie von Männern eines bestimmten Alters ein höheres Risiko im Hinblick auf Sexualstraftaten erwarten. Frauen sind kein Risiko, Kinder nicht und ganz alte Opis auch nicht. Aber wenn ich durch die Felder jogge oder ich nachts durch eine Straße laufe und mir dabei eine Frau begegnet, dann kann ich verstehen, dass sie vielleicht ein mulmiges Gefühl hat. Ich nehme das in der Regel zum Anlass, mich bewusst defensiv zu verhalten oder deutlich zu machen, dass ich kein Risiko bin. Wenn ich das, was ihr zum Thema Alltagsrassismus gesagt habt ernst nehmen würde, dann müsste ich eigentlich von Frauen erwarten, dass sie ihre Gefühle in diesem
    Punkt unterdrücken. Das kann ich nicht von anderen Menschen erwarten. Wir Menschen sind Teil von Gruppen und diese Gruppen unterscheiden sich in bestimmten Merkmalen von anderen. Zu erwarten, dass jemand die darauf basierenden Erwartungen ausblendet, ist nicht gut.

    Aber was ich erwarten kann, ist dass jemand bereit ist, zwischen der Gruppe und dem
    konkreten Individuum zu unterscheiden. Also eine Bereitschaft, seine Meinung durch persönliche Erfahrung zu verändern. Das ist wesentlich produktiver und realistischer, als Vorurteile und Gruppendenken ganz abschaffen zu wollen.

    • Das blöde ist nur, dass solche intuitiven Vorurteile den Status Quo zementieren. Wenn das bei Männdern im mittleren Alter, wie du anschreibst, wohl eher kein Problem ist (die sind ja ohnehin schon die priviligerte Gruppe), dann wird durch den von Ulf und Philipp beschriebenen Alltagsrassismus halt die statistische Situation bestärkt. Wenn man ständig kontrolliert wird, und immer wieder subtil angefeindet wird, wird ein größerer Anteil dieser Gruppe sich durch abkoppelung von der Gesellschaft und ihren Normen, also durch “kriminalität”, reagieren, also es in einer anderen Gruppe, die diese Behandlung nicht erhält, der Fall wäre. Im Folgenden sind dann die Vorurteile dann plötzlich statistische Wahrheiten.

      Wie durchbricht man diesen Teufelskreis?

      PP

      • Ich weiß nicht, ob man das kann. Völlige Gleichheit zwischen Gruppen wird es nicht geben und ist auch nicht erstrebenswert, denke ich. Aber man kann versuchen, das gegenüber als Individuum wahrzunehmen und nicht nur als Mitglied einer Gruppe. Das versuche zumindest ich.

  71. Wie immer eine sehr gute Folge, weiterso!

    Zum Thema Vorurteile wäre es sicherlich mal interessant allgemeiner über neurologische “Biases” und Effekte zu sprechen, vielleicht auch in einem gesondertem Interview. Das gleiche gilt nämlich nicht nur für Sexismus und Rassismus, sondern für unser gesamte Denken. Ich kann hierzu SEHR das Buch “The Skeptics’ Guide to the Universe: How to Know What’s Really Real in a World Increasingly Full of Fake” vom Yale Neurologen Dr. Steven Novella empfehlen. Jedes Kapitel der ersten hälfte des Buchs dreht sich darum welche kognitiven Biases es gibt, wie fehlbar unser Erinnerungsvermögen ist, welche Heuristiken und logischen Fehlschlüsse wir besonders gerne benutzen, und wie wir uns selbst darüber bewusst werden können. Eigentlich ein Buch für jeden in der modernen Welt der sich gegen Desinformation nicht nur von seiten anderer, sondern besonders vor uns selbst impfen will! Aber natürlich besonders auch für Journalisten.

    Ich habe da auch erst letztens vom “Bystander effect” (Zuschauereffekt: https://de.wikipedia.org/wiki/Zuschauereffekt) erfahren, und auch diesen kann man nur bekämpfen wenn man weiß das es ihn gibt. Der Effekt sagt grob, dass Leute eher in einer Problemsituation eingreifen/handeln, wenn sie die einzigen sind, die diesen Beobachten. Ansonsten kommt es zur “Diffusion von Verantwortung” und jeder einzelne Denk, dass vermutlich jemand anderes kompetenter ist Hilfe zu leisten. In solchen Fällen ist es notwendig den ersten Schritt zu tun um zu helfen, und dann fangen auch ganz schnell andere Leute an zu helfen, und sei es nur aus Scham, dass sie vorher untätig waren.

    – Matt

    • Hi Matt,

      noch eine kleine Ergänzung zum Bystander-Effekt: Die SGU Truppe hat neulich eine Studie dazu vorgestellt und den Fall in New York dazu debunkt. Anscheinend ist der Effekt deutlich kleiner als bisher angenommen, was erfreulich ist, ist aber natürlich trotzdem ein Problem.

      Falls dich das Thema interessiert, hier der link zur Folge (falls du sie noch nicht kennst):
      https://www.theskepticsguide.org/podcasts/episode-730

      LG

  72. 21. Juli 2019 um 9:21 Uhr
    Matthias Kuhlemann

    Themenvorschläge: Kükenschreddern, Kultur(nicht-)Förderung am Beispiel des Theaters Lübeck

  73. Die SPD wird zurecht in der Öffentlichkeit kritisiert, dass sie Ursula von der Leyen nicht gewählt haben, so wurde es in dieser Folge in einem Nebensatz gesagt. Und dem muss ich wirklich scharf widersprechen! Ich selbst bin kein EU Parlamentarier und auch kein SPD-Mitglied, nicht einmal mehr ein Wähler dieser Partei. Aber dennoch wird der SPD hier massiv Unrecht getan.
    Tiemo Wölken (MdEP der SPD) hat dazu in seinem aktuellen YouTube-Video eigentlich alles gesagt und dem kann ich weitestgehend nur zustimmen. Kurz zusammengefasst:
    1. Wurde mit diesem Hinterzimmerdeal eine Person in das Amt gehievt, die vorher dem Wähler nicht als Kandidat_in vorgestellt wurde. Das ist ein eklatanter Verstoß gegen das vorher vereinbarte Verfahren. Dabei möchte ich zu Tiemos Ausführungen noch ergänzen, dass der Rat, also die Regierungschefs, durch diese Kungelei das Vertrauen von mir und wahrscheinlich auch vielen anderen Wähler_innen in eine Demokratisierung der EU massiv beschädigt wurde. Unmittelbar nach der Parlamentswahl am 26. Mai war ich echt begeistert – das hat sich durch diesen faulen Deal im Hinterzimmer komplett aufgelöst. Business as usual halt…
    2. Die Person von der Leyen hat kein eigenes Programm oder einen Plan sondern nur ein auf Stimmenfang im Parlament ausgerichtetes Sammelsurium von leeren Versprechungen, die sie sich aus den Programmen aller im Parlament vertretenen Parteien zusammen geschrieben hat und mit denen sie sich einigermaßen einverstanden erklären konnte. Und sogar die Nazis haben da ein oder zwei Sachen, die ganz okay sind. Zumindest von der Überschrift her gesehen.
    Wenn eine Partei sich an ihre Wahlversprechen hält, vorher vereinbarte Verfahren einhält und eine Person nicht wählt, die sie aus Überzeugung nicht wählen kann (also das macht, was Abgeordnete machen sollten, nie machen und dafür zurecht in der Kritik stehen), dann wird sie also zurecht gebasht? Entschuldigt bitte ihr beiden und liebe Medien allgemein, das ist BULLSHIT! Das ist in meinen Augen billiger Populismus auf Kosten einer Partei, die schon am Boden liegt und ausnahmsweise mit einer RICHTIGEN Entscheidung mal punkten will.
    Mit der Entscheidung der Regierungschefs für von der Leyen und das (glücklicherweise knappe) Bestätigen durch das Parlament ist die Politikerverdrossenheit allgemein und die Ablehnung der EU, wie sie im Moment ist, im Speziellen enorm verstärkt worden.
    Ich bin echt ein überzeugter Europäer, von dieser EU habe ich aber die Schnauze gestrichen voll!

    Entschuldigt, ansonsten macht ihr meist ja wirklich eine hervorragende Arbeit. Aber dieser Griff ins Klo mit diesem Nebensatz konnte nicht unkommentiert bleiben.

    • Sorry, aber bitte hör Dir die Folge einfach noch mal an, wir haben zum Stimmverhalten der SPD-MdEPs wesentlich differenzierter argumentiert als Du es hier darstellst (“Griff ins Klo”).

    • Gegen deinen Punkt 1. muss ich jetzt doch mal was dagegen setzen:
      – Es gab nie ein “vorher vereinbartes Verfahren”: Das Spitzenkandidatensystem war eine Erfindung des Parlaments, das weder in den Verträgen vorgesehen noch mit dem Rat abgestimmt wurde – der Rat stand zwischen klarer Ablehnung (Macron) und “lasst sie mal machen” (Merkel). Es gibt niemanden, der sich im Rat zum Spitzenkandidatensystem erklärt hat, geschweige denn eine Vereinbarung. Das Spitzenkandidatensystem war der schlecht inszenierte Versuch eines power grabs durch das Parlament, das beim ersten Mal zufällig geklappt hat, aber niemals wirklich erfolg haben konnte, so lange das Parlament nicht geschlossen aufgetreten ist.
      – Es gab keine “Hinterzimmer-Deals”, der Rat hat getan, was nach den Verträgen (also der Verfassung der EU) sein Job ist – nämlich einen Kandidaten zu finden und vorzuschlagen. Hätte das Parlament sich vorher auf einen Kandidaten geeinigt, wäre der faktische Druck deutlich höher gewesen, aber faktisch ist das halt nunmal das System der EU, das hier – durchaus erfolgreich, könnte man sagen – wie geplant vorgesehen hat.

      Ganz überspitzt gesagt, war das Spitzenkandidatensystem Wähler-Täuschung von Seiten des Parlaments, weil man vorher – vor allem in Deutschland, in anderen Ländern spielte das System nämlich kaum eine Rolle – etwas versprochen hat, von dem jedem EU-Parlamentarier mit einem bischen Leseverständnis und klarem Verstand hätte klar sein müssen, dass das nicht klappen kann.

      Das ist natürlich kein Ruhmesblatt für die EU, aber den schwarzen Peter hat für mich das Parlament…

  74. Bankomant und drei Schwarze:

    Tut mir Leid aber euer Szenario ist nicht besonders intelligent oder realistissch. Sagen wir ich treffe auf drei Männer vor einen Bankomaten, was sehe ich da noch neben der Hautfarbe, was weiß ich:

    Ich kann sehen:

    Deren Körperhaltung und Position relativ zum Bankomaten, beobachten die Kunden oder stellen sie sich an, oder lungern sie herum?

    Haben sie Drogen dabei, sind sie nüchtern oder oder alkoholisiert?

    Deren Körper, sind sie groß oder klein, muskulös, dünn oder fett, haben sie längere Arme und Beine als ich. Also können sie weiter schlagen und schneller rennen wie ich?

    Deren Kleidung, haben sie Hoodis an, Sporttrikos, sind sie Uniformiert, haben sie politische Kleidung an (Schwarzer Block, Thor Steiner Kram) , haben sie Bandentypische Kleidung an, oder Trachten, oder tragen sie einen Anzug, oder sind sie wie Arbeiter gekleidet, oder einfach nur T-Shirt und Jeans unterwegs.

    Haben sie eventuell die Möglichkeit Waffen in ihrer Kleidung versteckt? Haben sie Taschen oder Koffer dabei?

    Wie weit ist mein Auto oder die Wohnung weg? Habe ich Fluchtmöglichkeiten bei einem Angriff.

    Zu welcher Tages oder Nachtzeit bin ich am Bankomaten? Tief in der Nacht, oder Mittags.

    Gibt es noch andere Geschäfte oder Menschenansammlungen in der Nähe? Kann mir jemand helfen falls ich angegriffen werde.

    Ist Bank offen, oder ist Bankomat draußen, gibt es eine Glasumrahmung einen Vorbau? Ist es leich zu fliehen oder mußt ich durch eine (Automatisierte Tür)

    Und so weiter.

    Was ist schlimmer für mich? Wenn mich drei Nazis / Antifa Mitglieder / Maskierte Räuber / Hooligans / Besoffene / Bandenmitglieder ausrauben und zusammenschlagen.

    Alles gleich schlimm für mich und ein Gesetzesbruch. Hautfarbe allein gibt da kein Alleinstellungsmerkmal und wird in solchen Situationen nicht die einzige Information sein die zur Verfügung steht, und bei Weitem nicht die Wichtigste.

    Die Annahme das Menschen sich nicht an drei Schwarze herantrauen am Bankomaten egal unter welchen Umständen zeigt eure Ignoranz da ihre jeden der nicht eurer Meinung als Raissisten abstempeln wollt.

    Also Juristen müßte euch klar sein, das keine Ideologie für Gerechtigkeit sorgen kann und Wahrheit keine Agenda braucht.

    Dirty Harry

    • Ich sehe das genau so. Es gibt Menschen und Situationen, die mein Gefahrenradar triggern. Das hängt von den Umständen ab. Dass ich mich dann nicht „wohl“ fühle, liegt nicht von einem latent vorhandenen Rassismus, sondern von eigenen Erfahrungen oder Erfahrungen, die über Berichte suggeriert werden. Das Problem am Schubladendenken ist, dass es in der Regel sehr gut funktioniert. So glaube ich nicht, dass ich mich zur Zeit in einem Freibad rassistisch überlegen fühle und diskriminierend auftrete, sondern ich gehe nicht mehr dorthin, weil mir das Verhalten und die Aggressivität vieler (nicht aller!) Badegäste gegen den Strich geht. Wenn meine Tochter in dem gleichen Bad belästigt und angemacht wird, sind das in der Regel leider nicht Fabian und Peter. Meine Schublade wird dort leider umfänglich bedient. Ist das wirklich schon Rassismus?
      Diese beschriebenen Vorbehalte, die damit verbunden sind, sorgen bei vielen Menschen aus meiner Sicht für Ablehnung – sie ist aber nicht aus einer aggressiven Überheblichkeit (die ich mit Rassismus verbinde) geboren, sondern aus Angst. Es ist daher nur bedingt hilfreich, angeblich gestiegenen Rassismus zu beklagen.

      Ich bin noch nie ein Rassist gewesen und habe viele Freunde mit Migrationshintergrund.

  75. 20. Juli 2019 um 22:36 Uhr
    Alexander Esslinger

    Zum Thema Excellenzunis: In meinem Fachbereich Experimentelle Physik (keine Großforschung) gab es tatsächlich schon während meiner Doktorandenzeit Anfang der 1990er Jahre eine starke Abhängigkeit von Drittmitteln, insbesondere DFG und BMFT; mit diesen jedoch auch Lehrstuhletats in Millionenhöhe. Die Kunst der Professoren besteht darin, das eigene Forschungsgebiet so zu labeln, dass es zu den gerade angesagten und geförderten Themen passt.

    • 20. Juli 2019 um 22:49 Uhr
      Alexander Esslinger

      US-Eliteuniversitäten leben in einer anderen Realität: diese sind wirtschaftlich betrachtet teilweise eher Hedgefonds mit angeschlossenem Lehr-, Forschungs-, und Sportbetrieb.

      • Falls du dafür die Zeit hast, wäre es sehr interessant, wenn du diesen Unterschied weiter ausführen könntest!

  76. 20. Juli 2019 um 22:25 Uhr
    Alexander Esslinger

    Sehr interessanter Themenblock zum Thema Alltagsrassismus! Wenn vor dem Geldautomaten drei gutgekleidete Schwarze mittleren Alters gestanden hätten, wären die ersten spontanen Gedanken wahrscheinlich trotzdem andere gewesen.

  77. Thema rassistische Sprache und Bezeichnung “farbig”

    Ich hab mal irgendwo gelesen/gehört (ka, weiß ich nicht mehr) dass die Bezeichnung “farbig” für weiße Menschen eigentlich viel passender ist, weil unsere Haut abhängig von Gefühlszustang, Gesundheit, Temperatur usw. Farbvariationen von rot über bläulich, grünlich, bis gelblich annehmen kann. Ich fand das einen super interessanten Gedankengang – wollte den mal mit der community teilen :)

    Ansonsten wie immer großes Lob an euch, Dankeschön und weiter so!!!

    Grüße aus Eberswalde
    Johanna

  78. Hallo Philip, hallo Ulf,
    wir hören schon eine ganze Weile euren Podcast, aber möchten zum ersten Mal Stellung nehmen. Wir sind sehr froh, dass ihr euch endlich mit dem Thema Rassismus auseinandersetzt. Es ist zwar schade, dass ihr erst jetzt zu dem Schluss kommt, dass wir in einer rassistischen Gesellschaft leben, aber besser spät als nie!
    Wir waren etwas überrascht über eure Aussage “dass weiße Personen tendenziell eher mehr Priviligien haben als Nicht-Weiße”. Wir haben selbst dieses Jahr einen “Critical Whiteness Workshop” in Berlin besucht und können das nur weiterempfehlen, denn es ist sehr wichtig, sich als weiße Personen da weiterzubilden und eben einen Schritt weiterzugehen, als “rassistische Gedanken als das anerkennen, was sie sind.” Wir haben eine Verantwortung, Rassismus nicht zu reproduzieren und aktiv zu verlernen. Gute Ansprechpartner*innen findet man sicherlich bei der Heinrich-Böll-Stiftung oder dem Anti-Bias-Netz.
    Wir sind auch sehr froh, dass ihr anerkennt, dass man keine diskriminierende und ausschließende Sprache verwenden sollte, daher freuen wir uns, wenn ihr in Zukunft dann auch endlich gendergerechte Sprache benutzt. :)
    Es wäre auch ganz toll, wenn ihr den Worten Taten folgen lassen würdet und als zwei weiß positionierte cis-Männer darauf achten könntet, dass ihr bei euren Gesprächspartner*innen nicht das Klischee des weißen Mannes als Experte reproduziert. (siehe fünf der letzten fünf Interviewpartner – leider hier bewusst ungegendert)
    Wir freuen uns sehr auf die nächsten Folgen!
    Ganz liebe Grüße!

    • Sorry, aber gendergerechte Sprache verwenden sie seit Folge 1.

      • Stimmt, warum sind hier immer nur zwei Männer zu hören?
        Skandal.
        PS: Kann man die Hautfarbe eigentlich auch an der Stimme erkennen?

      • Ich finde den Einwand mit den rein männlichen Interviewpartnern sehr gut. Schade, dass ihr drauf nicht eingegangen seid.

        • Die Wahrheit ist halt, dass es gar nicht so einfach ist, smarte Gesprächspartnerinnen zu finden … und ja, wir kennen Speakerinnen.

      • Zu gendergerechter Sprache gehört alle Geschlechter einzuschließen. Das sind in Deutschland im Moment drei. Philip spricht regelmäßig nur von den “Hörern”.

  79. Zum Thema Rettung von Menschen im Mittelmeer:
    Da habt ihr einen sehr wichtigen Aspekt leider vergessen, ob man Menschen in Seenot rettet oder ertrinken lässt ist nicht nur eine moralische Frage, sondern diese ist ganz klar und eindeutig im internationalenSeerecht zweifelsfrei und abschliessend entschieden. Jeder Schiffsführer muss Menschen in Seenot retten sonst macht er sich strafbar. Das ist seit langer Zeit Standard und jedem Seemann klar und hat in den letzten Jahren zur Folge, dass viele Handelsschiffe ihre Routen im Mittelmeer geändert haben, um nicht in die Situation zu kommen in Seenot geratene Menschen retten zu müssen und deshalb danach keinen Hafen mehr anlaufen zu dürfen.
    Dies nur als Ergänzung, ansonsten alles super – welcome back aus verdienter Sommerpause

  80. Ich kann euer Problem mit dem Rassismus nicht nachvollziehen, vielleicht, weil ich anders trainiert bin Ich bin als Kind eines deutschen Einwanderers (Mennonit. als Kind umgesiedelt) und einer Frau mit einem Achtel indigenen Anteile in Uruguay geboren worden. Meine Spielkameraden waren schwaz, braun, weiß, gelb, etc. War für mich nie einProblem.

    Nachdem wir nach Deutschland rückeingewandert waren, die Militärs haben uns aus Uruguay vertrieben, hatte ich nie Probleme mit Rassismus zu erleben. Ich sehe durchschnittlich weiß aus, habe ohne Proble in diversen europäischen Staaten gelebt und habe keine der von euch beschriebenen Vorurteile.

    Auf die Fragen, wie man einen Schwarzen in einem Cockpit nennt, habe ich “Pilot oder Steward” gesagt und nicht darüber Nachdenken müssen.

    Jugendliche Glatzköpfe wirken auf mich gefährlicher als eine Ansammlung muslimischer Männer. Wohl fühle ich mich bei beiden Gruppen nicht. Allerding auch in anderen Ansammlungen von Gleichgearteten.

    Ich rede von Schwarzen, weil sie nun mal schwwarz sind, aber als Chef habe ich alle nach Leistung beurteilt und nicht nach Hautfarbe. Dabei, als Chef, ist mir aufgefallen, dass Menschen, die auf mich hilfsbedürftig oder besonders schön wirken, leichter meine Symphatieren erringen.

    Das es den Geschäft nicht dienlich ist, ist eine gute Schule. Lernt man schnell.

    Ich denke nicht, das man kulturell tradierten Rassismus als Schuld sehen sollte, aber Du bist verantwortlich dafür, Dir Chancen für gute Erfahrungen mit allen “Rassen” (das meint, Menschen aller Art) planmäßig einzuräumen (zu veranlassen) ohne dein Verhalten artifiziell und nur kognitiv, in die “richtige Richtung” zu verbiegen. Das bringt im Zweifel nichts und ist eher Heuchelei, als eine Verbesserung.

  81. Hi,

    zum Thema rassistische Impulse in der Sprache: Es gab mal einen interessanten Soziopod, der (ich glaube im Bezug auf Luhmann) das Thema Sozialisierung aufgriff. Besser als dort kann ich es auch nicht formulieren, deshalb paraphraisiere ich mal:

    Die Frage “Wo kommt deine Familie her” ist die Frage nach der Sozialisierung und damit nach dem, was den anderen als Individuum ausmacht.

    “Where are you from” ist zumindest unter den US-Amerikanern, die ich so kenne, eine Smalltalk-Gesprächseinleitung, die jedem gegenüber gebraucht wird, einfach weil jeder eine Herkunft hat.

    Von daher empfinde ich die Frage, wenn sie auch manchen Freunden mit Migrationshintergrund sehr auf die Nerven geht, als nicht schlimm, wenn sie wirklich interessiert gestellt wird. Oder anders gesagt: Ich würde gerne in einer Gesellschaft leben, in der die Frage normal ist, weil die die Herkunft (und die Sozialisation) unabhängig vom jetzigen Status betrachtet werden.

    • Hey Christian!
      Danke für deinen Kommentar, das gleiche dachte ich mir dazu auch zu dem Themenblock.

      Ichh finde es problematisch, Toleranz durch Leugnen aller Unterschiede ausdrücken zu wollen. Eine offene Kommunikation und ehrliches Interesse am soziokulturellen Hintergrund des anderen ist doch viel förderlicher für Akzeptanz und ein gemeinsames Miteinander. Nur, wenn wir als Gesellschaft bemerken, dass all diese Unterschiede in Aussehen und Traditionen keinerlei Bewertung benötigen, sondern einfach Variationen der Art Mensch sind, kann eine multikulturelle Gesellschaft funktionieren.

      Ich persönlich frage gerne nach Herkunftsland der Eltern. Dadurch hoffe ich, mehr über dieses Land und seine Kultur zu lernen. Ich sehe doch, dass die Person bspw. schwarz ist. Genauso wie sie sieht, dass ich weiß wie Marmor bin. Ich würde mich auch freuen, über meinen kulturellen Hintergrund und unsere Traditionen berichten zu können. Voneinander lernen geht nur, wenn wir nicht alle gleich sind.

      Rassismus bedeutet nicht, dass man Unterschiede benennt, sondern auf Grundlage derer jemanden schlechter behandelt.

    • Hallo,

      die Frage “Wo kommst du her?” und die Frage “Woher kommt deine Familie?” unterscheiden sich. Die erstere zielt auf die Herkunft des Indivduums, die letztere auf den größeren Kontext der Familie. Ich würde keine der beiden Fragen an den Beginn einer Bekanntschaft stellen, denn es signalisiert, dass man in einem Maße besonders oder anders ist, obwohl man das nicht ist. Denn schließlich sind wir alle Menschen. Wenn sich Leute von diesen Fragen genervt udn ausgerenzt fühlen, dann muss ich das als Weiße anerkennen und kann nicht sagen “ich mach das trotzdem, weil ich das halt eine interessante Frage finde.” Diesen Gedanken, trotzdem weiterzufragen, obwohl ich mir bewusst bin, dass andere sich dadurch ausgrenzt fühlen, finde ich sehr problematisch, denn ich stelle mich hier über das Empfinden der anderen.

    • Der Umstand, dass man eine Person, die die gleiche “Hautfarbe” hat wie man selbst, nicht (im Kennenlerngespräch) fragt, wo sie herkommt, macht das Problem aber deutlich.

  82. Zum Thema Rassismus finde ich auch folgenden Blogartikel sehr interessant was Denkimpulse angeht. Ist leider in englisch und aus amerikanischer Sicht geschrieben, aber zu großen Teilen auch auf unser Denken übertragbar. Sollte man sich etwas Zeit für nehmen, auch um auf eigene Gedanken zu übertragen und zu reflektieren.

    https://slatestarcodex.com/2017/06/21/against-murderism/

  83. Ich wollte Euch nur meine Freude ausdrücken dass Eure Sommerpause schon seit letzter Woche wieder beendet ist.

    Find ich klasse – mir hat echt was gefehlt.