LdN141 Bericht Biodiversität, Trump vs Kongress, Irans Atomvertrag (Interview Oliver Meier), Masern-Impfpflicht, re:publica 2019, EU-Wahl

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Begrüßung 

Bericht Biodiversität

Trump 

Irans Atomvertrag (Interview Oliver Meier) 

Masern-Impfpflicht 

Meldepflicht für Missbrauchsfälle

re:publica 2019

EU-Wahl 

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Hausmitteilung

126 Kommentare

  1. Ich bin Doktorandin an einem Lehrstuhl zu Umweltbewertung. Wir beschäftigen uns besonders mit den Auswirkungen unseres Konsumverhaltens. In der Podcastfolge sagt ihr, dass man Bio-Fleisch kaufen soll, das lokal hergestellt wird und keinen Soja aus Südamerika zugefüttert bekommt. Leider ist das nicht ganz so einfach. Es gibt neben den direkten Landnutzungseinflüssen nämlich auch noch indirekte.

    Auswirkungen der direkte Landnutzung bezieht sich darauf, was auf der Fläche passiert, die direkt durch den Konsum beansprucht wird, zum Beispiel durch den Wechsel zu bio. Auf der Fläche wird jetzt vermutlich weniger Düngemittel verwendet, wodurch weniger Arten belastet werden, etc. Es gibt allerdings auch Auswirkungen durch indirekte Landnutzung.
    Wenn ein Produkt biologisch hergestellt wird, bedeutet das auch, dass weniger pro m2 produziert werden kann. Da wir aber in einer Welt von steigendem Konsum leben, bedeutet das, dass die Menge, die bei Umstellung auf bio nicht mehr produziert werden kann, wo anders herkommen muss. Wenn alle Flächen, die für den Ackerbau oder Viehzucht geeignet sind, in Europa genutzt werden, bedeutet das auch, dass entweder – um mehr Fläche zu erhalten – im Amazonas oder im indonesischen Regenwald abgeholzt wird oder andere Flächen intensiver genutzt werden müssen.
    Das bedeutet, dass der Wechsel zu biologisch hergestellten Produkten zwar durchaus positive Auswirkungen auf die Biodiversität der direkt genutzten Fläche haben, aber auch negative auf anderen Flächen durch gesteigerten Landbedarf. Einen größeren Einfluss durch seinen Konsum hat man, wenn man von Produkten, die eine große Fläche benötigen (e.g. Rindfleisch, Milchprodukte), auf solche umsteigt, die eine geringere brauchen (e.g. Hühnchen, Gemüse, etc.).

    Quellen:
    https://tinyurl.com/model-indirect-landuse
    https://tinyurl.com/LCA-global-food-consumption

  2. Hallo,

    Bezüglich dem Thema Konservierung von Grünflächen: Ich fand kürzlich folgenden SPON Artikel darüber, dass eine Stadt gezielt Renovierung und Kauf bestehender alter Häuser im Ortskern unterstützt statt Neubaugebiete auszuweisen:

    https://spiegel.de/politik/deutschland/projekt-jung-kauft-alt-hiddenhausen-foerdert-junge-hauskaeufer-a-1046138.html

    Auch ein guter Ansatz Grünflächen zu bewahren und scheinbar auch ökologisch/sozial vorteilhaft (kürzere Wege zu Geschäften und weniger soziale Abkapselung vom Orstkern)

  3. Wie cool ist denn yourvotematters.eu? Bin richtig begeistert. Danke für die Empfehlung. Ich war vom Wahlomat bisher immer enttäuscht, weil ich die Fragen zu realitätsfern finde. Hier finde ich auch toll, dass man sehen kann mit welchen einzelnen Abgeordneten man übereinstimmt und das aus ganz Europa und nicht nur Deutschland.

  4. Danke für den Beitrag zur neuen Leitlinie des Papstes gegen Missbrauch. Zwei wesentliche Sachverhalte möchte ich richtig stellen: 1) In den Vorgaben der katholischen Kirche in Deutschland besteht eine Anzeigepflicht bei Missbrauch. Einzige Ausnahme: Die betroffene Person lehnt dies ausdrücklich ab. (https://dbk.de/themen/sexueller-missbrauch/) 2) Die päpstlichen Vorgaben gelten für die Weltkirche in allen Ländern mit unterschiedlichen Gesetzen. Sie sind also eine Mindestforderung, die möglichst überall (also auch in China, Saudi Arabien,…) umsetzbar sein sollen. (https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2019-05/papst-franziskus-missbrauch-regeln-bischoefe-motu-proprio.html)

  5. Die Lage zum Thema Biodiversität:

    Ich bin Doktorand an einem ökologischen Lehrstuhl einer deutschen Universität und möchte auf ein vernachlässigtes Thema hinweisen, dass neben dem großen Pestizideinsatz hauptsächlich zum Biodiversitätsschwund in Europa beiträgt.

    Es geht um Überdüngung (Eutrophierung) durch Pflanzennährstoffe, vorrangig Stickstoff und Phosphor. Reaktive, also pflanzenverfügbare Stickstoffverbindungen (NO3-, NH4+, NOx, etc.) fallen permanent auf alle Flächen, besonders in intensiv-landwirschaftlich geprägten Gegenden auf die Erde nieder. Sie stammen aus Auto-Abgasen und den berühmten Ausdünstungen und Stäuben aus der Landwirtschaft ( Informationen vom UBA https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/wirkungen-von-luftschadstoffen/wirkungen-auf-oekosysteme/reaktiver-stickstoff-in-der-umwelt#textpart-1). Eine weitere wichtige Stickstoffquelle sind übermäßige Düngung, aus der auch der große Überfluss an Phosphaten in terrestrischen und aquatischen Ökosystemen stammt. Übermäßige Düngung ist vor allem eine Folge der Tier-, insbesondere der Schweinehaltung, der die Felder und Wiesen weniger zur Düngung als hauptsächlich als Gülleverklappungsflächen dienen. So kommt es dass insbesondere in Schweinehaltungsregionen wie der Westfälischen Bucht und Niedersachsen heute teilweise so viel Stickstoff über atmosphärische Depositionen in den nährstoffarmen Naturschutzgebieten ankommt, wie noch im 19. Jahrhundert auf Äckern gedüngt wurde.

    Der fatale Mechanismus, der dadurch in Gang gesetzt wird, ist die Verdrängung schwach- und langsamwüchsiger Pflanzenarten durch gute Nährstoffverwerter wie die allgegenwärtigen Brennessel, Giersch und Knaulgras. Schnell- und hochwüchsige Pflanzenarten können nun auch in vormals nährstoffarmen Ökosystemen alle anderen Arten um Licht berauben und auskonkurrieren (der Mechanismus ist unter anderem hier beschrieben: https://science.sciencemag.org/content/324/5927/636). Natürlich hängen ganze Nahrungsketten, inklusiver der jüngst vielbeachteten Insekten, an bestimmten Pflanzen, die heute durch Eutrophierung massiv auf kleinste Sonderstandorte zurückgedrängt werden.

    Die Dringlichkeit des Eutrophierungsroblems ist unter Botanikern und auch Limnologen common sense. Aber da es noch ein eher europäisches Problem ist, fristet es ein gewisses Nischendasein angesichts globaler Probleme wie des Klimawandels. Als Gegenmaßnahme ist auch hier geraten, den Fleischkonsum einzuschränken, düngersparsamere Bioprodukte zu kaufen, und politischen Druck auszuüben, dass Düngung und Nährstoffemmissionen endlich hinreichend kontrolliert werden.

  6. Könntet ihr das Thema BDS in die nächste Lage mit aufnehmen?

  7. 17. Mai 2019 um 17:26 Uhr
    Cornelius Balle

    Sehr geehrter Herr Banse und Herr Buermeyer,

    Ich verfolge Ihren Podcast seit einigen Monaten und bin begeistert von ihrem Konzept!

    Es war regelmäßig Elektro-Mobilität ein Thema, da wir gerade eine spannende Zeit des Umbruchs in Sachen Mobilität erleben. Ich bin großer Befürworter des Klimaschutzes und finde es müssen noch viel schnellere und drastischere Maßnahmen getroffen werden, um unseren Beitrag zu leisten und andere Nationen mitzuziehen.

    Jedoch gibt es einen kontroversen Punkt bzgl. Elektro-Mobilität, den ich in Ihren Podcasts noch nicht gehört habe (falls ich ihn überhört habe, Entschuldigen Sie vielmals).
    Und zwar die Herstellung und Nachhaltigkeit von Elektromotoren.
    Der Umschwung auf komplette Elektromobilität würde die Produktion von millionen Elektromotoren bedeuten.
    Dazu benötigt man viel Lititum und andere seltenen Erden. Die Herstellung dieser Akkus geht oftmals Hand in Hand mit schlimmen Arbeitsbedingungen im Abbau der Materialien und auch mit der Zerstörung der Natur in diesen Regionen, oftmals in Afrika oder Südamerika.

    Kürzlich kam ein Artikel dazu im Deutschalndfunk, und das ist leider nur ein Teil der Regionen:

    https://www.deutschlandfunk.de/lithium-abbau-in-suedamerika-kehrseite-der-energiewende.724.de.mhtml?dram:article_id=447604

    Zugegebenermaßen schreibe ich hier aus Halbwissen heraus, jedoch würde mich Ihre Meinung zu diesem Aspekt interessieren und weiter was Sie von der Fortbewegung durch z.B. die Brennstoffzelle halten, wofür es weniger Umrüstung in der Infrastruktur und in den Fahrzeugen benötigen würde.

    Ich wünsche Ihnen beiden einen schönen Tag, Ihre Arbeit ist sehr viel wert und enorm wichtig für unsere Gesellschaft, Danke vielmals!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Cornelius Balle

    • 18. Mai 2019 um 0:46 Uhr
      Christoph Hölscher

      Sehr geehrter Herr Balle,

      ich kann nicht für die beiden Sprechen, aber vielleicht kann ich ihnen ja mit ein paar Fakten weiter helfen.

      1. Elektromotoren sind von den Akkus zu unterscheiden. Die Motoren erzeugen aus dem Strom die Kraft. Die Akkus speichern die Energie nur.
      2. Bei der Brennstofftechnik ändert sich nicht viel am Motor, jedoch wird der Akku durch eine Brennstoffzelle ersetzt. Diese kann aus Wasserstoff und Sauerstoff (aus der Umgebungsluft) Strom erzeugen, der dann in den Motor fließt. Der Wasserstoffs muss jedoch auch im Auto gespeichert werden. Dies ist nicht einfach und war viele Jahre eines der größten Probleme mit der Brennstofftechnik. Mittlerweile konnte man dort aber Fortschritte erzielen.
      3. Produktion der Akkus: Ja, die Bedingungen sind schlecht. Aber auch bei der Brennstoffzelle braucht es Platin, welches ebenfalls und schlechten Bedingungen gewonnen wird. Außerdem ist es sehr knapp. Viel knapper, als Lithium, welches genügend vorhanden ist.
      4. Umrüstung der Infrastruktur: Die Maßnahmen, die für eine flächendeckende Versorgung mit Wasserstoff nötig sind, sind enorm. Da der Transport von Wasserstoff in diesen Dimensionen aufgrund der geringen Dichte von Wasserstoff extrem aufwendig ist, wird man wahrscheinlich nicht um eine lokale Produktion von Wasserstoff herum kommen. D.h. jede Tankstelle müsste ihre eigene Wasserstofferzeugung haben.
      5. Umrüstung der Fahrzeuge: Benzin und Diesel-Motoren können nicht mit Wasserstoff betrieben werden. Es braucht eine komplett neue Antriebseinheit mit Tank, Brennstoffzelle, Zwischenbatterie und Elektromotor. Das ist für eine Nachrüstung zumindest nicht für den Normalkunden denkbar.
      6. Meine persönliche Sicht zum Thema Wasserstoffmobilität gegenüber Elektromobilität: Wie immer hat alles Vor- und Nachteile. Die Wasserstoffmobilität ist besonders da nützlich, wo es um große Energiemengen geht: Busse, Lkw, Züge etc. Denn die großen Akkus würden diese Kraftfahrzeuge sehr teuer machen. Größere Tanks für Wasserstoff sind dagegen günstig.
      Bei PKW sind Elektroautos eindeutig zukunftsweisender, denn sie weisen eine deutlich höhere Energieeffizienz auf (80-90%) wohingegen die Wasserstofftechnik nur auf ca. 40% kommt.

      Vielleicht konnte ich ein bisschen Licht ins dunkle bringen. Ich stütze mich auf mein Ingenieursstudium und auf einen Workshop über 5 Tage, den ich vor ein paar Monaten belegt habe.

      Freundliche Grüße

      Christoph Hölscher

  8. 17. Mai 2019 um 1:16 Uhr
    dot tilde dot

    “… denn was sich viele halt nicht bewusst machen ist, dass insekten, bienen et cetera natürlich so was sind wie, weiß ich auch nicht, das ist so was wie das fundament unseres lebens, denn ohne sie findet keine bestäubung statt, umd ohne sie gibt’s keine pflanzen, gibt’s keine früchte, gibt’s kein essen…”

    diversität ist das betriebssystem, unser leben eine anwendung.

    wäre schon gut, wenn die nicht alles abfackelt.

    .~.

  9. Könnt ihr in einer der nächsten Lagen mal auf die Anastasia Bewegung eingehen? In vielen ländlichen Regionen, leider auch in meiner Heimat dem Allgäu, verbreiten diese sehr rechtes und völkisches Gedankengut und bauen eigene Siedlungen auf. Oft schaut die Politik weg und die Bürger sind diesen Leuten immer mehr ausgeliefert. Leider habt ihr hierzu nur sehr wenig bisher gebracht, aber ich denke unser Staat darf solche Strukturen nicht zulassen auf dem Land, da wir sonst irgendwann wirklich einen Staat im Staate haben. Der RBB hatte hierzu auch eine lange Recherche gemacht: https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2019/05/anastasia-brandenburg-interview-silvio-duwe.html

  10. 16. Mai 2019 um 13:44 Uhr
    Magnus aka MJKW

    Danke euch für das Aufgreifen der Biodiversitätsthemen, im Vergleich zu Klima kam die zweite grosse Zukunftsfrage ja etwas zu kurz hier.

    Zur Debatte um die Ernährung mal zwei Diskussionsansätze: https://link.springer.com/article/10.1007/s10669-015-9577-y

    und die Frage ob ohne Fleisch wirklich die Lösung ist: http://www.taz.de/!120197/

  11. Liebe “Lage der Nation”,
    vielen Dank für die spannende Folge und für die tolle Arbeit! Ich höre euch wirklich immer gerne zu.
    Wenn die Themen Ressourceneffizienz, Ressourcenschonung und Biodiversität jemanden noch weiter interessieren, der kann auf die Website des VDI Zentrum Ressourceneffizienz (ressource-deutschland.de) gehen. Das VDI ZRE bereitet im Auftrag des Bundesumweltministeriums die Themen sehr gut auf und stellt die Informationen kostenlos zu Verfügung. Neben reinen Informationen zu Ressourceneffizienz werden Strategien, Forschungsprojekte und umgesetzte Praxisbeispiele vorgestellt. Die Zielgruppen sind hauptsächlich kleine und mittlere Unternehmen, wobei viele Themen u.a. Biodiversität und Ressourceneffizienz im Bauwesen auch für die öffentliche Hand und Privatpersonen spannend sind.

    Ein Beispiel ist das Online-Tool zu “Ressourceneffiziente Gewerbegebieten”, in dem auch das Thema Biodiversität betrachtet wird. Es zeigt eine bunte Mischung von Maßnahmen, die nicht nur Unternehmen sondern auch Privatpersonen umsetzen können.
    https://www.ressource-deutschland.de/instrumente/prozessketten/gewerbegebiet/#link-business_bio

    Viel Spaß damit und liebe Grüße
    Franziska

  12. Habe gerade mal den Digital-o-Mat durch geklickt und festgestellt, dass bei dem Punkt 9 (Elektronisches Geld: Die Möglichkeit, mit E-Geld auf Guthabenkarten anonym im Internet einkaufen zu können, wird auf Kleinbeträge bis 150 Euro begrenzt.) alle Parteien außer der AFD zumindest nicht dagegen sind. Habe ich da was falsch verstanden oder sind inzwischen sogar die Piraten gegen Anonymes Geld?
    Eigentlich hätte ich gedacht, dass es erstrebenswert ist, dass man digital genauso Anonym bezahlen kann wie man das heute auch mit Bargeld tun kann.

  13. 15. Mai 2019 um 23:29 Uhr
    Matthias Lehnert

    Lieber Ulf, lieber Philipp,

    zunächst vielen Dank für euren tollen Podcast, den ich (fast) jede Woche höre und jedes Mal interessante und neue Perspektiven mitnehme!

    Mit etwas Verwunderung habe ich derweil eure Ausführungen zur Einführung der Pflicht zur Masernimpfung vernommen – in denen ihr, recht lapidar, die Pläne als gute Nachricht bewertet, und die Pflicht ebenso kurz als verhältnismäßig einstuft.

    Vorab: Ich halte eine Impfung gegen Masern (indes nicht unbedingt alle anderen von der StIKo empfohlenen Impfungen) auch für sinnvoll und richtig – zum Vorteil der Geimpften und der restlichen Bevölkerung.

    Aber: Ob dies auch eine staatliche Verpflichtung nach sich ziehen sollte, steht auf einem anderen Blatt. Eine Impfung ist schon einmal rein tatbestandlich eine nicht ganz marginale Körperverletzung, die nicht derart schlicht mit einer Gurtpflicht oder Ähnlichem verglichen werden kann; und werden nicht die geimpften (zumeist) Kinder zum Objekt staatlichen Handelns gemacht, wenn sie aus Gründen des “Herdenschutzes” staatlich verordnet zu einem derart intensiven Eingriff in ihre körperliche Unversehrteit gezwungen werden.

    Man kann gewiss rechtlich hier zu einem anderen Ergebnis kommen – ich bin selbst hier mangels ganz intensiver Auseinandesetzung nicht vollends überzeugt; ebenso gewiss ist wohl, dass das BVerfG beizeiten ein dann beschlossenen Gesetz verhandeln wird. Der Wissenschaftliche Dienst des BT etwa hat bereits in einem wenn auch nur sehr oberflächtlichen Gutachten schon einmal seine Zweifel bekundet (https://www.bundestag.de/resource/blob/413560/40484c918e669002c4bb60410a317057/wd-3-019-16-pdf-data.pdf)

    Neben der Notwendigkeit einer solchen Pflicht – die angesichts der bereits hohen Impfquote bei Kinder zweifelhaft ist – und der Effektitvität – die von zahlreichen Fachleuten in Zweifel gezogen wird, weil die Verpflichtung Misstrauen schürt und die Impfbereitschaft sogar sinken könnte – bleibt die ganz grundsätzliche Frage, ob man eine staatliche Vorgabe an dieser Stelle für ein politisch legitimes Mittel hält – ist es tatsächlich und zu Ende gedacht wünschenswert, dass allen Menschen zum Schutz der Volksgesundheit Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit vorgeschrieben werden? Welchen Wert hat die Selbstbestimmung in diesem Kontext?

    Da ein guter Ruf hohe Erwartungen weckt: Von einer freiheitlichen Perspektive, für die ihr im Übrigen steht, hätte ich mir in dieser Sache mehr Tiefgang erwartet.

    Herzliche Grüße

    Matthias (Lehnert)

    • Hi Matthias, die ausführliche Diskussion des Themas, die Du hier vermisst, hatten wir schon in der Folge von Anfang April. Das wollten wir nicht alles nochmals erzählen, weil seither keine neuen Aspekte hinzu gekommen sind. Insofern ist unser Statement in dieser Folge nur ein Update auf der Grundlage unserer Schlussfolgerungen von vor fünf Wochen.

  14. Fand es auch schade zu hören, dass ihr Werbung für Bio-Fleisch macht und dann fragt ob wir Hörer noch Ideen haben. Ich hätte euch doch eigentlich zugetraut selbst du recherchieren und zu wissen, dass gänzlicher Verzicht auf tierische Produkte oder aller mindestens die Reduktion des Konsums dieser Produkte ein unverzichtbarer Schritt ist.

    • Ich halte es ehrlich gesagt nicht für besonders realistisch, dass die Menschen sich in der Mehrzahl derart einschränken. Daher finde ich, dass die vielen Kommentare dazu nicht besonders hilfreich sind, so recht sie auch haben mögen – ja, es wäre besser, aber es wird wohl nicht geschehen. Ich fände Beiträge spannender, was man sonst noch für die Biodiversität tun kann.

      • Es ist schwierig auf Fleisch zu verzichten, das sehe ich ein. Aber ich sehe da keinen Unterschied zum Beispiel zum Autofahren, welches ihr im Podcast regelmäßig verteufelt und nicht einseht, warum man das machen muss (wenn man nicht grade auf dem Land lebt). Das ist mMn genauso Lebensqualität die man abgeben muss.

        Gleichzeitig werden die Fleischersatzprodukte stetig besser und günstiger, sodass ein Umschwung in Zukunft noch leichter fallen sollte. Beim Auto wird es da schwieriger mit gleichwertigen Alternativen zu kommen z.b. für Leute die keine ÖPNV mögen und auch nicht Radfahren.

      • Ich halte es für wenig realistisch, dass die Menschen ihren Rasen umpflügen werden und daraus Blumenwiesen für Bienen machen. Seine Ernährung umzustellen ist ein wirklich einfacher Schritt, womit man jeden Tag etwas ändern kann. Auf Fleisch o. weitere tierische Produkte zuverzichten war übrings noch nie einfacher als heute und wird immer einfacher. Probiert es doch einfach mal aus ;-) Außerdem ist dein Einkauf im Supermarkt/Bioladen/Markt etc. jedes Mal ein Stimmzettel!
        Ich hoffe sehr, dass ihr das Thema nochmal aufarbeitet, besonders auch wegen der vielen Kommentaren.

    • Wie wurde die Sklaverei abgeschafft? Indem an das gute Gewissen appelliert wurde? Und wie wurde FCKW eingedämmt? Indem man die Leute gebeten hat keine Produkte mehr mit FCKW zu kaufen? Natürlich nicht. Du kannst gerne auf Fleisch verzichten, wenn Du Dich damit besser fühlst, aber signifikant etwas ändern können nur Verbote. Es ist illusorisch zu glauben, dass sich ein nennenswerter Teil der Bevölkerung ohne Druck von außen in Zukunft nur noch vegan ernähren wird. Insbesondere ältere Menschen tun sich schwer mit Veränderungen. Warum sollen die zu veganen Fleischersatzprodukten greifen wenn diese sogar teurer als richtiges Fleisch sind?

    • Hallo Ulf,
      ich höre euch ja wirklich gern, aber dein Kommentar ist leider etwas enttäuschend und zu kurz gedacht.
      Ja – es werden sich nicht alle vegan ernähren. Aber es hätte von euch trotzdem eine kritischere Einordnung geben können – es ist jawohl klar, dass alle reduzieren müssen (übrigens in Bezug auf alle Bereiche: Fleischkonsum, Flugreisen, Konsum allgemein usw.)
      Auch Biofleisch verursacht CO2 – und ich wüsste auch nicht, dass Bio ungleich Sojafütterung ist. Das Thema Böden und Düngung wurde ja auch schon angesprochen. Wir hier in Deutschland müssten in jeder Hinsicht einschränken und reduzieren. In einem Podcast, der sich an die Bildungsschichten richtet, sollten so klare Worte doch auch selbstverständlich sein und nicht nur Wohlfühlkurs.
      Zum Thema was man sonst noch tun kann, habe ich ja auch schon was gesagt, aber wenn man die Lebensrealität der Masse anschaut, dann ist eben Ernährung (sowie Wohnen und Reisen) das mit dem größten Impact.

      Ehrlich gesagt: wenn jemand in so einem Podcast bei anderen Themen (Gleichberechtigung) so einen Kuschelkurs verfolgen würde, wäre das ganz schön daneben. Warum beim Thema Ernährung der einzelne immer geschont werden muss, erschließt sich mir nicht.
      Viele Grüße!
      Linda

  15. Zum Thema CO2-Steuer.
    Das Thema kam ja bei euch mehrmals in den letzten Sendungen vor und wurde immer wieder als wichtiger Lösungsansatz dargestellt.
    Ich wurde etwas skeptisch als soviele unterschiedliche und u.a. sehr mächtige Menschen und Gruppen diesem Vorschlag grundsätzlich zustimmen. Dazu gehören in Deutschland: Angela Merkel (“kann ich mir gut vorstellen”), die Grünen, die FDP, Teile der Linken, der BDI und auch erst kürzlich FfF (Fridays for Future; ihr berichtetet).
    Hier ein paar Gegenargumente:
    – die Preisänderungen für die einzelnen alltäglichen Produkte sind eher gering und daher sind keine großen Änderungen zu erwarten. Stattdessen wird dem Ganzen ein grünes Deckmäntelchen umgehangen. Die Leute werden beruhigt und ihnen wird vermittelt, dass sich unser Lebensstil nicht groß ändern muss. Ganz gefährlich finde ich, dass damit die Leute passiv bleiben, weil ihnen vorgegaukelt wird, dass wirksame Maßnahmen getroffen werden.
    – im März 1999 gab es von Rot-Grün schon mal ein Gesetz, dass die CO2-Emissionen senken sollte: die Ökosteuer (“Gesetz zum Einstieg in die ökologische Steuerreform”). Die Einnahmen daraus sind nicht gering (~17 Mrd €, https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kosteuer_(Deutschland), aber die CO2-Emissionen stiegen weiter und weiter. Und jetzt das Gleiche noch mal in grün?

    Die Nachdenkseiten listen 5 weitere Gründe auf [1]:
    – Eine allgemeine CO2-Steuer ist ungerecht
    – Mehr Geld – mehr CO2-Verbrauch: Die Klimafrage ist eine soziale Frage
    – Die eigentlichen Klimaschädiger werden nicht ins Visier genommen
    – Eine CO2-Steuer beseitigt nicht die falschen Anreize
    – Die falsche Orientierung auf „Elektromobilität“

    Achja, noch etwas, den Preis zahlen nicht die Verursacher der Emissionen, sondern die Konsument*innen, ob freiwillig (Luxus-/Freizeitgüter) oder gezwungenermaßen (Grundbedarfe). Ihr sagt zwar selbst, dass es da einen Rückfluss an die Geringverdienenden braucht, aber ich kann mir das bei so einer Industrie-/Auto-verbundenen (und damit klimaverheizenden) Regierung beim besten Willen nicht vorstellen. Daher sympathisiere ich sehr stark mit Protestformen wie Ende Gelände, die mit Massenaktionen die Quellen der CO2-Emissionen regelmäßig blockieren [2].

    Bei Anne Will gab es vor 10 Tagen auch eine Sendung zum Thema [3], allerdings ohne den grundlegende motorisierte Individualverkehr und geschweige denn die Profitlogik zu thematisieren.

    P.S. das Problem, dass angebliche demokratische Entscheidungen bei uns zum Thema Kohleausstieg, Arbeitsplätze etc. gar nicht die folgenden Generationen oder die Menschen, die jetzt schon unter den Folgen dieser Politik leiden (Stichwort Klimagerechtigkeit) berücksichtigt, müsste eigentlich auch mal mehr in den Fokus geraten…

    [1] https://www.nachdenkseiten.de/?p=51445
    [2] https://www.ende-gelaende.org/de
    [3] https://daserste.ndr.de/annewill/archiv/Streit-um-CO2-Steuer-wer-zahlt-fuer-Klimaschutz,erste11448.html

  16. Liebes Team von Lage der Nation,
    danke für die Sendung, ich höre euren Podcast immer sehr gerne! Ich hatte nicht die Zeit, alle Kommentare zu lesen, also entschuldigt bitte eventuelle Dopplungen.
    Ich habe den Beitrag zur Biodiversität als unvollständig empfunden. Schade fand ich, dass ihr das Thema Fleischkonsum nur kurz und unvollständig angeschnitten habt. Ihr habt selber darauf hingewiesen, dass ein großer Teil der Regenwälder für die Tierfutterindustrie abgeholzt wird (was stimmt). Die Folge dessen kann nicht nur sein, dass man nur noch Bio-Fleisch kauft, vielmehr muss sich der Konsum von Fleisch als solcher erheblich reduzieren. Die Menge an Fleisch, die derzeit konsumiert wird, kann nicht auf nachhaltige Weise produziert werden, da alle diese Tiere zur Zucht gefüttert werden müssen. Es gibt viele Menschen in Deutschland, die jeden Tag, wenn nicht mehrmals täglich, Fleisch essen (pro Jahr ca 60 kg pro Kopf). Auch generell müssen weniger Tierprodukte gegessen werden, da auch in dieser Industrie extrem viele Emissionen entstehen. Ich finde, das hättet ihr klar benennen können. Zumal sich auch nicht jeder Bio-Fleisch leisten kann, fand ich diesen Hinweis etwas schwach und zu kurz gegriffen.
    Ansonsten glaube ich auch, dass die Umweltkosten viel stärker eingepreist werden müssen. Zur Zeit ist es ja so, dass zwar zunächst alles sehr günstig ist, später aber extreme Kosten für den Umweltschutz anfallen, um das rückgängig zu machen, was wir durch unsere Lebensweise zerstört haben. Das ist langfristig gesehen aber sehr unökonomisch, weil die Kosten nicht vermieden, sondern verschoben werden. Ich glaube also, es ist Zeit, dass wir darüber nachdenken, wie wir dem Verhältnis von Ökologie und Ökonomie gerecht werden können, diese befinden sich nämlich nicht in einem Widerspruch. Konkret betrachtet wäre das zum Beispiel die Umsetzung von einer CO2-Steuer (die ihr ja auch schon einmal behandelt habt).
    Außerdem glaube ich, dass wir eine Umstrukturierung der Landwirtschaft brauchen zu einer, die die natürlichen Prozesse wertschätzt und nutzt. Man braucht viele Pestizide nicht, wenn man den Boden richtig nutzt (dazu Hinweis auf den Podcast “Landwirtschaft und ihre Folgen” vom WDR). Über die Landwirtschaft wird so wenig gesprochen, dabei rotten wir durch diese gerade Unmengen von Insekten in Deutschland aus.
    Liebe Grüße

  17. Als vorschlag für mehr biodiversität. Ich weiss nicht was das mit gebäuden machen würde bzgl. Stabilität, haltbarkeit etc. Aber warum werden die dächer nicht besser genutzt? Warum gibt es nicht mehr flachdächer mit einer art garten oben drauf? Zum sonnen für pflanzen und Insekten etc.

  18. „Kauft Bio-Fleisch, dann wird das schon mit dem Klima.“ So oder so ähnliche Aussagen zu Ernähungsänderungen für das Klima greifen viel zu kurz.
    Es kommt nicht nur auf die Art des Fleisches an, also z.B. Bio- oder konventionelle Produktion. Es sollte auch deutlich weniger Fleisch gegessen werden (z.B. durch Fleisch freie Tage). Oder am besten auf eine vegetarische oder vegane Ernährung umgestellt werden. Wer das nicht möchte sollte seinen Fleischkonsum wenigstens stark reduzieren.

  19. Zur Europawahl:

    Ich bin deutsch-Italiener und lebe in Deutschland. Zur anstehenden Europawahl habe ich die deutsche Wahlbenachrichtigung bekommen, aber auch die Benachrichtigung zur italienischen.
    Ist es nicht unfair gegenüber allen Mitbürgern mit nur einer Nationalität, dass ich praktisch eine doppelte Stimme habe?

    • Du hast keine doppelte Stimme! Du darfst nur eine von beiden Stimmen abgeben. Wenn du beide abgibst machst du dich nach deutschem Recht strafbar.

      • Aber doch nur wenn man das wie Giovanni di Lorenzo, der Chefredakteur der ZEIT, öffentlich in einer Talkshow herumposaunt. Wie sollen die Behörden das sonst feststellen?

      • Ich habe nicht gesagt, wie hoch das Entdeckungsrisiko ist, sondern ich habe darauf hingewiesen, wie die Rechtslage ist. Ehrlich gesagt finde ich es eine Selbstverständlichkeit, dass man die Rechtslage beachtet, denn es ist ja schlicht und ergreifend unfair, wenn ein Mensch glaubt, seinem politischen Willen doppeltes Gewicht beimessen zu dürfen.

  20. Nun auch von mir 1-2 Worte zum geforderten Statement, bezogen auf Tipps, wie man Klimawandel und Artensterben “lösen” kann.

    “Gelänge es, die Verbraucher in Deutschland davon zu überzeugen, weniger fleischbetont zu essen und zudem weniger essbare Nahrungsmittel wegzuwer-fen, würden hier und andernorts über 4 Mio. ha an Acker- und Grünland frei für andere Nutzungen. Diese Verhaltensänderungen würden die Umwelt von bis zu 67 Mio. t CO2-Äquivalenten an Treibhausgasen entlasten. Das entspricht etwa der Schadstoffmenge ganz Österreichs oder der von über 5,5 Mio. Neuwa-gen mit einer Fahrleistung von 100.000 km.Bezogen auf eine Person könnte jeder Deutsche durch eine derartige Verhaltens-änderung jährlich Treibhausgas-Emissionen in Höhe von ca. 800 kg CO2-Äqui-valente bzw. etwa 7 % der durch ihn verursachten Gesamtemissionen vermeiden.” https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Klimawandel_auf_dem_Teller.pdf

    Tatsächlich gefährden Menschen, die zu viel Fleisch essen, nicht nur ihre Gesundheit. Die Produktion von Fleisch trägt auch kräftig zur Erderwärmung bei. Wie die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO zeigt, stammen 14,5 Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen aus der Haltung und Verarbeitung von Tieren. Der Anteil war höher, als der des weltweiten Verkehrs. https://www.mdr.de/wissen/umwelt/fleisch-essen-klimawandel-100.html

    “Wie viel Treibhausgase beim Anbau einer bestimmten Gemüseoder
    Obstsorte freigesetzt werden, hängt von vielen Faktoren ab.
    Am besten ist es, jeweils das Obst und Gemüse zu essen, das in
    der Region gerade Saison hat, also auf dem Feld und nicht im
    Gewächshaus angebaut wird und auch nicht aus anderen Ländern importiert werden
    muss. Für Tomaten ist die Hauptsaison in Deutschland übrigens von Juli bis Oktober.
    So werden bei einem Kilogramm Tomaten, das in einem beheizten Gewächshaus im
    Winter angebaut wurde, zehn mal so viel klimaschädliche Treibhausgase freigesetzt
    wie bei einem Anbau in der Region während der Saison.” (keine Sorge wegen des sperrigen Links:) https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwjn2Zvs-5viAhXP2KQKHad5CzAQFjAAegQIAhAC&url=http%3A%2F%2Fwww.bpb.de%2Fsystem%2Ffiles%2Fdokument_pdf%2FTreibhausgas-Emissionen%2520von%2520Lebensmitteln-final_.pdf&usg=AOvVaw254kAa3oJK0zmepPj1_Ndm

    Die Auswirkungen unserer Ernährung auf das Klima sind immens. Nahezu 70 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen unserer Ernährung sind auf tierische Produkte zurückzuführen. https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/fleisch/fleisch-frisst-land/

    Nochmal ein paar direkte Worte. Wir werden durch die zunehmende Weltbevölkerung vor große Probleme gestellt, all diese Menschen zu versorgen. Auf der anderen Seite haben wir alle Lebensmittel, die bis zum 2. Mai produziert werden direkt weggeschmissen (wenn man es sorum “denkt”) und erst ab dem 3. wirklich alles konsumiert, was auch produziert wurde. (https://www.wwf.de/2017/mai/bis-heute-fuer-die-tonne/) Das zeigt doch auf mehrere Weisen eklatant, dass genügend Ressourcen vorhanden sind, sie nur falsch genutzt werden. Täglich sterben 25-30.000 Menschen weltweit an Hunger (leider ohne Quelle), auf der anderen Seite schmeißen die westlichen Kulturen fast die Hälfte der jährlich produzierten Lebensmittel weg. Liegt auf der Hand, dass das keinen Sinn macht.
    Wir überdüngen unsere Äcker und betonieren sie mit Monokulturen, das macht die Biodiversität kaputt.
    Wir ernähren uns einseitig von Fleisch, dass größtenteils mit Soja hergestellt wird und, wie ihr in der Folge gesagt habt, Regenwaldkulturen zerstört, die auch wieder Biodiversität ausmachen.
    Wir kaufen uns abgepacktes Wasser, anstatt Leitungswasser zu trinken, dass in Deutschland sehr hohe Gütestandards erfüllt. Dafür wird unser abgepacktes Wasser durch Deutschland und die Welt gekarrt und im Fall Nestle oftmals aus besonders “edlen” Regionen abgefüllt, wo dann wieder arme “normale” Menschen keinen Zugang dazu haben und brackiges Wasser trinken müssen (ein Beispiel, dass nicht direkt zu meinem Fall passt: https://www.independent.co.uk/news/world/americas/nestle-water-selling-diverting-bottled-arrowhead-san-bernardino-forest-california-a8130686.html)

    Wir bestellen alles im Internet, ohne zu reflektieren, ob wir es wirklich brauchen, geschweige denn den lokalen Einzelhandel unterstützen. Was ist die Folge daraus? Große Ketten, die billig zentralisiert in asiatischen Ländern produzieren lassen (Made in China lässt grüßen) sowie Läden wie Amazon, die Paketboten ausbeuten, um den ganzen Wirtschaftszweig des “nicht mehr in den Laden gehens” unterstützen. Schaut euch Reportagen über die Arbeitsbedingungen der Fahrer an und auch hier gilt wieder, LKWs sind ähnlich wie beim individuellen Nahverkehr schlechter als die gebündelte Nutzung (also die Schiene), nur unsere lieben Verkehrsminister torpedieren den Schienenverkehr seit langem (auch in der Lage oft kritisiert) und fördern den LKW Verkehr. Wieso? Günstiger, da die Umweltkosten mal wieder nicht mit eingerechnet sind.

    Zusammenfassung: Bevor irgendwas zum Thema Mobilität kommt, muss immer die Ernährung angegangen werden. Die klimafreundlichste und daher im Anbetracht der “ticking clock” sinnvollste Lösung, ist der Veganismus. Nach unterschiedlichen Quellen liegen hier die CO2 Einsparungen bei 60-75%, zusammen mit den ganzen anderen ökologischen Folgen (aber auch “vegane” Monokulturen mit z.B. Glypohsat sind Mist). Danach muss Ökostrom nachgefragt werden, aber auch politisch gewollt werden ( “Es reicht nicht, wenn jeder für sich auf Ökostrom umsteigt. Das haben etliche Bundesbürger längst getan. Dennoch wird weiterhin Kohlestrom produziert. Die CO₂-Emissionen drastisch zu senken wird nicht gelingen, wenn sich nur die individuelle Nachfrage der einzelnen Verbraucher ändert. Wenn der Klimawandel eine Folge des Wirtschaftssystems ist, braucht es politische Entscheidungen, die dieses System ändern. Und die wir alle forcieren müssen.
    Dass solche Entscheidungen nachhaltige Auswirkungen haben können, zeigt der Kohleausstieg, den die britische Politik 2013 eingeleitet hat. Auf jede Tonne CO₂, für die britische Stromerzeuger im europäischen Handelssystem für CO₂-Emissionen Zertifikate kaufen mussten, schlug die britische Regierung eine Sonderabgabe von rund 20 Euro auf. Die Folge: Der Anteil des Kohlestroms sank von 2014 bis 2016 von 30 auf neun Prozent – in Deutschland nur von 43 auf 40 Prozent. Großbritannien konnte in diesem Zeitraum 47 Prozent seiner CO₂-Emissionen aus der Stromerzeugung einsparen – Deutschland nur vier. ” dazu hier ein Interessanter Artikel: https://www.zeit.de/zeit-wissen/2019/03/flugreisen-klimaschutz-gewissen-co2-emissionen-treibhausgase

    Have Fun.

  21. Liebes Lage-Team,

    ich fand es sehr schön, dass ihr euch mit dem Thema Biodiversität beschäftigt habt. Auch ihr habt in dem Zusammenhang die Demokratie und ihre Vor- und Nachteile behandelt. Hierbei stellt sich für mich schon lange die Frage, die wohl keiner so wirklich stellen will, ohne sich plötzlich in fünf verschiedene Richtungen hin erklären zu müssen: kann man den derzeitigen Herausforderungen mit einer Demokratie überhaupt noch sinnvoll entgegentreten? Selbst in einem entwickelten Land wie Deutschland, wo man weiß, wie arg es um den Planeten steht und wo man tatsächlich die Mittel hätte, etwas zu unternehmen, macht man minimale Schritte vorwärts, obwohl wir vermutlich drei Tage rennen müssten, um dem Planeten noch eine richtige Chance zu geben. In den westlichen Demokratien zerfleischt sich die Bevölkerung um jedes kleinste Detail. In autoritären Staaten wie China kann die Regierung allerdings sagen, dass ab jetzt E-Scooter gefahren wird und dann passiert das von einem Tag auf den anderen. Wenn die chinesische Regierung also eine positive CO2-Bilanz erreichen WOLLTE, dann ginge das verhältnismäßig schnell. Wird man sich das vielleicht gewisse Strategien abschauen müssen? Oder seht ihr wirklich die Chance, dass sich der zerstrittene Westen da irgendwann einig wird? Meiner Meinung nach kann das Jahrzehnte dauern und dann ist es zu spät. #kohleausstieg2038wirdschonreichen

  22. Hallo liebe Lage,

    ich höre euch noch nicht lange, aber ich mag euren Podcast sehr. Vielen Dank dafür.
    Zwei Dinge möchte ich anmerken:

    1.) Ihr habt bei den verschiedenen Wahl-O-Maten nicht den Digital-O-Mat genannt: https://ep2019.digital-o-mat.de/
    Mit dem Digital-O-Maten kann man seine eigene Meinung zu bestimmten Themen des Digitalen mit denen von Parteien abgleichen. Dabei geht es um bereits getroffene Entscheidungen und erfolgten Abstimmungen. Das ist deswegen schön, weil man so seine eigenen Ansichten mit dem tatsächlichen Verhalten der Parteien vergleicht und keine “Hätte-Komponente” dabei ist. Denn dass Wahlversprechen gerne mal nicht eingehalten werden, ist hinlänglich bekannt.

    2.) Ich muss Kritik am Werbespot üben. Ihr sagtet sinngemäß, ein Konto zu erstellen dauerte etwa so lang wie der Werbespot. Das kann allerdings nur klappen, wenn man weder AGB noch Datenschutzerklärungen (DSE) liest. In meinen Augen bewirkt diese völlig normale Vortragsweise, dass das Übergehen bzw. Nichtlesen von AGB und DSE beim Abschließen von Verträgen auch etwas völlig Normales, Selbstverständliches ist, ja es wirkt auf mich fast schon wie ein Aufruf dazu. Allerdings denke ich, dass insbesondere bei solch wichtigen Verträgen wie einem Girokonto die AGB und DSE genau gelesen, zumindest aber überflogen werden sollten. Sonst willigt man möglicherweise in ganz bizarre Geschichten ein, gerade beim Datenschutz ist da ja einiges möglich. Also bitte: Lasst das nicht zu etwas Alltäglichem und Gewöhnlichem werden.

    Beste Grüße aus dem grünen Herzen Deutschlands
    Max

    • Ach, ich sehe gerade den Digital-O-Maten in den Shownotes. Verzeiht bitte und ignoriert den Punkt 1 einfach.

    • Wir haben überhaupt keinen Einfluss auf die Inhalte der Werbesports, dafür haben wir eine separate Agentur beauftragt. Näheres dazu findest du in unserer Werbepolicy.

  23. 14. Mai 2019 um 19:37 Uhr
    Viktoria Hrynek

    Lieber Philipp und lieber Ulf,

    Ich bin großer Fan eures Podcasts und möchte mich erstmal für eure großartige Arbeit bedanken!
    Ich bin Mitglied bei Polis180 einem Thinkthank zu Außen- und Europapolitik mit vielen ehrenamtlich tätigen jungen Menschen. Wir haben im Zuge der Europawahl die Kampagne “jung und wählerisch” ins Leben gerufen und viele Projekte am Laufen.
    Unter anderem gibt es einen von uns erstellten EUROMAT, ein Wahlhilfetool wie der Wahl-O-Mat, aber auf europäischer Ebene – wir haben also die europäischen Parteien für die Beantwortung unserer Thesen angeschrieben. Den EUROMAT findet man auf http://www.euromat.info und es gibt ihn in verschiedenen Sprachen sowie in verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten geschaltet.
    Wir als Polis180 würden uns sehr sehr freuen, wenn ihr das Tool einfach mal ausprobieren und dann in der nächsten Podcast Folge empfehlen würdet (falls ihr die Idee und Umsetzung gut findet).

    Wir freuen uns auf Feedback und danke schon mal!
    Viktoria

  24. Hallo, welchen Podcastplayer nutzt Ihr für Android? Bei meinem Podcast Republic geht weder das Kapitelbild noch der Kapitelsprung.
    Danke vorab!

  25. Stichwort Europaweite Mediathek:

    Erstmal ein großes Lob an Euch beide. Der Podcast ist immer wieder sehr interessant und informative.
    In Eurer letzten Sendung habt Ihr abgesprochen das es so etwas wie eine europäische Mediathek geben sollte. Es wäre schon ein erster Schritt, wenn man die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen könnte um Beiträge und Sendungen nationaler Mediatheken, wie zum Beispiel die von ARD und ZDF auch im europäischen Ausland aufrufen könnte. Ich lebte lange Zeit in Finnland und bin seit letztem Jahr wieder In Deutschland, übrigens seit dem Fan Eurer Sendung. Um mich informative auf dem Laufenden zu halten beziehungsweise, um nicht die Sprache zu vergessen rufe ich das Medienportal der dortigen öffentlich-rechtlichen Anstalt, namens YLE auf. Leider ist es so, dass dies nur über eine VPN Verbindung geht, womit ich mich rechtlich zu mindestens in der Grauzone bewege.
    Ich denke das es recht viele Menschen gibt, die in einem anderen europäischen Land leben oder auch nur Urlaub machen sich gerne über Geschehnisse im Heimatland informieren möchten. Es müsste doch problemlos möglich sein, ähnlich wie beim Mobilfunk Rooming eine derartige Lösung zu finden.

  26. Betrifft: Biodiversität

    Lieber Ulf, lieber Philip,
    ich bin schon nun seit einiger Zeit voller Begeisterung stiller Hörer und freue mich über eure schöne Mischung aus Vorkauen und Raum zum selber nachdenken lassen. Ich merke das immer daran, dass bei Themen, in denen ich nicht so bewandert bin (vor allem Internetsicherheit, juristische Rahmen und Prozesse) ich nach dem Hören das Gefühl von einem durchdringenden Verständnis habe, während ich als Geographiestudent hin und wieder denke: Na, das war jetzt aber ein bisschen Stammtisch!
    So ging es mir auch bei dieser Folge, nur sehe ich das nicht als Grund zur Ärgernis sondern als Impuls, selbst einmal aktiv zu werden. Heute ging es mir dabei vor allem um euren Kommentar zum Thema Stadtentwicklung und Biodiversität.
    Wie ihr dabei richtig festgestellt habt, ist das weltweite Voranschreiten von Zivilisationsspuren einer der größten Probleme für den Erhalt von Artenvielfalt – die Natur wird zurückgedrängt. Das Problem dabei ist nur, dass die Gleichung viel Mensch = wenig Natur nicht aufgeht. Mittlerweile ist es sogar so, dass durch den hohen Einsatz von Pestiziden (Pest = Tod/töten, https://de.wikipedia.org/wiki/Pestizid) in der „konventionellen“ Landwirtschaft sehr viele Stadtgebiete eine weitaus größere Artenvielfalt bieten als monokulturelle Land- oder Forstwirtschaft. Da bereits seit geraumer Zeit der weltweite Trend zum Leben in der Stadt nicht mehr aufzuhalten scheint, gilt es meiner Meinung nach nicht nur die (sehr berechtigte) Frage zu stellen: wie können wir das Ausgreifen des Siedlungsgebietes in die Landschaft verhindern?, sondern: wie kann die Stadt noch mehr ein Lebensraum für Tiere werden? Dachbegrünung, städtisches Gärtnern (mit einer starken Einschränkung von Dünger und Pestiziden für den privaten Gebrauch) und städtisches Imkern (https://www.br.de/themen/wissen/bienen-stadt-imker-biene-bienensterben-100.html), wie es bereits vielerorts Praxis ist, können Teil einer Antwort sein.
    In der Sendung kamt ihr dann auf Verdichtung und Neubaugebiete in Berlin zu sprechen. Ich stehe vollkommen auf eurer Seite, wenn es um die Nachverdichtung bei Parkplatzflächen geht. Das wird aber der Herausforderung, jedem Jahr ca. 50.000 Neuberlinern (https://de.wikipedia.org/wiki/Bev%C3%B6lkerung_Berlins#Bevölkerungsprognosen) bezahlbaren Wohnraum zu organisieren, nicht gerecht.

    Das ist jetzt vielleicht ein sehr kleiner Aspekt der Folge gewesen und wird meiner Anerkennung für eure Arbeit nicht gerecht. Aber nur mit Lob ist euch schließlich auch nicht geholfen.

  27. Eine Idee zum Thema EU-Wahl auch ausländischer Kandidaten: Um den Wählern die Auswahl zu erleichtern, könnte die EU eine Webseite zu jedem Kandidaten mit Infos und zB einem zwei-minütigen Video mit Untertiteln einrichten.

  28. In einem Nebensatz zum Thema Biodiversität fiel die Aussage, dass Biolandwirtschaft ökologischer sei als konventielle Landwirtschaft. Das Thema ist nicht so einfach wie man es erwartet. Dazu gab es kürzlich eine Sendung im Deutschlandradio zu (Wissenschaft im Brennpunkt: https://www.deutschlandfunk.de/streit-um-den-richtigen-biolandbau-ganz-natuerlich-oder.740.de.html?dram:article_id=445962 )
    Z.B. ist die Klimabilanz der Biolandwirtschaft nicht besser als die konventioneller Landwirtschaft (gemessen an KG Ertrag). Das liegt vor allem daran, dass Bio mehr Fläche benötigt, die man auch der Natur überlassen könnte.
    Sehr interessanter Beitrag, kann ich jedem nur empfehlen. Beleuchtet auch sehr schön die Probleme, die Biobauern haben und was der Einzug der Discounter im Biobereich bedeutet.

  29. 13. Mai 2019 um 12:31 Uhr
    Stephan Hofacker

    Zur Biodiversität bzw. zum Flächenverbrauch:
    Daniel Fuhrhop hat dazu eine sehr lesenswerte Streitschrift verfasst:
    http://www.verbietet-das-bauen.de (https://www.oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/verbietet-das-bauen.html)

  30. Zum Thema Arte: es gibt meistens Untertitel in anderen Sprachen (zusätzlich zu deutsch/französisch); dies könnte man tatsächlich vertiefen

  31. Der Kapitalismus kann und wird den Klimawandel nicht lösen und das Artensterben nicht verhindern. Was wirtschaftlich betrachtet “rational” ist (Reduktion der Fixkosten pro Produkt durch massive Erhöhung der Prduktionsmenge), steht im Gegensatz zu wirksamen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels.

    Anderes Thema. Die Brexit-Party kommt in Umfragen auf mehr Stimmen als Labour und Tories zusammen:
    https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-05/europawahl-brexit-party-nigel-farage-grossbritannien

    Jetzt rächt es sich, dass sich Macron nicht gegenüber Merkel durchgesetzt hat und die EU-Feinde die Chance haben im großen Stil ins EU-Parlament einzuziehen und die EU von innen zu zerstören. Es wäre besser gewesen wenn die Briten die EU am 12. April verlassen hätten. Als ein Gegner der Brexit-Verschiebung hätte ich gerne Unrecht gehabt.

    • > Der Kapitalismus kann und wird den Klimawandel nicht lösen und das Artensterben nicht verhindern.

      Ich war auch etwas verwundert, dass im Podcast die Demokratie als Ursache für wenig “Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein” hingestellt wird, und nicht der Kapitalismus. Im weiteren verlauf wird zwar dann der Kapitalismus angesprochen, aber für mich hat es den Anschein dass Kapitalismus und Demokratie als ein und dasselbe angesehen wird. Dabei ist sicherlich auch eine Demokratie ohne Kapitalismus vorstellbar, ebenso wie Kapitalismus in, sagen wir mal, einer Diktatur.

      • Ich müsste nochmal nachhören, aber ich hatte es so verstanden, dass eine Demokratie mglw. nicht wirksam genug eine nachhaltige und umweltbewusste Linie durchsetzen kann (mglw. gerade jetzt kurz vor einer anrollenden Katastrophe). Dass Demokratie die Ursache der Umweltprobleme sei, war m. E. nicht gemeint.

    • Der Kapitalismus = Reduktion der Fixkosten/ Menge durch Erhöhung der Menge.

      Solch eine Blödsinns-Definition habe ich ja noch nie gehört.

      Das Wirtschaftsverständnis des Westens (ich verwende absichtlich nicht den völlig abstrakten und inhaltsleeren Begriff Kapitalismus) beruht auf der Maximierung des individuellen Nutzens. Was diesen maximiert bestimmen die individuellen Präferenzen. Diese sind aber nicht fix sondern variabel.

      Firmen maximieren ihren Gewinn. Dieser wird aber durch Preis und Menge bestimmt. Solange es keine Kartelle und Monopole gibt, haben Konsumenten darauf massiven Einfluss.

      Ändert sich die Präferenz, ändert sich der Nutzen, ändert sich die Nachfrage…
      Darüber lässt sich auch ein Externalitäten-Problem lösen wie es die Umweltverschmutzung und der Klimawandel es sind.

      Übrigens die Summe der Individual-Interessen ist auch das Grundprinzip der Demokratie. Insofern, ja Kapitalismus und Demokratie sind grundlegend miteinander verflochten.

      • Das ist keine Blödsinns-Definition, sondern einfache Deckungsbeitragsrechnung.

        Einfaches Beispiel: Ich zahle für eine Fabrik 1 Mio. Euro Miete pro Monat und produziere Güter für 10 Millionen Euro. Dann muss ich 10% an Fixkosten auf diese Güter draufschlagen. Würde ich Güter im Wert von 100 Millionen Euro produzieren, dann wären es nur 1%.

        Es ergibt wirtschaftlich Sinn die Produktionsmenge zu erhöhen. Auch wenn es ökologisch gesehen sicher fragwürdig ist so viel Fleisch zu produzieren wie wir es tun. Kleine Länder wie Griechenland können da nicht mithalten und müssen unsere Waren importieren, weil das immer noch günstiger ist als sie selber herzustellen.

        • Ich bezweifle nicht die Existenz von Skalenerträgen an. Wenn aber unsere gesamte Wirtschaft nur aus Skalenerträgen bestünde, dann erkläre doch einmal die Existenz von kleinen Bio-Markt um die Ecke. Die Welt ist denen nicht eindimensional auf den Preis beschränkt (die Deutsche Autoindustrie wäre übrigens auch mit dieser Kapitalismus-Definition non-existent…).

          Zu der Begrifflichkeit wirtschaftlich und ökologisch: Nein, die aktuelle Fleischproduktion ist ökonomisch auch nicht sinnvoll, betriebswirtschaftlich jedoch schon, da die entstanden sozialen Kosten (z.b. klimaschaden) von der Gesellschaft getragen werden und nicht vom Betrieb. Auf der Nachfrage-Seite das gleiche Problem: Kollektiv-rational ist es den Konsum zu verringern, individual-rational womöglich nicht, da kein spürbarer Einfluss auf Gesamtkonsum durch den einzelnen vorhanden ist. (Meine Erfahrung zeigt leider, dass diese Erklärung selten von Nicht-Ökonomen verstanden wird). Diese Problematik basiert auf Externalitäten (googeln Sie mal Problem der Allmende). Hier setzt übrigens die CO2 Steuer an.

          Final zu Ihrem vollkommen Unverständnis von Produktion und Produktionsvorteilen. Handel basiert auf dem Prinzip des komparativen Vorteils. Die Größe der Länder ist dabei völlig irrelevant, es geht lediglich um die relative Produktivität. Griechenland ist ein relativ karges Land. Es ist für Griechenland relativ teuer Fleisch zu produzieren. Stattdessen produzieren sie bspw. Ziegenkäse. Deutschland mag auch in der Produktion von Ziegenkäse einen absoluten Vorteil haben (Können womöglich auch günstiger Ziegenkäse produzieren), es ist jedoch sinnvoll für Deutschland Fleisch zu produzieren und Ziegenkäse zu importieren, weil der Verzicht auf die Produktion von Fleisch für die Produktion von Ziegenkäse teurer ist als für Griechenland. Griechenland importiert stattdessen Fleisch und produziert ziegenkäse.

          Nochmal, die reale Welt sieht anders aus, weil sie eben nicht eindimensional ist. Deshalb ist aber auch die eindimensionale Definition von Kapitalismus vollkommener Humbug.

          Leider werden Debatten über ökonomische Zusammenhänge heute wie Debatten übers Impfen geführt. Es geht mehr um das Gefühl als um fundiertes Wissen und Verständnis. Außerdem muss ja jeder wirtschaftliche Entscheidungen treffen, daher ist auch jeder plötzlich Experte in ökonomischen Fragestellungen.

          Also Tod dem Neoliberalismus, Tod dem Kapitalismus, es lebe die totalitäre Emotionalität!

        • Leider begreifen Sie wie 90% aller Deutschen nicht, dass die Probleme der anderen EU-Länder nicht alle hausgemacht sind, sondern Deutschland mit seiner starken Exportwirtschaft durchaus einen Anteil an den sozialen Problemen in Europa hat. Natürlich hat Deutschland bei Hochtechnologie komparative Vorteile, aber wenn selbst die Produktion von Fleisch in Deutschland viel günstiger ist liegt das nicht an den weniger kargen Landschaften, sondern an den ausgebeuteten Osteuropäern in deutschen Fleischfabriken. Nicht unsere Hochtechnologie hat uns vom “kranken Mann Europas” zum “Exportweltmeister” gemacht, sondern der größte Niedriglohnsektor der westlichen Welt. Das ist unserer komparativer Vorteil. Es gibt sogar Firmenchefs die sich öffentlich damit gebrüstet haben, dass sie mit 1-Euro-Jobbern günstiger als in China produzieren können.

      • Vorsicht, Vorsicht!
        Was du hier über wirtschaftliche Zusammenhänge schreibst sind die Textbuch-Theorien. Da wird von einigen wesentlichen Grundannahmen ausgegangen die in der Realität alles andere als erfüllt sind.
        Der Markt versagt nicht nur aufgrund von Marktmacht auf der Anbieterseite oder Nachfragerseite. Er versagt auch aufgrund von fehlender Information, strategischer sich wiederholender Markt-Geschehnisse, nicht eingepreister externer Effekte und unterschiedlicher Freiheitsgrade der Beteiligten. Und jedes Einzelne Abräumen eines Markthemmnisses hat noch lange nicht sicher eine Verbesserung der marktwirtschaftlichen Funktionsweise zur Folge.
        Natürlich könnten auch alle Menschen höhere Präferenzen für eine allgemeine saubere Umwelt auf dem Planeten entwickeln. Wenn es jedoch um kurzfristiges Vergnügen geht habe ich meine Zweifel ob das jemals Mehrheits-Interesse wird. Ein Vergleich: vor der Gurtpflicht haben sich die wenigsten Menschen im Auto angeschnallt auch wenn sie wussten dass das ihr Todes-Risiko im Autovehrkehr drastrisch reduziert. Als das damals eingeführt wurde war das ein “Angriff auf die individuelle Freiheit des Menschen”. Die positiven Folgen zeigen aber dass dieser Eingriff wichtig und richtig war.

  32. Liebes Team von Lage der Nation,
    danke für die Sendung, ich höre euren Podcast immer sehr gerne! Ich hatte nicht die Zeit, alle Kommentare zu lesen, also entschuldigt bitte eventuelle Dopplungen.
    Ich habe den Beitrag zur Biodiversität als unvollständig empfunden. Ich möchte gerne darauf eingehen, was man selber tun kann.
    Schade fand ich, dass ihr das Thema Fleischkonsum nur kurz und unvollständig angeschnitten habt. Ihr habt selber darauf hingewiesen, dass ein großer Teil der Regenwälder für die Tierfutterindustrie abgeholzt wird (was stimmt). Die Folge dessen kann nicht nur sein, dass man nur noch Bio-Fleisch kauft, vielmehr muss sich der Konsum von Fleisch als solcher erheblich reduzieren. Die Menge an Fleisch, die derzeit konsumiert wird, kann nicht auf nachhaltige Weise produziert werden, da alle diese Tiere zur Zucht gefüttert werden müssen. Es gibt viele Menschen in Deutschland, die jeden Tag, wenn nicht mehrmals täglich, Fleisch essen (pro Jahr ca 60 kg pro Kopf). Auch generell müssen weniger Tierprodukte gegessen werden, da auch in dieser Industrie extrem viele Emissionen entstehen. Ich finde, das hättet ihr klar benennen können. Zumal sich auch nicht jeder Bio-Fleisch leisten kann, fand ich diesen Hinweis etwas schwach und zu kurz gegriffen.
    Ansonsten glaube ich auch, dass die Umweltkosten viel stärker eingepreist werden müssen. Zur Zeit ist es ja so, dass zwar zunächst alles sehr günstig ist, später aber extreme Kosten für den Umweltschutz anfallen, um das rückgängig zu machen, was wir durch unsere Lebensweise zerstört haben. Umweltschädliche Produkte sind zu günstig, weil die Umweltkosten eben nicht eingepreist werden. Das ist langfristig gesehen aber sehr unökonomisch, weil die Kosten nicht vermieden, sondern verschoben werden. Ich glaube also, es ist Zeit, dass wir darüber nachdenken, wie wir dem Verhältnis von Ökologie und Ökonomie gerecht werden können, diese befinden sich nämlich nicht in einem Widerspruch. Konkret betrachtet wäre das zum Beispiel die Umsetzung von einer CO2-Steuer (die ihr ja auch schon einmal behandelt habt).
    Außerdem glaube ich, dass wir eine Umstrukturierung der Landwirtschaft brauchen zu einer, die die natürlichen Prozesse wertschätzt und nutzt. Man braucht viele Pestizide nicht, wenn man den Boden richtig nutzt (dazu Hinweis auf den Podcast “Landwirtschaft und ihre Folgen” vom WDR). Über die Landwirtschaft wird so wenig gesprochen, dabei rotten wir durch diese gerade Unmengen von Insekten in Deutschland aus.
    Ich weiß nicht, ob dazu etwas im Bericht steht, aber ich denke, dass auch der Plastikmüll in den Meeren sich negativ auf die Artenvielfalt auswirkt. Das Thema Plastik-Vermeidung und was passiert eigentlich mit unserem Müll, ist also auch damit verknüpft. Das ist zudem ein Bereich, in dem jeder an sich selber arbeiten kann.
    Liebe Grüße

  33. 13. Mai 2019 um 8:16 Uhr
    Andreas Linkamp

    Hallo Ulf und Philip,

    zum Thema Biodiversität für Interessierte hier noch eine Podcast-Empfehlung zu Permakultur des DLF:
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/naturnahe-landwirtschaft-wie-zukunftsfaehig-ist-das-konzept.976.de.html?dram:article_id=447555
    Was jeder selbst tun kann: wie oben schon mehrmals erwähnt ist natürlich die Reduktion von Fleischkonsum und Obst oder Gemüse vom anderen Ende der Welt der einfachste Part, seinen Beitrag zu leisten. Wobei das natürlich mehr zum Thema Klima grundsätzlich als spezifisch zur Biodiversität ist. Aber auch dazu gibt es einfache Möglichkeiten: Das Thema urbanes Gärtnern ist in den letzten Jahren immer größer geworden. Bei uns in Dortmund gibt es eine Reihe urbane Gärtnerprojekte, z.B. den Westgarten.
    Das gute an solchen Projekten:
    Meistens wird der Garten von einer Gruppe bestellt, man ist also nicht gezwungen, die Verantwortung für einen Garten alleine zu tragen, das hilft natürlich immens das Ganze am Laufen zu halten und gleichzeitig immer neue Mitstreiter zu finden.
    Wenn man selbst Hand anlegt wird der Garten in der Regel auch zumindest ökologisch bestellt, wenn nicht sogar nach Permakultur. Das hilft natürlich der Biodiversität, ein bisschen Bienenwiese hier, vllt. ein paar Bienenhäuser da und vor allem eben keine Monokultur (Stichwort gute Nachbarn/schlechte Nachbarn).
    Ganz nebenbei werden auch durch jede Möhre die man selbst aus seinem Garten holt die Transportwege von Gemüse reduziert.
    Dadurch lässt sich das große Ganze Problem auch nicht komplett lösen, aber wie so oft muss einfach ein Umdenken stattfinden und die Erhaltung der Biodiversität kann nicht mit einer Maßnahme gelöst werden, sondern man muss an allen Ecken (vor allen den einfachen) ökologisches Verhalten etablieren.

    Da man sehr viele Menschen heute leider nur dadurch zu einem “Umdenken” bekommt, indem man Ihnen ans Geld geht, denke ich, dass im großen Maßstab ein Umschwenken auf wirklich nachhaltige Landwirtschaft nur durch eine wie auch immer geartete Bepreisung von nicht nachhaltiger (“konventioneller”) Landwirtschaft oder eben eine Förderung nachhaltiger Bewirtschaftung erreicht wird. Ganz konkret wäre es sicherlich sinnvoll, die Unmengen an Agrarsubventionen der EU (6 Milliarden €(?)) nicht mit der Gieskanne sondern viel gezielter an nachhaltige Landwirtschaft zu verteilen. Ohne wirtschaftliche Anreize scheint es ja heute leider nicht zu funktionieren.

    Auch wenn sich Permakultur ökonomisch vergleichbar zu “konventioneller” Landwirtschaft auszahlen kann (Quelle:Podcast von oben), wird so eine flächendeckende Umstellung möglicherweise kurzfristig zu Preissteigerungen führen, wie oben schon jemand anmerkte. Das zeigt aber doch vor allem wie eng verwoben die großen Fragen von heute (soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Biodiversität, …) miteinander verwoben sind.

  34. Erstmal vielen Dank für euren phänomenalen Podcast, den ich immer wieder sehr gerne höre, meist beim Indoor Radtraining. Heute habe ich mal einen Themenvorschlag. Auch wenn davon “nur” eine Minderheit unmittelbar betroffen ist, sind die Vorgänge um die geplante Reformation des Transsexuellengesetzes doch sehr interessant. Das scheint auch im Zusammenhang damit zu stehen, dass einige Trans*Personen vom neuen Personenstandsrecht Gebrauch gemacht haben, nach dem ja mit einem ärztlichen Attest über eine “Variante der Geschlechtsentwicklung” die Personenstandsänderung in “divers” (oder “männlich”, “weiblich”, oder offen lassen) sowie die Änderung des Vornamens beim Standesamt relativ einfach möglich ist. Die Alternative, also der Weg über das TSG, ist wesentlich aufwändiger, kostspieliger und langwieriger, außerdem bezieht sich das TSG überhaupt nicht auf nicht-binäre Trans*Personen (die sich also weder männlich noch weiblich identifizieren, entweder irgendwo dazwischen oder ganz außerhalb), die ca. 35% der Trans*Personen ausmachen (jedenfalls in den USA). Das Bundesinnenministerium und Heimat Horst haben mit der Nutzung dieses Weges durch Trans*Personen anscheinend ein massives Problem. Während Trans*Personen im Gesetzestext nicht explizit ausgeschlossen werden und der Begriff der “Variante der Geschlechtsentwicklung” nicht genau definiert wird. Ich habe euch mal ein paar Quellen zusammengesucht und fände es super spannend, 1. eure Einschätzung zu diesem Thema zu hören, und 2. das Thema bekannter zu machen. Vielleicht findet ihr es ja interessant genug um mal in der Lage darüber zu berichten.

    Herzliche Grüße und nochmals vielen Dank für eure tolle Arbeit! :)
    Momo Grace

    Quellen:

    Bericht im Tagesspiegel zur TSG Reform:
    https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/geschlechtseintrag-gesetz-fuer-transsexuelle-soll-reformiert-werden/24322112.html

    Bericht im Freitag zur TGS Reform:
    https://www.freitag.de/autoren/elisanowak/ein-altes-gesetz-in-neuer-verpackung?

    Gesetzesentwurf, veröffentlichf auf BuzzFeed:
    https://www.buzzfeed.com/de/julianeloeffler/gesetzentwurf-transsexuellengesetz-tsg-reform-kritik

    Stellungnahme der Antidiskriminierungsstelle des Bundes:
    https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Aktuelles/DE/2019/20190510_TSG_Reform.html

    Stellungnahme von Trans Recht e.V.:
    https://trans-recht.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/05/2019-05_Stellungnahme_Trans-Recht_Final.pdf

    Stellungnahme von TransInterQueer(TrIQ) e.V.:
    http://www.transinterqueer.org/wp-content/uploads/TrIQ-Stellungnahme-Referentenentwurf-v.-08_05_2019.pdf

    Tagesspiegel zum neuen Personenstandsrecht:
    https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/dritte-geschlechtsoption-nur-wenige-in-berlin-waehlen-divers-als-personenstand/24236252.html

    LSVD Ratgeber zur Nutzung des neuen Personenstandsrechtes, mit juristischen Aspekten:
    https://www.lsvd.de/recht/ratgeber/intersexuelle/ratgeber-fuer-inter-und-transgeschlechtliche-menschen.html

  35. 12. Mai 2019 um 19:13 Uhr
    Anne Herbermann

    Stichwort EU in den Medien

    Ich finde Eure Ideen schön. EIn Anfang wäre ja schon gemacht, wenn die jetzigen “Leitmedien” (tagesschau / heute ) in nur annähernder Häufigkeit und Ausführlichkeit über EU-Institutionen/Debatten etc. berichten würden wie über deutsche/nationale Politik. In Sitzungswochen des BT gibt es fast in jeder Nachrichten Sendung einen kurzen Block zur Debatte. Dies könnte viel häufiger auch über EP-Debatten erfolgen (und nicht nur gut versteckt 1 x Woche Sonntags im Europamagazin Und auch WIE über europäische Politik berichtet wird: häufig wird nicht dargelegt, welche Parteien im EP wie abstimmen. Dann heißt es nur: das EP hat beschlossen … (siehe bspw. Bericht der ARD über Uploadfilter)

    • Auch ich finde die Idee einer europäischen Medienanstalt grandios! Lasst uns da was lostreten, wir brauchen europäische Diskurse!
      Mir ist völlig unverständlich warum es da nicht mehr gibt. Die ganze Unterhaltungs-Medienlandschaft ist so national, das ist echt traurig. Wenn Ausland dann doch in 90% der Fälle USA.
      Nebenbemerkung: es gab mal in den 90ern eine Zeitung “The European”, die ich damals eine Zeit lang abonniert hatte (https://de.wikipedia.org/wiki/The_European_(Zeitung)). Der Misserfolg war wohl auch damals schon der Sprachenvielfalt geschuldet.

    • Ich finde europäische Medien auch eine gute Idee. Allerdings scheint mir das noch ein weiter Weg.
      Wie wäre es, wenn die Lage der Nation gelegentlich zur Lage der EU würde?
      Indem ihr z.B. mit Podcaster aus anderen Ländern redet.
      Die könnten dann die Lage aus ihrer Sicht beschreiben und umgekehrt.
      Jetzt habe ich z.B. die böse Ahnung in einer deutschen Filterblase zu leben:
      Die Umfragen sagen etwa 19% für die Grünen und 2% für die Partei voraus – nicht schlecht.
      Aber in Frankreich oder GB sieht es wohl ganz anders aus.
      Vielen Dank und viele Grüße

  36. Liebe Lage,
    vielen Dank für die – wie immer – spannende und informative Folge! Ich höre euch wirklich immer gerne zu. Wirklich großes Lob und vielen Dank für Eure tolle Arbeit.

    Ihr hattet ja danach gefragt, wie wir versuchen, Biodiversität zu schützen. Was ich mich im Zusammenhang mit solchen (ökologischen) Nachhaltigkeitsfragen – egal ob Biodiversität, Klimawandel, Bodendegradation oder Emissionsreduktion – immer frage, ist, warum das Thema Ernährung so selten öffentlich-gesellschaftlich und politisch diskutiert wird.
    Es ist nun wirklich kein Geheimnis, dass die industrielle Viehwirtschaft enorme Emissionen verbraucht. UN-Angaben zufolge rund 15% (http://www.taz.de/!5522650/) Außerdem hat die industrielle Milch- und Viehwirtschaft noch ganz andere negative Auswirkung auf Klima und Natur, die ihr ja auch angesprochen habt. Der massive Anbau von Soja als Tierfutter ist das extreme Gegenbeispiel zu einer Landwirtschaft, die Biodiversität schützen sollte. Die Rodung von (Regen-)Wäldern, um Flächen zu eben jenem Sojaanbau frei zu machen, nimmt nicht nur Lebensraum von Tieren und Pflanzen (da ist er wieder der Biodiversitätskiller), sondern vernichtet auch einen gigantischen natürlichen Emissionsspeicher bei gleichzeitig Freilassung von CO2. Eine Studie des IATP (https://www.iatp.org/emissions-impossible#appendix%20and%20datasets) vom Juli letzten Jahres zeigt den Zusammenhang zwischen industrieller Viehwirtschaft, Emissionen und Klimaerwärmung. Die industrielle Viehwirtschaft trägt zur Klimaerwärmung bei. Und das nicht nur mit Kuhfurzen, die wohl in jeder Debatte für Amüsement der Beteiligten sorgen. Es steckt viel mehr dahinter. Ein Kilogramm frisches Schweinefleisch emittiert laut Bundesumweltministerium 3,25 Kilogramm CO2. Ein Kilogramm tiefgekühltes Rindfleisch 14,34 Kilogramm. 26,6 Millionen Tonnen CO2 – das ist der ökologische Fußabdruck Deutschlands im Jahr 2016 für den Verzehr von Fleisch. (https://www.agrarheute.com/tier/faktencheck-so-klimaschaedlich-fleisch-wirklich-542531) 80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächennutzung werden für die Viehproduktion und den Futtermittelanbau verwendet. Dass daraus ein Verteilungsproblem erwächst, welches mit einer (größtenteils) pflanzlichen Ernährung behoben werden könnte, bei der Frage, wie wir zukünftig weltweit alle Menschen versorgen, ist offensichtlich. Das alles ist schon lange kein Geheimnis. Die UN stufte 2008 die industrielle Viehwirtschaft als eine der größten Ursachen der globalen Umweltprobleme ein.
    Und trotzdem werden Vegetarier und vor allem Veganer in der Gesellschaft größtenteils belächelt. Radikal, hipper Trend, missionarisch, aufmerksamkeitssuchend – das sind Attribute, die dieser Gruppe oft zugeschrieben werden. Mag sein, dass es auch auf manche zutrifft, aber die Mehrheit ernährt sich nicht vegan, um ganz besonders individuell zu sein und sich von den anderen abzugrenzen. Viele mögen den Geschmack von Fleisch und Käse, aber haben verstanden, dass die industrielle Viehwirtschaft nicht nur unmoralisch und ausbeuterisch ist, sondern eben auch ein Klimakiller.
    Wenn versucht wird, das Problem der Emissionsreduktion zu lösen, um unsere Klimaziele zu erreichen, dann stehen politisch meist nur zwei Punkte auf der Agenda: Mobilität und Energie. Klar, Energiewende ist wichtig. Und im Bereich Mobilität ist sicherlich technologisch viel Potential und jede*r von uns kann sich auf das Rad schwingen, anstatt sich ins Auto zu setzen und die Bahn nehmen anstatt zu fliegen. Unterstütze ich alles. Aber warum wird das Thema Ernährung so gut wie nie angesprochen? Ich persönlich habe noch keine einzige sachliche politische Diskussion über Vegane Lebensweise gehört. Selbst Umwelt-NGOs setzen das Thema nicht auf ihre Top-List. Warum? Ist es die Fleischlobby, die ihren Einfluss spielen lässt? Oder ist das Thema so sensibel und privat, dass sich Politik nicht darum kümmern sollte? Dass der Staat seinen BügerInnen nicht vorschreiben sollte, wie sie sich zu ernähren haben und dass gesetzlich niemand dazu gezwungen werden kann und soll, vegetarisch oder vegan zu leben, ist klar. Aber eine ernsthafte öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema, halte ich für sehr sinnvoll. Vielen ist der Zusammenhang zwischen Ernährung und Emissionen nicht klar. Klimaschutz fängt auf dem Teller an. Dass sich der Großteil der Bevölkerung durch eine solche Auseinandersetzung angegriffen fühlen würde, ist verständlich. Aber unangenehmen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen, ist sicherlich keine bessere Lösung. Ich halte es für enorm wichtig, dass sich jede/r seiner/ihrer eigenen Verantwortung bewusst wird. Wie anschließend damit umgegangen und zukünftig gehandelt wird, ist jedem selbst überlassen. Doch das Thema braucht Zuwendung und Aufklärung.

    • Luise, ich stimme dir vollkommen zu – die Zahlen zum Energieverbrauch von Fleisch im Gegensatz zu pflanzlicher Ernährung müssten deutlich mehr publik gemacht werden, die haben mich auch immer wieder bekräftigt, dass es wahnsinnig ineffizient ist, viele Kilo Futter zu verfüttern bis am Ende ein stück Fleisch vom Mensch verzehrt wird. Wo ich kürzlich überrascht war, war aber, dass ein noch größeres Potential (das darf sich aber natürich gerne ergänzen…) darin liegt, das produzierte Essen erstmal zu essen… Auf watson.de (https://www.watson.de/amp/!561321456) findet man eine priorisierte Liste von Maßnahmen, und deren CO2-Einsparungspotenial. Sind viele Unsicherheitsfaktoren drin, aber die Top-Maßnahme ist, die Menge des produzierten und dann weggeworfenen Essen zu verringern (pflanzliche Ernährung folgt schon auf Platz 4, Bildung für Mädchen auf Platz 6). 50% Reduktion zwischen 2020 und 2030 entsprächen 82,1 Mal (!!) der Belastung des gesamten weltweiten Flugverkehrs pro Jahr (!!). In diesem Zusammenhang würde ich gerne auf Foodsharing (https://foodsharing.de/) verweisen – Ziel von selbsternannten Foodsavern und -sharern ist es, Essen vor dem Wegwerfen zu retten. Nicht als Alternative zu den Tafeln oder auch dem reduzierten Verkauf von alter Ware, sondern um vor allem im Kleinen z.B. aus einer Packung Äpfel den einen Halben auszusortieren, und somit den Rest zu erhalten. Kleinvieh macht auch Mist! Wobei aber auch Ziel muss es sein, auch in Deutschland ein Gesetz wie das Gesetz zur Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung in Frankreich (von 2016, viele Detailinfos hier: https://www.bundestag.de/resource/blob/568808/21ec9f0fbd1bce3c48c063f24498428e/wd-5-095-18-pdf-data.pdf) zu beschließen, das es unter Strafe stellt, Lebensmittel einfach so abzuschreiben und viel mehr fördert, Reste zu spenden und somit das ganze auf ein ganz anderes, höheres Niveau zu bringen. Aktuell werden Einzelpersonen von Supermärkten ja leider immer noch erfolgreich verklagt.. ( https://www.sueddeutsche.de/muenchen/fuerstenfeldbruck/motive-und-reaktion-es-muss-ja-nicht-containern-sein-1.4316245)

    • Auch ich bin euch beiden sehr dankbar für euren Podcast. Weiter so!

      Ich kann Luise hier in allen Punkten nur zustimmen. Ich finde es immer wieder überraschend, dass in Diskussionen über Biodiversitätsverlust und andere Umweltproblematiken der Konsum tierischer Produkte weitestgehend übergangen wird. Wenn als Hauptursachen des Biodiversitätsverlustes der Verlust von Lebensräumen durch die Abholzung von Wäldern für Weideflächen und Futtermittelanbau sowie die Überfischung der Meere genannt werden, zwingt sich doch der Verzicht auf tierische Produkte als Lösungsansatz gar auf.
      Durch tierische Landwirtschaft wird vielleicht nicht die Zahl der Tiere weltweit reduziert – über 60 Milliarden Landtiere werden jährlich geschlachtet [1]; den Menschen ausgenommen machen Nutztiere 94 % aller Säugetiere auf diesem Planeten aus [2] –, auf ihre Vielfalt wirkt sie sich aber allemal aus. Holgers Videoempfehlung von Kurzgesagt kann ich diesbezüglich nur unterstützen, auch wenn ich dessen abschließende Empfehlung eines fleischfreien Tages pro Woche als relativ ineffektiv einschätzen würde [3].
      Wenn es um Fischfang geht, werden Fangmengen aufgrund ihrer schieren Höhe häufig nicht mehr in Tieren, sondern in Tonnen angegeben. Berechnungen liegen bei 0,97 bis 2,7 Billionen Fischen [4]. Nicht nur der Fakt, dass 40 % der Fangmengen als Beifang unintendiert mitgefischt werden führt letzlich dazu, dass etwa 87 % der globalen Fischbestände überfischt oder an der Grenze der maximalen Ausbeutung sind [4].
      Eine vegane Ernährung sollte deshalb über eine ethische Erwägung hinaus eine reelle Erwägungsoption darstellen. Schließlich gibt es in Deutschland mehr und mehr Lebensmittelangebote in Restaurants und Supermärkten, die dies auch für vermeindliche Fleischliebhaber problemlos möglich machen.

      [1] Fleischatlas 2014. S. 19: https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/massentierhaltung/massentierhaltung_fleischatlas_2014.pdf
      [2] https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/jedes-zweite-saeugetier-ist-ein-nutztier
      [3] https://www.youtube.com/watch?v=y6f3dwxexZM
      [4] https://albert-schweitzer-stiftung.de/fische-krebstiere/fische-wild

    • 14. Mai 2019 um 21:21 Uhr
      Patrick Huesmann

      Warum das Thema Ernährung so selten öffentlich-gesellschaftlich und politisch diskutiert wird?
      Ich glaube, die Antwort ist recht einfach:

      Seit der “Kontroverse” um den sog. “Veggie Day” ist das Thema politisch verbrannt. Die Grünen haben seitdem das Image der “Verbotspartei” an der Backe und werden es auch nicht so richtig wieder los.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Kontroverse_um_den_Veggietag#Verlauf_der_%C3%B6ffentlichen_Debatte
      http://www.stefan-niggemeier.de/blog/15982/veggie-day-wie-man-aus-alten-fleischabfaellen-der-bild-zeitung-nachrichten-macht/

  37. 12. Mai 2019 um 17:42 Uhr
    Anne Herbermann

    Biodiversität: Insketen
    Deutscher Wald: Ein Drittel der Fläche in Deutschland ist von Wald bedeckt! Häufig wird die Agrarwirtschaft und ihre Auswirkungen auf die Artenvielfalt (Pestizide, Mais-“Wüsten”, Sinn von Blühstreifen etc.pp. ) diskutiert. Das ist auch richtig! Aber vergessen werden Wälder. Nur 2-3% der Wälder in Deutschland sind naturbelassen. Die allermeisten Wälder werden wirtschaftlich genutzt und – ähnlich wie bei der Landwirtschaft – gibt es auch hier ökologisch orientierte und “konvetionelle” Bewirtschaftung. Probleme sind z.B. ein viel zu hoher Anteil an Nadelhölzern und sogenannte “aufgeräumte” Wälder ohne Totholz: 20.000 Arten von Tieren, Pflanzen und Pilzen lebt in Deutschlands Wäldern. Ein Drittel davon braucht totes Holz (Nahrung, Bau, Kinderstube etc.pp.)
    (Hintergrund Info: 700.000 Menschen in Deutchland verdienen Ihr Geld mit Holz. Jedes jahr werden 120 Milliarden in diesem Sektor umgesetzt.)
    Quelle: unter anderem Geo, Mai 2017, Seiten 28 ff.

  38. Zum Thema: Was kann der Einzelne tun, um dem Artensterben entgegenzuwirken.

    1.: Hübsch, dass ihr Biofleisch als Antwort aufzeigt ABER Biofleisch kann keine Lösung sein. Wir müssen generell unseren Konsum tierischer Produkte radikal reduzieren. Auf tierische Produkte zu verzichten (bzw. Den Konsum zu reduzieren) ist die wirksamste Möglichkeit des Einzelnen, seinen CO2-Abdruck zu reduzieren. Die Auswirkungen von Fleischkonsum auf die Umwelt sollte sich auch in der Besteuerung widerspiegeln. Hinzu kommt, dass Biofleisch natürlich ethischer und was die Regenwaldabholzung betrifft wohl auch ökologischer ABER die Haltung von Bio-Tieren benötigt andererseits deutlich mehr Fläche, insb auch Freiluftfläche. Weniger davon ist eigtl die einzig sinnvolle Lösung.

    2.: ich finde es bemerkenswert, dass beim Thema Klimaschutz immer wieder auf den Einzelnen und zwar auf den Bürger gezeigt wird. Die einzelne Person kann ihren CO2-Ausstoß nur begrenzt einschränken. Wenn wir immer nur auf den Einzelnen zeigen und dabei politisch ua nicht auf Insektenschutzmittel in der Landwirtschaft, den schlechten öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum, die Besteuerung von Umweltschädlichen Technologien etc. schaut, drehen wir weiter nicht an den Stellschrauben, die erhebliche Auswirkungen haben können. Ich mein, ganz ehrlich: Wie kann es weiter erlaubt sein, dass Autos mit 5L Motoren gebaut und verkauft werden, die dann mit 300 km/h über die Autobahn rasen ?! Wir zerstören um jeden Preis unseren eigenen Planeten und sind inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem es radikalere Lösungen als freiwillige Klimaziele braucht.

  39. Zum Thema Insektensterben.

    Eine Möglichkeit wäre es das Kommunen bzw Privatleute ihre Grünflächen nicht auf 3cm halten.
    Damit die Flächen nicht wie verwüstetes Land aussehen ist es möglich nur einmal mit dem Rasenmäher die Ränder zu mähen. Auf dieser Weise sieht der Rasen gepflegt aus und es ist Grünfläche für Insekten vorhanden.

  40. 12. Mai 2019 um 16:26 Uhr
    Andreas Hutfleß

    Liebe Lageristen, sah grad Lohninger, re;publica 2019, über 5G.

    Sehr desillusionierend.

    Nur ein Hinweis.

    Gruß

    H.

  41. Betrifft Artensterben:

    Was sowohl Kommunen aber auch Privatpersonen mit Garten machen können, ist Rasenflächen nicht aller zwei Wochen zu mähen und so den Lebensraum von Insekten systematisch zu zerstören. Und zwar ganze ohne viel Aufwand, quasi sogar mit weniger Aufwand. Warum das unter anderem auch für die Vögel wichtig ist, haben wir in einem kurzen Animationsfilm für das Projekt „Schmetterlingswiesen“ erklärt:
    https://vimeo.com/318166002

  42. Zunächst einmal ein großes Lob an die Herren Banse und Buermeyer! Bin letztes Jahr durch durch einen Kumpel auf euren Podcast gestoßen und hab seitdem keinen Podcast verpasst. Auch euer Umgang mit Kritik, sowie euer Bemühen um größtmögliche Transparenz ist vorbildlich, im Gegensatz zur großen Koalition, was ich mit meinem Kommentar aufzuzeigen versuche.

    Zum Thema Biodiversität:
    Ein Thema das (wie so viele andere) keine ernsthafte Beachtung durch die GroKo erfährt. Als Beleg seien zwei Abschnitte aus den letzten beiden Koalitionsverträgen genannt, die zugleich auch aufzeigen, dass die Spitzen der Union und der SPD ihre MitgliederInnen, bzw. die WählerInnen Deutschlands partiell für dumm verkaufen.

    Koalitionsvertrag 2013:
    „Gemäß der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie wollen wir die Flächenneuinanspruchnahme bis 2020 auf höchstens 30 ha pro Tag begrenzen. Wir werden unter anderem prüfen, wie wir sinnvolle Nutzungsmischungen in innerstädtischen Gebieten mit begrenztem Flächenpotenzial weiter fördern können.“

    Koalitionsvertrag 2018:
    „Unser Ziel ist, den Flächenverbrauch bis zum Jahr 2030 auf maximal 30 Hektar/Tag zu halbieren. Wir prüfen, mit welchen zusätzlichen planungsrechtlichen und ökonomischen Instrumenten das Ziel erreicht werden kann.“

    Die Jahreszahl hat sich einfach um zehn Jahre verschoben. Zugleich hat man die Sätze etwas umformuliert (statt „ha pro Tag“ verwendet man „Hektar/Tag“), damit diese Fehlleistung nicht allzu offensichtlich ist. Als hätten Guttenberg und Schavan ihre ganz persönliche Expertise im wissenschaftlichen Arbeiten mit einfließen lassen…

    Generell sind die Koalitionsverträge der merkelschen Ära mit einem orwellschen Neusprech durchzogen, dass einem die Ohren bluten. Als Beispiel dafür seien die inflationär gestiegene Anzahl der „Lücken“ erwähnt, die im Koalitionsvertrag 2018 zu finden sind; es gibt die Handlungslücke, Gerechtigkeitslücke, Schutzlücke, Entgeltlücke, Sicherheitslücke, Lücke in der Weiterbildung, Haftungslücke, die Strafbarkeitslücke, Regelungslücke und sogar die Fähigkeitslücke… hätten die Spitzenpolitiker der GroKo nur etwas Anstand und Mumm, würden sie es als das bezeichnen was es ist: Missstände, die noch dazu z.T. aus den eigenen Versäumnissen der vergangenen Jahre resultieren…

    Da es also heute nicht mehr selbstverständlich ist, nochmal der Lob an euch für euren vorbildlichen Umgang mit Kritik und für eure hervorragende Arbeit. Macht weiter so.
    Beste Grüße
    Carlo

  43. Bio-Fleisch ist leider noch schlechter für das Klima als normales Fleisch (gleiches gilt für Obst und Gemüse). Ich kann zu dem Thema die Videos von Kurzgesagt sehr empfehlen:
    https://www.youtube.com/watch?v=y6f3dwxexZM
    https://www.youtube.com/watch?v=KV1NVltMZjQ
    Die Videos sind gut recherchiert und alle Aussagen sind mit Quellen belegt, kann man in der Videobeschreibung finden.

    Wenn man also ernsthaft etwas für die Umwelt tun will, bleibt leider nichts anderes übrig als weniger Fleisch zu essen, oder einen größeren Anteil Huhn am Fleisch.

  44. zur Biodiversität oder auch generell “Raumschiff Erde”
    Was kann man tun?
    Nun ab gewissen Einkommenshöhen ist eine rein saisonale und regionale Ernährung sehr gut möglich. Leider ist das (meiner Meinung nach) nicht sinnvoll umsetzbar wenn man auf Sozialhilfeniveau ist.
    Was vielen nicht klar ist – auch “Bio” ist letztlich Industrieproduktion. Ein einfaches Beispiel: Legehennen werden auch bei “Bio” Höfen (häufig) aussortiert, wenn sie pro Tag kein Ei mehr legen (können).
    Unterm Strich ist das ganze Thema dann doch auch eine Frage des Verzichts, jeden Tag ein Steak/Lachs/Ei/Glas Wein… etc. ist bei den aktuellen ökologischen Kosten eher destruktiv.

    Stichwort Kosten und die Theorie, dass man im Kapitalismus doch nur die ökologischen Kosten Einpreisen müsste: das klappt nur, wenn man diese ökologischen Kosten auch ermitteln kann. Das halte ich für praktisch nicht machbar. Wie steht es z.B. um die seltenen Erden in Akkus? Viel zu günstig gefördert, die Akkus im Zweifel nicht auf Recycling hin designed usw. usf.

    So richtig perfekte Lösungen sehe ich nicht. Aber klein anfangen kann jeder jederzeit.

  45. Liebe Lage,

    @Papst: Es hat natürlich immer Nachrichtenwert, wenn der Chef in Rom etwas sagt, aber in der Sache sind die deutschen Bistümer ja längst weiter. Beschwerdestellen gibt es seit Jahren in allen Bistümern. Seit 2010 gibt es auch bereits Leitlinien, die besagen, dass jede Straftat anzuzeigen ist (Überblick: https://dbk.de/themen/sexueller-missbrauch/normen-und-leitlinien).

    Was der Papst sagt, gilt aber eben für die gesamte Weltkirche und ist entsprechend allgemein gehalten. In Ländern, wo z.B. Homosexualität und Ehebruch strafrechtlich hart verfolgt werden und/oder wo es noch die Todesstrafe gibt, kooperiert man halt nicht uneingeschränkt mit der staatlichen Strafverfolgung.

    Grüße aus Berlin

    Bernhard

  46. Ich finde es großartig, dass hier auch mal das Thema Fleischkonsum angesprochen und nicht kleingeredet wird. Schließlich ist der hohe Konsum an tierischen Lebensmitteln einer der Hauptverursacher an Emissionen (nach meinen Informationen verantwortlich für ~14% der Treibhausgasemmissionen weltweit) . Trotzdem muss ich euch hier an einer Stelle korrigieren. Es ist für die Umweltbilanz nicht grundsätzlich besser Bio Fleisch vom örtlichen Bauern zu essen. Auch wenn die biologische Landwirtschaft natürlich wesentlich tierfreundlicher ist, ist es eine Katastrophe für die effiziente Nutzung von Flächen. Würde sich die Welt nur von Bio Fleisch ernähren und den aktuellen Fleischkonsum beibehalten, bräuchten wir mehrere Erden NUR für unsere Nutztiere. Außerdem ist somit das Problem der “pupsenden Kühe” – welches ernster ist als es klingt – immer noch nicht gelöst, denn auch glückliche Biokühe stoßen massenweise Methan und andere Gase aus. Zudem ist Biofleisch vom Discounter immer noch ein Produkt aus Massentierhaltung und nur eine winzige Verbesserung zur konventionellen Herstellung tierischer Produkte. Um sich auch umweltfreundlich zu ernähren, müssten wir also nicht nur vollständig auf regionale Bio Produkte umsteigen, sondern vor allem den Konsum an tierischen Lebensmitteln (also inklusive Eier und Milchprodukte) drastisch zurückfahren. Ein vegetarischer Tag in der Woche ist leider nicht wirksam. Wir müssten uns hauptsächlich pflanzlich ernähren und nur in Ausnahmefällen tierische Produkte konsumieren. Ich kann für weitere Infos/ Quellen den Emmisionsrechner von Klimatarier (Klimatarier.de) oder die Doku “Cowspiracy” (Netflix) sehr empfehlen! Ich würde mich sehr freuen, wenn dieses Thema noch einmal behandelt wird :) LG

  47. Betrifft: Iran

    Ein paar Punkte möchte ich zum Thema der Konfrontation zwischen den USA und Iran noch anmerken. Vorweg: Ich hätte nie gedacht, dass ich den Iran mal verteidigen werde müssen und bin gar kein Freund des dortigen Regimes.

    1. Die USA sind klar für die derzeitige Eskalation verantwortlich:
    Washington verhält sich wie ein Schulhof-Schläger, der auf jegliche Regeln pfeift, um anderen seinen Willen aufzuzwingen. Die USA haben sich im Atomabkommen zur Einhaltung gewisser Schritte verpflichtet (Abbau von Sanktionen) so lange wie der Iran seinerseits die Vereinbarung erfüllt. Die Einhaltung durch den Iran wurde fortlaufend von der IAEA bescheinigt. Washington hat also ohne Grundlage und in Verletzung des Abkommens wieder Sanktionen gegen den Iran erlassen, um seine eigenen Interessen durchzusetzen.

    2. Auch die EU verletzt das Atomabkommen:
    Die EU-Staaten, allen voran Frankreich, das UK und DE, haben sich bei iransicher Einhaltung des Abkommens ihrerseits zur Erfüllung gewisser Punkte verpflichtet. Dazu zählen wirtschaftliche Erleichterungen für den Iran und Aufhebung gewisser Sanktionen. Nun fürchten sich Europäische Unternehmen vor den USA und beenden deswegen ihre Iran-Geschäfte (overcompliance). Die EU wäre verpflichtet, dafür zu sorgen, dass dies nicht passiert. Ein extra geschaffenes europäisches Vehikel zur Umgehung der US-Sanktionen (Abwicklung des Zahlungsverkehrs), ist aber nach wie vor nicht voll operationsfähig. Damit entgehen dem Iran effektiv die wichtigsten Gegenleistungen für die eigenen Verpflichtungen im Abkommen. Der Iran hat also nur Nachteile, aber kaum Vorteile.

    3. Der Iran wird durch die USA mit Absicht in die Ecke getrieben:
    Das illegale und völkerrechtswidrige Verhalten der USA treibt den Iran langsam aber sicher in eine missliche Lage. Die Vorteile des Abkommens verpuffen, die Nachteile (Beschränkung und internationale Kontrollen, schmerzhafte Sanktionen) schlagen voll zu. Und dies ist von den USA so gewollt. Die Trump-Administration ist nicht an einem erfolgreichen Abkommen interessiert. Sowohl amerikanische Interessen als auch die Interessen der wichtigsten Verbündeten in der Region (Israel, Saudi Arabien) stehen gegen den Iran. Zusätzlich lenken Hardliner wie John Bolton und Mike Pompeo die amerikanische Sicherheitspolitik. Eine Eskalation, sogar notfalls bis hin zum offenen Krieg, ist gewollt.

    Im Ergebnis hat die erneute Eskalation das Potential die fragile Region weiter zu destabilisieren. Mit all den Folgen auch für die EU (ein weiteres Flüchtlingsdrama) und die Weltwirtschaft (Einbruch der Ölproduktion am Golf, Blockade der Handelsroute nach Asien durch den Suezkanal). Die USA und ihre Verbündeten Saudi Arabien und Israel spielen mit dem Feuer.

    Die Causa Iran zeigt auch noch einmal beispielhaft, wie sehr die EU nach wie vor politisch wie wirtschaftlich von den USA abhängig ist. Allen diplomatischem und politischen Bemühungen zum trotz, setzen sich die Hardliner in Washington durch. Die EU-Staaten können die Einhaltung ihres Teils des Abkommens trotz aller Versprechungen nicht gewährleisten. Und auf internationaler Ebene hat die EU außerhalb von Handelsfragen kaum politisches Gewicht. Einmal mehr ein sehr gutes Argument, dass die EU sich endlich zu einem bedeutenden außenpolitischen Akteur entwickeln muss.

    • P.S. Im Fall Venezuela verhält es sich leider ähnlich.

      Die US Regierung unter Trump setzen auch hier auf Eskalation und Regime Change. Washington unterstützt nach Kräften durch Desinformation und offene Unterstützung der Opposition den Sturz von Maduro. Würden sich Bolton und Pompeo durchsetzen, gäbe es eine militärische Intervention mit all den furchtbaren Folgen für die Menschen in Venezuela und in der Region. Der Oppositionsführer in Venezuela Guaido befürwortet ja mittlerweile selbst einen US-Angriff auf sein eigenes Land.

      Was man auch immer von Maduro halten mag, es gibt in Venezuela trotz der dramatischen Lage für die Bevölkerung und Einschränkungen der Demokratie keinen Völkermord oder ähnliches. Eine militärische Intervention, genauso wie die amerikanische Unterstützung für Guaido und die Opposition verletzen die Souveränität Venezuelas. Eine militärische Intervention würde klar gegen das internationale Recht verstoßen.

      Die USA verhalten sich auch hier wie ein Schulhof-Schläger. Maduro ist den US-Interessen in der Region im Weg und soll deshalb verschwinden. Die prekäre Lage im Land ist dabei nur ein Vorwand. Denn mischen sich die USA genauso in Saudi Arabien oder Ägypten ein? Obwohl dort die Opposition noch schlimmer unterstricht wird und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Das entschuldigt nicht die Lage in Venezuela unter Maduro. Aber es gibt eine wichtige Perspektive auf die eigentlichen Motive hinter der US-Politik.

      Leider hat sich die EU mehr oder weniger auf die Seite der USA gestellt und unterstützt ebenfalls offen die Opposition, anstatt das venezuelanische Volk diese schmerzhaften Entscheidungen selber treffen zu lassen.

  48. Hallo,
    eine kurze Berichtigung zur den Nationalitäten der Kandidaten für die Europawahl:
    Die Partei “Democracy in Europe Movement 2025 (DiEM25)” hat die Idee der Aufstellung von internationalen Kandidaten bereits aufgegriffen und stellt z.B. mit Ioannis Varoufakis einen griechischen Kandidaten zur Wahl.
    Dieses Modell führt die Partei in verschiedenen europäischen Ländern.

    • Bin von “DiEM25” auch sehr angetan. Dazu sollte man noch erwähnen, dass es sich rechtlich um viele kleine nationale Parteien handelt, aber das Kernanliegen die Anpassung von europäischen/nationalen Rechts, um überhaupt eine multinationale Partei gründen zu können.

    • Daß Ioannis Varoufakis in Deutschland antritt könnte auch etwas damit zu tun haben, daß Deutschland 96 Sitze zu vergeben hat, und Griechenland nur 21. Es ist wesentlich einfacher, einen der 96 Sitze zu erringen, als einen der 21.

  49. Wie schön, dass ihr den Podcast mit einer Lüge beendet. XD
    “Wir freuen uns auf die Reise nach Konstanz”
    Als jemand der in Konstanz wohnt, kann ich euch nur sagen, die Anbindung von Konstanz per ÖPNV ist schon im Regelfall grauenhaft und das selbst wenn alles glatt geht. :-)
    Freue mich aber trotzdem, dass ihr endlich mal zu einer Lage Live in diese schöne Stadt kommt, hoffentlich schaffe ich es auch zu kommen.

  50. Irgendwie vermisse ich den Audioteil zur Fusion. In den show notes ist es zwar genannt, aber auditiv nicht vorhanden. Ist da ein Fehler passiert?

  51. 11. Mai 2019 um 19:58 Uhr
    Felix Hofmeister

    Ich finde die Impfpflicht nur für Schüler extrem unaufrichtig! Der Beitrag sagt ganz richtig, bei den Schülern sind die Impfquoten schon relativ gut. Im Gegenzug bleiben uns über die nächsten Jahrzehnte hinweg die Generationen 40+ mit ihren schlechten Impfquoten erhalten und wir erreichen erst keine Herdenimmunität, obwohl wir das Impfen der Kinder erzwingen. In Schulen muss flächendeckend geimpft werden, aber medizinisches Personal nicht, die Logik will sich mir nicht erschließen. Und selbst über Jahrzehnte hinweg lösen wir das Problem so nicht: Es wandern jedes Jahr 0,5 – 1 Million Menschen nach Deutschland ein für die (sofern sie nicht mehr schulpflichtig sind) eben immernoch keine Impfpflicht gilt.
    Warum erzwingt die Politik hier also Impfungen für Kinder anstatt tatsächlich einen Herdenschutz herzustellen? Klassische Symbolpolitik, die Politik zeigt sich handlungsfähig, drischt auf gesellschaftlich schwache Gruppen (Eltern, Impfgegner) ein und erhofft sich Applaus, den sie ja z.B. von LNP auch bekommt. Sich mit den massenhaft ungeimpften Babyboomern anzulegen, mit den Menschen die in Chefsesseln sitzen, Vereinsvorstände sind oder Mitgleid der Chefredaktion wäre unbequem, da müsste man am Ende Menschen mit Geld und Einfluss auf die Füße treten. Das ist zu anstrengend, viel angenehmer ist es sich auf Kosten der Schwachen zu profilieren.

    • Wie kontrollierst du denn den Impfstatus deiner Zielgruppe? Möchtest du die ganze Bevölkerung einmal zum Arzt schicken, inklusive Bescheinigung, die dann von der Gemeinde mit den gemeldeten Bürgern abgeglichen wird?
      Bei Schülern gibt es zur Einschulung eine Untersuchung, die sich dafür hervorragend anbietet.

      • 12. Mai 2019 um 11:09 Uhr
        Felix Hofmeister

        Völlig unproblematisch, man kann ein zentrales Impfregister aufbauen (was von Experten ganz unabhängig von der Impfpflicht ohnehin schon lange gefordert wird), man kann den Impfstatus bei jedem Arztbesuch kontrollieren und einen fehlenden Impfschutz in die Meldepflicht aufnehmen die heute schon für Masernerkrankungen gilt, man kann die Vorlage der Impfbescheinigung beim Abholen von Ausweisdokumenten einfordern wie das grade für die Organspende diskutiert wird, da gibts jede Menge Möglichkeiten die keinen intensiveren Eingriff darstellen als der ja dann auch verpflichtende Nachweis + im Zweifelsfall Bußgeld bei Schülern.

        • @Felix

          Technisch ist das natürlich gar kein Problem. Allerdings tun wir uns in Deutschland extrem schwer damit, (staatliche) Datenbanken über die Bürger anzulegen und sie darauf aufbauend dann auch noch zu bestimmtem Verhalten zu zwingen bzw. zu ermuntern.

        • 12. Mai 2019 um 12:34 Uhr
          Felix Hofmeister

          @Günter

          Ich sehe nicht warum dieses Argument gerade bei Schülern dann nicht gelten soll. Entwder ist der Grundrechtseingriff gerechtfertigt oder nicht, aber warum das Schutzniveau dann gerade bei Schülern niedriger sein soll als bei Erwachsenen ist nicht nachvollziehbar.

        • @Felix

          Im Fall der Schüler oder Kindergartenkinder wird keine Datenbank angelegt, sondern lediglich beim Eintritt in die Einrichtung ein bestimmter Impfstatus gefordert. So kriegt man 99% der Heranwachsenden zu fassen.

          Bei Erwachsenen gibt es diesen Zugriff leider nicht

        • 12. Mai 2019 um 21:06 Uhr
          Felix Hofmeister

          @Günter

          Dann eben die genannte grundrechtschonendere Variante: Man nimmt den fehlenden Impfschutz in die bereits bestehende Meldepflicht für Infektionskrankheiten mit auf. Würde bedeuten dass der Impfstatus bei jedem Arztbesuch überprüft wird. Fehlt der Impfschutz wird entweder direkt geimpft, oder es erfolgt eine Meldung an das Gesundheitsamt. Das ist genau der gleiche Vorgang wie im Fall der Schüler (ohnehin anstehender Arztbesuch wird mit Nachweispflicht und im Zweifelsfall Meldung verbunden).

          Und nochmal: Es geht nicht einfach nur um gleiches Recht für alle, es geht darum ob wir in absehbarer Zeit einen flächendeckenden Herdenschutz bekommen oder alternativ wirkungslose Symbolpolitik auf dem Rücken der Schwachen machen.

    • 12. Mai 2019 um 12:13 Uhr
      Thomas Anderson

      Was ich mir bei der Impfpflicht wünschen würde: Die Möglichkeit, durch Nachweis der vorhandenen Antikörper die Impfpflicht zu erfüllen.
      Die (nicht künstlich aufgeblähten) Kosten dafür sollten natürlich die Impf-Verweigerer selber tragen.

      Das nimmt den Impf-Gegnern den Wind aus den Segeln, wenn sich sich als “vorsichtige Impf-Skeptiker” ihre bereits an Masern erkrankten Kinder nicht impfen lassen wollen oder eine unnötige Zweit-Impfung verhindern wollen.

      Wenn das Gesetz zum Ziel hat, den Herdenschutz herzustellen und nicht vorbehaltlos den Absatz von Impfmitteln für “Big-Pharma” zu fördern, dann wäre eine solche Alternative Herangehensweise angebracht.

  52. Ich höre gerne die Lage, aber der Part zur Europawahl aus dieser Folge war leider ziemlich schwach. Es gibt kein Gentleman’s Agreement vom Rat mit dem Parlament, was die Nominierung der Spitzenkandidaten angeht. Zurück geht das System auf einen Beschluss des Parlaments, vorangetrieben durch EVP, S&D und ALDE. Die haben sich verbündet und dem Rat signalisiert, dass sie schlichthin niemand anders als einen der Spitzenkandidaten bestätigen würden. Die Staats- und Regierungschefs haben sich bei der letzten Wahl sehr schwer damit getan, sind aber letzenendes eingeknickt. Es gab verschiedene Gründe dafür, aber ein nicht unerheblicher dürfte gewesen sein, dass Juncker einer der ihren, also ein langjähriger Regierungschef war. Trotzdem haben die Staats- und Regierungschefs damals betont, dass aus der einen Wahl kein Automatismus für die Zukunft erfolgt.
    Dabei gibt es auch einiges, das dafür spricht, dass die Gemengelage nach dieser Wahl anders als damals sein wird. Es gilt als recht wahrscheinlich, dass die EVP mit Manfred Weber als Spitzenkandidat erneut stärkste Kraft wird. Er ist aber ein Kind des EP und hat sicherlich nicht die Beziehungen im Europäischen Rat, die Juncker hatte. Dazu kommt, dass die große Koalition aus EVP und S&D voraussichtlich keine Mehrheit mehr im Parlament haben werden. Diese Fraktionen waren aber die großen Verfechter dieses Systems. Zudem hat der Enthusiasmus bei S&D für das Spitzenkandidatenprinzip deutlich nachgelassen, da man sich sorgt, dass man damit die Kommissionspräsidentschaft quasi permanent der EVP abtritt.
    Mal abgesehen von dieser Bewertung, sollte man sich auch fragen, ob ein Automatismus, dass die stärkste Fraktion den Kommissionspräsidenten stellt, überhaupt so besonders demokratisch ist. Denn von einer absoluten Mehrheit im Parlament oder in der Bevölkerung sind die Fraktionen alle sehr weit entfernt. Auch im deutschen System reicht es nicht, stärkste Kraft zu sein, um den Kanzler zu stellen, sondern es müssen Koalitionen geschmiedet werden, um eine Mehrheit hinter sich zu vereinen.
    Das zweite Thema, bei dem ihr nochmal besser recherchieren solltet, sind die transnationalen Listen. Denn es gab nie ernsthaft die Forderung, alle Abgeordneten über europaweite Listen wählen zu lassen. Viel mehr war das Ziel der Bewegung für transnationale Listen ein duales System aus transnationalen und nationalen Listen, sodass jeder Wähler zwei Stimmen hat. Dabei sollten die durch den Brexit vakant werdenden Sitze mit den transnationalen Listen gefüllt werden, während das Gros der Sitze weiterhin durch nationale Listen besetzt werden. Damit sind die transnationalen Listen nicht Teil eines Henne-und-Ei-Problem, wie ihr das beschrieben habt, sondern eröffnen die Möglichkeit für eine behutsame Europäisierung des Diskurses und des Parteiensystems.
    Ungeachtet der Kritik an dieser Stelle schätze ich euren Podcast, weil ihr Politik sehr zugänglich und unterhaltsam diskutiert. Da ihr das auch nicht hauptberuflich macht und jede Woche ein riesiges Feld an Themen besprecht, ist es verständlich, dass nicht alles perfekt recherchiert sein kann. Alle mal ist es besser, als wenn sechs Gäste bei Anne Will an einander vorbei diskutieren.

    • Danke für die Ergänzungen… ehrlich gesagt ist der Teil mit den Spitzenkandidaten ein wenig in die Sendung gerutscht, wir wollten eigentlich vor allem über die verschiedenen Wahlomaten reden. Aber es stand in ganz knappen Stichworten im Pad, wir haben es nicht gestrichen und daher dann doch drüber geredet. Sorry, das war wirklich nicht ausrecherchiert.

  53. 11. Mai 2019 um 18:59 Uhr
    Julian Kämmerer

    Ich möchte wirklich kein Spielverderber sein und ich liebe euren Podcast, lieber Philipp und lieber Uwe, aber es braucht leider mehr als “Bio-Fleisch” und eine Bepreisung der ökologischen Ressourcen. Das Problem ist unser Lebensstil insgesamt. Würden alle Menschen einen Lebensstandard pflegen wie wir Europäer und Nordamerikaner, so hätten wir schon längst den gesamten Planeten verwüstet und die Erderwärmung wäre vermutlich schon bei 4 Grad. Fleisch ist kein nachhaltiges Lebensmittel (außer Wild, da dafür keine Fläche verbraucht wird und es zudem unsere Wälder kaputt frisst, wie Julius oben bereits angedeutet hat). Würden alle Menschen auf der Welt so viel Fleisch essen wie wir Deutschen, so bräuchten wir mehr als zwei Planeten, um die entsprechende Menge an Weideflächen, Futtermittel, etc. anzubauen. Wir dürfen nicht vergessen, dass ein Großteil der Menschheit kaum Fleisch isst. Wir verwenden jetzt bereits 83% aller landwirtschaftlichen genutzten Fläche der Erde nur für tierische Erzeugnisse – obwohl sie nur nur 18 % unseres Kalorienbedarfs decken. Es braucht 15.000L Wasser für die Herstellung von einem Kg Rind. Hinzu kommt, dass immer mehr Studien belegen, dass unsere Ernährung nicht gesund ist. Vor allem der Konsum von zu viel Schwein und Rind ist verantwortlich für viele Krebsarten, Herzkrankheiten, Diabetes, etc. Es ist nicht und ressourcentechnisch total ineffizient. Warum ändern wir nichts daran? Würden wir uns alle pflanzlich ernähren, bräuchten 8 Milliarden Menschen gerade mal 2% der Erdoberfläche zum Anbau der Lebensmittel. Alle reden von der zu schnell wachsenden Weltbevölkerung, als sei DAS die Ursache allen Übels. Unser Konsumverhalten ist das Problem. Der Flächenbedarf derer, die alles essen (Milchprodukte, Fisch, Eier und Fleisch) ist ein 18fache dessen, was die benötigen, die sich pflanzlich ernähren. Und überhaupt, woher nehmen wir uns das Recht, so viel Ressourcen in Anspruch zu nehmen? Weil wir frei sind, es uns leisten können, es uns verdient haben? Was ist daran frei, wenn wir kommenden Generationen ihre Lebensgrundlage nehmen, nur weil es so lecker schmeckt? Apropos lecker: es gibt bereits Firmen wie “BeyondMeat”, die die Nachahmung von Fleisch in Geschmack und Textur perfektioniert haben – auf rein pflanzlicher Basis. Also kommen auch Fleischliebhaber auf ihre Kosten, ohne Fleisch zu essen. Übrigens hat die chinesische Regierung bereits eine Kampagne zur Halbierung des Fleischkonsums der Bevölkerung wirbt. Und zwar aus aus ökologischen, aber auch aus gesundheitlichen Gründen. Warum schafft das die Bundesregierung nicht? Sind da womöglich wieder wirtschaftliche Interessen im Spiel? Funfact: Deutschland exportiert jedes Jahr knapp 400.000 Tonnen Fleisch nach China.

    Wenn ich von einer Änderung des westlichen Lebensstils rede, dann ist Ernährung zwar ein wichtiges, aber nicht das einzige Problem.
    Mobilität. Wir bewegen uns einfach zu viel, und vor allem falsch. Urlaub machen wir in Thailand, ein Praktikum in den USA oder wir finden uns selbst in Indien mit Yoga, Meditation, etc. Fliegen ist nach dem Fleischkonsum das schlimmste, was wir der Umwelt antun können und dennoch tun es fast alle. Irgendeinen Grund gibt es immer. Vom Individualverkehr (vor allem in Städten) hattet Ihr es in der Lage schon oft, also muss dazu nicht mehr viel gesagt werden.

    Natürlich gibt es auch noch andere Bereiche, aber Ernährung und Mobilität sind zwei Dinge, die jeder in seinem Alltag ändern kann. Also, weniger (oder am besten gar kein) Fleisch bzw. tierische Produkte, Fahrrad fahren, Bus und Bahn statt Flugzeug und vielleicht mal Urlaub in Frankreich, Italien oder OMG in Deutschland selbst machen. Alles super mit dem Zug zu erreichen!

    Liebe Grüße an Philipp und Ulf aus Mainz

    • Das ist natürlich alles richtig, nur hilft sich Beklagen eben nicht, man muss die Leute erreichen und mitnehmen auf der Reise in eine bessere Zukunft. D.h. man muss den Leute Angebote machen die besser sind als was sie jetzt haben.

      Solange die Mehrheit der deutschen Wirtschaft an all den Auswüchsen, die Sie oben beschrieben haben, verdient, sogar sehr gut verdient, wird sich wohl nichts ändern. Es erden eben Flugreisen nach irgendwo beworben zu Spottpreisen, das schöne neue SUV, die leckere Billig-Wurst beim Discounter, etc.

  54. Bzgl re:publica und der These von Torben Lütjen, wonach eine populistische Partei ihren Wesenskern verliert, wenn sie sich auf Kompromisse einlässt. Hat die FPÖ in Österreich nicht das Gegenteil bewiesen? Sie ist mit ihren populistischen Parolen in eine Regierung gelangt und setzt dort ihre ausleinderfeindliche Politik um:
    https://www.deutschlandfunk.de/rechtsruck-in-oesterreich-politik-der-abschreckung.724.de.html?dram:article_id=447375
    Ich kann nicht erkennen, dass es ihr schadet. Warum sollte der Afd dies nicht auch so in Deutschland gelingen?

  55. Vergesst Inlandsflüge! Zumindest in Japan. Man könnte sogar ein europäisches Projekt daraus machen, das den Kontinent verbindet und den Flugverkehr reduziert: Nicht durch “Shaming & blaming” und auch nicht durch staatliche Kontingentierung, sondern durch attraktive Alternativen. Man nennt es Fortschritt. Ich bin letztes Jahr Peking-Shanghai in 4,5 Stunden gefahren mit dem Bullettrain. Das entspricht der Strecke Berlin-Rom. Mir ist es zum Beispiel nicht begreiflich, warum die Strecke Berlin-Hannover zwei Stunden dauern muss. Da ist nichts dazwischen als flache Prärie. Ideal eigentlich für den Schnellzugverkehr. Hinter Spandau fängt die Wüste an. Es wird der Punkt kommen, wo in Deutschland der Leidensdruck wieder einmal zu groß ist. Wenn 20 Jahre wichtige Bauprojekte in Serie versenkt werden, dann muss etwas passieren. Und das Schöne an diesem Land ist, dass mit arger Verspätung meistens auch die richtigen Dinge geschehen.

    https://www.welt.de/wirtschaft/article193288981/Schnellzuege-Japans-neuer-Geschosszug-mit-400-km-h.html

    • Daumen hoch!

      Ein europäisches Hochgeschwindigkeitsnetz wäre mal ein Projekt, um (wenigstens ein paar jüngere) Menschen zu begeistern und die Wirtschaft abzuschieben. Finanziert durch eine EU-weite Kerosinsteuer.

      • Die Idee eines Europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes ist toll und ich würde sie jederzeit unterstützen. Aber die Probleme liegen leider so schwer, dass meine pessimistische Seite nicht an eine Umsetzung glauben mag.

        Ein Problem vor allem in DE ist, dass praktisch keine Abtrennung von Hochgeschwindigkeitsstrecken von regulärem Schienenverkehr (Regio, Güter) existiert. Weiterhin ist DE ein dicht besiedeltes, föderales Flächenland. Diese beiden Faktoren erschweren für DE – und wir sind immerhin in der Mitte der EU – den Aufbau eines wirklichen Schnellzugnetzes nach japanischem/chinesischem/französischen Vorbild.

        Nun könnte man dieses neue europäische Netz so aufbauen, dass man nur die größten europäischen Metropolen verbindet, was die Sache etwas einfacher machen würde. Es bleibt aber das Problem mit der Streckenführung. Die neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken müssten erst gebaut werden. Leider ist eine Umsetzung unter 20 Jahren kaum denkbar: Bürgerproteste, Gerichtsverfahren, Umweltzerstörung, Bauverzögerungen etc. Der BER, Stuttgart 21 uvm zeigen ja leider die Unfähigkeit, die mittlerweile in DE bei solchen Projekten vorherrscht.

        Man könnte diese Probleme gewiss lösen. Mit ganz viel Anpassungen der üblichen Planungs- und Verfahrensweisen. Aber vor allem mit viel Investitionsvolumen und viel politischem Willen. Aber mit einer Regierung unter Beteiligung der Union in DE wird sich ein solcher politischer Wille auf der deutschen Seite niemals einstellen. Die Prioritäten liegen leider bei der Erfüllung der Interessen der Autoindustrie.

        • Vielleicht wäre es eine Alternative erstmal die Schlafwagen wieder einzuführen. Dann steigt man um 22 Uhr in Berlin in den Zug und kommt um 8 Uhr ausgeschlafen in Paris an. Ist natürlich nicht so attraktiv wie Schnellzüge, aber wäre trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung.

    • Vergesst Inlandsflüge! Zumindest in Japan.

      So toll ist Japan leider auch nicht. Fahrten mit dem Shinkansen sind recht teuer *, und die meisten Alternativen (Bus, andere Bahnen, PKW) verdammt langsam. Auf vielen Strecken sind Inlandsflüge die deutlich billigere und meist auch schnellere Option, und werden entsprechend gerne genutzt.

      * Vergleichbar mit einer ICE-Fahrt. Die zurücklegbaren Entfernung sind nur wesentlich größer (zum Vergleich: von Tokyo nach Hiroshima ist es ähnlich weit wie von München nach Kiel).

  56. 11. Mai 2019 um 17:10 Uhr
    Pascal Kilburg

    Leider lässt sich diese und die beiden Folgen davor nicht downloaden, sondern nur streamen. (Ich nur Read/auf einem Galaxy. Beim der Download gibt es dann nur eine Datei in richtiger Größe die nicht als mp3 erkannt wird…

    • Versuch doch mal einen richtigen Podcast Player, da gibt es ja viele gute auch für Androiden, dann sollte es gehen … wobei ich die Datei auch problemlos von der Website laden kann.

  57. Kann es sein, dass ihr in dieser Lage nur deswegen nicht über die Fusion geredet habt weil ihr das schon auf der Republica gemacht habt? Dann find ich das mit den Lage Spezial nur für Abonentinnen sehr schade…

    • Nein, sondern weil da am 16.5. die entscheidende Sitzung ist. Ich finde das Thema sehr wichtig und denke, dass wir das bald noch mal aufgreifen.

      • Als Abonnent von Küchenstudio Plus möchte ich mich mal dafür aussprechen den Mitschnitt der re:publica für alle in den Feed zu geben.

  58. 11. Mai 2019 um 14:42 Uhr
    Andreas Badenhop

    Interessantes Statement von euch zum Thema europaweite Listen!
    Bin gerade unterwegs zum Europafest Hannover, wo ich mich mit Mitgliedern der Volt Partei treffe, die zur Wahl als paneuropäische Partei (und Bewegung) antreten. Deren Zielsetzungen sind noch sehr in Bewegung, aber ich finde, die haben eine frische, unverbrauchte und pragmatische Art, sich mit europäischer Politik auseinander zu setzen. Würde mich freuen, wenn die mal bekannter würden, vielleicht könnt ihr ja mal einen Kandidaten interviewen.

    • Was mich zur Volt-Partei interessieren würde:

      Innerhalb recht kurzer Zeit (gegründet 2017) stellen die einen Wahlkampf in 8 Ländern der EU. Da fragt man sich schon wer das im Hintergrund finanziert. Sorry dafür, dass ich skeptisch bin dass es ohne großen unsichtbaren Geldgeber funktioniert.

      • Soweit ich das mitbekommen habe, finanziert sich die Partei in weiten Teilen über Crowdfunding. Von Kickstarter weiß man, dass so etwas durchaus funktioniert. Genau weiß ich das auch nicht, aber die idealistischen Aktiven, die mir bislang begegnet sind, scheinen mir nicht im Auftrag irgendeiner „dunklen Macht“ zu handeln. Außerdem wüsste ich auch nicht, welcher finanzstarken Interessengruppe ein möglicher politischer Einfluss der Partei Vorteile bringen sollten.

  59. Zu gesamteuropäischen Medien: Fernsehen stirbt (genauer: die Zuschauer sterben weg). Da braucht man nix mehr investieren.

    Eher bräuchte es gesamteuropäischen Newsseiten, um die sich dann ein Netz aus regionalen Medien, Podcasts, etc. gruppiert.

  60. Es ist heute schon so, dass Eingriffe in die Natur, insbesondere Flächenversiegelung, in der Regel ausgeglichen werden müssen. Stichwort: Umweltpunkte

    Das Problem ist, dass hier die Versiegelung einer großen Fläche z. B. mit der Renaturierung eines Bachlaufs verrechnet wird. Besser wäre es, die Versiegelung am Ort A verpflichtend mit einer Entsiegelung an Ort B zu verknüpfen. Für ein neues Wohnbaugebiet muss dann irgendwo eine stillgelegte Industriebrache oder ein ungenutzter Flugplatz der Natur zurückgegeben werden. Die Suche nach aufgegeben Flächen und deren Renaturierung würde damit zu einem tragfähigen Geschäftsmodell.

    Außerdem: bei jedem Neubau Dachbegrünung und eventuell auch Fassadenbegrünung vorschreiben. Rasengittersteine statt Asphalt auf Stellplätzen vorschreiben. Etc.

  61. Im Kern sind es vor allem Pestizide, die die Biodiversität erheblich gefährden. Das gilt nicht nur für die Landwirtschaft, sondern vor allem für private Gärten. Hier gelten viel geringere Vorschriften als in der Landwirtschaft, sodass viele Gärten nicht mehr als Lebensräume für Kleinstlebewesen dienen können.

    Als das effektivste was man als Privatpersonen machen kann, ist Schotter und Rindenmulch raus aus dem Garten und sich an einem wilden Garten ohne Pestizide und chemische Dünger erfreuen.

  62. Ich weiß ja nicht, ob die Bahn euch irgendwelche Sonderkonditionen bietet, aber ich würde für die Strecke ja eher den Bus empfehlen. Die Nachtfahrt gibt es bei Flixbus für 35 EUR, da setzt ihr euch Freitag um 20.30 Uhr in Berlin in den Bus, schlaft schön, und seid Samstag um 07.20 Uhr ohne Umstiege in Konstanz, wo ihr den Tag noch herumschlendern könnt.

    Mittlerweile scheint die Bahn zwar bessere (d. h., zeitlich kürzere) Verbindungen anzubieten als früher, aus Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass ich die Bahnfahrt über die Strecke deutlich stressiger und unbequemer erinnere. Kenne also beide Verkehrsmittel auf der Strecke, und kann von der Bahnfahrt nur abraten, auch wenn die vor ein paar Jahren noch länger war. Die selige Flugverbindung nach Friedrichshafen zum zweistelligen Preis wurde leider eingestellt, wäre aber im Greta-Jahr ohnehin dekadent.

    In der Unibibliothek könntet ihr gegebenenfalls auch gut eure Sendung vorbereiten, da sollte es samstags noch genug freie Arbeitsräume geben. Vor allem morgens, falls ihr mit dem Bus schon so früh ankämt, dass die Geschäfte noch schlafen (die Bibliothek ist 24/7 geöffnet und bietet sogar nette Relax-Sitzmöbel).

    Als, wenn auch zugezogener, aber immerhin Immer-noch-Konstanzer möchte ich den Drama-Kommentar des Ex-Konstanzers zur letzten Sendung übrigens zurückweisen: die Aussprache ist völlig egal.

    • Sorry, aber eine Nachtfahrt im Bus klingt für mich nach einem echten Horrortrip. Habe ich vor 15 Jahren genau 1x gemacht (Hannover – Paris) und werde es vermutlich nie wieder riskieren.

      • Haha, was ist denn da passiert? Und gab es damals schon WLAN im Bus? Die Sitze im Bus ließen sich jedenfalls gefühlt deutlich besser anpassen, als die in der Bahn es ermöglichten. Fühle dich gewarnt. Acht Stunden in der Bahn werden ihre Spuren hinterlassen. Gute Fahrt! :-)

  63. Eine Sache die man ohne große Probleme in der Ernährung machen kann ist esst mehr Wild.
    Nicht vom Discounter oder Gatter, sondern vom Jäger vor Ort.
    Da ist es im schlechtesten Fall für die Biodiversität egal, im besten Fall wird die Biodiversität gefördert.

  64. Zum Thema Biodiversität fehlt mir oft eine Komponente in der Suche nach Gründen wieso sich die Welt verändert wie sie sich eben verändert: Die Menschheit dehnt sich auf dem Planeten einfach viel zu sehr aus und verdrängt dadurch logischerweise andere Arten. Die Gesamtpopulation der Menschen ist aus meiner Sicht der springende Punkt für diverse Probleme die wir haben. Ein echt kritisches Thema, denn wie will man das regeln? Darüber mal zu diskutieren wäre interessant.

    • Sehr guter Kommentar, ich denke auch dass die schiere Anzahl der Menschen DAS Problem der Menschheit ist, was viele andere bedingt und dessen Begrenzung in den Prioritäten ganz oben stehen müsste. Alle unsere Bemühungen um Klimaschutz und Biodiversität werden umsonst sein, wenn dies nicht stärker betont wird.

      Was kann jedermann im Alltag tun, hattet Ihr gefragt? Bei der Familienplanung bedenken, ob es ein Kind weniger nicht auch tut. Ganz im Ernst !

      “Und wer bezahlt dann die Rente?” Genau hierfür müssen Lösungen her, das mit dem unbegrenzten Wachstum kann die Lösung jedenfalls nicht sein (im Finanzwesen nennt man sowas glaube ich ein Schneeballsystem).

      • Das Problem mit der Geburtenrate ist aber doch kein Problem in Europa. Hier gehen die Geburtenraten doch eher zurück seit Jahrzehnten.

        • Ja, das könnte man meinen, ich versuche aber trotzdem mal eine Entgegnung. Erstmal habe ich natürlich an das globale Problem gedacht (naürlich ist das in Niger dringender als in Europa). Aber bei der Diskussion über den Bericht des Weltbiodiversitätsrats (sic!) hätte dieses Problem VIEL mehr Raum verdient gehabt (ich habe davon in der Berichterstattung z.B. garnicht gehört).

          Aber trotzdem sollten wir es uns auch hier in Europa nicht allzu bequem machen..
          Wo die Leute geboren werden ist ja erstmal zweitrangig, denn die ressourcen werden ja auch zunehmend global verbraucht. Und jede Europäerin verbraucht ja nun einmal ein Vielfaches der Ressourcen einer Afrikanerin. Man kann das ausrechnen, was eine zusätzliche Person hier direkt “kostet”. Schwieriges Thema..

          Ausserdem: Wenn weltweit die bevölkerungsdichte so hoch wäre wie bei uns, sähe es sehr schlecht aus mit dem überleben von Gorillas/Tigern /Pandas um nur die spektakulärsten zu nennen (insofern, alles was nicht steil nach oben geht, muss ja noch lange nicht gut sein).
          Wir haben ja schon Probleme mit dem Wolf, vom Bär (siehe z.B. Schweiz) ganz zu schweigen. Um sprechfähig gegenüber Entwicklungsländern zu sein, gibt es da noch sehr viel zu tun.
          Und ausserdem ist es uns trotz relativer Stabilität der Bevölkerungszahl überhaupt nicht gelungen, z.B. den Flächenverbrauch für Siedlung und Verkehr zu stabilisieren (61 hektar/Tag! In 2015 als Beispiel). Von den Agrarflächen für die Produktion von Viehfutter etc. in Südamerika mal ganz zu schweigen.
          Mehr fällt mir erstmal nicht ein..

        • @georg

          Schon richtig was du sagst, nur können wir nicht einerseits über Mangel an Arbeitskräften klagen oder die Altersvorsorge, und gleichzeitig predigen weniger Kinder in Deutschland in die Welt zu setzen. Kann man machen, wenn man dann eben Menschen aus anderen Ländern hier einbürgert, aber dafür müsste sich noch deutlich mehr ändern (ich sag nur Flüchtlinge).

          Wir haben aktuell eine Geburtenrate von 1,5 Kinder pro Frau, d.h. Deutschland schrumpft schon ohne hin.

        • Ja, aber diese Klage über fehlende Arbeitskräfte und die Finanzierung der Altervorsorge etc. ist ja sehr erhellend.
          Genau dies ist ja auch häufig eine Triebfeder in den Entwicklungsländern. Häufig hört man, dass in diesen Ländern das geringe Wachstum durch das hohe Bevölkerungswachstum aufgezehrt wird.
          Mal andersrum betrachtet, ist in vielen Fällen Wachstum überhaupt erst erkauft durch das Bevölkerungswachstum (unter Inkaufnahme der Verschlechterung der Lebensumstände des Einzelnen).
          Und so werden auch afrikanische Länder ganz ähnliche Argumente bringen wie Du, wenn man mit dem Wunsch nach Begrenzung des Bevölkerungswachstums an sie herantritt (Im Kern: Das geht garnicht, das gefährdet ja das (Wirtschafts-)wachstum).
          Genau, und dafür müssen wir Lösungen finden, und die muss es doch geben! Vielleicht sogar unter Inkaufnahme der Verbesserung der Lebensumstände des einzelnen.;-)
          Und etwas zugespitzt: Wenn sich der Planet aussuchen könnte, wo es eine Geburt weniger geben soll, würde er nicht Afrika wählen…

          Aber jenseits der Frage ob hier in Europa die Geburtenrate ein Problem ist, global gesehen ist sie das ganz bestimmt ! Und wie Karl Müller finde ich es völlig unverständlich, dass diese Frage bei den Diskussionen um Klimawandel und Biodiversität und nötige Gegenmassnahmen ziemlich untergeht..

  65. Hallo,

    Vegetarisch bzw. Vegan zu leben ist mittlerweile nicht mehr nur Thema einer kleinen Randgruppe. Es gibt in meinen Augen kein Argument für unseren heutigen Fleischkonsum. Abgesehen vom riesigen Tierleid sind auch die ökologischen Konsequenzen nicht mehr tragbar. Die vegetarischen/veganen Ersatzprodukte sind mittlerweile so stark, dass jeder passionierter Fleisch-Konsument gute Alternativen finden kann. Zumindest den Fleischkonsum auf einmal pro Woche zu drosseln, wäre ein Anfang.

    Jeder Einkauf ist eine Entscheidung. Bei Lebensmitteln fängt es an, aber ich denke, man sollte bei jedem Produkt auf die Produktionsumstände und den dazugehörigen Konzern achten. Oder einfach Mal nicht das neuste Handy oder die dritte Winterjacke kaufen. Bewusst leben, bewusst einkaufen ist hier das Motto.

    Natürlich kann das nicht jeder. Wenn man die finanziellen Möglichkeiten nicht hat, hat man ganz andere Sorgen. Aber nur mal als Tipp: mir selbst steht nur Bafög als Einkommen zu Verfügung und ich kaufe zu 95% nur Bio und vegane Produkte. Trotzdem komme ich gut mit meinem Geld hin. Bio ist nicht mehr furchtbar teuer, jeder Discounter hat solche Produkte im Angebot.

    Darüber nachdenken und darüber reden sind dabei essentiell.

  66. Zum Bericht Biodiversität:
    Bin etwas enttäuscht von ihrem Beitrag zum Bericht. Viele Sachen angesprochen, aber nichts zu Ende geführt. Hier hätte ich mir mehr erwartet. zumal sie in ihrem Beitrag oft als Tiger gesprungen sind.
    Beispiel: Wir müssen aufhören Fisch zu essen. Ah, lieber doch nicht so. Angst vor der eigenen Courage.

    In der letzten Konsequenz ist das persönliche Handeln entlang einiger weniger Richtlinien auszurichten:
    Essen so weit wie möglich vegan, Konsum so wenig wie möglich, reisen ohne Flugzeug.
    Was den Flächenverbrauch, den Ressourcenverbrauch und die Verschmutzung von Boden und Wasser (Düngemittel) angeht, ist doch hier die Sachlage sehr einfach zu handhaben. Es muss einfach etwas kosten, ob Emissionshandel oder Steuer ist in diesem Fall einfach egal. Volkswirtschaftlich am sinnvollsten ist ein umfassender, alle Bereiche einbindender Emissionshandel.

    Interessant ist, dass man bei den Thesen von Kevin Kühnert und einer Vergesellschaftlichung einzelner Unternehmen nahezu Amok läuft, während der Grund und Boden in Deutschland für Privatunternehmen jederzeit ohne Protest aus Politik und Industrie enteignet werden kann, siehe Braunkohletagebaue.