LdN132 Brexit, Attac-Urteil, Missbrauch-Konferenz, Atommächte-Konflikt, Koreagipfel: Interview Hannes Mosler, Cohen

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Brexit-Update

Niedriglohn-Sektor und Lohnquote

Attac-Urteil

Kindesmissbrauch-Konferenz der Katholischen Kirche

Kindesmissbrauch-Verurteilung

BGH zum Dieselskandal

Atommächte-Krieg (Pakistan und Indien)

Gescheiterte Koreagipfel

Trump und Cohen

Urheberrechts-Richtline

Verabschiedung

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90 Kommentare

  1. 10. März 2019 um 13:12 Uhr
    Markus Hinterreiter

    @Philipp: Bei ca. 54:45 versprichst du dich beim Alter der Missbrauchsopfer. Ich habe jetzt nicht alle Kommentare gelesen, ob schon jemand darauf hingewiesen hat.
    Als du gesagt hast “… drei-jährige Jungen…” bin ich zusammengezuckt und hab das kurz nachgeschaut. Sie waren 13. Ich denke mal, das wolltest du auch sagen.

    z.B. hier: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ex-vatikan-finanzchef-pell-wegen-kindesmissbrauchs-verurteilt-16060460.html

  2. Ich habe einen Kommentar aus technischer Sicht zu der Randbemerkung, dass ein Softwareupdate beim “Schummelmotor” nicht funktionieren würde:

    Ein Softwareupdate bedeutet, dass die Steuerungsstrategie des Motors verändert wird. Die “Schummelmotoren” sind Motoren die extrem auf den Verbrauch optimiert wurden (logisch, denn ein Auto, das wenig verbraucht, verkauft sich gut). Mit dem Update wird diese Strategie geändert: Das heißt der Verbrauch und der CO2 Ausstoß steigt, aber der Stickstoffoxidausstoß sinkt. (Technisch gesehen, wird einfach bei geringeren Temperaturen verbrannt.)

    Nun wird damit der Mangel der Schadstoffwertes behoben, aber ein anderer Mangel nämlich höherer Verbrauch entsteht. Nun ihr könnt wieder anfangen das Problem juristisch zu analysieren (Das könnt ihr viel besser als ich!)

    Zum Abschluss würde ich euch empfehlen die Elektromobilität mit unabhängigen Experten (Physiker/ Maschinenbauer) auf der Basis des 1. Hauptsatzes der Thermodynamik (oder Energieerhaltung) zu diskutieren. Leider könntet ihr dabei eure Liebe zur Elektromobilität verlieren :)

    Habe zwar erst zwei Folgen von euerem Podcast gehört, fand die aber super. Macht weiter so!

  3. Ich habe im weitesten Sinne zum Thema Urheberrecht ein Zitat von Martin Sonneborn gelesen im Handelsblatt von Donnerstag, das ich euch nicht vorenthalten möchte, da ihr in einer früheren Lage schon einmal einen ähnlichen Verdacht geäußert habt. :-)

    […] doch um Zensur oder Zukunft der Medien schert sich Sonnenorn offenbar weniger als um Herrn Voss selbst: „Das ist auch einer der netteren Dümmeren. Wir sind der festen Überzeugung, das der Mann nicht versteht, was er da macht. Es ist so lustig, schauen Sie mal, wenn er da gerade so rum winkt. Ein naiver, freundlicher, älterer Herr.“ […]

  4. Zum Thema EU Urheberrechtsreform und Software habe ich mal meine Perspektive zusammengeschrieben: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6509682900357693440

    Vielleicht nochmal ein Aspekt für die Küchen-Philosophie ;)

    Viele Grüße,
    Karsten

  5. Ja ihr lieben, wo es keinen Kläger gibt da gibt es auch keinen Richter!
    Ich vermute das all den Wirtschaftslobbyvereinen auch die Gemeinnützigkeit abgesprochen würde wenn es Leute gäbe die mit Geld und Know How diese „ Vereine“ vor Gericht zerren würden.

  6. Zum Thema sexualisierte Gewalt an Kindern in der Katholischen Kirche:

    Hallo ihr beiden,

    ich höre gern die Lage und spare mir die neueste Folge von den Ohren ab, sodass ich sie am Montagmorgen auf dem Weg zur Arbeit hören kann.
    Da ein Kommentar von euch nun schon 2-mal angesprochen wurde, möchte ich meine Gedanken dazu mitteilen: Als Lösung für dir zahlreichen Gewaltvorfälle in der kath. Kirche schlagt ihr die Abschaffung des Zölibats vor und gebt an, dass ein erfülltes Sexualleben und (Ehe-) Frauen dazu beitragen, dass das Problem gelöst wird. Der Folgeschluss ist damit, dass Frauen dieses Problem lösen sollen, indem sie diesen Straftätern (durch die Ehe) sexuell zur Verfügung stehen. Diese Begründung ist meiner Meinung nach eine patriarchale “Logik” und ich bin enttäuscht, dass dies nun schon 2-mal als Lösungsvorschlag thematisiert wurde.

    Viele Grüße aus Berlin und bis Samstag!

    • Wenn die Menschen ein erfülltes Sexualleben hätten, würden sie vielleicht gar nicht erst zu Straftätern. Außerdem müssen die Partner der Kleriker ja nicht unbedingt weiblich sein …

    • Hallo Anja, ich habe das Argument im Ohr, dass die Abschaffung des Zölibats Geistliche anziehen würde, die ein legales, erfülltes Sexualleben leben möchten. Dadurch würde sich das Verhältnis von pädophilen zu nicht-pädophilen Geistlichen in der katholischen Kirche nach und nach verringern.

  7. Lieber Ulf, lieber Philip,
    ich kann mir vorstellen, dass ihr bei der nächsten Lage der Nation auch über die Ideen zum Verlust der Staatsbürgerschaft sprecht. Ulf hat dazu auf Twitter ja schon einiges geschrieben.
    Auch in den Beiträgen, die sich gegen den Entzug der Staatsbürgerschaft aussprechen, geht es darum, wie man die Inhaftierten in Deutschland entweder verurteilt oder als Gefährder*innen überwacht. Gefährder*innen nennt man doch üblicherweise solche Menschen, denen man eben keine Straftat nachweisen kann. Aus dieser Perspektive sitzen also auch unschuldige Deutsche in Haft einer nicht staatlichen Kampfgruppe, die wohl kaum rechtsstaatliche Prinzipien garantieren kann. Die Bedingungen der Inhaftnahme sind scheinbar kaum so, dass man zwingend von einer Schuld ausgehen muss. Ansonsten wäre nicht so oft von Gefährder*innen die Rede. Deutsche können auch aus ganz anderen Gründen zwischen die Fronten geraten. Zum Beispiel, wenn sie Angehörige freikaufen wollten. In dem Fall säßen sogar Opfer und noch nicht mal Gefährder*innen in Haft.
    Wenn (möglicherweise unschuldige) Deutsche im Ausland inhaftiert werden, setzt sich der Staat eigentlich für die Freilassung ein. Man könnte also auch argumentieren, dass Deutschland die von den kurdischen Kräften inhaftierten Deutschen so schnell wie möglich aufnehmen muss, weil einige möglicherweise unschuldig inhaftiert sind. Die Personalien könnten festgestellt, mögliche Beweise gesichtet und dann ggf. ein rechtsstaatliches Verfahren eingeleitet werden. So habe ich das aber noch nirgendwo gelesen.
    Ich finde die Diskussion unter dem Gesichtspunkt des Framing auch ganz interessant. Natürlich ist es in manchen Fällen extrem schwer eine Schuld nachzuweisen. Aber eine mögliche Unschuld scheint, sobald es um den Kontext IS geht, gar nicht in Betracht gezogen zu werden.
    Vielen Dank für eure Sendung.
    Philipp

    • Ich meine: Mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der wir von Ländern fordern, ihre Staatsbürger, die für uns abgelehnte Asylbewerber und/oder Gefährder sind, zurückzunehmen, müssen wir unsere Staatsbürger zurücknehmen und HIER verhandlen, wie wir mit ihnen weiter verfahren sollen.

  8. Zum Thema Gemeinnützigkeit:
    Im Bildungsbereich wird dieses Konzept aktuell stark ausgenutzt und an den Rand seiner moralischen (juristisch kann ich es nur bedingt einschätzen) Sinnhaftigkeit geführt. So finanzieren z.B. IT-Unternehmen Projekte maßgeblich und millionenschwer aus, die dann in ihrem Sinne und zu Gunsten ihrer Intentionen (teilweise sogar mit den Geräten des Financiers) in Schulen auftreten und dort “scheinbar gemeinnützige” Angebote/Projekte durchführen. Im amerikanischen Raum ist dies schon viel weiter verbreitet – und dort auch mit einem eigenen Begriff belegt: Astroturfing. Geht es um langfristige Mentalitätsbeeinflussungen der Gesellschaft (über die Kinderköpfe) verwendet man auch den Begriff “deep lobbying”.

    Es ist aus meiner Sicht sehr beunruhigend, wie das gut gedachte Konzept der Gemeinnützigkeit einerseits massiv ausgehölt und entkernt wird – auf der anderen Seite es dann aber zuerst diejenigen trifft, die dann doch in einer gewissen Unabhängigkeit zu agieren versuchen. Da sollte man zuerst mal darauf schauen, wohin die Weltkonzerne ihre Millionen steuerbegünstigt als “soziales Engagement” lenken, um dann zu schauen, ob da pseudogemeinnützige Initiativen nicht am Ende doch abhängige Kampagnen sind.
    Es ist sehr bedenklich, dass dies ausgerechnet im Bildungsbereich und bei Kindern und Jugendlichen als Betroffene so stark zu beobachten ist. Mehr dazu auch in meinem Blog.

    • Ich finde diese Lobby-Arbeit auch bedenklich, aber man sollte das nicht mit dem Thema Gemeinnützigkeit vermischen. Die Unternehmen könnten diese Arbeit auch in nicht gemeinnütziger Weise problemlos finanzieren, denn sie könnten sie auch als Werbungskosten absetzen.

      • Das ist richtig – und dann wäre es auch als solches (nämlich Marketing) – klar erkennbar. So treten aber gemeinnützige Initiativen an die Schulen heran, deren finanzielle Abhängigkeit aufgrund der im Podcast richtig thematisierten Transparenzproblematik gar nicht oder nur sehr schwer und mit aufwendigen Recherchen als abhängig von einem interessengeleiteten Financier zu bewerten ist. Lehrkräfte können diese Recherchearbeit einerseits nicht leisten. Andererseits wird das Vehikel der Gemeinnützigkeit ganz bewusst als Türöffner verwendet, da es gemeinhin positiv konnotiert ist.

        Die Lobbyarbeit über die Gemeinnützigkeit wirkt dabei nicht nur in die Schulen hinein, sondern diese werden auch dazu gebraucht, um Schirmherrinnen z.B. in den Reihen der Bundestagsabgeordneten zu gewinnen. Damit erhält man direkten Zugang zu einem politischen Entscheidungsträger über die scheinbar gemeinnützige (aber stark interessen- und/oder konzerngelenkte) Initiative.

        Wenn Gemeinnützigkeit soweit geht, dass sich in einem als solches anerkannten Verein eine Agentur für Bildungskommunikation aufgeht, die ihre Leistung damit beschreibt, sie kümmere sich dabei nicht nur um die Inhalte selbst, sondern auch um die Durchführung, die Darstellung und die Vermarktung um Botschaften nachhaltig zu verankern, frage ich mich schon, wo die Grenze zwischen Marketing und Gemeinnützigkeit verläuft. Und vor allem: Wann die gute Idee soweit entkernt ist, dass sie beliebig und damit unglaubwürdig wird.

  9. Ein interessanter Aspekt im Bezug auf die Gemeinnützigkeit und die entsprechende Abgabenordnung ist das der Zweck “ausschließlich und unmittelbar verfolgt” werden muss. Da muss man sich fragen ob Organisationen die abseits Ihrer Satzung sich in den Bereichen “Militär” und “Finanzen” (keine Zwecke gemäß der Abgabenordnung) engagieren wie die Atlantik-Brücke dem noch gerecht werden.

    Zur “Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik”, diese ist wohl deshalb “gemeinnützig” weil sie laut Satzung die Förderung der Bildung verfolgt:

    § 2 Zweck des Vereins

    1. Zweck des Vereins ist die Förderung der Bildung in den Bereichen

    Wehrtechnik
    Verteidigungswirtschaft
    Bündnisfähigkeit
    Sicherheitspolitik.

  10. – Trinkgelder, Sozialversicherung und Superkonzerne –
    Zunächst möchte ich Hendrik widersprechen, Trinkgelder unterliegen sehr wohl der Lohnsteuer und der Sozialversicherung, wenn sie, wie vorgeschlagen über den Arbeitgeber gezahlt und von diesem verteilt werden. Auch können diese nicht auf den Mindestlohn anrechnet werden, so dass Arbeitnehmer sicher nicht schlechter bezahlt werden, nur weil es zusätzliches Trinkgeld gibt. Ob die Trinkgelder dann allerdings durch den Arbeitgeber “gerecht” verteilt werden, wie transparent das ist und was nach Umsatzsteuer, Lohnsteuer und Sozialversicherung davon noch übrig ist, steht auf einem anderen Blatt.
    Nicht korrekt ist allerdings die Aussage, dass Unternehmensgewinne, Mieten und Kapitaleinkünfte nicht der Sozialversicherung unterliegen. Das ist bei Arbeitnehmern der Fall, offenbar macht sich aber kaum einer Gedanken über die vielen kleinen Selbständigen, Einzel- und Subunternehmer, die freiwillig in die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung einzahlen. Hier werden sämtliche Einnahmen, also auch Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung und aus Kapitalvermögen neben dem Gewinn aus der Unternehmenstätigkeit als Bemessungsgrundlage herangezogen. Zudem gibt es für diese keinen Mindestlohn und tatsächlich ist es heutzutage so, dass kleine Unternehmer diesen nicht erreichen und so am Ende weniger verdienen als ihre Angestellten. Kein Wunder also, dass große Unternehmen lieber Subunternehmen als Arbeitnehmer beschäftigen und Unternehmer sich entsolidarisieren und lieber in die privaten Kassen wechseln, wenn sie es sich denn leisten können.
    Das Prinzip der Leistungsfähigkeit im Rahmen der Sozialversicherung wird damit auf vielen Ebenen durchbrochen. Dies würde aber auch nicht endgültig hergestellt, wenn die Sozialversicherung am steuerpflichtigen Einkommen anknüpfen würde. Zwar würden dann auch bei den Arbeitnehmern und Rentnern die weiteren Einkunftsarten einbezogen, Kapitalerträge, die der Abgeltungssteuer unterliegen, fielen aber erneut raus, eine weitere Privilegierung der Besserverdienenden und Kapitalgesellschaften, insbesondere der Superkonzerne. Zu überlegen wäre daher für Kapitalerträge neben der Abgeltungssteuer eine Abgeltungssozialversicherung einzuführen, zumindest solange durch die Abgeltungssteuer Kapitalerträge nicht mehr in der Steuererklärung angegeben werden müssen. Diese müssten dann auch von den Kapitalgesellschaften und Superkonzernen gezahlt werden. Ebenso müssten Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung entweder ganz oder gar nicht in die Sozialversicherung mit einbezogen werden. Entscheidet man sich für eine Einbeziehung ähnlich der Abgeltungssozialversicherung bei den Kapitalerträgen könnte durch einen progressiven Sozialversicherungsabgeltungstarif, der besonders hohe Mieten abschöpft, sogar im angespannten Wohnungsmarkt Entlastung geschaffen werden. Außerdem könnte eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage auf alle Einkunftsarten auch zu einer Entlastung der geringverdienenden Arbeitnehmer und kleinen Unternehmer führen, wenn hierdurch die Beiträge auf das Einkommen aus Erwerbstätigkeit, also Arbeitnehmern und freiwillig gesetzlich Versicherten gesenkt werden könnte. Auch wäre das Sinken der Lohnquote durch die Verbreiterung der Bemessungsgrundlage für die Finanzierung der Sozialversicherungssysteme nicht mehr so entscheidend.

  11. Hallo liebes LdN-Team,

    in der aktuellen Ausgabe wird im Rahmen der Besprechung des BGH-Hinweisbeschlusses zum Dieselskandal erwähnt, dass nun Händler dem Risiko ausgesetzt sind, von Käufern eines mangelhaften PkW in Regress genommen zu werden.

    Als eine Ergänzung würde ich dazu gerne in den Ring werfen, dass es auch für die HERSTELLER aus demselben Grund teuer werden kann und verweise insbesondere auf § 445a Abs. 1 BGB.
    Dieser ist am 1.1.2018 in Kraft getreten – also gewissermaßen noch recht frisch – und regelt, dass der Verkäufer(Händler) gegen den, von dem er wiederum die Sache erworben hat(also dem Hersteller), den Regressanspruch hat, den der Verbraucher geltend macht.

    Anders gesagt:
    Besteht ein Mangel an einem Fahrzeug bereits, wenn der Händler es vom Hersteller erwirbt, so kann der Händler die deshalb entstehenden Kosten grundsätzlich an den Hersteller “weiterreichen”.

    Beste Grüße!

  12. Hallo, höre Euch seitdem ich von Podcast im INterview mit Benedikt Höwedes gelesen hab und habe mal eine Frage: Ihr spracht wieder über den Uploadfilter und in einer der letzten Ausgaben darüber, dass entgegen dem Koa-Vertrag gestimmt wurde: fand diese Abstimmung im Bundestag statt oder wo wurde da abgestimmt und was genau? Finde das im Podcast leider nicht mehr.

    • Die Abstimmung erfolgt im sognannten “Trilog”, der Teil des Gesetzgebungsverfahrens der EU ist. Hier kommen die Europäischen Kommission, der Rat der Europäischen Union und das Europäischen Parlament zusammen und finden einen Kompromiss bei Gestzgebungsverfahren (so denn nötig).

      https://de.wikipedia.org/wiki/Trilog

      “Wo kommt die Bundesregierung und somit der Koalitionsvertrag ins Spiel” magst Du Dich fragen? Der Rat der europäischen Union wird durch nationale Regierungsmitglieder gebildet. In diesem Fall hat unsere Justizministerin Katarina Barley die Bundesregierung dort vertreten, und für das Gesetz gestimmt.

      Nun wird natürlich gerne von entsprechenden Stellen behauptet, im Artikel 13 würden überhaupt keine Uploadfilter (die so im Koalitionsvertrag stehen) gefordert. Dies ist auch richtig, es steht keine Vorgabe der technischen Umsetzung mehr im Gesetz. Allerdings brachte Sascha Lobo dazu einen sehr treffenden Vergleich: Das ist so, als wenn man jemandem die Aufgabe gäbe, in unter 8 Stunden von Berlin nach New York zu reisen, und dann zu sagen: “Er hätte ja auch ein anderes Transportmittel als das Flugzeug nehmen können”.
      Aktuell gibt es keine andere bekannte technische Alternative zu Uploadfiltern.

      • DANKE! Verstehe ich das richtig, dass beispielsweise das Posten eines Presseartikels auf Facebook dann so ohne weiteres gar nicht mehr möglich sein sollte oder darf?

        • Soweit ich weiß gehen die Meinungen hier noch stark auseinander. Der Berichterstatter des EU Parlaments Axel Voss hat auf Nachfrage behauptet, dass Privatpersonen weiterhin Presseartikel in Teilen oder sogar komplett zitieren dürften. Unklar ist worauf er sich bezieht, denn sobald ich das auf Facebook poste und allen zugänglich mache, ist dies dann noch “privat”. Muss Facebook einschreiten, weil es ja ihre Plattform betrifft?

          Alles noch sehr schwammig, ich befürchte man wird die ersten Urteile abwarten müssen ehe man sich sicher sein kann. Was natürlich umgekehrt bedeutet, dass man sich wohl erst einmal selbst zensiert und besser nichts postet was von Presseerzeugnissen stammt.

  13. Moin, ich bin nicht gläubig, aber in einem evangelischen Umfeld aufgewachsen. Wenn über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche gesprochen wird, find ich es schwierig über “die Kirche” zu sprechen und deren Schwierigkeiten in Bezug auf die Aufklärung dieser Fälle etc. In der evngl. Kirche gibt es PfarrerInnen, homo- und heterosexuell, Zölibat gibt es nicht Das vergessen viele Leute. Wäre wichtig immer ein ‘katholisch’ vor ‘die Kirche’ zu setzen, wenn über den Mangel an Frauen und das Zölibat gesprochen wird. Liebe Grüße!

    • Die evangelische Kirche hat sicher durch die Ordination von Frauen und den Verzicht auf eine ehelose Lebensform die modernere Organisationsstruktur, in der Menschen weniger diskriminiert werden (kein Ausschluss von Frauen von den kirchlichen Ämtern) und auch nicht in ihren Menschenrechten beschnitten werden (kein Zwang zum Zölibat als Zugangsvoraussetzung zur Ordination). Dass es allerdings keine Schwierigkeit in der evangelischen Kirche gäbe mit dem Missbrauch und dessen Aufklärung, das wage ich doch zu bezweifeln, ohne hiermit von den Verbrechen und den mangelhaften Reaktionen darauf in der katholischen Kirche ablenken zu wollen. Das Problem ist in der evangelischen Kirchen noch nicht systematisch angegangen worden und ich sehe doch so viele strukturelle Parallelen, dass ich leider davon ausgehe, dass das Problem auch in der evangelischen Kirche besteht.

      Zwei lesens- bzw. hörenswerte Artikel in dem Zusammenhang:
      https://www.deutschlandfunk.de/sexueller-missbrauch-in-der-evangelischen-kirche-im.886.de.html?dram:article_id=442218
      https://www.zeit.de/2018/43/evangelische-kirche-missbrauch-skandal-aufarbeitung?fbclid=IwAR1tjJJNgRZ9prqsL6AH9LNvQ0mX9BxhQTflQQDyoGh5xpCTwarqrOVuFXE

      Mitunter wird die evangelische Kirche in der Öffentlichkeit als sehr viel moderner wahrgenommen als die katholische Kirche, die oft schon in ihrer äußeren Erscheinung und durch die Vertreter nur konservativ und gestrig wirkt. In Teilen ist die evangelische Kirche auch tatsächlich viel moderner, siehe oben, aber in manchen Teilen auch deutlich nicht, etwa im Gemeindeleben (lokal sehr unterschiedlich) und in manchen durchaus auch autoritären Strukturen.

  14. EU-Richtlinie zur Reform des Urheberrechts: Juristische Argumentation GEGEN die Kritik, was ist dran?

    Bislang leuchtete mir unter anderem Eure kritische Einordnung der Reform ein. Der Jurist und Musiker Markus Hassold argumentiert dagegen, sachlich und für mich als Nicht-Juristen nicht uneinleuchtend.
    https://mofloghard.files.wordpress.com/2019/02/die-kritik-am-entwurf-einer-neuen-eu-urheberrechtsrichtlinie-in-der-kritik-04.03.2019-23.21-uhr.pdf

    Ulf, kann ich als Laie Juristen-BS selbst entdecken, oder hat Herr Hassold valide Punkte?

    Schade, dass Ihr gerade etwas weniger Lage-Zeit habt, einen Dialog dazu zwischen Herrn Hassold und Euch würde ich gerne hören :-)

    • Wie jetzt, etwas weniger Lage/Zeit? Die aktuellen Sendungen sind doch so lang wie noch nie …

      • Ich hatte im Ohr demnächst “11 Tage keine Lage” wegen Terminproblemen. Aber zur Länge: Ich halte 90 Minuten plus ebenfalls für kein Problem. Dank der ausführlichen Kapitelmarken ist für Ungeduldige das Skippen möglich. Und pausieren und später fortsetzen geht ja auch.

        • Terminprobleme nicht, weil wir keinen fänden, sondern weil wir am Sonntag eine LL haben und dann am übernächsten Donnerstag die nächste Folge aufnehmen, d.h. wenn wir noch eine weitere irgendwie reinquetschen würden, dann lägen nur fünf Tage zwischen zwei Folgen.

  15. Hallo!

    DIE LINKE macht nichts gegen den Niedriglohnsektor und macht auch nichts für die Beschäftigten bei amazon? Das ist ganz falsch.

    Ihr nennt den Stundenlohn von 12,63 Euro, den Beschäftigte bekommen müssten um im Alter nicht auf Grundsicherung angewiesen zu sein. Diese Zahl geht hervor aus einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Deswegen fordert DIE LINKE aktuell den Mindestlohn auf 13 Euro zu erhöhen. Die Linksfraktion hat auch schon in der Vergangenheit solche Anfragen gestellt und ihre Mindestlohnforderung so begründet (z.B. 11,85 Euro und 12 Euro Forderung der LINKEN im Jahr 2017).

    Seit Jahren macht DIE LINKE mit verschiedenen Kampagen gegen den Niedriglohnsektor mobil. Noch im Vereinigungsprozess von WASG und PDS startet damals die Kampagne für einen Mindestlohn von 8+ Euro. Zu den Forderungen gehören: Sachgrundlose Befristung und Leiharbeit abschaffen sowie Befristung mit Sachgrund einschränken sowie Minijobs in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze umwandeln.

    DIE LINKE ist solidarisch mit den Streikenden an den amazon-Standorten und ist immer wieder vor Ort bzw. hat umgekehrt Beschäftigte und Gewerkschafter zu Parteitagen eingeladen.
    https://www.facebook.com/dielinke.nrw/videos/329508214472932/
    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10154331005748809
    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1407944315901229
    https://www.facebook.com/DieLinkeHessen/posts/2286539428031807

    Aktueller Flyer:
    https://photos.app.goo.gl/VH67bus5gHHo5PRV6

    Viele Grüße

    Michael

  16. Ich bin wirklich ein großer Anhänger Eures Podcasts, aber die aktuelle Sendung fand ich in Teilen einfach ärgerlich.
    Punkt 1: Sozialbeiträge auf alle Einkommen: ist sicher populär, aber kaum durchdacht. Natürlich kann man Mieten, Zinsen, Dividenden, Kursgewinne etc. zur Berechnung des Krankenkassenbeitrages heranziehen, und natürlich ist Deutschland ein Land, in dem es alles andere als sozial gerecht zugeht. Aber fällt Euch echt nichts anderes ein als die Einnahmenbasis zu verbreitern? Wenn meine Mieteinnahmen und Kursgewinne herangezogen, bekomme ich dann auch Geld zurück wenn ich Kursverluste realisiere? Es fehlt in Deutschland wohl kaum an Geld, sondern vor allem am Willen zur gerechten Verteilung.

    Punkt 2: Da sitzen ein Jurist und ein Journalist und ereifern sich darüber, dass es in Australien Gesetze gibt, die sogar für die Süddeutsche Zeitung gelten. Der Hinweis auf deutsche Gesetze, die ebenfalls für Nicht-deutsche, teilweise möglicherweise sogar für australische Medien in Deutschland gelten, kam mir dann doch sehr kurz. Aufgrund des ansonsten ja doch sehr großen Allgemeinwissens der beiden Podcaster kann ich mich hier nur wundern. Unterschiedliche Rechtsordnungen erlassen manchmal unterschiedliche Gesetze, auch wenn es uns nicht gefällt. Als Beispiel mögen unterschiedliche Verständnisse von Steuergerechtigkeit in der Schweiz und in Deutschland gelten, bei denen es wohl die meisten Schweizer graust, wir in Deutschland unser Steuerrecht aber zumindest was die Themen Steuerverkürzung oder -Hinterziehung als recht normal empfinden.

    Insgesamt entstand bei mir bedauerlicherweise der Eindruck einer tendenziösen Berichterstattung, die Ihr hoffentlich so nicht wiederholt.

    • Sorry, aber den Kommentar verstehe ich nicht: Ja, es fehlt am Willen zur gerechten Verteilung, und deswegen diskutieren wir alternative Modelle. Vielleicht ist es nicht das einzige, vielleicht gibt es bessere, aber was ist daran “tendenziös”?

      Auch beim zweiten Punkt leuchtet mir nicht ein, was daran tendenziös sein soll – wir haben da doch überhaupt keine Aktion im Spiel. Vielleicht fehlte Dir ein Argument? Ok, dann ist es ja gut, dass Du das nachlieferst.

      Bitte achte mal auf Deine Worte, ehe Du uns derart hart angreifst. Tendenziös zu berichten ist so ziemlich das Schlimmste, was man Medienmachern vorwerfen kann, härter ist nur noch “gekauft”.

  17. +++ Trinkgeld als Ausweg für Arbeitnehmer*innen in Niedriglohnjobs?+++

    Hallo Ulf, hallo Philip,

    zum Thema Trinkgeld möchte ich Arno, Tobias und David deutlich unterstützen. Klar, den Arbeitnehmer*innen ist dadurch auf den ersten Blick geholfen. Aber kann dadurch strukturell etwas verbessert werden? Ich glaube aber nicht. Vielmehr denke ich, dass die Unterstützung von Niedriglohnempfänger*innen durch Trinkgelder der Dienstleistungsnehmer*innen die Problematik in keinster Weise entschärft.

    Denn einigte man sich gesellschaftlich auf eine “Trinkgeldlösung”, dann wären doch dies die Folgen: Zunächst gibt es dort die allseits bekannte Problematik, dass sich aus Trinkgeldern keine Rentenansprüche generieren lassen und somit das Problem der Altersarmutsgefährdung kaum lösen können. Zum anderen – und das ist ein noch viel wichtigerer Punkt – läge es dann am Wohlwollen und an der Bereitschaft der Einzelpersonen (also der Konsument*innen), für eine adäquate Bezahlung der Niedriglohnempfänger*innen zu sorgen – mit der Folge, dass Unternehmen wie Amazon sich weiterhin ihrer ureigenen Verantwortung entziehen könnten, genau dies zu tun. Eine “Trinkgeldlösung” würde deshalb – so meine ich – zu einer weiteren strukturellen Festigung des Niedriglohnsektors führen. Und dies wollen wir doch alle nicht.

    Viele Grüße
    Hendrik

  18. 4. März 2019 um 9:45 Uhr
    M. Hülfenhaus

    Regelmäßig höre ich Euren Podcast und schätze vor allem die guten Hintergrundrecherchen bzw. die Interviews von Fachleuten. Wenn Ihr auf Kirche zu sprechen kommt, vermisse ich genau das und habe den Eindruck, einstiges Ministrantensein genügt als Profession, um sich ein Urteil zu bilden. Es geht mir bei meiner Kritik nicht darum, zu welchen Einschätzungen man kommt. Meine Kritik richtet sich an die Art und Weise, wie Ihr zu diesen gelangt. Ich wünschte mir eine fundiertere Recherche wie in anderen Bereichen auch oder den Verzicht auf Kommentierung, wenn dies nicht gelingt. So zeigt allein schon der Blick in die Wikipedia, dass die Kommentierung, der Zölibat sei erst im Mittelalter entstanden, zu kurz greift (https://de.wikipedia.org/wiki/Z%C3%B6libat). Auch der Verweis auf die evangelische Kirche, in welcher es keinen Pflichtzölibat gebe und dass dies die Nachwuchssorgen lösen könnte, greift zu kurz (siehe hier: https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/pfarrermangel-in-evangelischer-kirche-verscharft-sich?utm_content=buffer79c82&utm_medium=social&utm_source=facebook.com&utm_campaign=buffer&fbclid=IwAR2KXmY1Zns0pmCiNiYAxw9_avtj2lBCG5EAC_scvMYgDDRtq3MvRSm6jf8).
    Also bitte: Bewahrt Eure hohe Qualität und baut sie aus mit Blick auf kirchliche Fragen!

    • Kannst du deine Kritik bitte etwas präzisieren? Der Blick in die Wikipedia beispielsweise zeigt, dass unsere Ausführungen zum Zölibat zutreffen …

      • Bei Wikipedia-Artikel zum Zölibat heißt es zum Beispiel: “Neuere Forschungen haben ergeben, dass die Zölibatsverpflichtung für Priester schon wesentlich länger existiert als bisher angenommen.” (Unter dem Absatz “Antike”), weiter heißt es zur Einführung des Pflichtzölibats: “Als Begründung spielte vor allem die kultische Reinheit eine Rolle, da es für Priester üblich wurde, die Heilige Messe täglich zu zelebrieren.” und “Die Durchsetzung des priesterlichen Zölibats wurde nicht nur von der kirchlichen Obrigkeit betrieben, vielmehr verlangte auch das Volk oftmals vorbildliche, unverheiratete Priester. Der von Laien eingeforderte Anspruch an die Kleriker ist im Kontext innerkirchlicher Reformbestrebungen zu sehen, die sich gegen Missstände wie Machtmissbrauch, Ämterkauf und Vetternwirtschaft in der Kirche wendeten.” (unter dem Absatz “Mittelalter) Diese Facetten zur Entwicklung des Zölibats fallen im Podcast unter den Tisch. Andere Aussagen zum Zölibat aus dem Wikipedia-Artikel decken sich mit den Äußerungen im Podcast. In der Auswahl der Aussagen zum Zölibat erweckt der Podcast den Eindruck, der Zölibat sei erst im Mittelalter entstanden und Gründe zur Einführung wären nur formaler oder soziologischer Natur. Diese Einschätzung erfasst aber nur einen Aspekt der Thematik.

        • Was ich mich bei der ganzen Diskussion immer frage ist: Warum haben all die anderen Kirchen das nicht? Also die orhtodoxen Ostkirchen, und was von den Monophysiten und Nestorianern noch übrig ist (Kopten, Thomaschristen, Äthiopisch- und Eritreisch-Orthodox, etc.).

          Interessant finde ich auch den Abschnitt “Judentum” im selben Wikipediaartikel: “Nach jüdischer Tradition ist die (auch körperliche) Liebe eines der höchsten Geschenke Gottes. Dieses Geschenk zurückzuweisen, ist nach jüdischer Sicht ein Vergehen.” (schließlich ist das Christentum aus dem Judentum hervorgegangen)

      • Ja eben. Die formelle Pflicht zum Zölibat stammt – so wie wir es gesagt haben – aus dem Mittelalter, vorher gab es eher informelle Erwartungen des Volks bzw der “Obrigkeit”. Natürlich kann man die Entwicklung des Verbots noch ausführlicher schildern, aber das ist ein Podcast, der eh schon sehr lang dauert. Wir können nicht alle Aspekte eines Themas bis in alle Verästelungen darstellen. Und die Kernbotschaft ist doch richtig: Der Zölibat muss weg, sonst wird das Problem mit sexuellen Übergriffen egal welcher Art nicht in den Griff zu bekommen sein.

        Offenbar sind Kirchenthemen sehr emotionale Themen, wo man es ähnlich wie beim Thema “Gender” nicht allen recht machen kann. Meistens werden wir übrigens angegriffen, weil die Kirche bei uns zu gut wegkomme.

        • Gibt es denn Untersuchungen die nachweisen, dass der Zölibat sexuell krank macht?
          Für mich ist Euer zweites Argument: „zölibatäres Leben wählen Leute die ihre Sexualität sowieso nicht frei ausleben können.“ plausibler. Da hilft nur konsequent verfolgen und wegsperren.
          Katholischer Priester wird man doch freiwillig und man kann trotzdem ins Bordell gehen, tindern oder eine Affäre haben. Falls man sich verliebt kann man seinen Job doch auch kündigen und heiraten.
          Also warum in aller Welt sollte man sich an Kindern vergehen, ihre Psyche zersetzen?
          Ich schließe mich dem Wusch weiter oben an, es wäre toll, wenn Ihr beim nächsten Mal einen Prister und/oder einen Psychster zu dem Thema interviewen würdet.

  19. Beim Brexit wäre ein Ende mit Schrecken besser als ein Ende ohne Schrecken. Was soll denn eine Verschiebung um drei Monate bringen außer weiteres Chaos? Außerdem wäre dann der Brexit spätestens Ende Mai wieder in aller Munde und würde die EU-Parlamentswahlen überschatten.

    Die Briten können ja gerne in den nächsten zwei Jahren ein Referendum darüber veranstalten, ob sie wieder Mitglied der EU werden wollen. Da redet ihnen keiner rein. Aber aktuell lähmen sie alle Reformvorschläge innerhalb der EU. Leider beschleicht mich das Gefühl, dass dies der deutschen Regierung eigentlich ganz recht ist.

    Angesichts mancher Aussagen der Tories in den letzten Jahren, kann ich mir auch nicht vorstellen wie die EU in Zukunft weiter mit Großbritannien zusammenarbeiten sollte falls der Brexit doch nicht zustande kommt. Das Verhältnis wäre doch total vergiftet nach den Ereignissen der letzten Jahre. Schade, dass das Wahlsystem in Großbritannien kleine Parteien benachteiligt. Mit einer Grünen als Premierministerin sähe die Lage vielleicht schon wieder ganz anders aus.

  20. Urheberrechtsreform
    Es geht mir aktuell nur um die Frage, inwieweit “kleine Dienste” von der Reform überhaupt betroffen sein werden. Der entscheidende Abschnitt von Artikel 13 dürfte folgender sein:
    “4aa. Member States shall provide that when new online content sharing service providers whose services have been available to the public in the Union for less than three years and which have an annual turnover below EUR 10 million (…), the conditions applicable to them under the liability regime set out in paragraph 4 are limited to the compliance with the point (a) of paragraph 4 and to acting expeditiously, upon receiving a sufficiently substantiated notice, to remove the notified works and subject matters from its website or to disable access to them.Where the average number of monthly unique visitors of these service providers exceeds 5 million, calculated on the basis of the last calendar year, they shall also demonstrate that they have made best efforts to prevent further uploads of the notified works and other subject matter for which the rightholders have provided relevant and necessary information”
    Dienste also, die länger als 3 Jahre existieren, mehr als 10 Mio € Umsatz machen und mehr als 5 Mio Besucher pro Monat sind überhaupt nur in vollem Umfang davon betroffen.
    Oder?
    Denn nicht nur mir bleibt unklar: “der” oder “und”?
    Zumindest würde ich davon ausgehen, dass eine Existenz von mehr als 3 Jahren nicht ausreicht, um eine volle Verantwortung für evtl. Urheberrechtsverletzungen zu begründen. Und damit kann zumindest all den Betreibern kleiner Foren und sonstiger Plattformen Entwarnung gegeben werden.
    Was diese Regelung auf vielen anderen Ebenen anrichtet, steht demgegenüber natürlich auf einem völlig anderen Blatt.

    • Nur Dienste die jünger als drei Jahre sind UND weniger als 10 Mio Umsatz machen sind ausgenommen, soll heissen bei diesen reicht wie bisher ein Entfernen nach Hinweis. Sofern diese allerdings mehr als 5 Mio Besucher haben, müssen sie zusätzlich nachweisen dass sie Anstrengungen unternehmen um zu verhindern, dass einmal angemahnter und entsprechend entfernter Content erneut hochgeladen wird.

      Alle anderen Dienste hängen voll drin. Die Nummer mit Alter und Umsatz ist also so eine Art Welpenschutz, und die 5-Mio-Besucher-Schranke unterscheidet dann zwischen kleinen und großen Welpen.

  21. Zum Hinweisbeschluss des bgh:
    Meiner Meinung nach und auch nach meiner praktischen Erfahrung mit der Thematik aus richterlicher Perspektive bringt der Beschluss jedenfalls hinsichtlich der Frage eines Mangels nichts wirklich was. Dass die betroffenen Fahrzeuge mangelhaft sind wird wohl inzwischen sogar von den Braunschweiger Richtern so gesehen. Die viel interessantere frage ist da genau die, die Ulf angesprochen hat, nämlich die Frage inwiefern der Käufer sich auf eine Nachbesserung verweisen lassen muss. In diesem Zusammenhang ist insbesondere wohl noch nicht geklärt, ob nicht bereits ein Software Update völlig ausreichend ist. Eine Äußerung zu dieser Frage hätte meiner Meinung nach viel größere Bedeutung gehabt.
    So bleibt die einzige relavente höchstrichterliche Äußerung in der Annahme, dass gegebenenfalls ein neueres Modell nachgeliefert werden muss. Ob man zu diesem prüfungspunkt überhaupt kommt, ist dagegen noch lange nicht geklärt. Von daher erachte ich die Relevanz als nicht sonders hoch.

    • “Von daher erachte ich die Relevanz als nicht sonders hoch.”
      Die meisten Käufer wollen ja auch keinen Neuwagen (wobei die da sicher auch nichts gegen hätten), sondern wollen ihr Fahrzeug weiterhin benutzen dürfen. Und mit diesem Hinweis ist das jetzt zum Problem des Händlers (!) geworden, und nicht mehr das Problem das Kunden. Von daher halte ich das durchaus für relevant.

  22. Die Idee mit dem Trinkgeld für Paketzusteller war hoffentlich nur unüberlegt so daher gesagt. Ich glaube nicht, dass wir hier amerikanische Verhältnisse haben wollen, wo Arbeiter auf Almosen der Kunden angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Stattdessen sollten sie vernünftig bezahlt werden. Ein erster Schritt wäre es den Lieferdienst frei wählen zu können, damit man als Kunde auch die Möglichkeit hat unzuverlässige und unmoralische Firmen zu meiden. Ein weiterer wäre es, diese unsäglich Praxis mit den Subunternehmen und den Scheinselbständigkeiten zu unterbinden.

    • Nein, das war nicht nur so daher gesagt. Beides schließt sich doch nicht aus: Natürlich sollten die Zusteller gut bezahlt werden, das haben wir ja ausdrücklich zum Ausdruck gebracht. Das ändert aber nichts daran, dass es eine gute Idee wäre, wenn man ihnen auch ein Trinkgeld geben könnte – nicht zuletzt um sie zu einer ordentlichen Zustellung zu motivieren.

      • Die ordentlich Ausführung eine Zustellung wurde auch klappen, wenn die Zusteller anständig bezahlt und auch genügend Zeit bekommen würden ihren Job anständig auszuführen. Die Einführung eines Trinkgeldes finde ich pervers, dass der Empfänger sich um die anständige Entlohnen eines Mitarbeiters kümmern muss.

        • Siehe oben: ja, die Leute müssen ordentlich bezahlt werden, aber das schließt ein Trinkgeld nicht aus. Das ist in der Gastronomie doch auch Standard, warum nicht im Bereich Zustellung? Wer einen super Service abliefert, der bekommt eben einen oder auch fünf Euro extra. Ich kenne eine Menge Leute, die sich dauernd über miserablen Service von DHL und Co. ärgern. Die würden sehr gerne ein paar Euro für eine zuverlässige Zustellung oben drauf legen.

        • Natürlich sollte sich der Empfänger darum kümmern. Der ist doch in den meisten Fällen auch der Auftraggeber. Wenn ich zur Lieferung eines Pakets zuhause bin gebe ich grundsätzlich 2 Euro.

      • 3. März 2019 um 20:19 Uhr
        Martin Sterneborn

        “Um sie zu einer ordentlichen Zustellung zu motivieren.” Ernsthaft? Und im nächsten Schritt sieht man sich dann dazu angehalten, seinen Bürgermeister zu Selbstverständlichkeiten zu “motivieren”, wie sein Amt “ordentlich” zu führen.

        • Ja, ernsthaft. Natürlich wäre es schön, wenn die Leute von ganz alleine einen guten Job machen. Aber das passiert halt nicht, teilweise aus Zeitdruck, teilweise weil sie krank arbeiten müssen, teilweise weil sie kein Bock haben. Also braucht es die richtigen Anreize, damit das wieder klappt.

        • 4. März 2019 um 12:42 Uhr
          Martin Sonnenstern

          Darüber wird man dann wohl unterschiedlicher Meinung bleiben müssen. Ich sehe jedenfalls die Gefahr, dass sich dann am zugrundeliegenden Problem nichts verbessert, wenn man zu anderweitigen “Lösungen” wie Trinkgeldern übergeht. Es ist bereits in der Gastronomie eine Unsitte.

          Um das nachzuvollziehen, muss man aber wohl die Gedanken von Leuten nachvollziehen, die beispielsweise Armenspeisungen wie “Die Tafeln” politisch ablehnen. Dadurch, dass sich dort eine Zivilgesellschaft um Lösungen für Probleme kümmert, für die es eine Öffentliche Zuständigkeit geben sollte, geschieht vonseiten politischer Entscheidungsträger nichts, weil es ja anscheinend keinen Handlungsbedarf gibt.

          Wenn nun irgendwelche Zusteller aus Zeitdruck oder krankheitsbedingt ihre Arbeit nicht machen können, darf es keine Lösung sein, diese nach Gutdünken mit Almosen zu trösten. Da muss vielmehr Regulierung oktroyiert werden, die die Ursachen von Missständen eliminiert.

        • Wie jetzt schon x-fach kommentiert bezieht sich die Idee mit den Trinkgeldern überhaupt nicht auf die Entlohnung. Natürlich muss erst mal das Gehalt gut sein. Aber beides sind getrennte Fragen, und auch bei guten Gehalt können Trinkgelder eine wichtige Funktion haben, damit die Paketboten einen möglichst guten Job machen. Daran hapert es nämlich gewaltig: Bei mir im 4. OG wird echt NIE geklingelt. Man druckt halt gleich ein Kärtchen (wenn ich Glück habe … ) und gibt das Paket beim Nachbarn im EG ab.

        • Ich denke der Ausdruck des Trinkgeldes kann auch aus einer ganz anderen Richtung gesehen werden. Wir honorieren, dass jemand nicht nur seinen Job macht und schnellstmöglich selbstgewinnorientiert, wie es bei manchen nicht Angestellten, sondern als selbstständig beauftragten Auslieferern der Fall ist.
          Unsere Gesellschaft tendiert dazu bei Beschwerden die höchst mögliche Stelle innerhalb von Unternehmen zu suchen, aber gleichzeitig am Lob für einen ordentlichen Job zu sparen.
          Aus diesem Grund finde ich die Grundsätzliche Idee gut.
          Wieso gibt es Trinkgelder bei Restaurants, teilweise bei der Müllentsorgung und bei anderen Dienstleistungen, wie Friseuren? Ich denke, weil uns der Service überzeugt.
          Und mit der Idee aus dem Podcast diesen Service zu digitalisieren macht man dieses Trinkgeld sogar noch transparenter, was nicht nur aus steuerlicher Sicht interessant ist, sondern auch eine sehr interessante Kennzahl für Unternehmen produzieren kann.
          Genau so bei Telefonhotlines. Man ruft dort an, um Beraten zu werden, oder um aufgetretene Probleme beheben zu lassen. Wieso sollte man nicht eine gute Beratung auch an dieser Stelle mit einem Trinkgeld honorieren können? Kann das nicht auch mit zu einem unternehmerischem Umdenken führen?

  23. Cohan-Aussage
    Hi, ich frage mich schon seit langer Zeit, was alles noch passieren muss, damit Donald Trump den Job wechselt. Mit der Aussage von Cohan sind doch erneut Beweise für die Abgebrühtheit, die Einstellung und die Machenschaften dieses Mannes publik geworden. Ich habe das Gefühl, dass alles aufgedeckt werden und in Zukunft noch passieren kann und trotzdem bleib der PotUS. Offenbar sind eben nicht alle Menschen vor dem Gesetz gleich…
    Meine Bitte an euch: Könntet ihr mal Vergleiche zu ähnlichen Fällen (zB Nixon oder auch gerne außerhalb der USA) ziehen? Wie erging es anderen Staatsführern, die sich ähnlich verhalten haben? Und in welche Richtung haben sich die jeweiligen Stasten entwickelt (zB Autokratie, Diktatur oder doch wieder zu einer moralischeren Demokratie)? Vielen Dank und Grüße aus München!

  24. Sanktionen von ALG2/Hartz IV Empfängern: Häufigkeit
    – absolut: in den letzten 12 Monaten gab es 406.652 Berichtigte mit mind. einer neuen Sanktion und 913.693 neue Sanktionen insgesamt in Deutschland.
    – relativ: die Sanktionsquote, d.h. die Zahl der aktuellen Empfänger mit mind. einer Sanktion geteilt durch die Zahl aller Empfänger, ist ca. 3,3%. Sie ist jedoch höher bei Männern, bei unter 55-jährigen, in Ostdeutschland, unter Deutschen (im Vergleich zu ausländischen Berechtigten), und unter Arbeitslosen.
    Anmerkung 1: die Zusammensetzung dieser Personengruppen ist natürlich auch anders, d.h. man kann nicht so direkt vergleichen. Es ist z.B. auch so, dass manche Gruppen leichter/eher sanktioniert werden können bzw. manche Sanktionen nur für manche Gruppen zutreffen (z.B. gibt es Sanktionen für Arbeitslose, die bei Arbeitenden gar nicht existiert – nämlich dann, wenn nicht “genügend intensiv nach Arbeit gesucht wird”).
    Anmkerung 2: die liftetime-Quote wird sicher höher sein, ebenso der Anteil aller Deutschen die schon irgendwann ein mal ALG2 bezogen hat und sanktioniert wurde.
    Anmerkung 3: Sanktionierung bei ALG 1 halte ich für sehr viel häufiger, weil man da ja früh genug anmelden muss, dass man arbeitslos wird. Und in der hektischen Endphase der Arbeit sind sicher nicht wenige zu spät dran und bekommen dann ALG1 erst verzögert.

    Quelle 1: Statistik der Bundesagentur für Arbeit,
    https://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Themen/Grundsicherung-fuer-Arbeitsuchende-SGBII/Sanktionen-Widersprueche-Klagen/Sanktionen-Widersprueche-Klagen-Nav.html (Navigation: Statistik nach Themen -> Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) -> Sanktionen / Widersprüche und Klagen ).
    Stand: Oktober 2018 (d.h. die 12 Monate des Berichtsjahrs umfassen Nov 2017 – Okt 2018).
    Quelle 2: IAB Kurzbericht 19/2018,
    http://doku.iab.de/kurzber/2018/kb1918.pdf

  25. Brexit: Nichts daran ist überraschend.
    Labour kann fordern, was sie wollen, sie werden es nicht durchbekommen, das wissen sie, genau deshalb fordern sie es. Null Risiko, Pluspunkte bei Remainern.
    Torries sind (nun) für extension, weil sie die sowieso brauchen, selbst wenn May’s deal angenommen würde (das ist auch die als logisch verkaufte Variante – weil schon allein die Implementierungsgesetzgebung in den restlichen zwei Wochen nicht zu schaffen ist).
    Alles daran ist kalkuliert.
    Eine Mehrheit für einen Abbruch des Brexit gibt es nicht.
    Man muss auch von außerhalb nicht immer so tun, als müsste man den Briten helfen müssen und die Umkehr des Brexit (als Rettung) aufzwingen.

    Das Referendum war rechtlich nicht bindend, weshalb auch die Gerichte trotz der Lügen nicht dagegen vorgehen. Rechtlich bindend wurde es erst durch die Mehrheit des neu gewählten (Remainer!)Parlamentes, dass sich an das Referendum gebunden sah und sieht.

    Die EU wird, wenn überhaupt, wegen der EU-Wahl nur eine kurze extension gewähren.
    Damit steigt für May die Wahrscheinlichkeit, dass ihr deal durchgeht oder es absichtlich oder unabsichtlich zu no deal kommt.
    Das ist, was beide Parteispitzen (Desaster-Sozialismus vs. Desaster-Kapitalismus) wollen.

    Zumindest nichtbritische EU-Bürger in UK MÜSSEN bei der EU-Wahl unter allen Umständen wählen können!

    Es müssen ALLE EU27 einer extension zustimmen (Frankreich – Gibraltar! / Irland – Backstop!).
    Aus welchen Gründen gäbe es eine Zustimmung:
    Verhandlungen – nein
    Referendum – ja (will UK nicht)
    Wahlen – ja (will UK nicht)
    Implementierung – ja

    Niemand will den harten Brexit? Natürlich nehmen Sie es zumindest in Kauf.
    Viele Remainer durch Nicht-Wahl. Viele Brexiteers sowieso.
    Brexit = Englischer Nationalismus und britischer Exzeptionalismus.

  26. 3. März 2019 um 0:41 Uhr
    Victor Bravantok

    Hi ihr zwei,

    ich wohne in Berlin-F’hain, also sehr liberal. Ich bin schwul und in der katholischen Kirche aktiv, Niemand hat was gegen mich oder meine Sexualität.
    Ich überlege Priester zu werden, ich lebte meine Sexualität aus und ich kenne rund 80 Priester. Ich kenne einen (1) der sündig geworden ist, mein Bischof hat nichts gegen all das!

    Ich höre Euch gern, aber ihr diskreditiert mich, meine Freunde (die katholisch oder – nicht sind), und alle die gern zu den Messen kommen, normal sind und keine Lust aus Diskreditierung haben.

    Im DLF hie0 es so schön: “In Zahnarztpraxen findet auch Missbrauch statt!”.

    Ich bin Katholik in Berlin – im Szene-Kiez – , ich will Priester werden, ich will im Zölibat leben, ich bin schul, ich und meine Kirche sehen das nicht als Problem. Ich missbrauche keine Nonne, keine Kinder – einfach niemanden. Ich lebe im Zölibat, ich trinke, ich zeche, ich sündige, ich beichte, ICH bIIN EIN NORMALER KATHOLIK!

    Bitte lasst doch den Moralischen weg, wenn ich über DInge redet die ihr nicht zu tiefst begreift. Ich weiß, Ulf ist Katholik. Aber ich habe auch einen Führerschein und bin mal mit mehr als 0,6 Promille gefahren …
    Botte redet doch fundierter über Kirche und fundierter über Glauben, Institutionen. Holt Euch die DLF Frau rein, oder *Wilhelm Ahrendt*, der den Gott bewahre! Podcast macht.

    • Warum fühlst du dich denn diskreditiert? Wir haben denke ich mit keinem Wort deine Lebensweise kritisiert und auch ausdrücklich gesagt, dass im Zölibat leben mag, wer das möchte. Wir sind nur gegen den obligatorischen Zölibat.

  27. Ich bin selbst Kleriker befasse mich intensiv mit dem Thema des Missbrauchs in der katholischen Kirche.

    ich sehe es auch so, dass der Fingerzeig auf Missstände in Bereichen außerhalb der Kirche in der Abschlussrede des Papstes völlig unangemessen war. Ich halte es aber weniger für ein Ablenkungsmanöver, als vielmehr für ein erschreckendes Verkennen der eigenen Position: Kein Mensch erwartet von der katholischen Kirche aktuell Belehrungen darüber, wie mit sexualisierter Gewalt weltweit umgegangen werden soll. Dagegen erwarten viele Menschen, vor allem die Überlebenden sexualisierter Gewalt, konkrete Maßnahmen innerhalb der katholischen Kirche selbst. Man denkt angesichts dieser Verkennung der Lage der Kirche durch den Papst wirklich, man sei im falschen Film.

    Die eigentliche Katastrophe der Abschlusserklkärung liegt jedoch an anderer Stelle: Zwar wird beteuert, man wolle nichts mehr vertuschen und jedem Missbrauchsfall nachgehen, dabei den Fokus auf die Betroffenen haben – aber indem die Täter als das alleinige Übel betrachtet werden, die als “das Böse aus dem Leib der Kirche” zu beseitigen sind, pflegt man weiter das Bild der “heiligen Kirche”, die rein und makellos ist und aus deren Mitte sich die Täter durch ihre Tat entfernt haben. Und indem man die Kirche in der Weise betrachtet, geht der Blick wieder nach außen, wo das Böse gesehen wird, und die Kirche verkennt, dass das Böse von Innen kommt. Das wäre aber notwendig, um die strukturellen Ursachen zu behandeln – problematisches Verhältnis zur Sexualität, männerbündische Strukturen, monarchische Verfasstheit, keine Gewaltenteilung, Ausgrenzung von Frauen von den Weiheämtern und vieles mehr. Ein interessantes Interview dazu gab es in der vergangenen Woche im DLF mit Klaus Mertes, dem Jesuitenpater, der 2010 durch sein offensives Veröffentlichen von Missbrauchsfällen am Berliner Canisius-Kolleg Öffentlichkeit herstellte. https://www.deutschlandfunk.de/kinderschutz-konferenz-jesuit-transformationsprozess-der.886.de.html?dram%3Aarticle_id=441987

    Ihr betont immer wieder den Zölibat als Ursache für den Missbrauch und hebt hervor, dass in der evangelischen Kirche der Missbrauch ein sehr untergeordnetes Thema sei, führt das darauf zurück, dass dort die Pfarrer heiraten und Frauen Ämter bekleiden dürfen. Woher nehmt ihr die Gewissheit? Ich will jetzt wirklich nicht ablenken von den Problemen der katholischen Kirche und ich hoffe (und vermute auch) sehr, dass ihr Recht habt, aber es gab im Bereich der evangelischen Kirche bislang nur eine sehr lokale Studie dazu im Bereich der nordelbischen Kirche (https://kirchegegensexualisiertegewalt.nordkirche.de/fileadmin/user_upload/baukaesten/Baukasten_Kirche_gegen_sexualisierte_Gewalt/Dokumente/Untersuchungsbericht.pdf), die ebenfalls auf Strukturen hinweist, die Missbrauch begünstigen, aber leider bislang nur wenig Resonanz gefunden hat in evangelischen Kreisen. Die vielen autonomen Landeskirchen machen eine systematische Erforschung nicht leichter. Auch zu dem Thema gab es ein interessantes Interview im DLF mit Thomas Klatt. Auf der verlinkten Seite die Zusammenfassung davon, das gesamte Interview ist auf der Seite ebenfalls abrufbar. https://www.deutschlandfunk.de/sexueller-missbrauch-in-der-evangelischen-kirche-im.886.de.html?dram:article_id=442218

  28. Hallo,
    danke wie immer für eine tolle Lage!
    Zum Brexit gibt es einen interessanten Kompromiss Vorschlag vom MP von Hove, vielleicht tut sich ja noch was in die Richtung:
    Labour-Abgeordnete werden für Theresa Mays “Deal“ stimmen und im Gegenzug wird dieser Deal zur Volksabstimmung gestellt. Wenn keine Mehrheit dafür stimmt, wird automatisch Artikel 50 zurückgezogen (= kein Brexit). Bis zum 12. März soll auch über diesen Vorschlag im Parlament angestimmt werden.
    Eigentlich ist er ein Backbencher und durch diese Aktion hat er sich ziemlich profiliert, und vor ein paar Tagen wurde prompt die Scheibe von seinem Büro in Hove eingeschmissen.
    Quelle zum Vorschlag:
    https://www.theguardian.com/politics/2019/feb/28/labour-moving-towards-plan-to-let-mays-brexit-deal-pass-if-it-faces-public-vote

    • Der Zug könnte abgefahren sein. Irgendwo stand mal zu lesen, daß die Briten über 20 Wochen zur Vorbereitung einer Volksabstimmung benötigen (z.B. hier: https://www.nzz.ch/international/brexit-vor-einer-zweiten-abstimmung-stehen-viele-huerden-ld.1428252). Die fände also frühestens Mitte August statt. Das neue EU-Parlament wird aber schon Anfang Juli zusammentreten. Das kann es aber nur, wenn die Wahl in allen Mitgliedsstaaten stattgefunden hat. Jetzt ist mir aber weder aufgefallen, daß die Briten diese Wahl vorbereiten würden (“die Engländer” wäre genauer, zumindest die SNP hat in Schottland Kandidaten aufgestellt), noch daß der Rest der EU eine Verschiebung plant. Dadurch, daß die Briten den neuen Austrittstermin auf die Zeit zwischen EU-Wahl und Konstituierung des neuen EU-Parlaments gelegt haben, bleibt dem Unterhaus am Ende möglicher Weise nur die Wahl zwischen einem ungeregelten Austritt oder Mays Deal. Und die Handlungsmöglichkeiten der EU dürften zwischen der Wahl und der Konstituierung des EU-Parlaments begrenzt sein, wenn sie nicht riskieren will, daß die gesamte Wahl ungültig wird.

  29. Ihr habt die Frage aufgeworfen, warum denn in D Sozialbeiträge nur von Löhnen abgezogen werden. Ganz einfach: das ist die Tradition. Das hat unter Bismarck angefangen, weil der Sozialkassen eben nur brauchte, um Arbeiter ruhigzustellen, nicht die Gutsituierten. Damals gab es eben keine Arbeiter/Angestellten, die nebenher ein Miethaus besitzen oder in einen Aktienfonds eingezahlt haben.
    Wenn wir dieses Modell nicht so im Blut hätten, wenn es heute eingeführt werden sollte, dann sähe man, welche blödsinnige Regelung das ist und welche ungerechten Folgen sie verursacht. Gleiches gilt für andere traditionelle Regelungen, die man heute so auf keinen Fall einführen würde, beispielsweise das Ehegattensplitting.
    Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Was lange gilt, wird als richtig empfunden, auch wenn die Verhältnisse drumherum sich um 180° gedreht haben.

    • Ach, noch eine Ergänzung: zu 100% stimmt das nicht einmal, dass es Sozialabgaben nur von Löhnen gibt. Die Landwirtschaft hat schon lange eine Sozialkasse, die mit Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit kalkuliert. Die Künstlersozialkasse auch, oder?

  30. Der Niedriglohnsektor ist ein strukturelles Problem. Früher war sozialer Aufstieg innerhalb des Unternehmens noch erwünscht, heutzutage ist das immer seltener der Fall. Der Grund dafür ist die Attraktivität von Zeitarbeit. Ich habe im Sommer 2016 mein Design-Studium beendet und war seitdem immer nur über Zeitarbeit beschäftigt. Dort sind die Löhne in der Regel eher niedrig und die Flexibilität für die Arbeitgeber höher. Nach spätestens sechs Monaten habe ich immer die Kündigung erhalten. Es gibt keinen Sinn mich weiter zu beschäftigen, weil das Kundenunternehmen mir nach neun Monaten den selben Lohn zahlen müsste wie den Festangestellten. Aktuell arbeite ich für 10,13€ pro Stunde als Sachbearbeiter für den Bundesanzeiger Verlag in Köln und prüfe die Jahresabschlüsse von Kapitalgesellschaften auf Größenkriterien und Fehler. Dort müsste man mir wahrscheinlich das Doppelte zahlen bei einer Beschäftigung über neun Monate hinaus. Auch für die Zeitarbeitsfirmen ist es attraktiver jemanden am Ende der sechsmonatigen Probezeit zu kündigen. Dies kann ohne Angabe von Gründen geschehen und in der Regel nicht angefochten werden. Außerdem kann laut Arbeitsvertrag nur in Ausnahmefällen Urlaub beantragt werden während der Probezeit. Die Kündigungsfrist ist mit nur einer Woche sehr niedrig. Unter diesen Bedingungen ist es sehr schwierig langfristig seine Zukunft zu planen. Alle sechs Monate muss man sich wieder auf Jobsuche begeben. Und sehr oft werden die Jobs nur in Teilzeit angeboten, weil die Arbeitgeber lieber zehn Teilzeit- als fünf Vollzeitkräfte beschäftigen. Hätte ich keine familiären Verpflichtungen, wäre ich schon längst ins europäische Ausland ausgewandert wie es einige meiner Kommilitonen gemacht haben. In den Niederlanden sind die Arbeitsbedingungen deutlich besser. Die letzte Regierung in Deutschland, der die Arbeitnehmer wichtiger waren als die Arbeitgeber, war die Schmidt-Regierung vor 37 Jahren. Kohl, Schröder und Merkel haben meiner Meinung nach zu wirtschaftsfreundliche Politik gemacht. Und mit der aktuellen Schwäche der SPD spricht nur wenig dafür, dass sich dies in den kommenden Jahren ändern wird. Vor allem nicht solange die CSU Teil der Regierung ist.

    Problematischer als die vier Tech-Unternehmen Amazon, Apple, Facebook und Google sind die vier Beratungsunternehmen KPMG, Deloitte, PricewaterhouseCoopers und Ernst & Young. Gibt eine sehenswerte ARD-Doku dazu:
    https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/die-unheimliche-macht-der-berater-video-102.html

  31. Zum automatischen Ausfuellen von Fahrgastrechteformularen: Pajowu hat ein Python-Script gebaut, das sich mit dem Fahrscheinauftrag (das ist die fuenfstellige alphanumerische Kennung auf dem Onlineticket) und dem Nachnamen fuettern laesst und daraus automatisch die Zugfolge in den Formularvordruck uebernimmt. Die eigene Anschrift, Bankverbindung etc. laesst sich als Stammdatensatz speichern: https://github.com/pajowu/fahrgastrechte-autofill

  32. Danke erstmal für euren wöchentlichen Analysen, immer gut zu hören.
    Zum Attac-Urteil finde ich den Blick über den deutschen Tellerrand spannend und wichtig: Weltweit werden seit Jahren zivilgesellschaftliche Organisationen in ihrem Handlungsspielraum eingeschränkt – auch und vor allem durch administrative und bürokratische Vorgaben und Richtlinien. Dies trifft vor allem besonders kritische und lautstarke NGOs, in den vergangenen Jahren hat das Phänomen deutlich zugenommen. Diese Prozesse firmieren in der Menschenrechts- und Friedens”szene” unter dem Schlagwort “Shrinking Space for Civil Society”.
    Die Entscheidung des Bundesfiinanzhofs ist sicher nicht uneingeschränkt hier einzuordnen, da diese Prozesse in vielen Ländern oft von der Exekutive lanciert und aufgrund mangelnder Gewaltenteilung nicht zurückgenommen werden. Die Justiz in Deutschland ist hier zum Glück unabhängiger und stärker. Dennoch und gerade vor dem Hintergrund des von euch Letztgesagten zur Bundestagsanhörung, Deutscher Umwelthilfe etc. muss auch hier Zivilgesellschaft wachsam sein, damit kritische Stimmen nicht durch bürokratische Prozesse zum Schweigen gebracht werden.
    P.S. zur Transparenz: Ich bin Mitarbeitender einer internationalen Menschenrechts-NGO.

  33. Ein paar kleine Brexit-Korrekturen:

    Nicht “alle Parteien”, sondern nur Labour, Tories und DUP sind mit der Aussage dass sie den Brexit durchführen wollen in die Wahl gegangen. Schottische Nationalisten und die Liberalen sind explizit mit einer Anti-Brexit Position in die Wahl gegangen, dazu kommt Sinn Fein. Diese Partei nimmt ja traditionell ihre Sitze nicht ein, weil sie keinen Eid an die Queen leisten wollen.

    Donald Tusk ist nicht Präsident der Europäischen Kommission, sondern Präsident des Europäischen Rates.

    Zu der Frage der Verlängerung gab es ja diese Woche eine interessante Analyse des juristischen Dienstes des Bundestages, die auch in GB grosse Wellen geschlagen hat. Aus Sicht der britischen Juristin sind wohl die Rechte von nicht-britischen EU-Bürgern das grösste Problem im Fall einer Verlängerung ohne eine Wahl zum EP.

  34. Moin Jungs, danke für den guten Podcast!
    Ihr sprecht über einen HBR-Artikel, den ihr verlinken wolltet, habt diesen leider nicht verlinkt. Mögt ihr das noch nachtragen?

    Besten Dank

  35. Liebe Lage,

    Zur Nachrichtensperre in Australien: die Süddeutsche hat im Dezember schon über diesen Prozess geschrieben, insbesondere über das Thema „Nachrichtensperre“. Ich glaube, die Berichterstattung lief damals unter dem Titel „Gerichtsprozess ohne Namen“ – als Hinweis, falls ihr das nochmal nachlesen wollt!

    Liebe Grüße,
    Jessica

    • Dazu noch eine weitere Anmerkung: es gibt mind. ein europäisches Gesetz, das theoretisch auch im Ausland gilt, nämlich die DSGVO (s. Art 3 II DSGVO). Ob sich praktisch im Ausland jemand daran hält oder man das durchsetzen kann, ist natürlich eine andere Frage. Bei dieser gag-order dürfte es ähnlich sein.

  36. https://app.handelsblatt.com/politik/deutschland/mindestlohn-nahles-unterstuetzt-verdi-chef-bei-subunternehmerhaftung-fuer-paketzusteller/24030928.html

    Die SPD unterstützt diese Branche!
    Und die SPD fordert den Mindestlohn von 12 Euro. Warum lasst ihr der SPD (wieder) nicht die in dem Punkt zustehende Anerkennung zukommen?

    Habe auch noch keine Antwort von Euch zu meinem ausführlich recherchiertem Kommentar zur Lage 130 be
    zgl. Eurer meines erachtens ungerechten und unausgewogenen Berichterstattung zum Thema SPD-Themen bekommen.
    Ich würde mich freuen wenn ihr dazu noch Stellung bezieht.
    VG
    Till-Yong

  37. Ihr habt bewusst/unbewusst vergessen zu erwähnen, dass man euch nächste Woche im ZDF sehen kann ;-)

  38. Ich hatte es schon vergessen, aber lese in den Kommentaren wieder das über den Trinkgeld.

    Trinkgeld zu geben an den ist an sich eine gute Idee aber es gab schon einige Beispiele wo Unternehmen die Weitergabe von dem Geld gekürzt haben. Man kann nie darauf (und vor allem Techunternehmen nicht) vertrauen ob alles weitergegeben wird, ob es dann noch steuerfrei bleibt usw. deswegen halte es einfach für alle beteiligten und gib es bar.

    Und wenn alle für jede Lieferung den Leuten €0,50-€1 zahlen würden (was eigentlich kein weh tun sollte, früher hast du für den Versand mehr als das doppelte bezahlt), würde das wirklich für denen einen riesen Unterschied machen.

    • Amazon und DHL dürfen also weiterhin Hungerlöhne zahlen und werden dafür steuerfrei von den Kunden subventioniert?

      • Ich weiß wirklich nicht, was die Polemik soll. Die Möglichkeit, Trinkgeld zu geben, ist doch völlig unabhängig von der Frage, welche Löhne gezahlt werden. Ich würde zB gerne Trinkgeld geben, wenn mein Päckchen wirklich bei mir angekommen ist oder wenn ich eine Karte bekomme, wenn es beim Nachbarn liegt.

        • Das Problem ist ja nicht das Trinkgeld an sich. Natürlich darf jeder Trinkgeld geben wenn er das will.
          Ihr (und der Kommentar auf den ich geantwortet hatte) hattet das Trinkgeld doch aber konkret als Lösungsansatz für das Problem der schlechten Bezahlung der Zusteller genannt. Das ist es was ich für falsch halte.

        • Das Problem ist m.M.n., dass das dann schnell so ausartet, wie in den USA, wo mittlerweile 20% “Trinkgeld” gefordert werden. Und sogar Fluglinien die Fluggäste auffordern, der Crew “Trinkgeld” zu zahlen! “Hier haste $50 für die geglückte Landung.”

          Nein, nein, nein! Die Leute sollen *erstmal* ordentliche Löhne bekommen! Wenn ich dann mit dem Service übermäßig zufrieden war bekommen sie Trinkgeld. Nicht dafür, dass sie den Bus nach Hause bezahlen können.

      • Der Unterschied zwischen kurzfristige Möglichkeiten die Sachen zu verbessern und langfristige, reiner Pragmatismus, Nächstenliebe; ich weiss das sind alle unglaublich schwierige Sachen.

    • Ich fände es mal ein interessantes Experiment wenn eine “zustellerfreundlichere” Versandoption angeboten würde, mit einem kleinem Aufpreis der als Trinkgeld abgeführt wird. Mich würden wirklich die Zahlen dazu interessieren und ich frage mich wieviele Leute das machen würden…bin mir nicht sicher ob nicht doch der knallharte innere Sparfuchs bei vielen siegt. Grundsätzlich löst das aber das Problem nicht! Ein Trinkgeld ist immer eine freiwillige Sache. Angesichts der Zustände sollten Zusteller einen Anspruch auf bessere Bezahlung haben! Ich fürchte Trinkgeldlösungen entließen die zuständigen Unternehmen nur aus ihrer Verantwortung! Ein anderer Kommentar hat bereits richtig erwähnt: In bspw. Amerika ist Bedienpersonal auf Trinkgeld angewiesen. Der Gast muss praktisch den Job des AG machen: das Gehalt der AN ausgleichen damit diese über die Runden kommen. Klingt nicht ehrlich für mich. Zudem bleibt die Frage ob bei einer Zusatzoption nicht auch das Versandunternehmen über eine Provision mitverdienen würde. Das würde ich nicht wollen. Zuletzt noch ein Problem mit Gastro-Parallele: Wie stellt man sicher dass jeder der an der Leistung beteiligt ist auch am Trinkgeld beteiligt wird? Teilt in der Gastro der Kellner auch fair mit dem Koch? Das würde ich mir jedenfalls wünschen. Aber teilt der Zusteller auch mit dem Verlader im Paketzentrum und wenn ja wie?
      Ich hoffe schlussendlich immer noch das unsere ganzen Beschwerden über schlechte Zustellungen besser würden wenn die Zustände der Zusteller und Co. besser wären. Wir hätten alle was davon.
      Was meint ihr?

      • Prinzipiell ist gegen ein angemessenes Trinkgeld bei einer guten Dienstleistung nichts zu sagen. Wenn jemand Tippen will, soll sie tippen. Unabhängig vom Berufszweig. Das Trinkgeld sollte sich dann aber an der erbrachten Leistung und nicht an dem (vermuteten) Gehalt des Empfängers orientieren. Es ist schließlich als Bonus/Dank für eine hervorragende Leistung und nicht als notwendige Ergänzung des Lohnes gedacht. Ein standardmäßiges Trinkgeld würde mMn Versandfirmen nur dazu animieren die prekären Arbeitsbedingungen weiter auszubauen (mehr Lieferungen=mehr Tip) oder sich sogar daran zu bereichern, wie dieses aktuelle Beispiel zeigt:

        https://www.latimes.com/business/technology/la-fi-tn-amazon-drivers-tips-20190207-story.html

        Sollte man ernsthaft an einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen und des Lohnes von Paketzustellern interessiert sein, sollte man die zur Zeit übliche und auch ökologisch fragwürdige Praxis des kostenfreien Versands/Rückversands hinterfragen. Solange eben solche Lieferkosten nirgendwo eingepreist werden, wird auch kein Geld für den Zulieferer bzw. für eine gute Zustellung übrig sein.

  39. Kleiner Klugscheißerkommentar: Donald Tusk ist nicht der Präsident der EU-Kommission, sondern der Präsident des Europäischen Rates :)
    Wird mich aber nicht davon abhalten weiter die Lage zu hören- ist und bleibt mein Lieblingspodcast! Danke euch!

  40. Bezüglich Brexit:

    Es klang ein wenig an als ob ein zweites Referendum nur ein Parteienproblem bzw. ein ideologisches Problem sei. Ich würde dabei noch einwerfen, dass ein zweites Referendum wesentliche demokratische Probleme aufwirft, da das erste Referendum als bindend gesehen wird (auch wenn es dies rechtlich nicht ist) und die Konditionen darin noch nicht erfüllt wurden. Die Argumentation, dass “das Volk wählt bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist”, wäre dann auch nicht so leicht von der Hand zu weisen, was wiederum weiterer Zündstoff wäre für die Brexit-Befürworter.

    Das soll natürlich nicht heißen, dass das erste Referendum einwandfrei ist, ganz im Gegenteil. Rein aus demokratietheoretischer Perspektive gibt es derzeit keinen Weg, der nicht das Grundgerüst der britischen Demokratie schwächen würde. Aber es lässt sich zumindest daraus lernen, dass man nicht ein Referendum hält zu groben Konzepten bei denen man sich uneinig ist bzw. es an inoffizielle Konditionen knüpft (Cameron Rücktritt).

    • Ich habe noch nie verstanden, warum ein zweites Referendum in irgendeiner Art und Weise undemokratisch sein soll, denn immerhin wird das Volk gefragt, und diesmal sogar mit einer konkreten Option, nämlich dem Brexit-Deal. Aus meiner Sicht kann eine Volksabstimmung per Definition nicht undemokratisch sein.

      • Es geht nicht um das mögliche zweite Referendum als Solches in Isolation sondern in Bezug auf das erste Referendum. Eine geordnete Demokratie kann nicht einfach Wahlen durchführen und diese mit Ausnahme von ordnungswidrigen Gründen verwerfen ohne selbst an Glaubwürdigkeit zu verlieren (wie gesagt auch wenn jenes nicht rechtlich bindend ist aber dennoch so betrachtet wird).

      • Man mag nicht dieselbe Frage nochmals stellen können, aber darum geht es ja auch nicht: Die Frage wäre ja, ob ein bestimmter Brexit eine Mehrheit fände, nachdem das erste Referendum eher eine Art „wünsch dir was“ war, wo sich im Grunde alle nur ihren Illusionen hingegeben haben.

  41. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum beim Thema der Bezahlung von Paketboten immer wieder versucht wird, Verbraucher für die Fehler der Politik verantwortlich zu machen.
    Von überall bekommt man zum Beispiel gesagt man solle doch mal weniger bei Amazon bestellen wegen den armen Paketboten. Und auch eure Idee mit den Trinkgeldern geht finde ich in die gleiche Richtung.
    Abgesehen davon, dass man damit den Verdienst dieser Leute vom Wohlwollen der Besteller abhängig macht, kann es doch nicht die Lösung sein, dass der Verbraucher direkt die schlechten Löhne der Unternehmen ausgleichen muss.
    Auch diese Tricksereien mit Subsubunternehmern beispielsweise um die Löhne zu drücken gehören einfach verboten. Wenn der Versand dadurch für alle ein paar Euro teurer wird, dann ist das halt so.

  42. 1. März 2019 um 17:06 Uhr
    Tobias Valtinat

    Die Frage, ob in der Amazon App ein Button für Trinkgeld für den Fahrer eingebaut werden sollte finde ich fehl am Platz.
    Die Leute sollen ein Recht auf hinreichend Bezahlung haben und nicht von der Gnade der Kunden ihrer Arbeitgeber abhängig sein.
    Insb. wo Amazon wohl zu den in diesem Podcast erwähnten Superkonzernen gehört

  43. Kann mir jemand sagen, welche Podcast -Player die hier schon so oft gerühmte Bilder – Funktion unterstützen? Ich hab jetzt mehrere Player runtergeladen und ausprobiert und auf keinem war die in dieser Folge erwähnte Karte von Pakistan und Indien zu enden. Ich habe auch keine website gefunden, die podcast – player vergleicht und auf dieses Feature eingeht.
    Ich benutze ein Android-Smartphone.
    Danke und Gruß

    • Für Android benutze ich Pocket-Cast. Bis jetzt noch nichts gefunden, was der Player nicht kann.
      Auch die Bilder

  44. Immer wieder Amazon. Ich habe 10 Jahre in NRW in der Metallverabeitenden Industrie gearbeitet.
    Immer ganz leicht über dem dann eingeführtem Mindestlohn. Dann habe ich bei Amazon angefangen. Über 12 Euro die Stunde. Also in NRW ging es mir wesentlich schlechter.