LdN131 Deutsche IS-Kämpfer, Urheberrechts-Richtlinie, Framing-Studie, Digitalpakt, Klimagesetz, Fridays for Future, Carsharing

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Begrüßung

Deutsche IS-Kämpfer

Update Urheberrechts-Richtlinie

ARD Framing-Studie

Digitalpakt

Klimagesetz

Fridays for Future

Carsharing boomt

Rechtssicherheit für neue Mobilität-Konzepte

Hohe Entschädigung der Bahn

Verabschiedung

Bildnachweis 

Hausmitteilung 

99 Kommentare

  1. „Interessanter“ Tweet vom EU Parlament zum Urheberrechts-Gesetz: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Upload-Filter-und-Artikel-13-Wirbel-um-irrefuehrendes-Video-des-EU-Parlaments-4323610.html

    Dachte eigentlich, dass in einer Demokratie die Abgeordneten selber abstimmen bevor ein Parlament verkündet was Sache ist?

    Ebenfalls beunruhigend ist der Plan im Personalausweis zukünftig Fingerabdrücke zu verlangen, Europaweit.:
    https://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Gremien-einig-Fingerabdruecke-in-Personalausweisen-werden-Pflicht-4313534.html

    Manchmal hat man schon den Eindruck, dass die EU über die Bevölkerung einfach hinweg eintscheidet. Eure Meinung?

  2. Zum Carsharing:
    Zum Thema Uber hatte ich vor einiger Zeit tatsächlich mal einen sehr spannenden Blogpost gelesen (den ich jetzt leider auf die Schnelle nicht wiedergefunden habe), von einer US Amerikanerin die im Rollstuhl sitzt und beschrieben hat, wie Uber ihre Mobilität tatsächlich nachheitlich eingeschränkt. Denn während Taxiunternehmen durch den Gesetzgeber in den USA dazu verflichtet seien, eine gewisse Zahl an barrierefreien Taxen zur Verfügung zu stellen, funktioniere das wohl bei Uber überhaupr nicht. Die hätten zwar einen Extradienst eingerichtet, bei dem man eben die Verfügbarkeit von barrierefreien Taxen einstellen und einsehen kann, praktisch herrsche da aber wohl auch in großen Städten gähnende Leere.
    Die Effekte, die die Einführung von Uber auf die Infrastruktur hat, blieben aber natürlich trotzdem erhalten, dh. die offiziellen Taxis würden deutlich weniger, während aber die Alternative Uber für viele Menschen mit Behinderung nicht nutzbar wäre, schon allein weil nicht genug (Platz im) Kofferraum da sei, um selbst “weniger sperrige” klappbare Rollstühle zu verstauen, geschweige denn größere Modelle, so zumindest ihre Schilderung.

  3. Zur Mobilität: Ich verstehe die Angst um den öffentlichen Nahverkehr. Allerdings habe ich gerade 20 Minuten auf den Bus gewartet und stehe jetzt in einem völlig überfüllten Bus. Ich wohne im Zentrum Berlins und wage die These aufzustellen, dass der öff. Nahverkehr in Berlin einige Probleme hat, möglicherweise sogar überfordert ist.
    In Berlin habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich mich, nicht auf den öff. Nahverkehr verlassen kann. Diesen Dienst um jeden preis zu schützen ohne ihm aufzuerlegen sich zu verbessern, ist möglicherweise zu kurz gedacht.

    • Der öffentliche Nahverkehr braucht ganz sicher keine Auflagen, die BVG beispielsweise würde mit Freuden einen besseren Service bieten. Es fehlt halt einfach am Geld. Man müsste also die Zuschüsse für den ÖPNV massiv erhöhen, statt Unsummen in Infrastruktur für Autos zu stecken.

      • “Der öffentliche Nahverkehr braucht ganz sicher keine Auflagen”
        Doch. Auch. Allerdings ist nicht jede Auflage eine sinnvolle Auflage und man müsste auch bestehende mehr auf den Prüfstand stellen und gegebenenfalls abschaffen. Was es da bereits gibt weiß ich nicht, aber ich finde folgende Idee ziemlich gut:
        https://www.deutschlandfunk.de/zukunft-der-mobilitaet-wie-wir-demnaechst-von-a-nach-b.740.de.html?dram:article_id=427850
        In dem Beitrag wird die Idee “Mobility as a Service” aus Helsinki vorgestellt, bei der die Auflage am Anfang stand, dass auf jeden Mobilitätsdienst über eine einheitliche Schnittstelle zugegriffen werden kann.
        Dies würde bedeuten, dass Haltestellen, Fahrpläne, Preise und Ausfälle/Verspätungen standatisiert abrufbar sind, wodurch Vergleichsangebote unterschiedlicher Mobilitätsservices leichter zu realisieren sind. Somit könnte im Prinzip über eine App verglichen werden, wie ich von A nach B komme und als Vergleichswert kann das eigene Auto daneben stehen. Auch eine Liveberechnung alternativer Fahrstrecken oder die Buchung eines Taxis, Leihwagens o.Ä. könnte so angeboten werden.

        “Es fehlt halt einfach am Geld”
        Das ist wahr.

  4. Diana zum Digitalpakt (mehr oder weniger)

    Könnte man an Schulen statt der 2. oder 3. Fremdsprache nicht als Alternativ-Wahl auch Computersprache (Programmiersprache) einführen?

    VG

  5. Hallo Lage,

    zur Kritik der Landesregierung NRW an den Schülerprotesten möchte ich auch noch in den Ring werfen, daß genau diese Landesregierung ja auf Grund ihrer Affinität zur Kohle und zur Energieerzeugenden Industrie ein ganz vitales Interesse hat, diese Streiks zu unterbinden und den Protest Mundtot zu machen. Das sie dabei kreativ sind verwundert nicht, denn die selbe Kreativität haben sie ja auch schon beim Hambacher Forst bewiesen, als sie das Baurecht als rechtliche Begründung herangezogen haben.
    Ich finde euren Einwand auf alle Fälle auch sehr treffend, daß die Landesregierung(en) sich erst einmal vor der eigenen Türe kehren und den selbst verschuldeten Unterrichtsausfall bekämpfen sollten.
    Zum Carsharing: Die deutlich geringere Anzahl an Personen, die sich beim stationären Carsharing ein Fahrzeug teilen, sehe ich nicht als verwunderlich an: Die Buchungszeiten sind schon viel länger, da ich das Fahrzeug nicht nur für 15 Minuten von A nach B buche, sondern für Hin-, Rückweg und auch die Wartzeit dazwischen buche. Außerdem halten die stationären Dienste auch Fahrzeuge verschiedener Klassen vor: Vom kleinen Hüpfer, mit dem man mal schnell alleine oder zu zweit wohin fährt, über Familienfahrzeuge, mit denen man auch mit einer drei- bis siebenköpfigen Familie den Sonntagsausflug zur Oma bestreiten kann, bis zu den 9-Sitzern für Vereinsausflüge. Dazu kommen noch die Transporter (Sprinter und ähnliches) die die Free-Floater üblicherweise auch nicht haben. Das bietet dann auch eher den Ersatz für Zweitwagen.
    Noch eine spannende Beobachtung sind Firmen, die statt der eigenen Firmenfahzeuge Carsharing nutzen. So sitzt mein Arbeitgeber in einem Areal, in dem sonst überwiegend kleinere Firmen untergebracht sind. Diese sind dafür zum größten Teil beim lokalen Carsharing-Anbieter angemeldet (der mittendrin eine Station unterhält und mehrere im direkten Umfeld) und haben auf die Anschaffung eigener Firmenfahrzeuge verzichtet. Hätte jede der Firmen eigene Fahrzeuge angeschafft, wäre die Parkplatz-Situation nicht mehr nur angespannt.

  6. Liebe Lage,
    der Mobilitätsblock hat mir sehr gut gefallen. Ihr hattet ja sehr richtig aufgezeigt, dass es auf die Kommunen ankommt und diese sich sinnvollerweise ein individuelles Mobiltätskonzept schustern müssen. Das fördert der Bund nun auch: https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-2289.html

    Es gibt auch eine Förderbekanntmachung, die sich mit der langfristigen Zukunft davon ausseinander setzt: https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-2289.html

    Hier ist der Überblicksartikel dafür: https://www.bmbf.de/de/mobilitaet-fuer-den-menschen-sauber-sicher-attraktiv-7849.html

    Vielleicht interessant als Nachklapp für die nächste Sendung.

    Viele Grüße Friedemann

    • “Damit umweltfreundliche Mobilität akzeptiert wird, darf sie nicht zur (…) ökologischen (…) Belastung werden.” Alles klar! Gut das man das klargestellt hat.

      Nichtsdestotrotz danke für die Links.

  7. Hallo Lage,
    Zum Thema kompliziertes Bahn-Fargastrechtefornular könnt ihr euch mal https://www.bahn-buddy.de/ anschauen. Die erledigen dir alles für geringe Gebühr. Für Vielfahrer eine echte Erleichterung 😅

  8. Hallo,
    könnt ihr in der nächsten Folge über den Missbrauchsgipfel der Katholischen Kirche reden?
    Neben diesem Hauptthema interessiert mich zu einem weiterer Punkt eure Meinung (vor allem Ulfs) nämlich die Verurteilung von Kardinal Pell. In Australien wurde jegliche Berichtserstattung zu dem Thema verboten, auch deutsche Medien haben sich daran gehalten.
    Müssen sich deutsche Medien daran halten, was ist wenn sie es nicht tun? Kann eine deutsche Zeitung von Australischen Gerichten verurteilt werden? Und rechtfertig der Grund (Beeinflussung der Jury durch Medienberichte) so ein Vorgehen?

    Meiner Meinung nach sollten vor allem große Zeitungen das Risiko verklagt zu werden in Kauf nehmen. Und sich nicht auf eine halbherzige Selbstzensur (nur in gedruckter Ausgabe berichten, online nicht) einlassen.

    “Richter Peter Kidd vom Distriktgericht des Bundesstaates Victoria in Melbourne hatte vor Verfahrensbeginn im Mai sämtliche Berichterstattung untersagt – ein in westlichen Demokratien ungewöhnlicher, in Australien aber möglicher Vorgang. Wegen dieses Supermaulkorbes durften Medien nicht einmal darüber berichten, dass es ihnen verboten war, zu berichten. Die meisten Zeitungen des Landes hatten sich jedoch darüber hinweggesetzt. Das Verbot galt für alle Veröffentlichungen, die in Australien zugänglich sind. Die Süddeutsche Zeitung berichtete daher bislang nur in ihrer gedruckten Ausgabe über den Ausgang des Verfahrens.”

    -https://www.sueddeutsche.de/panorama/pell-kindesmissbrauch-verurteilt-1.4345433

  9. Themenvorschlag: Geplante EU Richtlinie zur Reform des Whistleblowerschutzes, Axel Voss hat geantwortet: https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/axel-voss/question/2019-02-13/310175

    Hut ab, dass er sich in stürmischen §11-und-§13-Zeiten die Zeit für eine Antwort nimmt. Schade, dass er nicht die Fragen nach den Schäden beantwortet. Fatal, dass in der Reform Leaks, die zur Diskussion um Rechtsverstöße beitragen, aber gesetzlich noch ungeregelte Themen berühren, zukünftig schlechter geschützt sollen (wie ich seiner Antwort entnommen habe).

  10. Vielleicht eine blöde Frage, aber wie finde ich heraus wer mein zugehöriger EU-Abgeordneter ist, damit ich ihm eine Mail schreiben kann bzgl. den Upload-Filtern?

    Dank euerm Podcast, fange ich endlich an mich für Politik zu interessieren! Freue mich immer auf die neuen Folgen.

    Lieber Gruß!

  11. Hallo Philipp,
    hallo Ulf,
    Mich stört es auch überhaupt nicht, wenn eine eurer Folgen >1h sind. Bei einem Podcast hat man schließlich die Möglichkeit zu pausieren und dann, wenn wieder Zeit ist, am Anfang des Kapitels neu an zu setzten. Dennnoch bitte ich euch eure Generelle Zeitmarke deshalb nicht höher zu schrauben, damit ihr auch dazu genötigt seid recht präzise zu bleiben.

    Zum Thema Carsharing:
    Ich denke auch, dass kein Mobilitätsservice alleine das private Auto mit seiner gefühlten Freiheit ersetzen kann. Erst wenn die Kostenvorteile der anderen Systeme wirklich überwiegen wird eine signifikante Menge umsteigen.

    Macht weiter so,
    Thorben

  12. In Hamburg gibt es da was neues, das sich Ioki nennt https://www.hvv.de/de/ioki und in Vierteln genutzt werden kann, wo die ÖPNV Anbindung besonders mies ist. Funktioniert auch recht einfach über App und mit der HVV Karte. https://ioki.com/news/on-demand-shuttle-in-hamburg-erfolgreich-etabliert/

    Moia und CleverShuttle hattet ihr ja auch angesprochen, die sind mittlerweile auch beide in Hamburg unterwegs. Aber selbst wenn das nur eine Alternative zum eigenen Pkw ist, sind die immerhin alle emissionsfrei unterwegs.

  13. Ein paar Stichpunkte zum Carsharing-Beitrag, nachdem ich das fast seit Start der einzelnen Dienste sehr regelmäßig nutze:
    * Ich habe tatsächlich mal an einer Marktforschungs-Umfrage von einem Free-Floating Anbieter mitgemacht und dort auch angegeben, dass wir in unserem Haushalt ein Auto abgeschafft und durch ÖPNV + verschiedene Carsharing Modelle ersetzt haben, d.h. es gab solche Erhebungen tatsächlich. Dass die abgeleiteten Schlüsse der Lobbyvereinigung hier nicht objektiv sind ist aber klar.
    * Für mich sind beide Modelle (Stationsbasiert und Free-Floating) eine sinnvolle Kombination und sollten parallel weiterentwickelt werden, um eine wirklich bessere Alternative zum eigenen Auto zu haben. Free-Floating für die spontane Stadtfahrt, die mit ÖPNV schlecht erreichbar ist oder weil ich viel einkaufe, Stationsbasiert für die geplante, längere Fahrt.
    * Es gab hier den Kommentar, dass Carsharing eher mittelständisch organisiert sein sollte. Ich sehe auch das Risiko einer Monopolisierung z. B. durch den Zusammenschluss von Share Now und Anbieter wie Uber. Allerdings steigt (wie bei jedem Plattform-Geschäftsmodell) der Nutzen mit der Größe des Angebots, d.h. wenn ich in fünf verschiedenen Apps erst nach einem freien Auto suchen muss und für jede deutsche oder europäische Stadt ich mich erst bei einem neuen Anbieter anmelden muss, ist die “Usability” doch sehr reduziert. Sinnvoll sind deshalb wahrscheinlich wenige, überregionale Anbieter (oder lokale Anbieter, die sich in einem Verbund zusammenschließen) und auch fortgesetzter Wettbewerb zwischen verschiedenen Modellen.

  14. Kurze Frage zum Thema Rücknahme von IS-Kämpfern:

    Was ist die rechtliche Grundlage gegen wen Haftbefehl erlassen werden kann und gegen wen nicht?
    Von den 42 Deutschen konnte gegen 18 Haftbefehl erlassen werden? Wieso nicht gegen die restlichen 24? Reicht der Eintritt in eine Terrororganisation alleine nicht aus?
    Lg

    • Nur wenn man ihn auch nachweisen kann …

      • Vielen Dank, mir wurde nicht klar dass dies das entscheidende Kriterium ist.
        Aber genau deshalb sind diese Personen doch aktuell in Gewahrsam oder? Dann müsste doch gleichzeitig angenommen werden das diese Personen zu Unrecht gefangen gehalten werden?

        Sprich wenn sie als IS-Kämpfer / Unterstützer gefangen wurden wieso können unsere Behörden diese Mitgliedschaft nicht nachweisen?
        Vielen Dank!
        Gruss
        Julian

  15. Zur digitalen Infrastruktur an Schulen:
    Ich bin 18 Jahre alt und habe letztes Jahr mein Abitur an einem Gymnasium im Kreis Karlsruhe gemacht.
    An unserer Schule war die technische Ausstattung schon gewährleistet, wie zB Beamer + Laptop mit Ethernet Anschluss in jedem Klassenzimmer usw. (Qualitätstechnisch gab es natürlich einige Mängel durch etwas in die Jahre gekommene Hardware, aber auch nur vereinzelt). Also grundsätzlich eine gute Ausgangslage, da gibt es sicher schlechter ausgestattete Schulen. Problematisch waren und sind allerdings 2 große Felder:
    1. inkompetente und nicht geschulte Lehrkräfte in Hinsicht auf digitale Lehrmittel
    2. keine Lehrinhalte im Bildungsplan, die darauf ausgelegt sind, mit digitalen Lehrmitteln erarbeitet/bearbeitet/dargestellt zu werden, bzw. die typischen Lehrer á la “dieses Arbeitsblatt habe ich vor X Jahren erstellt für diesen Lehrplan”
    Diese Baustellen sehe ich durch die Hardware Aufrüstung wenig bis gar nicht bearbeitet, was zu vielen solcher Fälle führen wird. Hardware und Infrastruktur, die nicht genutzt oder nicht zum Optimum genutzt wird.
    Finde ich spannend, muss man darauf achten, ob die Schulen nur zukunftsorientiert ausgestattet sind oder ob auch dann zukunftsorientiert unterrichtet wird. Da das aber leider immer noch Ländersache ist, wird sich das sicherlich noch hinziehen.

    • 26. Februar 2019 um 20:36 Uhr
      Florian aus Bamberg

      Sehr treffend beschrieben.
      Ich selbst unterrichte Software-Entwicklung an einer Berufsschule.

      Große Sorge macht mir, dass jetzt Milliarden für “smarte” Tafeln rausgeworfen werden, bei denen lediglich die altbewährte Kreide durch einen elektronischen Stift ersetzt wird.

      Wenn wir digitale Kompetenzen schulen wollen, dann müssen wir unseren Schüler*innen zeigen, wie sie mit digitalen Werkzeugen Informationen sammeln, aufbereiten, strukturieren und wieder abrufbar machen.

      Mit anderen Worten: wir brauchen nicht ein Multimedia-Feuerwerk an der Tafel. Wir brauchen einen digitalen Ersatz für die Schulhefte und -ordner.

      Und dafür brauchen wir Software und eine offene Plattform zum Austausch unter den Schüler*innen. Da wären unsere Steuer-Milliarden deutlich besser angelegt als in irgendwelchen smarten Displays (ein gewöhnlicher Beamer reicht völlig).

    • @Jan: zu deinen beiden Punkten
      1. Inkompetenz gibt es leider überall und Schulungen helfen leider nur da, wo jemand selbstständig auf den Punkt gekommen ist, dass er damit etwas verbessern kann. Zusätzlich muss jede Schule in ihrem Budget und Personal selber haushalten, wodurch jeder Lehrer nur eine begrenzte (schul- und etatspezifische) Zahl an Schulungen pro Jahr besuchen kann. Das Geld außerhalb der Lehrergehälter wird ihnen (zumindest in NRW) von den Kommunen (als Etat) bereit gestellt und dort gibt es regelmäßige Kostenüberprüfungen. Also ist Bildung nicht nur Ländersache, sondern auch Kommunalsache und Schulsache. Das macht es etwas komplizierter.
      2. Inhalte stehen eigentlich gar nicht mehr im Lehrplan, sondern nur Kompetenzen. Was sich dahinter versteckt ist eine Fachsprache, wodurch jedes einzelne Wort für viel stehen kann. So versteckt sich Digitalisierung häufig in den Lehrplänen der Länder. In NRW heißt das Kernlehrplan. Aus diesem muss dann jede Schule ihren eigenen schulinternen Lehrplan erstellen. Bezogen auf ihr Klientel, ihrer Lehrer und ihrer Ausstattung. Das erzeugt definiv keine gleichen Bildungschancen. Wie das in anderen Bundesländern ist weiß ich nicht.
      Ein guter Lehrer muss auch selber nur ein Grundwissen in bestimmten Bereichen besitzen, solange er die Stärken seiner Schüler richtig einsetzen (und damit fördern) kann. Also wie weit soll sich ein Lehrer deiner Meinung nach mit PCs/Tablets/Smartphones/Smartboards/…, Unix/Windows/Android/IOS/…, Textverarbeitung/Bildbearbeitung/Programmierung/… und den dazu existierenden Programmen auf dem Markt auskennen?

      Meiner Meinung nach ist jede Wahl für ein System auch die Abwahl eines anderen. Also wählt man sich als Bund ein Setting aus Hardware und Software, dann kommen die anderen zwangsläufig (deutschlandweit) zu kurz. Und das ist der Vorteil am föderalen System. Jeder Lehrer hat seine eigenen Präferenzen, die er den Schülern gut erklären kann. Wenn ein Schüler ein anderes Setting wählen will, dann sollte ihm der Lehrer nicht im Weg stehen, aber Unterstützen kann er den Schüler leider nur in Maßen. Solche Entscheidungen sind gar nicht so leicht und wir sollten uns freuen, dass der Schritt Infrastruktur zu verbessern schon einmal gemacht wurde.

      @Florian:
      Wenn du selber Softwareentwicklung unterrichtest, dann weißt du ja, dass jede Softwareaufgabe auf diverse Weisen gelöst werden kann. Mit welchem Betriebssystem, mit welcher Hardware, mit welcher Software und mit welcher Programmiersprache ich arbeite ist fast egal und wird höchstens durch Projektvorgaben eingeschränkt.
      “wir brauchen nicht ein Multimedia-Feuerwerk an der Tafel. Wir brauchen einen digitalen Ersatz für die Schulhefte und -ordner”
      Kreativität entsteht bekanntlich durch Vielfalt und ich denke das nicht jeder gerne papierlos arbeitet. Und so ein Stapel Papier, an dem man sieht, was man geschafft hat, kann auch sehr motivierend sein.
      “Und dafür brauchen wir Software und eine offene Plattform zum Austausch unter den Schüler*innen.” Frag mal WhatsApp wie viele Hausaufgaben über ihre Austauschsoftware bereits ausgetauscht wurden. Die Frage in der Schule sollte noch sein, wie man Menschen mit ihren Diversitäten zum effektiven Lernen und Arbeiten bringen kann. Und wer erstellt (schreibt aus) und bewertet denn diese Software? Der Bund/die Länder/Die Kommunen/Jede Schule/Jeder Lehrer/Jeder Schüler? Oder wer sichtet denn, ob vorhandene Software sinnvoll eingestzt werden kann/soll?
      Das ist so ein komplexes System, dass einfache Lösungen nicht existieren.
      Wer wartet die Plattform? Wie sind die Admins zu erreichen? Was soll der Austausch über diese Plattformen erreichen?

    • Hier ein interessanter Artikel von Spiegel Online, der einen Teil meiner Thesen unterstützt:
      http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/digitalpakt-lehrer-fuehlen-sich-mit-digitalen-medien-im-stich-gelassen-a-1255503.html

  16. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/luegenpresse-angela-merkels-fehler-wladimir-putins-sieg-a-1254576.html

    Sehr wichtiger und kluger Text von Christian Stöcker. Er beschäftigt sich damit, wie tief die Methoden der russischen Desinfomationskampagnen schon in unsere Gesellschaft eingesickert sind. Es geht nicht um Fakenews, das ist nur eine mögliche Ausprägung der gesamten Entwicklung. Ein paar Thesen dazu meinerseits.

    1. Wir haben es seit Frühjahr 2014 mit Desinformationskampagnen zu tun, die darauf abzielen, unsere politischen Debatten zu manipulieren. Nicht die Flüchtlingsmigration war Ausgangspunkt dieser Entwicklung, sondern Russlands Versuche, den Maidan in Kyjiw zu diskreditieren und eine konzertierte Reaktion auf die Annexion der Krim unmöglich zu machen. Das sollten und dürfen wir nie vergessen. Gerade jetzt, genau fünf Jahre nach der Revolution.

    2. Es geht nicht allein darum, Lügen zu streuen. Ziel ist es, demokratische Meinungsbildungsprozesse zu manipulieren. Wenn wir keinen gemeinsamen Nenner mehr haben, können wir auch keine Kompromisse mehr schließen. Deswegen ist Factchecking auch nur bedingt nützlich im Kampf gegen moderne Desinformationskampagnen.

    3. Die Debatte um Fakenews ist auch deswegen so verführerisch, weil sie suggeriert, dass es eine schnelle Lösung für das Problem gebe: Fakten richtig stellen, Quellen kennzeichnen, Facebook regulieren. Aber so einfach ist es eben nicht. Zudem ist Fakenews seit Jahren schon ein toxischer Begriff: Er kann eben genauso gut von jenen angewandt werden, die das System manipulieren wollen. Warum? Weil es nicht um falsche Fakten geht, sondern um das schwindende Vertrauen in die grundsätzliche Vertrauenswürdigkeit von Andersdenkenden. Das will moderne Desinformation erreichen.

    4. Und genau das wird sichtbar, wenn Angela Merkel anzweifelt, dass es bei der Bewegung von jungen Klimaschützern mit rechten Dingen zugeht. Sie stellt ganz grundsätzlich die Redlichkeit der SchülerInnen infrage. Überhaupt, “Redlichkeit”: Es spricht Bände, dass dieser Begriff aus der Mode kommt.

    5. Bots und Trolle dienen nicht dazu, uns mit Falschinformationen zu füttern. Sie sollen uns spalten, und dazu dient ihnen unter anderem das Mittel der Lüge. Bots können Debatten aufblasen, sie können randständige Meinungen verstärken, sodass randständige Gruppen glauben, sie seien im Aufwind, während die Mehrheit in Schweigen und Entsetzen verfällt. Erst kürzlich hat eine Studie gezeigt, dass russische Politingenieure offenbar sehr genau Noelle-Neumanns Modell der Schweigespirale studiert haben.

    6. Der Kampf gegen Desinformation fängt bei uns selbst an. Schubladendenken oder Diffamierung von Andersdenkenden: Das gibt es überall. Wir müssen nicht mit Extremisten auskommen. Aber wir sollten ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass wir am Ende mit Andersdenkenden in einer Gesellschaft irgendwie noch klarkommen müssen. Und danach sollten wir auch unsere Mittel in der politischen Debatte wählen.

  17. Zum Thema carsharing ersetzt eigenes Auto:
    Ein wichtiger Punkt hat mir bei eurem Bericht hier gefehlt, nämlich die Flexibilität bei der Größe der Fahrzeuge:
    Wer die Möglichkeit hat, bei Bedarf auf unkompliziertem Wege einen Kombi zu mieten (zb für einen Einkauf im Möbelgeschäft oder Baumarkt), dem genügt als Alltagsauto ein Kleinwagen. Dadurch wurde dann zwar kein komplettes Fahrzeug eingespart, aber der Schadstoffausstoß wurde trotzdem reduziert weil der Verbrauch des Kleinwagens geringer ist als der des Kombis.

  18. Klassisches, stationsbasiertes Carsharing ist eins dieser Wirtschaftsfelder, die nicht erst seit einem oder fünf Jahren boomen, sondern schon seit Ende der 1990er solide im zweistelligen Prozentbereich organisch wachsen. Es ist also kein “Boom”, sondern eher ein Boooooooooooo…ooooooooo…ooooooom.

    Mit der Ausnahme der damals pleite gegangenen StattAuto AG aus Berlin auch ein wirtschaftlich erfolgreicher Sektor.

    Das ist der zweite entscheidende große Unterschied zu Angeboten wie Car2Go. Diese sind Konzernbetrieben und kosten viel Geld.

    Der ordentliche Betrieb einer Carsharing-Flotte mit verschiedenen Fahrzeugklassen (Mini bis Transporter) an verschiedenen Stationen bei stark wechselndem Bedarf in Stadtvierteln, die auch nicht Jahrzehnte lang konstant bleiben, in Zusammenarbeit mit dem lokalen ÖPNV und den lokalen Verwaltungen, ist aber ein ziemlich anspruchsvolles Meister-Handwerk. Vor allem, da man in einem sehr schmalen Grat an Auslastung bleiben muss. Zu wenig Auslastung = zu teuer, zu hohe Auslastung = zu viele abgewiesene Kunden (= Risiko, nicht mehr als Komplettersatz des Privatautos zu funktionieren).

    Mittlerweile bin ich fest überzeugt, dass Konzerne prinzipbedingt sehr große Nachteile haben, wenn es um solche Handwerksaufgaben geht. Leute, die schlau genug dafür sind, bleiben nicht jahrelang als popliger Leiter für eine Stadt auf so einem Posten. Leute, die im Konzern jahrelang als popliger Leiter für eine Stadt auf so einem Posten bleiben, sind im Normalfall nicht schlau genug.

    Deshalb klassischer Fall für gut gemachten Mittelstand.

  19. Hallo,

    ich würde mir wünschen, dass ihr in der Lage der Nation noch mal die neue Dienstwagen Besteuerung für Elektrofahrzeuge bzw. Plugin Hybride thematisiert.

    Das ist meiner Meinung nach ein unglaublicher “Betrug” und ein absoluter Skandal, wie die Bundesregierung mal wieder die deutsche Autoindustrie protegiert.

    https://www.heise.de/autos/artikel/Audi-Neue-Plug-in-Hybride-in-Q5-A6-A7-und-A8-4317339.html

  20. Hallo Lage,

    Vorab ein Hinweis meinerseits, ihr dürft gerne weiter 2 Stunden folgen produzieren wenn der content auf dem Niveau bleibt. Genug des Lobs hier auch noch ein kritischer Hinweis, bezüglich der ausfallenden Stunden in Schulen, bitte nicht in whataboutism verfallen. Ja es gibt viele fehlstunden und ja man sollte etwas dagegen tun, aber damit auch die Fehlzeiten der Demos rechtfertigen, nur weil da irgendwo anders auch Fehlzeiten entstehen sollte man vermeiden. Sonst landet man schnell im Bereich der amerikanischen Medien wo whataboutism an der Tagesordnung ist um alles zu rechtfertigen.

    Grüße

    • Das ist kein Whataboutism: Es ging uns um die Heuchelei der Politiker, die sich über wenige Stunden wohlbegründeten Ausfall ereifern, während sie seit vielen Jahren massive Ausfälle aufgrund schlechter Ausstattung der Schulen weitgehend achselzuckend hinnehmen.

      • Absurd ist doch auch die Grundannahme hinter der Argumentation die Schüler*innen würden kein Opfer bringen, wenn Sie Freitags nicht zur Schule gehen. Wie wenig kann man von der Institution Schule und den Schüler*innen halten, wenn man davon ausgeht das der/die Schüler*in ansich erstmal pauschal keine Lust hat sich für seine/ihre Zukunft ausbilden zu lassen und jeden noch so trivialen Anlass begrüßt keinen Unterricht über sich ergehen lassen zu müssen… Diese Art des Framings ist übrigens oft zu finden, wo alte (meist konservative) Menschen über Bildung sprechen.

        • Puh, wenn ich da so an meine Schulzeit denke wären bestimmt ein Drittel der Schüler in deine beschriebene Kategorie gefallen. Ih halt das nicht für völlig ausgeschlossen.

        • Also ich sehe das auch so wie ChristianE.
          Nicht nur beim Zurückdenken an meine Schulzeit, auch wenn ich mich im Umfeld meiner Kinder so umhöre und bei denen, die ich im Sportverein betreue.
          Ich würde sogar mehr als die Hälfte zur Gruppe der “Hauptsache keine Schule” Demonstrierer zählen. Zumindets ist mindestens die Hälfte nicht so reif, zu verstehen, dass es mit einer reinen demo nicht getan ist.
          Und auch ich hatte das Schlagwort “Whataboutismus” im Kopf. hier geht es erst mal darum, dass Schüler nicht am Unterricht teilnehmen, der angeboten wird.
          Dass Unterricht auf Grund organisatorischer Probleme anderweitig ausfällt hat damit erst mal nichts zu tun.

  21. Hallo Lage,

    Vorab ein Hinweis meinerseits, ihr dürft gerne weiter 2 Stunden folgen produzieren wenn der content auf dem Niveau bleibt. Genug des Lobs hier auch noch ein kritischer Hinweis, bezüglich der ausfallenden Stunden in Schulen, bitte nicht in whataboutism verfallen. Ja es gibt viele fehlstunden und ja man sollte etwas dagegen tun, aber damit auch die Fehlzeiten der Demos rechtfertigen, nur weil da irgendwo anders auch Fehlzeiten entstehen sollte man vermeiden. Sonst landet man schnell im Bereich der amerikanischen Medien wo whataboutism an der Tagesordnung ist.

    Grüße

  22. Die ÖR verfolgen eine neoliberale Ideologie, von wenigen Ausnahmen wie Monitor und Die Anstalt einmal abgesehen. Das hat man während der Griechenland-Krise sehr schön gesehen wie da mit Agenda Setting und Framing das Bild vom faulen Griechen und Zahlmeister Deutschland gezeichnet wurde. Bei der Berichterstattung über den US-Wahlkampf wurde Bernie Sanders komplett ignoriert in den ÖR und Hillary Clinton wurde den deutschen Fernsehzuschauern als Heilsbringerin verkauft. Die Begeisterung über Macron war angesichts seines angekündigten Sozialabbaus auch äußerst fragwürdig. Es ist auch nicht erwünscht, dass Menschen aus unteren Schichten bei ARD oder ZDF arbeiten. Daher zahlt man Praktikanten einfach kein Gehalt, dann bewerben sich nur Kinder von Besserverdienern. Und ohne einschlägige Praktika wird der Berufseinstieg schwierig. So bleibt die Mittelschicht unter sich und dann werden eben Talkshows gemacht über die Gefahr des Islams oder Terrorismus und nicht über Menschen ohne Krankenversicherung, die viel realere Sorgen haben.

    Die CDU ist nicht die stärkste Partei weil sie so super Politik macht, jeder der den Podcast regelmäßig hört wird das wohl unterscheiben, sondern weil die ÖR das verlängerte Sprachrohr der Regierung sind. Viel zu selten wird Merkel mal widersprochen, in der Regel werden Framing und Wortwahl der Regierung 1:1 übernommen. Könnte sich jemand so einen Kommentar im ÖR über Horst Seehofer vorstellen? Ich nicht.
    https://youtu.be/Qvz9jyf4gUk

    • Das sind inhaltliche Positionen, die (leider) vom Mainstream in unserer Gesellschaft bis hin zu SPD und Grünen geteilt werden … da finde ich es nur natürlich, dass Analysen aus sehr linker Perspektive zwar vorkommen, aber nicht dominieren.

  23. Zum Thema Schulstreik: Ich habe erstmal auch kein Problem damit das die Kinder für ihre Überzeugung einstehen und dafür auch mal die Schule Schwänzen. Aber ich finde es muss ein Ende haben. Wenn die IG Metall zum Streik aufruft dann gibt es da ein recht klar abgesteckten Zeitraum, die Streiks sind spätestens beendet wenn der neue Tarifvertrag unterschrieben ist. Aber wann sollen denn die Schülerstreiks beendet sein, wenn das Klima gerettet ist? Wohl kaum, also müssen diese Demos irgendwann beendet werden. Es fehlt also schon irgendwie eine klare Zielmarke, die es zu erreichen gilt.

  24. Hallo Philipp,
    hallo Ulf,

    was macht euch so sicher, dass Herr Scheuer ein (Mobilitäts-) Problem in Deutschland lösen will, indem er Ridesharing einen ziemlich freizügigen, rechtlichen Rahmen geben will? So, wie er sich schützend vor die Automafia in Sachen Abgasskandal stellt und als Amplifikator einer gekauften Minderheit von Lungenärzten auftritt, scheint er doch eher Geschäftsmodelle globaler, internetbasierter Milliardenkonzerne schützen bzw. ermöglichen zu wollen. In der ARD lief dazu mal ein interrssanter Beitrag: https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/exclusiv-im-ersten-mit-vollgas-in-den-verkehrskollaps-100.html

  25. Zum Klimagesetz-Vorschlag:
    Ich finde es interessant wie überzeugt manche plötzlich davon sind, das ein solcher Vorschlag wirklich aktiv dazu beitragen kann die Klimaschutzziele zu erreichen – nur zur Erinnerung, die meisten dieser Ziele bestanden schon vorher und wie man weiß macht Deutschland viiiiel zu wenig um diese zu erreichen. Nun könnte man argumentieren, super, da stehen jetzt zwar (mehr oder weniger) dieselben Ziele drin – aber man hat nochmal dargestellt das sich daraus Veränderungen für Verschiedene Sektoren ergeben. Und wenn sie nicht erreicht muss das jeweilige Ministerium zahlen. So die Theorie, ungünstig nur:
    Das Gesetzt setzt keinen einzigen Anreiz, wirklich Treibhausgasemissionen zu sparen.
    (a) Es macht den Austoß von Treibhausgasen nicht teurer, sodass die Kosten die sich durch – Achtung Framing – die Erderhitzung ergeben auch weiterhin nicht von den Verursachern getragen werden. Auch weiterhin werden diese Treibhausgase ausgestoßen.
    (b) Die Klimaziele werden nicht erreicht, die Gemeinschaft kommt für die Kosten auf.

    Um davon abzulenken bietet der Entwurf allerdings gute Vorlagen für die politische Bühne:
    (c) “Seht her, das Verkehrsministerium von Partei XY muss in Zukunft wenigstens bezahlen, das sie schlechte Politik machen” – als ob sich daran ändert, dass hier Kosten an die Gemeinschaft ausgelagert werden
    (d) “Seht her, wir als Bundesregierung gehen voran und machen unsere Verwaltung schon X Jahre vorher klimaneutral” (Paragraph 16 Klimaneutrale Bundesverwaltung) – als ob das nicht ein weiteres Ziel ist was mit dem Rahmen nicht zu erreichen ist. Und als ob die Erfüllung der Klimaziele irgendwas mit der Bundesverwaltung zu tun haben, das eine derart spezifische Regelung notwendig macht.
    (e) “Sehr her, für Kapitalanlagen des Bundes (Paragraph 17) müssen Unternehmen uns berichten wie mit Klimazielen vereinbar sind” – als ob die Berichterstattung über öffentliche Kapitalanlagen und ihre Effekt auf das Klima wirklich ersetzen denjenigen der Treibhausgase austößt, für die entstehenden Kosten zu belangen.

    Für wirkungsvollen Klimaschutz muss man sich über folgende Fragen einig werden:
    (1) Um wieviel muss der Treibhausgasaustoß gesenkt werden um die schlimmsten Folgen zu begrenzen?
    (2) Wieviel Schaden richtet eine Tonne Treibhausgasaustoß an, wie teuer soll er sein?
    (3) Wie implementieren wir als Welt ein solches System möglichst schnell, für alle Länder und Sektoren sodass es einfach, transparent und nachvollziehbar ist?

    Zum ÖPNV in Zeiten von Sharing Diensten:
    Eigentlich müsste man sich freuen – neue Dienste, mehr Angebot – alles besser. So zumindest das Narrativ. Nur das die Folgen offensichtlich sind:
    (a) Wie im Podcast angesprochen kommt es durch die Sharing Anbieter zu Staus und das ist eine einfache Anreiz Geschichte. Wenn neue Platformen es erleichtern auf ein Verkehrsmittel umzusteigen, das mehr sogenannte externe Kosten hat die sich im Fahrpreis nicht widerspiegeln. Die externen Kosten nicht zu zahlen macht ein Verkehrsmittel aus Endkundensicht attraktiv – auch wenn natürlich diese beglichen werden müssen. Die Kosten eines Staus tragen Dritte, die Kosten für die zusätzliche Inanspruchnahme endlicher Ressourcen, die Kosten für innerstädtische Parkfläche (zumindest bei vielen Free Floating Angeboten) etc. pp.
    Man könnte zusammenfassend sagen, alles was beim privaten Auto schon problematisch war (seine hohen externen Kosten) verwandeln Sharing Anbieter in ein Angebot was ähnlich hohe externe Kosten hat, aber für ÖPNV-Nutzer einfach zugänglich ist. Ich denke nicht das wenn das Problem ist, dass manche die Kosten die ihr Verkehrsmittel verursacht nicht tragen, es sinnvoll ist total komplizierte Regelungen auszuarbeiten wann Sharing Anbieter zugelassen werden & wann nicht. Sie müssen aber alle Kosten tragen die anfallen.

    Im übrigen – das beste Sharing ist bereits erfunden. Es ist der ÖPNV und die Stadt. Würde man darauf verzichten andere Sachen (indirekt) zu subventionieren, könnte dieser auch besser sein. Kleinere Einheiten macht den ÖPNV, der zwar sehr effizient / ressourcenschonend / co² sparend, ist flexibler – ohne indirekte Subventionen, hat das in einigen Bereichen seinen verdienten Vorteil.

    Ich verzichte mal auf Nachweise, es ist aber so :-)

    Vielen Dank für die Lage – insbesondere warum es nicht komplett automatisch ist mit der Bahnerstattung hat mich noch gewundert.

  26. Lieber Philip,
    lieber Ulf,

    ich bin zufriedener Fan und Abonnent. In der aktuellen Folge habt ihr 11 Minuten über Fridays for Future gesprochen. Ihr habt herausgestellt, dass die SchülerInnen als Schulschwänzer geframed werden. Ihr habt festgestellt, dass konservative damit von deren Inhalten ablenken wollen. Alles richtig. Aber dann habt ihr den Rest der Zeit darüber diskutiert, ob der Vorwurf gerechtfertigt ist oder nicht. Ihr seid also genau auf dieses Ablenkungsmanöver hereingefallen.

    Ich halte den Klimawandel und den Kampf dagegen für ein wichtiges Thema. Ich denke das seht ihr ähnlich. Auf den Inhalt seid ihr aber fast nicht eingegangen.

    Ich bin von fast allen Medien enttäuscht, dass auf die Inhalte nicht eingegangen wird. Da werden Zöpfe, Alter, Schule und Autismus rauf und runter diskutiert.

    Von Euch bin ich besseres gewohnt. Ich würde mich freuen, wenn ihr mal darauf eingeht: Was sagen die Veranstalter? Worum geht es in den Reden von Greta? Wie steht es allgemein um den Klimawandel.

    Macht weiter so!
    Danke und Gruß

    • Hi Tobias, ich finde den Vorwurf nicht berechtigt. Wir haben diesmal nicht zum 247. Mal das Thema Klimawandel ausführlich beackert, weil das in der Lage bereits einen so breiten Raum eingenommen hat, dass wir das als bekannt voraussetzen dürfen. Und das Thema Schwänzen ist nun mal derzeit in aller Munde, da würde es nichts helfen, wenn wir das einfach totschweigen.

      • Lieber Ulf,

        meine Kritik ist ja gerade, dass die Inhalte der Demonstrierenden in fast allen Medien “totgeschwiegen” werden, nur weil einzelne Politiker die Diskussion auf Nebenschauplätze lenken.

        Den Klimawandel habt ihr behandelt. Das finde ich gut. Den muss man nicht neu erklären. Ich hätte gerne mehr zu den Argumenten von FFF gehört. Warum sind es so viele? Was motiviert diese Menschen? Warum sind die jetzt relevant?

        Gruß Tobias

        • Lieber Ulf, lieber Tobias,

          ich sehe das eigentlich genau so wie Tobias (siehe dazu auch mein unten stehender Kommentar): die Schülerproteste werfen viel interessantere Fragestellungen auf als die des Schuleschwänzens.

          Zuvordest ist dies m.E., dass die Proteste die Frage der Generationengerechtigkeit mit Wucht in die Klimadebatte einbringen. Die Tatsache, dass wir, sofern es nicht gelingt, rasch und ambitioniert zu handeln, den jüngeren Generationen massiv verschlechterte Lebensbedingungen bescheren, ist aus meiner Sicht eine vertiefte Debatte wert. Und der Fokus der Diskussion auf das Schuleschwänzen zeigt ja eigentlich vor allem, dass viele relevante Akteure in dieser Debatte offenbar keine richtigen Antworten haben. (Zugegeben, ich glaube, letzteres hattet Ihr in Eurem Beitrag ja auch in etwa so gesagt.)

  27. Zum Digitalpakt: Warum ist es nicht möglich, mit 5,5 Mrd. eine zentral betreute IT-Infrastruktur für Schulen zu erstellen? Zum Bespiel eine auf OpenSource basierende Appliance, die webbasierte „digitale Klassenzimmer“ bietet. Idealerweise kombiniert mit Router / Firewall für den Zugriff der Schüler von daheim und Remote-Administration. Dazu noch USV und (Backup-) Speicher, vorverkabelt in einem Rack. Diese werden in den Schulen einfach in die Serverräume gestellt und zentral remote betreut. Genügend OpenSource-Projekte gibt es, die Anforderungen an Schülerhardware wären minimal und bei dem Budget ist eine zentrale Betreuung und Aktualisierung finanzierbar. Und das ohne Knebelverträgem mit den Software-Giganten. Und kontrollierte Schnittstellen zum Verwaltungsnetz würden sogar Stundenplanintegrationen etc. ermöglichen. Aber dann müssten die Länder bereit sein, einem bundesweiten Standard der Digitalisierung zu folgen und eine gewisse IT-Kompetenz wäre hilfreich… 5,5 Mrd. für kurzgesprungene Hardware-Anschaffungen und besseres WLAN? Das ist m. E. ein Armutszeugnis.

    • 26. Februar 2019 um 20:48 Uhr
      Florian aus Bamberg

      Ich denke ähnlich. Heutzutage würde es mir sogar genügen, wenn das Geld in ein wirklich gut gemachte Open-Source-Cloud-Lösung gesteckt würde, betrieben von den Kultusministerien der Länder. Dann bräuchte man in den Schulen nur noch wartungsarme Web-Clients wie z. B. Chromebooks und die Administration schrumpft auf ein Minimum.

      In Bayern gibt es immerhin schon einen Ansatz dazu:

      https://www.mebis.bayern.de/ueber-mebis/

  28. Als Hinweis für alle die wegen Verspätungen den letzten Bus verpasst haben und sonst zu Fuß nach Hause müssen: Wenn man an einem Bahnhof mit Infoschalter ankommt oder das Verpassen an einem solchen Bahnhof absehbar ist, kann man sich dort (also am Schalter) einen Taxischein holen. Funktioniert meiner Erfahrung nach äußerst unkompliziert und auch die Taxifahrer nehmen solche Dinger gerne an.

  29. Fakt ist dass die öffentlich rechtliche Rundfunkanstalten genau wie fast alle andere Institutionen in den letzten Jahrzehnten unfassbar faul waren. Die bekommen dass jetzt alle knallhart auf die Fresse und das ist auch gut so.

  30. Es bewegt der sich etwas beim Glasfaser! In Mecklenburg soll es flächendeckend auf den Dorf Glasfaser geben. Der Beweis sind zwei Briefe: Ausbau von Glasfaser bis 2020 in Krembz und Lindholz mit 500 MBit/s für Privat und 1 Gbit/s synchron für Firmen.

  31. Bezüglich des ARD-Framing zwei Punkte, die mich irritiert haben:
    1. Frau Wehling lehrt oder arbeitet, wenn ich richtig recherchiert habe, nicht in Berkeley. Sie hat ein “Berkeley Framing Institute” gegründet, das sich in Berlin befindet. Auf diese Art wird eine besonders große wissenschaftliche Kompetenz von Frau Wehling suggeriert, die sie auch haben mag – aber nicht über eine derzeitige Anstellung in Berkeley.
    2. Ich finde es etwas einseitig, wenn Ihr als Hauptkritiker die polemischen Bild-Frames nehmt und Beiträge wie die von Gustav Seit in der SZ, Harry Nutt in der FR oder Michael Hanfeld in der FAZ außen vor lasst. Bild als Gegner erscheint mir viel zu einfach, es gibt viel mehr substantielle Kritik an diesem Papier.

  32. Bezüglich eurer ständigen Hinweise auf Elektroautos und die deutschen Klimaziele kann ich empfehlen das ihr euch mal die Letzte Folge Forschergeist von Tim Pritlove anhört https://forschergeist.de/podcast/fg066-klimaneutralitaet/. Hier wird sehr schön erläutert das sowohl Elektromobilität nicht alternativlos ist als auch dass das deutsche Klimaziel vielleicht nicht das allerwichtigste ist.
    Auch zu eurer häufigen Feststellung das Fahrverbote dringend sein müssen wird da nochmal eine neue Perspektive aufgemacht und auch das Argument aufgenommen wieso es verständlich sein kann das man damit ganze Teile der Bevölkerung angreift.

    • Eine großartige Sendung, vielen Dank für den Link. Sollten sich alle, die für Klimaschutz sind, anhören.

    • Habe ich zufällig auch kurz vorher gehört. Und war auch sehr überrascht über die Ansichten des Herren. Zumindest hat es mein “Framing” stark erweitert.
      Allerdings frutriert das auch ein bmisschen, denn ich glaube nicht, dass es so einfach funktioniert, wie Herr Rademacher suggeriert. Aber das sollte dort diskutiert werden.

      • Ich habe nicht das Gefühl vermittelt bekommen, dass es “so einfach funktioniert”.

        Die Sachverhalte sind komplex, die vorgestellten Lösungs-Ansätze sind es auch. Natürlich kann ich nicht alle wissenschaftlichen Fakten, die Herr Rademacher aufzählt, bis in die Tiefe beurteilen. Aber zumindest klingt vieles davon für mich als technisch gebildeter Mensch plausibel.

        Falls jemand Argumente dagegen findet, bzw wieso Herr Rademacher falsch liegt, würde ich diese gerne hören.

        • Nun ja, Herr rademacher sagt, wenn ich es recht erinnere, dass man nur genug Geld nach Afrika pumpen muss um dafür zu sorgen, dass die Ökowende dort schnellstmöglich durchgeführt wird.
          Bei der aktuellen politischen Lage in den meisten afrikanischen Ländern und er dort vorherrschenden Korruption, müsste voraussichtlich ein vielfaches des an sich schon enorm hohen Betrags überweisen, damit sich wirklich was tut.
          Plausibel ist es allemal, was Herr rademacher sagt, aber ich bezweifle die Umsetzung.

      • Da mich das Thema “Wieviel CO2 wird bei der Herstellung von Auto-Batterien freigesetzt?” nach dem Hören des Podcasts etwas umgetrieben hat, bin ich bei diesem Artikel hängengeblieben:

        https://www.energie-experten.ch/de/mobilitaet/detail/wie-stark-belastet-die-batterieherstellung-die-oekobilanz-von-elektroautos.html

        Da klingt das doch etwas harmloser als Herr Rademacher es beschreibt, wobei ich befürchte, dass die CO2 Bilanz der Herstellung der Autobatterien oft unterschlagen wird in der öffentlichen Debatte.

  33. Danke, super Sendung, eine Sache ist mir unklar: Warum hat unsere Regierung gleichzeitig die Erwartung, dass Entwicklungs- und Schwellenländer ihre Terroristen und Kriminellen zurück nehmen wenn sie nicht bereit ist Deutsche Kriminelle und Terroristen des IS zurück zu nehmen?

    • Diese Frage bitte direkt an die AfD stellen!

      • Du sprichst mir aus der Seele! Ich kann diese Doppelmoral überhaupt nicht nachvollziehen.
        Außerdem gibt es einfach keine rechtliche Grundlage für diese Forderung. Vielen Dank an Philip und Ulf für diese sehr interessante Erklärung!

  34. 24. Februar 2019 um 9:11 Uhr
    Christian Ermentrud

    Ich habe zwei Kommentare zum letzten Podcast, in beiden geht es um Schule, was ich spannend finde, da ich doch schon geraume Zeit raus bin aus dem schulpflichtigen Alter und auch keine Kinder habe.

    1. Demonstrationen und Schulpflicht:
    Irgendwie kam mir zu kurz bzw. in der Argumentation gar nicht vor, dass ein großes Problem auch die Versicherung der Schüler auf dem Weg von/zur Schule und während der Schule sein kann. Außerdem ist die Aufsichtspflicht der Lehrer verletzt, wenn die Schüler dem Unterricht fern bleiben. Natürlich ist das auch bei einzelnem “Schwänzen” des Unterrichts so, aber eine Versicherung würde ggfs. argumentieren, dass die Schule ja wusste, wo sich die Schüler befunden haben und nichts Ausreichendes unternommen hat um die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten. Das ist schon ein ziemliches Spannungsverhältnis. Würde mich interessieren was Versicherungsfachleute dazu sagen.

    2. IT in der Schule:
    Ok, hier bin ich mehr “vom Fach” und habe im Bekanntenkreis einige Lehrer, die mir regelmäßig ihr Leid klagen. Eines der großen Problem, und ihr sprecht es auch an im Podcast, ist die IT Kompetenz innerhalb der Schulen. Externe Dienstleister sind ok wenn es um den Aufbau geht, aber ein Betrieb mit seinen Tücken braucht auch immer wieder schnelle professionelle Hilfe. Weiterhin weiß jeder, der einmal ein etwas größeres Netzwerk mit aktiven Komponenten betreut hat, dass Wartung und vorausschauendes Planen vielen Ausfällen vorbeugt. Dafür braucht man lokale IT Admins.

    Diese IT Admin Tätigkeit leisten sehr oft Lehrer, auch das habt ihr besprochen. Und hier kommt die Crux: Diese Leher machen dies oft in ihrer Freizeit. Weil sie einerseits selbst Spaß an der Materie haben und andererseits sich verpflichtet fühlen. Dies geht dann meist soweit bis diese extra Arbeit fast automatisch von Ihnen eingefordert wird, sei es vom Schulleiter, dem Kollegium oder den Eltern/Schülern. Wird die Sache zur Pflicht, dann hört der persönliche freiwillige Einsatz schnell auf. Und das ist verständlich.

    Will man also professionelle tägliche IT Admin Arbeit, so muss man entweder die jeweiligen Lehrer in ausreichender Stundenzahl vom Unterricht befreien, oder man muss IT Admins einstellen. Und das ist ein finanzielles Rechenexempel, welches ich als Außenstehender nicht einschätzen kann. Ist nun schwieriger und teurer an Lehrer oder IT Admins zu kommen?

    • Also zuallererst: Admins sind i.d.R. teurer als Lehrer – aber das hat auch gute Gründe:

      Das fängt damit an, dass die Arbeitszeiten i.d.R. flexibel sind; d.h. wenn Not am Mann ist, findet selbstverständlich auch Sonntagsarbeit statt und man hockt bis 4 Uhr (morgens!) da, damit die Systeme am Montag wieder laufen. Eine solche Flexibilität kann man einem Lehrer nicht zumuten, auch nicht mit einer Arbeitszeitentlastung – eine Adminstelle ist eine Vollzeitstelle!

      Und auch sonst ist es so, dass ein Admin mit Erfahrung das Geld auch wert ist, wenn es einem wichtig ist, dass das System sicher und zuverlässig läuft – auch das erfordert viel Zeit und Erfahrung, und gelingt den meisten Hobbyadmins nicht ohne weiteres; oftmals scheitert es ja schon an der Dokumentation, was wann warum gemacht wurde, und dann darf man erstmal alles rekonstruieren oder neu einrichten…^^
      Oft kommen dann noch so Aufgaben dazu, an die man erstmal gar nicht direkt denkt; z.B. sollte man den Admin unbedingt bei der Konzeption und Materialbeschaffung mit einbeziehen – kaum jemand weiß so gut, welches Produkt für welche Anforderungen geeignet ist, wie ein Admin, der da schon Erfahrung hat… auch das kann ein Hobbyadmin normalerweise nicht leisten.
      Und dabei ist das ein verdammt wichtiger Aspekt! Wenn man sich mal anschaut, was teilweise für ein Murks gekauft wird und dann darf man das am Ende irgendwie zusammenfrickeln… 2 von 3 Komponenten verstauben im Keller, weil die gar nicht sinnvoll eingesetzt werden können und die 3. ist vollkommen über- oder unterdimensioniert. Gute Beratung spart teilweise wirklich so viel Geld, dass man alleine davon seinen Admin problemlos 2 weitere Jahre füttern kann.

      Man liest das vielleicht schon ein bisschen raus; ich halte nichts davon, nicht-professionelle Administratoren in einem solchen Bereich einzusetzen – ich hab da schon öfter Erfahrungen mit gemacht und ab einer bestimmten Systemkomplexität kommt da i.d.R. auf Dauer nichts gutes bei raus 😕
      Und diese Komplexität ist bei Schulinfrastruktur (wo z.B. auch potentiell sensible Daten von Minderjährigen landen) definitiv gegeben.

  35. Car-Sharing:
    Auch fuer mich ist ein grosser Vorteil des stationsbasierten Car-Sharings der, dass ich eine Fahrzeugart nach Bedarf nutzen kann. Da ich in Stuttgart wohne, ist das Angebot an solchen Mietfahrzeugen (Anbieter Stadtmobil) recht gross. Ich kann mir kurzfristig ein kleines bis mittelgrosses Fahrzeug fuer den regulaeren Supermarkteinkauf bis zum Schreibtischtransport mieten oder mit einer zwei- bis dreiwoechigen Vorlaufzeit einen Transporter fuer Umzuege, auch Umzuege von Freunden, mieten. Selbst fuer einen 5-taegigen Campingurlaub habe ich dieses Car-Sharing-Konzept schon genutzt. Immer mehr Personen in meinem Freundeskreis kann ich fuer diese Car-Sharing-Variante begeistern. In den letzten 10 Jahren war dieser Car-Sharing-Anbieter in all meinen Wohnorten (Einwohnerzahl > 70.000) vertreten und dazu meist guenstiger als ein klassischer Mietwagenanbieter. Der taegliche Fahrtweg mit dem Privatfahrzeug zur Arbeit ist mit solchen Car-Sharing-Fahrzeugen in der Regel verhaeltnismaessig teuer. Fuer meine Aussendiensttaetigkeit greife ich jedoch weiterhin auf einen klassischen Mietwagenanbieter zurueck, da hier die Kosten (Mietdauer/Tag > 10 Stunden) guenstiger ist.
    Erfahrungen mit Free-Floating-Anbietern kann ich leider nicht berichten.

  36. Ich muss gestehen, dass mich der Umgang der ARD mit dem Framing-Leak weit mehr entsetzt, als die Tatsache, dass dort eben ein PR-Manual existiert.
    Zum einen hat die Beauftragung von Elisabeth Wehling, die durchaus oft in der ARD zu sehen war einen komischen Beigeschmack. Auch Berkeley EDU vs. Berkeley International Framing Institute …, ja kann man machen, aber sollte man das auch als seriöser Wissenschaftler?
    Zum anderen war der Umgang mit der Sache, bis evtl. auf Rainald Becker, dann wirklich katastrophal, das spielt nun wirklich den Kritikern und Verschwörungstheoretikern in die Hände.
    Den Preis von 120.000 für eine “interne Diskussionsgrundlage” als “branchenüblich” zu bezeichnen ist schon seltsam. Mir ist zumindest ein vergleichbares Paper aus einem großen Konzern bekannt und dessen Kosten lagen weit unter diesem Preis (und es wird dort auch als PR-Manual bezeichnet und nicht als “Diskussionsgrundlage”).
    Hier wäre von der ARD ein transparentes Vorgehen im Spiegel-Relotius-Style weit besser gewesen, als ein “Die Aufregung um das Papier halte ich für völlig übertrieben”.

  37. Ich fühle mich von den öffentlich Rechtlichen nicht ernst genommen. Ich bin genervt wenn irgendwelche Leute glauben, mit besonderen Begrifflichkeiten mich manipulieren zu müssen. Wenn ich GEZ sage ist es falsch obwohl ich Gebühren (Pflicht) zahle und keine Abgabe (Freiwilligkeit) mache. Dem gegenüber steht so ein Begriff wie Zwangsgebühren was überspitzt dargestellt ist. Warum kann man nicht einfach GEZ bzw. Rundfunkgebühren sagen, ein neutraler Begriff, und dann über Inhalte diskutieren?
    Ich verstehe allerdings, dass eine Polarisierung attrraktiv ist, wenn man so jeden Kritiker mit AfD oder Pegida in Verbindung bringen kann. Umgekehrt können die Ablehner des ÖR jeden Befürworter generell als Schaf, Systemling, etc. abtun. Die meisten Menschen stehen aber zwischen diesen Positionen und sind klüger als das, was die ARD da mit ihrem Manual vorhat. Wenn ich dann von Mitarbeitern des ÖR immer wieder diese Betonung auf eine Abgabe, ja manchmal auch Demokratieabgabe, höre, dann komme ich mir nicht ernst genommen vor und das bestärkt bei mir ein negativeres Bild des ÖR als nötig. Eigentlich möchte ich den ÖR für ganz andere Dinge kritisieren wie bspw. das alle, auch Arme wie u.a. Alleinerziehende, die 17,50€ GEZ/Rundfunkgebühren zahlen müssen genauso wie jemand der Millionen verdient.

    • Eine Gebühr ist eine Zahlung, die bei Inanspruchnahme einer konkreten (behördlichen) Leistung anfällt. Demgegenüber ist ein Beitrag eine Zahlung, die keine Inanspruchnahme erfordert sondern lediglich aufgrund der Bereitstellung eines Leistungsangebots anfällt (so wie z.B. der Mitgliedsbeitrag im Fitnessstudio…).

      Bis 2013 musste zahlen, wer ein Empfangsgerät besass, den ö-r Rundfunk also (mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens gelegentlich) nutzte. Seitdem muss man unabhängig davon zahlen, also bereits weil es ihn gibt. Deshalb früher Rundfunk-Gebühr, heute aber Rundfunk-Beitrag (und früher “Gebühren-Einzugs-Zentrale”, heute “Beitragsservice”).

  38. Als Vorstand eines stationsbasierten CarSharing-Vereins im ländlichen Raum möchte ich ein paar Fach-Informatinonen bzw. auch Meinungen anfügen.

    1. Freefloating funktioniert nur in der Stadt. Am Land wird es mangels Masse noch sehr, sehr lange Zeit nicht eingesetzt werden. Die “spontanen” Fahrten in umgrenzten Gebieten, auf die das Freefloating-Modell setzt, fallen am Land nicht an.

    2. Freefloating ist als Modell in den Städten auch heute noch für die Anbieter ein Verlustgeschäft. Alleine die Parkraumlizenzen für das ganze Stadtgebiet kosten z.B. in München mehrere tausend (!!) Euro! Das ist manchmal mehr, als das Auto im Jahr an Rohrertrag erwitschaftet.
    Deshalb
    a) sind die stationsbasierten Anbieter in den Großstädten auf das Modell nie recht aufgesprungen
    b) ist die Fusion von Drive Now und CarGo nur logisch: es rechnet sich nicht. BMW und Mercedes versprechen sich davon allerdings einen Marketing-Efekt für die Handy-Generation. Und den wollen sie aufrechterhalten.

    3. Elektroautos sind aus Anbietersicht die totale Katastrophe! Die Fahrzeuge brauchen eine Auslastung von 35%, sollten also am Tag *unbedingt* mehr als einmal gefahren werden. Wenn ein Elektroauto zurückgegeben wird, weiss man nie, wie lange es zum Laden braucht. Man muss also im System *immer* die maximalen Ladezeiten einplanen, da man einem Nachnutzer kein halbleeres Auto vermieten kann – wer weiss, wie weit der Fahren will! Dadurch stehen die Autos unnötig viel und können nicht ausreichend genutzt werden.

    4. Die Freefloating-Anbieter sind leider präsenter als die stationsbasierten. Die Mutterkonzerne haben “tiefe Taschen” und können daraus mehr Marketing machen. Das macht uns am Land unser Marketing schwer, weil die Leute am Land eben die Zuverlässigkeit des stationsbasierten CarSharings haben wollen & auch brauchen. Wir werden dann mit Drive Now in einen Topf geworfen und der Mensch am Land sagt: “brauchen wir nicht”

    5. Ökologisch und ökonomisch richtig viel bringen würde es, wenn in den Mietshäusern häufiger ein oder zwei CarSharing-Autos in der Tiefgarage fest eingeplant wären. Dann müssten die Mieter nicht mehr unbedingt ein eigenes Auto haben (am Land ist man ohne Auto praktisch tot), was ihnen viel Geld sparen würde. Zum Anderen könnten die Vermieter kleinere Tiefgaragen bauen, was die Mieten senken würde (denn: jeder Tiefgaragen-Stellplatz ist unwirtschaftlich und muss aus der Miete bezuschusst werden). Einige Genossenschaften haben das inzwischen kapirert und machen das, auch bei uns am Land. Das bei den Kommunen durchzusetzen ist allerdings wirklich ein Knochenjob.

    Um mal ein Bauchgefühl für CarSharing am Land zu geben: Bei CarSharing Pfaffenwinkel (Oberbayern) haben wir 23 Fahrzeuge an 17 Stationen in 8 Städten und Gemeinden. Wir haben 250 private Nutzer und einen großen Firmenkunden mit 80 Nutzern. Unser Verein macht seit 19 Jahren CarSharing.

  39. Danke für die Folge und die zahlreichen Hintergrundinformationen!
    Ein paar Gedanken zum Thema Carsharing: Als Innenstadtbewohner (Frankfurt) besitze ich zwar ein Auto, versuche aber so gut es geht auf Alternativen auszuweichen. Ein Szenario, in dem ich etwa Car2Go nutze ist der Transport zum Flughafen bei sehr frühen/späten Abflügen, oder auch (um ehrlich zu sein) des Komforts gegenüber des ÖPNV. Sicher fahre ich auch gerne ich einem (Fast-)Neuwagen zum Flughafen und ich denke, dass dies auch von Daimler bzw. BMW gewollt ist. Ein großer Nutzen dieser Firmen beim Carsharing ist das “Probefahren” eines neuen Autos ihrer Marke. Ganz im Sinne des “Nudging” (Verhaltensökonomie, wörtlich: “jemandem einen Schubs in eine (die richtige) Richtung geben”) bringen die Autohersteller damit potentiellen Kunden ihre neuesten Modelle nahe. Fraglich ist, ob durch diese Dienste (Freefloating) nicht sogar Neuwagen ERWORBEN und nicht ERSETZT werden. Ihr zitiert Gunnar vom Carsharing-Verband, der sagt, dass “durch Car2go keine Privatwagen ersetzt werden”. Natürlich müsste man hier weiter forschen, ob nun sparsame Benziner, Hybride oder sogar Elektroautos angeschafft wurden, die zwar den Bestand an Autos nicht verringern, jedoch die Ökobilanz.
    Ein zweiter Gedanke zur Abkehr von ÖPNV: Die “Konkurrenz” die durch Carsharing-Dienste etabliert wird, führt meiner Meinung nach zu einem Umdenken beim ÖPNV. In einigen amerikanischen Städten ist es möglich, kostenlos mit Bus oder Stadtbahn zu reisen. Zuletzt hat Dünkirchen in Frankreich diesen Schritt getan. Will sagen, hier vertraue ich auf eine Selbstregulierung des Marktes. Nutzen immer mehr Menschen die Carsharing-Dienste, werden sie in den Städten nur noch schlechter von A nach B kommen und schließlich wieder auf den ÖPNV umsteigen.

  40. Zum Digitalpakt:
    Ja, wir brauchen mehr Geld in den Schulen für Digitalisierung. Aber es fängt schon an anderen Stellen an. Ich bin noch Schüler, und zwar an einem rheinland-pfälzischem Gymnasium. Meine Schule hat einen externen Dienstleister für alles was die Digitale Infrastruktur betrifft. Dieser Dienstleister ist schwierig zu erreichen und antwortet auch auf dringendere Probleme oder Absprachen spät. Ich bin mit einigen wenigen Schülern und einem Lehrer in dem Team, das die PC Administration mitgestaltet. Wir erledigen quasi alle Arbeiten, die kurzfristig gelöst werden müssen. Das heißt vor allem Probleme, die bei den Lehrkräften im Unterricht auftauchen werden von uns (unentgeltlich in unserer Freizeit versteht sich) bearbeitet.
    Die Schule hat nach meinem Eindruck sogar am Ende des Haushaltsjahres immer noch ein ziemliches Puffer, aber da scheitern sinnvolle Investitionen bereits daran, das die Lehrer, die das Geld und die Anschaffungen verwalten zwar anerkennen, das Digitalisierung wichtig ist, aber selber sehr wenig Ahnung davon haben. So habe ich mit Hilfe eines Mitschülers selbst einen Plan entworfen, um zumindest einige Teile des Schulgebäudes mit WLAN auszustatten. Im Anschluss an die Netzplanung habe ich Hardware ausgesucht und selbst mehrere Angebote eingeholt. Das Geld wurde bewilligt und die Hardware ist da und getestet, aber: aktuell liegt die im Schrank, weil es weitere Probleme mit der Integration ins restliche Netz gibt, die der Dienstleister nicht löst. En Problem beim WLAN war auch die sehr schlechte Verkabelung im Schulgebäude, die ihr auch angesprochen habt. Dafür ist bei uns die Stadt zu ständig und die machen was sie wollen. Obwohl nicht alle Räume verkabelt sind hat keiner mehr einen Überblick, wo welches Kabel auf welchem Switch ankommt.
    Dazu kommt das schreckliche System, auf dem das Schulnetz funktioniert. Es läuft auf Windowsbasis, ist nicht performant und sehr anfällig für Fehler. Es wird für Schulen entwickelt, ist aber sehr unhandlich. Vielleicht sollte sich der Bund da mal um die Entwicklung eines vernünftigen OpenSource Systems kümmern.
    Und auch wenn wir WLAN hätten: Was würde da rüber kommen? Die Telekom hat bei uns nur nen Klingeldrath liegen, Kabel liegt wohl nicht. Aktuell max. 25Mbit. Für eine ganze Schule wäre so ne Standleitung schon sinnvoll denke ich. Aber die Verwaltung verneint: So viel brauchen wir ja nicht.
    Andererseits auch die Lehrer: Sehr viele Lehrer können keine Medienkompetenz vermitteln, weil sie selbst keine besitzen. Da brauchen wir auf jeden Fall (verpflichtende) Fortbildungen, die die Lehrer irgendwie an die “neuen” Medien heranführen und einen aufmerksamen Umgang damit vermitteln. Wer sich Wikipedia und co grundlegend verwehrt hat mMn nichts in dem Job zu suchen.
    Und ganz ehrlich: Wie viele Laptops oder Tablets will man für das Geld denn anschaffen? Wenn man dann noch die Wartung mit rein nimmt… Lieber mehr in die darunterliegende Infrastruktur und Fortbildungen sowie schuleigenes IT Personal investieren.

  41. Zur Bahn und den Entschädigungen möchte ich auf einen Artikel der Welt hinweisen, in dem über die Arbeiten der Bahn an dem neuen Buchungssystem („Vendo“) berichtet wird: https://www.welt.de/wirtschaft/article189008969/Verspaetungen-Deutsche-Bahn-schafft-bald-Fahrgastrechte-Formular-ab.html
    Im Rahmen dessen soll ein „Live-Ticket“ implementiert werden, u. a. mit Echtzeitinfos, Buchungsänderungen und auch deutlicher einfacherer Entschädigungsabwicklung. Allerdings wird’s noch dauern: »Die Funktionen sollen schrittweise freigeschaltet werden, voll funktionsfähig ist „Vendo“ dem Plan nach erst im Jahr 2021.«
    Bis das so weit ist, bleibt die Forderung, wenigstens das jetzige Formular im jetzigen Buchungssystem möglichst vollständig vorausgefüllt herunterladen zu können, natürlich valide. Das ist nicht so kompliziert, dass es nicht binnen weniger Wochen oder Monate umzusetzen wäre …

    Vielen Dank an euch zwei und die euch zuarbeitenden Menschen für eine wie immer interessante Lage :-)

    • 25. Februar 2019 um 14:38 Uhr
      Kersten Kalischefski

      Das wird uns Berufspendler wahrscheinlich nicht helfen. Die Fahrkarte (Abo) ist noch nicht einmal in der Bahn-App vorhanden.
      Das Beantragen der Entschädigungen ist schon sehr nervig. Ein mal wollte der Mitarbeiter sogar einen Nachweis, dass ich den Monat bezahlt habe . . .
      Und 5€ (mehr gibts beim Abo nicht, völlig egal wie viel Verspätung man hat) sind für den Aufwand auch eher ein Witz.

      Auch von mir vielen Dank für die interessante Sendung. Mich stören die 2 Stunden nicht.

  42. Ein paar Bemerkungen zu den Schülerprotesten. Vorab: Ich bin Lehrer und stehe den Demonstrationen persönlich sehr wohlwollend gegenüber. Allerdings würde ich es für falsch halten, wenn die Schulen, Behörden und Politik die Schülerinnen und Schüler nun sofort umarmen und einen allgemeinen Kuschelkurs inklusive Projektwochen fahren würden. Denn der Protest bezieht ja gerade seinen Wert aus der Tatsache, dass hier gegen Institutionen aufbegehrt, Regeln gebrochen werden. Dies führt letztlich zu der öffentlichen Aufmerksamkeit, die in der Sache so notwendig ist. Das reale Risiko sanktioniert zu werden, verschafft dem Protest genau jene Glaubwürdigkeit und Legitimität, die durch die Unterstellung, dass hier nur bequem Schule gebläut wird, bezweifelt werden sollen.
    Wir Lehrer haben daher in unserer Doppelrolle als Beamte und Pädagogen m.E. einen Spagat zu vollziehen. Einerseits sollten wir als Vertreter der Institutionen den Regeln Nachdruck verleihen und es den Schülerinnen und Schülern nicht zu einfach machen. Andererseits müssen wir als Pädagogen, dieses Spannungsverhältnis mit den Schülern thematisieren und unser Handeln erklären. Und natürlich sollten Maßnahmen stets mit Augenmaß bestimmt werden.

  43. Ich schätze eure rechtsstaatliche Sicht auf die Dinge sehr. Vor diesem Himtergrund stelle ich mir die Frage, ob eure Argumentation zum Thema Durchsetzung der Schulpflicht nicht vom als positiv empfundenen Demonstrationsgrund geprägt ist. Würdet ihr genauso argumentieren, wenn die Schüler für die Abschaffung der Schulpflicht oder der Bundeswehr demonstrieren würden.

  44. Ich halte die These, das Fridays for Future als Sundays for Future nicht genauso gut funktionieren würde, für nicht haltbar und deshalb sollten sie am Wochenende stattfinden. Warum? Weil es ein gutes Gegenbeispiele für europaweite Kundgebunden an Sonntagvormittagen gibt, die es in alle Medien geschafft haben: Puls of Europe.
    So bekommt das ganze durch den Streik einen “Anti-Establishment” oder “Rebellions”-Charakter der der Komplexität der Sache nicht ganz gerecht wird. Klimaschutz ist ein unglaublich komplizieres Unterfangen, bei dem die Forderung “Jetzt aus der Kohle aussteigen”oder “endlich Handeln”: emotiionale aber wenig hilfreiche Forderungen sind. Aus ökonomischer Perspektive ist das erste Problem, dass es nur im Internationalen Verbund funktioniert, wenn einer spart und ein anderer mehr ausstößt ist nichts gewonnen. Die Zielvorgaben für Deutschland sind anteilig berechnet aus den Zielen der EU. Wenn Deutschland mehr spart, stoßen andere EU-Länder mehr aus.
    In der Umsetzung ist das Problem, dass wir weder die Infrastruktur haben um jetzt auf 100% Erneuerbare umzusteigen, noch Technologien die kruzfristig entsprechende Kapazitäten einigermaßen klimafreundlich aufbauen könnten. Und man darf nicht vergessen: der Ausstieg aus der Atomkraft ist zwar beschlossen, aber noch nicht erfolgt. Der große Anstieg des Strombedarfs für Klimafreundliche Elektroautos kommt noch.
    Ich finde diese Proteste auch aus Lehrer-Persepektive schwierig: wenn die halbe Klasse im Unterricht fehlt, muss ich den Stoff dann zwei mal machen/ oder nehme ich keine Rücksicht auf die protestierenden Schülerinnen und Schüler und muss diese dann ggf. über die Note abstrafen? Wie soll ich so den Lehrplan einhalten um die Schülerinnen und Schüler einigermaßen auf die zentralisierten Abiturprüfungen vorbereiten.

    • Aus der Argumentation, dass Klimaschutz ein komplexes Unterfangen ist und dass Klimaschutz in Deutschland womöglich gar nicht viel nützt erwächst für die jungen Leute ja die m.E. durchaus berechtigte Wahrnehmung, dass nicht genug für den Klimaschutz unternommen wird. Die implizite Aussage, mit der sich die jungen Leute dadurch konfrontiert sehen, ist, dass wir mehr oder weniger weiter machen wie bisher und dass sie in 20-30 Jahren zusehen können, wie sie mit den Problemen fertig werden. Und genau das ist ja der Anlass für die Proteste.

      Ich vermisse in der Reaktion weiter Teile der Politik, dass die wirklich relevante Frage, nämlich wie der jungen Generation glaubhaft eine Zukunft ohne schwerwiegende Klimaschäden versichert werden kann, aufgenommen wird. Der starke Fokus auf die Schulpflicht erscheint mir wie eine Verschiebung des Diskurses auf ein Feld, wo sich viel leichter diskutieren lässt und wo man die wirklich schwierigen, aber zentralen Fragen der Klimapolitik und der Generationengerechtigkeit vermeiden kann.

      Und das wäre auch meine Kritik an Philip & Ulf. Obwohl ich mich über die Aufnahme des Themas Fridays for Future und die gewohnt sachliche Diskussion sehr gefreut habe, erscheint mir, dass die Fokussierung des Berichtes auf die Frage der Schulpflicht genau diese Diskursverschiebung mit gefördert hat.

      • “Ich vermisse in der Reaktion weiter Teile der Politik, dass die wirklich relevante Frage, nämlich wie der jungen Generation glaubhaft eine Zukunft ohne schwerwiegende Klimaschäden versichert werden kann, aufgenommen wird.“
        Wer soll denn das versichern. Sind wir ehrlich. das kann niemand.
        Ich persönlich bin der Meinung, dass wir das Steuer nicht herumreißen können. Was wir tun, ist so fest wie möglich am Ruder zu drücken. Aber da müsste die ganze Weltgemeinschaft mitmachen. Und wie oben schon erwähnt (Forschergeist Podcast, Rademacher), gibt es auf der Welt Menschen, die aktuell das Ruder noch in die Gegenrichtung drücken, weil sie aktuell Probleme haben, die höhere Priorität haben als die Zukunft unserer Kinder. Die Zukunft deren Kinder ist so oder so übel, da kommt es auf das Klimaproblem erst gar nicht an. Maslow und seine Pyramide lässt grüßen.

  45. Wir (MutterVaterKindKind) haben vor 5 Jahren unser eigenes Auto verkauft (vor kurzem hab ich dazu auch ein paar anschauliche Diagramme zusammengebaut)
    Wenn wir ein Auto brauchen, nutzen wir stationäres Car-Sharing. Das funktioniert hervorragend.
    Unser Mobilitätsbedarf liegt im Jahr bei durchschnittlich 12.000 Kilometer.

    Die Vorteile:

    – Es ist billiger: Wir geben am Ende des Jahres ein bisschen weniger Geld für Mobilität aus, als mit eigenem Auto. Das liegt v.a. daran, dass viele die Kosten des eigenen Autos nicht ehrlich rechnen (Wertverlust, Versicherungen, Werkstattkosten …), zum andere, dass wir eben nicht immer gleich für jeden Fall das Car-Sharing-Auto nutzen, sondern auch immer andere Verkehrsmittel, wie Bahn oder Fernbus gegenrechnen. Und damit spart man oft deutlich Kilometerkosten.

    – wir haben mehr Vielfalt: wir können für jeden Anwendungsfall das beste Auto buchen. Sperrmüllfahrt->Transporter, für den Ausflug am Wochenende reicht aber der Kleinwagen und in den Urlaub im Kombi. Das ist auch kosteneffizienter.

    – immer aktuelle Autos. Der Fuhrpark wird relativ häufig aktualisiert. Man hat Zugriff auf meist moderne, komfortable Wagen.

    – und schliesslich, fast mein wichtigster Punkt: weniger Stress und emotionale Belastung. Wir müssen uns nicht mehr kümmern um: Reifenwechsel, Unfallschäden und v.a. Parkplatzsuche. Wenn man sich hier in München keinen Tiefgaragenstellplatz leisten will und frei parkt, fährt man mit dem eigenen Auto in den Innenstadtvierteln gerne auch mal ne halbe Stunde um den Block, bis man was findet. Das stationäre Car-Sharing bietet mir einen garantierten Stellplatz bei mir im Viertel. Der ist bei uns in den drei nähesten Fällen ungefähr genauso weit weg von der Wohnung, wie wir früher als das eigene Auto im schlechteren Fall weg parken mussten.

    Zu den vermuteten Nachteilen vom stationären Car-Sharing:
    – zu unflexibel: kann ich aufgrund der Erfahrungen der letzten 5 Jahre nicht bestätigen. Wir bekommen auch immer wieder spontan (1 Tag vor Fahrt oder sogar am selben Tag) noch einen Wagen. Zu Ferienzeiten oder an Feiertagen muss man tatsächlich etwas früher buchen (gerne auch mal 1-2 Monate), aber die Erfahrung hat uns gezeigt, dass man eigentlich gar nicht so oft spontan für 3 Wochen nach Schweden in den Urlaub oder an Weihnachten zur Verwandschaft fährt. Das plant man, auch wenn man ein eigenes Auto hat, meistens schon frühzeitig. Insgesamt halte ich das “ich will aber spontan mit dem Auto irgendwohinfahren” für stark überbewertet. Das kommt eigentlich gar nicht so oft vor.

    Das funktioniert bei uns so gut, weil wir in München einen stationären Car-Sharing-Anbieter haben, der eine gute Stationsabdeckung hat (wir haben 2 Stationen in enger Nähe und noch 2-3 im erweiterten Umfeld).

    Free-Floating hingegen nutzen wir kaum. Das ist, wie ihr schon zu Recht beschreibt, eigentlich nur manchmal ein komfortabler Ersatz zum ÖPNV oder bei schlechtem Wetter zum Radfahren.

    Was mich ein bisschen ärgert, ist, dass in den letzten Jahren, auch in der Politik, wenn es um das Thema Car-Sharing geht, v.a. die Freefloater (Car2Go/DriveNow) im Mittelpunkt stehen. Dabei sind das gen au die Anbieter, die am wenigsten dazu beitragen, dass Menschen auf ihr eigenes Auto verzichten. Schon allein deswegen, weil sie viel zu teuer sind. Der Kilometerpreis bei Freefloatern ist ungegfähr dreimal so hoch, wie bei stationären Anbietern. Freefloater haben meiner Meinung nach eher den gegenteiligen Effekt: sie schwächen ÖPNV und v.a. sorgen sie dafür, dass in den Städten noch mehr öffentlicher Raum durch Autos belegt wird (es verzichtet ja keiner aufs eigene Auto und die Freefloater kommen noch oben drauf).

    Ich finde, die Politik sollte da bei Fördermaßnahmen auf jeden Fall genauer hinschauen und differenzieren und gesellschaftlich sinnvolles Car-Sharing fördern.
    Stattdessen musste 2017 der seit Anfang der 90er agierende, größte stationäre Car-Sharing-Anbieter STATTAUTO um seine Gemeinnützigkeit fürchten und drohte Steuern nachzahlen zu müssen.

    • Kinder haben und dennoch auf das Auto verzichten zu können, davon träumen wir. Aber allein schon für die spontane Fahrt zum Kinderarzt oder das Abholen von den Kindergartenfreunden erscheint mir unsere “Karre” bisher unverzichtbar. (Wir wohnen in einer Stadt mit knapp 100.000 Einwohnern, also nicht gerade ländlich.)

      • es funktioniert dann gut, wenn die Infrastruktur drumrum stimmt. Also: 1-3 Car-Sharing-Stationen im direkten Umfeld, gut ausgebauter ÖPNV (damit können wir in München sehr gut zum Kinderarzt fahren) und Fahrrad/Fußgängerfreundlichkeit.

      • Bis 10 hab ich das Kind auf den Fahrradkindersitz gesetzt, im ganz schlimmen Fall auch Taxi (fällt bei 3x im Jahr kostenmäßig nicht ins Gewicht). Kinderfahrrad bzw. Kindersitz auf dem Rad haben normale Fahrten ermöglicht. Laufrad war ab zweieinhalb Jahre ziemlich flott unterwegs (Gehweg). Strecken hier in Halle meist unter 10 km. ÖPNV vorhanden.

    • Habe in Karlsruhe sehr gute Erfahrung mit Stadtmobil gemacht. Dazu ein sehr guter ÖPNV und die Sache läuft recht rund. Ich kenne aber auch den Kontrast du ländlichen, noch nichtmal sehr dünn besiedelten Regionen. Wo es ohne Auto kaum geht. Im Ruhrgebiet ist es interessanter Weise noch recht mau. Dort wäre allerdings auch der ÖPNV ausbaufähig.

      • Das Stadtmobil Modell in Karlsruhe kann ich auch nur als sehr positiv empfehlen und würde mir wünschen, dass es das an mehr Orten gibt.
        Ganz besonders hervorheben möchte ich dabei die Doppellösung: Es gibt (zum Großteil) die traditionellen Stationen (wirklich jeder Ecke der Stadt und mir ist es noch nie passiert, dass ich an einer Station kein Auto hätte kriegen können). Darüberhinaus gibt es seit einiger Zeit auch die sogenannten “Stadtflitzer”, das freefloating Modell, das über den gleichen Anbieter – und damit Account – wie das stationsbasierte Carsharing läuft. So kann man sich, wenn nötig, innerhalb der Stadt also auch “one-way” bewegen und zahlt für diesen Luxus eben ein bisschen mehr.
        Wenn es diese Variante der kombinierten Carsharingmodelle häufiger gäbe bin ich mir fast sicher, dass viele Menschen mit einem besseren Gefühl ihr Auto komplett aufgeben könnten, da es auch eine Lösung für spontane Situationen gibt.

  46. Ich frage mich ernsthaft, ob jemand im EU-Parlament außer Reda (und als Parodie Sonneborn) die Reichweite ihres Abstimmungsverhaltens für oder gegen die Urheberrechts-Richtlinie verstanden haben.

    Die Verlage müssen zunächst Millionen an die Verwertungsgesellschaften zum Aufbau eines Kontrollmechanismus zahlen, Konzerne wie Google müssen Millionen in Upload-Filter investieren, und die Abmahn-/Nutzlosbranche wird sich über tausende abgemahnte private Nutzer freuen, die wegen eines vergessenen Zeitungsartikel auf der 20 Jahre alten Homepage lieber die Abmahngebühr bezahlen als es auf einen teuren Prozeß ankommen zu lassen.

  47. Danke erstmal wieder für die super Folge – wieder eine zum unter Freunden und Familie verteilen :)

    Ein paar Beobachtungen zum Thema Carsharing. Ich lebe derzeit in Zürich, bin jedoch in Hamburg aufgewachsen. Hier in der Schweiz gibt es im wesentlichen einen grossen Carsharing Anbieter, der ähnlich Flinkster eine Tochter der SBB ist. Nennt sich Mobility und ist stationsgebunden, nicht free-floating. In der Praxis gibt es jedoch einen Haufen an Stationen, sodass ein Auto in der Regel nie mehr als 5 Gehminuten entfernt ist und jeder Bahnhof inzwischen mindestens eine Station hat – Stichwort letzte Meile in Randregionen.
    Nun kenne ich viele, die daher nie ein free-floating System ausprobiert haben und denen das Konzept tendenziell eher unsympathisch wirkt. Sie schätzen die Zuverlässigkeit des stationären Betriebs und wollen sich darauf verlassen. Nun hat Mobility bisher keine gute App oder Webseite, sodass eine spontane Buchung schon eher mühsam ist, jedoch kann ich mir vorstellen, dass sich da einiges verbessern liesse. Ich sehe, dass sehr viele Firmen durch die Hohe Planbarkeit keinen eigenen Fuhrpark haben, sondern ausschliesslich eine Anzahl an Mobility Abos (= Anzahl gleichzeitig nutzbarere Fahrzeuge) besitzt und damit definitiv Autos erst gar nicht anschafft. Gleiches gilt für Genosschenschaftsüberbauungen, die autoarm funktionieren und ihren Bewohnern als Ausgleich Zugriff auf Mobility bieten. Damit lässt sich der Umzug, der Ikea-Einkauf und der Wochenedausflug wunderbar erledigen ohne ein eigenes Auto zu besitzen.
    Aus persönlicher Sicht hat dieses System den Vorteil, dass alles vom Smart bzw. seit kurzem Vesper, über den Familien-Kombi bis hin zum Transporter dabei ist und mehr oder weniger spontan gebucht werden kann. Leider ist der Elektroanteil der Flotte noch verschwindend gering, aber immerhin preislich vergleichbar mit einem Verbrenner der gleichen Klasse.

    Interessanterweise gibt es im Bereich Bike/Rollersharing eine gewisse Inversion. Hier setzt ein grösserer Teil der Anbieter auf ein free-floating Modell, während in Deutschland – vorallem Hamburg – bisher eher stationäre Systeme überwiegen.

  48. Das Framing-Manual, das seit zwei Jahren im Umlauf ist, ist weitestgehend nutzlos. Diejenigen, die den ÖR eh gut finden werden in ihrer Meinung bestärkt, während diejenigen, die ihm kritisch gegenüberstehen nicht überzeugt werden. Oma Gertrude (70 aus Leipzig), die den Musikantenstadl und Horst Lichter mag hat eh schon eine positive Einstellung und muß nicht überzeugt werden. Demgegenüber hat Thomas (30 Jahre aus München) eine negative Meinung über den ÖR, da er das Entertainmentprogramm nicht nutzt und sich eine eigene Meinung bildet, die eventuell nicht mit der Ideologie der Öffentlich-Rechtlichen übereinstimmt.
    Kein Framing der Welt kann Thomas überzeugen, daß er für eine Leistung, die er nicht in Anspruch nimmt Geld zahlen soll und daß er dies gleichzeitig gutheißen soll.

    • Welche Ideologie des örR denn bitte? Es handelt sich um einen Verbund von einem guten Dutzend Sendern, die sehr unterschiedliche Schwerpunkte setzen, Konsens ist vor allem die positive Haltung zu Demokratie und Grundgesetz.

      Sorry, aber das ist widerlicher AfD-Sprech, deren Problem mit dem örR ja vor allem darauf beruht, dass man dort nicht so hemmungslos menschenfeindliche Propaganda verbreiten kann wie auf Facebook.

      • Die Tatsache, dass die ARD links-lehnt ist so bekannt und alt, dass man mal das ZDF gegründet hat, weil die CDU auch einen Sender haben wollte. Von der Ideologie der ARD macht es durchaus Sinn zu sprechen, da die ARD zumindestens auf Bundesebene als ein Produkt auftritt. Ähnlich wie die Bildzeitung, die zwar lokale Redaktionen hat und entsprechende Lokalteile herausgibt, aber doch eine Marke bildet.
        Außerdem gibt es eine gewisse Neigung, den ÖR als den besseren Journalismus anzusehen, “weil er unabhängiger ist”. Dabei würden private (oder genossenschaftliche) Medien sagen: ihr seid abhängig von den Aufsichtsgremien, und in denen sitzen vor allem Politiker und linke gesellschaftliche Gruppen (manches Treffen der evangelische Kirche könnte auch ein Grünen Parteitag sein, und die zweitgrößte Gruppe nach Politikern sind Gewerkschaftsvertreter).
        Also zu sagen, dass der ÖR nicht eine Haltung hat und diese nicht politische zuordbar ist, halt ich für quatsch. Auf der anderen Seite, bringt der ÖR sicherlich einen guten Beitrag zur Medienlandschaft in Deutschland.
        Insgesamt sollte man für eine diverse Medienlandschaft sein. Aber sowohl Private als auch die ÖR Medien kämpfen um Marktanteile und Legitmation und probieren die Finanzquellen des jeweils anderen zu skandlisieren.
        Und in dem Framingmanual kommt aber durchaus die Haltung der ARD zum Vorschein, dass alle anderen Medien, wenn nicht gleich illegitim, dann zumindestens weniger legitim, sind. Stichwort: “Heuschrecken”.
        Und so fast schon monopolistische Ansprüche auf die Wahrheit und den Nachrichtenmarkt sehen halt doof aus. Deshalb kann man durchaus von einer Ideologie der ARD sprechen ohne gleich Nazi zu sein.

      • “Welche Ideologie des örR denn bitte? […]
        Sorry, aber das ist widerlicher AfD-Sprech”

        Ich schaue heute zum ersten Mal in die Kommentare, aber die Diskussionskultur hätte ich differenzierter erwartet. Über die Zuschreibung der “Ideologie” kann man trefflich streiten, aber die Keule der Widerlichkeit macht das schon schwer.

        • Ideologie suggeriert halt schon als ob man im ÖR eine stramme Linie hat, die gefälligst einzuhalten ist. Dem ist nicht so – wie Böhmermann ja auch etwas deutlicher zeigt.

          Und diejenigen die eine angeblich existierende Ideologie vorwerfen sind halt schlichtweg unzufrieden das die eigene Meinung nicht gespiegelt wird.

        • Danke, genau das wollte ich sagen: Wer dem örR eine Ideologie unterstellt outet sich selbst als Verschwörungstheoretiker(in). Das ist schon wegen der großen Zahl an Anstalten und den völlig unterschiedlich zusammengesetzten Gremien nicht möglich.

          Ganz abgesehen davon hat der örR aus lauter Angst vor dem “Lügenpresse”-Vorwurf die AfD massiv gefördert, indem sie AfD-Themen und Skandalen weit überproportionalen Raum gegeben haben. Eigentlich müssten die Braunen dem örR zutiefst dankbar sein. Hätten die Piraten auch nur ansatzweise diese Aufmerksamkeit und damit Airtime bekommen säßen sie wohl jetzt in allen Parlamenten.

    • Was genau die Ideologie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sein soll, erschließt sich mir auch nicht ganz. Zumindest sehe ich eine keine uniforme Ideologie, die hier propagiert wird. Der Rundfunk ist auch Lokalzeit, Sport und seichte Telenovelas.
      Ich würde das auch nicht “widerlichen AFD-Sprech” abtun. Das liegt einfach zu nah an der Argumentation heutzutage, damit schon die Debatte zu beenden. AFD schlecht. Es muss dazu nichts mehr gesagt werden.
      Man kann einen kritischen Blick auf die öffentlich-rechtlichen werfen und wie politische Haltung sich in den Redaktionen widerspiegelt. Nur weil es sich um die ARD handelt sind ihre Nachrichten nicht die Quintessenz von Ausgewogenheit und Objektivität. Von Zeit bis NZZ sind viele kluge Artikel verfasst worden. AFD-nah muss dann lange nicht sein. Der Gedanke auch politische Haltungen verfestigen sich indem bestimmte Journalisten gefördert werden andere hingegen nicht, erscheint alles andere als abwegig.
      Ich finde auch nicht das der öffentliche-rechtliche Rundfunk sich selbst mit einem Framing-Handbuch sein eigenes Image in der öffentliche Wahrnehmung steuern sollte. Will man die Dumpfheit der anderen wirklich mit der eigene kontern. Man selbst will nicht “Lügenpresse” sein, aber die Privaten “medienkapitalistische Heuschrecken”? Den Rundfunk, seine Qualität und sein Beitragssystem zu verteidigen ist nicht die Aufgabe von ARD etc. sondern von Gesellschaft und Parteien. Und siehe da. der Konsens zur diesen steht vergleichbar solide da.

      • … “die proaktive, selbstbestimmte, da demokratisch entschiedene Selbstbeteiligung am Rundfunk ARD heisst jetzt ‘die Rundfunkbeteiligung'” statt Zwangsgebühr…
        Sorry, aber ich hatte beim Hören das Gefühl, das konnte der Philip selbst kaum ohne zu Schmunzeln/Lautloszuprusten aussprechen.
        Nicht falsch verstehen, ich bin absolut für ÖR, Fan von Deutschlandradio, HR2 der Tag, etc.
        Aber ich finde das System gehört komplett ausgemistet. Informationen und Politik ja, Sport vielleicht noch aber keine privaten Veranstaltungen (Fifa etc.) füttern, und vor allem keine Unterhaltung. Was ist denn da eigentlich der öffentlich Auftrag, das Rational dahinter? Weiss das jemand hier? Soll das Kultur schaffen? Z.b. dass so viele grotten schlechte Filme mit Millionenbudgets gedreht werden (z.B. Traumschiff mit immer wieder der selben hochbezahlten zum Teil hanebüchenen Schauspielern…) Versteh’ ich einfach nicht. Klar manchmal ist auch wirklich ein guter Film dabei, aber dann sollen die den halt am Markt produzieren bzw. ggf. fördern, wenn der kulturell wertvoll ist.
        Ich verstehe dann aber sehr wohl irgendwie intersubjektiv, dass viele Leute insbesondere mit wenig Geld dann das ganze System als versteckte Steuer verachten, weil es ja auch immer mehr Geld verschlingen will.
        Meiner Meinung sind die öffentlichen v.a. Fernsehsender hierzulande komplett aus dem Ruder gelaufen.

  49. Zum Zitat von Axel Voß: wenn man statt von einer (!) Veröffentlichung (!) bei Twitter von einem (!) Upload (!) z. B. bei Dropbox ausgeht zur (!) privaten (!) Nutzung also z. B. Weiterreichen an drei gute Bekannte, dann machen seine Ausführungen meines Erachtens durchaus Sinn.

    Aber ich habe mal eine Frage: wieviele Billionen Superrechner sollen in Zukunft denn allein dazu laufen, jeden Upload mit den fünfhundert Fantastilliarden an urheberrechtsgeschützten Werken, die es inzwischen global gibt, abzugleichen? Das kommt mir komplett aberwitzig vor.

    • 23. Februar 2019 um 10:37 Uhr
      Florian aus Bamberg

      Ich glaube, man sollte erstmal noch das Zitat zum genauen Nachlesen hier aufschreiben:

      “Der Bürger darf Presseartikel privat nutzen und kann die auch entsprechend hochladen. Auch auf Plattformen hochladen. Das heißt, die Plattform ist dann nicht verpflichtet, hierfür eine Lizenz zu erheben, weil es autorisierte Hochladung ist. Wir als Gesetzgeber geben dem Einzelnen die Möglichkeit, diesen Artikel eben zu privaten Zwecken entsprechend auch hochzuladen.”

      Axel Voss ist vermutlich doch nicht ahnungslos, sondern eher etwas, das man unverfroren nennen könnte: Einen Artikel “zu privaten Zwecken” hochzuladen heißt in der Welt des Herrn Voss vermutlich nicht “in einem Forum veröffentlichen, auf das viele, dem Hochlader unbekannte Personen, Zugriff haben”. Das sind vermutlich eben nicht “private Zwecke” in der Sprache von Herrn Voss.

      Die “privaten Zwecke” entfallen vermutlich sofort, wenn dieses Forum dazu dient, Geld zu verdienen. Und wenn es nur eine winzige Anzeige ist oder das Forum jemandem zuzuordnen ist, der daraus einen wirtschaftlichen Vorteil ziehen könnte. Eine politische Äußerung in einem Artikel könnte zum Beispiel dazu dienen die Wahlchancen eines Kandidaten zur Europawahl zu verbessern und ist damit eben kein privater Zweck mehr.

      Es gibt vermutlich eben kaum private Zwecke, außer die, die keine öffentliche Wirkung haben. Wie das Hochladen eines Artikels auf Dropbox oder Google Drive oder auch das Verschicken eines Artikels per E-Mail an einen kleinen, privaten Adressatenkreis.

      Wir haben es hier also mit einem klassischen Fall von Overspecification zu tun. Denn eigentlich interessiert sich niemand für das Hochladen “zu privaten Zwecken”. Denn wichtig ist das allgemeine Hochladen zum Austausch auf kommerziellen Plattformen wie YouTube, Facebook usw..

      Herr Voss hat also seiner Kollegin, die wissen wollte, welche Auswirkungen die Richtlinie haben wird tatsächlich einfach nur unvollständig geantwortet und den Teil, der uns alle interessiert einfach weg gelassen.

      In meinen Augen weiß Herr Voss genau was er da tut. Er beherrscht das politische Handwerk anscheinend recht gut. Auf diese Weise kann man Menschen Dinge schmackhaft machen, die sie eigentlich, wenn sie verstanden hätten, was da gesagt wird, nicht wollen würden.

      Das Schlimme ist, dass vermutlich auch viele Abgeordnete auf so etwas reinfallen.
      Deshalb ruft die EU-Abgeordneten an und versucht ihnen klar zu machen, worüber sie da eigentlich abstimmen.