LdN127 Venezuela, Brexit-Update, Tempolimit, Kohlekommission, Stickoxide und Feinstaub, Wahlkampfmanipulation

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Venezuela

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218 Kommentare

  1. 3. Februar 2019 um 22:54 Uhr
    ruedigerschwarzlinek

    Das Tempolimit ist ein Dino der in Kuerze von selber ausstirbt. Wenn die Masse der Autos elektrisch und autonom unterwegs sind, ist extrem schnell Fahren erledigt.

    Andererseits ist ein Tempolimit ein Sicherheitskiller. Die Autoindustrie ist heute in der Lage bis um die 200 kmh eine nennenswerte Ueberlebenschance einzubauen. Das schlaegt auch auf die niedrigeren Geschwindigkeiten positiv durch und da in erheblichem Umfang, auch auf einen Clio oder Polo.

    Wenn die Kisten auf 100 +/- 30 gebaut werden, bekommen wir einen Berg Schwerverletzte und Tote bei 60- 100 die es aktuell nicht gibt, dann wird Tata Nano Sicherheitsstandard.

    Also sollte man den Zirkus mit dem Tempolimit einfach so lange verschieben, bis das durch Elektro/ Autonom eh erledigt ist.

    Das spart Nerven und haelt die Autoindustrie noch eine Weile dazu an, sich alle moeglichen Entwicklungen zu leisten. Die Kaeufer der Topmodelle bezahlen das was in 15 Jahren die Standard Sicherheitsausstattung ist.

    Ich bin ein grosser Freund der vielbefahrenen Strecken bei denen eine 130 ruhiges Fahren ermoeglicht. Eine normale Autobahn ist fuer eine Reisegeschwindigkeit von 180 gut und sicher. Darueber ist es Sport fuer wenige.

    Und wenn es unbedingt ein Limit sein soll, fangt bei den 250 an, die kann man heute festlegen ohne mehr als 0,001 Prozent der Leute auf die Fuesse zu treten. Dann geht man vielleicht auf 220, 190, 170….

  2. Liebes Lage-Team,

    erst einmal ein Lob für den Podcast im Ganzen. Ich bin leider erst vor Kurzem auf ihn gestoßen.

    Zum Thema Tempo-Limit:
    Ich bin da ebenfalls sehr gespalten. Zum Einen finde ich die Begrenzung auf 130 km/h ziemlich hart. 130 km/h ist kein Tempo, wenn man vergleicht, dass man auf einer Landstraße 100 km/h fahren darf und dann eine Autobahn hat, welche a) wesentlich breitere Spuren hat, b) kein Gegenverkehr und c) i.d.R. einen Seitstreifen und als “Bremshilfe” eine Leitplanke und keinen Baum hat. Und dann nur 30 km/h mehr? Ein Tempolimit an sich finde ich auch unter Berücksichtigung der Sicherheit in Ordnung, aber 180 km/h oder zur Not 160 km/h sollten ausreichen.

    Falls man mit dem Tempolimit die Attraktivität der Bahn steigern möchte, müsste man -zumindest außerhalb der Ballungsräume – das Tempolimit auf 80 km/h beschränken. Das nur nebenbei.

    Was mich am meisten an der Diskusion aufregt, ist die Richtung in die das Ganze geht. Weitere Forderungen waren ja auch die Erhöhung der Kfz-Steuern und Ökosteuern. Letzteres betrifft dann auch die Heizungsrechnungen – nur für die Nicht-Autofahrer – und das mit dem Verweis die Umwelt zu retten. Ein hehres Ziel, welches ich befürworte. Wenn man das ehrlich angehen würde.

    VW bescheißt den Staat und Bürger mit gefälschten Abgaswerten? Ist dem Staat egal. Strafzahlungen würden ja den Konzern bedrohen. Gewinn des Konzerns in 2017 in Mio. € 11.638. Jupp, der knabbert so hart am Hungertuch, da darf man keine Strafe ansetzen. Für BMW und Daimler gilt dies ebenso. Die Steuerlast des VW-Konzerns betrug übrigens 16,35%. Durchschnittle Steuerbelastung Steuerpflichtige/r in Deutschland rd. 45%. Von Letzteren kann man da natürlich noch mehr Steuern abgreifen.

    Sollen die doch nicht mehr Autofahren… Hm, auch nicht so gut für die Autoindustrie. Aber keine Sorge. Nicht realistisch. Wer außerhalb der Großstädte wohnt, braucht ein Auto. Egal wieviel sie/er verdient. Und wer Kinder hat, braucht wohl auch ein Auto. Wer hat schon Zeit 4 Stunden am Tag mit Bahn und Bus die Kinder zum Kindergarten zu bringen, danach zur Arbeit und Einkaufen? Nahverkehr ausbauen? Nö, ist ja privatisiert und muss auch Zahlen liefern.

    Die Industrie wird von der Stromsteuer befreit, weil sonst nicht Wettberwerbsfähig? Meiner Kenntniss nach liegen die Strompreise verglichen mit der EU auf dem zweiten Platz. Von Unten. Geschenkt. Bürger zahlt ja.

    Wenn man die Hauptverursacher von CO² weiterhin so pudert und dann die eigenen Bürger, die viel weniger ausschlaggebende Hebel zum Klimaschutz zur Hand haben, so melkt, hat die Glaubwürdigkeit der Regierung ein kleines Problem.

    Beste Grüße ausm Norden

    • > Zum Einen finde ich die Begrenzung auf 130 km/h ziemlich hart. 130 km/h ist kein Tempo, wenn man vergleicht, dass man auf einer Landstraße 100 km/h fahren darf und dann eine Autobahn hat, welche a) wesentlich breitere Spuren hat, b) kein Gegenverkehr und c) i.d.R. einen Seitstreifen und als “Bremshilfe” eine Leitplanke und keinen Baum hat. Und dann nur 30 km/h mehr?

      Vielleicht muss man dann auf Landstraßen auf 80km/h runter.

      > Wenn man die Hauptverursacher von CO² weiterhin so pudert und dann die eigenen Bürger, die viel weniger ausschlaggebende Hebel zum Klimaschutz zur Hand haben, so melkt, hat die Glaubwürdigkeit der Regierung ein kleines Problem.

      Das ist doch alles eine Milchmädchenrechnung: Am Ende zahlt immer der Kunde/Steuerzahler. Gehen die Preise bei der Stromproduktion hoch, zahlt der Kunde.

    • Beim Vergleich mit der Landstraße auch nicht vergessen, dass die Geschwindigkeit quadratisch in Luftwiderstand, Energie und Schaden beim Aufprall eingeht.

      130km/h entspricht daher dem doppelten von 90km/h obwohl es nur ~50% schneller ist. (

  3. Liebes Lage-Team,

    als Vielfahrer mit rund 50.000 km und mehr pro Jahr, teile auch ich gerne meine Meinung zum Thema „Geschwindigkeitsbegrenzung“. Und ehrlich gesagt, schlagen dazu zwei Herzen in meiner Brust. Klar ist, da sprechen die Fakten eine deutliche Sprache, das ein Tempolimit auf vielen Ebenen sinnvoll ist. Die Umwelt wird geschont und es wären weniger Unfalltote zu beklagen. Die Liste lässt sich um viele gute Gründe erweitern.

    Fakt ist aber auch, so wie bei mir, dass ich es wirklich genieße auf den wenigen freigegebenen Strecken auch mal Kilometer zu machen. Die Hobel laufen einfach laufen lassen. Es gibt mir ein gutes Gefühl, selbst die Geschwindigkeit zu bestimmen, bei freier Strecke 200 km/h zu fahren.

    Das ist aber auch deutlich anstrengender und ehrlich gesagt ist der Zeitgewinn tatsächlich marginal.

    Wer jedoch einmal mit dem Auto 4 1/2 Std. von Thyangen bis nach Ciasso durch die Schweiz gefahren ist, weiß wie ätzend ein Tempolimit sein kann. Man kommt, ACHTUNG „gefühlt“ nie an. Und genau das ist es, das Gefühl nicht voran zu kommen.

    Ich bin mir selber noch nicht klar, ob ich für oder gegen ein Limit bin. Der Kopf sagt ja, das Herz sagt nein.

  4. Lieber Philip, lieber Ulf,

    richtig guter Podcast! Ich war bei dieser Folge allerdings ein bisschen mit der Recherche unzufrieden, spezifisch zum Thema Venezuela. Jetzt ist der Podcast zwar schon 6Tage alt, und ich weiß nicht ob das schon jemand mitgeteilt hat, aber ein Detail halte ich für sehr wichtig, das in der Sendung nicht genannt wurde. Guaido hat einen Verfassungsrechtlichen Anspruch auf die Präsidentschaft, der über das von euch genannte “ich bin ja als Parlamentarier auch irgendwie legitimiert” hinausgeht. Die Landesverfassung sieht nämlich den Parlamentspräsidenten, also Guaido als Interimspräsidenten im Falle einer Vakanz der Präsidentschaft vor. Wenn man nun, wie Ihr auch, die Wahl Maduros für gezinkt hält, dann gibt es zur Zeit keinen legitimen Präsidenten, und damit hat Guaido das Recht zu diesem Manöver. Ich denke das wäre, vor allem im Lichte eurer Befürwortung verfassungsgemäßer Lösungsansätze fair zu erwähnen.

    Viele Grüße

  5. Tempolimit:
    Erstmal: Danke für eure Arbeit! Ihr macht einen meiner beiden beliebtesten Podcasts! Und ab jetzt werde ich über LDN Amazon aufrufen.

    Philips Wort „Raser“ empfinde ich als „Schnellfahrer“ als Abwertung.
    Es gibt den „normalen Fahrer“ nicht.
    Es geht hier um subjektive Empfindungen.

    Es ist Fakt, dass man auf der freien AB alles zwischen 60 und open End fahren darf.
    Der ältere Herr, der im lindgrünen 200DMercedes fährt, wird Menschen, die mit 160 fahren, als Raser bezeichnen.

    Derjenige, der 160 fährt, denjenigen mit 260.

    Ich persönlich bin viel unterwegs und brauche die Möglichkeit mit 260 zu fahren, wenn ich noch irgendwie klarkommen will. Also fahre ich wenn es eben geht nachts.
    Ich drängle nicht, habe vor etwa 35 Jahren meinen letzten Unfall gebaut.
    Als Landbewohner kommt Bahn und ÖPNV nicht in Frage.
    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ihr beide als Bahnfahrer Euch im Auto nicht so sicher fühlt, und 200 kmh Euch nicht geheuer sind.

    Rein sachlich betrachtet:
    Wer ist „schuld“, wenn es zu einem Auffahrunfall kommt, weil ein „Schnellfahrer“ nicht mehr bremsen kann, weil ein 120 Fahrer auf die linke Spur geht, ohne sich die Mühe zu machen, die laut StVO erforderliche Abschätzung der Geschwindigkeit des Verkehrs auf der linken Spur durchzuführen?

    Es gibt VIELE Alternativen zur allgemeinen 120.
    – linke Spur Mindestgeschwindigkeit 160?
    – jährliche Tests, ob der Fahrer noch fit genug für die AB ist? Jährliche Tests ab einem gewissen Alter wären sicher sowieso sinnvoll!!
    Wieviele Menschen sterben durch zu alte Fahrer jedes Jahr auf ALLEN Straßen??
    – Durchsetzung des Rechtsfahrgebots
    – Autos die >180 fahren können: Pflicht zu automatischen Bremssystemen? (Hat mein Auto. Und Abstandshalter, usw usw.

    Für mich gibt es 3 Gründe gegen ein Limit:
    1) FREIHEIT
    2) ich kann meinen Job und meine Fernbeziehung anders nicht schaffen
    3) wenn was getan werden soll, dann endlich auch dafür sorgen, dass unaufmerksame Fahrer aus dem Verkehr gezogen werden

    • Mit dem Argument Freiheit lässt sich eigentlich alles argumentieren, was aber dennoch verboten ist. Und das persönliche Einzelschicksal Ihrer Person (Job, Fernbeziehung) kann wohl kaum als Grundlage für eine allgemeine Betrachtung der Situation herhalten.

      Sie sind ein hervoragendes Beispiel dafür, wieso sich in D zu diesem Thema nichts ändern wird.

    • Kurze Frage: warum glaubst du derjenige der mit 130-140 würde vor dem Ausscheiden nicht in den Rückspiegel schauen? Du fährst fast doppelt so schnell wie der andere, er kann dich also im Zweifelsfall gar nicht sehen wenn er Ausschreitungen.
      Immerhin schaust du ja hoffentlich konzentriert nach vorne, während der Kontrollblick in den Rückspiegel nur einen Moment dauert und man sich anschließend auf das Ausscheren und die vorraussicht konzentriert.

    • Zu 2: Ganz ehrlich, wie viel länger würdest du realistisch brauchen mit Tempolimit? Ohne harte Zahlen ist das erstmal eine Behauptung…

  6. Hallo Ulf, hallo Philip,

    unabhängig von der Frage, wie man nun zu einem Tempolimit steht, möchte ich dann doch auf einen Punkt eingehen, der mich in eurer persönlichen Stellungnahme zu einem Tempolimit sehr verwundert hat:

    Ihr merkt kritisch an, dass die Argumente derjenigen, die gegen ein Tempolimit auf den Autobahnen sind, sich darauf beschränken, wiederum die Argumente der Befürworter solcher Tempolimits zu entkräften, aber selbst keine echten Argumente gegen ein solches Tempolimit vorbringen können. Das allein würde ja schon dafür sprechen, dass es letztlich wohl sinnvoller sei, ein Tempolimit zu erlassen.

    Meiner Meinung nach ist das eine sehr seltsame Sichtweise auf die Dinge, die mich insbesondere in Hinblick auf Ulfs Engagement für die Freiheitsrechte sehr überrascht hat.

    Die Grundlage der Freiheit normiert unsere Verfassung in Artikel 2 I GG. Dieser besagt eindeutig, dass grundsätzlich alles erlaubt ist, was nicht verboten ist. Die allgemeine Handlungsfreiheit ist also der Ausgangspunkt jeder Diskussion, wenn ein Verbot erlassen werden soll. Artikel 2 I GG kann eingeschränkt werden, wenn es dafür ausreichend Gründe gibt. Ob das der Fall ist, kann an dieser Stelle ja offen bleiben.

    Denn nach meinem Verfassungsverständnis muss ich, wenn ich alle Argumente derjenigen, die für ein Tempolimit sind, entkräftet habe, gerade NICHT noch besondere Gründe darlegen, warum unbegrenzte Geschwindigkeiten sinnvoll sind. Die Geltendmachung eines besonderes Interesses, um frei von Grundrechtseingriffen durch den Staat zu sein, wäre ja eine Umkehr vom Freiheitsgedanken des Grundgesetzes und ist, wenn man es weiter denkt, ziemlich autoritär.

    Sprich: in einer freiheitlichen Demokratie ist es eben doch ausreichend, aufzuzeigen, dass ein Verbot falsch ist, und nicht, dass die Freiheit richtig ist.

    Oder seht ihr das wirklich anders?

    Mit besten Grüßen,

    Luca

    • Dem würde ich im Ansatz zustimmen. Indes ist der Gesetzgeber in sehr weiten Grenzen frei zu entscheiden, ob er die allgemeine Handlungsfreiheit zum Schutz andere Grundrechte einschränken will. Im Falle der Kollision von Spaß und Gesundheit ist das Konfliktfeld bereits vom BVerfG genauer beleuchtet worden, nämlich in den Entscheidungen zum Rauchverbot in Gaststätten: Der Gesetzgeber kann das Rauchen verbieten, sofern er das im Rahmen eines in sich schlüssigen Gesamtkonzepts tut. Und da war die verfassungsrechtliche Prüfung sogar noch strenger, als sie es bei einem Tempolimit wäre, weil es ja auch um die Berufsausübungsfreiheit der Betreiber*innen (Art. 12 I GG) ging und nicht nur um den Spaß am schnellen Fahren.

      Dass ein Limit sowohl der Umwelt nützen als auch Todesfälle verhindern würde ist ja nicht zu bestreiten (und bestreitet aich hier soweit ich sehe niemand) – diskutieren kann man nur über die Höhe der Auswirkungen. Demnach wäre verfassungsrechtlich gegen ein Tempolimit sicherlich nichts einzuwenden.

  7. Hey Philip und Ulf,

    Ich bin jetzt seit mehreren Monaten intensiver Lage Hörer und habe eure Arbeit sehr zu schätzen gelernt. Also bitte weiter so !!!!
    Allerdings möchte ich hier nochmal ein Kommentar zu eurer letzten Lage der Nation machen zum Thema Feinstaub und NOx.
    Wie ihr richtig dargestellt habt, ist unser Hauptproblem der Ausstoß von CO2, allerdings finde ich, müssen wir die Aussagen von Professor Dieter Köhler und seinen Gleichgesinnten kritischer betrachten.
    Bei diesen Lungenärzten handelt es sich nämlich nicht um Experten der Materie. Die Wissenschaftsgesellschaft welche sich mit den Auswirkungen von Feinstaub und NOx beschäftigen ist ist die
    Epideminologie. Sie führen Studien mit großen Populationen und berechnen aus den Ergebnissen die Relevanz verschiedener Einflüsse. Dies sind auch die Studien auf die sich die WHO als auch die Richtlinien der Europäischen Unionen beziehen. Wenn nun eine kleine Gruppe von Lungenärzten sich hinstellt und einer Organisation wie der WHO Fehlerhaftigkeit in der Datenerhebung vorwerfen, sollte man dem kein großen wissenschaftlichen Wert beimessen und schon gar nicht als eine von zwei vorherrschenden Meinungen darstellen. “Experten” wie Prof. Dieter Köhler verändern durch ihre mediale Plattform letzlich vor allem die Gestaltung der Berichterstattung und stellen kein Spiegel des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes dar.
    Im Podcast vom Deutschlandfunk: Wissenschaft Aktuell (komplette Sendung) vom 24.01 und 25.01
    werden in den jeweils ersten 10-15 in Interviews die Thematik auf sehr gute Art und Weise besprochen.

    Ich freue mich auf eure nächste Folge
    LG
    Julian

  8. 31. Januar 2019 um 9:31 Uhr
    Benjamin Bidder

    Moin!

    Zu der Finkelstein-Story habe ich eine Anmerkung. Ein bisschen überspitzt formuliert könnte man sagen, da betreibt jemand ziemlich elaborierte Panikmache. Schon die ursprünglichen Texte über Cambridge Analytica waren sehr umstritten, weil die Autoren die Selbstbeschreibung der Firma („wir können super fiese Sachen und sind haben Trump an die Macht gebracht“) als gesetzt angesehen haben. Viele Experten haben den Maßstab des Einflusses von CA deutlich realistischer Eingeschätzt. Das ist ja fast das umgedrehte Soros-Modell: CA und Finkelstein sind verantwortlich für alles schlechte in der Welt! Dabei hat die Welle des Rechtspopulismus mutmaßlich komplexe soziale, kulturelle und ökonomische Gründe. (Spannend war das ITW trotzdem, danke dafür)

  9. Hallo Philip und Ulf,

    ihr habt vor einigen Lagen mal von einem Bekannten erzählt, der die alten Lagen nachhört, um die Wartezeit auf die neueste Lage der Nation zu verringern. Das mache ich auch, da natürlich auch die alten Lagen hörenswert und retrospektiv zudem sehr interessant sind.

    Mir ist dabei ein technischer Fehler aufgefallen. Vielleicht ist auch jemand anderes schon darüber gestolpert. Hinter dem was als LdN048 bezeichnet ist, steckt die Lage 110. Ich benutze den Podcast-Player, der auf dem iPhone vorinstalliert ist, aber das tut wahrscheinlich nichts zur Sache. Hier auf der Seite ist es auch so. Hinter der LdN110 steckt übrigens auch die 110. Wenn ihr Zeit für solche Archivarbeiten habt, wäre es schön, wenn ihr das korrigieren könntet. Die aktuelle Lage geht natürlich vor.

    Macht weiter so, ihr macht wirklich Woche für Woche ein tolles Programm. Danke.
    Viele Grüße,
    Ben

  10. Ist unser direktes oder indirektes Wahlsystem demokratisch genug: Wie wäre es mit einem Interview mit David van Reybrouck und „Gegen Wahlen“.

    Ich habe vor einigen Jahren das Buch „Gegen Wahlen: Warum Abstimmen nicht demokratisch ist“ von David van Reybrouck gelesen. Der Grundtenor des Buches ist, dass die Motivation von Gewählten primär in der Wiederwahl und sekundär im Treffen vernünftiger Entscheidungen liegt. Reybrouck analysiert historisch und weist darauf hin, dass ursprüngliche Demokratien kein Wahlsystem sondern ein Los-verfahren für Entscheidungsträger vorsahen und dass die französische und amerikanische demokratische Revolutionen Wahlen als Methode der Demokratie eingeführt haben, um Macht in den Händen bestimmter Entscheidungsträger zu halten, indem insbesondere die aktiven Wahlrechte aber natürlich auch die passiven Wahlrechte eingeschränkt wurden.

    Viele Konklusionen in der Lage, lassen mich wiederholt auf van Reybroucks Argumente zurückblicken. Etwa: der Kommentar in der letzten Lage, dass unser Verkehrsminister ein gebildeter Mann sei und wisse, dass ein Tempolimit eine vernünftige Entscheidung wäre, er aber wiedergewählt werden möchte und so das Gegenteil propagierte. Etwa: Die Analyse über Finkelstein und die systematische Arbeit daran, wie Wahlsysteme manipuliert werden können.

    Da in der Lage die Prinzipien von Demokratie und Rechtstaatlichkeit wiederholt besprochen werden, schlage ich vor, sich mit dem Thema von Wahlen und Demokratie, a la David van Reybrouck zu beschäftigen. Ich bin mir sicher, dass Herr van Reybrouck, bei dem Kaliber Ihres Podcasts, zu einem Interview zur Verfügung stehen würde.

    Ich freue mich, wie immer, auf Ihre nächste Sendung.

    • Vielen Dank für den Vorschlag. Wie steht es denn mit der demokratischen Legitimation von ausgelosten Volksvertretern / -vertreterinnen?

      • Die Frage der Legitimation ist sicherlich zentral. Wenn es darum geht, ausschließlich die rational besten Entscheidungen zu treffen, wäre sicherlich auch eine Technokratie denkbar, der dann allerdings eine Legitimation fehlen würde (das ist sicherlich eine große Herausforderung für die Beschlüsse der EU, die von vielen als technokratisch empfunden wird).
        Wenn man davon ausgeht, dass jeder Bürger für bestimmte Beschlüsse durch ein Losverfahren ausgelost werden könnte, und das Losverfahren einem Prozess folgt, der eine repräsentative Volksvertretung sichert (wie etwa in der Meinungsforschung), dann kann man argumentieren, ob nicht ein Losverfahren mehr Legitimation sichern würde als manche Wahlsysteme (vgl. z.B. die popular-vote Debatte um Trump in den USA).
        Van Reybrouck geht zudem auf gegenwärtig real-existierende Beispiele ein, die auch Kombinationen aus Los- und Wahl-verfahren sein können. Etwa die neue Verfassung in Irland, die zur Hälfte von gewählten Politikern und zur anderen Hälfte von ausgelosten Vertreten erstellt und anschließend in einer Volksabstimmung bestätigt wurde. Viele haben sich gewundert, wie Irlands Verfassung plötzlich Minderheitenrechte wie z.B. die gleichgeschlechtliche Ehe, so einfach integrieren konnte.

        Ich denke nicht, dass die Legitimation eine Hürde für das Losverfahren in einer Demokratie ist. In Zeiten von Orban, Brexit, Trump, Netanjahu, Bolsonaro, etc. steht die Demokratie vor ganz anderen Herausforderungen.

  11. Unabhängig vom Inhalt der aktuellen Folge fände ich es praktisch, wenn ihr die Namen der Interviewpartner (etwa Hannes Grassegger) auch direkt in die Übersicht schreiben würdet.

    Danke für eure tolle, fortgesetzte Aufklärungsmission :)

  12. Als vielfahrender PKW und LKW Fahrer möchte ich gerne meine Erfahrungen zu dem Thema schildern und zu Ihren Aussagen eine differenzierte Stellung beziehen.
    Bei diesem Thema wird immer sehr schnell von der rationalen auf die emotionale Ebene gewechselt. Viele Aussagen in der Presse sind reißerisch, denn jeder ist ein RASER der schneller fährt als man selbst. Leider wird sich bei der Argumentation auf einen einzelnen Punkt eines großen Komplexes konzentriert, ohne die sonstigen dazu beitragenden Faktoren zu betrachten. Meiner Einschätzung nach hätte die Einführung einer allgemeinen Geschwindigkeitsbegrenzung die geringsten Auswirkungen auf das Erreichen der genannten Ziele (Reduzierung der Emissionen und der Verkehrstoten).
    Um eine rationale Antwort auf die Frage zu erhalten, wie die Emissionen und Unfallzahlen reduziert werden können, müssen neben der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, auch der Einfluss von Faktoren wie des Verkehrsflusses und der Verkehrsdichte, bzw. jedem individuellen Kraftfahrer betrachtet werden. Wo liegen im täglichen Verkehr die Verluste und Einsparmöglichkeiten und welchen Anteil hat jeder einzelne Faktor am Gesamten.
    Eine Einschätzung (ohne Anspruch auf eine allumfassende Betrachtung):
    – Wer regelmäßig Langstrecken fährt wird mit ständig wechselnden Geschwindigkeitsbegrenzungen konfrontiert, die sehr häufig innerhalb weniger Kilometer wechseln (60/80/10/120/130/frei). Daraus resultiert, dass ein permanentes abbremsen und beschleunigen erforderlich ist, was zu einem erhöhten Mehrverbrauch führt. Es gibt auf den Autobahnen keine Harmonisierung über längere Strecken.
    – Überlange Baustellen erhöhen den Energieverbrauch und ermüden viele Autofahrer.
    – Überholende LKW bremsen regelmäßig, meist über mehrere Kilometer, den fließenden Verkehr aus, was zu dem bekannten Ziehharmonikaeffekt und Staus führt. Viele Staus entstehen allein durch das erforderliche Abbremsen. Auch hier wäre mit einem generellen LKW Überholverbot ein fließenderer Verkehr möglich und ein hohes Spritsparpotential vorhanden. In die gleiche Kerbe fallen auch PKW Fahrer, die langsamer als LKW unterwegs sind und diese zum Überholen nötigen. Dies hat die gleichen Auswirkungen wie ein Überholmanöver LKW/LKW.
    – In dem Podcast wird auch über die Einsparmöglichkeiten durch Gewichtsreduktion gesprochen – warum werden hier keine Grenzwerte und Richtlinien für die kommenden Jahre festgelegt?
    – Fahrzeuge mit modernen Automatikgetrieben benötigen aufgrund ihrer Anzahl an Gängen und fahrerunabhängigen Schaltfreude weniger Kraftstoff als Fahrzeuge mit Schaltgetriebe. Dies würde den durch die Fahrweise/Schaltweise bedingten Mehrverbrauch ausschließen, da das Getriebe automatisch den richtigen Gang auswählt. Auch dies könnte gesetzlich festgelegt werden.
    – Warum gibt es keine Grenzwerte bei der Aerodynamik – z.Zt. ist das Design immer noch wichtiger als die Verbrauchsoptimierung (z.B. Spritsparwunder Audi A2).
    – Downsizing – Downsizing bringt Erfolge auf dem Prüfstand, aber weniger in der Realität. Bei gleicher Fahrweise im Realbetrieb benötigen in Relation großvolumige Motoren bei gleicher Leistung oft weniger als kleinvolumige Motoren mit Aufladung. Auch müssen bei Downsizing Motoren mehr Bauteile entwickelt und verbaut werden, die wiederum einen erhöhten Energieaufwand bei der Produktion mit sich ziehen. Wie beim Strom muss auch hier die Herstellung im gesamten betrachtet werden.
    – Der größte Verursacher des Mehrverbrauchs im Fahrzeug ist der Fahrer. Durch eine unaufmerksame, nicht vorausschauende Fahrweise, der Geschwindigkeit angepasste Wahl der Drehzahl/des Ganges, übertrieben Beschleunigung (ausfahren der Gänge) wird unnötig viel Kraftstoff mehrverbraucht. Wie kann dies technisch verhindert werden?
    – Ursache für viele Unfälle sind unachtsame, unaufmerksame Verkehrsteilnehmer und eine nicht an die Witterung angepasste Geschwindigkeit. Wie kann dieser Faktor technisch reduziert werden, welche Systeme müssen gesetzlich vorgeschrieben werden?
    – In den letzten Jahren wurde die Entwicklung der autonom fahrenden Fahrzeuge vorangetrieben, was, sofern alle Fahrzeuge damit ausgestattet sind, bzw. extra Spuren (ähnlich der Mitfahrerspuren in den USA) für autonom fahrende Fahrzeuge vorhanden wären, den Verkehrsfluss optimieren und beschleunigen würde. Leider werden hier Ziele angestrebt (autonom auf allen Straßen und Gegebenheiten), die wahrscheinlich im täglichen Verkehr wenig Anwendung finden und noch jahrelange Entwicklungsarbeit erforderlich machen. Die meisten autonomen Fahrten werden mit Sicherheit auf den Autobahnen stattfinden. Man könnte bereits heute mit einer sinnvollen Anpassung der Infrastruktur (z.B. Erweiterung der BSB um Hilfsmittel wie Radarreflektoren) die Assistenzsysteme unterstützen, um ein klares Bild der Straße und des Verkehrs zu erhalten. Somit wäre ein harmonischer Verkehrsfluss möglich, der eine Reduktion des Verbrauches zur Folge hat.
    – Vor einigen Jahren wurde bei LKW die Einrüstung von Notbremsassistenten bei Neufahrzeugen gesetzlich geregelt. Eine Erweiterung dieser Regelung auf PKW wäre hier genauso sinnvoll und würde mit Sicherheit mehr Unfälle verhindern, bzw. den Schweregrad reduzieren.
    – Besonders Mittelspurfahrer mit niedriger Geschwindigkeit zwingen die folgenden Fahrzeuge mit steigender Intensität zu bremsen, was wiederum zu dem bereits genannten Ziehharmonikaeffekt führt. Wenn der letzte in der Reihe entsprechend unaufmerksam ist entsteht der Auffahrunfall am Stauende. Hier entstehen mehr kritische Situationen als mit „Rasern“ auf der linken Spur. Ist eine Wiedereinführung eines Rechtsüberholens, wie es in anderen Ländern, die eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung haben, Gang und Gebe ist dann sinnvoll? Kann dies technisch/erzieherisch verbessert werden?
    Mit der Einführung einer Begrenzung scheint wieder einmal der einfache Weg angestrebt zu werden, vermeintliche Verbesserungen ohne Auswirkungen einzuführen.
    In ihrem Podcast und den Kommentaren fordern sie immer wieder die Begründung ein, warum schnelles Fahren zwingend erforderlich ist. Warum muss die Nichteinführung eines Verbotes gerechtfertigt werden und nicht die Einführung. In allen anderen Bereichen wird bei der möglichen Einführung von gesetzlichen Regelungen stets von der Einschränkung der Grundrechte gesprochen, was dazu führt, dass häufig Täter mehr Rechte haben als Opfer. (z.B. Kameraüberwachung am Wohneigentum, DashCam, DSGVO, polizeiliche Ermittlungen im Internet etc.).
    Auch soll mit zwei Argumenten ein Verbot gerechtfertigt und durchgesetzt werden, die nur einen Bruchteil der beitragenden Faktoren berücksichtigen. Mir fehlt in Ihrer Argumentation und der öffentlich/politischen Diskussion eine gesamtheitliche Gegenüberstellung der Faktoren, Möglichkeiten und deren Auswirkungen. Wie können die Ziele erreicht werden, welche Vor- und Nachteile gibt es und was ist für die Umsetzung erforderlich. Erst danach kann man eine fundierte sinnvolle Entscheidung treffen, die höchstwahrscheinlich mehr Wirkung zeigt, als eine plakative Einzellösung. Mit dem Setzen einer Geschwindigkeitsbegrenzung wird keines der genannten Ziele verbessert, da die anderen Faktoren überwiegen.
    Bisher fand ich Ihren Podcast sehr interessant, da die Themen fundiert vorbereitet und aufbereitet schienen. Leider entsteht in letzter Zeit immer häufiger der Eindruck, dass bei der Argumentation und Gegenüberstellung der Themen, selektiv gearbeitet wird und hier nicht ein Meinungsbildender sondern Meinungsgebender Journalismus betrieben werden soll.

  13. Liebes Lage-Team,

    erst einmal möchte ich euch für dieses tolle Format danken. Ich höre die Lage der Nation regelmäßig und schätze die gut recherchierten und differenziert dargestellten Beiträge. Bezüglich des Tempolimits bin ich allerdings der Auffassung, dass die Fakten nicht ganz korrekt interpretiert wurden und möchte meine Gründe, die zu dieser Einschätzung geführt haben, nun erläutern.

    Gemäß der Westdeutschen Zeitung sind auf deutschen Autobahnen im Jahr 2017 insgesamt 409 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. 181 dieser Menschen sind bei Unfällen getötet worden, bei denen die Autofahrer die Höchstgeschwindigkeit überschritten hatten oder für die Straßen- oder Witterungsverhältnisse zu schnell gefahren waren.

    Im Beitrag hat Ulf erwähnt, dass diese 181 Menschen hätten gerettet werden können, wenn es ein generelles Tempolimit in Deutschland geben würde. Dies jedoch nicht der Fall, da diese Menschen schließlich die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten haben und trotz eines bestehenden Tempolimits ums Leben gekommen sind. Gerade diese Menschen hätten daher durch ein generelles Tempolimit nicht gerettet werden können.

    Um die Anzahl von Verkehrstoten zu ermitteln, die durch ein generelles Tempolimit hätten gerettet werden könnten, müssten zunächst von den verbliebenen 238 Verkehrstoten diejenigen abgezogen werden, für die sich durch ein generelles Tempolimit nichts verändern würde. Dies sind Verkehrstote, die sich an ein bestehendes Tempolimit gehalten haben und Verkehrstote auf Autobahnabschnitten ohne Tempolimit, die sich jedoch unterhalb der Höchstgeschwindigkeit eines potentiellen Tempolimits bewegt haben. Die verbliebene Anzahl der Verkehrstoten dürfte bei einem generellen Tempolimit noch leben (jedenfalls dann, wenn die Geschwindigkeit unfallursächlich war). Aus den Daten der Bundesanstalt für Straßenwesen, auf die sich die Westdeutsche Zeitung bezieht, lässt sich die Anzahl jedoch nicht ableiten.

    Ich bin bereits seit fast 20 Jahren im Rettungsdienst tätig, knapp sieben davon als Notarzt, unter anderem in der Luftrettung. Während dieser Zeit wurde ich zu zahlreichen Verkehrsunfällen gerufen. Dennoch kann ich die vielzitierte Einschätzung nicht teilen, dass eine hohe Geschwindigkeit zwangsläufig zu schlimmen Unfällen führt. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass sich die meisten tödlichen Verkehrsunfälle dort ereignen, wo ein generelles Tempolimit ohnehin nicht greifen würde (z.B. LKW-Unfälle, Fahrzeuge mit Sicherheitsmängeln oder Unfälle aus innerer Ursache).

    Insgesamt teile ich die Einschätzung daher nicht, dass ein generelles Tempolimit zu einer nennenswerten Reduktion der Verkehrstoten führen würde. Deshalb hätte ich mir gewünscht, dass vor einer Forderung nach einem generellen Tempolimit zunächst nach alter juristischer Sitte geprüft wird, ob nicht auch ein kleinerer Eingriff in die persönliche Freiheit zum gleichen Ziel führen könnte. Auf deutschen Autobahnen existiert schließlich schon ein Tempolimit – nämlich überall dort, wo es erforderlich ist. Und wenn es schon ein Tempolimit sein muss, warum nicht 180 km/h statt 130 km/h, um die wirklichen Raser zu adressieren?

    Ich hoffe, dass ich den Diskurs bereichern konnte und freue mich über Antworten.

    Herzliche Grüße
    Maximilian

  14. Zum gegenwärtigen Stand beim Brexit aus EU-Perspektive hier eine, wie ich meine, hörenswerte Rede von Sabine Weyand, stellvertretender Verhandlungsführerin der EU-Kommision: https://www.youtube.com/watch?v=kNe8qK_-wUI

    • Vielen Dank für den Hinweis, großartige Zusammenfassung. Jetzt müsste uns YouTube nur noch den Speed einstellen lassen ;)

  15. Hat jemand die eingebettete Venezuelakarte beim Androidplayer Podcast Addict entdeckt oder unterstützt dieser die Funktion nicht?

    • Die Venezuela-Karte war auch auf iOS (“Podcasts”) nicht da, obwohl das in den vorherigen Folgen noch problemlos geklappt hatte – ich vermute, dass das an der Datei liegt (falsch oder inkompatibel eingebettet).

  16. Warum eigentlich 130? Etwas mehr wäre der perfekte Kompromiss ….

    Ich pendle 2x50km Autobahn jeden Tag und lebe davon über 130km/h fahren zu dürfen. Eine Beschränkung auf “langsam” kostet mich schlicht zu viel Zeit :( Trotzdem fände ich eine Beschränkung sinnvoller, da ich jetzt auch nicht nachvollziehen kann, warum man über 200 fahren können muss!

    160 fände ich viel sinnvoller, da es für mich ein guter Kompromiss ist zwischen Fahrspaß, Zeitersparnis und Benzinverbrauch. Und auch das Upsizing würde gestoppt.

    • Genauso könnte man nun zurückfragen: Warum 160 km/h?

      Die 130 ist eben ein Wert, der in vielen anderen EU Ländern als Höchstwert genutzt wird. Ich habe da jetzt keine Fakten zu, aber ich nehme an, dass diese Geschwindigkeit nicht ohne Grund gewählt wurde (Reduktion tödicher Verkehrsunfälle, Gesamtfluß des Verkehrs, Lärmbelästigung, etc).

      Was Ihre Zeitersparniss auf 2x50km beim Pendeln angeht: Probieren Sie es doch einmal aus. Fahren Sie einen Tag mit maximal 130 km/h, und den nächsten Ihre normale Geschwindigkeit. Versuchen Sie objektiv zu sein dabei. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Sie mehr als ein paar Minuten herausholen werden (es sei denn Sie sind auf einer der wenigen unbefahrenen Strecken in D unterwegs).

      • Selbst wenn auf der gesamten Strecke Vollspeed (160 bzw. 130) ,gefahren würde liegt die Zeitersparnis unter 5 Minuten pro Strecke.

      • 130 vs. 160 heißt bei 50km: 23min vs. 18min also 5min = 20%!

        Die 160 ist keine wissenschaftlich ermittelte Zahl, wie im Übrigen auch die 130 nicht … es gibt ja viele unterschiedliche Regelungen: https://detektor.fm/wp-content/uploads/2017/03/karte-der-woche_speedlimits.jpg

        Die 160 entstammen jetzt meiner Erfahrung, wie ich es auch geschrieben habe. Es ist für mich ein guter Kompromiss zwischen Zeitverbrauch und Raserei, 150 wären mir im Grunde auchRecht.

        150-160 kann man auch fahren, ohne ständig bremsen zu müssen – und das ist das größere Problem: dauerhaft 200 braucht in der Theorie etwas mehr Benzin als dauerhaft 130 – aber in der Praxis deutlich (!) mehr, weil man ständig bremsen muss und wieder beschleunigt. Bei 150-160 hingegen komme ich ohne Bremsen aus … den ein oder anderen Schleicher/LKW kann man mit vom-Gas-gehen lösen ;)

      • Ich habe absichtlich die Rechnung hier aufgemacht, denn es geht nicht darum das rechnerisch herzuleiten, sondern faktisch. Denn es ist hoch wahrscheinlich, dass Sie nicht die ganzen 50km mit Tempo 160 zurücklegen können (übrigens ebensowenig mit 130).

        Selbstverständlich sind alle Tempowerte eher statistische Ermittlungen einer “besten” Höchstgeschwindigkeit. Aber mir ist kein Land der Eu bekannt wo es einen höheren Wert als 130 hat, wieso also das Rad wieder neu erfinden (weil wir Deutsche mal wieder so viel schlauer sind als der Rest?).

      • Die Höchstgeschwindigkeit auf polnischen Autobahnen beträgt 140 km/h.

        Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Autobahn_(Polen)#Regeln
        Die berühmte Ausnahme von der Regel…

  17. Wow, die Kommentarflut zur Tempolimitdebatte.
    Ich schlage vor, als nächstes Thema nehmt ihr euch mal die Zeitumstellung vor. Da ist auch noch nicht alles ausdiskutiert finde ich ;)
    In 2 Monaten ist es schließlich wieder soweit

  18. Tempolimit? Warum? Die Verkehrstoten gehen seit Jahren zurück, die Klimabilanz (ich fahre elektrisch und mit Solarstrom) ist auch nur ein schwaches Argument.
    Ich blicke mal nur 5 Jahre in die Zukunft, wo gerade Deutsche Hersteller sehr stark in E-Mobilität UND autonomem Fahren sein werden. Warum soll ein E-Auto das unfallfrei 180 kmh fahren kann, das nicht dürfen?

    Situative Tempolimits machen total Sinn. Schlechte Sicht, Gefahrenstellen und auch mögliche Staus können so leicht erkannt und Gefahren verhindert werden.

    Und wie gesagt, ich fahre elektrisch. Aber wenn ich nachts oder spät abends alleine auf der Autobahn bin spricht halt auch nichts dagegen, 180 oder auch 200 zu fahren. Vorausgesetzt die Sicht lässt das zu. Und bei Tempo 200 ist der Anhalteweg 260m und das ist mit guten LED Licht nachts sehr gut einsehbar.

    • Jo und nachts sieht man das Wild auch viel besser was einem vor das Auto rennt, weil alles so schön beleuchtet ist.

      Frag dich Mal selber wie lang sein Bremsweg incl. Reaktionszeit ist und wie weit du mit Fernlicht sehen kannst.

      Ich kann dir jetzt schon sagen, dass deine Sichtweite kürzer ist, als die Strecke die du brauchst um von 180 km/h vor einem Viech zu stehen.

      Fröhliche Jagd wünsch ich.

      • Also generelles Tempolimit wegen der vielen Wildunfälle nachts auf der Autobahn?

      • Hab ich nicht geschrieben, sollte man aber mit bedenken bei der Einschätzung der eigenen Geschwindigkeit.
        Sofern du mit Abblendlicht fahren musst siehst du ungefähr 50m bei guter Sicht, egal welches Hinderniss auftaucht bei Tempo 200, Tier, Baum, oder was weiß ich.
        Wenn du es bemerkst hat es schon gekracht.

        Das heißt bei dem Tempo ist es Prinzip Hoffnung und reine Glückssache.

  19. Zuerst einmal danke für die wieder einmal wirklich gute Folge (die ich übrigens immer im Auto höre)!

    Auch ich möchte einen Kommentar zum Tempolimit dalassen (obwohl sich die Bundesregierung inzwischen schon dagegen ausgesprochen hat…).

    Ich pendle seit etwa 6 Jahren jeden Tag 65km zur Arbeit nach Frankfurt und fahre damit etwa 30.000km/Jahr. Der größte Teil der Strecke ist Autobahn (A3) und ich fahre aus Kostengründen einen Diesel (4 Jahre alt und trotzdem darf ich nicht mehr überall fahren…). Allein die Tatsache als Frau so weit zu pendeln ist schon eher selten aber Wohnungen in Frankfurt kann man sich nicht leisten. Deswegen meinen Berufswunsch einschränken, so wie viele andere es tun, möchte ich auch nicht.

    Grundsätzlich muss ich euch natürlich recht geben. Langsamer fahren bedeutet eine höhere Sicherheit und auch geringfügig weniger Emissionen. Die einzigen Gründe gegen ein Tempolimit wären dementsprechend Freiheit und eventuell, dass die deutsche Autoindustrie nicht mit den schnellsten Autos prahlen kann.

    Dennoch kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass ich viel mehr gefährliche Situationen beobachte, die nicht aus zu schnellem Fahren entstehen. Die meisten Unfälle auf diesem Streckenabschnitt passieren nicht dann, wenn die Autobahn frei ist und man schnell fahren kann, sondern dann, wenn der Berufsverkehr brummt und man sowieso nicht schneller als 120 fahren kann. Da werden wild die Spuren gewechselt, rechts überholt, gedrängelt, Lichthupe bei zähfließendem Verkehr. Ich beobachte JEDEN Tag Fahrer mit Handy in der Hand, die Schlangenlinien fahren. Da wird nicht mal kurz draufgeschaut sondern über mehrere Sekunden ohne hochzuschauen getippt. Handy am Ohr ist da eher selten. Es fahren zum Teil vollkommen schrottreife Autos herum, oft wird mit dunkel schwarz qualmendem Auspuff noch auf der linken Spur mit 150 gefahren, ans Abfahren zur nächsten Werkstatt wird da nicht gedacht. Offene Transporter sind (soweit ich das beurteilen kann) oft schlecht und unsicher beladen. LKWs verlieren im Winter jeden Tag Eisplatten, die einem zum Teil gefährlich auf die Scheibe donnern. Mit Autos beladene LKWs, die so überladen sind, dass das hintere Ende auf dem Boden schleift und Funken schlägt; Beifahrer die “Scream-Masken” tragen und die Fahrer bewusst lange neben einem fahren, sodass man auf jeden Fall irgendwann ins andere Auto schaut – alles schon erlebt.
    Und obwohl ich das alles schon gesehen habe, habe ich erst EINMAL gesehen, dass Autos durch die Polizei aus dem Verkehr gezogen wurden. Zoll sieht man öfter auf Raststätten aber Kontrollen im Verkehr nahezu nie.

    Als weiteren Gefahrenpunkt sehe ich auch unsichere Autofahrer. In der Regel haben die Personen ganz typisch weiße Haare und einen Hut auf der Ablage. Manchmal sieht man aber auch andere Fahrer/innen, die sich mit beiden Händen ans Lenkrad klammern, auf dem Sitz ganz nach vorne gerückt sind und dauerhaft auf der mittleren Spur, gerade ganz knapp schneller als die LKWs. Die Panik sieht man ihnen regelrecht an. Da kann ich es auch keinem verübeln rechts zu überholen…
    Wieso gibt es keine erneuten Fahrprüfungen ab 60 oder 70 Jahren? Wieso gibt es keinen Seh- oder Hörtest oder einen zur Reaktionsfähigkeit? Wieso ist nicht zumindest alle 10 Jahre ein Erste Hilfe Kurs Pflicht? Eine Idee wäre auch eine kostenlose oder zumindest stark vergünstigte Fahrschule für Menschen, die bereits einen Führerschein haben, aber durch seltenes Fahren sich nicht mehr trauen Autobahn zu fahren. Vielen Menschen ist das bewusst, dass sie schlecht Auto fahren und trotzdem sind sie darauf angewiesen.

    Meiner Meinung nach sind DAS die Gefahrenschwerpunkte, die wir noch vor einem Tempolimit anpacken sollten.
    Ein Tempolimit würde vielleicht bei 180km/h Sinn machen. Mir kann niemand glaubhaft erzählen, dass er für mehr als 10km bei über 180km/h noch wirklich konzentriert ist und die volle Kontrolle über sein Fahrzeug hat.

    In einem letzten Punkt muss ich euch aber nochmal recht geben. Das Schienennetz muss besser werden. Ich könnte auch mit der Regionalbahn zur Arbeit kommen und würde die Fahrt sogar von meinem Arbeitgeber bezahlt bekommen. Aber mal abgesehen von schlechten Parkverhältnissen am Bahnhof brauche ich dann statt 50 Minuten etwa 1:40h. Und wer hat schon jeden Tag 1:40h zu verschenken?
    Die Alternative ist der ICE. Der braucht zwar nur rund 20 Minuten, mit Fahrt zum Bahnhof (und auch dort Parkplatzsuche) und Weg zum Büro bin ich bei der gleichen Zeit, die ich auch mit dem Auto brauche. Noch dazu fährt er nur jede Stunde, ist ständig verspätet (und oft um mehr als 30 Minuten), fällt oft aus und in der Regel so kurz, dass man nie einen Sitzplatz bekommt. Die Infos sind so schlecht, dass man oft am Bahnhof steht und nicht über die App die Verspätung planen und später losfahren kann. Für knapp 3000€/Jahr (und hier bekomme ich von meinem Arbeitgeber nichts dazu) kann ich dann auch flexibel Auto fahren (wenn man davon ausgeht, dass ich dann weiterhin ein Auto hätte).

    Macht weiter so mit dem Podcast. Für mich als Politik-Neuling ist er perfekt verständlich und ich freue mich jede Woche auf eine neue Folge :-)

  20. Hallo ihr Zwei,

    ich finde ihr diskutiert in Sachen Tempolimits sehr einseitig und aus eurer Sicht der „Wenigfahrer“ gut sei euch gegönnt. Was ich allerdings kritisiere ist das ihr doch sonst so gegen Verbote und für Anreiz seid. Wo war hier der Ansatz zu sehen und der Vorschlag in dieser Richtung?

    • Ich finde nicht, dass wir einseitig diskutieren, wir haben ja extra Internetseiten von Aktivisten gegen ein Tempolimit durchgelesen. Das Problem ist denke ich, das ist einfach keine wirklich überzeugenden Argumente gegen ein Tempolimit gibt, außer dass eben manche Leute Spaß am schnellen Fahren haben. Das zeigt ja auch die Diskussion hier: viele versuchen, die Argumente pro Tempolimit zu relativieren, aber ich finde auch in Dutzenden Kommentaren hier kein schlagendes Argument, warum man auf der Autobahn 180 fahren können sollte. Am plausibelsten ist noch das Argument mit der Zeitersparnis, wobei selbst diejenigen, die das Argument anführen, sofort zugeben, dass es nur um wenige Minuten geht, selbst wenn man hunderte von Kilometern fährt.

      • Hallo Ulf,

        Du hast völlig recht, dass ihr versucht beide Seiten anzuhören und nicht einseitig diskutiert. Entsprechend Eures Anspruches (Journalismus mit Haltung) ist aber Eure Bewertung schon einseitig und durch Euro Lebensumstände geprägt. Was auch gut so ist und von den meisten hier auch eingeordnet werden kann.
        Du sagst “…dass es nur um wenige Minuten geht, selbst wenn man hunderte von Kilometern fährt.” In meinem Beispiel (s.u.) sind es bei typischen Tagesreisen 120 Minuten und wenn mich die Situation dann noch zu einer Übernachtung zwingt gleich einige Stunden. Für mich fällt das dann nicht mehr unter “wenige Minuten”.
        Du siehst keine Argument warum man 180 fahren soll. Warum soll man denn 150 fahren? Oder 130? Oder 100? Oder 80?…Bis aufs Atmen kann man so fast alles wegargumentieren. Es geht bzw. ging immer ohne oder mit weniger.
        Meiner Meinung nach ist ein entscheidender Punkt, der bei diesem Thema zu einer so erbitterten Diskussion führt die Tatsache, dass hier eine Sache verboten werden soll, die für die Mehrheit der Leute kein Problem darstellt. Ein nicht existierendes Tempolimit heißt ja nicht, das man schnell fahren muss. Wem das zu unsicher ist oder wer sich bei hohen Geschwindigkeiten nicht wohl fühlt, der fährt halt 130. Niemand hindert ihn dran. Die rund 200 Toten, die sich aus freien Stücken für eine Reisegeschwindigkeit entschieden haben die entweder ihr fahrerisches Können und/oder den lokalen Haftreibungsbeiwert überstieg, sollten kein Grund sein hier gleich mit Verboten um sich zu werfen. “Was wollen die denn noch alles verbieten?”, so wird es von den meisten Menschen doch bewertet. Und ich finde da kann man schon auch den Vergleich zu den Leiterunfällen ziehen, die Du so zügig als derailing abgetan hast. Wem die Leiter zu unsicher ist, der soll halt nicht hochklettern. Wem 200 zu schnell sind, der soll halt 130 fahren. Persönliche Freiheit heißt ja etwas tun zu können und nicht es tun zu müssen.
        Generell bin ich gerade ziemlich irritiert, was diese Diskussion soll. Bis vor etwa zwei Wochen gab es doch das Thema überhaupt nicht medial. Aber urplötzlich geht eine Welle fast schon kampagnenartig durch sämtliche Medien. Und an keiner Stelle irgendeine Abwägung sondern im Wesentlichen schwarz/weiß mit einem starken Fokus auf einem (zu erzwingenden?) Tempolimit. Und was vor allem fehlt ist irgendein Anflug die Interessen der “Raser” auch nur ansatzweise zu berücksichtigen und vielleicht einen Kompromiß aufzuzeigen. Hier in den Kommentaren habe ich nirgends gelesen, dass man rasen will, sondern eher dass man entspannt mit hoher Durchschnittsgeschwindigkeit reisen will. Da wäre es doch denkbar die PKW-Fahrer zu 130 “zu zwingen”, ihnen aber gleichzeitig die Hand durch eine flächendeckende Investition in die rollende Landstraße und einen Benutzungszwang für LKW-Fahrten >50 km zu reichen. Autobahn entlastet, 130er Schnitt möglich – alle glücklich.
        Dazu muss aber auch der politische Wille zu einer Vorleistung da sein. Verbote sind da halt kurzfristig preiswerter, gefährden aber bei exzessiven Gebrauch erheblich das gesellschaftliche Gleichgewicht.

  21. Hallo LdN,
    Thema Tempolimit und Verkehrstote:
    Mir ist unklar ob euer Umgang mit der Zahl 181 korrekt ist.

    Einer von euch sagte: “Mir wäre das jedenfalls wichtig mal über diese 180 Toten nachzudenken, die man mit einem Tempolimit 150 oder 130 eben tatsächlich, jedenfalls fast alle wahrscheinlich verhindern könnte, denn das sind ja allein die Geschwindigkeitsunfälle […]”

    Ich habe mich gefragt was ein Geschwindigkeitsunfall denn genau sei und mal bei eurer Quelle nachgeschaut. Es ist hier an keiner Stelle klar wie groß der Anteil an Unfalltoten durch Geschwindigkeitsunfälle in Situationen mit Tempolimit ist (siehe unten). Fährt jemand in einer Baustelle oder einem 100/130er Bereich schneller als erlaubt und baut einen tödlichen Unfall, fällt dies sicherlich unter diese Kategorie. Wie es mit Unfällen bei denen “lediglich” die Richtgeschwindigkeit überschritten wurde aussieht ist unklar.

    “Im Jahr 2017
    war mehr als ein Drittel (7 194) der Autobahnunfälle darauf zurückzuführen, dass mindestens eine beteiligte Person die Höchstgeschwindigkeit überschritten hatte oder für
    die Straßen- oder Witterungsverhältnisse zu schnell fuhr. Insgesamt fanden 181 Menschen bei Geschwindigkeitsunfällen auf Autobahnen den Tod, 2 478 wurden schwer
    verletzt. ”

    Zitatquelle: Statistisches Bundesamt 2018
    “Unfallentwicklung auf deutschen Straßen 2017”

    • diese Frage haben wir hier inzwischen schon mehrfach beantwortet … ja, der Umgang mit der Zahl ist korrekt, siehe unten.

      • Danke,
        Habe mir die bisherigen Antworten angesehen.
        Es geht daraus für mich nicht hervor wie ihr darauf kommt, dass es dann wahrscheinlich trotzdem 160 oder 170 Tode, durch Geschwindigkeiten ü130 in unregulierten Zonen, sind.
        Wie von Anderen schon teilweise beschrieben (nochmal zusammengefasst), spielen ja Nebel, Regen, Glatteis und Überschreitung des Limits in 100er- oder 130er-Zonen auch eine im Ausmaß ungeklärte Rolle.

        PS: Vielen Dank für eure tolle Arbeit.
        Ich bin selbst für ein Tempolimit von 120/130, nicht dass es so rüberkommt als ginge es mir um das Ziel.

  22. Hallo LdN,
    Thema Tempolimit und Verkehrstote:
    Mir ist unklar ob euer Umgang mit der Zahl 181 korrekt ist.

    Einer von euch sagte: “Mir wäre das jedenfalls wichtig mal über diese 180 Toten nachzudenken, die man mit einem Tempolimit 150 oder 130 eben tatsächlich, jedenfalls fast alle wahrscheinlich verhindern könnte, denn das sind ja allein die Geschwindigkeitsunfälle […]”

    Ich habe mich gefragt was ein Geschwindigkeitsunfall denn genau sei und mal bei eurer Quelle nachgeschaut. Es ist hier an keiner Stelle klar wie groß der Anteil an Unfalltoten durch Geschwindigkeitsunfälle in Situationen mit Tempolimit ist (siehe unten). Fährt jemand in einer Baustelle oder einem 100/130er Bereich schneller als erlaubt und baut einen tödlichen Unfall, fällt dies sicherlich unter diese Kategorie. Wie es mit Unfällen bei denen “lediglich” die Richtgeschwindigkeit überschritten wurde aussieht ist unklar.

    “Im Jahr 2017
    war mehr als ein Drittel (7 194) der Autobahnunfälle darauf zurückzuführen, dass mindestens eine beteiligte Person die Höchstgeschwindigkeit überschritten hatte oder für
    die Straßen- oder Witterungsverhältnisse zu schnell fuhr. Insgesamt fanden 181 Menschen bei Geschwindigkeitsunfällen auf Autobahnen den Tod, 2 478 wurden schwer
    verletzt. ”

    Zitatquelle: Statistisches Bundesamt 2018
    “Unfallentwicklung auf deutschen Straßen 2017”

  23. Hallo ihr beiden. Ich fahre selbst täglich 60km zur Arbeit (eine Strecke), davon 30km unbegrenzte Autobahn. Mein Auto ist ein Diesel, 16Jahre alt, tut aber noch gut. Auf der rechten Spur der Autobahn fahren die LKWs und links herrscht gefühlt eine Durchschnittliche Geschwindigkeit von 160km/h. Wenn man also kein Hindernis sein will, fährt man entweder 90 oder 160. Alles dazwischen wird mit Luchthupe genötigt. Ich fahre gern gechillt, aber keinesfalls zu langsam.
    Es kommt auch vor, dass ich gern mal schneller fahren möchte, das macht auf Autobahnen mit nur 2 Spuren bzw wenn viel Verkehr ist aber auch keinen Sinn.
    Aber die vielen Geschwindigkeitstoten rechtfertigen keine „persönliche Freiheit“, selbst über die gefahrene Geschwindigkeit bestimmen zu können. Ich bin daher für ein allgemeines Tempolimit.

  24. zum Hannes Grassegger Interview:
    Da schliesst sich der Kreis. Es gab eine fantastische Dokumentation in Arte (https://www.arte.tv/de/videos/082806-000-A/fake-america-great-again/), in der Robert Mercer als de eigentliche Drahtzieher hinter Trumps Wahlerfolg und dem Facebookskandal identifiziert. Dieser Film ist wirklich sehr sehenwert, ich konnte ihn in der ARTE-Mediathek aber nicht mehr finden. Hier ist der Zusammenhang aber noch mal erklärt: https://www.20min.ch/finance/news/story/Robert-Mercer-16404215

    In Twitter kann man dann unter #BudapestBridge den Zusammenhang zwischen Mercer, Finkelstein, Trump, Netanyahu u.a. sehen: https://pbs.twimg.com/media/C-xD-aTXcAAYxyN.jpg

    Deren Verbindungen reichen bis 1990 zurück; https://medium.com/@JamesFourM/trump-putin-and-the-mob-part-3-ron-lauder-bibi-netanyahu-and-their-friends-at-breitbart-dcddaf8658b4

  25. Auf die Frage, ob es was bringt schneller als 130 km/h zu fahren:
    Es bringt nichts bei hohem Verkehrsaufkommen. Außer erhöhten Sprit-Verbrauch. Im Berufsverkehr kann man mit schnellem Fahren keinen Blumentopf gewinnen.
    Natürlich bringt es einen Zeitvorteil, wenn die Autobahn frei ist, oder die Durchschnittsgeschwindigkeit hoch. Wenn ich 200 km/h anpeile, wird meine Durchschnittsgeschwindigkeit bei (je nach Streckenabschnitt und Verkehrslage) zum Beispiel 180 km/h liegen und ich werde dadurch ca. 25 % schneller ankommen. Das kann man nachrechnen und das kann man auch mit der geplanten Ankuftszeit des Navi’s vergleichen. Und da ich (bewusst) nicht im Berufsverkehr auf der Autobahn fahre, ist der Anteil an gefahrener Strecke mit geringem Verkehrsaufkommen bei mir bei geschätzt ca. 80 %.

    • Für eine halbe Stunde Zeitersparnis musst du 360 km mit 180 km/h im Schnitt fahren. Das ist echt sportlich.

  26. Zur Tempolimit- bzw. Verkehrssicherheitsdiskussion würde ich gerne folgenden Bericht der WHO vom Dezember 2018 als Quelle anfügen: https://www.who.int/violence_injury_prevention/road_safety_status/2018/en/

    Dieser darin zitierte Artikel stellt den Einfluss der Geschwindigkeit auf die Unfallfolgen auch recht anschaulich dar: https://sci-hub.se/10.1016/j.trpro.2016.05.396

  27. Zum Thema Tempolimit:

    Nachdem es nun schon reichlich Wortmeldungen zu diesem Thema gab, möchte ich auch noch meine Einschätzung als Vielfahrer beisteuern:

    Kurz zur Übersicht, ich bin 36, Geschäftsreisender, fahre im Jahr knapp 100Tkm mit dem PKW, davon ca. 80 % auf Autobahnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

    Aus meiner Sicht ist eine Beschränkung der Geschwindigkeit auf 120 oder 130 km/h zur Erreichung bestimmter Emissionsgrenzwerte nicht zielführend. Da ist der Erfolg zu marginal. Der einzige sinnvolle Antrieb hierfür könnte auf den ersten Blick nur ein Sicherheitsaspekt sein. Und gerade da gehen die Ansichten stark auseinander.
    Generell finde ich, dass es in Deutschland viele Teilstrecken gibt, die zurecht in der Geschwindigkeit begrenzt sind. Egal ob es sich um Ballungsräume, kurfige, unübersichtliche Abschnitte, oder Abschnitte handelt, auf denen die Fahrbahn Schäden aufweist. Ich bin mir sicher, für jede dieser Begrenzungen gibt es Argumente und das ist auch gut so. Im Umkehrschluss gibt es Abschnitte, die nicht begrenzt werden. Auch dafür gibt es Argumente und das ist ebenfalls gut.
    Auch auf den “freien” Abschnitten gilt immer noch die Regel des an die Situation angepassten fahrens. Wenn ich selbst auf einer wenig befahrenen Autobahn ohne Tempolimit so vor mich hinfahre und dann einen Kontrollblick auf den Tacho mache, steht dieser fast immer zwischen 160 und 170 km/h. Das ist wohl meine “Wohlfühlgeschwindigkeit”. Ich würde mich demnach als zügiger Autofahrer bezeichnen. Für manche Menschen mag ich schon als Raser wirken, wenn ich im Spiegel immer größer werde. Das ist eben Ansichtssache. Da hat auch jeder eine andere Wahrnehmung. Trotzdem muß jeder für sich so fahren, das er alles im Blick hat und jederzeit reagieren kann. Ist das der Fall, haben wir erst mal wenig Sorgen. Entscheidend aus meiner Sicht ist der Moment, in dem Gefahren auftreten. Situationen die von der Norm abweichen.

    Ein sehr großer Gefahrenherd sind aus meiner Sicht die LKW. Die kommen sehr häufig mit sehr abrupten Spurwechseln daher, da muß man sehr aufpassen. Der erfahrene Autofahrer erahnt es meistens, Menschen die selten solchen Situationen ausgesetzt sind, treffen oft die falsche Entscheidung, missachten ihrerseits den rückwärtigen Verkehr und scheren selber sehr ungeschickt aus. Ein Klassiker den ich häufig sehe. Auslöser sind in 8 von 10 Fällen die LKW (Wobei die Fahrer auch enorm unter Druck stehen, aber das ist ein ganz anderes Thema). Daher würde ein Überholverbot für einen Großteil der Strecken für LKW sehr viel Abhilfe schaffen. Bei Bergauf kann man ja eine Ausnahme machen (bei vorhandener dritter Spur, oder Standstreifenmitbenutzung).

    Ein weiterer großer Punkt, der hier auch schon aus anderen Blickwinkeln ins Thema mit eingeflossen ist, ist die Zeit! Viele wollen “Zeit rausfahren”. Die die meinen, schneller sein zu müssen als das Navi. Wenn eine bestimmte Zielzeit mein Anspruch ist, mache ich etwas falsch! Ab diesem Moment bin ich der wichtigste und die anderen sind im Weg. Zeitdruck ist kein Freibrief. Dieses Verhalten produziert Fahrfehler und hat unnötige Unfälle zur Folge. Ich bin am Ziel wenn ich da bin und fertig. Da darf man sich auch von außen (Chef, Frau, etc.) keinen Druck machen lassen. Ich will da nur mal an die ganzen Kurierfahrer, die völlig übermüdet im Sprinter mit 180 über die Autobahn jagen denken. Die fahren auch gern mal ungebremst in den letzten LKW im Stau (A3 vergangenes Jahr mehrfach).

    Ich finde generell, man sollte auf der Autobahn, wie in jeder anderen Community, den anderen respektieren, auf einander Rücksicht nehmen, auch mal die 5 gerade sein lassen wenn jemand einen Fehler macht, oder etwas anders macht als man es selber tun würde. Gegenseitig auf den anderen aufpassen. Ich finde, im Prinzip braucht es dazu kein Tempolimit. Man kann auch sicher 200 fahren. Man darf nur nicht glauben, nur weil ich 200 fahre, haben alle anderen zu kuschen (aus trotz gegen die Raser die linke blockieren ist aber auch genauso falsch wie die Lichthupe und der linke Blinker) Ich als Vielfahrer würde gern das Tempolimit vermeiden, es gibt so schöne Teilstücke wo man mit 180 wunderbar cruisen kann weil einfach nichts los ist. Ich finde jeder einzelne ist verantwortlich dafür, sein Fahrzeug sicher zu bewegen. Da ändert ein Tempolimit nicht viel. Ich fahre seit 18 Jahren Unfallfrei, auch gerne mal flott. Immer der Situation angemessen. Und! Finger weg vom Handy! Da hab ich auch schon viele die Leitplanke küssen sehen. Ist doch wahnsinnig!

    Kurz noch zur Schweiz: Generell ist das Fahren dort eher entspannt, liegt aber daran dass die Schweizer verstanden haben, die Güter auf die Schiene zu packen. Kaum LKW, daher nur wenig Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Schnell und Langsam, was insgesamt zu weniger Spurwechseln führt. Staus und Unfälle gibt es dort gefühlt genauso wie bei uns.
    Was es hier auch viel gibt sind dicke Autos. Der Zusammenhang zwischen leistungsstarken Autos und dem nicht vorhanden sein eines Tempolimits trifft daher nicht zu.

    Ich würde dennoch ein paar Kleinigkeiten zur Verringerung der Unfallzahlen ändern.

    Alkohol 0,0 mit Fahrverbot bei Nichteinhaltung
    Handy am Ohr – Punkte und höhere Geldstrafe
    Handy bedienen (Whatsapp o. ä.) Fahrverbot
    Endlich section-control anstelle der bekannten Radar-Hotspots die jeder kennt und kurz vorher brav abbremst, um danach wieder Gas zu geben.

    Da ich in der Automobilbranche arbeite, möchte ich noch meine Meinung zum alternativen Antrieb los werden.
    Das es dringend alternativen zum jetzigen Verbrenner braucht ist denke ich klar.
    Ich sehe das Elektroauto als flächendeckende Maßnahme nicht. Im innerstädtischen Kurzstreckenbetrieb auf Carshare-Basis funktioniert das. Flächendeckend allerdings nicht. Fernverkehr ist garnicht denkbar. Ich brauche zu lange zum “tanken” und Reichweite habe ich auch keine, wenn man bedenkt wie diese berechnet wird, ist das genauso hanebüchen wie die Berechnung des Spritverbrauchs nach NEFZ. Was ist wenn ich im Winter die Heizung anmache? dann halbiert sich die Reichweite gleich mal, bevor ich überhaupt losgefahren bin. Wo soll denn der ganze Strom herkommen?
    Ressourcen, Handling, das ist doch alles nicht fertig gedacht.
    Für uns alle, vor allem für die deutsche (europäische) Wirtschaft kann es doch nichts besseres geben als Wasserstoff. Die hochentwickelte Technologie (Motor, Antriebsstrang) die uns seit Jahren den wirtschaftlichen Wohlstand beschert, bleibt erhalten, auch die ganzen Zulieferbetriebe haben weiter Beschäftigung. Hier können wir zeigen was wir können und werden in Punkto Kosten-Nutzen und praktikabilität noch lange Vorteile haben.
    Einen Elektromotor kann jedes Start-Up bauen, das ist keine Kunst. China macht es uns vor!
    Aber die Infrastruktur ist meiner Meinung nach der Knackpunkt. Daran scheitert es heute und wird es vermutlich auch in 10 Jahren noch.
    Sollte es mit der Infrastruktur irgendwann klappen, kommt nach meiner Meinung nur ein Tausch-Akku-System in Betracht. Ich fahre zu “Tanke” klicke mir einen vollen Akku ins Auto und fahre weiter (wie bei einem Akkuschrauber, nur größer, schon klar) Aber bis dahin läuft noch viel Sprit durch den Zapfhahn…

    Viele Grüße und vielen Dank für den tollen Podcast! Ich bin schon fast von Anfang an dabei und freue mich jede Woche aufs Neue! Ihr macht meine zum Teil langen Fahrten um einiges kurzweiliger! Danke dafür!

    • Ich möchte lediglich auf den Teilaspekt des Wasserstoffes eingehen: öfter hört man diesen Vorschlag von Elektroauto-Skeptikern, aber ich halte das für die falsche Richtung. Verglichen mit einem akkubetriebenen Auto benötigt man pro Streckenkilometer fast die dreifache elektrische Energie, um den Wasserstoff zu erzeugen und dann wieder umzuwandeln. Die Effizienz der Elektrolyse von Wasser ist nunmal eine energetische Katastrophe. Außerdem ist die Infrastruktur bei H2-Mobilität noch viel weniger gegeben: eine normale Tankstelle ist für die Bevorratung von flüssigem Wasserstoff gar nicht geeignet. Da gibt es unterschiedliche Modelle das zu handhaben, die aber alle auf extrem hohe Drücke oder extrem niedrige Temperaturen hinauslaufen –> hoher Energieverbrauch, nicht ganz trivial zu bauen, mitunter nicht ganz ungefährlich. Auch im Auto ist das Problem des Tanks nicht so endgültig gelöst. Soweit ich weiß hat BMW vor einigen Jahren ihr Pilotprojekt abgebrochen, weil sie es ums Verrecken nicht gut hinbekommen haben die für den normalen Motorbetrieb nötigen Drücke und Temperaturen so hinzubekommen, dass nicht nach wenigen Tagen Standzeit der Tank schlichtweg “ausgegast” und somit leer ist. Einfacher ist es das Gas für Brennstoffzellenbetrieb zu bevorraten (das tun ja die gängigen H2-Konzepte alle, BMW war afaik der letzte der es in einen Motor eingasen wollte) … und was haben wir dann? Ein Elektroauto mit einem energetisch extrem ungünstigen Energiespeicher. Es hat schon Gründe, warum seit Jahrzehnten daran gebastelt wird und es trotzdem nicht zu Rande kommt. Hätten wir elektrischen Strom im massiven Überfluss wäre es kein Problem, aber dieser Mehrverbrauch lässt sich heutzutage nicht klimafreundlich kompensieren.

  28. Zum Thema Praxiserfahrung auf Autobahnen. Bei vielen anderen Themen deckt sich meine Meinung mit eurer. Beim Tempolimit möchte ich ein paar Gegenargumente loswerden, weil ihr es meines Erachtens in der Sendung sehr einseitig betrachtet habt.

    1) Weniger Sicherheit durch Tempolimit
    Meiner Meinung nach ist es unsicherer, wenn es mehr Tempolimits auf Strecken gibt, auf denen man keine bräuchte. Limitiert man z.B. auf 120km/h, gibt es weniger Geschwindigkeitsdifferenzen: fast alle fahren “am Limit”. Dann kommt es vermehrt zu Situationen, in denen Autos mit 120km/h **nebeneinander herfahren** und das über längere Strecken. So wird jede kleine Unaufmerksamkeit schnell sehr gefährlich. Jeder, der mal in den USA auf den Highways gefahren ist, weiß, was ich meine und wird das bestätigen können. Zügige Überholvorgänge sind da für alle Beteiligten deutlich sicherer und das geht nur mit Toleranz für Geschwindigkeitsdifferenzen. Mit Statistiken über Verkehrstote schaut man einseitig auf das Thema, es geht um sämtliche Unfälle. Und gerade Unfälle ohne Todesfolge würden wahrscheinlich mit Tempolimit eher zunehmen. Fahrt mal selbst länger auf den Autobahnen: Mit z.B. rund 150km/h seid ihr deutlich entspannter, sicherer unterwegs in einem entzerrteren Verkehr als mit 120km/h.

    2) Trotzdem fette Karren
    Schaut man in die Städte beobachtet man die leider steigende Beliebtheit von SUVs. Mehr Platz, mehr Umweltverschmutzung, mehr Statussymbol. Ein Tempolimit auf Autobahnen bewirkt hier sicherlich nicht, dass kleinere / sparsamere Autos gefahren werden, denn das bedingt sich nicht. Sonst wäre das ja in den Städten schon der Fall und man könnte argumentieren, dass dort wegen weniger Platz automatisch kleinere Autos gefahren werden. Trifft ja leider auch nicht zu.

    3) CO2-Einsparung an falscher Stelle
    Das Argument zur CO2-Einsparung ist korrekt, aber mit Einsparungen könnte man auch erst einmal in den Innenstädten anfangen, bei Flugreisen, etc. Dort hat man Ansatzpunkte mit weitaus mehr Wirkung.

    4) Werbewirksamkeit Deutsche Automobilindustrie
    Das habt ihr ja erläutert. Ein klares Gegenargument. Man kann die deutsche Autoindustrie mit einem Tempolimit also ganz klar belasten. Aber was passiert, wenn alle anderen Länder ihre Industrien unterstützen und wir unsere möglichst ausbremsen: Wettbewerbsverlust für uns. Kann man machen, muss man aber nicht.

    5) Spaß und Freiheit ist ein Argument
    Ihr diskutiert, als sei Spaß und Freiheit beim Autofahren ein verachtenswertes Argument. Das finde ich hier nicht richtig. Man nimmt mit einem Tempolimit vielen Leuten Spaß und Freiheit.

    6) Autobahntourismus
    Ist vielleicht ein wenig weit hergeholt, aber es wird Tourismus-Einbußen geben. Im Endeffekt schwächt man die deutsche Wirtschaft also auch hier, wenn auch minimal.

    7) Hohes Tempolimit ist Minimalgewinn bei viel Verlust
    Setzt man ein Tempolimit bei 180 oder 200, so hat vielleicht wirklich etwas mehr Sicherheit auf den Autobahnen und weniger Hochgeschwindigkeits-Unfälle. Auch spart man ein wenig CO2 ein. Trotzdem müsste man diesen Minimalgewinn immernoch gegen Argumente 4) 5) und 6) aufwiegen.

    Die Tatsache, dass ihr diskutiert, als sei es ganz klar, dass es fast nur Argumente für ein Tempolimit gäbe, lässt mich enttäuscht vermuten, dass ihr zu weit vom Thema Fahren auf Autobahnen entfernt seid.

    • Servus Kai,
      ich habe mich ein wenig mit deinen Gegenargumenten beschäftigt.
      Zu 1: Ich will nicht ausschließen, dass dies ein Unfallgrund ist. Dieser fällt jedoch weit weniger ins Gewicht als hohe Geschwindigkeitsdifferenzen und trägt deutlich weniger Konsequenzen nach sich. Nachzulesen hier:
      http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-18-2762_de.htm
      https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2018/personal/was-waere-wenn-auf-deutschen-autobahnen-ein-generelles-tempolimit-von-120-km-h-gaelte

      Zu 2: Damit hast du quasi dass hier omnipräsente Argument gegen ein Tempolimit aufgrund der deutschen Autoindustrie relativiert. Ich würde trotzdem vermuten, dass die Hersteller den Fokus statt auf Höchstgeschwindigkeiten eher auf andere Aspekte legen.

      Zu 3: Die Argumentation klingt wie “aber die anderen sind noch schlimmer”. Es gibt keine “falsche” Stellen für CO2-Einsparungen. Nur unterschiedlich signifikante Stellen.

      Zu 4: Das widerspricht sich mit der 2. “Aber was passiert, wenn alle anderen Länder ihre Industrien unterstützen und wir unsere möglichst ausbremsen” Alle Länder mit eigener Autoindustrie mit Ausnahme von Deutschland besitzen ein Tempolimit. Nur bei uns ist es ein Ausbremsen? Das kann ich wirklich nicht nachvollziehen.

      Zu 5: Spaß und Freiheit ist ein Argument. Jedoch auf beiden Seiten. Viele belastet es mit einer Geschwindigkeitsdifferenz von 100km/h und mehr kalkulieren zu müssen. Dieser Stress nimmt “langsameren” also die Freude am Fahren. Das ist also ein Geben und Nehmen und daher kein Argument gegen ein Tempolimit.

      Zu 6: Ich bin mir sicher es gibt deutlich bessere Gründe dieses Land zu besuchen…

      Zu 7: Ja, bei 5% mehr Unfällen mit Todesfolge auf Autobahnen als der Durchschnitt werden sämtliche Argumente meiner Meinung nach Aufgewogen.

      Ich weiß nicht, ob man bei dem Thema zu weit weg sein kann. Eigentlich fördert genau das die Objektivität. Sehr wohl kann man bei diesem Thema aber zu nah dran sein…

      Liebe Grüße

  29. Nur mal zu Eurer Debattenkultur: Ich mag an sich eine lockere Sprache, aber immer wieder leidet die Sachlichkeit der Themenbehandlung darunter. Ich wäre nicht gegen ein Tempolimit 130 (und fahr auch jetzt schon so), aber den Eindruck erwecken, die 100 “quietsch” (um Euch zu zitieren, wenn Ihr war nicht genau wisst) Menschen, die wegen Geschwindigkeit sterben, würden noch leben mit einem Tempolimit, das ist etwas zu billig. Überhöhte Geschwindigkeit ist auch, wenn jemand mit 90 durch eine 60er Baustelle fährt oder im Nebel auf einen LKW prallt, weil der langsam fuhr und der PKW zu schnell.

    • Der Einwand ist hier schon mindestens vier mal beantwortet worden: Natürlich gibt es Unfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit auch bei Tempo 30 oder Tempo 60, nur stirbt dabei (fast) niemand. Die 181 Menschen sind also weit überwiegend bei > 130 km/h ums Leben gekommen. Und ob es nun 170 oder 181 waren ist für das Argument völlig egal.

      • Hallo Ulf.

        Das klingt erstmal logisch, aber kannst du das auch mit irgendeiner Quelle belegen? Wie weiter unten schon geschrieben habe ich da keinerlei Statistiken gefunden. Ohne sachlichen Hintergrund/Beleg kann man das in den Bereich Glauben verschieben. Gerade der Bereich über 100 ist meines Wissens nach gefährlich. Warum also nicht gleich 90 als Tempolimit?

        Die Grenze kann man da ganz einfach nur mit Fakten finden.

      • “Der Einwand ist hier schon mindestens vier mal beantwortet worden: Natürlich gibt es Unfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit auch bei Tempo 30 oder Tempo 60, nur stirbt dabei (fast) niemand.” – sofern keine Fußgänger beteiligt sind, hast du da sicher recht. Und das Baustellenbeispiel des OP taugt IMHO auch nicht als Erklärung.

        Nur die Aussage: “Die 181 Menschen sind also weit überwiegend bei > 130 km/h ums Leben gekommen” als kausale Schlussfolgerung halte ich auch für falsch: Ein 1,5-Tonner mit 80 km/h hat eine kinetische Energie von 370,4 kJ; bei 130 km/h hat er dagegen 978 kJ kinetische Energie – deutlich mehr als doppelt so viel.

        Was ich damit sagen will: 130 km/h reichen schon für eine ganze Menge; man muss nicht 150 km/h oder gar 200 km/h fahren – insbesondere, wenn LKWs beteiligt sind.
        D.h. es kann durchaus sein, dass 90% der Unfälle auch bei 130 km/h so ausgegangen wären – oder nur 10%; aber dazu bräuchte man mehr Infos (die es wahrscheinlich auch sogar schon gibt).

  30. Hallo,

    Ich möchte gerne auch meine Praxis zum Thema mitteilen:

    meine Erfahrung als Berufspendler umfasst täglich 120 km auf der A7. Zusätzlich kommen Geschäftsfahrten in ganz Deutschland, Österreich und Osteuropa dazu.

    Bei meiner täglichen Pendelstrecke fahre ich des Spritverbrauchs (Diesel) wegen 120-130 km/h, eine Erhöhung der Geschwindigkeit würde mir pro Tag

    15 min Zeitersparnis einbringen (berechnete Ersparnisse bei freier Strecke). Wenn ich der physikalischen Theorie die empirische Praxis gegenüberstelle würde ich sagen hole ich bis zu 5 min einfach rein, wenn ich auf der Strecke Gas gebe (also Geschwindigkeiten bis 180 km/h). Das Problem hierbei ist die zweispurige Autobahn und das hohe Verkehrsaufkommen.

    Durch Überhohlvorgänge durch LKW (die ja nur 80-90 km/h fahren können) und dem ein oder anderen PKW (die oft auch auf der linken Spur nur knapp schneller fahren), wird der Verkehr hier vor allem bei Hauptverkehrszeiten zwischen 15 und 18 Uhr auf 80-100 km/h runtergebremst – durchgängig. Ein Tempolimit würde auf dieser frequentierten Strecke nichts bringen, da man maximal über wenige Kilometer am Stück schnell fahren kann.

    Auf dieser Strecke (als potentieller Langsamfahrer) erlebe ich seltenst Drängler, die mich mit der Lichthupe drangsalieren, wenn ich nur 130-140 km/h fahre – ich fahre aber auch vorausschauend und mit Rücksicht. Wenn ich ein Auto ausbremsen würde, wenn ich ausschere, dann bleibe ich auf der rechten Spur, auch wenn ich dann bremsen muss – der Verkehr auf der linken Spur hat für mich also auch sozusagen Vorfahrt.

    Auf Langstrecke mit Geschäftsauto (wo der Spritverbrauch keine Rolle spielt, da ich ihn nicht selber zahle), fahre ich auch gerne mal schnell (bis 200 km/h – schneller ist meiner Meinung nach mit Kompakt- und Mittelklasseautos aus dem Hause bekannter Automobilunternehmen eine wackelige Angelegenheit). Hier kann ich, da die Strecken nicht frequentiert von mir befahren werden, keine empirische Erfahrung über Zeitersparnisse beisteuern. Ich kann lediglich mit der Ankunftszeit auf dem Navi argumentieren. Auf die Entfernungen, die ich dort häufiger fahre, berechnet mir das Navi (soweit ich weiß) die Ankunftszeit anhand der möglichen Fahrgeschwindigkeiten (das Navi weiß ja, auf welchen Strecken wie schnell gefahren werden darf). Auf Autobahnen ohne Tempolimit gehe ich davon aus, dass es die Richtgeschwindigkeit mit 130 km/h der Berechnung zugrunde legt. Alles was ich also schneller wie 130 fahre, sollte meine Ankunftszeit dann auch reduzieren.

    Mit dieser Betrachtung habe ich die anfangs berechnete Ankunftszeit bei Strecken von 4 bis 8 Stunden ungefähr um 15-max 20 min reduziert – wenn ich konsequent schnell fahre (wo es möglich ist) weil ich unter Zeitdruck bin. Der Zeiteinspareffekt ist also überschaubar – auch hier zerstört das Verkehrsaufkommen jegliche Geschwindigkeitsvorteile.

    Der Vergleich auf die Nachbarautobahnen mit Tempolimit zeigt, vor allem, dass dort der Verkehrsfluss geschmeidiger abläuft. Er zeigt aber auch, dass bei Tempolimit 130 km/h oft schon 120-125 km/h gefahren wird, aus Angst geblitzt zu werden (kenne ich vorwiegend von Italien und Österreich).

    Mit Tempomat ist das dann unterm Strich aber ein sehr entspanntes fahren, das sicherlich weniger Aufmerksamkeit erfordert (und für mich vorstellbar zu mehr Unaufmerksamkeiten durch Smartphone verführt).

    Ich bin selbst eher gegen ein Tempolimit, obwohl ich keine rationalen Argumente dafür habe, aber mir macht das Schnell fahren auch Spaß (schnell heißt bei mir bis zu 200 km/h). Es vermittelt zumindest den Eindruck, ich würde schneller von A nach B kommen – vor allem, wenn ich pro Strecke 10-20 % nur im Stau stehe.

    Ich denke anstatt das Tempolimit herzunehmen (für Politiker verständlicherweise gefährlich, da emotionales Thema) würden folgende Punkte ebenfalls einer sachlichen Diskussion gut tun:

    – Überhohlverbote für LKW einführen, bzw den Güterverkehr auf die Schiene verlegen, was zu einer flüssigeren Verkehrssituation auf den Autobahnen führen wird, da die Geschwindigkeitsextrema näher zusammenrücken (80-200 km/h)

    – Das Fahrverhalten muss diskutiert werden, PKW, die mit 110 km/h an 5 LKWs vorbeiziehen, führen auch zu Verdichtungen von Verkehr, der sich über viele km zurückwirft und das Schnell fahren gefährlicher macht. Bzw. das Ausscheren mit niedrigen Geschwindigkeiten, ungeachtet des schnellen Verkehrsflusses auf der linken Spur

    – Wenn Tempolimit, dann bei Extremgeschwindigkeiten (warum muss es schon 120-130 km/h sein?)

    – Die KfZ-Steuer exponentiell und nicht linear auf den CO2 Ausstoß anwenden– schnelles Fahren durch Leistungsstarke Motoren muss dann auch mehr kosten

    – Die nicht limitierten Strecken situativ beschränken und nicht pauschal (Hauptverkehrszeiten, Luftreinhaltung, Lärmschutz, erhöhte Unfallgefahr, Nässe,…) – das erhält die generelle Möglichkeit schnell zu fahren (das Gefühl), aber praktisch wird die Geschwindigkeit dort begrenzt, wo es Sinn macht.

    Ich vergleiche das Thema Tempolimit in Deutschland gerne mit den USA und dem Recht auf Waffenbesitz. Für uns ist es auch unverständlich, warum dort eine Diskussion darüber herrscht, ob man diesen Verfassungszusatz abschafft oder nicht, weil es die Freiheit einschränkt – soweit sind wir davon nicht ;).

  31. Spannende Diskussion und Meinungen hier in den Kommentaren zum Thema Tempolimit.

    Ich möchte kurz einige Sachen rund um den Verkehr erwähnen, die mir oft zu lurz kommen (wobei Ulf und Philip einiges angesprochen haben):

    1. Am meisten wird verstärkt Treibstoff verbraucht beim Beschleunigen. Deswegen ist Stop-and-Go Verkehr in den Städten ein großes Problem. Kennt jeder der einen Tag durch die Stadt fahren muss und am nächsten Tag ähnlich viele Kilometer Fernstrasse. Stadtverkehr verbraucht einfach extrem viel Treibstoff.

    2. Gleichzeitig heisst dies aber auch: Haben Fahrzeuge auf den Fernstraßen unterschiedliche Geschwindigkeiten, so müssen für Überholvorgänge Wagen abbremsen und beschleunigen. D.h. dadurch entsteht ebenfalls erhöhter Verbrauch.

    3. Wie bereits im Podcast bemerkt wurde werden auch alle Wagen im Schnitt größer, schwerer und deswegen stärker motorisiert. Dies führt zwangsläufig zu höherem Treibstoffverbrauch (auch wenn hier viel durch die neuen Motoren wettgemacht wurde). Das Anfang der 2000er anvisierte 3-Liter-Auto scheint fast völlig aus dem Fokus der Öffentlichkeit (und damit auch der Autoindustrie) verschwunden zu sein.

    4. Alternativen zu langen, schnellen Autofahrten (insbesondere Nachts) sind kaum mehr vorhanden. Nachtzüge sind größtenteils abgeschafft worden, sobald man zu einem nicht-ICE angebunden Ort reisen muss entstehen oft lange Umsteige- bzw. Wartezeiten, über die Pünktlichkeit der DB muss man nichts mehr sagen, und die Preisgestaltung hat auch seine Tücken (Zugbindung ist meist die einzig sinnvolle billige Variante, und damit ist das Auto als extrem flexibles Verkehrmittel wieder klar im Vorteil).

    Worauf will ich hinaus?

    Auch ich sehe, wie auch viele andere Poster vor mir, hier eine Scheindebatte. Ich glaube das Tempolimit jetzt in die CO2 Debatte einzubetten ist ein Fehler, was eher dazu führen wird beide Themen (flexibler Verkehr und Klimaschutz) zu behindern.

    P.S. Nur als Information zu mir: Ich besitze kein Auto, fahre viel ÖPNV und Fahrrad, auch viel DB.

  32. Hallo,

    Ich möchte gerne auch meine Praxis zum Thema mitteilen:
    meine Erfahrung als Berufspendler umfasst täglich 120 km auf der A7. Zusätzlich kommen Geschäftsfahrten in ganz Deutschland, Österreich und Osteuropa dazu.

    Bei meiner täglichen Pendelstrecke fahre ich des Spritverbrauchs (Diesel) wegen 120-130 km/h, eine Erhöhung der Geschwindigkeit würde mir pro Tag
    15 min Zeitersparnis einbringen (berechnete Ersparnisse bei freier Strecke). Wenn ich der physikalischen Theorie die empirische Praxis gegenüberstelle würde ich sagen hole ich bis zu 5 min einfach rein, wenn ich auf der Strecke Gas gebe (also Geschwindigkeiten bis 180 km/h). Das Problem hierbei ist die zweispurige Autobahn und das hohe Verkehrsaufkommen.
    Durch Überhohlvorgänge durch LKW (die ja nur 80-90 km/h fahren können) und dem ein oder anderen PKW (die oft auch auf der linken Spur nur knapp schneller fahren), wird der Verkehr hier vor allem bei Hauptverkehrszeiten zwischen 15 und 18 Uhr auf 80-100 km/h runtergebremst – durchgängig. Ein Tempolimit würde auf dieser frequentierten Strecke nichts bringen, da man maximal über wenige Kilometer am Stück schnell fahren kann.
    Auf dieser Strecke (als potentieller Langsamfahrer) erlebe ich seltenst Drängler, die mich mit der Lichthupe drangsalieren, wenn ich nur 130-140 km/h fahre – ich fahre aber auch vorausschauend und mit Rücksicht. Wenn ich ein Auto ausbremsen würde, wenn ich ausschere, dann bleibe ich auf der rechten Spur, auch wenn ich dann bremsen muss – der Verkehr auf der linken Spur hat für mich also auch sozusagen Vorfahrt.

    Auf Langstrecke mit Geschäftsauto (wo der Spritverbrauch keine Rolle spielt, da ich ihn nicht selber zahle), fahre ich auch gerne mal schnell (bis 200 km/h – schneller ist meiner Meinung nach mit Kompakt- und Mittelklasseautos aus dem Hause bekannter Automobilunternehmen eine wackelige Angelegenheit). Hier kann ich, da die Strecken nicht frequentiert von mir befahren werden, keine empirische Erfahrung über Zeitersparnisse beisteuern. Ich kann lediglich mit der Ankunftszeit auf dem Navi argumentieren. Auf die Entfernungen, die ich dort häufiger fahre, berechnet mir das Navi (soweit ich weiß) die Ankunftszeit anhand der möglichen Fahrgeschwindigkeiten (das Navi weiß ja, auf welchen Strecken wie schnell gefahren werden darf). Auf Autobahnen ohne Tempolimit gehe ich davon aus, dass es die Richtgeschwindigkeit mit 130 km/h der Berechnung zugrunde legt. Alles was ich also schneller wie 130 fahre, sollte meine Ankunftszeit dann auch reduzieren.
    Mit dieser Betrachtung habe ich die anfangs berechnete Ankunftszeit bei Strecken von 4 bis 8 Stunden ungefähr um 15-max 20 min reduziert – wenn ich konsequent schnell fahre (wo es möglich ist) weil ich unter Zeitdruck bin. Der Zeiteinspareffekt ist also überschaubar – auch hier zerstört das Verkehrsaufkommen jegliche Geschwindigkeitsvorteile.

    Der Vergleich auf die Nachbarautobahnen mit Tempolimit zeigt, vor allem, dass dort der Verkehrsfluss geschmeidiger abläuft. Er zeigt aber auch, dass bei Tempolimit 130 km/h oft schon 120-125 km/h gefahren wird, aus Angst geblitzt zu werden (kenne ich vorwiegend von Italien und Österreich).
    Mit Tempomat ist das dann unterm Strich aber ein sehr entspanntes fahren, das sicherlich weniger Aufmerksamkeit erfordert (und für mich vorstellbar zu mehr Unaufmerksamkeiten durch Smartphone verführt).

    Ich bin selbst eher gegen ein Tempolimit, obwohl ich keine rationalen Argumente dafür habe, aber mir macht das Schnell fahren auch Spaß (schnell heißt bei mir bis zu 200 km/h). Es vermittelt zumindest den Eindruck, ich würde schneller von A nach B kommen – vor allem, wenn ich pro Strecke 10-20 % nur im Stau stehe.

    Ich denke anstatt das Tempolimit herzunehmen (für Politiker verständlicherweise gefährlich, da emotionales Thema) würden folgende Punkte ebenfalls einer sachlichen Diskussion gut tun:
    – Überhohlverbote für LKW einführen, bzw den Güterverkehr auf die Schiene verlegen, was zu einer flüssigeren Verkehrssituation auf den Autobahnen führen wird, da die Geschwindigkeitsextrema näher zusammenrücken (80-200 km/h)
    – Das Fahrverhalten muss diskutiert werden, PKW, die mit 110 km/h an 5 LKWs vorbeiziehen, führen auch zu Verdichtungen von Verkehr, der sich über viele km zurückwirft und das Schnell fahren gefährlicher macht. Bzw. das Ausscheren mit niedrigen Geschwindigkeiten, ungeachtet des schnellen Verkehrsflusses auf der linken Spur
    – Wenn Tempolimit, dann bei Extremgeschwindigkeiten (warum muss es schon 120-130 km/h sein?)
    – Die KfZ-Steuer exponentiell und nicht linear auf den CO2 Ausstoß anwenden– schnelles Fahren durch Leistungsstarke Motoren muss dann auch mehr kosten
    – Die nicht limitierten Strecken situativ beschränken und nicht pauschal (Hauptverkehrszeiten, Luftreinhaltung, Lärmschutz, erhöhte Unfallgefahr, Nässe,…) – das erhält die generelle Möglichkeit schnell zu fahren (das Gefühl), aber praktisch wird die Geschwindigkeit dort begrenzt, wo es Sinn macht.

    Ich vergleiche das Thema Tempolimit in Deutschland immer mit den USA und dem Recht auf Waffenbesitz. Für uns ist es auch unverständlich, warum dort eine Diskussion darüber herrscht, ob man diesen Verfassungszusatz abschafft oder nicht, weil es die Freiheit einschränkt – soweit sind wir davon nicht ;).

  33. Zum Tempolimit:
    Vorab: Ich bin für ein Tempolimit. Aber zur Aussage “180 Tote durch Raserei” eine Frage: Sind in der Zahl eigentlich auch Suizide mitgezählt?
    Beste Grüße
    Alexander

  34. Gerade auf Bayern 2 gefunden: ein Interview mit einem Verkehrspsychologen zum Tempolimit

    https://www.br.de/radio/bayern2/verkehrspychologe-prof-bernhard-schlag-tempolimit-sinnvoll-100.html

    • Professor Schlag nennt noch einen weiteren vernünftigen Grund für ein Tempolimit: den besseren Verkehrsfluss. Wenn alle Fahrzeuge eine ähnliche Geschwindigkeit fahren, gibt es einfach weniger Staus, auch das kann man nachweisen. Als Eisenbahner weiß ich so etwas, das ist Ausbildungsinhalt: auf eine Strecke gehören möglichst nur Züge mit einer ähnlichen Geschwindigkeit, also gerade nicht schnelle ICEs und langsame Güterzüge zusammen. Aber, gut, was weiß ich schon? Auch das wird sicherlich wieder weggewischt und ignoriert werden.

      Ehrlich gesagt, ich habe noch nie so viel ungereimte Behauptungen in den Kommentaren zu einer Lage gelesen.

      Von der psychologischen Seite muss man das sicherlich betrachten. Das ist in keinster Weise eine sachliche Diskusssion.

      Aber so weit war Ihr ja auch schon, dass das Verhindern eines Tempolimits rational kaum gerechtfertigt werden kann. Eure Analyse war an sich schon sehr gut und richtig, aber vielleicht noch nicht weitgehend genug. Hier schlägt die maskulinistische Ich-will-Spaß-ich-geb-Gas-Fraktion zu, die sich das Machogehabe nicht nehmen lassen will, sich direkt kastriert fühlen würde und sich in ihrer Männlichkeit auch über Risikoverhalten definieren muss. So sollte man(n) das auch mal thematisieren.
      Dass das nämlich eine Geschlechterfrage ist, das gibt sogar Bild zu:
      https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/deutschlandtrend-maenner-sind-gegen-tempolimit-frauen-dafuer-59754452.bild.html
      42% der Männer sind für ein Tempolimit, aber 60% der Frauen!

  35. Ich bitte, nicht nur speziell bei diesem Thema und zu dieser “Lage”, um sprachliche und gedankliche Genauigkeit in Hinblick auf den folgenden Aspekt:
    Wenn eine Population in Hinblick auf eine Frage, zum Beispiel bezüglich des Tempolimits, in zwei Lager getrennt ist, bedeutet das noch lange nicht, dass hinsichtlich dieser Frage eine Spaltung des Landes vorliegt. Der Spaltungsbegriff impliziert im allgemeinen, besonders im journalistischen Sprachgebrauch eine problematische Teilung im Sinne einer Abspaltung bzw. in Analogie zum psychologischen Spaltungsbegriff. Letzterer sieht eine vollständige Unvereinbarkeit und Unversöhnlichkeit der beiden Lager vor.
    Beim Tempolimit und in anderen, im Parlament und in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierten Fragen, halte ich es für unnötigen Alarmismus, die Kontroverse durch eine solche Begriffswahl aufzublasen.
    Der Konflikt gehört zum menschlichen Dasein unausweichlich dazu. Wenn nun nahezu jedem Konflikt das Attribut der Unversöhnlichkeit angeheftet wird, leistet das der gesellschaftlichen Diskursfähigkeit einen Bärendienst

  36. Thema Tempolimit:
    Für mich wäre die Einführung eines Tempolimits eine erhebliche Einschränkung. Ich sehe in der Diskussion darum und in einer möglichen Einführung die große Gefahr viele Menschen zu frustrieren und unnötig zu verärgern.
    Ich wohne im Dresdner Umland und bin bei einem hoch spezialisierten Entwicklungsdienstleister im Maschinenbau u.a. für Projektleitung und Vertrieb zuständig. Der Kundenkreis im Osten geht gegen Null, relevante Entwicklungszentren der Kunden sitzen am nächsten noch in der Region Nürnberg, Wolfsburg oder eben weiter weg. D.h. ehe ich beim Kunden, bin sind grundsätzlich erst mal 300 km zu fahren. Bahn ist keine Alternative, die ist in Dresden faktisch nicht existent. Ich behauptet, dass ich zwar zügig aber vorausschauend fahre und daher rechne ich aktuell bei der Planung mit einem Durchschnitt von 130 km/h. Beobachtet man den Durchschnitt auf stark reglementierten Strecke (A2, A6 etc) kommt man in der Regel nicht über 100 km/h. In der Konsequenz spart mir das Tempolimit pro Fahrt zum Kunden also mindestens 2 Stunden. Und die entscheiden durchaus darüber, ob ich es schaffe Termine als Tagestrip abzuwickeln oder an so beliebten Spielen teilzunehmen, wenn der Kunde 16 Uhr anruft und das Vergabegespräch für den nächsten Morgen 8 Uhr ankündigt.
    Die Realisierung vieler Kundentermin als Tagestrip ist für mich und viele Kollegen nicht nur wegen der gesparten Übernachtunskosten wichtig, sondern es ermöglicht uns auch z.B. früh noch das Kind wegzubringen und damit unsere Partner zu entlasten. Die sind hier nämlich in der Regel alle berufstätig und müssen/sollen möglichst wenig unter der Reisetätigkeit leiden.
    Das ist auch die große Gefahr, die ich auf politischer Ebene sehen. Ja, es ist schwer harte Argumente pro “freie Fahrt” zu finden und relativ leicht welche dagegen aufzuzeigen. Scheinbar ist vielen Menschen bewusst, dass eine niedrige dreistellig Zahl an Verkehrstoten und ein geringe CO2-Reduzierung wirklich nicht das größte Problem in Deutschland ist. Kämpft man das jetzt durch, entsteht bei vielen (auch mir), die nicht in gut angebundenen Städten/Metropolregionen leben der Eindruck, dass ihnen die Möglichkeit genommen wird erfolgreich am Wirtschaftsleben teilzunehmen. Die ländlichen Regionen und der “ferne Osten” haben schon so genug Schwierigkeiten als gleichwertiger Partner wahrgenommen zu werden, wenn man dann noch zweimal um eine Terminverschiebung wegen Übernachtung etc. bitten muss, ist man den Kunden relativ schnell los.
    Von daher sollten wir uns auf Themen konzentrieren, die wirklich was bewegen. Wenn man z.B. mit der Bahn zuverlässig in 3 Stunden in Nürnberg wäre…

    • Hi, eine Frage zu deinem anschaulichen Beitrag: warum ist die Bahn in Dresden nicht existent? Es gibt doch auf jeden Fall eine ICE Strecke nach Leipzig, von wo aus man wiederum Anschluss nach Berlin München und Frankfurt am Main hätte.

      • Klar, Ulf. Wenn man unterstellt am Bahnhof Dresden direkt zu wohnen und der Kunde direkt am Nürnberger Hbf sitzt, mag das ganz cool sein, ansonsten siehts wohl eher so aus:

        Dresden -> Nürnberg im PKW: 3:30 (von Tür zu Tür)

        Dresden -> Nürnberg im Zug: 3:40 (Fahrtzeit)

        Zu der reinen Fahrtzeit kommen noch Anreise zum Bahnhof Dresden (meinetwegen 20 min) und 10 min warten auf den Zug.

        Ankunft in Nürnberg: 30 min Fahrt zum Kunden. Und das ist schon eine optimistische Schätzung. Wenn der Kunde im Gewerbepark auf der grünen Wiese im Speckgürtel sitzt, kann da mit ÖPNV auch mal eine Stunde drauf gehen.

        Somit beträgt die von Tür zu Tür Fahrtzeit mit der Bahn 4:40.

      • Hallo Ulf,
        die gibt es – aber eben auch nur die. Schaut man sich https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Intercity-Express-Linien#/media/File:ICEtracks.png an, sieht man sehr schön das Problem der Bahnanbindung. ICE gibt es ab Dresden nur alle 2 Stunden und die Verbindung nach z.B. Nürnberg (als Beispiel, weil gefühlt gleich um die Ecke) sieht 25 Minuten Umstieg in Leipzig und nochmal 4(!) Minuten in Erfurt vor. Ich rechne also mit der sicheren Variante von 4+x Stunden Fahrzeit. Funfact am Rande: Es gibt Flugverbindungen mit 2:45 Dauer inkl. Umsteigen…8-0
        Dann bin ich aber auch erst im Zentrum und es kommt das Problem der “letzte Meile”. Blöderweise sitzen viele Maschinenbauunternehmen nicht da, sondern immer nochmal 30-45 Minuten entfernt in irgendwelchen Vororten/Gewerbegebieten. Bedeutet also Mietwagen o.ä. + entsprechender zusätzlicher Zeitverlust. Zudem ist es bei einer Fahrt zum Kunden ja nicht so, dass Termine, Meetings etc. an den Fahrplan angepasst werden. Wenn es also in der Nähe von Nürnberg um 09:00 losgeht und ich um 08:00 Uhr in Nürnberg Hbf. sein will, dann schlägt mir bahn.de vor entweder 22:06 Uhr oder 23:14 loszufahren. Dann mach ich doch lieber meiner Tochter noch das Frühstück fertig und rolle gegen 6 zu Hause los.
        Vielleicht ist da auch eine persönliche Disposition dabei und eine starke Überlagerung durch die sofortige Verfügbarkeit eines Autos, aber für meine Bedürfnisse ist die Bahn hier in Dresden einfach keine Alternative unter dem Aspekt, dass ich die Reisezeit minimieren will um entweder mehr Kunden bedienen zu können oder mehr Zeit für die Familie zu haben. Von branchentypischen Problemen wie dem Transport von Musterteilen, Prospekten etc. reden wir noch gar nicht. Aus der Erfahrung unserer Firma geht aktuell die Abwägungskette für Strecken ab 200 km Auto -> Flugzeug+Mietwagen vor Ort. Die Bahn kommt da nicht vor.

      • @kilosierra
        Na, und warum ist die Bahnverbindung nach Nürnberg wohl so grottenschlecht und nicht mit der Bequemlichkeit des PKW zu vergleichen? Weil seit Jahrzehnten der Straßenverkehr in schier unglaublichen Dimensionen subventioniert wird. Was hätten wir wohl für eine ÖPNV, wenn diese Gelder dort investiert worden wären. — Man möchte heulen bei dem Gedanken daran, wie die Welt unter diesen Vorzeichen heute aussähe.

    • Wieso sind Sie denn gegen ein Tempolimit, wenn Ihnen dies laut eigener Aussage 2 Stunden spart?

      • Sehr aufmerksam, vielen Dank. Sollte heißen “In der Konsequenz spart mir das nicht vorhandene Tempolimit pro Fahrt zum Kunden also mindestens 2 Stunden.”

      • Wie schnell fahren Sie denn, wenn Sie auf den von Ihnen genannten 300 km 2 h rausfahren können????

      • Das ist doch ganz einfach zu rechnen: Wenn man sonst 100 km/h im Schnitt ansetzt, braucht man für 300 km 3 Stunden und für 2 Stunden Ersparnis müsste man die 300 km mit 300 km/h im Schnitt fahren.
        Freie Fahrt für freie Bürger bringt meistens nur gefühlte Zeitersparnis.

      • Diese Rechnung ist arithmetisch korrekt…passt aber leider nicht ganz zum geschilderten Sachverhalt ;-)
        Damit sich hier nicht der Eindruck verfestigt ich bräuchte bei Benutzung eines Fahrzeugs psychologische Hilfe, bitte ich darum den OP nochmal intensiv zu lesen und die richtige Fragestellung abzuleiten.
        Tipp: Das entscheidende Wort ist “Tagestrip” und die (möglicherweise zu Unrecht als gegeben angenommene) Erfahrung, dass mehr als 1 Kundenbesuch pro Tag bei diesen Entfernungen nicht sinnvoll ist.

        P.S.: Das Ergebnis ist weiterhin unplausibel, da in D Fahrzeuge allgemein bei 250 km/h abgeregelt sind.

      • Der “geschilderte Sachverhalt” ist aber reichlich konfus formuliert. Wenn Sie schon beim schnellen Schreiben mit dem Denken nicht hinterher kommen, wie sieht es denn dann beim schnellen Fahren aus?

  37. Thema Stickoxide:

    Ich bin Arzt und frage mich, wie die Kolleginnen und Kollegen Lungenärzte es mit ihrem Gewissen vereinbaren können, sich öffentlich an der Verharmlosung nachgewiesener Umweltgifte zu beteiligen. Sie schaden damit nicht nur den Menschen im Land, sondern auch der Glaubwürdigkeit unseres Berufsstandes.

    Sie hätten sich besser an der wissenschaftlichen Diskussion beteiligt, anstatt sich in den Dienst der Automobilindustrie bzw. Herrn Scheuers zu stellen. Aber da wäre ihr Statement wohl schnell verhallt. Nun ist die politische Inszenierung, deren Teil das Papier offensichtlich ist, voll im Gange: https://www.tagesschau.de/inland/scheuer-feinstaub-grenzwerte-101.html

    Besonders perfide war die Bemerkung Herrn Scheuers, nun habe die Sachlichkeit Einzug in die Debatte gehalten. Ein Schlag ins Gesicht aller Mediziner, die sich seit Jahrzehnten nach wissenschaftlichen Standards mit dem Thema beschäftigen.

    Aber es regt sich Widerstand: https://www.faz.net/aktuell/wissen/lungenmedizin-verbaende-weltweit-schalten-sich-in-deutsche-debatte-ein-16010656.html

    Für mich ist das ein Lehrstück, wie politische Einflussnahme funktioniert.

    • Komplette Zustimmung. Als Medizindoktorand hab ich mir mal fix die aktuelle Situation angeguckt und alleine die Behauptung des Herrn Köhler, es gäbe keine plausiblen Studien ist völlig absurd. Zigtausende Untersuchungen belegen auf Basis riesiger epidemiologischer Untersuchungen Effekte und das wird einfach ignoriert. Und da der Herr Köhler Professor und Pneumologe ist und ein paar Unterschriften gesammelt hat kann sich nun alle Welt auf ihn beziehen, denn “Lungenärzte müssen es ja wissen”. Wer sich da einfuchsen möchte, dem kann ich das aktuelle Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (https://pneumologie.de/fileadmin/user_upload/DGP_Luftschadstoffe_Positionspapier_20181127.pdf) empfehlen, das gibt einen Überblick zur aktuellen Situation und kommt in einem Zwischenfazit zu dem Schluss “Die Entwicklung von PM10 und NO2 ist zwar rückläufig, jedoch werden noch immer geltende Grenzwerte insbe- sondere in den Städten an verkehrsnahen Messstationen für NO2 deutlich überschritten. Darüber hinaus werden die gesundheitlich abgeleiteten Richtwerte für maximale Luftschadstoffkonzentrationen in den WHO-Leitlinien von 2005 für PM2.5, und PM10 sowie für NO2 erheblich überschritten. Somit ist für die deutsche Bevölkerung kein optimaler Schutz vor Erkrankungen, die durch Luftverschmutzung verursacht werden, gegeben.”.

      Das ist keine wissenschaftliche Debatte, die der Herr Köhler da beginnen möchte … genau so könnte man behaupten Donald Trump möchten einen akademischen Diskurs über den Klimawandel führen. ;)

      • Also ich bin zwar kein Wissenschaftler, aber der Punkt den du übersiehst, ist der, dass der besagte Prof. Köhler ja meinte anhand der epidemiologischen Studien ließe sich der Zusammenhang zwischen NO2 als Ursache und der Erkrankung nicht belegen.
        Ich hab bei Steingart ein Interview mit einem anderen Prof. gehört, der daß zwar bestätigt, aber wiederum darauf hinweist, dass sich anhand besagter Studien der Zusammenhang zwischen NO2 und dem Verlauf der Erkrankung belegen lässt.
        Meine Frage an den Köhler wäre ja, ob er täglich mehrere Kerzen anzündet und ausbläst um die NO2 Werte an einer vielbefahrenen Straße zu simulieren.
        Immerhin meinte er ja die Zeit der Einwirkung des NO2 spiele keine Rolle, wenn er darauf hinweist, dass beim Anzünden einer Kerze das NO2 über dem Grenzwert liegt.

  38. Thema Tempolimit:
    Ich muss vorwegnehmen, dass ich für ein Tempolimit bin, einfach weil ich es in fast allen Ländern der Welt angenehmer finde auf der Autobahn zu fahren als in Deutschland. Und für die Umwelt und die Mensche, die dicht an Autobahnen leben, ist es natürlich auch nur sinnig.
    Ich habe mich aber spontan an meinem Kaffee verschluckt, als die Erklärung „wir schränken uns schon so für den Umweltschutz ein, wir haben gelernt Müll zu trennen und kaufen hoffentlich Biofleisch, noch mehr wollen wir uns nicht einschränken“ kam (kein wörtliches Zitat, aber sinngemäß wurde das so gesagt um zu erklären, warum viele Leute so gegen ein Tempolimit sind).

    Mich würde ja mal brennend interessieren, wo wir uns bisher einschränken.
    Gut, 2 % des Fleisches ist tatsächlich Bio, 98 % ist es aber völlig egal woher das Fleisch kommt, Hauptsache ist es günstig zu kaufen.
    Und sonst? Wir kaufen immer dickere Autos, wir fliegen immer häufiger mal schnell für n kurzen Trip übers We in europäische Städte, die Tickets werden einem ja fast hinterher geworfen… wir essen im Dezember Erdbeeren und Avocados stehen auch täglich aufm Speiseplan. Öko-Strom gibt es zwar, aber über 80 % der Bürger nehmen trotzdem lieber den billigen Strom… Der Verbrauch von Coffee to go Bechern ist im letzten Jahrzehnt stetig gestiegen…
    und soll irgendwas verboten werden, ist das Geschrei gleich riesig…
    Fällt irgendjemand irgendwas ein, wobei er sich persönlich wirklich für die Umwelt einschränkt?

    • Ich hoffe, es ist klar geworden, dass das nicht meine Meinung ist, sondern eher der Versuch eines Erklärungsansatzes … ich glaube schon, dass nicht wenige Menschen so ticken, selbst hier in den Kommentaren meinte ja jemand, man müssen sich nicht wundern, wenn Leute “alternative” Parteien wählen, wenn es Tempolimit kommen sollte.

      • Ja, klar, daher die Aussage „… um zu erklären, warum viele Leute so gegen ein Tempolimit sind“

        Allerdings weiß ich nicht, ob das solche Aussagen nicht kontraproduktiv sind, wer weiß wie viele Leute nun genau das wirklich glauben- getreu dem Motto „Ja, da haben wir auch recht, es soll uns alles verboten werden dabei achten wir schon so auf die Umwelt… und nun dürfen wir nicht mal mehr so schnell fahren, wie wir wollen…“
        Da kann man vielleicht auch mal betonen, dass wir bisher in Deutschland glimpflich weggekommen sind und keine Einschnitte im Leben für die Umwelt hatten der haben.

  39. Den Gedanken, dass die Toten durch Terrorismus hinsichtlich der medialen Aufmerksamkeit und politischen Folgen überbewertet werden (mit allem Respekt gegenüber den Opfern, wie ihr das sehr schön zum Ausdruck gebracht habt), finde ich einen sehr wichtigen. Allerdings wirken für mich die 180 Verkehrstoten durch Geschwindigkeitsüberschreitung auch noch sehr nichtig im Vergleich zu den geschätzten 120.000 Toten durch Tabak oder den etwa 74.000 Todesfällen, die durch riskanten Alkoholkonsum oder durch den kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak jedes Jahr in Deutschland verursacht werden. Wenn wir also über Verbote diskutieren, welche einen großen Einfluss auf die Todesstatistik haben könnten und welche in einem Widerstreit zu kulturellen Gewohnheiten stehen, kann man diese Themen schwer außen vor lassen.

    • absolut – es war nur ein Beispiel für die völlig verschobene Aufmerksamkeit, die wir in D Themen widmen – oder eben auch nicht.

  40. Hi,
    Vielen Dank an euch beiden für diesen Podcast. Bin begeisterter Höhrer seit 1.5 Jahren. Euer unique selling point ist, dass ihr euch Themen rausgreift (gerne auch so juristische Themen über die ich sonst nie stolpern würde) und diese erörtert mit Hintergründen und Meinung.

    Leider habt ihr seit gefühlt einem halben Jahr angefangen auch in den Update Modus zu gehen. Stichwort diese Folge Brexit und Kohlekomission. Quasi nix Neues von euch. Ihr sagt ihr wollt eigentlich gar nicht drüber reden aber macht es dann trotzdem ohne dass was bei rum kommt. Dann kann ich auch die Tagesschau gucken. Ich weis dass ich das mit den Kapiteln überspringen kann aber man weis ja nie was kommt…
    Ich versteh einfach nicht warum ihr in den update Modus verfallt, weil meiner Meinung nach Updates nicht euer MVP ist, sondern eure wunderbar recherchierten Beiträge mit Gesprächspartnern und zu freiheitsthemen.

    Mehr Mut zu Themen ab vom Mainstream wenn’s da keine Neuigkeiten gibt und dadurch Selbstbestimmung.
    Ich hör euch auch weiter, aber früher (mit weniger Höhrern in der Statistik?) war‘s origineller.

    Aaron

  41. Ingo Außendienstler in MacPom
    Die A20 in Mecklenburg-Vorpommern ist fast immer frei.
    Meine Richtgeschwindigkeit ist 120 km/h! Habe ich es sehr Eilig fahre ich auch 180 km/h.
    Habe ich Zeit stelle ich den Abstandsthempomat ein, hänge mich hinter einen LKW in den Windschatten ( der Wagen bremst mit Hilfe von Radar von alleine) und fahre mit 3 Liter auf 100km!
    Ein Tempolimit ist überfällig, weil es einfach Asozial ist soviel guten Sprit zu verballern, der fehlt dann zb in der 3.Welt um wichtige Entwicklungen voranzutreiben.

  42. Hallo. Ich möchte mich in die Erlebnisberichte der Autofahrer einreihen.
    Ich fahre auch einen relativ gut motorisierten Familienvan (ca. 180 PS) und schätze es auch mal schneller zu fahren. Normalerweise bewege ich mich bei meinen täglichen 100 km aber mit 130 – 150 km/h. Für den Alltag bringt das schneller Fahren eher keine Zeitersparnis.
    Ich reise öfters nach Belgien/Holland und empfinde das Reisen dort als angenehm, aber auch langweilig. Bei freier Strecke und entsprechenden Bedingungen frage ich mich schon, wieso ich nicht einfach ohne Risiko Zeitersparnis und Spaß kombinieren sollte.

    Dem Tempolimit sehe ich persönlich entspannt entgegen, halte es aber für nicht zielführend. Als Ingenieur hätte ich gerne erst das Problem und dann die Lösung. Wenn das Problem CO2-Emissionen sind, dann scheint ein Tempolimit auf Autobahnen im Gesamtkontext eine eher verschwindend geringe Maßnahme zu sein. Für eine CO2 Reduzierung sollte man also eher die dicken Fische angehen.
    Wenn das Problem die Verkehrstoten oder -verletzten sind, dann sollte man auch hier erst mal die dicken Fische angehen. Es gibt leider keinerlei belastbare Statistik die Tempolimits mit Verkehrstoten korreliert. Vom statistischen Bundesamt gibt es nur “nicht angepasste Geschwindigkeit” – was bei extrem vielen Unfällen angehakt wird. Selbst mit 10 km/h bei Glatteis in ein anderes Auto rutschen ist “nicht angepasste Geschwindigkeit”. Wenn man das auf die Autobahn überträgt kann man davon kaum auf die Geschwindigkeit als Ursache für Tote schließen. Wieviel tödlicher ist ein Unfall wirklich wenn man 130 mit 180 oder 220 vergleicht? Leider habe ich auch dazu keine Quelle gefunden, habt ihr eine?

    Ich selbst bin für viel mehr Kontrolle der Umsetzung bestehender Regeln. Mehr Autobahnpolizei, sichtbar und in zivil, mehr Geschwindigkeits- und Abstandskontrollen und konsequente Sanktion von echten Dränglern und Rechtsüberholern. Natürlich auch Tempolimits an Gefahrenstellen und da wo solche Gefahren nur im Berufsverkehr auftreten eben Wechselverkehrszeichen. Bußgelder für Geschwindigkeitsübertretungen sollten allerdings auch irgendwie proportional weh tun. Ich habe selbst von wirklich gut verdienenden Menschen lächelnd von der “Spaß-Zusatzgebühr” gehört. Einkommensabhäniges Bußgeld erscheint mir sinnvoll, aber da gab es rechtliche Probleme, oder?

    Insgesamt pflichte ich euch in einem Punkt absolut bei: Es gibt Probleme die wir als Gesellschaft dringender anpacken sollten!

    Wir sollten für Probleme passende Lösungen finden. Mein Beigeschmack beim Tempolimit ist einfach, dass es eine pauschale Lösung ist, statt eine konkrete Lösung für ein konkretes Problem.

    Noch eins: SUVs halte ich für eine Krankheit, außer einem subjektivem Sicherheitsgefühl gibt es eigentlich null Vorteile. Viele SUVs haben nicht einmal mehr Stauraum als ein Opel Corsa.

    Florian

    • Ich schaffe Koblenz-Dresden in 3h15Min. Bringt schon was.

      • Jedes mal?
        Wie oft fährst du die Strecke?
        Wenn du sie öfters fährst, wie lange brauchst du im Schnitt, wenn du alle Fahrten zusammenrechnest. Ein Einzelwert hat doch an dieser Stelle keine Aussagekraft.

    • “Für eine CO2 Reduzierung sollte man also eher die dicken Fische angehen.”

      Man sollte _auch_ die dicken Fische angehen, allerdings:

      – Dicke Fische anzugehen braucht Zeit. Es ist nicht Zielführend in dieser Zeit nichts anderes zu tun. Zeit ist _Teil_ des Problems (wir haben es dazu kommen lassen).

      – Wir werden das Problem nicht mit ein oder zwei großen Maßnahmen lösen können, am Ende werden wir dazu eh noch viele kleine Lösungen brauchen

      – Warum sollte man eine triviale Maßnahme nicht umsetzen wenn sie einen kleinen Schritt zur Lösung des Problems beiträgt? Und dabei keine Nachteile hat, bis auf das, tut mir leid, meiner Meinung nach fehlgeleitete Freiheitsgefühl weniger Menschen einzuschränken?

      “Wieviel tödlicher ist ein Unfall wirklich wenn man 130 mit 180 oder 220 vergleicht?”

      Eine konkrete Antwort habe ich dazu nicht, und ich würde denken dass statistische Vergleiche mit diesen kleinen Zahlen auch sehr fehlerbehaftet sein würden. Außerdem ignoriert das die Frage, wie stark das Unfallrisiko an sich ansteigt. (Was aber klar ist: Mit 180 passiert ein Unfall auf ein stationäres Object etwa mit doppelter kinetischer Energie als mit 130. Mit 220 nähern wir uns Faktor 3 (2,86) als mit 130.)

      “Natürlich auch Tempolimits an Gefahrenstellen und da wo solche Gefahren nur im Berufsverkehr auftreten eben Wechselverkehrszeichen.”

      Falls ein generelles Tempolimit einige solcher Maßnahmen unnötigen machen sollte, dann haben wir hier sogar ein Potential zur Kosteneinsparung…

  43. Zu Venezuela
    Die Behauptung, Guaido würde könnte eine rechtsnationalen Weg veranschlagen, fand ich doch sehr gewagt, da er immernoch Mitglied der sozialdemokratischen Partei Voluntad Popular ist. Das seine Wirtschaftspolitik konservativer werden könnte, ist wohl unumgänglich, da durch Zwangsverstaatlichungen, absurde Preisgrenzen und Wohlfahrtsausgaben ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit jegliche Anreizstrukturen aus den Fugen gerissen wurden und dadurch mit weiteren Faktoren die ökonomische Krise Venezuelas quasi vorprogrammiert war.

  44. Eine Sache zum Thema Tempolimit,
    ich empfehle dazu mal die Lektüre “Warum schweigen die Lämmer” von Rainer Mausfeld. Da geht es genau darum, wie man mit Scheindebatten von den wirklichen Fragen ablenken will. Ulf hat das in seinen abschließenden Worten zum Thema Tempolimit schon schon ganz richtig erkannt und zusammengefasst. Von den wirklich wichtigen Themen wird durch so ein emotional aufgeladenes Thema abgelenkt. Wie viele Leute sterben an Feinstaub oder schlechter Ernährung? Was passiert mit unseren Daten und wollen wir wirklich in einem Überwachungsstaat leben? Wäre nicht ein Verzicht auf Autos, Flüge, Fleisch viel besser fürs Klima als die 1-2% CO2 Reduzierung durchs Tempolimit? Würden wir nicht mit viel weniger Arbeit auskommen und hätten wir mehr Zeit um über wichtige Themen nachzudenken und anzugehen, als jede Woche 40h+ zu arbeiten, nur damit wir sinnlose Dinge konsumieren. Aber Zeit zum Nachdenken ist ja nicht gewünscht, dann könnte sich ja wirklich mal was ändern.

    • Beim Tempolimit geht es letztlich ja doch um viel mehr als nur um den durch Raserei verursachten unmittelbaren CO2-Ausstoß und die zusätzlichen Verkehrstoten. Der fehlenden Geschwindigkeitsobergrenze wohnt implizit eine Aufforderung inne, die sich sowohl handlungsleitend auf den Fahrer als auch auf die entwickelnden Ingenieure auswirkt. — Oder für Nicht-Psychologen formuliert: Ein Tempolimit würde mit der Konsequenz einher gehen, dass andere Autos gekauft und die mit einer anderen Haltung bewegt würden. Da es sowohl für neue Autos als auch für ruhigere Fahrstile allerhöchste Zeit ist, sollte dieser lebendige Diskurs frohen Mutes ausgetragen und nicht zuletzt von den Limit-Befürwortern auch ausgehalten werden.

      • Ein Tempolimit würde mit der Konsequenz einher gehen, dass andere Autos gekauft und die mit einer anderen Haltung bewegt würden.

        Da wäre ich mir nicht so sicher. Als es mich neulich mal nach Japan verschlagen hat, habe ich mich sehr über die vielen sportlich motorisierten PKW gewundert. Die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten dort sind sehr restrikitiv, um nicht zu sagen: ermüdend.

  45. Wie so oft gibt es für den Brexit eine Lösung, die nur leider zu unkonventionell ist, um Einzug in die Politik zu bekommen. Mein Vorschlag: Ein Referendum darüber, ob unmittelbar nach dem Austritt aus der EU, der ja bereits 2016 entschieden wurde, wieder in die EU eingetreten werden soll. Dann gibt es mit etwas Glück ein schnelles bürokratisches Abkommen, zwei Unterschriften von der Premierministerin und GB bleibt letztlich in der EU – ohne betrogene Wähler ;)

    • Das ist für die Briten keine Option, denn wenn sie in der EU bleiben würden, dann würden sie keine schlechteren Bedingungen als bisher akzeptieren. Wenn sie aber formal austreten und danach wieder beitreten, wäre das zwingend zu Bedingungen, die nach ihrer Ansicht schlechter wären. Die Briten haben im Laufe der Zeit viele Sonderbedingungen für ihrer Mitgliedschaft ausgehandelt (jede Menge Opt-outs z.B. beim Euro und Schengen, Briten-Rabatt, etc.), damit sie die Einführung dieser Maßnahmen nicht durch ein Veto blockieren. Diese würden sie beim Austritt alle verlieren und bei Neueintritt größtenteils nicht wiederbekommen könnten, einfach weil die EU-Verträge so vorschreiben.

  46. Ich finde euch eigentlich Klasse, aber beim Tempolimit etwas einseitig und polemisch. Der Manager im Mercedes der ins Stauende rast ist wohl weniger ein Problem aus meiner täglichen Erfahrung als der 40t der dann reinschiebt. und der fährt bekanntlich 80. Des Weiteren wird auch nicht thematisiert, dass bspw. die USA ein flächendeckendes Tempolimit haben, bei 4x so vielen Einwohnern aber 10x so viele Verkehrstote. Weiter geht ihr davon aus, dass die 180 Verkehrstoten alle in unbeschränkten Bereichen passiert sind. Wenn ich bei bei Aquaplaning, Eis oder ähnlichem 80 in der 120er Zone fahre und dann tödlich verunglückt gehöre ich aber auch zu den 180 mit unangepasster Geschwindigkeit. Vorallem da 2/3 der Autobahn beschränkt ist, ist es reißerisch alle Toten automatisch auf das andere Drittel zu verorten.
    In Summe kommt es einem vor hier besprechen zwei etwas wovon sie gar nicht betroffen sind, weil sie in der Stadt von Haustür zur nächsten fahren und eh schon überall 50 ist. Gerade mit dem Verweis von Ulf, es gibt keine Argumente für den Erhalt dieser Freiheit kommt das auf. Bei Videoüberwachung am Ostkreuz werden auch Sicherheitsargumente beigebracht, das wird abgelehnt, hier ist man nicht betroffen und es wird eine ähnlich undifferenzierte Argumentation gefahren.
    Das ist schade, da ich sonst die sachliche Beleuchtung der Themen sehr schätze und euch deswegen höre. Der Abschnitt hätte aber mit Meinung gekennzeichnet werden sollen und war teilweise polemisch.

    • Du wirfst uns vor, polemisch zu sein, aber deine Kritik scheint mir nicht sachlicher:

      – dass in den USA mehr Leute im Straßenverkehr sterben, spricht nicht dagegen, dass bei uns nicht noch weniger sterben würden, wenn es ein Limit gäbe

      – natürlich rasen nicht nur Laster in Stauenden, sondern auch Autos, vgl https://www.google.de/search?source=hp&q=auto+rast+in+stauende. Gleich der erste Treffer (https://www.merkur.de/welt/zwei-menschen-verbrennen-in-auto-zr-10072495.html) macht das Problem deutlich:

      Bei einem schweren Unfall auf der A3 nahe Nürnberg sind eine Mutter und ihre Tochter in ihrem Wagen verbrannt. Vier Menschen wurden schwer verletzt.

      Wie eine Polizeisprecherin sagte, raste eine 60-Jährige am Samstagabend mit ihrem Auto auf ein Stauende und schob zwei Fahrzeuge ineinander. Die beiden Wagen gingen sofort in Flammen auf. … Die beiden 17 und 43 Jahre alten Frauen aus dem zweiten Auto waren in ihrem völlig demolierten Wagen eingeklemmt und verbrannten. … Die Ermittler gehen davon aus, dass die 60-Jährige mit hoher Geschwindigkeit auf das Stauende auffuhr und zuvor den stockenden Verkehr übersehen hatte.

      Außerdem war die Stelle als Überspitzung gekennzeichnet, das ist ein Podcast und keine Dissertation.

      – mit 80 oder 120 fährt sich auf der Autobahn kaum jemand zu Tode, einfach weil die kinetische Energie relativ gering und die passive Sicherheit der Fahrzeuge dafür gut genug ist, d.h. es ist mehr als naheliegend, dass von den 181 Todesopfern von Geschwindigkeitsunfällen 160 oder 170 wegen eines Tempos von mehr als 130 km/h gestorben sind. Das macht unser Argument also nicht weniger valide.

      – natürlich sind wir betroffen, weil es leider nicht zu vermeiden ist, gelegentlich auch auf der Autobahn zu fahren.

      • 27. Januar 2019 um 16:06 Uhr
        Titus von Unhold

        Hallo Ulf,

        die 181 Todesopfer von Geschwindigkeitsunfällen sind aber doch nicht nur Unfälle von über 130. Das statistische Bundesamt erfasst auch den Dorftrottel der mit 90 oder 100 (bei erlaubten 130) in die Nebelwand oder über die im Herbst bei 4 Grad vereiste Brücke fährt unter “Nicht angepasster Geschwindigkeit”.

      • “– dass in den USA mehr Leute im Straßenverkehr sterben, spricht nicht dagegen, dass bei uns nicht noch weniger sterben würden, wenn es ein Limit gäbe”
        Also nur weil man statistisch zeigen kann, dass in Ländern mit Tempolimit nicht weniger Menschen im Verkehr sterben, heißt das nicht, dass ein Tempolimit nicht sinnvoll wäre?
        https://www.welt.de/politik/ausland/article153722917/Zahl-der-Verkehrstoten-in-Europa-erstmals-wieder-gestiegen.html#cs-DWO-AP-Verkehrstote-neu-1-jpg.jpg
        5 Länder haben ein Tempolimit und weniger Verkehrstote/1Mio Einwohner. 18 Länder haben ein Tempolimit und mehr Verkehrstote/1Mio Einwohner.

        “– natürlich rasen nicht nur Laster in Stauenden, sondern auch Autos, vgl ”
        Anekdoten als Grund für generelle Verbote?

        “– mit 80 oder 120 fährt sich auf der Autobahn kaum jemand zu Tode, einfach weil die kinetische Energie relativ gering und die passive Sicherheit der Fahrzeuge dafür gut genug ist”
        Sag das mal den Menschen, die sich auf der Landstraße totfahren. Die wissen das noch nicht.

        “d.h. es ist mehr als naheliegend, dass von den 181 Todesopfern von Geschwindigkeitsunfällen 160 oder 170 wegen eines Tempos von mehr als 130 km/h gestorben sind.”
        Also weißt du bereits, dass die schwache Statistik. mit der du das generelle Verbot begründest, eine unbekannte Zahl an irrelevanter Fälle beinhaltet. Aber das ist für dich kein Grund deine Grundlage zu prüfen, stattdessen wischt du Kritik weg und sagst “und wenn schon, ist trotzdem so”. Klingt für mich sehr post-faktisch.

      • – dass in den USA mehr Leute im Straßenverkehr sterben, spricht nicht dagegen, dass bei uns nicht noch weniger sterben würden, wenn es ein Limit gäbe

        Wie auch der andere Kommentar nahelegt kann man keinen direkten Zusammenhang zwischen Verkehrstoten und Tempolimit herstellen. Es scheint also zumindest auch andere Faktoren zu geben, die einfach ausgeblendet werden, die aber auch bedeutsamer sein können. Wir wissen es einfach nicht.

        – natürlich rasen nicht nur Laster in Stauenden, sondern auch Autos,

        das war gar nicht der Punkt, es gibt beides aber der Laster hat trotz Tempo 80 ein leicht höheres Schadenspotential und ist die vermutlich häufigere Variante. Normalerweise kündigt sich ein Stau durch höhere Verkehrsdichte an, da kommt der Manager schon nicht mehr mit 250 durch, der 40t mit 80 aber schon und beide kommen auf ziemlich ähnliche kinetische Energieniveaus.

        Außerdem war die Stelle als Überspitzung gekennzeichnet, das ist ein Podcast und keine Dissertation.

        Ihr macht ein journalistisches Format, da sollte man die Standards nicht nach Gutdünken wechseln, und auch eine Überspitzung sollte durch Fakten gedeckt sein.

        – mit 80 oder 120 fährt sich auf der Autobahn kaum jemand zu Tode, einfach weil die kinetische Energie relativ gering und die passive Sicherheit der Fahrzeuge dafür gut genug ist, d.h. es ist mehr als naheliegend, dass von den 181 Todesopfern von Geschwindigkeitsunfällen 160 oder 170 wegen eines Tempos von mehr als 130 km/h gestorben sind. Das macht unser Argument also nicht weniger valide.

        Das macht es das schon, weil das in keiner Statistik erfasst wird, und man kann auf den vorhandenen Zahlen einfach keine Aussage dazu treffen. Alles was du äußerst ist nicht mehr als eine Behauptung und ein Bauchgefühl. Es wird auch nicht erfasst, wie viele dieser Unfälle in Bereichen mit Tempolimit passieren, denn nur die Unfälle in unbeschränkten Bereichen könnten potentiell durch ein generelles Tempolimit vermieden oder gelindert werden, an den anderen Stelle wurde das Tempolimit schon heute missachtet. Wer mit 80 oder 120 einen Brückenpfeiler trifft oder stumpf in der Leitplanke landet, wird wahrscheinlich sterben, noch dazu sind nicht alle Autos auf deutschen Straßen Neuwagen.

    • Es gibt wohl erstaunlich wenig Forschungsergebnisse dazu (Meine Vermutung: Bundesregierung und Automobilindustrie wollen lieber nicht forschen, weil sie wissen, dass sie das Ergebnis nicht mögen werden), aber es gibt eine Zahl, die ich überzeugend finde:

      Eine Untersuchung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) im Jahr 2016 [ergab], dass auf Abschnitten mit einem Tempolimit pro Kilometer rund 26 Prozent weniger Menschen tödlich verunglückten als auf Strecken ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Die Zahl der Schwerverletzten sei auf Strecken mit Tempolimit um 17 Prozent geringer.

      http://www.spiegel.de/auto/aktuell/beim-tempolimit-fuer-autobahnen-ist-deutschland-gespalten-ard-deutschlandtrend-a-1249856.html

      Hier werden mal halbwegs Äpfel mit Äpfeln verglichen (deutsche Autobahn mit Tempolimit mit deutscher Autobahn ohne). Und dabei sollte man auch bedenken, dass Tempolimits vor allem bei stark belasteten bzw. gefährlichen Abschnitten eingerichtet werden. Hätten Tempolimits also keinen besonderen Effekt, sollten in diesen Abschnitten deutlich mehr Menschen sterben.

  47. So da bin ich mal gespannt ob mein Kommentar hier am Ende der Liste noch gewicht hat, aber ein Versuch ist es ja Wert.

    Ich fginde es ganz interessant wie aktuell die Debatte zum Tempolimit abläuft, es gibt leider kaum pragmatische Anästze und es spalten sich im Endeffekt nur zwei Lager ab, die einen dafür, die anderen dagegen.

    Ich bin der Meinung man sollte das wie auch schon Ulf und Phillip oft an anderen stellen erwähnt haben, durch montäre Anreizsysteme schaffen. Einsereits geht es mir hier um eine Erweiterung der CO2 Emissionspapiere auch auf den individuellen Verkehr, das heißt eine Erhöhung der Steuer auf Benzin und Diesel, das würde sich dann automatisch in den Geldbeuteln der schnell Fahrer bemerkbar machen, würde aber die individuelle Freiheit kaum einschränken.

    Desweiteren finde ich eine Erneurerung des Deutschen Bussgeldkatalogs für essentiel. Wenn wir uns die Strafen für überhöhte Geschwindigkeiten mal anschauen liegt Deutschland im unteren Drittel in Europa. Auch wenn das keine Auswirkung auf die Geschwindigkeiten von 250 km/h hat, hat es eine Auswirkung auf das ständige Drengeln auf deutschen Autobahnen. Selbst wenn man in einer 120er Zone schon 130 fährt kommt von hinten jmd mit 140kmh an und gibt Lichthupe. Dieses Verhalten habe ich in anderen Ländern mit allgemeinen Tempolimit noch nie erlebet, was aber auch an den höheren Strafen liegen kann.

    Ein super Beispiel hierfür und vor allem eine faire Bestrafung ist die der Finnen, bei denen ein Tagessätze je nach schwere der Geschwindigkeitsüberschreitung gezahlt werden müssen. Dann interessiert es nämlich auch salopp gesagt den Mercedes Fahrer ob er 20kmh zu schnell fährt.

  48. Wenn es beim Tempolimit wirklich um Menschenleben geht, warum wird dann nicht auch die 0,0 Promille-Grenze gefordert?

    Wenn wirklich CO2 eingespart werden soll, warum gibt es seit 10 Jahren immer noch keinen großen Wurf zur Förderung der energetischen Gebäudesanierung?

      • Ich denke nicht, dass der Verweis auf Derailing hier zielführend ist.

        Es wird immer gesagt, man könne ja das eine tun ohne das andere zu lassen – aber ist oft nicht zutreffend, da die Ressourcen oft begrenzt sind.
        In der Zeit, in der ich mich mit der Debatte um ein Tempolimit beschäftige, kann ich mich nicht mit der Debatte um bspw. Gebäudesanierung beschäftigen.

        Und in dem Kontext ist der Kommentar des OP durchaus berechtigt, da es für die beiden erhofften Ziele eines Tempolimits (weniger vermeidbare Todesfälle und CO2-Ausstoß) viel tiefer hängende Früchte gibt – und jede Sekunde, die über ein Tempolimit diskutiert wird, wird nicht über multiresistente Krankenhauskeime (~30.000 vermeidbare Tote jährlich) oder eben Gebäudedämmung diskutiert.

        Wenn man wirklich CO2 einsparen will, warum diskutiert man dann über ein Thema, bei dem man keine Chance hat, irgendwas zu erreichen?
        Wenn man wirklich Leben retten will, warum diskutiert man dann über ein Thema, bei dem man keine Chance hat, irgendwas zu erreichen?´

        Derailing ist es, wenn der Kommentar nur ablenkt, ohne einen irgendwie weiterzubringen – aber die Frage nach dem Sinn einer Maßnahme (und dadurch nach dem Sinn einer Debatte darüber) kann einen sehr wohl weiterbringen.

        Ihr macht das ja selber oft; z.B. wenn es um neue Sicherheitsgesetze geht, wo oft zu Recht anmerkt, dass andere Maßnahmen (z.B. mehr Personal) viel sinnvoller wären.
        Nach deiner Lesart wäre das Derailing, weil die Frage nach mehr Personal ja nicht zur Debatte steht – es geht ja um mehr Befugnisse.

        Und bevor das jetzt falsch rüberkommt: ich finde eure Themensetzung und -gewichtung für diese Lage gut (inkl. der Debatte über das Tempolimit).
        Aber das ändert nichts daran, dass sie IMHO eine Nebelkerze ist: sie erregt die Gemüter, fast jeder hat eine Meinung dazu, sie nimmt ein. Gleichzeitig ist die Situation so verfahren, dass sich auf absehbare Zeit nichts ändern wird; d.h. die Politiker beider Lager können sich profilieren, ohne irgendwas machen zu müssen oder gar Gelder zu investieren.

      • Hallo Ulf,
        das klingt erstmal nach Derailing. Ich halte einen Vergleich allerdings für zulässig. Gängige Praxis in der Arbeitssicherheit und sicherlich auch im Verkehrswesen ist folgende: Ein Risiko wird bewertet. Schwere und Eintrittswahrscheinlichkeit werden berücksichtigt. Dementsprechend werden Sicherheitsmaßnahmen definiert. Ein Beispiel: Wenn die Abschaltung einer Starkstromleitung zur Wartung mit folgenden 5 Sicherheitsmaßnahmen abgesichert ist (Freigabe vom E-Werk, Erdungsstange angebracht, etc.) sterben nur x von y (z.B. 1 von 1 Mio. Menschen – bitte mich nicht auf diese Zahl festlegen). Somit ist diese Tätigkeit ausreichend abgesichert und gilt als ausreichend sicher. Absolute Sicherheit gibt es nicht. Ich denke, mit z.B. Zebrastreifen wird es sich ähnlich verhalten – Blinklicht, Schild, Halteverbot, Streifen, gut einsehbar, weniger als x Tote / Verletzte -> sicher. Ohne das Thema tiefer durchdrungen zu haben, kann jemand eben auch vergleichend argumentieren: Wenn schnell fahren auf der Autobahn verboten werden soll, müsste dann nicht auch das Anbieten von Heißluftballon-Mitfahrten verboten werden? Fakt ist: Unschuldige Opfer wird es immer geben – im Flugverkehr, im Straßenverkehr, im Beruf, bei der Hausarbeit, im Kriegseinsatz, etc. Sicherheit wird immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung bleiben.

  49. Tempolimit und Tempomat:

    Ich fahre einen Dienstwagen mit großem Motor. Ich fahre regelmäßig, aber nicht oft die A2 und A7 entlang. Dann auch mal 200, linker Fahrstreifen, nicht drängelnd. Zeitersparnis auf die 4h Gesamtstrecke vielleicht 20 Minuten.

    Trotzdem unterstütze ich ein Tempolimit und finde das mehr als sinnvoll. Gerne auch 120.

    Einhergehend damit sollte der Tempomat jedoch verpflichtend eingeführt werden. Diese Funktion wird von vielen nicht genutzt oder gar verstanden. Ich könnte gar nicht mehr fahren ohne. Bei mir persönlich entsteht ein großes Unverständnis, wenn Fahrzeuge ständig die Geschwindigkeit im Rahmen von +/- 10 km/h ändern, wenn man selber konstant z.B. 130 km/h fährt. Das liegt meist daran, weil der/die FahrerIn sich nicht konzentriert und die Geschwindigkeit nicht prüft. Wenn sich alle bei 130 km/h oder einer anderen Geschwindigkeit „einrasten“, sollte doch eigentlich der Verkehr fließen…

    In diesen Momenten fahre ich lieber unvernünftig 180 oder 200 und brauche mich nicht zu kümmern, wenn andere ihre Geschwindigkeit nicht halten können. (Kein Argument, ich weiß)

    Also, her mit dem Tempolimit und bitte auch die Pflicht zum Nutzen des Tempomats!

  50. Welchen Handlungsdruck sollte denn (alleine) eine dreistellige Jahrestotenanzahl aus Geschwindigkeitsfreigabe schon erzeugen, wenn eine fünfstellige Jahrestotenzahl infolge Antibiotika-resistenter Krankenhauskeime den Einsatz von Reserveantibiotika in der Massentierhaltung nicht unterbinden?

    • Beides scheinen mir krasse Fälle zu sein, wo Lobbyismus der Fleisch- bzw. Autoproduzenten eine vernünftige Lösung verhindert.

      • Hallo Ulf,
        gibt es eine Quellen-Angabe zu der Behauptung, die Autoindustrie würde durch Lobbyismus versuchen eine Geschwindigkeitsbegrenzung abzuwenden?
        Ich frage mich nur, was deren Interesse sein könnte. Das Argument mit dem auf Deutschen Autobahnen getestet – Image – bessere Qualität erscheint mir zu schwammig. Immerhin gibt es in einigen Ländern Modelle, die noch nicht mal in Deutschland verkauft werden und auch nicht in Deutschland produziert werden, aber dennoch großen Absatz haben. Auch sind die Umsatz-stärksten Modelle aller großen Autohersteller die Mittelklasse-Wagen mit mäßiger Motorisierung. Ein Tempolimit in Deutschland würde den Herstellern sicher nicht das Genick brechen, zumal es im Markt Europa außer Deutschland eh Tempolimit gibt, dazu in China und USA.
        Im Voraus vielen Dank
        Grüße

  51. Ein downsizing von Autos durch ein Tempolimit wird es nicht geben. Das zeigt die Empirie aus anderen Ländern. Auch in Ländern mit 120 Tempolimit gibt es mehr und mehr sehr leistungsstarke SUV. Das ist vielmehr ein indirekter Wunsch nach mehr Sicherheit/ Schutz vor fremden, wenn man in seinem Panzer unterwegs ist.

    Wesentlich höhere Steuern auf SUV oder sehr hohe Motorleistung können dem Trend entgegenwirken.

  52. In der heutigen Folge hat mich geärgert, dass ihr Gegenargumente zum Tempolimit als quasi nicht existent von der Hand gewunken habt.

    Allein der Diskussion und umfassenden Bewertung wegen habe ich kurz nachgedacht und auf die Schnelle zehn Punkte gefunden, die dagegen sprechen. Nur als Beispiel, denn das Thema ist in meinen Augen komplexer als ein polemisches “Wie viele Opfer müssen unsere Notärzte noch von der Straße kratzen?”

    1. Deutschland hat eine intensive und teure Fahrschulausbildung und strikte TÜV-Überwachung. Fahrer, Fahrbahn und Fahrzeuge sind also gut für hohe Geschwindigkeiten vorbereitet.

    2. Die überwältigende Mehrheit der Autofahrer passt die Reisegeschwindigkeit verantwortungsvoll an die Verkehrssituation an.

    3. Die Todeszahlen auf Autobahnen sind seit Jahren rückläufig.

    4. Die hohe technische Komplexität fördert stetige Innovation im Fahrzeug- und Straßenbau. Dies fördert den Forschungsstandort Deutschlands.

    5. Die Geschwindigkeit ist einer der letzten unregulierten Freiheitsrechte des mündigen Bürgers. Hau-Ruck-mäßige Verbote sorgen für Frustration und treiben der AFD Wähler in die Arme.

    6. Geschäftsleute, die schnellstmöglich von Termin zu Termin reisen können sorgen so für mehr Umsatz und ein höheres Bruttoinlandsprodukt.

    7. Autos mit leistungsstarken Motoren sind teuer. Dies hilft der deutschen Autoindustrie und sorgt für hohe Steuereinnahmen.

    8. Die anspruchsvollen hohen Geschwindigkeiten sorgen für stete Aufmerksamkeit. Bei einem generellen Limit von 120 schaut man hingegen vielleicht öfter mal aufs Handy.

    9. Hoher Spritverbrauch ist teuer. Schnellfahrer haben also meist einen triftigen Grund für die Eile.

    10. Im Ausland sorgt der unlimitierte deutsche Fahrstil für ein verantwortungsbewusstes Image und Anerkennung.

    • Die meisten dieser Punkte haben wir erwähnt – andere nicht, weil jedenfalls ich sie für eher skurril halte.

      Beispiel: Ja, wir haben eine gute Ausbildung (wenn auch im internationalen Vergleich nicht besonders gute Straßen, da machst du dir was vor). Aber dass all das nicht reicht, um Tempo 180 oder 250 zu beherrschen, zeigen ja die Unfallzahlen.

      Und dass die Lizenz zur Raserei „im Ausland“ irgendwie bewundert würde ist mir noch nicht untergekommen – sonst läge es ja nahe, die eigenen Tempolimits abzuschaffen. Macht aber niemand (!) sonst auf der Welt, aus gutem Grund.

    • Huiuiui, das ist ja praktisch das Handbuch der Autolobby als ein post zusammengefasst! Na dann nehmen wir das doch mal auseinander.

      Die „Gegenargumente“ wurden völlig zu Recht von der Hand gewunken, weil sie praktisch alle PR sind:

      1. These: Deutsche Autos und Ihre Fahrer sind so gut wegen TÜV und sauteurer Fahrschule.

      Antwort: Stimmt. Dass das zum Teil auch nur deshalb nötig ist, weil man hier mit 200 Sachen über die Autobahn brettern kann, zeigt aber, dass das Argument ein klassischer Zirkelschluss ist.

      2. These: Die Mehrheit fährt langsam genug bzw passt sich an.

      Antwort: Super Sache! Warum dann eine Ausnahme für die Deppen, die eben nicht in der Lage sind, ein paar Tonnen Stahl auf 200 zu beschleunigen und dann auch zu kontrollieren? Und wo kommen dann die ganzen Verkehrstoten/-verletzten her, wenn doch alle so vernünftig sind?

      3. These: Die Todeszahlen sinken eh, es gibt keinen Handlungsbedarf.

      Antwort: Kommt drauf an. Wir sind bei ein paar hundert Toten pro Jahr. 180 wegen Geschwindigkeit sagten sie im Podcast. Wie schnell kommen wir auf 0 wenn wir a) kein Tempolimit haben oder b) 130 km/h haben?

      4. These: Kein Tempolimit hilft, Innovationsfähigkeit der deutschen Industrie hochzuhalten. Gilt auch für Strassen.

      Antwort: Die Welt schwenkt gerade auf E-Auto um. Deutschland täte gut daran, endlich den Schuß zu hören und seine Innovationsfähigkeit darauf zu richten. Ausser bei uns kann eh keine Sau so schnell fahren.

      5. These: Autofahren ist die letzte Freiheit der Bürger. Wer Tempolimit will, ärgert die Bürger und hilft der AfD.

      Antwort: Ich weiß gar nicht, was für ein trauriges Leben man haben muss, um Autofahrten bei 200+ als letzte Bastion der Freiheit zu sehen. Wer das so sieht, den darf man evtl. daran erinnern, dass hier freie Berufswahl, Partnerwahl, Arztwahl, Wohnort, Studienwahl, [ewig lange Liste hier einsetzen] herrscht. Jeder darf hier sagen, was er möchte (mit sehr wenigen, sehr gut begründeten Ausnahmen) und wann er es möchte. Und dann übers Tempolimit wegen fehlender Freiheit jammern?

      Zuletzt sei erwähnt, dass alle unsere Nachbarländer so ein Tempolimit haben. Ich sehe nicht, dass deren Freiheit dadurch in Gefahr wäre.

      6. These: Schneller fahren ist gut für Geschäftsleute, weil sie dann mehr erwirtschaften können.

      Antwort: Hmm. Gar kein schlechter Punkt. Der erste, dem ich zustimmen könnte. Allerdings müsste man dann auch die Kosten gegenrechnen: Wieviel kostet uns der erhöhte Aufwand an Rettungskräften, Noteinsätzen, Krankenhäusern, MPU, Punktekartei in Flensburg? Kommen wir da wirklich mit einem Plus raus?

      7. These: Schnelle Autos mit leistungsstarken Motoren sind teuer und das ist gut; u. a. wegen Steuereinnahmen.

      Antwort: Leistungsstarke Motoren sind unnötige CO2- und Feinstaubschleudern, die verantwortlich sind für Tote und unser Klima an den Rand des Kollaps bringen. Auch hier: was kostet uns das wohl? Wer rechnen will, der sollte alle Posten miteinbeziehen!

      8. These: Wer schnell fährt ist konzentriert. Bei 120 schaut man vielleicht aufs Handy vor Langeweile.

      Antwort: Tjoa. Vielleicht ist das so. Vielleicht fangen auch die Vornamen der Leute, die gern schnell fahren, mit M an? Oder vielleicht regnet es übermorgen? Es gibt ja so viele Möglichkeiten … falls das Handy-Problem real wäre, würden wir das in unseren Nachbarländern mit Tempolimit sehen und die deutsche Autolobby hätte das schon längst ausgeschlachtet.

      9. These: Wer schnell fährt hat bestimmt einen guten Grund.

      Antwort: Nö. Wer falsch parkt hat sicher auch nen guten Grund. Ist aber trotzdem nicht erlaubt. Über Rot fahren genauso. Warum also beim Tempo alles anders machen als sonst?

      10. These: Kein Tempolimit kommt gut im Ausland.

      Antwort: Das kann sein. Aber was bringt uns das? Oder den 180 armen Schweinen, die „fürs Image“ draufgegangen sind?

      Alles in allem ist diese ganze „Freies Fahren für freie Bürger“ nichts anderes als ein PR stunt, der kompletter Quatsch ist. Autofahrer sind genauso frei wie der Marlboro Mann am Lagerfeuer. Nämlich gar nicht! Der Staat subventioniert Strassenbau und Verkehr mit Milliarden. Eine ganze Industrie macht nichts anderes als Benzin (Tankstellen) und Ersatzteile (Werkstätten) durchs ganze Land zu fahren, damit Autofahrer das Gefühl von Freiheit haben. Tatsächlich muss eine hochkomplexe Infrastruktur aufrechterhalten werden. Freiheit sieht anders aus.

      • Hallo Bene,
        danke für deine euphorisch unsachliche und spöttische Einleitung zum Beitrag von Friedrich.
        1. Das Argument, dass eine gute Ausbildung Menschen dazu befähigt Tätigkeiten gut auszuüben, halte ich für zulässig.
        2. Um deine Frage zu beantworten: Verkehrstote gibt es aus vielerlei Gründen. Ein Argument kann ich in deinen Ausführungen nicht erkennen.
        3. Der Begriff “Geschwindigkeitsunfall” umfasst jeden Unfall, der durch geringere Geschwindigkeit verhindert werden hätte können. So auch der Auffahrunfall bei 30 km/h im Nebel. Um deine Frage zu beantworten: a.): Nie. b.) Nie
        4. Wie du der Presse entnehmen kannst, werden gerade in Deutschland mehrere Batterie-Fabriken gebaut und in allen Automobilunternehmen E-Fahrzeuge entwickelt.
        5. Kein Inhalt. Nur Polemik
        6. Kannst du die Kosten bitte überschlagen, oder bleibt es wieder bei einer Frage? Nach kurzer Überlegung würde ich annehmen, dass die von dir genannten Kosten durch ein Tempolimit nicht wesentlich sinken würden.
        7. Darauf will ich nicht antworten, weil ich Friedrich’s Argument nicht unterstütze
        8. Gefühlt würde ich Friedrich Recht geben. Leider finde ich die Studie aus den 90ern über Tempolimits nicht mehr. Ich erinnere mich, dass das Ergebnis ähnlich war – Ablenkung, mangelnde Konzentration. Zu deinem Argument: Es gibt einige Nachbarländer mit Tempolimit und höheren Unfall-Zahlen.
        9. Der Vergleich ist unzulässig, da schnell fahren erlaubt ist.
        10. Wie gesagt – ich zweifle diese Statistik an.
        Dein Schlusswort lässt darauf schließen, dass du das Autofahren, oder gar Verkehr im Allgemeinen verbieten willst. Immerhin muss diese Infrastruktur auch mit Tempolimit aufrechterhalten werden.
        Bitte verstehe mich nicht falsch – ich stimme nicht in allen Punkten mit Friedrich überein. Aber, um auf den Spott deiner Einleitung zu reagieren: Deine Argumentation hat Stammtisch-Niveau.

    • 1. “Deutschland hat eine intensive und teure Fahrschulausbildung”

      Das ist kein Argument dafür, dass wir ohne Tempolimit besser dran wären.

      2. “Die überwältigende Mehrheit der Autofahrer passt die Reisegeschwindigkeit verantwortungsvoll an die Verkehrssituation an.”

      Das ist kein Argument dafür, dass wir ohne Tempolimit besser dran wären. Und hat nichts mit CO2-Ausstoß zu tun.

      3. “Die Todeszahlen auf Autobahnen sind seit Jahren rückläufig.”

      Das ist sehr erfreulich (verglichen zu heute sind die Zahlen aus den 1990ern erschreckend), ist aber wiederum kein Argument für oder wider Tempolimit.

      4. “Die hohe technische Komplexität fördert stetige Innovation im Fahrzeug- und Straßenbau.”

      Ich sehe keinen Zusammenhang mit dem Fahrtempo.

      5. “Die Geschwindigkeit ist einer der letzten unregulierten Freiheitsrechte des mündigen Bürgers.”

      Glücklicherweise sind wir noch nicht so weit.

      6. “Geschäftsleute, die schnellstmöglich von Termin zu Termin reisen können sorgen so für mehr Umsatz und ein höheres Bruttoinlandsprodukt.”

      Das klingt für mich wie eine gewagte These. Gegenthese: Wenn Geschäftsleute wg Tempolimit am Abend vorher zum Ort des Geschäftstermines reisen und im Hotel übernachten müssen, führt das zu mehr Umsatz in den Hotels und Restaurants und damit zu gesteigertem Bruttoinlandsprodukt und mehr Steuereinnahmen. Oder sie fahren dann sogar mit der Bahn, und können während der Bahnfahrt sogar noch produktiv sein.

      7. “Autos mit leistungsstarken Motoren sind teuer. Dies hilft der deutschen Autoindustrie und sorgt für hohe Steuereinnahmen.”

      Innovation in anderen Bereichen der Automobiltechnik würden der deutschen Autoindustrie deutlich mehr helfen, insofern hätte es längerfristig etwas Gutes den Markt für leistungsstarke Motoren in Autos zu verkleinern.

      8. “Die anspruchsvollen hohen Geschwindigkeiten sorgen für stete Aufmerksamkeit. Bei einem generellen Limit von 120 schaut man hingegen vielleicht öfter mal aufs Handy.”

      Vielleicht, vielleicht auch nicht. Die Aussage widerspricht aber den Argumenten dass die überwiegende Mehrheit der Autofahrer verantwortungsvoll fährt. Es ist schwer zu sagen wieviele und wie starke Unfälle dazu kommen könnten weil mehr Fahrer bei 120 aufs Handy schauen, gegenüber wieviele und wie starke Unfälle wir weniger haben können weil weniger Fahrer bei 200 km/h doch auch mal auf’s Handy schauen. Die Aussagen über CO2-Ausstoß sind davon unberührt.

      9. “Hoher Spritverbrauch ist teuer. Schnellfahrer haben also meist einen triftigen Grund für die Eile.”

      Das bezweifle ich _sehr_ stark.

      10. “Im Ausland sorgt der unlimitierte deutsche Fahrstil für ein verantwortungsbewusstes Image und Anerkennung.”

      Ist das so? Image ist schwierig messbar, und es ist nicht gesagt, dass ein Tempolimit einzuführen nicht auch ein positives Image erzeugen kann oder irgendein existierendes positives Image verschlechtern würde.

  53. Zu Venezuela:
    Im Podcast wurde gefragt, ob denn nicht ein Gericht die Wahlen überprüfen würde. Dazu ein paar sehr interessante Zeilen aus dem Economist:

    Mr Maduro has his predecessor to thank for his survival. During his 14-year presidency, Hugo Chávez systematically weakened all the main institutions in the country, stacking everything in the ruling party’s favour, and ensuring opposition-led change would be challenging or impossible. Venezuela’s supreme court, the judiciary and the armed forces are all to varying degrees under the thumb of the president. Only one institution remains independent, and that is the national assembly. It became opposition-controlled after a massive swing vote in December 2015. But that has not really mattered to Mr Maduro. He can instruct his compliant supreme court to overrule the assembly as required. Similarly, when a referendum against Mr Maduro looked set to cut short his rule last year, another institution, the electoral council, did the president’s dirty work by delaying and eventually blocking the vote.

    Quelle: ​https://www.economist.com/the-economist-explains/2017/05/10/why-is-venezuelas-nicolas-maduro-still-in-power

    Da sieht man, wie wichtig unabhängige Gerichte sind und weshalb der Umgang der polnischen Regierung mit ihrem Verfassungsgericht so besorgniserregend ist.

  54. Zum Tempolimit ein Kommentar von mir als “Vielfahrer” auf der Autobahn.

    Ich fahre jede Woche etwa 300-400km Autobahn. Ich fahre oft am frühen morgen oder späten Abend bzw. nachts, die Autobahnen sind dann sehr leer.
    Wenn ich normal fahre bin ich etwa mit 180kmh unterwegs, wenn ich zügig fahre dann ca. mit 220-250kmh, wenn ich jetzt reguliert werde auf 120 oder 130kmh, brauche ich für die selbe Strecke auf der Autobahn 30-50% länger, da freu ich mich ja richtig drauf.

    Hinzukommt, dass ich mir mit meinem Geld nicht umsonst ein schnelles Auto gekauft haben möchte, es macht mir Spaß schnell zu fahren.

    Die Autos werden immer sicherer, moderner und effizienter und wir limitieren jetzt?
    Was für ein Schwachsinn und was für Rückschritt wäre das?

    Zum Umweltaspekt, wir können im Umkehrschluss auch die ICE auf 120kmh drosseln und die Regiobahn auf 60kmh, oder auf Landstraßen ein generelles Tempolimit von 50kmh und in Städten 30kmh (Motoren/Getriebe müssten angepasst werden, Autos verbrauchen bei 30kmh mehr Benzin als bei 50kmh). Das würde der Umwelt und den Wildtieren auch helfen und weniger Unfalltote kosten. Wir können auch noch den Kamin im Wohnzimmer verbieten, oder den BBQ Grill, oder Inlandsflüge, oder Fleisch – das würde auch alles Treibhausgase reduzieren und der Umwelt helfen – das sind doch richtig tolle Ideen, oder?
    Uuuppsss! Jetzt betrifft es euch plötzlich selber, wie denk ihr jetzt darüber? Wenn ihr plötzlich doppelt so lange im Zug sitzt?

    Am falschen Ende sparen nennen ich das.

    Man kann immer vom Hundertstel ins Tausendstel kommen. Wegen 0,3% weniger CO2-Emissionen ein solches Tempolimit, was mindesten 50% der Menschen ablehnen (unter Autofahrern sind es wahrscheinlich eher so 70%) ist wirklich eine Schnapsidee. Die die am lautesten nach Tempolimits schreien, sind die die selten bis gar nicht Autobahn fahren.
    Ich zahle mit dem Sprit den ich kaufe Steuern, und ich möchte mein Auto, was 250kmh fahren kann, auch mit 250kmh bewegen dürfen. Dafür hab ich es gekauft und dafür sind unsere Autobahnen auch ausgelegt.

    Bei der Industrie muss angesetzt werden um Autos sauberer zu machen.

    Ihr wollt Stop & Go auf der Autobahn vermeiden? Allgemeines Überholverbot für LKW! Baustellen müssen auch nicht 8 Monate bestehen, weil die billigste Firma den Zuschlag bekommt, 50 Baustellen gleichzeitig betreibt, aber keine davon richtig und Mittelspurschleicher sollten konsequent und hart bestraft werden, das wären sinnvolle Ansätze.

    Weiterhin wäre kostenloser öffentlicher Personennahverkehr und eine ordentliche und pünktliche Bahn eine Lösung, außerdem Güterverkehr runter von der Straße.

    Es gibt so viele Möglichkeiten und Lösungen und ihr kommt mit dem Tempolimit auf der Autobahn. -_-

    • Hallo Martin,
      die Industrie hat aktuell leider nicht die Ressourcen (Zeit, Geld und Personal) an der Weiterentwicklung der Fahrzeuge zu arbeiten, weil sie von der Politik (EU und innerhalb der EU hauptsächlich von Frankreich) genötigt wird (durch Auflagen und Förderungen) Elektrofahrzeuge zu entwickeln, auch wenn diese Technologie nach heutigem Kenntnisstand eine Totgeburt ist. Der Kausale Zusammenhang ist folgender: Politiker und andere Automobil-Laien wollen den Wählern zeigen, dass sie für umweltfreundliche Politik stehen und einer ihrer Punkte auf der Agenda ist Elektrofahrzeuge. Der breiten Öffentlichkeit werden Elektrofahrzeuge als umweltfreundlich angepriesen. Die Presse hinterfragt das nur sporadisch, teilweise und dementiert in der Regel nicht. Die Öffentlichkeit ist getäuscht. Nun müssen auch die großen Parteien auf den Zug aufspringen – um der getäuschten Wähler Willen. Nun kommen Länder wie Frankreich und China, die bei der Entwicklung konventioneller Antriebe den Anschluss verloren haben, oder nie hatten und wollen Elektromobilität zukünftig zur Pflicht machen, um die Konkurrenz aus dem Markt zu drängen, bzw. neue Chancengleichheit zu schaffen. Außerdem sieht es in der CO2-Bilanz nett aus, wenn der Verkehr ein paar Prozent weniger ausstößt.
      Kleine Schwierigkeit, die den E-Antrieb nach heutigem Stand noch zu einer Totgeburt macht: Es gibt keinen geeigneten Energiespeicher. Der, den es gibt, ist die Batterie. Diese hat eine sehr kleine Energiedichte (viel Gewicht, wenig Energie) und eine allzu begrenzte Lebensdauer. Außerdem eine geringe Leistung bei Kälte. Dazu enthält sie seltene Rohrstoffe, die teilweise unter Menschen-unwürdigen Bedingungen in ungesicherten Bergwerken in Afrika gewonnen werden und die in der Menge so limitiert sind, dass eine flächendeckende Einführung von E-Mobilität nach heutigem Stand unmöglich ist. Die Ökobilanz des Elektroautos in seiner Gesamtheit (inklusive Energiespeicher – Batterie) ist schlechter als die von konventionellen Antrieben. Dazu kommt eine politische Abhängigkeit von (noch mehr) politisch fragwürdigen Staaten (als bisher eh schon).
      Wenn du es also schaffst die Menschheit davon zu überzeugen, dass E-Antriebe nicht der Weg in die automobile Zukunft ist, kann sich die Autoindustrie wieder der Weiterentwicklung konventioneller Antriebe und der Wasserstoff-Technologie widmen und dir auch zukünftig wieder jedes Jahr ein Auto bauen, das ein Bisschen besser ist als das letzte.

    • Das Verbot von Kaminöfen ist schon lange überfällig:
      https://bilder.t-online.de/b/84/60/00/14/id_84600014/tid_da/feinstaubausstoss-verschiedener-heizanlagentypen-im-vergleich-.png

      Oder um es mit Kachelmanns Worten zu sagen: “Wie konnte es so weit kommen, dass eine zu Recht verpönte, für die Katastrophe des London-Smog verantwortliche, unendlich dreckige Steinzeittechnologie cool wurde?”

      https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_84599106/kachelmanns-donnerwetter-diesel-die-politik-ignoriert-ein-groesseres-problem.html

    • Bester Kommentar :D

    • Spannende Frage: was ist für dich ein Mittelspurschleicher?

      Nehmen wir an ich fahre Richtgeschwindigkeit 130. Aufgrund der LKW fahr ich also Mitte.
      Ich werde von jemandem überholt, der der Meinung ist mit 150Km/h reisen zu müssen. Jetzt kommst du mit 220+km/h an.

      Bin ich dann jetzt für dich Mittelspurschleicher und soll mich mit 40km/h langsamer bei den LKW einreihen?

  55. Zum Thema Venezuela

    Maduro gewann leicht die Präsidentschaftswahlen im Mai 2018, die von über 1500 internationalen Beobachtern für frei und fair erklärt wurden.
    http://journalcontent.mediatheoryjournal.org/index.php/mt/article/view/65/56

    Die Nationalversammlung hat ein Disapproval Rating von 70% im Land und das liegt daran das die venezolanische Opposition Massenprivatisierungen und “Hyperkapitalismus” verspricht. Wenn man einen Vergleich mit anderen südamerikanischen politischen Figuren will kann man die Leute in der Nationalversammlung mit Pinochet oder Bolsonaro vergleichen.

  56. Tempolimit als Anreiz für den Kauf von Elektro-Fahrzeugen

    Warum erschlägt man nicht zwei Fliegen mit einer Klappe: Tempolimit 130 auf Autobahnen nur für Autos mit fossilen Krafstoffen und somit freie Fahrt für Elektro-Fahrzeuge (mit Öko-Strom).
    Dann hätten alle was davon: die Umwelt, die Menschen und die Autoindustrie ;-)

    • … weil Elektro-Fahrzeuge auch mit Ökostrom keineswegs ökologisch sind. Elektro-Fahrzeuge sind die größte Umwelt-Lüge der Gegenwart. Nebenbei: Elektrofahrzeuge die längere Strecken über 130 km/h fahren können, sind Sportwagen – und damit noch weniger umweltfreundlich.

  57. Zum Thema Gefährdung durch schnelles Fahren auf Autobahn:
    1.) Ein Unfall mit hoher Geschwindigkeit wird sicherlich schwerer sein als mit niedriger
    2) Wenn ich von der Deutschen Autobahn auf die Österreichische wechsle und die Autos wie am Schnürchen gezogen durch die Täler gleiten, habe ich plötzlich Schwierigkeiten meine Konzentration hoch zu halten
    3.) Ein Geschwindigkeitsunfall ist immer dann, wenn die Geschwindigkeit nicht an die Verkehrs- oder Straßen-/Umwelt-Verhältnisse angepasst war. Ein Auffahrunfall bei 30 km/h im Nebel ist ein Geschwindigkeitsunfall. Wegrutschen bei Glatteis ist immer ein Geschwindigkeitsunfall, auch bei Schritttempo. Auffahren auf ein Stau-Ende, …

    Es ist für mich schwer einzusehen, auf einer gut ausgebauten, zum Teil schnurgeraden Autobahn mit wenig bis keinem Verkehr, mit Sichtweiten bis zu mehreren Kilometern (zum Beispiel wenn man in ein Tal fährt), nicht schnell fahren zu dürfen. Es kommt auf die angemessene Geschwindigkeit an. Bei viel Verkehr…, engen Kurven…, schlechter Sicht…, Regen… Ich bin dafür Verkehrsleitsysteme auszubauen. Nicht jeder kann oder möchte die Verkehrssituation und die Witterungsverhältnisse richtig einschätzen. Verkehrsleitsysteme können Stauenden und Staugefahr erkennen, überfrierende Nässe, Falschfahrer, etc. Die Auto-Industrie arbeitet gerade am autonomen und vernetzten Fahren. Wir leben nicht im Mittelalter – die Zukunft soll nicht eine pauschale Beschränkung sein, sondern eine Bedarfsgerechte.

    • Nachtrag:
      Meiner Erfahrung nach, ist es für einen gesunden Fahrer in gutem Zustand auf vielen Streckenabschnitten Deutscher Autobahnen bei geeignetem Verkehr (drei Spuren mit hoher Durchschnittsgeschwindigkeit auf den beiden linken Spuren, oder zwei Spuren ohne langsame Fahrzeuge auf der rechten Spur, z.B. Sonntags) sicher möglich 200 km/h zu fahren. Für Geschwindigkeiten über 200 km/h sind die meisten Streckenabschnitte selbst mit Supersportwagen nicht gut geeignet. Einen geeigneten Streckenabschnitt bis 300 km/h zu finden und zeitgleich die geeignete Verkehrssituation ist Glückssache. Die Gefahr sehe ich hier in Fahrern, die eine hohe Geschwindigkeit erzwingen wollen, auch wenn Verkehrssituation und Strecke ungeeignet sind – ganz vorne dabei Autobahn-Touristen, die extra nach Deutschland kommen, um schnell fahren zu können. Außerdem Fahrer, die nur eine begrenzte Zeit ein schnelles Fahrzeug zur Verfügung haben, zum Beispiel weil geliehen. Um diesen Rennsport-Tourismus einzuschränken, könnte ich mir eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 200 km/h vorstellen.

  58. Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen aus Gründen der CO2-Einsparung ist Irrsinn. CO2-Emissionen werden traditionell monetär beeinflusst / geregelt. Firmen und Länder können Emissionszertifikate Handeln. Auch im Privaten und Beruflichen ist das der richtige Weg. Der Hebel wäre demnach die KFZ-Steuer. Ein Beispiel: Der Bürger soll selbst entscheiden dürfen, ob er CO2 einsparen möchte, indem er zum Beispiel seine Heizung saniert, ein sparsames Auto kauft, auf eine Fernreise verzichtet, mit Fahrgemeinschaften zur Arbeit fährt, etc. Ein Tempolimit würde folgende groteske Situation erzeugen: Ich kaufe einen 2,7 Tonnen schweren SUV, um meine Kinder zur Schule zu bringen und danach alleine damit 80 km zur Arbeit zu fahren. Darf aber nur 130 km/h fahren. Am Wochenende fliege ich nach Monaco zum Kaffee trinken, weil’s da so schön warm ist. All diese CO2-Verschwendung ist erlaubt. Nur nicht, auf der Autobahn schnell zu fahren. Der richtige Weg: Nach dem Verursacher-Prinzip muss derjenige für den Schaden aufkommen (hier Klimawandel), der ihn verursacht. Fazit: Wenn ich schnell fahre, benötigt mein Fahrzeug viel Sprit – es gibt Steuern auf Sprit. Diese weiter zu erhöhen, wäre allerdings für Pendler ein Problem. Wenn ich ein schweres Auto mit viel Leistung fahre, erzeuge ich unnötig viel CO2 – da kann die KFZ-Steuer greifen. Wenn ich eine teure Fernreise… – Steuern, auf Kerosin, oder sonst wie. Alte Heizung ohne Brennwerttechnik – Steuern. Fleisch – Steuern, etc. Jeder kann dann selbst entscheiden, was für ihn persönlich wichtig ist und wofür er bereit ist Geld auszugeben, oder nicht. Für Firmen gilt das ähnlich. Ich würde ein Tempolimit auf Autobahnen als Einschränkung meiner Freiheitsrechte, wie Selbstbestimmung empfinden und darüber hinaus, als eine Schlechter-Stellung gegenüber Energie-Verschwendern, die nicht reguliert werden, weil sie CO2-Ausstoß auf andere Weise erzeugen.

  59. Der politische Preis für ein Tempolimit ist zu hoch!

    Ich selbst fahre zwar gerne zügig wenn frei ist, hätte aber auch kein großes Problem mit einem Tempolimit. Ich bin allerdings der Meinung, dass es bei 50% Ablehnung und so geringem Nutzen irrsinnig wäre so viele Wähler gegen sich aufzubringen.
    Ich glaube, dass das Thema für viele politisch Uninteressierte ein Dealbreaker ist und die Wahl von pro-Tempolimit-Parteien unmöglich macht.
    Gerade der „Kompromiss“ von 150, bei dem die Vorteile kaum noch erkennbar sind, spielt denen, die Linke und Grüne als autoritäre Verbotsparteien diffamieren ohne Not in die Hände.
    Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr gibt es deutlich bessere Maßnahmen wie zB mehr Geschwindigkeitskontrollen, härtere Strafen, zweite Prüfung für 70-Jährige, etc.

    • Außerdem widerspreche ich der Annahme, es gehe hier nur um elitäre Manager in Luxusautos.
      Ich glaube vielmehr, dass hier ein Stadt-Land-Gefälle besteht, was auch ein Grund dafür sein könnte, dass ihr kein Verständnis für den Spaß am schnell fahren habt und die Sprengkraft des Themas nicht seht.

      • Wir haben nicht gesagt, dass es nur um Manager in Luxusautos geht, im Gegenteil wissen wir ja von den Lagebildern und auch von den Kommentaren hier, dass viele Hörerinnen und Hörer beruflich oder privat viel auf der Autobahn unterwegs sind. Außerdem kommen wir beide vom Lande …

      • Das war eine Reaktion auf die Kommentare hier und Twitterdiskussionen bei denen man den Eindruck gewinnt dass die Autoren meist aus der Stadt kommen und kaum mit dem Thema zu tun haben. Sorry, war unpräzise

    • Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen aus Gründen der CO2-Einsparung ist Irrsinn. CO2-Emissionen werden traditionell monetär beeinflusst / geregelt. Firmen und Länder können Emissionszertifikate Handeln. Auch im Privaten und Beruflichen ist das der richtige Weg. Der Hebel wäre demnach die KFZ-Steuer. Ein Beispiel: Der Bürger soll selbst entscheiden dürfen, ob er CO2 einsparen möchte, indem er zum Beispiel seine Heizung saniert, ein sparsames Auto kauft, auf eine Fernreise verzichtet, mit Fahrgemeinschaften zur Arbeit fährt, etc. Ein Tempolimit würde folgende groteske Situation erzeugen: Ich kaufe einen 2,7 Tonnen schweren SUV, um meine Kinder zur Schule zu bringen und danach alleine damit 80 km zur Arbeit zu fahren. Darf aber nur 130 km/h fahren. Am Wochenende fliege ich nach Monaco zum Kaffee trinken, weil’s da so schön warm ist. All diese CO2-Verschwendung ist erlaubt. Nur nicht, auf der Autobahn schnell zu fahren. Der richtige Weg: Nach dem Verursacher-Prinzip muss derjenige für den Schaden aufkommen (hier Klimawandel), der ihn verursacht. Fazit: Wenn ich schnell fahre, benötigt mein Fahrzeug viel Sprit – es gibt Steuern auf Sprit. Diese weiter zu erhöhen, wäre allerdings für Pendler ein Problem. Wenn ich ein schweres Auto mit viel Leistung fahre, erzeuge ich unnötig viel CO2 – da kann die KFZ-Steuer greifen. Wenn ich eine teure Fernreise… – Steuern, auf Kerosin, oder sonst wie. Alte Heizung ohne Brennwerttechnik – Steuern. Fleisch – Steuern, etc. Jeder kann dann selbst entscheiden, was für ihn persönlich wichtig ist und wofür er bereit ist Geld auszugeben, oder nicht. Für Firmen gilt das ähnlich. Ich würde ein Tempolimit auf Autobahnen als Einschränkung meiner Freiheitsrechte, wie Selbstbestimmung empfinden und darüber hinaus, als eine Schlechter-Stellung gegenüber Energie-Verschwendern, die nicht reguliert werden, weil sie CO2-Ausstoß auf andere Weise erzeugen.

      • klar, bei der Verteuerung des CO2-Ausstoßes rennst Du bei uns offene Türen ein … nur würde das ja an den Gefahren des sehr schnellen Fahrens nichts ändern.

  60. Als venezolanischer Fan, der eigentlich noch auf diesem Land lebt, freue ich mich, dass ihr auf eurem Podcast unsere aktuelle Situation berücksichtigt. Ich danke euch sehr herzlich!

  61. Tempolimit: zur Statistik 181 Todesopfer durch Geschwindigkeitsunfall kann aber auch heißen, dass auf einer Autobahn mit Tempolimit 120 oder gar 80 z.B. wegen Baustelle, ein Unfall mit Todesfolge passierte, da ein Fahrer mit überhöhter Geschwindigkeit fuhr. In diesen Fällen hätte auch kein Tempolimit geholfen. Von daher würde ich diese Statistik mich als Argumentationsgrundlage heranziehen.

  62. Zum Tempolimit kann ich mich den Vorrednern zum Thema Niederlande zustimmen. Da erschließt sich endlich die Funktion eines Tempomaten. Total stressfreies Cruisen.
    Ich kann aber auch verstehen, wenn man bei leerer Autobahn schneller fahren will. Warum nicht ein Tempolimit von 6:00 bis 20:00?

    BTW:
    Versprecher am Anfang zum Beitrag zu Venezuela:
    “Protestanten” != “Protestierende”. Bin zwar katholisch, aber so viel Zeit muss sein. ;)

    • Halte ich auch für sinnvoll, feste Zeiten oder da wo nötig halt dynamische Regelung des Tempolimits bis zur Aufhebung bei freier Bahn.

      Ich bin mir auch nicht ganz sicher ob dieses “man fährt so entspannt” ein brauchbares, hartes Argument ist. Das ist subjektiv, und letztlich eine persönliche Befindlichkeit. Da müsste man dann auch das “ich will 180 fahren weil es mir Spaß macht” als valides Argument anerkennen.

      Was seltn erwähnt wird: die meisten Länder in Europa, Ausnahme Frankreich, sind deutlich kleiner. In Belgien oder den Niederlanden “nur” 120/130 fahren dürfen ist in dem fall weniger “Einschränkung” denn bei den geringeren Distanzen die der gemeine Bürger dort fährt macht es kaum Unterschied.

      • Schweden ist deutlich länger als Deutschland. Gibt trotzdem Tempolimit von 120-130 auf der Autobahn.
        Im Norden gibt es nicht als Autobahnen, da gibt’s dann 80- 90 km/h Landstraße für die letzten knapp 1000km nach Kiruna.

        Dein Argument zieht also nicht wirklich.

      • Nur blöd das da ganz weit oben so gut wie keine Sau wohnt. Guck Dir mal eine Karte mit der Bevölkerungsdichte an…

      • Lol, ging es um Entfernungen und Tempolimits oder um Bevölkerungsdichte?

  63. Ich sitze hier kopfschüttelnd wie man die klar antisemitische rechten Kampagnen gegen George Soros auf ein “((Finkelstein))” reduzieren kann. Traurig.

    • Zu dem Thema hat unser Interviewpartner ja bereits etwas gesagt, außerdem findet sich einiges dazu in seinem Text. Wir fanden auch weniger die konkrete Kampagne gegen Soros spannend als die dahinter stehenden Psycho-Tricks.

  64. 26. Januar 2019 um 17:49 Uhr
    Patrick Huesmann

    Zur in dieser Folge aufgeworfenen Frage nach dem Freiheitsbegriff, die mit Maßnahmen wie Tempolimit oder Staatstrojaner verbundene Abwägung (Einschränkung der Freiheit vs. Rettung von Menschenleben) und den angeführten Zahlen (gut dreistellige Anzahl Menschenleben pro Jahr, die mutmaßlich durch ein Tempolimit gerettet werden würden, vs. verschwindend geringe Anzahl durch Antiterror-Überwachungsmaßnahmen) möchte ich auf einen aktuellen Artikel von netzpolitik.org verweisen, die eine Statistik des Bundesjustizamt zur Telekommunikationsüberwachung ausgewertet haben.

    Nach dieser Auswertung wurde 2017 die überwiegende Anzahl (38.9%) der Überwachungsmaßnahmen, die ja immer mit der Terrorgefahr begründet werden, im Rahmen von Betäubungsmitteldelikten durchgeführt.
    KEINE EINZIGE Überwachungsmaßnahme wurde wegen Terror-Delikten durchgeführt.
    Das nur mal so als Fun-Fact am Rande.

    https://netzpolitik.org/2019/ueberraschung-polizei-ueberwacht-erstmals-weniger-kommunikation

  65. Tempolimit
    Aber ….Was passieren wuerde wenn der gestresste Manager sich nicht mehr auf der Autobahn abreagieren darf …denkt doch mal daran….

    • ich postuliere hiermit, dass Manager größtenteils Menschen sein müssen, die sich ihre Position unter anderem durch Weitsicht, Disziplin, Selbstreflexion und realistisches Einschätzen von Situationen erarbeitet haben.

    • Seriously? Es gibt recht spannende Studien zu den typischen Charaktereigenschaften von Spitzen-Managern. Spoiler: Weitsicht und Selbstdisziplin gehören weniger dazu, eher Narzissmus und systematisches Vertuschen selbst von krassesten Fehlentscheidungen durch enge persönliche Netzwerke, Stichwort Nieten in Nadelstreifen.

      Das soll nicht in Abrede stellen, dass es auch brillante Köpfe in Führungsetagen geben mag, aber so einfach, wie Du es darstellst, ist es sicher nicht.

      • Ich habe die von dir genannten Charaktereigenschaften nicht in Abrede gestellt. Narzissmus (welcher mit einem gewissen Selbsterhaltungstrieb verbunden ist), Vertuschen und Seilschaften halte ich jedoch für Eigenschaften mit wenig Bezug zum Prozess des Autofahrens. Eine gewisse Weitsicht und strategische Planung sollte zum Führen und Werden einer Führungsperson jedenfalls vorhanden sein – sonst wird es wohl nichts mit der Karriere und sonst gibt es ständig Schelte vom nächst höheren Chef.
        Aber ja – es sind Psychopathen dabei.
        Aber nein: Ich wehre mich dagegen, dass Manager ständig allgemein als skrupellose und gierige Menschen und Raser hingestellt werden. Ich kenne einige Manager. Und die meisten davon sind höchst disziplinierte, fleißige, aufopfernde, weitsichtige und wertvolle Personen unserer Gesellschaft. Und Geld spielt bei vielen dabei gar keine Rolle (ab einem gewissen Einkommen, spielt es einfach keine Rolle – genug ist genug. Mehr ist nicht genuger).
        Nein – ich bin kein Manager.

  66. Ein paar Infos / Gedanken zu Maduro / Guaido…

    Die Unterstützung von China, Russland und Kuba für Maduro ist logisch und hat meiner Meinung nichts mit Sozialismus zu tun.

    China hat auch massiv in Venezuela investiert und sich so Abbaurechte für Erdöl gesixhert. Die Kohle der Chinesen hat Maduro dankbar in Waffen umgesetzt – bei den Russen. Kuba? Ich würde sagen Solidarität, die haben keinen Bock drauf das ihnen auch vom CIA ein Nachfolger ins Nest gesetzt wird.

    Das Problem ist das das Orinoco-Schweröl stark schwefelhaltig ist und dazu oftmale eher als Bitumen vorliegt. Das macht die Förderung aufwendig und teuer und braucht hohen Aufwand zur Entschwefelung. Das sind zwei Handicaps, dadurch ist die Gewinnmarge noch schmaler als bei vielen Ölquellen des nahen Ostens.

    Wer ist Guaido?

    https://www.bbc.com/news/world-latin-america-46985389

    tl,dr: seit früher Jugend Aktivist und Antisozialist, studiert in Washington, DC, überraschend zum Parlamentspräsidenten gewählt (jung, auch in Venezuela bis dahin eher unbekannter Hinterbänkler), hat bislang leider auch kein überzeugendes Konzept für das Land vorgelegt (ausser “die Amis schicken Geld”)

    Gestern hat Pompeo angekündigt das ein alter Bekannter der Reagan / Bush Administration jetzt mit der Sache betraut ist. Ein Profi in Sachen Staatsstreich, erfahren durch die Iran Contra Affäre: Elliott Abrams. Ein echter Sympathieträger…

    https://www.thenation.com/article/elliott-abrams-its-back/

    …der seit dem gescheiterten Putsch in Venezuela 2002 sicher noch eine Rechnung offen hat…

    https://www.theguardian.com/world/2002/apr/21/usa.venezuela

  67. Drei Anmerkungen zu eurem Stickoxid/NOx Beitrag:

    Stickoxide werden offenbar als Stellvertreter/Indikatoren/Proxys für eine Reihe anderer Schadstoffe verwendet. Es ist denkbar effizienter einen einzigen Messwert der leicht messbar ist zu regulieren als viele (siehe z.B. Stichwort “Indikator” in https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/feinstaub-stickoxid-grenzwerte-1.4299418)
    Demnach muss keine unmittelbare Gesundheitsgefahr durch NOx bei einem bestimmten Grenzwert gegeben sein, um einen bestimmten Wert zu rechtfertigen. Es kann argumentiert werden, dass Begleitstoffe ab einer bestimmten NOx Konzentration in gesundheitsschädlichem Maß vorliegen.

    Die Expertise des selbst ernannten Experten Dieter Köhler kann bezweifelt werden. Die taz schreibt er konnte sogar auf Nachfrage keine peer-reviewten/wissenschaftlich überprüften Publikationen zu dem Thema angeben: Letzter Absatz auf http://www.taz.de/!5565421/
    Das wirft auf mich ein schwaches Bild…

    Das “Raucher müssten viel früher sterben Argument” ist in meinen Augen nicht tragfähig, da es die Aufnahme von Luftschadstoffen als linear annimmt. Allerdings ist selbst mir als Nichtmediziner bekannt, dass dies in vielen Szenarien anders (nichtlinear) ist. Als vereinfachtes Beispiel steigt die im Körper aufgenommene Menge eines Wirkstoffs (z.B. Vitamin C) nicht ins Unermessliche sondern ein überschüssiger Teil wird ausgeschieden. Es gibt sicher auch Aufnahmekurven die eher wie eine Wurzelfunktion aussehen.

  68. Von den Stickoxid-Grenzwert-Zweiflern hört man öfter das Argument, dass am Arbeitsplatz sehr viel höhere Grenzwerte gelten. Das stimmt nur sehr bedingt. Der sogenannte MAK-Wert (Maximale Arbeitsplatz-Konzentration) gilt „nur für Arbeitende an Industriearbeitsplätzen und im Handwerk, bei denen aufgrund der Verwendung oder Erzeugund bestimmter Arbeitsstoffe eine erhöhte Stickstoffoxid-Belastung zu erwarten ist“ . „Für Büroarbeitsplätze sowie Privaträume finden MAK-Werte keine Anwendung“ (https://www.umweltbundesamt.de/themen/unterschied-zwischen-aussenluft). Im Büro gelten wohl 60 Mikrogramm (Wochenmittelwert), “bei deren Überschreitung unverzüglich zu handeln ist”

    • Zum Büroargument kommt noch hinzu: Wie viele Stunden am Tag hält man sich im Büro auf gegenüber nicht-am-arbeitsplatz?
      Und wie sieht die Sache bei besonders gefährdeten Menschen (Kleinkinder, Schwangere, etc) aus?

      Glaube da kommt man ganz gut drauf, warum das Argument mit den Büroräumen nicht sonderlich stichhaltig ist

  69. Hi, die Debatte über das Tempolimit fand ich natürlich auch sehr spannend und wie man schon an der Anzahl der Kommentare sieht ist es ein Thema das für jeden schnell greifbar, alltäglich und damit Meinungstauglich ist.
    Interessante und leider nicht thematisiert ist wie ich finde noch die Tatsache, dass Deutschland tatsächlich weltweit das einzige Land ist, dass Autobahnen ohne Tempolimit besitzt.
    Dazu empfehle ich folgenden Audiobeitrag und Karte von Detektor.fm und dem Katapult-magazin vom März 2017:
    https://detektor.fm/gesellschaft/karte-der-woche-tempolimit-auf-autobahnen

    Vor dem Hintergrund kann man sich natürlich mal fragen wie groß die Einschränkung der eigenen Freiheit oder die angebliche Zeitersparnis denn wirklich sein kann oder ob nicht andere (wirtschaftliche) Kräfte eigentlich das viel größere Interesse an der No-Tempolimit-Politik haben.

    • Genau dieser eigentlich offensichtliche Zusammenhang fehlt mir auch bei den meisten Diskussionen.
      Wieso hat genau das Land kein Tempolimit, in dem die Autoindustrie und deren Lobby so stark hineinregieren, dass auch der Lage bereits aufgefallen ist, wie stark sich die (Ex-)Verkehrsminister (nicht nur der Herr Scheuer) mit den Autokonzernen identifizieren? War da nicht mal die Rede davon, dass die (Ex-)Minister gerne auch mal “wir” sagen, wenn es um die Autoindustrie geht?
      Da wundert auch die Reaktion des Herrn Scheuer in keinster Weise.
      Deutsche hochpreisige Autos dürften sich auch deswegen so gut verkaufen, weil es auf dem heimischen Absatzmarkt eben genug Nachfrage nach PS-starken Autos mit hoher Endgeschwindigkeit gibt. Bei Tempo 130 könnten dann vielleicht sparsame Japaner/Koreaner/etc. die besseren Karten haben.

  70. Tempolimit
    Hallo,
    ich möchte gern eurem Aufruf folgen und als Berufspendler meine Sicht der Dinge wiedergeben.
    Ich bin gegen ein Tempolimit. Alle Argumente pro Tempolimit sind einleuchten und nur rational. In meiner ganz persönlichen Situation bin ich dennoch froh, dass es kein Tempolimit gibt. Ich fahre jeden Tag ~ 120 km Autobahn. Zu den Zeiten in denen ich unterwegs bin, ist die Autobahn leer. Die jährlich angesammelte Zeitersparnis bei Tempo 180 ist dadurch nicht unerheblich. (Am allerliebsten würde ich mit der Bahn fahren, aber wie die Anbindung in das Brandenburger Hinterland ist, könnt ihr euch vorstellen)
    Grüße und danke für eure tollen, ausführlichen und detaillierten Sendungen!

    • Wie man hier in den Kommentaren von Autofanatikern überschüttet wird… dazu hätte ich gerne eher eine systemische Behandlung vom Tempolimit: Wer ist dagegen? Wer zahlt die Leute die dagegen sind? Was für Versuche für ein Tempolimit hat es schon gegeben?

    • ich kann mich Jonas nur anschließen:
      Ich bin weiblich , Grünen-Mitglied und wohen in Münster (Westf.) und kann alle Tempo-Limit-Argumente nachempfinden. ABER ich führe eine Fernbeziehung mit der Schweiz und wenn ich zu verkehrsarmen Zeiten einen Großteil der Strecke mit 180 bis 210 km/h fahren kann, spare ich pro Weg zwei Stunden! Das sind vier Stunden pro Besuch. Auf’s Jahr gerechnet macht das einen riesigen Unterschied.
      Und jetzt ein Contra-Tempolimit-Argument:
      Die Schweiz ist verkehrspolitisch das Gegenteil von Deutschland (natürlich Tempo-Limit udn sehr strenge Durchsetzung der Geschwindigkeitsbegrenzungen mit horrenden Bußgeldern) und ich finde es überhaupt nicht entspannter oder angenehmer über die Schweizer Autobahnen zu fahren. Die Schweizer, mit denen ich Kontakt habe, im übrigen auch nicht. WEIL: dadurch dass alle ungefähr gleich schnell fahren, verschwimmt die klare Zuordnung der beiden Spuren in Überholspur und Regel-Spur (Stichwort: Rechtsfahrgebot), d.h. rechts überholen oder mit geringerem Tempo auf die linke Spur wechslen und dort verbleiben etc. sind an der Tagesordnung. Ich dacht zunächst, dass nur ich als “Deutsche Raserin” das anstrengend findet, aber mir wurde von vielen Schweizern bestätigt, dass sie dies ähnlich empfinden und sie sich, wenn sie bei Basel über die Grenze fahren, entspannen.

      • Hallo Anne und Jonas,
        ich möchte das gerne mal durchrechnen.
        Für Jörg:
        120km / 130km/h * 60 = 55,3 Min
        120km / 180km/h *60 = 40Min
        Unter Idealbedingungen also eine Viertelstunde am Tag. Da machen vermutlich normale Verkehrsschwankungen wie Baustellen und Stau mehr aus als der Unterschied der Fahrgeschwindigkeit.

        Bei Anne ergibt das gleiche 270 Min (130km/h) und 180 Min (200km/h), also 96 Min Differenz (~1,5h) unter Idealbedingungen. (600km bis Basel gerechnet, dahinter gibts ja Geschwindigkeitsbegrenzungen. Da sind noch keine Baustellen oder Strecken mit Geschwindigkeitsbegrenzungen drin. Wenn ich die Strecke Do – FFm, die ich ganz gut kenne einsetze bekomm ich mehr Zeitersparnis raus, als ich erkenne zwischen voller und leerer Autobahn.

        Auf der Strecke wäre mit ein Tempolimit sehr lieb, weil manche Menschen glauben, dass auch bei voller Autobahn ein Anrecht auf Tempo 200 fahren existiert..
        Wir fahren die Strecke oft Zug. Realistisch schafft man es, wenn ein wenig mehr los ist, die Strecke nicht in den normalen angepeilten 2,5 Stunden sondern braucht oft mehr als 4. Das einzige Argument gegen mehr Bahn sind die Preise und die sinnlosen Hürden wenn man bei der Bahn ein Hundeticket kaufen will..

        Und zu einer anderen Diskussion: Die deutschen Autobahnen sind nicht wegen des fehlenden Tempolimits sicherer als die anderer Länder, sondern trotzdem. Es ereignen sich meines Wissens nach ca. 70% der Unfälle auf Autobahnen auf Strecken ohne Begrenzung. Dass die Gesammtzahlen nicht höher sind liegt zB. an dem insgesammt gutem Zustand und Regeln wie dem Rechtsfahrgebot (was es in der USA so nicht gibt. Da kann es sein, dass nach der Hügelkuppe links und rechts LKWs fahren und alle plötzlich mittig durch wollen).

        • Lieber Malte,

          danke für Deinen sachlichen und differenzierten Kommentar/Antwort.
          Zumeist nehme ich die Strecke, von der das Navi behauptet, dass sie am wenigsten Stau und sonstige Behinderungen vorhält.
          Wenn ich nachts (freie Autobahn) fahre, brauche ich fünf-ein-halb Stunden. Da mache ich auch eine Pause weniger, was natürlich auch Zeit spart. Selbst wenn man von einer Zeitersparnis von 90 Minuten ausgeht, sind das an einem (ggf. verlängerten) Wochenende eben 3 Stunden.
          Mein “Einzelschicksal” soll auch keine Rechtfertigung für Tempo-Limit-freie Autobahnen sein, es war mehr als Antwort auf die Frage des Lage-Teams gedacht, die explizit dazu aufriefen, persönliche Erfahrungen dazulegen, ob es einen zeitlichen Unterschied gibt. Und in meinem Fall gibt es den !
          Ich wäre für ein Tempo-Limit (ca. 150 km/h) von 6:00 Uhr morgens bis ca. 20:00 Uhr abends.

  71. Thema Tempolimit:
    Einen wichtigen Punkt für ein Tempolimit habt ihr leider nicht genannt.
    Durch ein Tempolimit kommt es zu weniger Staus. Insbesondere Staus ohne erkennbaren Grund entstehen durch hohe Geschwindigkeitsdifferenzen im Verkehr.
    Auch fließt der Verkehr bei gleichem Tempo besser. Dieser unintuitive Zusammenhang ist wissenschaftlich belegt und findet sich im Nagel-Schreckenberg-Modell wieder. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nagel-Schreckenberg-Modell
    Somit sollte eure Frage wohl eher lauten:
    Wieviel Zeit spart man durch ein Tempolimit? Wieviel CO2 wird weniger ausgestoßen durch weniger Staus und wieviele Unfälle passieren dann weniger. Insbesondere in Staus bzw bei Stop and Go passieren überdurchschnittlich viele Auffahrunfälle.

    Als mögliche Zeitersparnis bleibt dann nur noch die gerne bemühte Autobahnfahrt in der Nacht. Gerade bei einer solchen halte ich schnelles fahren für wenig sinnvoll durch die eingeschränkte Sicht. Die von der StVO geforderten anhaltemöglichkeit innerhalb der Sichtweite ist schon bei 130 km/h schwierig.

  72. Zum Thema Stickoxide gibt es ein interessantes Interview im DLF Podcast “der Tag”, mit dem Redakteur der Wissenschaftsredaktion, Ralf Krauter.
    https://www.deutschlandfunk.de/der-tag-stickoxid-grenzwerte-die-scheindiskussion.3415.de.html?dram:article_id=439250

  73. Wie grob irreführend ist es bitte, so zu tun, als wäre jeder Autobahntote, der durch überhöhte Geschwindigkeit sein Leben verlor, in einem Abschnitt ohne Geschwindigkeitsbegrenzung verunfallt?

    • Das haben wir auch nicht gesagt. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass die weit überwiegende Zahl bei einem Limit auf 130 entfallen würde, denn bei Tempo 80 oder auch bei Tempo 130 geschehen nun einmal nur relativ wenige tödliche Unfälle.

      • Das glaube ich nicht und die zitierte Statistik stützt diese Annahme auch nicht, wozu sie dann als Argument aufführen. Übrigens: wenn jemand wegen Geschwindigkeitsüberschreitung in einer 80 Zone verunfallt, fährt er oder sie eben nicht 80, sondern schneller.

      • Die Zahl der Unfälle nimmt mit dem Tempo tatsächlich ab. Doch 60 Prozent aller tödlichen Unfälle passieren auf Landstraße, auf denen bereits ein Tempolimit gilt. Dagegen rollen 31,6 Prozent des Verkehrs über die Autobahnen. Dort aber werden nur zwölf Prozent aller Verkehrstoten und 7,5 Prozent aller Verletzten gezählt. Zudem kommen in Deutschland auf eine Milliarde gefahrener Kilometer 3,1 Tote. In Österreich sind es 4,8 und in den USA 5,0. In beiden Ländern gelten auf der Autobahn Tempolimits bis zu 130 km/h.

        Quelle: https://rp-online.de/leben/auto/news/sieben-fakten-zum-tempolimit_iid-23668401#3

      • @Andy, toller Beitrag.

        Und dann sollte man auch noch bedenken, dass nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2010 7.533 Menschen durch Unfälle im Haushalt starben. Schließen wir daraus, dass man für alle Arbeiten im Haushalt von jetzt an nur noch von Handwerkern durchführen lassen darf? Wenn niemand mehr beim Tapezieren von der Leiter zu Tode stürzt, dann rettet man vielleicht auch eine dreistellige Zahl an Leben pro Jahr.

        Allein in Deutschland starben 2013 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 453 Menschen aufgrund einer „Obstruktion der Atemwege oder Verschlucken von Nahrungsmitteln. Klare Sache: Essen darf nur noch in Brei-Form verkauft werden. Das Ausbleiben dieses Gesetzes lässt sich nur noch auf die Lebenmittel-Lobby zurückführen, die hunderte Tote jedes Jahr billigend in Kauf nehmen.

        Ich verstehe nicht, wieso man auf alles mit einem Verbot reagieren muss…

  74. Tempo 130
    Ich finde, dass ihr viel Richtiges eingeworfen habt. Ich fahre regelmäßig auf der Autobahn und viel auf der frischen A2. Weniger auf den weniger priorisierten Nebenstrecken des Autobahnnetzes. Da ich kein eigenes Auto habe, miete ich mir für solche Fahrten immer einen Wagen zum Kunden / Auftrag. Dabei achte ich darauf, dass die Karren bequem sind und auch hohe Geschwindigkeiten zulassen.

    Ich beobachte bei mir, dass ich mich am wohlsten fühle, wenn ich um die 160-180 fahre. Klar gibt es Drängler die noch schneller sind, denen muss man dann Platz machen. Und wenn ich dann doch auch mal überholen muss, dann geht es auch mal um die 200 km/h.

    Wie dem auch sei … Ich finde die 130-Debatte ist eine Nebelkerze! Auch ich habe mir überlegt eine salomonische Lösung könnte ein Limit von 160 sein. Damit beschränkt man die Spitzentempos, aber der Autonarr kann seinen Schlitten immer noch benutzen und wird nicht “kalt enteignet” (Dieses Argument würde es wohl geben!).

    Ihr habt es gesagt. Es ist ein sehr kleiner Teil der hier den Klimaschaden ausmacht, die 180 Toten sind bei 5000 Gesamttoten weniger als 4%. Und an sich sind Autobahnen (subjektiv) ziemlich sicher. Ich kann alles einsehen, es ist freie Bahn (Keine Bäume oder so). Und mit modernen Assistenzsystemen sind diese Auto sehr wohl gut unter Kontrolle zu halten – bei den von euch erwähnten alten Kfz ist das vllt. wirklich nicht der Fall.

    Nebelkerze 130 ist es darum, weil es doch nur um ein altes Symbol der linken (in Teilen Autofeindlichen) Umweltbewegung geht. E-Mobilität in der Form wird uns nicht retten und auch wenn jeder den Li-Akku unterm Hintern hat wird das nicht sicherer oder umweltschonender werden. Vielleicht die Brennstoffzelle.
    Es muss doch um die Verkehrswende gehen. Macht die Bahn wieder attraktiver, durch Zuverlässigkeit ein gut ausgebautes Netz auch in die kleinen Orte. Güterzuwachs nicht auf die Straße, sondern wieder auf die Schiene und ein eigenes Netz für Hochgeschwindigkeitszüge – zumindest auf den Traversalen wie Berlin München, Berlin Köln, Berlin HH, HH FFM Stuttgard, etc.. Der Güterzuwachs kann nur gelingen, wenn es Schienenabschnitte gibt auf denen sie pünktlich fahren können.
    Habt ihr schon mal über Randaspekte nachgedacht wie, dass auf dem Land alle Familien 2 Auto in der Auffahrt haben? Mit Dorf-Carsharing würde das sicher weniger und die Autos und Straßen effektiver genutzt. Dann noch den Wocheneinkauf liefern lassen, statt mit dem leeren Kombi hin zu fahren und dann zurück?

    Doc Phil hat es ganz gut gesagt: Keine Energie auf dieses Thema verschwenden. Da gibt es im Zweifel nichts zu gewinnen. Lieber auf die großen Infrastrukturprojekte schauen und die umsetzen. Wir lachen immer über die verrottete Infrastruktur in den USA, bei uns sieht es doch in Teilen ähnlich aus.

  75. Hallo Ihr Beiden,

    habe mich im Rahmen der Tempolimit Diskussion sehr über Eure Relativierung unseres
    oft fragwürdigen Freiheits-Diskurses gefreut (Terrorargument zur Freiheitsbeschnei-
    dung). Ich hoffe das klingt bei vielen Zuhörern nach.
    Relativiert werden muss aber auch das Argument nach weniger Toten durch ein Tempo-
    limit. Und zwar in beide Richtungen.
    „Nicht angepasste Geschwindigkeit“ als Ursache für ca. 180 Tote/Jahr gilt nämlich auch,
    wenn man mit 100 in eine Nebelbank oder aufs Glatteis fährt. Hier hilft ein Tempolimit
    kaum. Es dürften also deutlich weniger als die 180 sein, die bei Geschwindigkeiten über
    120/130 zu Tode kommen.
    Man könnte jetzt argumentieren, jeder Überlebende zählt! Das sollte aber unbedingt ins
    Verhältnis zur Gesamtzahl von ca. 3.200 Toten/Jahr auf allen Straßen gesetzt werden.
    (Quelle https://de.statista.com/statistik/daten/studie/185/umfrage/todesfaelle-im-stras-
    senverkehr).
    Es ist schwer nachzuvollziehen, dass eine Gesellschaft 3200 Tote/Jahr für den Komfort
    des Individualverkehrs akzeptiert und dann für eine verschwindend geringe Verbesse-
    rung dieser Zahl ein Tempolimit auf Autobahnen eingeführt werden soll und das hitzigst
    diskutiert wird …
    Ein anderer Aspekt dürfte deutlich geeigneter sein, für ein Tempolimit zu argumentieren.
    Und zwar ist dies die Zahl der Verletzten von ca. 400.000/Jahr (https://www.bussgeldka-
    talog.org/unfallstatistik/). Eine insgesamt langsamere Gangart auf Autobahnen, z.B. bei
    Tempo 100, dürfte hier die Zahlen sehr viel deutlicher senken. Aber dafür ist diese – ja
    ich muss es sagen – zynische Gesellschaft wohl nicht zu haben.

    Spannender fände ich eine Diskussion um mehr Mündigkeit und bauliche Einschrän-
    kungen im Straßenverkehr. Inzwischen gibt es Effekte der Überforderung durch zuviel
    Regelung im Straßenverkehr und umgekehrt eine Tendenz zu weniger situativ an-
    gepasstem Verhalten.
    Und bei 3200 Toten/Jahr muss man sich schon die Frage gefallen lassen, wieso werden
    fahrzeugseitig keine Begrenzungen auf 100 km/h oder noch viel weniger vorgesehen.

    Der Individualverkehr ist eine ausgesprochen emotionale Angelegenheit. Wer fährt nicht
    „gerne“ mal bei freier Autobahn in einem „tollen“ Auto richtig schnell?
    Die Frage ist, ob wir den Individualverkehr uns in Anbetracht der Ressourcen-Ver-
    schwendung, Umweltzerstörung- und Verschmutzung noch erlauben dürfen? Die Dis-
    kussion um Tempolimits auf Autobahnen ist vor dem hier angedeuteten Hintergrund der
    Gesamtsituation bescheuert, finde ich.

  76. Hi, zum Thema Tempolimit: ich bin viel auf Autobahnen unterwegs, sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden. Dort ist das Fahren auf Autobahnen deutlich angenehmer und stressfreier, weil es durch dichte Kontrollen keine Raser gibt. Man kommt viel entspannter an. Gleichzeitig sind dort auch Einschränkungen durch Baustellen viel geringer, weil die Niederländer mit dem Straßenbau cleverer umgehen. Das Tempolimit in Deutschland müsste daher mit Maßnahmen gekoppelt werden, den Straßenbau auf Autobahnen zu optimieren.
    Weiterhin zwingt ein Tempolimit einen Berufsfahrer dazu, seine Termine besser zu planen. Ich persönlich kalkuliere immer deutlich mehr Zeit ein und komme so auch entspannter bei meinem Termin an.

    • Als jemand der direkt an der niederländischen Grenze wohnt, kann ich das nur unterschreiben. Man kann dort einfach lockerer mit einer Geschwindigkeit durchfahren, während man sich hier in DE aufregt, dass rechts zu langsam gefahren wird, dann aber selber nicht permanent links fahren kann, weil dann ständig Drängler kommen. Das führt bei mir dazu, dass ich in DE oft eine Geschwindigkeit fahre, die ich eigentlich nicht fahren will, weil mein Auto zu langsam beschleunigt, um mal eben einen lahmen vor mir zu überholen. In NL hingegen kann man einfach auf einer Geschwindigkeit durchfahren!

      • Ich bin in den letzten 25 Jahren sicher 400.000 km gefahren und kann mich in all den Jahren an vielleicht einen Drängler erinnern. Lassen wir es zwei sein – vielleicht habe ich einen vergessen. Aber die Erfahrung “ständig Drängler kommen” ist mir völlig fremd. Wenn ein schnelleres Auto von hinten kommt, mache ich den Platz frühzeitig frei und lassen es überholen.

        • Vielleicht liegt es an den Autobahnen und meinem Auto, aber mir passiert folgendes ständig:
          Ich fahre auf der zweispurigen Autobahn auf der rechten Spur. Ich sehe dass ich einem langsam fahrendem LKW immer näher komme. Linke Spur wird von schneller fahrenden Autos genutzt (deutlich schneller als 130, denn ich fahre ja ca. 130). Ich kann jetzt nicht einfach auf die linke Spur weil mein VW Polo einfach nicht die Beschleunigung hat um Mal eben auf 160 hoch zu kommen, um gefahrlos zu überholen, da würde sofort jemand hinter mir hängen, weil ich mit 130 die linke Spur belege und nur langsam schneller werde. Das führt effektiv dazu, dass ich dem LKW immer näher komme, selber auf die LKW Geschwindigkeit reduzieren muss, was das Überholmanöver für mich noch schwieriger macht.
          Wenn die linke Spur einfach bei 130 oder von mir aus auch 150 oder so abgeriegelt wäre, kann man da viel einfacher rein wechseln wenn man einen LKW vor sich hat, da man dort dann nicht sofort Leute hinter sich hat die noch schneller unterwegs sind.

      • Sofern es dir nicht so geht wie mir: zweispurige Autobahn ich will einen LKW überholen, im Rückspiegel ist nichts zu sehen und wo ich auf Höhe der Zugmaschine bin kommt von hinten Lichthupe.
        Nix mit Rechtzeitig Platz machen, das funktioniert nicht, wenn manche meinen mit doppelter Geschwindigkeit unterwegs sein zu müssen.

  77. Kohlekommission:

    Es wird jetzt sehr viel Wert auf Klimaschutz gelegt und der möglichst sofortige Kohleausstieg gefordert.

    Leider wird dabei vergessen, dass man sich beim Kernausstieg 2011 aktiv gegen geringere CO2 Emissionen und effektiv für mehr Kohleverstromung entschieden hat, da es einfach ein wissenschaftlicher Fakt ist, dass Solar-, Wind- und andere Energiequellen ohne ein Spektrum an Speichertechnologien die Grundlast der Kernkraftwerke nicht ersetzen (sondern dies durch Kohlekraftwerke geschieht).

    Diese Entscheidung, die den Klimaschutz erschwert, wird jetzt zu wenig erwähnt. Es kommt ziemlich schizophren rüber, wenn erst aktiv politisch gegen eine Technologie kämpft, Kernenergie, die im Hinblick auf CO2 Emissionen optimal ist, weil man Atommüll und Radioaktivität als Feindbild Nr 1 ausgemacht hat, um dann umzuschwenken und nun realisiert hat, dass CO2 Emissionen ein wesentlich größeres Problem darstellen, tatsächliche Zerstörung unseres Lebensraumes (und durch Kohleverbrennungsprodukte https://de.wikipedia.org/wiki/Flugasche wird in Kohlekraftwerken auch tatsächlich Radioaktivität in die Umwelt abgegeben).

    Aus beidem (Kernenergie und Kohle) auszusteigen gestaltet sich nun schwierig / ist miteinander nicht vereinbar, da Speichertechnologien nicht im nötigen Maß existieren und als Folge werden Klimaziele nicht erreicht. Länder wie Frankreich und Belgien, die auf Kernkraftwerke setzen, werden es sicherlich wesentlich einfacher haben Klimaschutzziele zu erreichen.

    Es gibt eben neben den stets unterstellten sozialen Gründen wie Jobs / Wohlstand der Kohleregionen / Lobbyinteressen auch einfach wissenschaftliche Gründe, die den Kohleausstieg verzögern.

    Ich denke man hätte sich 2011 mehr Gedanken über das größere Ganze machen sollen und abwägen sollen, ob Klimaschutz wichtiger ist oder ob man die Gelegenheit einer Atomkatastrophe in Japan nutzt um zumindest diesen Kampf zu gewinnen. In der Abwägung scheint CO2 gegenüber Atommüll das wesentlich größere und schlechter kontrollierbare Problem zu sein.

    • Ich denke nicht, dass Atomenergie insgesamt “harmloser” ist, oder weniger CO2-Ausstoß verursacht. Betrachten wir doch mal – in einer sehr groben Skizze – den Aufwand:
      – Transport des Nuklearmaterials aus dem Berg heraus
      – Transport vom Berg bis ins Atomkraftwerk
      – Transport aus dem Atomkraftwerk in die Aufarbeitungsanlage
      – Transport von der Aufbereitung in das Zwischenlager
      – Suche und Herstellung des Endlagers (nicht zu vergessen das viele CO2, welches im Rahmen der Zementherstellung freigesetzt wird)
      – Transport vom Zwischenlager ins Endlager
      – sichere Verwahrung des Nuklearabfalls für rund 1 Mio. Jahre (in dem Endlager muss hin und wieder nach dem Rechten gesehen werden, es sind Wartungen notwendig, ….)
      – das strahlende Material aus den zurück gebauten Atomanlagen muss auch lange Zeit sicher verwahrt werden

      Die genannten Transporte verstehen sich natürlich inklusive des erheblichen Aufwands für die Sicherheit. Insgesamt gesehen kann ich hier keine CO2-Einsparung durch Atomenergie erkennen.

      • Da täuscht du dich aber ganz gewaltig. Das haben Studien schon gezeigt, dass ein AKW auch inklusive Uran deutlich co2 sparsamer ist als ein Kohlekraftwerk . Mindestens Faktor 20. Ist auch kein Wunder da KohleVerbrennung furchtbar ineffizient ist.

      • Da liegst du falsch.

        Die Ruhr Uni Bochum hat bereits 2007 eine Studie dazu durchgeführt die alle Beiträge einbezieht. Zusammengefasst nachzulesen im Wikipedia Artikel

        https://de.wikipedia.org/wiki/Kernenergie

        Unter “Kohlenstoffdioxid-Emissionen”

        Dort wirst du feststellen, dass Kernenergie unter Einbezug aller Beiträge den geringsten CO 2 Ausstoß aller genannten Technologien hat (inkl Solar und Wind).

    • Man hat es in all den Jahren nicht einmal geschafft, ein “sicheres” Zwischenlager für den Atommüll zu finden, geschweige denn ein Endlager (welches es vermutlich nicht gibt). Die Anzahl der Störfälle in deutschen, ach so sicheren, Reaktoren sind erheblich und regelmässig, d.h. auch der Betrieb ist nicht problemfrei. Und das soll uns jetzt weltweit retten?

      • Interessanter Kommentar, der mit Klimaschutz und CO2 Ausstoß (“CO2 Endlager Atmosphäre”) aber nichts zu tun hat. lg

  78. Ich glaube, dass der Zusammenhang Luftwiderstand – CO2-Ausstoß nicht korrekt ist. Die benötigte Leistung zumindest steigt kubisch mit der Geschwindigkeit. (Schön erklärt z. B. hier: http://e31.net/luftwiderstand.html)
    Das kann man auch plastisch schön sehen: Ein BMW 316d mit 116 PS fährt ca. 200 km/h. Um doppelt so schnell, also 400 km/h fahren zu können, benötigt man dann schon einen Bugatti Veyron mit knapp 1000 PS.
    Ich unterstelle an der stelle, dass vom Motor abgegebene Leistung und verbrannter Sprit in Korrelation stehen.

    Ich fahre auf Autobahnen gerne recht schnell und genieße auch ein Tempo weit über 200 km/h. Signifikant schneller ist man damit aber eigentlich nur, wenn die Autobahn wirklich leer ist (z. B. nachts). Wenn ich im Ausland fahre, kann man zwar eine freie Autobahn nicht durch das Gas geben nutzen; allerdings sind die Geschwindigkeitsdifferenzen sehr viel geringer, was in meinen Augen oft zu einem flüssigerem und harmonischerem Miteinander führt, das ich dann auch sehr genieße.

  79. Ersteinmal Danke für die tolle Nachrichtenerstattung beim ausgedehnten Samstagsfrühstück :)

    Ich finde es super, dass ihr das Thema mit dem Tempolimit in der aktuellen Folge anspricht. Ich bin bis vor kurzem selber 1,5 Jahre über die Autobahn gependelt. Ich wohne in Pforzheim und habe in beide Richtungen, nach Karlsruhe und nach Stuttgart größtenteils kein Tempolimit, drei spurig. In beide Richtungen bin ich knapp 22km über die Autobahn gefahren, mit Tempomat und genau 110km/h. Schneller fahren, also >130km/h bei freier Strecke würden ca. 60s Zeitersparnis bedeuten und gleichzeitig knapp 0,7l mehr Spritverbrauch pro Richtung.
    Ich fahre einen elf Jahre alten Skoda Oktavia mit einem 1,6l Benziner und einem absoluten Durchschnittsverbrauch von 6,7l.
    Genau diese minimale Zeitersparnis ist es mir nicht Wert, für die viel größere geforderte Aufmerksamkeit und den höheren Spritverrbauch. Am Tag macht das bei 1,4l mehr Verrbauch schnell mal 2€ aus, um 2min an Zeit zu gewinnen… So fahre ich immer Rechts mit den LKWs in der Kolone und überhole die über die mittlere Fahrspur. Das ist auch soweit mal okay. Kann ich ja in Ruhe machen und meinen Tag entspannt beginnen. Ich nutze ja nicht die vermeintlich schnelle “linke” Fahrspur.
    Das Problem dabei auf der Strecke ohne Tempolimit ist aber, dass nicht nur auf der ganz linken mit >200km/h gefahren wird, sondern auch gerne mal auf der mittleren, wenn sich mal wieder zwei Kontrahenden gefunden haben, wo das Auto mit 200km/h auf die mittlere ausweichen muss, weil das zweite Auto auf der linken Spur mit 250km/h vorbei will. Und genau solche Situationen machen das für mich als gemütlicher Tempomatfahrer sehr gefährlich.
    Besonders bei der Strecke Pforzheim-Stuttgart sind die Autofahrer wirklich verrückt. Nach meiner eigenen, subjektiven, Einschätzung bin ich ein intelegenter Autobahnfahrer, der nicht unnötig auf einer linken Spurt fährt, wenn die rechte Fahrbahn frei ist. Trotzdem wurde ich regelmäßig von der rechten Seite aus überholt, was laut unserem Busgeldkatalog absolut unzulässig ist und mit Punkten in Flenzburg geahndet wird. Das sind genau jene Kandidaten die nach einem solchen manöver auf der linken Spur mit vollgas den nächsten nötigen, platz zu machen. Leider gibt es kaum eine Präsenz durch die Polizei auf Autobahnen, die so etwas direkt verfolgen und abmahnen könnte.

    Deswegen erhoffe ich mir eine große entspannung für alle Autofahrer durch ein Tempolimit. Auch durch meine Erfahrungen aus der freiwilligen Feuerwehr kann ich hierzu nur raten. Selbst bei Nacht wo die Autobah wirklich weitesgehend frei ist kam es in der Vergangenheit zu tödlichen Unfällen, bei denen ein PKW mit einer Geschwindigkeit von >200km/h auf einen anderen aufgeschlagen ist, welcher nur 120km/h gefahren ist. Ob jetzt der hintere die Kontrolle verloren hat und auf die mittlere Spur geraten ist oder der vordere die Kontrolle verloren hatte und nach links gerutch ist, lässt sich nicht mehr sagen. Auch weil der Fahrer im vorderen PKW durch den aufschlag von hinten noch an der Unfallstelle gestorben ist.

    • Hallo Andreas,
      folgendes kann ich nicht nachvollziehen:
      1.) Wenn dich ein Fahrzeug rechts überholen kann. Warum konntest du dann nicht rechts fahren?
      2.) Wenn die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der mittleren und linken Spur hoch ist. Warum passt du dann deine Fahrweise nicht an, sondern gefährdest andere Verkehrsteilnehmer? Du hättest zwei Optionen: Du fährst angepasst (schneller) auf der mittleren Spur. Oder du fährst angepasst (langsamer) auf der rechten Spur (und sparst noch mehr Sprit und kommst auch nicht viel später an). Einen LKW mit 20 km/h schneller, oder einen Bus mit 10 km/h schneller zu überholen, ist ja nicht wirklich ein Überholvorgang, sondern ein Blockieren der mittleren Spur, hätte ich meinem Gefühl nach geurteilt.

      • Hallo Jörg,

        dann will ich dir mal beim nachvollziehen helfen und deine Punkte beantworten.

        zu 1)
        Du wurdest also noch nie rechts überholt? Zum Beipsiel in dem Szenario, dass sich jemand auf dem Beschleunigungsstreifen mit Vollgas zwischen dich und den LKW vor dir reindrückt, obwohl er genau so hätte hinter dir einscheren können und dann erst auf die mittlere Spur wechseln? Gerade zu Punkt 2) macht es hier ja erst recht keinen Sinn, auf die mittlere Spur zu wechseln, um allen auf die Autobahn auffahrenden freie fahrt zu gewähren. Den genau damit wird man zu mittelspur schleicher, wenn die rechte Spurt komplett frei ist.
        Anderes klassisches Beispiel ist, dass man sich auf der mittleren Spur befindet und gerade einen Überholvorgang abgeschlossen hat. Bevor man es schafft selber auf die rechte Spur zu wechseln, zieht der hinterman, dich sich ja schon im eigenen Windschatten mit seiner Stoßstange am Heckbefand, schneller nach rechts udn gibt Vollgas. Schon ist das Meisterwerk vollbracht und er zieht rechts an einem vorbei, zurück auf die mittlere Spur.

        zu 2) Ab welcher Geschwindigkeitsdifferenz ist es für dich ein akzeptabler Überholvorgang? Drücken wir es ruhig in Prozent aus, damit diese Regel für alle Geschwindigkeiten gelten kann. Szenario: 3 Spurige Autobahn. Der LKW rechts fährt mit seinen 85 km/h. Der Überholer auf der mittleren Spur fährt 120km/h, mindestens. Das sind 141% der Geschwindigkeit vom zu überholenden und knapp an der Richtgeschwindigkeit der Autobahnen. Das sollte doch mehr als genug sein und mehr als das doppelte mit deinem Beispiel von 10-20km/h.

        In der Realität ist das wiederrum leider immer noch zu wenig, wenn immer wieder von hinten Autos mit Geschwindigkeiten von >180km/h fahren und sich dabei auch gerne überholen würden.
        Gleichzeitig bedeutet es für den überholer, dass selbst wenn er nur mit 120km/h über die mittlere Spur überholen will, er ja bereits auf der rechten Spur auf annähernd diese Geschindigkeit beschleunidgen muss und so meist dem vorderen LKW näher auffährt, um dann auf die Mitte zu wechseln, um dann dort den Verkehr nicht auszubremsen. So entwickelt sich jedes mal eine Situation die für den PKW gefährlich ist, wenn der LKW vor ihm plötzlich eine Vollbremsung macht.

        Die 141% kannst man auch ganz gut auf die Landstrasse anwenden. Dort fährt einer 70km/h, wo auf 70km/h erlaub ist. Man will diesen nun überholen. Wie hoch sollte die Geschwindigkeit des überholenden nun sein? Mit diesem Faktor sind wir bei 100km/h, was meistens definitiv nicht ratsam ist.

      • “… jemand auf dem Beschleunigungsstreifen mit Vollgas …”

        Auf dem Beschleunigungsstreifen ist es erlaubt rechts zu überholen.

      • @nadine: das ist zwar richtig, dass das erlaubt ist, aber es wird viel zu oft dazu missbraucht in den Sicherheitsabstand einzuschätzen nur um ein paar Meter zu gewinnen.
        Speziell dann wenn sie nach dem Ausscheren scharf bremsen müssen, weil sie nicht weiter nach links können.

  80. Meine Haltung zum Thema Tempolimit auf Autobahnen finde ich selbst völlig irrational.
    Im Alltag benutze ich das Rad und bin großer Fan des ÖPNV. Die 10 mal im Jahr, die ich dann selbst über die Autobahn fahre, lege ich dann gerne mit 180 km/h zurück. Für mich gehört das in die Kategorie „Freizeitspaß“. Selbstverständlich rege ich mich aber auch über die Raser hinter mir mit >200 km/h und Lichthupe auf.
    Da euer Podcast so schön zur Selbstreflexion anregt, muss ich leider zugeben, dass auch mir kein wirkliches Argument für schnelles Fahren einfällt. Aber muss es das? Sollte „freie Fahrt für freie Bürger“ nicht der Ausgangspunkt sein, von dem aus man sich überlegen kann, ob man die Freiheit des Einzelnen für das Wohl der Allgemeinheit einschränkt? Aus dieser Betrachtung finde ich die angeführten Argumente für ein Tempolimit etwas schwach, wenn meiner Meinung nach zu viele LKWs und zu wenig Sicherheitsabstand stark zur Umweltproblematik und Anzahl der Verkehrstoten beitragen.
    Mit dem von Ulf vorgeschlagenen Kompromiss, ein Tempolimit von z.B. 150 km/h, könnten sich wohl viele arrangieren. Etwas Sarkasmus an dieser Stelle: Wenn man die Toleranz einrechnet ist eine Spritztour mit 180 km/h auch noch gut bezahlbar.
    Letztlich sind für mich die Argumente stark genug für ein Tempolimit von 130 km/h. Hauptsächlich weil es mich kaum betrifft, aber gerade deshalb würde ich mir wünschen, dass die LKW Problematik zuerst angegangen wird.

    • Danke für diesen reflektierten und selbstkritischen Kommentar. Die Sache mit der Freiheit ist nur: meines Wissens gibt es kein Grundrecht, sich in einem spezifischen Verkehrsmittel und mit einer bestimmten Mindestgeschwindigkeit fortzubewegen, deshalb gibt es in meinen Augen auch überhaupt keinen Konflikt zwischen irgendwelchen Werten.
      Im Verkehrsalltag lässt sich an jeder Ecke deutlich feststellen, wie sehr der Mensch oft kognitiv und emotional überfordert davon ist, Tonnen von Blech mit komplett unvorstellbarer Energie verantwortungsvoll durch die Gegend zu bewegen. So gesehen könnte man auch die aus guten Gründen Tempo 20 innerorts und 60 auf der Autobahn fordern.

  81. Zum Team und deiner Frage was bringt schnelles fahren. eine meiner hauptstrecken ist bamberg-erlangen. da fahreich morgens ca. 30 km im berufsverkehr mit 105 und tempmat mit den lkwfahreren mit. und nun mein gruß an all die spaken die mich mit 160 km in bamberg überhollen. die meisten finde ich in erlangen im stau wieder. zeit ersparniss ca. 2 min.
    ich den denke es geht leider einfach ums geld. starkes beschleunigen und abbremsen braucht den meisten sprit. wer kassiert beim sprit gut mit, na klar der statt.
    super tema, klasse folge. danke.
    natürlich ist dies nicht der einzige grund. ist mir klar
    Gruß aus bamberg

    • Also wenn wir über ein Tempolimit reden dann doch wohl 80 km/h. Dann brauchen wir die LKWs auch nicht mehr überholen. Und wir sparen noch mehr Sprit und brauchen auch nur noch kleinere Autos und sicherer ist es auch. Am besten absenken bis null Tote. Und Tempolimit Bundesstassen müssten wir gleich auch drüber nachdenken.

      Oder vielleicht 60 km/h Tempolimit. Ja genau noch besser. Oder alle nur noch mit Fahrrad auf die Autobahn. Leute ich fahre 30 Jahre alten Golf 2 und das Tempolimit könnte ich nichtmal überschreiten, aber das ist doch alles quatsch. Was wir brauchen sind rücksichtsvollere Fahrer und Nachkontrollen bei Krankheit und Alter. Strafen gegen Drängler (ach die gibts ja schon).

      Und für die die den Vorteil von schnellerem Fahren nicht sehen: MANN IST SCHNELLER AM ZIELORT. ZEITERSPARNIS. Besonders Nachts. Autobahn wird leerer umso schneller wir fahren.

      Und zum Schluss: ES GIBT TEMPOLIMIT AUF DEUTSCHEN AUTOBAHNEN. An Stellen wo es nötig ist stehen Schilder mit einer Zahl und die geben ein Tempolimit vor. Eben nur nicht generell überall.

      Wenn man noch bedenkt das die deutschen Autobahnen im wirklichen Vergleich.
      Kilometer gefahren / Unfälle bzw. Tote – Europaweit sehr weit oben steht was die Sicherheit angeht, verstehe ich nicht worum es geht. 2% Sprit ? Mal Tempolimit bei Flugzeugen !! Sparen wir VIEL mehr. Mal 5 Autos und 20 Handys weniger im Leben. DA sparen wir.

      Diese Quatschdebatten retten niemanden und helfen nicht beim Klimawandel. Da muss man sich nicht wundern, das Leute zu “alternativen” Parteien gehen.

    • Logischer Kompromiss drängt sich ja irgendwie auf

      120/130 auf allen BAB von 6-20h.
      Kein Tempolimt in der übrigen Zeit, ausser natürlich auf den Abschnitten die jetzt schon aus welchen Gründen auch immer limitiert sind.

    • Klasse Erkenntnis. Dann müssen die Formel-1 Wagen in Zukunft auf der Geraden ja gar nicht mehr schnell fahren, weil sich der Abstand in der Kurve ja eh wieder verringert. Wenn die das nur früher gewusst hätten…

  82. 26. Januar 2019 um 9:49 Uhr
    Martin Wesslowski

    Irgendwie ist der Zusammenhang Tempo-Limit CO2-Reduktion in der Diskussion etwas verloren gegangen?

    • Wieso? Haben wir doch erläutert. Aber es ist eben nicht der einzige Aspekt, und vielleicht auch nicht der wichtigste.

  83. Mal wieder eine super nice Folge. Ich fand das Interview sehr spannend, aber Herr Grasseggers übermäßigen Gebrauch von “ähs”, “ähms”, “ja” und doppelten Wörtern (zeitweise nach jedem Wort) hat mich an die Grenze meiner Zuhörfähigkeit gebracht. Etwas Editing hätte dem vielleicht gut getan. Ich will nicht, dass ihr eure Interviews verstellt, aber es machte das Zuhören sehr anstrengend.

    • Ich schließe mich Emily hier ganz klar an. Der Gast und das Interview an sich ist absolut super, aber da hätte wirklich ein wenig Schnitt erfolgen müssen um diese Worte raus zu ziehen. Das ganze war auch bei mir so grenzwertig das ich überlegt habe zu überspringen. Das wird allerdings dem Thema und dem Gast nicht gerecht.

      • ja, das Interview hätten wir schneiden sollen, aber das ging diese Woche zeitlich nicht, sonst wäre die Folge erst viel später erschienen …