LdN124 Bottrop vs. Amberg vs. Oktoberfest, Bundestags-Hack 7.0, 35C3, 5G-Klagen, Government-Shutdown, Ökostrom

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Bottrop vs Amberg vs Oktoberfest

Bundestags-Hack 7.0

35C3

5G-Klagen gegen Vergabeverfahren

USA: Government-Shutdown

40 Prozent Ökostrom

CSU will Klima schützen

Verabschiedung

Sponsor

Hausmitteilung 

144 Kommentare

  1. Hallo Lage-der-Nation-Team / LdN- Community

    in der letzten Lage, habt ihr beiden ein paar Tipps preisgegeben, worauf man im Internet achten sollte. Das fand ich unglaublich gut! Ich möchte euch bestärken, das mehr zu machen.

    Ich suche schon seit längerem einen vertrauenswürdigen Leitfaden, der mir tipps gibt, wie ich mich Privatsphäre- und Datenschutztechnisch verhalten kann. Könnt ihr euer Wissen teilen?
    Worauf achtet ihr, wenn ihr online seid? Welche Programme könnt ihr empfehlen? Momentan zahl ich, außer in Online-Shops, für nichts im Internet. (Wo z.B. zahle ich mir meinen Daten?) Schränkt das informationstechnisch meine Sicht ein? Mich stört Werbung nicht, aber ich möchte fundierten Inhalt.

    Die Lösung kann doch nicht sein, fb, WhatsApp, Telegram, Messenger, Insta nicht zu nutzen. Gehört es nicht zu unserem heutigen sozialen Leben dazu?

    @Community: Habt ihr Tipps, Artikel, Autoren, etc. die sich diesem Thema fachlich annehmen und präzise Vorschläge zum Nutzerverhalten machen?

  2. Thema: Bundestags-Hack/ Umgang mit Passwörtern

    Hallo und vielen Dank für diese Ausgabe!

    In dieser Sendung und auch schon in einigen Älteren habt ihr Tips für den Umgang mit Passwörtern gegeben. In dieser Sendung kam zurecht der Hinweis, dass gerade die E-Mail-Konten sehr schützenswerte Bereiche sind.

    Neben sicheren Passwörtern und Passwort-Managern bietet sich auch noch die Zwei-Faktor-Authentifizierung an. Dies gilt im Grunde für alle Passwörter bzw. Konten, die man so hat. Aber gerade bei den E-Mails sollte man diesen Schutz nutzen. So kann selbst im Fall, dass Benutzername und Passwort bekannt geworden sind, kein Zugriff auf das Konto stattfinden.

    Dies ist eine sehr einfache Möglichkeit seine Konten erheblich sicherer zu machen.

    Wenn man sich in den Einstellungen von seinen diversen Konten mal umschaut, ist man überrascht, dass doch recht viele Anbieter dieses Sicherheits-Feature eingebaut haben.

    Falls ihr nochmal Passwort-Umgangs-Tips gebt, könntet ihr den ja mit aufführen.

    • Sorry!!! Habe gerade festgestellt, dass ich den 3. Hinweis auf genau diese Zwei-Faktor-Authentifizierung versehentlich übersprungen habe…

  3. Hallo,
    erst mal vielen Dank für die tolle Lage. Ich weiß, ich bin etwas spät dran, aber zum Thema “gefärbte Berichterstattung” möchte ich doch noch etwas loswerden. Ich vermute, dass das eigentliche Problem darin liegt, dass von jemanden, der hier Asyl beantragt erwartet wird, dass er oder sie sich hier “anständig” benimmt und sich an die Regeln hält. Getreu dem Spruch “Man beißt nicht die Hand, die einen füttert”.
    Meines Erachtens liegt schon in der Verwendung des Begriffs Asyl ein großes Problem. Ulf hat das schon mal ausgeführt, dass die wenigsten Leute Asyl im Sinne des GG erhalten.
    Wir sind nun mal ein Einwanderungsland und sollten uns nun auch mit einem anständigen Einwanderungsgesetz auch unserer Verantwortung stellen. Wenn wir es schaffen, den Leuten, die zu uns kommen, eine Perspektive zu bieten, dann gelingt auch die Integration besser. Damit wäre auch das populistische “wir gegen die” und auch das Hauptthema einer nicht näher benannten Partei vom Tisch.
    Zum Schluss noch eine Idee:
    Bevor man eine Straftat begeht, überlegt man, hoffentlich, was man verliert, wenn man erwischt wird. Ich behaupte mal, je mehr man verlieren könnte, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit dass man straffällig wird.

    viele Grüße

    PS: Ich fände es schön, wenn Ihr beide mal die Werbung sprechen könntet :)

    • Möchtest du mit diesem Hinweis unter den Tisch fallen lassen, dass rund die Hälfte aller Asylverfahren dennoch mit der Anerkennung von Subsidiärschutz bzw. gemäß GFK abschgeschlossen wird? Das Thema (geregelte) Einwanderung hat mit dem Thema _Flüchtlings_kriminalität übrigens auch nichts zu tun und führt hier nur in die Irre.

      • Nein Ernst, so war das nicht gemeint. Aber du hast den Kern der Sache in sofern getroffen, dass die Diskussion über Asyl schnell in die Irre führt. Mir ging es mehr darum, die “Motivation” für mögliche Straftaten dadurch zu senken, dass die Leute, die es zu uns geschafft haben, eine Perspektive bekommen und eben nicht auf die schiefe Bahn geraten. Ähnliche Probleme haben wir beispielsweise auch bei Jugendlichen ohne entsprechendem Schulabschluss. Die haben auch kaum Perspektive und da sinkt natürlich die Hemmschwelle den Weg der Legalität zu verlassen.
        Ach ja, das habe ich am Anfang vergessen. Vielen Dank für deine Antwort.

  4. Die 5G-Technologie war jetzt schon öfter Thema in der Lage. Ich fände es unglaublich wichtig, wenn ihr euch auch mal mit den kritischen Aspekten dieser Technologie auseinandersetzen würdet, denn was ich hier lese, klingt für mich außerordentlich besorgniserregend: https://www.5gspaceappeal.org/the-appeal
    Bei aller Begeisterung für die Potenz dieser Technik und wie viel Geld damit gemacht werden kann, hat natürlich keiner Interesse, dass sich öffentlich mit den potentiellen Gefahren beschäftigt wird. Die Diskussion um die Schädlichkeit von Strahlung ist ja gänzlich aus der Öffentlichkeit verschwunden, vielleicht zu Recht, vielleicht nicht. Die Einführung der 5G-Technologie sollte sie jedenfalls wieder neu beleben, denn es sieht so aus als haben wir es hier mit einer neuen Dimension von potentieller Strahlungs-Schädigung zu tun. Ich bin kein Experte und es ist schwierig an valide Informationen zu kommen, die nicht aus der Feder von alternativen Spinnern und Verschwörungstheoretikern kommen, aber wenn auch nur ein Teil davon stimmt was die vorhaben mit der Technologie und was die Strahlung und die Strahlungsintensität dann anrichten kann, dann …

  5. Hi,

    vorab: ich kann nicht alle Kommentare lesen, deswegen weiß ich nicht, ob es bereits thematisiert wurde. Bei dem Punkt “149 Frauen starben durch den Partner (Tagesschau.de)” wird immer wieder die Kritik laut, dass “Deutsche” mit “Ausländern” (Staatsangehörigkeit) vergleichen werden, statt “Menschen mit Migrationshintergrund” und “Menschen ohne Migrationshintergrund” gegenüber zu stellen. Evtl. im Anschluss da noch weiter zu differenzieren … Region, Kultur, Religion etc. Was haltet Ihr davon? Ist “deutsch zu nicht-deutsch” eine reale bzw. obkjektive Vergleichsgröße für Straftaten jeglicher Art. Vielen Dank vorab.

    • Das Problem beginnt doch schon mit der relativ breiten Definition von “Menschen mit Migrationshintergrund”. Das umfasst auch Personen, bei denen mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde (siehe BAMF). Was wäre also damit gewonnen, die polizeiliche Statistik danach aufzudröseln?

      Warum Religion, Kultur etc. in der Statistik des BKA relevant sein sollen, erschließt sich mir nicht. Schon alleine, weil solche Daten gar nicht erhoben werden (können).

  6. Danke für die super Sendung!

    Ich hab eine Frage zum Thema National Roaming. Nehmen wir an wir machen das, wie Ulf vorschlägt, verpflichtend. Als Anreiz für Betreiber, auch ihr Netz auszubauen, weil es ansonsten teuer wird in den Netzen der anderen zu roamen. Hab ich das richtig verstanden?
    Das würde doch aber bedeuten, dass es für kleinere Betreiber vollkommen unmöglich ist, am Markt teilzunehmen, oder? Ich weiß nicht wie die einzelnen Betreiber so aufgestellt sind, aber ich kann mir nicht vorstellen dass es viele gibt, die die Ressourcen hätten, eine fast vollständige Netzabdeckung zu erreichen.

    Grüße

    • Kleinere Provider, die kein eigenes Netz haben, müssen ja eh bei einem der großen Provider Airtime kaufen. Insofern ändert sich für die nicht viel. Die Änderungen beträfen vor allem die drei Provider mit eigenem Netz.

    • Die Frage ist natürlich inwieweit “weiße Flecken” auf der Karte durch nationales Roaming überhaupt mit Farbe gefüllt werden würden. Denn eigentlich alle Provider handeln derzeit nach denselben Prinzipien, nämlich möglichst viele Leute mit möglichst wenig Aufwand anzubinden. D.h. es werden die Ballungsräume angebunden, die Autobahnen, und schon bei den Bahntrassen ist meist schon Ende. Fährt man auf’s Land wird man wohl genügend Gegenden finde, wo keiner der Provider mehr ein Netz zur Verfügung stellt.

      • Nationales Roaming kann dort helfen wo ein einzelner Provider nicht genug Kunden hat, damit sich das Netz lohnt, aber alle Provider zusammen schon.

        Angenommen man braucht im Bereich 1000 Kunden damit es sich lohnt ein Netz zu betreiben. Im weißen Fleck X sind 1300 Kunden, nämlich 500 von Provider A und je 400 von Provider B und C.

        Ohne Nationales Roaming: Netzbetrieb lohnt sich für niemand -> niemand macht es.
        Mit nationalem Roaming: Provider A stellt ein Netz für seine 500 zur Verfügung und versorgt die 800 Kunden von B und C über Roaming.

        Natürlich könnten theoretisch auch B und C ein Netz aufbauen, aber da A die meisten Kunden dort hat, lohnt es sich für ihn noch eher, weil er die größten Roamingkosten hätte von allen Providern.

      • P.S: Für weiße Flecken in denen alle Provider zusammen zu wenige Kunden haben bringt nationales Roaming natürlich wenig…

  7. Noch eine kleine Anmerkung zur nicht vorhandenen Berichterstattung über “private” Morde.

    In Spanien ist Feminismus ein deutlich wichtigeres Gesellschaftliches Thema als in Deutschland. In den Nachrichten (Sendungslänge ~ 1 Stunde, also keine “Tagesschau”) wird nahezu täglich über einen neuen Fall von Feminizid oder (Gruppen-) Vergewaltigung berichtet. In den meisten Fällen konzentriert sich die Berichterstattung auf die Opfer, oder auf Proteste gegen die Taten. Nur in wenigen Fällen stehen die Täter im Fokus.

    Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zu diesen Nachrichten. Einerseits bedienen sie natürlich Sensationslust und Boulevardjournalismus. Die ständige Präsenz entsprechender Nachrichten führt aber auch zu einer Präsenz des strukturellen Problems in der politischen Diskussion. Ich wusste bis vor kurzem nicht einmal, wie viele Menschen *in Deutschland* in Partnerschaften ermordet werden, und wie die Geschlechterverteilung von Opfern und Tätern ist.
    Interessanterweiße ist einer der wichtigsten Punkte, mit der die rechtsextreme Partei “VOX” im Moment in Andalusien auf sich aufmerksam macht eben exakt Feminismus. Die erste Forderung, die sie letzte Woche prominent gestellt hat, war die Abschaffung von Maßnahmen gegen Geschlechtergewalt. Repressive Maßnahmen gegen Migrant_innen tauchten “erst” diese Woche in einer länglichen Liste von Forderungen auf.

  8. Ich finde es immer wieder schön euch in der Lage zu hören.

    Vor allem die demokratische Gesinnung ist immer wieder erfrischend zu hören im Gegensatz dazu das meine Kollegen sehr viel deutlich oberflächlich und ohne das Interesse daran zu verstehen über Gerichtsentscheidungen diskutiert wird.

    Ich vermisse in sehr vielen Diskussionen doch das ein Versuch unternommen wird Hintergründe dessen zu verstehen worüber man diskutiert.

  9. Schöne Lage!

    Eueren Punkt mit der gefärbten Berichterstattung finde ich sehr gut und wichtig. Hört man ständig über straffällige Ausländer ist das Problem gefühlt viel größer.

    Was mich dazu interessieren würde: Solche Themen muss sich doch mal jemand wissenschaftlich angesehen haben. Also den Zusammenhang dessen, was die Medien berichten und dessen “objektive” Wichtigkeit. Ich meine zumindest mal etwas gelesen zu haben, dass viele Journalisten sich selbst dem linksgrünen Spektrum zuordnen und die Berichterstattung deshalb häufig dementsprechend eingefärbt ist. Aber ob das wirklich eine seriöse Studie war…
    Da wäre ein Interview mit jemandem interessant, der vielleicht in dem Bereich forscht. Wenn es sojemanden gibt. Ich bin ja sowieso ein Fan Eurer Interviews ;)

    • @linksgrüne Journos: mag sein, aber wegen des Strebens nach Objektivität berichten die dann im Zweifel doch zu viel rechtsradikalen Quark, sodass sich das im Ergebnis kaum auswirkt. Außerdem gibt es ja auch reichweitenstarke rechte Medien, die FAZ beispielsweise hat nach dem Tod von Frank Schirrmacher einen rigorosen Rechskurs eingeschlagen: Früher war das Feuilleton leidlich liberal und hat auch das erste Buch in der Mitte gehalten. Diese Zeiten sind leider vorbei.

      • Würde ich nicht widersprechen. Ich habe das Beispiel nur genommen, weil ich glaube, dass dieser Aspekt tatsächlich mal untersucht wurde. Effekte, wie Ihr sie besprochen habt, gibt es ja nicht nur bei der Ausländerkriminalität. Mir fällt z.B. subjektiv auf, dass über die Grünen mehr berichtet wird als z.B. über die Linkspartei oder die FDP. Aber vielleicht liege ich damit komplett daneben. Deshalb fände ich Studien zu solchen Themen sehr spannend.

    • Die Studie ist vermutlich das hier: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/163740/umfrage/parteipraeferenz-von-politikjournalisten-in-deutschland/

      Interessant dabei: Der größte Block (36%) ist “Keine Partei”-Neigung. Was auch dem Selbstbild vieler Journalisten (Neutralität usw.) entspricht. Spannenderweise wurde das in der Berichterstattung sehr häufig weggelassen. Ansonsten geht es zumindest bei dieser Studie nur um Politikjournalisten. Dabei ist ja Berichterstattung über Klimawandel, Wirtschaft oder Kriminalität auch nicht im luftlehren Raum…

  10. Hey liebe Leute,

    Ich liebe euren Podcast, aber achtet Mal bitte darauf, wann und wie ihr whataboutism benutzt, ist mir vor allem am Anfang eurer Episode hier aufgefallen beim Beispiel Oktoberfest.
    Und das mit der Haltung bei Journalisten, naja ich sag mal Geschmackssache.

    Beste Grüße, macht weiter so!

    • Sehe ich anders – es ist kein Whataboutism / Derailing, wenn man zur Verdeutlichung eines Unterschieds einen Parallelfall schildert, der aber medial und politisch völlig anders behandelt wird.

      • Ui, wo schnell eine Antwort! Vielen Dank dafür! Nagut, wenn du das so siehst, dann ist das wohl so, will da niemanden von irgendwas überzeugen vielleicht liege ich falsch, wollte, wie gesagt, nur mal anmerken das zu hinterfragen, aber das hast du ja offensichtlich.
        Beste Grüße!

      • “will da niemanden von irgendwas überzeugen”

        Schade, ich hätte es schon gefunden, wenn du direkt in deinem aller-ersten Punkt Argumente gebracht hättest, die in der Lage gewesen wären Ulf oder uns Leser zu überzeugen. Nur so entsteht ja eine spannende und bereicherende Diskussion ;)

  11. Dass eine Veranstaltung von 17K Besuchern jetzt tatsächlich auch mal endlich Prozesse definiert wie sie mit Abuse umgeht ist kein Grund für Lob sondern überfällig und peinlich.

    Zum Prozess selbst sollte jeden mit etwas Erfahrung in der Materie klar sein warum ein solches “Gericht” nicht in Anspruch genommen wird. Selbst wenn nach den Erfahrungen der letzten Jahren nicht jedes Vertrauen in Veranstalter und Vorstand verspielt wäre, ist es nicht verwunderlich dass man als Opfer lieber fern bleibt statt das so aufrollen zu lassen.

    Und zum Thema nur “verbale” Gewalt gegen Frauen: Ich kenne mehr als ein Vergewaltigungsopfer das dieser Einschränkung vorsichtig widersprechen würden.

  12. Hallo Philip, Hallo Ulf,
    vielen Dank, für die Mal wieder sehr gute Sendung!
    Ich fände eine Diskussion zum Thema “P3 Netztest” sehr spannend. Für mich sind dieser und andere Netztest, mit dem Ergebniss, dass die deutschen Netze eine im Vergleich so schlechte Mobilfunk-Performance (Download-Datenrate) haben, relativ schwer nachzuvollziehen.
    Wo her kommt mein Bauchgefühl? Genau wie ihr im Podcast erwähnt habt, mache ich auch häufiger Messungen der Datenrate. Bei vorhandenem Netz (Telekom-Netz) erhalte ich hier immer gute bis sehr gute Ergebnisse (30-150 Mbit/s). Das Ergebnis, welches P3 als mittlere Datenrate für die deutschen Netze mit ca. 4,5 Mbit/s angibt erlebe ich selbst also nie bis selten.
    Da ich nicht ganz glauben kann, dass ich mich nur in sehr gut ausgebauten Gebieten aufhalte, hatte ich immer den Verdacht, dass das Studiendesign der Grund für die niedrigen Ergebnisse ist.
    Ich habe die P3-Studie mal daraufhin durchsucht und auf S. 13 folgende Infos gefunden: “Die Zahlen basieren dabei auf Daten, die mit Hilfe einer Anwendung auf Android-Smartphones im Zeitraum Juli bis September 2018 automatisiert aufgezeichnet und zentral verarbeitet werden. Diese Anwendung war zur Zeit der Datenerhebung auf etwa 190 Millionen Geräten weltweit installiert und liefert pro Tag etwa 1,5 Billionen Datensätze.”
    Daraus ziehe ich folgende Erkenntnisse:
    1. Es werden nur Android-Smartphones gemessen. Hier ist das Urteil meiner Meinung nach schwierig, ob dies die Ergebnisse beeinflusst.
    2. Was ich viel wichtiger finde ist, dass die Studie auf Messung auf den Smartphones direkt basiert. Meiner Meinung nach kann dadurch die Messung nicht die Leistungsfähigkeit eines Netzes zeigen, sondern nur die Leistung, welche von den Kunden angefragt wird/werden kann. Dies bedeutet, dass wenn ein Kunde sein monatliches Datenvolumen verbraucht hat und nur noch gedrosselt mit 64 kbit/s surfen kann, dann geht diese Datenrate in das mittlere Datenvolumen ein. Da in Deutschland die Verträge generell geringere Volumina (http://research.rewheel.fi/prices/country/) haben als in anderen Ländern, könnte ich mir vorstellen, dass dies in Deutschland häufiger auftritt. Darüber hinaus fragen deutsche Mobilfunkkunden aufgrund dieser geringen Volumina tendenziell Use Cases mit höheren Datenratenbedarfen auch gar nicht erst über das Mobilfunknetz an. Außerdem sind die Datenratengrenzen in Verträgen deutscher Mobilfunkanbieter tendenziell auch geringer als in anderen Ländern.
    Meines Verständnisses nach kann eine Messung auf Smartphones nicht die wirkliche Leistungsfähigkeit eines Netzes zeigen, da es immer nur das zeigt, was die Nutzer an Leistung angefragt haben bzw. konnten. Um die wirkliche Leistungsfähigkeit zu vergleichen müsst man also analog des Connect-Netztestes mit Drive-/Walktests arbeiten und immer die gleiche Leistung anfragen, um dann einheitliche Ergebnisse zu erhalten, mit welcher Performance die verschiedenen Netzte Ergebnisse liefern.
    Ich freue mich auf die Diskussion zu meinen Thesen!
    Viele Grüße
    Tobias

    • Danke für den interessanten Beitrag. Die Messung per Smartphone ist sicher nicht über jeden Zweifel erhaben, insbesondere die absoluten Zahlen sind sicher mit viel Vorsicht zu genießen.

      Für einen Vergleich der Zahlen in unterschiedlichen Ländern untereinander (also als relative Werte) sind sie hingegen im Grundsatz sehr wohl aussagekräftig, weil die Messmethode – so heikel sie auch sein mag – immerhin überall dieselbe war. Ob die von dir angedeuteten Unterschiede bei den Handy-Verträgen (zB mehr Drosselungen in D) tatsächlich diese riesigen Unterschiede erklären können mag jeder für sich entscheiden – ich glaube das nicht.

    • > Um die wirkliche Leistungsfähigkeit zu vergleichen müsst man also analog des Connect-Netztestes mit Drive-/Walktests arbeiten und immer die gleiche Leistung anfragen, um dann einheitliche Ergebnisse zu erhalten, mit welcher Performance die verschiedenen Netzte Ergebnisse liefern.

      Aus Erfahrung kann ich sagen, dass solche Drive-/Walktests gemacht wurden, und vermutlich auch immer noch werden, meist allerdings beauftragt von einem Provider und oft auch eingeschränkt auf ein oder einige Gebiete. Die Schwierigkeit bei diesem Tests aller Netze ist natürlich der Personal- und Zeitaufwand beim kompletten Bundesgebiet und 3 Providern. Das ist kaum zu stemmen.

      Man muss eben darauf bauen dass Ausreißer, wie du sie beschreibst (kein Guthaben deswegen Drosselung, nur android, deswegen ggfs. schlechte Optimierung) statistisch bei der Menge an Clients nicht ins Gewicht fallen.

  13. Hallo Ulf und Philip,
    Danke für die gute Sendung. Eine Kleinigkeit stößt mir aber immer wieder auf:
    Ihr sprecht von guhgeln (oder wie schreibt man das korrekt) ?
    Wenn ihr von der Benutzung einer Internet Suchmaschine sprecht: da gibt es viele und gute, sogar welche die die Nutzer tatsächlich nicht ausspionieren.
    Diese Sprachweise ist genauso anbiedernd wie bei Kindern, die statt ihrer Puppe einen Namen zu geben von ihrer Barbie sprechen, oder Leuten die “eiphonen” statt zu telefonieren um auszudrücken dass sie mehr Geld als nötig für ihr Smartphone bezahlt haben oder Menschen die in den Urlaub Rolls-Roycen statt mit dem Auto zu fahren.
    Alles klar?

    • Hm… das ist ein etwas übertriebener Vergleich… Ich glaube zu verstehen, was Sie sagen wollen aber “googeln” benutzen viele Menschen häufig im Gegensatz zu all den anderen Vergleichen. Die habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört…

  14. “Ersetze Deutschen gegen Migranten […]”

    WIe wäre es mit “ersetze Mensch mit Mensch”?

    Ich weis wohl, was ihr meint, nur solang wir den Menschen Rollen zuschreiben, werden wir die Rassismus-Debatte führen und es ist wohl kaum abzusehen, dass es bald besser werden kann.

    • Nee, sehe ich anders. Natürlich müssen wir diese Kategorien überwinden, aber dazu müssen die Menschen erst mal verstehen, dass und warum die so falsch sind. Dabei können solche Gedankenspiele helfen.

  15. Eine Sichtweise auf die Bewertung ausländischer Straftäter möchte ich euch noch mitgeben:
    Jeder Asylbewerber ist Gast, und aus diesem Gastverständnis leitet sich die verschiedene Bewertung ab:
    Ich werfe Gäste die in meinen 4 Wänden handgreiflich werden auch unverzüglich aus meiner Wohnung raus, wer hier wohnt wird aber aufs Zimmer geschickt.
    Dieses gefühlt nicht ausgeübte “Hausrecht im eigenen Land” ist die Quelle der Ohnmachtsgefühle mit der der rechte Rand spielt. Ohnmacht führt zu Wut, Wut zum Kreuz bei der AfD.

    Und wenn ich in dem Bild jemanden rausschmeisse der aber eine Woche später auf der Couch sitzt stimmt eben auch was nicht. Todesstrafe ist natürlich eine völlig wahnsinnige und indiskutable Diskussion dabei, ich hoffe aber ihr versteht jetzt die emotional verschiedene Bewertung besser.

    • Rückfrage:

      Was ist wenn du weisst, dass der, den du aus deinen 4 Wänden rauswirfst, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit draußen von einem Auto zu Tode gefahren wird? Wirfst Du ihn dann immer noch raus?

    • Schönes Verständnis von Gastfreundschaft, wenn diese vor allem dazu dient, die Diskriminierung der „Gäste“ zu legitimieren … schon wieder so ein rechtsradikaler Spin, der einzig und allein darauf abzielt, Menschen wegen ihrer Herkunft schlechter behandeln zu können und sich dabei auch noch im Recht zu fühlen. Widerlich.

      Zwei noch krassere Beiträge, die sich auf vermeintliche Gästepflichten berufen, haben wir wegen fremdenfeindlicher Vorurteile gar nicht erst veröffentlicht.

      • Das ist ja eben das perfide, es beginnt damit die Flüchtlinge mit Gästen zu assoziieren und endet mit dem Gefühl dass hier Gastrecht missbraucht wurde.
        Ist teils sicher auch Spin, größtenteils aber eine vorgekaute Kette.
        Und die Story “wer hier zu Gast ist sollte sich benehmen” ist eben ein Klickgarant.
        Ich unterstelle den wenigsten die was von Gastrecht daherreden eine böse Absicht sondern erstmal in einen schwachen Moment geistig irgendwo falsch abgebogen zu sein. Hanlons Razor …

        Schön ausgearbeitet hier:
        https://www.tagesspiegel.de/politik/nach-dem-vorfall-in-ellwangen-falsche-gaeste-und-beleidigte-gastgeber/21300642.html

        Man sollte den Lesern und facebookteilern / linktwitterern die auch noch ein paar likes mitnehmen wollen aber eben nicht den rechtsradikalen Spin vorwerfen sondern den Unterschied zwischen zu Gast sein und Asylrecht in Anspruch nehmen mal ruhig erklären.
        Dann würde sich ein Teil des Untertons bei Amberg vs Bottrop und die Klickratendifferenz der Stories vielleicht irgendwann von alleine erledigen.

    • Wie kommst du auf den Gleichsatz Asylbewerber wären Gäste?
      Gäste kommen immer noch zu Besuch und nicht, um in deinem Bild zu bleiben, um einzuziehen.
      Dieser zwanghafte Wahn zum ‘Gastrecht’ entzieht diesen Menschen doch schon einen nicht unerheblichen Teil ihrer Rechte, die sie durch ihren Status als Asylbewerber haben. Wobei Asylbewerber eigentlich auch schon falsch ist, da die wenigsten von denen Asyl im Sinne des deutschen Asylrechts suchen.

    • Du sagst es, die Sache mit dem Gastrecht ist ein Bild, eine Metapher. Wer sie bemüht, will sich mit Asyl-, Ausländer- oder sonstigen echten Rechtsnormen nicht beschäftigen. Und scheint davon auszugehen, dass alle das gleiche darunter verstehen. Aber was genau soll „Gastrecht“ denn sein? Wo steht es? Behandelt Herr Meyer seine Gäste womöglich anders als Frau Müller und darf er das? Ich verstehe den Reiz, die Metapher als Erklärungsansatz für die Wut der Wutbürger zu bemühen. Aber es hilft nix, die Wiederholung den falschen Vergleichs macht ihn nicht richtiger.

  16. Zum Thema Berichterstattung (Amberg, Bottrop) gibt es noch einen weiteren Punkt, der nicht angesprochen wurde, m.E. aber einen erheblichen Einfluss auf die Inhalte unserer Medienlandschaft hat. Es ist das Thema Reichweite und Sichtbarkeit. Die Tagesschau ist da vielleicht etwas außen vor, aber Print- und insbesondere Online-Medien (auf die ich hier abziele) sind eben sehr stark von Werbung abhängig. Je größer die Reichweite, desto mehr Geld kann über die Werbung verdient werden. Es besteht also durchaus ein Anreiz, Themen und Headlines unter diesen Gesichtspunkten zu wählen, bzw. zu kreieren und über polarisierende und reißerische Inhalte Aufmerksamkeit zu erzeugen. Je polarisierender die Thesen, desto höher die Anzahl an Kommentaren und Shares, was am Ende wieder auf die Reichweite einzahlt.
    Mein Gefühl ist, dass das einen enormen Einfluss auf die Themenauswahl in den digitalen Medien hat und dass hier einfach primär über das berichtet wird, was besser klickt (Siehe Kommentar von Günter). Und mein Gefühl ist auch, dass eben Themen rund um die Migration äußerst populär sind und gut klicken.
    Mich würde interessieren, wie ihr das, auch in Bezug auf den Vergleich Amberg vs. Bottrop, bewertet.

    • Danke, sehr guter Punkt, denke ich!

    • 8. Januar 2019 um 21:19 Uhr
      Christopher Bechtold

      Ich glaube auch die öffentlich-rechtlichen Medien wählen gerne Themen die sich „gut“ verkaufen und Aufmerksamkeit generieren. Ich bin mir nicht sicher, wie oft in den Redaktionen immer nur journalistische Grundstätze herangezogen werden oder eher Reichweite, Aufmerksamkeit für das eigene Medium/Person etc. eine wichtiger Rolle spielen. Das fände ich mal ein Spannendes Thema, da tiefer nachzuschauen und zu überlegen, wie das transparent gemacht werden kann.

  17. Von ausländischen Straftätern und Straftaten zu berichten IST natürlich von öffentlichem Interesse, hallo? Wie kann man das runterspielen? Das Volk muss sich doch eine Meinung darüber bilden, ob es z.B. MEHR oder WENIGER Zuwanderung will? Diese Fragen spielen da schon eine Rolle.

    • Warum sollte denn von solchen Taten mehr berichtet werden als von, sagen wir, Taten von Münchenern oder Katholiken? Dieser Denkansatz ist bereits zutiefst rassistisch, weil er Menschen aufgrund ihrer Herkunft schlechter behandeln will.

      Außerdem hat niemand eine Entscheidung für mehr Migration getroffen, das ist wieder so ein Fall von AfD-Fakenews. Die Menschen kommen halt einfach, egal was wir tun, sofern wir nicht gerade eine Mauer rings um Deutschland bauen. Und abschieben kann man aus vielfältigen Gründen auch nur ein paar Prozent. Die Frage ist also nicht, wer hier ist, denn daran können wir wenig ändern. Sondern die Frage ist, wie wir mit den Menschen umgehen und dafür sorgen können, dass wir alle möglichst gut miteinander auskommen.

  18. Hallo Ulf,

    ich glaube was hier emotional regt ist folgende Aussage Eurerseits.
    Ich hab das mal genau rausgesucht:

    [Zitat ab ca min 10:50]
    „Es gibt einen sehr breiten Bereich von Menschen mit unterschiedlichen psychischen Beeinträchtigungen, die häufig islamistische oder religiöse Motive zur Rechtfertigung [ihrer Taten?] heranziehen oder auch mitunter in einem religiösen Wahn befinden. All das sind denkbare Erscheinungsformen.“

    [ich weiß hier nochmal auf die explizite Betonung im Zitat hin: “sehr breiter Bereich…” & “die häufig…” ]

    Diese Aussage, wie sie so von Euch im Podcast Formuliert wurde, finde ich erstmal NICHT richtig…
    Denn es gibt hier keine Kausalität, die beschreibt, dass “psychische Krankheiten” “religiosen Gewalttaten” begünstigen. Höchsten anders herum (also das es häufig islamistische oder religiöse Taten gibt, die eigentlich nicht aus religiösen sondern oft ehr aus psychischen Beeinträchtigungen resultieren. So übrigens auch die von euch genannte Quelle [Süddeutsche] – Defacto A begünstigt B aber B begünstigt nicht A)

    Was sonne aber glaube ich auch meint ist die Fehlende Abgrenzung bei der Ausdrucksweise “psychisch Krank”, so dass sich für den Hörer eindeutig differenzieren lässt, dass nicht jeder psychisch kranke Gewaltbereit ist. Das kann man deswegen nicht so stehen lassen, da nur ein kleiner Teil an psych. Krankheiten – nämlich z.B. psychosen – die Persönlichkeit und Gewaltbereitschaft von Menschen beeinflussen. Ein Großer Teil der Menschen die “psychisch krank” sind haben aber keine Persönlichkeitsverändernden Krankheiten wie psychosen sondern Depression, Burnout, etc. Diese Krankheiten erhöhen höchstens die Gewaltbereitschaft gegenüber sich selbst :(
    –> Deswegen Veralgemeinerung…

    Ich weiß auf diese Schlussfolgerung, welche durch Eure Aussage entsteht wolltet ihr sicher gar nicht heraus. Ich finde es aber durchaus verständlich, dass solch eine Aussage Betroffene angreift und in der aktuellen Diskussion (PAG etc.) auch schnell “gefährlich” wird und deswegen ein gewisses Feingefühl bei der Diskussion definitiv angebracht wäre. Heutzutage geht es zu schnell Dass man als Mensch mit einer Depression als “Psycho” abgestempelt wird und der Staat würde dann noch am liebsten alle “Psycho’s” Überwachen lassen.. schöne neue Welt. Deswegen auch der Wunsch nach dem gewissen Fingerspitzengefühl bei der Journalistischen Arbeit und Diskussion zum Thema.
    –> Deswegen Stigmatisierung..

    LG

    • Genau, ich wollte nichts Böses unterstellen, aber eben anregen, die Ausdrucksweise zu überdenken sowie wenn man darüber spricht, zumindest die jetzt schon ausführlich erörterte Sachlage (psychisch kranker bedeutet nicht gewaltbereiter) in einem Nebensatz zu erwähnen, um eben die Stigmatisierung nicht indirekt zu befeuern…

      Danke für die Mühe, das Zitat heraus zu suchen!

  19. Zu der Debatte Bottrop vs Amberg ist es meiner Meinung nach wichtig miteinzubeziehen, dass es für viele Menschen bei der Berichterstattung eben nicht einfach nur allgemein um „Straftaten“ geht. Wenn vier Asylbewerber hier Straftaten begehen, dann sind das (für viele) nicht nur einfach weitere Straftaten unter vielen, sondern Fälle von „Ausländerkriminalität“ (oder wie man es auch sonst nennen möchte). Das sind zwei völlig unterschiedliche Blickwinkel. Für viele Menschen ist eine weitere Straftat kein berichtenswertes Ereignis. Aber die Tatsache, dass jemand Straftaten begeht, dem man hier Schutz gewährt, das ist etwas besonderes. Das ist praktisch ein eigenes „Thema“. Und so ganz abwegig ist es ja nicht. Es hat was zu tun mit einem Gefühl von betrogen worden zu sein und mit Verärgerung über einen Rechtsstaat, der solchen Dingen oft hilflos gegenüber steht. Wenn man das nicht mit einbezieht, kann man die Aufregung über solche Dinge natürlich nicht verstehen.

    • Danke für den Beitrag!

      Wenn vier Asylbewerber hier Straftaten begehen, dann sind das (für viele) nicht nur einfach weitere Straftaten unter vielen, sondern Fälle von „Ausländerkriminalität“ (oder wie man es auch sonst nennen möchte).

      Aber genau das ist das Problem: Es wird dasselbe Verhalten für schlimmer gehalten, nur weil die Beschuldigten “Ausländer” sind. Und das ist eben Rassismus und gehört rational bekämpft.

      • Das steht in machen Fällen bestimmt auch in Verbindung mit Rassismus, aber nicht zwingend. Ich bin mir sicher, dass viele Mallorciner sich mehr über hemmungslose Saufgelage deutscher Touristen aufregen als über die gleichen Taten Einheimischer. Ist das Rassismus? Ich denke nicht. Man hat an Gäste einfach höhere Erwartungen im Hinblick auf ihr Verhalten. Das geht wohl den meisten so.

      • Aus meiner Sicht ist ein Aspekt hierbei ganz wichtig. Das Thema Sozialisation. Wenn ein in Deutschland sozialisierter Mensch (und hierzu gehören auch Immigranten aus 2. Generation) eine Straftat begehen, tragen wir als Gesellschaft eine Teilschuld, weil wir dem Menschen nicht genug Halt, Unterstützung o.Ä. Gegeben haben. Begeht ein Flüchtling jedoch die gleiche Straftat, tragen wir als Gesellschaft keine Schuld an dessen Sozialisation und somit einem der Auslöser der Straftat. Deshalb finde ich die Unterscheidung zwischen Flüchtling und Immigrant durchaus relevant und auch den Blickwinkel aus der wir die Straftat betrachten sollten. Was meint ihr?

      • Es ist immer wieder erstaunlich, welche Klimmzüge die Leute machen, um menschenfeindliche Einstellungen zu verargumentieren und “Verständnis” dafür einzufordern.

      • Hallo Karsten,
        Ich bin offen für Diskussion. Durch Diskurs bildet man Meinung und ich bin gern bereit meine zu ändern. Was findest du denn an dem Aspekt der sozialisation falsch? Zudem finde ich die Einstellung nicht menschenverachtend. Ich finde es falsch Kriminalität anhand von Nationalität, Herkunft oder Hautfarbe zu messen (das kann tatsächlich rassistisch sein). Jedoch an deren Verhaltensweise. Ich mach mal ein Beispiel fern ab von irgendwelchen rassismusdebatten. Ist es MORALISCH nicht schlimmer einem
        Obdachlosen seine letzten 10€ zu klauen statt einem gut situierten, den das im Zweifel nicht sonderlich wehtut? Vor dem Gesetz auf jeden Fall dasselbe, aber moralisch…

  20. Auch ich habe ein paar Kommentare zur Sendung. Erst einmal: Frohes neues und vielen Dank, dass ihr euch wieder hintergesetzt habt, um uns zu unterhalten und informieren. Finde ich nach wie vor toll. Eure Bemuehungen hier in den Kommentaren auch zu antworten ist ebenfalls vorbildlich, vor allem da es hier ja durchaus nicht unkritisch zugeht.

    Mir gefaellt eure Berichterstattung ueber die Bottrop/Amberg-Situation sehr gut. Ich lebe seit vielen Jahren nicht mehr in Deutschland und obwohl ich probiere, mich auf dem Laufenden zu halten, geht so etwas an mir vorbei. Ich denke allerdings nicht, dass unsere Medien jetzt ihre Objektivitaet aufgeben sollten. Bisher habe ich in keinem anderen Land eine generell so ausgewogene Berichterstattung wie in Deutschland erlebt, das wuerde ich ungern missen. Ich stimme aber zu, dass sich zu den Werten des Grundgesetz bekannt werden sollte.

    Bezueglich der Netzabdeckung und Internetgeschwindigkeit war meine Erfahrung uebrigens genau entgegengesetzt: mit der Ausnahme von Grossbritannien haben alle Laender in denen ich bisher gelebt habe (EU+Israel) Deutschland weit abgehaengt. Zur Zeit lebe ich in Rumaenien, wo ich weniger als 5 Euro pro Monat fuer eine Standleitung mit 100 Mbit Up- und Download bezahle. Dazu fuer unter 3 Euro pro Monat ein Handyvertrag mit 50 GB LTE (4G), danach unbegrenzt gedrosselt auf 3G. In groesseren Staedten und deren Umland ist diese Verbindung auch in der Regel verfuegbar. Dazu kostenlose Anrufe auf Festnetze der EU, USA, Kanada und China, 3000 Minuten pro Monat kostenlos in Mobilfunknetze in USA, Kanada und China. Das Roaming ist allerdings nicht kostenlos, ich zahle im EU-Ausland 4 Euro pro GB (dieser Anbieter gehoert zu den EU-weit 37 Anbietern, die von der Roamingregelung ausgeschlossen wurden).

  21. Ihr stellt Euch gerne als fürchterlich objektiv da. Das ist in jeder Sendung zu sehen.

    Seinerzeit bei Eurer Darstellung des “Framing”-Vortrags hatte ich dazu einmal etwas geschrieben: Ihr unterliegt selbstverständlich auch einem Framing, nämlich dem Eurer Liberal-Grünen-Hacker-Blase aus Berlin. Das ist von mir aus ein sympathisches Framing, aber es bleibt ein Framing und ein Weltbild.

    Hier kann man eine journalistische Aufarbeitung der Komplexe Bottrop/Amberg lesen, aus anderer Perspektive:

    https://www.publicomag.com/2019/01/vier-meldungen-und-ein-trauerspiel/

    Nach meinem Framing und meinem Weltbild (ja, das habe ich auch) – liegt Herr Wendt viel Näher an der Wahrheit als Ihr.

    Das mag nach “he said/she said” klingen – soll aber verdeutlichen, dass Ihr so neutral nicht seid.

    Vor Allem wird aus dem Text von Wendt deutlich, dass es nicht so ist, wie Ihr schreibt – dass nämlich quasi die gesamte deutsche Presse auf die armen Asylbewerber einschlägt und den deutschen Täter als Unfall abqualifiziert.

    Ganz im Gegenteil. Ich habe es in der Mainstream-Presse als große Erleichterung wahrgenommen, dass endlich ein Deutscher einen “Anschlag” begangen hat – jetzt kann ja wieder die enorme Gefahr, die in Deutschland “von rechts” ausgeht, herausstellen. Dagegen legt man in anderen Fällen, in denen ein Schizophrener im Wahn eine Attacke begeht, darauf wert, dass dies eben kein Fall überregionaler Bedeutung ist.

    Dabei ist der “Kampf gegen Rechts” doch das größte Dauerthema in den Medien. Wieviele Stiftungen und NGOs werden von den Steuergeldern dazu finanziert? Finde ich grundsätzlich auch ok, die Nazi-Gehirnseuche sollten wir bekämpfen. Aber das Ihr Euch hinstellt und behauptet, wir würden in Deutschland ja kaum was für den “Kampf gegen Rechts” tun, zeigt wieder einmal nur, wie einseitig Euer Weltbild geframed ist.

    • Ihr stellt Euch gerne als fürchterlich objektiv da. Das ist in jeder Sendung zu sehen.

      Im Gegenteil: Wir stellen die Fakten objektiv dar und kommentieren sie dann – wie es jeder Journalist und jede Journalistin tun würde – notwendigerweise subjektiv.

      Herr Wendt unterliegt dem Irrtum, dass die Herkunft eines Tatverdächtigen ein entscheidendes Kriterium für die Bewertung einer Tat sei. Das halte ich für rassistisch, wie ich in der aktuellen Folge schon begründet habe. Und auch ansonsten ist das lediglich eine Polemik: Was Constanze von Bullion in der SZ schreibt ist eben die Meinung dieser einen Journalistin, sagt aber über eine Schlagseite “der Medien” wenig aus. Dass hingegen die hyperventilierende Berichterstattung über den “Fall” Amberg rassistische Züge trägt haben wir ja bereits ausführlich diskutiert. Und der Anschlag auf das AfD-Büro ist in den überregionalen Medien breit berichtet worden, da verstehe ich das Problem von Herrn Wendt nicht. Dass die AfD von dem Unsinn im Zweifel profitieren wird ist doch eine gut nachvollziehbare These.

    • Ich glaube du vermischt hier etwas die Objektivität der Berichterstattung und der daraus folgenden subjektiven Bewertung in der Diskussion und auch noch die Unabhängigkeit des Mediums LdN. Das die beiden in der Diskussion ihre subjektive Sicht einbringen ist doch nur logisch.
      Das Problem bei den meisten Medien ist doch eher, dass sie nicht so genau auf die Trennung objektiver Fakten und subjektiver Deutung achten.
      Da finde ich machen die beiden Ulf’s einen hervorragenden Job das zu trennen.

  22. Die Netzabdeckung wird in Deutschland nicht besser, wenn man mit ner ausländischen SIM-Karte unterwegs ist: ich leb in Ostasien und bin im Jahr nur einige wenige Wochen in Deutschland. Die letzten Jahre hat mein Mobilfunkanbieter nen recht günstigen Tarif auch für Datenroaming und damit entfällt dann das herumhantieren mit nem weiteren (alten) Handy für Tethering und der Powerbank usw, sodass ich eben das Datenroaming nutze. Jeweils das erste Mal ohne Netz bin ich nach ca. 5 Minuten auf der Autobahn von Flughafen München Richtung Deggendorf – und das obwohl ich alle deutschen Mobilfunknetze nutzen könnte. Gerade diese Infrastruktur ist in Deutschland einfach nur schlecht.

  23. Erstmal vorneweg – ich finde es schade, dass man Anmerkungen zur Sendung in die öffentliche Runde werfen muss (man wird ja darauf hingewiesen, nicht per Mail zu schreiben). Das zwingt einen, sich entweder nicht zu beteiligen oder in die Netzdebatte miteinzusteigen. Da ich alle Debatten im Netz grundsätzlich kritisch sehe, fühlt sich das für mich komisch an. Könnt ihr nochmal kurz erläutern, warum ihr das so macht? (eine persönliche Antwort auf eine Mail würde ich gar nicht erwarten).
    Hier trotzdem meine Anmerkung zur letzten Sendung, weil sie mir sehr wichtig ist. Ich beziehe mich auf das Thema Amberg/Bottrop und die Frage nach der Berichtserstattung (wann soll worüber wie berichtet werden). Ganz konkret möchte ich zu dem Punkt “Gewalt gegen Frauen/Beziehungstaten” Stellung nehmen. Mich hat erschreckt, dass ihr diese Taten für meine Begriffe etwas zu lapidar als nicht berichtenswert abgetan habt. Ich verstehe euren Ansatz – es sollte egal sein, welcher Mensch diese Tat begeht. Aber es hörte sich so an, als wärd ihr der Meinung, dass sind private Beziehungstaten, da solle nicht darüber berichtet werden. Da Gewalt gegen Frauen aber ein so grundlegendes Phänomen ist, scheint es doch ein Thema zu sein, über das auf jeden Fall berichtet werden muss. Sicherlich sinnvollerweise im größeren Zusammenhang und der Frage folgend – welches System begünstigt das, was kann man dagegen tun. Aber das zu einem rein privaten Thema zu machen, da würde ich sehr protestieren. Das ist mehr als privat, so wie auch Armut oder beispielsweise Obdachlosigkeit nicht nur privat sind. Vielleicht habe ich euch da aber auch falsch verstanden.
    Tatsächlich würde ich mir gerade bei diesem Thema wünschen, dass ihr es mal aufgreift, gerade was das sehr sehr heiße Eisen Gewalt/Sexismus gegen Frauen und Migration betrifft. Denn ich empfinde es ganz persönlich immer noch so bzw. im Grunde zunehmend so, dass sich die Debatte da in zwei Lager spaltet. Die einen sehen im fremden Mann die Wurzel allen Übels und folgen damit einem rassistischen Reflex. Die andere Seite aber neigt dazu, nicht wirklich gerne über das Thema reden zu wollen und das ein wenig wegzuwischen. Denn wenn es tatsächlich ein messbares mehr an Gewalt gegen Frauen aus bestimmten Kulturkreisen gibt, dann ist das ein Thema. Denn natürlich führt dann ein mehr an Migration hier zu einer Änderung der Situation für Frauen in Deutschland. Und das ist dann wieder nicht privat und so schwierig als Thema, dass man es eben differenziert diskutieren sollte. Gerade in einer Sendung wie eurer. Ich bin da persönlich als Frau und Mutter einer Tochter auf der Suche nach einer Position, die sich klar von der AfD abgrenzt, aber trotzdem schwierige Entwicklungen nicht negiert, weil sie schwer zu behandeln sind. Das ist wirklich mal ein Bereich, wo man sich von keiner der beiden Seiten vorgeben lassen sollte, was und wie man berichtet und diskutiert.

    • ich finde es schade, dass man Anmerkungen zur Sendung in die öffentliche Runde werfen muss (man wird ja darauf hingewiesen, nicht per Mail zu schreiben). Das zwingt einen, sich entweder nicht zu beteiligen oder in die Netzdebatte miteinzusteigen. Da ich alle Debatten im Netz grundsätzlich kritisch sehe, fühlt sich das für mich komisch an. Könnt ihr nochmal kurz erläutern, warum ihr das so macht?

      – weil wir keine Zeit haben, individuelle Diskussionen per Mail zu führen, sodass Mails ohne Antwort bleiben würden, was für alle Beteiligten unschön ist

      – weil die meisten Anmerkungen zur Sendung auf Missverständnissen beruhen, die sich hier in den Kommentaren schnell aufklären, meist sogar von anderen Diskutierenden, sodass wir gar nichts dazu schreiben müssen

      So auch hier: Wir haben nicht gesagt, dass über Gewalt in Beziehungen nicht berichtet werden soll, im Gegenteil haben wir das doch gerade getan! Sie ist nur so häufig, dass einzelne Fälle von Tagesschau & Co. zu Recht als nicht von nationalem Interesse betrachtet werden. Und daher sollten solche Taten auch nicht berichtet werden, wenn ausnahmsweise mal ein Flüchtling verantwortlich zu sein scheint.

      • Liebes Lage-Team, ich freue mich immer auf jede Folge und habe schon sehr viel von Euch mitgenommen. Diesmal habe ich die Folge abgeschaltet, weil ich mich beim Hören so schlecht gefühlt habe. Denn was ihr auch in meiner Sicht etwas lapidar als Vergleich reingeworfen habt, hat mich sehr bewegt.
        Gewalt gegen Frauen passiert so häufig, dass die Nachricht keine Nachricht ist und somit nicht von nationalem Interesse.
        Dem würde ich zustimmen, wenn denn die Berichterstattung “in Sammlung der Fälle” ausreichend stattfände. Das ist aber nicht so. Wir lassen das als Nation so zu.
        Das verändert den Diskurs Migrant/Nicht-Migrant nicht und es ist sicher nicht sinnvoll Sexismus und Rassismus zu vergleichen im Sinne: Was ist schlimmer?
        Dennoch ist mir dieser Teil Nahe gegangen und was das eigentlich bedeutet lenkt mich völlig von eurem eigentlichen Thema ab.

  24. Ganz großer Punkt – Nationalitätentausch bei Tätern.
    Das waren die besten Minuten einer Unterhaltung in einer Show (Podcast, TV usw.) seit langem.
    Vorallem der Lösungsansatz: Politische Haltung bekennen und transparent machen.

    Denn das Ziel sollte doch eine Diskussion sein, in der jeder seine Meinung einbringt.

    Zudem sind Menschen am A****, auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichen Ausprägungen. Das mit nur einem Satz begründen zu wollen ist naiv.

  25. Zum Thema Netzausbau:
    Wie wäre es denn mit einer Kombination aus den beiden Modellen die ihr vorgestellt habt: also nationales Roaming und zusätzlich eines Bundesgesellschaft als Netzbetreiber? Man könnte ja die Netzbetreiber zum nationalen Roaming zwingen und so viele weiße Flecken schließen. Wenn dann aber noch Lücken übrig sind kommt die steuerfinanzierte Betreibergesellschaft und stellt dann da „an die Milchkanne“ einen Funkmast, in den alle reinroamen müssen gegen eine entsprechende Gebühr. Und entweder es kommen dann genug Gebühren zusammen, dass es für die regulären Betreiber lästig und teuer wird, sodass sie eigene Masten aufstellen oder der Umsatz bleibt dann halt zu niedrig und der Funkmast wird vom Bund subventioniert betrieben und kann dann auch defizitär stehen bleiben. So könnte man aus beiden Modellen noch einen Synergieeffekt ziehen.

  26. Hui,

    heute hat mich die Folge fast schon erschreckt! Ich fand den Podcast an sich von Beginn an top, endlich mal einen Zusammenfassung der Woche in relativ neutraler Fassung und vor allem mit gut erklärten Hintergründen. Heute allerdings hatte ich das Gefühl der Podcast kippt immer etwas mehr (heute eben besonders merkbar) von
    “Zusammenfassung mit Hintergründen und etwas eigenem Statement”
    zu
    “Eigene Meinung mit etwas Zusammenfassung und weniger Hintergründen”
    So ein kippen habe ich schon vor einiger Zeit beim Podcast “Netzpolitik” bedauert und ihn irgendwann nicht mehr gehört.

    Krass fand ich auch die Aussagen zur möglichen Debatte über die Todesstrafe. Ganz klar, die dümmliche Begründung des AfD-Mannes ist völlig absurd, wie die AfD an sich schon eher absurd ist. ABER obwohl ich auch eher gegen die Todesstrafe tendiere halte ich den Umgang im Podcast mit der möglichen Debatte darüber für Fatal. Genau so ein “wegwischen” der Möglichkeit einer Debatte und dann noch ein verächtliches “Lächeln” über die Idee dürfte der AfD gleich wieder ein paar Wähler bringen. Warum? Weil einfach gestrickte Menschen sich hier leicht darin bestätigt fühlen können dass ihre Gedanken nicht ernst genommen werden. Natürlich ist die mögliche Todesstrafe ein sehr krasses Thema, ein Mensch der bewusst seinen Pkw in andere Menschen fährt ist das allerdings auch!

    Ich hoffe ihr findet eine ausgewogene Balance zwischen Zusammenfassung und Meinung. Den Grundansatz dass auch Berichterstatter eine Haltung haben und zeigen sollten finde ich völlig richtig, aber es sollte nicht überhand nehmen.

    MfG Jörg

    • Moment, habe ich das richtig verstanden? Du beklagst, dass wir uns eindeutig gegen die Todesstrafe aussprechen und diese Frage auch nicht für einer ausführlichen Diskussion bedürftig gehalten haben?

      • Nein, bei der Aussage wird mir erheblich zu viel in meine Aussage hinein gedeutet, das geht mir schon fast in Richtung Unterstellung! Es geht nicht um eine “ausführliche Diskussion” sondern um die Frage ob eine Debatte egal in welcher Ausführlichkeit schlicht als unnötig tituliert wird. Wenn man aus den Gründen X oder Y gegen die Todesstrafe ist kann man das ja so argumentieren ohne ausführlicher werden zu müssen. Da es aber Menschen gibt die offensichtlich nicht grundsätzlich gegen die Todesstrafe sind sollte man sich in Form einer Debatte auch mit diesen Menschen auseinandersetzen und nicht per “arrogantem Handwisch” diese Debatte sofort für unnötig erklären da man genau damit die Fronten nur sinnlos verhärtet. Dazu kommt dann einfach die Frage des Formats, d.h. wollt ihr mit Schwerpunkt Wochen-Zusammenfassung podcasten oder wollt ihr eure Meinung verkünden?! Ersteres würde sicher auch Berichterstattung über Dinge erfordern die man selber nicht als in Ordnung empfindet.

        Und “du beklagst, das wir und eindeutig gegen die Todesstrafe” empfinde ich hier eher als den Versuch mich in eine Ecke zu drängen in der ich nichts zu suchen habe, schon das Wort beklagen impliziert da eine Wertung.

        MfG Jörg

      • Ich habe niemanden in eine Ecke gedrängt, ich habe eine Frage gestellt. Und ich halte den Verzicht auf die Todesstrafe in der Tat auch nicht für begründungsbedürftig, nachdem sie sowohl vom GG als auch vielen Landesverfassungen für unzulässig erklärt wird und eine 2/3-Mehrheit für Hinrichtungen glücklicherweise nicht zu erwarten ist.

      • Lieber Ulf, ich würde Jörg beispringen, denn auch solche vermeintlichen Nicht-Themen wie die Todesstrafe bedürfen durchaus der fortgesetzten Begründung.

        Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass die Todesstrafe danke des GG bei uns abgeschafft wurde. Und natürlich, das bedeutet rechtlich, dass diese nicht so einfach wieder eingeführt werden kann.

        Dennoch sollte man deswegen nicht denken, dieser glückliche Umstand sei in Debatten daher nicht mehr begründungsbedürftig. Ist es nicht gerade einer der Fehler der liberalen Demokratien, dass man sich zu lange auf dem Erreichten ausgeruht hat? Ich würde behaupten, ja. Die Annahme, das Erreichte würde sich schon von alleine erhalten und bedürfe nicht einer fortgesetzten Verteidigung und Begründung, hat meiner Anischt nach zum Erstarken antiliberaler Kräfte in den letzten Jahren beigetragen.

        Die Sinnlosigkeit der Todesstrafe lässt sich sehr gut begründen und darum sollte man nicht davor zurückschrecken. Wenn man den liberalen Konsens stärken will, muss man seinen Kritikern offen begegnen und diese überzeugen.

      • Danke für den Einwand.

        Ich stimme Dir zu, dass es viele Debatten gibt, in denen man für seine Meinung werben muss.

        Die Frage nach der Todesstrafe ist aber gottseidank noch keine solche Debatte, sondern völlig zu Recht ein Tabu. Und über solche Tabus zu diskutieren ist brandgefährlich, weil es den Bereich des Möglichen und Sagbaren verschiebt. Damit geht man der AfD auf den Leim, deren Ziel es ja gerade ist, Rechtsstaat und Demokratie durch einen autoritären, rassistischen Nationalstaat zu ersetzen, in dem natürlich mit „Volksschädlingen“ kurzer Prozess gemacht würde. Und das Mittel dazu ist es, den demokratischen Konsens auszuhöhlen.

      • Tabus sind eine zu tiefst religöse Angewohnheit. Wenn der Schamane einen Widerspruch zur Religion nicht klären wollte, hat er auf das Thema ein Tabu gepappt und schon war Ruhe.
        In einer aufgeklärten Gesellschaft brauchen wir keine Tabus sondern sollten in der Lage sein jede unserer Positionen jederzeit begründen zu können.
        Wir sollten übrigens froh sein das Menschen sich nicht an Tabus halten, den so etwas wie die Gleichstellung von Frauen und Männern oder die Homoehe waren auch lange Zeit Tabus die glücklichweise aufgebrochen wurden. Und bis zu letzt verteidigt wurden mit genau deinen Argumenten, Ulf.
        Wer also meint die Demokratie zu verteidigen in dem er bei jedem unangenehmen Thema Tabus errichtet, tut genau das Gegenteil.

  27. Eure Amerika-Berichterstattung hat regelmäßig Ungenauigkeiten und Fehler. Auch diesmal wieder

    1. Nancy Pelosi ist zwar die erste Female Speaker of the House of Representatives – war sie aber auch schon von 2007-2011.

    2. Government Shutdown und Debt Ceiling/Limit sind zwei unterschiedliche unzusammenhängende Unsinnigkeiten des amerikanischen Systems. https://www.pgpf.org/blog/2017/09/whats-the-difference-between-a-government-shutdown-and-the-debt-limit

    Zu den Shutdowns kommt es auch regelmäßig erst seit den 70ern.

    (Wiki: Since 1976, when the current budget and appropriations process was enacted, there have been 22 gaps in budget funding, 10 of which led to federal employees being furloughed. Prior to 1990, funding gaps did not always lead to government shutdowns, but since 1990 the practice has been to shut down the government for all funding gaps. Shutdowns have also occurred at the state, territorial, and local levels of government. https://en.wikipedia.org/wiki/Government_shutdowns_in_the_United_States)

    • Ich verstehe nicht, warum du so pampig kommentierst … sowohl auf die zweite Amtszeit von Nancy als auch auf den Unterschied zwischen Debt Ceiling und Shutdown haben wir doch ausdrücklich hingewiesen.

  28. Als ihr über psychische Krankheiten und Gewalttaten gesprochen habt, hat mir eindeutig die Abgrenzung gefehlt, dass eine psychische Krankheit in der Regel keine Gewalttaten auslöst und dass statistisch gesehen psychisch Kranke und psychisch Gesunde prozentual gesehen gleich viele Straftaten begehen. Es ist so wichtig, das zu erwähnen, wenn man von einem möglichen Zusammenhang zwischen Tat und Psyche spricht, denn ein nicht unerheblicher Teil der Stigmatisierung von psychischen Krankheiten stammt aus den Medien, die Gewalttaten und psychische Erkrankung in einem Atemzug nennen und dabei eben nicht disclaimern, dass die meisten psychisch Kranken keine Straftaten begehen. Auf Instagram schreibt darüber z.B. @diepsychotherapeutin, selbst Psychotherapeutin, die die Stigmatisierung von psychischen Krankheiten leid ist.
    Ich verlange keine ausführliche Debatte darüber – aber wenn man z.B. eine Beziehungstat eines Ausländers in die Reihe von Beziehungstaten von deutschen Staatsbürgern einordnen kann, dann kann man auch zumindest erwähnen, dass zwar viele Islamisten, die Gewalttaten begangen haben, psychische Probleme / Krankheiten haben, aber dass eine psychische Erkrankung Gewalttaten tatsächlich nicht unbedingt begünstigt (da prozentual gesehen psychisch Kranke eben NICHT mehr Gewalttaten begehen). Eine kurze Einordnung reicht vollkommen. Das würde ich mir als kurzen Nachtrag wünschen.

    *Quellen gerade nicht verfügbar, da unterwegs, kann ich aber nachliefern

    • https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/article/926984/psychische-stoerungen-risikofaktor-gewalttaten.html

      Kurzes Googlen: Psychisch Kranke sind nicht allgemein Gewaltbereiten; Psychosen und Suchtkrankheiten begünstigen Gewalt, andere Krankheiten aber NICHT!!! und der Großteil der psychisch Kranken hat z.B. Depression oder Angststörungen OHNE Psychosen (Quelle: Lena Kuhlmann – Psyche? Hat doch jeder)

    • “… jedoch ist das Gewaltrisiko bei Psychosen und Suchterkrankungen erhöht.”

      Genau das ist auch meine berufliche Erfahrung: Wir sind in D eher zu lasch, wenn es um die Zwangsbehandlung oder Unterbringung von Menschen beispielsweise mit paranoider Schizophrenie geht. Ich möchte nicht wissen, wie viele versuchte oder vollendete Tötungen wir verhindern könnten, wenn wir da insgesamt besser durchgreifen würden. Insofern sehe ich mich leider außerstande, das Thema in Deinem Sinne noch mal aufzugreifen.

      • Psychosen oder Suchterkrankungen sind aber nicht gleich alle psychischen Erkrankungen und da ist es wichtig, das abzugrenzen! Bei Psychosen teile ich deine Meinung, aber bei den allermeisten psychischen Erkrankungen ist die Gewaltbereitschaft und auch die Straffälligkeit nicht erhöht und das ist eben wichtig, das dazu zu sagen, wenn nicht als Nachtrag, dann eben in Zukunft.
        Wahrscheinlich macht man als Richter eben nicht die Erfahrung mit all den ungefährlichen Fällen, aber mind. jeder 4. hat in seinem Leben eine psychische Erkrankung und es ist so so wichtig, dass alle Nicht-Betroffenen verstehen, dass das i.d.R. nichts mit Gewalt zu tun hat – deswegen sollte in Berichterstattungen zumindest der Nebensatz fallen, dass die meisten psychischen Erkrankungen eben keine Gewalt begünstigen.

      • Auch ein lesenswertes Interview. Nur ein sehr geringer
        Prozentsatz an psychisch Kranken ist gewaltbereiter, die überwiegende
        Mehrheit nicht! Und nur das wollte ich bekräftigen. Die prozentual gesehen wenigen Fälle, die du beschreibst, Ulf, da stimme
        ich dir wie gesagt zu. Nur muss man eben Psychosen oder paranoide Störungen klar von psychischen Erkrankungen im Allgemeinen
        abgrenzen. https.aerztezeitung./medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/article/926984/psychische-stoerungen-risikofaktor-gewalttaten.html

      • Hallo Ulf,
        Ich glaube das Problem ist (und das will sonne denke ich auch sagen), dass du / bzw. Ihr im Podcast nicht zwischen “psychischen Krankheiten” und “Psychosen” unterscheidet.

        Psychosen stellen nur einen kleinen Teil der Gesamtheit aller psychischer Krankheiten dar.
        (Q: https://de.wikipedia.org/wiki/Psychose#cite_note-M%C3%BCller2013-2)
        Wenn Ihr aber von “psychisch Kranken” oder “psychischen Krankheiten” sprecht, dann sprecht Ihr die Gesamtheit der Menschen an, die an Krankheiten leiden die mit der Psyche zu tun haben, also nicht nur Psychosen sondern z.B. auch Burnout oder Depression.

        Wie du im Kommentar richtig zitiert hast ist das Gewaltrisiko bei *psychosen* und Suchterkrankungen ggf. höher ABER eben nicht gleich bei AKLLEN “psychischen Krankheiten”.

        Ich würde mir deswegen aus zwei Gründen hier eine bessere Differenzierung wünschen:
        1. Tut ihr den Menschen unrecht, die an psychischen Krankheiten leiden, welche keine Psychosen darstellen, da diese mit der Aussage das “psychisch Kranke” Gewaltbereiter wären, alle in einen Topf geworfen werden.

        2. hantiert ihr, meiner Meinung nach, genauso wie die Politik mit einem sehr heißen Eisen. Insbesondere in Zeiten des PAG (zumind. Bayern) welches psychisch kranke ebenfalls nicht genügend differenziert und diese fast schon mit Straftätern gleichsetzt, sollte hier weder von der Politik noch von dem Medien eine solche Verallgemeinerung und Stigmatisierung vorgenommen werden.

        Meiner Meinung nach solltet besonders Ihr hier euer übliches Maß an Recherche, Ausdrucksweise sowie Sinnhaftigkeit und Qualität eures journalistischen Handelns walten lassen. Das sehe ich aber aktuell in Bezug auf die Thematik noch nicht.

        Deswegen Bitte auch ich hier nochmal nachzuhaken und dies ggf. nochmals zu korrigieren.
        VG

    • Hallo Allerseits,
      Ich würde mich hier gerne anschließen. Solche Verallgemeinerungen bzw. Vereinfachungen in der Debatte um psychische Krankheiten halte ich für äußerst fraglich und sogar gefährlich. Von LdN würde ich erwarten differenzierter auf die Thematik einzugehen.

      Nicht nur dass ca. 1/4 bis 1/3 der Gesellschaft durch solche Aussagen Unrecht getan wird, weil sie irgendwann von einer psychischen Krankheit betroffen sind, die in den Medien stigmatisiert wird. Solch eine Vereinfachung in der Diskussion halte ich auch politisch für äußerst gefährlich, da die Politik bereits durch das PAG hier eine defakto Gleichstellung von psychisch kranken Menschen mit Straftäter angeht. Die Politik hantiert hier meiner Meinung nach eh schon mit heißen Eisen, eine Stigmatisierung der Thematik sollte von Medien also vermieden werden. Dass Bild, Focus und Co solche Themen vereinfachen oder verallgemeinern ist klar (nicht verständlich aber deren Qualität entsprechend) aber LdN setzte seither meiner Meinung nach normal eine höhere Maß an Feinfühligkeit, Recherche und Ausdrucksweise an. Wäre toll wenn ihr hierauf nochmal korrigierend eingehen könntet oder zumindest in den weiteren Folgen solchen Themen bedachter angeht, um dem Medialen Bias und dem Volksmund zu entkommen.
      LG

      • Sorry, aber niemand hat behauptet, dass alle Menschen mit psychischen Erkrankungen gefährlich werden. Ich glaube sofort, dass es Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen gibt, und das ist natürlich ärgerlich. Aber wir können nicht für jedes denkbare Missverständnis unser Diskussion einen Disclaimer mitliefern.

      • Nein, das meinte ich auch nicht und das sollte auch nicht so rüberkommen. Aber es wurden Aussagen getroffen wie “viele gewalttätige Islamisten haben/hatten psychische Erkrankungen” ohne da differenziert darzulegen, dass zwischen psychischen Erkrankungen und Gewalt i.d.R. kein Zusammenhang besteht. Vielleicht bin ich bei dem Thema als Betroffene auch etwas voreingenommen, ich wollte euch jedenfalls keine böse Absicht unterstellen, da ich euren Podcast wirklich sehr schätze.
        Für mich ist es so, dass man bei Pöbeleien von Asylsuchenden eben auch erwähnt (wie ihr das getan habt), dass auch einheimische Jugendliche das täglich tun – und dass man, wenn man von einem Zusammenhang von psychischen Erkrankungen und islamischen Gewalttaten eben auch offenbart, dass dies aber auch psychisch Gesunde tun bzw. dass da eben, bis auf Psychosen und Suchtkrankheiten, kein Zusammenhang besteht.
        Vielleicht ist das tatsächlich zu viel und ich hätte mir das denken können, aber vielleicht habe ich auch einfach zum Nachdenken angeregt, wie man über solche Themen sprechen kann, dann wäre ich auch schon glücklich.

  29. Ihr habt in der ersten, halben Stunde sehr ausführlich zu Journalismus und Berichterstattung gesprochen. Dazu, dass in den meisten Fällen, wenn über Straftaten von Ausländern berichtet wird, diskriminierend ist, weil für die Straftat nicht relevant. Und auch, dass viele Straftaten – wie z.B. die Beziehungstat von Kandel – nicht vom öffentlichen Interesse sind.
    Da interessiert mich, wie Ihr zu diesem Beitrag recherchiert habt. Ihr habt keine Quellen genannt, die belegen, dass über Straftaten von Ausländern mehr oder intensiver berichtet wird. Die Berichterstattung über Amberg ist übertrieben, aber es ist nur ein Fall. Auch habt Ihr gesagt, dass das öffentliche Interesse entscheidend ist. Allerdings entscheidet Ihr quasi unilateral, was vom öffentlichen Interesse ist und was ist. Wenn Ihr von Öffentlichkeit sprecht, solltet Ihr diese doch auch irgendwie einbeziehen. Und auch hier könnte man Umfragen, Untersuchungen u.ä. anführen, was die Bevölkerung selbst für von öffentlichem Interesse hält. Ob sie die Ermordung einer 15-Jährigen für eine “normale” Beziehungstat hält oder nicht.

    Ich bin mir bewusst, dass man das nicht alles recherchieren kann. Aber in eurem gesamt Bericht gibt es nicht eine Quelle. Alles basiert auf eurem persönlichen Eindruck und auf eurer Filterblase, dass sich alle von der AfD einlullen lassen.

    Das was Ihr da macht ist für mich kein Journalismus:
    1) Ihr lasst euch nur von eurem persönlichen Eindruck leiten.
    2) Berichterstattung über Kandel wird einseitig ausgelegt, als normale Beziehungstat. Aber es gibt eben auch gute Gründe darüber zu berichten – wie das Alter des Opfers. Aber selbst die Nationalität des Täters kann wichtig sein, um die Tat möglicherweise besser zu verstehen. Da er aus einem Land kommt, wo die gesellschaftliche Stellung der Frauen viel schlechter als in Deutschland ist und daher auch Gewalttaten gegen Frauen häufiger sind. Ja, es gibt bestimmt auch Argumente, die Nationalität zu verschweigen. Aber Ihr macht keine Abwägungen, keine Diskussion, ob es vielleicht doch Gründe gab, über den Fall und den Täter so zu berichten, wie berichtet wurde.
    3) Wenn Ihr euch darüber aufregt, dass es bei Bottrop keine große politische Debatte über rechte Gewalt gibt. Aber gleichzeitig spekuliert Ihr über die psychische Erkrankung des Täters. Warum sollte man wegen einer schweren psychischen Erkrankung, eine große politische Debatte losbrechen? Solange die Motivation des Täters nicht eindeutig geklärt ist, sollte man sich von einer Bewertung zurückhalten.

    Journalisten sollten die Öffentlichkeit nicht bevormunden oder aufgrund Ihrer eigenen persönlichen Weltanschauung berichten. Journalisten können durchaus Ihre eigene Meinung haben, dann sollten Sie diese aber auch transparent und begründet darlegen.
    Vorallem verlange ich aber von Journalisten, dass Sie die Diskussionen und Meinungen innerhalb der Öffentlichkeit neutral wiedergeben. Dazu gehört es der öffentlichen Diskussion zuzuhören, zusammenzufassen und zu erklären. Und ja auch die eigene Meinung dazu äußern – aber dann bitte so, dass es auch als persönliche Meinung klar erkennbar ist.

    • Keine Ahnung, was Du uns mit dem Kommentar sagen willst … dass über das Nicht-Ereignis in Amberg breit berichtet wurde kann doch jeder sehen, der die Zeitung aufschlägt oder einen Blick ins Netz wirft, dafür braucht es keine weiteren Quellen. Ansonsten kannst Du unsere Quellen Woche für Woche in den Shownotes nachlesen und sogar als Newsletter abonnieren.

      • Für eure Behauptung, dass über kriminelle Ausländer stärker berichtet wird, als über Deutsche, habt ihr keine Quelle. Nur diesen Einzelfall Amberg und euren persönlichen Eindruck.

      • Es ist ja auch offensichtlich … die Fälle Kandel und Amberg betreffen jeweils Sachverhalte, die es allenfalls in die Lokalzeitung geschafft hätten, ginge es nicht um „Ausländer“.

  30. Es ist im Podcast nicht ganz klar geworden wozu es flächendeckendes LTE braucht. Telefonieren und SMS schreiben kann man doch auch ohne LTE. Für Downloads wäre es sicher praktisch, aber dafür kann man auch öffentliche WLAN-Netzwerke nutzen. Dass O2 so schlecht abschneidet ist angesichts ihrer aktuellen Werbekampagne für O2 Free durchaus amüsant.

    Viel wichtiger wäre es doch, dass das Internet zu Hause schneller wird. Zwar haben wir jetzt einen Voice-over-IP Anschluss nachdem unser alter Telekom-Vertrag gekündigt wurde, aber mehr als 6 Mbit/s sind trotzdem nicht drin. Umziehen ist bei dem überheizten Wohnungsmarkt hier in Köln auch keine Option. Dauerhaft zwei Drittel des Nettogehalts für die Miete auszugeben wäre eine ziemliche Belastung.

    Nur 2,3 Prozent aller stationären Breitbandanschlüsse in Deutschland waren im Dezember 2017 mit einem Glasfaserkabel verbunden. Das ist der wahre Skandal. Ohne Glasfaser ist der geplante Anspruch auf Home/Tele-Office nicht durchsetzbar, schließlich muss nicht nur der Down-, sondern auch der Upload schnell sein. Wer in einer Gegend mit schlechter Internetanbindung lebt, wird weiterhin pendeln müssen.

    • Die Betriebsblindheit ist offensichtlich vorhanden. Es geht bei 5G tatsächlich um die Milchkanne. Ich will meinen Fahrschein mindestens am Bahnhof an der Strecke nach Hamburg mit meinem Smartphone buchen können. Da gibt es keinen Service mehr. Mit Edge geht das nicht. 3G wird nicht mehr ausgebaut. 4G/LTE hat zwischen 25% und 50% Lücken in der Fläche. Wenn der Sender in der Milchkanne senden will, man kann mich hier abholen, um die Milch zur Verarbeitung abzuholen und hat im Augenblick die Themperatur X, um die Dringlichkeit bewerten zu können, so geht es nicht um die maximale Geschwindigkeit, sondern um Internetzugang für die gängige Nutzung überhaupt. Ich habe meinen O2-Vertrag nach über 20 Jahren kündigen müssen, weil in den Gebieten, wo ich mich in Brandenburg bewege, keine Internetversorgung bietet. Die Geschwindigkeit ist zweit oder drittrangig.

    • Hierzu muß man einfach bedenken, daß im ländlichen Bereich die DSL Versorgung auch sehr lückenhaft ist und man dann auf Funk angewiesen ist. Bei uns nur 20 Km von Köln gibt es 0,38 Mbit/s DSL, damit machst Du nicht viel. LTE geht, aber keine echte Flatrate, nach 40 GB pro Monat ist Schluss. Als Familie musst Du dann immer schön auf den Verbrauch achten, Youtube rationieren, Qualität runter, von Netflix & Co. will ich gar nicht reden. Auf meinem Arbeitsweg gibt es 3 Funklöcher, muß man beim telefonieren beachten. Glasfaser wurde diese Jahr verlegt – an uns vorbei. So sieht’s auf dem Land aus.

    • 6. Januar 2019 um 17:39 Uhr
      Christian Ermentrud

      Es geht gar nicht so sehr um die Geschwindigkeit, natürlich reicht für vieles auch 3G. Aber das wird nicht mehr ausgebaut. LTE jedoch an sich schon. Und einige der Frequenzen für 4G sind auch expliziert dafür freigeräumt worden, um in der Fläche für Versorgung zu sorgen (das alte terrestrische Fernsehen).

      Ich kann die Stellen, an denen ich hier innerhalb der Großstadt, kein Netz habe. Oder man geht in ein Restaurant, flux wird aus dem schwachen Netz gar kein Netz. Fährt man nur etwas raus ins Umland wird es noch schlimmer. Mir ist völlig egal mit welcher Technik die Firmen das ausbauen, aber der aktuelle Zustand ist miserabel.

    • Lieber Dave, ihr Kommentar ist leider ein klassisches Beispiel von Deduktion der eigenen Lebensrealität auf die Allgemeinheit. Nicht jede/r nutzt das Smartphone nur zum „Telefonieren und SMS schreiben“ oder gar nur für „Downloads“. Die fortschreitende Digitalisierung bringt nunmal – for better or worse – neue Anwendungen hervor, die über die bloße Kommunikation mittels SMS und Telefonie hinaus gehen. Wie schon oben angemerkt wurde, ist dies z.B. die Vernetzung der Landwirtschaft. Mit dem Internet der Dinge wird wohl auch über kurz oder lang jede „Milchkanne“ vernetzt werden. Und auch menschliche NutzerInnen benötigen ggf. einen schnellen mobilen Anschluss für ihre Arbeit mit Dokumenten oder allgemeiner, Daten. Ein breit ausgebautes, schnelles Mobilfunknetz ist also schon jetzt eine essentielle Infrasturktur.

      • Und ist das alles wirklich notwendig? Sollte man sich nicht erstmal um wichtigere Dinge kümmern? Beispielweise einen gut funktionierenden ÖVNP?

        Wenn man nicht will, dass junge Menschen nach dem Studium das Land verlassen, sollte man Zeitarbeit beschränken, den Mindestlohn erhöhen, die Anzahl KITA-Plätze ausbauen und Wohnungen bauen, die sich junge Familien auch leisten können.

        Was bringt mir 5G wenn ich drei Jobs brauche, um über die Runden zu kommen?

        Aber die Lebensrealität der Generation Ü40 scheint ganz anders auszusehen als die der Generation U30. Daher sind die Probleme auch andere.

      • Dave, Sie fragen, ob das alles „wirklich notwendig“ ist, ob es nicht „wichtigere Dinge“ gäbe …

        Warum sind Sie so überzeugt, dass ÖPNV u.ä. wichtiger ist, als ein schnelles und flächendeckendes Mobilfunknetz? Könnte es nicht sein, dass andere Menschen eine andere Rangfolge der Prioritäten haben? Und warum müssen sich überhaupt ein guter ÖPNV, gerechter Mindestlohn und ausreichend KITA-Plätze ausschließen? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man das alles gleichermaßen erreichen kann.

        Auf der ganzen Welt vernetzten sich Länder und Gesellschaften. Es ist mittlerweile mehr als deutlich, dass Daten einer der wichtigsten „Rohstoffe“ der Zukunft sein werden, dass ohne weitreichende Vernetzung der verschiedensten Bereiche eine Gesellschaft den Anschluss verliert. Dienstleistungen, Industrie, Bildung und Forschung setzen immer mehr auf Vernetzung – offenbar, weil es Vorteile bringt. Nun kann man diese Entwicklung natürlich kritisch sehen, aber sie ist doch offenbar mittlerweile unausweichlich. Deswegen ist eine schnelle Verbindung zum Internet, ob stationär oder mobil, eine essentielle Infrastruktur. Man könnte sogar ein Menschenrecht auf schnelles Internet postulieren. Ohne schnelles Internet keine Teilhabe an der Gesellschaft. Es gibt kein entweder ÖPNV oder Mobilfunk, sondern ein UND.

  31. Zu den Morden durch Partner möchte ich noch ergänzen, daß man zusätzlich von einer hohen Dunkelziffer ausgehen muß, da unser Verfahren zur Feststellung der Todesursache fehleranfällig ist und die Obduktionsrate sehr gering. Die Skandinavier sind uns hier mal wieder weit voraus. Viele Morde bleiben unentdeckt und tauchen dann auch nicht in unserer tollen Kriminalstatistik auf. Diese Missstände zu ändern ist politisch nicht gewollt.
    Auch ein Skandal, der in den Medien kaum Beachtung findet.

    Danke an Euch für eine weitere inspirierende Lage und daß Ihr mir helft, das immer komplexere Weltgeschehen besser einzuordnen.

  32. 1) Interessanterweise habe ich weniger über Amberg mitbekommen, als über Bottrop. Vielleicht liegt es daran, dass ich den Deutschlandfunk viel höre.Die Tat in Amberg habe ich erst einen Tag später wirklich mitbekommen. Auch weil die Tagesschau Bottrop als Push notification rausgeschickt hat.

    2) Ich denke schon, dass Es Probleme mit Leuten aus Nord Afrika und den arabischen Staaten gibt. Allein die Tatsache, dass ihr ständig über kriminelle Araba redet, aber nie über kriminelle Vietnamesen. Ich wohne selbst in Ost Berlin. Hier gibt es eine riesige vietnamesische community. Sicher gibt es auch hier OK Strukturen und ähnliches. Allerdings sind die Vietnamesen gut integriert. Sie sind nicht assimiliert, nein sonst hätte ich oben nicht von vietnamesische community gesprochen. Allerdings haben sie sich angepasst, respektieren unsere Kultur, halten sich an die Regeln, fahren nicht Morden durch Deutschland, fahren keine LKWs in Weihnachtsmärkte, prügeln keine MitSchüler, halten nicht ganze Stadtviertel im kriminellen Würgegriff.
    Und nun kann man es nicht mit der christlichen Religion erklären! Die Wiedner mason haben ihre eigene Religion mitgebracht, oder sind völlig religionslos. Ergo: meine Folgerung lautet, dass der Islam, dass Moslems schon ein Problem darstellen.

    • Deutlich eingeschränkte Wahrnehmung:
      gerade in Berlin, belies dich Mal zum Thema Zigarettenmafia, auch die Russen sind in Berlin in Bezug auf Kriminalität keine Unbekannten

      Der Unterschied liegt auch hier in der Berichterstattung. Während du bei den Fitschis nicht als erstes den Zirkelschluss Zigarettenmafia ziehst, tust du es bei den Muslimen aufgrund der Religionszugehörigkeit sofort.

  33. Das Abwägen, ob sich eine Verschärfung des Rechts oder die bessere Rechtsanwendung empfehlen, ist eine lächerliche Selbstbetrugsdiskussion.
    Die Komplettierung der Logik-Teilkette ist nicht wirklich schwer – dass sie so selten komplettiert wird, dürfte an der Tabuisierung der Gesamtsicht liegen:
    Die meisten Asylsuchenden erfüllen die Voraussetzungen hierfür nicht und sind wiederausreisepflichtig. Zwangsmaßnahmen bei Uneinsichtigkeit lassen sich durch Vernichtung der Personaldokumente leicht und zuverlässig abwenden. Die einzige Möglichkeit resultierende illegale Daueraufenthalte zu verhindern, ist die effektive Unterbindung des unbehinderten Einreisens!

    • Wie willst du das realisieren?
      Gleich an der Grenze ohne jegliche Prüfung “Asylantrag abgelehnt” rufen?
      Das deutsche Recht sieht eine Einzelfallprüfung vor!
      Das einzigste was funktionieren würde wäre eine geschlossene Unterbringung solcher Personen, allerdings hast du dann gleich wieder die deutsche Geschichte am Hals und das Problem, dass du evtl. nicht straffällige Personen einsperrst/bestrafst

  34. Man kann in dem Zusammenhang mit Bottrop nicht oft genug auf sogenannte (oder selbsternannte) Stützen der Gesellschaft wie Don Alphonso hinweisen, der sich ohne Scham zu dazu bekennt notfalls halt auch “Neubürger” mit seinem Daimler über den Haufen fahren zu wollen.

    https://mobile.twitter.com/_donalphonso/status/940723081097744384

    Da sind durch Verschiebung des Overton Fensters einige zivilisatorische Werte aus dem Fokus geraten, und die Konsequenzen werden gerade sichtbar…

    • An Don Alphonso gibt es zwar einige Kritikansätze, aber dabei ist es sicher zweckmässig den Kontext zu beachten, sonst ist das Energieverschwendung. Er bezog sich mit dem Tweet auf diesen anderen Tweet hier:

      https://twitter.com/TimZeelen/status/940579923470712833

      “Abdul (23): Sollte ich hier auf der Straße einen Israeli oder Amerikaner treffen, wäre er tot.”

      Alphonso sagt nun nicht sinngemäß “ich fahre den über den Haufen” (aktiv), sondern im Gegenteil “wenn so einer mich treffen will bin ich in meinem tollen Auto gut geschützt” (passiv). Er schreibt im Tweet ja wörtlich “würde ER … Schwabenstahl treffen” und nicht etwa “würde IHN”.

  35. Hallo!

    Vielen Dank, Philip und Ulf für einen immer wieder informativen, spannenden Input.

    Weiß jemand wo der Beitrag von der C3 Konferenz zu Strom online zu finden ist?

    Danke!

  36. Das man über Amberg zuviel berichtet, sehe ich genauso. Das sind lokale Nachrichten, aber keine nationalen Nachrichten. Dies zeigt, dass sich im Land etwas verändert hat. Aber es stimmt auch nicht, dass Jugendliche ständig in Deutschland durch die Gegend laufen und Unbteiligte angreifen. Und nein, dass passiert nicht mal beim Oktoberfest (und ich wohne in München).

    • Natürlich. Hier, ganz frisch aus der Münchner U2: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/schlaege-u-bahn-u-1.4276621 Auch erinnere ich dich als Münchner an den Fall Dominik Brunner und etliche Beispiele dieser Art. Das ist schon so ne Sache mit der Objektivität.

      • Jetzt hast du natürlich ein bisschen das Argument aus dem Podcast widerlegt, das über solche Vorfälle nicht berichtet würde. xD
        Ja, die Süddeutsche ist nicht die Tagesschau, aber eben auch kein Münchener Lokalblatt.

      • Allerdings legt der Link Nähe, daß diese Nachricht im Regionalteil der SZ veröffentlicht wurde, der in der bundesweiten Ausgabe nicht enthalten ist.

      • Mir ging es um Darstellung, dass auf der Straße Unbekannte zu verprügelt werden ein deutsches oder bayrisches Kulturgut sei. Das ist Unsinn. Schlägereien haben außerdem in den letzten Jahren massiv abgenommen. Ja sie passieren und dann soll und kann man auch, darüber in den Lokalnachrichten darüber berichten, aber es ist keine permanente Gefahr. Man kann zu jeder Jahreszeit, selbst zur Oktoberfestzeit durch München laufen und die Gefahr von einem Unbekannten verprügelt zu werden ist verschwindet gering (wenn auch nicht gleich null). Einfach mal die Müncherpolzeistatistik mit der von anderen zum Beispiel nordamerikanischen Großstädten vergleichen.

  37. Da dieser Begriff so oft vorkommt, auch in Eurer Sendung, ist es meiner Ansicht nach angebracht, einmal etwas länger zum so genannten “Migrationshintergrund” zu schreiben:

    Was ist eigentlich gemeint, wenn Menschen vom “Migrationshintergrund” sprechen?

    Gemeint ist dass Menschen eine andere Haut und/oder Haarfarbe haben. Und wenn das so gemeint ist, dann ist es ehrlicher das auch so auszusprechen. 

Der Begriff des “Migrationshintergrunds” ist in die Debatte gekommen, weil eben viele Menschen mit einer anderen Haut-oder Haarfarbe nicht mehr Ausländer sind und nicht mehr als solche bezeichnet werden können. Gemeint ist aber auch, dass aus Sicht derjenigen die diesen Begriff benutzen ein solcher Mensch eben niemals ein “echter” Deutscher sein kann. Als Betroffener empfinde ich den Begriff jedenfalls immer so und fände es besser, wenn klar gesagt werden würde, was damit eigentlich ausgedrückt werden soll.

    Nehmen wir zum Beispiel den Attentäter von Straßburg. Der Mann ist in Frankreich und als Kind von französischer Staatsbürgern geboren worden. Trotzdem fandet ihr es nötig, ihm das Label des “Migrationshintergrunds” zu geben. Wäre es nicht ehrlicher, wenn ihr von einem “nicht-weißen Franzosen” gesprochen hättet? Dann wäre der in dem Begriff immanente Rassismus nämlich offenbar. Die Frage der Beurteilung eines Menschen anhand seiner Hautfarbe ist bei der Verwendung dieses Begriffs nämlich das einzige Kriterium. Gemeint ist eben nicht das Kind schwedischer, dänischer, österreichischer oder englischer Eltern, sondern gemeint ist nur der Mensch der sich durch körperliche Merkmale von einem fiktiven ideal, dass man durchaus als “arisch” bezeichnen kann, unterscheidet.

    Mit der Verwendung dieses Begriffes wird die Individualität des Betroffenen negiert. Er wird benutzt um Menschen nach Hautfarbe zu klassifizieren, unabhängig von seiner Staatsbürgerschaft oder seinen ihm tatsächlich zuzurechnenden Eigenschaften.

    
Vor einiger Zeit saß ich mit meiner Chefin im Gespräch mit einem DAX Vorstand. Das Gespräch verlief ganz normal wie solche Gespräche eben verlaufen fokussiert auf gemeinsame Themen unserer beiden Organisationen. Aber dann, zum Ende des Gesprächs sprach mich dieser Vorstand direkt an und fragte wo ich eigentlich herkäme. Ich erwiderte wahrheitsgemäß “aus Berlin” ; doch dieser Antwort stellte ihn offensichtlich nicht zufrieden. Zum Entsetzen meiner Chefin frug er nun also wo meine Familie denn herkäme. Wohl wissend dass dies nicht das war was er hören wollte antwortete ich ihm (immer noch wahrheitsgemäß) dass meine Familie aus Ostpreußen kommt. Spätestens jetzt, dachte ich, müsste die Fragerei ein Ende haben, schließlich sass mir hier ja kein Idiot gegenüber, sondern der Vorstand eines großen deutschen Konzerns. Doch nein, der Mann entblödete sich, mich nun zu fragen wo denn mein Name herkäme. Dieser Fremde Mensch, der mich an diesem Tag zum ersten Mal in einem rein beruflichen Kontext getroffen hat, war offensichtlich nicht zufrieden damit, dass ihm ein fließend Deutsch sprechender Gesprächspartner gegenüber saß, der doch anhand seines äußerlichen Aussehens und seines Namens offenbar ein “Ausländer” sein musste. Das Bedürfnis, meine Nichtzugehörigkeit zu seiner Gruppe quasi auf den Tisch zu bringen war so groß, dass alle Versuche, das Thema zu beenden scheiterten.

    Dies ist für Menschen wie mich ein alltägliches Erlebnis und ich könnte noch viele vergleichbare Anekdoten erzählen. Der Leser mag jede einzelne von Ihnen harmlos finden, in Summe sind sie das mitnichten. Letztlich spielt dabei keine Rolle, wie die einzelnen Komplexitäten meiner Herkunft tatsächlich aussehen, wie mein Bildungsweg gewesen ist, wie viel ich für die Gesellschaft und auch für die Bundesrepublik Deutschland in meinem Leben geleistet habe. Ich kann tun was ich will, für die Mehrzahl meiner Landsleute ist das Bedürfnis gross, meine Zugehörigkeit zu einer anderen Gruppe im ersten Moment der Interaktion zu etablieren riesig. Das Diktum von der Fremdheit im eigenen Land ist heute aktueller denn je. 

Ich kann daher an euch und dann andere verantwortungsbewusste Journalisten nur appellieren, diesen diskriminierenden Begriff nicht mehr zu benutzen.

    Und denjenigen, die jetzt möglicherweise neunmal klug schreiben ich solle doch meinen Namen ändern kann ich nur raten, sich einmal damit zu beschäftigen, wie schwierig das für einen deutschen Staatsbürger tatsächlich ist. Man sollte ja denken, dass eine Namensänderung zur Integrationsförderung eine vom Staat begrüßte Maßnahme ist, dem ist aber nicht so. Während die Politik beschlossen hat, das Namensrecht so zu ändern, dass ausländische Adelstitel in deutscher Adelstitel übertragen werden können ist die Änderung eines ausländisch klingenden Namens in einen deutsch klingenden Namen nicht nur sehr teuer sondern ausserhalb des Rahmens einer Einbürgerung fast aussichtslos. Damit sollte sich mal eine Integrationskonferenz beschäftigen.

    • Danke für deinen Kommentar und Erfahrungsbericht, Samy. Er hat für mich etwas auf den Punkt gebracht, was mich schon lange an der Debatte und dem Begriff des “Migrationshintergrunds” beunruhigt. Es geht nicht um Migration oder Ausländer, es geht um Rassismus.
      Meine Familie hat teilweise französische Wurzeln und ich habe einen französischen Nachnamen. Es hat mich aber noch nie jemand auf meinen “Migrationshintergrund” angesprochen. Es wird interessiert nach der Herkunft des Namens (nicht meiner Herkunft) gefragt und meine Identität und Zugehörigkeit als Deutsche wird nie angezweifelt. Dabei sind meine Haare und Augen genauso dunkel wie die vieler Berliner*innen mit türkischen, syrischen, palästinensischen etc. Wurzeln. Verwandte wurden im Kiosk auch schon mal auf türkisch angesprochen. Ich nicht. Offenbar sieht mein Gesicht kaukasisch genug aus, dass ich in die “deutsche” Kategorie falle. Das erschien mir schon immer beliebig/unsinnig. Und rassistisch. Wieso soll mich mein Gesicht zur Deutschen machen während jemand mit einem anderen Gesicht, mit der*dem ich vielleicht zur Schule gegangen bin, in seiner*ihrer Zugehörigkeit ständig hinterfragt wird? Und wieso gilt meine französische Herkunft nicht als Migrationshintergrund? Weil wir Frankreich als weißes(!) Nachbarland sehen? Absolut sinnlos. Absolut rassistisch.

    • Zustimmung und selber schon mehrfach erlebt. Nur ist mein Nachname Deutsch, aber meine Hautfarbe passt nicht in das Bild des Deutschen, vom Deutschen. Der Begriff Migrationshintergrund ist ein statistisches Unding. Ferda Ataman hat das ja auch schon angedeutet 2018.

      • Ich kann mich Samy Hs Erfahrung nur anschließen. Herzlichen Dank für Ihre Gedanken.

        Selbst war ich und komme immer noch vermehrt in ähnliche Situationen. Ich überlege mir dann, wie weit ich das Fragespiel diesmal mitspielen werde, und wann bzw. ob ich meinen gegenüber mit der mit Spannung antizipierten Auflösung über meine ethnische Herkunft zufriedenstellen soll. Mittlerweile mache ich das von meinem gegenüber selbst abhängig. Wenn er aufgrund seiner Position, seiner Erfahrung oder seines Verstandes in der Lage ist oder in der Lage sein sollte, die Problematik zu erfassen, bleibe ich kategorisch beim deutsch sein, da ich mich auch als Deutscher verstehe. Interessant sind hierbei oftmals die Reaktionen der Gesprächspartner. Manchmal wird der Standpunkt verstanden und akzeptiert. Andere Male resultiert es in unangenehmen Frage und Antwort Spielen wie in Samy Hs Ausführung, vor allem in einem professionellen Kontext.

        Hier ein paar Beispiele aus meiner Erfahrung:

        1. Während eines Partnergesprächs in einer der zwei größten „deutschen“ Großkanzleien als Praktikant wies mich der Partner darauf hin dass mein „Deutsch“ sehr gut sei. Ich merkte, wie sich der Partner im selben Moment gedanklich auf die Zunge biss und nachschob, dass ich ja auch „deutsch“ sei.

        2. Während meines Studiums in London habe ich selbst einmal diesen Fehler gemacht. Ich habe in einem Club in Shoreditch eine Kommilitonin ebendiese frage gestellt, woher sie denn komme. Sie sagte natürlich England. Auf meine Nachfrage, woher denn ihre Eltern stammen *cringe* hat sie direkt abweisend reagiert und ich wusste erst nicht warum. Erst später begriff ich mein Fehlverhalten, auch wenn der Hintergrund lediglich Interesse und Small talk war.Weiterhin wurde mir nach ausgiebiger Reflexion bewusst, dass die Integration im Vereinigten Königreich sicherlich durch historische Entwicklungen, viel weiter fortgeschritten ist als in Deutschland. In England war ich immer „the German guy“. In Deutschland jedoch wenn überhaupt nur der Halbdeutsche. Wobei London in diesem Fragen vom Rest des Königreiches aufgrund seiner Diversität zu differenzieren ist. Im Nachhinein war diese Erfahrung sehr wertvoll, da sie mir selbst geholfen hat meine Identität besser zu verstehen und zu vertreten.

        3. Vergangenes Jahr zu später Stunde auf dem Dorffest meines Heimatortes (350 Einwohner, tiefste badische Provinz), wurde ich offen, jedoch nicht aggressiv, von einem alkoholisierten Mitbewohner angesprochen, wer ich sei, was ich hier mache und woher ich komme. Er fragte wiederholt, woher ich komme. Ich antwortete immer wieder, aus Deutschland, aus eben diesem Dorf. Er gab keine Ruhe, und bohrte immer weiter nach, bis ich ihm meine Auffassung des Deutschseins darlegen musste. Ich erwähnte, dass mich dieses Dorf seit 26 Jahren geprägt habe, ich hier dieselben Erfahrungen gesammelt habe wie alle anderen Kinder und Jugendliche hier aus meiner Generation usw. und dass ebendiese „Vaterlandsverbundenheit“ meiner Auffassung nach maßgeblich sei. Bei dieser Unterhaltung wurde mein Gedultsfaden sehr strapaziert. Natürlich war ich genervt, da einige Äußerungen schlichtweg rassistisch waren und dieser Herr sicherlich keine demokratische Partei wählt. Weiterhin wurde ich in meiner Heimat wieder einmal offen diskriminiert. Jedoch suchte ich gewissermaßen einen Dialog um zu testen, ob dieser Mensch für eine andere Auffassung als seine eigene zugänglich sei. Am Ende tauschten wir Nummern aus, da er um meine Unterstützung bei einer Angelegenheit bat.

        Diese persönlichen Erfahrungswerte dienen zum Verständnis des Nachfolgenden Fazits.

        Mittlerweile habe ich für mich erkannt, dass die Mehrzahl dieser Menschen keine böswilligen Absichten verlogen. Manchmal wird rein aus Interesse gefragt. Andere möchten ihren gegenüber zwanghaft in eine Schublade zwängen, um sich z.B. eines vorgefertigten Urteils bedienen zu können, oder um die Person besser einzuschätzen. Wenn das nicht gelingt, sind sie beunruhigt.

        Oftmals fehlt ihnen lediglich das nötige Verständnis oder Feingefühl, den Zeitgeist zu erfassen und zu verstehen, dass solche persönlichen Fragen im Zweifel nicht angebracht sind.

        Bis zur Lage Live vor Ort in Bamberg. LG

  38. Zum Fall Relotius der letzten Lage gibt es einen sehr interessanten Kommentar des Chef-Redakteurs der NZZ:
    https://www.nzz.ch/meinung/der-andere-blick-gibt-es-eine-moral-fuer-journalisten-und-eine-fuer-normalsterbliche-ld.1448972
    Wirklich lesenswert.

  39. In Ulfs Erläuterungen zur Rechtslage von Abschiebungen war ich doch etwas verwirrt von den Begriffen:

    Fehlende Papiere, ungeklärte Herkunft und Verweigerung zur Rücknahme mögen praktische Gründe sein, die eine Abschiebung verhindern – aber ein Verbot der Abschiebung in unsichere Länder aus humanitären Gründen ist (für mich?) doch ganz klar eine “Frage der Rechtslage” – die ich natürlich für vollkommen richtig halte!

    Der Iraner aus Amberg war “vollziehbar ausreisepflichtig”, seine Ausreise konnte jedoch nicht vollzogen werden. Paradox!
    Es dürfte inzwischen vielen Menschen klar sein, dass es Gründe gibt, die eine Abschiebung verhindern. Der Begriff “vollziehbar ausreisepflichtig” suggeriert jedoch gerade, dass alle diese Gründe eben nicht vorliegen; die betreffende Person sich also illegal verhält, weil sie ihrer Pflicht nicht nachkommt und die Behörden sie (so sie die Person denn finden) auch zur Ausreise zwingen können. Mit diesem Bild im Kopf entsteht schnell der Eindruck von Behörden, die illegales Verhalten tolerieren oder es nicht schaffen, dieses zu unterbinden.

    TLDR: Vor allem der Begriff “vollziehbar ausreisepflichtig” ist total irreführend und liefert rechten Populisten Angriffsfläche.

  40. Das ist schlichtweg einfach nicht wahr, dass die Tagesschau nicht über häusliche Gewalt berichtet und es ist auch nicht so, dass über Gewalt von Migranten erst seit dem Einzug der AfD in den Bunzeltag gesprochen wird.
    “Ehrenmorde” (bei Migranten mit muslimischem Hintergund) und “Familiendramen” (Bei den Deutschen) sind Themen bei der Tagesschau, solange ich denken kann (und ich bin etwas älter als 2..).
    Kann es sein, dass ihr den hässlichen Schauspielern (Politiker) etwas zu viel zusprecht.

    • Wir haben nicht behauptet, dass die Tagesschau nie über Tötungen berichtet hätte, aber wenn ein junger Mann seine Ex-Freundin umbringt, dann ist das der Tagesschau normalerweise herzlich egal.

      • bei ca. 21:35 “[…] Besonders krass ist das im Fall der Tagesschau, die berichtet von Tötungen im im privaten Umfeld nämlich nur noch oder überhaupt nur, wenn Migranten tatverdächtigt sind. Ich habe das noch nie gehört, dass ein Fall häuslicher Gewalt es nicht nur in die Bildzeitung geschafft hätte, sondern tatsächlich in die Tagesschau. Kommt nicht vor. Es sei denn tatverdächtigt ist ein Migrant […]”
        In diesem Abschnitt gebt ihr der AfD so viel Macht… Die Berichterstattung war aber schon vor den Hanseln ziemlich daneben. Sonst hätte sich dieser Faschismus (Zusammenarbeit von Staat und Industrie nach dem Bsp. von Mussolini) nicht breit machen können.
        Klar Einzelfälle kann man sich zwei Wochen mit beschäftigen (Relotius: dass diese Einzelfälle aber die Regel sind, ist ein anderes Thema..). Aber Schuld ist die AfD, nicht dass alle anderen für das Biotop gesorgt hätten.

        (Kein AfD Wähler und auch sonst kein Freund von Parlamentarismus der uns gerade in die Refeudalisierung zwängt um mal vorausschauend das ad Hominem Argument zu entkräften…)

      • Ich fand Eure Darstellung zur Themenauswahl und -gewichtung der Tagesschau auch zu knapp (das sagt bspw die Tagesschau selbst in einem ähnlichen Fall dazu, übrigens nennen sie die Themenauswahl auch Haltung: https://blog.tagesschau.de/2018/08/18/der-toetungsfall-in-offenburg/#more-14734).

        Im Ergebnis teile ich zwar Euren Befund; entscheidend für die Platzierung in der Sendung dürfte aber die Relevanz einer Nachricht sein. Diese Relevanz wird nicht durch die Tagesschau selbst, zumindest nicht allein bestimmt, sondern u.a. durch politische Diskussionen (Seehofer “Rechtlichen Rahmen der Abschiebungen verändern”; AFD-Landtagsfraktions-Ausflug nach Amberg) und die Berichterstattung andere Medien (allg: https://bildblog.de/98996/wie-bild-bruecken-fuer-die-afd-baut/; speziell: https://www.bild.de/regional/nuernberg/nuernberg-news/amberg-asylbewerber-sollen-12-passanten-verpruegelt-haben-59290296.bild.html).

        Sich einem breit diskutierten Thema zu verschließen, weil man den “Tausch-die-Staatsangehörigkeiten-Test” gemacht hat, halte ich für absolut verfehlt, weil eben zu kurz.

        Es bleibt damit aber am Ende auch das bekannte Problem, dass die Berichterstattung, u.a. in der Tagesschau mehr Aufmerksamkeit schafft und die Themengewichtung verschiebt. Zu diesem erfolgreichen Agenda-Setting der Rechtspopulisten hattet ihr auch schon an anderer Stelle gesprochen (dazu auch: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-09/bundestagswahlkampf-rechtsruck-themen-tv-duell-fluechtlinge).

  41. Zum Thema Ökostrom hätte ich mir eine differenziertere Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht.
    1) Natürlich ist es richtig, dass es in Deutschland grundsätzlich keine Stromknappheit gibt. Allerdings geht es in der Debatte um den Ausbau der Erneuerbaren Energien auch nicht um grundätzliche Versorgungsknappheit, sondern um Knappheit in Zeiten mit gerigem Dargebot (Sonne, Wind) und zeitgleicher hoher Nachfrage. Dies wird insbesondere erst bei hohen bis sehr hohen Anteilen an Erneuerbaren problematisch. Technisch ist wird dies natürlich möglich sein (z.B. über Speichertechnologien oder Demand-Side-Management) – allerdings sind die Kosten hier noch sehr hoch. Dass zeitweise Braunkohlestrom exportiert wird ist kein Zeichen dafür, dass die oben beschriebene Problematik nicht existiert.
    2) Da die CO2-Emissionen im Rahmen des Cap-and-Trade-Programms des EUETS geregelt sind, ist spielt es aus volksökonomischer, gesamteuropäischer Sicht keine Rolle, ob ein Export von deutschem “Kohlestrom” stattfindet oder nicht. Die Alternative wäre, dass die Emissionen durch Kraftwerke in anderen Ländern getätigt werden. Sinnvoller als ein Exportstopp des Kohlestroms wäre eine Reformation des EUETS über z.B. einen CO2-Mindestautionspreises.
    3) Auch aus meiner Sicht ist der Braunhohleausstieg wünschenswert. Allerdings ist er aus gesamteuropäischer Sicht nur sinnvoll, wenn die vorgesehenen CO2-Zertifikate für die deutschen Kohlekraftwerke gelöscht würden. Andernfalls würde es einen Rebound-Effekt im Rahmen des EUETS geben, da die CO2-Emissionen von andereren Kraftwerken getätigt werden können.

  42. Eure Einordnung der beiden Fälle zu Anfang finde ich ebenso problematisch.
    Die Jugendlichen befinden sich in einem Asylverfahren. Müssen also einige Instanzen durchlaufen um zu zeigen, dass sie Gründe hatten zu fliehen, Straffrei sind (anders herum gesehen und damit “rassistisch”, mal schauen ob die Jungs in unsere Gesellschaft passen). Man könnte es also als Bewährungsverfahren im Wortwörtlichen (nicht juristischen) Sinne sehen.

    Wäre der Autofahrer auf Bewährung (dieses Mal juristisch) würde man sich das ganze wieder ganz anders anschauen.

    Dieses hin- und hergeschiebe der möglichen Tat(hinter)gründe und möglichen Lebenssituationen nur um die eine Tat gegen die andere zu relativieren, wobei diejenigen die sich als zukünftige Mitbürger zeigen sollten, sich ganz offenbar nicht “bewährt” haben, finde ich echt grenzwertig.
    Und hört mit diesem abgef***ten Terrorismus Begriff auf. “Terrorismus” ist doch nur noch ein politisches Mittel um unsere Grundrechte immer weiter einzuschränken und “Notstandsgesetze” auszuweiten (siehe Polizeigesetze, NetzDG, Vorratsdatenspeicherung etc.). Da wird jede Sau durchs Dorf getrieben, zur Not auch ein armer vereinsamter Irrer, der bei dem ganzen heiteren Trubel in Missgunst verfällt (ja ich weiß ich habe jetzt auch interpretiert) . Vielleicht wird ja auch bald der Taschendieb als Terrorist bezeichnet, hauptsache der Große Bruder hält seine Hand über uns.

    Laut Wikipedia: “Der Terror (lat. terror „Schrecken“) ist die systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt, um Menschen gefügig zu machen.”

    Ich kann weder bei den vier Jungs noch bei dem Autofahrer eine systematische Verbreitung von Angst und Schrecken sehen (vielleicht denke ich gerade in zu großen Maßstäben, immerhin hat sich der Autofahrer ja von der Stelle un die Jungs vom HbF wegbewegt).

    Eine Systematik sehe ich aber in den oben genannten Notstandsgesetzen. Habt ihr schon mal “Staatsterrorismus” diskutiert?

    Zu dem Vergleich, wie es wäre wenn der Fahrer ein Ausländer gewesen wäre: Hatten wir doch, gar nicht so lange her. Hat uns allen gezeigt, dass die Überwachungsgesetze nicht greifen, Geheimdienste, Polizei etc. korumpiert sind und im Endeffekt alle weiteren Maßnahmen die sich der Vater Staat zusätzlich wünscht ebenfalls nicht greifen können.

    Damit habe ich zu keinem Zeitpunkt sagen wollen: Ausländer sind die schlimmeren Täter oder per se kriminell etc. (Man muss mittlerweile durch die ständige Eingrenzung des (erlaubten) Meinungsspektrums einen Disclaimer anfügen..)

    • Wenn islamistische Spinner mit Lieferwagen in Spanien oder England absichtlich in Fußgängerzonen brettern ist es Terror. Wenn ein Biodeutscher/Weißer/schonlängerhierwohnender das macht plötzlich nicht mehr?

      Die Terrordefinition ist extrem schwer an die Wand zu nageln, manchmal sprechen Leute sogar von “Telefonterror” ohne das es eine Rebatte um den Begriff gibt. Und vielleicht muss man das primär aus der Sicht der Bedrohten / potentiellen Opfer sehen? Ansonsten müßte man ja auch keine Betonstelen um die Weihnachtsmärkte bauen. Und ich meine damit nicht jede diffuse Angst aufzunehmen. Aber wenn sich Deutsche nicht mehr auf einen Markt trauen (wegen einem Anschlag) dann haben auch Menechen migrantischer Herkunft ein Recht besorgt zu sein, das war ja leider nicht der Vorfall dieser Art der rassistische Hintergrund hatte.

  43. Erstaunlicherweise ist die Glyphosatentscheidung des CSUlers, die wohl einzige dieser Partei bei der ich zustimme… Die Debatte über Glyphosat in der Gesellschaft wird 100% postfaktisch geführt und außerhalb der Wissenschaft, was mich als begeisterter Naturschützer sehr traurig macht. Warum ist Glyphosat schlecht? Weil es von Monsanto entwickelt wurde. Und Monsanto ist Böse(TM). Egal ob das Patent dafür schon lange ausgelaufen ist und viele andere Firmen benutzen. Wenn man sich mal die wissenschaftliche Literatur direkt anschaut (was man ja immer als Journalist auch machen sollte) sind die Schlüsse leider immer genau anders als man es in den Medien hört (siehe Links zu Studien unten).

    Die Einstufung als “wahrscheinlich Krebserregend” (die gleiche Kategorie der International Agency for Research on Cancer (IARC), in der auch Kaffee und Bacon angesiedelt ist). Es wird mit keiner Silbe erwähnt, das die Entscheidung international von Wissenschaftlern kritisiert wurde, zumal die Liste der IARC eine Listung von “Gefährdungen” (hazards) ist und nicht von “Risiko” (risks). Ein Hai im Wasser ist eine Gefährdung, aber wenn man nicht ins Wasser geht ist er kein Risiko. Genauso macht die Liste der IARC keine Aussage über die entscheidende Frage: Ab welcher Dosis soll das der Fall sein? Das Erklärt auch warum die Liste der IARC so lang ist… denn so ziemlich alles wird ab extremem Konsum “wahrscheinlich Krebserregend”. Glyphosat wird in extrem geringen Dosen auf Pflanzen aufgetragen, genauer gesagt, etwa 83 Milligramm pro Quadratmeter Fläche und nicht alles davon gelangt in die Pflanze. Soja-Bohnen haben Beispielsweise einen Ertrag von 291g pro Quadratmeter. Sprich, verschwindend gering. Auch wird Glyphosat weit vor der Ernte aufgetragen, wenn noch keine Früchte etc an der Pflanze sind, sprich, im Endprodukt ist **noch** viel weniger. Um nicht zu erwähnen, dass der Wirkstoff nur für Insekten toxisch ist und wir keine Insekten sind… Wer das nochmal genau Nachlesen will, dem sei dieser Artikel nahegelegt: http://fafdl.org/blog/2016/10/17/inconvenient-glyphosate-math/

    Wie dem auch sei, alle internationalen, großen Studien zeigen, dass bei den Dosen in der das Zeug in der Praxis benutzt wird, keinerlei überzeugende Evidenz für die Behauptung besteht, dass es einen Zusammenhang mit Krebs gibt. Und ich spreche hier nicht von einzelnen Studien, sondern Meta-Studien und Systematischen Reviews bei denen Dutzende oder Hunderte von Einzelstudien evaluiert werden (e.g. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27015139, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22683395, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27677670, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27677666, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27677668, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22202229).

  44. Fehler beim Thema Umweltprogramm der CSU (Marke 1:30:01):

    Der Minister, welcher eigenmächtig gegen ein Verbot von Glyphosat gestimmt hatte, ist Christian Schmidt. Seines Zeichens zwischen 2014 und 2017 Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft.

    Der fälschlicherweise angesprochene Gerd Müller ist Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und hat mit der Glyphosat-Entscheidung direkt nichts zu tun.

  45. Na ich glaub ja, dass die AFD nicht in dem Leaks ist, ist weil die noch nicht so lage im Bundestag ist. Ich habe die Daten nur überflogen und das jedes. MDB ein Büro in Berlin hat und eine Telefonnummer mit 030… wahnsinn! 1elf oder das Merkel eine @cdu Adresse hat wow steht bestimmt im Internet. Nagut irgendwo steht Politiker xy (cdu/csu war klar) läd gerne Pornos in seine Dropbox. Mal gucken ob da noch was kommt – was heute schon als Hack gilt.

    • Deine Einschätzung zur AfD teile ich. Ich würde da auch nicht vorschnell zu viel reininterpretieren.

      Du scheinst zu übersehen, dass es hier nicht nur um Adressen von Büros und zugehörigen Telefonnummern geht, sondern auch um private Telefonnummern, Kreditkarten-Daten und Kommunikationsinhalte. Das ganz am Ende mit “Nagut Politiker xy läd gerne Pornos in seine Dropbox” abzutun ist doch etwas kurzsichtig.

  46. Zum Thema Amberg und Berichterstattung im heute Journal: Ich habe die Live Schalte anders erlebt als Philip. Kleber wirkte auf mich eher genervt und versuchte die politischen Vorstöße zur Verschärfung der Abschieberegelung als unnötig darzustellen und hat eben auch versucht den Vergleich mit einem fiktiven Fall deutscher Jugendlicher zu vergleichen. Zumindest soweit er das mit Fragen konnte. Allerdings war der deutlich mit der Lage überforderte Bürgermeister nicht in der Lage oder zu verängstigt, um das klar zu tun und ist ihm oft ausgewichen.

  47. Auch wenn ich grade erst auf play gedrückt habe halte ich eine Feststellung für essentiell: Der Attentäter von Bottrop hat keine Hetzjagd oder sonstiges auf Ausländer gestartet. Er ist in Gruppen gefahren, die er unter die Gruppe der Ausländer subsumiert hat, weil sie nicht biodeutsch aussahen. Er wollte nicht Ausländer ermorden, sondern Menschen denen er aufgrund ihres Aussehens, ihrer Hautfarbe etc das Deutsch-sein abgesprochen hat. Das macht diese Anschläge zu rassistischen Taten und zeigt erneut, was für einen schlimmen Innenminister wir in NRW haben. Diesem Mann gehört auch aufgrund seiner Taten und Aussagen zum Hambacher Forst, seinem Aktionsplan gegen Links Extremismus das Entwürfe stramm rechter Gruppen lobt etc weit mehr bundesweite Aufmerksamkeit geschenkt.

    • P. S. : Für den Fall in Amberg
      Der Pressekodex ist doch eigentlich sehr eindeutig dazu, wann die Nationalität eines Beschuldigten genannt werden darf – nämlich nur wenn das in dem Kontext stark relevant ist.
      Für mich klingt “Besoffene männliche Jugendliche werden an Silvester aggressiv und übergriffig” jetzt nicht hinreichend relevant – das passiert jedes Wochenende dutzende Male in jeder deutschen Großstadt. Ist das mittlerweile im Kontext der letzten Jahre Silvester Berichterstattung hinreichend relevant? Oder weil sich Politiker dazu äußern die nicht verstanden haben dass Abschiebungen nicht zum Strafkatalog eines demokratischen Rechtsstaates gehören, sondern Geldstrafen und Gefängnis? Oder haben wir uns seit 2015 einfach an diesen Status Quo gewöhnt und machen jetzt auf ewig so weiter? Ich bin jedenfalls erschüttert.

  48. Cracker sind keine Hacker

  49. Das Dilemma von Tagesschau & Co: Der Anspruch, wenn auch meines Wissens nie explizit so ausgesprochen, besteht seit Jahr und Tag darin, im gesellschaftlich-politischen Bereich das zu berichten und die Konflikte zu thematisieren, die auch von den im Bundestag vertretenen Parteien behandelt werden. Im Grunde wirft man sich da in einem sehr kleinen Kreis die Bälle zu. Und wenn die Regierungsbildung ins Stocken gerät, dann steht der politische Journalismus bis morgens um 5 vor irgendeiner Parteizentrale, filmt erleuchtete Fenster ab und mutmaßt, was dahinter wohl gerade vor sich geht.

    Nun ist mit der AfD aber ein Akteur auf die Bühne getreten, der gezielt die Themen anspricht, die man in der ganz großen Koalition aus im Bundestag vertetenen Parteien und der staatstragenden Medien vorher 60 Jahre lang aus guten Gründen nur mit spitzen Fingern angefasst hat. Angst vor dem Fremden ist tief in der menschlichen Psyche verankert und aus naheliegenden Gründen ist unsere Aufmerksamkeit am leichtesten durch Reize zu kapern, die uns entweder Angst einflößen oder uns geil machen. Die AfD wird dieses Pferd bis ans Ende aller Tage reiten können. Weder werden ihr die straffälligen Ausländer ausgehen noch das Publikum, das sich davon anheizen lässt. Wenn sich die Leitmedien davon nicht emanzipieren, dann müssen wir auf absehbare Zeit damit leben, dass ein Gutteil der bundesweiten Berichterstattung aus irgendwelchen durch “Fremde” begangene Schandtaten besteht.

    Wobei das vermutlich ohnehin nicht aufzuhalten ist: alle kommerziellen Medien, für die Klicks=Geld gilt, werden ja ohnehin auf diesen Pfad gezwungen. Und das Publikum von Tagesschau & Co stirbt bald weg.

    Beschissene Zeiten kommen auf uns zu.

    • Wenn die Medien über die Themen berichten, die von im Bundestag vertretenen Parteien aufgegriffen werden muss das kein Problem sein. Im vorliegenden Fall könnte die Nachricht z.B. lauten: “Die afd versucht Themen ans Licht der Öffentlichkeit zu zerren (statistisch nicht relevante Straftat – Mord/betrunkenes Randalieren), die (nur) aufgrund einer fremdenfeindlicher Sichtweise Nachrichtenwert für diese haben. Dabei wurden Gesetzesänderungen (Todesstrafe) vorgeschlagen, die nicht verfassungskonform sind”

      Damit würde über die Bundestagspartei und den Vorfall sachlich im Kontext dazu berichtet, allerdings vielleicht nicht “neutral” aus Sicht der afd, sondern neutral aus grundgesetzlicher Sicht.

      Wobei ich zum Rückbezug auf das Grundgesetz hier und auch an andere Stelle noch sagen möchte, es ist gut dieses insbesondere mit den unveränderlichen Artikeln als moralische Basis, Leitwerte oder Leitkultur (…pfui ;-)) zu festzulegen.
      Wo dies aus meiner Sicht zu kurz greift, ist wenn es um das formulieren einer einigenden Vision und eines Gefühls von Zusammengehörigkeit geht. Ich als selbstsicherer Atheist, komme gut mit dem eher trockenen Grundgesetz als gesellschaftlichem Rückbezug klar. Ich glaube jedoch es gibt viele Menschen, die (Wert-)Entscheidungen und das Kreuz im Wahlzettel anhand ihrer emotionalen Zugehörigkeit oder nach Bauchgefühl machen.

      Ich könnte mir denken, dass es häufig auch das Fehlen einer emotionalen Zugehörigkeit und Angenommenheit durch ‘Deutschland’, seine Eliten und seine gefühlte Mehrheitsgesellschaft ist, die überhaupt zur Wahlentscheidung für die afd bei Protestwählen und Wechselwählern führt.

      Daher als Denkanstoß und Frage:
      Wie fühlt sich Grundgesetz an? Wie geben wir Bauchgefühlwählern die emotionale Sicherheit, sich von ganzem Herzen für unnachgiebig demokratische Parteien zu entscheiden?

      Ich denke, dafür muss ein “Wir” formuliert werden, dass dennoch nicht ausschließt. Eine konkrete Idee habe ich noch nicht. Ich finde aber, wir können und dürfen die Definition eines emotionalen “Wir” nicht allein der afd und Konsorten überlassen.
      …und zwar gerade weil die afd ihre eigene billig angstmachende und emotionalisierende Schindmähre bis ans Ende aller Tage reiten würde.

  50. im vergleich zur letzten episode hat mich gewundert, dass der aspekt einer (evtl.) psychischen erkrankung im fall relotius nicht thematisiert wurde. er hat eine krankheit selbst erwähnt, aber dieses thema wurde m.w. in keiner berichterstattung vertieft oder hinterfragt.

    • Weil es nur eine dreiste Lüge war. Oder welche Krankheit soll dazu führen, dass man Zeitzeugen falsche Interviews andichtet und Spendengelder für fiktive Kinder sammelt? Nicht jedes charakterliche Defizit taugt als psychische Erkrankung.