LdN123 Rechtsradikale Polizisten, Kattowitz, Co2-Grenzwerte, Plastikbesteck, Claas Relotius, Knabenchöre

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62 Kommentare

  1. Danke für diesen facettenreichen Kommentar – einen der besten, die ich 2019 gelesen habe.
    Mit diesem Wissen müsste man fast zuspitzend sagen, dass Jungen sogar diskriminiert würden, wenn man Knabenchöre abschafft!

  2. Hallo liebes Lage-Team,

    Ich höre eure Podcast seit einer der ersten Ausgaben und habe es immer sehr geschätzt, wie objektiv ihr Themen behandelt und dabei auch eigenes Unwissen über die Materie zugebt. Meist holt ihr ja dann einen Experten in die Runde, der dann eure Fragen zum Thema beantwortet.
    Ich bedaure es sehr, dass ihr dies nicht auch zum Thema Mädchen in Knabenchören getan habt, bzw die Expertenmeinung in einem Halbsatz kurz erwähnt habt.
    Ich habe selbst mit vier Jahren in einem gemischten Kinderchor angefangen zu Singen, später bis zum Beginn des Studiums in einem Knabenchor gesungen und singe nun seit einigen Jahren in gemischten Erwachsenenchören. Natürlich hat man dann ein besseres Ohr für den Klang, oder die Qualität eines Chores, trotzdem hört jeder Laie sofort Unterschiede zwischen den verschiedenen Chören. Der Klang eines Knabenchores unterscheidet sich signifikant von dem eines Mädchenchores, allein aus der vollkommen anderen Altersstruktur, zusätzlich zu Veränderungen ab dem ca. siebten Lebensjahr. In Knabenchören werden Sopran und Alt von Knaben vor dem Stimmbruch gesungen, diese sind meist nicht älter als 13, mit Ausnahmen 15. Ich selber habe Sopran gesungen, bis ich 15 war, da war ich mit Abstand der Älteste. Alle anderen meines Alters waren da schon im Stimmbruch. Im Mädchenchor gibt es diesen Stimmbruch in dieser starken Form nicht, auch hier ändert sich aber die Stimme, die lautesten Stimmen sind dann 18/19-jährige Sängerinnen, also Erwachsene, deren Volumen und Klang nicht mit dem eines Zwölfjährigen zu verwechseln ist.
    Ein, meiner Meinung nach sehr wichtiger Aspekt, wurde leider ebenfalls nicht angesprochen. Es gibt sehr viel mehr gemischte Kinder- und Jugendchöre als getrennte Ensembles. Diese Chöre haben allerdings massiv Probleme, Knaben zu finden, zu halten und später als Männerstimmen zu integrieren. Hier sind es meist nur Mädchen, die Jungs bleiben weg. Über die Gründe möchte ich jetzt nicht spekulieren, aber Knabenchöre spielen eine wichtige Rolle bei der musikalischen Früherziehung von Jungen.
    Es gibt noch einige andere von euch angeführte Argumente, die der Ausbildung, Repertoire, Diskriminierung. Zur Ausbildung möchte ich anmerken, dass diese bei Knabenchören nicht unbedingt besser ist, es gibt viele Beispiele für sehr gute Mädchenchöre. Die Chorszene in Hannover ist dafür ein gutes Beispiel, hier gibt es Mädchen- und Knabenchor, die beide Spitzenensembles sind.
    Zum Repertoire nur soviel. Bis auf wenige Ausnahmen singen die meisten Knabenchöre mit Sopran/Alt + Männerstimmen, also Tenor/Bass, abgekürzt SATB. Mädchenchöre haben keine Männerstimmen und singen daher entweder SSAA, also einfach nochmal geteilt, oder einer dritten Mittellage. Verschiedenes Repertoire benötigt verschiedene Stimmen, beim Weihnachtsoratorium zwingend SATB, hier muss also entweder ein gemischter, oder Knabenchor singen. Es gibt sehr viel Repertoire für Mädchenchöre, Kinderchöre, das ist nur nicht ganz so bekannt. Da sehe ich nun aber einfach die Medien in der Verantwortung, an Weihnachten im ZDF nicht zum hundertsten mal das gleiche Stück zu senden.
    Als kleiner Vergleich möchte ich euch zum Schluss noch diese zwei Youtube-Links empfehlen.

    https://m.youtube.com/watch?v=PFn34CLAiQI

    https://m.youtube.com/watch?v=lezDLX5mzsM

    Einmal der Mädchenchor mit Weihnachtsliedern und der Knabenchor. Als zweites singt der Mädchenchor “Es ist ein Ros entsprungen”, dieses Stück singt der Knabenchor im Video auch. Wer sich das einmal anhört, kann die Argumente zu Klang und Ausbildung klar widerlegen.

    • Einer der besten Kommentare, die ich in 2019 gelesen habe. Danke!
      Nach dem Lesen würde ich sogar fast zuspitzend sagen, es wäre diskriminierend für Jungen, wenn man Knabenchöre abschafft.

  3. Hallo zusammen,

    zum Thema Mädchen in Knabenchören: ehrlich gesagt finde ich die Diskussion etwas überzogen. Schließlich fragt doch auch niemand danach, warum keine Frauen in die Fußballnationalmannschaft der Herren aufgenommen werden. Deren hochwertige Ausbildung bleibt den Damen bisher meines Wissens nach ebenso vorenthalten, wie die hochwertige Chorausbildung bei den renommierten Knabenchören. Ich bin der Meinung es ist völlig legitim, dass gewisse kulturelle und sportliche Angebote geschlechterspezifisch sind. Und ein Knabenchor ist eben ein Knabenchor, so wie Damenballett eben Damenballet ist. Wenn überhaupt könnten wir uns nun dem Problem der hochwertigen Ausbildung widmen, die einem Geschlecht unzugänglich ist. Hier sollte man darüber nachdenken, diese für alle Geschlechter zu öffnen. Dann könnten gleich ausgebildete Mädchen und Knaben auf drei Chöre aufgeteilt werden: einen Knaben-, Mädchen- und einen gemischten Chor. Oder spricht etwas gegen das Auftrennen von Chor und Chorausbildung?

    Viele Grüße und Danke für den tollen und informativen Podcast!

  4. Zum Recherche-Logbuch: Zum einen muss sichergestellt sein, dass der erhöhte Zeitaufwand auch bezahlt wird.

    Dann sollten auch “Negativ”-Ergebnisse notiert werden, damit klar wird, dass es auf einige Fragen zwar gestzellt wurden, es aber keine oder andere Antworten gab. Die Fragestellung/Arbeitshypothese der Recherche sollte den Factcheckern auch bekannt sein. Und dann müsste auch klar sein, dass auch “ergebnislose” Recherchen gedruckt werden also auch die, die zeigen, dass sich die Vermutung (z.B. “Korruption im Verteidigungsministerium”) nicht bestätigen ließ.

    Das wäre allerdings ein Standard den es noch nichtmal in der naturwissenschaftlichen Forschung gibt. Da wird auch nur erzählt, was geklappt hat.

  5. Einen super Podcast habt ihr da, gefällt mir richtig gut!
    Ich finde insbesondere die Interview in letzter Zeit sehr bereichernd. Gerne mehr davon.

    Eine kleine Frage habe ich: Ihr habt bei der Diskussion um die rechtsradikalen Polizisten erwähnt, dass Kriminalität durch die Lebensumstände bedingt ist, und nicht durch Nationalität oder kulturellen Hintergrund. Ich habe einige Polizisten im Freundeskreis. Insbesondere die Frauen berichten dort, dass sie sehr viel Respektlosigkeit von bestimmten Männergruppen mit Migrationshintergrund erfahren, die sie in der Form bei “Bio-Deutschen” nicht antreffen. Ist das tatsächlich nur “gefühlte Wahrheit”? Gibt es da Untersuchen zu? Würde mich mal interessieren.

    Vielen Dank!

    • Hi, ich denke, dass das ein anderes Phänomen ist als Kriminalität ist. In der Tat scheint mir Respektlosigkeit gegenüber Frauen häufig kulturell bedingt zu sein. Ich habe da keine Studien zur Hand, aber eine Menge anekdotische Evidenz. Beispielsweise berichtet meine Schwester, die in einem sozialen Brennpunkt einer westdeutschen Großstadt an einer Grundschule arbeitet, davon, dass es manchen Vätern mit Migrationshintergrund schon schwerfällt, sie als Autorität anzuerkennen. Das zu ändern ist dann wiederum eine Frage der Integration.

  6. Noch einmal Knabenchor. Abgesehen von den hier schon vielerorts erörterten sehr gut hörbaren Unterschieden vom Klang eines Knabenchors und eines gemischten Jugendchors, gibt es schlicht eine natürliche und damit einhergehend logistische Schranke, die der Mitwirkung von Mädchen in einem Knabenchor im Wege steht. Das Wort Knabenchor mag zwar assoziieren, dass einzig Soprani und Alti in einem solchen Chor singen würden, jedoch machen den Klang eines Knabenchors auch die jungen Tenor und Basstimmen aus. Diese rekrutieren sich offenkundig aus den ehemaligen Soprani und Alti der Knabenstimmen. Im Idealfall also wächst ein Jahrgang von der dritten bis zur zwölften Klasse gemeinsam auf und verteilt sich von den Frauenstimmen in die Männerstimmen. Im Idealfall wohlgemerkt. Denn es gibt immer wieder Abgänge. Sei es aus qualitativen, disziplinarischen oder dispositionellen Gründen seitens des Elternhauses. Ein Knabenchor hat also schon per se weniger Männer- als Frauenstimmen. Frauen können nun bei aller Liebe zur Gleichberechtigung schlicht nicht zum Bass reifen, in den seltensten Fällen kann man die Notlösung “Frauen in den Tenor!” klanglich rechtfertigen.
    Würde man nun gemischte Jahrgänge einführen, wäre das Ungleichgewicht über kurz oder lang zwischen Männer- und Frauenstimmen noch größer, als ohnehin schon ist.

  7. Naja mit dem ständigen betonen der Elektromobilität handelt ihr natürlich im Interesse eurer Werbepartner (Audi, Ford) weil die eigentliche Frage ist wie 99 % aller PKW und LKWs aus Städten verdrängt werden können. Ob jetzt Diesel oder Elektroautos unsere Städte verstopfen ist doch im Prinzip Egal.

    Ein drastischer Ausbau des ÖPNV und des Fahrrad Verkehrs, sowie das weitgehende Verbot privaten Auto Besitzes in Großstädten sind überlegenswerte Gedanken.

    • Der Kommentar ist aus drei Gründen Unsinn:

      – wir interessieren uns nicht dafür, ob unsere Werbepartner unsere Positionen in der Lage schätzen – das wäre ja noch schöner, wenn wir in unserem eigenen Medium nicht mehr sagen würden was wir denken

      – ich zweifle eher daran, dass Audi und Ford unser Engagement für Elektromobilität tatsächlich so großartig finden, wie du unterstellst, weil Kerngeschäft bis auf weiteres eben Benziner und Diesel sind

      – wie betonen nicht nur, dass Elektromobilität besser ist als Verbrenner, wir reden auch ständig davon, dass Autos eigentlich nicht in Städte gehören.

  8. Hallo liebes Team von der Lage.

    Ich würde gerne etwas über den “Fall Relotius” mitteilen. Ich wundere mich sehr über die sog.”Dokumentation” des Spiegel. Ich hatte bereits im November 2017 eine Email an den Spiegel gesendet, in welcher ich angemerkt habe, dass Hr. Relotius einen Artikel geschrieben hatte der einige Fehler enthielt. Hier der Link zu dem entsprechenden Artikel:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-154007247.html

    Zunächst dachte ich an eine schlechte Recherche (der Spieler Bennett wird als Quarterback bezeichnet, ist jedoch keiner). Viel schwerwiegender ist jedoch die falsche Behauptung, der Verein habe den Vertrag mit Kaepernick gelöst. Dies kann leicht so verstanden werden, als hätten die 49ers den Vertrag gelöst, aus welchen Gründen auch immer. In Zusammenhang mit dem Artikel wird der Leser für sich wohl den Schluss ziehen, dass es mit dem Hymnenprotest zu tun hat. Dies ist jedoch eine falsche Schlussfolgerung. Kaepernick hat seinen Vertrag auf eigenen Wunsch aufgelöst:

    http://www.49ers.com/news/article-2/Colin-Kaepernick-Opts-Out-of-Contract-Becomes-a-Free-Agent/55f3952d-1f83-4682-bf97-3c423ab26fa8

    Hier hat Relotuis (bewusst?) eine falsche Tatsache behauptet, die den kompletten Grundton des Artikels ändert. Statt zu erwähnen, dass der Spieler seinen Vertrag selbst aufgelöst hat wird es so dargestellt, als habe der Verein seinen protestierenden Spieler gefeuert.
    Dass zwei so leicht recherchierbare Tatsachen in der “Dokumentation” des Spiegel nicht auffallen ist sehr verwunderlich. Schließlich schreibt der Spiegel selbst:
    “Einfache Abhilfe ist deshalb leicht zu fordern, aber nicht zu haben. Bereits heute wird jeder Text, der im SPIEGEL gedruckt wird, parallel durch die Dokumentation bearbeitet, die alle Tatsachenbehauptungen auf ihre Korrektheit hin überprüft. Wenn Claas Relotius im August 2014, in seiner ersten großen SPIEGEL-Geschichte “Heim in die Hölle” schreibt, die Stadt Marianna liege “eine gute Autostunde westlich von Tallahassee” im Norden Floridas, dann hat ein SPIEGEL-Dokumentar überprüft, dass das genau so stimmt.”

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fall-claas-relotius-spiegel-legt-betrug-im-eigenen-haus-offen-a-1244579.html

    Aber wenn nicht mal die korrekte Position eines Spielers geprüft wird, ebenso wenig wie die wahre Ursache seines Jobverlustes (immerhin eine der Kernaussagen des Textes) – was bitte überprüft die Dokumentation denn dann? Es wirkt entweder so, als würde die Dokumentation des Spiegel sehr schlampig arbeiten – oder man prüft bei Reportern, die man schon länger kennt, aus Faulheit oder warum auch immer gewisse Dinge einfach nicht mehr nach. Beides ist jedoch mMn ein klares No-Go. Der Betrug hätte somit, wenn die Dokumentation ihre Arbeit besser geacht hätte, wahrscheinlich bereits früher enteckt werden können. Wenn mir als Leser beim einfachen Lesen eines Artikels bereits solche Ungereimtheiten auffallen kann ich nicht nachvollziehen, wie jemand der hauptberuflich nichts anderes macht, solche Fehler übersehen kann.

    • Danke für den ausführlichen Beitrag. Wir recherchieren da noch mal ein wenig hinterher, was genau im Fall Claas R so alles schiefgegangen ist.

  9. Hallo,
    Zuerst einmal vielen Dank für diesen tollen Podcast, ich freue mich jede Woche darauf! Ich bin Studentin der Naturwissenschaft und habe mich auch ansonsten bis vor kurzem relativ wenig mit Politik/Zeitgeschehen auseinander gesetzt, deshalb finde ich es bei eurem Podcast so toll, dass die Zusammenhänge immer vor der Diskussion kurz und knapp umrissen werden und auch frühere Ereignisse nocheinmal zusammengefasst werden. So kann man auch als “unwissender” Mensch super folgen ;)

    Weil das Thema Brexit / Grenze in Irland oft besprochen und diskutiert wird, fände ich es interessant auch mal einen Blick auf Gibraltar zu werfen. Dort müsste es doch ähnliche Probleme wie in Irland geben? Falls ich mir nicht vollkommen irre.

    Also nochmal vielen Dank für Euren tollen Podcast, macht weiter so! Und weil ihr einmal gefragt hattet, nein der Podcast kann gar nicht lange genug sein.

  10. Hallo Ulf und Philip,

    danke für den tollen Podcast!

    Ein bisschen Kritik möchte ich aber zu eurer Bewertung der Modemzertifizierung für die Züge loswerden – das als “Überregulierung” und “das WLAN ist doch eh komplett von dem kritischen Teilen getrennt” abzutun, finde ich etwas kurzsichtig.
    Die EN 50155 regelt zum Beispiel Aspekte wie die elektromagnetische Verträglichkeit oder die Verträglichkeit mit dem Bordnetz, welches diese Router mit Energie versorgt. Generell lassen sich elektronische Komponenten nicht wirklich von anderer Elektronik oder Übertragungswegen “komplett trennen” – in erster Linie wegen der EMV-Themen. Schon gar nicht bei einem Gerät, welches ja extra dafür gebaut ist, hochfrequente elektromagnetische Strahlung mit durchaus bemerkbaren Leistungen auszusenden wie es ein Funkmodem tut. Diese Interaktionen können auch sehr komplex sein. Die kritischen Systeme auf dem Zug sind für bestimmte Betriebsbedingungen designt – wenn jetzt ein neu installierter Modem diese Bedingungen außer Kraft setzt, können die Folgen sehr unangenehm sein, bis hin zu gefährlicher Fehlfunktion des kritischen Systems. Da sollte schon geprüft werden, ob sich das alles verträgt. Das ist der Grund, warum es diese EN 50155-Norm gibt. Das ist ja kein Regulierungswahn um der Regulierung Willen – es kam jetzt nicht die EU oder die CENELEC und meinte “Hey, lasst uns eine Norm aufsetzen, wir haben Bock und hier gibt es nicht genug Vorschriften.” Die Norm ist dazu da, diese Verträglichkeitsbetrachtungen zwischen elektronischen Geräten auf dem Fahrzeug zu vereinfachen – sonst müsste man sich das ganze für jedes Fahrzeug und jeden Einzelfall neu ausdenken.

    Das Argument “das müsste ja auch in Flugzeugen genau das gleiche sein” ist aber selbstverständlich richtig. Auch für Flugzeuge gilt so etwas, auch dort ist die Zertifizierung nicht kostenlos. Wahrscheinlich können die zuständigen Leute bei den Flugzeugherstellern und Airlines ein ähnliches Lied davon singen. Auch was die Niederlande angeht – da gilt auch die EN 50155, ist ja schließlich eine Europäische Norm. Volle Zustimmung – wenn es dort geht, müsste es prinzipiell auch hier gehen, auch wenn der Teufel gerne mal im Detail steckt und bei potenziell sicherheitsrelevanten Themen schaut man bei der Eisenbahn sehr gern sehr tief ins Detail.

    Generell deckt sich aber alles, was ihr von “Melvin” zu diesem Thema wiedergegeben habt, mit meiner Erfahrung (ich arbeite an Eisenbahnsignaltechnik, habe aber auch vor einigen Jahren ein Informationssystem mit Datenaustausch mit Mobilgeräten übers Handynetz in ländlichen Gebieten mitentwickelt). Es wahr sehr erfrischend, die Informationen in der Tiefe und Korrektheit in einem Medium wiedergegeben zu bekommen, da tut die etwas blauäugige Bewertung am Ende auch nicht so sehr weh. Kompliment also zur Quellenrecherche und -wiedergabe! Macht bitte genauso weiter :-)

    • Toller Podcast!
      Igors Argumente zur elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) von Geräten ermöglichen erst die sichere und störungsfreie elektronische Kommunikation. Und die EMV wird in Zukunft immer wichtiger, wenn ich an die Einführung neuer Leistungshalbleitertechnologien wie Siliziumkarbid (SiC) denke. Auf dieser Seite zu sparen, wäre der falsche Ansatz.
      Eine kleine Ergänzung noch zum Podcast: Wenn die genannten geringen Stückzahlen für die fehlende Entwicklung von hoch-performanten Modems der wirkliche Grund sind, könnte der Trend zu autonomen Fahrzeugen, die ja auch mit hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn unterwegs sein werden und 5G Standard nutzen sollen, bald Abhilfe schaffen. Die genannten Probleme müssen die Fahrzeughersteller auch lösen und arbeiten daran mit führenden Telekommunikationsanbietern und werden technische Lösungen schnell skalieren und damit bezahlbar machen.
      Also Licht an Ende des Tunnels???? Ulf und Philip, vielleicht berichtet ihr zu einem fortgeschrittenem Zeitpunkt mal wieder darüber. Bin gespannt! Und weiter so in 2019! Allen einen guten Start in Neue!

  11. Frohe Weihnachten

    Ich denke so eine Art Wehrbeauftragten sollte es nicht nur bei der Polizei geben, sondern auch bei den Ordnungsämtern und anderen Exekutive. Also der “Allgemeine Ordnungsdienst” macht ähnliche Aufgaben wie die Polizei, jedoch die Ausbildungsdauer ist wesentlich kürzer. Bei der Polizeiausbildung wird man mittlerweile in den Bereich Antidiskriminierung, Racial Profiling Alltagsrassismus etc. geschult, dies fehlt bei den Ordnungsämtern.

    Daher würde ich noch ein Schritt weiter gehen nämlich, dass es einen Exekutivbeauftragten geben müsste, der in allen Bereichen der Exekutive ermitteln darf und dortige Vergehen ahnden darf. Außerdem müsste es Pflicht werden sich mit der Problematik Alltagsrassismus auseinanderzusetzen. Alleine schon damit man nicht gegen Artikel 3 (3) GG verstößt.

  12. Ich fände es auch prima, wenn in der Stadt nur noch Elektroautos fahren würden. Wo sollen die aber alle geladen werden? Wer baut die Infrastruktur dazu? Wenn ich mir die Anzahl an Laternenparkern ansehe bleibt das wohl noch lange ein frommer Wunsch. Selbst wenn überall Ladestationen ständen, würde wohl das Netz zusammenbrechen, wenn abends alle nachhause kommen. Da ist die Politik gefragt, das können die Autohersteller nicht leisten- leider vergessen das unsere Politiker. Was bringen Elektroautoquoten, wenn sie keiner laden kann? Stimmt, echte Zero-Emsission.
    Ich finde es auch ein Armutszeugnis der EU, dass sie es nicht geschafft haben gerade bei der neuen Technologie den Herstellern einheitliche Ladestecker und -technologien vorzuschreiben.
    Mal eine Frage, wie soll ich in der Urlaubsfahrt mein eAuto unterwegs aufladen? Eine von 5 Ladestationen an der Tanke? Warten bis die frei ist und dann 1 Stunde laden? Das ist doch nicht ernsthaft gemeint? Warum gibt es keine einheitlichen Akkus, die dann einfach getauscht werden können? Das sind alles fragen, die geklärt und gelöst werden müssen, bevor eAutos flächendeckend kommen. Ansonsten bleiben eAutos eine Nische für Eigenheimbesitzer für die Kurzstrecke – alle ohne Eigenheim zahlen dann für die Zwangsnutzung eines Verbrenners.

  13. Ich kann euch zwar auch keine verlaesslichen Daten liefern bezueglich dem Fachkraeftemangel und der Frage, ob der sich nicht zumindest abmildern liesse, wenn man denn auch aeltere Arbeitssuchende einstellen wuerde, aber da ihr danach gefragt habt, was eure Hoerer darueber denken, moechte ich gerne etwas, was ich vor Kurzem selbst erlebt habe, berichten.
    Ich selbst bin frisch gebackener Techniker fuer Automatisierungtechnik und Ende 30, und nach einer etwas ungluecklichen Kuendigung in der Probezeit, war ich Mitte des Jahres arbeitslos geworden, mit Kuendigungsfrist von 2 Wochen. Trotz dieser doch sehr kurzen Zeit zwischen Kuendigung und Arbeitslosigkeit, ich konnte also nicht lange Zeit vor dem Ende meines Arbeitsverhaeltnisses nach neuen Stellen suchen, war ich ganze zwei Wochen arbeitslos, und das auch nur weil mein altes Arbeitsverhaeltnis in der Mitte des Monats endete und mein neuer Arbeitgeber mich erst zum Monatsersten anstellen konnte. Gleichzeitig hatte ich zwei weitere Zusagen von anderen Firmen und drei weitere Einladungen zum Vorstellungsgespraech. Die Situation fuer Fachkraefte ist also (gefuehlt) in meiner Region so, dass die Firmen wie verrueckt nach Mitarbeitern suchen.
    So dachte ich zumindest. Als ich mit zwei aelteren Kollegen mit der gleichen Qualifikation wie ich, einer sogar genauso wie ich gerade von der Schule kommend, auf die Situation am Arbeitsmarkt zu sprechen kam, zeichneten diese ein ganz anderes Bild. Der eine hatte vor seiner Anstellung ein dreivierteljahr gesucht, der andere war ein ganzes Jahr arbeitslos nach dem Abschluss und schrieb hunderte von Bewerbungen.

    Natuerlich muss man mit der eigenen Erfahrung immer ein bisschen Vorsichtiger sein, aber es scheint schon was dran zu sein, dass das reissen um die Fachkraefte nur die juengeren Leute betrifft.

    • Das Thema “Ältere Fachkräfte” hat nach meinen Beobachtungen wenig überraschend zwei Seiten: Arbeitgeberseitig gibt es den Jugendwahn – möglichst jung ist am besten, weil die jungen am anpassungsfähigsten und effizientesten sind. Bewerbungen von über 50jährigen fallen oft vorurteilsbehaftet unter den Tisch. Auch in internationalen Konzernen gelten über 50jährige bei Ihrer Rückkehr aus dem Ausland oft daheim als nicht mehr re-integrierbar. Aber auch ältere Fachkräfte haben viele selbstauferlegte Schwierigkeiten: Änderungen infolge technischer Innovationen zur akzeptieren, jüngere Vorgesetzte zu verstehen, neue Rollen anzunehmen. Im Amerikanischen heißt das “Grandfathering”. Unser Land braucht: weniger Vorurteile auf allen Seiten, Flexibilität bei den Arbeitszeitmodellen – 40h/Woche mit 67 sind eben sehr viel, eine positive Perzeption von technischen und kulturellen Änderungen.

    • Fachkräftemangel
      Hallo Ulf und Philipp,
      Ich bin jetzt Mitte 40, Entwicklungsingenieur und bin wohl einer der gesuchten Fachkräfte. Wenn ich mich rechts und links umschaue, ist es mit dem Facharbeitermangel jedoch nicht weit her. Ich mache dies an folgenden Symptomen fest:
      a) Wenn es einen Mangel geben würde, müssten ja auch gemäß den Gesetzen des Marktes die Gehälter für gesuchten Fachkräfte steigen (LG an die BWLer). Das scheint jedoch nicht der Fall zu sein. Wenn der Erfolg eines Unternehmens von qualifizierten Mitarbeitern abhängt, kann die Bezahlung nur zweitrangig sein. Klar ist, dass es immer regional, für eine ganz bestimmte Qualifikation und zu einen gewissen Zeitpunkt ein Mangel an Facharbeitern konstruieren lässt. Da sind dann auch einmal die Unternehmen mit Taten gefordert: Entsprechend auszubilden, weiterqualifizieren, bezahlen, fest einstellen, älteren eine Chance geben, für gute Arbeitsbedingungen (Man denke nur an die Pflegekräfte) und ggfs. für eine Wohnung/Kita etc. sorgen, anstatt permanent zu jammern und auf eine Lösung aus dem Universum/der Lobby zu hoffen.
      b) Leiharbeit wird gepusht, sei es um keine Verpflichtungen einzugehen oder um den Lohn zu drücken. Ich kenne Kollegen die bei Leiharbeitsfirmen arbeiten-und das ist nicht wegen der herrlichen Bedingungen, sondern weil es keine „normale“ Anstellung für sie gibt. (P.S. Was spricht denn gegen eine saftige Steuer auf die ja normalerweise nur kurzzeitig angelegte Leiharbeit, um diese für die Auftraggeber unattraktiver zu gestalten?)
      c) Ich nehme war, das der Großteil der etablierten Parteien seit meinem Studium das Märchen vom Fachkräftemangel gebetsmühlenartig wiederholen-ohne es kritisch zu hinterfragen. 1A Lobbyarbeit.
      d) Fachkräfteanwerbung im Ausland sehe ich sehr kritisch. Ich halte nichts davon, hier besonders niedrige Hürden anzusetzen, denn ich möchte, dass auch der angeworbene Kollege bei entsprechender Qualifikation auch adäquat bezahlt wird, und sich nicht als Arbeiter zweiter Klasse fühlen muss. Wie gesagt, wenn die Fachkraft benötigt wird, muss sie halt auch entsprechend bezahlt werden, alles andere ist Lohndumping unter dem Deckmäntelchen des Fachkräftemangels. Gut wäre, wenn in den nächsten LdN mal die Bedingungen aufgedröselt werden, bislang waren sie bei der BeschV ja wohl so komplex und unattraktiv, das trotz der relativ geringen Mindestlohnforderungen wenige Fachkräfte tatsächlich gekommen sind. Ich habe die Befürchtung, dass aufgrund der oben geschilderten Zusammenhänge die falschen Fachkräfte angelockt werden.
      LG an die LdN, super Arbeit, ich freue mich auf 2019 mit Euch :-)!

      • Kann hier Michael und Pascal voll und ganz zustimmen. Vor allem im Punkt D).
        Fachkräftemangel heißt nix anderes als, dass die Industrie zu wenig Fachkräfte für ein unterdurchschnittliches Gehalt findet.
        Auch ich habe keine verlässlichen Daten dazu, aber ein paar interessante Artikel, die meine Meinung, dass es kaum einen Fachkräftemangel gibt, widerspiegeln:

        * https://www.zeit.de/2018/14/fachkraeftemangel-sachsen-anhalt-gastronomie-politik-auszubildende
        ** Inhalt: Hier wird, unter dem Deckmantel des Fachkräftemangels, ein Hotelier aus Sachsen-Anhalt dafür gelobt, dass er ungelernte Indonesier nach Deutschland holt und diese dann hier eine Ausbildung zum Hotelfachmann machen.
        ** Ist ein Azubi zum Hotelfachmann eine Fachkraft, die unter den Fachkräftemangel fällt?
        ** Warum findet man in Sachsen-Anhalt (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/189105/umfrage/jugendarbeitslosenquote-nach-bundeslaendern/) keine Jugendlichen die eine Ausbildung zum Hotelfachmann machen wollen? Siehe Kommentare unter dem Artikel: 30% unter dem Tarifvertrag Ost von 1997 – da hätte ich auch keine Lust eine Ausbildung zu machen, Sie etwa?

        * https://www.zeit.de/arbeit/2018-12/arbeitsmarkt-fachkraeftemangel-personal-jobsuche/komplettansicht
        ** Inhalt: hier sucht jemand, der im Ingenieurswesen mit einem Einser Abschluss promoviert hat, einen Job. Ergebnis 40.000€/Jahr mit 24h Rufbereitschaft, StepStone sagt 47.000 wäre Durchschnitt, er lehnt ab (hätte ich auch so gemacht – da man mit Einser-Abschluß mehr als Durchschnittslohn erwarten kann oder?)
        ** Die Kommentarspalte von diesem Artikel ist interessant. Hier ein Auszug:”Es fehlen keine Fachkräfte. Es fehlen billige Arbeitskräfte, die im Rahmen von Zeitarbeit und Teilzeit gut ausgebeutet werden können.”

        * https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/start-ups-in-berlin-berliner-gruender-finden-keine-mitarbeiter-mehr/23111070.html
        ** Inhalt: Es gibt keinen Fachkräftemangel, die Unternehmen können sich einfach nur keine Fachkräfte leisten (zumindest die Start-Ups)

        Fazit: Ich persönlich werde immer mehr das Gefühl nicht los, dass der Fachkräftemangel nur herbeigeredet wird. Aus Arbeitgebersicht glaube ich schon, dass es einen Fachkräftemangel gibt. Dies gilt allerdings nur unter folgender Bedingung:

        “Unternehmen sucht jemanden der hochqualifiziert ist aber sich mit einem Hungerlohn zufrieden gibt und wenn es den nicht gibt schmerzt es das Unternehmen auch nicht”.

        In der Statistik manifestiert sich dies dann als ein Fachkräftemangel weil diese Stellen über einen langen Zeitraum unbesetzt bleiben.

        Mein Vorschlag zur Lösung des Problems:
        * Zur Erstellung von Statistiken bzgl. des Fachkräftemangels sollten nur noch Stellenausschreibungen genutzt werden die A) ein Gehalt mit angeben B) dieses Gehalt über den Durchschnittsgehalt für diesen Job liegt (ansonsten ist die Suche nicht dringend und das Unternehmen freut sich, wenn es die Stelle besetzt). Wenn die Stellenanzeigen alle eine ungefähre Gehaltsangabe besitzen würde ich als Bewerber nämlich auch wissen ob es sich für mich lohnt sich auf diese Stelle zu bewerben.
        * Statistiken zum Fachkräftemangel aus Arbeitnehmersicht: es gibt Branchen, da ist man sich ja einig, dass ein Fachkräftemangel herrscht. Wie lange haben diese Leute gebraucht um einen Job zu bekommen? Sind diese Menschen der Meinung, dass ein Fachkräftemangel herrscht? Sind diese Menschen mit Ihrem Gehalt zufrieden (die meisten Antworten darauf mit Nein. Aber wenn jemand in einer Branche mit akutem Fachkräftemangel darauf mit Nein antwortet, heißt dies doch das er entweder blöd ist, schlecht im Verhandeln ist oder es gar keinen Fachkräftemangel gibt – denn wann sollte man mehr verdienen als in der Zeit des Fachkräftemangels?)

        Zu mir: habe einen Master in einem Bindestrich-Informatiker Studiengang als Bestabsolvent abgeschlossen, mein Studium über Forschungsprojekte (stud. hiwi) und ein bisschen Freelancing finanziert. Dachte auch, dass mir wegen dem Fachkräftemangel die Welt zu Füßen liegen müsste. Hab dann aber gemerkt, dass dies nicht so ist und hab ca. 1 Jahr gesucht um eine Stelle zu finden die gehalts- und arbeitstechnisch meinen Vorstellungen entspricht. Kleiner fun-fact dabei: Dieses Unternehmen hat mich ca. 3 Monate zappeln lassen bis ich die Zusage bekam. Für mich persönlich jetzt auch kein Indikator, dass hier ein Fachkräftemangel herrscht. ;)

  14. Mich erinnert der Relotius-Fall an die Fälschergeschichte von Beltracchi. Da war die Kunstszene auch so besoffen vor Glück über die Verkäufe aus der Sammlung Jäger, dass jede kritische Selbstregulierung ausgesetzt war. Beltracchi hat seine Strafe bekommen und macht seine Begabung nun ganz legal zu Geld. Der WDR hat ihn im Stile großer Künstler Prominente portraitieren lassen, einen Kionofilm gab´s auch. Beltracchi und Relotius scheinen sehr unterschiedliche Typen zu sein, dennoch war das mein erster Gedanke, womit Claas Relotius später mal Geld verdienen kann. Er kann doch offensichtlich gut fiktional schreiben. Wenn sich da kein Verlag finden lässt.
    Mit dem Schaden den er angerichet hat, müssen derweil andere umgehen.

  15. @Mädchen in Knabenchören

    Hallo Lage-Team,

    ihr habt ja festgestellt, dass es sich um eine ziemlich offensichtliche und völlig unzulässige Diskriminierung handelt, Mädchen von Knabenchören auszuschließen, weil die stimmlichen Unterschiede zwischen Mädchen und Knaben quasi nicht vorhanden bzw. durch musikalische Bildung auszugleichen wären. Als völliger musikalischer Laie vermute ich jetzt einfach mal, dass das nach dem Stimmbruch der Knaben nicht mehr ganz so einfach sein wird. Sind demnach reine Knabenchöre verfassungswidrig, Herrenchöre aber nicht mehr?
    Im Gegensatz zur Musik ist Fußball schon eher mein Fachgebiet, mein Talent aber bis zur Bezirksliga begrenzt. Ich denke aber, dass ich zumindest in der zweiten Frauenbundesliga ganz gut mithalten könnte. Ich hätte dort bessere Trainingsbedingungen, mehr Zuschauer und würde vermutlich auch zumindest leidlich bezahlt. Leider darf ich aber aufgrund meines Geschlechts bei keinem der Teams dort mitspielen. Sollte diesen Vereinen nun nicht auch die Gemeinnützigkeit aufgrund dieser offensichtlichen Diskriminuerung aberkannt werden?

    • Moin, wie gesagt ist nicht jede Ungleichbehandlung unzulässig, sondern nur Diskriminierung, also sachlich nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung. Dein Beispiel zeigt sehr schön den Unterschied: Bei der körperlichen Leistungsfähigkeit gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die getrennte Ligen sachlich rechtfertigen. Ob das beim Singen von Kindern – also vor dem Stimmbruch – immer noch gilt können wir letztlich nicht beurteilen, daher haben wir ja auf den Expertinnenstreit hingewiesen. Wenn es solche Unterschiede nicht geben sollte, dann wäre die Trennung jedenfalls nicht so ohne weiteres zu rechtfertigen.

  16. Für mich ist die vermeintliche Transparenzoffensive des SPIEGEL genauso wenig glaubwürdig wie es die Reportagen von Relotius gewesen sind.

    Es gab in der Vergangenheit so viele Hinweise von Lesern und Betroffenen, dass es mir unmöglich erscheint, dass der Ruf von Relotius bis zu den Anschuldigungen von Moreno makellos war. In der Branche war es ein offenes Geheimnis, dass Relotius seine Geschichten ausschmückt. Dass er komplette Interviews erfindet und illegal Spenden sammelt, konnte man natürlich nicht ahnen. Allerdings darf die Frage erlaubt sein wie glaubwürdig es ist wenn eine 99-Jährige Amerikanerin die Vorkommnisse in Chemnitz noch vor der Bundesregierung kommentiert und Aussagen von Gauland zitiert. Und das wurde als Sharepic millionenfach geteilt, war also nicht irgendwo im Text versteckt.

    Warum musste Moreno “durch die Hölle gehen”? Doch kaum wenn man davon überzeugt war, dass die Anschuldigungen haltlos waren. “Nestbeschmutzer” werden in den Medien nicht gerne gesehen und man wollte die Sache wahrscheinlich intern klären. Aber Moreno wollte seinen Namen unbedingt öffentlich reinwaschen, wohlwissend dass Relotius irgendwann auffliegen würde und er dann auch dran wäre. Erst als dass den SPIEGEL-Verantwortlichen klar wurde haben sie sich für die Transparenzoffensive entschieden.

    Dass rechte Wirrköpfe und deren Schmierblätter noch mal auf einem ganz anderen Niveau agieren, wurde viel zu lange für Relativierungen missbraucht. Die “Lügenpresse”- und “Systemprese”-Vorwürfe wurden sogar begrüßt, weil sie so leicht zu widerlegen waren. Substantielle Kritik (ZAPP-Magazin im NDR, Podcast von Tilo Jung) wurde hingegen viel zu lange einfach ignoriert.

    Mir fällt da ein altes Gedicht von Wilhelm Busch ein:

    “Die Selbstkritik hat viel für sich.
    Gesetzt den Fall, ich tadle mich,
    So hab’ ich erstens den Gewinn,
    Daß ich so hübsch bescheiden bin;

    Zum zweiten denken sich die Leut,
    Der Mann ist lauter Redlichkeit;
    Auch schnapp’ ich drittens diesen Bissen
    Vorweg den andern Kritiküssen;

    Und viertens hoff’ ich außerdem
    Auf Widerspruch, der mir genehm.
    So kommt es denn zuletzt heraus,
    Daß ich ein ganz famoses Haus.”

  17. Wegen Relotius:

    Wie ein anderer Kommentator weiter oben war ich doch ziemlich erschrocken was man bei Spiegel (und bei anderen deutschen (print) Medien?) unter Faktencheck versteht. Wie bereits weiter oben verlinkt sieht das im angelsächsischen Raum und gerade in den USA schon ganz anders aus. Da gibt es ein anderes Verständnis in dierserlei Hinsicht. Dort werden dann halt aber auch interviews nicht freigegeben.
    Auf der anderen Seite muss man halt sagen dass selbst das einfach nicht komplett davor schützen kann. Stephen Glass bei The New Republic and Jayson Blair bei der NYT sind zwei sehr bekannte Fälle die sehr ähnlich abgelaufen sind. Gibt noch andere Fälle aber die sind alle etwas kleiner und regionaler. Worauf ich hinaus will ist dass so wie sich der Spiegel organisiert so etwas fahrlässig in Kauf nimmt, man sich aber auch eben nicht voll schützen kann. Zumal Relotius wohl auch in einem Fall eine email gefälscht hat als Beweis für eine Reportage (zumindest hatte ich das irgendwo gelesen und kann den link nicht finden).

    Summasumarum MUSS das ein wakeup call sein für die deutsche Medienlandschaft. Aber man sollte weiterhin das Selbstvertrauen haben selbstbewusst zu berichten und sich jetzt nicht durch Allgemeinplätze und relativierendes Geschwurbel sich selbst zu zensieren (gerade vor dem Hintergrund der Grenell Intervention etc.)

    • Noch als Anmerkung und kleiner Tip. Wen das ganz interessiert kann sich ja mal The Wire Season 5 anschauen. In der letzten Staffel werden Printmedien und ein Journalist der beginnt Sachen zu erfinden thematisiert. Um alles wirklich zu verstehen muss man sich wahrscheinlich die vorangegangenen vier Staffeln auch anschauen, aber The Wire ist auch 10 Jahre später immer noch die mit Abstand beste Drama TV Serie. Kann ich also nur empfehlen.

  18. Zum Thema Chöre usw:

    sprecht Ihr euch dafür aus, dass es keine gemeinnützigen Organisationen mehr geben darf, die ein Angebot nur für Mädels oder nur für Jungs machen?
    Soll der Katholische Frauenbund Männer aufnehmen müssen, um gemeinnützig zu bleiben?

    Ich bin ehrenamtlich in der Jugendarbeit tätig und da gibt es unter anderem auch z.B. Pfadfinderinnen-Verbände, zu deren inhaltlichem Profil es gehört, ein Angebot für Mädchen und Frauen zu machen.

    Diesen Angeboten mit der Aberkennung der Gemeinnützigkeit den Garaus zu machen, halte ich für eine sehr bedenkliche Entwicklung, da es für unsere Jugendverbände ohnehin immer schwieriger wird, den immer weiter wachsenden Ansprüchen von Finanzämtern gerecht zu werden.
    Oder sind gemeinnützige Organisationen in denen sich Leute ehrenamtlich engagieren einfach nicht mehr gewünscht?

    So eine Entscheidung geht weit über ein paar Spitzenchöre hinaus sondern trifft durchaus auch die Breite ehrenamtlichen Engagements.

  19. Hallo,

    Zum Thema Reduktion der Neuwagen Flottenemission habe ich noch eine Frage beziehungsweise Anmerkung:
    Da dieses Ziel zum großen Teil durch Elektroautos erreicht werden soll, stellt sich die Frage nach der Energiebereitstellung: prinzipiell bieten Elektroautos gegenüber Verbrennungsmotoren ausschließlich dann einen Vorteil wenn die verwendete Energie durch erneuerbaren Strom bereitgestellt wird (sonst findet lediglich eine Verlagerung des Problems vom Autoauspuff in den Kraftwerksschönsteins statt). Um eine effektive Reduktion der Treibhausgase erreicht zu werden, muss der bereitgestellte Strom ja zu einem ausreichenden Anteil aus erneuerbaren Energien kommen. Wird dies in den 37,5% Ziel berücksichtigt oder zählen Elektroautos automatisch als Nullemissionenautos?
    Weiterhin bedeutet ein Ausbau der Elektromobilität ja auch ein starker Zuwachs des Bedarfs an elektrischer Energie, die ja außerhalb des Einflusses der Autoindustrie liegt. Hat die Regierung Pläne um diesen besonders stark Anstiege den Bedarf mit nachhaltigen Ressourcen zu decken (zusätzlich zu den bisherigen Förderungen für erneuerbare Energien?)

    Viele Grüße und vielen Dank für euren super Podcast!
    Michael

    • Hi Michael, danke für die Frage. Natürlich müssen wir auch die Stromerzeugung in den nächsten Jahren auf CO2-neutrale Verfahren umstellen, ganz unabhängig vom Straßenverkehr. Aber wenn das erst mal geschafft ist fahren E-Mobile tatsächlich CO2-frei. Nur während des Übergangszeitraums führt E-Mobilität zu einer Verlagerung der Emissionen vom Auspuff zum Kraftwerk.

      • Hallo,
        Dann muss man sich aber wirklich fragen, ob es jetzt für das Klima sinnvoll ist, in ein E-Auto zu investieren, das am Netzstrom hängt. Nach meiner Überzeugung darf man sich zum aktuellen Zeitpunkt nur ein E-Auto kaufen, wenn man sich bspw. eine PV-Anlage mit Batteriespeicher dazu kauft und selbst die positive Klimabilanz sicherstellt (das ist übrigens mein Plan für 2020). Alles Andere ist Augenwischerei; Sonst sind E-Autos bis zum Ende ihrer Lebensdauer aller Voraussicht nach klimaschädlicher als kleine, sparsame Verbrenner und man hat dem Klima den klassischen Bärendienst erwiesen.

  20. Moin!
    Ich habe nochmal eine Frage zur letzten Lage-Folge. Ihr habt dort am Rande auch über die Tarifverhandlungen bei der Bahn berichtet. Die Bahn verhandele parallel mit der EVG und der GdL. War denn nicht diese Situation Auslöser für die Einführung des § 4a TVG (Tarifeinheitsgesetz)? Wenn jetzt weiterhin mit der GdL (als kleinere Gewerkschaft) verhandelt wird, scheint doch der Zweck des Gesetzes verfehlt zu sein. Es sollte doch gerade nicht dazu kommen, dass kleine Gewerkschaften (mit Beschäftigten in Schlüsselpositionen) den ganzen Betrieb lahmlegen können.
    Das würde mich mal interessieren. Es ist zwar zugegebenermaßen aktuell kein “heißes” politisches Thema mehr; war es aber ja vor 1-2 Jahren. Mich würde jetzt mal eure Einschätzung dazu interessieren.

  21. Um diesen selbstverliebten Gefälligkeitsjournalismus, der nur die Vorurteile und Klischeevorstellungen seiner Leser bedienen will, ist es nicht schade. Journalisten sollten neugierig und vorurteilsfrei sein und nicht auf der Suche nach der perfekten Story sein.

    Aus dem Jahr 2010:

    “Toll geschrieben, denkt man sich, wenn man das Kanzlerinnenporträt aus dem “Spiegel” liest, das am Freitagabend für den Kisch-Preis nominiert war, und es liest sich ja sehr flüssig bis zu dem Moment, in dem es dem Leser auffällt, dass der Autor sich die Freiheit nimmt, in nahezu jeden Kopf, der im Weg herumsteht, hineinzukriechen und von dort drinnen zu berichten, wie es sich so denkt und fühlt in diesem Kopf. Das, ein äußerst populäres Verfahren in der Preisträger- und Nominiertenprosa der vergangenen fünf, sechs Jahre, sieht auf den ersten Blick so aus wie echte Literatur. Und ist noch nicht einmal seriöser Journalismus. Wenn schon die Schlagzeile “Regierung will Steuern senken” ungenau ist, weil wir Journalisten nicht wissen können, was die Regierung wirklich will; wir wissen nur, was sie sagt, dass sie wolle – dann ist die Behauptung, einer wisse, was ein anderer denke, ein Bluff und eine Hochstapelei. Und wenn es Literatur wäre, dann wäre es trivial. Richtige Literatur versagt es sich, die Gedanken sämtlicher Figuren zu lesen.

    Und genau das ist das Problem mit den Preisträgerreportagen: Sie wollen Literatur sein, sie weigern sich aber, das Kleingedruckte zur Kenntnis zu nehmen. Keine Selbstreflexion, kein Bewusstsein davon, dass es jenseits der Sätze das Unsagbare geben könnte, jenseits der Psychologie das Unerklärte. Eine Geschichte hat einen Anfang, und am Schluss laufen alle Stränge des Erzählens wieder zusammen. Ein Abgrund heißt Abgrund, und wer hineinschaut, sieht, wie das Schicksal mit Playmobilfiguren spielt. So ein Preisträgertext geht mit dem Serienkiller zum Kaffeetrinken und mit der Kanzlerin zum Schwimmen im See, und Gedanken, die man lesen kann, tun keinem richtig weh.

    Aber weh tun soll es auch nicht. Hauptsache, die Leser gucken betroffen. Oder wenigstens die Juroren von Reportagepreisen.”

    http://www.reporter-forum.de/fileadmin/pdf/Diverse_andere_Texte/Die_Verniedlichung_der_Welt.pdf?fbclid=IwAR2S_E_VlJGCqFxGzv-FU8BeGpJ2hqaSXF_qOPoi_Ab-L4Ce6KlLtL1boaQ

  22. Erst einmal vielen Dank für Euren Podcast. Besonders schätze ich das Beleuchten der Hintergründe; Danke, Danke, dass Ihr nicht Agenturmeldungen nachplappert!

    Bei dem Thema Chöre sehe ich dann auch mal das Abendland in Gefahr :-).
    Jeder (Chor, Verein, …) sollte festlegen können wer bei Ihm Mitglied wird und wer nicht. Und wer seinen Blick mal etwas weitet wird Alternativen entdecken, z.B. http://www.landesgymnasium.de/rundfunkjugendchor

    Das einzige wirkliche Argument (beste Ausbildung gibt es nur in Knabenchören) sollte damit widerlegt sein.

    Meine Tochter besucht selbst einen sehr erfolgreichen Chor. Hier mal ein Eindruck:
    https://www.volksstimme.de/nachrichten/magdeburg/1007833_Der-Kinder-und-Jugendchor-Magdeburg-Mit-einem-Lied-auf-den-Lippen-zum-Erfolg.html

    Der Chor ist in einem Gymnasium integriert, die Aufnahme erfolgt dabei per “Vorsingen”.
    Diese bevorzugte Aufnahme von Talenten ist übrigens rechtswidrig, da sie das Losverfahren des übrigen Gymnasiums beeinflussen:
    https://www.volksstimme.de/nachrichten/magdeburg/1427957_Losglueck-bringt-Pech-fuers-Hegel.html

    • Ich sehe es auch so, dass ein Chor sowie auch Vereine ihre Mitglieder selber auswählen dürfen – und finde das richtig und sehr gut.
      Wenn ich einen Sohn habe, kann der nun einmal im Knabenchor singen, aber nicht auf ein reines Mädchengymnasium gehen. Es gibt auch reine Mädchenchöre, da können dann natürlich auch keine Jungen rein.
      Wenn die “Beratungsstelle für Frauen und Mädchen Ahrensburg e.V.” in ihrer Satzung festlegt “Ordentliches Mitglied kann jede Frau werden, die sich in Übereinstimmung mit den Zielen des
      Vereins befindet.”, dann kann ich mich als Mann zwar darüber aufregen, kann aber immer noch Fördermitglied werden. Zudem ist es bei dem Verein eben sehr sinnvoll, wenn die ordentlichen Mitglieder weiblich sind.
      Wenn Frau Bräcklein behauptet, man könne die Stimmen von Mädchen durch entsprechendes Training so ausbilden, dass man sie nicht von Jungenstimmen unterscheiden könne, dann mag das für einen Laien durchaus nachvollziehbar klingen. Die Musikwissenschaftlerin sagt etwas Anderes – und ich finde, man muss nicht versuchen, alles gleich zu machen, was eigentlich nicht gleich ist.
      Henry Kissinger konnte nicht amerikanischer Präsident werden, weil er in Fürth geboren wurde. Es gibt auf unserer Welt eben Voraussetzungen, die uns einschränken – und nicht jede davon muss man abschaffen wollen.
      Ich verbuche diesen kurzen Teil der aktuellen “Lage” für mich im Bereich “Absurditätenkabinett”.
      Warum eigentlich keine Thomanerinnen? Weil es ein Knabenchor ist. Für mich keine Diskriminierung, sondern ein völlig logischer Schluss.
      Danke aber auch bei diesem Thema an euch beide, Ulf und Philip, dass ihr jede Woche meinen Horizont erweitert und mich zur Meinungsbildung herausfordert. Ich freue mich schon auf ein neues Jahr 2019 mit der “Lage”.

    • Ich sehe Knabenchöre auch in der Kategorie “Immaterielles Kuturerbe”. Eine jahrhundertalte, bewahrenswerte Tradition, bei deren Bewertung der Kontext der historischen Entwicklung zu beachten ist und deswegen nicht auf dem Altar des aktuellen Zeitgeistes geopfert werden sollte.

  23. 22. Dezember 2018 um 16:23 Uhr
    Holger Knobelspies

    Hallo Ulf und Philipp,
    zunächst möchte ich euch für euren tollen wöchentlichen Rückblick danken. Ich finde die Art und Weise, wie ihr eure Themen beleuchtet und recherchiert immer fundiert, differenziert und gleichzeitig auch sehr unterhaltsam, das muss man erst einmal so andauernd hinbekommen. Insbesondere finde ich es gut, dass eure Standpunkte nicht komplett vorher gescriptet sind sondern ihr im Gespräch auch mal Gegenargumente gegen die Position des anderen anbringt. So entsteht häufig eine fruchtbare Debatte, während derer man seine eigene Position entwickelt.
    Zu Thema Claas Relotius: In einer der letzten Folgen hattet ihr über die Umfrage der Bild am Sonntag unter den CDU-Deligierten berichtet, die anscheinend auch komplett erfunden war. Ich habe den Eindruck, dass die Verletzung des Pressecodex durch die BamS ohne Konsequenzen einfach hingenommen wird (man erwartet es bei einem Medium der Springer Gruppe ja irgendwie nicht anders), wohingegen ein solcher Fall beim Spiegel eine Welle der Empörung verursacht. Ich fände es durchaus angebracht, wenn der Spiegel nun sehr transparent die eigenen Systeme der Qualitätssicherung nun auf den Prüfstand stellt, gleichzeitig frage ich mich, ob hier mit zweierlei Maß gemessen wird und ob nicht auch hier eine Qualitätssicherung durch unabhängige Gremien wie z.B. den deutschen Presserat angebracht wäre.

  24. Hallo,

    vielen Dank für die tolle Episode.
    Ich möchte jedoch an dieser Stelle Kritik loswerden:
    Ihr diskutiert alle Themen stets sehr differenziert. Aber ich habe bei Euch den Eindruck, ihr meint der Strom käme aus der Steckdose…

    “Einfach mal die Kohlekraftwerke abschalten und Autos durch Elektroautos ersetzen”.

    Ich habe an dieser Stelle einer vorherigen Episode schon vorgerechnet, dass beim aktuellen Strommix ein E-Golf kaum weniger CO2 Ausstoß hat, als ein Diesel oder Benziner -dabei habe ich nichtmal die Herstellung und das Recycling berücksichtigt.

    Sicher glaubt ihr nicht, dass der Strom “einfach aus der Steckdose” kommt. Aber dann erzählt doch mal, was ihr da im Hinterkopf habt….

    Einer von euch zwei hat erzählt, er habe einen Ökostrom-Tarif. Aber das alleine sorgt doch noch nicht dafür, dass weniger CO2 ausgestoßen wird.

    Vielleicht könnt ihr das bei der nächsten Lage, die sich um E- oder Klimawandel kümmert mal erklären.

    Ansonsten: Weiter so und ein frohes Fest,
    Hendrik

    • Hi Hendrik, dieses Argument gegen E-Mobilität hören wir öfter, aber das ist ein Scheinproblem: Natürlich müssen wir auch die Stromerzeugung in den nächsten Jahren auf CO2-neutrale Verfahren umstellen, ganz unabhängig vom Straßenverkehr. Aber wenn das erst mal geschafft ist fahren E-Mobile tatsächlich CO2-frei. Nur während des Übergangszeitraums führt E-Mobilität zu einer Verlagerung der Emissionen vom Auspuff zum Kraftwerk. Und wenn man sich anschaut, wie lange Autos normalerweise genutzt werden, dann müssen wir ab sofort auf E-Mobile umstellen, damit in fünf oder zehn Jahren wirklich CO2 eingespart werden kann, wenn die letzten Kohlekraftwerke vom Netz sind.

      • Leider ist dieses Thema von euch zu sehr nach Wunschdenken erörtert und nicht dem technischen Hintergrund und der Physik gewidmet. Juristische Zusammenhänge lasse ich mir gerne von euch erklären und bin begeistert wie tiefgehend ihr recherchiert bzw. die Zusammenhänge schon kennt.
        Bei dem Thema E-Mobilität und CO2-frei mit CO2-neutralen Verfahren der Stromerzeugung hat man nur recht mit eurere Aussage wenn man eine tank-to-wheel-Betrachtung macht nicht aber eine well-to-wheel-Betrachtung. Wenn man bedenkt, dass ein “CO2-neutrales” Windrad 180t Stahl 2400m³ Beton (das entspricht 320 LKW, die den Beton herfahren müssen) im Fundament vergraben hat, wird mir schon übel, dass wir unser Land mit solchem Mist übersehen. Beo einer Laufzeit von 20 Jahren ergibt sich nur für das Fundament ein CO2-Ausstoß von 5g/kWh (im Vergleich zu Braunkohle deutlich besser). Dabei kommt noch der Turm, die Rotorblätter, Instandhaltung/Wartung und der Bau von neuen Stromtrassen hinzu, da die Türme meistens mitten auf einem Feld stehen. (Die Zerstörung des Lebensraums vieler Tiere beachtet man hier auch nicht. Ich habe schon Berichte von Jägern gelesen, die beobachtet haben dass Herr Fuchs gewohnheitsmäßig unter Windrädern nachschaut, da dort häufiger was zu fressen gibt.) Der Wert von 5g/kWh und 20 Jahren gilt dabei auch nur bei idealen Windverhältnissen. Bezogen auf den e-Golf mit einer Batterie von 35kWh und 200km Reichweite ergibt sich somit ein CO2-Ausstoß von 87,5kWh bzw. einem Äquivalent von 3,3l Diesel. Man kommt also um den scheinbar dreckigen Diesel gar nicht herum. Was wurde durch die Dieseldebatte ausgelöst? Ein Anstieg des CO2-Ausstoßes, da der Kunde vorerst einen Benziner statt dem Diesel kauft. Das Thema Diesel-Hybrid wird demnach ziemlich interessant genauso das Thema Brennstoffzelle.

        Jeder würde sich eine CO2-neutrale Mobilität wünschen, hinter der Technologie, die aktuell verfügbar ist stecken chemisch-physikalische Aspekte, die eine CO2-Neutralität bei E-Mobilität aktuell und auch in Zukunft nicht ermöglichen werden. Ich bin für einen Umstieg allerdings nicht auf Biegen und Brechen ohne Sinn und Verstand, damit wird das Klima nicht gerettet. Ein weiteres Beispiel sind die nahezu CO2-neutralen AKWs, die wir ebenfalls mit viel Unsinn abgeschaltet haben. Lieber in die Sicherheit dieser Technologie stecken, da kommt aktuell CO2-technisch nichts gegen an.

  25. Also zum Herrn Relotius hieß es ja in der Folge, dass er ein Vorbild für viele junge Journalisten in seinem Alter war. Ich habe mal in meinem Umfeld rumgefragt und da kannte ihn niemand. Niemand hatte je von ihm gehört…

    • Und seine Geschichten und Interviews hat auch niemand gelesen? Das Problem ist wohl, dass viele seiner Artikel nur in der Printausgabe vorkamen und junge Menschen meist nur SPON konsumieren, aber nicht die gedruckte Ausgabe.

    • Mag schon sein, das dieser Typ dem 08/15 Spiegel-Surfer kein Begriff ist. Jemand, der so viele Prämierungen abräumt ist aber auch kein “Niemand” und durchaus eine Person des öffentlichen Lebens. Seine Artikel werden ja auch unter seinem Namen veröffentlicht. Und wer weiß, welchen Bekanntheitsgrad er erreicht hätte, wenn er noch 10 Jahre so weitergemacht und dann die Talkshows als “praxis-erfahrener Experte” abgetingelt hätte…

      Ich bin sehr gespannt, was in einem halben Jahr alles für Erkenntnisse vorliegen werden.

  26. Anscheinend ist es bei euch und bei der Spiegel-Redaktion nicht bekannt aber diese Methode mit Logbüchern und Telefonaten mit jedem einzelnen Person im Artikel ist wie renommierte Zeitschriften wie der New Yorker das machen (genau um so etwas zu verhindern). Siehe: https://www.newyorker.com/magazine/2018/10/15/daniel-radcliffe-and-the-art-of-the-fact-check

    Dan fragt man sich was 70 Leute in der Doku beim Spiegel den ganzen Tag so machen. Aber das kann man sich von der ganzen deutschen Medienlandschaft fragen wenn man sie vergleicht mit dem New Yorker, NYT oder selbst mal dem LRB.

    Und meistens wenn ich mit einem Journalist etwas zu tun hatte, war es ganz klar dass er/sie schon wußte was geschrieben werden musste und an mir nur die Frage ob ich das bitte bestätigen konnte.

  27. Hallo Philip. Hallo Ulf. Ihr sprecht so schön häufig darüber, dass die Förderung von Elektro-Autos und der E-Mobilität generell stärker vorangetrieben werden müsse, um somit einen möglichst emissionfreien Verkehr in der Zukunft zu garantieren. Ich bin da ganz bei euch, jedoch stellt sich mir oft die Frage, inwieweit die Produktion von E-Autos (vor allem der Batterien) die Emissionsbilanz verfälscht. Konkret drängt sich die Frage auf, ob die Produktion z.B. Abbau seltener Erden (häufig in Entwicklungsländern mit geringen Umweltauflagen, extrem schlechten Arbeitsbedingungen etc) nicht auch im hohen Maße Emissionen ausstößt und das Problem somit nur verlagert wird. Ab wann ist denn die Schadstoffbilanz eines E-Autos ausgeglichen? Ihr habt das immer wieder ganz kurz angeschnitten, aber vielleicht ist diese Frage für euch und die Hörerinnen und Hörer nicht uninteressant und verdient einer stärkeren Beleuchtung. Ich würde mich sehr freuen :) Ansonsten kann ich nur sagen, dass ihr einen großartigen Job macht und meine jährliche Weihnachtsspende zu euch geht! Weiter so. Liebe Grüße

    • Lieber Felix Bödecker, ob das interessant ist für Lage-Hörer? Na klar, sehr sogar! Zufällig habe ich mich gestern genau darüber noch mit meiner Frau unterhalten. Ob nicht vielleicht ein Einstieg in eine Wasserstoffantriebstechnik doch besser wäre. Und woher kommt eigentlich das ganze Lithium für die Batteriezellen, wenn alle Autos der Welt elektrisch betreiben wollte?

    • Hallo,
      Der ADAC veröffentlicht zu diesem Thema immer wieder interessante Studien, zB hier: https://www.adac.de/der-adac/motorwelt/reportagen-berichte/auto-innovation/studie-oekobilanz-pkw-antriebe-2018/

      Ulf, Philipp, ihr seid bei juristischen Themen in der Formulierung immer sehr genau, dann sollte man es bei technischen Dingen auch sein. Der Vorteil von Elektroautos besteht im Wesentlichen darin, dass sie keine LOKALEN Emissionen verursachen. Perspektivisch ist das sicherlich ein Vorteil, beim aktuellen Strommix bietet der Stromer kaum einen Vorteil in der Ökobilanz. Daran ändert sich auch durch den Öko-Stromanbieter technisch erstmal nichts. Dabei sind die massiven Umweltschäen durch den Abbau von Lithium noch nicht einmal berücksichtigt. Ich empfehle hierzu die Doku vom ZDF:
      https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-der-wahre-preis-der-elektroautos-100.html

      Im Kampf gegen den Klimawandel ist die Änderung des Antriebs vielleicht am bequemsten; etwas ändern wird man aber nur, wenn wir unsere Mobilität grundlegend verändern: Fahrrad, Öffis, Fahrgemeinschaften, einfach mal zu Hause bleiben, auf Urlaub in Äthiopien verzichten…

  28. Moin,
    leider sind kompostierbare Einwegartikel keine wirkliche Alternative. Jedenfalls nicht für Stadtbewohner. Denn erstens landen die auch meist im Restmüll, denn zu Hause werden die selten benutzt und unterwegs wird der Müll nicht getrennt. Dann sind sie auch in modernen Kompostieranlagen nicht zu kompostieren. Ich hab mich da bei der Stadtreinigung Hamburg erkundigt (https://twitter.com/SRHnews/status/1075373658221223936). Dies gilt auch für die Bio-Mülltüten aus kompostierbarem Plastik. Siehe auch https://www.stadtreinigung.hamburg/privatkunden/wertstoffe/bioabfall/

    Lieber Müll vermeiden als anderen Einwegmüll zu erzeugen.

    • Hallo,
      Also, ganz klar gilt. Müll vermeiden steht an erster Stelle. Kompostierbare Einwegartikel sind Plastik vorzuziehen, weil die Entsorgung (im Normalfall Verbrennung) fossiles CO2 in die Atmosphäre bringt.
      Aber, Kompostierung der Alternativen ist nicht wirklich die beste Lösung. Es mag in den Ohren und Köpfen vieler Umweltfreunde Schmerzen verursachen, aber wenn man die Dinger verbrennt, kann man die Abwärme nutzen.
      Kompostierung erzeugt genau so viel CO2 wie die Verbrennung. Im schlimmsten Fall sogar Methan, das ohne „Zusatznutzen“ in die Atmosphäre gelangt.

  29. Zum Thema Empfang in den Zügen möchte ich kommentieren,
    dass 5G im Sinne der Vernetzung für Autos für höher-autonome Funktionen (was ja ein wesentlicher Bestandteil der Versteigerung war -> Abdeckung auf Autobahnen) genau dieselbe Anforderung wie im Zug hat. Das Auto fährt mit höherer Geschwindigkeit, muss sich ständig mit neuen Zellen verbinden..
    Mich würde es einfach sehr wundern, wenn diese Technik dafür nicht in der Lage ist.
    Recherchiert das bitte mal.
    Grüße und frohe Weihnachten

  30. Hallo Ulf, Phillip und liebe Lage-Gemeinde,
    Ich bin seit geraumer Zeit aktiver Lage Hörer und möchte mich bei euch für euren Input und eure Begeisterung bedanken. Es ist immer wieder erfrischend und sehr informativ!

    Mir ist vor einiger Zeit ein Plakatreihe in Hamburg und in Berlin aufgefallen, indem das BMI auf mehreren Sprachen für eine freiwillige Rückkehr von Migranten/innen wirbt. Ich fand es sehr erschreckend und verstörend, dass Seehofers Ministerium so offen und direkt signalisiert, dass diese Menschen unerwünscht seien. Interessanterweise fand ich diese Plakate nur in Gegenden von Hamburg, in denen die Migration relativ hoch ist. Sobald man ins Stadtzentrum fuhr verschwanden die Anzeigen. Außerdem hingen die Plakate nur wenige Tage.

    Ich weiß nicht, ob das BMI zu viel Gegenwind bekommen hat, oder das so geplant war. Ich wollte mal fragen, ob ihr oder die Community dazu mehr wisst? Bzw. Ob es relevant für euch ist, dies nochmal in einer Lage zu erwähnen?
    Unter Twitter > #freiwilligerueckkehr solltet ihr mehr dazu finden.

    Beste Grüße und eine frohe Weihnacht!

    • Schau mal bei change.org. Da gibt es eine Petition zum Thema, die ich zufällig fand, nachdem mir die Plakate auch sehr aufgestoßen waren.
      Gruß,
      Matthias

  31. Rechte Polizisten
    Ich halte mich für eine linke rote Socke. Polizeibeamte sind auch Arbeitnehmer. Die wir an Feiertagen arbeiten lassen und die insgesamt Hunderte Überstunden vor sich her schieben. Fußballspiele, Naziaufmärsche, G20-Gipfel, Castoren schützen und Hamis leer räumen, kann dann noch oben drauf kommen. Je nach Region und Bundesland, dass die Personaldecke und Besoldung festsetzt, kann der “job” sehr unterschiedlich sein.
    Die Vereinigung “kritischer Polizeibeamte” von Bundestagsabgeordneten brachte mal den Vorschlag ein, die Ausbildung um ein halbes Jahr Links- und Rechtsextremismus zu erweitern oder simpler: besser ausbilden.
    Mein Vorschlag wäre die bundeslandübergreifende Versetzung von Sechs Monaten aus den urbanen Gebieten in die Dörfer und umgekehrt.
    Ganz konkret würde ich Beamte aus den neuen Bundesländern mal auf der Straße in den Ballungsgebieten der alten Bundesländer arbeiten lassen.
    Das differenziert den Blick.

  32. Zum Thema Chöre:
    ein Knabenchor hat einen sehr speziellen Klang, der eben nach Knabenchor und nicht nach einem gemischten Chor klingt (nicht umsonst gibt es in Mendelssohns Elias einen Knaben-Sopran als Solist oder auch in Bachs Weihnachtsoratorium). Die Stimme eines Knaben vor dem Stimmbruch klingt anders als die Stimme einer Frau (wenn man Mädchen in den Chören zulässt, dann muss man auch Frauen zulassen – die Stimme einer Frau von 14 / 15 Jahren klingt nicht wie die eines Kanben).
    Wenn es um die Ausbildung der Stimmen geht will man nicht möglichst gleiche Stimmen “erziehen” sondern eben Stimmen, die nach Knabe (und nach dem Stimmbruch nach Mann) klingen und Stimmen die nach Mädchen und später Frau klingen. Nicht um sonst wird für manche Alt-Partien ein männlicher Altus (also ein Countertenor, eine hohe Stimme) gegenüber einer Altistin (also einer tiefen Stimme) bevorzugt. Das Argument, dass Mädchenstimmen das gleiche können wie Kanbenstimmen, ist sicher richtig, aber will man Mädchen, die wie Knaben klingen? Ich denke nicht.

    • Ich finde die Diskussion auf mehreren Ebenen sehr interessant und ich ziehe gerne die Analogie zum Sport.
      Dort wird das Thema so gelöst, dass Jungs und Madls z.B. in getrennten Mannschaften Fußballspielen. Man bietet also auch Angebot für das andere Geschlecht aber auch getrennt und es steht niemanden zu, das Geschlächt zu wechseln.
      Also wie auch immer die Lösung für das dritte Gesetz in der Geburtsurkunde sein wird, wird hier das Problem bis auf weiteres verschoben.
      Um beim Chören zu bleiben. In der Regel darf ein Mann nicht die Frauen-Alt-Stimme singen, auch wenn er den Unfang der Töne beherrscht.
      Es gibt sicherlich viele Gründe, warum eine Diskriminierung auch von der Gesellschaft geduldet werden sollte – ohne die Gemeinnützige in Frage zu stellen. Denn auch der Genuss eines Chorauftritt kann ins Sinne der Gemeinnützigkeit ausgelegt werden.

  33. Also ich muss sagen, die Idee mit dem Newsletter ist eine tolle Sache. Ich höre Euren Podcast fast immer unterwegs auf dem Fahrrad, dort schaue ich natürlich nicht in die shownotes. Aber später ist so eine Zusammenfassung eine ganz tolle Sache. Es hat mir von Anfang an gefallen. In dem Sinne vielen Dank für den tollen Service

  34. Bei der Berichterstattung um Herrn Relotius musste ich an den Fall Diederik Stapel denken, der 2011 als spektakulärer Fall von Wissenschaftsbetrug um die Welt ging.

    Gefälscht wurden hier keine Reportagen, sondern im großen Stil sozialpsychologische Forschungsdaten, mit denen er seine oft gewagten Forschungsthesen untermauern konnte. Bis 2013 mussten mindestens 54 wissenschaftliche Zeitschriftenartikel von ihm zurückgezogen werden, auch nutzten wohl einige seiner Promovierenden seine gefälschten Daten für ihre eigenen Publikationen – so schadete er durch seinen Betrug nicht nur sich selbst, sondern auch seinem wissenschaftlichen Umfeld immens.

    Mehr dazu gibt es natürlich in der Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Diederik_Stapel

    Um Diederik Stapel zu seinen Verfehlungen selbst zu Wort kommen zu lassen, sei hier die frei im Netz verfügbare englische Übersetzung seines eigentlich niederländischen Buches “Ontsporing” (“Entgleisung”) empfohlen. Ich muss zwar gestehen, dass ich davon nur das erste Kapitel gelesen habe, aber ich fand, dass mir zumindest diese Lektüre einen sehr guten Eindruck vom Innenleben eines Menschen vermittelte, der seit Jahren mit stetig zunehmendem Aufwand und gleichermaßen wachsender Anstrengung an seinem Lügengebäude werkelte – bis es einfach nicht mehr weitergeht:

    http://nick.brown.free.fr/stapel/FakingScience-20161115.pdf

    Und vor allem: neben der Innensicht kommt natürlich auch das System, in dem so jemand jahrelang vor sich hin fälschen und betrügen konnte, nicht gut weg. Denn da liegen die beiden Fälle Relotius und Stapel recht ähnlich, wie ich finde: vor allem die Vorgesetzten (auf die vor den Enthüllungen natürlich auch ein nicht unerhelblicher Teil des Glorienscheins abgefallen ist) und die Fachkolleg*innen (bei Stapel auch noch die Wissenschaftsverlage), aber auch die anderen Adressaten solcher aufmerksamkeitheischenden Texte (bei Stapel z.B. in Form von medialer Berichterstattung) wollen solch spektakuläre Berichte doch nur zu gerne lesen. Wollen überrascht werden, unterhalten werden. Und schauen dann bei solchen Shootingstars nur zu gerne über grobe Ungereimtheiten hinweg.

  35. Eine Richtigstellung: der Relotius stand nicht unter Druck. So steht es auch in dem Artikel.

    “Beim SPIEGEL ist man an dieser Stelle in seiner Entscheidung sehr frei. Kein Mitarbeiter muss fürchten, und schon gar nicht einer wie Relotius, dass er wegen einer geplatzten Geschichte Ärger bekommt. Alle Journalisten wissen, dass solche Dinge passieren, dass Recherchen versanden, dass auch aus guten Stoffen nicht immer eine interessante Geschichte werden kann, und manchmal wird dabei eben auch Geld verbrannt, das man hätte sparen können, das gehört zum Risiko.”

    Und ja, es ist völlig richtig, dass seine Karriere als Journalist endet. Besonders in diesen Zeiten, wo die Rufe nach Lügenpresse und Fake New immer mehr Nachhall finden kann man sich das nicht leisten. Genau so wie man keinen Kinderschänder als Kindergärtner, Mörder als Polizist und Betrüger als Richter leisten kann. Sicherlich wird Herr Relotius einen neuen Job finden können.