LdN114 IPCC, Schärfere CO2-Grenzwerte, Berliner Fahrverbote, Khashoggis Verschwinden, Bayernwahl

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| 159 Kommentare

Vielen Dank an Alle, die gestern bei unserer Lage Live in Essen mit dabei waren!

Fotos: Matthias Rathje

IPCC

Schärfere CO2-Standards 

Berliner Fahrverbote 

Jamal Khashoggis Verschwinden

Bayernwahl 

Berliner Demo gegen Rechtsruck 

Artikel von Schaible 

Verabschiedung 

Sponsor

Hausmitteilung 

159 Kommentare

  1. Hallo Philip und Ulf,
    um Missverständnissen bei der Werbung vorzubeugen, wäre es meiner Ansicht nach sehr hilfreich, wenn die Werbung von einer anderen Stimme gesprochen würde. Wenn Ihr selbst sprecht und der Werbetext mit sehr anpreisenden Formulierungen daherkommt, ist die Gefahr groß, dass man Euch die Werbebotschaften zurechnet. Ich fürchte aber, dass die Werbetreibenden sich genau deshalb für einen Spot bei Euch entscheiden, weil sie ihre Werbebotschaft mit Eurer Glaubwürdigkeit verbinden möchten.

    Viele Grūße

    Mark

  2. Moin!

    Vielen Dank für die mal wieder sehr interessante Folge! Leider habe ich es erst heute geschafft, die Folge von letzter Woche zu hören.

    Den Artikel von Jonas Schaible habe ich auch gelesen und empfand Eure Besprechung dazu als krönendes I-Tüpfelchen. Eines hat mich allerdings gestört: Nachdem Ihr darauf hingewiesen habt, dass Frauen erst sehr spät politische Ämter übernommen haben usw., sprach Phillip allgemein weiter von “den Minderheiten”. In dem Kontext hörte es sich für mich so an, als seien Frauen auch eine Minderheit. Sind wir aber nicht!!! Im Gegenteil – es gibt etwa 70 Mio. mehr Frauen als Männer auf der Welt (Quelle: https://www.dsw.org/5-fragen-5-antworten-zur-weltbevoelkerung/#3). In Deutschland kommen 96,8 Männer auf 100 Frauen (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Geschlechterverteilung).

    Wir Frauen sind keine Minderheit, wurden von den Männern aber über Jahrhunderte behandelt, als wären wir eine. Das ist ein himmelweiter Unterschied.

    Sprache spiegelt bekanntlich unsere Gedanken wieder und kann wiederum andere beeinflussen. Mich nervt es inzwischen kolossal, dass zwar alle immer betonen, wie wichtig Gleichberechtigung und Gleichbehandlung seien, ihnen dann aber trotzdem dieser sprachliche Lapsus unterläuft.

    Wenn schon von “Minderheiten” die Rede sein muss (was ich generell blöd finde, aber das ist ein anderes Thema), dann bitte nur von faktisch existierenden Minderheiten und nicht von gesellschaftlich konstruierten. Danke!

  3. Ich bin seit längerem begeisterter Lage Hörer. Danke für den m.E. besten Podcast zur deutschen Politik!

    In der aktuellen Lage habt Ihr einen Beitrag basierend auf dem sehr spannenden T-online Artikel von Jonas Schaible gebracht: „Warum es keinen Rechtsruck gibt…“

    Ich kann vieles in dem Artikel nachvollziehen und möchte ermutigen an einer entscheidenden Stelle noch einen Schritt weiter zu denken!

    Zum Hintergrund meiner Person:
    Ich bin 40, weiß, männlich, hetero, verheiratet mit zwei Kindern, lebe im Westen, habe zwei Staatbürgerschaften und bin in leitender Funktion in einem großen deutschen Industrieunternehmen tätig. Mehr Holzschnittpriviligiertheit geht kaum. Dessen bin ich mir bewusst.

    Dazu kümmere ich mich auf Grund einer schweren Erkrankung meiner Frau logistisch seit Jahren alleine um unsere kleinen Kinder, wähle grün, spende, gerate an Bahnsteigen und in Zügen in lautstarke Auseinandersetzungen mit AfD Anhängern, und hoffe in aller Demut zu wissen, dass ich immer auf Seiten von Bürger- und Freiheitsrechten stehen werde. Für alle.

    Aus dieser Perspektive sehe ich die von Schaible beschriebene neue Konfliktlinie von beiden Seiten. Ich gehöre zu den Priviligierten und bin starker Befürworter einer liberaleren, offeneren Gesellschaft.

    Und jetzt zum versprochenen Punkt des Weiterdenkens:
    Wir müssen einen neuen Lebensentwurf für die „ehemals Privilegierten“ aufzeigen. Der fehlt eklatant. Es fehlt gesellschaftliche Orientierung.
    Mit „wir“ meine ich mich privat, die Politik, Medien, Filmschaffende, alle, die daran interessiert sind, dass es nicht zu dem berühmten „Backlash“ kommt. Wir sind alle so beschäftigt alte Privilegien abzuschaffen, dass wir es verpassen neue Lebensperspektiven für diejenigen aufzuzeigen, die diese Privilegien früher hatten.
    Jetzt kann man sagen: gut, ist deren Problem. Aber es ist schwer, sich einen neuen Lebensentwurf selbst zu erdenken und Achtung dafür zu erkämpfen. Das wissen Feministinnen am besten. Und es ist auch schwer dies zu tun, wenn man frühere Privilegien für ein höheres Ziel aufgeben muss oder sogar will.

    Ich selbst tue mich manchmal schwer in Situationen, die ich als Brüche erlebe und die aus der rasant voranschreitenden Entwicklung heraus entstehen. Beispiele:

    Als Vater fühle ich mich gelegentlich als Elternteil zweiter Klasse und wurde von Müttern, Lehrern, Hebammen, Tagesmüttern häufig solange ignoriert, bis klar wurde, dass ich nicht nur der „Bringpapa“ bin.
    Ich wurde schon auf offener Straße dafür gelobt als Mann zu wickeln.
    Und wenn meine Tochter sich wehtut, wird mir schon mal geraten, dass ich besser aufpassen sollte, sonst ließe man mich nicht mehr alleine mit ihr auf den Spielplatz.

    Mein Gefühl ist, dass wir von modernen Vätern erwarten, dass sie ein verlängertes Wochenende mit ihren Kindern verbringen können, ohne dass diese körperlichen Schaden nehmen. Aber halt auch nicht mehr. Dann sollen die Kinder bitte zurück zur Mutter. Und das ist nur eine Dimension, diejenige, die in meinem Leben derzeit im Vordergrund steht.

    Wenn ich mir jetzt vorstelle ich stünde bei einem Autokonzern als Maschinenschlosser am Band und wäre nicht per se für eine offenere, gleichberechtigtere Gesellschaft. Ich lese, mein Motorenwerk braucht es in 10 Jahren vielleicht nicht mehr.
    Dann brauche ich gesellschaftliche Orientierung wie ich damit umgehe. Wer will ich sein in 10 Jahren? Wer kann ich überhaupt erfolgreich und gesellschaftlich akzeptiert sein? Und wie komme ich dahin?

    Ich rede nicht davon, dass es eine Bringschuld gäbe jeden an die Hand zu nehmen. Zum Handlungskatalog von Jonas Schaible kommt jedoch hinzu:

    5b) Wir müssen Vorbilder schaffen und aufzeigen welche Vorteile es für den Einzelnen hat von alten Strukturen abzulassen. Wir müssen argumentieren warum kulturelles Zusammenleben wertvoll ist, so mühsam es manchmal sein mag. Warum es z.B. für den Einzelnen und für die Kinder gut ist, wenn auch der Vater sich mehr um die Familie kümmert und warum er darin genau so kompetent sein kann wie die Mutter. Kurzum: eine positives Narrativ muss des Abgesang auf die „alten, weißen Männer“ ersetzen.
    Dann kriegen wir die auch wieder an Bord.

  4. Hi jungs,
    jetzt muss ich doch mal eine Lanze für meine bayerische Heimat brechen. Es ist hier definitiv nicht so, dass man ohne Rücklicht nicht radfahren kann, weil man sofort von der Polizei angehalten wird.
    Woher ich das weiß? Ich musste am Tag, nachdem ich Euren Pod gehört habe, frühmorgens mit dem Auto zum Bahnhof, und habe da beinahe einen solchen unbeleuchteten Fahrradkollegen beim Abbiegen “mitgenommen” – weil ich ihn einfach nicht gesehen habe. Anschließend noch 3 unbeleuchtete Radler gesehen. Genaugenommen habe ich an diesem Morgen nur einen einzigen Radfahrer mit funktionierendem Rücklicht gesehen.
    Was ich damit sagen will:
    1) launige Anekdoten sind genau das, aber nicht mehr. ich höre da schon eine gewisse Präjudiz gegenüber der “Pampa” heraus. Vielleicht kommt ihr mal im Süden vorbei und macht hier eine Lage. Kennenlernen hilft gegen Vorurteile immer am besten.
    2) Radfahren ohne Licht bei Dunkelheit ist wirklich lebensgefährlich. Ich überlege mir schon, ob ich mal einen 100er Pack LED-Rücklichter aus China bestelle und bei Gelegenheit verteile. Das wäre mal eine praktische Intervention.

    Viele Grüße

  5. Was haltet ihr von dieser Petition bzw. der inhaltlichen Begründung bzgl. der „verschobenen“/ nicht differenzierten Medienberichterstattung?

    https://www.openpetition.de/petition/online/fuer-demokratie-und-rechtsstaat-fuer-faire-medien-fuer-die-rodung-des-hambacher-forstes

    • [Der Hambacher Forst] “ist seit sechs Jahren in bislang beispielloser Art zu einem rechtsfreien Raum für Ökoterroristen verkommen.”

      Damit wäre alles gesagt: Braunkohle-Lobbyisten machen Stimmung gegen eine Berichterstattung, die ihnen politisch nicht passt. Ich denke damit wäre alles gesagt.

  6. Lieber Ulf und Philipp,

    vielen Dank für die spannende Lage. Ich verfolge diese schon seit zwei Jahren. Mir persönlich ist es auch ein Anliegen, wie ich verantwortungsvolle Mobilität leben kann, was im Alltag sehr gut gelingt, da ich städtisch lebe, meine Freunde in anderen Städten, so dass ich sie bequem mit der Bahn besuchen kann.
    Mir fehlt in der aktuellen Mobilitätsdebatte (gerade in Hinsicht auf die CO2 Emission) der Einbezug von Zug- und Flugreisen. Nach wie vor ist es ein politisches Unding, dass Flugreisen so massiv subventioniert sind und die Bahn Einsparungen ankündigt, die Preise bei gestiegener “Unzuverlässigkeit” erhöht. Ich selbst lebe in der Generation, wo es selbstverständlich ist, häufig zu Fliegen oder Fernreisen zu machen. Die Reduktion von Flugreisen (und ich selbst fliege aktuell auch einmal im Jahr) wäre sicherlich sinnvoll, dennoch muss die Frage politisch gelöst werden und kann nur bedingt in die Verantwortung des Einzelnen gelegt werden. Parallel dazu muss die Bahn mehr unterstützt werden – wenn man sich den Zugverkehr in anderen Ländern anschaut, ist das nicht nachvollziehbar, wieso das hier in Deutschland so schlecht funktioniert.
    Es ist sicherlich sinnvoll die Nutzung des SUV zu hinterfragen, aber genauso die Kurzstreckenflüge von München nach Berlin, die durch die niedrigen Preise deutlich attraktiver sind und es dann einen persönlichen Anreiz (Umweltgedanken) braucht, stattdessen die Bahn zu nehmen.

  7. Thema Wohnen/Bauen/Boden:
    Ihr habt bereits einmal darauf hingewiesen, dass Boden letztlich der Schlüssel zu bezahlbarem Wohnraum ist, danke dafür, nur wenige journalistische Formate sagen das so klar. Ich möchte Euch daher mit dem (m.E.) wichtigsten Antreiber für eine Grundsteuerreform, die dieses im Focus hat, “zusammenbringen” und fänd es super, wenn Ihr mal ein Interview mit ihm erwägen würdet…
    https://bodenwertsteuer.org/
    Eigentlich geht es in einer Reform unseres Wirtschaftssystems grundsätzlich um das Thema Abschaffung leistungsloser Einkommen, Boden ist nur das grundsätzlichste sozusagen, weswegen es m.E. nicht geht, ohne eine Geld- und Bodenreform “weiterzumachen”:
    https://www.inwo.de/
    https://www.inwo.de/geldreform/
    https://www.inwo.de/boden-und-ressourcenreform/

    Macht weiter so, Gruß aus Frankfurt,
    Wolfgang

  8. Hallo Philipp und Ulf,
    ich finde euer Format klasse und empfehle euch regelmäßig weiter. Doch nun zur Kritik: Eure Rhetorik zur AfD finde ich problematisch und meine darin sogar einen Grund für den Erfolg der AfD zu erkennen. Ihr habt eine Studie zitiert, die einen Rückgang rechtsextremer Gesinnung feststellt und seht dies als Widerspruch zur den Wahlerfolgen der AfD. Habt ihr also die implizite Annahme, dass AfD-Wähler grundsätzlich rechtsextrem sind? Falls ja, bitte thematisiert das noch mal. Gerade hinsichtlich der Frage, ob fremdenfeindlich gleich rechtsextrem ist. Ich kenne AfD-Unterstützer, die ich definitiv nicht als rechtsextrem und schon gar nicht als dumm bezeichnen würde.
    Schönen Gruß

    • Genau darum geht es in dieser Folge in den letzten 25 Minuten, hör doch mal rein!

      • Das habe ich jetzt ein zweites Mal getan, und mein Problem liegt wohl an der Aussage, man dürfe die Flüchtlingsproblematik nicht ernst nehmen, da sie nur eine Projektionsfläche sei, und man solle stattdessen zum Beispiel Hartz IV reformieren, damit die Leute weniger verunsichert sind.
        Das verträgt sich nicht mit “die Leute ernst nehmen”. So wie ihr es ausgedrückt habt, ging es nicht bloß darum, das Thema nicht unnötig groß zu machen.
        Klar, ihr sagt nicht, dass alle AfD-Wähler rechtsextrem sind. Aber mindestens Opfer von Populismus. Wirklich ernst (und auseinander-)nehmen wollt ihr sie bzw. ihre Positionen nicht (auf Augenhöhe)?

      • Ernst nehmen heißt für mich nicht, sie in ihrem Ausländerhass ernst zu nehmen, weil das keine Position ist, die sich ernsthaft vertreten lässt. Ernst nehmen bedeutet für mich, sich die Frage zu stellen, was den Leuten denn wirklich fehlt. Das ist – knapp zusammengefasst – ein halbwegs gesicherter Platz in der Welt, ökonomisch wie sozial. Wer mit sich und der Welt zufrieden ist, der kommt nicht auf die Idee, sich in Fremdenhass und Nationalismus hineinzusteigern.

      • Da stimme ich zu. Zu diskutieren, ob Fremdenhass und ausländerfeindliche Parolen angebracht sind oder nicht, fände ich auch fehlgehend.
        Doch: Wenn jemand, der Fremde hasst, Kritik an der Einwanderungspolitik formuliert und Rechtsverstöße rügt, sollte man sich darauf nicht einlassen? Und ihm stattdessen “bei seinen wirklichen Problemen” helfen?

        Und weitergehend:
        Ist eine Diskussion mit einer Partei nicht mehr möglich, wenn von ihr auch ausländerfeindliche Parolen ausgehen?

  9. Thema CO2
    Zur Fleischindustrie: Die Treibhausgas-Emissionen sind in etwa so hoch wie die des Transportsektors (je nach Studie, aber zumindest sehr sehr hoch), aber anders als der Transportsektor ist der Fleisch-Sektor für die Menschheit zu ca. 100% verzichtbar. Das sind doch eigentlich gute Neuigkeiten ;)

    • Soweit ich weiß geht es da doch immer um die gesamte tierische Landwirtschaft, oder? Insbesondere Milchprodukte sind sehr klimaschädlich, wobei man natürlich mit Fleischverzicht schonmal am meisten erreichen würde. Und es hilft auch nicht “besseres” Fleisch zu kaufen – auch eine Kuh aus solch besseren Haltungsbedingungen braucht Kalorien (von denen sie aber nur einen kleinen Bruchteil am Ende in Fleisch umwandelt) und stößt reichlich Methan in ihrer Lebenszeit aus.

      Ich stimme dir zu, der Sektor ist auf jeden Fall verzichtbar. Und der Verzicht hat auch noch andere positive Nebeneffekte (man denke an Antibiotikaresistenzen oder auch einfach mal daran, wie Tiere heutzutage gehalten und getötet werden)

  10. Die Anwesenheit von Rechtsradikalen hat ja damals die Demonstranten in Chemnitz allesamt in die ganz rechte Ecke gestellt.
    Auf der ‘Unteilbar’ Demo in Berlin gab es neben den üblichen linksradikalen Ausfällen gegen Liberale und Träger von Deutschen Flaggen massiv antisemitische Reden. Darf man jetzt eigentlich jeden Demonstranten dort pauschal einen Antisemiten nennen?

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article182221792/Unteilbar-in-Berlin-Wut-auf-der-Wohlfuehl-Demo.html

  11. Zunächst einmal großes Lob, ihr werdet immer besser, insbesondere wenn ihr versucht, auch den jeweils gegenseitigen Standpunkt zu referieren.

    Ich möchte auch noch einmal auf den T-Online Artikel zurückkommen. Ich scheine da in der Minderheit zu sein, aber ich kann dessen Argumente von der neuen Trennungslinie nicht nachvollziehen. Aus meiner Sicht ist die AfD schlicht das Sammelbecken der 20% latent Ausländerfeindlichen geworden, die es schon immer gab aber oft CDU/CSU gewählt haben.

    Es stimmt, die Gesellschaft ist viel liberaler in den letzten 20 Jahren geworden und das mögen einige Leute stören. Trotzdem drehen sich die Reden, Netzkommentaren der AfD Wähler fast ausschließlich um die Flüchtlinge (ggf. noch die “Lügenpresse” und das “System”). Die Homo-Ehe oder die Durchsetzung der Frauenrechte ist nicht das Thema. Stattdessen wird eine lebische Frau zur Vorsitzenden der AfD Bundestagsfraktion gewählt.

    Dh Gegenthese: Die meisten AfD Wähler hätte kein großes Problem mit der sich öffenenden Gesellschaft, solange diese so aussieht (weiß) wie sie selbst.

    Wer das nicht glaube, ich würde jedem raten, als erste Annäherung einfach ernst zu nehmen, was AfD Anhänger von sich geben. Dem Journalist – anstelle 2 Jahre über dieses Thema nachzudenken, 2 Jahre mit diesen Menschen zu reden. Da wäre ein ganz anderer Artikel herausgekommen.

    Zur Studie, dass nur ein geringer Teil der Menschen in Deutschland wirklich rechtsextrem ist. Wie passt das zusammen mit dem Erfolg der AfD? Es gibt seit Merkel ein Vakuum rechts der CDU. Beispielsweise hat die CDU in der Asyldebatte in den 90er Jahren unter Kohl eine mindestens Seehofer-ähnliche, wenn nicht Petry-ähnliche Position eingenommen. Insofern gibt es eine ganze Reihe Menschen, die nicht rechtsextrem sind, aber doch ausländerfeindlich / latent rassistisch. Wen sollen diese Menschen wählen wenn es die Kohl-CDU nicht mehr gibt?

  12. @Leon et al.

    Charming idea, unfortunately not very effective, if one looks at the data. Figures (table 11) from “The potential of behavioural change for climate change mitigation: a case study for the European Union” suggest that teleworking could yield a reduction of 0.23 % in ghg emissions, versus a reduction of 7.79 % in ghg emissions for a meat-free diet. The numbers are based on the assumption that the measure would be adopted in 2020.

    Another meta-analysis (“The climate mitigation gap: education and government recommendations miss the most effective individual actions”) identifies four high-impact actions to substantially reduce personal ghg emissions: having one fewer child (reduction of 58.6 tonnes Co2e / year), living car-free (reduction of 2.4 tonnes Co2e / year), avoiding airplane travel (reduction per RT of a transatlantic flight: 1.6 tons of Co2e) and eating a meat-free diet (reduction of 0.8 tons Co2e / year).

    Those are the most effective measures, albeit politically unpopular.

    • Liebe Lagerer,

      wie immer ist es eine Freude, Euch zuzuhören.

      Bei der Diskussion zum IPCC-Bericht fand ich, dass Ihr an zwei Stellen zu kurz gegriffen habt:
      – erstens habt Ihr eine Bepreisung von CO2 nicht (wesentlich) thematisiert. Von Ökonomen wird diese als die wirksamste und kostengünstigste Methode anerkannt, um die notwendige Dekarbonisierung zu bewirken. So hat z.B. der Bundesrechnungshof neulich auf ca. 40 Seiten die Bundesregierung massiv dafür gerügt, anstatt auf das Instrument der CO2-Bepreisung auf teure und ineffiziente Subventionen zu setzen. Wenn man auf CO2 einen Preis setzt, dann braucht man sich keine weiteren Gedanken darüber zu machen, ob Teleworking wichtiger ist als Fleischverzicht – der Klimaschaden zeigt sich im Preis, und der Verbraucher entscheidet sich entsprechend.
      – zweitens habt Ihr das Thema moralisierend behandelt (SUV-Fahrer gebasht usw.). Das macht vielleicht Spaß, ist aber nicht zweckdienlich. Es geht um den nüchternen Sachzwang, die CO2-Emissionen in den nächsten 30 Jahren auf quasi Null herunterzufahren, damit wir unseren Planeten und unsere Lebensgrundlage nicht irreparabel schädigen. Appelle zu “besserem” Verhalten erreichen maximal 10-20 Prozent der Bevölkerung, und wenn dieser Anteil geschlossen im Büßerhemd geht und in Lehmhütten lebt, ist das Klima trotzdem nicht gerettet. Vielmehr braucht es ein breites Angebot an Gütern und Dienstleistungen, die es auch Menschen mit durchschnittlichem oder niedrigem Einkommen ermöglichen, klimakompatibel zu leben. Deswegen auch an dieser Stelle: nicht moralisieren, sondern CO2 bepreisen. Und damit das sozial gerecht bleibt, muss das Aufkommen aus einem solchen Preis wieder an die Bürger zurückverteilt werden, sodass jeder (auch Bezieher niedrigster Einkommen), der sich klimagünstig verhält, hinterher besser dasteht als vorher (auch als “Klimadividende” bekannt).

      Herzliche Grüße

      James

    • Warum ist denn der Effekt von einem Kind weniger so wahnsinnig hoch? Der CO2 Fußabdruck eines durchschnittlichen Deutschen liegt bei etwa 11 Tonnen pro Jahr (Quelle: Umweltbundesamt), bei anderen EU Ländern ungefähr gleich hoch (laut Wikipedia). Wie soll denn da ein Kind pro Jahr mehr als das Fünffache verursachen?

      • Great question, Julia.

        In der Studie wird der kumulative Effekt zukünftiger Nachkommen (in einem entwickelten Land wie etwa Deutschland) bei den Emissionsraten berücksichtigt. Schließlich haben „unsere“ Kinder später in vergleichbarer Zahl wieder selbst Kinder. Bei der Berechnung entfallen pro potenzielles Kind die Hälfte der Emissionen auf jedes potenzielle Elternteil, pro potenzielles Enkelkind ein Viertel usw. Zusammen ergibt das pro potenzielles Elternteil durchschnittlich die Zahl von 58 Tonnen Co2e (weil die Emissionen pro Land/Person variieren, haben die Autor*innen eine Spanne von 23,7 bis 117,7 Tonnen Co2e/Jahr angesetzt, aus der sich durchschnittlich 58 Tonnen ergeben).

        Laut Umweltbundesamt liegen die durchschnittlichen Emissionen einer Person in Deutschland bei 12 Tonnen Co2e. Das Umweltbundesamt hat sich zum Ziel gesetzt, diese auf 1 Tonne Co2e zu senken. Zu erkennen, dass die eigene Familiengröße das Klima so stark beeinflusst, kann ein Faktor bei der komplexen und sehr persönlichen Entscheidung sein, ob und wie viele Kinder man in die Welt setzen möchte.

        Hier der Link zur Studie: http://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/aa7541

  13. Hallo zusammen,
    Ich habe ein wenig Kritik zum Thema Co2 usw.
    In letzter Zeit wurden sehr oft der Verkehr im Sinne von Diesel etc., die Braunkohle, Grenzwerte usw. thematisiert. Mir geht der Gedanke da nicht weit genug. Als Vertreterin der jungen Generation wäre es mir wichtig hinsichtlich Klimawandel und unserer Zukunft weitere Themen zu diskutieren. Co2 zu reduzieren braucht neue Konzepte im Verkehr generell, im Energieverbrauch von Gebäuden, aber auch Umdenken im Bereich der Städte oder der Landwirtschaft. Hier ermöglicht Technik mittlerweile viel, aber viel zu selten wird darüber diskutiert wie der Einfluss ist oder wie hier auch unsere Visionen für die Zukunft sind. Braunkohle langsam abschalten und keinen Diesel mehr zu fahren sind ja längst nicht alles und schon gar nicht in der Entwicklung und Bevölkerung der Zukunft. Wir sollten in Deutschland mehr über unsere Visionen nachdenken und nicht im Kleinen rumoptimieren.
    Ich würde mich freuen, wenn ihr hier vielleicht ein größeres Bild skizzieren könntet!
    Viele Grüße aus Köln
    Marina

  14. Ich habe zur Abwechslung mal eine total technische Frage:

    Mit welchen Mikrofonen zeichnet Ihr die Lage-Folgen auf?

    Mir gefällt der ausgewogene klare Sound ausgesprochen gut. Deshalb tippe ich auf irgend ein Modell von Neumann Berlin.

    Macht weiter so!

  15. Hallo Ulf und Philipp,
    1. Woher habt ihr die Information, dass in der EU der (Auto)verkehr 26 % der CO 2 Immissionen ausmacht?
    2. Wie verteilen sich denn nach dieser Statistik die übrigen 74%?
    3. Könnte es nicht sein, dass die Verursacher der übrigen 74 % Immissionen vielleicht weniger Lobbyisten und Arbeitnehmer beschäftigen und radikale gesetzliche Regelungen daher leichter umzusetzen wären?
    Grüße Ben

    • Hi Ben,

      z.B. hier, auf Seite nummeriert 66:
      https://www.eea.europa.eu/publications/european-union-greenhouse-gas-inventory-2018
      Demnach machte der Straßentransport in 2016 in den EU-28 (plus Island) 25% der CO2-Emissionen aus. Auf Seite nummeriert 228 des gleichen Berichts steht in Tabelle 3.56, dass Diesel und Benzin den überwältigenden Anteil an den Emissionen des Transportsektors ausmachen.
      Ebenfalls auf Seite 228 kann man oben sehen, wie sehr die Emissionen des Transports angestiegen sind.

      Hilft das?

      Herzliche Grüße

      James

      • Wichtige Einschränkung zu diesen Zahlen:
        Das sind NICHT die Gesamtemissionen in der EU, sondern die Emissionen aus fossilen Quellen + Zementindustrie. Wodurch Tierproduktion, Landnutzungsänderungen etc. eben nicht mit drin sind.
        Deswegen ist’s auch stets so wichtig, genau drauf zu schauen, welcher Teil der Emissionen dargestellt wird.

  16. CO2 /NOx – Reduzierung

    Die Politik macht sich so viele Gedanken (löblicherweise), wie man den Ausstoße von CO2 bzw. NOx reduzieren kann.
    Sie spricht immerzu davon, die Menschen res­sour­cen­scho­nend, von A nach B zu bringen, um o. g. Schadstoffe zu verringern.
    Was wäre denn, wenn endlich mal jemand davon reden würde, die Anzahl der Menschen, die von A nach B müssen zu reduzieren?
    Es gibt doch genügend Bürojobs, bei denen eine Anwesenheit vor Ort (im Unternehmen), nicht zwingend nötig ist.
    Die Politik sollte mal darüber nachdenken, wie sie Anreize schaffen kann, damit Unternehmen ihren Mitarbeitern verstärkt Heimarbeit/Telearbeit/Homeoffice (wie auch immer man es nennen möchte) anbieten.
    Das könnte nicht nur positive Effekte auf die Umwelt haben, sondern auch dazu beitragen, dass morgens weniger Stress, durch Stundenlange Staus, entsteht.
    Natürlich ist Heimarbeit nicht die Lösung aller Probleme, aber sie könnte ein Teil der Lösung sein.

    • Kling gut, bringt leider nicht viel, wenn man auf die Daten schaut. Durch eine vegane Ernährung lassen sich deutlich mehr Treibhausgase einsparen (- 7.79 %), als durch Teleworking (-0.23 %). Die Zahlen beziehen sich darauf, wenn die Maßnahme 2020 beginnen würde. Siehe Table 11: https://link.springer.com/article/10.1007/s11027-017-9763-y

      Die Top 4 Dinge, die jede*r tun kann, um das Klima zu schonen, sind: kein Kind/ein Kind weniger haben (Einsparung: 58,6 Tonnen Co2e/Jahr), autrofrei leben (Einsparung: 2,4 Tonnen Co2e/Jahr), weniger fliegen (Einsparung: pro transatlantischem Flug 1,6 Tonnen Co2e) und sich vegan ernähren (Einsparung: 0,8 Tonnen Co2e/Jahr) – so das Ergebnis einer Metastudie: http://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/aa7541

  17. Herrlich, die Kombination von Werbung für den Audi e-tron und dem später gefallenen Satz (sinngemäß): „SUVs sind als E-Autos ja auch schlecht“. Ich musste grinsen. Danke für Alles, macht weiter so!

    • Positiv betrachtet: Man kann ihnen an der Stelle zumindest nicht vorwerfen, dass die Werbung die redaktionelle Arbeit beeinflusst ;)

  18. Lieber Philip Banse und lieber Ulf Buermeyer zwei Dinge die mir am Herzen liegen Über Punkt 2 können wir gerne sprechen :) :
    1. Könnt ihr bitte bitte aufhören von “farbigen” zu sprechen, wenn ihr Schwarze meint, bzw. wenn ihr “People of Color” (PoC) meint (Schwarzer = Schwarzer; Poc, alle nicht-weißen, also Schwarze aber auch Asiat*innen)? “Farbiger/farbig” ist ein kolonialistischer Begriff, den viele PoC (People of Color) als beleidigend und rassistisch empfinden. Also eben jene, die eine Definitionshoheit über ihre Selbstbezeichnung haben sollten. es ist ein Kennzeichen des weißen Kolonialismus, dass wir immer allen anderen Bezeichnungen aufgedrängt haben und nur wir uns selbst bezeichnet haben, da ist das Recht auf Eigenbezeichnung und Ablehnung diskriminierender Begriffe ein Element des empowerments.

    Weitere Hinweise etwa hier:
    http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/41722/kleiner-formulierungs-ratgeber-fuer-journalisten
    https://www.derbraunemob.de/faq/#f05
    https://www.amnesty.de/2017/3/1/glossar-fuer-diskriminierungssensible-sprache
    Und sogar einen Hinweis vom Landesfilmdienst-Sachsen gefunden: http://www.landesfilmdienst-sachsen.de/Material/Verdammt_Lang/page3/page9/files/Rassismus_Sprache.pdf

    2. Reflektiert mal bitte den Begriff der “Leitkultur”. er impliziert immer etwas, nachdem sich dann alle anderen auszurichten haben, wie der aber bestimmt ist, ist völlig schwammig. Da kommt dann so Stuss wie “man gibt sich zur Begrüßung die Hand” und anderen Unsinn. Vielmehr sollte kulturelle Vielfalt vorherrschen, denn ansonsten wird immer ein Unterschied gemacht, zwischen “denen” und “wir”. Verkürzt und radikalisiert gesprochen: Den NSU-Mördern wird ihr Deutschsein, ihre Zugehörigkeit zur deutschen Leitkultur nicht abgesprochen, der deutschen Frau muslimischen Glaubens, deren Großeltern ursprünglich mal aus der Türkei stammten, wird fehlende Bereitschaft zur Integration und zur Orientierung an die deutsche Leitkultur, ja ihr ganzes “echtes” Deutschsein abgesprochen, wenn sie kein Schweinefleisch essen will.

    Ich übertreibe? Erinnert euch an Schleswig-Holstein 2016 um die Schweinefleisch-Debatte. O-Ton Hans-Jörn Arp von der CDU: “Schweinefleisch gehört zu unserem Kulturkreis, es gibt keinen Grund, darauf zu verzichten”. Leitkultur Schweinefleischessen. Na Mahlzeit.

    Viel Kritik aber am Ende möchte ich euch beide auch noch einmal loben. Ich höre jede Woche sehr gerne die Lage, die leider immer zu kurz ist :)

    • Zu 1.: Du hast die Rothäute vergessen :-)
      Aber im Ernst: Ich weiß nicht, warum Du Asiaten als “Nicht Weiß” einordnest. Vor allem Chinesen, Koreaner und Japaner haben verglichen mit dem gemeinen Mitteleuropäer doch eher eine hellere Haut. Für die ist “Farbig” eine Beleidigung, weil sie sich selbst nicht als farbig empfinden. Daher passt auch PoC nicht.
      Warum sind Chinesen gelb: http://german.china.org.cn/meinchina/2009-09/18/content_18550628_2.htm

      • Ja, ich hab auch noch eine ganze Anzahl anderer Ethnien nicht genannt, da es keine abgeschlossene Liste darstellte. Ihre Bedürfnis rassistische Beschreibungen hier fröhlich hinzuzufügen, kann ich leider überhaupt nicht nachvollziehen.
        Asiat*innen zu PoC zu zählen, ist auch keine Zuschreibung durch mich, keine Klassifizierung die ich vorgenommen habe. Wie ich ausgeführt habe, ist es eine Eigenbeschreibung, ein empowerement durch die Betroffenen. PoC ist der selbstgewählte Sammelbegriff, den sich die Betroffenen zur Abgrenzung gegenüber der rassistisch-kolonialistisch und imperialistisch aufgetretenen (und noch ein paar andere -ismen) “Weißen” (oder um in ihrem Bild zu bleiben “oftmals Schweinchenrosanen) gegeben. Es geht hier um Phänomene des Rassismus und der Herausforderung und Aufbrechung von Machtverhältnissen und Formen struktureller Diskriminierung.

      • Sie kennen Asiaten, die sich selber als “Farbige Menschen” bezeichnen? Ernsthaft? Das hab’ ich noch nicht erlebt. Und was genau ist an dem Ausdruck jetzt besser, als nur “Farbige”? Daß es so schön Englisch ist? Daß man ihnen zugesteht, auch “Menschen” zu sein?

      • Sie scheinen wirklich nicht zuzuhören, anders kann ich es mir nicht erklären, dass Sie genau das Gegenteil von dem behaupten was ich sage. Wenn ich sage, dass die Bezeichnung “farbiger” nicht erwünscht ist und mir dann unterstellen, dass ich behaupten würde, die Bezeichnung wäre gewollt. In ihrer Vorstellung scheint Schwarz gleich Weiß zu sein, oben ist unten und rot ist grün.

  19. Ich habe bereits in der letzten Diskussion 3x mal versucht auf das Folgende hinzuweisen, zumal du mich nach einem Quellennachweis für meine gegenteilige Behauptung gefragt hattest, bin aber nach wie vor nicht veröffentlicht worden.

    Die von der Welt (und euch) zitierte Emnid-Umfrage hat gerade nicht, wie etwa suggeriert, die Teilnehmer bestimmte Themenkomplexe nach Wichtigkeit ranken lassen, sondern um Zustimmung oder Ablehnung zu ganz bestimmten Fragestellungen gefragt. Zum Thema Migration & Asyl war das die Frage, ob Zuwanderung begrenzt(!) werden solle, also eine ganz bestimmte Fragestellung, die mMn wenig bis nichts mit dem allgemeinen, öffentlichen Dringlichkeitsempfinden des ganzen Themenkomplexes zu tun hat. Das seitens der Welt aber als genau das, als empfundene Wichtigkeit des Themas in der Bevölkerung zu verbiegen halte ich für entweder grob irreführend und journalistisch dilletantisch oder schlicht Verbreitung von fake news.

    Ergebnisse einer Umfrage, in der wirklich und wörtlich nach Wichtigkeit politischer Themen gefragt wurde, ist z.B. diese:
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/500465/umfrage/umfrage-zu-den-wichtigsten-politischen-themen-in-deutschland/

  20. Zum Artikel von Schaible:

    Ich hatte diesen schon vor Ihrer Sendung gelesen und halte ihn ebenfalls für einen sehr guten Einblick in die wahre Problematik des ‘Aufstiegs der Rechten’.
    Ein weiterer wird hier in diesem Artikel genannt, es gibt in der Politik doch keine mehr, der wirklich von ‘unten’ kommt, die Probleme der Menschen die zB in zwei Jobs arbeiten versteht und dementsprechend agiert. Dies wird hier an einigen Beispielen deutlich:

    Ein SPD-Stand in NRW, der von zwei gut gekleideten Herren um die dreißig betreut wird. Ein älterer Herr in Bauarbeiterkleidung – man sieht ihm an, dass er Zeit seines Lebens körperlich gearbeitet hat – erzählt den beiden mit Tränen in den Augen, dass er immer die SPD gewählt habe, dies aber jetzt nicht tun könne und gar nicht mehr wählen gehe, weil keine der Parteien für ihn da sei. Statt mit dem Menschen zu reden, machen sich die beiden über ihn lustig und imitieren seine fehlerhafte Aussprache. Immer noch mit Tränen in den Augen geht der ältere Herr, während sich die beiden jungen Männer über ihn amüsieren. Ich gehe zu ihnen und frage sie, ob sie sich nicht schämen? Sie schauen mich an, als hätte ich sie nicht mehr alle. Für mich hat sich diese Szene als Sinnbild dafür eingebrannt, dass ein Teil der Bevölkerung von der Politik vergessen wurde.
    https://www.sueddeutsche.de/bildung/reportage-und-wir-1.4117781

    Nebenbei würde mich, und sicher auch einige andere aus der Region, auch eine Lage Live aus Chemnitz, Dresden oder Leipzig reizen.

    Viele Grüße,
    Kirsten

    • Lage Live in Leipzig gab es dieses Jahr im Juni/Juli im Kupfersaal.

      • richtig, 8.6. – war ein toller Abend!

      • “richtig, 8.6. – war ein toller Abend!”

        Und sehr warm – ich erinnere mich noch, das gefühlt der ganze Saal geschwitzt hat, (und ich danach, als ich mit Koffer noch quer durch Leipzig gelaufen bin) egal wie wenig man an hatte. Aber ja: ein sehr gelungener Abend.

    • Ich weiß nicht genau, ob es daran liegt, ob jemand von “unten” kommt oder nicht. Sicher ist aber ein entsprechendes Maß an Empathie gefordert und notwendig.
      Ich habe eher den Eindruck, dass es an Politikern mangelt, die Visionen (ich meine nicht Wahnvorstellungen) haben, diese glaubhaft vertreten und Menschen, zumindest teilweise, dafür begeistern können ihnen zu folgen.
      Wenn ich mir, beispielsweise, die Nordrhein-Westfälische Landesregierung anhöre, dann kann ich keine Idee erkennen, wie man aus der Braunkohle aussteigen will/kann oder wie man in den Städten die Luft verbessert um Fahrverbote zu vermeiden. Stichwort: Verkehrskonzept
      Ich höre immer nur, dass alles nicht geht und man den Status Quo nicht ändern kann.
      Dass die Menschen auf diese beharrende Politik keine Lust mehr haben, ist dann ja kein Wunder.
      Ein Stück weit erklärt dies den Erfolg der Grünen in Bayern. Ob die visionäre Politik vertreten, weiß ich nicht, aber sie haben immerhin ein klare Position die vorwärts gerichtet scheint.

  21. Noch eine Frage über den Klimawandel: Wäre es möglich für jungere Generationen um sich was Aktionen betrifft (zB Hambi) zu berufen auf das Selbstverteidigungsrecht?

    • Ist das ernstgemeint? Ich zitiere mal Wikipedia: “Unter den juristischen Begriffen Notwehr und Nothilfe sind lediglich Maßnahmen zusammengefasst, die einen gegenwärtigen und rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abwenden, außerdem gilt als Notwehr auch der Schutz von Gegenständen und anderen Rechtsgütern. Angriffe, die nicht strafbewehrt sind oder deren Strafverfolgung durch Behörden aus praktischen Gründen nicht möglich ist, werden vom Notwehrbegriff nicht abgedeckt”

      Das Klima kaputt machen ist ja nicht rechtswidrig und gegenwärtig ist der Angriff vermtlich auch nicht, weil es für die jüngere Generation ja erst in Zukunft zu einem Problem wird.

      • Es könnte nicht ernster gemeint sein. Die ältere Generationen verhalten sich jetzt so perfide weil sie eh nicht von den Folgen betroffen sein. Das soll sich ändern.

        Das Klima kaputt machen passiert jetzt also sind der Angriff und die Notwendigkeit von Selbstverteidigung dagegen gegenwärtig. Dafür zu sorgen dass es Billionen an Sachschaden und Hunderte Millionen tote Menschen geben wird muss auch rechtswidrig sein.

      • Recht != Gerechtigkeit != Moral

        Natürlich ist es de facto so, dass wir jetzt Schäden anrichten unter denen später Menschen leiden. Aber wir machen durch Zölle und Subventionen ja auch die Wirtschaft in Entwicklungsländern kaputt oder exportieren Waffen in Diktaturen…

        Wenn alles verboten wäre worunter andere dramatisch leiden werden, dann würde die Gesetzgebung hierzulande, aber GANZ anders ausehen… Ob besser oder schlecht ist vermutlich ansichtssache…

  22. Zur Bayernwahl, ein Hinweis zur Analyse:
    In der SZ wurde eine Karte der Zweitplazierten Parteien angefertigt. Die ist ganz interessant. Zeigt sie nämlich, dass die AFD genau dort besonders häufig gewählt wurde, wo die Ankerzentren angesiedelt wurden. Bamberg (der Landkreis, aber auch in unserer Stadt hat die AFD mit 12% ein mit anderen Städten vergleichbar hohes Ergebnis erreicht), Deggendorf, Donauwört, Manching. Die CSU hat uns also genau das eingebrockt was zu erwarten war: eine Spaltung innerhalb der mit den Ankerzentren “belasteten” Kommunen. Ich hoffe dass die in etwas über einem Jahr anstehenden Kommunalwahlen nicht mehr unter dem Stern der medialen Zufeuerung mit “Flüchtlingsproblemen” stattfinden wird, denn dann steht uns auch auf kommunaler Ebene diese ABM-Maschine durch dümmliche Anfragen ins Haus.
    Übrigens ist der Autor der SZ gar nicht auf die Schlussfolgerung gekommen.
    https://www.sueddeutsche.de/bayern/datenanalyse-zur-landtagswahl-wie-bayern-bunt-wurde-1.4171506

  23. Hallo zusammen,
    zunächst mal vielen Dank für eure Arbeit Woche für Woche.

    Ein kurze Anmerkung zum Thema Verkehrswende hätte ich da noch.
    Als Landkind, dass in die Stadt gezogen ist und immer wieder auf Heimaturlaub ist, hört man leider viel zu oft das Totschlagargument der Alternativlosigkeit der Automobils auf dem Lande. Auch im Podcast wurde das zumeist nicht weiter hinterfragt. Meine Problem damit ist, dass damit allein der Gedanke an potentielle Veränderungen an den Fortbewegungsarten auf dem Land quasi im Keim erstickt wird.
    Kommt man mit den Menschen ins Gespräch stellt sich heraus, dass die tatsächlich gefahrenen Strecken häufig auch nur 4-8 Kilometer lang sind und man nicht immer Sprudelkästen transportieren muss. Aus meiner Sicht bieten auch hier Alternativen (Lastenrad, E-Bike, gemeinschaftlich genutzte Fahrzeuge).
    Ich möchte damit nicht sagen, dass es nicht tatsächlich Wohn- und Lebenssituationen gibt, in denen es ohne PKW nicht geht. Allerdings nehme ich häufig war, dass das Auto eben genutzt wird, weil es da ist und nicht weil es nötig ist. Und noch viel schlimmer eine Diskussion oder Reflexion durch das Dogma “auf dem Land ist es anders” nicht angestossen wird.

    Als Gegenstück gibt es hier in Städten (in meinem Fall Hamburg) viele PKWs, die zumeist nur im Urlaub/zu Ferienzeit genutzt werden. In der Stadt werden sie kaum gebraucht, jedoch ist, speziell mit Familie, das Reisen im Automobil um ein vielfaches bequemer und flexibler als mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ein Auto zu besitzen, um es nur im Urlaub halte ich für höchst ineffektiv, hier fehlen mir Alternativen. Wie wäre es mit einer Entschädigung für Menschen die auf ein Auto verzichten – ein Rabatt auf nen Mietwagen wäre ein Anfang ;-).

    Grüße Jörg

  24. Ich bin seit längerem begeisterter Lage Hörer. Danke für den m.E. besten Podcast zur deutschen Politik!

    In der aktuellen Lage habt Ihr einen Beitrag basierend auf dem sehr spannenden T-online Artikel von Jonas Schaible gebracht: „Warum es keinen Rechtsruck gibt…“

    Ich kann vieles in dem Artikel nachvollziehen und möchte ermutigen an einer entscheidenden Stelle noch einen Schritt weiter zu denken!

    Zum Hintergrund meiner Person:
    Ich bin 40, weiß, männlich, hetero, verheiratet mit zwei Kindern, lebe im Westen, habe zwei Staatbürgerschaften und bin in leitender Funktion in einem großen deutschen Industrieunternehmen tätig. Mehr Holzschnittpriviligiertheit geht kaum. Dessen bin ich mir bewusst.

    Dazu kümmere ich mich logistisch seit Jahren praktisch alleine um unsere kleinen Kinder, wähle schon mal grün, spende, gerate an Bahnsteigen und in Zügen in lautstarke Auseinandersetzungen mit AfD Anhängern, und hoffe in aller Demut zu wissen, dass ich immer auf Seiten von Bürger- und Freiheitsrechten stehen werde. Für alle.

    Aus dieser Perspektive sehe ich die von Schaible beschriebene neue Konfliktlinie von beiden Seiten. Ich gehöre zu den Priviligierten und bin starker Befürworter einer liberaleren, offeneren Gesellschaft.

    Und jetzt zum versprochenen Punkt des Weiterdenkens:
    Wir müssen einen neuen Lebensentwurf für die „ehemals Privilegierten“ aufzeigen. Der fehlt eklatant. Es fehlt gesellschaftliche Orientierung.
    Mit „wir“ meine ich uns privat, die Politik, Medien, Filmschaffende, alle, die daran interessiert sind, dass es nicht zu dem berühmten „Backlash“ kommt. Wir sind alle so beschäftigt alte Privilegien abzuschaffen, dass wir es verpassen neue Lebensperspektiven für diejenigen aufzuzeigen, die diese Privilegien früher hatten.
    Jetzt kann man sagen: gut, ist deren Problem. Aber es ist schwer, sich einen neuen Lebensentwurf selbst zu erdenken und Achtung dafür zu erkämpfen. Das wissen Feministinnen am besten. Und es ist auch schwer dies zu tun, wenn man frühere Privilegien für ein höheres Ziel aufgeben muss oder sogar will.

    Ich selbst tue mich manchmal schwer in Situationen, die ich als Brüche erlebe und die aus der rasant voranschreitenden Entwicklung heraus entstehen. Beispiele:

    – Als Vater fühle ich mich gelegentlich als Elternteil zweiter Klasse und wurde von Müttern, Lehrern, Hebammen, Tagesmüttern häufig solange ignoriert, bis klar wurde, dass ich nicht nur der „Bringpapa“ bin.
    – Ich wurde schon auf offener Straße dafür gelobt als Mann zu wickeln.
    – Und wenn meine Tochter sich wehtut, wird mir schon mal geraten, dass ich besser aufpassen sollte, sonst ließe man mich nicht mehr alleine mit ihr auf den Spielplatz.

    Mein Gefühl ist, dass wir von modernen Vätern erwarten, dass sie ein verlängertes Wochenende mit ihren Kindern verbringen können, ohne dass diese körperlichen Schaden nehmen. Aber halt auch nicht mehr. Dann sollen die Kinder bitte zurück zur Mutter. Und das ist nur eine Dimension, diejenige, die in meinem Leben derzeit im Vordergrund steht.

    Wenn ich mir jetzt vorstelle ich stünde bei einem Autokonzern als Maschinenschlosser am Band und wäre nicht per se für eine offenere, gleichberechtigtere Gesellschaft. Ich lese, mein Motorenwerk braucht es in 10 Jahren vielleicht nicht mehr.
    Dann brauche ich gesellschaftliche Orientierung wie ich damit umgehe. Wer will ich sein in 10 Jahren? Wer kann ich überhaupt erfolgreich und gesellschaftlich akzeptiert sein? Und wie komme ich dahin?

    Ich rede nicht davon, dass es eine Bringschuld gäbe jeden an die Hand zu nehmen. Zum Handlungskatalog von Jonas Schaible kommt jedoch hinzu:

    5b) Wir müssen Vorbilder schaffen und aufzeigen welche Vorteile es für den Einzelnen hat von alten Strukturen abzulassen. Wir müssen argumentieren warum interkulturelles Zusammenleben wertvoll ist, so mühsam es manchmal sein mag. Warum es für den Einzelnen und für die Kinder gut ist, wenn auch der Vater sich mehr um die Familie kümmert und warum er darin genau so kompetent sein kann wie die Mutter. Kurzum: eine positives Narrativ muss den Abgesang auf die „alten, weißen Männer“ ersetzen.
    Dann kriegen wir die auch wieder an Bord.

    Ahoi, Euch eine gute Woche!

  25. Hallo liebes Team,

    eines vorweg. Ich finde euren Podcast großartig!
    Dieses mal hat mich das Thema IPCC & Co2 besonders angesprochen, vor allem auch emotional.

    Beim Hören dieser Folge habe ich mich selbst gefragt, warum es eigentlich so schwierig ist, etwas zu verbessern. Ich habe dabei auf mein privates Umfeld geschaut als ihr die Schelte bzgl. der SUVs (zurecht) verteilt habt. Ich selbst fahre keinen SUV dafür aber zwei größere Autos: einen Skoda Octavia und einen Seat Alhambra (beide Benziner). Muss das wirklich sein?

    Kurzum: Um meinen Alltag zu organisieren, komme ich bisher nur zur Antwort – Ja, muss es leider.

    Wir leben in Hamburg allerdings in einem Stadtteil, der nicht optimal angebunden ist. Dafür passt aber das Verhältnis Miete zu Einkommen!
    Meine Frau und ich sind beide berufstätig wobei meine Frau derzeit noch in Elternzeit ist. Sie betreut tagsüber unsere Zwillinge und holt die ältere Tochter gegen 15:30 Uhr aus der Kita ab (nur möglich, da wir das Kind noch per 8h-Gutschein so lange in der Kita lassen können).
    Wenn Sie wieder arbeiten geht (nach einem Jahr Elternzeit) wird sie nach Schleswig-Holstein fahren, während ich in die Hamburger Innenstadt pendele. Unsere Arbeitswege summieren sich so auf ca. 30 – 45 min. pro Richtung – pro Person. Wohlgemerkt, dass ich dabei nur bis zur nächstgelegenen S-Bahn Station fahre, um von dort aus dann bis zu meinem Arbeitgeber zu kommen.

    Der Kombi war als Familienauto gedacht und ist Drei-Wege finanziert. Als wir überraschenderweise Zwillinge bekommen haben, musste ein neuer Wagen her in den 1 Kindersitz für eine Dreijährige und zwei Babyschalen passen. Gar nicht so einfach! Hinzu kommt, dass unsere Verwandtschaft in Brandenburg (ca. 5-6h Autofahrt) lebt. A24 juchhee…
    Ich würde gern meinen Fuhrpark wieder reduzieren, weil ich zwei Autos pro Familie anmaßend finde. Wir ziehen Ende Oktober in ein Haus um, welches wir mieten. Leider verbessert sich unsere Anbindungs-Situation dadurch nicht. Wir waren froh überhaupt ein geeignetes Objekt zu finden, dass unseren Kostenrahmen nicht sprengt und unsere derzeitige Wohnsituation entspannt!

    • Hi Mario,
      weiß nicht ob das bei dir helfen könnte, aber hast du mal über ein Lasten-E-Bike nachgedacht? Ich habe meines nun seit gerade mal 3 Wochen aber ich konnte mir damit schon einen ganzen Haufen PKW-Bewegungen sparen. Ich bin mit dem Teil total happy. Ich lebe jedoch in einer Kleinstadt, sehr hügelig, was mich oft vom “normalen” Radfahren abgeschreckt hat. Nun gehen alle üblichen Einkäufe und auch Kindertransport (1 Kind + Gepäck) locker auf 2 Rädern. Zusätzlich zum guten Gewissen kommen noch kürzere Lauf- und Schlepp-Wege :)
      Gruß
      Marc

      • Nein habe ich noch nicht. Ich werde mir das mal anschauen. Ich bin im Sommer (während der Kita-Schließzeit) ja zeitlich begrenzt schon mit dem Rad zu Arbeit gefahren. Das hat mir sehr gut gefallen.

        Vielen Dank für den Hinweis!

  26. Liebes Lage-Team,

    vielen Dank für diesen wunderbaren Podcast und auch für eure Arbeit all diese (oder zumindest viele) dieser (auch oft spannenden) Kommentare zu lesen.

    Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass ihr den Systemzusammenhang zwischen Umweltbelastung und Arbeitsplätzen noch mal intensiver beleuchtet.

    Verkürzt gesagt sehe ich es so, dass wir immer wieder fordern, dass Unternehmen weniger produzieren, seien es Kleinfahrzeuge statt SUVs oder sei es weniger Braunkohle. All dies führt immer unweigerlich zum Schrumpfen der Konzerne der jeweiligen Industrie, was wiederum gewollt ist in Bezug auf CO2 allerdings nicht in Bezug auf Arbeitsplätze. Aktuell stechen Arbeitsplätze daher noch oft Klimaerwägungen ab. Welche Partei wird schon von einer Gruppe Arbeitsloser wiedergewählt, die sie selbst erschaffen hat.

    Brauchen wir daher nicht eine Loslösung von der Lohnarbeit wie zum Beispiel das bedingungslose Grundeinkommen oder gar radikalere Maßnahmen? Einfach aus dem Grund, dass wir eigentlich gesamtgesellschaftlich mehr vom Weniger brauchen.

    In das gleiche Feld gehören meiner Ansicht nach auch Themen, wie die Grenzen des Wachstums im BIP oder die zu befürchtende Arbeitslosigkeit durch die Digitalisierung.

    Würde mich freuen eure Meinung dazu zu hören oder zu lesen.

    Liebe Grüße
    Martin

    • Hey Martin!
      Von der Seitenlinie mein kritisch-ökonomischer Blickwinkel: schon die Kerzenmacher haben gegen die Glühbirne gekämpft, weil sie Arbeitsplätze im wichtigen Wirtschaftszweig der Kerzenmacher vernichten würde und damit zu sozialen Problemen führt. Will sagen: die richtigen Ziele werden durch ihre negativen Nebeneffekte nicht falsch. Man muss mit diesen Nebeneffekten umgehen. Ein Teil löst sich von selbst, denn es wird immer wieder neue Innovationen geben die uns Arbeit geben. Soziale Härten müssen natürlich besser vermieden werden als es in vielen Fällen von sterbenden Industrien gewesen ist. Tatsächlich ist das Wiederwahlproblem meiner Meinung nach des Pudels Kern. Denn auch die großen Parteien wissen, dass die Ziele die richtigen sind, schlichtweg die Angst vor den Unzufriedenen und die Unfähigkeit große Zukunftskonzepte zu entwickeln (weil man ja auch vorher nicht wissen kann wo die stärksten Innovationen stattfinden) führen zum Widerstand bis es dann total kracht.
      Nebenbei eine Hypothese: hätte man 2008 rum die PV-Krise auf europäischer Ebene nicht vergeigt, so wäre der Boom der Photovoltaik-Fabriken in den neuen Bundesländern weiter gegangen und wir hätten bei weitem nicht das jetzige AFD Problem!

  27. 16. Oktober 2018 um 12:24 Uhr
    It's the Economy, stupid!

    Auch von mir zuerst ein Dank für eure Arbeit und den hörenswerten Podcast. Ich möchte einen Punkt stark machen, den Ihr in eurer Diskussionen öfters – in Variationen – bringt: das Argument, “die Wirtschaft” moralisch aus der Verantwortung zu nehmen, denn die handeln ja ohnehin nach eigenen monetären Maßstäben („Am Ende des Tages müssen Zahlen stimmen“).
    Dieses Argument suggeriert, dass “die Wirtschaft” ein Bereich sei, der vom gesellschaftlichen Handeln und Leben in gewisse Weise ausgenommen sei und nach eigenen Gesetzen funktioniere. Diese Sichtweise ist weit verbreitet und wird auch und legitimiert mitunter grobes wirtschaftliches Fehlverhalten, das insbesondere auf kurzfristige Gewinnsteigerungen abzielt. Bei etwas genauerer Betrachtung wird natürlich schnell klar, dass diese Argumentation viel zu kurz greift: wirtschaftliches Handeln ist gesellschaftlich eingebettet: Wirtschaft profitiert von gesellschaftlichen Strukturen (Bildung, Infrastruktur, …) und hat Rückwirkungen auf diese. Das ist könnte man auf vielen Ebenen durchexerzieren, aber an dieser Stelle soll das grundsätzlich reichen. Ganz platt gesagt: man kann nicht so tun, als ob das Handeln Erwerbstätiger von 9-17 Uhr aus ihrem Leben herausgehoben wird und sie dann nach Feierabend plötzlich andere Menschen wären, für die dann auch moralischen Handeln maßgeblich ist.
    Was heißt das nun für konkrete Probleme, wenn wir anerkennen, dass wirtschaftlichen und gesellschaftliches Handeln eng miteinander verflochten sind:
    a) wir stellen die gleichen Ansprüche, die wir im gesellschaftlichen Miteinander pflegen – und das sind selbstverständlich auch moralische – auch an wirtschaftliche Akteure und nehmen sie nicht aus, unter dem Vorwand, dass “Wirtschaft anders laufe”.
    b) wenn a) nicht ausreicht, helfen wir nach, indem wir moralische Maßgaben in wirtschaftliche ‘übersetzen’: So etwa geschehen beim Thema CO2-Emissionen. Diese wurden mit einen Preisschild versehen (sozusagen als Ware deklariert), um sie ‘einzupreisen’. Emissionen werden bekanntlich auch gehandelt. Hier mehr dazu: https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/der-europaeische-emissionshandel
    Das nur zwei Wege, um deutlich zu machen, dass Wirtschaft sehr wohl nach moralischen und gesellschaftlichen Konventionen handeln muss.
    Kritische ÖkonomInnen haben schon seit langen argumentiert, dass in wirtschaftlichen Kennzahlen gesellschaftlichen Kosten und Umweltkosten eben nicht berücksichtigt werden – Option b) war eine Reaktion darauf. Wenn also am Ende des Tages “die Zahlen stimmen”, dann eben auch, weil gewisse Ressourcen bisher keinen Preis haben. Mal ganz abgesehen davon, dass jede/r wirtschaftlich handelnde weiß, wie konstruiert Zahlen sein können. Oder anders: in Excel wird mehr Fiktion geschrieben als in Word.

    Da Ihr schon öfters angedeutet habt, dass das Thema Ökonomie nicht ganz euer Steckenpferd ist (fair enough), würde ich anregen, hier mehr Expertinnen zu Wort kommen zu lassen. So sehr gelungen geschehen in ein der letzten Sendungen als es um den Hambacher Forst ging. Speziell Leute an der Schnittstelle zwischen Politik – Ökonomie (politische ÖkonomInnen) und Wirtschaft – Gesellschaft (WirtschaftssoziologInnen) haben hier spannendere Einsichten als orthodoxe ÖkonomInnen.

  28. Hallo,

    vielen dank für die tolle Lage!
    Zum Straßenverkehr:
    Es ist ein Unding, dass
    -Hybridautos im Verbrauchstest mit voller Batterie den Zyklus beginnen dürfen, die Batterie aber bei Ende leer sein darf. So kommt eine S-Klasse auf 4.2l/100km.
    -Elektroautos beim Co2 Ausstoß doppelt zählen ist schlimm genug. Dass sie aber (scheinbar) mit zweimal “Null” zählen ist schlimmer. Denn:
    “Bei der Erzeugung einer Kilowattstunde Strom für den Endverbrauch ohne Berücksichtigung des Stromhandelssaldos wurden in Deutschland im Jahr 2015 durchschnittlich 528 Gramm Kohlendioxid als direkte Emission aus der Verbrennung fossiler Energieträger emittiert. ”
    [1]
    Damit liegt der e-Golf bei 96g/100km

    Der Golf mit Benzinmotor liegt bei 126g/100km
    Der Golf mit Flüssiggasantrieb sollte ca bei 106g/100km liegen
    Der Golf mit Dieselmotor liegt bei 99g/100km (hat aber bekanntlich eine “Dieselthematik”)

    Nun ist erfreulich, dass der CO2 ‘Abdruck’ einer kWh Strom sinkt [1], aber aktuell -und auch in naher Zukunft- wird ein Elektroauto nicht sehr viel besser im Co2 Ausstoß sein, als ein Verbrenner. Wir lügen uns hier einen in die Tasche.

    Zum Thema Strafen für die Automobilhersteller wenn die Flotte den Grenzwert überschreitet:
    96€/3g bedeuten für einen Porsche Cayenne 3200€ – bei einem Listenpreis von über 70000€. Das entspricht etwa dem Mehrpreis des Abstandregelungstempostat.
    Ich glaube nicht, dass das einen Käufer hindert.

    Übrigens: Der Cayenne-Hybrid stößt nur 72g/100km aus. Dank der o.g. Tricks (volle/leere Batterie und Strom hat keine Emissionen).

    Wenn wir die Emissionen senken wollen gibt es einen einfachen Weg: Energie muss teurer werden. Dann regelt der Markt den Rest von alleine.

    Gruß,
    Hendrik

    Übrigens: Die Herstellung des Akkus eines Kleinwagens (30kWh) belastet die Umwelt mit 4.6t. bei einer Fahrleistung von 100000km wären das nochmal 4.6g/km. Ich weiß aber nicht, wieviel Energie die Herstellung eines Verbrennungsmotor verbraucht.

    [1] https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/energieversorgung/strom-waermeversorgung-in-zahlen?sprungmarke=Strommix#Strommix

    • Hallo Hendrik,
      ich komme beim eGolf auf andere Zahlen, welchen Verbrauch (kWh/100km) nimmst du denn an?
      Generell sind die genannten Werte wohl eher als g/km, nicht g/100km zu verstehen.

      Gruß Martin

  29. So sehr ich euren Podcast liebe, leider muss ich gerade mal ein klein wenig Meckerei loswerden und zwar bezüglich der Werbung.
    Vorab: Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass der Podcast mithilfe von Werbung (teil-)refinanziert werden soll.
    Als die Werbung in der Lage der Nation gestartet ist habt ihr noch gesagt, dass euch die Auswahl der Werbepartner besonders wichtig ist und ihr nur Werbepartner zulasst, mit denen ihr euch sinngemäß identifizieren könnt. Da passt es meiner Meinung nach ganz und gar nicht, dass aktuell Audi für seine Elektro-Mobilität Werbung in der Lage macht. Ein Konzern, der ebenfalls tief in die Dieselaffäre verstrickt ist, lieber SUV’s als Kleinwagen produziert, sich lange für “sauber” ausgegeben hat und dann doch überführt wurde und, wie ich eben aus dem Tagesschau-Ticker erfahren habe, nun 800 Millionen Euro Bußgeld deshalb zahlt. Ein solcher Konzern versucht sich jetzt, das ist meine persönliche Meinung, ein neues Image zu verschaffen, einen “trendigen”, eigenen Podcast aufzusetzen, der auf die ach so coole E-Mobilität hinweisen soll und wirbt damit in der Lage.
    Es tut mir Leid, aber das passt für mich so gar nicht zur Lage der Nation und eurer Einstellung zum Thema Individualverkehr, Dieselskandal usw.

    • Wenn Du das so verstanden hast, dass wir uns mit der Werbung identifizieren, dann ist das ein Missverständnis: Die Werbung sucht eine Agentur aus. Wir erfahren von den Spots erst, wenn sie fest gebucht sind. Durch diese Trennung von Redaktion und Werbevertrieb schließen wir zugleich aus, dass uns die Werbepartner inhaltlich beeinflussen. Wenn eine Werbung in der Lage läuft ist das keinerlei inhaltliche Positionierung der Redaktion, weder positiv noch negativ.

      • Wenn, sagen wir mal Tim Pritlove, mir in einer seiner nächsten Podcasts mit seiner eigenen Stimme, gerne auch nach einem ein- und ausleitenden Jingle, sagt:

        “Putenmedaillons von Huss – echter Genuss. Putenmedaillons von Huss, mit cremiger Sauce und Kartoffeln aus dem Sauerland. Huss, schaut mal nach im Tiefkühlregal. Huss ist echter Genuss!”

        Dann könnte das eine Triple-Win-Situation sein:

        * ich bekomme ein leckeres Gericht, weil ich im Supermarkt Huss-Putenmedaillons in cremiger Sauce mit Kartoffeln aus dem Sauerland gekauft habe
        * Huss Verkäufe tätigt, Steuern zahlt und Mitarbeiter entlohnt
        * der Podcaster entlohnt wird (und zwar vollkommen zu Recht, denn wegen ihm hatte ich ja den Genuss von Huss)

        Ich bin nicht dagegen, dass ihr Werbung macht. Ich kann nur Eurer Argumentation mit Agentur und so nicht folgen und finde sie, naja, schwach.
        Andererseits setzt ihr euch damit auseinander und das finde ich top!

  30. ad Schärfere CO2-Standards:
    Nur ein kleines technisches Detail: Der Einfluss des Gewichts auf den Verbrauch von Elektroatutos wird häufig überschätzt, da durch die Rekuperation beim Bremsen bei schwerern Autos auch weider mehr Energie zurückgewonnen wird. Entscheidend ist der Luftwiderstand (Stirnfläche und cw-Wert).
    Somit halte ich eure Kritik an SUV für vollkommen gerechtfertigt, weil diese Fahrzeuge sehr groß sind. Besonders absurd ist, dass die meisten neuen Elektroautos (Audi, Jaguar, Hyundai Kona) SUVs sind. Hier muss wirklich ein Umdenken stattfinden. Aber wie gesagt, dass Elektroautos wegen des Akkus tendenziel schwerer sind, spielt an sich keine große Rolle.

  31. Hallo Alle,

    Danke für die tolle Sendung. Ich freue mich über Eure hervorragende Darstellung der Zusammenhänge zu den CO2 Emissionen und dem Rechtsradikalismus, wo ja aus dem Forum der letzten Woche Nachholung gewünscht war …

    Zwei kleine Ergänzungen von mir:
    1. Der Übergang von der Arbeitswelt in die Rente ist für viele Menschen schwieriger als allgemein angenommen. Wegen Gesundheitsproblemen (nur 6 Wochen Lohnfortzahlung) und wegen Änderungen in den Anforderungeprofilen an die Arbeitenden müssen viele eben früher in den Ruhestand als geplant. Der Angestellte mit mäßigem Gehalt, dann reduzierter Rente, klassischer Stadtwohnungsmiete und Angeberauto muß dann erkennen, dass er/sie zurückstecken muß und das ist oft schmerzhaft – da ist die Suche nach einem Schuldigen der erste Reflex. Zu einer nachhaltigen Rentenpolitik gehört mA auch, mehr Menschen langfristig zu bescheidenem Wohneigentum zu verhelfen mit dem Ziel hohe Quoten von “Eigentumswohnung von Eigentümer bewohnt” wie in anderen EU Ländern zu erreichen.
    2. Jeder kann investieren in CO2 Minderung und das profitabel, zB der Tausch einer Glühlampe gegen eine LED ist immer profitabel, demnächst fallen die Schutzzölle auf Photovoltaikzellen aus China und die EU hat kürzlich eine Grenze für Kleinst-PV-Anlagen mit Schukostecker für Süd-Balkone und -Fenster von 600 Watt Peak eingeführt mit nur minimalem Registrieraufwand.

  32. 16. Oktober 2018 um 9:13 Uhr
    Katharina Trumpf

    Liebes Lage-Team,

    ich bin seit drei Folgen begeisterte Lagehörerin.

    Ihr macht das wirklich spitze.

    Mich stört jedoch generell, dass kaum jemand über die Öltanker und die Flugzeuge redet, die die Luft wesentlich verschmutzen. Vielleicht könntet ihr das einmal thematisieren.

    Wusstet ihr, dass eine Zigarette soviel Feinstaub erzeugt wie wenn man eine halbe Stunde mit dem dreckigsten Diesel fährt.

    Macht weiter so.

    Viele Grüße
    K. Trumpf

    • Hallo Katharina,
      ja, an vielen Stellen wird viel CO2 emittiert. In 2015 war die Schifffahrt gemäß Statista (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/327012/umfrage/anteil-schiffe-treibhausgas-emissionen/) für 2,6% der globalen CO2-Emissionen verantwortlich (Straßentransport: ca. 25% der EU-Emissionen)
      Alle diese Quellen müssen auf quasi Null heruntergefahren werden, damit sich das Klima nicht noch weiter gefährlich aufheizt. Somit ist es kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-Als-Auch: lass uns es an allen Ecken anpacken! (Und durch die Bepreisung von CO2 alle mit einem Anreiz ausstatten, klimaschonend zu leben).
      Herzliche Grüße
      James

      • Hallo James, kleine Korrektur:
        die 25% Straßentransport beziehen sich nicht auf die gesamten EU-Emissionen, sondern auf den Anteil aus fossilen Kohlenwasserstoff-Quellen plus Zement. Dadurch fallen u.a. wesentliche Teile der Landwirtschaft etc komplett raus.
        Zu prüfen wäre noch, ob in den EU-Zahlen die Luftfahrt überhaupt passend mit drin ist, oder lediglich diejenige innerhalb der EU plus die Starts/Landungen der Langstreckenflüge. Gut möglich, dass z.B. die überm Atlantik anfallenden Emissionen da gar nicht berücksichhtigt sind.

  33. 16. Oktober 2018 um 9:00 Uhr
    Christoph Heinen

    Liebes Lage-Team,

    vielen Dank für Euren meinungsstarken Blick auf die aktuellen Themen. Ohne Euch würden mir häufig entscheidenden Punkte entgehen.

    Beim e-tron Threat (15.10., 12:28) teile ich Dörte Hairys Meinung, weil entgegen der landläufigen Meinung m. E. Werbung wirkt und ein SUV nun mal als Statussymbol beworben wird. Nun habe ich mir den Podcast nicht angehört, aber auf der Audi-Seite mal nachgeschaut, wie die Karre aussieht… Das ist doch genau so ein Schwachmaten-Drecks-Panzer, Tacho bis 250 km/h, kopfschüttel.
    Und die Relativierung der durch Flugzeuge verursachten Schäden führe ich hier mal als Indiz für meine These mit der Wirksamkeit von Werbung (hier kann man auch alternativen Begriffe für Werbung einsetzen) auf.
    Ansonsten empfehle ich Platon: Sei gütig, denn alle Menschen, denen du begegnest, kämpfen einen schweren Kampf.

    Ich freue mich schon auf Eure nächste Sendung!

  34. Natürlich kann man eine Leiche nur mit einer “Knochensäge” zerteilen, andere Sägen sind dazu nicht geeignet und dank CSi & Co. können die meisten Menschen eine Knochensäge auch eindeutig als solche identifizieren….
    Vielen Dank für die Räuberpistole ! Ihr hattet wieder mal die richtige Mischung ! Und bleibt schnell !!

  35. Beim hören dieser Folge ist mir mal wieder aufgefallen, dass Frauen immer noch in einem Atemzug mit Minderheiten genannt werden. Ist besonders deshalb ein Interessanter Aspekt, weil Frauen zumindest in Deutschland zur Zeit die Mehrheit der Bevölkerung bilden.

    Viele Super tolle und besonders wichtige Themen in dieser Folge! Danke für eure Tolle arbeit! Aber gerne mehr zum Klimawandel, ein solch wichtiges Thema sollte immer wieder aufgegriffen werden besonders weil es so vielschichtig ist und einen großen Einfluss auf andere Themen der Gesellschaft hat. Die Zusammenhänge müssten da viel öfter benannt werden.

  36. 16. Oktober 2018 um 8:49 Uhr
    Christoph Heinen

    Liebes Lage-Team,

    vielen Dank für Euren meinungsstarken Blick auf die aktuellen Themen. Ohne Euch würden mir häufig entscheidenden Punkte entgehen.

    Beim e-tron Threat (15.10., 12:28) teile ich Dörte Hairys Meinung, weil entgegen der landläufigen Meinung m. E. Werbung wirkt und ein SUV nunmal als Statussymbol beworben wird. Nun habe ich mir den Podcast nicht angehört, aber auf der Audi-Seite mal nachgeschaut, wie die Karre aussieht… Das ist doch genau so ein Schwachmaten-Drecks-Panzer, Tacho bis 250 km/h, kopfschüttel.
    Und die Relativierung der durch Flugzeuge verursachten Schäden führe ich hier mal als Indiz für meine These mit der Wirksamkeit von Werbung (hier kann man auch alternativen Begriffe für Werbung einsetzen) auf.
    Ansonsten empfehle ich Platon: Sei gütig, denn alle Menschen, denen du begegnest, kämpfen einen schweren Kampf.

    Ich freue mich schon auf Eure nächste Sendung!

  37. Ein weithin stark unterschätzter Klimafaktor ist die Trockenlegung von Mooren, weil dort ebenfalls gebundene Treibhausgase in unvorstellbaren Mengen freigesetzt werden.

    Podcast-Episode hierzu: https://forschergeist.de/podcast/fg028-moore-paludikultur-und-das-klima/

  38. Ich höre diesen Podcast zum Einschlafen. Ich frage mich, wie so viele Menschen ihn live, wie ein Konzert, hören und so begeistert sind. Ich frage mich wie lange das anhält und ob es sich abnutzt wenn man das häufig so live macht.

    Es gibt ein paar Menschen, die ein gutes Zubrot bekommen oder gar ihr ganzes Leben damit finanzieren können. Ich frage mich wie lange so etwas funktioniert.

  39. Liebes Lage-Team,

    ein großes Lob an Euer Format! Insbesondere die Erläuterung der rechtlichen Hintergründe hilft dabei, einen Sachverhalt möglichst objektiv einzuordnen. Was SUV-Fahrer angeht: Für mich sind das schlicht Umwelt-Terroristen, die mit jedem gefahrenen Kilometer einen Terroranschlag auf unsere Umwelt verüben. Was einen daran verzweifeln lässt, ist, dass sich viele Fahrer dessen durchaus bewusst sind, aber ihre eigenen eitelen und egoistischen Motive über das Gemeinwohl stellen und ihr Planungshorizont nur bis zum eigenen Lebensende reicht. Es bleibt zu hoffen, dass sich die politische Lage dahingehend verändert, diesen Irrsinn zu beenden!

  40. Hallo. Dass die Kompensation von Flugzeug-Emissionen, um “klimaneutral” zu fliegen, eine Lösung sei, ist ein Mythos.

    Erstens geht nicht das gesamte dafür vorgesehene Geld in Kompensationsprojekte (eher nur ein Drittel, zeigt eine UN-Studie). Zweitens gibt es viele Kompensations-Projekte, die kein CO2 binden (etwa Kochöfen, Staudämme etc.). Bei Waldprojekten gibt es welche, wo bestehender Wald “geschützt” wird. Dadurch kann es zur Vertreibung der lokalen Bevölkerung kommen, die den Wald nicht mehr wie bisher nutzen darf (zum Beispiel zum Feuerholz/Essen sammeln).

    Bei Aufforstungsprojekten ergeben sich verschiedene Probleme: Vertreibung indigener Bevölkerung (dokumentiert in Kenya und Uganda), Monokulturen, Verknappung der Wasserresourcen und dass Bäume nicht von klein auf eine Klimaschutzwirkung haben (erst im Alter von 50 oder 100 Jahren entfalten Bäume eine relevante Wirkung aufs Klima). Was aber mit dem Aufforstungsgebiet in 50 oder 100 Jahren passiert, ob es dann überhaupt noch steht, kann kein Anbieter solcher CO2 Offsetting Projekte sicher sagen.

    Deshalb ist es besser, Flug-Emissionen zu vermeiden, anstatt sie zu “kompensieren”.

    Mehr Infos im kurzen Fluter-Atikel: https://www.fluter.de/was-bringt-co2-kompensation-beim-fliegen
    oder ausführlicher auf Seite17, sowie Seite 9/10 der angefügten PDF-Datei: http://www.ftwatch.at/wp-content/uploads/2017/10/FT-Watch_Gruenes-Fliegen_2017.pdf

    • Hallo! Ja, im Prinzip hast du Recht. Aber erstens ist ein Aufforstungsprojekt, besser wie kein Aufforstungsprojekt, selbst wenn nicht sicher ist, ob es lange überlebt.
      Und zweitens bedeutet nicht zu fliegen in vielen Fällen nicht zu reisen (von innerdeutschen oder ganz wenigen innereuropäischen Strecken, bei denen die Bahn eine Alternative bietet, mal abgesehen).
      Gerade in Zeiten von Trump und AFD (die beide überwiegend in Gegenden gewählt wurden, in denen die Leute wenig reisen) – halte ich internationale Zusammenarbeit, kultureller Austausch, das gemeinsame Finden von Lösungen, für ziemlich wichtig und deshalb sind Flugreisen eine der ganz wenigen Punkte, die ich ganz bewusst über den Klimaschutz stelle. Und dabei halte ich eine internationale Konferenz genauso wichtig, wie das Treffen mit anderen Ingenieuren (in meinem Fall) um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und ja sogar den Familienurlaub mit den Kindern, die lernen, dass es auch außerhalb Deutschlands vernüftige, liebenswerte und nette Menschen gibt.
      Aber natürlich muß man sich im Klaren darüber sein, dass man das Klima belastet und wir (die Menschheit) würde gut daran tun, möglichst viel Forschungs und Entwicklungsgelder zu investieren um bald klimaneutral fliegen zu können.

      • Guten Abend. Aufforstungsprojekte haben so viele negative Effekte, dass etliche Kompensationsanbieter, wie etwa Atmosfair, gar keine im Programm haben. Und es ist selbstverständlich wichtig, ob ein Aufforstungsgebiet lange überlebt. Schließlich wird das gebundene CO2 bei Abholzung und Verbrennung/Verrottung wieder frei.

        Beim Fliegen ist das Thema Gerechtigkeit zentral. Etwa fünf bis 15 Prozent der Erdbevölkerung sind überhaupt bereits geflogen, dafür bekommen aber vor allem jene im globalen Süden, die sich einen Flug mit den Kindern in die Ferien nie leisten könnten, die Effekte des Klimawandels am stärksten zu spüren.

        Deutsche Kinder müssen nicht nach Mallorca in den Urlaub (hierbei entsprechen die Emissionen pro Person übrigens nahezu denen, die durch ein Jahr Autofahren anfallen), sie lernen auch im benachbarten Polen oder Frankreich, dass andere Kulturen spannend sind. Und Videokonferenzen ermöglichen die Zusammenarbeit über Kontinente hinweg. Die Mehrzahl der Flüge entfällt sowieso nicht auf Geschäftsreisen.

        Laut IATA gab es 2016 3,8 Milliarden Passagiere, nur etwa 3 Prozent von ihnen entscheiden sich dafür, ihren Flug zu kompensieren. Bis zum Jahr 2035 wird mit einem Anstieg auf 7,2 Milliarden Passagiere gerechnet – fast eine Verdopplung. Das würde auch die Emissionen nahezu verdoppeln.

        Vielleicht zuerst informieren und erst dann kommentieren.

      • Da muss ich Puh zustimmen. Man muss nicht fliegen um andere Kulturen kennen zu lernen.

        Lange Bahnfahrten machen nicht super viel Spass, sind aber gerade mit den Europa Spezial Preisen der Bahn gut bezahlbar und manchmal muss man halt für seine Überzeugung was Opfern.
        Wenn man sich mal seine CO2 Bilanz ausrechnet, spielt das fliegen nen enormen Anteil. Ein langstreckenflug von vor 6 Jahren führt immer noch dazu, dass meine sonst niedrige Bilanz nicht ganz so gut aussieht.

        Und es passt absolut nicht zusammen, dass ‘grün’ orientierte Menschen alle zwei Jahre nach Asien fliegen. Damit haben diese Personen einen weitaus höheren Einfluss als Leute die nicht fliegen, sich sonst aber nicht für die Umwelt interessieren.
        Klar ist es wichtig zu wissen, dass es außerhalb Deutschlands auch nette Menschen gibt. Mir scheint aber oft, dass vergessen wird, das es auch wichtig ist zu wissen, dass es IN Deutschland nette menschen gibt :-) Die Frage nach dem letzte Urlaub in Deutschland wird bei manchen vermutlich etwas zurück liegen..

        Deine These mit der möglichst vielen Entwicklung in klimaneutrales fliegen sehe ich auch kritisch. Man kann nicht bei allem auf zukünftige technologische Lösungen hoffen. Das Problem muss unabhängig davon angegangen werden..

    • Ja, Puh, hat wirklich Recht, man muss Flüge wo eben möglich vermeiden, anstatt leichtfertig zu fliegen und anschließend zu kompensieren. Weil billig und oft bequem, denken inzwischen viele, Fliegen sein ein Menschenrecht – das haut aber nicht hin.
      In der Lage wird ja hinreichend auf SUVs eingegangen. Hier kommt man auch nicht auf die Idee, dass SUVs schon OK sind, wenn man’s mit n Bisschen Geld kompensiert – weil es nicht funktioniert.
      Außerdem stoßen Flugzeuge u.a. riesige Mengen NOx und Ultrafeinstaub (UFP) aus. Noch Kilometer vom Frankfurter Flughafen entfernt ist die UFP-Konzentration um ein Vielfaches höher als im normalen städtischen Umfeld.
      Das ganze RheinMain-Gebiet wird von ca. 500.000 Flugbewegungen pro Jahr verlärmt. Wer sich’s leisten kann, zieht aus den am stärksten betroffenen Gebieten weg. Die anderen nicht …

  41. Eine Sache, die ich mich immer wieder frage, ist warum das Thema CO2 Emissionen durch Landwirtschaft, vor allem feedstock, nicht mehr beleuchtet wird. Wie im ipcc report beschrieben macht auch die Landwirtschaft einen erheblichen Teil aus und jeder Bürger kann durch die Anpassung seiner Ernährungsweise einen wirkungsvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten, wenn er es nur versucht und offen für neue Ernährungsweise mit weniger Fleisch und Milchprodukten ist. Ich weiß, dass es ein kritisches Thema ist, weil man den Bürgern nicht vorschreiben möchte, was sie zu essen haben, aber mit Aufklärung kann man ja mal anfangen, ich glaube viele Leute sind sich der Ausmaße ihrer oft sehr fleischhaltigen Lebensweise viel zu wenig bewusst. Natürlich kommt der ethische und gesundheitliche Aspekt noch hinzu, aber hier geht es ja in erster Linie um das Klima an sich.

    • Danke, Sandy, das ist ein super Kommentar zu einem wichtigen Thema.
      Liebes Lage-Team, da ihr ja auch immer so fleißig über die Umwelt-Problematik berichtet und euch dieses Thema auch sehr am Herzen zu liegen scheint, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr auch mal einen Beitrag über eine umweltfreundliche (also überwiegend pflanzliche) Ernährungsweise in der Lage bringen könntet. Ich denke auch, dass viele Menschen, auch wenn ihnen der Umweltschutz wichtig ist, sich gar nicht über die Auswirkungen von Fleischkonsum bewusst sind.

  42. HInsichtlich der EU-Emissionsreduktionsziele bei Pkw ist noch ein unbequemer Aspekt, dass die Fahrzeughersteller hier pro Fahrzeug und nicht pro gefahrenem Fahrzeugkilometer (oder gar Personen-Kilometer) betrachtet werden. Ein Verbrenner-SUV wird nunmal auch viel bei hoher GEschwindigeit auf der Autobahn eingesetzt und bekommt dann schnell auch mal weit über 30.000 km pro Jahr hin.
    Dagegen werden E-Fahrzeuge gerechnet, die für Kurzstrecken Verwendung finden und bestenfalls 5.000 km im Jahr leisten dürften. Selbst wenn (was nicht den Tatsachen entspricht) das E-Fahrzeug keinerlei Emissionen im Bau des sehr energieaufäwndigen Akkus oder für das viele Kupfer etc benötigen würde, und ausschließlich mit Ökostrom fährt (also irgendwie auf null THG-EMissionen käme), ist das dann nicht die Mitte (also z.B. 95 g/km) zwischen z.B. 190 g/km CO2 für den SUV und den 0 g/km, sondern hinsichtlich der realen Emissionen eher irgendwas wie 165 g/km. Damit sind aber die Tatsächlichen Emissionen leider nur gesundgerechnet in der Flottenbilanz. Wenn die Flotte jetzt um 35% reduzieren soll, ergibt das in Realität erstmal leider nur irgendwas wie -10%.
    Das würde sich erst ändern, wenn eben die Langstreckenfahrzeuge auch konsequent ersetzt werden, d.h. z.B. wenn Firmen ihre Fuhrparks bzw. die an Mitarbeiter*innen gegebenen Firmenwagen komplett auf E-Fahrzeuge umstellen würden. D.h. erst bei einer sehr weiten Marktdurchdringung dürfte es zu den Zielvorgaben eher entsprechenden Realwerten kommen.

  43. Zum Thema Ostdeutschland & Rechtsruck: Ich habe mich das auch gefragt, insbesondere da ich aus Ostdeutschland komme und meine Eltern bzw. Schwiegereltern genau die Zielgruppe der AfD sind und wohl auch teilweise diese wählen. Mein Eindruck ist, dass es weniger der Wendeschock ist, sondern eigentlich der durch die Zuwanderung der letzten Jahre intensivierte (und tatsächlich recht späte) Übergang in eine tatsächlich pluralistische Gesellschaft, die von vielen abgelehnt wird.
    Die DDR-Bevölkerung war im Vergleich zur westdeutschen spätestens Ende der 70er (Honecker-Ära) unglaublich homogen. Die Kriegsflüchtlinge waren integriert, die meisten Menschen sozialistisch gebildet und beruflich in einem DDR-Großbetrieb beschäftigt, dazu frühe Heirat in die ein- oder zwei-Kind-Familie, Platte, Datsche und Trabi. Abweichende Lebensmodelle waren eine absolute Randerscheinung, etwa Singles, Hausfrauen, Selbständige oder auch die numerisch sehr kleine politisch-wirtschaftliche Elite.
    Diese kulturelle Homogenität hat ihre Vor- und Nachteile, wurde aber tatsächlich von vielen als positiv empfunden. Spätestens nach der Zuwanderung ab 2015 mußten sich nun auch die Ostdeutschen in der Provinz mit Menschengruppen arrangieren, die tatsächlich eine ganz andere Kultur haben. Die absoluten Zahlen mögen gering sein, aber es gibt jetzt bspw. in Städten wie Halle oder Erfurt Viertel mit einem hohen Anteil an Menschen muslimischen Glaubens. Diese werden abgelehnt, weil ihre Kultur (oder das was man dafür hält) als für sich selbst nicht wünschenswert betrachtet wird. Das Problem scheint mir zu sein, dass zwischen der persönlichen und der gesellschaftlichen Ebene nicht differenziert wird, was wiederum eine Folge der DDR-Sozialisierung sein könnte, in der genau diese Differenzierung aus totalitären Motiven nicht zugelassen wurde. Eine ähnliche Reaktion gab es übrigens bereits während des Jugoslawienkrieges.
    Die Frage, wie homogen oder auch heterogen eine Gesellschaft sein kann bzw. sein sollte, ist ziemlich komplex und läßt sich wohl nicht mit ja oder nein beantworten. In Ostdeutschland kommt dieser Konflikt meiner Meinung nach ober deutlicher zum Ausdruck bzw. wird als besondern wichtig empfunden, weil für viele Ostdeutsche die homogene Gesellschaft qua Sozialisierung als normal und erstrebenswert gesetzt ist.

    • Als Literaturhinweis möchte ich dazu das Buch „Rechtsruck“ von Andreas Peglau empfehlen. Der Autor gibt, wie ich finde, sehr gute und weitergehende Erklärungsansätze, die das in der Sendung und im Kommentar Beschriebene ergänzend und teilweise tiefergehend beleuchten.

  44. Hallo, erstmal vielen Dank für Euren Podcast, den ich zum Glück auf Empfehlung gefunden habe.

    Das SUV Bashing passt meines Erachtens eher an einen Stammtisch – man findet dann schnell nickende Köpfe.

    Es ist völlig egal, welche Bauart ein PKW hat (außer vom Platzbedarf – was das Problem des Fahrers ist, da er schlecht Parkplätze findet).

    Was ist der Unterschied, ob ich z.B. einen Touran oder einen “bösen” SUV auf der gleichen Plattform fahre, außer dass der Touran per se als lieb, vernünftig und Familienauto eingestuft wird. Ich mag meinen SUV und habe weniger PS und Hubraum als so mancher Kleinwagen. … oder wäre ich in Euren Augen besser, wenn ich einen Minivan fahren würde? Aus meiner Sicht ist jede Kurzfahrt eine Fahrt zu viel – egal mit welchem Autotyp. Eure Idee mit dem kleinen Auto hört sich erstmal toll an – für Leute die “umweltfreundlich” in den Urlaub fliegen und in der Stadt wohnen auch sicherlich machbar. Wie soll ich damit z.B. in den Urlaub fahren oder meinem Hobby nachgehen, wofür ich mehr Platz brauche (nein ich bin kein Jäger). Warum darf ich nicht höher und bequem sitzen? Was ist denn besser oder schlechter: Ein SUV oder ein Kleinwagen mit 200 – 300 PS oder ein unscheinbares “normales” Auto mit 6 Zylinder 250 PS?

    Ich glaube in diesem Fall habt Ihr es etwas zu sehr vereinfacht. SUV = böse – Kleinwagen = lieb.

    Dennoch macht weiter mit Eurem Podcast, ich freue mich auf jede neue Folge

    • 250 PS = “normales” Auto ?

      Sorry aber wenn Du Auto fahren musst, dann schaff Dir doch eins mit <80 PS an. Vor vielen Jahren war das absolut normal und man ist auch von A nach B gekommen. Wenn Du ein entsprechenden SUV mit 80 PS findest, dann klar kann das auch ein SUV sein.

      Und wenn das für den Urlaub nicht reicht, dann miete Dir für den Urlaub ein größeres Auto. Finanziell solltest Du genug durch das kleinere Auto gespart haben dafür.

  45. 15. Oktober 2018 um 17:48 Uhr
    Christoph Bergoint

    Ein kleiner Korrekturhinweis am Rande: das Portal „T-online.de“ hat nichts (mehr) mit der Telekom oder dem Internetprovider T-Online zu tun, sondern wurde 2015 an Ströer Content (Vertreiben u.a. Werbeflächen in öffentlichen Räumen) verkauft. Im Zuge dessen wurde übrigens 2016 die Redaktion von Darmstadt (ehem. Hauptsitz) komplett nach Berlin verlegt.

    • Darauf wollte ich nach dem Hören der aktuellen Folge auch hinweisen.. aber so ganz “nichts mit der Telekom/T-Online” ist auch nicht richtig, die Domain an sich und die Tatsache, dass die Seite auch das Login für den T-Online Webmailer ist, zeigt doch noch eine gewisse Verbindung zum magentafarbenen Riesen. Außerdem hat die Telekom damals Aktien im Wert von rund 300 Mio. EUR erhalten, dürfte also vermutlich Haupt- oder zumindest Großaktionär von Ströer sein.

      “Das Portal t-online.de gehört zu den meist-besuchten Websites in Deutschland und dient auch als Plattform für t-online.de-Mailadressen und des Telekom-Kundencenters. Diese Services verbleiben bei der Telekom Deutschland GmbH und können wie gewohnt weiter verwendet werden ohne dass Dritte auf die Inhalte zugreifen können.”
      Quelle: https://www.telekom.com/de/investor-relations/details/stroeer-uebernimmt-t-online-und-interactivemedia-412404

  46. Liebes Lage-Team,
    auch ich bin ein großer Fan Eures Podcast! Seit mir Euer Podcast von einem Freund empfohlen wurde, habe ich keine einzige Folge verpasst.
    Oft erfahre ich bei Euch auch eine alternative Sicht auf die aktuellen Themen, finde es aber schade, das Ihr beide Euch immer einig seit in der Betrachtung.
    Bei dem Hören der aktuellen Folge aus Essen stelle ich mir jetzt aber folgende Frage:
    Verliert Ihr nicht die Lust auf Politik, wenn Ihr seht, welche Entscheidungen vor allem rund um den Umweltschutz getroffen bzw. nicht getroffen werden? Ihr lacht darüber, aber ist es in Wirklichkeit nicht erschreckend?
    Ihr fragt warum nicht tausende Menschen auf die Straße gehen, gegen diese Entscheidungen.
    Aber bin ich nicht vor gut einem Jahr zur Wahl gegangen, damit Politiker, vertretend für mich nachvollziehbare Entscheidungen treffen?
    Je intensiver ich mich mit politischen Themen befasse, umso mehr kann ich die vorherrschende Politikverdrossenheit in unserem Land nachvollziehen.
    Keiner unserer amtierenden Politiker hat einen Master-Plan der über seine Amtszeit hinausgeht.
    Rente, Umweltschutz, Mobilität, Wohnen, Ressourcen Schonung,…
    Es ist Zeit die “großen Schrauben zu drehen” wenn wir auch zukünftig noch mitreden wollen.
    Zum Thema Mobilität/Umweltschutz zum Beispiel könnte man, anstatt mit Strafen, Fahrverboten und Steuern zu agieren, mit Anreizen locken! Kostenloser ÖPNV, Fahrradhighways, Steuervorteile für Radpendler,…usw..

    • Danke für den Kommentar. Was mir gerade dazu einfiel:
      Wäre es nicht sinnvoller wenn der Verkehr die Kosten die er verursacht auch trägt – SUV Fahrer also nicht extra hohe Grenzwerte bekommen, sondern die gleichen wie Elektroautos?
      Alleine indem man jedes Fahrzeug die gleichen Grenzwerte unterwirft und eine angemesse Besteuerung vornimmt sind, kleine, umweltfreundliche Autos – und noch wichtiger Radverkehr, ÖPNV – in ihrem “natürlichen” (objektiv begründbaren) Vorteil. Kostenloser ÖPNV klingt zwar sehr gut, ist zweifelsfrei viel besser als die heutige Situation – er führt aber auch dazu das ÖPNV übernutzt wird, weil gar keine Kosten damit verbunden sind. Der Effekt das bei kostenlosen ÖPNV auch zu hohen Teilen Fußgänger und Radfahrende in den Bus wechseln, führt wieder zu einer Verzehrung. Es kann hingegen passieren das insbesondere Nutzer von privaten PKWs nicht wechseln, weil sie weiterhin über Maße bevorteilt werden (v.a. finanziell, externe Kosten zahlen andere).

      So gesehen: Infrastruktur für den Umweltverbund unbedingt – aber man muss ehrlich sein, was die Kosten des PKW Verkehrs in der Stadt angeht.

      • Das mit den Grenzwerten klingt bisschen missverständlich – was ich meinte:
        Durch die Grenzwerte aktuell werden dicke, schwere, schmutzigere Autos entlastet. Geht man der Gerichtigkeit halber davon aus, das jeder einen gewissen Pro-Kopf-CO²-Austoss verantworten kann, hat jeder den gleichen. Man hat gewissermaßen ein Budget was man auf seine Aktivitäten (Ernährung, Verkehr, Wohnen…) verteilen kann. Wer will kann also ein dickeres Auto fahren (mehr geht vom Budget ab) oder ein kleineres (weniger geht vom Budget ab) – er kann auch Rad fahren (fast nichts geht davon ab).
        Setz man also für dickere Autos höhere Grenzwerte fest ist das ok soweit – schließlich kann man nicht davon ausgehen das ein sehr schweres Auto genauso wenig wie ein kleines Verbrauchen kann. Das Problem ist nur – Besitzer von schweren Autos bekommen so quasi ein Geschenk (was man auch in Geld messen könnte) / Vorteil im Wettbewerb mit kleinen Autos und jeglichen anderen Verkehrsarten. Das führt dazu das mehr Menschen als nötig (&finanziell wie ökologisch verkraftbar) dicke Autos fahren.

  47. Eine wirklich tolle Folge, auch ich war diesmal live dabei!

    Mir hat insbesondere die Diskussion des Essays von Jonas Schaible über den Wählerzuwachs der rechten Parteien gefallen. Mir war das Essay auch bekannt und ich finde es trifft viele richtige Aussagen. Auch Eurer Folgerung stimme ich zu, dass man rechtsextremen Parteien nicht nach dem Mund reden darf vor allem beim Thema Flüchtlinge.

    Meine eigene (pessimistische) These: Ich kann mir vorstellen, dass man einen großen Teil der Menschen, die durch die heutige Zeit verunsichert sind und deshalb rechts wählen nicht mehr zurückgewinnt. Ich glaube, man wird damit langfristig leben müssen. Das wird sich in meinen Augen durch jahrzehntelanges “Dran gewöhnen” und Wegsterben lösen. Zumindest zum Teil. In einem Jahrhundert blickt man dann vielleicht auf solche Tendenzen wie wir heute auf die Kritiker der Demokratie zu Beginn der Weimarer Republik. Aber wer weiß das schon?

    Nochmal großes Lob an Euch! Ihr macht einen richtig tollen Job. Auch (oder gerade) live!

  48. Ich höre euch seit vielen Monaten wirklich gern, aber als ich gestern Ulfs Ausführungen zu den Grünen bei der bayerischen Landtagswahl hörte, war ich doch einigermaßen irritiert. Den Vorwurf, eine Koalition mit der CSU nicht kategorisch auszuschließen, kann ich in keiner Weise nachvollziehen. Ich halte es in Zeiten von schwierigen Mehrheitsfindungen aufgrund der hohen Anzahl an Parteien in den Parlamenten für äußerst problematisch, wenn demokratische Parteien die Zusammenarbeit miteinander vor der Wahl ausschließen. Es kann nämlich schlicht eine Konstellation eintreten, bei der eine solche Zusammenarbeit die einzig sinnvolle Alternative zu Neuwahlen ist.

    Hätten die CSU und die Freien Wähler ein wenig schwächer abgeschnitten und die FDP mit 0,2 % Punkten weniger den Sprung in den Landtag verpasst, wäre nur Schwarz-Grün infrage gekommen. Ich glaube kaum, dass Ulf das Modell CSU/SPD/Freie Wähler besser geschmeckt hätte. Nach Ulfs Forderung hätten die Grünen dann also jegliches Gespräch mit der CSU bockig ablehnen und das Land in eine Neuwahl treiben sollen. Denn eine Minderheitsregierung kann nur die stärkste Partei (also die CSU) bilden. Die CSU hätte daran dann aber wohl gar kein Interesse gehabt, sondern die Steilvorlage der Grünen genutzt und in Neuwahlen „stabile Verhältnisse“ angestrebt. Ich habe die Vermutung, dass in einer solchen Situation viele Bayern wieder zur CSU zurückgekehrt wären.

    Viel sinnvoller wäre es da doch gewesen, grüne Inhalte in einer Zusammenarbeit mit der CSU umzusetzen. Vielleicht hätten sie sogar zur Bedingung einer Zusammenarbeit gemacht, dass der Ministerpräsident nicht Markus Söder heißt, sondern aus dem liberalen Flügel der Partei (ja, den gibt es tatsächlich) stammt. Etwa Ilse Aigner oder Manfred Weber.

    • Ich denke Du gibst meine Sicht auf die Grünen nicht ganz korrekt wieder. Ich wollte nicht, dass die Grünen eine Zusammenarbeit mit der CSU ausschließen, sondern dass sie sich zu dem Thema äußern. Das kann ja neben einem Ausschluss einer Koalition auch inhaltliche rote Linien bedeuten.

      • Lieber Ulf,

        vielen Dank für deine schnelle Antwort. Leider ist deine doch differenziertere Haltung in der Lage nicht ganz rübergekommen. Ich habe es eben noch einmal gehört – es klingt so als wäre der Vorwurf „kein Ausschluss“.

        Ich halte es wirklich für zentral wichtig, dass die demokratischen Parteien keine lagerübergreifenden Bündnisse ausschließen. Das war früher nämlich ständig der Fall und führte teilweise zu absurden Situationen – falls sich noch jemand an Andrea Ypsilanti erinnern kann.

        Aufgrund eures meinungsbildenden Einflusses wäre hier vielleicht eine Klarstellung in der nächsten Lage wünschenswert.

        Vielen Dank und sonst kann ich nur sagen: weiter so, toller Job :)

  49. Liebes LdN-Team, liebe Lage-Freund*innen,

    Ich habe im Laufe der aktuellen Folge einen Gedanken gehabt und möchte den nun in einer Hypothese formulieren. Ich wüsste nicht, wie sich diese Hypothese (wissenschaftlich) untersuchen ließe, aber ich bin sehr gespannt auf (Laien)Meinungen!

    Die Grünen ereilt in einer Zeit X dasselbe Schicksal, das derzeit die SPD zu ertragen hat, wenn sie weiterhin den aktuellen politischen Kurs fahren.

    Hintergründe:
    1) Gemeinhin heißt es immer wieder, der Grund für den schlechten Status der SPD sei die lange Zeit in der großen Koalition, in der die SPD an Profil verloren habe beziehungsweise seit der SPD- und Unions-Positionen sich immer stärker angenähert haben.
    2) Die Grünen erstarken derzeit in Wahlen und Umfragen, eventuell, weil sie sich an beispielsweise Unions-Positionen annähern und damit interessanter für einen größeren Bevölkerungsteil werden (zum Beispiel Realos an der Grünenspitze, Kretschmers „ungrüne“ Politik).

    Ich habe mich deswegen unter anderem gefragt, ob sich in der SPD-Historie ein Zeitpunkt ausmachen lässt, an dem sie interessanter für vorher nicht-SPD-Wähler wurden beispielsweise durch unionsnähere Politik. Und ich frage mich, ob die Grünen jetzt erstarken, weil sie insgesamt weniger extrem erscheinen und deswegen aber in X Jahren dann Profillosigkeit vorgeworfen bekommen.

    In Spannung wartend herzliche Grüße
    Valerian

  50. Hi!
    Vielen Dank für diese tolle Sendung!
    Ihr habt in dieser Ausgabe ja die #unteilbar-Demo erwähnt. Im Nachhinein dieser Demonstration, kam von verschiedenen Seiten Kritik an den Unterstützer*innen auf: Personen wie Ali Ertan Toprak (Repräsentant der Kurdischen Gemeinschaft in Deutschland e.V.), Frauenrechtlerin Seyran Ates aber auch die Organisation “Ehrlos statt Wehrlos”, die sich unter anderem gegen homophobe und antisemitische Übergriffe in Neukölln einsetzen, haben die Unterstützung durch den Zentralrat der Muslime stark kritisiert. Es geht ihnen dabei vor allem um bestimmte Mitgliedsorganisationen des Verbandes, wie etwa die “Islamische Gemeinde in Deutschland” (IGD) und den Moscheeverein ATIB. Erstere wird vom Verfassungsschutz als deutscher Ableger der ägyptischen Muslimbruderschaft eingestuft und letztere wohl bis 2015 als deutscher Ableger der “Grauen Wölfe”.

    Die Pressesprecherin der Demo, Theresa Hartmann, verweist darauf, dass sich diese Kritik nur gegen Unterorganisationen des Zentralrats richtet und dieser schließlich anerkannter Dialogpartner der Politik sei und auf die Tatsache, dass sich der Demoaufruf deutlich gegen Antisemitismus, Nationalismus und Hass wende.
    Vielleicht wäre es möglich in der kommenden Folge auf diese Kritik einzugehen und diese noch einmal von eurer Seite einzuordnen und zu bewerten.

    Liebe Grüße
    Jonas Wohlberg

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/10/unteilbar-demonstration-kritik-muslime-islamisten.html

    https://www.facebook.com/ehrlosstattwehrlos/posts/2316897748579733?__tn__=K-R

    • Lieber Philip, lieber Ulf,
      ich fände es auch toll, wenn ihr in der nächsten Folge noch einmal auf die “unteilbar”-Demonstration zu sprechen kommen könntet. In den letzten Tagen konnte man doch Einiges dazu lesen, was mir persönlich Sorgen bereitet.
      Da setzt sich ein Bündnis “Für eine offene und freie Gesellschaft – Solidarität statt Ausgrenzung!” ein, stellt aber gleichzeitig klar, dass das Zeigen der Deutschlandfahne nicht erwünscht sei. Die Flagge sei “gerade unglaublich von rechts konnotiert” (vgl. das Interview mit der Mitorganisatorin Theresa Hartmann hier: https://www.tagesspiegel.de/berlin/unteilbar-demo-in-berlin-deutsche-flagge-nicht-erwuenscht/23188978.html).
      Wenn ein Jurist (Enrico Brissa) beim gleichzeitigen Mitführen von Europa- und Deutschlandfahne (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/unteilbar-demonstration-in-berlin-ist-schwarz-rot-gold-okay-a-1233621.html) und Mitglieder der FDP-Parteijugend Julis nur wegen der Fahnen ihrer Organisation von anderen Teilnehmern der Demonstration beschimpft werden (https://www.welt.de/politik/deutschland/article182221792/Unteilbar-in-Berlin-Wut-auf-der-Wohlfuehl-Demo.html), frage ich mich, ob solche Veranstaltungen nicht eher die Gesellschaft weiter spalten, als für Versöhnung sorgen.
      Nur weil 240.000 Leute daran teilgenommen haben und es prominente Unterstützer gab, ist so eine Demonstration per se gut. Vielleicht war es die Intention der Demonstration, beim Ablauf gab es aber einige Dinge, die man auch kritisch sehen kann.
      Von einem entspannten Umgang mit unseren Nationalflagge – ich denke daran zurück, dass dies in der Zeit rund um die WM 2006 schon mal deutlich anders war – scheinen wir zurzeit leider wieder entfernt zu sein. Und das nur, weil rechte Wutbürger die Fahne auf ihren Demonstrationen mitführen oder für ihre Zwecke instrumentalisieren? Ich finde, diesen Missbrauch dürfen wir uns nicht bieten lassen, und sollten gerade in diesen Zeiten die Werte betonen, für die unsere Nationalfarben stehen. Für mich stehen sie ganz eindeutig auch für Einigkeit und Recht und Freiheit, die bekanntlich des Glückes Unterpfand sind.

      • Ich denke, wenn man diese in der Tat unschönen Details dramatisiert, dann geht man nur denjenigen auf den Leim, denen die Demo als solche ein Dorn im Auge ist (beispielsweise Rechtsradikale, aber leider auch die CDU Berlin). Es wäre völlig unverhältnismäßig, über einige wenige Spinner zu berichten, die ein Problem mit Deutschlandfahnen oder mit Israel haben, während so viele Menschen für Toleranz demonstrieren.

  51. Moin,

    Fahrverbote für Diesel sind ja nichts neues und es gibt auch Schilder dafür. Einfach mal nach Hamburg gucken 😉

  52. Zu diesem Klimabericht.
    Wie das habt Ihr noch nie gehört? Risiken mit Eintrittswahrscheinlichkeiten zu bewerten und die Planung für den Fall des Eintritts? Der klassische Risiko-Workshop. Siehe Fight-Club. Sind die Kosten für eine Rückrufaktion höher als die Kosten für die Rechtstreitigkeiten, wenn Unfälle aufgrund defekter Bauteile eintreten, dann wird keine gemacht.

    • Ich denke jeder Mensch, der älter als 18 ist und mehr als einen Hauptschulabschluss hat, hat davon schon gehört, natürlich auch die beiden.

      So wie ich das verstanden habe war es so: Jemand macht eine Studie: “Wie wird das Klima in X Jahren aussehen?” oder “Welchen Einfluss hat CO2 auf das Klima?”

      Jetzt trifft jede Studie gezwungenermaßen gewisse Annahmen und jede Simulation hat Unschärfen. Wenn ein Paper also eine Vorhersage trifft “Wenn wir nichts ändern geht Holland unter!”, dann kann es sein, dass diese Aussage zwar wissenschaftlich korrekt hergeleitet wurde, aber trotzdem falsch ist. Zum Beispiel, weil gewisse Annahmen doch nicht stimmen. Oder weil wir einfach noch nicht genug wissen.

      Nun ist die große Meta-Studie hergegangen und hat die Studien nach Wahrscheinlichkeit gewichtet und zusammengerechnet.

      Dass trägt der Tatsache Rechnung, dass Wissenschaft – entgegen der verbreiteten Meinung – ein Prozess ist in dem wir uns “Emporirren” wie es Lesch mal formuliert hat. Gleichzeitig muss man vermeiden, dass sämtliche Erkenntnisse weggewischt werden von Gegnern mit der Begründung “Ach, 100% sicher seit ihr euch doch noch nicht!!!”. Was natürlich Quatsch ist. Ich bin mir auch nicht 100% sicher, dass ich morgen noch lebe und trotzdem gehe ich heute noch zur Arbeit, damit ich mir morgen was zu Essen kaufen kann…

  53. Hallo liebe Lage,

    es mutet schon etwas seltsam an, daß Ihr Euch so an den Themen Flottenverbrauch, SUV und Fahrverbote abarbeitet, gleichzeitig aber mit Eurem Werbeblock eine Greenwashing-Kampagne gerade des Konzerns unterstützt der im Zentrum des Dieselskandals steht. Fun Fact: Der Audi e.tron ist ein Sports Utility Vehicle.

    VG

    • Ich finde “Greenwashing” ganz unabhängig vom Einzelfall ein untaugliches Argument, weil es die logische Überzeugungskraft eines Hexentests hat: Schwimmt die in einen Sack eingenähte Probandin oben, so ist sie eine Hexe und wird verbrannt. Geht sie unter, war sie keine Hexe, aber ist nun bedauerlicherweise auch tot.

      Auf den konkreten Fall bezogen: Ich finde es unterstützenswert, wenn Audi sich (endlich) dem Thema e-mobility widmet und mit dem Podcast um Akzeptanz für diese Antriebsform wirbt. Was immer sie tun – haters gonna hate.

      Generell identifizieren wir uns aber nicht mit unserer Werbung und verkaufen sie auch nicht selbst. Die Kunden sprechen nur mit unserer Agentur, wir erfahren erst von den endgültigen Buchungen. Ich habe den Spot bis jetzt noch nicht gehört.

      • Der e.tron-Podcast ist zurnächt einmal Teil einer Werbemassnahme für ein elektrifiziertes SUV das mindestens 80.000 Euro kostet, aber gut.

        Ich habe grundsätzlich nichts gegen Werbung in Podcasts, so kommen cheapskates wie ich auch in den Genuss.

        Steht aber nicht letzten Endes Ihr in der Verantwortung für die über Euren Podcast veröffentlichte Werbung?
        Wo zieht Ihr da die Grenze? Hat es nicht ein Gschmäckle wenn sich Werbung und redaktioneller Inhalt so überschneiden bzw. gegenüber stehen? Wäre Öko-Strom von RWE auch ok oder ganz überspitzt: Werbung für “humanitäre Waffenlieferungen” von Heckler&Koch?
        Da Dritte vorzuschieben (“die Agentur”) finde ich ehrlich gesagt eher schwach. Unkenntnis (“Ich habe den Spot … nicht gehört”) ist auch kein Argument – und selbst wenn, zumindest Philip hat den Spot ja gelesen.

      • Da das Thema hier anderer Stelle noch ein paar mal aufgekommen ist:
        Mir geht es nicht hauptsächlich um die mögliche Einflussnahme, sondern vielmehr darum, daß Ihr die Werbenden implizit unterstützt indem Ihr ihnen eine Platform / Zugang zu Eurem Publikum bietet. Wenn dann der “Inhalt” der Werbung auch noch Euren eigenen Aussagen widerspricht, untergrabt Ihr Euch meiner Meinung nach ein Stück weit selbst.
        Den Kopf in den Sand zu stecken und die Verantwortung abzuschieben, halte ich schlicht für falsch.
        Heckler&Koch war eher ungeschickt gewählt, ein besseres Beispiel wäre wahrscheinlich Wahlwerbung für die AFD.

        Audi (oder vielmehr deren Agentur ;) scheint den Podcast übrigens sehr zielgerichtet zu bewerben, so unter anderem auch bei Stimmenfang und Elementarfragen/Viertausendhertz (die den Podcast produziert haben).

  54. Wer hat das Recht in Frage zu stellen ob man ein SUV fährt?
    Überspitzt: Darf ein Q5-Fahrer einen Q7-Fahrer anprangern?
    Ich finde Philips Position hier extrem schwach, als jemand der seinen Urlaub in Brasilien verbringt und Carsharing nutzt, weil es einfach “bequemer” ist. Wer so eine hohe moralische Position einnimmt, sollte ebenfalls gehobene moralische Ansprüche erfüllen.
    Und ich finde es perönlich auf relativ befremdlich Leute auf der Straße anzusprechen und von Ihnen eine Rechtfertigung für persönliche Entscheidungen zu verlangen. Denn auch wenn die Wahl des Autos andere betrifft und somit als politische Entscheidung gesehen werden kann, ist dies auch eine persönliche. Des Weiteren wären nach dieser Definition eigentlich fast alle (persönlichen) Entscheidungen auch politisch, weil sie immer andere betreffen:
    Fleisch essen ja/nein, Flugreise etc.

    • Die Kritik finde ich nicht logisch: Natürlich sind die SUV-Fahrer nicht Philip persönlich Rechenschaft dafür schuldig, dass sie unsere natürlichen Lebensgrundlagen verschwenderisch verbrauchen, sondern der Allgemeinheit. Philip spricht das nur aus.

      Und selbst wenn es auf Philips persönlichen Footprint ankäme – Carsharing mit kleinen Car2Go-Wagen ist nun einmal eine sehr umweltfreundliche Art der Fortbewegung im Vergleich zu einem SUV, und die Brasilien-Reise kann durchaus klimaneutral gewesen sein, wenn er für die CO2-Kompensation bezahlt hat (das weiß ich nicht).

  55. Liebes Lage-Team,

    ich höre Euren Podcast schon seit der allerersten Folge und freue mich immer wieder über die tiefe Eurer Analysen und die sehr nachvollziehbaren Erklärungen komplexer Sachverhalte, vor allem in den Bereichen Recht, Internet und Umwelt. Nun habe ich aber doch einen Kritikpunkt. Es ist mir in der letzten Folge schon aufgefallen und wurde dieses Mal verstärkt, dass mir oft ein bestimmter Winkel in Euren Analysen fehlt.
    Ich fand, ihr habt in der letzten Folge die Nachrüstungsdebatte und die Entscheidungen der Politik dazu sehr gut aufgedröselt, allerdings hat es mich gestört, dass Ihr während der ganzen Zeit so getan habt, als wäre es überhaupt nicht nachvollziehbar, wieso man sich für diese Lösung entscheiden würde. Ich denke auch oft, dass mir die Lösung politischer Fragen unzureichend scheint und ich eine Entscheidung nicht nachvollziehbar finde. Dennoch haben sich viele intelligente oder zumindest nicht völlig auf den Kopf gefallene Menschen zusammen hingesetzt und diese Entscheidung als besten Kompromiss gesehen. Ich würde mich über Analyse freuen, was die Motivation für eine Entscheidung aus politischer Sicht ist.
    Zum Beispiel zum Thema Nachrüstungen, warum die Autoindustrie und speziell VW nicht abgestraft werden. Natürlich sind diese Unternehmen wichtig für die deutsche Wirtschaft und Arbeitsplätze, allerdings ist mir nicht klar, warum sie so viel Macht haben und von der Regierung so geschont werden.
    Diese Woche habt Ihr gut erklärt, warum die Richterinnen und Richter vom VG Berlin ihre Entscheidung zu einer scheinbar unwirksamen Maßnahme getroffen haben. Ich würde mir solche Analysen öfter und auch zu anderen politischen Themen wünschen!

    Alles Liebe

    Ela

  56. LIebes Lage Team,

    das Motto “Schwere Autos sind automatisch Spritschlucker” gilt sicherlich für herkömmliche Verbrennungsmotoren, da die für die Beschleunigung notwendigen höheren Energiemengen beim Bremsen in Wärme umgewandelt werden und quasi verpuffen.

    Beim Elektroauto gibt es jedoch die Rekuperation (Zurückgewinnung der Bremsenergie), weshalb das Gewicht einen sehr geringen Einfluss auf den Verbrauch hat. Siehe z.B. hier https://www.uni-due.de/~hk0378/publikationen/2017/20171203_WAMS.pdf

    • Vielen Dank für den Hinweis!

    • Nun, die Rekuperation gewinnt zwar einen Teil der durch klassisches Bremsen verloren gehenden Energie zurück, auf der Autobahn ist das allerdings vergleichsweise bedeutungslos. Wesentlich ist hier vor allem der Rollwiderstand, der grob proportional zum Fahrzeuggewicht ist, und der Luftwiderstand, der nunmal bei größeren Fahrzeugen wesentlich größer ist (und übrigens vor allem mit der Geschwindigkeit stark ansteigt, weshalb Tempolimits da helfen). Die Größe und das Gewicht der Fahrzeuge ist also unabhängig von der Art des Antriebs sehr relevant.

    • Schön wäre es. Ein Tesla Model X hat einen deutlich höheren elektrischen Verbrauch als ein Tesla Model S. Antriebsstrang und Batteriegröße der beiden Fahrzeuge dürften vergleichbar sein. Dadurch sieht man: Karosserieformen und Gewicht sind sehr relevant.

      Wie schon geschrieben wurde: je schneller man fährt desto gravierender ist der Einfluss des Luftwiderstandes der Karosserieform. Daher verkauft Audi beim e-Thron optional den virtuellen Außenspiegel welcher wesentlich schlanker ist und somit bis zu 35 km zusätzliche Reichweite bringen soll.

  57. Ich teile eure Analyse, dass der Rechtspopulismus sich nicht aus ökonomischen Problemen speist. Warum dann aber die Reform von Hartz IV fordern? Ich sehe den Zusammenhang nicht.

    • Wie wir beschrieben haben ist das Kernproblem die Verunsicherung breiten Kreise, die dann rechts(radikal) wählen. In diesem Kontext bezieht sich die fatale Wirkung von Hartz IV weniger auf diejenigen, die es tatsächlich beziehen, als auf die x-fach größere Gruppe derjenigen, die Angst haben, in Hartz IV abzurutschen. Das war früher anders, als der Lebensstandard weitgehend gehalten werden konnte, weil die Höhe des Arbeitslosengeldes dauerhaft vom Einkommen abhing.

      • Demnach wäre es doch ein ökonomisches Problem, das durch Transferleistungen gelöst werden könnte. Aber der Rechtspopulismus ist ja auch in Ländern mit dichterem sozialen Netz erfolgreich (z.B. in den skandinavischen Ländern). Ich denke, es muss was anderes sein. Und es hängt ganz viel an dem Statusverlust, den ihr beschrieben habt. Das lässt sich nicht durch mehr Arbeitslosengeld auffangen.

    • Hallo Ulf,

      zum Glück haben mir andere, insbesondere Georg (den verlinkten Studien nach, schließe ich mal, dass wir kurz in der Runde zusammen standen) , die Arbeit abgenommen passende Artikel rauszusuchen zum Thema Fleischkonsum und Treibhausgasen.
      Wenn du das nächste mal in einer Bahnhofs-Buchhandlung stehst, kannst du mal nach dem Fleisch-Atlas suchen. Da gibt es ganz schöne Grafiken zu dem Thema (glaube der wird von der Böll Stiftung rausgegegben)

      Die ganzen Sachen in den Kommentaren sind sehr spezifisch, deshalb streue ich einfach mal noch ein paar Sachen ein, die vielleicht nicht Allgemeinbildung zum Thema sind, die man sich aber häufiger mal anhören muss:

      – Die “economy of scale” Rechtfertigung bzw die “Wir bekommen x-mal mehr Ertrag aus der gleichen Fläche. Ohne uns entstünden Hungersnöte” Aussagen, verlieren massiv an Relevanz, wenn man einrechnet, wie viele Resourcen dafür von extern eingekauft werden. Hauptsächlich Futtermittel und Dünger. Wenn man die Flächen einrechnet die wiederum dafür benötigt werden, steht nen kleiner (bio) Betrieb plötzlich im Vergleich nicht mehr so schlecht dar.

      – Vom weltweitem (problematischen) Soja Anbau werden nur ca. 7% zu menschlicher Nahrung verarbeitet, der Rest geht größtenteils aufs Konto der Tierhaltung als Futtermittel. Begleiterscheinungen sind Abholzung von Regenwald und Vertreibung/Landgrabbing (zB in Afrika).

      – Fleisch verbraucht zusätzlich auch sehr viel Wasser. Dazu ist das Konzept von virtuellem Wasser interessant. Pro kg Fleisch werden mehrere 10.000e Liter Wasser benötigt.
      [http://vdg.durstige-gueter.de/schwein_rind.html].
      Auch andere Lebensmittel stehen da nicht gut da (Avocados, Tomaten) und führen dazu, dass aus Regionen die nicht gerade einen Wasserüberfluss haben, noch Wasser exportiert wird. Sinkende Grundwasserpegel lassen Brunnen versiegen.
      Ein weiteres Problem in dem Zusammenhang ist die Nutzung sog. ‘fossilen Wassers’ für die Landwirtschaft. Dabei werden riesige unterirdische Wasservorräte angezapft, die sich langsam bis gar nicht regenerieren. Die unter Saudi Arabien und Zentral-Nord-Amerika scheinen größtenteils aufgebraucht zu sein.
      [https://www.nationalgeographic.com/environment/freshwater/saudi-arabia-water-use/] [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundwasserleiter#Bew%C3%A4sserung]

      Noch ein paar fun facts zur Auswirkung des Klimawandels heute:
      – der zweitgrößte See Boliviens ist ausgetrocknet [http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/lago-poopo-see-in-bolivien-ausgetrocknet-a-1076378.html]
      – der Temperaturunterschied zur letzten Eiszeit beträgt 3-5 Grad (unterschiedliche Aussagen in unterschiedlichen Quellen), eine Abkühlung von ca einem Grad (Zahl glaube ich aus Bill Brysons – “Kurze Geschichte von fast allem”) nach einem Vulkanausbruch hatte u.a. Bodenfröste in England bis Juli zur Folge mit erwartbaren Hungersnöten und Toten [https://de.wikipedia.org/wiki/Jahr_ohne_Sommer].
      Das finde ich immer recht hilfreich, wenn man über 2 Grad spricht.
      – Australien musste vor ein paar Jahren eine neue Wetterfarbe einführen und teilweise war Tanken tagsüber nicht mehr möglich, weil das Benzin direkt verdampft ist [https://www.bathroomreader.com/2013/01/australian-town-too-hot-to-pump-gas/]

      Leider habe ich nicht viel Hoffnung, dass sich schnell was ändert an der Einstellung der Menschheit zu dem Thema. Solange man nicht direkt betroffen, setzen sich die meisten nicht für/gegen Sachen ein. Der Hambacher Forst ist zwar eine positive Entscheidung, man sollte jedoch nicht vergessen, dass auch wenn Deuschland aus der Steinkohleförderung ausgestiegen ist und der Wald jetzt erstmal stehen bleibt, dass wir trotzdem weiterhin Kohle verstromen. Die kommt dann zum Beispiel aus Amerika und wird mittels “Mountain Top Removal” gewonnen.
      Ist genau das wonach es sich anhört [http://urgewald.pageflow.io/mtr-coal#41376] (sehr lohnenswerter Link). Dagegen wird sich wohl eher kein Protest hierzulande formen.

      So, das war mein kleiner Rundumschlag.. Wenn die Politik in den Bereichen nicht tätig ist, ist die einzige Steuerungsmöglichkeit von uns allen unser Geld. Vielleicht muss man auch Bio-Lebensmittel mal sehen wie Ökostrom. Es geht nicht darum ob es gesünder ist, sondern darum wie es angebaut wurde.
      Wir Deutschen geben übrigens auch deutlich weniger für Lebensmittel aus, als unsere Nachbarn. Vielleicht liegen unsere Prioritäten da etwas schräg..
      (Bio steht stellvertretend für gute landwirtschaftliche Praxis. Ob Discounter-Bio darunter fällt ist fraglich).

      Noch eine Anmerkung zum Diesel:
      Das Diesel und Benzin in Litern verglichen werden ist schon ein ziemlicher Fehler (oder PR Geniestreich), weil die chemische Zusammensetzung anders und Diesel dichter ist. Eigentlich müsste in CO2 Ausstoß pro kg gerechnet werden. Ein Diesel stößt etwa gleich viel aus wie der Benziner der ein paar Liter mehr verbraucht. Diesel stößt dabei etwas weniger CO2 aus, dafür mehr NOX. Wenn das rausgefiltert würde, hätte der Diesel einen Vorteil, real eher nicht.
      Zu den passgenauen Abschaltungen gibt es einen supe CCC Talk [https://media.ccc.de/v/33c3-7904-software_defined_emissions]

      Der Industrie kommt das gerade ganz gut gelegen, dass der Verbrauch möglichst hoch gerechnet wird bis 2020. Je mehr die Autos da rechnerisch verbrauchen, desto weniger müssen sie hinterher wieder reduzieren..

      Tut mir leid, dass mein Beitrag etwas chaotisch ist, aber vielleicht sind ja ein, zwei Interessante Sachen dabei.
      Bis dann!

  58. Moin liebe Lageleute :)
    Ich find’s super, dass ihr offen sagt, wenn ihr wovon keine Ahnung habt oder euch nicht sicher seid. Das passiert viel zu selten.
    Ich habe euch hier ein paar Gedanken zum Carbon Offsetting zusammengeschrieben. Schonmal vorab: Ich finde den “ich-fliege-gegen-Aufprios-mit-reinem-Gewissen-Button” quatsch.
    Also…

    Ich halte den weltweiten Flugverkehr für eines der am schwierigsten zu lösenden Probleme. Klimakompensation (auch Carbon Offsetting), wie sie von Fluggesellschaften angeboten wird, scheint mir keine nachhaltige Lösung zu sein. Ihr habt in der Lage konkret die Aufforstung angesprochen. Ein Wald bindet nur dann CO2, wenn er in der Bilanz an Biomasse zunimmt. Das bedeutet, dass nur in der Aufforstungsphase CO2 gebunden wird. Ein ausgewachsener Wald ist keine Senke mehr, sondern ein gefüllter Speicher für Kohlenstoffdioxid. Eine Ausnahme stellen, glaube ich, bestimmte tropische Wälder dar, die weiter etwas Biomasse im Boden ablagern, aber der Effekt ist nicht derselbe.

    Dazu kommt, dass der Wald nach der Aufforstung für immer erhalten bleiben muss. Wird das Holz verbrannt oder verfault es, wird das CO2 wieder frei. Googled man zum Thema CO2 und Wald, wird oft nicht offensichtlich differenziert zwischen Speicherung und “verschwindenlassen” von CO2. In [4] wird zurecht darauf hingewiesen, dass man mit Holz bauen kann, um so den Wald zu lichten und so wieder Raum zur CO2-Speicherung zu schaffen. Aber auch hier gilt: Sobald das Bauholz irgendwann wieder verbrannt wird oder verrottet, ist der Effekt rückgängig gemacht. Und das geht auch nur so viel, wie weltweit Bauholz benötigt wird.

    Es gibt Ansätze, bei denen Kohlenstoffdioxid direkt aus der Luft [1] oder aus den Absgasen bei der Holzverbrennung [2] abgeschieden und unterirdisch gespeichert wird. So könnte man Holz entnehmen, verbrennen, CO2 speichern und neue Biomasse wachsen lassen.

    Die Leute von Climeworks [1] sind der Ansicht, dass die Speicherung im Boden gut funktioniert. Andere Quellen, deren wirtschaftliche Ziele nicht davon abhängen, sind anderer Ansicht [3, S. 20].

    Hinzu kommt, dass großflächige schnelle Aufforstung die selben negativen Folgen hat wie die industrielle Landwirtschaft (Böden verarmen, großer Wasserbedarf, großer Flächenbedarf. und das meistens in Regionen, in denen Menschen leben, die den Klimawandel nicht verursacht haben.)

    Es kann sein, dass diese Technologien in begrenztem Maße funktionieren. Und vielleicht müssen wir sie ohnehin einsetzen, um das Ruder noch herumzureißen, auch ohne den Flugverkehr damit zu kompensieren. Aber wir dürfen uns nicht darauf verlassen.

    Meiner Meinung nach müssen wir den Flugverkehr radikal beschränken. Es gibt Personen, die weiterhin fliegen müssen: Diplomat*innen und Notfälle (Krankheit, Flucht, …). Welche Flüge wir uns als Gesellschaft weltweit noch leisten wollen, müsste gemeinsam entschieden werden (praktisch schwierig, wäre aber gut). Um es diesen Personen noch zu ermöglichen und trotzdem insgesamt quasi-nicht-mehr zu fliegen, müssen es alle Anderen sein lassen.

    Aller weiterer Luxuskonsum (wie z.B. der Individualverkehr) lässt sich durch weiteren Zubau Erneuerbare prinzipiell elektrisch decken. Da müssen wir dann als Gesellschaft abwägen, was uns das an Aufwand und Flächenverbrauch wert ist und auch bisher externalisierte Emissionen wie etwa bei der Batterieherstellung mit einbeziehen. Beim Flugverkehr sehe ich diese Möglichkeit (zumindest bisher) nicht. Solange wir die völlige CO2-Neutralität des Fliegens nicht gewährleisten können, sollten wir das Fliegen sein lassen.

    Mir ist bewusst, dass das enorme Folgen hat für die Welt, wie wir sie heute kennen. Das ist auch für mich ein riesiges Dilemma. Ich halte es aber für notwendig, weil sich mit der (Klima-)physik nicht verhandeln lässt und das 1,5-Grad-Ziel eine harte Randbedingung ist.

    Ich hoffe, ich konnte ein paar Anstöße geben, Fragen beantworten oder neue aufwerfen.

    Liebe Grüße
    -Martin

    PS: Ich fand eure Airline-Werbung auch doof. ;-)
    PPS: [3] setzt sich allgemeiner kritisch mit Geoengineering auseinander, wozu auch die großangelegte Aufforstung gehört

    [1] http://www.climeworks.com/
    [2] https://en.wikipedia.org/wiki/Bio-energy_with_carbon_capture_and_storage
    [3] https://www.boell.de/sites/default/files/bigbadfix.pdf?dimension1=division_iup
    [4] https://www.wald.de/wie-viel-kohlendioxid-co2-speichert-der-wald-bzw-ein-baum/

    • Diese BECCS-Ansätze (Bioenergy + Carbon Capture and Storage, aka Biomasse verbrennen und CO2 tief im Boden lagern) hat definitiv hochproblematische Aspekte. Das fängt bei dem Flächenbedarf an, geht je nach Anbaumethode (z.B. bei Plantagenpflanzungen) von Wasserknappkeit über Biodiversitätsverlust und Bodenschädigung zu Eutrophierung. Hinzu kommen die klassichen CCS-Themen wie Sicherheit gegen Ausgasen oder die Verursachung von Erdbewegungen/-beben und das mögliche Verursachen von Aufschieberitis [1;2;3].
      Insgesamt ist schlicht nicht genügend Fläche dafür da, hier großtechnische Lösungen anzustellen, die uns rundum “retten” würden, und damit gar über “Biokraftstoffe” den derzeitigen Bedarf zu decken [4;5].
      Was dagegen ein sehr vielversprechender Ansatz sein dürfte, ist derjenige den die regenerierende Landwirtschaft verfolgt (populärwissenschftlich und leicht aufnehmbare Bücher: [6] und [7]). In dem Bereich geht es darum, Landwirtschaft so zu gestalten dass sie zu einer netto-Treibhausgassenke wird, wobei der Humusgehalt der Böden auf vorindustrielles Niveau angehoben werden kann, z.T. auch darüber hinausgehen kann. Das Gesamtpotenzial dieses möglichen Speichers übersteigt dasjenige sämtlicher historischer durch das Verbrennen fossiler Ressourcen verursachter Treibhausgasemissionen [8]. Neben Kompostierungstechniken ist hier Pflanzenkohle ein sehr spannendes Thema, zur Erzeugung sogenannter “Terra Preta”, die sehr langzeitstabile Kohlenstoff im Boden binden kann [9;10;11]. Solche Techniken können den Landwirt*innen direkt nutzen und von ihnen praktiziert werden, stehen also nicht in Flächenkonkurrenz. Eine (bislang nicht gut quantifizierte, und vermutlich eher geringfügige) Energiegewinnung durch die Nutzung von Synthesegas und Wärme bei der Pflanzenkohleherstellung kann dabei einen Teilbeitrag zur Energieversorgung leisten.
      Allerdings bleibt insgesamt dann trotzdem das Problem, dass z.B. Deutschland nicht oder nur schwer in der Lange sein wird, seinen aktuellen Primärenergiebedarf durch inländische regenerative Energiequellen zu decken [12] – und damit entweder stets auf Energieimporte angewiesen sein wird, oder aber im Primärenergiebedarf drastisch runter muss.

      [1] Wiseman, J. (2018): The great energy transition of the 21st century: The 2050 Zero-Carbon World Oration. Energy Research & Social Science 35227–232. doi: 10.1016/j.erss.2017.10.011.
      http://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S2214629617303389

      [2] Rosen, J. (2018): The carbon harvest. Science 359(6377)733–737. doi: 10.1126/science.359.6377.733.
      http://science.sciencemag.org/content/359/6377/733

      [3] Azar, C.; Lindgren, K.; Obersteiner, M.; Riahi, K.; van Vuuren, D. P.; den Elzen, K. M. G. J.; Möllersten, K.; Larson, E. D. (2010): The feasibility of low CO2 concentration targets and the role of bio-energy with carbon capture and storage (BECCS). Climatic Change 100(1)195–202. doi: 10.1007/s10584-010-9832-7.
      https://doi.org/10.1007/s10584-010-9832-7

      [4] Fritz, S.; See, L.; Valin, H. (2013): Current issues and uncertainties in estimating global land availability for biofuel production. Biofuels 4(4)343–345. doi: 10.4155/bfs.13.27.
      https://doi.org/10.4155/bfs.13.27

      [5] Cai, X.; Zhang, X.; Wang, D. (2011): Land Availability for Biofuel Production. Environmental Science & Technology 45(1)334–339. doi: 10.1021/es103338e.
      http://dx.doi.org/10.1021/es103338e

      [6] Scheub, U.; Schwarzer, S. (2017): Die Humusrevolution: wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen. München: Oekom Verlag.

      [7] Mongomery, D. R. (2018): Growing a Revolution: Bringing Our Soil Back to Life. S.l.: W W NORTON.

      [8] Sanderman, J.; Hengl, T.; Fiske, G. J. (2017): Soil carbon debt of 12,000 years of human land use. Proceedings of the National Academy of Sciences 1–6. doi: 10.1073/pnas.1706103114.
      http://www.pnas.org/content/early/2017/08/15/1706103114

      [9] Kray, D.; Schmidt, H.-P. (2018): Pflanzenkohle (PK) – Ein Missing Link für das 1,5°C-Ziel. Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V.
      https://www.sfv.de/druckver/artikel/pflanzenkohle_pk__ein_missing_link_fuer_das_15c-ziel.htm

      [10] Pfützner, C. (2018): Natürlich gärtnern mit Terra Preta: Praxiswissen für Garten, Hochbeet und Balkon. München: oekom verlag.

      [11] Ullum, K. (2017): Untersuchungen zur Wirkung von Biokohlekomposten in Topf-und Feldversuchen mit ausgewählten Pflanzen aus unterschiedlichen Klimazonen. PhD Thesis. Freie Universität Berlin.

      [12] Quaschning, V. (2017): Schafft Deutschland seine Klimaschutzziele? » KlimaLounge » SciLogs – Wissenschaftsblogs. KlimaLounge. http://scilogs.spektrum.de/klimalounge/schafft-deutschland-seine-klimaschutzziele/. Last access: 02 Mai 2017.

      • Ja stimmt, den Ansatz mit der Bodennutzung gibts auch noch. aber auch hier muss sichergestellt werden, dass die Bodennutzung nie wieder umgestellt wird. Bei änderung der Bewirtschaftungsmethode wird das CO2 auch wieder frei. Führt nicht viel daran vorbei, die Emissionen zu senken, ohne sie mit Negativemissionen zu verrechnen. Das ist zumindest mein Eindruck. Solche CO2speicher Ansätze sind dann ein zusätzlicher beitrag, auf den wir nicht dringend angewiesen sein sollten.

    • Nein, ich fand die Airline Werbung auch nicht schlimmer, wie die Audi Werbung.
      Klar, man muß sich darüber im Klaren sein, dass fliegen die Umwelt belastet. Aber da die Alternative zu nicht fliegen, nicht reisen bedeutet (abgesehen von den Kurzstrecken bei denen die Bahn eine Alternative ist) halte ich fliegen für das zivilisatorisch kleinere Übel. Nicht Fliegen bedeutet nicht Reisen, nicht Reisen bedeutet weniger internationale Zusammenarbeit, weniger kultureller Austausch und letzendlich mehr Rassismus und weniger friedliche Lösungen für die Welt. Und ja sogar weniger Forschung und Entwicklung im Bereich erneuerbare Energien. In Zeiten von Trump und AFD (die Beide, die meisten Wähler haben in Gegenden in denen die Leute wenig reisen) stelle ich das Fliegen – als einiger der ganz ganz wenigen Punkte – ganz bewusst über den Klimaschutz und selbst wenn es nur die Urlaubsreise mit den Kindern ist. Aber klar man muß sich nichts vormachen. Es ist zwar nett den “Ich zahle Aufpreis Button zu drücken” aber dies kompensiert die klimaschädliche Wirkung nicht zu 100%. Aber die Menschheit wird nur überleben, wenn wir zusammenarbeiten und wir können nur zusammenarbeiten, wenn wir reisen. Insofern müsste man viel viel mehr Geld in die Entwicklung von klimaneutralen Reisemöglichkeiten stecken.

      • Ich halte es für fraglich, ob man die Weltoffenheit eines einzelnen Menschen oder einer Nation an deren Reisefreudigkeit messen kann. Und selbst wenn, kann das einfach umgedrehte Kausalität sein – Menschen, die ohnehin schon weltoffener sind, wollen auch eher reisen. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich zumindest sagen, dass sich in der Generation meiner Eltern sehr viele Leute befinden, die unglaublich viel gereist sind in ihrem Leben und es jetzt im Ruhestand immer noch tun, aber trotzdem dauernd ausländerfeindliche Sachen raushauen und mit der AfD sympathisieren.
        Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass Reisen eine schöne Sache ist und auch positive Effekte auf interkulturelles Verständnis haben kann, aber das sollte man eben auch abwägen können mit den gesellschaftlichen Kosten. Diese sind enorm hoch und werden zudem wieder größtenteils von einer “globalen Elite” verursacht – auf Kosten der überwiegenden Anzahl an Menschen, die es sich nicht leisten können zu fliegen.
        Natürlich gibt es Flugreisen, die nicht vermeidbar sein werden in der Zukunft. Aber man kann auch zusammenarbeiten, ohne dauernd hin und her zu fliegen, gerade mit heutigen Technologien.

  59. Liebe Lage,

    vielen Dank für eure wie immer sehr aufschlussreiche Sendung von gestern.

    Zur Mobilitätsdebatte ein paar Anmerkungen, die mir so (zumindest in Teilen) bislang auch weniger bekannt waren:

    – Allseits bekannt ist das seit mittlerweile 2011 vorgeschriebene “Effizienz-/Ökolabel” für Neuwagen. Bislang nicht bewusst war mir allerdings, dass die Einstufung in den verschiedenen europäischen Ländern unterschiedlich berechnet wird. In Deutschland – anders als beispielsweise in Frankreich -gibt das Label nicht den absoluten Verbrauch an, sondern klassifiziert den CO2-Ausstoß in Relation zum Gewicht, so dass auch schwere Autos mit hohem CO2-Ausstoß relativ gut abschneiden. Interessant ist auch, dass der VDA maßgeblich am Konzept beteiligt war. Siehe hierzu: https://www.t-online.de/auto/elektromobilitaet/id_66040448/oeko-label-fuer-autos-verschiedene-laender-verschiedene-effizienzeinstufungen.html und https://www.lobbycontrol.de/2013/10/autolobby-hat-das-effizienzlabel-fuer-autos-selbst-geschrieben/

    – Zu wenig Beachtung in der (öffentlichen) Debatte findet meiner Meinung nach der enorme Güterverkehr auf der Straße und der teilweise desolate Zustand des Schienennetzes in Deutschland. Siehe hierzu: https://www.ndr.de/info/Verkehrspolitik-Fokus-auf-die-Schiene-verlagern,bahnbaustellen108.html

    – Zur Zukunftsfähigkeit von Elektroautos: Zwar gehe ich nur teilweise mit den Ansichten im Artikel (https://www.cicero.de/wirtschaft/automobilindustrie-warum-die-Zukunft-nicht-in-den-Elektroautos-liegt) d’accord, trotzdem lohnt ein kritischerer Blick auf Elektromobilität. Die Verwendung endlicher Rohstoffe in der Produktion von Batterien, der bislang nicht ausreichend verfügbare Ökostrom (so auch von euch angesprochen) stellen hierbei nur einige Probleme dar. Die fast ausschließliche Konzentration, und so ist derzeit mein Eindruck, auf die Veränderung des Antriebs kann nicht die Lösung sein. Vielmehr braucht es eine ernsthafte Mobilitätswende (Mehr ÖPNV, besseres und saniertes Schienennetz, weniger v.a. innerdeutscher Flugverkehr, deutlicher Ausbau des Fahhradverkehrs, Carsharing auch in ländlichen Regionen, etc.).

    Beste Grüße
    Marlene

    • Zur Zukunftsfähigkeit von E-Automobielen ein ganz interessanter Artikel aus der Süddeutschen Zeitung
      https://www.sueddeutsche.de/auto/alternative-antriebe-wasserstoff-gegen-batteriepanzer-1.4162565

    • Dieser Unterschied des Verbrauchslabels bei Fahrzeugen hat recht simple Gründe:
      Die deutschen Automobilhersteller sind sehr viel mehr im Mittel- und Oberklassebereich (schwere Autos!) unterwegs, wärhend die französischen Hersteller tendenziell kleinere, leichtere Fahrzeuge produzieren. Das schlägt sich auch darin nieder, wie auf EU-Ebene Grenzwerte gesetzt werden, eben auch durch den erfolgreichen Druck Deutschlands (Stand 2013, hinsichtlich Grenzwertsetzung : “Alle Lander bis auf die USA verwenden ein gewichtsbasiertes System” [1])

      Fun Fact: ein Leopard2-Panzer würde hinsichtlich des gewichtsbezogenen Verbrauchs in der besten Verbrauchsklasse auftauchen.

      [1] Puls, T. (2013): CO2-Regulierung für Pkw. Fragen und Antworten zu den europäischen Grenzwerten für Fahrzeughersteller. Köln: Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

      • Zum Glück erfüllen die Leopard 2 Panzer nicht die allgemeinen Anforderungen an Geschwindigkeit und Design. Ich bin mir sicher, einige würden die ‘passive Sicherheit’ der SUVs auch gegen eine aktive tauschen :D

  60. Eine kurze Ergänzung zu den Gründen für Waffenexporte. Das wichtigste Argument finde ich ist es das Know How über die Herstellung von Waffen im Land zu behalten. Also eine unabhängige inländische Waffenindustrie zu pflegen. Das muss sich irgendwie wirtschaftlich lohnen, wenn man es nicht staatlich aufzieht. Ich möchte das ausdrücklich nicht wertend, sondern nur ergänzend verstanden wissen. Ich fand dieses Argument, als ich es das erste Mal hörte auf jeden Fall sehr erhellend und deutlich gewichtiger, als das sehr zynische Argument des Erhaltens einiger Arbeitsplätze.

  61. Ach ja: Ich finde, dass bei euch gar nix zu schnell ist. Dass Ulf und Phillipp komplexe Sachlagen in drei Sätzen und 15 Sekunden abhandeln können ist für mich ein Feature, wie soll man sonst bei diesem ganzen Clusterfuck zur Sache kommen. ^^

  62. Moin…

    Seit ner Woche sperrt eure Seite mich aus wenn ich über AirVPN zugreife. Keine Ahnung ob das Absicht ist und mir ist es eigentlich auch wumpe, ich finds nur seltsam und wollte mal darauf hinweisen. Sowohl die Europäischen als auch die Amerikanischen Server kriegen nen Timeout zurück.

    Ansonsten großartige Inhalte wie immer, ich mag auch die Livesendungen. Von Phillipp versuche ich mir in letzter Zeit abzuschauen, wie man Quellen (besonders im Internet) aussortiert und bewertet. Die Taktiken dafür scheinen sich auch jedes Jahr mit der Landschaft zu ändern.

    LG

  63. Könnt ihr mal darüber reden wieso Fortschritt in diesem Land so langsam und schwierig geht?

    Meine Kinder in Berlin werden jetzt frohlich weiter vergiftet von den Autos und bis die erwachsen sind haben wir die CO2 Werte schon unumkehrbar versaut.

    Die Kinder werden es nicht verstehen und ich werde es sie nicht erklären können. Aber vielleicht werden die dann endlich mal durchgreifen.

    • Eine schöne Betrachtung hinsichtlich gesundheitsrelevanter Grenzwerte und eine Einordnung der (durchaus relevanten, aber letztlich nicht hauptsächlich ausschlaggebenden) Emissionen von Dieselfahrzeugen hat Jörg Kachelmann geschrieben [1].

      Übrigens: Während Hamburg große Aufregung wegen der NOx-Emissionen der Dieselautos vorgibt, sind diese dort auch ein wenig ein Ablenkungsthema gegenüber dem viel größeren Emittenten in der Stadt: dem Hafen. Dort werden nach wie vor nahezu alle Schiffe nicht über Landstrom (dickes Kabel am Terminal) versorgt, sondern lassen wärhend ihrer Liegezeiten (wie auch zum An- und Ablegen) ihre Dieselaggregate laufen. Die sind zwar immer noch Welten sauberer als das auf hoher See eingesetzte Schweröl, aber es sind nunmal gigantische Dieselmotoren, und eben beiweitem nicht Euro6.
      Insofern ist das Thema Verbrennerfahrzeuge eben nur ein (durchaus wichtiges) Teilthema der beiden Bereiche fossil-basierter Mobilität und des Themas von zu viel motorisiertem Individualverkehr (der neben den chemischen Emissionen ja auch noch Lärm durchs Rollen, und viel ansonsten lebenswerten Stadtraum durch für Fußgänger gefährliche Geschwindigkeiten und riesige zugeparkte Flächen zu Un-Orten macht). Da sind wir dann bei der Diskussion einer allgemeinen Verkehrswende, die im PRinzip möglich wäre, und zu der es auch konkrete Visionen gibt (u.a. [2]).

      [1] Kachelmann, J. (2018): Diesel? Die Politik ignoriert ein viel größeres Problem. http://www.t-online.de. https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_84599106/kachelmanns-donnerwetter-diesel-die-politik-ignoriert-ein-groesseres-problem.html

      [2] Rudolph, F.; Koska, T.; Schneider, C. (2017): Verkehrswende fuer Deutschland: Der Weg zu CO2-freier Mobilitaet bis 2035. Wuppertal / Hamburg: Greenpeace / Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.
      https://wupperinst.org/fa/redaktion/downloads/projects/Mobilitaetsszenario_2035_Langfassung.pdf.

    • Zum Nicht-Handeln im gesundheitsrelevanten Bereich, aber auch zur Einordnung der Relevanz der Dieselauto-Emissionen hat Jörg Kachelmann einen guten Artikel verfasst [1].
      Darin verweist er unter anderem auch auf den großen Einfluss von Holzöfen bei den städtischen NOx-Emissionen. Völlig ignoriertes Thema, ebenso wie der Fun Fact, dass in Stadt mit der großen Diesel-Fahrverbotsaufregung (Hamburg) eben auch der große Hafen sitzt – und Schiffsdiesel nunmal nicht gerade Euro6 sind. Und so gut wie alle Schiffe während ihrer Liegezeiten nicht etwa mit Landstrom versorgt werden, sondern ihre Dieselaggregate laufen lassen (und auch zum An- und Ablegen mit Schiffsdiesel fahren – draussen wird dann auf das noch viel üblere Schweröl umgestellt). Da braucht man in Hamburg leider beileige nicht über Umweltzonen für Pkw reden.

      That being said – natürlich sind die DieselPkw-Emissionen relevant. Nur eben ein doch vergleichsweise kleines Thema. Und die Umstellung auf Benzin, Erdgas, oder auch Wasserstoff oder Akkus löst auch nicht die Probleme von für Fußgänger bedrohlichen Innenstädten (zu viele, zu schnelle Fahrzeuge), deren Rollgeräusche auch immer laut sein werden, und Feinstaub wird zu sehr großen Teilen durch Reifenabrieb verursacht. Ergo: Besser ist’s über eine Verkehrswende zu reden, generell weg von motorisierter Individualmobilität. Die ist durchaus möglich, und konkrete Visionen und Szenarien gibts auch [2].

      [1] Kachelmann, J. (2018): Diesel? Die Politik ignoriert ein viel größeres Problem. http://www.t-online.de. https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_84599106/kachelmanns-donnerwetter-diesel-die-politik-ignoriert-ein-groesseres-problem.html.

      [2] Rudolph, F.; Koska, T.; Schneider, C. (2017): Verkehrswende fuer Deutschland: Der Weg zu CO2-freier Mobilitaet bis 2035. Wuppertal / Hamburg: Greenpeace / Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. https://wupperinst.org/fa/redaktion/downloads/projects/Mobilitaetsszenario_2035_Langfassung.pdf.

  64. Hallo, liebe Lage der Nation!

    Nur kurz zum Thema “traumatisierte Ostdeutsche”: Der Zusammenbruch der DDR ist nun bald 30 Jahre her. Die Menschen, für die das eine Art Verlust bedeutete, müssten zu dem Zeitpunkt schon wenigstens Teenager oder eher junge Erwachsene gewesen sein. Demnach dürfte man auf Pegida-Demos, bei Revolution Chemnitz und unter AfD-Wählern nur Menschen Ende vierzig und älter finden. Ist das so? Oder wird Ostalgie vererbt? Oder gibt es doch eher andere Gründe, warum die Fremdenfeindlichkeit in Sachsen etc. so stark ist?

  65. Guten Abend liebes Lage-Team!

    Ich höre die Lage immer gerne und freue mich jede Woche darauf. Ihr macht hier einen tollen Job.
    Danke euch dafür!

    Abseits der Themenblöcke, die in der letzten Lage diskutiert wurden, möchte ich eine Kleinigkeit loswerden, an der ich mich schon ein paar mal ein bisschen gerieben habe.
    Ich bin grundsätzlich eher nicht so die große Nörgeltante. Ich störe mich weder daran ob die Lage länger oder kürzer als eine Stunde ist, noch ob ihr bei einem Thema der gleichen Meinung seid wie ich.

    Ich bin dem Thema Alkohol gegenüber ein bisschen (deutlich) kritischer eingestellt, als vermutlich (ziemlich sicher) die meisten. Mein Stiefvater war Alkoholiker und die Erfahrungen aus dieser Zeit haben, insbesondere nachdem ich mehr Abstand hierzu gewonnen habe, meine Skepsis gegenüber der Selbstverständlichkeit, mit der wir gesellschaftlich mit dem Thema Alkohol umgehen, vergrößert.
    Man wird komisch angeschaut, wenn man bei einer Runde zusammen kein Bier, oder keinen Wein trinken möchte. Aber warum nur? Warum ist es unnormal NICHT zu trinken? Es ist nicht gesund und es macht abhängig.
    Ich will ein Bierchen hier und da nicht verurteilen, trinke ich auch – wenn auch selten. Aber ich frage mich, ob es die richtige Botschaft vermittelt (auch oder insbesondere den Jugendlichen gegenüber), wenn man alles immer und überall “bei einem Bierchen” bespricht – nein sorry: Ich ärgere mich richtig darüber (sicherlich auch zum Teil erfahrungsbedingt).

    Mir ist klar, das sich jetzt wahrscheinlich viele darüber aufregen, warum ich mich so anstelle und ein kleiner selbstgefälliger Teil von mir zieht hierzu spöttisch den Mundwinkel hoch und sagt: “Ja genau. Frag Dich mal warum es Dich ärgert…!” – der Rest von mir hadert damit, ob ich das wirklich hier schreiben sollte.
    Aber: So what? Dann finden mich einige eben unentspannt.
    Meine Bitte wäre:
    Würde es euch lieber Philipp und lieber Ulf, etwas ausmachen, die Formulierung “ein Bierchen zusammen trinken” durch “etwas zusammen trinken” zu ersetzen?
    Ich denke das der verantwortliche Umgang mit Alkohol auch schon bei solchen Kleinigkeiten anfängt und ich hoffe ich bin damit nicht alleine.

    Mir ist bewusst, dass das nicht für den Weltfrieden sorgt, die Umwelt nicht rettet und die AfD nicht verstummen lässt (schade eigentlich), aber ich wollte es mal loswerden.

    Liebe Grüße
    Alex

    • Hallo Alexandra,
      ich hab das Problem glücklicherweise nicht in der Familie, und mir ist das auch noch nicht aufgestoßen, wenn Philip oder Ulf vom Bierchen nach einer LageLive reden, aber:
      Dein Anliegen ist aber absolut nicht dumm, auf die Problematik sollte man ruhig immer mal wieder hinweisen!
      Gruß
      Matthias Rathje

    • Ich selbst trinke auch kein Alkohol. Kann deinen Kommentar nachvollziehen empfinde es aber als problematisch auf Basis von deinen Erfahrungen das Verhalten anderer verändern zu wollen.
      Besonders da hier weder Alkoholkonsum noch Missbrauch verharmlost wird und der Kontext eindeutig ist.

      Deine Triggerschwelle ist eindeutig zu niedrig. Das Problem an deinem Wunsch ist, das es immer irgend jemand geben wird der mit irgend etwas, was für eine große Mehrheit vollkommen okay ist, negative Empfindungen verbindet. Am Ende ist dann jede Redewendung unpassend.

    • Ja, das kann ich nur unterstützen. Es fängt in den kleinen, alltäglichen Formulierungen an…

  66. Moin ihr Lieben,

    ich war gestern auch in Essen (war super!) dabei und habe genau wie meine VorrednerInnen auch einen Nachtrag zur vegetarischen Ernährung und dem Einsparen von CO².

    Ich kann euch diesbezüglich folgende Metaanalyse von letztem Jahr ans Herz legen (Open Access): http://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/aa7541

    In dieser Studie wurde analysiert, welche Aktionen ich als Individuum treffen kann, um CO² einzusparen. Wenn man den ersten Platz mal ignoriert (i.e., keine Kinder zu bekommen – das ist vielleicht eine sehr drastische Maßnahme), kommt direkt nach nicht Fliegen und nicht Autofahren das Beziehen von Ökostrom und eine vegetarische Ernährungsweise. Recycling oder kalt waschen bringen hingegen vergleichsweise wenig (Figur 1 illustriert das sehr gut). Wenn man also gezwungenermaßen (beruflich) viel fliegen oder Auto fahren muss, ist eine vegetarische Ernährungsweise eine gute ausgleichende Maßnahme!

    Für diese Diskussion nur nebensächlich, aber m.E. auch super spannend: Die Studie vergleicht auch, welche Maßnahmen zum CO²-Einsparen von Medien und Politik (z.B. in der Schulbildung) forciert werden. Interessanterweise wird vor allem den Verhaltensweisen, die verhältnismäßig wenig Treibhausgase sparen (z.B. Recycling), sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt, wohingegen Umstellungen wie weniger fliegen oder veggie essen wenig beachtet werden.

    Alles Liebe
    Louise

    • Ergänzend dazu kann ich auch empfehlen, einen CO2-Rechner für die Berechnung des eigenen CO2-Fußabdrucks zu benutzen (z.B. den vom Umweltbundesamt). Damit kann man dann auch in absoluten Zahlen sehen, wo man ungefähr steht. (da kommt dann ein Wert von soundsoviel Tonnen CO2 pro Jahr raus, der auch aufgeteilt ist in Wohnen, Essen, Mobilität, Konsum, etc.)

    • Ich halte nicht zu fliegen für eine noch drastischere Maßnahme wie keine Kinder kriegen. Keine Frage fliegen produziert aktuell Unmengen an CO2 und ist nicht förderlich fürs Klima. ABER wir werden die Probleme der Menschheit nur gemeinsam lösen und dies bedeutet auch, dass die Menschheit zusammenarbeiten muß und das geht nur mit Reisen. Wir brauchen neue Technologien, wir müssen gemeinsam forschen, wir müssen andere Kulturen verstehen, usw. Es ist utopisch zu glauben, Deutschland könnte alle Probleme alleine lösen. Wenn man offene Gesellschaften will, wenn man Forschungskooperationen will, wenn man gemeinsame Zusammenarbeit will, muß man Reisen ermöglichen. Aber natürlich muß man auch Veränderungen anstoßen und zulassen. Sicher kann man Kurzstreckenflüge reduzieren, ich weiß nicht warum Forschung und Entwicklung für Waffen und Militär ausgegeben wird und warum nicht alles in die Entwicklung von neuen Technologien im Bereich erneuerbare Energien, Medizin, Weltraum usw usw fließt. Ich weiß nicht, warum Autos immer schwerer und größer werden müssen, obwohl die Strassen voll sind, Ich weiß nicht warum jeder Apfel im Supermarkt in Plastikfolie verpackt sein muß, usw. Aber wenn die Menschheit überleben will, wird das nur mit Technologie gelingen (zB.: mit CO2 neutralem Treibstoff für Flugzeuge, der direkt aus dem CO2 der Luft gewonnen wird – am besten über Sonnenengie – und nicht aus der Erde gepumpt wird, usw) und mit offnen Gesellschaften und nicht Gesellschaften, die sich abschotten.

      • CO2-freier Treibstoff mag machbar sein, allerdings ist treibhausgasneutraler Treibstoff eine ganz andere Nummer. und zu diesem gibt es bislang kaum Ansätze – ausser direktelektrisch zu fliegen (viel Spass mit den Akkus) bzw. Wasserstoff zu verwenden. Flugemissionen sind vorwiegend deswegen so dramatisch, da in der hihen Höhe TReibhausgase sehr viel stärker wirken (wesegen THG-Emissionen in hoher Höhe mit einem “radiative forcing index” (RFI) von ca. 3 gewichtet werden müssen. Und der bleibt auch bei supernahezutreibhausgasneutral mittels regenerativem Strom erzeugtem synthetischem Kerosin bestehen. Zudem gibt’s bei den Turbinen keinerlei Abgasnachbehandlung, und eine richtig große Menge an NOx-was in der großen Höhe doppelt dramtisch ist, nämlich zum einen bildet sich das ggü. CO2 ca. 300mal stärkere Treibhausgas Lachgas, zum anderen ist NOx mittlerweile die Hauptursache für die Schädigung der Ozonschicht [1] – die sich übrigens zwar in den Polregionen langsam erholt, das ist dem erfolg des Montreal-Protokolls, d.h. dem Verbot von FCKWs zu verdanken, aber die in den für reiche Industrieländer weniger interessanten tropischen und subtropischen Breiten vor allem in der unteren Ozonschicht derzeit kräftig ausdünnt [2].

        Insofern gibt es weder derzeit noch in der absehbaren Zukunft eine vertretbare Möglichkeit des Fliegens – allerdings fliegen ohnehin vorwiegend nur die reichen Bevölkerungsteile weltweit, die ärmsten rund 95% steigen nie in einen Flieger [3].

        [1] Ravishankara, A. R.; Daniel, J. S.; Portmann, R. W. (2009): Nitrous oxide (N2O): the dominant ozone-depleting substance emitted in the 21st century. Science (New York, N.Y.) 326(5949)123–125. doi: 10.1126/science.1176985.
        http://www.sciencemag.org/content/326/5949/123.full.html

        [2] Reese, A. (2018): As polar ozone mends, UV shield closer to equator thins. Science 359(6376)623–623. doi: 10.1126/science.359.6376.623.
        http://science.sciencemag.org/content/359/6376/623

        [3] Heuwieser, M. (2017): Grünes Fliegen – Gibt es das? Wien: Finance & Trade Watch. http://www.ftwatch.at/wp-content/uploads/2017/10/FT-Watch_Gruenes-Fliegen_2017.pdf.

    • 15. Oktober 2018 um 15:04 Uhr
      Julian Broszinski

      Mich wundert immer wieder warum nur von CO2 die Rede ist. Methan wird wenn überhaupt, dann nur ganz am Rande erwähnt, dabei ist der Treibhauseffekt deutlich stärker als beim CO2.
      Die Verweildauer in der Atmosphäre ist etwas kürzer, aber nicht derart, dass Methan vernachlässigbar wäre.
      Vielleicht gibt es ja einen Grund dafür

    • vegetarische Ernährung ist ggü. einer durchschnittlich mitteleuropäischen Ernährungsweise um ca. 1/3 leichter in der Treibhausgasbilanz, eine vegane Ernährungsweise ca. 2/3; während ein fleischfreier Tag pro Woche immerhin ca. 8% THG-Reduktion verspricht [1; 2; 3; 4; 5].

      Das Verrechnen von Verhaltensweisen miteinander ist da allerdings dann doch eher problematisch – das suggeriert, dass die eine schädigende Handlung nunmal dadurch ausgelichen werden muss, dass eine weitere schädigende Handlung unterlassen wird – die aber erstmal nichts mit der ersten zu tun hat und unabhängig davon unterlassen werden kann.

      Beim “fleigen müssen” stellt sich dann eher die Frage, ob es denn wirklich so nötig ist – wie wir auch insgesamt viel zu oft in individualistisch-moralisierenden Diskursen festhängen und nur darüber reden wie wir uns als Konsumenten und in unserer Freizeit verhalten, anstatt darüber zu diskutieren und was zu verändern, wo wir den größten Impact haben – nämlich in unserer Arbeitszeit und in dem was wir da tun. Ich möchte mich da zu der Behauptung hinreissen lassen, dass alle BEschäftigten in “Vielflieger”-Jobs nicht zu der Gruppe derjenigen gehören, die sonst keinen anderen Job finden könnten, sondern eher zu den hochqualifizierten die sich schon acuh was aussuchen können… ;-)

      [1] Hallström, E.; Carlsson-Kanyama, A.; Börjesson, P. (2015): Environmental impact of dietary change: a systematic review. Journal of Cleaner Production 911–11. doi: 10.1016/j.jclepro.2014.12.008.
      http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959652614012931

      [2] Poore, J.; Nemecek, T. (2018): Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers. Science 360(6392)987–992. doi: 10.1126/science.aaq0216.
      http://science.sciencemag.org/content/360/6392/987

      [3] Popp, A.; Lotze-Campen, H.; Bodirsky, B. (2010): Food consumption, diet shifts and associated non-CO2 greenhouse gases from agricultural production. Global Environmental Change, Governance, Complexity and Resilience 20(3)451–462. doi: 10.1016/j.gloenvcha.2010.02.001.
      http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959378010000075

      [4] Scarborough, P.; Appleby, P. N.; Mizdrak, A.; Briggs, A. D. M.; Travis, R. C.; Bradbury, K. E.; Key, T. J. (2014): Dietary greenhouse gas emissions of meat-eaters, fish-eaters, vegetarians and vegans in the UK. Climatic Change 125(2)179–192. doi: 10.1007/s10584-014-1169-1.
      http://link.springer.com/10.1007/s10584-014-1169-1

      [5] Wirz, A.; Kasperczyk, N.; Thomas, F. (2017): Kursbuch Agrarwende 2050 – ökologisierte Landwirtschaft in Deutschland – Langfassung. Greenpeace / Forschungsinstitut für biologischen Landbau. http://bilder.klimaretter.info/filestore/1/8/6/0/8_606aa2524449375/18608_def2a17c822af65.pdf?v=2017-01-16+13%3A09%3A20.

      • @Georg:
        Schön, dass Du auf meinen Beitrag vom 15. Oktober 2018 um 10:46 Uhr geantwortet hast. Ich hab’ nie bestritten, dass Fliegen schlecht fürs Klima ist und dass es aktuell kein “grünes Fliegen” gibt. Laut IPCC beträgt der Anteil des Flugverkehrs auf das Klima 4,9% (Der Anteil der Treibhausgase die Flugzeuge ausstoßen ist geringer, aber da Flugzeuge in großer Höhe fliegen sind die Auswirkungen stärker). Trotzdem halte ich es für mittlere und große Distanzen für das zivilisatorisch geringe Übel. Nicht Fliegen bedeutet nicht Reisen, nicht Reisen bedeutet weniger internationale Zusammenarbeit, weniger kultureller Austausch und letzendlich mehr Rassismus und weniger friedliche Lösungen für die Welt. Und ja selbst wenn eine Familie nur für eine Woche nach Mallorca fliegt, so lernen die Kinder trotzdem, dass es auch ausserhalb Deutschlands vernüftige Menschen gibt. Gerade in Zeiten von Trump und AFD ist das enorm wichtig (übrigens Trump hat die meisten Wähler dort wo die Menschen am wenigsten Reisen, ähnlich wie die AFD in Deutschland). Insofern kulturellen Austausch und internationale Zusammenarbeit sind eine der wenigen Dinge, die ich in der Wichtigkeit ganz klar über das Klima stelle, denn wenn die Welt im nationalistischen Chaos versinkt, dann ist das Klima auch egal. Was aber nicht heißt, dass man sich die klimaschädliche Wirkung nicht immer klar machen muß, was nicht heißt dass man nicht versuchen sollte Kurzstrecken und mittlere Strecken auch mal mit dem Zug zurückzulegen, was nicht bedeutet, dass man (oder die Politik und Industrie) Forschung und Entwicklungen fördert, die eines Tages klimaneutrales Fliegen ermöglichen.

      • @Matthias,
        Es gibt sicherlich hübsche Effekte durchs First-World-Vielfliegen (denn genau das ist es, letztlich fliegen nämlich lediglich die obersten reichsten paar Prozent auf Kosten aller anderen durch die Gegen, was eher weitergeführter Kolonialismus als transkulturelle Verständigung ist). Für die Erkenntnis “anderswo sind die Menschen auch nett” braucht’s ganz gewiss nicht den überwältigenden Teil der Flüge. Und für die restlichen Flüge (die ruhig sehr viel teuer werden sollten, bei einen sinnvollen CO2-Preis von zumindest 50, eher 100€ pro Tonne (anstatt wie aktuell selbst bei den seriösesten Flug-Kompensationsplattformen ca. 25€) und lokalen, idealerweise neben Treibhausgasemissionen und anderen Planetaren Grenzen auch die ganzen sozialen Kategorien der Sustainable Development Goals berücksichtigenden Praktiken heißt’s dann eben auch, das Privileg schmutzig reisen zu dürfen dadurch auszugelichen, dass die Flugreise auch sehr bewusst dazu genutzt wird, diese zu rechtfertigen. Um den Malle-Aufenthalt da vertretbar zu reden bedarf es leider allzuviel Gedankenyoga. ;-)

        siehe z.B.
        Heuwieser, M. (2017): Grünes Fliegen – Gibt es das? Wien: Finance & Trade Watch. http://www.ftwatch.at/wp-content/uploads/2017/10/FT-Watch_Gruenes-Fliegen_2017.pdf
        und die dort weiter angegebenen Quellen

  67. Liebes Lage-Team,
    zum Thema CO2 Grenzwerte bzw. brauch irgendjemand einen SUV.
    Ich komme vom Bayrischen Land und kann nicht keineswegs nachvollziehen wieso jemand einen SUV fährt. Wir haben daheim zum Beispiel einen Wald und auf jedem halbwegs guten Waldweg komme ich mit meinem alten Ford Focus hervorragend voran.
    Wenn das Gelände schwieriger wird brauch man halt das passende NUTZfahrzeug und sicher keinen 80.000€ teuren SUV wo ich auf jeden Kratzer aufpassen muss.
    Die Bergwacht zum Beispiel hat in Straubing einen Skoda Jeti als Kommandofahrzeug (ja es ist ein SUV aber ein doch sehr kleines). Natürlich gibt es auch Geländefahrzeuge (wie Tojota Landcruser), sowie auch Pickups für Liegendtransporte in der BW Flotte, allerdings hat die Bergwacht auch gehobene Ansprüche. Unser Förster fährt einen Landa Niva, unsere Italienischen Freunde aus der Toskanischen Gaffaniana fahren einen Fiat Panda.
    Worauf ich hinaus will SUV sind keine Geländefahrzeuge, natürlich kann ein SUV auch im Gelände fahren aber sie sind nicht dafür gebaut.
    Um ein weiteres Argument der SUV-Befürworter aufzugreifen, mit einem SUV kann ich viel mehr ziehen. Ja natürlich ein Audi Q8 kann bis zu 3,5 t ziehen, allerdings ein A6 kann auch 2 t ziehen und 2 Tonnen sind auch nicht wenig.
    Ich finde SUVs sind unglaublich unvernünftig und würde eher SUVs in Innenstätten verbieten als die von der Autoindustrie betrogenen Verbraucher zu bestrafen.
    Liebe Grüße
    Veit

    • Den Gedanken unterschreib ich auch. Bei Förstern z.B. Sind auch leichte Allradler beliebt. Lada Niva, kleine Landrover oder auch ne alte G-Klasse.
      SUVs sind für wirklich jeden Anwendungsfall ungeeignet.

      • SUVs sind für wirklich jeden Anwendungsfall ungeeignet.
        Ich habe Mal gehört, dass ein Porsche Cayenne das Fahrzeug für den gehobenen Anspruch ist, um einen Pferdeanhänger zu ziehen. ;)

  68. Grüne in BW machen tatsächlich eine vertretbare Politik. Deshalb haben die auch die Wahl mit 30% gewonnen und stellen den Ministerpräsidenten. Sie werden auch gewählt, weil sie nicht an der Realität vorbeilaufen im Gegensatz zu den Bundes Grünen. Habt ihr noch den O-Ton in Erinnerung als die Grünen mal ihre realitätsfernen Forderungen umsetzen sollten? Ich helf euch gerne:

    “Habeck: Wir waren gezwungen, unser Wahlprogramm zu einem Ergebnisprogramm zu machen. Beispiel CO2-Reduktion: Wir konnten nicht mehr nur Gigawatt-Forderungen erheben, sondern mussten auch erklären, wie dabei die Versorgungssicherheit gewährleistet bliebe. Das war eine Wirklichkeitshärtung.”

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/robert-habeck-im-interview-ueber-jamaika-das-war-eine-wirklichkeitshaertung-a-1179553.html

    Den Himmel auf Erden fordern aber wenn es darum geht konkrete Ergebnisse zu erzielen heißt es “öhm… ja…” Deswegen sind die Grünen in BW und wie es so aussieht in Bayern die einzigen Landesgruppen, die auch eine gescheite, bürgernahe und vorallem eine umsetzbare Politik machen. In den anderen Bundesländern, besonders in Berlin sitzen die größten Dilettanten und Ideologen die nichts gescheites auf die Beine gebracht haben und es auch nicht werden.

  69. Liebes Lage-Team,

    nach den genannten 25% Einfluss der Transportmittel auf den Klimawandel
    (meine grobe Wiedergabe) habe ich mich gefragt, was die anderen 75 % denn sind. Ich fahre kein Auto, aber habe auf die anderen 75% doch sicher auch Einfluss oder? Online bekomme ich viele Ergebnisse zur Landwirtschaft etc. Vllt könnt ihr diesen Sachverhalt Mal klären? Das wäre toll! Viele Grüße!!

    • Nach den IPCC-Zahlen (weltweit, und nicht spezifisch für D) verursacht Verkehr und Transport 14% der jährlichen Treibhausgase, Strom- und Wärmeerzeugung 23%, andere Energieerzuegung knapp 10%, Landwirtschaft 24%, Industrie 21%, plus diverse kleinere Bereiche.

      z.B. Grafik auf S. 47 in
      Pachauri, R. K.; Mayer, L. (Hrsg.) (2015): Climate change 2014: synthesis report. Geneva, Switzerland: Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC. http://ar5-syr.ipcc.ch/ipcc/ipcc/resources/pdf/IPCC_SynthesisReport.pdf

  70. hi,
    ich bin der meinung, dass es stickoxid heißt und nicht oxyd, genauso wie es mikro und nicht m[ü/y]kro heißt, auch wenn dieses griechische u von us[mikrosekunde] my heißt.

    steuern auf den co2 ausstoß geht in die richtige richtung aber man sollte da eher auf wissenschaftlicher basis den schadstoffausstoß besteuern. weil wenn ich nur co2 besteuer kann ich einen motor bauen der weniger co2 ausstößt, dann aber mehr NOx oder irgendetwas anderes giftiges oder klimaschädliches.

  71. Liebes Lage-Team,
    ich war gestern in Essen mit dabei und fand eure Antwort auf die Frage, warum ihr bei der Umweltdebatte den Aspekt Konsum tierischer Produkte so wenig Aufmerksamkeit schenkt, etwas schwierig. Ich wollte mich aber erst mal schlau machen, bevor ich da mit irgendwelchem Halbwissen um die Ecke komme.
    Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN ist der Viehsektor global gesehen eine der Hauptproduzenten von klimaschädlichen Gasen. Ein Artikel aus dem Guardian bezieht sich auf eine Studie, nach der der persönliche ökologische Fußabdruck allein durch den Verzicht auf Rindfleisch mehr gesenkt werden könnte, als durch den Verzicht auf Autos. Außerdem verweist der Artikel auf eine weitere Studie, nach der eine vegane Lebensweise den täglichen CO2-Ausstoß der Ernährung um mehr als die Hälfte reduziert (von 7,2 kg auf 2,9 kg). Auch in anderen Quellen habe ich gefunden, dass durch eine vegetarische oder vegane Ernährung der ökologische Fußabdruck signifikant gesenkt wird, die Prozentangaben unterscheiden sich jedoch je nach dem, von wem die Information stammt, aber auf jeden Fall besteht hier ein Zusammenhang.
    Also ich möchte damit auf keinen Fall jemanden bekehren oder so, aber ich finde, dass man den Einfluss des Fleischkonsum auf den Klimawandel nicht als unbedeutend abtun kann.

    Hier der Guardian Artikel: https://www.theguardian.com/environment/2014/jul/21/giving-up-beef-reduce-carbon-footprint-more-than-cars
    und die Studio der FAO (die ist zwar schon von 2006, aber denke da hat sich jetzt nicht viel getan, ist wenn dann noch schlimmer geworden) http://www.europarl.europa.eu/climatechange/doc/FAO%20report%20executive%20summary.pdf

    Liebe Grüße
    Pauline

    • Meine 2 Cents dazu, wobei mich der Standpunkt des Lage-Teams auch interessieren würde.

      Es ist völlig unstrittig, daß Fleisch essen eine erhebliche Auswirkung auf den Klimawandel hat. Jeder CO2-Fußabdruck-Rechner hat ein entsprechendes Eingabefeld, wo man die Ernährung eingibt (entweder grob nach Allesesser/vegetarisch/vegan oder bis runter auf wie häufig man pro Woche Fleisch verzehrt).

      Dass die Frage nach tierischer Ernährung im Vergleich zum Autofahren so wenig im Vordergrund steht, liegt m.E. daran, daß Diskussionen über dieses Thema oft sehr unsachlich verlaufen (Stichwort “Veggie-Day”), es ist bei vielen sehr emotional besetzt und man hält die eigene Ernährung eher für ein privates Ding, das niemanden etwas angeht – die Idee, daß man damit auch ein Stück weit Verantwortung hat, ist den meisten noch fremd. Daher wird es auch nicht so gern angesprochen.

      Und auf der anderen Seite ist das Konzept, daß jeder ein Auto hat, und jeden Tag überall damit hinfährt, schon so umfassend und offensichtlich auf so vielen Ebenen gescheitert, daß es viel leichter fällt, das in Frage zu stellen (auch wenn es in dem Bereich ebenfalls noch viel Besitzstandswahrung und entsprechend unsachliche Reaktionen gibt).

      Ich rechne damit, daß sich die Diskussion um Ernährungsformen im Laufe der Zeit weiter versachlicht (ich ernähre mich seit den frühen 90ern vegetarisch, und seitdem hat sich wirklich schon sehr viel verbessert), und dabei auch im Rahmen der Klimawandel-Diskussion mehr in den Vordergrund rücken wird.

    • Ich war beim Hören der Folge auch völlig ungläubig als die Stellungnahme gehört habe, dass Fleischkonsum zu vernachlässigen sei und es im Vergleich zum Thema Verkehr und Heizen nicht ins Gewicht falle.
      Fleischkonsum ist *mit Abstand* für das Klima der größte Faktor.

      Belege:
      “Animal agriculture is responsible for 18 percent of greenhouse gas emissions, more than the combined exhaust from all transportation.”
      Quelle: “Livestock’s Long Shadow: environmental issues and options”. Food and Agriculture Organization of the United Nations. Rome 2006 [http://www.fao.org/docrep/010/a0701e/a0701e00.HTM]

      “Livestock and their byproducts account for at least 32,000 million tons of carbon dioxide (CO2) per year, or 51% of all worldwide greenhouse gas emissions.”
      Quelle: Hyner, Christopher. “A Leading Cause of Everything: One Industry That Is Destroying Our Planet and Our Ability to Thrive on It”. Georgetown Environmental Law Review. October 23, 2015. [https://gelr.org/2015/10/23/a-leading-cause-of-everything-one-industry-that-is-destroying-our-planet-and-our-ability-to-thrive-on-it-georgetown-environmental-law-review/]

      “Livestock is responsible for 65% of all human-related emissions of nitrous oxide – a greenhouse gas with 296 times the global warming potential of carbon dioxide, and which stays in the atmosphere for 150 years.”
      Quelle: “Emissions of Greenhouse Gases in the United States”. U.S. Energy Information Administration. March 31, 2011 [https://www.eia.gov/environment/emissions/ghg_report/ghg_nitrous.php]

      Und so weiter. Es gibt dazu endlose Studien. Wenn es um das Erreichen der Klimaziele geht reicht es nicht nur auf die Politik zu schimpfen und auf die anderen zu zeigen, sondern jeder muss beim eigenen Handeln beginnen auch wenn das unbequemer ist.

    • Laut einem etwas älteren IPCC-Bericht [1] beläuft sich die Treibhausgasbilanz der produktion tierischer Produkte auf 14% der globalen THG-Emissionen. Neuere, detailliertere Analysen kommen zu deutlich höheren Zahlen, die zumindest deutlich oberhalb von 20% liegen [2], wobei dies noch als eine untere Grenze der Impact-Abschätzung ist – die Schädigung von THG-Senken (etwa Eutrophierung, sauerstoffverarmte Meereszonen, etc), durch Tierfäkalien und den großen Mengen für den Futermittelanbeu verwendeten Kunstdünger sind da nicht berücksichtigt. Senken zu belasten bedeutet aber letztlich, das Carbon Budget zu verringern, d.h. es darf insgesamt weniger ausgestoßen werden. Zugleich ist die Tierproduktion/Tierindustrie der am häufigsten unterschätzte THG-Verursacher wie Bailey et al. 2014 gezeigt haben [3]. Good News: Bewusstein dafür schaffem führt zu immerhin leicht erhöhter Veränderungsbereitschaft, wie sie zeigen konnten

      [1] Pachauri, R. K.; Mayer, L. (Hrsg.) (2015): Climate change 2014: synthesis report. Geneva, Switzerland: Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC.
      http://ar5-syr.ipcc.ch/ipcc/ipcc/resources/pdf/IPCC_SynthesisReport.pdf

      [2] Poore, J.; Nemecek, T. (2018): Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers. Science 360(6392)987–992. doi: 10.1126/science.aaq0216.
      http://science.sciencemag.org/content/360/6392/987

      [3] Bailey, R.; Froggatt, A.; Wellesley, L. (2014): Livestock–Climate Change’s Forgotten Sector. Chatham House.
      https://www.chathamhouse.org/publication/livestock-climate-change-forgotten-sector-global-public-opinion-meat-and-dairy

    • Ich kann für alle Interessierten dieses wunderbare Video von kurzgesagt empfehlen, das die Problematik von tierischen Produkten super zusammenfasst: https://www.youtube.com/watch?v=NxvQPzrg2Wg. Wem eher nach Lesen ist, hier sind alle Quellen aufgeführt: https://sites.google.com/view/kgssourcesmeat/startseite

      Fleisch ist einfach ein hoffnungslos ineffizientes, somit sehr klimaschädliches und auch sonst äußerst problematisches Lebensmittel (Antibiotikaresistenzen/Gesundheit allgemein/moralische Aspekte). Wenn wir schon dabei sind zu sagen, dass ein Kauf eines SUVs keine persönliche, sondern eine politische Entscheidung ist, dann ist es der Konsum von Fleisch erst recht.