LdN112 Merkels Machtschwund, Katholische Priestermissbrauch, Diesel-Gate, Erdogan-Besuch

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Begrüßung

Merkels Machtschwund

Katholische Priestermissbrauch 

Diesel-Gate 

US Supreme Court 

Erdogan-Besuch 

Sponsor

Hausmitteilung 

98 Kommentare

  1. Danke schön für euren Podcast, den ich jede Woche höre und auf den ich mich immer sehr freue. :-)

    Zum Thema der sexualisierten Gewalt in der katholischen Kirche/MHG-Studie:

    Vorweg: Ich bin ständiger Diakon in der katholischen Kirche (Funktionär der Täterorganisation würden das wohl manche Hörer bezeichnen) und beziehe daher Stellung aus der Innenperspektive.

    Zu den Grundlagen der Untersuchung: Die Studie basiert auf mehreren Teilprojekten, neben der Auswertung der Personalakten über Fragebogen gab es Interviews mit Betroffenen und Beschuldigten, es wurden Strafakten gesichtet, Strukturdaten der Bistümer analysiert und mehr. In diesen unterschiedlichen Zugängen liegt eine Stärke der Studie.

    Dennoch stimme ich zu, dass die Studie deutlich an Aussagekraft verliert, indem den Forschern kein Zugang zu den Originalakten gewährt wurde. Und leider führt dieses Vorgehen auch das Bekenntnis ad absurdum, dass es wirklich um Aufklärung geht und die Betroffenen an erster Stelle stehen sollen. Die Kirche will sich nicht in die Karten schauen lassen und der Schutz der Institution wird höher bewertet als das Informationsinteresse der Betroffenen und der Öffentlichkeit. Es wird mit dem Datenschutz argumentiert, hier würde mich die Einschätzung von Ulf als Juristen interessieren – sicher ist es doch möglich, den Forschern im Rahmen einer eng umfassten Studie vertraulichen Zugang zu den Personalakten zu gewähren, oder? Es würde auch den (vermutlich berechtigten) Verdacht entkräften, dass Akten zurückgehalten werden.

    Ihr verweist vor allem auf den Zölibat und den Umgang mit Homosexualität, sowie die rigide Sexualmoral als Ursachen der sexualisierten Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen. Ich halte das für zutreffend. Die wesentlich niedrigere Quote der Übergriffe durch Diakone lässt auf Ursachen im Zölibat schließen, der hohe Anteil männlicher Betroffener auf die Homosexualität, das niedrige Durchschnittsalter der Betroffenen im um Zeitpunkt des ersten Missbrauchs (12 Jahre) auf pädophile Veranlagung von Beschuldigten.

    Und doch meine ich, das Problem ist leider noch viel weitreichender. In der Studie werden drei Tätergruppen ausgemacht: (1) Kleriker, die ihre pädophile Neigung ausleben, (2) Kleriker, die in ihrer sexuellen Entwicklung und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unreif sind und einer Auseinandersetzung im Zölibat aus dem Weg gehen (sie wären auch nicht zu reifen Partnerschaften in der Lage), (3) Kleriker, die Macht in narzistischer Weise missbrauchen.

    Der Ebene des Machtmissbrauchs und des Klerikalismus halte ich für zentral in der Suche nach der Ursache von Missbrauch. Der Zölibat ist nicht nur eine Unterdrückung eines menschlichen Grundtriebs, er liefert die Priester auch an die Institution aus, die in autoritärer Weise über deren Leben verfügen kann – ohne Rücksicht auf soziale Beziehungen und Familie nehmen zu müssen. Priester sind dadurch häufig vereinsamt, vor allem im Alter. Auf der anderen Seite haben Priester häufig eine überhöhte Stellung in der Gemeinde, verfügen über eine unantastbare Autorität. Diese wird teils auch religiös begründet, denn der Priester handelt ja liturgisch an Stelle Christi. Und das macht Missbrauchsgeschehen noch perfider, denn für die katholisch geprägten Betroffenen vertrauen den Priestern zunächst oder wagen sich nicht, seiner Autorität zu widersetzen. Auch in anderen Themenzusammenhängen erfahren Priester kaum Korrektiv, auch nicht seitens der Bistumsleitung. Innerhalb ihrer Gemeinde können sie sehr frei schalten und walten, kritische Rückmeldungen an die Bistumsleitungen werden dort häufig ignoriert.

    Ich denke, dass viele kirchliche Mitarbeiter diese Schwierigkeiten sehen, viele aber aus Bequemlichkeit oder mangels Alternativen das System mittragen. Denn die Stellen sind zum großen Teil gut alimentiert und häufig fehlen berufliche Alternativen, da in der Regel kircheneigene Ausbildungsgänge durchlaufen wurden.

    Falsch ist allerdings die Behauptung, dass es in der evangelischen Kirche ohne Zölibat und mit akzeptierender Grundhaltung zur Homosexualität keine Missbrauchsprobleme gäbe. Die gibt es dort auch. Und Nachwuchs fehlt ihnen auch in den geistlichen Ämtern.

    Gefährlich fände ich es auch, das Beichtgeheimnis aufzuweichen. Das muss geschützt bleiben, ohne wenn und aber. Ein Problem ergibt sich allerdings daraus, wenn Täter sich im Beichtgespräch “entlasten”, ohne dabei Konsequenzen zu ziehen. Dagegen muss der Beichtvater anarbeiten und in dem Zusammenhang müsste es auch Schulung und Reflexion geben.

    Ich kann es nicht mehr ertragen, wie jetzt Bedauern, Entsetzen und Scham zur Schau getragen werden, ohne persönliche und systemische Konsequenzen. Ich würde erwarten, dass endlich Verantwortung übernommen wird – Kleriker sich zu ihren Taten bekennen, Bischöfe zugeben, persönlich Schuld auf sich geladen zu haben durch systematisches Wegschauen und Fördern der klerikalen Strukturen, vielleicht müsste auch der eine oder andere zurücktreten. Und wir brauchen unabhängige Anlaufstellen für die Opfer – keine kirchlich verorteten Missbrauchsbeauftragten. Wer wendet sich denn nach Missbrauchserfahrung an die Täterorganisation? Allein die Vorstellung zeigt, wie wenig hier versucht wurde, die Rolle der Opfer zu verstehen und ernstzunehmen.

    Und die katholische Kirche sollte gerade mal ganz kleine Brötchen backen, wenn es um Fragen der Sexualmoral geht. Da haben wir jede Glaubhaftigkeit eingebüßt. Das muss erst wieder in mühsamer Kleinarbeit und mit großer Demut aufgebaut werden. Die Präventionsarbeit ist ein erster, guter Schritt – gerade in der kirchlichen Jugendarbeit gibt es da inzwischen vorbildliche Konzepte, aber die Aufarbeitung des Missbrauchs und der Abbau klerikalen Strukturen, die das fördern, da sind noch sehr weite Wege zu gehen.

  2. Ich finde eure Analyse der Ursachen für den Missbrauch in der rk Kirche nicht überzeugend. Wenn es keinen Zölibat und eine andere Einstellung zu Homosexualität gäbe, würden denn Pädophile sich an Erwachsene und Einwilligungsfähige wenden? Ich denke, die Frage macht klar, dass Kindesmissbrauch mehr mit Missbrauch von Macht zu tun hat als mit Sexualität. Es geht also um die Machtstellung der Priester und Bischöfe. Natürlich ist wahr, dass eine zölibatäre Organisation Menschen anzieht, die mit ihrer eigenen Sexualität nicht klarkommen und entsprechende Situationen nicht wirklich deuten und beherrschen können. Insofern ist hier Änderung sicher nötig, aber gegen Pädophilie hilft das nicht. Übrigens müsste rk Kirche dann auch ihr Verständnis von Scheidung ändern – das Beispiel der ev Kirche zeigt, dass Scheidungen auch im Pfarrberuf vorkommen – nicht öfter als im Durchschnitt der Bevölkerung, aber ebenso. Wenn Scheidung zur Exkommunikation führt – was dann mit verheirateten Priestern machen?
    Was wirklich ein Problem ist Die Kirchliche Rechtsprechung. Ich kann mich in arbeitsrechtlichen Fragen nicht an ein weltliches (und evtl. unabhängiges) Gericht wenden. Natürlich kann der Staat nicht der Kirche (egal welcher) ihre Ordnungen vorschreiben (deswegen ist eure Idee, den Zölibat durch einen Druck der Gesellschaft zu cancels ein wenig naiv), aber nicht erst die Frage des Missbrauches zeigt, wie schwierig diese unabhängige kirchliche Rechtsprechung ist. Das Wort von der “Nichtgeeihlichkeit” führt in evangelischen Kirchen zu Frühverrentungen von PfarrerInnen in Konflikten mit ihren Gemeinden, die aber in der Regel nicht unparteiisch aufgeklärt werden sondern oft nach dem Motto “Den Pfarrer kann man loswerden, die Gemeinde nicht.” Warum soll das eine Doppelung sein?

  3. Hallo, ich möchte nochmal beim Thema Dieselgate einhaken. Mein Eindruck ist, dass die LdN sich hier vielleicht etwas zu schnell auf die verbreitete Position begeben hat, dass die meisten Hersteller von Diesel PKWs betrogen haben. Soviel ich weiß, kann man allenfalls VW im Fall von Euro-5-Fahrzeugen dies nachweisen, auch wenn nur das eine sehr kreative Art war, die Tests zu bestehen. Hier sollte man als erstes den Gesetzgeber kritisieren. Aber zu dem Thema wurde oben schon geschrieben.
    Ich würde gern mal den Blick auf das eigentliche Problem lenken, dass einige deutsche Großstädte EU-Grenzwerte zu NOx nicht einhalten. Mit der Argumentation, die Gesundheit aller dort lebenden Menschen ist gefährdet, werden Maßnahmen wie Fahrverbote für bestimmte Autos gefordert. Aber ist die Luft bzgl. NOx in den Städten denn schlechter geworden, sind die Messwerte repräsentativ für die tatsächliche Belastung und sind wirklich Diesel Pkws hier entscheidend? Möglicherweise könnte man hier mal wissenschaftliche Quellen heranziehen.
    Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Autonarr und kein Verschwörungstheoretiker. Es gibt genügend andere Gründe, den Verkehr in den Städten ökologischer zu gestalten, als eine hysterische Scheindebatte.

    • Liebe LdN,

      Ich habe eine naive Frage, die mir in der Diesel-Gate Debatte bisher nicht schlüssig beantwortet wurde:
      Warum heißt es aus Regierungskreisen, sogar vom Umweltministerium, man habe keine rechtlichen Möglichkeiten, gegen die Machenschaften der Automobilindustrie vorzugehen? (Zitiert zum Beispiel in gestriger Sendung von DLF, Das war der Tag) Warum muss man an deren Kulanz appellieren?
      Wenn ein Betrug in den Abgaswerten nachgewiesen wurde, demnach die faktische Grundlage einer beiderseitige Willenserklärung zwischen Käufer und Automobilhersteller beim Kauf verletzt wurde/nicht übereinstimmt, warum gibt es dann keine rechtlichen Mittel und Wege, diesem Unrecht entgegenzuwirken? Ich habe als Käufer ja schließlich nicht bekommen, wofür ich beschlossen habe, viel Geld auszugeben.

      Lieben Dank für eure Antwort und alles Liebe aus New York,

  4. Hallo alle,
    ich bin über Euren Beitrag zu den Kindesmisshandlungen in der katholischen Kirche sehr irritiert. Da fehlt Ulf eine sachliche Sicht, nur weil eigene Erfahrungen nicht negativ waren. Für Weitblick wäre zB ein Vorgespräch mit einem realen Opfer hilfreich. Dann würde ich mir eine strategische Betrachtung wünschen: warum sind Kirchen überhaupt gegenüber Vereinen privilegiert mittels Kirchensteuer und Beamtung der Pfaffen und Akzeptanz eines “Kirchenrechts”?

    • „Da fehlt Ulf eine sachliche Sicht“

      Was genau war denn aus Deiner Sicht unsachlich?

      • Unsachlich bzw. zynisch ist zu sagen “meine Begegnungen als Kind mit der katholischen Kirche waren unbelastet/positiv” während es Tausende Kinder gibt die in übelster Weise mißbraucht wurden.
        Bei Euch und anderen vermisse ich den Mut die Frage zu diskutieren warum die Kirchen mittels Kirchenrecht privilegiert sind und ob vielleicht diese Privilegien gegenüber Vereinen eine wichtige Ursache für die langandauernden Mißbräuche und Vertuschungen sind.
        (Ich kenne 3 Menschen zwischen 50 und 70 die katholisch als Kinder mißbraucht wurden und immer noch leiden. Das hat meine persönliche Meinung zu dem Thema beeinflusst. )

      • Was daran schlimm sein soll, wenn ich meine eigene Erfahrung schildere, das leuchtet mir nicht ein. Ich finde das unter dem Aspekt der Transparenz eine interessante Information, und ich stelle ja nicht in Frage, was andere erlebt haben.

        Aber zu dem Zusammenhang – worin besteht der denn Deiner Meinung nach?

        An Mut fehlt es uns jedenfalls ganz sicher nicht. Zwar brauchen wir den bei diesem Thema gar nicht, denn was soll uns die Kirche schon anhaben? Aber die Nazis sind schon wesentlich gefährlicher, die wir jede Woche scharf kritisieren.

      • Ich finde es naheliegend, dass zwischen den zahlreichen und üblen Mißbräuchen durch Kleriker und der Existenz des Sonderprivilegs Kirchenrecht ein Zusammenhang besteht, d.h. die Kirchen beanspruchen ein eigenes Rechtssystem mit einer Unabhängigkeit vom Grundgesetz. Beispiele: “Scheidung Hindernisgrund für Anstellung”, “Homosexualität Hindernisgrund für Anstellung”, “Zölibat”, “Nicht-Offenlegung von internen Akten bei konkretem Verdacht auf strafrechlich relevante Vorgänge”
        Wenn die Kirchen wie Vereine stünden, würden Polizei und Staatsanwaltschaft selbstverständlich jeden Kindesmißbrauch, sobald nur ein Verdacht aufkäme, verfolgen.
        Manchmal schelten westliche Politiker andere Länder als “undemokratisch” oder “reaktionär” oder “nicht rechtsstaatlich”, wenn dort Rechtsverletzungen nach religiösen Traditionen verfolgt werden. Die Kritik erscheint mir oft gerechtfertigt aber sind wir in Deutschland unendlich viel besser?

  5. Hallo Ulf,

    ich habe viele der Kommentare hier zum Thema Missbrauch in der Katholischen Kirche gelesen. Mir geht es ähnlich wie anscheinend einigen anderen Hörer*innen: Deine Äußerungen zu diesem Thema ließen mich etwas ratlos zurück und auch mir fehlte die hier in den Kommentaren geforderte “harte Kante”. Ich glaube dieser Eindruck entstand bei vielen, weil du normalerweise ausführliche deine Kenntnisse als Jurist einbringst und damit auch für Laien die rechtliche Lage verständlich machst. Das hat hier gefehlt. Hier mal ein Beispiel aus dem Text:

    Ulf: “Man muss wiederum aber auch da würde ich mal denken, ähm, es ist natürlich eine extrem schwierige Situation, denn ganz ehrlich, wenn du jetzt irgendjemanden in einer neuen Gemeinde ankündigst mit der Ansage: der kommt hier hin, weil er in der alten Gemeinde irgendwie mit Jungs rumgemacht hat…” (29:11)

    Philip unterbricht und sagt, sinngemäß: Ja, aber es gibt kein richtiges Leben im falschen. Wenn die Kirche das schon nicht hinbekommt, diese Straftaten richtig und ehrlich zu verfolgen, dann bist du in diesem Sumpf, in dem es nur falsche Entscheidungen gibt.

    Kaum hat Philip zu ende gesprochen, fällt dir nichts Besseres ein, als darauf hinzuweisen, dass in den USA ja durchaus richtige Entscheidungen gefällt würden. Es gäbe dort nämlich Klöster, die als kirchliche “Endlager” fungierten, für Kleriker, die solche Verbrechen begangen hätten. (30:06).

    Dann, wenige Sätze später, als Philip Marx paraphrasiert, unterbrichst du und zitierst “fairerweise” (30:36) den Wortlaut Marxens. Und ganz zu recht erwidert Philip: “Ja, aber da würde ich sagen: Man muss sie an ihren Taten messen… Worte haben wir jetzt genug gehört.” Und nach 8 Jahren erst hätten die Bischöfe jetzt einen lauwarmen Plan vorgestellt, was sie denn machen wollten. Sie wollten einen “transparenten Gesprächsprozess initiieren mit Experten über den Zölibat und die Sexualmoral der Kirche”.

    Du, Ulf, direkt dazu (31:12): “Das finde ich aber doch im Grunde eine gute Entscheidung, weil es quasi doch das Übel – wenn da dann was bei rauskommt – an der Wurzel packt. Denn wir haben doch gerade schon gesagt, die Sexualmoral … – das sind doch alles anachronistische Bullshit-Ideen, die man ganz, ganz, ganz schnell über Bord werfen muss.”

    Mir scheint, dass Du, Ulf, in diesem Abschnitt (und anderen) als jemand sprichst, der eine progressive Reform der katholischen Kirche von innen möchte. Ich vermute aber, eure Hörer*innen hätten von dir erwartet, dass du die rechtsstaatliche Perspektive auf das ganze Elend einnimmst. Und das tust du nicht. Das Thema hat wahrscheinlich einige komplizierte juristische Aspekte, die zumindest mir unklar sind. Mich, als Atheisten, drängt die Frage: Wenn wir doch in einem so wunderbaren Rechtsstaat leben, wieso wird das nicht systematischer geahndet? Damit stelle ich nicht infrage, ob Einzelfälle, die einer Strafverfolgungsbehörde bekannt werden, verfolgt werden. Sondern wieso eine ganze Organisation damit durchkommt, permanent zu vertuschen. Was ist die Kirche rechtlich für eine Organisation, dass die Staatsanwaltschaften nicht jetzt direkt Hausdurchsuchen durchführen und Beweismittel sichern? Dem Anschein wurden und werden da doch organisiert und massiv Straftaten vertuscht und wahrscheinlich sogar Beweismittel vernichtet. Welchen rechtlichen Rahmen gäbe es dafür, die Kirche härter in die Pflicht zu nehmen? Ab welchem Punkt verwirkt sie ihre Sonderrechte? Gibt es solche überhaupt im Kontext von Straftaten?

    Bei der Lage der Nation freue ich mich normalerweise über Aufklärungen zu dieser Art von Fragen. Die gab’ es zu diesem Thema aber leider nicht. Daher der Stunk, schätze ich.

    Ich hoffe, du empfindest diesen Kommentar als konstruktiv und als aufklärend darüber, warum so viel Unmut über eure Behandlung des Themas herrscht. Das ist jedenfalls meine Intention.

    Viele Grüße ~

    • Danke Jonas, das hilft schon ein wenig weiter.

      Aber sorry, auch Du pickst Dir Stellen heraus, um dich dann an denen hochzuziehen. An anderen Stellen fordern wir doch x-fach, dass (natürlich) staatliche Ermittlungsbehörden solche Verdachtsfälle nicht ignorieren dürfen und die Kirche ihre Leute bitteschön auch anzeigen muss.

      Daher verstehe ich das Problem mancher Leute mit dem Abschnitt nicht: Wir haben eine knappe halbe Stunde lang die Kirche ziemlich zerlegt. Aber ich sehe es auch als unsere Aufgabe an, die komplexe Sachlage von allen Seiten zu beleuchten. Dazu gehört eben auch die schwierige Situation der Institution nicht aus dem Blick zu verlieren. Und wieso “mir nichts besseres einfällt”, als das Beispiel aus den USA zu bringen – was ist denn bitte daran schlecht, wenn die Kirche dort darauf achtet, dass solche Mitarbeiter nichts mehr mit Jungs zu tun haben?

      Das ist eine Kommentarkultur, die uns nicht weiterbringt. Es wird immer Extrempositionen geben, aus deren Sicht die Lage nicht die reine Lehre vertritt. Aber ich sehe nicht, was wir daraus lernen könnten – zumal wenn die Kritik dann noch darauf basiert, wesentliche Aspekte unserer Behandlung eines Themas einfach auszublenden. Beispiel:

      Ich vermute aber, eure Hörer*innen hätten von dir erwartet, dass du die rechtsstaatliche Perspektive auf das ganze Elend einnimmst. Und das tust du nicht. Das Thema hat wahrscheinlich einige komplizierte juristische Aspekte, die zumindest mir unklar sind. Mich, als Atheisten, drängt die Frage: Wenn wir doch in einem so wunderbaren Rechtsstaat leben, wieso wird das nicht systematischer geahndet?

      Darüber reden wir doch! Minutenlang! Wir stellen uns die Frage, warum bisher so wenig ermittelt wurde, und prangern die Kirche dafür an, dass sie bis 2010 oder so kaum angezeigt hat. Und dann machen wir noch deutlich, warum die Ermittlungsbehörden nicht einfach so auf blauen Dunst mal eben alle Personalakten einsammeln können. Und wir fragen uns, ob es bei den Behörden eine Beißhemmung gab und wie das heute wohl sein dürfte. Hast Du die Stelle geskippt oder wie kommst Du darauf zu spekulieren, dass Leute das vermissen könnten?

      Was ist die Kirche rechtlich für eine Organisation, dass die Staatsanwaltschaften nicht jetzt direkt Hausdurchsuchen durchführen und Beweismittel sichern? Dem Anschein wurden und werden da doch organisiert und massiv Straftaten vertuscht und wahrscheinlich sogar Beweismittel vernichtet.

      Das haben wir auch erklärt: Strafverfolgungsbehörden brauchen einen Anfangsverdacht. Ohne Verdacht keine Ermittlung. Wenn Täter, Kirche und Opfer schweigen, dann gibt es eben keine Ermittlungen. So einfach ist das. Und kritisiert haben wir die Kirche auch dafür. Was sollen wir denn sonst noch dazu sagen?

      Ab welchem Punkt verwirkt sie ihre Sonderrechte? Gibt es solche überhaupt im Kontext von Straftaten?

      Auch das ist Thema: nein, es gibt keine Sonderrechte, aber es gibt (aus guten Gründen) ein Beichtgeheimnis.

      Das ist mein Problem: Hier kommentieren immer mehr Leute, die einfach nicht zugehört haben und dann etwas schreiben, was mit unserer Folge entweder gar nichts zu tun hat oder sie nur sehr selektiv wahrnimmt. So kommen wir nicht weiter. Wir können dann nur ellenlang kommentieren, was wir in der Lage eh schon gesagt haben, oder die Kommentare einfach löschen. Das macht so keinen Spaß, kostet irre viel Zeit, bringt die Diskussion nicht voran und bietet insbesondere auch null Mehrwert gegenüber der Lage.

      Echt mal, wir machen genug echte Fehler. Hängt euch doch bitte an denen auf statt an aus dem Kontext gerissenen Zitaten.

  6. Themenvorschlag:

    In Hessen wird gleichzeitig mit der Landtagswahl über eine Reihe von Verfassungsänderungen abgestimmt. Ich könnte mir vorstellen, dass zwei davon vielleicht von Interesse für “Die Lage” sein könnten, da sie sich mit Datenschutz und digitaler Infrastruktur beschäftigen:
    https://www.verfassung-hessen.de/f%C3%B6rderung-der-infrastruktur
    https://www.verfassung-hessen.de/datenschutz-in-die-verfassung

    Ist natürlich vielleicht auch zu regional.

  7. Thema Bundesverfassungsgericht: Ist es nicht auch in Deutschland so, dass die Richterernennung per Gesetz (und nicht per Verfassung) geregelt ist? Das hieße dann, dass eine Regierungspartei zwar eine 2/3 Mehrheit braucht, um einen Richter zu ernennen, aber eine einfache Mehrheit, um den Ernennungsprozess zu ändern. Kann sie dann nicht doch einfach alle Richter austauschen, in dem sie den Ernennungsprozess ändert?

  8. Hallo,
    immer wieder, auch hier, lese/höre ich, dass eine Niederlage bei den Wahlen in Bayern das politische Ende von Horst Seehofer bedeuten würde.. das gilt aber nicht zwingend für die Bundespolitik, richtig?
    Auch wenn er das “Opfer” bei der Aufarbeitung der CSU einer möglichen Wahlniederlage sein sollte, hat das ja nicht automatisch Auswirkungen auf seine Rolle als Innenminister. Sofern er nicht selbst zurücktritt, bleibt er im Amt.. die Niederlage auf Landesebene könnte die Bundeskanzlerin ja kaum als Rechtfertigung für eine Entlassung nutzen…

    • Du hast völlig recht, dass es keinen (gar rechtlichen) Automatismus gibt. So würde ich diese Äußerungen auch nicht verstehen. Allerdings ist auch in diesem Kontext wieder einmal die Differenzierung zwischen der verfassungsrechtlichen und der verfassungspolitischen Ebene zu betrachten.
      Auf letzterer ist es nach allgemeiner Ansicht sehr wahrscheinlich, dass Horst Seehofer nach einer für die CSU enttäuschenden Landtagswahl den Rückhalt der CSU(-Basis) als Vorsitzender verliert. Folge in diesem Zusammenhang: Ein Bundesminister der CSU, dem die eigene Partei de facto das Vertrauen entzogen hat, wird diese Funktion als Minister nicht weiter ausüben (wollen). Konkret wird in dieser Konstellation wohl intern eine einvernehmliche Lösung gefunden, auf welche hin, Horst Seehofer dann zurücktritt. (Freilich gemäß den Vorgaben, die GG, GOBReg etc. bereithalten)

  9. An dieser Stelle ein nicht-episodenbezogener Hinweis: Vor etlichen Folgen (schätzungsweise im Frühjahr 2018) habt Ihr m.W.n. eine spannende Entscheidung des LG Köln besprochen, die sich mit dem Streit um die Website “wir-sind-afd.de” auseinandersetzte. Im Nachgang hierzu hat nun das OLG Köln entschieden.

    Darin hat es sich der Entscheidung der Vorinstanz angeschlossen. Eine Revision zum BGH wurde nicht zugelassen, da die strittige Frage bezüglich der “Namensverwirrung” hinsichtlich der Urheberschaft der Inhalte bereits höchstrichterlich entschieden wurde.

    Wenn ich mich recht erinnere, habt ihr bereits die Entscheidung der Vorinstanz – m.E. zurecht – kritisch betrachtet. Ich kenne die Entscheidung des OLG noch nicht im Volltext, aber vielleicht bietet es sich für Euch an sich auch dieser nachgehenden Entscheidung einmal anzunehmen.

    Link:
    https://rsw.beck.de/aktuell/meldung/olg-koeln-afd-kritischer-blogger-darf-domain-www.wir-sind-afd.de-nicht-nutzen

  10. Ich möchte hier gerne einmal eine gewagte These und Metapher in dem Raum stellen und würde mich über eine sinnvolle Diskussion freuen.
    Wie wir alle Wissen, sind Menschen bereit für Sachen Geld bzw andere Wertgegenstände aufgeben um etwas einfacher zu erreichen. Man sieht dies heutzutage mit Spotify und anderen Diensten. Viele geben Geld aus um einfacher an Musik zu kommen, torrents sind zwar billiger aber aufwendiger.
    Nun wende ich diese Erkenntnis einmal auf die Flüchtlingskrise an: Wieso machen wir es nicht so einfach wie möglich für Leute die Schutz brauchen zu uns zu kommen, dies Verbinden wir aber mit härteren Regeln.
    Einfachermachen: Das schwerste an dem nach Deutschland kommen ist das Mittelmeer und der Weg über die Türkei mit Schleppern. Auch wenn es heutzutage unmöglich scheint, so sehe ich die Chance am besten, Aufnahmelager in Nordafrika zu erstellen, dort die Entscheidung zu treffen und Flüchtlinge sicher in Schiffen zu uns zu bringen, sollten sie alle Kriterien erfüllen. Mit der starken Außenpolitischen Macht und finanziellen Mittel der EU wird es sicher Wege geben dies herbeizuführen. Auch würde dies es leichter machen, Flüchtlinge gleichmäßig in der EU zu verteilen, registrieren und zur Rechenschaft zu ziehen. Unser jetziges Problem ist, das ein Zurückschicken an unseren Grenzen (Völker)rechtswidrig ist.
    Regeln: Nachweisen von Deutschlernen und Kurse in Kultur und vor allem im Umgang mit dem anderen Geschlecht (So weit ich weiß ist das in Finnland schon so). Weitere Aspekte könnten eine Schul/Ausbildungsplicht beinhalten.

  11. Hallo ihr beiden
    Ich schätze euren Podcast sehr und bin schon länger dankbare_r Hörer_in.
    Vermutlich bin ich deshalb so erzürnt über eure Berichterstattung zur Studie über die Gewalt in der katholischen Kirche.
    Das Zölibatgebot und sexuelle Neigungen für die Straftat des sogenannten sexuellen Missbrauchs anzuführen, ist an Ignoranz für alles was Betroffene des Betroffenenrats des UBSKM und die Aufarbeitungskommission bisher dazu erarbeitet haben, kaum zu überbieten.
    Es ist mitnichten so, dass unterdrückte (Im Fall der kath Kirche sogar gewaltvoll unterdrückte) Sexualität zu sexualisierter Gewalt führt. Es ist außerdem auch nicht so, dass Gewalterfahrungen zu Gewalttäter_innenschaft führt. Gewalt führt zu Gewalt. Die Kirche als Institution ist ein Gewaltapparat.

    Ich mache euch das zum Vorwurf. Ihr hättet euch besser damit befassen müssen. Hättet euch sehr gerne mal mit den Betroffenen die dazu hart und reflektiert arbeiten auseinandersetzen müssen.

    Es ist übrigens auch nicht so, dass die evangelische Kirche frei von dieser Gewalt ist. Auch das hätte ein kurzer Blick auf die Arbeiten des UBSKM und des Betroffenenrats für euch klar gemacht.

    Bitte vermischt Sexualität nicht mit Gewalt und Straftaten.
    Bitte reflektiert eure Sprachführung. Phillip sagt später sinngemäß beim Thema des amerikanischen Richters eine Person, “will (sexualisierte Gewalt) durch den Richter erlebt haben”. Wollte Phillip hoer wirklich sagen, dass da jemand gerne Gewalt erfahren haben WILL?
    Das glaub ich mal nicht.

    Wär toll wenn ihr euch dazu nochmal positioniert und in Zukunft Betroffene dazuholt.

    • Zwei Bitten:

      – einmal durchatmen, ehe Du hier so austeilst, wir machen die Lage in unserer Freizeit, und es ist völlig egal was wir sagen, irgendwer regt sich immer auf

      – Belege für Deine Thesen anführen – es hat niemand etwas davon, dass “Hannah” etwas für richtig oder falsch hält

      Merci!

    • Hallo Hannah, da sind jetzt wirklich eine Menge persönliche Meinungen und Ansichten drin. Gleichzeitig verlangst Du von den Autoren Sachen die unglaublich viel Aufwand erfordern. (In Zukunft Betroffene dazu holen). Ich finde es auch wichtig das Du Belege lieferst. Das sollte man hinbekommen wenn man Anschuldigen macht und das hilft allen weiter. Bitte reflektiere Deine Sprachführung auch noch einmal, (Du hattest das ja von den Autoren ebenfalls verlangt, es würde Dir auch ganz gut tun )

  12. Ich bin sehr auf den Schwerpunkt zur Diesel-Problematik in der nächsten Folge gespannt. Es gibt in der ganzen Debatte einen Punkt, der mir auch nach vielen Artikeln, Sendungen usw. noch nicht klar ist.
    Es wird die ganze Zeit scheinbar als gegeben vorausgesetzt, dass sämtliche Diesel manipuliert sind und viel höhere Emissionen ausstoßen als sie dürften. Das ist sicher für diesen EA189-Motor von VW und einige andere zutreffend, aber doch sicher nicht für alle? Was ist denn mit Fahrzeugen, die die damals geltenden Grenzwerte (Euro 4, Euro 5) tatsächlich einhalten? Mit welcher Begründung können diesen denn Fahrverbote oder Nachrüstungen auferlegt werden?
    Wenn man z. B. Anfang 2015 einen neuen, unmanipulierten PKW mit Diesel nach der damals aktuellen Euro-5-Norm gekauft hat, kann man doch nicht drei Jahre später verlangen, diesen gegen einen Neuwagen mit Euro 6 auszutauschen. Was passiert, wenn sich in ein paar Jahren herausstellt, dass die Stickoxid-Belastungen immer noch zu hoch sind, müssen dann alle Euro 6 ebenfalls umgetauscht werden?
    Oder habe ich etwas Entscheidendes bisher überlesen? Sind tatsächlich ausnahmslos alle Diesel als “betrügerisch” anzusehen?

    Vielleicht kann ja auch schon einer der hier Kommentierenden aufklären, ansonsten freue ich mich auf Erhellendes in der nächsten Sendung.

    • Das Problem sehe ich auch. Nach meinem Verständnis entsprachen doch viele Diesel der jeweils gültigen Rechtslage. Genutzte Ausnahmen – Abschaltung der Reinigung bei bestimmten Temperaturen etc. – waren ebenfalls konform mit den Vorgaben. (über deren Sinnhaftigkeit man sicher streiten kann.)

      Dass jetzt in bestimmten Regionen Richtwerte gerissen werden, liegt doch auch daran, dass diese nachträglich angepasst wurden und dann das Verkehrsaufkommen und die Anzahl älterer Diesel dazu nicht mehr gepasst hat.

      D.h. in meiner – sicher sehr vereinfachten – Sicht – haben die Hersteller zu großen Teilen regelkonforme Fahrzeuge verkauft, sollen jetzt aber dazu verpflichtet werden diese nachträglich auf eigene Kosten an geänderte Vorgaben anzupassen.

      Aber ist das nicht ein Versagen des Gesetzgebers? Denn entweder hätte man die Richtwerte langsamer senken können oder ehrlich sagen müssen, dass man eben ältere Fahrzeuge nicht mehr in bestimmten Regionen haben will und kann – mit allen Konsequenzen?

      Jetzt den “Schwarzen Peter” allein der Industrie zuzuschieben, finde ich problematisch. Auch weil es gegen mein Rechtsempfinden verstößt, dass ich Gesetze einhalte und am Ende doch bestraft werde.

      • “Das Problem sehe ich auch. Nach meinem Verständnis entsprachen doch viele Diesel der jeweils gültigen Rechtslage. Genutzte Ausnahmen – Abschaltung der Reinigung bei bestimmten Temperaturen etc. – waren ebenfalls konform mit den Vorgaben. (über deren Sinnhaftigkeit man sicher streiten kann.)”

        Darüber bin ich jetzt gestolpert. War es nicht viel eher so, dass sehr viele Diesel-Modelle (unter anderem die mit dem oben genannten EA189-Motor) eine Abschalteinrichtung für die Abgasreinigung eingebaut haben, die definitiv nicht Recht und Gesetzt entspricht? Die also auf dem Prüfstand die gültigen Grenzwerte einhält, diese aber im realen Farbetrieb dauerhaft reißt, weil halt gar keine Abgase mehr gereinigt werden. (Die Abschalteinrichtungen nach Temperaturfenstern gab es definitiv auch (unter anderem Opel) und ist rechtlich gesehen glaub ich auch anders zu bewerten.)

        Der Spiegel-Titel aus dem Sommer 2017 (“Das Kartell”) hat diese Thematik, wenn ich mich richtig erinnere sehr gut aufgegriffen und auch die Hintergründe wie das alles zustande kam, sehr gut aufgedröselt.

        Ich hoffe ich habe jetzt keinen Quatsch erzählt / bitte natürlich um Berichtigungen falls doch.

        An Philipp & Ulf: Großartig, weiter so. Vielen Dank das ihr das Thema Katholische Kirche/Missbrauch in selbiger behandelt habt.

      • Christoph wirft hier eine Frage auf, die für mich als Entwicklungsingenieur tatsächlich noch nicht ganz geklärt ist. Nämlich auf welcher Grundlage man eigentlich den Betrugsvorwurf gegen die “Schummel”-Diesel festmacht. Die Argumentation während der Entwicklung der Motoren läuft ja ungefähr so: Um die Fahrzeuge in D zulassen zu dürfen, müssen gesetzliche Abgasgrenzwerte eingehalten werden. Diese werden zur Vergleichbarkeit unter definierten Randbedingungen, also einem Belastungszyklus auf einem Rollenprüfstand, ermittelt. Fahrzeuge die unter diesen Randbedingungen die Grenzwerte einhalten sind zulassungsfähig und damit gesetzeskonform. Also haben die Entwickler einen technisch cleveren aber moralisch fragwürdigen Weg gefunden die Einhaltung der Grenzwerte auf dem Prüfstand sicherzustellen.
        Aus Ingenieursicht ist völlig klar, dass die Messumgebung in keinem Fall etwas mit realen Randbedingungen zu tun hat und man deshalb auch nicht erwarten kann, dass ein Systemverhalten in der Meßumgebung auf die Realität übertragbar ist. Das geht niemals. Vielleicht zwei Beispiele: Es war auch bisher so, dass die in genormten Zyklen ermittelten Spritverbräuche überhaupt gar nichts mit der Realität zu tun hatten und auch hier war seit Jahren bekannt, dass die Motorsteuerungen genau auf diese Normbedingungen hin optimiert wurden. Hat es jemanden gestört? Noch extremer, für Mobiltelefone gibt es auch verschiedene Normen um z.B. das Verhalten beim Runterfallen zu prüfen. Typischerweise fordern die Normen hier bei Fallhöhen um einen Meter ein Überleben von 90% der “Kandidaten”. Warum wird den Handyherstellern nicht Betrug unterstellt, wenn die Handys bei Stürzen aus z.B. 1,30 Meter kaputtgehen? Technisch ist das m.M.n nichts anderes als beim Diesel – Randbedingungen ungleich Prüfbedingung, d.h. System muss sich nicht wie gefordert verhalten.
        Vielleicht kann uns ja jemand der etwas tiefer da drin steckt die Argumentation darstellen, warum die Fahrzeuge jetzt plötzlich nicht mehr zulassungsfähig sein sollen?

  13. Warum sollte die Polizei nicht mal durch kirchliche Personalakten pflügen, sie hat ja auch kein Problem (zumindest hier in meinem bayrischen Umfeld) bei “allgemeinen Verkehrskontrollen” eine starke Präferenz für Menschen dunklerer Haut oder Rastafrisuren zu haben. SCNR

    • Das problem wird sein, das kein Richter dafür einen Durchsuchungsbefehl ausgeben wird. Die Kirche wird nicht als Firma, sondern fast überirdische, unantastbare Organisation betrachtet. Ich bin vollkommen deiner Meinung, das sollte man tun, mach mir aber keine Hoffnungen.

      • Hast Du für diese haarsträubende These – immerhin wirfst Du mal eben tausenden Ermittlungsrichter*innen in Deutschland die Bereitschaft zur Rechtsbeugung vor, also zu einem Verbrechen – auch nur den geringsten Anhaltspunkt? oder wenigstens ein Fallbeispiel?

        Leute, ihr müsst echt mal runterkommen. In den letzten Wochen häufen sich hier gefühlte Wahrheiten bis hin zu Fake News in einem besorgniserregenden Maße. Misstraut eurem Bauchgefühl! Erst Hirn einschalten, dann tippen!

      • Ich finde die Nachfrage tatsächlich berechtigt.

        Ihr habt in der Lage selbst erwähnt, dass die Studie zu den Vorfällen von einer hohen Dunkelziffer ausgeht. Desweiteren wurde bestätigt das nur ausgewählte Akteneinsicht gestattet wurde.

        Jetzt ist aus meiner Sicht damit schon der Verdacht nahe liegend, dass die Kirche als Institution, aber mindestens einige Funktionäre, möglicherweise Straftaten decken.

        Daraus lässt sich schon die Frage ableiten warum Ermittlungsbehörden jetzt nicht Unterlagen beschlagnahmen und versuchen diese Taten zu ermitteln.

      • Darum ging es aber in dem Kommentar nicht. Der Kommentar hat ohne auch nur den geringsten Anhaltspunkt zu nennen schwerwiegende Vorwürfe gegen Ermittlungsrichter erhoben. Das ist schlicht und ergreifend Unsinn.

        Wenn überhaupt müsste man Vorwürfe gegen Polizei und Staatsanwaltschaften erheben, denn zunächst einmal sind die am Zug, ehe ein Fall überhaupt auf dem Tisch des Ermittlungsrichters landet. Aber wir haben in der Lage bereits besprochen, warum auch die Ermittlungsbehörden nicht so einfach los marschieren können: die brauchen immer zumindest einen Anfangsverdacht gegen konkrete Personen. Man kann doch jetzt nicht hingehen und wahllos sämtliche Personalakten aller Priester beschlagnahmen, um zu schauen, ob dort möglicherweise Anhaltspunkte für Straftaten zu finden sind.

        Ich würde mich wirklich freuen, wenn ihr euch die Lage erst einmal anhört, bevor ihr steile Thesen wie diese äußert. Das haben wir doch alles in der aktuellen Folge schon diskutiert.

      • @Ulf
        Ich verstehe dein Unverständnis über meinen Kommentar. Auch ist verständlich das es so scheint als käme es aus dem Bauchgefühl, da ich alles so schlecht begründet habe.
        Er war zu kurz und einfach für meine starke These, dafür entschuldige ich mich. Ich will diesen etwas unterfüttern. Ich bin stolz auf unser Rechtssystem, das Grundgesetz, die Meinungsfreiheit und die Gewaltenteilung in unserem Land. Ich stelle niemanden in der Judikativen unter Generalverdacht, willentlich etwas gegen den Rechtsstaat oder zur Beihilfe von Verbrechen zu veranstalten. Ich war auch Messdiener, zwar nicht in Deutschland, und hatte nie schlechte Erfahrungen. Das Gegenteil war der Fall, ich hatte mich fast darauf gefreut die Glocken läuten zu dürfen. In retrospekt habe ich die Kirche immer als unfehlbar und perfekt angesehen. Ich habe die These “überirdische, unantastbare Organisation” auf mich selber und meinen Freundes- und Familienkreis damals bezogen. Hätte mir mein Freund damals erzählt der Pastor hätte ihn vergewaltigt würde ich dies nicht weitererzählen, nicht weil ich den Pastor schützen will, sondern weil ich ihm nicht Glauben würde.
        Dies ist heute nicht mehr so, und natürlich sind auch Staatsangestellte nicht naiv, doch innerlich sehen die meisten die Kirche höher an. Ich bin nicht mehr gläubig und sogar aus der Kirche ausgetreten, doch auf mich trifft dies auch noch zu.

        Wie @NadineK gesagt hat, geht es vor allem um die Dunkelziffer und deren Abstammung. Das liegt nicht nur an den Richtern, sondern an dem “langen Weg der Anklage”, von Opfer bis zum Richter. Als #metoo entstand konnte ich (21,m) mich nicht in die Rolle des Opfers hineinversetzen. Deshalb las ich vor allem Studien von Doktoren die mit posttraumatischen Situationen, vor allem von Opfer der Vergewaltigung zu tun hatten. Ein Buch was mir im Kopf blieb hieß “Cognitive Processing Therapy for Rape Victims: A Treatment Manual”, praktisch ein Handbuch für Ärzte die Opfer behandeln. Dies zeigt vor allem wie wenig Personen den Täter anklagen, vor allem wenn es um Leute geht die sie kennen (Seite 3). Deshalb sind Scenarios leicht vorzustellen wo Opfer unterdrückt werden gegen die Gemeinschaft der Kirche auszusagen, oder sie wollen sie nicht zerstören. Auch suchen viele den Fehler bei sich, nicht dem Täter.

        Dies könnte erkläre, wieso die Dunkelziffer so hoch ist. Obwohl dies nur ein kleiner Faktor ist, ist ein Mensch nicht perfekt und Irrationalität wir eine Rolle spielen, auch bei Staatsangestellten.

        Zu dem Aspekt des “progressiven Papstes” empfehle ich https://www.nytimes.com/2018/08/28/podcasts/the-daily/pope-francis-vigano-sexual-abuse.html ein podcast der NYT indem sie erklären wie wenig Macht der Papst eigentlich hat und unter wie viel Druck er steht.

        Ich hoffe ich konnte meine These näher erläutern, doch ich hoffe trotzdem nochmal von @Ulf zu hören. Da du ja auch in der Kirche aktiv Tätig warst, würdest du die Kirche an einen anderen Maßstab wie zB. eine Firma halten ?

        ps. dein Kommentar zu fake news traf mich hart, da ich aktiv versuche dagegen zu kämpfen und nur der Gedanke das ich das Unterstütze ärgert mich.
        pps. sry für die Länge

      • Danke Flo für die Erläuterungen.

        Ich meinte übrigens nicht Deinen Kommentar mit den Fake News. Du hast ja eine Meinung geäußert, die ich zwar bedenklich finde, aber es ist keine falsche Tatsachenbehauptung.

        Aber generell geht es hier in den Kommentaren in den letzten paar Wochen ganz schön zur Sache; wir müssen uns ständig wegen irgendwas rechtfertigen, was wir nie gesagt haben … das fängt langsam an zu nerven. Daher mein Appell für ein wenig mehr Sachlichkeit (und die Lage-Folgen bitte einfach noch einmal hören, ehe man uns trasht).

  14. Bei der Berufung von Kavanaugh ist euch beiden die Darstellung doch etwas viel entglitten. Ihr unterstellt ihm einfach diese Taten und stellt nicht einmal die Frage, was wohl wäre, wenn die Anschuldigungen nicht stimmten. Mich würde mal interessieren, wie Ulf zB mit so einem Vorwurf umgehen würde. Wie soll man sich dagegen eigentlich wehren, ohne dass das nicht “entstellend” und emotional wirkt.

    Es mag ja journalistisch interessant sein, mit solchen Vorwürfen zu spielen, aber habt Ihr beiden euch mal überlegt, was wäre, wenn hier Kavanaugh das politische Opfer letztlich wäre? Der Kurs der Befragung deutet ja darauf hin, dass er als Person komplett vernichtet werden soll; es ist auch fragwürdig, wie er seine berufliche Laufbahn mit so einer Öffentlichkeit noch weiterführen soll, falls er nicht ernannt werden sollte und weiter als Richter tätig wäre.

    Wie soll er denn solche Anschuldigungen widerlegen, die offenbar erst 30 Jahre später erhoben werden? Es gab kein Verfahren, was seine Schuld rechtsstaatlich festgestellt hätte. Auch jetzige FBI-Ermittlungen könnten das im Übrigen nicht leisten. Es steht letztlich Aussage gegen Aussage, denn Kavanaugh hat die Vorwürfe abgestritten. Die Motivation der Demokraten, Verhinderung und Verspätung der Berufung als letztes Mittel ist ja nun auch mehr als offensichtlich. Man darf sich im Übrigen auch fragen, ob solche Vorwürfe, selbst wenn sie gestimmt haben, überhaupt geeignet sind, heute etwas gegen ihn auszusagen, denn sie wären wohl auch in den USA schon verjährt und sind teilweise sehr niedrigschwellig (zB nackter Mann in Studentenrunde). Der “Verwaltigungsbegriff” in den USA ist sowieso ein anderer und nicht deckungsgleich mit dem deutschen Begriff.

    Im Großen und Ganzen bin ich enttäuscht von der juristischen Darstellung. Im Einspruchspodcast der FAZ wird so eine Thematik wesentlich neutraler und nicht so einseitig dargestellt…

    • Ehrlich gesagt ist aus meiner Sicht inzwischen völlig egal, ob die Vorwürfe stimmen, denn bereits die extrem parteipolitisch gefärbte Verteidigung des Kandidaten macht ihn für ein öffentliches Amt ungeeignet. Wer so argumentiert wie K., der entscheidet nicht mehr nach Recht und Gesetz, sondern nach Parteibuch.

      Aber abgesehen davon: Welche Fakten fehlten denn Deiner Ansicht nach für eine ausgewogene Darstellung? Wir haben doch mit keinem Wort dazu Stellung bezogen, ob die Vorwürfe zutreffen oder nicht.

    • @ Zghuk:
      Wenn Aussage gegen Aussage steht, kommt es auf die Plausibilität und Glaubwürdigkeit der Aussagen an. Ford hat alle an sie gestellten Fragen ausführlich geantwortet, ihre Darstellung von Kavanaughs Verhalten damals wird unabhängig von ihr von mehreren anderen Frauen die ihn zu dieser Zeit kannten im Kern bestätigt und sie nimmt durch den Schritt in die Öffentlichkeit große persönliche Nachteile auf sich. Kavanaugh hingegen antwortet auf Fragen ausweichend, widerspricht sich und behauptet offensichtliche Unwahrheiten; zudem geht es für ihn darum einen unmittelbaren Vorteil zu erlangen. Und das ist unabhängig vom konkreten Fall eines Obersten (oder sonst irgendeines) Richters unwürdig.

      • In eurer Folge seid ihr sehr auf die aggressive Seite Kavanaughs Rede fokussiert (ausser ich habe betreffende Stellen einfach verpasst). Es gab aber auch andere, zwar emotionale aber in dem Fall unangebracht emotionale.
        Zu dem Thema fand ich die heute erschienene Folge von John Oliver ganz gut. Sicher, wer John Olivers Art prinzipiell nicht mag, der wird auch die Folge nicht moegen. Hier ein Link dazu: https://www.youtube.com/watch?v=opi8X9hQ7q8
        Kurz zusammengefasst: Kavanaugh wird fast schon unerklaerlich emotional bei Erzaehlungen ueber seine Studentenzeit und reagiert quasi unverschaemt auf Fragen der Senatoren. Fragen wie ob er jemals einen Filmriss hatte laesst er unbeantwortet und retourniert sie an die fragende Senatorin, ob diese jemals einen Filmriss hatte. Fuer mich ist dieses Verhalten eines Verfassungsrichters (v.a. wenn auf Lebenszeit) unwuerdig.

    • Und man muss sich auch klarmachen worum es geht: Er ist nicht angeklagt und soll ins Gefängnis. Vielmehr will er etwas, nämlich Verfassungsrichter werden. Da sehe ich die Beweislast schon deutlich verschoben.

      Ausserdem geht es ja auch um sowas wie charakterliche Eignung für das Amt. Da haette man vielleicht mit einem “hm, ja, ok, wir waren jung und besoffen. Und die Zeiten waren andere. Aber heute bin ich geläutert und es tut mir ersthaft leid.” wesentlich integrer aus der Sache rausgehen koennen, da haette niemand wirklich etwas sagen koennen (wenn es halbwegs glaubhaft gewesen waere).

  15. Schöner Podcast. Ich freue mich, dass Ihr Euch des Themas Priestermissbrauch so ausführlich angenommen habt.

    Die Aussage, der aktuelle Papst sei progressiv würde ich nicht zustimmen:
    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/papst-franziskus-soll-von-missbrauch-in-chile-gewusst-haben-a-1192055.html
    https://www.merkur.de/politik/psychiater-fuer-homosexuelle-vatikan-rudert-nach-papst-zitat-zurueck-zr-10177065.html
    https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-01/papst-franziskus-verhuetung

    Das sind nun mal drei Beispiele: Franziskus hat einen Mitwisser des Kindesmissbrauchs in Chile verteidigt, er behauptet, Homosexuelle werden am Besten in der Psychiatrie behandelt und er hält am Verbot von Verhütungsmitteln fest trotz der Gefahren von HIV. Es gibt eine ganze Menge mehr an derartig “progressiven” Stanpunkten. Aus einer archaisch mittelalterlichen Kirchenperspektive mag man den Mann progressiv nennen, aus der Sicht eines halbwegs aufgeklärten Menschen ist er das keinesfalls. Hätte mich gefreut, wenn Ihr da nicht den Lobeshymnen gefolgt wärt, die man oft über den Papst liest.

    Eine zweite Sache: In einem Nebensatz habt Ihr einem CDUler, der für mehr Abschiebung eintritt vorgeworfen, er würde sich Thesen vom rechten Rand bedienen. Man sollte denke ich nicht vergessen, dass derartige Thesen vor nicht allzu langer Zeit ein Kernthema in der CDU selbst war, als sie noch in der Opposition saß. (Vergleich Merkels Rede: https://www.youtube.com/watch?v=1XjBPMZiykM) Hätte die Union über das letzte Jahrzehnt keinen harten Linksdrift vollzogen, wäre die AfD nicht die einzige Partei im Bundestag, die derartige Thesen vertritt. Jemand, der das Thema Abschiebung (aus mir persönlich unerfindlichen Gründen) für zentral wichtig hält, hat somit keine Wahl, als AfD zu wählen. Eine Partei, in der Rechtsradikale sitzen. Findet Ihr es nicht wichtig, dass es eine bürgerliche Alternative gibt, die sich der Themen annimmt, auch wenn Ihr (wie ich im Übrigen auch) inhaltlich andere Positionen vertretet?

  16. Lieber Philip und Ulf,
    bezüglich des Themenkomplexes “Hardwarenachrüstung im Dieselskandal” bin ich gespannt auf eure Analyse nächste Woche. Die Divergenz der erstinstanzlichen Rechtsprechung zeigt die Probleme hinsichtlich des Gewährleistungs- und Deliktrechts. Überwiegend sind die schuldrechtlichen Ansprüche auf Rücktritt und/oder Schadensersatz trotz Softwareupdates gerichtet und werden mit teilweise unterschiedlichen Argumenten bejaht oder verneint. Allerdings hat die 3. Zivilkammer des LG Düsseldorf als (meines Wissens) einziges Gericht in zwei Urteilen (LG Düsseldorf, Urteil vom 13. Juli 2017 – 3 O 307/16; LG Düsseldorf, Urteil vom 16. März 2017 – 3 O 152/16) bereits die Möglichkeit von Hardwarenachrüstung in Bezug auf Dieselfahrverbote angesprochen. Aufgrund des gleichen/ähnlichen Wordings mag es sich wohl um denselben Einzelrichter handeln. Meines Erachtens ist hier unter anderem problematisch, ob die Klage zulässig ist (wg. Rechtschutzbedürfnis nur bei betroffenen Eigentümern) und ob der mögliche Sachmangel für den Gewährleistungsanspruch erheblich ist (wenn das Fahrzeug nur “zeitweise” in einer Dieselfahrverbotzone genutzt wird). Deliktische Ansprüche mögen wohl mangels Verschulden ausscheiden. Eine Entscheidung des BGH wäre wünschenswert, ist jedoch nicht zu erwarten. VW wird es nicht riskieren, eine negative Entscheidung zu erhalten. Infolgedessen bleibt nur der politische Kompromiss.
    Viele Grüße Hendrik

  17. Ich glaube, dass der Zusammenhang zwischen Zölibat und sexuellem Missbrauch stark überbewertet wird. Siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Zölibat#Zölibat_und_sexueller_Missbrauch. Warum soll jemand, der pädophile Neigungen hat und nicht davor zurückschreckt, all diese schlimmen Dinge zu tun, dies pötzlich nicht mehr tun, nur weil er einen Lebenspartner hat ? Mag sein, dass die Wahrscheinlichkeit leicht sinkt. Ich denke, dass dort wo die Randbedingungen „günstig“ sind, Abhängigkeitsverhältnisse da sind, und die Gelegenheiten lauern, die Gefahr steigt. Auch außerhalb der katholischen Kirche gibt es grausliche Fälle (z.B. Odenwaldschule, Missbrauch amerikanische Turnerinnen). Ich bin evangelisch und habe mit der katholischen Kirche nichts aber auch gar nichts zu tun.

    • Danke für den Link. Ich stelle mir das eher so vor, dass ein Job, der Ehelosigkeit voraussetzt, verstärkt Männer anzieht, die ohnehin keine Frau heiraten wollen, beispielsweise wegen pädophiler oder homosexueller Empfindungen. Aber ich bin natürlich kein Sexualwissenschaftler und mag mich täuschen.

      • Das ist genau das, was auch jemand wie Eugen Drewermann in seinem Buch “Kleriker” ausführt, dessen Lektüre ich nur empfehlen kann.
        Hier wird dieses strukturelle Problem durch Drewermann ganz klar gemacht.
        Drewermann ist Priester, Theologe und Psychotherapeut.
        Eine sachliche, fachliche Auseinandersetzung mit diesen Erkenntnissen hat nie stattgefunden.
        Drewermann und andere werden seitens der katholischen Kirche als Feinde ausgegrenzt und das war es.

      • Kleine Ergänzung zu vorhin:
        Drewermann spricht hier von eschatologischer Umdeutung.
        EschatologIe ist die Lehre vom Heil und der Erlösung, von den “letzten Dingen”, ein Teilbereich der Theologie.
        Die katholische Kirche bietet Menschen mit bestimmten psychischen Problemen einen vermeintlichen Ausweg an: nämlich, dass man sich einreden kann, die eigenen pathologischen Probleme trügen zum Heil der Welt und zum Reich Gottes bei.
        Diese eschatologische Umdeutung ist es, die das Priesteramt für problematische, gEfährliche Typen so hochattraktiv macht.

  18. Wie Chesterton sagte (gilt denke ich auch für Politikerinnen): “He had about the fundamentals of politics and ethics this curious quality of vagueness, which I have found so often in men holding high responsibilities. For public men all seem to become hazier as they mount higher . . . I think I could say with some truth that politicians have no politics.”

    Was Merkel angeht—und eigentlich auch die ganze SPD—kan man sich fragen, weswegen machen die eigentlich Politik? Kennen die noch den Unterschied zwischen Mittel und Zweck?

  19. Hallo Ihr!
    Erstmal: Vielen Dank für euren Podcast, ich bin ein riesen Fan!
    Ich fand es schade, dass ihr bezüglich der generalisierenden Aussage, dass das Ausleben der Sexualität allen Menschen innewohnt und das Nicht-Ausleben “zutiefst unmenschlich” ist Asexuellen ihre Existenz komplett absprecht.

    • Ich kenne mich mit Asexualität zugegebenermaßen nicht aus, aber natürlich sollen auch Menschen, die so empfinden, nach ihrer Façon glücklich werden. Umso besser, wenn es ihnen möglicherweise besonders leicht fällt, die Vorschriften für katholische Kleriker zu erfüllen.

  20. Tut mir sehr leid, aber euer Beitrag zum Missbrauch in der katholischen Kirche ging mir nicht weit genug. Da wird über kirchliche Maßnahmen gesprochen, bei etwas, bei dem die Strafverfolgung aktiv werden muss. Exkommunikation ist keine Bestrafung nach weltlicher Sicht. Wenn ich in meinem Kleingärtner Verein einen Kindermissbrauchsring habe, ist es keine angemessene Strafe, diesen aus dem Verein auszuschließen oder ihm eine Hütte im Nachbarverein zugewiesen wird. Da müssen weltliche Strafen folgen. Und die katholische Kirche deckt Leute, die Kinder missbrauchen. Folglich müssten die Strafbehörden die katholische Kirche mal hoch nehmen, wie es mit anderen Kindesmissbrauchsringen auch passiert. Es gibt die Akten, in denen diese Personen wahrscheinlich namentlich vermerkt sind, inklusive der Taten. Wie kann es sein, dass keine Strafbehörde diese Akten verlangt und die Täter ausfindig macht. Mir geht es dabei gar nicht um irgendwelche drakonischen Strafen, sondern darum, dass die Gesellschaft geschützt wird und diese Menschen eine entsprechende Therapie erhalten. Die Kirche hat bewiesen, dass sie kein Interesse daran hat, den Missbrauch einzudämmen, also muss die Gesellschaft aktiv werden.

    • Und da ist es passiert… zu schnell einen Kommentar verfasst, bevor man den Beitrag zu Ende gehört hat. Es wird direkt danach darauf eingegangen.

      • und ich wollte dich schon gerade darauf hinweisen das du nicht den Podcast in Teilen sondern ganz anhören solltest. Grad nochmal die Kurve gekriegt ;)

  21. Ich Denke das der Zentrale Punkt in der Katholischen Kirche im Moment einige historisch gewachsene Probleme hochkochen.
    Bei den Zölibat sehe ich als evangelischer das Problem das inzwischen das Wort und somit die Entscheidungen der Päpste offensichtlich unfehlbarer als die Bibel angesehen wird…
    Nach meiner Ansicht wird sich an den Problem in absehbarer Zeit nichts ändern.

    Dagegen kenn ich das so das inzwischen das thema von sexuellen misbrauch vor allem im evangelischen umfeld versucht wurde durch organisationellen weg deutlich zu vermeiden.
    Mit Führungszeugnissen, Vieraugen Prinzip etc…

    Selbst habe ich in Christlichen Kontext zwei mal von situationen mitbekommen an denen es verdachstmomente gegeben hat das in richtung sexueller handlungen womöglich villeicht gegebenenfalls passiert sein könnte…

    Einmal unter jugendlichen Teilnehmern einer Freizeit und das andere mal zwischen einen Mädchen und einen Besucher (Der Security ist aufgefallen das ein Mann aus den Schlafsaal der Mädchen gekommen ist)

    Beide male wurde damit extrem professionell umgegangen…

    Glücklicher weise ist in beiden Fällen nichts passiert Keine Vergwewaltigungen kein Missbrauch.

    Ich wünsche mir das doch diese Offenheit mit den Tatsachen die passiert sind mehr thematisiert wird.
    Leider wird die Bibel an dieser Stelle absurdum geführt indem nicht dem Grundsatz gefolgt wird “Bekennen, Lassen und Hassen”

    • @ Fanjet
      “Bei den Zölibat sehe ich als evangelischer das Problem das inzwischen das Wort und somit die Entscheidungen der Päpste offensichtlich unfehlbarer als die Bibel angesehen wird.”

      Es gibt einen einzigen(!) Fall in dem vom Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit bislang Gebrauch gemacht wurde (Pius XII. im Jahr 1950 bezüglich der Aufnahme Marias in den Himmel). Und nebenbei muss ich als Katholik noch einwenden dass die Bibel sowieso nicht unfehlbar ist, denn sie ist “nur” menschliche Interpretation göttlicher Wahrheit.

      Das Problem mit einer Abschaffung des Zölibats ist, dass die katholische Kirche eine weltumspannende Kirche ist, die nicht regional verschiedene Regeln zulassen kann ohne Gefahr zu laufen auseinanderzubrechen. Und zu den Hauptaufgaben des Papstes gehört es, diese Weltkirche zusammenzuhalten. Nun sind wir in Europa viel schneller was die gesellschaftliche Veränderung angeht als andere Länder, die man aber eben auch “mitnehmen” muss ohne ihnen vor den Kopf zu stossen. Und während nun in Europa eine Abschaffung breit befürwortet wird, würde es in anderen Teilen der Welt eher als eine Katastrophe wahrgenommen werden. Dazwischen muss eine Kompromissform gefunden werden. Papst Franziskus versucht zwar, mehr regionale Verantwortung zuzulassen, hat aber z.B. gerade erst eine Menge Gegenwind bei dem auch maßgeblich aus Deutschland stammenden Vorstoß einer Liberalisierung im Umgang mit gemischtkonfessionellen Ehepaaren bekommen.

      Die orthodoxe Kirche kennt den Zölibat in dieser Form nicht, ist aber auch kleiner. Trotzdem könnte sie vielleicht als Vorbild dienen. Das ist aber wahrscheinlich eher im Zeithorizont von mehreren Jahren (Jahrzehnten?) zu sehen.

      • Ich denke der Zentrale Punkt ist das nach meiner Ansicht vor allem als Papst als einzigen gegenüber Gott verpflichtet ist, was bedeutet das man auch bei lang gehegten Traditionen schauen muss ob sie im Glaubensleben und im Leben als Christ ein Hindernis darstellen.
        Ich kann mir gut vorstellen das es eine Herausforderung ist solche Punkte in den verschiedenen Gegenden der Welt zu vertreten.

        Das Problem das ich sehe ist gewisse Punkte in der Katholischen Kirche auf Traditionen stützen die seit ewig her immer weiter geführt wurden aber Heutzutage nicht mehr den Sinn haben den sie zu ihrer Einführung gehabt haben.

  22. Hallo ihr beiden,

    erst einmal das Lob vorweg: Ich höre euren Podcast sehr gerne und habe mir obwohl ich erst 2018 dazu gestoßen bin, über den Sommer verteilt, alle “alten” Folgen angehört. Denke das spricht für sich, bzw. euch!

    In der aktuellen Folge sprecht ihr über den Missbrauchsskandal in der kath. Kirche, dort wird dann der Papst als “besonders progressiv” bezeichnet. Das mag für die Verhältnisse innerhalb der Kirche stimmen (denn die sind eben trotz einiger weniger Besserungen in den letzten Jahren immer noch ein reaktionärer Haufen), aber das Wort steht im eigentlichen Sinne für etwas vollkommen anderes.

    Ich habe wenig Lust alle extremen Verfehlungen des Papstes zusammen zu suchen, aber wer homosexuelle Kinder in die Psychiatrie stecken lassen will lebt in einer ganz düsteren Vergangenheit und ist nicht progressiv:

    https://www.welt.de/vermischtes/article181330398/Papst-Franziskus-empfiehlt-Psychiatrie-bei-Kindern-mit-homosexuellen-Neigungen-Vatikan-rudert-zurueck.html

    Zwei habe ich dann doch noch rausgesucht:

    1. Die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in Irland ist “eine Niederlage für die Menschheit”: https://www.stern.de/politik/hans-ulrich-joerges/homo-ehe–papst-franziskus-ist-in-fragen-der-sexualmoral-ein-reaktionaer-6186182.html

    Und 2. ein bisschen Kinder schlagen ist vollkommen ok, aber bitte nicht ins Gesicht: https://www.welt.de/satire/article137186145/Papst-Franziskus-gibt-zu-seine-Kinder-zu-schlagen.html

    Und sorry, dass ich mich an diesem Wort so aufhäge, aber ihr seid auf einem hohen Level und da sollte es schon stimmen, wenn man jemanden so bezeichnet.

    • Lieber Sebastian, herzlichen Dank für deinen Kommentar und die Links. Wie du schon richtig angenommen hast bezieht sich das progressiv natürlich auf kirchliche Verhältnisse. Gemessen an der normalen Welt ist er selbstverständlich immer noch erzkonservativ.

  23. Hallo ihr Zwei,

    ich möchte zunächst mal mitteilen, dass ich euren Podcast sehr gerne höre und ich auch wenn ich oft auf einem anderen Standpunkt stehe eure Einschätzungen sehr wertvoll finde. Allerdings möchte ich auf einen Punkt hinweisen der mir negativ Aufgefallen ist, und zwar zum Thema: “Polizei in Sachsen: gezeichnet “Uwe Böhnhardt””.
    Grundsätzlich finde ich zumindest die Wahl der Seite auf der ihr euch in dieser Debatte positioniert begrüßenswert, aber meiner Meinung nach geht eure Kritik und Problembenennung bei weitem nicht weit genug.
    Auch die Polizei in anderen Bundesländern der Republik bildet bei weitem nicht das politische Spektrum der Gesellschaft ab. Damit möchte ich sagen, dass es ein bundesweites Problem ist, dass Polizeikreise eher als konservativ anzusehen sind. Damit ist die Polizei grundsätzlich, also Strukturell natürlich vorbelastet wenn es um eine gesellschaftlich ausgeglichene Strafverfolgung von Straftaten geht. Dabei geht es mir sowohl um eine größere Tolleranz gegenüber Konservativen oder Rechten als gegenüber Linken wie auch darum, dass eine Diskiminierung von Ausländern zu einer grundsätzlichen, also strukturellen, Perspektive wird, wenn Polizisten dem konservativen Gesellschaftspektum angehören.
    In dieser Filterblase der Polizeirealität finden sowohl die Einordnung von gesellschaftlichen Entwicklungen statt wie auch die Rekrutierung und Ausbildung neuer Polizisten. Und das schon seit Jahrzehnten.
    Das ist meiner Meinung nach ein Problem innerhalb der Polizei der meißten Ländern und Kommunen. Hieran schließt sich jetzt also, als noch viel weitgreifenderes Problem, die Frage nach der sächsischen Polizei an.
    Hier ist der konservative Teil der Bevölkerung soweit rechts, dass er Blüten trägt wie wir sie in Sachsen eben immer wieder erleben. Aus dieser Bevölkerung rekrutiert sich die Polizei nun ihren Nachwuchs und das nun auch schon seit mindestens 30 Jahren. Wie soll eine Polizei, die in ihrer eigenen rechten Filterbubble lebt durch politische Bildung und Demokratieunterricht aus einer solchen rechten Struktur herraus kommen. Es ist nichteinmal davon auszugehen, dass überhaupt mitte- oder linksorientierte Polizisten in einem strukturell so vorgeprägten Umfeld existieren. Wie sollten sie das auch aushalten. Entweder sie verlassen dieses angespannte Arbeitsfeld, gehen in andere Bundesländer, schaffen es wegen ihrer abweichenden Meinung erst garnicht die Ausbildung zu vollenden oder sie passen sich an. Es ist also davon auszugehen, dass in einem solchen Umfeld, Polizisten etweder Mitläufer oder selber Rechtsgesinnte sind. Es ist nicht davon auszugehen, dass in diesem Arbeitsumfeld eine Vielzahl an Menschen existiert, die eine völlig andere Meinung vertreten und diese einfach für sich behalten.
    Das Problem, dass die Polizei in Sachsen hat ist ein Strukturelles. Dieses Problem kann nicht aus der Organistion selbst herraus gelöst werden.
    Strukturen müssen aufgebrochen werden. Der sichere Raum, in dem man sich unter Kollegen rechtem Gedankengut hingibt, muss durch soziale Kontrolle durch andersdenkende Kollegen aufgebrochen werden. Eine politische Durchmischung der Polizei durch explizit linksgerichtete Menschen ist der einzige Weg, wie man dieses Problem lösen kann. Ich würde mich selber eher nicht als Linken beschreiben, aber Linke in meinem Umfeld haben immer einen guten Einfluss auf meine Bereitschaft andere Sichtweisen zu sehen gehabt.
    Eine Idee wäre die Polizei Sachsen mit Polizisten zu durchmischen die in anderen Bundesländern ausgebildet wurden. Die Ausbildung der Polizei in Sachsen für unbestimmte Zeit auszusetzten und in andere Bundesländer auszulagern.
    Desweiteren muss sich die Polizei überlegen welche Auswahlkriterien sie an ihre Rekruten stellt. Führen diese Kriterien zu einem Struktuerellen Problem? Wie müssen die Kriterien geändert werden, um eine möglichst gute gesellschaftliche Durchmischung bei der Polizei zu erzeugen? Und das wichtigste ist: Darf die Polizei selber entscheiden, wie die Kriterien für die Auswahl ihrer Rekruten sind oder sollte dies nicht eher ein politischer Prozess sein?
    Ich halte den Ansatz, die Polizei aus sich selbst herraus durch politische Bildung und Aufklärung von ihrer rechten Seuche zu heilen für utopisch wenn nicht sogar für naiv.
    Das was ich hier schreibe ist bewusst stark verkürzt und vereinfacht, aber meiner Meinung nach auf das Wesentliche um das es eben geht.
    Politischer Einsatz in diesem Bereich ist leider Utopisch, weil die Wählerbasis der Polizei für die Parteien zu groß und relevant ist. Sehen kann man das ja schon an der Tatsache, dass es nicht eine Partei gibt, die nicht eine stärkere Versorgung mit Polizistinen und Polizisten fordert ohne dabei Bedingungen einzufordern wie diese sein müssten.

    • Da du für eine direkten Einsatz und eine breitere Spiegelung der Gesellschaft bist, was hältst du von der These ein “freiwilliges Jahr” bei der Polizei zu machen ? Nicht als Polizist, eher als Praktikant der vielleicht unterstützend eingreifen darf, aber vor allem auch den Polizisten über die Schulter schaut und mögliche Verhaltensweisen an die Obrigen weiter gibt.

  24. Inwiefern ist denn der Programmpunkt ‘Asylverfahren beschleunigen’ oder andere des genannten Kandidaten eindeutig und unverkennbar dem ‘rechten Rand’ zuzuordnen? Gibts dazu auch eine inhaltliche Auseinandersetzung oder möchtet ihr hier ausschließlich per Argumentum ad hominem unliebsame Positionen brandmarken?

    • Ein Sachargument kann per Definition nicht ad hominem sein ;)

      • Was ist denn das Sachargument? Das ist für mich nicht erkennbar. Deine Argumentation geht doch so: Der CDU-Kandidat vertritt Positionen, die auch von der AfD oder anderen Personen des rechten Randes vertreten werden könnten, und weil der rechte Rand ganz furchtbar ist, müssen die Positionen des Kandidaten ohne inhaltliche Ansicht oder Auseinandersetzung gleichermaßen furchtbar sein. Mit dem Argument müsstest du dich dann auch von der Position “die Erde ist eine Kugel” distanzieren, denn die dürfte wohl auch von einer Mehrheit des rechten Randes geteilt werden. Und mit dem will man sich inhaltlich ja unter keinen Umständen gemein machen, oder?

      • Wer die Beschleunigung von Asylverfahren als Zentrum seiner politischen Agenda formuliert, hat den Blick für die Probleme des Landes bzw. der Gesellschaft komplett verloren und setzt sich ob dieses Realitätsverlustes dem Vorwurf aus, aus rassistischen Motiven zu handeln. Den jungen Mann aus Schöneberg kenne ich allerdings nicht näher, ich habe nur seinen Post auf Facebook gelesen.

      • Das Argument kann ich halbwegs nachvollziehen. Ich würde auch in soweit zustimmen, dass es wahrscheinlich größere, wichtigere Themen gibt. Dennoch, den präventiven Rassismusverdacht halte ich für überzogen und auch absolut nicht zielführend. Sofern man den Umfragen glauben schenken mag, ist das Thema Migration & Asyl immer noch das, was die Bevölkerung am meisten umtreibt. Daneben markiert es wahrscheinlich die markanteste Gegenposition zur Politik Merkels und unabhängig von irgendwelchen Machtfragen, die nun mal zum Wesen unserer demokratischen Ausgestaltung gehören, gibt es auch noch eine ganze Palette offener Baustellen, wachsenden gesellschaftlichen Unfrieden, zunehmende soziale Verwerfungen und ein Erstarken der politischen Ränder.
        Es gibt mMn also eine ganze Reihe von teilweise auch guten Gründen, sich diesem Thema mit zumindest einiger Aufmerksamkeit zu widmen und bestehende Konflikte anzusprechen und endlich zu befrieden. Und hier schon auf Verdacht mit dem wirklich schweren Vorwuf Rassismus um sich zu werfen, ist genau das, was von linker Seite den Boden für den aktuellen innergesellschaftlichen Zustand und den Systemmythos der AfD bereitet. Weil es einerseits vermittelt, dass kritische Auseinandersetzung mit einem ganzen Themenkomplex tabuisiert werden soll und andererseits dazu führt, dass eine offene Auseinandersetzung mit Thema fast ausschließlich an den radikalen Rändern stattfindet. Will man das?

      • Sofern man den Umfragen glauben schenken mag, ist das Thema Migration & Asyl immer noch das, was die Bevölkerung am meisten umtreibt.

        Kannst Du das bitte belegen? Ich kenne keine Umfrage, die dieses Ergebnis erbracht hätte. Im Gegenteil kommt das Thema in einer aktuellen Umfrage für die Bild am Sonntag nur auf Platz 13 (!):

        https://www.welt.de/politik/deutschland/video179364402/Emnid-Umfrage-Das-sind-die-wichtigsten-beiden-Themen-fuer-die-Deutschen.html

        Ich fürchte Du lebst in einer Filterblase.

  25. Abwahl

    ihr kritisiert im Zusammenhang mit der Wahl des CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden zu Recht den Begriff “Kampfkandidatur”, verwendet aber völlig unreflektiert und mehrfach den Begriff “Abwahl”.
    Eine Abwahl ist die vorzeitige Beendigung einer Amtszeit (das ist etwa in einigen Kommunen durch Bürgerentscheid möglich). Kauders Amtszeit endete jedoch regulär, also wurde er nicht abgewählt, er wurde nur nicht wiedergewählt, ein eigentlich völlig normaler Vorgang in einer Demokratie – wenn auch im Falle der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden sehr selten.

  26. Hallo ihr Lieben,

    im Podcast sagt Ulf in Bezug auf den strukturellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche, dass es sowas mit Aufrechterhaltung des Zölibats auch weiterhin geben wird, ,,es ist einfach zutiefst menschlich, dass man seine Sexualität leben will” (31:56).

    Es gibt andere Wege die Sexualität auszuleben, als minderjährige Schutzbefohlene zu missbrauchen. Ich denke, dass es einen gewaltigen Unterschied im Ausleben der (einvernehmlichen!) Sexualität und dem Missbrauch an Kindern gibt. Und genau diesen Unterschied gilt es unbedingt zu benennen. Die Geistlichen zu Opfern zu stilisieren, die quasi (bedingt durch das Zölibat) gar keine andere Wahl hätten, als sich ,,gequält zusammenzureißen” oder Kinder zu missbrauchen, empfinde ich mindestens als unzulässige Verkürzung. Um ehrlich zu sein, ekelt es mich an.

    • Deinen Kommentar kann ich nicht nachvollziehen. Bitte hör Dir die Stelle noch mal an.

      Wir haben nun wirklich nicht gesagt oder auch nur angedeutet, dass die kirchlichen Täter Opfer seien oder nicht anders könnten als Kinder zu missbrauchen. Und “Sexualität leben” bezieht sich – selbstverständlich – nicht darauf, pädophile Neigungen auszuleben, sondern überhaupt seine Sexualität leben zu können, natürlich auf legale Weise. Das ist in dem Kontext unserer Sendung ehrlich gesagt auch völlig eindeutig, und dass Du das hier missverstehst und aus dem Kontext reißt verstehe ich nicht.

      Im Gegenteil haben wir darauf hingewiesen, was sich alles in der Kirche ändern muss, damit es nicht zu solchen Taten kommt. Denn dass die derzeit herrschenden Arbeitsbedingungen kriminelles Fehlverhalten begünstigen lässt sich kaum ernsthaft bestreiten.

      • Lieber Ulf,

        ich bin froh, euch offensichtlich missverstanden zu haben, da ich doch einigermaßen schockiert war. Dass die derzeitigen Arbeitsbedingungen (und insbesondere die Strukturen!, die die Täter schützen) kriminelles Fehlverhalten begünstigen, möchte ich nicht in Abrede stellen.
        Ich bleibe aber dabei, dass ich es verkürzt finde, die Ursache vorrangig im Zölibat zu sehen. Durch das Zölibat wird man nicht pädophil.
        Ich fürchte, dass die Diskussion (so wie sie momentan geführt wird), mit eben jenem starken Fokus auf das Zölibat, am eigentlichen Kern des Problems vorbeigeht.

      • @Amelie: ich würde die Ursache ebenfalls nicht im Sinne es kausalen Zusammenhangs mit dem Zölibat sehen – vermutlich ist es eher so, dass die Vorschriften eben bestimmte Menschen anziehen, die eh nicht heiraten wollen / würden. Aber ich bin da auch kein Experte und freue mich auf (weitere) fundierte Kommentare dazu.

    • Hallo!

      Der Zusammenhang zwischen Missbrauch und Zölibat ist wenn überhaupt sicher wesentlich komplexer. Das glaube ich mit einiger Sicherheit sagen zu können als jemand, der seit einigen Jahren in der kirchlichen Präventionsarbeit tätig ist. Die “Dampfkessel-Theorie”, dass aufgestaute sexuelle Energie sich quasi in Kindesmissbrauch entlädt, ist mit höchster Wahrscheinlichkeit falsch (Es kann sich ja jeder mal selbst fragen: Würde ich eher gar keinen Sex haben oder Sex mit Kindern?).

      Die Forschung vermutet allerdings andere Mechanismen, wie die Zölibatspflicht Missbrauch begünstigen kann: Männer, die von vornherein ein problematisches Verhältnis zur eigenen Sexualität haben, können sich von einer Lebensform angezogen fühlen, in der sie als scheinbar geschlechtslose Wesen auftreten. Ein Problem könnte außerdem sein, dass der Übergriff auf Kinder und Schutzbefohlene vom Täter selbst lediglich als Verstoß gegen das Zölibat rationalisiert wird, und nicht als das schwere Verbrechen, der er tatsächlich ist.

      Würde die Kirche nur noch verheiratete Männer (und Frauen) ordinieren, wäre das Problem an dieser Front für die Institution womöglich sogar gelöst. Allerdings sollte man auch nicht vergessen, dass der weitaus größte Teil aller sexueller Gewalt gegen Kinder in der eigenen Familie stattfindet, wo die Abhängigkeit vom Täter noch größer und die Bereitschaft zur Anzeige noch geringer ist als in einem institutionellen Kontext wie Kirche.

  27. Hallo,

    ich bin begeisterter Hörer Eures Podcasts und bin der Meinung, dass die Lage der Nation einer besten Podcasts im deutschsprachigen Raum überhaupt ist. Die – meist – unaufgeregte und nüchterne Art, mit der Ihr die Themen angeht und darstellt ist mehr oder weniger einzigartig und macht Euren Podcast so wertvoll.

    Dennoch oder gerade deswegen muss ich aber zur aktuellen Folge schreiben. Ich habe den Teil über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche heute morgen gehört und fand nur schwer hörbar, was Ulf zu dem Thema zu sagen hatte. Vorweg: Ich habe mit keiner Kirche irgendwas am Hut, habe keinen persönlichen Bezug zum Thema Missbrauch, aber zwei Kinder.

    Ulf hat aus meiner Sicht viel zu oft versucht, die Kirche in Schutz zu nehmen und zu relativieren, was dort Unfassbares passiert ist. Ich hätte mir hier ein ganz klares, unmissverständliches Statement gewünscht. Ich möchte es nochmal ganz klar machen und hätte gerade von einem Juristen solche Statements erhofft: Wer Kinder missbraucht macht sich strafbar und ist umgangssprachlich ein “Verbrecher”. Punkt! Die Verantwortung dafür festzustellen, wer strafrechtlich relevante Verbrechen begangen hat ist Aufgabe der Justiz. Punkt! Und ich schreibe hier bewusst nicht der “weltlichen” Justiz. Es gibt nur eine Justiz, die für die Feststellung von Schuld zuständig ist. Wenn die Kirche hier eine eigene Struktur hat und glaubt, diese über die “weltlichen” Strukturen zu stellen, ist das schwer erträglich und letztlich das Ding der Kirche. Wer im Verdacht steht, Kinder missbraucht zu haben, ist anzuzeigen – und zwar gegenüber der einzig relevanten Justiz in der Bundesrepublik Deutschland, nicht gegenüber irgendwelchen obskuren “Kirchengerichten”. Punkt! Jemand, der wissentlich, vorsätzlich und skrupellos das Leben eines Kindes und eines späteren Erwachsenen zerstört darf nicht erwarten, dass man sich darum sorgt, ob bei einer – um es mal klar zu sagen, nur der Vertuschung dienenden – Versetzung, die mutmaßlich begangene Straftat der Gemeinde gegenüber öffentlich gemacht wird. Hier gibt es nur eine Antwort: Jemand, der solche skrupellosen Straftaten begeht, gehört nicht mehr in ein Umfeld, in dem er mit Kindern zu tun hat. Allein die Frage, ob dies möglich ist, ist völlig absurd. Punkt!!! Und wenn doch, ist es selbstverständlich gegenüber der Gemeinde öffentlich zu machen, allein schon zum Schutz anderer Kinder. Die Sorge demjenigen zu widmen, der den Missbrauch begangen hat und nicht etwa denjenigen, die potenzielle Opfer werden könnten, wirkt – zurückhaltend formuliert – befremdlich und ist für mich nicht ansatzweise nachvollziehbar.

    Mein Kommentar mag polemisierend wirken, was üblicherweise nicht meine Art ist: Aber wenn jemand wie Ulf, den ich als objektiven und nüchternen Podcaster schätze, schon so zurückhaltend ist, unbestreitbare, klare Verbrechen zu benennen und klare Kante zu zeigen, dann hat sich die Frage erübrigt, ob die katholische Kirche jemals Willens und in der Lage sein wird, die Straftaten aufzuklären und die Straftäter an die Justiz zu übergeben. Wes Geistes Kind (im wahrsten Sinne) die Kirche ist, lässt sich nicht besser als mit dem Zitat vom damals ranghöchsten Kardinals aus dem Jahr 2010 zeigen (aus einem Artikel des Tagesspiegels): “Mit Ihnen, Heiliger Vater, sind die Kardinäle, die Mitarbeiter in der Kurie, die 3000 Bischöfe und die 400 000 Priester in aller Welt.“ Sodano sagte, an der Seite des Papstes stehe die gesamte Kirche, „die sich nicht beeindrucken lässt vom Geschwätz des Augenblicks und von den Prüfungen, die bisweilen kommen, um die Gemeinschaft der Gläubigen zu treffen.“ Jesus, so Sodano, habe gesagt: „In der Welt seid ihr bedrängt, aber habt Mut, ich habe die Welt besiegt.“ Der Dekan des Kardinalskollegiums ging so weit, mit einem Bibelzitat Parallelen zu ziehen zwischen den Anschuldigungen gegen Benedikt XVI. und dem Leiden Jesu selbst: „Er wurde geschmäht, antwortete aber nicht mit Schmähungen. Er wurde bedroht, drohte aber nicht mit Rache, sondern überließ sich dem, der mit Gerechtigkeit urteilt.“ Amen!

    Der Kommentar ist sicherlich emotional ausgefallen, aber Euer Podcasts und Ulfs Relativierungen beschäftigen mich schon den ganzen Vormittag und ich musste mich einfach zu Wort melden. Und Danke, Philip, dass Du dagegen gehalten hast und die Dinge wieder in ein “weltliches” Bild gerückt hast.

    Zu den Hintergründen der “Studie” kann ich übrigens nur den “Was jetzt?”-Podcast von Zeit Online vom 25.9. empfehlen (“Ein Lob der Großen Koalition”). Hier gab es ein Interview mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer, der ursprünglich mit der Durchführung der Studie betraut wurde. Auf der Grundlage kann sich jeder selbst eine Meinung dazu bilden, welche Aussagekraft die Studie hat.

    Alex

    • Hi Alex, Dein Kommentar lässt mich ratlos zurück, weil er nichts mit unserem Podcast und insbesondere nichts mit meinen Statements zu tun hat. Bitte hör Dir die Stelle einfach noch einmal an.

      Insbesondere habe ich keine Verbrechen relativiert, sondern nur darauf hingewiesen, dass man sich vor pauschaler Verurteilung ALLER Geistlichen hüten muss, weil es glücklicherweise viele gibt, die nicht schuldig werden. Ich habe eindeutig von Verbrechen gesprochen. Ich war auch nicht zurückhaltend dabei. Und ich habe ebenso wie Philipp eindeutig gesagt, dass solche Verbrechen natürlich durch die Justiz geklärt werden müssen und die betreffenden Kleriker natürlich nichts mehr mit Kindern zu tun haben sollten. Dabei habe ich sogar noch das Beispiel aus den USA gebracht, wo die Täter in speziellen Klöstern von der Welt isoliert werden. Schließlich habe ich sehr weitgehende Forderungen (Ende des Zölibats, Homosexualität akzeptieren) an die Kirche gerichtet, die über Philips Punkte (Aufklärung, Strafverfahren) deutlich hinaus gehen und an denen die Institution ganz schön zu knabbern haben dürfte.

      Wie angesichts all dessen Dein Eindruck entstehen konnte, ich hätte nicht “klare Kante” gezeigt, das ist mir wirklich schleierhaft.

      • Hallo ihr beiden,

        komisch, da waren jetzt schon mehrere Kommentare, die den Beitrag zur kath. Kirche im Podcast nur schwer hören konnten. Ich bin begeisterter Hörer, aber auch ich bin der Meinung, der Beitrag enthielt nicht genug Kante. Ich hab ihn jetzt zweimal gehört und muss sagen, ihr solltet euren Beitrag auch noch mal selbst hören, um die obigen Kommentare nachvollziehen zu können.

        Ulfs Relativierungen sind echt schwer anzuhören. Da geht ihr mit Maaßen härter ins Gericht und der hat keine Schutzbefohlenen auf dem Gewissen!

        Es gibt schon lange den Verdacht, dass in der Kirche Missbrauchsfälle vertuscht oder nicht richtig aufgearbeitet werden. Schon da hätten Schwerpunkts-Staatsanwaltschaften tätig werden müssen. Jetzt gibt es einen Bericht, der als absolute Untergrenze von einer vierstelligen Anzahl Tätern ausgeht. Es stehen erhebliche Dunkelziffern im Raum.

        Wer da auch nur einen Gedanken daran verschwendet, ob oder wie das die Kirche aufarbeiten kann, hat den Schuss nicht gehört. Das Kirchenrecht kann nur neben dem “normalen” Recht stehen. Das heißt ein Geistlicher, der sich eines Verbrechens schuldig macht, muss nach beiden Rechten bestraft werden. Die Kirche kann ihn z.B. exkommunizieren (ob er in die Hölle kommt und das für ihn eine Strafe ist, kann ich nicht nachvollziehen). Aber trotzdem muss er vor Gericht und sich ggf. einmal lebenslänglich mit Sicherheitsverwahrung abholen; Strafen sind im Diesseits zu verbüßen!

        Ganz nebenbei: Glauben die Täter tatsächlich, dass sie sich an Jugendlichen vergehen können, dann beichten und in den Himmel kommen, solange sie nur nicht Exkommuniziert werden? Krass. Den Leuten kann ich sagen, ihr kommt sicher nicht in den Himmel, egal ob Exkommuniziert oder nicht.

        Auch der Kommentar, dass die Arbeitsbedingungen bei diesem Arbeitgeber das Potential haben zu Verbrechen zu führen, ist zwar korrekt, ich vermisse aber den Nachsatz dass sich all diese Leute freiwillig auf diese Arbeitsbedingungen eingelassen haben. Und wenn sie merken, dass sich da Druck aufbaut, dann müssen sie halt einsehen, dass es möglicherweise der falsche Beruf ist. Das ist zwar hart, aber Augen auf bei der Berufswahl. Ich weiß, dass das nix für mich wäre.

        Umgekehrt: Wer davon Kenntnis erlangt, dass in der Gemeinde etwas (nach rechtsstaatlichen Maßstäben!!) schief läuft, und dazu schweigt, macht sich mit schuldig, sowohl rechtlich als auch moralisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da keine Haushälterin oder sonstige Leute im Umfeld nix mitbekommen haben wollen.

        Man kann zwar zwischen den Zeilen erahnen, dass ihr das so meint, aber sonst seit ihr auch nicht um klare Worte verlegen.

        Außerdem fehlt mir ganz klar der Hinweis, dass die ganze Organisation aufgeräumt gehört.

        Ich würde erwarten, dass die Staatsanwaltschaften in großangelegten Razzien sich einfach mal alle relevanten Unterlagen beschaffen und dann systematisch Geistliche einbestellen. Und zwar ggf. von oben Anfangen. Der Audi-Chef wurde auch einfach mal wegen Verdunkelungsgefahr einkassiert. Aus den noch vorhandenen Akten dürften sich doch Verdächtige ermitteln lassen über die man sich mit Deals oder Kronzeugenregelungen weiter vorarbeitet.

        Weil wenn man aus vorhandenen Akten in den Archiven Straftaten ermitteln kann, dann haben sich mindestens die Vorgesetzten, die die Akten erstellt oder abgezeichnet haben, oder die gar eine Versetzung verfügt haben, ebenfalls strafbar gemacht. Dass die eine Versetzung verfügen anstatt den Täter der Polizei zu übergeben, ist unerhört.

        Pegida hat Angst, dass die Scharia in Deutschland eingeführt wird, wenn da zu viele Ausländer kommen, dabei haben wir offensichtlich bereits ein paralleles Recht, das niemand (weder innerhalb noch außerhalb der Organisation) in Frage stellt. Ich will auch mein übergeordnetes Recht, in dem ich jedem Staatsanwalt den Stinkefinger zeigen kann und Strafen nur im Jenseits verbüßen muss! Da hab ich dann eh Zeit.

        Es sind ja zwei Skandale:

        1. dass sich hier in einer Organisation Straftäter konzentrieren. Bei den Hells-Angels gibt es auch Leute, die noch kein Verbrechen begangen haben. Trotzdem ist das erst mal verdächtig. Natürlich gilt die Unschuldsvermutung, aber der dort Mitglied ist, kann schon mal öfter in eine Polizeikontrolle kommen. Aber nach allem was ihr gesagt habt, sind aktuell genau 0 Geistliche im Visier der staatlichen Ermittler. Und 1600 Täter bei möglicherweise einer Dunkelziffer von 70-90% bedeutet, dass ein Drittel bis 40% der Geistlichen straffällig wurden. Ich denke, das kann man schon mit der Mitgliedschaft in einer Mafia-Organisation vergleichen.

        2. dass die Organisation das vertuscht, deckt und versucht, Dinge intern zu Regeln. So arbeitet auch die Automobilindustrie, der ADAC oder die Mafia. Aber bei den allen hat es zwar ne Zeit gedauert, aber irgendwann wurde doch von staatlicher Stelle ermittelt. Abgeschlossen ist das weder in der Automobilindustrie noch bei der Mafia. Aber in der kath. Kirche hat man ja noch nicht mal angefangen.

        Vielleicht kommt ja da doch noch mal ein Follow-Up…

        Grüße,
        Chris

      • Sorry, aber den Vorwurf der Relativierung empfinde ich als infam. Was genau haben wir durch welche Formulierung relativiert?

        Leute, ihr müsst echt mal etwas runterkommen. Solche völlig überzogenen Vorwürfe bringen uns hier nicht weiter. Da überlege ich doch eher, ob ich es mir antun will, am Samstagabend eine Antwort bzw. in diesem Falle eine Frage zu tippen, oder ob ich das nicht einfach wegmoderieren soll.

      • @ Christoph:
        “Glauben die Täter tatsächlich, dass sie sich an Jugendlichen vergehen können, dann beichten und in den Himmel kommen”

        Die Beichte erfordert 1. Reue, 2. den Vorsatz künftige Sünden zu vermeiden und 3. die bestmögliche Wiedergutmachung von begangenem Unrecht. Bei Wiederholungstätern und Unter-den-Teppich-Kehrern bringt Beichte also überhauptnix, schon gar keine Freisprechung.

      • Hallo Ulf,

        infame Unterstellungen sind nicht meine Absicht. Es ging mir darum, mein Hörerlebnis zu schildern. Ich weiß nicht, ob ich es am Wochenende noch schaffe, mir die Stellen noch ein drittes Mal anzuhören, um Zitate raus zuziehen und das ganze so aufzubereiten, damit mir nicht der Vorwurf gemacht werden kann, ich würde etwas aus dem Zusammenhang reißen. Bis dahin, nimm es bitte als Feedback hin, dass der Beitrag zumindest falsch verstanden werden kann.

      • Hallo Ulf

        Leider sehe ich deinen Verweis auf den Umgang mit straffällig gewordenen Priestern in den USA auch als kritisch. Verstehe ich richtig, dass du es für ausreichend hältst bzw. befürwortest, dass sich Straftäter in einem Rechtsstaat keinem ordentlichen Verfahren aussetzen müssen, sondern es ausreicht wenn sie innerhalb ihrer Organisation – nach deren Regeln – abgeurteilt werden?

        Wenn jemand im Fußballverein seinen Mitspieler misshandelt, belässt die Gesellschaft es ja schließlich auch nicht dabei, dass der Club ihn in die Reservemannschaft zwangsversetzt.

        Gruß
        Daniel

      • Wie ich inzwischen schon mehrfach kommentiert habe siehst Du das natürlich falsch, das haben wir nie gesagt, sondern im Gegenteil x-fach engagiertere Ermittlungen der staatlichen Behörden sowie Anzeigen seitens der Kirche angemahnt. Wenn ich die Kommentare zu dieser und der letzten Folge lese fühle ich mich manchmal wirklich in einer Parallelwelt.

      • @Ulf: Genau dasselbe dachte ich mir beim Lesen des Kommentars von Daniel. Ich wette wenn ihr eine Sendung zu Mathematik macht, kommt jemand und sagt “Sehe ich das richtig, dass ihr behauptet 2+2 = 5?????”.

        Ich frage mich ja immer woher das kommt. Bei anderen Podcasts ist das ähnlich. Eine Zeit lange habe ich mir einen Spaß daraus die Leute darauf hinzuweisen, dass sie kompletten Schwachsinn schreiben. So Sachen wie:

        * Dinge behaupten, die im Podcast nie gesagt wurden
        * Behauptungen aufstellen, die offensichtlich den Fakten widersprechen
        * Dinge als Fakten darstellen, die mehr als umstritten sind und keine Quelle mitliefern
        * Wissenschaftlichen Quellen oder Experteneinschätzungen widersprechen ohne eigene Quellen oder gar eigene Sachargumente
        * Fakten einfach pauschal in Frage stellen “Es ist aus meiner Sicht fraglich ob X so und so ist” ohne sich mit der Sachlage zu beschäftigen “Also ob das wirklich umweltfreundlicher ist, wenn jetzt alle mit dem Auto in den Urlaub fahren statt mit dem Flugzeug????” (Fun-Fact: Ja, ist es)

        Irgendwann wurde mir mehrfach vorgeworfen mein Tonfall wäre zu aggressiv. Vermutlich, weil es schwierig ist kompletten Schwachsinn als solchen zu markieren ohne unhöflich zu werden.

        Hm, warum schreib ich das hier nochmal? Naja, vielleicht damit sich alle, denen die Kommentarkultur auch so aufstößt nicht ganz so alleine fühlen…

      • Danke für Deine Einschätzung … wir ringen gerade sehr mit uns, wie wir damit umgehen. Komplett schließen wollen wir die Kommentare eigentlich nicht, aber den ganzen Quatsch inhaltlich zu kontern ist auch nicht zu leisten. Vermutlich werden wir einfach weniger Beiträge freischalten und auch mal Kommentare einfach löschen (müssen).

    • Lieber Alex,

      Ihre Forderung, alle (mutmaßlichen) Missbrauchstäter anzuzeigen, ist sehr naheliegend. Allerdings ist das in der Praxis weniger einfach, als es zunächst scheint. In den allermeisten Fällen ist eine Anzeige nur sinnvoll, wenn ein Opfer auch bereit ist, diesen Schritt mitzugehen und gegenüber Polizei, Staatsanwalt und ggf. Gericht auszusagen. Mit Sicherheit hat die Kirche das in der Vergangenheit nicht gerade ermutigt oder sogar dem entgegen gewirkt, aber oft wollen auch die Betroffenen selbst eben kein Verfahren (ein ganz ähnliches Problem wie bei Vergewaltigungen unter Erwachsenen). Dass Personalverantwortliche die Beschuldigten auch ohne Gerichtsurteil sofort komplett aus dem Verkehr ziehen müssen, statt sie einfach zu versetzen, sollte allerdings selbstverständlich sein – da sehe ich das schwerste Versäumnis der Bistümer.

      mfG

      Bernhard

      • Hallo Ulf,

        auch ich bin großer Fan eures Podcasts und empfinde ihn als enorme Bereicherung zusätzlich zu “klassischen” Medien.

        Aber auch ich teile Christophs und Alex Wahrnehmung, was mich dazu bewegt zum ersten Mal einen Kommentar in einer solchen Form zu verfassen.

        Es wurden verschiedene Maßnahmen von euch angesprochen, aber was auch mir gefehlt hat ist eine klare Positionierung, dass Sexualstraftäter, egal ob innerhalb der Kirche oder nicht, strafrechtlich und nicht kirchenrechtlich zu verfolgen sind.

        Eine Stelle aus dem Podcast, bei der mir wirklich die Haare zu berge standen (36:55-37:11):
        Es gäbe in den Vereinigten Staaten “entschiedenere Maßnahmen” zur “Absonderung von besonders gefährlichen Sexualstraftätern, wo sie “unter sich arbeiten und nicht mehr mit Kindern in Kontakt kommen”, die Rede war von entsprechenden Klostern.
        Hier fehlt mir jegliches Verständnis und da ist mir echt die Kinnlade auf den Boden geklappt.

        Natürlich sind “entschiedenere Maßnahmen” nicht grundsätzlich eine positive Bewertung, aber dennoch ist bei mir ein solcher Eindruck entstanden.
        Für mich ist diese “entschiedenere Maßnahme” als Alternative zu einer strafrechtlichen Verfolgung nur schwer nachvollziehbar. Im Umkehrschluss bedeutet das ja auch, dass man wissentlich in Kauf nimmt dass “weniger gefährliche Sexualstraftäter” (was auch immer das bedeuten mag) noch weiter im Umfeld von Kindern arbeiten dürfen, bzw. in andere Bistümer versetzt werden.

        Natürlich hänge ich mich jetzt sehr stark an einer Formulierung auf, aber ich finde: Sehr sehr unglücklich gewählt.

        Mein Hauptkritikpunkt: Die tiefere Problematik (andere Stimmen würden es guten Gewissens als waschechten Skandal bezeichnen), nämlich dass diese Missbrauchsfälle nicht (bzw. vernachlässigbar) strafrechtlich geahndet/behandelt/diskutiert werden.
        Natürlich ist es völlig vernünftig darüber zu reden, was man tun kann, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern (Abschaffung des Zölibats, Offenheit ggüb. Homesexualität), aber das ändert doch nichts daran, dass Verbrechen begangen wurden.
        Straftäter gehören verfolgt, egal ob kirchlich oder nicht. Diese klare Positionierung von euch hat mir gefehlt. Meiner Wahrnehmung nach ging es auch Christoph und Alex so.
        Würde mich freuen, wenn ihr euch hierzu nochmal äußert (Insbesondere Ulf).

        Ansonsten, keep up the good work!
        Beste Grüße
        Ben

      • Es gäbe in den Vereinigten Staaten “entschiedenere Maßnahmen” zur “Absonderung von besonders gefährlichen Sexualstraftätern, wo sie “unter sich arbeiten und nicht mehr mit Kindern in Kontakt kommen”, die Rede war von entsprechenden Klostern.
        Hier fehlt mir jegliches Verständnis und da ist mir echt die Kinnlade auf den Boden geklappt.

        Was ist denn Deine Kritik? Findest Du den Umgang in den USA zu hart oder zu weich? Wir haben das als Alternativmodell zu dem aus meiner Sicht indiskutablen Vorgehen in D vorgestellt, wo die betreffenden Verdächtigen oftmals einfach nur versetzt wurden und damit neue Opfer finden konnten. Ich finde das Vorgehen der US-Kirchen besser, aber bin gespannt auf Deine Meinung.

        Wohlgemerkt: Es geht hier immer im Menschen, die man strafrechtlich nicht belangen konnte! Jedenfalls in den USA würde sich die Frage sonst gar nicht stellen, weil sie jahrzehntelang eingesperrt worden wären. In D wären die Strafen zwar milder, dafür würde aber ggf. Sicherungsverwahrung drohen. Wie Du darauf kommst, wir hätten diese Isolier-Kloster als Alternative zur Strafverfolgung bezeichnet, obwohl wir mindestens ein Dutzend mal staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gefordert haben, ist mir völlig schleierhaft.

      • Hi Ulf,
        Nur um das vorweg zu nehmen: Ich habe das von euch nicht so verstanden, dass Ihr „Isolier-Kloster“ als Alternative zur Strafverfolgung vorschlagt. Meinte damit vielmehr die Praxis in den USA: Statt die Priester strafrechtlich zu belangen, werden sie in ein Kloster gesteckt. Ich persönlich finde, dass das nicht ansatzweise weit genug geht.

        Es ist auch richtig, dass ihr mehr Transparenz und auch eine Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft gefordert habt. Aber ich finde die Grundproblematik wird nicht auf den Punkt gebracht. Ich will mal einige Beispiele nennen, mit denen ich mich sehr schwergetan habe:

        (27:10) Der Umgang mit den Tätern: „Bei rund 500 Tätern sind Ermittlungen eingeleitet worden.“
        Im Folgenden werden über Strafen für die betroffen Täter gesprochen. Du bezeichnest Exkommunikation hier als „extrem harte Strafe“. Das mag aus kirchlicher Sicht zutreffen, aber warum gelten hier diese Bewertungsmaßstäbe? Ihr stört euch zu Recht daran, dass die Quote so niedrig ist. Aber ist das Problem nicht eigentlich die Form der Bestrafung? Was wäre, wenn alle ca. 1200 Täter exkommuniziert worden wären? Wäre das passiert, würden 1200 frustrierte Kleriker mit pädophilen Neigungen frei rumlaufen, denen jetzt nicht mehr die Daumenschrauben von der Kirche angelegt werden, dass sie sowieso „verstoßen“ sind. Versteh mich bitte nicht falsch, ich will dir nicht unterstellen, dass das deine Ansicht ist, aber hier hätte ich mir eine „klare Kante“ gewünscht, dass das nicht das Ende der Fahnenstange sein kann. Der Skandal besteht imo nicht in geringen Ahnungsquote innerhalb der Kirche, sondern eben dass die Verbrechen nicht zur Staatsanwaltschaft gelangen und nicht durch die Justiz verfolgt werden.

        (28:50) Maßnahmen der Kirche: Versetzungen.
        Von dir wird gesagt es sei eine „extrem schwierige Situation“, wenn Priester mit entsprechenden Neigungen in neuen Gemeinden als solche angekündigt werden. Meine Frage: Warum kann dieser Priester seine Tätigkeit überhaupt fortführen? Man stelle sich mal vor dasselbe würde mit Grundschullehrern oder Kindergärtnern mit solchen Neigungen passieren. Ist das dann auch eine „extrem schwierige Situation“? Oder erhalten diese dann ein Berufsverbot und eine Strafanzeige? In einem solchen Fall müssen in meinen Augen sofort die Strafbehörden eingeschaltet werden. Auch hier finde ich, dass ihr das Problem falsch benannt habt: Nicht die fehlende Kommunikation zur Folgegemeinde ist das Problem, sondern dass sie überhaupt weiterarbeiten können. Das wird zu einem späteren Zeitpunkt zwar noch angesprochen, aber auch an dieser Stelle fehlt mir ein klares Statement.
        Im Folgenden werden die „Isolations-Kloster“ als „richtige Entscheidung“ bezeichnet (29:55). Wie oben schon erwähnt, das geht mir nicht weit genug. Auch hier sollte die Justiz den richtigen Umgang mit den Tätern entscheiden, nicht die Kirche.

        (30:00) Konsequenz für Kirche: Transparenten Gesprächsprozess initiieren.
        Auch das bezeichnest du als „gute Entscheidung“, weil es das Problem bei der Wurzel packt. Hier wird vom „Problem“ im Sinne einer „Ursache“ gesprochen, hierfür hat es sicherlich seine Daseinsberechtigung (Auch wenn ich eher bei Phillips Argumentation des fehlenden Aufklärungswillens bin). Aber das ist nur ein Teil des „Problems“. Mindestens genauso problematisch ist doch die geringe strafrechtliche Verfolgungsquote. Mir werden Priester hier zu sehr als Opfer des kirchlichen Apparats und dessen Zwängen (wie dem Zölibat) stilisiert. Die Berufswahl eines Priesters ist wohl in den allermeisten Fällen Folge einer freien Entscheidung, Opfer einer Sexualstraftat zu werden jedoch nicht. Deswegen kann für mich die Gretchenfrage nicht (nur) „wie hält man es mit dem Zölibat“ lauten, sondern vielmehr (mindestens genauso wichtig) „wie sorgt man für eine strafrechtliche Verfolgung“.
        Ich finde Phillip bringt es bei 33:45 sehr gut auf den Punkt, wenn er sagt, dass eine strafrechtliche Meldung erfolgen muss. Aber auch hier tue ich mir wieder sehr schwer mit deiner Argumentation zum Beichtgeheimnis. Das vergleichst du (wenn ich das richtig verstanden habe) mit der Schweigepflicht von inhaftierten Straftätern. Ich finde, der Vergleich zu Verbrechern in Gewahrsam und frei praktizierenden Priestern, die weiterhin auf freiem Fuß Verbrechen begehen können, hinkt doch ein wenig.

        (37:35) „Die Forderung der Zivilgesellschaft muss sein: Weg mit dem Zölibat“.
        Auch das finde ich grundsätzlich sehr problematisch. Ich kann hier nur von mir selbst sprechen, dass es mich selbst (als Atheisten) wenig interessiert, wie die katholische Kirche dafür Sorge trägt, dass sowas in Zukunft nicht mehr in diesem Maße vorkommt. Muss man sich wirklich in eine Kirchliche Debatte einmischen und von einer Kirche, mit der man nichts am Hut hat, fordern, dass sie eines Ihrer Sakramente abschafft, damit man sicher sein kann, dass keine Missbrauchsfälle mehr stattfinden? Schwierig. Ich finde eure Forderung gegen Später hier passender. In meinen Augen sollte die Forderung der Zivilgesellschaft sein „Kirchen müssen Übergriffe bei Strafverfolgungsbehörden melden“.

        Ich will nicht schmälern was ihr zwischendrin gesagt habt. Vielem von dem kann ich auch voll und ganz zustimmen. Mit den ausgesuchten Stellen will ich einfach nur mein klares punktuelles Disagreement zum Ausdruck bringen.

        Meine Bottom Line ist, dass ihr euch zu sehr an dein „Arbeitsbedingungen“ aufgehangen habt (Homosexualität, Zölibat) und Strafrechtliche Verfolgung eher so nebenher eine Rolle gespielt hat. Hierbei mag es ein großes Problem sein, dass Täter nicht belangt werden können. Dann ist das ein Punkt, an dem unmittelbar gearbeitet werden muss. Zusätzlich hierzu sind eure Argumentationen zur Abschaffung vom Zölibat total valide! Aber sie gehen mir nicht weit genug. Das kann nur Teil der Lösung sein. Es kann doch nicht sein, dass ein ganzer Apparat seine eigene Rechtssprechung hat und damit der Justiz entgeht.

        Ich hoffe meine Kritik wurde jetzt klarer.

        Viele Grüße
        Ben

  28. Die Links zu den Ausschnitten der Anhörung im Fall Kavanaugh, die ihr angeschaut habt, wären noch interessant. Anhand der Ausschnitte nebst Überfliegen der jeweils ersten vielleicht drei bis fünf Dutzend Kommentare bei YouTube, die ich mir angeschaut habe, könnte ich jetzt nicht sagen, wessen Version der Geschichte stimmt. Den Vortrag des Herrn Kavanaugh fand ich unterm Strich überzeugender. Insgesamt erscheint mir der gesamte Vorgang doch als sehr politische Inszenierung. Angesichts der Aktion der Republikaner damals, den Kandidaten Obamas, soweit ich mich erinnere, sachgrundlos zu verhindern, kann man es der Gegenseite heute jedoch auch schwerlich übelnehmen, hier die Wahl hinauszögern zu wollen, bis vielleicht im November sich eine andere Senatszusammensetzung ergibt, um einen unliebsamen Kandidaten “regulär” abzulehnen.

    • Klar, die ziemlich üble Behandlung von Merrick Garland spielt bei den Demokraten sicher auch große eine Rolle – die haben einfach noch eine Rechnung offen.

      Was Kavanaugh angeht ist aus meiner Sicht inzwischen egal, ob die Vorwürfe stimmen, denn er hat sich mit seinem extrem aggressiven und parteipolitisch gefärbten Auftritt völlig disqualifiziert für einen Job, in dem er unabhängig richten soll.

      Ich denke, die Lösung bestünde mittelfristig darin, sich wieder darauf zu einigen, dass man mindestens 60 Stimmen im Senat für eine Bestätigung braucht. So sahen es die Senate Rules ja auch vor, bis diese Regel vor wenigen Jahren geändert wurde … wozu es führt, wenn radikale Kandidaten der einen oder anderen Seite überhaupt ins Spiel gebracht werden können, sieht man ja sehr schön an dem Gezänk um Kavanaugh. Das ließe sich mit höheren Hürden zur Bestätigung leicht vermeiden.

    • @ Rainer:

      Den Demokraten geht es nicht um künstliches Herauszögern (übrigens treten die Anfang November neugewählten Senatoren ihre Posten erst im Januar an), sondern darum die im Raum stehenden und zumindest plausiblen Vorwürfe überhaupt mal zu untersuchen, bevor man Kavanaugh eilig in ein Amt befördert aus dem man ihn später nur sehr aufwändig wieder entfernen könnte.

      Und wie Ulf schrieb ist auch der letzte Auftritt von Kavanaugh (ich habe das komplett live verfolgt) im Leben nicht überzeugend. Ein schreiender, heulender, rechthaberischer, ständig unterbrechender und wenn überaupt* inhaltlich nur ausweichend antwortender Dampfkessel als unparteiischer Richter? Never.

      * Hier gibt es einen sehr schön übersichtlichen Vergleich über die Antworten von Ford und Kavanaugh:
      http://www.vox.com/policy-and-politics/2018/9/28/17914308/kavanaugh-ford-question-dodge-hearing-chart

    • @ Rainer:
      Zu der Frage, inwieweit Kavanaugh “überzeugend” ist, möchte ich noch diese extrem detaillierte (englischsprachige) Analyse empfehlen, die seine Aussagen mit anderen Aussagen und sonstigen Beweismitteln abgleicht:

      https://www.currentaffairs.org/2018/09/how-we-know-kavanaugh-is-lying

      • Großartiger Text, der sich sehr viel Mühe mit den Details gibt. Wenn auch nur ein Bruchteil davon stimmt, dann ist K. ein pathologischer Lügner, der keinerlei öffentliches Amt innehaben sollte.

      • @Eule:
        Zugegeben, ich habe nur etwa 20 Minuten der gesamten Prozedur angeschaut. Genau deswegen hatte ich ja auch um Links zu den Stellen gebeten, die die Podcaster für Ihre Meinungsbildung herangezogen hatten. So die verlinkte Analyse alles korrekt wiedergibt, liefert sie überzeugende Argumente gegen Kavanaughs Darstellung des Sachverhalts. Die eigentliche Befragung Kavanaughs hatte ich mir nämlich nicht angeschaut, nur seine etwa zehnminütige Einlassung, in der er das Prozedere mit deutlichen Worten kritisiert und darauf eingeht, dass niemand der angeblichen Anwesenden an dem Abend sich daran erinnern könne. Und eben in ähnlicher Länge einige Ausschnitte der Ford-Aussagen. Viel mehr Mühe als bei YouTube nach “kavanaugh hearing” oder ähnlicher Phrase zu suchen, hatte ich mir nicht gemacht. Gut möglich, dass jeder bei derselben Suche unterschiedliche Treffer bekommt. Drum finde ich die Benennung von Quellen durch die Journalisten so wichtig, um gegebenenfalls deren Hintergrund nachvollziehen zu können, der für ihre Einschätzung der Sachlage herangezogen wurde. Aus diesem Grund auch vielen Dank für Ihren Link!

        @Lage:
        Der vom Lage-Team bereitgestellte Link war eben auch deutlich nicht ausreichend. Warum ist unter der Überschrift “US Supreme Court” lediglich ein SPON-Link betitelt “Trump erklärt der Welt die Welt” zu finden? “Die Lage” täte gut daran, die zur eigenen Vorbereitung genutzten Quellen in Gänze zu listen, am besten noch mit Hervorhebung der als besonders wertvoll empfundenen.

        Mal ganz unabhängig von der Frage, was nun 1982 tatsächlich geschehen ist, stellt sich jetzt nur noch die Frage, ob Kavanaughs Verhalten damals ihn mehr als 30 Jahre später für irgendein Amt disqualifiziert. Angenommen, die Schilderungen der Frau Ford wären zutreffend, wären die Vorgänge nicht mittlerweile verjährt? Zu einer Vergewaltigung ist es ja ohnehin auch überhaupt gar nicht gekommen. Falls ja, wäre Kavanaugh ein tragbarer Kandidat für das Amt gewesen, wenn er das alles offen zugegeben und als damaligen Fehler eingeräumt hätte? Ich frage nur provokant, weil es ja druchaus sein könnte, dass er mit seiner aktuell gefahrenen Strategie des Abstreitens vielleicht nur in der Annahme fährt, ohnehin nichts zu verlieren zu haben. Und dies wäre ja der Fall, wenn er sich mit einem Schuldeingeständnis ebenfalls untragbar für das Amt gemacht hätte. Ebenso stellt sich die Frage, ob man ihm seine studentischen Trinkeskapaden heute noch vorhalten will. Darüber kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein, welche Meinung wäre die richtige und weshalb eigentlich?

        Ich bleibe also einfach mal dabei, dass wir hier ein politisches Geplänkel beobachten können. Wie hoch die Kollateralschäden am Ende ausfallen werden, wird man noch abwarten müssen. Schaden auf beiden Seiten ist ja bereits allerhand entstanden.

  29. Bin dieses Mal mit eurer Liste nicht ganz einverstanden. Wer Richter im Supreme Court wird, ist vermutlich nicht so wichtig wie unsere Beziehung zur Türkei. Hätte da andere Prioritäten gewählt.
    Was ich zum Supreme Court Fall noch ganz gerne gehört hätte: wie schätzt ihr die Tatsache ein, dass Frauen Jahre später mit dem Vorwurf der Vergewaltigung Karrieren zerstören können. Ich bin für mehr Frauenrechte, finde aber, dass es hier sehr gefährlich wird. Es gibt ja so etwas wie Verjährung im Strafrecht, vermutlich aus gutem Grund. Es kann meine Meinung nach nicht sein, dass eine Frau, die zudem noch Professorin ist, also nicht dumm ist, erst nach über 30 Jahren mit den Vorwürfen um die Ecke komm. Ich finde man sollte hier sagen: Sry, das ist verjährt und da die Unschuldsvermutung gilt lässt sich das auch nicht mehr klären. Insofern hängen diese Vorwürfe praktisch im Lufleeren Raum.
    Denn, denken wir das mal weiter: ein Richterkandidat soll verhindert werden. Man bezahlt also ein paar Frauen um Gerüchte in Umlauf zu bringen und zack hat man massiven Einfluss auf eines der höchsten Ämter im Staat erlangt. Das ist gefährlich.
    Wir brauchen einen besseren Umgang mit Vergewaltigungen. Vorwürfe die zeitnah bekannt werden müssen besser verfolgt werden. Aber es muss auch klar sein: wenn du als Opfer schweigst, und das über Jahre, gibt es irgenwanan einen Punkt an dem der Fall verjährt ist. Und das bedeutet dann eben auch, dass Vorwürfe die dann gemacht werden prinzipiell unklärbarsind und damit nichtig sind.
    Man kann nach 30 Jahren jedenfalls keiner Aussage mehr trauen. Wer ein bisschen etwas über Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen weiß, weiß wie irre es ist nach 30 Jahren irgendetwas klären zu können. Ich finde da euer: „Sie schien glaubwürdig“ auch etwas zu kurz gegriffen.
    Aber vielleicht bin ich auch auf dem falschen Dampfer und es sieht rechtlich ganz anders aus – Ulf?

    • Also:

      1. ist eine versuchte Vergewaltigung in den USA nach 30 Jahren noch nicht verjährt. Es ist tatsächlich auch eine offene Frage, ob Miss Blasey Ford noch eine Strafanzeige stellt. Das könnte zu der überaus spannenden Situation führen, dass ein Richter des Supreme Court gleichzeitig auch Angeklagter in einem Strafprozess wäre.
      2. verkennt die Einstellung „Vergewaltigungsopfer, die sich nicht zeitnah melden, sind unglaubwürdig“ völlig die Situation, in der sich ein solches Opfer befindet. Es ist symptomatisch gerade für diese Straftaten, dass Opfer sich oft über Jahre nicht melden – aus den unterschiedlichsten Gründen. Scham und Sprachlosigkeit sind unmittelbare Folgen einer solchen Tat, im Grunde Teil der Tat. Natürlich wird es mit verstreichender Zeit immer schwerer, so etwas zweifelsfrei aufzuklären. Trotzdem verkennt es absolut die Realität, wenn man von einem Vergewaltigungsopfer das gleiche Verhalten erwartet wie von jemandem, der zum Beispiel auf der Straße überfallen worden ist.
      3. Sind die Vorwürfe von Miss Blasey Ford nicht neu – nur neu an der Öffentlichkeit. Bereits vor Jahren hat sie in Therapiesitzungen von dieser versuchten Vergewaltigung gesprochen.
      Außerdem hat sie sich bereits an Presse und ihre demokratische Abgeordnete gewandt, als Mr. Kavanaugh noch nur auf der Liste der möglichen Kandidaten für die Ernennung zum Justice stand.
      4. Haben die Demokraten so lange geschwiegen, weil Miss Blasey Ford darum gebeten hat, anonym zu bleiben. Diese Entscheidung galt also dem Opferschutz und es ist in meinen Augen schändlich, dass dieser Aspekt in der Diskussion gar nicht vorkommt. Ich weiß nicht, ob Miss Feinstein die Vorwürfe komplett unter den Tisch hätte fallen lassen, wenn Miss Blasey Ford ihre Meinung nicht geändert hätte. Jedenfalls wurde diese arme Frau gezwungen, an die Öffentlichkeit zu gehen weil die Sache durchgesickert war und Reporter vor ihrem Haus und in ihren Vorlesungen waren und ihr unangenehme Fragen gestellt haben. Als klar war, dass sie ohnehin nicht anonym bleiben kann, entschied Miss Blasey Ford sich, offensiv mit ihrer Geschichte umzugehen und auch erst dann trat Miss Feinstein an die Öffentlichkeit.

      Insgesamt muss man also die Vorstellung, hier wurden Frauen bezahlt um einen politischen Konplott zu inszenieren, ins Reich der Verschwörungstheorien verweisen.

      Dass das grundsätzlich möglich ist will ich nicht in Abrede stellen. Allerdings muss man auch die Besonderheiten der (psychischen) Folgen einer solchen Tat bei der Bewertung der Handlungen der Opfer berücksichtigen.

  30. Man kann, mal davon abgesehen, ob man sollte oder nicht, den Sultan einladen, aber warum dann nicht ins Schloss Meseberg?!?! Die halbe Stadt abriegeln, ich glaube es hackt! Man lässt sich eine Liste mit 69 Personen überreichen, die man ausgeliefert haben möchte, und macht einfach nach Protokoll weiter?! Die einzige Antwort auf so einen Gast, so eine Provokation hatte sein müssen: “Dort ist die Tür, siktir git*!” (*Verspiss dich!)

    Und der Höhepunkt dieses Wahnsinn erwartet uns in Köln. Ich wünsche den Einsatzkräften alles Gute!

    Merkel muss weg und das Amt des BuPrä gleich mit. Ich habe die Schnauze nun wirklich voll!

    • Wenn der Sultan die drei Millionen Flüchtlinge, die er uns gegen drei Milliarden bisher äußerst verlässlich vom Hals hält, den Schleuserbanden überlässt, bricht in Deutschland leider der Staat zusammen …

  31. Liebes Team,

    Ich kann es nicht verstehen, wie man für eine Firma wie Audi Werbung manchen kann, nachdem im Podcast Dieaelgate auch besprochen wird.

    Es ist klar, dass Audi sicher besser bezahlt als andere Sponsoren, aber es passt einfach nicht. Vorallem da die Werbung etwas suggeriert, was Audi definitiv nicht lebt.

    • Wenn Audi schon Besserung gelobt und sich für die gesellschaftliche Akzeptanz von Elektromobilität engagiert, indem sie einen Podcast zu dem Thema starten, dann sehe ich keine moralische Verpflichtung, dieses Engagement zu boykottieren, nur weil sie in der Vergangenheit nicht immer eine reine Weste hatten, was Umweltthemen angeht.

      • Gut ihr macht ja auch Umsatz mit Amazon, da wundert einen die Audi-Werbung auch nicht mehr :D

      • Ich bin auch etwas zusammgezuckt bei der Werbung für Audi. Das klingt hier nach ganz klassischem Greenwashing à la “Klar, wir finden Elektromobilität plötzlich total wichtig und jetzt machen wir einen hippen Podcast, weil das die Zielgruppe hört.” Wie oft hat die Autoindustrie denn nicht schon “Besserung gelobt”?
        Ich hätte mir hier einen deutlicheren Disclaimer gewünscht, der die Distanz zwischen Werbendem und euch klar macht. Rupert Stadler sitzt als Vorstandsvorsitzender von Audi in U-Haft (!) wegen des Abgasskandals…

  32. Hallo. Ich muss sagen, dass die Darstellung von Philip recht einseitig ist. Denn das ist nur die eine Seite der Medaillon. Fakt ist auch, dass die Demokraten diese Vorwürfe den Republikanern enthalten haben. Diese Vorwürfe waren den Demorkaten bereits am 30. Juli bekannt. In diesem Zeitraum hätte das FBI locker die Möglichkeit das ganze einigermaßen aufzuklären. Es war pures politisches Kalkül diese Vorwürfe so spät bekanntzumachen. Ich wünschte mir an dieser Stelle eine gewogenere Betrachtung der Ereignisse.