LdN109 Chemnitz, Organspende, Mietpreisbremse, Nowitschok-Attacke, Türkei, Meşale Tolu

Du bist noch kein Abonnent/+?
Hier erfährst Du mehr über
Kuechenstud.io/+
Einloggen

| 182 Kommentare

Fotos: Matthias Rathje

Ihr Lieben!

Eine “Lage Live” im Heimathafen Neukölln. Volles Haus, danke allen, die da waren. Es war ein wunderbarer Abend mit Euch!

Begrüßung 

Chemnitz 

AfD unter Beobachtung 

Organspende-Widerspruch

Gesetzentwurf Mietbremse 

Nowitschok-Attacke

Trump Widerstand 

Maas auf Türkei-Reise

Sponsor

Hausmitteilung 

182 Kommentare

  1. 14. September 2018 um 12:32 Uhr
    Matthias Hülfenhaus

    Gerne höre ich Euren Podcast, der unterhaltsam und informativ ist. Bei der letzten Sendung habe ich in der Aufzählung der linken Gewalt die G20-Krawalle vermisst. Ein solches, auch medial verbreitetes, Ereignis wortlos zu übergehen, erweckt den Eindruck der Parteiigkeit. Schade.

    • Das Thema G20 haben wir damals ausführlich behandelt, Du kannst die Sonderfolge vom Juli 2017 bei uns im Blog nachhören. Kurzfassung: Die Zuschreibung der Krawalle als “links” ist politische Stimmungsmache. Natürlich gab es anarchistische Spinner, die Autos angezündet haben, aber beispielsweise die Krawalle auf der “Schanze” hatten mit Politik nichts zu tun, da waren Wohlstandskids aus Hamburger Vororten im Designer-Hoodie dabei. Wer G20 als Beispiel für Linksextremismus zitiert, der oder die ist dem Hamburger Innensenator schon auf den Leim gegangen.

  2. Lieber Philip, lieber Ulf,
    kurze Frage zur Finanzierung eures Podcasts: ich höre euch vornehmlich über die Podcast-Grabber-App Castbox und wüsste gerne, ob ihr auf diesem Weg auch durch die Einnahmen des Werbeblocks am Anfang der Folgen profitiert oder ob es besser für euch wäre, wenn ich euch über eure Webseite hören würde. Grüße, macht weiter so!

    • Hi, danke dass Du fragst!

      Castbox verfolgt ein parasitäres Geschäftsmodell: Sie vermarkten fremde Inhalte. Wir haben davon exakt gar nichts. Außerdem schadet es uns mittelbar, wenn Du die Lage über Castbox hörst, weil Deine Downloads dann nicht von unseren Servern kommen, denn der Wert der Lage steigt mit jedem Download.

      Das gilt übrigens für alle Podcasts, wenn sie nicht ausnahmsweise von Castbox Geld bekommen (und ich kenne keinen, bei dem das so ist). Castbox ist daher insgesamt Gift für das Podcast-Ökosystem.

      Daher können wir nur alle Hörerinnen und Hörer bitten, Castbox sofort zu löschen und stattdessen eine andere Podcast-App zu nutzen. Auf iOS ist Overcast der Gold-Standard, auf Android scheint zB AntennaPod gut zu funktionieren.

    • Hallo Jette, du machst alles richtig. Für den linksgrünversüfften Schwachsinn sollten diese beiden Deppen keinen monetären Vorteil ernten. Bitte weiter so…

  3. Liebe Lageristen,
    Sorry, dass ich hier einen Kommentar zur letztwöchigen Lage abgebe, ich habe sie aber erst gerade abgehört. Ich war enttäuscht, dass Ihr bei dem überaus wichtigen Thema “Rente”, das Ihr auch noch lange behandelt habt, weder die demographische Arithmetik konkret dargelegt noch andere Gegenmaßnahmen (z.B. Rentenalter) angesprochen habt. Arithmetik? Die Tatsache, dass das Verhältnis von “Alten” zu denen im “erwerbsfähigen Alter” sich über die nächsten Jahrzehnte verdoppeln wird, ist etwas, was sich vermutlich nicht einfach über die Erhöhung des Zuschusses aus Steuermitteln ausgleichen lässt (bei Euren Grobzahlen von 300Mrd. Ausgaben, 200Mrd. Beiträge und 100 Mrd. Zuschuss würden Ausgaben und Einnahmen dann vermutlich eher ins Verhältnis 3:1 als 1,5:1 (Verdopplung eben) kommen – dann wäre die durch Steuermitteln aufzufüllende Lücke eher im Bereich 200-300 Mrd.). Die Stellschraube “Rentenalter” ist da zu mächtig, weil sie sich gleichzeitig auf Nenner und Zähler des Verhältnisses Alten:Erwerbsfähigen auswirkt, als dass nicht weiter an ihr gedreht werden soll. Oder die Leistungen werden – signifikant – reduziert. (Zwei Quellen, die ich schnell ergoogeln konnte: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/VorausberechnungBevoelkerung/BevoelkerungDeutschland2060Presse5124204159004.pdf?__blob=publicationFile (insbesondere die Seite nummeriert 26) sowie https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Ministerium/Veroeffentlichung-Wissenschaftlicher-Beirat/reform-rentenversicherung.pdf?__blob=publicationFile&v=2).

  4. Nochmal zum Thema Organspenden:
    Ich würde gerne von den Befürwortern einer solchen Ablehnungsregelung wissen, welchen Grund es gibt, dass man die Zahl der Organspenden erhöhen *muss*.
    Die meisten Kommentare, die ich hier gelesen hab, die für diese Regelung plädieren, dass der Vorteil, den eine Erhöhung der Transplantationen hat, die befürchteten Nachteile überwiegt.
    Entweder werden die Befürchtungen gleich als gegenstandlos, weil unbegründet, unwissenschaftlich oder dergl. ad acta gelegt, oder man sagt, dass man die befürchteten Nachteile in Kauf nehmen muss.
    Meine Frage: warum?

    • Man “muss” die Zahl natürlich nicht erhöhen. Man sollte. Das ist eine Meinung.
      Diese Meinung haben Leute, weil sie finden, “dass der Vorteil, den eine Erhöhung der Transplantationen hat, die befürchteten Nachteile überwiegt.”
      Die wissenschaftliche Bewertung von Argumenten ist dabei essentiell, weil es eine sehr starke und objektive Möglichkeit ist, diese zu entkräften.

  5. Also ihr habt gesagt, dass jeder Außenpolitik kann bis auf Guido Westerwelle und besonders Heiko Maas sich da jetzt positiv hervortut. Das finde ich sehr schade und es wäre schön, wenn ihr dazu mehr recherchieren würdet. Westerwelle hat professionell Außenpolitik gemacht und besonders in Libyen, Moldau und gegenüber Russland eine Entspannungspolitik forciert, die wir seitdem nie wieder bekommen haben. Auch Brüderles Politik im G20-Rahmen sucht seinesgleichen bis heute, da sie nicht auf transatlantische Plattitüden, sondern auf pragmatische Außenpolitik gesetzt hat. (Die Griechenland-Politik in der EU war etwas anderes – die war katastrophal.) Aufgrund des mangelnden politischen Niveaus der deutschen Journaille bekam man davon jedoch wenig mit. Vor allem die in führenden Tageszeitungen präsenten bellizistischen Atlantiker (siehe dazu dieses Buch: https://www.halem-verlag.de/meinungsmacht-und-elite-journalismus/) haben natürlich nicht niveauvoll darüber diskutiert, sondern lieber Westerwelle lächerlich gemacht – bis er einschwenkte.

    Heiko Maas dagegen ist der erste Außenminister seit Gerhard Schröder (CDU, im Amt 1961–1966) der die Grundlagen der Ostpolitik nicht anerkennt und eher neokonservative Züge zeigt. Im eh schon beschädigten Verhältnis mit Russland hat er viel Porzellan zerbrochen, in Israel sich unnötig einseitig positioniert und forciert eine aggressive Außenpolitik im östlichen Europa.

    • Pardon, das war eine Seitenbemerking bei der Lage live … ich wollte die Außenpolitik von Maas nicht abschließend bewerten, mein Punkt war, dass er den Job prima facie jdf besser macht als den als BMJV-Chef – denn das kann ich beurteilen: Da war seine Performance konkurrenzlos schlecht, jdf gemessen an den anderen Minister*innen für Justiz seit der deutschen Einheit.

  6. Guten Tag,

    in loser Reihenfolge habe ich zu Themen der letzten Wochen drei Anmerkungen zu machen. Diese sind zwar nicht alle in der letzten Folge der Lage der Nation angesprochen worden, dürften zu gegebener Zeit aber wohl wieder an Aktualität gewinnen.

    -Beobachtung der AFD durch den Verfassungsschutz:
    Ihre dezent negative Bewertung (“willkürlich”) an dem Vorgehen des Verfassungsschutzes in Niedersachen und Bremen über die dortige Beobachtung der Jugendorganisationen der AFD (=Junge Alternative, kurz JA) geht meines Erachtens fehl.
    1. Erlaubt gerade das föderale Gefüge der BRD, dass die Landesämter für Verfassungsschutz in ihrem Hoheitsgebiet eigene “Akzente” setzen dürfen. Zur Zeit scheint Herr Maaßen einen Korpsgeist einzufordern, der (wieder?) in die Mentalität auf-dem-rechten-Auge-sind-wir-blind führt. Gerade vor diesem Hintergrund halte ich den Vorstoß von Niedersachen und Bremen für besonders beachtenswert.
    2. Das föderale Gefüge erlaubt überdies “Alleingänge” ohne Abstimmung mit anderen Bundesländern. Denn der Gleichheitssatz bindet nicht im Verhältnis zu anderen Hoheitsträgern. Das heißt die JA Niedersachsen könnte sich gegenüber dem Landesverfassungsschutz Niedersachen nicht auf die Nichtbeoabachtung der JA Bayern durch den Landesverfassungsschutz Bayern berufen. Es sind gerade bei Jugendorganisationen auch landesspezifische Besonderheiten zu erkennen, die in dem einen Bundesland eine Beobachtung erfordern und in dem anderen Bundesland gegen eine Beobachtung sprechen. Für Niedersachsen sei bspw. auf Lars Steinke (Landeschef der JA) verwiesen, der erst vor Kurzem durch die Beurteilung von Claus Schenk Graf von Stauffenberg als “Verräter” auffiel. Auch ist die Nähe zur Identitären Bewegung in einem Bundesland mal mehr, mal weniger ausgeprägt.
    3. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit erfordert doch gerade bei der Beobachtung der Politik i. w. S., dass möglichst kleinteilig verfahren wird. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist die Beobachtung der JA Niedersachen und Bremen keinesfalls willkürlich.

    -Einwanderungsgesetz
    Bei Ihrer Diskussion um das Einwanderungsgesetz ist ein Diskussionspunkt zu kurz gekommen. Zu erwarten ist wohl ein Einwanderungsgesetz, welches sehr stark an ökonomischen Gesichtspunkten (à la FDP) angelegt ist. Man hört zumindest vielfach davon, dass v. a. in Deutschland dringend benötigte Fachkräfte über diesen Weg einen Aufenthaltstitel bekommen sollen.
    Aber ist es nicht gerade die alleinige Ausrichtung an ökonomischen Gesichtspunkten, die die Gefahr birgt, viele oder sogar sämtliche Bemühungen der Entwicklungspolitik in den letzten Jahren in der “d
    Dritten Welt” zu konterkarieren respektive zu Nichte zu machen? Immerhin werden dadurch Volkswirtschaften ihre gut ausgebildeten Fachkräfte abgeworben. Das sind diejenigen, die zum Erstarken einer Volkswirtschaft in dem betreffenden “Entwicklungsland” eine wichtigen Beitrag leisten würden.

    -Umsetzung (rechtskräftiger) Urteile durch die Verwaltung
    Im Hinblick auf die Diskussion zur Abschiebung von Sami A. und den Urteilen des VG Gelsenkirchen/OVG Münster und ein in Rede stehendes Unterlaufen des Rechtsstaatsprinzips durch “Manipulationen” im Verhältnis von Exekutive zu Judikative möchte ich auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil vom 02. März 2017 – BVerwG 3 C 19.15 -) hinweisen, das weiterhin auf die Umsetzung in der Rechtswirklichkeit wartet. Zwischenzeitlich hat sich das Bundesministerium für Gesundheit (zuständig für die Umsetzung ist das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) seine Verhaltensweise durch ein Di Fabio-Gutachten absichern lassen. Das Zustandekommen dieses Gutachtens hat jüngst der Tagesspiegel beleuchtet (https://www.tagesspiegel.de/politik/leiden-von-schwerkranken-regierung-ignoriert-sterbehilfe-urteil/22928102.html).

    • Wir finden das Vorgehen des VS in Niedersachsen und Bremen nicht selbst willkürlich, sondern wir haben die Kritik des Bundes-VS daran referiert.

  7. Ich sehe das Widerspruchsmodell etwas skeptischer. Sascha Lobo hat das sog. “Nudging” vor einiger Zeit mal in einer lesenswerten Kolumne – gerade unter dem Aspekt liberaler Vorstellungen – kritisch betrachtet: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/nudging-sascha-lobo-ueber-das-prinzip-nudging-im-digitalen-zeitalter-a-1172423.html

    Unabhängig davon halte ich auch das Modell des “Hirntods” persönlich für fragwürdig. Es wurde seinerzeit eigens als Konzept in Reaktion auf die Möglichkeit von Organtransplantationen entwickelt. Dabei kann der Körper immer noch seine Temperatur regulieren, schwitzen, Antikörper bilden, auf Schmerzreize reagieren usw. “Hirntote” schwangere Frauen haben auch schon Kinder geboren. Bei der Organtransplantation bekommt man aber keine Betäubung o.Ä, denn man ist ja hirn”tot”. Wer kann mir versichern, dass ich tatsächlich keine Schmerzen empfinde? Finde kaum eine Vorstellung grausamer. Insofern stimmt es ja nicht, dass nicht in erheblicher Weise in Rechte eingegriffen wird. Oder dass es das Gebot der Humanität verlange, dass man spenden soll. Natürlich wünsche ich mir unbedingt für jeden, der ein Organ benötigt, dass er das auch bekommt. Andererseits würde ich die Zumutung auf der Seite derjenigen, die als Spender in Frage kommen, auch nicht so einfach wegwischen :/

    • Kannst Du Deine Annahme, dass der Körper noch auf auf Schmerzen reagiere, bitte belegen? Gefühlte Fakten helfen uns hier nicht weiter.

      • Hier z.B. sind ein paar Zweifel an der völligen Schmerzfreiheit aufgeführt:

        https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/todeszeitpunkt-und-organspende-wie-tot-sind-hirntote-1.1299076-2

        Meine Frage: warum nimmt man auch nur das kleinste Restrisiko in Kauf?
        Bis in die 80er Jahre hinein hat man auch Frühchen und Neugeborene ohne Schmerzmittel operiert, da man davon ausging, dass sie keine Schmerzen haben. Auch DAS war mal der aktuelle Stand der Medizin.

      • Zweifel von Experten sind auch hier zusammengefasst: http://www.taz.de/!5132795/

        Im Deutschlandfunk hat der Stuttgarter Kardiologe Paolo Bavastro auch mal ein interessantes Interview gegeben, in dem er das “Hirntod”-Konzept kritisiert: https://www.deutschlandfunkkultur.de/der-hirntod-ist-nicht-der-tod-des-menschen.954.de.html?dram:article_id=146438 (“Was wir wahrnehmen konnten, das war täglich, dass das Herz schlägt, dass die Temperatur des Körpers da ist, dass sie Ausscheidungen hatte, sowohl Urin als auch Stuhl, dass sie geschwitzt hat. Wir wissen aus der Literatur und aus der Biologie, dass diese Menschen Antikörper bilden können, also geimpft werden könnten, dass Frauen schwanger werden können, dass Männer Erektionen haben – das sind alles elementarste biologische Phänomene, die dazu führen, dass man täglich am Krankenbett erlebt, dass das ein lebendiger Mensch ist, schwerstkrank, aber eben lebendig!”).
        Er befürwortet deshalb für eine sehr enge Zustimmungslösung: “Deshalb plädiere ich für die engste Zustimmungslösung, nachdem der Betreffende sich selber geäußert hat. Wer sich aber nicht geäußert hat, oder sich nicht äußern kann, weil ihm das Problem zu kompliziert, zu schwierig, sonst wie ist, oder er sich nicht entscheiden will, dann ist er eben kein Organspender. Diese Freiheit müssen wir jedem einzelnen Bürger lassen, sich so zu entscheiden, oder auch die Freiheit, sich nicht entscheiden zu müssen.”

        Bei einer so einschneidenden, höchstpersönlichen und weitreichenden Frage halte ich auch die Freiheit, sich nicht entscheiden zu müssen, für ein hohes Gut.

      • @Maria

        Also dieser Artikel von Sabine Müller hat erhebliche Schwachpunkte:

        Der erste Kardinalfehler: Amerikaner haben eine gänzlich andere Hirntoddefinition als wir. Wenn also ein US-amerikanischer Neurologe kritisiert, dass der Hirntod Probleme bereitet, so ist dies überhaupt nicht mit der Situation in Deutschland vergleichbar. In den USA gilt der Hirnstammtod, während in DE der Ganzhirntod als Maßstab gilt. Da v.a. das Großhirn als Sitz der Persönlichkeit in den USA nicht beschädigt sein muss, kann man hier sicher Kritik anbringen. In Deutschland hat ein Hirntoter nur noch Blutbrühe im Kopf. Da ist keinerlei Gehirnfunktion erhalten.

        Auch der Punkt “Zwischen Hirntod und Herzversagen vergeht manchmal eine lange Zeit” ist kein Argument. Das ist doch eben der Kernpunkt, dass man zwar die Organfunktion des Gehirns weder erhalten noch ersetzen kann, die restlichen Organsysteme aber mit Unterstützung (!) noch am Laufen gehalten werden können. Zur Hirntoddefinition gehört in DE, dass es zu einem sofortigen Kollaps kommt wenn nicht mehr beatmet wird (hierfür unterbricht man die Beatmung üblicherweise mehrmals und schaut, was passiert).

        “Die durchschnittlichen Überlebenszeiten, so Müller, wären noch höher, wenn nicht der Tod der künstlich beatmeten Patienten durch Entnehmen von Organen oder Abbrechen lebenserhaltender Maßnahmen eingetreten wäre”

        Wenn man so einen Unsinn liest wird einem schwindelig … die Person ist bereits tot, wenn man ihr die Organe entnimmt. Natürlich kann man einen Hirntoten noch ewig mit Intensivmedizin konservieren, aber man hält ihn nicht am Leben: der Tod ist bereits eingetreten. Die Dame macht gar nicht klar, welches Todesdefinition sie denn jetzt verwendet. Das Erlöschen ALLER Organfunktionen? Streng genommen wäre dann ein Organexplantierter gar nicht tot, da ja einige seiner Organe in anderen Personen weiterarbeiten. Die Frage nach der Todesdefinition ist eine uralte medizinethische Problemstellung, die mit dem Hirntod am elegantesten beantwortet wird.

        “[…]Hirntote ihre Körpertemperatur regulieren, Infektionen und Verletzungen bekämpfen, auf Schmerzreize reagieren, verdauen und ausscheiden[…]”

        Vegetatitve Funktionen sind noch erhalten, das ist ja toll. Im Physiologieunterricht an der Uni hat man früher einzelne Froschorgane in bestimmte Lösungen gelegt, um vegetative Reaktionen zu provozieren. Wenn man einem Menschen Gefäße herausschneidet kann man die in der Petrischale verengen und entspannen lassen (so funktioniert u.a. Temperaturregulation). Die Verdauung fängt nach dem Tod an richtig zu arbeiten, denn da ist ja jetzt eine Menge Gewebe dass sich nicht mehr wehrt (der Körper verdaut sich posthum selbst). Immunreaktionen kann man im Reagenzglas beobachten. Das sind doch alles keine Kriterien für menschliches Leben!

        Wenn Sie nicht spenden wollen ist das doch okay. Aber dann sagen sie es halt und lassen diese Entscheidung nicht ihren rumdrucksenden und überforderten Nachkommen.

      • Danke für die fundierte Antwort … ich bin ganz erschrocken, wie viel Halbwissen bis hin zu echten Fake News in dieser Debatte auch in unseren Kommentaren breitgetreten wird. Das liest sich fast so absurd wie die Argumente von Impfgegnern. Gruselig. Umso besser, wenn jemand mit offenkundigem Fachwissen die laienhafte Skepsis souverän abräumt. Wir müssen einfach wieder mehr auf Experten hören statt aufs Bauchgefühl.

      • @Maria
        Abgesehen davon, dass alle aufgezählten Körperfunktionen unabhängig von einer zentralen Steuerung existieren und funktionieren können, hoffe ich doch inständig, dass niemand versucht hat eine Hirntote zu schwängern.

        @sti
        Der Schlusssatz des SZ Artikels beantwortet eigentlich ihre Frage. Selbst wenn man den Hirntod nicht anerkennt, so ist er doch unbestreitbar irreversibel und endgültig. Niemand ist je wieder “zurück” gekommen, der Patient also auf jeden Fall todgeweiht. Welchen Vorteil hat man also aus einer vemeintlichen Unversehrtheit im Unausweichlichen?

        Ansonsten hat der User fbn schon einen sehr lesenswerten Kommentar am 9.11. verfasst, falls sie ihn nicht gesehen haben sollten.

        PS:
        Der Neurochirurg Dag Moskopp über Paolo Bavastro: “Hinter dessen Argumentationsposition verbirgt sich im Wesentlichen eine neoaristotelische Einstellung, die offenbar nicht verwinden kann, dass das Herz nicht das Zentralorgan des Menschen ist, sondern – wie Herztransplantationen mittlerweile gezeigt haben – ein austauschbarer Hohlmuskel.”
        http://www.organspende-wiki.de/wiki/index.php/Paolo_Bavastro

      • Ehrlich gesagt finde ich es ein bisschen unverschämt und unsachlich, mir Fake News vorzuwerfen und mich mit Impfgegnern zu vergleichen. Ja: Ich bin Laie und keine Medizinerin, Naturwissenschaftlerin o.Ä. Aber ich habe mich mit meinem Beitrag auf seriöse Quellen gestützt.
        Dass der Hirntod in den USA anders definiert wird, spielt ja für die Bewertung, dass die Annahme widerlegt ist, dass das Gehirn eben nicht der zentrale Integrator des Organismus ist, keine Rolle.
        Nachzulesen ist das u.a. auch in folgenden Artikeln:
        http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/geisteswissenschaften/hirntod-ist-die-organspende-noch-zu-retten-1605259.html
        http://www.bpb.de/apuz/33311/wie-tot-sind-hirntote-alte-frage-neue-antworten?p=all

        Aus dem Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung: „Eine Untersuchung von Hans-Joachim Gramm et al. hat gezeigt, dass bei zwei von 30 als hirntot diagnostizierten Organspendern die Konzentrationen der Botenstoffe Noradrenalin, Dopamin und Adrenalin sowie Blutdruck und Herzfrequenz bei der Organentnahme sprunghaft anstiegen. Ob es sich dabei um Rückenmarksreflexaktivität handelte, wie die Autoren vermuten, oder um Schmerzreaktionen, ist unklar. Vor diesem Hintergrund wurde bereits im Jahr 2000 eine Vollnarkose für hirnstammtote Organspender gefordert, allein schon um das Unbehagen für das Operationspersonal zu reduzieren.“

        Letztlich geht es ja vor allem um die Frage, wie man den Tod eines Menschen definiert. Aus pragmatischen Gründen hat man sich eben dazu entschieden, den Hirn“tod“ als äquivalent zum normalen menschlichen Tod zu betrachten. Klassische Kriterien für Leben wie Stoffwechsel, Homöostase, Reizbarkeit oder Wachstum sind bei hirntoten Menschen aber noch vorhanden. Hirntote Menschen sind vielleicht Todgeweihte, aber keine Leichen.

        Der Deutschlandfunk hat diese Problematik auch in einem sehr interessanten und informativen Beitrag diskutiert: https://www.deutschlandfunk.de/medizin-die-untoten.740.de.html?dram:article_id=305199.
        Aus diesem Beitrag: “Es ist sicher so, dass diese Menschen nie wieder erwachen. Aber wir können nicht sicher sein, dass alles im Hirn abgestorben ist, das weiß man, das ist so in der medizinischen Fachliteratur diskutiert, das muss man fair diskutieren und wissen.” Tanja Krones, leitende Ärztin für klinische Ethik, Unispital Zürich. Die Hirntod-Diagnostik wandelt auf einem sehr schmalen Grat zwischen Leben und Tod. Keine der Diagnose-Methoden bietet hundertprozentige Sicherheit. Und der Hirntod ist weit weg von jenem Zustand, den Pathologen als Tod definieren. Denn ohne Totenflecken, Leichenstarre oder bereits einsetzende Fäulnis wird in Deutschland außerhalb von Intensivstationen kein Totenschein ausgestellt. Doch ein solcher Toter liefert keine brauchbaren Organe. Der Hirntod ist näher am Leben. Und viele Kritiker meinen: zu nah.“

        Ich habe ja nicht behauptet, dass ich mit absoluter Sicherheit weiß, dass für hirntot erklärte Menschen auf jeden Fall furchtbare Schmerzen empfinden (und damit falsche Informationen „breitgetreten“). Das Problem ist ja gerade, dass man für tot erklärte Menschen eben nicht fragen kann, was sie empfinden. Aber angesichts dieser Unwägbarkeiten halte ich einen so krassen Freiheitseingriff beim Widerspruchsmodell für nicht unproblematisch. Schweigen gilt juristisch grundsätzlich nicht als Zustimmung. Warum sollte das ausgerechnet bei einer so höchstpersönlichen Frage der körperlichen Integrität anders gehandhabt werden?

      • Maria, ich habe Dich doch gar nicht persönlich angesprochen.

      • Ich habe Deinen Kommentar auf meinen Beitrag bezogen. Tut mir leid, wenn ich das missverstanden habe. :-)

      • @Ulf Finde ich auch krass von “Fake News” zu sprechen. Es gibt – wie weiter unten von anderen Kommentatoren ausgeführt – durchaus eine wissenschaftliche und ethische Debatte um das Hirntodkriterium, die man bei der Diskussion um die Widerspruchslösung nicht einfach ignorieren kann. Es geht auch nicht darum, ob jemand mit einem Hirntod wieder auffwachen könnte – der Hirntod ist irreversibel und der potentielle Organspender wird in jedem Fall sterben. Aber er ist eben ein Sterbender und noch kein Toter. Daher kann man sich durchaus fragen, ob es legitim ist, einem Sterbenden die Organe zu entnehmen nur weil er nicht wiedersprochen hat.

        Die Spenderzahlen in Spanien mit denen in Deutschland zu vergleichen ist wegen der Todesdefinition (mit der ihr euch ja nicht beschäftigt) auch nicht sinnvoll – denn in Spanien gilt der Herztod auch schon als Tod, in Deutschland nicht. Die Zahl der potenziellen Spender ist dadurch natürlich auch höher.

      • und ich bin übrigens ein Impf-Fan :)

      • Alle aufgeführten vermeintlichen Probleme sind nicht per se zentrale Prozesse – ob jetzt Hämostase, Katecholaminausschüttung oder die sonstigen angeführten Beispiele. Sie sind natürlich alles indirekte Zeichen für Leben, genauso wie die sicheren Todeszeichen der Pathologen indirekte Zeichen des Todes sind. Die grundsätzliche Frage nach der Todesdefinition muss man stellen und sie ist am pragmatischsten mit dem Ganzhirntod zu beantworten, wenn man überhaupt Organspende betreiben möchte. Den biologischen Tod (=der Tod der letzten Körperzelle) als Kriterium heranzuziehen, macht die postmortale Organspende unmöglich. Es stellt sich vielmehr auch die Frage, ob es sinnvoll ist eine so strikte Todesdefinition zu nutzen: der irreversible Ausfall der gesamten Hirnfunktion nimmt dem Menschen jegliches denken, empfinden, fühlen, wahrnehmen und nur weil er noch nicht anfängt zu verwesen macht ihn das mMn kein bisschen lebendiger als eine konventionelle Leiche.
        Schlussendlich geht es doch darum, wie man mit Menschen umgeht, die sich in einer außergewöhnlich unglücklichen (und nicht zu vergessen unwahrscheinlichen!) Lage befinden, dass sie vor ihrem unausweichlichen biologischen Tod durch die moderne Medizin noch die Möglichkeit haben anderen zu helfen. Mein altruistisches Menschenbild geht davon aus, dass der Mensch grundsätzlich seinen (körperlichen) Nachlass lieber zum Nutzen der Gesellschaft einsetzt, als am Stück begraben zu werden. Und das schöne in unser freien Gesellschaft ist doch, wer das für sich nicht möchte kann durch ein kleines Kreuz auf seinem Organspendeausweis, einem Satz zu seinen Angehörigen oder einen formlosen Satz auf einer Serviette einfach widersprechen, ohne Begründung und ohne Konsequenz.
        Die Widerspruchslösung ist natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss und wird unsere Organmangelproblematik mit einem Schlag beheben, sondern sie ist ein Baustein auf dem Weg zur Verbesserung unserer jetzigen Situation. Genauso wichtig ist die Änderung der Abrechnungsformalitäten, dass die Neubelegung eines Intensivbettes für die Kliniken nicht lukrativer ist, als die Weiterbehandlung eines Hirntoten bis zur Explantation.

  8. Zwei Dinge sind mir in der aktuellen Folge aufgestoßen. Erstens befremdet mich eure offensichtlich zur Schau gestellte diebische Freude über die Neuigkeiten aus dem Weißen Haus. Ihr gebt doch immer die lupenreinen Demokraten. Der amtierende amerikanische Präsident wurde in einer demokratischen Wahl von den Bürgern der USA gewählt. Wie kann man es da uneingeschränkt gutheißen, wenn sich irgentwelche Mitarbeiter erdreisten, Papiere vom Schreibtisch des Präsidenten zu stehlen oder seine Vorhaben heimlich zu untergraben? Für mich ist das eine Frechheit und absolut antidemokratisch. Wie würdet ihr wohl berichten, wenn herauskommt, dass Mitarbeiter Angela Merkels in gleicher Weise handeln? Zum Zweiten finde ich das Lob für den Einsatz der “Anständigen“ gegen die Chemnitzer Demonstranten überzogen. Wir sind mehr! Hallo? Es handelte sich um ein kostenfreies Konzert für das in ganz Deutschland tagelang von Früh bis Spät die Werbetrommel gerührt wurde. Was für eine Leistung. Ich bin tief beeindruckt. Bitte thematisiert die Texte von KIZ doch einmal mit ähnlich viel Raum wie ihr den verirrten Spinnern mit Hitlergruß einräumt. In meiner Wahrnehmung werdet ihr immer einseitiger.

    • Lieber Philipp,

      mit immer höher gezogenen Augenbrauen habe ich deinen Beitrag gelesen. Eins vorweg, Ulf und Philip haben schon häufiger deutlich gemacht, dass für sie das Einfließen ihrer Meinung und Position zur Lage dazugehört und diese Anmerkungen haben – für mich zumindest – auch immer genug Trennschärfe gegenüber tatsächlichen Sachaussagen, Daten und Fakten. Solltest du also wünschen oder mit deinem Kommentar bezwecken wollen, dass sie neutraler oder gar mehr nach deinem Geschmack berichten sollen, scheint dies ein eher hoffnungsloses Unterfangen zu sein. Nun zu deinen Argumenten:
      Trump
      Du hast natürlich vollkommen recht, wenn du sagst, dass Trump demokratisch gewählt wurde und seine Präsidentschaft somit demokratisch legitimiert ist. Das bedeutet aber nicht, dass jedes Verhalten und Handeln von Trump nach der Wahl automatisch demokratisch legitimiert ist – das ist ein Lehrbuchbeispiel eines tautologischen Fehlschlusses!
      Das (unbemerkte) entfernen von Schriftstücken vom Schreibtisch scheint ein Beispiel aus den Leaks des Buches von Woodward zu sein. Das Op-Ed Essay der New York Times – das du ja sicherlich auch gelesen hast – scheint dafür die Erklärung zu liefern. Der Autor oder die Autorin des Essays zeichnet das Bild eines sich unberechenbar verhaltenden, (antidemokratischen) Diktatoren zugewandten Präsidenten und das dem entgegenwirkende Verhalten von Mitarbeiter*innen möchte aus jenem Verhalten eventuell resultierenden Schaden durch besagtes Handeln entgegentreten. Sie wollen so offensichtlich das Amt und die Würde des POTUS (einer demokratischen Institution) sowie infolgedessen die USA (ein demokratisches Land) vor größerem Schaden bewahren; sie handeln also im Sinn der Demokratie / in demokratischem Bewusstsein.
      2. Chemnitz
      Wenn du es für deinen Seelenfrieden brauchst, dass 65.000 Menschen, in Zeiten von Spotify, Deezer und mehrerer kostenloser Livestreams, auf ein Konzert gegen Rechts unter dem Motto „Wir sind mehr“ gehen, weil es kein Geld kostet, geschenkt. Aber das hier in den Kommentaren schon mehrfach versuchte Gegenargument, sprich der Texte von K.I.Z. ist für mich doch ein sehr durchschaubarer Versuch des Zündens einer Nebelkerze. Gleiches gilt übrigens auch für Aussagen wie „aber in Hamburg bei den G20 Ausschreitungen…“, beides ist das offensichtliche Bemühen eines vermeintlichen „Totschlagargumentes“ und somit eine versuchte Verhinderung einer sachlichen Diskussion und Aufarbeitung des in Chemnitz (und Köthen) Geschehenden.
      Sei dir bitte bewusst, dass du mit deiner Beweisführungen (obgleich dich auch das Zeigen des Hitlergrußes zu stören scheint) Gefahr läufst, dass man dir mindestens eine Sympathie mit dem in Chemnitz und Köthen Geschehenden, also der Instrumentalisierung eines Tötungsdeliktes zur Verbreitung und dem auf die Straße Tragen von nationalistischem Gedankengut, unterstellen kann.
      Ich kann nur hoffen, dass Philip und Ulf nicht über dieses Stöckchen springen und es solche Kommentare nicht den Weg in die Sendung finden.

      • Lieber Mark Anton,

        da du dir mit deiner langen E-Mail große Mühe gegeben hast, möchte ich dir gern antworten. Nach meinem Geschmack sind Sendungen wie die Lage der Nation interessanter, wenn auch kontroverse Meinungen Eingang finden. Wenn zumindest scheinbar alle einer Meinung sind, ist es doch etwas fade. Daher würde ich mich freuen, wenn Beiträge wie meiner auch in der Sendung thematisiert werden. Gerade weil Ulf und Philip fast immer einer Meinung sind.

        Deiner Überzeugung nach, darf jeder der sich berufen fühlt, einem demokratisch gewählten Staatsoberhaupt seine eigenen Vorstellungen heimlich überstülpen. Jede handelnde Person geht in aller Regel davon aus, dass seine Handlungen die richtigen sind. Ob dies so ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Fakt ist, dass keine Legitimation für dieses Verhalten besteht. Eine gute Absicht legitimiert solch ein Verhalten nicht. Man kann dies auf alle Ebenen einer Gesellschaft runterbrechen. Wer solche Manipulationen honoriert, hat die Grundregeln einer Demokratie nicht verstanden. Zur Korrektur gibt es zahlreiche vorgesehene legitime Instrumente. Letztendlich entscheidet die nächste Wahl und nicht irgendein Mitarbeiter über den Kurs, den ein Land verfolgt.

        Beim Thema Chemnitz verstehe ich dich nicht. Selbstverständlich finde ich es legitim, wenn Chemnitzer Bürger ihr Recht auf eine Demonstration wahrnehmen. Unbestritten ist, dass sich auch zahlreiche eindeutig zu verachtende Spinner unter diese Menschen gemischt haben. Die weit überwiegende Zahl der Demonstranten hat mit diesen Spinnern nichts gemein. Dennoch wird argumentiert, wer dabei ist, macht sich gemein. Totschlagargument? Es wird suggeriert, dass es sich überwiegend um einen rechten Mob handelte. In vielen Berichten war sogar von Aufmärschen die Rede. Die gleichen Leute finden es jedoch vollkommen OK und loben ein Konzert, bei dem tausende Leute mitgröhlen: “Ich nehme Eva Herrmann von Hinten und ficke sie grün und blau“ oder “Ich stecke meinen Dolch in die Journalistenfresse“ Dazu kein Kommentar. Nur Lob. Das ist eine ganz wichtige Veranstaltung… Da musst du doch zugeben, dass hier nicht neutral berichtet und kommentiert wird.

  9. Zum Thema Skripal:

    Russland fällt ja immer wieder damit auf, dass es recht erfolgreich verschiedene Dinge tut.. in der Ausführung aber immer recht schlampig arbeitet. Das gilt für die Spurenverwischung bein DNC Hack, für die grünen Männchen auf der Krim und in der Ostukraine und auch für Skripal. Aber auch die Beeinflussung der Wahlen in den USA (wie hoch dieser Einfluss auch immer gewesen sein mag, er war da).

    ein erklärungsmuster:

    – russland ist generell recht kopflos respektive ignorant. das durchzieht die gesamte gesellschaft. das reicht vom ewigen autoanlassen, selbst wenn man einkaufen geht, bis hin zum verfallenlassen von gebäuden vor den augen aller. man hängt dann halt eine nette folie drüber. fertig. man säubert die innenstadt penibel, aber nicht in den seitenstrassen. man brettert wie blöde mit dem SUV durch pfützen in engen gassen und benässt die fussgänger. klimawandel? toll, dann brauchen wir weniger pelze und können in der antarktis rohstoffe suchen.
    anders gesagt: ein land, in dem das leben des einzelnen wenig wert hat, kümmert sich nicht darum, wenn der einzelne dann mal “verschwinden muss”.

    – in dem sektor, geheimdienstarbeit, wird ohnehin wenig öffentlich verhandelt. großbritannien hat sich über jahre hinweg morde an russen auf seinem gebiet gefallen lassen, ehe sie nun unerwartet scharf nach vorne geprescht sind und grenzen setzten. was die russen schon per se überfordert hat. die nun gelieferten beweise zeigen auch, wie hilflos man in russland vor dem scherbenhaufen steht… was ungewohnt ist, denn..

    – ..in der vergangenheit ließen sich viele probleme einfach mit fragen und abstreiten wegwischen. und das, obwohl nicht weniges im nachinein als “wahr” zugegeben wurden. größtes beispiel hierzu die doku über die annexion der krim, in der putin sich ein prahlen nicht verkneifen kann. lehrbeispiel das interview von markus wolf mit putin, bei dem putin iS MH17 plötzlich sibir-flug 1812 auspackte. das reicht fast immer zum zerreden und ablenken.
    zusätzlich die nebelbomben in den sozialen netzwerken und ein paar “freunde russlands” an den richtigen positionen, fertig.

    mfg
    mh

  10. Hallo liebes Lage-Team,

    im Kapitel zu Trump (Innerer Widerstand und Woodward-Buch) sagt Philip einleitend zum Op-Ed der NYT, er wisse nicht, ob die NYT überhaupt schon mal ein anonymes Op-Ed Essay veröffentlicht habe. Da habe ich mich dann mal bemüßigt gefühlt das zu recherchieren, keine Kosten und Mühen gescheut und direkt den letzten Link in der Einleitung zum Essay geklickt, also diesen:

    https://www.nytimes.com/2018/09/08/reader-center/anonymous-op-ed-trump.html

    und dort dies gefunden:

    „Has this happened before?
    You said publishing an anonymous Op-Ed essay is a “rare step.” So does it mean that it was not unprecedented? Then what were other times when you made a call to run anonymous Op-Eds? What were your rationales back then?
    — Dien Luong, Vietnam

    Dien:
    It has happened before. Earlier this year, we published an anonymous essay by an asylum seeker whose name we withheld because she was concerned about gang violence against her family in El Salvador. In 2016, we published this Op-Ed by a Syrian refugee in Greece, using her first name only because her family in Syria faced threats. We also published in 2016 an account of the Syrian civil war by a writer in Raqqa using a pen name to protect him from being targeted by the Islamic State.
    — Jim Dao“

    Das sollte des Rätsels Lösung sein.
    Im weitern Verlauf dieses Segments kommentiert Ulf, obgleich er die anonyme Quelle nicht richtig einschätzen könne, dass das dort Geschriebene sehr plausibel klänge. Eventuell hilft folgendes aus gleicher Quelle (https://www.nytimes.com/2018/09/08/reader-center/anonymous-op-ed-trump.html) bei der näheren Einschätzung:

    „How did you find this writer?
    Did The New York Times seek out the author of this piece, or did the author seek out The New York Times?
    — Norma Buchanan, Billings, Mont.

    Norma:
    The writer was introduced to us by an intermediary whom we know and trust.
    — Jim Dao

    How do you vet a piece like this?
    How are you certain of the author’s identity?
    — Martin Trott, Jackson Hole, Wyo.

    Through direct communication with the author, some background checking and the testimony of the trusted intermediary.
    — Jim Dao

    What does ‘senior administration official’ really mean?
    Who qualifies as a “senior administration official” for The New York Times? How many individuals are there in the administration who fit the bill?
    — Daniel Burns, Hyattsville, Md.

    Daniel:
    I understand readers’ frustration that we didn’t provide a more precise description of the official. But we felt strongly that a broader categorization was necessary to protect the author from reprisal, and that concern has been borne out by the president’s reaction to the essay. The term we chose, senior administration official, is used in Washington by both journalists and government officials to describe positions in the upper echelon of an administration, such as the one held by this writer.
    — Jim Dao

    […]

    Were the writer’s motives considered?
    Were the motives of the author considered when deciding whether to publish the Op-Ed?
    — Samantha Combs, Pensacola, Fla.“

    Samantha:
    Our first step in evaluating any submission is to look at the background of the writer and the quality and significance of the piece itself. But we do also take into consideration a writer’s motives as part of the vetting process.
    It can of course be difficult to discern what those motives are, and in this case a combination of motives were undoubtedly in play, including the writer’s desire to defend the integrity of the president’s internal critics.
    But we concluded that the author’s principal motivation was to describe, as faithfully as possible, the internal workings of a chaotic and divided administration and to defend the choice to nevertheless work within it. The resulting essay, we believe, is an important piece of opinion journalism.
    — Jim Dao“

    Ich finde, dass wenn es einem die NYT so einfach macht, man sich durchaus vorher näher informieren könnte, bevor man es selber weiter verbreitet – auch wenn mir bewusst ist, dass alle im Team der Lage noch andere Projekte und Jobs haben und Zeit somit ein hohes Gut ist. Das Segment hätte damit aber den Hauch Sensationslust verloren und an Nachrichtenwert gewonnen.
    Etwaig herauszulesende Süffisanz bitte nicht als Angriff gegen Euch oder gar Eure Arbeit werten, sondern nur als meine Gemütslage beim Schreiben. Ich bin ein großer Fan Eures Formates und bin Euch für dieses auch sehr dankbar!

  11. Liebes Lage-Team,

    ich habe gerade eure letzte LdN gehört und wollte auf einen weiteren interessanten Diskussionsbeitrag zur “Hetzjagd-oder-Nicht”-Debatte hinweisen: Zeit Online hat jüngst ein Essay veröffentlich, in dem die Autoren auf die Bedeutung von “Framing” in öffentlichen Debatten hinweisen.

    https://www.zeit.de/kultur/2018-09/framing-deutung-hetzjagd-chemnitz-hans-georg-maassen/komplettansicht

    Ihr argumentiert in der Lage ja vor allem, dass es um der Sachlichkeit und Korrektheit willen richtig ist, zu klären und möglichst genau zu beschreiben, was eigentlich passiert ist, dass es aber letztlich nicht darauf angekommt, “was genau da passiert ist”, weil “das Entscheidende””die Gewaltbereitschaft und Unmenschlichkeit” sei, “die da zum Ausdruck gekommen ist”. Grundsätzlich stimme ich euch da zu, zumal “Hetzjagd” zB ja auch kein juristischer Begriff ist, der also eine klare Bedeutung besitzt (deswegen halten sich meines Wissens nach die meisten polizeilichen und strafverfolgungsbehörden aus der Debatte auch heraus.) Die Debatte darum ist also eine politische und gesellschaftliche, keine juristische.

    Die Zeit-Artikel geht aber noch darüber hinaus und weist daraufhin, dass und wie verwendete Begriffe eine Debatte beeinflussen, in dem sie den begrifflichen, historischen und generell kulturellen Rahmen vorgeben:

    “Der Rahmen “Mob-Hetzjagd-Pogrome” konnotiert einen unkontrollierten, gewaltsamen, ja sogar todbringenden Auflauf, den die Polizei nicht in den Griff bekommt. Die implizierte Kritik an der sächsischen Staatsgewalt ist das, was Michael Kretschmer mit seiner Begriffsabwehr zurückzuweisen versucht. Besonders stark wirkt in diesem Zusammenhang das Wort “Pogrome”, das hierzulande auf die Judenverfolgung unter den Nationalsozialisten Bezug nimmt und damit auf bösartig geplante Massaker, ja sogar auf einen Massenmord (dass die Wörterbuchdefinition weiter gefasst ist und gewaltsame Ausschreitungen, aber nicht notwendig Tötungen beinhaltet, gerät dabei in Vergessenheit).

    Indem Kretschmer einen gemeinsamen Rahmen aus Pogrom, Hetzjagd und Mob verwendet, kann er darauf hoffen, durch die Zurückweisung des einen Begriffs – Pogrome – auch die beiden anderen – Hetzjagd und Mob – loszuwerden.”

    Es ist also gar nicht so einfach “zu sagen, was ist” (oder war):

    “[“Zu sagen, was ist”] suggeriert, dass es jederzeit einen direkten, eindeutigen, evidenten Zugriff auf die Wirklichkeit gebe. Diesen Zugriff kann es zwar geben – wenn Fakten ermittelt werden –, oft wird er aber erst durch erhebliche Recherchearbeit möglich. Sobald Sachverhalte kommuniziert werden, ist zwangsläufig eine sprachliche Rahmung im Spiel. Und spätestens, wenn ein Sachverhalt Gegenstand einer Debatte wird, treten Evidenz und Objektivität vor dem Streit um Deutungen zurück. Ohne Framing gibt es keine Einordnung einer Situation. Auch Berichte, die sich um Objektivität bemühen, müssen einen Rahmen setzen. Debatten im öffentlichen Raum bestehen dann in erster Linie in der Aushandlung dieser Rahmensetzungen. […]

    Wer vorgibt, die Dinge zeigen zu können, wie sie eigentlich sind, gibt vor, die Dinge vereinzeln zu können. Das Nachdenken über Deutungsrahmen bringt die Erkenntnis, dass nicht die Dinge selbst gezeigt werden, sondern ihre Verknüpfung: was ist das gleiche, was dasselbe, was Ursache oder Wirkung, welcher Faktor ist entscheidend? Neutralität gibt es dabei nicht. Im Journalismus ist das eine problematische Einsicht, denn hier zählt das Ideal der freien und aufrichtigen Berichterstattung. Aber aufrichtig zu sein, heißt nicht, etwas als neutral zu präsentieren, sondern transparent zu machen, warum man wie berichtet. ”

    Es macht auch etwas aus, wie ich die Frage nach den Opfern der rechten Gewalt beantworte: ob ich von “Angriffen auf ‘Ausländer'” oder “Angriffen auf ‘Menschen mit Migrationshintergrund'” oder mal ganz anders von “Angriffen auf ‘ein Viertel der deutschen Bevölkerung'” spreche:

    “Angriffe auf “Ausländer”, das ist ein Framing, das die Vorkommnisse von Chemnitz in einen gemeinsamen Rahmen mit den Redeweisen über die Pogrome von Rostock und Hoyerswerda in den Neunzigerjahren stellt. Unterschwellig legen sie damit auch eine Kontinuität der politischen Lösungen nahe: die Verschärfung der Asylgesetze und eine Restriktion der Einwanderung von “Ausländern”.”

    Der Artikel selbst enthält noch eine Reihe weiterer Beispiele von Framing in den politischen Debatten der Bundesrepublik (insbesondere in der großen Migrationsdebatte). Ich fand ihn auf jeden lesens- und teileswert. Auch hier bei der LdN, weil ihr euch eben auch etwas an der Bedeutung von Worten etwas abgearbeitet habt, in der eurer letzten Lage

  12. Ich höre die Lage gerade unterwegs und möchte kurz einen Punkt machen. Ich denke die Kritik an “Feine Sahne Fischfilet” ist vielleicht nicht berechtigt (obwohl ich gehört habe sie hätten den besagten Song gespielt, das weiß ich aber nicht sicher). Ganz sicher zu kritisieren ist von K.I.Z. “Ein Affe und ein Pferd” , der Song wurde gespielt, da ob habe ich Aufnahmen gesehen. Desweiteren wurden Antifa Parolen gebrüllt, und an was das erinnert könnt ihr euch ja selber anschauen.
    So ich höre mal weiter, wie immer Danke für eure Arbeit!

    • Was möchtest Du uns denn damit sagen, dass eine der Bands schräge Parolen gesungen hat? Macht das das Engagement gegen die Nazis weniger wichtig? Vielleicht sollten sich eher Polizeibehörden die Frage stellen, warum Menschen von Gewalt gegen Beamte phantasieren … nicht dass wir das billigen wollten, aber es gibt dafür ja möglicherweise auch Gründe.

      • Sorry Ulf, aber das Argument ist auch nicht besser als zu sagen: Vielleicht sollte sich eher das BAMF die Frage stellen, warum Menschen von Gewalt gegen Migranten phantasieren. Es gibt dafür ja möglicherweise auch Gründe.

      • Ja genau, dafür gibt es einen Grund: Rassismus.

        Das ist eben der große Unterschied zur Kritik an Polizeibehörden, die traurigerweise oft berechtigt ist.

      • Klar ist die oft berechtigt. Es gibt aber auch die andere Seite der Medaille, nämlich das viele Linksradikale die Staatsgewalt als solches ablehnen und die Polizei deshalb ein Feindbild darstellt.

        Dafür finde ich kein das Ganze so schön zusammenfassendes Wort wie “Rassismus”, verurteilenswert finde ich es aber trotzdem.

      • da bin ich völlig d‘accord, ganz abgesehen davon, dass Gewalt als Mittel, politische Ansichten durchzusetzen, generell abzulehnen ist.

      • Ich glaube auch nicht, dass wir unterschiedlicher Meinung sind. Manchmal habt ihr erwähnt, dass Euch vorgeworfen wird, auf dem linken Auge blind zu sein. Ich glaube nicht, dass das so ist, der Fokus Eurer Kritik ist nur wenn es um Linksradikale geht häufiger die Polizei als es die Linken sind.

        Ich habe viele Polizeibeamte in der Verwandschaft und Freundeskreis. Nach deren Berichten sind auf Demos die Linksradikalen deutlich gewaltbereiter gegenüber der Polizei als es die Rechten sind. Ohne das jetzt zu befürworten kann auch das ein Grund sein, weshalb die Polizei gegen Linke häufig brutal vorgeht. Das kommt eben von beiden Seiten.

      • Vorab: Ich verabscheue jede Form von Gewalt.

        Nun zum Punkt: Was ist schlimmer? Gewalt gegen die, die das Gewaltmonopol haben und auch einsetzen? Oder Gewalt gegen Menschen, die sich nicht wehren können?

        Nicht falsch verstehen, ich verurteile die gewaltbereiten Antifa Leute ebenfalls, aber oft ist hinterher auch nur noch schwer nachzuweisen, wer zuerst die Grenzen überschritten hat. Auch Polizisten sind nur Menschen, und manchmal handeln diese eben auch falsch.

    • @Ulf:
      Ich sag mal so ….
      Es gibt Songtexte, die nicht unbedingt deeskalierend wirken und die nicht dazu beitragen, die Spaltung von Teilen der Bevölkerung zu verringern ;-)

      Zitat aus “Ein Affe und ein Pferd” von K.I.Z
      “Meine Hausaufgaben mussten irgendwelche deutschen Spasten machen
      Gee Futuristic ich krieg Durchfall von die Bässe
      Ich ramm die Messerklinge in die Journalistenfresse”
      [….]
      “Eva Herman sieht mich, denkt sich: “Was’n Deutscher!”
      Und ich gebe ihr von hinten, wie ein Staffelläufer
      Ich fick sie grün und blau, wie mein Kunterbuntes Haus”

      Welchen Nazi oder noch wichtiger, welchen “Mitläufer” bei den Nazis, soll das davon überzeugen, dass er sich auf dem falschen Weg befindet?

      Von Menschen, die auf ner Demo stehen, wo Nazis den Hittlergruß zeigen, verlangt man, dass sie sich von den Nazis ausdrücklich distanzieren.
      Ein Konzert, auf dem solche Texte gesungen werden, wird vom Bundespräsidenten gelobt.
      Das ist ein Wasserfall auf die Mühlen der AfD und deren Anhänger. Dümmer geht’s in meinen Augen nimmer.

      Die “rechte Szene” spielt Ausschnitte aus dem Konzert mit diesem Text auf Youtube rauf und runter. Bessere Nazipropaganda kann man gar nicht machen.

      Rassistische Gewalt mit rassistischen und sexualisierten Gewaltphantasien zu beantworten, ist einfach total daneben. Und zu behaupten, dass das schon ok ist, solange man gegen Nazis ist, ebenfalls.

      • Hier werden einige Dinge zusammengeworfen, die man sinnvollerweise zunächst getrennt betrachten sollte.

        Zunächst wäre da das Konzert, dessen Anlass selbstverständlich die Ereignisse von Chemnitz sind, bei dem es sich aber nach wie vor im Wesenskern um eine Entertainement-Veranstaltung handelt. Die dortigen Bands spielen natürlich für ihre angereisten Fans. Schon die Annahme, das Konzert wolle durch die dort vorgetragenen Texte Rechte und Neonazis adressieren bzw. überzeugen oder beschwichtigen, ist doch durch nichts begründet. Es geht im Anlass darum, gegen Rechtsradikale und Neonazis Stellung zu beziehen.

        Weiterhin stellt sich die Frage, wie die Songtexte zu verstehen sind. Ich kenne die Band KIZ nicht, lese aber, deren Texte bedienen sich grundsätzlich einer starken Übertreibung bzw. zeichneten sich durch eine srkastisch-ironische Grundhaltung aus. Da der Songtext “Affe und ein Pferd” mit der Zeile “Ich war in der Schule und habe nichts gelernt” anfängt, legt das zumindest den Schluss nahe, dass hier nicht unbedingt ein positives Bekenntnis zu den Handlungen des Besungenen vermittelt werden soll. Eine eigene Beurteilung kann ich aber natürlich nicht leisten, weil ich weder Lust noch Zeit habe, mich mit der Band im Detail zu befassen.
        Davon getrennt ist natürlich die Frage der Außenwirkung zu betrachten, die man durchaus als gewaltverherrlichend verstehen kann, wenn man entsprechende Textausschnitte hört.

        Entsprechend möchte ich dir die Frage stellen, ob du entsprechend informiert bist und belegen kannst, dass die dort spielenden Bands tatsächlich zur Anwendung von Gewalt aufrufen? Nur dann mcht der Aufruf zur Distanzierung Sinn. Oder findest du, das sei egal, weil es bei oberflächlichem Hören so verstanden werden kann?

      • Mein vorheriger Kommentar wurde offenabar nicht gespeichert, daher nochmal:

        Hier muss man zuerst einige grundsätzliche Fragen auseinanderhalten.

        Der Anlass des Konzerts sind sicherlich die Ereignisse von Chemnitz, aber in der Ausgestaltung ist es fraglos ein Konzert, bei dem die Bands lieder für ihre Fans vortragen. Hier geht es doch inhaltlich garnicht darum, eine Art “Überzeugungskonzert” zu machen, dass sich an Rechtsextreme als Publikum richtet und auf diese deeskalierend einwirken soll. Wodurch sich dieser Eindruck ergeben soll, ist mir völlig unklar.

        Eine weitere Frage ist, wie die Texte der Bands inhaltlich zu verstehen und zu bewerten sind.
        Ich kenne die Band KIZ nicht und bin mit ihren Texten nicht vertraut und daher auf Urteile hoffentlich gut informierter Dritter angewiesen. Die Band wird so charakterisiert, dass sich die Texte durch eine sarkastisch-ironische Grundhaltung auszeichnen und ganz bewusst zum Mittel der extreme Übertreibung gegriffen wird. Wenn man sich etwa den Text von “Ein Affe und ein Pferd” anschaut, öffnet dieser mit “Ich war in der Schule und habe nichts gelernt”. Ein positives Bekenntnis zu den Handlungen des Besungenen Ich-Erzählers darf man also bezweifeln. Aber wie gesagt, hier müsste man schon den Schaffenskanon der Band in siner Gesamtheit kennen und mit dem Stil und der “Szene” vertraut sein. um dies zu bewerten.
        Getrennt davon ist natürlich die Frage der Außenwirkung der Texte, also ob diese auf den gewöhnlichen Zuhörer gewaltverherrlichend wirken, was man wohl bejahren kann.

        Wenn es um die Frage geht, ob man sich von diesen Texten bzw. dem Konzert insgesamt distanzieren muss, ist natürlich zu klären, ob es sich bei den Texten tatsächlich um Aufrufe zur Gewalt handelt. Deswegen möcht eich dich fragen, ob du mit den Bands und Texten hinreichend vertraut bist, um eine solche Einschätzung sicher abzugeben.
        Oder meinst du, es reicht bereits aus, dass ein Lied bereits bei flüchtigem Hören ls gewaltaufrufend empfunden werden könnte?

      • @Jemand:
        Na ja, mein Kernargument ist: “Das ist ein Wasserfall auf die Mühlen der AfD und deren Anhänger. Dümmer geht’s in meinen Augen nimmer.”

        Mir gehts vor allem darum, welche Wirkung das auf Menschen hat, die sich nicht die Mühe machen, die Songtexte vor dem Hintergrund der Bandgeschichte zu analysieren und sich eine differenzierte Meinung zu bilden.

  13. Hallo liebes Lage-Team,
    ein Kommentar ohne besonderen Bezug zur dieswöchigen Ausgabe. Ein paar Mal habt Ihr Trump und seine Zustimmungswerte thematisiert. Solltet Ihr das noch nicht kennen, empfehle ich fivethirtyeight als gute Quelle, z.B. https://projects.fivethirtyeight.com/trump-approval-ratings/ . Das ist eine wohltuend objektive und überlegte Sicht.

  14. Ich sehe das ähnlich das im Moment die Rechtsextremen ein größer Problem sind wie die Linksextremen. Aber dies anhand einer Statistik von Propagandadelikten aufzuzeigen halte ich für völligen unseriös. Ehrlich mir war nicht mal bekannt das es “LINKE” Propagandadelikte gibt. Hingegen ist jeden Zeigen von Fahnen oder Zeichen von verbotenen NS Organisation schon zurecht ein Delikt. Da gibt es am Linken Ende nichts vergleichbares. Daher halte ich den Vergleich der Statistik der Straftaten oder der Propagandadelikte nichts aussagend. Hier sollte man eher die Gewalttaten vergleichen.

    Organspende: Ich bin für die Widerspruchslösung!

    • Wir haben das nicht nur mit den Propagandadelikten belegt, sondern auch mit anderen. Außerdem stimmt Deine Prämisse auch nicht, natürlich sind historisch betrachtet haufenweise Linke wegen Propagandadelikten verfolgt worden. Wer sich dafür interessiert kann es in den beiden Bänden “Die a Republik vor Gericht” nachlesen.

  15. Der Hutbürger hat seinen Job verloren, weil er gegen die Medien gepöbelt hat. Wow!
    Zur Erinnerung hier nochmal der Vorfall.
    https://www.youtube.com/watch?v=5ItwAHxXjsU
    Alles friedlich, keine Gewalt, keine Selbstjustiz und mit Einbindung der Polizei. Und dafür verliert man heute also seinen Job? Ich kann den Mann sehr gut verstehen, dass er nicht seinen richtigen Namen Preis gibt.

  16. Die Junge Alternative für Deutschland mit ihrer Abkürzung (JA) – wie es bei der Sturmabteilung (SA) üblich ist – zu benennen finde ich sehr fahrlässig und hat mich beim Hören zusammenzucken lassen.
    Ich denke nicht, dass man der AfD nicht den Gefallen tun sollte, diese plumpe Analogie auf semantischer Ebene zu etablieren.

  17. Hallo Ihr Lieben,

    vielen Dank für eine (wieder einmal) tolle Sendung voller Denkanstöße. Einen kleinen Hinweis habe ich, ein von mir in den shownotes angeklickter link, hatte leider einen „Tracking“-Parameter von Facebook an die URL angehängt; und zwar dieser Artikel zu Chemnitz:
    AfD-Anfrage geht nach hinten los (Berliner Zeitung), genauer https://www.berliner-zeitung.de/politik/politische-kriminalitaet-afd-anfrage-geht-nach-hinten-los-24675574 mit diesem Parameter ?originalReferrer=&originalReferrer=http://m.facebook.com&dmcid=sm_fb_p .

    Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die zwei weitern links zu Artikeln die ich gelesen habe, nicht solche oder ähnliche Parameter angehängt hatten und ich hoffe Euch ist bewusst wie großartig Eure Arbeit ist, wenn einen nur solche Kleinigkeiten stören!

    Euer
    Thomas Müller

  18. Ich habe mir die PKS 2017 auch etwas genauer angeschaut und lese daraus ziemlich exakt das Gegenteil der Thesen ab, die ihr im Podcast bzw. der von euch zitierten Studie vertretet. Ich habe im Folgenden mal ein paar interessante Daten betrachtet, die sich im Wesentlichen alleine aus der PKS ablesen lassen. Ich hoffe, man kann dem einigermaßen folgen. Für weitere Einlassungen oder auch kritische Auseinandersetzung mit meiner Methodik bin ich natürlich offen wie dankbar.

    Vergleich Kriminalitätsraten

    abzulesen aus Tabelle 61 PKS 2017
    https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/2017/Standardtabellen/Tatverdaechtige/STD-TV-15-T61-TV-nichtdeutsch-Aufenthaltsanlass_excel.xlsx?__blob=publicationFile&v=3

    Straftaten insgesamt ohne Verstöße gegen das Aufenthalts-, das Asyl- und das Freizügigkeitsgesetz/EU (Schlüssel 890000): 1974805
    davon deutsch: 1375448
    davon Zuwanderer*: 149683

    deutsche Tatverdächtige prozentual gemessen an deutscher Gesamtbevölkerung: 1,9% **
    Tatverdächtige Zuwanderer prozentual gemäß ihrer in Deutschland registrierten Gesamtheit: 9,36% ***

    * Zuwanderer steht im Weiteren als Abkürzung für Asylbewerber, international Schutz- und Asylberechtigte, Kontingentflüchtlinge und Geduldete
    ** deutsche Bevölkerung laut Mikrozensus im Jahr 2017: 72,1 Mio.
    *** laut dem von euch verlinkten Artikel: 1,6 Mio.

    Überprüfung des Arguments Altersstruktur:

    abzulesen aus

    1) Sonstige Tabellen zur deutschen Wohnbevölkerung nach Alter
    https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/2017/Sonstiges/wohnbevoelkerungDeutscheAb1987_pdf.pdf?__blob=publicationFile&v=2

    2) Tabelle 40 PKS 2017 https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/2017/Standardtabellen/Tatverdaechtige/STD-TV-08-T40-TV-deutsch_excel.xlsx?__blob=publicationFile&v=4

    Heranwachsende (Alter: 18-21) Deutsche insgesamt: 2233856
    deutsche tatverdächtige Heranwachsende gemäß Schlüssel 890000: 121242 ~ 5,4%

    Leider habe ich keine Daten zur Anzahl der deutschen männlichen heranwachsenden Wohnbevölkerung gefunden. Um das obige Datum also noch weiter einzugrenzen habe ich die prozentuale Zusammensetzung der Heranwachsenden nach Geschlecht insgesamt aus folgender Tabelle entnommen:

    https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/2017/Sonstiges/wohnbevoelkerungInsgesamtAb2000_pdf.pdf?__blob=publicationFile&v=2

    d.h. 1395200 / 2648044 ~ 52,69% der Heranwachsenden sind männlich
    diesen Prozentsatz angewandt auf die Anzahl deutscher Heranwachsender kann man den männlichen Anteil abschätzen mit:
    2233856 * 0,5269 ~ 1177019
    Aus Tabelle 40 bekommt man nun wieder die Anzahl deutscher Heranwachsender männlicher Tatverdächtiger gemäß Schüssel 890000, nämlich: 93312
    Prozentual sprechen wir also von 7,9%

    Fazit: Weder die deutsche Gesamtbevölkerung noch deutsche Heranwachsende noch männliche deutsche Heranwachsende erreichen prozentual im Hinblick auf eine sinnvoll gewählte Gesamtheit die allgemeine Kriminalitätsrate von Zuwanderern. Darüber hinaus möchte ich auch noch darauf hinweisen, dass der uneingeschränkte Vergleich männlicher deutscher Heranwachsender mit der Gesamtheit aller Zuwanderer zu Gunsten der Zuwanderer ausfällt. Es mag sein, dass diese Altersgruppe innerhalb der Gesamtheit der Zuwanderer überrepräsentiert ist. Überrepräsentiert bedeutet aber nicht (zwangsläufig) ‘besteht zu 100% aus dieser Altersklasse’. Dieser direkte Vergleich ist also eine wesentliche Vereinfachung, die man zumindest immer im Hinterkopf halten und auch genauestens ausweisen sollte, wenn man anhand dessen statistische Schlüsse verkaufen möchte.

    • Ehrlich gesagt verlasse ich mich bei der Analyse der PKS doch lieber auf Profis denn auf engagierte Laien … deswegen haben wir ja auch verlinkt, woher unsere Interpretation stammt.

      • Das ist verständlich und im Grunde sehe ich das auch nicht anders. Denoch bekommen wir hier keine Profianalyse, sondern die Wiedergabe und möglicherweise fortführende Interpretation einer Profianalyse durch die Süddeutsche. Und mir persönlich ist es einfach wichtig, insbesondere bei einem so sensiblen und ideologisch oft verzerrtem Thema getroffene Aussagen anhand der Originalquellen nachvollziehen zu können. Leider weist der Artikel das Original nicht aus. In meiner Recherche habe ich zwar ein Gutachten von zitiertem Herrn Walburg gefunden, das im Gesamtfazit tendenziell eher keine überproportionale Zuwandererkriminalität feststellt (auch hier ist das Thema aber wesentlich komplizierter/differenzierter), die prozentgenauen Thesen der Süddeutschen kann ich aber auch daraus nicht gewinnen. Das Gutachten bezog sich allerdings auch eher auf Zeiträume vor 2017, vielleicht war es also ein anderes.

        Dennoch enthält besagtes Gutachten seitenweise Auslassungen darüber, wie kompliziert bis quasi unmöglich es ist, im Zusammenhang mit Zuwanderung und Kriminalität verzerrungsfreie Bevölkerungs- und Kriminaldaten zu erheben, sinnvolle Vergleichsgruppen zu konstruieren und belastbare Ausagen abzuleiten. Ich denke, man kann hier also durchaus festhalten, dass man ggü. Thesen mit vereinfachendem Allgemeingültigkeitsanspruch besonders kritisch sein sollte.

        PS: Das bitte eher als eigenen Erkenntnisgewinn bzw. zukünftigen Hinweis als Kritik an dieser Episode verstehen. ;)

  19. Eigentlich habe ich keine Lust, das Thema Flüchtlinge noch mehr auszubreiten. Für mein persönliches Leben sind andere Themen wichtiger. Einen interessanten Aspekt meine ich in der “Semantik-Diskussion” aber zu finden.

    Ulf bewundert häufig wie es den Konservativen gelingt, mit Vokabeln wie “Asyltourismus” Diskussionen einen Spin zu geben (Framing) und damit den Ton der Debatte zu setzen. In der Diskussion über “Hetzjagd oder nicht?” erinnern Äußerungen wie “Es gab keine Hetzjagden” an Äußerungen wie “Flüchtlinge sind doch nicht zum Urlaub hier. Von Tourismus kann keine Rede sein”.
    Es scheint es, als würden sich die Konservativen am Framing stören. Man könnte also sagen, hier hat die gesellschaftliche Mitte ein Framing gefunden, was den Konservativen nicht passt.

    Wer sich nach der Wahl bewusst ungenau mit “Wir werden sie jagen!” äußert, sollte sich allerdings nicht wundern, dass der Bumerang zurückkommt.

    • Ja. Die Hetzjagd ist kein juristischer Tatbestand. Es gibt nix vor einem Richter oder Staatsanwalt bezüglich dieses Begriffes zu beweisen oder zu widerlegen. Deswegen nenne ich das, was in Chemnitz von den Rechtsextremen durchgeführt wurde, auch so: Hetzjagd.

    • Wer den Satz “Wir werden sie jagen!” kritisiert, sollte sich allerdings nicht wundern, dass der Bumerang zurückkommt und man den Vorwurf der Doppelmoral zu hören bekommt.
      Dieser Spruch kommt nämlich von den Grünen.
      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13683714.html

  20. Hi, nur kurz. Ich habe mir gerade den Konzertmitschnitt “Wir sind mehr” auf Youtube angesehen und frage mich warum alle über “Feine Sahne Ff” lästern, wenn K.I.Z. derartige Texte https://www.songtexte.com/songtext/kiz/ein-affe-und-ein-pferd-4b553b8e.htm

    zum Besten gibt und das Publikum mit einstimmt? Mir fehlen die Worte. Das hat doch nichts mit der Sache zu tun oder kapier ich nicht worum es in dem Song eigentlich geht?

    • Die Kontroverse um Feine Sahne war vor dem Konzert, einfach aufgrund der Tatsache, dass sie vor Jahren mal vom Verfassungsschutz beobachtet worden sind. Deswegen ist das ja alles so absurd.

    • Ich mach Mousse aus deiner Fresse
      Boom verrecke
      Wenn ich den Polenböller in deine Kapuze stecke
      Die halbe Schule war querschnittsgelähmt von mei’n Nackenklatschern
      Meine Hausaufgaben mussten irgendwelche deutschen Spasten machen
      Gee Futuristic ich krieg Durchfall von die Bässe
      Ich ramm die Messerklinge in die Journalistenfresse
      (K.I.Z., Song: Ein Affe und eiin Pferd, Auftritt in Chemnitz)

      Am “besten” finde ich die letzte hier aufgeführte Zeile des Songs.
      Die Gegner von Pegida regen sich über den Begriff Lügenpresse auf, aber jubeln der Ermordung von Journalisten zu.

    • Hey Monique & Tan,

      puh, das ist nicht meine Musik, aber soviel weiß ich: Hip-Hop lebt ja von dem gewaltstrotzenden, sexistischen Vergleich der Testosteronhirne und -körper ihrer Performer. Das ist das Feld, auf dem sich auch K.I.Z. bewegen. Ich denke, _jeder_ Hip-Hopper lässt mit seinen Texten alle Alarmsignale der Hörer schrillen, die Erstkontakt mit dieser Musikrichtung haben.

      Ich hab mir das offizielle Musikvideo reingezogen: https://www.youtube.com/watch?v=MSNzIXa67Vw

      Und selbst mir als Laie wird klar, dass K.I.Z. mit Ironie arbeitet. Ich verstehe nicht jede ironische Feinheit dieses Stücks, aber die ironische Grobheit: Der erste Sänger spricht davon, was er den Deutschen schon alles angetan hat, und der zweite Sänger derselben(!) Gruppe singt davon, was er als Deutscher anderen antut. Würden sie ernst meinen, was sie singen, könnten sie nicht in derselben Gruppe überleben. Tan, Du hast nur Teile des ersten Sängers zitiert und den zweiten Teil weggelassen, der den ersten aufhebt (oder aufheben soll).

      • Richtig, wenn die beteiligten zur eigenen Gruppe gehören, dann ist es Ironie. Wenn die Beteiligten zu den Gegnern gehören, dann ist es antidemokratisch.

        Gedankenexperiment: Pegida rezitieren den oben genannten Text auf einer politischen Veranstaltung. Was passiert und was schreibt die Presse?

        Was glaubst du?

        PS: Ich möchte nur nochmal klarstellen, dass die Musik für mich eindeutig durch die Kunstfreiheit gedeckt ist, aber die Gruppe völlig ungeeignet ist für eine politische Demo. Und die aufgeführte Ironie kann ich nicht erkennen, denn ich denke du interpretierst den Text falsch. Hier geht es nicht um Deutsche oder gegen Deutsche. Und die zweite Strophe hebt auch die erste Strophe nicht auf. Ich habe dazu eine ganz andere Meinung, aber so ist es halt mit der Kunst.

  21. Hallo, Lage-Team.

    Ihr beschwert Euch in der aktuellen Folge wieder einmal zurecht darüber, dass Migration eine Scheindebatte ist und dass es andere, dringendere Probleme gäbe, über die Seehofer und Co diskutieren könnten.

    Gleichzeitig diskutiert Ihr selbst in jeder Folge länglich genau darüber. Ihr springt über das Stöckchen, das Euch hingehalten wird.

    Das ist das Dilemma einer “Nachrichtensendung” – Ihr diskutiert das, was diskutiert wurde, und nicht das, was diskutiert werden sollte. Ändern könnt Ihr das nur selbst, wenn Ihr bestimmte Themen von Euch aus featured.

    Bitte führt also Dauer-Einträge im Pad ein, auf die Ihr regelmäßig zurückkommen wollt, weil sie Euch wichtig sind. In Bereichen wie Klimapolitik / Energiewende / Verkehrswende passiert genug, um die Rubrik wöchentlich mit einer Nachricht zu füllen.

    Die Euch vom Konzept her ganz ähnliche Sendung “KCRW Left, Right & Center” hat das gleiche Dilemma mit einer Rubrik “It’s been busy” gelöst. Dort wird jedes Mal *ein* Thema hervorgekramt, das nach Meinung der Redaktion in der Woche zuvor untergegangen ist.

    • Danke für den Hinweis! Ich denke allerdings, dass wir schon sehr viel Zeit für Themen verwenden, die bei anderen Medien zu kurz gekommen sind. Aber klar, das kann man sicherlich noch ausbauen.

      • @Ulf: Etwa so richtig wichtige Themen, wie die neuesten Tweets von Trump? Was habenwir eigentlich mit Trump oder den USA zu tun? Die sind weit weg!

      • Es steht Dir frei, die Teile zu überspringen, die Dich nicht interessieren. Aber wir werden weiterhin die Schwerpunkte so setzen, wie wir es ganz persönlich für richtig halten. Ich denke nämlich, dass genau das die Lage ausmacht.

    • Sehe ich ein klein wenig anders. Einen relativen großen Raum hatte der Abschnitt zum den Vorgängen in Chemnitz in der Sendung eingenommen. Das stimmt. Aber das hatte mit dem Thema Migration nur indirekt zu tun. Für mich handelt es sich dabei eher um die Debatte, wie sich momentan unsere Gesellschaft nach rechts orientiert. Das kann man m.E. derzeit kaum hinreichend genug thematisieren.

  22. Thema Organspende
    Ich finde es um ehrlich zu sein echt schwach Menschen damit abzustempeln, dass sie sich keine Gedanken über das Thema machen, “weil es ihnen nicht wichtig ist”. Das trifft vermutlich auf einen Teil der Bevölkerung zu, aber es gibt leider einen großen Teil in unserer Gesellschaft, der sich nicht damit beschäftigt, weil er/sie schon mit dem alltäglichen Üerleben mehr als ausgelastet sind. Klassische Beispiele – die alleinerziehende Mutter, die Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, die mehrere Jobs haben um überhaupt über die Runden zu kommen usw.. Ich finde es absolut nicht fair diesen Menschen vorzuwerfen, dass es ihnen egal ist. Und ich fände es auch nicht fair, sie automatisch als Organspender zu betrachten, weil sie aufgrund ihrer prekären Lebenssituation einfach nicht die Zeit und Energie haben sich mit einem ethisch, moralisch, medizinisch so komplexen Thema auseinander zu setzten.

    • Noch schlimmer: Denjenigen, die sich über Organspende keine Gedanken machen, wurden in der Sendung das Recht auf körperliche Unversehrtheit gleich ganz abgesprochen.

      Zitat LdN 109 0:49:55 Ulf Buermeyer [wenn ich’s richtig gehört habe]
      “Wer sich darüber [Organspende] eh keine Gedanken macht, wem’s offenbar wirklich egal ist, den trifft man [durch die Widerspruchslösung] auch nicht in seinen Rechten, jedenfalls nicht so gravierend, dass man begründen könnte, warum andere Menschen möglicherweise sterben müssen.”

      Meint Ihr das im Ernst? Grundrechte zählen nur für die, die sie kennen und sich ihrer bewusst sind?

      • Wir reden hier von Toten! Die Alternative ist Verbrennen oder Verwesen. Da bleibt für die körperliche Unversehrtheit auch nur wenig Raum.

      • “wir sprechen hier von toten” ist wirklich argumentationsverweigerung – es eindeutig, dass ist doch gerade die frage, ob man menschen mit vollständigem/dauerhaftem ausfall des hirn als tote definieren möchte, auch wenn andere körperfunktionen intakt sind. da wird es keine naturwissenschaftlich “richtige” antwort geben können, sondern nur ethisch/weltanschaulich zu diskutierende normative konzepte. insofern würde ich da um deutlich mehr zurückhaltung im ton und inhaltliche offenheit für andere standpunkte bitten.

        dass eine entscheidungslösung problematisch sein kann, nach der regelmäßig alle (erwachsenen, in deutschland offenbar ab 16) dazu aufgefordert werden zu entscheiden, ob sie sich organe entnehmen lassen wollen würden, erklärt u.a. hier ca. ab minute 15 ein medizinethiker: https://www.ardmediathek.de/radio/H%C3%B6rsaal/Organspende-Die-Toten-leben-noch-von-A/Deutschlandfunk-Nova/Audio-Podcast?bcastId=42836058&documentId=54866128
        jedenfalls bei menschen mit bestimmten erkrankungen wie depressionen ist m.e. relativ leicht zu erkennen, dass es sehr problematisch ist, sie zu einer entscheidung zu nötigen.

      • “wir sprechen hier von toten” ist wirklich argumentationsverweigerung – es ist doch gerade die frage, ob man menschen mit vollständigem/dauerhaftem ausfall des hirn als tote definieren möchte, auch wenn andere körperfunktionen intakt sind. da wird es keine naturwissenschaftlich “richtige” antwort geben können, sondern nur ethisch/weltanschaulich zu diskutierende normative konzepte. insofern würde ich da um deutlich mehr zurückhaltung im ton und inhaltliche offenheit für andere standpunkte bitten.

        dass eine entscheidungslösung problematisch sein kann, nach der regelmäßig alle (erwachsenen, in deutschland offenbar ab 16) dazu aufgefordert werden zu entscheiden, ob sie sich organe entnehmen lassen wollen würden, erklärt u.a. hier ca. ab minute 15 ein medizinethiker: https://www.ardmediathek.de/radio/H%C3%B6rsaal/Organspende-Die-Toten-leben-noch-von-A/Deutschlandfunk-Nova/Audio-Podcast?bcastId=42836058&documentId=54866128
        jedenfalls bei menschen mit bestimmten erkrankungen wie depressionen ist m.e. relativ leicht zu erkennen, dass es sehr problematisch ist, sie zu einer entscheidung zu nötigen.

      • Hmm, ohne Hirnfunktion bleibt doch nichts dessen, was einen Menschen ausmacht – Handlungsfähigkeit, Autonomie, Bewusstsein. Daher bin ich ehrlich gesagt ziemlich irritiert, dass hier ernsthaft nochmals das längst geschlossene Fass der Todesdefinition aufgemacht wird. Das war für mich bisher eine völlig eindeutig beantwortete Frage, und ich habe auch hier bisher keine plausible Gegenposition gelesen.

        Klar, wenn man da „ran“ will, dann kann man über Organspende nicht mehr sinnvoll diskutieren.

      • was den menschen ausmacht, ist in der tat kulturell/philosophisch (je nach vorliebe auch religiös) die kernfrage bei der hirntod-debatte. dauerhaft komatöse menschen ohne hirnfunktion kann man als tote definieren, vielen menschen (nicht nur angehörigen und anderen laien, sondern auch experten) leuchtet das allerdings nicht ein.
        jemand hatte hier ja schon diese doku verlinkt, die dazu ein paar interessante aspekte beisteuert, zB zum kulturellen hintergrund der in japan so viel geringeren bereitschaft zur organtransplantation: https://www.arte.tv/de/videos/063627-000-A/der-streit-um-den-hirntod/

        wie aber übrigens der medizinethiker im verlinkten vortrag auch referiert, gibt es durchaus die ansicht (auch im deutschen ethikrat), dass der “hirntod” nicht der tod sei, es darauf für die organspende aber auch nicht ankomme. in einigen ländern scheint sowieso schon der “non-heart-beating-donor” in betracht zu kommen, also jemand ohne festgestellten “hirntod”.

      • @Ulf

        Deine Argumentation fußt auf einem wissenschaftsbasierten Weltbild. Das ist legitim, ich denke grundsätzlich ähnlich und komme auch zur gleichen Schlussfolgerung. Die Frage ist doch aber: Kann man mit den Mitteln der Wissenschaft eine für alle verbindliche Definition des Todes aufstellen? Hier würde ich klar nein sagen, da große Unterschiede in Bezug auf die Vorstellungen von Lebendigkeit existieren. Es wäre ehrlicher, hirntote Personen als Sterbende zu beschreiben, denn die Funktionslosigkeit des Gehirns kann allein für viele noch kein hinreichendes Todeskriterium sein, da für viele der Mensch eben mehr ist als seine Gehirnfunktion. Stellen wir uns Oma Erna vor, die am Bett ihres sterbenden Sohnes sitzt. Intensivmedizinische Geräte halten den Körper (mit der Ausnahme des Gehirns) funktionsfähig. Für den Laien scheint diese Person dem Leben näherzustehen als dem Tod, wenn man den Tod als das komplette Ende aller körperlichen Funktionen auffasst (so tun es intuitiv wohl die meisten Menschen). Das aus diesem Zustand keine Rückkehr mehr möglich ist, führt aber in den Augen vieler nicht dazu, dass es sich automatisch schon um den Tod handelt. Viel eher schweben die Leute zwischen Leben und Tod. Wer Menschen als Organspender gewinnen will, sollte die “Fluidität” der individuellen Todesdefinitionen akzeptieren und ihnen nicht mit dem wissenschaftlichen Holzhammer kommen, da viele rein emotional nicht in der Lage sind, den Gerhintod als alleiniges Todeskriterium zu akzeptieren.

      • @Ulf wg. “das längst geschlossene Fass der Todesdefinition”

        Ist das Fass wirklich zu? Sie werden den Unterschied zwischen Hirntod und Tod nicht leugnen können: Hirntote können Organe spenden, Tote nicht. Hirntote sind also etwas weniger tot als Leichen. Oder anders gesagt: Hirntote sind Sterbende, Tote sind gestorben.

        Mein Punkt ist aber ein anderer: Ihre Äußerung “Wir reden hier von Toten! Die Alternative ist Verbrennen oder Verwesen.” gilt – wenn schon – für alle Hirntoten gleichermaßen, egal ob sie sich zu Lebzeiten über Organspende Gedanken gemacht haben oder nicht. Den Eingriff in die Grundrechte Sterbender von ihrem Verhalten zu Lebzeiten abhängig zu machen finde ich zutiefst unmoralisch und sehr irritierend.

  23. Das soll jetzt bitte nicht als Whataboutism gesehen werden, denn ich stehe politisch definitiv mitte-links. Was mir aber schwerfällt, ist bei den Demos von Rechts ein hartes Distanzieren von Nazis und Radikalen Einzelgruppen zu fordern (bzw. das Verlassen der Demo), wenn – in meiner Wahrnehmung – bei der Welcome-to-Hell Demo extremere Teile (schwarzer Block) ebenfalls – im besten Fall “augenrollend” – als Teil der Großdemo akzeptiert wurde, wenn nicht sogar vor den Zugriff der Polizei abgeschirmt wurde. Da möchten “wir” doch auch, dass das demokratische Hauptanliegen der Gesamtdemo betrachtet wird, anstatt von radikaleren Einzelgruppen auf den Rest der Demo zu schließen. Wie einige Vor-Kommentierer hier halte ich die Aufforderung die größere Demos zu verlassen, bzw. Alternativ-Demos anzumelden etwas wohlfeil, gerade wenn eine gewisse kritische Masse an Teilnehmern überschritten wird.
    Zumindest fehlt mir hier ein gutes Gegenargument, wenn dieser Punkt von der Gegenseite angesprochen würde. Vielleicht kann jemand helfen?

    • Der sogenannte Schwarze Block bei der Welcome To Hell Demo bestand aus Leuten, die nichts gemacht haben – außer in einigen Fällen gegen das Vermummungsverbot zu verstoßen. Das ist mit den Horden von Chemnitz wirklich nicht im Ansatz zu vergleichen, insbesondere weil es an dem kommunikativen Anliegen fehlt.

  24. Zum Thema Woodward/NY Times OpEd noch ein Gedanke zur Motivation und Rechtfertigung des selbst ernannten “Steady State”. Eine wichtige Frage ist in wie fern die Handlungen die verfassungsmaessige Ordnung untergraben.
    Anonymous schreibt in der NY Times:
    “Given the instability many witnessed, there were early whispers within the cabinet of invoking the 25th Amendment, which would start a complex process for removing the president. But no one wanted to precipitate a constitutional crisis.”
    Ziel ist also angeblich, eine Verfassungskrise zu verhindern. Allerdings fragt ich ob die Handlungen die von Anonymous und im Woodward Buch beschrieben werden nicht schon eine Verfassungskrise darstellen: Mitarbeiter und Miltaers die Anweisungen der Chef-Exekutive verweigern oder behindern. Auch wenn es in vielen Faellen substanziell gerechtfertig sein mag, haben diese Personen nicht die verfassungmaessige Zustaendigkeit diese Entscheidungen eigenwillig zu treffen. Die Verfassung sieht fuer den Fall eines sich grob fehlverhaltenden oder nicht amtsfaehigen Presidenten zwei Moeglichkeiten vor: 1) Impeachment 2) 25th Amendment. Waere es nicht gerade im Sinne des Erhalts der verfassungmaessigen Ordnung der bessere Weg fuer diese Mitarbeiter (Minister usw.) sich offen fuer einen dieser Mechanismen einzusetzen als einen partziellen-weichen-buerokratischen Coup durch zu fueren? Dieser Weg waere keine Verfassungskrise sondern gerade die Anwendung von in der Verfassung vorgesehenen Kontrollmechanismen (zur Verfsassungskrise koennte es natuerich kommen wenn Trump entsprechend reagiert…).
    Ich denke daher dass es dem anonymen Schreiber und Woodwards Quellen vor allen Dingen darum geht sich selbst zu schuetzen und hinterher sagen zu koennen “Ja, ich habe fuer diesen Mann gearbeitet, aber ich war auf der guten Seite und habe schlimmeres verhindert”. Ganz nebenbei kann man dann auch noch mit guten Gewissen weitermachen und alle mainstream-republikanischen Ziele (Steuersenkungen, Deregulierung usw.) mitnehmen.
    Lg, Cornelius aus Washington
    (P.S. bitte Rechtsschreibfehler entschuldingen – fehlende software und aus der Uebung)

  25. Thema Organspende:

    Wäre es denn nicht möglich, eine Entscheidung ganz einfach zu erzwingen? Es muss ja jeser Krankenversichert sein, vielleicht könnte man dort eine solche Information hinterlegen. Oder auf andere Weise zu erzwingen, dass jeder Staatsbürger angeben muss, ob er Organe spendet oder nicht? Schließlich würde das genau die erreichen, die sich einfach nicht informieren und trotzdem nicht die ‘uninformierten’ einfach übergehen.

  26. http://www.faz.net/aktuell/ges…-bei-streit-15779023.html warum stellen die nicht endlich mal auf Judo um und melden das 3-4 Tage später höchstens am Rand.

    Wenigstens Stirbt bei streit nicht bei Mord in der Titelzeile.

    So ist das Mist http://www.spiegel.de/panorama…sen-anhalt-a-1227234.html

  27. Zwei Gedanken zu zwei Themen.

    Organspende
    Es gibt ja einen wie auch immer gestalteten Kriterienkatalog, der bestimmt, wer das nächste Spenderorgan bekommt. Hieltet Ihr es für unethisch, wenn ein Organspendeausweisträger einen ganz kleinen, meinetwegen homöopathisch kleinen Bonus bekäme? Nach dem Motto: Wer bereit ist, ein Spender zu sein, soll im Bedarfsfall auch einen Bonus haben. Letztlich ist es wie bei einer Versicherung: Nur wenn viele einzahlen, kann ein Einzelrisiko aufgefangen werden.

    Ich denke, dass dieser einleuchtende Mechanismus die Spendenbereitschaft enorm erhöhen würde.

    Op-ed in der NYTimes
    Die Wirkung dieses Artikels steht doch so fatal im Widerspruch zu der selbstbehaupteten Wirkung des “Widerstands”, dass ich ein größeres Intrigenspiel vermute. Was ist denn jetzt zu erwarten:

    – Trump und seine Vertrauten werden nun doppelchecken, ob seine Anordungen noch auf dem Schreibtisch liegen. Diese verschwinden zu lassen, wird noch schwieriger.

    – Alle, die Trump bislang und zukünftig moderat beraten, stehen zukünftig sofort unter dem Verdacht, zum Verräterkreis zu gehören.

    – Trump wird sich noch paranoider fühlen und noch schneller Leute austauschen.

    Wer profitiert von dieser Entwicklung?

    Eigentlich nur die rechtsgerichteten Kräfte um Stephen Miller. Und Trump, weil mehr über den op-ed als über Woodwards Buch gesprochen wird.

    Das spricht für mich für eine false-flag-operation von rechtsgerichteter Seite gegen die verbliebenen Moderaten im Weißen Haus.

    • Ein Bonus wie bei einer Versicherung würde die Menschenwürde verletzen, deshalb wird das nicht gemacht.

      Man könnte sonst auch her gegen uns zB Verbrechern eine geringere Priorität zuordnen oder armen Menschen…

      • Warum würde ein solcher Bonus die Menschenwürde verletzen? Geht es eventuell auch eine Nummer kleiner?

      • Es ginge mir mit diesen klitzekleinen Bonus nur darum, zu verdeutlichen, dass es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen der Möglichkeit, durch ein Spenderorgan zu gesunden, und der Spendenbereitschaft aller. Bislang scheint dieser Zusammenhang zuwenig deutlich zu sein.

        Die Tatsache, dass bislang strikt nur medizinische Kriterien angelegt werden, spricht wohl gegen ein solches Bonussystem. http://www.transplantation-verstehen.de/ (und dann Seite 5 von 12)

      • Weil dann der Wert von Menschenleben unterschiedlich behandelt wird. Ein schwerkranker Organspender wird eher gerettet als identischer Nichtorganspender.

        Ein Menschenleben nach “Nützlichkeit” zu bewerten und nicht nach rein medizinischen Gesichtspunkten verletzt nach meiner Interpretation die Menschenwürde all derjenigen, die z.B. aus religiösen Gründen nicht Organe spenden wollen.

        Man stelle ich z.B. vor es würden nach dieser Regelung Juden doppelt so häufig wegen fehlender Organspende sterben als Christen (rein fiktives Szenario um den Punkt zu Veranschaulichen).

        Aus meiner Sicht bewegt man sich da auf sehr, sehr dünnem Eis…

      • Faaid, ja, das dünne Eis kann ich nachvollziehen, so wie Du es beschreibst. Je kleiner der Vorteil, den man als Spender erhielte, desto “dicker” würde dieses Eis wieder.

        Weil ich diese klitzekleine “Belohnung” für die Spendenbereitschaft so verlockend und fair fände, lass mich noch versuchen, Gegenargumente zu finden:

        Auch die rein medizinischen Kriterien, die bislang gelten, sind nicht objektiv festgelegt worden, sondern handhabbar vereinfacht als Ergebnis von Diskussionen von Fachleuten. Da würde dieses “Verhaltenkriterium” das Verfahren nicht wirklich deobjekivieren.

        Vielleicht würde aber auch schon ein Bonus auf anderer Ebene helfen, wie ein kostenloses Einzelzimmerupgrade im Krankenhaus für Spendeempfänger, wenn sie als registrierte Spender eine Transplantation benötigen.

        @Johanna (falls sie es hier findet):
        Ich habe es z.B. nicht als _Vorwurf_ verstanden, dass Menschen sich zuwenig mit Organspende beschäftigen. Es ist es schlicht eine _Beschreibung_ der Tatsache, dass es zuwenig Spender gibt. Der für mich auf der Hand liegende Grund ist nicht Mangel an Zeit und Energie, sondern die Tatsache, dass sich nur wenig Menschen gerne mit dem eigenen Tod beschäftigen.

  28. Liebe Lage

    Ich bin sehr überrascht wie oberflächlich ihr das Op-Ed der NYTimes überflogen und witzig inszeniert habt.

    Ich verstehe zwar die erste instinktive Reaktion, ala “da wurde ihm was ausgewischt”, aber nehmt euch doch mal kurz Zeit darüber nachzudenken was das heißt:

    – ein Mitarbeiter erklärt, öffentlich, es habe sich in der Administration eine Gruppe an Menschen entschieden sich GEGEN Abläufe/Anordnungen ihrer “gewählten” Vorgesetzten zu stellen. Dabei nutzen sie nicht die dafür vorgesehenen Mittel, sondern paktieren im Hintergrund um ihre eigene Agenda weiter umzusetzen.

    Das ist erstmal Verrat und Verschwörung, schlicht und einfach. Stellt sich die Frage: gibt es mildernde Umstände?
    A) sind die Mittel des Rechtsstaats ausgeschöpft bzw. so kompromitiert dass sie nicht nutzbar sind?
    B) sind die Mitarbeiter unter Androhung von Gewalt zu ihrem Job gezwungen und haben keine Möglichkeit sich ihrer erzwungenen Komplizenschaft zu entziehen?
    C) haben die Mitarbeiter einen öffentlichen oder institutionellen Auftrag, ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen zu erledigen, ohne blind Befehlen zu folgen?

    A) und B) stehen für mich klar fest: NEIN
    C) ist auslegbar, denn sie müssen und sollen nicht blind jede unsinnige Aktion ihrer Vorgesetzen umsetzen. Allerdings ist die implizierte Schlussfolgerung daraus nicht Sabotage, sondern es gibt alternative Verhaltensweisen sofern sie nicht unter B) Zwang stehen.

    Als nächstes müssen also die Motive der Gruppe für ihr Verhalten beleuchtet werden, und da wird es schnell dunkel, denn was schreibt der Author/in?

    1) Wir halten die Administration grundsätzlich für gut und richtig, auch die Agenda die umgesetzt wird nützt den Amerikanern (Tax reform usw.).
    2) Wir haben uns BEWUSST gegen §25 (Amtsenthebungsverfahren) entschieden weil das nur eine “konstitutionelle Krise” auslösen würde

    Gut, da Motive immer auf Interessen basieren muss die älteste aller Fragen gestellt werden: Wem nützt es?

    Teil1 (Verhalten der Gruppe):
    – die Gruppe nützt sich selbst und ihrer Agenda = republikansiche Agenda, das ist auch ihre explizite Aussage.
    – die Gruppe entscheidet sich bewusst gegen rechtstaatlich vorgesehene Mittel (§25) weil es “Schaden verursachen” würde. Wem würde geschadet? Der aktuellen Regierung. Wer leitet die aktuelle Regierung? Die Republikaner + Trump. Die Gruppe will also sich selbst schützen.
    – Was steht im Herbst an? Wahlen. Würde der Skandal, mündend in eine offene Revolte gegen Trump nach §25, den Republikanern nutzen? Wohl eher nicht.

    Teil2 (Sinn und Zweck des OpEd’s):
    – was soll das OpEd suggerieren? Dass die Republikaner das Land gut führen, notfalls auch aus dem Hintergrund, sie also viel Gutes für das Volk umsetzen.
    – Trump ist ein Einzeltäter, die Republikaner sind die Guten.
    – Welche Reaktion ist auf das OpEd zu erwarten? Eine Hexenjagd, das muss dem Author bewusst sein. Wem nützt es also dass JETZT Personen in der Administration unter die Räder kommen werden?

    Ich hoffe ihr nehmt euch Zeit nächste Woche dieses Thema nochmal genauer zu beleuchten, vielleicht spielt ihr auch mal in Gedanken durch was genau das selbe, geschrieben in einer deutschen Zeitung über die deutsche Regierung, bewertet würde.

    Mfg
    TNM

    • Die Verschwörungstheorie dazu lautet, dass das OpEd bewusst gesetzt wurde um von der Kavanaugh-Anhörung abzulenken, da andernfalls dessen doch recht blasses Auftreten gerade in strittigen Fragen sowie die aufgeworfenen Probleme mit der früheren Anhörung zu seinem jetzigen Job die Schlagzeilen dominieren dürften.

      Dass der 25. Verfassungszusatz hier wohl ungeeignet ist stimmt aber. Er ist eher nicht dazu gedacht, einen Präsidenten aus dem Amt zu hebeln der sich dem aktiv widersetzt, womit bei Trump aber sicher zu rechnen wäre (eingeführt wurde er vor dem Hintergrund des Kennedy-Attentats um zu regeln was passiert wenn ein Präsident längerfristig im Koma liegt oder ähnliches). Anders als beim “normalen” Amtsenthebungsverfahren (Impeachment/Conviction) braucht man beim 25 dann nämlich eine Zweidrittelmehrheit in *beiden* Kammern des Kongresses um den unwilligen Amtsinhaber zu überstimmen, während für Impeachment eine einfache Mehrheit im Repräsentantenhaus reicht und nur der Senat ebenfalls eine Zweidrittelmehrheit für die Conviction braucht. Bei den jetzigen und auch den optimistisch für die Midterms erwarteten Mehrheitsverhältnissen sind die zwei Drittel in jedem Fall illusorisch. Impeachment hat zudem den Vorteil, dass es durch die damit verbundenen Anhörungen noch politisch nutzbar ist.

      • Hallo TNM , Hallo Andi,
        mir ist bei dem Beitrag aufgestossen, dass in der gleichen Sendung über Hr. Maaßen geredet wurde und auch über die Teilnahme an rechtsextremen Demonstratione.
        Wenn man der Argumentation zu letzterem folgt, müsste ich doch sagen, dass ein Beamter unter Trump sich gefallen lassen muss, dass dieser Beamte rassistische, sexistische und überhaupt alle politischen Maßnahmen, ihm auch zuzurechnen ist.
        Im Fall Hr. Maaßen zeigt sich ja wie die Verwaltung Macht auf die Politik ausübt. Wenn in der Sendung die eine Aktion (Hr. Maaßen) verurteilt und die andere (OpEd) begrüßt wird, sehe ich hier eine gewisse Doppelmoral.
        Im übrigen bin ich der Meinung, dass diese Veröffentlichung nur Hr. Trump hilft, da er sich ja auf die Agenda geschrieben hat, den ‘Deep State’ auszutrocknen. Durch den Artikel findet er ja genau die Bestätigung, die neue Massnahmen gegen die Verwaltung rechtfertigen würden…Natürlich erst nach den Mid-term elections.

      • @ Harald: Diese Argumentation ist extrem an den Haaren herbeigezogen. Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.

    • Wie wäre es mit der einfach und simplen Erklärung nach Occams Messer: Im OO sitzt ein hoffnungslos überforderter alter wütender Narziss? Spart jede Menge Hornhaut an den Fingerkuppen beim Tippen.

      • @ Enzo: welchen Vergleich meinst du?
        Ein Beamter im Weißen Haus muss sich die Arbeit seines Chefs zurechnen lassen. Zumal er/sie ja nicht alles verhindern wird können. Ich rechne Hr. MassensVerhalten ebenfalls der Regierung zu- hier im besonderen dem Innenministerium. Wenn dem Beamten die Arbeit, der sie nachgehen sollen, nicht passt können sie ja gehen. Insubordination ist in beiden Fällen gegeben.
        Vielleicht hat der Mitläufer bei einer Demonstration einfachere Mittel sich von dieser zu entfernen, wenn er sich mit den Mittel, der Art der Meinungsäußerung oder den Mitdemonstranten an sich nicht einverstanden ist. Aber wenn ich der Argumentation, wie sie in der Lage gemacht wurde, folge, ergibt es keinen Unterschied in wessen Nähe ich mich aufhalte, damit fremdes Handeln auch auf mich abfärbt.

      • @Harald: Du vergleichst einen Leak, bei dem nicht einmal klar ist, welcher Person er zuzurechnen ist, der sich auf für den Laien nicht wirklich nachzuvollziehende Zustände in der amerikanischen Regierung bezieht mit einem Interview eines Inlandgeheimdienstchefs aus Deutschland, der nebulös von seinen persönlichen Einschätzungen von Ereignissen spricht, zu denen er qua seines Amtes eigentlich Fakten zu liefern hätte. Was das eine mit dem anderen zu tun haben soll erschließt sich mir nicht.

    • TL;DR
      Das Op-Ed ist Teil der Strategie, die Republikanische Partei über die Trump-Äre hinweg zu retten. Sie wollen sich von Trump reinwaschen, sich distanzieren, um den Fallout zu begrenzen. Es ist lachhaft, da die Republikaner vollständiger zur Partei von Trump übergegangen sind und jeden Widerstand vollständig aufgegeben haben.
      Alle deine Punkte sind richtig, aber mit sozusagen dem TL;DR hatte die beiden anfangen sollen.

      • @Enzo: Naja es geht hier nicht um die Quellen, sondern um die Dimension der Zurechnung. Es geht hier um Logik der Argumentation, die hat einen Gehfehler aber braucht keine Ambulanz. Kannst ja mal drüber nachdenken.

  29. https://www.organspende-info.de/infothek/gesetze/entscheidungsloesung
    “Seit dem 01. November 2012 gilt in Deutschland die Entscheidungslösung.

    Dafür erhält jede krankenversicherte Person ab dem vollendeten 16. Lebensjahr von ihrer Krankenkasse oder Versicherungsunternehmen regelmäßig Informationsmaterial.”

    Ich kann mich nicht daran erinnern derartiges Informationsmaterial, geschweige denn einen Organspendeausweis, jemals bekommen zu haben. Ich denke daher es wäre in der Diskussion wichtig die weichen Maßnahmen zu beleuchten, ehe man sie verwirft. Regelmäßig kann viel bedeuten. Aber ich gehe im weiteren mal davon aus, die allermeisten Leute bekommen dieses Informationsmaterial.

    Ich halte es im Grundsatz für sinnvoll, Änderungen schrittweise durchzuführen, um nicht über das Ziel hinaus zu schießen. Bezogen auf die Organspende wäre der für mich logische nächste Schritt, die Entscheidung zu erzwingen. Das kann man ja durchaus so gestalten das man sagt, wer sich nicht zu 100 % sicher ist, soll Nein ankreuzen. Aber einfach nichts tun, geht nicht mehr. Ich denke auch es schadet unserer Gesellschaft nicht, wenn jeder gezwungen wird sich wenigstens einmal mit dieser Frage auseinanderzusetzen.
    Eine Möglichkeit wäre, dass man diese Entscheidung treffen muss, wenn man ab dem 21. Lebensjahr einen Perso oder Reisepass beantragt. Freiwillig kann man sich auch schon mit 16 entscheiden.

    Die derzeitige Regelung, bei der Angehörige mit einer solchen Entscheidung zusätzlich belastet werden, finde ich viel krasser, als wenn jeder selber diese Entscheidung treffen muss. Allerdings war ich nie in einer solchen Situation.
    Auch den Ärzten machen solche Gespräche sicher keinen Spaß. Ich könnte sogar verstehen, wenn das in Einzelfällen eine Hemmschwelle für Ärzte ist.

    Auch deswegen wäre mein erster Ansatzpunkt dafür zu Sorgen, dass ein Krankenhaus in dem Moment, wo es einen Patienten aufnimmt, automatisch elektronisch abfragt, ob dieser Patient für eine Organspende zu Verfügung steht (Also Ja oder Nicht Nein gesagt, je nach Ansatz). Dafür muss das natürlich irgendwo standardisiert erfasst sein.
    Das gleiche Prinzip favorisiere ich auch für lebenserhaltende Maßnahmen.

    • Ein Zentralregister ist in meinen Augen (egal welche Informationen es speichert) immer ein Problem.
      Man sollte immer daran denken, dass es auch mal dazu kommen kann, dass “böswillige Kräfte” in Machtpositionen kommen.
      Das deutsche Datenschutzsystem, nachdem eine Organisation nichts von den Informationen anderer Organisationen mitbekommen darf, ist mitunter (z.B. wegen Redundanzen) evtl. lästig, aber es wurde aus gutem Grund und aus schlechter Erfahrung eingeführt.
      Nur, weil es immer weniger Menschen gibt, die Zeiten von Macht- und Datenmissbrauch aktiv miterlebt haben, sollte man deren Erfahrungen nicht einfach aus Bequemlichkeit über den Haufen werfen.

      • Danke für den Hinweis. Natürlich sind Zentralregister immer potentielle Gefahrenquellen, aber ich denke, es kann durchaus gelingen, das so zu bauen, dass keine Datenkrake daraus wird.

      • Es geht ja nicht nur darum, dass jemand unberechtigtes die Daten einsehen kann, sondern dass eine irgendwann gewählte Regierung oder was auch immer dann Restriktionen daraus ableitet… man stelle sich ein ähnliches Register vor, von Menschen die ihre Kinder nicht impfen, übergewichtig sind, Extremsportler, in therapeutischer Behandlung… auch beim Thema Organspende heiligt der Zweck nicht die Mittel

      • Herr Buermeyer sprach von einem “Nein-Register”, vielleicht war damit ein zentrales Register gemeint. Mir selbst geht es aber vor allem um standardisierte Abfrage. Das habe ich wohl nicht deutlich genug gemacht.

        Denkbar wäre z.B., dass auf dem Personalausweis oder der Krankenkassenkarte ein QR-Code aufgedruckt ist, der darüber Auskunft gibt. Die ausstellenden Stellen müssten diese Information dazu lediglich einmal Wissen und könnten sie danach vergessen.

  30. Liebe Lage,

    leider fand ich eure Analyse von Spahns Organspende-Vorschlag sehr unterkomplex.
    Die Umstellung der Default-Einstellung der Organspende auf opt-out konfligiert doch sehr mit meinem Menschenbild. Mein Körper gehört nur mir allein und niemals dem deutschen Gesundheitssystem oder gar dem deutschen Staat. Wird nun grundsätzlich die Organspendefähigkeit meines Körpers angenommen, dann nimmt das Gesundheitssystem meinen Körper in Besitz, ohne dass ich aktiv zugestimmt habe. Ich kann zwar zuvor widersprechen, aber das muss ich ja offensichtlich nicht. Meine Nichtentscheidung wird dann aber sanktioniert und als Zustimmung betrachtet. Nichtentscheidung ist aber ggf. auch eine Entscheidung. Die Annahme, diese Nichtentscheidung käme nur durch meine Faulheit eine Entscheidung zu treffen zustande, fußt aber auf einem problematischen Menschenbild. Wieviele Leute die sich nicht zu Ja oder Nein entscheiden sind tatsächlich entscheidungsunwillig und wieviele laufen nur vor einem für sie nicht lösbaren ethischen Dilemma davon? Wieso müssen die Leute zu einer Entscheidung gezwungen werden? Der Staat sollte seine Bevölkerung generell niemals zu einer so individuellen, ethisch komplizierten Entscheidung zwingen. Die Freiheitseinschränkung ist damit m.M.n. nicht geringfügig sondern massiv und für mich ein nicht zu rechtfertigender Übergriff in meine private Lebensführung.

    Der eigentliche Grund für die Unwilligkeit großer Teile der Bevölkerung hier eine Entscheidung zu treffen ist das Hirntodkriterium. Eigentlich ist es auch falsch hier von Tod zu sprechen, da der “Hirntod” nur die völlige und irreversible Funktionsunfähigkeit des Gehirns anzeigt. Der Körper ist keineswegs tot, sondern stirbt. Das ist nicht dasselbe. Je nach dem wo man persönlich die Grenze zum Tod zieht, ist der Spender also durchaus lebendig, auch wenn dieser die Gehirnfunktionen, die für ein lebenswertes Leben notwendig sind, nicht mehr ausüben kann. Das Hirntodkriterium ist damit vor allem ein sozialer Vertrag der Gesellschaft, der anzeigt, ab wann der Zustand eines Körpers eher dem Tod als dem Leben entspricht. Den Menschen sollte der Hirntod ehrlicher erläutert werden, auch um Vorurteile abzubauen. Da für mich meine Lebendigkeit an die Fähigkeit zu denken und zu empfinden gebunden ist, habe ich keine grundsätzlichen Probleme mit der Organspende und besitze auch einen Spenderausweis. Die hier erläuterten Fragen sind ja nicht ganz unkompliziert und werden vermutlich von jedem anders beantwortet. Man sollte die Bevölkerung daher nicht zu einer Entscheidung zwingen, die viele bewusst gar nicht treffen wollen.

    Diese Arte-Reportage diskutiert das hier angesprochene auf relativ hohem Niveau:

    https://www.youtube.com/watch?v=_vtUKjE6_LE

    Utilitaristische Argumente, die das Recht (bzw. den Nutzen) Dritter auf meine Organe miteinbeziehen wollen, sind übrigens ungültig, wenn man sich darauf einigt, dass nur das Individuum welchem der Körper gehört, alleiniges Verfügungsrecht über diesen hat. Das gilt m.M.n. auch über den “Tod” hinaus.

    • Verstehe Deine Aussage nicht, es kann keiner gezwungen werden, eine Entscheidung zu treffen. Auch den Organspende Ausweis nicht auszufüllen, ist eine Entscheidung, und zwar gegen das Spenden.

      Diese ganze Diskussion würde sich erübrigen, wenn nur noch diejenigen Organspenden bekommen, die vorher selber zugestimmt hatten (oder noch nicht volljährig sind) . Keine Entscheidung ist dann auch eine Entscheidung.

      • Das wäre dann richtig, wenn man Organspende als solidarischen, wechselseitigen Vertrag mit der Gesellschaft oder als Versicherung interpretiert. Dieser Interpretation mögen viele, aber sicher nicht alle, folgen. Organspende ist weniger eine Versicherung, für die ein “Beitrag” notwendig ist, als ein humanitärer Akt, von dem kein möglicher Empfänger ausgeschlossen sein sollte. Die Deutung von Organspende als wechselseitiger Vertrag läuft dann auch der Bedeutung des Begriffs “Spende”, was m.M.n. Uneigennützigkeit meint, entgegen. Die Bereitschaft zur Organspende wäre dann sowas wie ein Mitgliedsbeitrag, den man nur zahlt, um dem Club der möglichen Spendenempfänger angehören zu dürfen. Diese Form der Betrachtung teile ich nicht. Mir persönlich ist es egal, ob der Empfänger des Organs selbst einen Organspendeausweis hat, da es mir nur um das Gute geht, dass nach meinem “Tod” noch mit meinen Organen angestellt werden kann.

  31. Tolle Sendung! Noch ein paar Ergänzungen zum Thema Organspende:

    Ehrlich gesagt verstehe ich gar nicht, warum darüber so hitzig diskutiert wird. Aber dennoch hier Argumente, die meiner Meinung nach vergessen wurden:

    – Der Deutsche Ethikrat sagt, man müsste erst die Strukturen ändern – aber genau das Zustimmungssystem ist eines der Kernprobleme und verhindert effektive Struktur! Es ist heutzutage unglaublich schwierig den mutmaßlichen Willen eines potenziellen Spenders zu ermitteln. Den klassischen Fall vom Organspendeausweis in der Jackentasche gibt es selten. Oft muss man die Angehörigen fragen, die in diesen Momenten im ohnehin überfordert sind und im Zweifel erstmal ablehnen. Ich finde den Begriff “Widerspruchslösung” auch unglücklich, denn er impliziert etwas falsches: dass man Menschen zur Spendenbereitschaft zwingen möchte. Darum geht es aber gar nicht, sondern darum die Menschen zum Eintragen einer validen Information zu zwingen. Nicht eine Person soll umgestimmt werden, aber der Wille aller Menschen ordentlich erfasst. Denn heutzutage gibt es nicht nur “Organspende – ja oder nein?” sondern auch “Hat sich nie geäußert, weiß keiner, mal mutmaßen, fragen wir Tante Gerda”. Genau dieser Fall, der dazu führt dass viele Spenderorgane nicht explantiert werden soll verhindert werden – aber nicht durch Umstimmung von Nichtspendern, sondern indem man alle mitnimmt die auch wirklich gerne spenden wollen oder denen es zumindest egal ist.

    – Die Organspende wird in Deutschland über die Stiftung Organspende und folglich über das internationale Eurotransplant organisiert. Diese koordiniert die Verteilung geeigneter Organe in allen beteiligten Ländern. Es wurde auch in der Sendung angesprochen, dass in Spanien deutlich mehr gespendet wird. Es fehlte aber eine wichtige Information: Deutschland ist innerhalb von Eurotransplant ein Importland, Spanien ein Exportland. Deutschland hat als einziges Eurotransplant-Land eine Zustimmungslösung und die niedrigste Spendenquote – dass hier überhaupt Organe im größeren Stil implantiert werden liegt am massiven Import von Organen aus Ländern mit einer Widerspruchslösung. Ich finde es (in harten Worten) hochgradig asozial so dermaßen zu profitieren und selbst diesen Vorbehalt aufrecht zu erhalten.

    – Die Rechte, die so eine Organspende berührt, sind ja auch in einem anderen Fall Gegenstand einer Güterabwägung: bei angeordneten Obduktionen in der Gerichtsmedizin. Hier wird zum Zwecke der Strafermittlung das Recht des Verstorbenen und der Angehörigen massiv eingeschränkt und gegen ihren Willen der Leichnam eröffnet und Proben entnommen. Bei der Widerspruchslösung steht immerhin das Leben anderer Menschen als abzuwägendes Gut auf der anderen Seite, und gleichzeitig in der Eingriff in die persönliche Freiheit quasi vergleichbar mit einer Steuererklärung: der Zwang auf eine noch zu definierende Art und Weise eine Information darüber zu hinterlegen, ob man prinzipiell bereit ist zur Organspende. Könnte man ja auch als Anhangsfrage auf der Steuererklärung unterbringen!

    – Das Argument, dass so eine Widerspruchslösung Organhandel stärken würde ist ziemlich unsinnig. Eher würde doch das heutige knappe Angebot einen Schwarzmarkt anregen. Wenn man an den Göttinger Skandal denkt (auch wenn hier eher keine ökonomischen Gedanken im Vordergrund standen): es waren ja die Nichtverfügbarkeit von Organen und die ewig langen Wartelisten, die zur Manipulation der Daten führten. Würde man also das Angebot vergrößern gäbe es kürzere Listen und weniger Anreiz zu manipulieren oder sich außerhalb des legalen Systems nach Organen umzusehen.

    • Natürlich kann man das kritisieren. Die Welt ist nicht schwarz und weiß. Es ist durchaus nicht mit der Obduktion einer Leiche zu vergleichen, einem Sterbenden Organe zu entnehmen. Wenn das auf deutlichen eigenen Wunsch passiert, gerne. Aber einzelne zu zwingen , sich aktiv darum zu kümmern dass sie unversehrt Sterben können, das ist schon allerhand – auch wenn es die europäischen Nachbarn machen.

      • Nun, prozedural gesehen sind sich Obduktion und Organexplantation in vielen Punkten schon ähnlich – ich habe beidem schon beigewohnt. Und auch ergebnisorientiert betrachtet muss man sagen: hinterher findet man einen “versehrten”, aber wieder hergerichteten, allerdings auf die Gesamtmasse bezogen nicht vollständigen Leichnam. Die Gerichtsmedizin geht dabei allerdings etwas “rabiater” mit dem Körper um als es die Chirurgen tun.

        Die Idee des unversehrten Sterbens ist eine ziemlich alberne. Wäre man unversehrt, wäre man nicht gestorben. Wenn man sich nicht spendet wird man verbrannt oder von Mikroorganismen und Getier zersetzt, auch hierbei kann man wohl kaum davon sprechen dass der Leichnam erhalten bleibt. Einfrieren könnte man gelten lassen, da platzen aber die Zellen auf und auf der mikroskopischen Ebene entstehen massive Schäden. Das ändert nichts daran, dass man entscheiden darf was hinterher mit einem passiert – dass man sich aber entscheiden muss finde ich jedoch keine Zumutung, sondern eigentlich nur logisch. Seinen materiellen Nachlass regelt man ja auch bei Zeiten, warum nicht den physischen?

    • Danke für diesen Beitrag. Voller Verwunderung habe ich viele Wortmeldungen und Kommentare der letzten Wochen zum Thema Organspende aufgenommen. Man hat den Eindruck, dass sich viele Beiträge in die vermeintlichen moralischen Problemfelder stürzen, ohne dass das Procedere der Organtransplantation an sich bekannt wäre.
      Eins der größten Negativbeispiele dazu von dem vielgeschätzten Herrn Prantl:
      https://www.sueddeutsche.de/politik/organspende-kommentar-1.4114750

      @Asti
      Die Obduktion ist der größere, weil absolut unabwendbare, Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht. Eine Organtransplantation kann immer abgelehnt werden, wenn nicht vom Verstorbenen selbst vor seinem Tod, immer noch von den Angehörigen mit Verweis auf eine entsprechende Willensäußerung des Verstorbenen. Daran ändert auch eine Widerspruchslösung nichts. Eine Obduktion wird richterlich angeordnet und Ende.

      • @fabian ich glaube, dir ist das Prozedere selbst nicht ganz klar (Leiche vs Hirntoter). Und die Auswirkungen der Widerspruchslösung wohl auch nicht.

      • @Asti:

        Das ist häufig eine Argumentation von Leute, die mit dem Begriff des Todes Probleme haben. Wann ist ein Leichnam denn ein Leichnam? Wenn das Herz nicht mehr schlägt? Der Herztod führt zu massiven Definitionsproblemen, denn dann müssten wir Leute für tot erklären, die fröhlich die Krankenhausflure entlangspazieren und gleichzeitig Patienten für lebendig, die alles verloren haben was sie als Individuum, als Person definiert hat. Was uns zum Menschen macht ist nun einmal nicht der Herzschlag, nicht die Nierenfunktion und nicht der GI-Trakt – sondern das Gehirn. Die in Deutschland festgelegte Definition des Ganzhirntodes ist die sinnvollste Todesdefinition, die es überhaupt gibt. Damit ist sichergestellt, dass alles, wirklich alles erloschen ist. Keine niederen, keine höheren Hirnfunktionen – kein Bewusstsein, keine Emotionen, keine Erinnerungen, kein Schmerzempfinden, überhaupt keine Sensorik oder gezielte Motorik.

      • Und was genau ist mir nicht klar?

        Der Hirntote ist eine Leiche, die auf dem Weg zu ihrer eigenen Verwesung kurz angehalten wird. Ich bin da ganz bei fbn, der Ganzhirntod ist auch für mich die sinnvollste aller Todesdefinitionen. Sie formulieren so schön “unversehrt sterben können”, verkennen doch dabei, dass der Hirntote schon gestorben ist. Aus ihrem Kommentar spricht für mich die Sehnsucht nach einem “würdevollen” Tod – was auch immer das sein mag – und übersehen, wen die Organspende überhaupt betrifft. Sie müssen eine derart schwere Verletzung haben, dass sie zwar nicht sofort versterben, aber zeitnah unter intensivmedizinischer Betreuung. Schon an dieser Stelle ist es mit “unversehrt” lange vorbei, der Patient hat mehrere Zugänge, ist intubiert und sein Körper vermutlich übersäht mit den Wunden der frustranen Rettungsversuche.
        Nur zur Einordnung: In Deutschland sterben pro Jahr ~900.000 Menschen, davon 400.000 im Krankenhaus und davon werden nur 4000 als hirntot diagnostiziert. (https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/medizin/organverpflanzung/pwiediagnosehirntod100.html)

    • Spanien ist kein Mitglied bei Eurotransplant – so wie die meisten West- und Südeuropäischen Länder. (Das steht zwar so auch nirgendwo, wird aber doch stark suggeriert.)

      • Das stimmt, aber die dort tätigen Organisationen kooperieren intensiv mit Eurotransplant und tauschen Organe in beide Richtungen aus.

  32. stichwort nowitschok, da sagt ulf abschließend: „chapeau, chapeau, dass man das jetzt geschafft hat, so harte beweise vorzulegen!” – ja, dank cctv! also „chapeau, biggest brother“? nicht dein ernst …

  33. https://youtu.be/_fnja9qN2vM

    Diese Sätze sind doch eindeutig. “Wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen”. Warum jetzt diese semantischen Scheindebatten ob Hetzjagden Hetzjagden genannt werden dürfen?

  34. Zum Thema Mietpreisbremse:
    Es ist (mir) völlig unverständlich, wie man 10% Mieterhöhung bei Neuvermietungen überhaupt legalisiert hat.
    Es wechselt der Mieter, die Mietsache verändert sich durch den Mieterwechsel nicht. Wieso soll sich der Preis ändern?
    Durch diese erlaubte Mieterhöhung von 10% läßt sich die ortsübliche Vergleichsmiete auch in die Höhe treiben.
    Es soll Leute geben, die im Interesse der Immobilienmafia ständig umziehen, zumindest mietvertraglich. Und jedesmal werden 10% Mieterhöhung fällig. Solange bis die ortsübliche Vergleichsmiete hoch genug getrieben ist.

    • Na ja, man kann ja auch argumentieren, dass ich Eigentümer einer Sache (Wohnung) bin und dass es daher nur mir allein zusteht, zu entscheiden, zu welchem Preis und unter welchen Bedingungen ich mein Eigentum anderen zeitweise zur Nutzung überlasse. So gesehen, ist es völlig unverständlich, wieso man überhaupt legalisiert hat, dass es unter bestimmten Umständen eine Preisgrenze gibt ;-)

      Würdest Du Dir vom Staat vorschreiben lassen, welchen Mietpreis Du nehmen darfst, wenn Du Deinem Nachbarn gegen Entgelt für eine Woche Dein Auto vermietest?

      Wenn ich mir für mein hart erarbeitetes Geld, das ich mir vom Munde abgespart habe, eine Eigentumswohnung kaufe, die ich dann vermiete, damit ich meiner Enkelin das Studium finanzieren kann, kann der Staat doch nicht einfach bestimmen, was ich von dem neureichen Millionärssohn, der ne Zweitwohnung im Szenekiez der Metropole haben möchte, um am Wochenende die Sau rauslassen zu können, an Miete nehme ;-)

      In meinen Augen liegt die Ursache für die überhöhten Mieten darin, dass der Staat irgendwann mal beschlossen hat, dass er selber keine Wohnungen mehr zur Verfügung stellen will. Nun stellt sich heraus, dass es keine gute Idee war, die Versorgung mit Wohnungen “dem Markt” zu überlassen (der von Verknappung profitiert) und man präsentiert die Rechnung für die damalige Fehlentscheidung den Wohnungseigentümern, die ihre Wohnungen vermieten.
      Außerdem vernachlässigt es der Staat, dafür zu sorgen, dass überall vergleichbare Lebensverhältnisse und Infrastrukturen vorhanden sind.

      Anstatt den Eigentümern der Wohnungen vorzuschreiben, welche Preise sie für die Vermietung ihres Eigentums ansetzen dürfen, sollte der Staat in Konkurrenz zum freien Wohnungsmarkt treten und einfach selber Wohnungen in einer Anzahl und zu einem Preis zur Verfügung stellen, der gewährleistet, dass jeder Bürger eine Wohnung bekommt, die er sich auch leisten kann.
      Und er sollte z.B. dafür sorgen, dass es überall (auch im tiefsten Allgäu und im äußersten Winkel von Mecklenburg-Vorpommern) Internet, Ärzte, Krankenhäuser, Einzelhandel, Nahverkehr etc. pp. gibt, damit sich nicht immer mehr Menschen gezwungen sehen, in die Ballungsgebiete zu ziehen, wo dann der Wohnraum immer knapper wird.

      • Eigentum verpflichtet. Was der Eigentümer mit seinem Eigentum machen kann, ist durchaus nicht gottgegeben, sondern wird von der Rechtsordnung gestaltet. Und es ist kluge Sozialpolitik, wenn die Eigentümer – die im Zweifel ohnehin zu den Vermögenden bis Superreichen gehören – die weniger vermögenden Kreise der Bevölkerung nicht bis über die Schmerzgrenze hinaus ausnehmen können. Ich sage das übrigens als Vermieter von inzwischen mehreren Wohnungen: Der soziale Friede ist mir einfach wichtiger als Profitmaximierung.

      • Danke, besonders der letzte Absatz ist meiner Meinung nach die bessere Antwort auf des Problem als jede Mietpreisbremse.

        Aus meiner Sicht gibt es kein Recht auf das Wohnen in hippen Stadtteilen. Eigentum verpflichtet zwar aber sicher nicht dazu Sozialpolitik zu machen.

      • Aus meiner Sicht gibt es kein Recht auf das Wohnen in hippen Stadtteilen.

        vielleicht nicht per se – aber im selben Kiez, in dem man immer schon gewohnt hat, wo die Kinder ihre Kita, ihre Schule, ihre Freunde haben, wenn man zu einem Umzug gezwungen wird?

        Eigentum verpflichtet zwar aber sicher nicht dazu Sozialpolitik zu machen.

        doch – ganz genau dazu verpflichtet Eigentum (sog. Sozialbindung). Anders als Leib und Leben ist das Eigentum nicht an sich geschützt; was es beinhaltet ist eine Frage der gesellschaftlichen Aushandlung. Und es gibt nicht den Hauch eines Grundes, warum man eine Wohnung teurer vermieten können sollte, nur weil der Mieter wechselt.

      • @Ulf:
        “Der soziale Friede ist mir einfach wichtiger als Profitmaximierung.”
        Das kann ich nur unterstreichen!
        Es ist auch wesentlich befriedigender, einer Familie mit Kindern bezahlbaren Wohnraum zu bieten und den Kindern einen Spielplatz in den Hinterhof zu bauen, als ein paar Magnetefelder auf einer Festplatte dahingehend zu verändern, dass die daraus resultierende Zahl größer wird ….

        Und natürlich ist klar, dass Wohnen etwas ganz anderes ist, als Autofahren.
        Trotzdem ist mein Beispiel IMHO nach nicht ganz aus der Luft gegriffen.
        Um mal bei Deine Argumentation aufzunehmen:
        Warum sollte ein Mensch, der sich eine Wohnung zur Rentenaufstockung zusammengespart hat, sich gegenüber einem Superreichen, der in seine Mietwohnung ziehen will, preislich zurückhalten müssen?
        Nicht jeder Vermieter gehört zu den Superreichen. Manch ein Vermieter hat aufgrund eines schweren Schicksals, privat außergewöhnliche Kosten zu schultern, was ihm dann ein entsprechender Mietpreis ermöglicht.
        Das würde also bedeuten, dass man das von Fall zu Fall entscheiden müsste. Sozial bedürftige Menschen, die seit einer gewissen Zahl an Jahren in 1 km Umkreis zur gewünschten Wohnung leben, haben einen Anspruch auf eine vergleichbare Miete, andere Menschen nicht. Vermieter, die glaubhaft machen können, dass sie das Geld brauchen, dürfen mehr Miete verlangen, als andere. Das wäre nicht praktikabel.

        Ich denke, wie schon geschrieben, dass das alles am Kern des Problems vorbei geht.
        Wohnen gehört IMHO zur Grundversorgung. Das ist noch wichtiger als Autobahnen und ICE-Gleise.
        Daher steht es für mich (egal was die Rechtslage da sagt) außer jeder Diskussion, dass der Staat für angemessenen Wohnraum zu sorgen hat.
        Wenn das mit dem freien Wohnungsmarkt ohne Preisbindung nicht geht, dann muss der Staat eben selbst Wohnungen bauen, oder dafür sorgen, dass sich JEDER ein Haus bauen kann, wenn er auf dem Land leben will usw.

        Eine Mietpreisbremse wird schlicht nicht funktionieren, auch nicht, wenn man an ein paar Rädchen dreht.
        Das was momentan angedacht ist, ist IMHO eh ein schlechter Witz.
        Was genau soll geschehen, wenn der Vermieter beim “Vorstellungsgespräch” die geforderte Begründung des gewünschten Mietpreises nicht vorlegt?
        Soll der Mietbewerber ihn dann ultimativ auffordern? Wie wahrscheinlich ist es, dass er dann die Wohnung bekommt?
        Soll er einfach mal unverbindlich fragen, wie hoch denn die Vormiete war? Wie wahrscheinlich ist es, dass er dann die Wohnung bekommt?
        Dann kann er also erst mal so tun, als würde ihn die Vormiete nicht interessieren. Er kann dann klagen, wenn er mal den Mietvertrag hat. Dann ist für den Mieter im Grunde alles genau so, wie jetzt auch schon.
        Warum sollte das dazu führen, dass der Mietanstieg gebremst wird?

        Eine Strafe von maximal 100.000 Euro, ist genauso ein Witz. Die Miethaie, die ihre aktuellen Mieter drangsalieren, damit diese ausziehen, damit sie modernisiert werden können, wird das nicht abhalten.
        Das ist der Jahresgewinn eines einfachen Mehrfamilienmietshauses am Rande einer Großstadt, in dem die Mieten dem Mietpreisspiegel entsprechen..
        Ein Miethai, dem es um Gewinnmaximierung geht, wird diesen “Verlust” einfach einkalkulieren. Er wird die 100.000 Euro einfach auf den Preis aufschlagen, den er beim Verkauf der neu entstandenen Eigenntumswohnungen ansetzt. Das sorgt einfach nur dafür, dass Wohnraum entsprechend teurer wird ……

  35. [Kriminalstatistik]

    Euch unterläuft in dieser Folge ausnahmsweise ein sachlicher Fehler, auf den ich gerne hinweisen würde. Als Experimentalphysiker wurden mir eine große Vorsicht mit dem Bewerten statistischer “Mess-Ergebnisse” (hier sind es Daten der Kriminalstatistik) antrainiert, die in der heutigen Zeit meines Erachtens beim Bewerten vieler komplexer Geschehnisse essentiell ist.

    Ihr argumentiert (ich glaube Ulf war es) sinngemäß: “Es gab in den Jahren 2016-2017 keine nennenswerte Einwanderung, und daher kann es für den Anstieg der Sexualdelikte nicht verantwortlich sein.” Diese Schlussfolgerung ist aus sozusagen doppelt falsch:

    1) Es kann sehr wohl eine Korrelation zwischen Einwanderung und dem Anstieg der Sexualstraftaten geben, wenn die Effekte zeitverzögert aufträten. Ein (zugegeben stark vereinfachtes) Beispiel für einen solchen Effekt habt ihr selbst letzte Woche gebracht: Die Zukunft der Renten ist nicht gefährdet, weil in diesem Moment zu wenig Leute in die Kasse einbezahlen, sondern weil die Effekte der Demographie (Babyboom Jahrgänge) zeitverzögert auftreten. Also: woher wisst ihr so genau, dass diese Effekt nicht zeitverzögert sind? Darauf fußt nämlich das Argument.

    2) Selbst wenn es eine zeitverzögerte Korrelation zwischen Einwanderung und Anstieg der Straftaten, wie ich sie gerade beschrieben habe, gäbe, dann wäre das noch immer keine Kausalität (das alte Korrelation-Kausalität Argument) and ließe demnach überhaupt keine Bewertung (ob positiv oder negativ) zu. Sondern man müsste weitere Daten heranziehen, um den Sachverhalt eindeutig zu klären. ZB wird im Strafregister das Herkunftsland der mutmaßlichen Täter erfasst?

    Zum Glück nennt ihr dann noch zwei weitere Argumente (Änderung im Strafrecht und me too Debatte/Anstieg nur im Hellfeld), die durchaus schlüssig sind und den Anstieg (mit)erklären können (ich hoffe diese Argumente sind gut recherchiert, sonst bewegt man sich auch hier auf dünnem Eis).

    Ansonsten möchte ich noch loswerden, dass ihr einen großartigen Job macht und ich mich seit vielen Monaten jede Woche auf eine neue LdN freue. Ich lebe im Ausland und benutze LdN als primäres deutsches News-Medium.

  36. >> Don’t get me wrong. There are bright spots that the near-ceaseless negative coverage of the administration fails to capture: effective deregulation, historic tax reform, a more robust military and more.
    >> This isn’t the work of the so-called deep state. It’s the work of the steady state.

    Aus dem anonymen Op-Ed der NY Times, das besprochen wurde.

    Was ich da zwischen den Zeilen rauslese: die Tea Party Republicans haben Trump genutzt um das weisse Haus zu übernehmen. Er macht ein bisschen Zirkus vorne und hintenrum werden die Ziele der extrem Konservativen / Libertären durchgeboxt.

    Ich wüsste sonst nicht wer sich sonst über die Deregulierung der Industrie, Steuererleichterungen für Reiche und noch mehr Militärausgaben derartig freuen würde.

  37. Zum Thema Organspende 3 Aspekte:

    1) Aus meiner Sicht gibt es weder ein (moralisches) Recht von lebensbedrohlich erkrankten Menschen auf ein Ersatzorgan, noch gibt es eine (moralische) Verpflichtung der Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass es für diese Menschen Ersatzorgane gibt.
    Das bedeutet dann aus meiner Sicht auch, dass es einer *aktiven* Freiwilligkeit der Organspender bedarf.

    2) Wie Ihr ja gesagt habt, das “Problem” sind diejenigen, die sich nicht mit der Thematik befassen und bei denen daher je nach “Defaulteinstellung” (find ich in dem Zusammenhang einen gruseligen, um nicht zu sagen moralverachtenden Begriff) nicht bekannt ist, ob sie, wenn es ernst wird, mit einer Organentnahme einverstanden wären oder nicht.
    Da finde ich es ausdrücklich amoralisch und menschenverachtend, wenn man einfach davon ausgeht, dass sie einer Organentnahme zustimmen würden. Man sagt damit ja, “selber schuld, wenn sie sich nicht damit beschäftigen und man ihnen dann die Organe entnimmt. Hätten sie sich halt drum kümmern sollen, als sie noch die Gelegenheit hatten”.
    Deren Recht auf körperliche Unversehrtheit auch nach dem Tod (ich weiß nicht, ob es das juristisch gibt), wiegt in meinen Augen auf jeden Fall schwerer, als der Anspruch auf Ersatzorgane todkranker Menschen. In meinen Augen gilt da die Würde des Menschen auch nach dem Hirntod.

    3) Der dritte Punkt ist für mich persönlich der schwerwiegendste und unterstreicht bzw. begründet für mich die beiden ersten Punkte:
    Um einem Menschen ein Organ zu entnehmen, das transplantierbar ist, darf dieser Mensch noch *nicht* vollständig tot sein. Er darf lediglich “hirntot” sein. Die Organe müssen noch “funktionieren”. Wenn er *vollständig* tot wäre, wären seine Organe nicht mehr verwendbar, sie wären sozusagen nicht mehr “frisch” genug.
    D.h. lediglich *ein* Organ, das Gehirn, wird für tot erklärt, alle anderen Organe dürfen das aber noch nicht sein.
    Niemand weiß, was genau es für einen Menschen bedeutet, der von Medizinern für hirntot erklärt wird, dessen Organe aber noch lebensfähig sind, wenn ihm diese Organe entnommen werden.
    Es gibt Kulturen und Religionen, die beschreiben, dass in diesem Stadium noch ein Art von Bewustsein existiert, es gibt Menschen, die von Nahtoderfahrungen berichten usw. usf.
    Damit will ich nicht behaupten, dass das der Fall ist. Auch ich hab keine Ahnung, was es bedeutet hirntot zu sein und ob sich das irgendwie “anfühlt” oder nicht.
    Aber ich bin der Ansicht, dass allein die theoretische Möglichkeit der Existenz einer Seele oder eines Geistes oder eines “wasauchimmer”, die auch dann noch “aktiv” sind, wenn der Hirntod festgestellt wurde, es kategorisch ausschließt, dass einem Menschen Organe entnommen werden, wenn dieser Mensch sich davor nicht damit auseinandergesetzt und dem *aktiv* ausdrücklich zugestimmt hat.

    Alle Fragen nach Organhandel oder Organindustrie oder wie verführerische es für Krankenhäuser wäre, den Hirntod etwas großzügiger zu diagnostizieren, wenn es sich lohnen würde, sind dann nachgelagerte Aspekte, die sich für mich vor allem aus dem dritten Punkt ableiten.

    • Das ist ja noch nicht das schlimmste , lieber Wolfgan Eggert.
      Der ein oder andere , wacht bei der Operation auf .

      Tippt mal auf google “aufwachen bei Organentnahme” ein !

      Ihr werdet haufenweise berichte Hören, wo Patienten bei der Organentnahme aufgewacht sind .

      • Entschuldigung, aber das ist totaler Unsinn. In Deutschland gelten extrem strenge Regeln für die Feststellung des Hirntods, wir haben uns hier auf den Ganzhirntod festgelegt (das ist nicht überall so, darum sind die USA bspw. kaum vergleichbar!). Wer hier als hirntot diagnostiziert wird wacht nicht mehr auf, hat keine Schmerzen mehr, nimmt nichts mehr wahr. Das ist alles technisch nicht mehr möglich. Es hat in Deutschland auch seit Ewigkeiten keinen einzigen dokumentierten Fall eines wieder erwachten Hirntoten gegeben – das wäre eine derartige Katastrophe, dass es auch kein Geheimwissen bliebe sondern eine riesige Debatte über unsere Definition des Hirntods aufwerfen würde.

        Ob es eine unsterbliche Seele gibt vermag ich nicht zu sagen, wenn würde sie wohl aber kaum an unseren Organen kleben. Denn bei Nichtspende verfaulen die ja für gewöhnlich oder werden verbrannt.

    • Ich stimme dir komplett zu. Vor allem ist bedenklich, dass die meisten Menschen gar nicht wissen und nicht darüber aufgeklärt werden, dass Hirntote Menschen keine Verstorbenen sind, sondern Sterbende. Der Hirntod ist ein medizinisches Konstrukt. Ich finde das Thema hochproblematisch, ethisch mehr als schwierig und pietätlos.

      • Wer hirntot ist, hat keinen Atemreflex mehr, sondern wird beatmet. Ja, es sind Sterbende, deren Verfallsprozess man im frühestmöglichen Stadium künstlich verzögert. Es geht sofort weiter mit dem sterben wenn an der Beatmungsmaschine der Stecker gezogen wird.

        Der Hirntod ist ein so sicheres Todeszeichen wie die Leichenstarre. Hirntote Menschen sind Organfrischhaltecontainer.

    • >> Da finde ich es ausdrücklich amoralisch und menschenverachtend, wenn man einfach davon ausgeht, dass sie einer Organentnahme zustimmen würden. Man sagt damit ja, “selber schuld, wenn sie sich nicht damit beschäftigen und man ihnen dann die Organe entnimmt. Hätten sie sich halt drum kümmern sollen, als sie noch die Gelegenheit hatten”.

      Kann man auch andersrum betrachten: wenn es jemanden wichtig genug ist unversehrt verbuddelt oder verbrannt zu werden, dann hätte er sich drum gekümmert. Den anderen ist es offenbar egal.

      Ich sehe da, wie in der Lage auch erwähnt, keinerlei ethisches oder moralisches Dilemma. Bei anderen Entscheidungen mit medizinischem Hintergrund ist das deutlich anders. ZB bei Sterbehilfe für unheilbar Kranke. Wenn der Staat sich da entscheidet es zu verbieten läßt man betroffene Menschen unnötig leiden. Entscheidet er sich andersrum könnte es sein das Menschen diese Option nutzen “weil man das halt jetzt so macht” oder um “den Angehörigen nicht zur Last zu fallen” oder so.

      Niemand wird zu etwas gezwungen, er wird nur gezwungen eine Entscheidung zu treffen.

      Ob dieser Punkt mit dem “großzügiger entscheiden” relevant ist halte ich für fraglich. Denn eigentlich müsste das ja eher jetzt, bei Organmangel, der Fall sein. Aber ich glaube nicht das Mediziner sich VOR dem Exitus überhaupt die Frage stellen ob der Patient Spender ist. Vielleicht könnte die Lage-Redaktion sowas mal recherchieren? Wie läuft das im Alltag auf einer Notaufnahme ab wenn ein Motorradfahrer sich zerlegt hat? Wann wird da überhaupt geklärt ob der Mann denn Spender wäre? Ich kann mir kaum vorstellen das das parallel zur Not-OP abläuft.

      Wenn Spender der default ist gibt es ein größeres Angebot und gerade dann ist die Notwendigkeit Ärzte zu schmieren nicht mehr gegeben.

      • @Andi:
        Ich denke zwar, dass ich mit meiner Argumentation bei einem Menschen, der sterbende Menschen als “Organfrischhaltecontainer” betrachtet, nicht durchdringe, stimme Deiner Aussage:
        “Kann man auch andersrum betrachten: wenn es jemanden wichtig genug ist unversehrt verbuddelt oder verbrannt zu werden, dann hätte er sich drum gekümmert. Den anderen ist es offenbar egal.”
        aber ausdrücklich *nicht* zu.
        Wie ich in Punkt 1) geschrieben hab, gibt es meiner Meinung nach weder ein moralisches Recht auf, noch eine moralische Verpflichtung zur Organspende.
        Demgegenüber steht, dass jeder das Recht haben muss, sich *nicht* mit seinem eigenen Sterben und seinem eigenen Tod auseinanderzusetzen.
        Ich finde bereits die aktuelle Regelung, bei der ich von der Krankenkasse regelmäßig befragt werde, ob ich Organspender sein möchte, grenzüberschreitend.

        Ich persönlich kennen einen Menschen, Kettenraucher -> Lungentransplantation -> raucht weiter.
        Öffentlich bekannt ist Nicki Lauda, dem als Spätfolge seines Rennunfalls kürzlich die Lunge transplantiert wurde.
        Ein anderer Mensch, den ich persönlich kenne, wurde eine Niere nach genetisch bedingtem Ausfall seiner eigenen Nieren transplantiert.

        Genausowenig, wie man beurteilen kann, wer von den drei Menschen eine Organtransplantation “verdient” hat, genausowenig kann man beurteilen, wem während des Sterbens ein Organ entnommen werden darf und wem nicht. Es sei denn, derjenige hat sich aus eigenem Antrieb selbst aktiv damit auseinandergesetzt und dem aktiv zugestimmt.

        Darüber hinaus, kann man es auch den Ärzten nicht zumuten, dass man sie in die Lage bringt, dass sie den Sterbevorgang eines Menschen aktiv beeinflussen, wenn sie nicht dessen ausdrückliche Zustimmung dafür haben.

        Hier noch ein interessanter Podcast zu dem Thema:
        https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/organspende-die-toten-leben-noch

      • 9. September 2018 um 23:37 Uhr
        Katharina Meichelböck

        Hallo, vielleicht kann ich auf diese Frage eine Antwort geben.

        Ich bin Ärztin und war bis vor etwa 6 Monaten auf einer neurochirurgischen Intensivstation einer Universitätsklinik tätig. (Im Rahmen meiner Facharztausbildung, für einen Zeitraum von insgesamt knapp 2 Jahren).

        Um bei dem Bespiel der Motorradfahrers zu bleiben (der Fall kam des öfteren vor während dieser Zeit): ein so schwer-verletzter Patient wird üblicherweise über die Notaufnahme/ den Schockraum aufgenommen. I.d.R. gehört auch ein “Diagnostik-Part” dazu, meist in Form eines CT-Scans. In diesem lassen sich Verletzungen sehr schnell diagnostizieren.

        Dann trifft der Schockraum-Leiter in Absprache mit dem Team das weitere Vorgehen. Z.b. die besagte Not-OP…

        Tatsächlich kann ich mich an einige wenige Fälle erinnern, wo es bereits nach dem CT hieß “infauste Prognose”, und zwar von Seiten des Radiologen (=der, der die Bilder befundet) in Einstimmigkeit mit dem Neurochirurgen (=der, der die mögliche/nötige Konsequenz aus dem Befund ableiten muss, zumindest, was das Hirn angeht…). Also, dass die Verletzungen so schwerwiegend eingestuft werden, dass der Patient an deren Folgen versterben wird.
        (Der Regelfall ist das nicht, häufiger war, dass die Verletzungen sehr scherwiegend waren, aber eben auch nicht so scherwiegend, dass man sich von vorneherein festlegen konnte…)

        Danach wurden die Patienten zu mir auf die Intensivstation gebracht.
        Meistens war es so, dass es bei Aufnahme auf unsere Intensivstation dann eben hieß “infauste Prognose”, manchmal auch mit dem Zusatz “Organoprotektion”.

        Ich habe übrigens kein einziges Mal erlebt, dass ein Organspende-Ausweis beim Patienten gefunden wurde. Die Information über den mutmaßlichen Patientenwillen musste immer von Angehörigen eingeholt werden. D.h. zu diesem Zeitpunkt war der mutmaßliche Patientenwille noch ungeklärt.

        Teilweise hab ich diese Gespräche auch selbst geführt, insbesondere nachts, wenn ich als einziger Arzt auf Station war. Das war sehr hart, und ja, in Einzelfällen hab ich tatsächlich kurz nach dem ersten Kontakt auch direkt gefragt, ob der Sohn/ der Mann/ … denn gewollt hätte, dass seine Organe gespendet werden oder nicht. Normalerweise war das aber nur notwendig, wenn der Patient sehr instabil war, also von einem zeitnahen Tod auszugehen war…

        Wenn keine Organspende gewünscht wurde, wurde dann i.d.R. die Therapie auch zeitnah beendet – die Angehörigen durften sich verabschieden, man konnte einen Seelsorger dazu rufen, dann wurden die “Maschinen” ausgemacht oder die “Therapie eingefroren” (d.h. die bestehende Therapie wird fortgesetzt, aber keine weiteren Maßnahmen mehr eingeleitet oder eskaliert) und danach stirbt der Patient.

        Wenn eine Organspende in Frage kam, wurde die Therapie fortgesetzt und das Hirn-Tod-Protokoll angeleiert.

        Tatsächlich bedeutet das in der Praxis übrigens häufig, dass Patienten, für die eine Organentnahme in Frage kommt, zunächst einmal länger therapiert werden und sie nicht, wie viele wohl unsinnigerweise annehmen “schneller” versterben…

        Also, um das nochmal ganz klar zu sagen: Niemals würde man jemandem eine nötige Therapie vorenthalten, weil er/sie Organspender ist! Und bis man den mutmaßlichen Patientenwillen ermittelt hat, vergehen in der Regel eh (mindestens) einige Stunden.

  38. Haha, Thomas Müller. Das ist sehr putzig. Diese Leute glauben wirklich, die von ihnen gewünschte Politik wird nicht umgesetzt weil man sie nicht hörte.
    Deswegen werden wahrscheinlich auch viele von denen so laut.
    Wir hören schon, aber wir folgen nicht!
    Glücklicherweise gibt es auch in unserer Regierung noch Demokraten und Befürworter der Menschenrechte.

  39. in der debatte um die widerspruchslösung bei der sog. organspende fehlt es m.e. an sachlichen informationen darüber, wie organ- und gewebetransplantationen im einzelnen ablaufen, welche medizinischen, psychologischen und ethischen schwierigkeiten damit (für alle beteiligten, gerade auch für angehörige auf beiden seiten) verbunden sind. eine ehrliche debatte müsste aber von den realen vorgängen ausgehen, statt die leider verbreitete vorstellung unangetastet zu lassen, ein spender sei erst für sich genommen tot, bevor irgendwie organe (und knochen, gewebe etc., wovon aber selten die rede ist) von ihm auf andere übertragen werden wie teile aus einem defekten auto in ein neues. sehr informativ zum thema fand ich dieses buch der anthropologin vera kalitzkus: https://www.deutschlandfunkkultur.de/sterben-um-leben-zu-retten.950.de.html?dram:article_id=137937

    auch rechtlich ist das thema m.e. durchaus komplex, beispielsweise könnten gängige patientenverfügungen die für eine transplantation erforderliche organerhaltende behandlung ausschließen. und grundrechtlich geschützt dürfte auch das recht sein, sich nicht mit dem eigenen hirntod beschäftigen und keine entscheidung über ein derart sensibles, auch für areligiöse personen den kern des menschseins berührendes thema treffen zu müssen. zu diesen und anderen unterbelichteten gesichtspunkten in der aktuellen debatte folgender artikel von oliver tolmein: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueber-jens-spahns-plaene-fuer-mehr-organspenden-15769680.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

  40. Thema Werbung:
    Die Werbung für das Lobyistenblatt der deutschen Pharmaindustrie fand ich doch ziemlich ekelerregend.
    Alle andere Werbung war bisher okay!

    • Oh, ich überlege gerade, ob ich weiterhin einen Podcast unterstützen möchte, der ein klimazertstörendes Freizeit-Unternehmen wie swiss.com als Sponsor akzeptiert. Obwohl ich weiß, daß den meisten Zuhörer*innen sowieso die Umwelt unterm Hintern vorbeifliegt, wenn sie dafür einmalige (totlach) Urlaubserlebnisse haben.

  41. Laut Tagesschau (https://www.tagesschau.de/inland/seehofer-migration-debatte-101.html) hat Seehofer gesagt ‘Die Migrationsfrage sei “die Mutter aller politischen Probleme in diesem Land” ‘. In anderen Quellen (und auch bei euch) ist das Zitat ohne den Zusatz “politischen” zu lesen. Hier vermisse ich wirklich mehr Kontext. Was hat er danach und davor gesagt?

    Wenn Seehofer diesen Satz über politische Probleme auf einer CSU Klausurtagung gesagt hat, dann lässt das für mich auch eine deutlich weniger verstörende Interpretation als “Seehofer gibt Migration die Schuld für alles was im Land schief geht” zu. Nämlich, dass der Kontext der Aussage die aktuelle politische Arbeit im Land ist. Und ich glaube Seehofer sofort, dass das Thema im Moment die Krux bei allem was CDU, CSU und SPD ausarbeiten ist. Das Thema droht die Regierung ja förmlich zu zerreißen und ist der mediale Fokus. Davon werden auch eigentlich unabhängige Themen (z.B. als Pokerchips oder durch verlorene Kompromissbereitschaft) nicht verschont werden.

    Natürlich war ich nicht dabei und Seehofer könnte das Zitat wirklich so gemeint haben wie es weithin interpretiert wird. Ich hoffe, dass dem nicht so ist.

  42. Morgen in PamS: “Mir liegen keine Belege vor, dass es eine Stadt namens Chemnitz gibt” – Hans-Georg Maaßen im Interview
    https://www.der-postillon.com/2018/09/PamS1836.html

  43. Gibt es das volle Gespräch mit Meşale Tolu zum Nachhören?

  44. Zum Thema Rente habe ich da folgende Anregungen:
    – Beitragsbemessungsgrenze (so bei 100k€ glaube ich). Oberhalb wird nicht mehr “mehr” eingezahlt.
    – Pensionskassen für Ärzte, Architekten, Anwälte, Wirtschaftsprüfer (hab ich ne Berufsgruppe vergessen?)
    – Einkünfte aus Kapitalerträgen und Mieten nicht herangezogen, nur die Lohneinkünfte
    – Die Ungleichheit zwischen Pensionen und Renten (Ulf, was sagen deine Kollegen so zu dem Thema? Ist doch schon ein großes Argument für den Öffentlichen Dienst? :)
    – Ich finde das Thema Kinder ist kein Argument. Die könnten ja in den Öffentlichen Dienst oder o.g. Berufsgruppen gehen und wären dann “wertlos”.
    Vergleicht das deutsche Rentenmodell doch mal mit der Schweiz oder Österreich
    – Null-Prozent-Zinspolitik
    – Für mehr Zinsen muss ich u.a. Heuschrecken finanzieren, die wiederum mit Umstrukturierung meinen Arbeitsplatz zur Hölle machen
    – Verwaltungskosten gesetzliche Rente (ca 2%) vs Verwaltungskosten private Rentenversicherungen (20%, z.B. für Bunga-Bunga)

    Ich finde es schrecklich was aus der gesetzlichen Rente wurde. Super System, kann sogar im 1. Monat nach Krieg/Währungsreform auszahlen. Glaube bei den Privaten müsste man dann das Papier (Geld) essen

    Und vielen vielen Dank für Euren Podcast. Ihr helft mir sehr die Nachrichtenlage erträglich zu machen!

    • Verstehe den Kommentar irgendwie nicht – er scheint mir etwas wirr…. Aus Faulheit nur Rückfragen an zwei Stellen:

      “– Für mehr Zinsen muss ich u.a. Heuschrecken finanzieren”

      Es gibt ja auch nachhaltigen und ethische Anlagen. Die Zinsen sind teilweise sogar höher, weil solche Unternehmen nachhaltiger und moderner wirtschaften.

      “– Verwaltungskosten gesetzliche Rente (ca 2%) vs Verwaltungskosten private Rentenversicherungen (20%, z.B. für Bunga-Bunga)”

      Woher kommen die 20%? Fairr verspricht zumindest ~1%, wobei da vermutlich auf Fondsebene nochmal 0,5-2% drauf kommen. Aber ~3% ist immer noch weit von 20% entfernt…

      • Die 20% kommen aus der Provision für die Außendienstler und der Werbung. Beides fällt für die gesetzliche Rente ja gar nicht erst an.

    • > – Beitragsbemessungsgrenze (so bei 100k€ glaube ich). Oberhalb wird nicht mehr “mehr” eingezahlt.

      Die liegt wesentlich niedriger. Für die Rentenversicherung bei 78.000 € (West) bzw. 69.600 € (Ost) Brutto-Jahreseinkommen, bei der Krankenversicherung übrigens schon bei 53.100 € (alle Zahlen aus https://de.wikipedia.org/wiki/Beitragsbemessungsgrenze). Das sind Gehälter, die zumindest von Akademikern mit entsprechender Berufserfahrung in vielen Branchen im Laufe eines Berufslebens erreicht und teils deutlich übertroffen werden.

  45. Ich schätze die Lage wegen Eures peniblen Hinguckens außerordentlich.
    Aber warum schon wieder d i e s e r verdammte Wahrnehmungsfilter: Solange du dich in missdeutungsanfälligen Kontexten äußerst, nehmen wir dein Anliegen ganz bewusst nicht wahr – in Chemnitz hättest du ja eine eigene Demo machen können und der Zugang zu geeigneten Foren steht auch Digital Strangern völlig offen.
    In Gabor Steingarts heutigem Podcast braucht man da nur Merkel und SPD gegen “Ihr” austauschen: “In der Flüchtlingsdebatte erreichte das vorsätzliche Nichtverstehen seinen dadaistischen Höhepunkt: Das Volk sagte: Genug ist genug. Merkel erwiderte: Wir schaffen das. Das Volk sagte: Wir haben Angst. Die SPD gab zurück: Du bist ein Ausländerfeind! Das Volk will über seine Gefühle sprechen. Die Regierung aber verhängt weiträumig Sprechverbote. Die Ängste von Millionen stehen seither auf dem Index des politisch Inkorrekten und haben damit keinen Zugang zu Parteiversammlungen und Bundestagsdebatten.”

    • Na, im Gedankenlesen sind die meisten von uns halt extrem scheiße. Ich hab kein Volk gesehen oder gehört, das gesagt hat, wir haben Angst. Erstens bin ich auch Volk. Ich hab keine Angst. Meine Freunde, meine Verwandschaft und meine Bekannten sind ganz durchschnittliche Bundesbürger. Von denen hat auch keiner Angst. Darunter gibt‘s einige, die das Thema Migration sicherlich umtreibt. Keiner von denen fühlt sich jedoch der AfD oder Pegida nahestehend. Oder stellt sich gar auf die Straße und macht einen auf Hitler. Also vom Volk zu reden, ist schon mal ziemlich verlogen.
      Zweitens: Wer sich dann noch anmaßt, zu wissen, was es denkt, muss der Wahnvorstellung unterliegen, Gedanken lesen zu können.
      Drittens: Jemand, der Angst hat, hetzt denjenigen, vor dem er Angst hat, nicht durch die Straßen oder reist zu diesem Zweck erst recht nicht aus einer anderen Stadt an.
      Ludwig, das hat jetzt im Übrigen nix mit PC zu tun, es ist einfach nur undurchdachter, unaugegorener und unlogischer Mist, was Du da schreibst.

  46. Zum Thema Organe muss ich mal etwas loswerden:
    Ich finde ein viel zu wenig (bzw. geradezu ignoriertes) Thema ist die Frage, warum es sich eigentlich zwingend um Spenden handeln muss. Nieren, aber auch teile der Leber (die dann nachwächst!) und beispielsweise eine Lunge können von einer lebenden Person abgegeben werden, ohne selbst zu sterben (organdonor.gov/about/process/living-donation.html). Da stellt sich natürlich die Frage warum es Ende 2017 in Deutschland 7620 Menschen gab, die auf eine Niere warteten. Wie kommt es, dass in einem Land von 80 Millionen Menschen, die nahezu alle eine Niere haben, die sie abgeben könnten, so viele Menschen (größtenteils seit Jahren) auf ein lebenswichtiges Organ warten, während sie sich jede noch so banale Sache, die sie im Alltag brauchen, jederzeit besorgen können?

    Die Antwort ist meiner Meinung nach ganz klar: Es gibt keinen (legalen) Markt. Was sicherlich für viele zunächst wie eine absolut erschreckende Antwort klingen mag, würde meines Erachtens sehr viel mehr Leben retten. Auch in Spanien gibt es noch immer Menschen, die auf Organe warten. Würde man aber einen Markt einführen, gäbe es sicherlich mehr Leute, die bereit wären Nieren abzugeben. Der Eingriff ist zwar nicht extrem gefährlich, aber ein Risiko ist es trotzdem. Eine monetäre Kompensation für dieses Risiko würde die Anzahl an verfügbaren Nieren erhöhen, genauso wie ein höheres Gehalt tendenziell die Anzahl an Bewerbern auch erhöht. Derzeit ist der Preis für eine Niere (und für jedes andere Organ) aber 0€, somit ist das Angebot winzig.

    Nun wird es sicherlich viele geben, die akzeptieren, dass ein solcher Markt mehr Nieren zur Verfügung stellen würde, aber die sich um die andere Seite sorgen. Würden wir durch einen solchen Markt Leute ausbeuten? Ein Beispiel: Herr Müller hat einen eigenen Laden, der allerdings nicht so gut läuft. Er macht zwar noch Gewinn, aber nicht genug um das teure Auslandsstudium seiner Tochter zu finanzieren. Wenn es nun einen Markt gäbe, könnte er seine Niere für 40000€ verkaufen, damit er das Studium bis zum Ende finanzieren kann. Danach reichen ihm die Gewinne für sich und seine Frau aus und die Tochter hat bald ihren eigenen Job. Wird Herr Müller dadurch ausgebeutet? Die entscheidende Frage ist, was er denn machen würde, wenn es (wie derzeit) keinen Markt gäbe. Ohne das jetzt zu konkretisieren ist klar: Er müsste sich eine andere Lösung suchen. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Diese Lösung steht ihm auch dann noch zur Verfügung, wenn es einen Markt für Organe gibt. Der einzige Fall, in dem Herr Müller seine Niere tatsächlich verkauft ist, wenn er der Meinung ist, dass die andere Alternative für ihn schlechter ist. Durch das erlauben eines Marktes wird lediglich eine weitere Tür geöffnet, es wird keine geschlossen. Man kann dann so viel Aufklärung betreiben wie man will, wenn Herr Müller immer noch der Meinung ist, die beste Lösung für ihn ist es seine Niere zu verkaufen, dann sollte Herr Müller auch jedes Recht dazu haben. Man sollte sich nicht selbst einreden, dass man ihm dadurch einen Gefallen machen würde, wenn man ihm diese Option wegnehmen würde.

    Kernproblem bei dieser ganzen Thematik ist meiner Meinung nach dieses Bedürfnis nach einer absoluten moralischen Reinheit, bei der Organe bloß nicht aus Eigeninteresse abgegeben werden dürfen. Das ist aber recht absurd, denn der Arzt wird bezahlt, die Assistenten werden bezahlt, der Anästhesist wird bezahlt, selbst der Buchhalter, der diese Zahlungen überblickt wird bezahlt. Die einzige Person, die nicht bezahlt wird ist die, die ihr Organ abgibt und einen möglicherweise Lebensgefährlichen Eingriff auf sich nimmt und dabei auch maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass eine andere Person wieder ein normales Leben führen kann. Es erscheint mir absolut unmoralisch, dass wenn sich zwei Personen einig sind, bei denen es für die eine um das Leben, für die andere möglicherweise um die berufliche Existenz geht, der Staat sich einschaltet und es den beiden verbietet einander zu helfen. Die Auswirkungen sind auf der einen Seite lauter Menschen, die keine Organe bekommen und auf der anderen Seite Menschen, die entweder mit einer schlechteren Lösung leben müssen oder tatsächlich so verzweifelt sind, dass sie ihre Organe auf dem Schwarzmarkt verkaufen, dabei wahrscheinlich sehr viel weniger bekommen als versprochen und ein sehr viel größeres Sterberisiko haben, als es bei seriösen, legalen Ärzten der Fall wäre.

    Das ganze würde natürlich nicht alle Probleme aus der Welt schaffen, denn ein Herz kann man sich wohl kaum erkaufen. Zum Thema Opt-Out oder Opt-In ist meine Meinung, dass wenn man ein Opt-Out -System einführt, es wirklich auch einfach sein muss das zu machen. Es darf nicht sein, dass man von einer Behörde zur nächsten rennen muss oder es alle 2 Jahre nochmal bestätigen muss o.ä. Ein System, bei dem das bei der Neuausfertigung des Personalausweises direkt abgefragt wird und dann auch draufsteht (wie es Kolja aus den USA mit dem Führerschein beschreibt) würde ich am besten finden.

    Kleine Anmerkung zum Thema Straftaten im Zusammenhang zur Migration: Die Argumentationsweise zu sagen “von 2016 zu 2017 sind die Straftaten zurückgegangen, also existiert dieses Problem nicht” ist nicht besser als die Leute, die sagen “die globale Temperatur ist von 2016 auf 2017 zurückgegangen, also existiert das Problem der Erderwärmung nicht” (washingtonpost.com/news/capital-weather-gang/wp/2018/04/26/global-temperatures-have-cooled-since-2016-heres-why-thats-normal/?noredirect=on&utm_term=.ebf2fa9178db). Man muss schon den Trend über mehrere Jahre hinweg sich ansehen. Ich weiß nicht, wie diese Statistiken aussehen und was sie aussagen. Es wäre vielleicht ganz interessant das zu hören, wichtiger ist mir aber die Argumentationsweise.

    • Lebendspende ist heute möglich wenn man eine familiäre oder eine sehr enge freundschaftliche Verbindung zum Spender nachweisen kann.

      Was natürlich aus Sicht der Krankenkassen nervt: man hat dann zwei Patienten die intensivmedizinisch betreut werden müssen und alle Nachsorge die mit der Lebendspende in Verbindung steht muss von der Empfängerkrankenkasse bezahlt werden.

      Ich aber halte die Lebendspende für einen idiotischen Irrweg.

      • Mir war gar nicht bewusst, wie restriktiv das Gesetz in Deutschland wirklich ist. Derzeit kann man also nicht mal einem Fremden das Leben retten indem man sein Organ spendet. Es ist fast so, als würde der Staat sich aktiv dafür einsetzen, dass es keine Verfügbaren Organe gibt…

        Aber warum hälst du das für einen Irrweg?

      • Es ist IMO neoliberaler Kapitalismus im Endstadium. Wenn man sowas einführt können sich Reiche die benötigten Organe “zukaufen”. Und es ist dann auch nicht mehr weit bis zu dem Gedanken “warum sollen wir dem Hartz4 zahlen, der hat ja noch beide Lungenflügel und beide Nieren, soll er die erstmal verkaufen”.

        Das ist übelste Hayek-Theorie. Und wenn der Damm erstmal geöffnet ist, wäre die (IMO) logische Konsequenz der Organtourismus. Statt 60k oder 80k auszugeben fliegt man sich die Niere halt aus Indien oder Bangladesh ein und zahlt nur 10k + Reisespesen. Eine derartige Ausbeutung der Menschen der dritten Welt halte ich für höchst amoralisch, und vor allem würde sie Dein Szenario vom finanziell gestrauchelten der sich damit wieder auf die Beine hilft auch negieren – die Leute hier könnten einfach nicht “konkurrieren”. Das passiert ja schon heute, eine Niere aus Moldawien kostet bis zu 200k, davon sieht der Spender vielleicht 2%.

        Und logisch ist auch das die Spender ihr Leben verkürzen. Lunge wächst nicht nach. Und wer nur noch eine Niere hat, muss diese stärker beanspruchen. Leberregeneration ist stark altersabhängig.

        Das also Vermittler derartig mit dem Leid bzw der Krankheit anderer Menschen Geld verdienen wird, zumal in diesen Größenordnungen halt ich für amoralisch und bekämpfenswert. Daher hoffe ich das Spahn die Idee umgesetzt bekommt, denn diesen Schwarzmarkt kann man nur austrocknen durch ein legales und durchreguliertes Verteilungssystem in dem ein vernünftiges Angebot herrscht. Menschen als Ersatzteillager, gerne, aber erst wenn sie amtlich die Hufe hochgerissen haben.

      • Also zunächst mal werden medizinische Leistungen von den Krankenkassen bezahlt, somit ist es nicht so, dass ärmere Menschen gar keine Organe mehr bekommen. Der einzige Zustand, unter dem wir wissen, dass die meisten Menschen Jahre auf ein Organ warten müssen, ist der jetzige. Das hängt übrigens nicht damit zusammen, dass es sich hier um Organe handelt, die man nicht einfach neu produzieren kann. Das war in der DDR mit dem Trabant auch nicht anders, obwohl der ja neu produziert werden konnte. Es hängt vielmehr mit dem fehlenden Anreiz für die Angebotsseite zusammen. Die Vorstellung, man würde von Leuten erwarten, dass sie ihre Organe verkaufen, halte ich für unrealistisch. Es sagt ja auch niemand zu Menschen, die jetzt Hartz4 beziehen, dass sie es doch erstmal mit der Prostitution probieren sollten, bevor sie sich an den Staat wenden. Es ist jedem klar, dass man sowas nicht von jedem Menschen erwarten kann, da es um extrem persönliche und private Angelegenheit handelt. Aber denen, die die Prostitution für die beste Option halten, wird dieser Tür eben nicht ein Riegel vorgeschoben.

        Der “Organtourismus” würde allein schon wegen den Krankenkassen wahrscheinlich nicht stattfinden. Sollte dies aber doch passieren, gilt die gleiche Logik wie für Herrn Müller. Wenn Frau Patel aus Indien wirklich der Meinung ist, ihre Niere zu verkaufen sei die beste Option, die ihr zur Verfügung steht, dann sollte sie das auch tun dürfen. Ich halte es für extrem arrogant so zu tun, als könnten arme Menschen nicht eigene Entscheidungen treffen. Insbesondere gilt auch hier wieder: Wenn man Frau Patel vom Verkauf ihrer Niere abhält, hilft man ihr nicht, man schlägt nur eine mögliche Tür zu. Dann ist sie dazu verdammt mit der nächstbesten Lösung zu leben, aber meiner Meinung nach ist wichtig, was sie für die beste Lösung hält, nicht was wir hier in Deutschland für das beste halten. Das ist auch das, was ich unter der Menschenwürde verstehe. Dass man jedem Menschen, egal in welcher Lebenssituation, als eine selbstständige, mündige Person ansieht, dessen Entscheidungen, wie sie ihr Leben führen will, man respektieren sollte. Wenn du wirklich glaubst, dass es für Frau Patel keine gute Idee ist ihre Niere zu verkaufen, weil das nur ein einmaliges Einkommen ist, kannst du gerne versuchen sie davon zu überzeugen. Es ihr aber zu verbieten heißt im Grunde, dass du glaubst besser für sie entscheiden zu können als sie für sich selbst entscheiden kann.

        Dass derzeit Menschen, die auf dem Schwarzmarkt ihre Organe verkaufen, sehr wenig davon abbekommen habe ich ja in meinem ursprünglichen Kommentar auch geschrieben. Das ist ja gerade eines der Argumente für einen Markt, nicht dagegen. Gerade weil es keinen Markt gibt, werden Menschen so abgezockt. Man kann sich auf kein Vertrag berufen, kann zu keinem Gericht gehen. Man würde gerade diesen kriminellen Banden den Teppich unter den Füßen wegziehen, indem man ein legales und sicheres Verfahren einführt.

        Klar wird das Leben der Spender dadurch höchstwahrscheinlich verkürzt. Auch das ist doch gerade ein Argument dafür, dass sie auch etwas im Gegenzug erhalten. Das fällt natürlich auch unter dem Thema Aufklärung. Wenn du meinst diese verkürzte Lebenszeit wäre es einfach nicht wert, dann kannst du gerne versuchen andere zu überzeugen. Aber warum solltest du es ihnen verbieten können?

        Dann sagst du noch “Das also Vermittler derartig mit dem Leid bzw der Krankheit anderer Menschen Geld verdienen wird, zumal in diesen Größenordnungen halt ich für amoralisch”. Was ist dann mit Ärzten? Die verdienen auch “mit dem Leid bzw der Krankheit anderer Menschen” viel Geld. Ist das auch amoralisch? Die Vermittler haben genauso ein finanzielles Interesse am Ganzen wie die Ärzte auch. Wenn es einen Markt für Organe gäbe, dann würde man übrigens sowieso keine Vermittler als solche mehr brauchen, da das wohl die Krankenhäuser selbst machen würden.

  47. Was mich an der Geschichte mit der Debatte um eine Beobachtung der AfD/JA so extrem nervt ist die Scheinheiligkeit. Da wird nun das Thema in den Medien breitgetreten und auf die Weise halten in dem Laden mal alle die Füße etwas stiller um dem VS keinen Grund zu geben.

    Wenn es zu einer offiziellen Beobachtung kommt wird man das vermutlich auf einer Pressekonferenz verlautbaren, weil es ja nun schon so lange Thema war. Und was ist dann gewonnen? Dann weiss jeder das beobachtet wird und man passt besser auf. Das ist doch so als ob die Polizei beim Drogendealer die geplante Hausdurchsuchung zwei Wochen im Voraus ankündigt.

    Wenn es zu keiner Beobachtung kommt weiss jeder in der AfD ebenfalls wie weit im Verhalten gerade so gehen kann. Das bisherige Verhalten wäre damit als “verfassungstreu” geadelt und der Diskurs wieder ein paar Meter Richtung rechts geschoben.

    Und das obwohl eine “Beobachtung” meiner Kenntnis eh nur aus der “Auswertung öffentlich zugänglicher Quellen” besteht. Ein Vorgang übrigens der, wenn das Ziel ein Linker bzw eine linke Organisation Partei ist, NICHT an die große Glocke gehängt wird und von dem die Betroffenen dann im besten Fall Jahre später durch Zufall erfahren.

    Es ist einfach absurd mit was für Phantomdebatten wir uns rumschlagen dieser Tage.

  48. https://www.freiepresse.de/chemnitz/wie-sicher-ist-die-chemnitzer-innenstadt-artikel10306032

    “Bei nahezu der Hälfte der fast 200 Tatverdächtigen, die im vergangenen Jahr zu gefährlichen und schweren Körperverletzungen im Stadtzentrum ermittelt wurden, handelte es sich um Jugendliche (20,6Prozent) und Heranwachsende bis 21 Jahre (27,5Prozent). Und knapp die Hälfte der mutmaßlichen Täter bei allen sogenannten Rohheitsdelikten (46,9Prozent) hatten keinen deutschen Pass. Bei Raubüberfällen auf offener Straße in der Innenstadt waren 2017 sogar 16von 19 Tatverdächtigen nichtdeutscher Herkunft – das sind fast 85 Prozent. ”

    Aber! Aber! Die Kriminalstatistik zeigt eine Verbesserung!

    Außerdem fand ich die Argumentation über diesen Thomas Müller nicht so überzeugend. Wenn er “zumindest rechtsradikal” ist nur weil er auf diese Demo geht müsst ihr die selbe Logik bei dem Konzert anwenden. Tut ihr aber nicht. Da spielt eine Band die klar linksradikal ist und ihr redet das klein. Der gute Zweck heiligt bei euch die Mittel.

    • > Außerdem fand ich die Argumentation über diesen Thomas Müller nicht so überzeugend. Wenn er “zumindest rechtsradikal” ist nur weil er auf diese Demo geht

      Er ist nicht rechtsradikal, weil er auf diese Demo geht, sondern rechtsradikal, weil er auf diese Demo geht und nicht die Versammlung verlässt bzw. versucht, die offen als Nazis agierenden anderen Teilnehmer von der Versammlung auszuschließen. Stattdessen stellt er sich mit den Nazis zusammen auf die Straße und lässt sie gewähren.

      > müsst ihr die selbe Logik bei dem Konzert anwenden. Tut ihr aber nicht. Da spielt eine Band die klar linksradikal ist und ihr redet das klein. Der gute Zweck heiligt bei euch die Mittel.

      Es ist schon ein Unterschied, ob Hitlergrüße gezeigt, Nazi-Parolen gebrüllt und ausländisch aussehende Menschen angegangen werden, oder ob eine Band auf der Bühne steht, die (soweit ich weiß: in ihrer Vergangenheit) einzelne kritisch zu betrachtende Songtexte im Repertoire hat(te). Ich habe das Konzert nicht gesehen, kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Band dort diese Songs gespielt oder zu Gewalt aufgerufen hat. Laut Wikipedia spielen Feine Sahne Fischfilet auch bei Rock am Ring & Co, das macht diese Festivals sicherlich nicht zu linksextremen Veranstaltungen.

    • > Aber! Aber! Die Kriminalstatistik zeigt eine Verbesserung!

      Zunächst mal heißt ja ein allgemeiner Rückgang der Kriminalität nicht, dass es in Chemnitz und andernorts nicht in genau die andere Richtung geht (Stichworte Ghettobildung, Perspektivlosigkeit, Beschaffungskriminalität).

      Um die von dir aufgeführten Zahlen zu beurteilen, müssten man noch wissen, wie hoch der Ausländeranteil in Chemnitz an den Altersgruppen “Jugendliche” und “Heranwachsende” ist. Leider weist das die Statistik der Stadt nicht aus: https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/unsere-stadt/stadtportrait/zahlen-und-fakten/bevoelkerung.html

      Einen Hinweis gibt es vom Statistischen Landesamt: “Die deutsche Bevölkerung im Freistaat Sachsen war 2016 im Durchschnitt 46,7 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Ausländer in Sachsen lag bei 31,6 Jahren. Damit sind Ausländer im Schnitt 15 Jahre jünger als die deutsche Bevölkerung in Sachsen.” (https://sab.landtag.sachsen.de/de/service/statistiken/statistiken-6757.cshtml)

      Das macht keine der Gewalttaten besser, entschärft aber etwas den Eindruck, “die Ausländer” seien besonders kriminell. Sehr lesenswert dazu die Studie von Christian Pfeiffer, die Anfang des Jahres auch in der Lage besprochen wurde: https://www.bmfsfj.de/blob/121226/0509c2c7fc392aa88766bdfaeaf9d39b/gutachten-zur-entwicklung-der-gewalt-in-deutschland-data.pdf

  49. Ich hatte es noch nicht so bemerkt aber ihr lasst euch gerne Sea Lionen (zumindest wenn es geht um die Themen ‘Nazis’, ‘Russen’ usw.).

  50. Mich erschüttern die Vorkommnisse in Chemnitz und einige Reaktionen der Regierung momentan gewaltig und ich war selten so betroffen. Ich habe das Gefühl, dass es in der Bevölkerung und der Regierung, vor allem in der CDU/CSU, gerade einen großen Rechtsruck gibt und das viele Tabus gebrochen werden. Ich bin kein Experte, aber ich glaube, dass unheimlich viel vom Thema Rechtsradikalismus abgelenkt wird. Ich finde, dass Aussagen wie: “Das Video der Demo könnte gefälscht sein”, “Steinmeier sollte das Konzert gegen Rechts nicht unterstützen” und “Es gab keine Hetzjagd”, die alle zum Teil eventuell gerechtfertigt sein könnten, nach den Ausschreitungen in Chemnitz in dieser Form sowas von unangebracht sind. Dabei lenkt zudem die Art und vor allem der Zeitpunkt dieser Aussagen, sowie der Aussage: “Die Migration ist die Mutter aller Probleme” total vom Thema Rechtsradikalismus ab, der dadurch klein geredet wird. Ich habe Angst davor, dass sich die Tabugrenze immer weiter verschiebt und merke, wie pauschalisierend und falsch mittlerweile mit Begriffen wie Ausländer umgegangen wird. Man sieht es außerdem Menschen nicht automatisch an, ob sie selber, ihre Eltern oder ihre Großeltern aus einem anderen Land kommen oder ob sie beispielsweise adoptiert wurden.

  51. In den USA wird ein Organspender auf seinem Führerschein (hier auch das Gleiche wie der deutsche Perso) markiert. Die ID muss alle 5 Jahre erneuert werden wobei man die Spenderpräferenz ändern kann (geht sicher auch vorher). Sowas kann durchaus auch umgekehrt funktionieren, so dass die Behörden z.B. beim Ausstellen des Persos nach dem expliziten Opt-Out fragen und so den Opt-Out in einer Datenbank vermerken als auch auf dem Perso.

  52. Hallo ihr zwei,
    vielen Dank für den wöchentlichen, stets sehr informativen Podcast!

    Wie eigentlich bei jeder Lage kann ich eure Einschätzungen nicht gänzlich teilen, heute fasse ich meine Wahrnehmung mal in einen Kommentar.
    Bei eurer Kommentierung des „Thomas Müller“ Statement macht ihr es euch aus meiner Sicht etwas leicht.
    Euer Argument der Mann solle wenn er ein Forum sucht einfach eine eigene Demo anmelden ist natürlich für einen Privatmann mit begrenzten Zeitressourcen durchaus schwierig umzusetzen.

    Stellen wir uns trotzdem vor er meldet eine Demo unter dem Slogan „Gegen die Massenmigration“ an. Es ist ausgesprochen wahrscheinlich, dass sich exakt die Klientel einfinden wird, wie wir sie in Chemnitz haben wirken sehen. Der fiktive Demoverantwortliche mit eigentlich gemäßigten Ansichten ist damit in einem Dilemma, zum einen verschafft jeder zusätzliche Teilnehmer seinem Anliegen Legitimation und er kann sich sicher sein, dass bei einer auch nur kleinen Gruppe von offensichtlich rechtsradikalen Teilnehmer die Medienberichterstattung und damit die öffentliche Aufmerksamkeit um ein vielfaches größer sein wird.

    Damit wird es entweder eine Demo geben wie wir leider schon viele gesehen haben, oder seine Demo der gemäßigten Ansichten wird eine bedeutungslose Randnotiz bleiben.

    Exakt den gleichen Wirkmechanismus kann man in der Geschichte der AFD beobachten. Gegründet als anti-Euro Partei die sich aber durchaus auf dem Boden des Grundgesetztes bewegte waren sie immer in dem Konflikt, dass sie auf die extremen angewiesen waren um Aufmerksamkeit zu erhalten, aber das jeweils aktuelle Führungspersonal wollte eigentlich gemäßigtere Ansichten vertreten. Dies hat aber schon zu zwei innerparteilichen Putschen geführt die jeweils die Partei deutlich nach rechts gerückt haben.

    Zusammenfassend scheint es mir wirklich schwierig im aktuellen politischen Umfeld Positionen rechts der CDU auf dem Boden des Grundgesetztes zu vertreten.
    Glücklicherweise bin ich persönlich nicht in diesem Dilemma ;-)

    • > Euer Argument der Mann solle wenn er ein Forum sucht einfach eine eigene Demo anmelden ist natürlich für einen Privatmann mit begrenzten Zeitressourcen durchaus schwierig umzusetzen.

      Eine Demonstration anzumelden ist weder besonders schwierig noch besonders zeitaufwändig. Dazu reicht eine einfache Mitteilung, siehe zum Beispiel hier für Baden-Württemberg: https://www.service-bw.de/leistung/-/sbw/Versammlung+anmelden-1096-leistung-0

      > Stellen wir uns trotzdem vor er meldet eine Demo unter dem Slogan „Gegen die Massenmigration“ an. Es ist ausgesprochen wahrscheinlich, dass sich exakt die Klientel einfinden wird, wie wir sie in Chemnitz haben wirken sehen.

      Ja, das wird natürlich so sein. Allerdings hat der Anmelder einer Demonstration das Recht, Teilnehmer von “seiner” Versammlung auszuschließen (bzw. hat allgemein die Polizei die Aufgabe, Störer aus der Versammlung zu entfernen) bzw. wurden auf Demonstrationen, an denen ich teilgenommen habe, ungebetene Teilnehmer von anderen Teilnehmern durchaus erfolgreich dazu aufgefordert, die Demonstration zu verlassen, wenn ihre Äußerungen oder ihr Verhalten nicht akzeptabel erschienen.

      > Der fiktive Demoverantwortliche mit eigentlich gemäßigten Ansichten ist damit in einem Dilemma, zum einen verschafft jeder zusätzliche Teilnehmer seinem Anliegen Legitimation und er kann sich sicher sein, dass bei einer auch nur kleinen Gruppe von offensichtlich rechtsradikalen Teilnehmer die Medienberichterstattung und damit die öffentliche Aufmerksamkeit um ein vielfaches größer sein wird.

      Ob Hitlergrußzeigende Personen einem Anliegen Legitimation verschaffen, wage ich mal zu bezweifeln.

      • Es hat nie eine Massenmigration gegeben genauso wenig wie eine Asylflut oder Flüchtlingswelle. Das sind Begrifflichkeiten von rechtsradikalen Populisten mehr nicht. Wer sich hinter diese Parolen stellt, macht sich mit schuldig. Es gibt Misstände in diesem Land, darüber müssen wir reden, aber die Migration ist nur eine Mücke aus der eine Elefant gemacht wird. Wer mit “ohne Migrantion hätte es die Toten in XY nicht gegeben” argumentiert, dem könnte man entgegnen “ohne Autos gäbe es keine Verkehrstoten” und wer will heute auf sei geliebtes Auto verzichten.

  53. In Chemnitz zeigt sich vor allem der Hass auf die Medien und die Politik in Verkörperung von Frau Merkel. Die Flüchtlinge sind nur der Auslöser gewesen, aber waren nie der Grund für den Hass. Die Fehler der Vergangenheit rächen sich jetzt. 1990 haben führende Politiker von CDU und SPD gesagt, dass es in fünf Jahren keine Unterschiede zwischen West und Ost mehr gäbe. 28 Jahre später gibt es hingegen immer noch deutliche Unterschiede. In Sachsen sind zahlreiche Menschen im Niedriglohnsektor beschäftigt (in Grenzgebieten sogar die Hälfte aller Beschäftigten), während Menschen in Baden-Württemberg oft schon beim Eintritt ins Berufsleben nach dem Studium über 40.000€ im Jahr verdienen. Wer will es da den jungen Menschen verübeln wenn sie nach der Schule oder spätestens nach dem Studium ihre Heimat verlassen? Zurück bleiben die Alten, die mit ansehen müssen wie ihre Gemeinden immer mehr veröden und vereinsamen. Kein Vergleich zu dem gut betuchten Rentnerehepaar in Hamburg-Harvestehude, das es sich leisten kann die ganze Welt zu bereisen.

    Natürlich gibt es auch im Westen Ungleichheit und Ungerechtigkeiten. Aber dann wird in der Regel auf den Kapitalismus, die Konzerne und/oder den Neoliberalismus geschimpft. Aber im Osten waren es die Menschen bis zur Wende gewohnt, dass der Staat für die Verteilung von Waren und Gütern zuständig ist. Wenn jemand arm und der andere reich war, dann weil der Staat DDR es so wollte. Die Empörung “Die Flüchtlinge bekommen alles und wir bekommen nichts” geht von der Erwartung aus, dass der Staat einem etwas schuldet. Und wenn man etwas nicht bekommt, dann weil der Staat einen verachtet. Und wenn man glaubt dass einen der Staat verachtet, dann fällt es leicht den Staat und die ÖR-Medien ebenso zu verachten.

    • > In Sachsen sind zahlreiche Menschen im Niedriglohnsektor beschäftigt (in Grenzgebieten sogar die Hälfte aller Beschäftigten), während Menschen in Baden-Württemberg oft schon beim Eintritt ins Berufsleben nach dem Studium über 40.000€ im Jahr verdienen. […] Natürlich gibt es auch im Westen Ungleichheit und Ungerechtigkeiten. Aber dann wird in der Regel auf den Kapitalismus, die Konzerne und/oder den Neoliberalismus geschimpft.

      Die Ursache ist an beiden Orten aber doch genau die selbe: Nach der Wende wurden im Osten Wenige zu Lasten von Vielen reich, indem sie (mit staatlicher Unterstützung) die vorhandene Infrastruktur billig aufgekauft, das niedrige Lohnniveau genutzt und Zuschüsse usw. eingestrichen haben. Das ist der gleiche Neoliberalismus wie im Westen.

      > Wer will es da den jungen Menschen verübeln wenn sie nach der Schule oder spätestens nach dem Studium ihre Heimat verlassen? Zurück bleiben die Alten, die mit ansehen müssen wie ihre Gemeinden immer mehr veröden und vereinsamen. […] Die Empörung “Die Flüchtlinge bekommen alles und wir bekommen nichts” geht von der Erwartung aus, dass der Staat einem etwas schuldet. Und wenn man etwas nicht bekommt, dann weil der Staat einen verachtet. Und wenn man glaubt dass einen der Staat verachtet, dann fällt es leicht den Staat und die ÖR-Medien ebenso zu verachten.

      Ich bin mir nicht sicher, inwiefern dieser entschuldigende Hinweis auf die DDR-Vergangenheit eine Erklärung ist. Immerhin gibt es diesen Staat schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert nicht mehr und auch in der DDR musste man sich aktiv bemühen und z.B. den Wohnort wechseln, wenn man es zu etwas bringen wollte. Als Mitglied der “Generation Y” habe ich mangels Alternativen akzeptiert, dass ich häufiger Stadt und Job werde wechseln müssen, um in meinem Leben eine wirtschaftliche Stellung vergleichbar mit der meiner Eltern zu erreichen. Ich kenne aber auch genug Beispiele aus meinem Bekanntenkreis, die in ihren (west)deutschen Kleinstädtchen geblieben sind, vielleicht für einen Bachelor an die nächstgelegene Uni gependelt sind und sich jetzt beschweren, dass es keine guten Jobs gäbe. Die gibt es zwar in den meisten Fällen, aber eben nicht in dieser Region.

      Man kann es für erstrebenswert halten, dass alle Menschen in ihrer Heimatregion bleiben und dort ihr Leben verbringen können und ich weiß auch, dass es nicht jedem möglich ist, den Standort zu wechseln, gerade wenn Familie und Kinder im Spiel sind. Aber häufig erscheint es mir so, als sei man nicht bereit, den damit verbundenen Aufwand und die Nachteile in Kauf zu nehmen. Da sehe ich aber zwischen Ost und West wenig Unterschiede.

  54. Zum Thema Organspende:
    Soviel wie ich weiß , werden Organspenden immer aus einem Gehirntoten , aber noch lebendigem Leibe entnommen .
    Niemals aus einem toten Leibe , er muss lebendig sein .
    Genau deswegen werde ich niemals , Organe spenden oder erhalten .
    weil ich genau weis , es muss ein lebendiger Leib sein , wo die Organe entnommen wurden .

    • Bin zwar kein Experte, aber ich bin mir relativ sicher, dass beispielsweise bei Unfällen auch nach dem Tod (nicht nur Hirntod, sondern wirklich tot) Organe entnommen werden können. Das muss aber natürlich schnell geschehen und man muss die Organe dann entsprechend aufbewahren (also in einer Kühlbox).

      • Nein, die Organe müssen einem noch lebenden Körper entnommen werden. Der Organspender wird während der Entnahme der Organe beatmet. Übrigens ist die Zahl der Organspender in Spanien u.a. auch so groß, weil dort auch der Herztod als Spendekriterium gilt, anders als in Deutschland.

    • Ganz genau, ich hab das grad in einem eigenen Post, das aber scheinbar (noch?) nicht veröffentlicht wurde, ausgeführt.
      Hirntot bedeutet halt nur, dass *ein* Organ unter vielen für tot erklärt wird.
      Alle anderen Organe dürfen noch nicht tot sein, sonst sind sie unbrauchbar.

      Da niemand weiß, was das für den Hirntoten oder die Hirntote bedeutet, darf man ihm oder ihr (aus meiner Sicht) daher nur dann Organe entnehmen, wenn er oder sie dem ausdrücklich aktiv zugestimmt hat.

      • Bevor ich hier widerspreche möchte ich daruf hinweisen das ich selber aus dem Medizinischen Sektor komme. Ein Mensch der für Hirntot erklärt wird, sind dafür gewisse notwenige Vorraussetzungen notwenig:
        – Die Schädigung darf keine reversible Ursache haben.
        – Die Schädigung muss das Großhirn, das Kleinhirn und den Hirnstamm betreffen
        – Der Hirnstamm, er koordiniert alle Funktionen die direkt notwendig sind zum Leben: also hier vorrangig wichtig das Atemzentrum. Wenn dieses ausfällt wird der Mensch maschinell beatmet. Getestet wird seine Funktion in dem verschiedene, von ihm ausgehenden Reflexe untersucht werden und die Atmungsfunktion: In dem alles abgesetzt wird an Medikation was irgendwie seine Funktion beeinträchtigt ( vorrangig Schmerzmittel und Sedativa) und man testet ob es eine Versuch des Körpers gibt selber zu atmen wenn diese nicht der Fall ist und zusätzlich ALLE seine Reflexe ausgefallen sind gilt dieser als zu starkbeschädigt um mit dem Lebenvereinbar zu sein
        -Großhirn, gemeinhin steuert es alle höheren Funktionen und kann als Sitz der Persönlichkeit verstanden werden, wenn dieses (ohne beeinträchtigende Medikation) keinerlei Funktion zeigt (im EEG über 30 min) ist davon ausszugehen das der Patient keine höheren Hirnfunktionen mehr hat und sich auch in keinem Traumähnlichenzustand befindet, weil er auch in diesen aktiv arbeitet.
        So kann man eindeutig daraus schließen das ein Patient der zu Hirntot erklärt wird auch tatsächlich tot ist. Alles was sein Herz am schlagen hält, ist die Intensivmedizinische Betreuung.

  55. Einfach schade, dass ihr wiederholt nicht auf Österreich eingeht. Schaut euch zum groben Überblick einfach mal den Monitor-Beitrag hier an! https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-schwarz-blau-regiert-wohin-steuert-oesterreich-100.html

    Besser kann man doch garnicht thematisieren, was passiert wenn Nazis an der Macht sind!

  56. leider hören sowas ja immer nur die leute die es eh schon wissen und nicht die die es hören sollten.

    https://podcaste97de5.podigee.io/35-inside-afd

    • Wenn du die Kommentare zur letzten Sendung durchliest, dann wirst du feststellen, dass überhaupt nicht alle auf der Linie von Philipp und Ulf sind…

      • Liebes Lage-Team,
        derzeit gibt es am ganz westlichen Zipfel Deutschlands einem ziemlich wahrscheinlich eskalierenden Konflikt rund um den Tagebau Hambach. Der uralte Wald dort, der Hambacher Forst, soll/darf von RWE ab Oktober gerodet werden.
        Dabei stehen sich Umweltschützer, Baumbesetzer, linke Extremisten und auf der anderen Seite Polizei und RWE unversöhnlich gegenüber. Was genau passieren wird, wenn die Bagger kommen, ist unklar – allerdings bereitet sich die NRW-Polizei nach eigenen Aussagen auf ihren bislang größten Einsatz vor und befürchtet Ausschreitungen á la G20 in Hamburg.
        Mich würde sehr eure Einschätzung und Betrachtung des Themas interessieren.
        Vielleicht ist es ja auch für euch ein spannender Vorschlag – oder ihr habt es eh längst auf der Pfanne ;)

        Viele Grüße aus Aachen

  57. Herzlichen Dank für eine erneut hervorragende Sendung!
    Ich würde gerne zum Thema “Gleichsetzung von rechter und linker Gewalt” einen – wie ich finde wichtigen – Aspekt ins Spiel bringen und möchte Eure Position zusätzlich stärken:
    Der Vergleich hingt faktisch nicht nur numerisch, sondern auch deshalb weil die Formen der Gewalt sich häufig deutlich unterscheiden. Dies gilt insbesonders wie ja von Euch erwähnt in den letzten Jahren. Auch wenn sie ebenso nicht tollerierbar ist, richtig sich Gewalt von der linken Seite meist gegen Sachgegenstände; hierbei möchte ich die körperlichen Angriffe gegenüber PolizebeamtInnen explizit ausnehmen. Die Gewalt von rechter Seite ist aber sehr häufig und strukturell gegen Personen/gegen Menschen gerichtet und zudem willkürlich in Ihrer Form. D.h. die Opfer sind häufig völlig zufällige Menschen und eigentlich Unbeteiligte. Dieses Vorgehen ist immanenter Teil der Ideologie in der dafür notwendigen Abgrenzung gegen eine Feindgruppe.
    Im öffentlichen Diskurs (die “Lage” selbstverständlich ausgenommen) habe ich diese Unterscheidung leider selten wahrgenommen. Manches Mal wurde Sachbeschädigung im Vergleich gegenüber Körperverletzung sogar schwerwiegender dargestellt. Ich kann diese Perspektive keineswegs teilen, da ich diese zwei Formen der Gewalt aus ethischer Perspektive als klar getrennte Katogorien erachte.

    • In dem Zusammenhang passt immer Sontheimer (Politikwissenschaftler aus München, eine Koriphäre):

      „Da aber die Übereinstimmung der staatstragenden Gruppen über die Prinzipien der bestehenden Ordnung kein Maßstab für die Qualität einer solchen Ordnung sein kann, sondern nur eine Status-quo-Formel darstellt, ist Extremismus und Radikalismus, wie unsere eigene Geschichte lehrt, nicht von vornherein etwas Negatives. Die heutige staatstragende Mitte ist nämlich nichts anderes als das Ergebnis der linksradikalen Bewegungen von gestern und vorgestern. Da stets die herrschenden Gruppen die Bandbreite bestimmen, innerhalb derer sie politische Auffassungen tolerieren, muß bei radikalen Bewegungen und Ideologien stets auch nach dem Inhalt, dem politischen Ziel gefragt werden.”

      • https://www.religio.de/lex/Daten/A/autoritaetsbeweis.html

        “Der Autoritätsbeweis war im Frühmittelalter die übliche Methode, theologische Meinungen zu belegen, indem man ihre Übereinstimmung mit der Bibel, den Kirchenvätern und der Konzilien nachwies. Schon Johannes Scottus Eriugena… bezweifelte, dass der Autoritätsbeweis ausreicht, grundsätzliche… Thesen zu belegen.

        Heute gilt der Autoritätsbeweis als schwächste Form der Beweisführung als nicht mehr hoffähig.”