LdN105 Spanien-Abkommen, Wagenknechts Bewegung, Wehrpflicht, Trump, Elektro-Dienstwagen

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Vielen Dank an alle, die gestern bei unserer Lage live in Hiddensee dabei waren. Unsere Sommerpause ist nun zu Ende und wir freuen uns auf viele weitere Folgen!

Spanien-Abkommen

Wehrpflicht 

Trump

Hausmitteilung 

80 Kommentare

  1. Hey,
    mich würde bezüglich des Staatstrojaners ja mal interessieren, welche Angriffsvektoren erlaubt sind.
    Also: muss sich die Polizei dabei auf das beschränken, was auch kriminellen zur Verfügung steht, oder dürfte auch ein exploit in sagen wir mal dem Adobe-Reader oder MS Word ausgenutzt werden, in dem ein offizielles vom Staat kommendes Dokument prepariert wird? Denn das würde ja grundlegend das vertrauen in Staatliche mails zerstören. Darf die Polizei inzwischen einbrechen, um den trojaner von hand zu installieren?

    • Du legst den Finger in die Wunde: Die Angriffsvektoren sind NICHT definiert. Erlaubt ist was Spaß macht. Nur der Einbruch in Räume ist (noch) nicht erlaubt, weil da ein weiteres Grundrecht betroffen ist (Unverletzlichkeit der Wohnung) und es an einer passenden Rechtsgrundlage zum Betreten fehlt. Diese soll aber nach den Wünschen einiger Minister geschaffen werden.

  2. Zum “Pflichtjahr”:

    Beim überfliegen der Kommentare hatte ich den Eindruck, dass es v.a. zwei Lager gibt: die einen, die schon älter sind und zurückblickend den Mehrwert des Zivis/Wehrdienstes sehen und die jüngeren, die (so scheint es mir) Angst haben, dass ihnen etwas genommen werden könnte bzw. sie wieder bevormundet werden, kaum dass sie endlich der Bevormundung der eigenen Eltern entfliehen konnten (was ja in gewisser Weise nachvollziehbar ist).

    Ich gehöre zu der älteren Fraktion. Als Einzige meines Abijahrgangs 2002 (ca. 80 Leute), habe ich ein Freiwilliges Europäisches Jahr gemacht. Die Jungs entweder Zivildienst oder Bund, wobei die Erfahrungen Letzterer mir nicht den Eindruck gegeben haben, dass das Jahr sinnvoll investiert war. Aber das hängt womöglich vom Standort ab.

    Ich halte es für einen Irrglauben, dass sich mehr junge Menschen für ein freiwilliges soziales Jahr o.ä. entscheiden, wenn nur die Bedingungen attraktiver werden. Niemand, der das freiwillig macht, macht es, weil er Geld dafür bekommt. Die wohl überwiegende Mehrheit, tut das aus Überzeugung. Diejenigen die das nicht tun…. naja, dazu habe ich keine Meinung bzw. zu wenig mit Menschen gesprochen, die dieser Gruppe angehören. Ich vermute nur, dass es gerade bei dieser Gruppe prozentual mehr Menschen gibt, denen ein Perspektivwechsel ganz gut täte. Ich bezweifle, dass diese Personengruppe selbst bei 1000€ im Monat ein BFD beginnt….

    Ich bin allerdings überzeugt, dass es unserer Gesellschaft gut tun würde, wenn jeder so etwas machen muss. Warum das immer gleich ein ganzes Jahr sein soll, verstehe ich nur nicht. Man könnte doch auch 5-6 Monate machen und wer will halt 1 Jahr. Dann könnten Studis oder Azubis das vllt auch mal im Studium einschieben. Wenn es tatsächlich rein darum geht, dass eine Zeit lang mal die Welt nicht nur um einen selbst dreht (also im besten Fall die Gesellschaft dadurch besser wird) dann reichen ja wohl auch 6 Monate aus, oder nicht?

    Und dass die Jüngeren immer einen Mordsstress schieben sich gleich nach dem Abi selbst verwirklichen zu müssen / “etwas zu werden”, kommt ja auch nich von irgendwo her. Das ist doch das, was vielen ständig vorgelebt wird oder viele erzählt bekommen. Ich habe mal ein Mädchen kennengelernt, das 17 (!) (G8) war und auf Grund der Bewerbungsfristen erst ein halbes Jahr später Medizin studieren konnte. Ich habe ihr vorgeschlagen, doch das halbe Jahr sinnvoll zu überbrücken (wozu ich auch dazu zähle sich mal ne Auszeit zu gönnen). Das arme Ding is in Tränen ausgebrochen. Als ich den strengen Blick ihrer Mutter gewahr wurde, wusste ich, dass jeglicher Versuch das Mädchen zu trösten für die Tonne is.

    FAZIT:

    Appell an Eltern, Arbeitgebern, Vorbilder: Zeigen/Vorleben, dass es ÜBERHAUPT kein Problem is, mal eine Zeit lang etwas zu tun, was nicht der eigenen Karriere dient. Diejenigen, die sich eh engagieren, haben wahrscheinlich ohnehin kein Problem damit, bzw. man könnte ja deren bisheriges soziales Engagement ja in irgendeiner Form anrechnen.

    Appell an die Politik : Flexibler denken: Es wäre doch auch möglich so ein soziales Engagement auch anders aufzuziehen. Man könnte ja auch während der Ausbildung/des Studiums (also über bspw. 2 Jahre hinweg) einmal in der Woche bspw. in einem Seniorenheim mit den Bewohnern spazieren gehen oder ihnen vorlesen, Bäume pflanzen etc. pp. Das könnte der Staat ja auch finanziell unterstützen, damit diese Variante nicht finanziell anders gestellt wird.

    Appell an die jungen Menschen (mit Ausnahme der Young Carer): Das, was manche von euch so ne Zumutung finden…. könnte in 60 Jahren womöglich mal euren Lebensabend verschönern. Das ganze nennt man dann Generationenvertrag.

  3. Es gibt schon viele Kommentare zu Dienstwagen, aber folgenden Aspekt habe noch nicht gefunden:

    Wie bereits erwähnt gilt die Halbierung der Steuer schon bei Hybrid-Fahrzeugen. Ich prognostiziere mal:
    Oberklasse-Hersteller bauen ein wenig Elektro-Zeug in ihre Oberklasse-Autos ein, sodass die Hybrid sind. Wie schon erwähnt, bringt das der Umwelt gar nichts, weil der Hybrid-Strom zum Großteil aus dem Kraftstoff im Tank kommt.
    Weil aber jetzt nur halb so viele Steuern auf das Auto anfallen, kann sich jeder Arbeitnehmer eine viel größeres Modell leisten, und der Hersteller gleichzeitig seine Marge erhöhen.

  4. Hallo ihr beiden,
    Ich war sehr positiv überrascht, wie sehr ihr euch für die Dienstpflicht verwendet habt und Ulf auch den rechtlichen Rahmen erläuterte bzw. die Änderungen, die dazu erforderlich wären.
    Eure positive Erfahrung kann ich mit 20 Monaten Zivildienst in der Altenpflege voll teilen. Auch mir hat diese Zeit sehr viel gebracht auch wenn ich ziemlich ranklotzen musste, den hier ging es jeden Tag um echte Menschen und Patienten. Auch wenn sich viele von uns 50 Zivis dort diese Stelle nicht ausgesucht hatten, so waren wir alle sehr motiviert und konnten das Pflegepersonal schon merklich entlasten bzw. einen Pflegeschlüssel ermöglichen, der eine menschliche Pflege zuließ. Da ich Kost und Logi frei hatte, reichte mir der Sold von 450 DM gut, um noch eine Klapperkiste und etwas Freizeitvergnügen zu finanzieren.
    Seit dieser Zeit behandele ich Pflegepersonal mit großem Respekt, denn ich weiß ja was die leisten müssen. Außerdem hat mich diese Erfahrung optimal vorbereitet, um meinen Eltern beim Sterben ohne scheu und mit Erfahrung beistehen zu können.
    Die von euch angemahnte Koordinierung der vielen Stellen hat damals 1987/89 das Bundesamt für den Zivildienst aus meiner Sicht gut dargestellt- ich wüsste nicht, warum man das nicht wieder so einrichten könnte.
    Allerdings war ich einigermaßen fassungslos, dass bei eurer Aufstellung von freiwilligen Diensten der freiwillige Wehrdienst vollständig gefehlt hat. Denn auch Wehrdienstleistende tragen zu unserem Gemeinwesen bei und dienen schon jetzt freiwillg der Gesellschaft.
    In einer anderen Passage sagtet ihr sinngemäß, dass es natürlich nicht angehen könne, für fehlendes Pflegepersonal oder Soldaten einen Zwangsdienst einzuführen. Dass ihr damit aber für andere soziale Dienste oder gar für Vogelbeobachtung im Wattenmeer im Rahmen einer Dienstpflicht anscheinend keine Probleme habt, finde ich einigermaßen quer, denn die Pflege Alter Menschen scheint mir genau wie die militärische Absicherung unseres Landes bzw. seiner Bündnispflichten und Eingriffsmöglickeiten, doch gerade Teil der Daseinsvorsorge zu sein, die eine Gesellschaft unbedingt leisten muss. Dass sich dafür freiwillig nicht genug Mensvhen finden scheint mir sehr banale Gründe zu haben: beide Tätigkeiten bergen ein hohes gesundheitliches Risiko, sehr harte bzw. schlechte Arbeitsbedingungen und genieße nur sehr geringe gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung.
    Wenn sich für eine absolut notwendige Aufgabe aber nicht genügend Freiwillige wegen der beschriebenen unattraktiven Bedingungen und hohen Lasten finden, dann scheint es mir das Gerechteste zu sein, diese Lasten möglichst gleichmäßig auf alle in der Gesellschaft zu verteilen. Und gerade das ist ja das Prinzip einer allgemeinen Pflicht: Lastenteilung.
    Das hat zusätzlich noch den Nebeneffekt, dass die Anerkennung für Menschen, die solche schweren Dienste zu ihrem Beruf machen, ansteigen wird, weil sich dann viel mehr Bürger wieder in ihre Lage versetzen oder sich aus eigener Erfahrung mit ihrem Einsatz identifizieren können.
    Daher scheint es mir geboten , dass Wehr- und Zivildienst zurückkommen gerne im Rahmen einer allgemeinen Dienstpflicht. Weniger als ein Jahr sollte diese aber nicht gehen, denn bei den letzten Verkürzungssrunden der Wehrpflicht auf 9 und am Ende 6 Monate klagten ja seinerzeit Bundeswehr und Sozialverbände, dass sich die Leute dann überhaupt nicht mehr voll ausbilden und effizient einsetzen ließen.
    Wenn das eine Jahr aber gesetzt wäre, so käme das Prinzip bessere Arbeitsergebnisse- und Zufriedenheit durch die freiwillige selbstverantwortliche Auswahl des Einsatzbereichs (Militär, Sozial, ökologisch, Bildung, Flüchtlinge, Feuerwehr, Thw, Polizei,…) und die konkrete Stelle ja wieder hinein.
    Disclaimer: ich habe vor drei Jahren meine Verweigerung zurückgezogen und nehme gerade an einer Grundausbildung für Ungediente bei det Bundeswehr teil, um als Reservist auch freiwillig zu dienen.

  5. Guten Abend,

    vielen Dank für die neue Ausgabe der Lage der Nation. Auch diesmal war es wieder sehr interessant und informativ.

    Was das Thema FSJ angeht, habe ich neuerdings, angestoßen durch eine ältere Folge Fest & Flauschig damit beschäftigt, ob ich nach meiner bald endenden Ausbildung nicht auch ein FSJ machen könnte. Das würde ich ja gern, aber da stellt sich mir ein Problem : Das Geld. Es ist momentan so, dass ich etwa 600 netto bekomme, dazu ein wenig BAB und Kindergeld (bin 21). Das reicht, um die gemeinsame Wohnung mit meiner Freundin zu bezahlen, mir essen zu leisten und ein mal im Jahr in einen bescheidenen Urlaub zu fahren. Mit noch weniger Geld möchte ich, ehrlich gesagt, nicht auskommen müssen.
    Was ich jedoch bei meiner Recherche gelesen habe, ist dass man bei einem FSJ nur etwa 3-400 € an Gesamtleistungen erhält. Das würde bei mir gerade mal ausreichen, um meine Wohnung zu bezahlen und ein paar Euro für den wocheneinkauf (wenn man von 400€ ausgeht) beizusteuern. Dazu kommt noch, dass nach meiner Ausbildung kein Kindergeld mehr gezahlt wird. Meine Lebensqualität würde drastisch sinken und ich somit habe ich den Plan FSJ so schnell verworfen, wie ich ihn begonnen hatte. Das alles ist für mich allerdings okay. Dann muss ich mir was anderes suchen, auch wenn ich es durchaus gern gemacht hätte. Ich denke, dass es sehr gut möglich ist, mit dem angebotenen Taschengeld zu leben, wenn man noch bei seinen Eltern wohnt und/oder von ihnen unterstützt wird.

    Nun zu meiner Frage: wie genau soll sich die Sache mit dem Geld verhalten, wenn man zum FSJ verpflichtet wird und in einer ähnlichen Situation wie ich ist (gefestigte Wohnsituation, nicht bei den Eltern, Unterstützung von den Eltern nicht möglich, kein Kindergeld). Man kann doch von niemandem verlangen, dass er seinen Lebensstandard auf ein Minimum herunterfährt, um ein Jahr lang gesellschaftlichen Dienst zu leisten. Ich weiß, dass es natürlich keine Möglichkeit ist, zwischendurch irgendwie Geld zu verdienen, aber es wird mir genau dadurch, dass es so wenig gefördert wird, verunmöglicht, solch ein Jahr freiwillig anzutreten. Wie soll das denn aussehen, wenn es zur Pflicht wird? Danke im Voraus für die Antwort und falls ich irgendwelche Denkanstöße verpasst habe, bitte ich um Nachsicht und Erklärung in den Kommentaren.

    -Jakob

  6. Hallo zusammen,

    Bei der Elektro-Dienstwagen Vorschrift bin ich fast vom Stuhl gefallen als sie beschlossen wurde.

    Wir brauchen doch weniger Autos auf den Straßen, das mittlerweile 60% der Neuzulassungen steuerlich subventionierte Dienstwagen sind ist irrwitzig.

    Alle “Besserverdienenden” die aktuell Steuergeschenke für ihren 5er oder Porsche Cayenne bekommen bestelen bald die Alibi Hybrid Variante mit 2,5 Tonnen Leergewicht und halbieren ihre Steuerlast.

    Das ist reine Industrieförderung gesprenkelt mit Klientelpolitik und hat mit Umweltschutz 0 aber wirklich gar nichts zu tun.

    Für mich zeigt das genau was falsch läuft in der Verkehrspolitik, deshalb hab ich mich über eure Meinung sehr gewundert…

    Bitte noch einmal aufgreifen!

  7. Auch Holger „Holgi“ Klein hat ein Gespräch mit einem Seenotretter geführt:

    https://wrint.de/2018/07/29/wr838-seenotretter-johann-paetzold/

  8. Hallo zusammen,

    Zum Verhältnis Die Linke und SPD:

    Die Linke ist nicht nur eine Sammelpartei für entäuschte SPD-Wähler sondern auch SED-Nachfolgepartei, Ostdeutsche Regionalpartei (Auch wenn sie diesen Status bald zu verlieren scheint) und diverses mehr. Der Mißerfolg der SPD liegt sicher nicht an der Partei Die Linke, sondern hat andere Ursachen.

    Zum Thema Dienstpflicht:

    Ich war 21 Jahre alt im Beruf fest verankert, als ich meinen Einberufungsbefehl bekam. Voller Entäuschung musste ich feststellen, dass mein eigenes Mühen und das meines Arbeitgebers umsonst war, ich musste meinen Zivildienst antreten. Es war die schönste Erfahrung in meinem Leben. Der Zivildienst war auch der Auschlag mit 23 Jahren eine Ausbildung zum Krankenpfleger zu beginnen. Wir waren 5 Männer in der Klasse alle sind durch den Zivildienst auf den Beruf des Pflegers gestoßen. Bis auf einen hatten alle eine andere Ausbildung absolviert. Der Schulleiter meinte damals, dass er sich Sorgen um den männlichen Pflegenachwuchs machen würde, wenn der Zivildienst abgeschafft wird. Wenn euch das interessiert würde ich ihn fragen, ob sich seine Sorge bestätigt hat.

    Ein Aspekt fehlt mir noch. Der Wehrbeauftragte der Bundesregierung meinte, dass es in der Bundeswehr an ausgebildeten Personal fehlt um aus der Armee wieder eine Wehrpflichtarmee zu machen. Diese Gefahr sehe ich im Pflegebereich. Auszubildende und Praktikanten werden auch als Arbeitskräfte angesehen. Die Strukturen für eine pädagogische Betreuung sind häufig nicht ausreichend um allen Auszubildenden, Praktikanten ,FSJler und Bufids gerecht zu werden. Wenn dann geht es nur durch ein sehr hohes zusätzliches Engagement der Pflegekräfte.

  9. Hallo Philip und Ulf,

    bei 59 Kommentaren ist zu allen Themen genug Kluges gesagt.

    Aber ich möchte dir, Philip, die Gewissheit geben, dass du mit dem Gefühl, alles um uns herum sei irgendwie “aus der Zeit gefallen”, nicht alleine bist. Deine Schilderung der Verkehrsrealität (ab 01:00:55) ist eben nicht “seen from outer space”, sondern für uns alle sichtbar und wahrnehmbar.

    Aber Erkenntnis scheint nichts zu nützen. Da draußen fahren ja nicht nur Idioten rum, sondern es sind Millionen bestens gebildeter und über die Welt informierter Menschen. Es muss jedoch einen Mechanismus in uns geben, der das erkenntnisgemäße Handeln verhindert. Wie sonst ist es möglich, dass die 60-kg-Akademikerin ihre 30-kg-Tochter im 1.500-kg-SUV “sicher” zur Schule bringt, während sie vorne im Motorraum die Zukunft ihres Kindes verbrennt?

    Aber auch bei der E-Mobilität erleben wir wieder die gleichen Fehler wie bei den Verbrennern: Schneller! Größer! Weiter!
    Das bedient das gefühlige Freiheitsversprechen des Automobils, das mir die Option bietet, jederzeit und sofort von Flensburg aus die Oma in Garmisch besuchen zu können, auch wenn die schon lange tot ist.
    Kehrte nur etwas mehr Rationalität ein, dann würden bald Elektro-Kleinfahrzeuge die Städte befahren und die Langstrecken meinetwegen erstmal weiter mit Verbrennern bedient. (Akkuschrauber vs. Bohrhammer)

    Ich fahre seit zwei Jahren einen E-Oldtimer (Nissan Bj.2012) der sommers noch ca. 115 km, winters eher nur 85 km weit kommt. Das deckt meine Mobilitätserfordernisse im Hamburger Umland vollständig ab, zumal hier notfalls genügend Schnellladesäulen stehen, um in 20 Minuten weitere 60 km zu ziehen.
    Ja, der Strom-Mix ist noch fragwürdig, aber mit einem Stadtverbrauch von umgerechnet 1,1 bis 1,6 Liter Benzin kann ich gut leben, ich bremse zu 90% elektrisch, was keinen Bremsabrieb und Feinstaub verursacht, ich mache keinen Lärm in Temp-30-Zonen und an der Ampel stehend und anfahrend bin ich abgasfrei in Kindernasenhöhe.
    Das reicht mir, um meine vermeintliche “Freiheit” aufzugeben, auch weil ich bei spontanem Sonderbedarf auf die Infrastruktur eines Industrielandes zurückgreifen könnte.

    Was ist es denn nun, das uns alle wider besserer Erkenntnis handeln und leben lässt? Von einem Evolutionsbiologen hörte ich mal, dass das Verharren im Bewährten die beste Überlebensstrategie einer Art sei. Meistens…

    • Die Antwort auf deine Frage hast du dir selbst gegeben.

      “…Das deckt meine Mobilitätserfordernisse im Hamburger Umland vollständig ab…”

      Jeder Lebensentwurf ist eben anders und individuell. Meine Mobilitätserfordernisse sind derzeit weder mit E-Autos noch mit dem ÖPNV abdeckbar. Allein mein Arbeitsweg ohne andere private Erfordernisse würde mit ÖPNV das doppelte Kosten und das dreifache an Zeit benötigen.

      Ich glaube die einzige Lösung ist das Autonome Fahrzeug. Nur das kann sinnvoll geteilt werden und hat eine bequeme Verfügbarkeit.

  10. Schönen guten Tag,

    erst mal ein ganz großes Lob und Dankeschön für Euren wirklich ganz hervorragenden Podcast. Interessant, mit meistens klarer Meinung und Haltung und gleichzeitig ausgewogen. So kann ich z.B. in keinster Weise Kommentare nachvollziehen, die Euch gerade in Bezug auf Trump Voreingenommenheit vorwerfen. Wie um Himmels willen soll man sonst mit jemandem umgehen, der zweifellos ein notorischer Lügner, Frauenhasser und Rassist ist und dennoch eine solche Machtfülle hat. Ich werde es nie begreifen, wie es soweit kommen konnte, dass solch ein Mensch nicht einfach ein Dorfsheriff geworden ist sondern US Präsident.

    Kurz zum Thema Dienstwagen. In 2018 entfielen bislang in der Tat nur 36% der neu zugelassenen Pkw auf private Halter. Das heißt aber nicht, dass die restlichen 64% Firmenwagen wären. Denn in den nicht-privaten Zulassungen stecken z.B. auch alle Mietwagen, Zulassungen auf die Hersteller selbst und insbesondere Händler-/Tageszulassungen, die danach als sehr junge Gebrauchte in den Privatmarkt wandern. Generell habe ich den Eindruck, dass der Themenkomplex Automobilmarkt gelegentlich ein wenig oberflächlich von Euch behandelt wird. Das kann aber natürlich auch daran liegen, dass ich mich beruflich damit befasse und Ihr natürlich nicht in jedem einzelnen Gebiet Experten sein könnt. Müsst Ihr ja auch nicht.

    Nochmal vielen Dank für die vielen Stunden sehr informativer Unterhaltung!
    Michael Gergen

    • Das Problem an der Sache mit Trump ist, dass ich deine meisten Argumente einfach nicht nachvollziehen kann. Die andere Sache ist, dass Trumps Tätigkeiten immer negativ dargestellt werden. Selbst Sachen, die seine Vorgänger ebenso durchgeführt haben.
      In der Regel wird immer behauptet, dass irgendjemand irgendetwas sei, aber es fehlt der Beleg.
      Lügen: Er ist Politiker. (Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen., Die Rente ist sicher., Mit uns wird es keine Mehrwertsteuererhöhung geben., Wir sind für soziale Gerechtigkeit, aber ihr bekommt Hartz IV.)
      Frauenhasser: Ich kenne nur das “Grab her …” Zitat. War da noch mehr? Denn bei dieses Zitat kann ich den Hass nicht erkennen. Ist für mich ein ganz normales niveauloses sexualisiertes Gespräch. Ich kenne jedoch Menschen, die genauso reden, aber Trump ablehnen, weil er so redet.
      Rassist: Kann ich überhaupt nicht erkennen. Selbst wenn dieser Begriff auf seine negative Haltung zu Muslimen anspielt, kann ich da nur sagen, dass der Islam keine Rasse ist.

      • Da war noch was mit “Shithole Countries” und diverse negative Aussagen über Mexikaner, und und und. Einfach mal googeln.
        Und dann schau Dir mal seine Regierung an (inklusive der Staatsekretäre – wie immer die in den USA heißen). Da sind alte weiße Männer verglichen mit ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung auch völlig überrepsäsentiert. Genau genommen findest Du da kaum einen, auf den diese Beschreibung nicht passt.

      • Lieber Norbert,
        ich habe mir deine Aussagen über die weißen alten Männer vorgenommen und sie sind einfach falsch. Das Kabinett von Trump hat zum jetzigen Zeitpunkt 7 Frauen. Das Kabinett von Obama hatte auch 7 Frauen bei Ende seiner Kandidatur. Die Anzahl der Afroamerikaner beträgt in Trumps Kabinett eins (Ben Carson). Die Anzahl der gleichen Personengruppe betrug in Obamas Kabinett bei Ende seiner Amtszeit 1 (Anthony Foxx). Ich will hier jedoch nicht verschweigen, dass ich nicht jedes Kabinettsmitglied geprüft habe, da das zu viel Aufwand bedeutet. Ich habe nur die Offensichtlichen geprüft und nur Afroamerikaner. Das Alter habe ich auch nicht geprüft, aber alt scheinen diese Leute alle zu sein.
        Sorry, dass hat wieder bestätigt, was ich meine. Obama und Trump haben die gleiche Anzahl an Afroamerikanern und Männern und Frauen im Kabinett, aber seine Gegner bedienen das Vorurteil des weißen alten Mannes.
        Shithole Countries ist kein Rassismus, da Länder keine Menschen sind und die Aussage “Scheiß Amerika”, dann auch Rassismus wäre. Dieser Ausdruck ist auch nur das Gegenstück zu flyover countries. Ist alles unschön, aber im Bereich des Akzeptablen. Und seine Aussagen über die Mexikaner kenne ich nicht, da werde ich jedoch bei Gelegenheit mal nachlesen.

      • Okay, mit dem letzten Satz bin ich etwas über’s Ziel hinausgeschossen, aber der Rest kommt hin. Vielleicht verzähle ich mich auch: https://en.wikipedia.org/wiki/Cabinet_of_Donald_Trump
        Ich sehe da 3 Frauen und 13 Männer im Kabinett, davon ist einer Afroamerikaner, und eine Dame gebürtige Taiwanesin. Bei den “Cabinet-level officials” (Posten mit Kabinettrang, aber nicht Mitglied des Kabinetts) ist der Frauenanteil etwas ausgewogener – 3 Frauen zu 5 Männern, und eine der Damen hat indische Vorfahren.

        In Obamas letztem Kabinett war es tatsächlich nur eine Frau mehr (4:12 im Kabinett, 3:4 bei den “Cabinet-level officials”). Aber es sah bunter aus. Es hat zumindest optisch die vielfältige Gesellschaft der USA besser abgebildet. Und das galt genauso für das Kabinett von Bush Jr.

        Und ja, mag sein daß Anthony Foxx der einzige Afroamerikaner in Obamas letzem Kabinett war. Aber whatabout Loretta Lynch? John King? Julian Castro? Tom Perez? Maria Contreras-Sweet?

        Wobei ich natürlich hoffe, daß Qualifikation das ausschlaggebende Merkmal für die Berufung auf einen Kabinetsposten ist, und nicht das Aussehen. Allerdings habe ich bei Trump so meine Zweifel daran.

  11. Lieber Philip, lieber Ulf,

    zunächst einmal vielen Dank für die Zeit, die Ihr in Euren Podcast investiert, den ich seit nunmehr fast zwei Jahren jede Woche verfolge.

    Zum Thema Förderung von Elektroautos in der aktuellen Episode kann ich Eure Begeisterung allerdings nicht teilen. In meinen Augen ist der Individualverkehr mit Autos gar nicht förderungswürdig, da dieser — unabhängig vom Antriebskonzept — eine Belastung (Lärm, Platz, Gefahr) innerhalb der Städte darstellt.

    Wenn man in den Städten lieber Elektroautos als Verbrenner möchte, dann sollte man meiner Meinung nach die Verbrenner unattraktiver machen, in dem man die Versteuerung anhebt. Aber man sollte meiner Meinung nach auf keinen Fall den Dienstwagen noch günstiger und attraktiver machen als er eh schon ist.

    Insgesamt finde ich das Konzept des Dienstwagens hinterfragungswürdig: Wenn ich sehe, wer in Firmen alles einen Dienstwagen bekommt, obwohl er den für die Arbeit nicht braucht, dann frage ich mich, was genau mit diesem Konzept erreicht werden soll. Die gleiche Frage stelle ich mir auch zur Pendlerpauschale: Warum fördern wir als Gesellschaft, dass jemand weit weg zieht und dann auch noch Steuervergünstigungen erhält, dass er jeden Tag 100 km pendelt? Wo ist der Mehrwert für die Gesellschaft?

    *Falls* diese Regelung kommt hoffe ich nur, dass sie auch für Leasing-Fahrräder gelten wird und diese nicht bei 1% hängen bleiben. Diese sind in meinen Augen nämlich *wirklich* förderungswürdig.

    Insgesamt ist für mich die aktuelle Verkehrspolitik — gerade auch unter der Berücksichtigung der Verfehlung der CO2-Ziele — absolut nicht nachvollziehbar. Persönliches Beispiel des Missstands: Ich wohne in Berlin am Stadtrand. Wenn ich mit der Familie z.B. zum Zoo fahre haben wir früher, als ich noch eine Monatskarte hatte, das Auto am S-Bahn-Ring geparkt und dann den ÖPNV benutzt, da wir auf der Monatskarte am Wochenende zu viert fahren konnten. Ohne Monatskarte kostet uns (zwei Erwachsene, zwei Kinder mit 7 und 10 Jahren) dieser Ausflug mit ÖPNV unglaubliche 18,40 EUR. Fahren wir mit dem Auto zum Zoo und parken im Parkhaus am Kranzlereck zahlen wir 1 EUR/Stunde und maximal 6 EUR/Tag. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass es *gewollt* ist, dass man mit dem Auto in die Innenstadt fährt.

    Warum gibt es bei der BVG keine Familienkarte? Warum wird nichts (oder an den falschen Stellen) in die Fahrrad-Infrastruktur investiert (ich pendle 6.000 km/Jahr mit dem Pedelec)? Stattdessen sollen E-Autos gefördert werden. Da kann ich nur verständnislos mit dem Kopf schütteln…

    • > Warum fördern wir als Gesellschaft, dass jemand weit weg zieht und dann auch noch Steuervergünstigungen erhält, dass er jeden Tag 100 km pendelt? Wo ist der Mehrwert für die Gesellschaft?

      Das ist ein schwieriges Thema. Ein Argument dafür wäre, dass die Städte ja ohnehin aus allen Nähten platzen. Wohnraum ist rar und teuer, vielleicht sind deswegen Anreize doch etwas aus der Stadt raus zu ziehen nötig. Gut wäre dann allerdings, wenn man die S-Bahn Anbindungen entsprechend ausbauen würde, Züge mit mehr Fahrradplätzen zur Verfügung stellen würde (so dass man eben mit dem Rad zum Zug und vom Bahnhof zur Arbeit kommt).

  12. Liebe Lage,

    eure positiven Erfahrungen im Zivildienst sind sicher wichtig und könnten vielleicht auch stellvertretend für die Mehrheit der Zivildienstleistenden stehen – dennoch verwässern sie euch hier den Blick auf das eigentliche Problem. Der Umstand, dass ihr großes Glück mit euren Stellen hattet, ist nur begrenzt verallgemeinerbar. Geht man davon aus, dass der Staat das größte Glück der größten Menge seiner Bevölkerung fördern sollte, sind die gesamtgesellschaftlichen Effekte des Dienstes mit Sicherheit positiv. Ein solch gravierender Einschnitt in die freie Lebensgestaltung des Einzelnen sollte aber meiner Meinung nach nur erfolgen, wenn es kein milderes Mittel gibt, d.h. die gesamtgesellschaftlichen Ziele des Dienstes nicht auch anders verwirklicht werden können. Betrachtet man nun die offenkundigen Ziele der Dienstpflicht (Förderung allgemeiner sozialer Wohlfahrt, Pflege etc.), dann stellt man fest, dass mit den bisherigen Freiwilligendiensten bereits alle Instrumente zur Zielerreichung vorliegen. Diese sind nur schlecht umgesetzt, müssten besser bezahlt werden etc. Auf die besondere Problematik in der Pflege wurde ja schon eingegangen. Die Dienstpflicht ist also möglicherweise nicht das mildeste Mittel. Ein so krasser Eingriff in die Rechte des Einzelnen ist aber kaum zu rechtfertigen, wenn dieser nicht zwingend notwendig ist. Im Übrigen habt ihr, insbesondere in den verschiedenen Begründungsversuchen für die Dienstpflicht, eine spannende Debatte in der Politischen Theorie zu den Aufgaben und Grenzen des Staates im 21. Jahrhundert gestreift. Problematisch ist hier insbesondere, dass das hier vorgeschlagene republikanische Ideal (Gemeinwohlorientierung auch des Einzelnen) die Handlungsfreiheit des Staatsbürgers über Gebühr belastet. Mit einem liberalen Menschenbild ist die Dienstpflicht nicht vereinbar. Diese ganze Debatte (und die positive Bewertung der Dienstpflicht durch die Mehrheit der Deutschen) zeigt abermals die irrsinnige und teilweise illiberale und autoritäre Kollektivorientierung der Deutschen. Wieviele westliche, liberale (!) Staaten verfügen denn noch ernsthaft über eine Dienstpflicht oder diskutieren die Einführung dieser? Eher wenige. Manchmal zeigt die Außenperspektive erst die Kuriosität deutscher Debatten.

    Zuletzt noch eine persönliche Geschichte:

    Ich gehöre zu einem G8 Jahrgang und habe mein Abitur im Alter von 18 Jahren erlangt. Mir fiel es nicht schwer, mich anschließend für ein passendes Studium zu entscheiden. Der Mehrheit in meinem Jahrgang auch nicht. Für alle anderen gab es ja bestehende Freiwilligendienste. Die Annahme, dass Schulabgänger nicht in der Lage sind, eine stabile Präferenzordnung in Bezug auf ihre berufliche Zukunft aufzustellen, ist paternalistisches Gedankengut.
    Meinen Bachelor beendete ich recht erfolgreich mit 21. Nun studiere ich noch einen weiteren Bachelor und plane anschließend noch einen Master. Dann beende ich meine Studienzeit mit 26. Was ich damit sagen möchte: Der Wegfall der Dienstpflichten ermöglicht es Menschen, schneller ihre Lebensziele zu erreichen und zugleich auch Umorientierungen vorzunehmen, die so vor 20 Jahren noch nicht so einfach möglich waren. Diese Verbesserung sollte nicht wegen eines Pflegenotstands oder der Aufoktroyierung undefinierbarer Gemeinwohlziele aufgegeben werden.

    • Danke an Fabian952018,
      dass du in deiner persönlichen Geschichte erwähnst, dass du zu einem G8-Jahrgang gehörst, aber eine offenbar durchaus passende Studienentscheidung treffen konntest, um bis zum 21 Lebensjahr mit einem Bachelor abzuschließen.
      Aus meiner Sicht erhöht sich durch eine (vermutlich tendenziell einjährige) Dienstpflicht nämlich nicht die Wahrscheinlichkeit, die richtige Entscheidung für einen Studiengang oder eine Ausbildung zu treffen. Derselbe Effekt tritt durch ein freiwilliges Jahr ein oder jede Art von Orientierung (oder auch Orientierungslosigkeit) nach dem Abitur.
      Verhindert werden sollte natürlich, dass junge Erwachsene das Jahr untätig bleiben und es somit “verloren” ist, weil außer Reisen und Nichtstun nichts passiert ist. Sich ein Jahr lang nur zu erholen, halte ich für unpassend, weil man mit 18-19 eben sehr viel Power hat und vielleicht mal 1-3 Monate nichts machen kann, aber man danach in irgendeiner Form weiter “lernen” sollte.
      Ich bin Lehrer am Gymnasium und stelle in jedem Fall fest, dass durch das G8-Abitur mehr junge Erwachsene bewusst etwas Anderes machen, um in diesem Jahr ihre Entscheidung für Studium oder Ausbildung zu treffen. Sie reifen in diesem Jahr als Persönlichkeit, und ich finde es großartig, dass sie sich frei entscheiden können. Wenn man die Attraktivität der Möglichkeiten hier steigern könnte (durchaus im Hinblick auf die von Philip und Ulf genannte Vereinheitlichung der Wege), wäre schon viel gewonnen. Mehr Leute sollten freiwillige Dienste machen und diese weniger abbrechen. Danach sollten mehr Leute ihre Ausbildungsentscheidung sinnvoll treffen und ihre Ausbildung abschließen können.
      In der Debatte gilt es meines Erachtens noch zu bedenken, dass inzwischen mehrere große Bundesländer (Niedersachsen, Bayern und zuletzt NRW) flächendeckend zum G9-Abitur zurückgekehrt sind. G8 wäre auch weiterhin problemlos möglich gewesen, wenn man die Lehrpläne entrümpelt hätte, was aber Kultusbürokratien und auch die Kultusministerkonferenz verhindert haben. Es funktionierte nämlich sehr gut und es man bekam – trotz der vermeintlichen Mehrbelastung, die aber nach meiner Erfahrung oft selbstverschuldet war – in der Summe mehr Abiturientinnen und Abiturienten. Jetzt kommt wieder das 13. Schuljahr bis zum Abitur und bald auch wieder die Diskussion, warum so viel Leerlauf in der Oberstufe herrscht. Die Worte von Roman Herzog in seiner Ruck-Rede 1997 hat man überdies auch vergessen: “Wie kommt es, daß die leistungsfähigsten Nationen in der Welt es schaffen, ihre Kinder die Schulen mit 17 und die Hochschulen mit 24 abschließen zu lassen? Es sind – wohlgemerkt – gerade diese Länder, die auf dem Weltmarkt der Bildung am attraktivsten sind. Warum soll nicht auch in Deutschland ein Abitur in zwölf Jahren zu machen sein? Für mich persönlich sind die Jahre, die unseren jungen Leuten bisher verloren gehen, gestohlene Lebenszeit.” (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/roman-herzog-die-ruck-rede-im-wortlaut-a-1129316.html)
      Bei einer Dienstpflicht würden man in Deutschland anderen Ländern wieder zwei Jahre hinterherhinken, und das ist im Vergleich mit anderen Ländern nicht nachvollziehbar. Ohne Dienstpflicht kann ich mit dem wieder eingeführten 13. Schuljahr einigermaßen leben.
      Für mich heißt “mehr freiwilliger Dienst” auch, dass die Vergütung dafür steigen muss. Das attraktive am Zivildienst war ja, dass Zivildienstleistende während ihrer Dienstzeit grundsätzlich die gleichen Bezüge (real in der Regel sogar mehr Geld) wie Wehrdienstleistende bei der Bundeswehr erhielten. Wahrscheinlich ist das geringe Gehalt ein großes Problem der jetzigen Freiwilligendienste. Die Bundeswehr müsste einfach dadurch punkten, dass sie attraktiver werden muss. Man kann dort über das Militärische hinaus ausgebildet werden, und bei entsprechendem Gehalt muss man eben das Risiko eingehen, dass beim Dienst an der Waffe eben immer besteht: Kriegsdienst, in der Regel sogar im Ausland – mit dem Risiko, getötet oder verwundet zu werden.
      Ich bin froh, dass sich im Jahr 2018 kein junger Erwachsener mehr rechtfertigen muss, den Kriegsdienst zu verweigern. Ich bin insgesamt für maximale Freiheit für die jungen Erwachsenen. Es kann doch wohl nicht nur eine Dienstpflicht sein, die den Zusammenhalt einer Gesellschaft fördern kann! Ein so reiches Land wie Deutschland muss andere Konzepte liefern, um den Zusammenhalt in der Bevölkerung zu steigern.

  13. Beim Thema “Dienstpflicht” war ich doch sehr unangenehm erstaunt, wie wenig Gwicht der Freiheit da beigemessen wurde und wie sehr da die Postcaster von sich auf andere geschlossen haben.

    Überhaupt scheint das Hauptargument für deine “Dienstpflicht” doch zu sein, dem Menschen müsste mal ein Stück Freiheit weggenommen werden damit er sich zu einem vollkommenen Glied der Geschellschaft entwickle. Dieses Argument könnte nicht weiter from Bild des freien Menschen weg sein.

  14. Beim “Staatstrojaner” (ich finde ja den Begriff “Wanze” passender) fehlte mir eine Erwähnung, dass die Justizministerkonferenz vor ein paar Wochen mit einer Forderung nach einem Einbruchsrecht für Polizisten ums Eck kam. Weil es ja tatsächlich nicht so einfach ist, Rechner aus der Ferne zu verwanzen.

    Das ist aber auch noch etwas kurz gedacht, immerhin verwenden Menschen zunehmend mobile Geräte, die meistens nicht in der Wohnung bleiben, wenn die Menschen diese verlassen. Also dürfte konsequenterweise in der näheren Zukunft noch die Forderung nach einem Raubrecht für die Polizei aufkommen, immerhin muss man ja auch mobile und am Körper getragene informationstechnische Systeme verwanzen.

    Noch ist es aber etwas früh für diese Forderung. Immerhin das Einbruchsrecht haben die Justiz(!)minister schon mal gewünscht. Dürfte also nur noch wenige Jahre dauern, bis ein Formulierungsvorschlag für ein völlig anderes Gesetz das ohne ernsthafte parlamentarische Debatte in die Gesetzgebung einschleust. Und hinterher wundern wir uns, wie so etwas jemals Gesetz werden konnte.

    • Zum Gesetzentwurf der Dienstwagenbesteuerung

      Eure Prognose über eine bessere Welt mit geringer Steuer für Elektrofahrzeuge scheint mir deutlich zu optimistisch.

      Für viel wahrscheinlicher halte ich folgenden Case: der typische Passat 2.0 TDI Dienstwagen wird zukünftig ersetzt durch die PHEV Variante, die nur wenig mehr kostet. Das halbiert nahezu die Steuer. Schon aber die Umwelt nicht: Tanken ist ja nach vor vom Arbeitgeber gedeckt (“Jeden KM den ich mehr fahre erhöht mein Gehalt”) und zu hause das Fahrzeug anstecken ist unkomfortabel und dann bezahlt man den Strom womöglich noch selbst.

      Viel sinnvoller wäre es da, ungewolltest zu sanktionieren: Warum nicht einfach die Steuer verdoppeln, so lange der Arbeitgeber auch die Privatnutzung des Fahrzeugs erlaubt.

      Und: Was ist denn eigentlich mit Dienstfahrrädern. Steuerlich sind die bislang den PKW ähnlich gestellt. Die halbe Steuer für Elektrofahrzeuge gibt’s aber nicht.

      Klingt vermurkst? Ist es auch.

      Viele Grüße!

  15. Zum Thema Versteuerung von Elektro Dienstwagen:
    Bei eurem Beispiel mit der fetten Managerkarre für 70k aufwärts mag die Idee ja funktionieren. Vorher 700 EUR versteuern und nachher nur 350 EUR. Geht halt, weil man in dem Preissegment auch bei unter den E-Autos entsprechend “repräsentative” Autos findet.
    Anders sieht es bei den “normalen” Autos aus. Z.B. VW Golf, der wird auch zu über 60% von gewerblichen Halter zugelassen. Sehr beliebt z.B. bei Baufirmen. Da bekommt jeder Bauleiter so einen Golf Variant (Kombi), natürlich Diesel (Hust) hingestellt, um damit die Baustellen abzuklappern und auch mal gleich paar kleinere Sachen mitbringen zu können.
    Als E-Golf gibt es erstmal keine Kombi Variante. Aber davon mal abgesehen würde der auch statt 25k gleich mal 35k laut Liste kosten. Das heist die man braucht die geringere Versteuerung quasi schon, um am Ende nicht mehr Steuer zu zahlen für ein E-Auto.

    Im Endeffekt als wieder eine Steuervergünstigung die den Spitzenverdienern nicht nur absolut die größere Steuerersparnis bringt, sondern auch noch prozentual die höhere Ersparnis gegenüber “dem kleinen Mann”

    • Interessanter Einwand bzw. Bemerkung. Aber “hinkt” das Argument nicht an derselbigen Bemerkung? Man müsste in Erfahrung bringen können welche Autos denn hauptsächlich zugelassen werden. Also ob Kombi oder nicht. Rein vom Gefühl würde ich behaupten, dass ein nicht Kombi interessanter für Firmen ist. Sicherlich ADM können das aufgrund der Reichweite noch nicht in Anspruch nehmen.
      Ich vermute das Problem ist, Entschuldigen Sie die Formulierung, dass der deutsche Staat eine Automobilindustriehure ist. Hier hängen zuviele Arbeitsplätze mit dran und die Lobbyisten machen gute Arbeit. Die traditionellen Autohersteller (Audi, BMW, etc.) wissen dass ihre Kernkompetenz in der Herstellung des Verbrennermotors liegt und sie keinerlei Ahnung von e-motor und Batterietechnologie haben.

    • Ich war vor einigen Jahren in der Situation mir auch einen Firmenwagen aussuchen zu können und stand vor genau dieser Frage. Als umweltbewussten Mensch wollte ich gerne ein e Auto haben. Aufgrund verschiedener Umstände habe ich dann doch den Diesel gewählt. Deswegen würde gerne auch noch ein paar Gedanken ergänzen.

      Firmenwagen werden oft an Mitarbeiter ausgegeben, die viel mit diesem Auto unterwegs sind – natürlich! Seien es viele kurze oder wenige lange Strecken. Bei mir als Berater waren es die langen Strecken durch ganz Deutschland. Da reichten die Reichweiten der e Autos bei weitem nicht aus. Selbst heute ist mir nicht bekannt, dass es man mit einem e Auto ohne lange Unterbrechung von Düsseldorf nach München fahren könnte. Außerdem gibt es auch nicht die entsprechende Infrastruktur eben schnell zu tanken. Ähnlich wäre die Situation denke ich bei kurzen Strecken wenn z.B. Pflegekräfte Hausbesuche durchführen oder Architekten verschiedene Baustellen besichtigen.

      Dann kommt hinzu, dass man oft nur aus bestimmten Automarken wählen kann (oft deutsche). Und diese sind eben oft nicht dafür bekannt eine große e Auto Flotte anzubieten. Damals war es genau ein e Auto, das zur Auswahl gestanden hätte. Das entsprach aber absolut nicht meinem Geschmack und hatte im Vergleich zum Verbrennungsmotor einen höheren Preis bei deutlich weniger Komfort bzw. Preis/Leistung.

      Allein schon die fehlende Reichweite war für mich ein KO Kriterium. Wenn der Staat wirklich möchte, dass sich da was ändert muss es ein einheitliches Konzept geben für alle e Autos. Z.B. Dass an Tankstellen leere Akkus gegen volle ausgetauscht werden können. Aktuell sehe ich da keine Möglichkeit. Heute fahre ich nur noch Bahn. Am Ziel muss ich mir dann ggf. ein Auto leihen.

      • Danke für die interessante Sendung. Drei zentrale Probleme, die die schnelle Ausbreitung von Elektroautos behindern:
        1. Bewohner von Etagenwohnungen haben keine Möglichkeit, ihr Elektroauto über Nacht daheim zu laden.
        2. Autohändler raten Interessenten mit fadenscheinigen Argumenten vom Kauf von Elektroautos ab: “Steckerprobleme”, ;,Reichweite”, “Wiederverkaufswert”. … Alles Quatsch bei mittlerweile über 10000 öffentlichen Ladeplätzen in Deutschland.
        Der wahre Grund ist, dass ein Elektroauto etwa 90% weniger Wartungskosten hat.
        3. Bei der fehlenden Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen und Autorennen zwischen einem alten Angeberauto und einem neuen Elektroauto sind letztere bei 180km/h und mehr über längere Strecken unterlegen. Hierfür haben auch Marketingstrategen noch keine Antwort.

      • @ Rainer Kuth:

        Wenn du Steckerprobleme und Reichweite nicht als Problem ansiehst, hör’ dir mal den Clean Electric Podcast an.
        Dort wird in quasi jeder Ausgabe davon erzählt, wie man von A nach B gefahren ist (zugegeben: Autobahn), wie oft man auf dem Weg laden musste, welche Probleme die Ladesäulen hatten, wie knapp der Akku deshalb war, und dass eine Fahrt locker doppelt so lange dauert.

    • Ich sehe das Beispiel mit dem VW Golf genau andersum: Die neue Regelung müsste doch für VW ein weiterer Anreiz sein auch die E-Variante als Kombi rauszubringen, weil es eine größere Variante an E-Firmenwagen gibt.

      Auch finde ich es legitim hier erstmal die Spitzenverdiener zu subventionieren, weil technologische Neuerungen bei hochpreisigen Produkten immer leichter einzuführen sind: Geringere Stückzahlen, weniger Kostendruck, mehr Akzeptanz bei ausgefalleneren, neuen Technologien. Wenn die Technik dort dann etabliert ist, findet sie oft auch bei billigeren Varianten einzug.

      P.S.: Ich unterstelle pauschal sowieso 90% aller Teslakäufer, dass sie das Gerät auch zum Angeben gekauft haben. Aber wenn sie dadurch eine sinnvolle Technologie fördern, statt die Umwelt zu verpesten, dann soll’s mir Recht sein.

  16. Zitat von Frau Wagenknecht:

    “Ich halte es für absurd, alle Wähler der AfD als Rechte oder gar als Rassisten zu diffamieren. Das ist einfach Unsinn. Klar gibt es da auch ehemalige NPD-Wähler, die ganz sicher nicht unser Potenzial sind. Aber viele haben früher die Linke gewählt oder waren Nichtwähler. Viele haben in den letzten Jahren Wohlstand verloren, ihr Leben ist härter geworden oder sie haben Angst vor einem sozialen Abstieg. Also nutzen sie jetzt ein – wie ich finde: falsches – Mittel, um ihren Protest zu signalisieren. Sie deswegen als unanständig zu diffamieren, wie es Herr Gabriel indirekt gemacht hat, finde ich komplett daneben.”

    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-09/sahra-wagenknecht-afd-berlin-wahl/seite-2

    Ihr Sozialchauvinismus kennt offenkundig keine Grenze! Die armen Armen! Bleibt ihnen nichts übrig, als rassistisch zu wählen aus Protest. Obwohl sie gar keine Rassisten sind! Gibt ja keine einzige andere Partei auf dem Wahlzettel. Und wahrscheinlich sind sie auch zu dumm, um das zu verstehen.

    Die brauchen halt einen RICHTIGEN Führer. Keinen von den Falschen. Also, besser sogar noch: eine Führerin!

    Ich weiß nicht, wo die Lösung der aktuellen Probleme herkommen soll. Aber eins weiß ich: Aus der Ecke Wagenknecht kommen nur weitere Beiträge zur Verschärfung des Problems.

    Wir wissen jetzt, dass wir in Deutschland einen nicht unerheblichen Anteil an Menschen haben, die sich keinen großen Kopf darum machen, sich bei Rassisten einzureihen. Wenn wir diese Menschen nicht darauf ansprechen dürfen, dass sie damit einen gewissen Mindestanstand hinter sich lassen, dann brauchen wir gar keine Debatte mehr zu führen. Über nix. Weil wir dann keine gemeinsame Wertegrundlage mehr geschaffen bekommen.

    Niemand wählt AfD, der Rassismus für ein Problem hält. Ich kann die als Wählergruppe nicht versuchen zu umarmen, wenn ich das Thema nicht kläre. Mag sein, dass das der einzelne unterschätzt hat – aber das ist eine tödliche Ideologie, und wenn Wagenknecht die Wähler wiederhaben will, dann möchte ich von ihr wissen, was sie dafür tut, diesen Leuten ihre Indifferenz gegenüber Rassismus auszutreiben.

    Und was sehe ich: Es ist ihr egal! Stattdessen macht sie sich zur Dogwhistlerin in chief.

  17. Als Sozialarbeiter bei dem auch der Freiwilligendienst (BFD) erst ein paar Jahre her ist hat es mich bei der Diskussion zum verpflichtenden Dienstjahr ein bisschen geschüttelt. Die beiden wichtigen Kritikpunkte Zwangsdienst und billige Arbeitskräfte im sozialen Sektor sind schon genannt worden. Unerwähnt geblieben ist, dass sich den Freiwlligendienst in seiner jetztigen Form für viele jungen Menschen gar nicht finanzierbar ist. Im BFD beträgt das maximale “Taschengeld” 390€ (es wird auch gerne deutlich weniger Gezahlt). Setzen wir mal vorraus man mache den BFD vor dem 26. Lebensjahr und erhält noch Kindergeld macht das 584€ Einkommen für eine Vollzeitstelle. Um zur Arbeit zu kommen braucht es ein ÖPNV Ticket für ca. 40€. Rundfunkbeitrag Befreiung für BFD Leistende gibt es nicht also gehen nochmal 20€ ab. Bleiben also maximal 524€ für Miet- und Lebenserhaltungskosten. Damit das überhaupt möglich ist wohnt man besser in einem kleinen WG-Zimmer in Ostdeutschland oder halt wieder bei den Eltern. Wer von den Eltern nicht unterstützt wird geht also besser direkt ins Studium oder die Ausbildung. BAFÖG Höchstsatz plus Kindergeld sind immerhin 844€ inklusive Runfunkbeitragbefreiung und günstigem Semesterticket. Von der realistischen Option noch 450€ nebenbei im Minijob zu verdienen mal ganz abgesehen.

    Man könnte den Freiwilligendienstleistenden natürlich auch mehr Geld zahlen. Sagen wir mal 800€ plus Kindergeld, also etwa 4,50€ die Stunde. Das ist immer noch lächerlich wenig und trotzdem wäre die Diskussion um den verpflichtenden Sozialdienst mit einem solchem Gehalt vermutlich ganz schnell wieder vorbei.

  18. Ich wollte nur mal fragen, ob ihr die Liste der freiwilligen Dienstmöglichkeiten posten könntet. Wollte das eben mitschreiben, leider fängt die Aufzählung um ~32:68 bereits mit “und zusätzlich zu den bereits erwähnten” an, sonst hätte ich das gleich selbst gemacht. Vielleicht habt ihr die Liste spontan abrufbar, würde mich freuen.

    Danke & Grüße

  19. Hallo,

    ich habe sehr unter meinem Zwangsdienst (Zivildienst) gelitten, jeder Tag eine Qual, ein Jahr meines Lebens genommen gegen meinen Willen. Ich werde jede Aktion oder Initiative gegen jede Form eines Zwangsdienstes unterstützen. Zwangsdienste sind ein Zeichen einer niedergehenden Gesellschaft. Es ist nicht Aufgabe eines freiheitlichen Staats “den Charakter seiner Bürgerinnen zu formen/stälen”. Der Beigeschmack ist widerlich!

    Auch die arrogante Feststellung, dass die meisten Menschen eine Arbeit wählen, die ihnen liegt, kann ich nur schwer zu ertragen. Die meisten Menschen gehen einer dummen, sinnlosen oder krankmachenden Arbeit nach, weil sie das Geld brauche oder ausgeschlossen werden. Hier ist mal wieder die Akademiker-Arroganz von euch zu Tage gekommen. *Natürlich* habt ihr beide verweigert und seid nicht zum Bund.

    • die arrogante Feststellung, dass die meisten Menschen eine Arbeit wählen, die ihnen liegt, kann ich nur schwer zu ertragen

      Das haben wir auch gar nicht gesagt. Und was bitte soll daran arrogant sein, wenn man Zivi war und nicht zum Bund gegangen ist? Diese Möglichkeit hatte jeder, sofern er in der Lage war, eine Verweigerung per Post auf den Weg zu bringen. Dazu brauchte es keinen Schulabschluss, denn es gab damals Ratgeberbücher, aus denen man den Text einfach abschreiben konnte. Oder man hat sich halt selbst was überlegt, ich habe beispielsweise eine Szene aus “Im Westen nichts Neues” beschrieben und gemeint, vor dem Hintergrund könne ich nicht in den Krieg ziehen. Die Anerkennung kam postwendend.

      • Hallo Ulf,
        also, für die einen ist es Dienstpflicht, für mich ist es Zwangsarbeit.

        Ich benenne es mal als das, was es eigentlich ist: Zwangsarbeit. Ich werde keinen anderen Begriff dafür verwenden.

        Eine Maßnahme, die ich in einem liberalen, demokratischen Staat für nicht akzeptabel halte.
        Es ist auch nicht die Aufgabe eines liberalen, freiheitlichen Staates seine erwachsenen Bürger zu erziehen, in diesen Punkt bin ich ganz bei Peter Panski.
        Wie ist ein derartiger Eingriff in die persönliche Freiheit verfassungsrechtlich zu rechtfertigen?
        Ich war schon sehr irritiert, dass Ihr hier Zwangsarbeit das Wort redet, wo Ihr doch sonst immer die Bürgerrechte verteidigt.
        Immerhin wart Ihr selber schon so weit, dass dafür wohl eine Grundgesetzänderung erforderlich ist.
        Das sehe ich auch so, aber wie könnte diese dem Rahmen unseres Grundgesetzes gerecht werden? Was würde das Bundesverfassungsgericht dazu sagen?

        Die Wehrpflicht (und im Zuge dieser) auch der Zivildienst war mit der Bedrohung durch den Warschauer Pakt begründet mit konkreter Kriegsgefahr. Hier war es gerechtfertigt zur Verteidigung des Staatsgebietes seine Bürger heranzuziehen. Das war sozusagen eine Ausnahmesituation.

        Wo ist diese Ausnahmesituation denn heute? Das muss ich doch mal fragen. Was kann heute diesen Eingriff in persönliche Rechte begründen? Der Pflegekräftemangel?
        Die politische Radikalisierung? Gesellschaftliche Spaltung?

        Da habe ich aber noch Fragen.
        VG
        D.

    • Merkwürdige Kritik, Du bist doch auch nicht zum Bund gegangen, sondern hast Zivildienst gemacht.

      Das Arbeitsleben kann in der Tat deutlich übler als der Zivildienst sein und aufgrund der Gesetzesänderungen in den Schröder-Jahren kann man mehr oder weniger vom Jobcenter zur Arbeit gezwungen werden, wenn einem das Existenzminimum gekürzt wird.

      Gäbe es ein BGE, könnte sich jeder den Job aussuchen, die ihm liegt. Und ja, manche Menschen beneiden Akademiker nicht um ihre Büro-Jobs und sind lieber den ganzen Tag in Bewegung und an der frischen Luft. Das Problem ist nur, dass diese Jobs schlechter bezahlt sind in der Regel.

    • @Peter ja, dieser unsägliche Zivildienst war für mich auch kein Mehrgewinn. Das einzige, was ich kennen gelernt habe, war die Typ Mensch, der sich oft in den sozialen Berufen tummelt: der egoistische Opportunist, der sich eine Nische sucht, in der keiner groß Druck macht. Die Menschlichkeit ist da oft eine Einbahnstraße für das Image des sanftmütigen Helfers.

      Ich hatte davon schnell genug. Leider gab es für den Zivildienst fast doppelt so viel Geld wie beim Bund.

      Schon diese verlogene Forderung nach schriftlicher Begründung der Verweigerung war typisch unehrlicher Formalismus. Aber Ordnung muss halt sein, auch wenn 999 von 1000 nur abschreiben.

  20. Hallo,
    Eure Diskussion zur Wehrpflicht hat mich nicht überzeugt, der Zivildienst wird doch sehr positiv dargestellt. Stichworte wie Wehrgerechtigkeit (die nicht mehr gegeben war, als die Wehrpflicht abgeschafft wurde) oder was die Aufgaben einer deutschen Wehrpflichtarmee sein sollen, fielen nicht.
    Wie schon in einem obigen Kommentar erwähnt, hat die Zeit ein sehr gutes pro / contra in der aktuellen Ausgabe, https://www.zeit.de/2018/33/dienstpflicht-wehrdienst-zivildienst-pro-contra, es ist eben nicht so einfach wie dargestellt und Zivildienst war oft sinnlos oder ersetzte reguläre Arbeitsplätze.
    Das Argument, man lernt “das echte Leben kennen”, wirkt auf mich wie aus einer Bildungsbürgerlichen filterbubble. Die breite Mehrheit der Gesellschaft hat eine sehr klare Vorstellung davon, was man tun muss, um zu überleben und dass “der Brockhaus” verdient werden muss und dass Mama/Papa eben kein Auto, geschweige denn eine weiterführende Ausbildung bezahlen können.
    Viel bedenklicher finde ich, dass einige Zeitungen das Thema mit dem Wort “Pflichtjahr” beschrieben haben. *Das* wurde im Dritten Reich erfunden, weil notwendige Arbeitskräfte fehlten, begründet wurde es genauso wie jetzt, junge Menschen / Frauen auf das spätere Leben vorzubereiten.
    Das wahre Problem liegt m.E. woanders, die Bundeswehr ist nicht attraktiv genug inkl. schlechter Ausstattung. Das lässt sich anders beheben als mit einer Wehrpflicht.

    • “Das Argument, man lernt “das echte Leben kennen”, ”

      Ich hatte den Eindruck, dass es eher um den Aspekt geht, dass man Einblick in einen ganz anderen Bereich bekommt als sonst. Das hat auch nichts mit Filterbubble zu tun, weil wir alle immer nur einen kleinen Ausschnitt der Gesellschaft in Kontakt kommen. Es ist halt niemand gleichzeitig Notarzt, Krankenpfleger, Umweltschützer und Flüchtlingshelfer von Beruf.

      Auch für das Kind eines Hartz-4-Empfängers kann es sinnvoll sein mal einen Einblick in einen ganz anderen Bereich zu bekommen. Ich zum Beispiel komme aus einer sozial relativ schwachen Familie und fand z.B. Kontakt zu Ober- und Chefärzten auch bereichernd. Ich mache seither auch nicht mehr den Fehler diese als “Götter in Weiß” zu betrachten oder gar einen Hass auf “die da oben!” zu entwickeln. Meine Erfahrung war nämlich ganz simpel: Das sind auch nur Menschen wie du und ich.

      • Ich “durfte” in den frühen 90ern meinen Dienst leisten. Aus zeitlichen Gründen habe ich damals nicht den Zivildiesnt gewählt, das nur zur Erklärung wieso ich bei dem Verein gelandet bin.

        Den Einblick, den ich dort bekam, war lehrreich, aber es hätte auch eine Woche in der Grundausbildung und 1 Woche bei der Einheit gebraucht um zu erkennen was für ein sinnloses Unterfangen die BW war. In der Grundausbildung tobten sich gefallene Existenzen an ihren Untergebenen aus, Schikane wo es nur ging. Und in der Einheit später wurde irgendwie die Zeit rum gebracht, mit möglichst wenig Aufwand.

        War das lehrreich? Sicher. Muss man dafür 1 Jahr seines Lebens verschwenden? Sicher nicht.

        Und was das zivile Jahr angeht: Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass damit der “Pflegenotstand” abgefedert werden soll. Kosten werden weiterhin gedrückt, denn es kommen ja regelmässig billige Pflichtarbeiter hinzu. Das Anlernen durch die festen Kräfte dürfen diese dann natürlich auch noch so nebenbei mit stemmen (ohne finanzielle Anerkennung). Und in die Rentenkassen wird auch ein Jahr weniger eingezahlt. Arbeiten bis 75 wird aber vermutlich ohnehin bald diskutiert werden.

        Nein, für mich gehört diese komische “Armee” abgeschafft, und das Geld, was man da spart, kann man schön in die Pflege oder das THW (damit die sich besser um technische Hilfe kümmern können innerhalb D und zur Not auch außerhalb) stecken.

  21. Hallo, hier mal wieder ein paar kritische Bemerkungen. Insgesamt eine mal wieder relativ ausgewogene Sendung, die ich nicht (wie die letzte) unterbrechen musste, weil ich eure linke Einstellung unerträglich fand.

    @Spanien Abkommen
    Gute Analyse der Wirkungslosigkeit. Es ist reduziert betrachtet so, dass die Finanziers der privaten Schiffe ohne demokratische Legitimation entscheiden dürfen, wer und wie viele kommen dürfen (Sorros z.B.). Ein unerträglicher Zustand.

    @Wehrpflicht
    Eure Perspektive rührt aus meiner Sicht noch aus früheren Zeiten, wo es noch eine Art gesamtgesellschaftlichen Konsens gab. Heute ist es meiner Meinung nach nicht zu rechtfertigen, dass einerseits unsere jungen Bürger zwangsverpflichtet werden, aber andere Drittstaatler es nur einmal schaffen müssen, mehrere km in einem Boot von Afrika zu starten und dann ein Auskommen für de facto Jahre hier kostenlos erhalten, sei es zur Not über die Duldung oder mindestens wegen veräumter Abschiebung.

    @Trump
    Ich sehe es genau wie der kritische Zuhörer. Schon die lange und ausschweifende Erklärung, was überhaupt Vorwurf sei, machte deutlich, wie konstruiert und gekünstelt die Vorwürfe sind. Am Ende wurde dann noch gesagt, dass er es ja zugegeben habe. Das hat er ja mit Verweis auf seinen Sohn ja gerade nicht. Bei Trump seht ihr vor lauter Voreingenommenheit nicht mehr das, was wirklich Stand der Dinge ist (wie der anfängliche Schuhbindelacher z.B. deutlich zeigte). Seid doch da mal etwas dynamischer, nicht immer nach dem Motto, es darf nicht sein, was wir nicht wahrhaben wollen. Trump ist intelligenter als viele Präsidenten vor ihm, auch wenn er kein Showbeau ist. Er strukturiert das etablierte System und Jahrzehnte alte Strukturen im Alleingang mittels Twitter um. Das soll in dieser Dimension mal jemand nachmachen…

    @Elektroautos
    Mir fehlte der monetäre Aspekt, dass ja die derzeitige Steuer auf Kraftstoffe so nicht anfällt. Kurz gesagt: es ist doch absehbar, dass bei starker emobil Nutzung dieses fehlende Geld dort geholt wird, was dann insgesamt wieder die Kalkulation verändert.

    Mit versöhnlichen Grüßen
    Frank

    • > aber andere Drittstaatler es nur einmal schaffen müssen, mehrere km in einem Boot von Afrika zu starten und dann ein Auskommen für de facto Jahre hier kostenlos erhalten, sei es zur Not über die Duldung oder mindestens wegen veräumter Abschiebung.

      Nur damit ich das nicht falsch verstehe: Du meinst die “mehrere km in einem Boot von Afrika” nach Europa wäre eine Vergnügungsfahrt?

  22. Hallo,

    ehrlich gesagt irritiert mich der romantische Blick auf die Zeit des Zivildienstes(und Wehrdienst).
    Der erste Einwand ist der schon erwähnte, dass viele in oder nach der Ausbildung betroffen waren.
    Auch konnte der Ersatzdienst einem gut die Aufnahme eines Studiums verhageln, abhängig davon wann man die Stelle antreten konnte.
    Mit einem befreundeten Arzt und den richtigen Attesten konnte man sich bequem ausmustern lassen.
    Angeblich war Zahl und Zuverlässigkeit der Einberufungen zur Musterung abhängig von den zubesetzenden Stellen bei der Bundeswehr.
    Bei drei Söhnen mussten zwei dienen, einer, meist der jüngste, aber nicht. Klingt nett. Ist aber sowas wie Sippenhaft.
    Nach der Grundausbildung, so wurde mir erzählt, hatte der Bund für seine Soldaten oft nicht mehr viel Arbeit zu bieten; nach exzessivem Training plötzlich Zeit totschlagen. Auf Staatskosten.
    Zivis wiederum wurden eingelernt und waren sofort wieder weg. Zum Ausgleich musstesie dann Arbeit miterledigen, für die sie nicht qualifiziert waren.
    Alles Gründe, die mich an einer Wehrgerechtigkeit und einem gesellschaftlichen Sinn zweifeln ließen.
    Egal was ich aus der Zeit mitgenommen habe, die Aussetzung war damals mehr als überfällig.

    Meine Einstellung gegenüber eines neuen Pflichtdienstes ist:
    Bitte nachweisen, dass alle Wehrdienstler/innen Material hätten, und die Zivildienstler/innen nicht in Konkurrenz zu Ausbildungsberufen stehen. Dann können wir über den gesellschaftlichen und den pädagogischen Sinn einer solchen Unternehmung reden. Und zwar mit denen die es betrifft, den jungen, und nicht mit denen, die sagen, “weil ich das musste, müsst ihr jetzt bitteschön auch“.

    • “weil ich das musste, müsst ihr jetzt bitteschön auch“

      Sorry, aber das ist doch Polemik! Das Argument in der Sendung war ganz klar: “Weil ich davon als Mensch enorm davon profitiert habe, möchte ich dass ihr auch davon profitiert!”.

      Ich hab jetzt die Kommentare nur überflogen, aber finde es erstaunlich wie oft unsachlich und emotional hier argumentiert wird und wie oft Strohmannargumente gebracht werden. Scheint ein ziemlich emotionales Thema zu sein für viele…

      • Ja, danke für den Hinweis, die Kritik muss ich wohl annehmen.
        Ich wollte mit zitiertem Satz nicht Herrn Banse und Herrn Buermeyer etwas in den Mund legen, habe das allerdings nicht entsprechend formuliert, ich bitte um Entschuldigung. Dieser Satz sollte eine Einstellung karikieren, die mir im Umgang vor allem mit Menschen zwischen 55 und 80 immer wieder begegnet.
        Richtiger wäre:
        “Weil ich davon als Mensch enorm davon profitiert habe, möchte ich dass ihr auch davon profitiert!”
        Das ist höchst ehrenwert und damit lässt sich die Möglichkeit sich freiwillig zu engagieren gut begründen und bewerben. Eine Verpflichtung so zu begründen ist aber Bevormundung.

        Mit freundlichen Grüßen,
        Entgegen vermittelten Eindrucks halte ich sehr viel von diesem Podcast.

  23. Info: Das Projekt von Varoufakis ist DiEM25 und existiert. Es gibt bundesweit Lokalgruppen.

    • DiEM25 hat übrigens auch ein paneuropäisches Wahlbündnis für die Europawahl 2019 gegründet. Die Bewegung kooperiert hierbei teilweise mit nationalen Parteien wie zum Beispiel der neuen Bewegung Génération.s von Benoît Hamon (Kandidat der Parti Socialiste bei den französischen Präsidentschaftswahlen 2017). Einige der Parteien im Bündnis sind in ihren jeweiligen Ländern relativ stark. Die tschechische Piratenpartei zum Beispiel hat bei den Abgeordnetenhauswahlen 2017 knapp 11% der Stimmen erhalten. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass das ab dem nächsten Jahr eine signifikante Anzahl von Abgeordneten für die DiEM25 Bewegung im EU Parlament sitzen wird.

    • Im übrigen wirkte die Vorstellung von Yanis Varoufakis als “dieser Griechische Motorradfahrer” doch eher unglücklich. Yanis Varoufakis war Griechischer Finanzminister und ist promovierter Ökonom der an als Professor in diesem Fach gelehrt, geforscht und publiziert hat. Eine derartig flapsige und wertend reduzierte Vorstellung wurde ja anderen europäischen Politikern in der LdN für gewöhnlich auch nicht zuteil. Sie erinnert jedoch an so manche Berichterstattung während seiner Amtszeit, die sich nur zu gern mit Oberflächlichkeiten wie Lederjacken und Hausmöblierung auseinandergesetzt hat, anstatt mit Qualifikationen und inhaltlichen Positionen. Dies rückt die sonst fundierte und sachliche Auseinandersetzung mit politischen Akteuren und Positionen in der LdN in ein unnötig unseriöses Licht.

  24. Zum Thema Dienstpflicht.
    Ich wäre für eine reformierte Dienstpflicht für jede/n ohne ausnahmen aber kürzer.
    2 mal 5 Wochen im Leben für jeden auch eingeschränkte(körperlich)!!!.
    Die 2 mal 5 Wochen kann man in den Schulferien/Semesterferien ableisten und wer länger will kann längeer machen bzw verlängern aber jede/r muss. Durch die Kürzung fällt das Argument eines verlorenen Jahres verspätetem Berufsstartes aus. Die Bundeswehr wird vmtl bemängeln das die Grundausbildung länger seie. Ich habe bei den 5 Wochen im Kopf das im Sommer zwischen Abi und Studium bzw ersten Semesterferien z.B. bei einem Kinderferienlager hilft/ betreut etc, .

    • In sehr vielen Bereichen dauert alleine die Einarbeitung 5 Wochen… Ich frage mich wieviele sinnvolle Tätigkeiten man ausüben kann ohne Einarbeitung…

      Dazu dürfte das Problem kommen: Wenn alle das in den Ferien machen, dann hat man zur Ferienzeit viel zu viele Arbeitskräfte und zu wenig Arbeit. Außerhalb der Ferien dann genau das umgekehrte Problem…

  25. Mal ganz blöd gefragt, was ist an der SPD heute noch links? Ich dachte einige Minuten nach und konnte nichts finden, was typischen linken Positionen entspricht, die Arbeitern und der unteren Mittelschicht zusagt, was man ja auch an der Demographie der Wahlergebnisse sehen kann.

  26. Hallo,

    beim heutigen hören des Podcasts ist mir spontan eine Idee gekommen. Ihr habt über die Bewegung von Frau Wagenknecht gesprochen und wie sie möglicherweise auch junge Menschen erreicht. Die Idee die mir kam war, dass junge Menschen besonders auch über soziale Medien am besten erreicht. Eine soziales Medium nur für Politik wäre interessant. Es sollte für alle politischen Lager da sein und die Moderatoren müssen selbst objektiv sein. Auf der Webseite kann ähnlich wie bei Reddit dann Artikel von seriösen Zeitungsverlegern (Zeit, FAZ, Welt usw.) upvoten und kommentieren. Unseriöse Zeitungsverleger werden verboten und die Gründe dafür werden transparent zugänglich gemacht. Außerdem werden beleidigende Kommentare und unseriöse von den Moderatoren gelöscht oder markiert. Artikel oder auch einige Kommentare können mit Bannern wie zum Beispiel Fake News oder faktisch widerlegt markiert werden. Allerdings bekommt man eine Gründe für diese Entscheidung das zu flaggen, wenn man auf dem Banner klickt. Ein weiterer Zweck der Webseite soll auch sein die Leute zum mitmachen zu bewegen. Wöchentlich wird ein Themenblock priorisiert wie zum Beispiel die Einführung der Dienstpflicht. Dazu können alle User einzelne Ideen entwickeln und posten. Karl Heinz findet die Dienstpflicht sehr schlimm und nennt Gründe warum er so denkt und Heinz Karl findet die Dienstpflicht super und nennt konkrete Vorschläge wie diese aussehen soll. Die User können nun für diese Ideen voten und mit Kommentaren die Ideen sachlich unterstützen, kritisieren oder verbessern. Die Moderatoren schauen das alles korrekt läuft. Nach einigen Tagen treten die zwei Ideen mit den meisten Upvotes in einer Stichwahl gegeneinander an. Die zur Webseite dazugehörige Lobbyorganisation vertritt nun diese Position und versucht die Abgeordneten von dieser Idee zu überzeugen bzw. Ihnen die Idee näher zubringen (zumindest für eine Woche). Ideal wäre wenn man die Idee mit einer Talkshow verbinden könnte und wichtige Vertreter der größten Parteien dazu einlädt. So würde man zumindest mehr Bürgerbeteiligung an der Politik erzielen und die Leute aus ihrer Blase locken.

  27. Die Diskussion über die allgemeine Dienstpflicht hier finde ich doch teilweise sehr idealisiert und akademisch.

    Da wird in der Regel immer davon ausgegangen das man sich nach dem Abitur erstmal selber finden muss. Und das der Zivi eine Erleuchtung fürs Leben ist.

    Es gibt dabei auch noch eine andere Realität. Wenn man mit 15/16 Jahren seinen Schulabschluss (Hauptschule 9. Klasse) macht und dann eine Berufsausbildungen anfängt. Dann muss man sich schon mit 14/15 Jahren Gedanken über den späteren Beruf machen.
    Und nach der Ausbildung arbeitet man dann 1-2 Jahre, mit eigenem Auto und Wohnung. Dann kommt der Staat mit Anfang 20 und mein, jetzt mal schön für ein Jahr als 1 Euro Jober arbeiten zur Selbstfindung (aka einen Job machen für den man niemanden ordentlich bezahlen kann oder will) oder dem Vaterland dienen (aka saufen und rumlungern).

    Prinzipiell finde ich ein Soziales Jahr oder ähnliches gut, es muss dann aber auch halbwegs entlohnt und Gesellschaftlich anerkannt werden. Das gleiche gilt dann übrigens auch für den Beruf des Soldaten.

  28. Thema soziales Pflichtjahr: Ihr habt es schon angesprochen und ich will es aber nur nochmal deutlicher herausstellen: Die Konditionen zu denen ich Zivi gemacht habe, waren wesentlich besser als das heute für die buftis zu sein scheint. Ich mein, dass mein Zivi Gehalt damals am Schluss (es gab ja Gehaltsstufen) round about 650 Euro betrug. Dazu kam dann noch wohnungsgeld, weil ich nicht mehr bei meinen Eltern gewohnt habe. Damit konnte ich gut und locker mein Leben stemmen und nach dem Abi zum ersten Mal flügge werden. Mit Bufti wäre das nicht drin gewesen.

  29. Zur Dienstpflicht habe ich als junger Mensch eine ganz klare Haltung:
    Die Politik hat aktuell keine schlüssige Antwort wie die Rente für meine Generation überhaupt noch funktionieren soll, während ich trotzdem mein ganzes Leben beträchtlich einzahle.

    Solange diese Antwort aussteht kann es keine Diskussion geben ob wir noch zusätzlich ein Jahr für irgendetwas schuldig sind.

    Gerade die Wörter “Sozial” und “Zusammenhalt” solltet ihr hier etwas weniger aus dem Bauch heraus verwenden, diese sind an den Zahlen (auf Lebenszeit: Verdienst, Sparvermögen, Wohneigentum usw.) zu messen, und diese sprechen massiv gegen junge Generationen.

  30. 12. August 2018 um 18:32 Uhr
    Oliver Hentschel

    Hallo Herr Buermeyer, Hallo Herr Banse,

    ich war sehr überrascht, dass Sie den Beschluss des Bundeskabinetts bezüglich Dienstwagen so positiv sehen.

    Zuerst einmal ganz grundsätzlich, sendet es in meinen Augen ein falsches Signal an die Wirtschaft insgesamt. Die Autoindustrie hat zum Schaden aller betrogen und als es aufflog hat sie solange sie konnte gelogen. Doch anstatt sich wenigstens einsichtig zu zeigen und nachzubessern, weigert sie sich hartnäckig für ihren Betrug geradezustehen und das obwohl es eine Lösung gäbe (Hardware Nachrüstung). Dieser Betrug hat dazu geführt, dass mehr Schadstoffe als erlaubt in die Luft gelangt sind. Schadstoffe die gemäß einer von Ihnen vorgestellten Studie langfristig tödlich sein können. Die Autokonzerne haben also aus niederen Beweggründen (Habgier) billigend in Kauf genommen das mittelbar Menschen sterben und ich denke man kann davon ausgehen, dass sie sich dessen auch bewusst waren, als sie noch anders hätten handeln können. Juristisch kann man das sicher nicht als Mord bezeichnen, aber nach allem was ich von Ihnen diesbezüglich gelernt zu haben glaube, sind meiner Meinung nach einige der Merkmale erfüllt. Das Verhalten der Autokonzerne war in meinen Augen verachtenswert.
    Anstatt nun aber die Autokonzerne ernsthaft zu bestrafen, gibt es nun eine weitere Förderung für deren Produkte, die wohl ziemlich sicher das Bußgeld in Höhe von 1 Milliarde übertreffen wird. Laut Spiegel Online, 1,8 Milliarden allein von 2019 bis 2021 (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/elektro-dienstwagen-bundeskabinett-beschliesst-steuervorteil-gesetzentwurf-a-1221161.html)

    Mein zweites Problem ist die Finanzierung. Da dazu meines Wissens nach nichts gesagt wurde, muss man wohl davon ausgehen, dass die Förderung aus dem allgemeinen Steueraufkommen bezahlt wird. Das bedeutet, Steuerzahler die sich mit Bus, Bahn, Rad und ihren Füßen fortbewegen, sollen Stinker quersubventionieren, sobald diese einen Elektromotor an Bord haben. Ich finde es passt nicht zusammen, dass Sie sich einerseits über die Stinker in Berlin beschweren und dann andererseits so eine Idee uneingeschränkt gutheißen.

    Als drittes haben Sie sich doch dafür ausgesprochen, den Individualverkehr in größeren Städten wie z.B. Berlin zu reduzieren. Auch vor diesem Hintergrund sehe ich die Pläne der Bundesregierung kritisch, da ich davon ausgehe, dass sie zu mehr Fahrzeugen insgesamt führen wird. In Extremfällen kann es sein, dass jemand der ein Dienstfahrrad im Auge hatte, sich jetzt doch für ein Elektroauto entscheidet, weil ihn das unter Berücksichtigung aller Kosten (Bahntickets, gelegentlich Mietwagen, ÖPNV etc) schlichtweg weniger kostet. Zumal Dienstfahrräder leider nicht in den Genuss dieser Förderung kommen. Nicht einmal Elektrofahrräder, bei denen ich es als sehr realistisch ansehe, dass sie für so manchen eine ernsthafte Alternative zum Elektrodienstwagen sind. Es könnte auch sein, dass sich jemand für einen Plug-In-Hybrid entscheidet, anstatt einem normalen Stinker, weil er dadurch Steuern spart und diesen niemals an die Steckdose hängt. Dazu möchte ich erwähnen, dass es aus meiner Erfahrung in mittelständischen Betrieben nicht ungewöhnlich ist, dass der Arbeitgeber sämtliche laufenden Kosten übernimmt, also insbesondere auch die Spritkosten.

    Aber auch wenn ich das alles zur Seite schiebe und es als gegeben hinnehme, dass Elektroautos gefördert werden sollen, ist dieses Vorhaben in meinen Augen technisch schlecht.
    Plug-in-Hybride sind für mich keine Zukunftstechnologie, also sehe ich keinen Sinn darin sie jetzt noch zu fördern. Für mich ist das vergleichbar mit Vectoring (Plug-in-Hybrid) und Glasfaser (Elektro), wenn man den CO2 Verbrauch bei Betrieb ähnlich betrachtet wie die Datenrate. Der Plug-in-Hybrid hat einen klaren Vorteil gegenüber herkömmlicher Stinker, ihm sind aber klare Grenzen gesetzt.
    Als zweites verstehe ich nicht, warum man nicht sagt es darf nur der halbe Listenpreis bis z.B. 40.000 € angesetzt werden. Ein Auto das 50.000 € kostet, müsste dann mit 30.000 € [40.000 / 2 + (50.000 – 40.000)] angesetzt werden. Dadurch würde der Fokus auf kleinen Autos liegen, die weniger Platz brauchen und deren Herstellung weniger CO2 verbraucht.
    Drittens möchte ich darauf zurückkommen, dass das jeder Steuerzahler mitfinanzieren soll. Man hätte ja auch einfach eine Sondersteuer auf nicht Elektroautos erheben können und mit dieser diese Förderung finanzieren. Oder aber man erhöht einfach die 1 % Regelung auf 1,1 % Prozent für alle nicht Elektro Autos. Das fände ich es sogar noch besser, weil es gerade dem Dienstwagenwilligen die Entscheidung zwischen Stinker und Elektro noch schmackhafter machen würde.

    • Eine Erhöhung der Steuerumlage für nicht Elektro Autos hätte ich auch bevorzugt. Zumal ein 90k€ 470Ps 2,5 Tonnen Porsche Cayenne jetzt auch noch subventioniert wird.

  31. Moin,
    zum Thema Dienstpflicht: Auch für mich war es eine sehr prägende Zeit, die ich nicht missen möchte – und schon damals hatte ich mir gewünscht, dass nicht nur die Männer sondern wirklich alle zu diesem “Glück” gezwungen werden sollte. Daher habe ich auf den Vorschlag einer allgemeinen Dienstpflicht sehr ähnlich wie ihr reagiert. Ich stehe diesem Vorschlag daher sehr aufgeschlossen gegenüber – trotzdem möchte ich hier einen Aspekt ergänzen, auf den ich kürzlich in einer Kolumne in Zeit Campus gestoßen bin, der bei dieser Debatte um die “Stärkung des Zusammenhalts” zumindest mitbedacht werden sollte: Vereinfacht gesagt seien es nicht nicht die jungen Leute, die den Zusammenhalt gefährden, sondern eben (nicht nur, aber durchaus auch) eben polemisierende Politiker älterer Generationen, die nun über eine solchen Dienst debattieren.
    https://www.zeit.de/campus/2018-08/gesellschaftsjahr-debatte-wehrpflicht-sozialdienst-gesellschaftlicher-zusammenhalt

  32. Lieber Philip, lieber Ulf,
    Danke für Eure wieder sehr lebendige und vielschichtige Folge!

    Ein wenig fand ich Euer Votum für die Elektromobilität problematisch, weil sehr unkritisch und verkürzt. Natürlich begeistert auch mich die Idee mit der Firmenwagen-Flotte als politisches Steurungselement. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Elektromobilität zur Zeit noch sehr in (dreckigen) Kinderschuhen steckt. Die Gesamt-Ökobilanz im Vergleich zum Verbrenner ist komplex und keinesfalls nur positiv: https://www.spektrum.de/news/wie-ist-die-umweltbilanz-von-elektroautos/1514423

    Persönlich glaube ich, dass es noch ganz andere Lösungen gibt. Nur leider, leider ringt hier wieder der neoliberale Markt und nicht allein die Vernunft um entsprechende Schwerpunkte.
    Ich sehe die Zukunft eigentlich eher im synthetischen Gas (https://www.facebook.com/Power2Gas/), sei es durch ÖkoStrom erzeugt oder durch Algen. Synthetisches Gas entnimmt der Atmosphäre so viel Treibhausgase (bspw. CO2), wie es durch Verbrennen wieder erzeugt.
    Die Power2Gas Diskussion wird gern durch schlechten Wirkungsgrad abgewürgt, was nicht ganz fair ist, denn bevor ich Windräder oder PV abschalte, erzeuge ich lieber (quasi zum Null-Tarif) synthetisches Gas damit.
    Der primäre Antrieb der Zukunft wäre dann das Gas und nicht Batterie betriebene Elektro-Autos.
    Charmant am Gas wäre auch, dass wir die gesamte Technologie zum Handling des Gases bereits haben: Heizen mit Gas, Gas-Speicher, riesiges Gas-Leitungsnetz u.v.a.m.. Die Erzeugung steckt hier leider noch in Babyschuhen ;-) aber da tut sich was …

    Noch globaler gesehen, müssen wir aber weg vom individuellen Besitz einen Fahrzeugs, hin zum Sharing oder öffentlichen Verkehr. Das individuelle Fahren skaliert einfach nicht (siehe China).

    • Vielen Dank, ich dachte schon ich bin der einzige, der dem E-Hype kritisch gegenüber steht.

      Ich würde mir von “der Lage” einen kurzen Schwenker wünschen der den E-Hype genauso journalistisch beleuchtet, wie die anderen Themen auch. Den tatsächlich war der Kommentar hierzu leider eher auf Stammtischniveau (Verbrenner doof, “verbrennen aus der Erde gebuddelte Sachen”, E-Autos super toll).

      Das sowohl die Herstellung der Akkus problematisch ist und nicht wenig Energie verbraucht (ja, die _könnte_ man aus ‘regenerativen Energien’ gewinnen – passiert aber aktuell wohl eher nicht), die Akkus ebenso knappe Ressourcen brauchen (Kobalt, Lithium), die auch “aus der Erde gebuddelt” werden müssen und den Abbaugebieten massiven Schaden zufügen, und die Akkus nach sehr kurzer Laufzeit nicht mehr in Autos verwendet werden können wurde nicht diskutiert. Schade.

      In meinen Augen ist letzeres Wahnsinn. Die E-Autos sind noch Nischendasein und *jetzt schon* wissen die Hersteller nicht mehr wohin mit den alten Akkus. Recyclen ist nicht oder lohnt nicht und der Einsatz “in der Industrie” als Energiespeicher ist wohl auch eher ein schlechter Witz als eine End-Lösung. Irgendwann ist auch dieser Abstellort für Akkus gesättigt.

      In meiner persönlichen Sicht sind die Akkus der neue Atommüll. Die Akkus werden als sauber vermarktet, sind tatsächlich nur beim Betrieb “sauber”, aber Herstellung und Entsorgung sind eine Katastrophe. Ich warte schon darauf, dass man anfängt die Akkus zu verbuddeln. Am besten in Salzbergwerken…

      Wäre wirklich toll, wenn sich die Lage mit dem Thema auseinandersetzt und Journalistisch verfolgt. Vielleicht liege ich ja falsch und sitze nur der Propaganda der E-Gegner auf.

      • “In meiner persönlichen Sicht sind die Akkus der neue Atommüll.”

        Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich… Strahlt der Akku radioaktiv über Millionen Jahre? Ist er hochgradig krebserregend? So Probleme wie “Kann man recyclen, aber lohnt sich wirtschaftlich nicht” sind doch Luxusprobleme angesichts der desaströsen Situation beim Atommüll…

        “Wäre wirklich toll, wenn sich die Lage mit dem Thema auseinandersetzt und Journalistisch verfolgt. Vielleicht liege ich ja falsch und sitze nur der Propaganda der E-Gegner auf.”

        Fände ich in der Tat auch interessant. Journalismus ist ja immer dann interessant, wenn er kritisch hinterfragt. Wenn es also gerade einen Hype für etwas gibt, dann ist Journalismus spannend schaut was auch dagegen spricht.

      • @ Venyo:
        Ich meinte das eher auf das “saubere Energie” bezogen.
        Der Abbau der Materialien ist nicht sauber, die Herstellung ist es nicht und am Lebensende weiß man auch nicht so richtig wohin damit.
        Ein Luxusproblem ist es vielleicht für die reichen Länder, die mit den Autos rumfahren. Mitnichten jedoch für die Rohstoffliefernden. Aber ja, ganz so gefährlich wie Atommüll ist die Sache nicht. Man verzeihe mir die Provokation…

        Habe gerade bei der FAZ [1] gelesen, dass man wohl die Akkus recyclen könnte, aber das im Hochofen passiert (der wieder viel Energie braucht, aber das schreibt der Artikel nicht). Und das viele Autos wahrscheinlich irgendwohin exportiert werden und somit das Recyclen vielleicht gar nicht zustande kommt. Zudem liest sich der Artikel eher so, als wäre das nur eine Möglichkeit, die man vielleicht eventuell machen könnte. Aktuell graben wir also wieder an wertvollen Resourcen und schicken kleine Kinder in die Minen [2].

        So nebenbei gibt es auch bedenken, dass das Stromnetz zu Stoßzeiten auf dem Lande den Strombedarf gar nicht decken kann. Aber hier gibt es wieder beide Meinungen und “Experten” sagen das das Stromnetz schon passt.

        Aber ich schieße mich schon wieder auf Details ein. Mein Punkt ist: E-Autos werden gerade gehypt und als Heilsbringer gepusht. Das sind sie aber in meinen Augen nicht, bzw. nur für die reichen Nationen.

        Aber wir sind uns ja einig: das Ganze gehört mal objektiv beleuchtet. :-)

        P.S.: nur zur Klarstellung: Erdöl zu verbrennen ist auch nicht cool. Aber ich bin mir nicht sicher ob man in der aktuellen Generation von E-Autos da wirklich was besseres hat.

        [1] http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/motor/elektroautos-wie-lithium-ionen-akkus-richtig-entsorgt-werden-15377665-p2.html
        [2] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kobaltgewinnung-durch-kinderarbeit-in-kongo-14024437.html

    • Moin!

      Zu dem Thema wurde schon vieles, meiner meinung nach richtiges gesagt. Ich vermisse in der Diskussion die Betrachtung von Use Cases:

      – E-Autos sind für die Menschen toll, die so leichtgewichtig jederzeit und innerhalb von 15km unterwegs sind. Ich würde bspw. die komplette Kleinwagensparte als möglicher Kandidat zur Elektrifizierung sehen wollen, denn sie sind dank ihrer winzigen Tanks nicht langstreckentauglich, wirklich zuladen können sie auch nicht, weil die Kofferräume klein sind. Sollen sie ja auch nicht. Keiner würde mit nen Kleinwagen auf die idee kommen, ein komplettes Bett aus der IKEA zu bestellen.
      – Dieses Verhältnis dreht sich spätestens dann um, wenn man auch mal Strecken über 150km fährt oder zuladen muss. Wer bspw. einen Tagesdurchsatz von 600km hat – darauf kommen gerade die Traveling Salesmen ganz schnell – hat nicht nur einen Anspruch auf einen gewissen Komfort, sondern muss auch zuverlässig sein Ziel erreichen können.

      Beispiel:

      Wenn jemand von Nürnberg nach Hamburg fährt, hat er entweder die Möglichkeiten, Ladestationen Hopping alle sagen wir 350km zu machen. Wenn die ganzen Ladesäulen belegt sind: Wartet er. Wenn dann die Ladesäule frei wird, wartet er wieder. Bei den Schnellladestationen nicht so lange, wie bei einer Schukosteckdose. Aber er wartet. Die Reichweite fällt mit Klimaanlage und/oder Heizung prinzipbedingt und die maximale Reichweite erreicht man auch nur in guten wirkungsradien, sprich: Man muss das auch schon durchziehen, dass man mit 130 über die Autobahn fährt.

      Ein E-Auto ist da noch lange nicht auf dem Zustand wie bspw. ein Diesel von vor 20 Jahren, der mit 70l Kraftstoff zwischen 900 und 1200km fahren kann. Nochmal “schlimmer” ist dieses Verhältnis bei Sattelzugmaschinen, weswegen auch kein Truckbauer ernsthaft aktuell versucht den Long Haul zu elektrifizieren. Beim Distributionsverkehr jedoch total sinnvoll, mit kurzen Strecken. Busse? Auch total sinnvoll.

      Man sollte eine Technologie etablieren, wenn sie sinnvoll ist und marktfähig ist. Aktuell ist es aus meiner Erkenntnis und meiner Meinung nach die Elektromobilität noch lange nicht. Und ja, die Einsichten waren ein bisschen sehr zwei dimensional. Ich würde mir auch wünschen, würde man das Thema genauso differenziert betrachten, wie es sonst bei Euch der Fall ist.

      Weil…dem E-Auto Hype zum Trotz: Wo soll der Strom herkommen? Aus fossilen Energiequellen, die zu Recht auf der Abschussliste stehen? Aus Atomkraft, die per se ein schlechtes Standing in Deutschland hat, sodass man lieber die Forschung daran ganz einstell? Aus regenerativen Energiequellen, die nicht Grundlastfähig sind?

      Das sind alles Fragen, die der Generalelektrifizierung auch nebenbei stehen.

      Liebe Grüße,

      Stephan

  33. Lieber Ulf,
    danke für Deinen Einsatz in Sachen Erhalt unserer Privatssphäre und Freiheitsrechte.
    Gerade die Salami-Taktik (wenn man konzertiert handelnde Kräfte unterstellt) der vergangenen Jahrzehnte beobachte ich mit großer Sorge. Wahrscheinlich kennst Du die Liste bereits, aber eine Wiederholung tut bestimmt nicht weh: https://digitalcourage.de/ueberwachungsgesamtrechnung/sammlung
    Das VfG schien mal diese Gesamtrechnung im Auge zu haben. Tut es es noch?
    Deine Eindrücke wären interessant.

  34. Lieber Philip, lieber Ulf,
    Danke für Eure wieder sehr lebendige und vielschichtige Folge!

    Ein wenig fand ich Euer Votum für die Elektromobilität problematisch, weil sehr unkritisch und verkürzt. Natürlich begeistert auch mich die Idee mit der Firmenwagen-Flotte als politisches Steurungselement. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Elektromobilität zur Zeit noch sehr in (dreckigen) Kinderschuhen steckt. Die Gesamt-Ökobilanz im Vergleich zum Verbrenner ist komplex und keinesfalls nur positiv: https://www.spektrum.de/news/wie-ist-die-umweltbilanz-von-elektroautos/1514423

    Persönlich glaube ich, dass es noch ganz andere Lösungen gibt. Nur leider, leider ringt hier wieder der neoliberale Markt und nicht allein die Vernunft um entsprechende Schwerpunkte.
    Ich sehe die Zukunft eigentlich eher im synthetischen Gas (https://www.facebook.com/Power2Gas/), sei es durch ÖkoStrom erzeugt oder durch Algen. Synthetisches Gas entnimmt der Atmosphäre so viel Treibhausgase (bspw. CO2), wie es durch Verbrennen wieder erzeugt.
    Die Power2Gas Diskussion wird gern durch schlechten Wirkungsgrad abgewürgt, was nicht ganz fair ist, denn bevor ich Windräder oder PV abschalte, erzeuge ich lieber (quasi zum Null-Tarif) synthetisches Gas damit.
    Der primäre Antrieb der Zukunft wäre dann das Gas und nicht Batterie betriebene Elektro-Autos.
    Charmant am Gas wäre auch, dass wir die gesamte Technologie zum Handling des Gases bereits haben: Heizen mit Gas, Gas-Speicher, riesiges Gas-Leitungsnetz u.v.a.m.. Die Erzeugung steckt hier leider noch in Babyschuhen ;-) aber da tut sich was …

    Noch globaler gesehen, müssen wir aber weg vom individuellen Besitz einen Fahrzeugs, hin zum Sharing oder öffentlichen Verkehr. Das individuelle Fahren skaliert einfach nicht (siehe China).

    • “Noch globaler gesehen, müssen wir aber weg vom individuellen Besitz einen Fahrzeugs, hin zum Sharing oder öffentlichen Verkehr. Das individuelle Fahren skaliert einfach nicht (siehe China).”

      Da stimme ich zu, glaube aber, dass wir nicht gleich die ganze Welt anschauen müssen, ein Blick aus meinem Fenster genügt: spurige Straße mit Tempo 50 quer durch Parkanlagen und ein dicht bebautes Wohngebiet. An den Rändern: Parken, dann eine scheinbar zufällige Ansammlung von Backsteinen, die jemand im Ulk “Fahrradweg” getauft hat. Nebenstraßen: 2/3 der Fläche sind herumstehende Autos. Will ich auf die andere Seite, muss ich mich mit Sack und Pack durch 50cm breite Lücken quetschen.
      Kostbare Fläche wird vernichtet, Lebensqualität geht zum Teufel, öffentliches Leben wird behindert.

      Diese Perversion des Freiheitsgedankens finden wir nach 60 Jahren zwar normal, wünschenswert und nachhaltig ist es aber nicht.

      Deshalb finde ich es wesentlich interessanter, den Fokus auf vernünftige Konzepte für weitgehend autofreie Städte und Ballungsräume, bequemen und schnellen (!) öffentlichen Nahverkehr und anständige Infrastruktur für Fahrräder zu legen.

  35. Zu Dienstpflicht, das ist eine klassische Naturalsteuer.
    Wie sie gerecht erhoben werden soll, ist wie bei allen Naturalsteuern sehr sehr fraglich. (Steuersubjekt/Steuerobjekt)

    Bezüglich Aufstehen,

    Aktionismus des Aktionismus wegen ist Schrott, aber auch im Umkehrschluss kein Aktionismus wegen möglichen Dissens ist Schrott. Ich gebe Posener recht, aber die sPD Strategie Einigkeit durch Einfalt funktioniert auch nicht.

    Kopf/schief-Gebuhrtendiskussion finde ich auch schräg weil dem Konsumenten kein Marktreifes linkes Produkt angeboten werden soll.

    Ich finde es sehr gut, wenn alle Parteien etwas nach links rücken würden unter meiner Beobachtung nach sind alle Parteien zuletzt nach rechts gerückt sind sPD und Linke eingeschlossen.

  36. Lieber Philip, lieber Ulf,

    das Thema Dienstpflicht finde ich sehr spannend. Obwohl ich als Frau nicht zu irgendeinem Dienst verpflichtet war, habe ich zumindest ein Au-Pair-Jahr bei einer Familie in Italian verbracht. Das entspricht nun nicht so ganz einem FSJ oder Bufti, erfüllte für mich persönlich aber einen ähnlichen Zweck: Einmal aus der eigenen Filterblase herauskommen und eine andere Arbeit/Lebensweise kennenlernen.
    In meinem persönlichen Umfeld gab es Einige (v.a. Frauen), die sich nach dem Abitur nicht die Zeit für ein solches Jahr nahmen, sondern ganz im Sinne der Selbstoptimierung und aufpolierten Lebensläufe direkt ein Studium oder eine Ausbildung aufnahmen, welche gute Karrierechancen versprachen, ohne sich dies wohl überlegt zu haben. Einen zusätzlichen Vorteil eines verpflichtenden Dienstes sehe ich daher schon lange auch in der Selbstfindung und Reflektion, in der Charakterbildung, die es dem/der Einzelnen bietet und würde es jederzeit jedem empfehlen etwas in der Art zu absolvieren. Es ist doch wohl eher die Ausnahme, dass Schüler*innen mit Ende der Schulzeit schon ganz genau wissen, in welche berufliche Richtung sie wollen.
    Ein weiterer Gedanke hierzu ist: Wäre ein solcher Dienst aber nicht mindestens genauso empfehlenswert für die späteren Jahre, in denen man in Beruf und persönlichen Umfeld noch viel weniger Durchmischung hat als z.B. noch während des Studiums? Natürlich gibt es bereits die Möglichkeit eines Sabbaticals, dies ist allerdings in manchen Berufskontexten schwer möglich und völlig der Eigeninitiave überlassen. Mit einem verpflichtenden Dienst auch mit 30, 40 oder 50 Jahren müssten sich Unternehmen zwangsläufig darauf einstellen und Möglichkeiten für die “Auszeit” schaffen. Ganz nebenbei wäre es ein Beitrag zum lebenslangen Lernen und ermöglicht eventuell sogar berufliche Neuorientierung.
    Sicher ein etwas utopischer und radikaler Gedanke, eure Meinung dazu würde mich sehr interessieren.

    • Gemeinnütziges Sabbatical? Großartige Idee! Ich habe Ende 30 eins gemacht, allerdings zum Studieren in NYC, nicht für einen sozialen Dienst. Trotzdem kann ich ein Jahr “Auszeit” vom Job nur empfehlen.

  37. Zur Wagenknechts Bewegung
    Die Idee ist vielleicht nicht schlecht, aber wie der Politikwissenschaftler Gero Neugebauer es auch meinte: die Erfolgsaussichten sind eher gering.

    Was mich eher verwirrt ist, dass ihr eine sozioökonomische Linke nicht vorstellen könnt, die gleichzeitig die Einwanderung von über eine Million Flüchtlingen ablehnt. Nein, das heißt nicht “Ausländer raus” – ganz im Gegenteil. Aber man sollte erst mal klären, wie das alles finanziert werden soll und was das für unser Sozialsystem bedeutet.

    Deshalb finde ich es auch brisant, wenn ihr einen Beitrag von “Neues Deutschland” zitiert. Das ehemalige SED-Blatt. Quasi die linke Äquivalente von Junge Freiheit. Dann bitte nicht wundern wenn man euch in eine weit linken Ecke platziert.

    • Ich war auch etwas verwundert darüber, dass eine linke Einstellung hier so selbstverständlich mit offenen Grenzen gleichsetzt wurde. Für mich gehören ein starker Sozialstaat und strenge Einwanderungsgesetze einfach zusammen, weil nur so wirklich sichergestellt werden kann, dass die sozialen Systeme nicht überlastet werden. Ich glaube nicht, dass Wagenknechts Einstellung alle links eingestellten Leute abschrecken wird, für gar nicht mal so wenige wird die Bewegung da überhaupt erst interessant.

  38. Hallo,

    zum Thema Dienstpflicht. Ich habe selber Wehrdienst gemacht und fand das auch eine gute Erfahrungen (bzw. mittlerweile kann ich gut drüber lachen). Gerade der Einblick in eine komplett andere Welt ist, wie ihr schon im Podcast gesagt habt, unbezahlbar.

    Aber: ich traue der Richtung nicht, aus der das kommt. Wenn die CDU als Partei, die besonders stark von Älteren/Rentnern gewählt wird, so einen Vorschlag bringt, dann ist das natürlich ne Klasse Sache. Vor allem da noch alle davon ausgehen, dass so ein Dienst eher von den Jüngeren geleistet werden soll. Dienst „für die Anderen“ klingt halt erstmal ok.
    Meine zweite Befürchtung ist, dass wir aufgrund unserer Demographie *sehr* viel mehr Pflegekräfte brauchen aber, zumindest bisher, keine Lust zu haben scheinen, diesen Knochenjob auch gut zu bezahlen. Auch da hätte die (ältere) Mehrheit ein großes Interesse an jungen Pflegern, die man nicht entlohnen muss. Weil, ist ja Dienst!

    Mich würde mal interessieren, wie die Gruppe der 18-25 Jährigen die Idee findet.

    • Auf mich wirkt dieser Vorschlag auch eher so als wolle man nur billige Arbeitskräfte generieren, damit man die Arbeitsbedingungen und Gehalt im sozialen Bereich nicht verbessern muss.
      Ich halte auch das Argument, dass ein Dienst den Zusammenhalt in der Gesellschaft fördert und Menschen dadurch lernen, dass andere vielleicht Pech im Leben haben für unschlüssig. Etwas polemisch formuliert: Auch Christian Lindner hat Zivildienst gemacht…

      Für mich selbst war der Zivildienst auch eine Bereicherung. Ich kann mich aber auch noch gut daran erinnern, wie ich mich gefühlt habe, als ich gezwungen wurde Zivildienst zu machen.
      Wenn man wirklich wollen würde, dass Leute diese Erfahrung machen und auch noch freiwillig, müsste man Anreize schaffen. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken jedem Deutschen die Möglichkeit zu geben für maximal ein Jahr einer gemeinnützigen Arbeit nachzugehen und ihn oder sie dafür richtig gut zu bezahlen. Dann würde vielleicht viele junge Menschen nach der Schule erstmal den Dienst machen, um nachher damit das Studium zu finanzieren (oder irgendwas anderes). Dann könnten sie sich voll auf das Studium konzentrieren, anstatt nebenbei noch irgendeinen gesellschaftlich sinnlosen Studentenjob machen zu müssen. Außerdem gibt es wahrscheinlich auch genug ältere Menschen, die mal eine Auszeit von ihrem sinnlosen Job nehmen wollen, um was sinnvolles zu machen.
      Die Kosten ließen sich auch gut deckeln, wenn man sagt, es gibt pro Jahr x Stellen mit einer Bezahlung y auf die sich jeder bewerben kann, der noch keinen Dienst gemacht hat.

      • Hallo zusammen,

        auch ich habe Zivildienst absolviert und empfand diese Zeit als sehr bereichernd. Trotzdem verstehe ich an der aktuellen Debatte einiges nicht. Was sind denn die Argumente, die einen solchen Zwangsdienst tatsächlich rechtfertigen? Ist es hauptsächlich die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts (wie oft in diesem Zusammenhang angeführt, auch Philipp hat dies ja erwähnt)? Reicht dieses Argument moralisch (und juristisch) tatsächlich zur Begründung des damit einhergehenden Zwangs aus? Gibt es denn handfeste Evidenz dafür (abgesehen von den anekdotischen Begründungen), dass ein solcher Dienst den Zusammenhalt fördert?

        Viele der älteren Leute, die nun einen solchen Dienst befürworten, haben Wehr-/Zivildienst gemacht. Hat dies den gesellschaftlichen Zusammenhang wirklich nachhaltig gestärkt? Ich bin mir da nicht so sicher. Jedenfalls kann ich momentan nicht erkennen, dass ausschließlich die jüngeren Leute unter dreißig das Hauptproblem bei dem derzeit fehlenden gesellschaftlichen Zusammenhang darstellen.

        Abgesehen davon: Mir gefällt es (wie Benedikt) auch nicht, dass es die Älteren sind, die einen Dienst für die anderen fordern. Warum diskutiert man nicht einen Dienst für alle einzuführen? Drei Wochen pro Jahr unabhängig vom Alter, oder sechs Wochen alle zwei Jahre… das kann man sicherlich noch mit einem normalen Job irgendwie vereinbaren. Dann kann jeder was zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen, unabhängig vom Alter!

  39. Moin,

    zum Thema Dienstwagenregelung für E-Autos: leider sind davon auch die (Plugin) Hybride betroffen, d.h. die “goßen” Dienstwagen mit elekrtounterstüzung für die ersten 10 km und laden über den Verbrenner. Das kann man nicht wirklich als gute Idee bezeichnen. Für reine E-Autos wäre das super, so ist das eher ein Placebo, da es dafacto nichts an der Nutzung oder Verbreitung von Verbrennern ändert.

    • Genau. Man subventioniert damit sowas wie den Porsche Cayenne E-Hybrid, mit dem auf der Überholspur locker auf > 15 Liter Verbrauch kommt.

      Hintergrund ist natürlich das beschränkte Angebot an deutschen E-Autos und das Interesse an Wirtschaftsförderung für die heimischen Industrie.

    • Tatsächlich eine spannende und relevante Info an der Stelle. Schade, dass das im Podcast untergegangen ist.