LdN101 Italien-Wahl, BAMF, SPD nahe AfD, Plastik-Verbot, Nordkorea-Krise, Hitzacker

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Foto: sipgate

Auch diese Woche gibt es eine Lage Live, jedoch nicht aus Berlin, sondern aus Düsseldorf. Vielen Dank an alle, die dabei waren!

Begrüßung

Italien-Wahl

BAMF

SPD nahe AfD 

Abgasskandal

Plastik-Verbot 

Nordkorea-Krise 

Hitzacker 

Hausmitteilung 

171 Kommentare

  1. 9. Juni 2018 um 14:53 Uhr
    Thomas Anderson

    Das ist zwar ein Nazi-AFD-Argument, aber seit doch mal ein wenig weniger freizügig mit der Nazi-Keule. Es ist ein Nazi-AFD-Fake-News-Mythos, dass es Linke gibt die fordern, dass Deutschland alle aufnehmen soll die herkommen wollen?
    Die Linke schreibt auf ihrer Themenseite Flucht “Wir unterstützen die Forderungen nach einem sofortigen Stopp der Abschiebungen und nach einem Bleiberecht für alle.”

    Wenn die SPD wenigstens innerhalb des Themas “Migration” linke/SPD Schwerpunkte setzen würde, dann wäre schon einiges gewonnen. Man könnte ja darauf hinweisen, dass das Unionsgeführte Innenministerium versagt hat den “Ansturm” zu bewältigen, weil das Unionsgeführte Finanzministerium die öffentliche Verwaltung handlungsunfähig gespart hat.

    Oder man nutzt das ganze mal, um die unsägliche Vermischung von Migration und Asyl aufzuheben und drängt auf ein SPD-nahes Einwanderungsgesetz.

    Aber naja, SPD halt…

    Lage Live find ich gut.

  2. Beim Thema Plastik überseht Ihr etwas, was leider immer wieder in den Medien durcheinandergebracht wird: Deutschland trägt zu dem Plastik-Problem in den Meeren durch mikroplastikbelastetes Abwasser bei, nicht durch Produkte aus Plastik wie z.B. Plastiktüten. Deutscher Plastikmüll wird natürlich nicht im Meer entsorgt!

  3. Betrifft: Lage-Live

    Ich habe gestaunt wie wenig störend das ist. Livesendungen/Konzertmitschnitte u.ä. stören mich sonst eher. Hier fühle ich mich gar nicht gestört.
    Viel Spaß heute abend.
    St aus Le

  4. Als Podcast-Hörer finde ich die Live-Lagen auch eher anstrengend: Der Versuch, aus den ernsten Themen einen Witz zu schlagen, geht meines Erachtens oft genug daneben. Der Begriff Klamauk (nicht im positiven Sinne) ist da meines Erachtens durchaus treffend, und etwas weniger konzentriert wirkt ihr stellenweise auch. In Summe sind die Sendungen immer noch informativ, aber wenn meine erste Folge eine Lage Live gewesen wäre, würde ich euch heute wohl nicht regelmäßig hören.

    Es wurde ja schon darauf hingewiesen, dass die “thermische Verwertung” von Kunststoff nicht so schlimm sein muss, wenn als Alternative direkt Erdöl verbrannt würde. Natürlich hat man dann zusätzlich den Energieaufwand für die Produktion von Kunststoff und -produkten, aber immerhin landet das Zeug auch nicht im Meer. Eine seriöse Betrachtung der Gesamtbilanz finde ich auf die Schnelle nicht, wäre aber mal interessant.

  5. Hi zusammen,
    vorweg erstmal tolle Sendung.

    Ich habe nur eine kleine Randnotiz zu machen zum Thema ‘Verwendung des Prozent Begriffes’.
    In mehreren Sendungen, wie auch in dieser, ist mir aufgefallen, dass bei Euch einiges durcheinander geht bei der Verwendung des Begriffes ‘Prozent’ und ‘Prozentpunkte’ (Thema BAMF-Skandal).
    Wenn Ihr uns Zuhören mit Fakten beschreibt, was die Lage ist, dann ist eine richtige Verwendung dieser Begriffe allerdings essenziell!
    Falls ihr ein wenig Zeit vor der nächsten Sendung habt, dann wäre es super wenn ihr euch kurz den Wikipedia Artikel dazu durchlesen könnt, damit beim Hörer auch die richtigen Zahlen ankommen.

    Einfach gesagt ist es folgendermaßen:
    “Wenn sich ein Prozentsatz ändert, kann man die Größe der Änderung in Prozent oder in Prozentpunkten angeben. Bildet man einfach die Differenz der beiden Prozentsätze, so erhält man die Änderung in Prozentpunkten (nicht in Prozent!).” (Quelle: Serlo.org)

    Wenn ihr also sagt, dass die Zulassungsquote in Bremen 20 Prozent höher war als im Bundesschnitt, dann ist das etwas völlig anderes als 20 Prozentpunkte.
    Beispiel:
    Es liegen 100 Asylanträge
    Normalerweise werden 10% akzeptiert
    –> 10 Genehmigungen
    Ist nun der Wert 20 Prozentpunkte höher, dann liegen
    –>30 Genehmigungen vor (Weil es sich nun um 30% Akzeptanzquote handelt)
    Ist der Wert 20% höher, dann liegen
    –>12 Genehmigungen vor (20% Zuwachs auf 10 Genehmigungen)

    Liebe Grüße

    Peter

  6. Ich bin kein großer Fan der Lage Live als Podcast. Sowohl akustisch, als auch was eure Stimmung angeht. Finde euer Seriösitäts-Level bei den Studioaufnahmen genau richtig, bei den Livesendungen ist alles fahriger und weniger konzentriert. Ein oder zwei mal im Jahr fände ich es okay, aber wenn jetzt alle paar Folgen sowas kommt, werde ich wahrscheinlich einiges skippen, wie auch zuletzt in euren Sendungen schon. Trotzdem finde ich, das ihr alle Live-Sendungen auch im Podcast anbieten solltet. Wenn das jetzt ein Teil eures Formats ist, ist es eben so.

  7. Hallo zusammen, mal eine etwas allgemeinere Frage: bin am Freitag auch mit meinem Bruder zur Lage-Live in Leipzig zugegen. Auf dem Ticket steht 8 Uhr. Ich vermute mal ganz stark, 8 Uhr markiert schon den Beginn, oder liege ich die falsch. Wann sollte man vor Ort sein? um 7/halb 8? Und nein, ich möchte nicht in der ersten Reihe sitzen :D

    • Hey, mich würde es auch interessieren. Ich fahre direkt nach der Arbeit von Berlin nach Leipzig und ich wollte mich erkundigen, wie es gehandhabt wird, sollte ich mich verspäten.

    • 8. Juni 2018 um 17:51 Uhr
      Matthias Rathje

      Aus meiner Erfahrung: Wenn du nicht in der ersten Reihe sitzen musst (geht übrigens auch gar nicht, da sitze ich schon), reicht fünf vor acht auf der Türmatte.
      Gruß
      Matthias Rathje

  8. Hey ich weiß nicht mehr den genauen Wortlaut, aber das Thema war bezogen auf Ärzte und Krankschreibungen, da wollte ich nur einmal anmerken, dass man in Dänemark keine Krankschreibung vom Arzt braucht um sich krank zu melden :D

    • In Dänemark gibt es aber auch keinen Kündigungsschutz. Das dürfte disziplinierend wirken.

  9. BAMF, Weise, Zahlenfixierung

    Die Ausrichtung auf Quantität, auf Zahlen hatte Weise ja auch schon in den Agenturen für Arbeit und Jobcentern eingeführt. Ich arbeite selbst in einem Jobcenter und bekomme es aktuell wieder mit, dass extrem viele Eintritte in Maßnahmen und Weiterbildungen gefordert werden. Die Qualität und Sinnhaftigkeit steht dabei nicht nur nicht im Fokus, sondern ist quasi egal. Hauptsache, man schickt als Vermittler z.B. mind. 3 Menschen pro Woche in eine Weiterbildung. Irsinnig.

    Also, Weiterbildung ist grundsätzlich gut. Aber dann muss es für den Kunden und arbeitsmarktlich auch passen. Diese Kriterien sind aber irrelevant.

    Gleiches gilt bei den Terminen. Hier ist nicht wichtig, dass man den Kunden gut berät, sich Zeit nimmt und versucht, möglichst individuell auf den Kunden einzugehen. Nein, auch hier wieder Zahlen, Quantität. Mind. X Termine pro Tag. Von vornherein Absagen und nicht wahrgenommene Termine einplanen und den eigenen Kalender überbuchen. Ein Wahnsinn.

    Das ist doof für die Kunden, doof für die Vermittler, die unter einem enormen Druck stehen und doof für die Steuerzahler.

  10. Also die Lage live finde ich zur Abwechslung total angenehm, der Witz mit dem Glasstrohalm grandios!

  11. Ich finde die Lage live ebenfalls als auch “Zuhause-Hörer” (bzw. “Im-Auto-Hörer”) klasse. Bezüglich des Informationsgehalt und der Sachlichkeit kann ich kein negatives Abweichen im Vergleich zu Lagen aus dem Studio feststellen; ich fühle mich hinterher genauso gut informiert. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass ich zusätzlich mehr gelacht habe, denn dass die Lage live etwas lockerer gestaltet ist und man euren Humor stärker spürt, ist zutreffend. Dies geht aber keineswegs auf Kosten der von euch vermittelten Infos und führt nicht dazu, dass ich die Lage dann auf einmal als “unseriös” empfinden würde.

  12. Hallo Ihr beiden,
    nachdem Ihr in der Sendung nach ehrlichem Feedback zur Lage-Live gefragt habt schreibe ich Euch gerne.
    Mein Eindruck ist, dass bei der Lage-Live-Aufnahmesituation die Gesprächskultur etwas leidet und ihr beiden Euch eher unterbrecht und ins Wort fallt. Das finde ich als Hörer etwas anstrengender. Von daher finde ich die geplante Selbstbeschränkung auf ca. 8 Wochen gut.
    Dass es das Format Lage-Live gibt finde ich grundsätzlich gut, denn so besteht auch für mich mal die Möglichkeit Euch live zu sehen, falls es Euch mal in meine Region verschlägt.

    Danke auf jeden Fall für die vielen Stunden qualitativen Journalismus und gepflegter Diskussionskultur, die mich auf meinen Wegen zu Fuss und in der Bahn begleiten.

  13. Also ich finde die Lage live ist auch gut im Auto zu hören. Über umfallende Bierflaschen im Hintergrund muss ich schmunzeln und ärgere mich jedes Mal das ich nicht live dabei war. Von mir aus gerne weiter so.

  14. Hätte Italien von 2008 (Beginn der Eurokrise) bis heute kein Null-Wachstum, sondern ein normales Wirtschaftswachstum von 2,0% vermelden können, würde es heute keine Staatsschuldenquote von 133%, sondern eine Quote von 102% aufweisen und damit seinen „Konsolidierungskurs“ fortsetzen, der um die Jahrtausendwende herum begann. Italien hat kein Schulden-, sondern ein Wachstumsproblem.

    Wenn ein Staat seine Schulden tatsächlich real abbaut und die Wirtschaft schneller schrumpft als die Gesamtverschuldung, dann steigt(!) am Ende die Staatsschuldenquote. Genau dieses Szenario droht Italien und es ist löblich, dass die dortigen „Populisten“ dieses Spiel nicht mitmachen wollen. Der Königsweg aus dieser Krise ist: Wachstum, Wachstum, Wachstum. Selbst wenn die „Populisten“ im Hubschrauber über Rom fliegen und dort „unser“ Geld aus dem Fenster werfen, ist dies – rein ökonomisch betrachtet – sinnvoller, als wenn sie die „Sparvorgaben“ aus Berlin und Brüssel 1:1 umsetzen. Aber das werden wohl weder unsere Politik noch unsere Qualitätsjournalisten jemals verstehen.

  15. LEDs und Plastikmüll

    Ihr wart mir hier zu unkritisch / unhinterfragt:
    – LEDs – so schön praktisch sie sind, so früh fallen einige leider inzwischen aus (aber das ist eine neue Geschichte). Dabei fällt jede Menge Kunststoff, Metall und Sondermüll an. Während die alte Glühbirne mit Glas und Metall eher leicht zu recyclen war.
    Den Aufschrei gab es Durchaus beim Verbot der Glühbirne. Den Großen Produzenten war das eher egal: LEDs kosten ein Vielfaches und wenn sie nur 20% der 100.000h halten – wer wird sie zurückbringen?

    Plastikgeschirr: diese Diskussion fand ich etwas “kurz recherchiert”. Wieviel Plastik fällt insgesamt an? Und da fängt man beim Wegwerfgeschirr an? Wurde uns nicht einmal mit dem Grünen Punkt ein Recycling versprochen (zwecks Umwelt und so), das wir auch mit jedem Produkt bezahlen?
    Kommt der Aufstand nicht eher aus der Richtung der Entsorgung, weil unsere Chinesischen Freunde jetzt keinen Plasikmüll mehr von uns wollen (wieso verschippern wir überhaupt Müll über die Weltmeere) – das wären die Fragen, die ich von Euch wenigstens angeteasert hätte sehen wollen!

    • “Wurde uns nicht einmal mit dem Grünen Punkt ein Recycling versprochen”

      Beim grünen Punkt ging es noch nie um Recycling. Da ging es schon immer nur darum, dass die Hersteller die Entsorgung bezahlen…

  16. Hallo,

    ich höre sehr gern Euren Podcast und finde auch die Live Podcasts ganz erfrischend.

    Zum Thema Hitzacker wollte ich noch sagen, dass es schon einen Unterschied macht, ob jetzt 60 Nazi vor der Haustür demonstrieren oder 60 Linke.

    Es gibt laut BKA 75 Todesopfer rechter Gewalttaten seit 1989 ( https://de.wikipedia.org/wiki/Todesopfer_rechtsextremer_Gewalt_in_der_Bundesrepublik_Deutschland ) wohin gegen Todesopfer linker Gewalttaten nicht bekannt sind.

    Auch inhaltlich unterscheiden sich doch rechtes und linkes Gedankengut erheblich voneinander. Wenn die einen sich zwischen wertem und unwertem Leben aufgrund von Herkunft, Sexualität oder Religion unterscheiden, geht es bei den anderen doch um Vielfalt und Inclusion.

    Deswegen finde ich diese vereinfachte Darstellungsweise Nazi=Linke doch etwas kurzsichtig,

    • Die Zeit nach der RAF genommen und schon hat linke Gewalt 30 Tote weniger zu verbuchen. So einfach lügt man mit Statistiken.

    • Achso, also sind Linksradikale wie RAF (Vergangenheit) und gewisse Teile der Antifa, die politsch anders denkende zusammenschlagen (heute), keine Gefahr – denn am Ende geht es ja um die “gute Sache”? Der Zweck heiligt die Mittel, auch wenn dabei Menschen umkommen oder zu Schaden kommen?

      Bitte setzen Sie doch die rosarote Brille ab und gestehen sie ein, dass es auch gefährliche radikale Linke gibt. Beispiele gibt es dazu genug.

      Im Fall Hitzacker handelt sich zwar wohl eher nicht um Linksradikale, aber auch dort haben die Betroffenen ein Recht auf ein Gefühl von Sicherheit. 60 zum Teil Maskierte direkt vor ihrem Wohnhaus – ich glaube den Meisten ist es da im ersten Moment gleich, ob das von Rechts oder Links kommt.

      • Ich verstehe Anjas Kommentar eher so, dass bei Linksextremisten die Ziele gut sind (gerechtere Welt, kein Faschismus, …), nur das Mittel der Gewalt natürlich zu missbilligen, während bei Nazis alles verwerflich ist (Ziele UND Mittel). Das würde ich durchaus unterschreiben, und deswegen finde ich persönlich Nazis auch wesentlich „schlimmer“. Dass der Zweck die Mittel heilige hat Anja nicht geschrieben.

      • Naja, da betreibst Du, lieber Ulf, aber ziemliche Rosinenpickerei.

        Was ist denn mit Zielen wie der Abschaffung von Besitz und Staaten? Sind die auch “gut”?

        Ein grundlegendes Ziel von Rechtsradikalen ist sicherlich Ordnung und Struktur. Ist das jetzt “schlecht”?

        Die moralische Bewertung von Zielen ist in meinen Augen viel zu abstrakt und nutzlos.

        Wenn der Linksradikale die Ungerechtigkeit bekämpft indem er VW Polos anzündet oder Vertreter der “besitzenden Klasse” erschießt ist das genauso verwerflich, wie der Rechte, der Menschen zusammenschlägt, die nicht seinem Hautfarbenideal entsprechen.

        Die Diskussion über vermeintliche Ziele nützt in der Praxis gar nichts und ist darüber hinaus bei Sammelbecken wie Rechts- und Linksradikalismus gar nicht klar zu führen.

      • Stimme da Chri voll und ganz zu. Die Einschätzung, dass bei Linksextremisten die Ziele doch gut seien kann man so oder so bewerten. Denn es sind normative Fragen.

        Am besten aber sollte man es differenziert betrachten. Gerechte Welt und kein Faschismus kann man Auch Linksextremen zu gute halten. Es sind aber keine exklusiven Eigenschaften von Linksextremen. Gleichzeitig wird dort zum Beispiel teilweise die Abschaffung von Privateigentum gefordert. Das würde wohl eine große Mehrheit nicht als “gut” order erstrebenswert erachten.

        Und Anjas Kommentar stellt leider die Zweck-Mittel-Relation her, wenn sie die Todesopfer rechter Gewalt anführt. Dies ist an sich richtig, stellt aber nicht die ganze Wahrheit dar. Darauf bezog sich meine Kritik. Denn es ist einfach nicht richtig, dass Linksextremismus friedfertig ist und keine Todesopfer zu beklagen hat.

        Man sollte sich gegen jede Art von Extremismus stellen – rechts und links.

  17. Lieber Ulf, lieber Philipp,
    vielen Dank für eure informative und unterhaltsame Sendung! Gerade die letzte Folge fand ich mal wieder sehr gelungen und ausgewogen.
    Zur Frage Lage live oder nicht: Ich teile Philipps Einschätzung, dass ihr in leicht anderer Haltung sprecht, bspw. nehmt ihr euch mehr Zeit zum Aufbau für Pointen (z.B. als ihr zum Hitzacker-Artikel der Welt hingeleitet habt), redet auch schneller… Ich persönlich mag das aber und freue ich, wenn es alle paar Wochen eine Lage live gibt; in Leipzig werde ich selbst mal dabei sein. Ich kann mir vorstellen, dass es durch die veränderte Kommunikationssituation bei der Lage live zu einer kleinen narzisstischen Kränkung der Zuhörer zuhause kommt, da sie euch halbbewusst vorwerfen, nicht mehr primär mit ihnen, sondern mit dem Saalpublikum zu sprechen. Das könnte als Abwertung rüberkommen und zu Neid führen. Bin allerdings kein Psychologe.
    Liebe Grüße,
    Robin

  18. zum Thema Lage Live, nervig oder nicht:

    mir persönlich ist das absolut egal und bis zur Thematisierung in dieser Folge überhaupt nicht aufgefallen. Ich finde es schön, dass ihr so kreativ seid, dass ihr das Potential nutzt und auch die Nähe zu euren Hörern sucht.
    Natürlich kann man als Hörer Präferenzen haben. Manche Stimmen findet man angenehm, manche nicht. Die Kritik an den Live-Sendungen finde ich persönlich allerdings langweilig. Man sollte seine Energie lieber anderweitig nutzen, als sich über so etwas zu ‘ärgern’.

  19. Ich bin erst vor kurzem auf Euch aufmerksam geworden. Seitdem höre ich Euch, wo immer ich kann! Donnerstag bin ich mit meinem Sohn 1000km nach Montpellier gefahren, und wir haben praktisch ununterbrochen die “Lage” gehört! Unglaublich, wie Ulf juristische Themen, die mich schon immer interessiert haben, erklärt (Auslieferung Puigdemont, Musterfeststellungsklage, Dashcam, Kruzifix etc..). Auch Eure Ausgewogenheit und Besonnenheit (BAMF-“Skandal”) beeindruckt mich schwer. Wirklich toll! Vielen Dank!

  20. Hej!
    Ich hör die Lage immer aus Schweden, wo ich seit 10 Jahren lebe. Live-Lagen sind meiner Ansicht nach den anderen Lagen keinerweise unterlegen! Macht Spass!
    Euer “Beleuchten” unterschiedlicher Zusammenhänge ist sehr wertvoll, vor allem auch weil ich in der Politik sehr viele Parallelen mit dem Geschehen in Schweden sehe. Heute nun, kam die BAMF nun auch mit Pauken und Trompeten in die schwedischen Nachrichten. Mit eurem Beitrag dazu helft ihr mir die Nachricht in der Diskussion mit den Schweden etwas klarer darzustellen!
    Hier werden im September Wahlen durchgeführt, heute kam eine grosse Parteiensympatiemessung heraus, aus der nochmal klar hervorgeht, dass die sich die Sozialdemokraten (Regierungsstellung mit den Grünen) weiter auf dem absteigenden Ast befinden, während die Schwedendemokraten (vergleichbar mit der AfD oder vielleicht noch schlimmer) den 20% furchtbar nahe sind…
    Bis bald aus Schweden
    Tanja

  21. Eine kleine Anmerkung für Philipp: der US-Handelsminister heißt Wilbur Ross. Sigur Ros ist eine isländische Band ;)

  22. Wendland , eine Fahne von einer Organisation die Anschläge auf Menschen verübt in einem linksautonomen Zentrum.
    Heftige Verletzungen des Hausfriendens eines Beamten.
    Eure Reaktionen: linksliberale Abwertung von Fakten.
    Schade!
    Es zeigt sich wieder einmal wie schwer es ist objektiv zu bleiben wenn man involviert ist.
    Das Potest, um Wirksam zu sein, sich auch mal über Gesetzte hinwegsetzt ist in Ordnung- Er darf sich aber niemals persönlich gegen einen Menschen richten.
    Was ihr in der Sendung gemacht habt ist eine Menschrechtsverletzung durch die Demonstran zu verniedlichen.
    Das erste Mal das ich eine Lage Doof gefunden habe—Jugendgefährdend!

    Bessert euch!

    • Jawohl, Herr Oberlehrer, wir geloben Besserung ;)

      Nee, ganz sicher nicht. Einen obrigkeitshörigen Podcast, der sich vor dem segensreichen Wirken der Staatsmacht nur noch huldvoll verneigt, braucht nun wirklich niemand. Wir werden auch weiterhin genau das vertreten, was wir für richtig halten.

      Zum Fall: Ihr Kommentar entfernt sich weit vom realen Geschehen. Es wurde gerade kein Hausfrieden gestört, weil die Demo auf öffentlichem Straßenland stattfand. Da von einer Menschenrechtsverletzung zu sprechen zeigt ein erschütterndes (Nicht-)Verständnis der Demonstrationsfreiheit. Der Protest hat sich auch nicht über Gesetze hinweggesetzt. Dass wir es trotzdem politisch falsch finden, vor Privatwohnungen zu demonstrieren, haben wir ja deutlich gemacht. Andererseits muss man sehen, dass der Beamte jedenfalls nach Ansicht der Demonstranten sein Amt für politische Verfolgungen missbraucht. Da verschieben sich dann möglicherweise auch auf der anderen Seite die Maßstäbe – wobei wie gesagt selbst nach der Polizei-PM vor Ort keine Straftaten begangen wurden.

      Wenn in dem Fall Menschenrechte verletzt wurden, dann von den Demonstranten, als sie bei ihrer Festnahme von den Beamten teils erheblich misshandelt wurden. Das haben wir aber nicht mal diskutiert, weil es uns diesmal um den Punkt “Medien-Berichterstattung” ging, nicht um sinnlose Polizeigewalt.

  23. Hallo ihr zwei!

    Feedback zur Lage-Live: Mir gefallen die Live-Sendungen mittlerweile wesentlich besser als die normalen Sendungen. Ich bin Hörer der ersten Stunde und mir ist schon aufgefallen dass ihr zunehmend damit beschäftigt seid, euch dafür zu entschuldigen wenn ihr eine Meinung vertretet die irgendeinem Hörer nicht gefallen könnte.
    Das macht die ganze Sache ziemlich trocken, nimmt dem ganzen das Persönliche (was für mich Podcasts total ausmacht) und ehrlich gesagt gibt es auch schon genug Formate dieser Art.

    Ich höre die weil ich *eure* Einschätzungen für kompetent und sinnvoll für meine persönliche Meinungsbildung halte, nicht weil es zu wenig Nachrichtensendungen gibt ;)

  24. Hallo ihr beiden,

    wie schon die meisten anderen Kommentatoren schrieben, hört man den Unterschied deutlich. Die Polemik geht mir bei LiveLagen häufig zu weit (insbesondere Philipp lässt sich manchmal nicht einfangen ;) ).

    Was ich bei LiveLagen (und generell) jedoch besonders vermisse, sind Interviews. Das hattet ihr früher gefühlt deutlich mehr und die waren fast immer gut.

    Schön, dass ihr die Community fragt! Aber ob mit Live oder ohne: habe ich euch seit Folge 1 die Treue gehalten und werde das auch weiterhin tun.

  25. Zum Thema Müllverbrennung noch zwei Zahlen:

    Menge an jährlich anfallendem Plastikmüll in Deutschland pro Kopf und Jahr -> 37 kg

    Menge an verbrannter Kohle umgerechnet auf “Erdöläquivalent” in Deutschland pro Kopf und Jahr -> fast 1000 kg

    Jedes Jahr wird für den durchschnittlichen Deutschen also fast 30 mal soviel Kohle verfeuert (dazu kommt noch Erdgas und Erdöl), wie insgesamt überhaupt an Plastikmüll anfällt. Ich habe daher null Probleme mit Müllverbrennung. Ich würde mir nur wünschen, dass wir Erdöl und Kohle erst dann verbrennen, nachdem wir daraus zunächst nützliche Gegenstände hergestellt haben.

  26. Hallo, ich bin im Normalfall ein stiller Zuhörer, jetzt möchte ich dennoch einen kurzen Kommentar zum Thema “Lage Live – nervig oder kein Problem” loswerden.

    Ich fand es spannend zu hören, dass Ulf und Phillip bei der Diskussion um “wollen wir mehr Lage-Live” machen oder stört das in die gleiche Falle tappen, wie sie der Regierung im Umgang mit der AfD bescheinigen – Sprich: Auf das Feedback einiger weniger Hörer zu reagieren und danach ihren Sendeplan umzuwerfen überdenken.

    Die Entscheidung ob und wie das Sendekonzept geändert werden soll sollte doch nicht nur von 5-10 Beschwerden abhängen, sondern wenn, dann auf einer breit angelegten Umfrage der Hörer basieren, falls dies überhaupt ein Thema ist.

    Ansonsten Danke für die wöchentliche Lage, macht so weiter!

    Grüße Steffen

  27. Ich habe gelernt: Phillip trinkt Aperol Spritz.

    :\

    • (Dieser Kommentar hat nichts mit dem obigen zu tun)
      Hallo,
      ich möchte doch gerne mal Kritik üben. Die Herleitung von Augstein, dass die schweigende Mehrheit nichts gegen eine weitere Aufnahme von Flüchtlingen hat und dies aus der Zahl der Demonstrierenden ableitet, hat einen massiven Denkfehler und ist methodisch falsch. Diese Demonstration ist für diese Frage sicher nicht repräsentativ. Denn man könnte es auch so interpretieren, dass die schweigende Mehrheit – die laut Umfrage zu 3/4 ja meint, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört – eben schweigt, weil sie nicht als Nazi beschimpft werden möchte, aber mittlerweile auch massiv gegen Flüchtlinge ist. Die schweigende Mehrheit einfach automatisch zu denen zu rechnen, die noch mehr Flüchtlinge haben wollen, kann so nicht stehen gelassen werden. Damit macht man diese Menschen nur zum Mittel der eigenen (linken) Ideologie.

      Der andere Punkt, dass der BAMF-Skandal ja nicht so wichtig sei und er nur unnötig Arbeit mache, ist ebenso skandalös. Es kann doch nicht sein, dass massive Korruption so klein geredet wird. Wen um alles in der Welt wundert da noch die Zustimmung zur AfD? Es ist doch absolut lächerlich. Wenn die Leute so mit diesen Problemen umgehen, wundert es mich absolut nicht, dass von “Asylindustrie” und sonstigen Verschwörungen gesprochen wird. Mit einem solchen Umgang finde ich die Reaktion absolut nachvollziehbar!

      • Dieser Kommentar entfernt sich meiner Meinung nach in beiden Punkten von der Realität:

        Zum einen wollen die wenigsten „Linken“ mehr Flüchtlinge ins Land lassen; das scheint mir eine typische Diffamierung aus dem AfD-Milieu zu sein: Man schiebt dem politischen Gegner irgendwas unter, um sich daran abzuarbeiten. Der kleinste gemeinsame Nenner von SPD, Linken und Grünen scheint mir vielmehr zu sein, dass Hass gegen Menschen, die schon im Land sind, jedenfalls nicht o.k. ist, egal woher sie stammen. Wie viel Migration man zulassen will ist hingegen bei allen drei Parteien heiß umkämpft.

        Zum anderen kommt mir die Bemerkung zum Thema Bremen so vor, als hätte da jemand die Lage überhaupt nicht gehört: Wir haben nie gefordert, den Vorfall nicht aufzuklären. Wir haben nur gesagt: Das ist vergleichsweise wenig relevant angesichts der Fallzahlen dieser Behörde, zumal es rechnerisch um vielleicht 400 oder 500 tatsächlich unberechtigte Bewilligungen geht, während auf der anderen Seite 30.000 negative Bescheide von den Gerichten kassiert wurden. Außerdem weiß ja noch niemand, ob es sich überhaupt um Korruption handelt. Selbst die Staatsanwaltschaft ermittelt nur, hält aber Mitmenschlichkeit ebenfalls für ein denkbares Motiv.

  28. Erst einmal mein herzliches Dankeschön an euch beiden, ob normale Lage oder Lage live, ihr gehört zu meinem wöchentlichen Alltag!

    Ich störe mich nicht an der Soundqualität der Liveausgaben, die Qualität ist trotzdem super.
    Was mir allerdings in letzter Zeit aufgefallen ist, ist, dass ihr es meiner Meinung nach in den Liveausgaben manchmal doch ein bisschen übertreibt mit der Polemik. Dass ist mir Ende Februar/Anfang März schon (negativ) aufgefallen, hatte damals allerdings nicht daran gedacht, das mal zu kommentieren.

    Nun ein völlig anderes Thema an dieser Stelle. Ich habe mich schon mehrmals gefragt, ob es eigentlich auch ein englischsprachiges Pendant zu der Lage gibt? Ich hatte mal in Freundeskreisen rumgefragt, da war die Suche aber eher ernüchternd. Es geht gar nicht darum, dass ich Lage-Fremdgänger werden möchte, sondern dass ich englischsprachige Bekannte gerne in einen ähnlichen Genuss kommen lassen möchte, wie ich es wöchentlich tue.

    • Ein englischsprachiger Podcast zur Lage in Deutschland?

    • Hi Ulf, hi Philip,

      erstmal dickes Lob für Euren Podcast, ich höre ihn wirklich gerne und freue mich jede Woche darauf!

      Ich möchte mich Yannick hier anschließen was Live-Episoden angeht.

      In den normalen Folgen stört es mich manchmal schon, dass ihr einseitig polemisch und für mein Empfingen oft nicht besonders objektiv seid , aber vielleicht kann und darf man das auch nicht erwarten.

      Beispiel: Die Pannen im BAMF Bremen werden von Ulf damit abgetan, dass es sich ja schließlich auch um eine Ausnahmesituation gehandelt habe und man wisse ja gar nicht, ob die Anträge nicht eh alle positiv beschieden worden wären. Das ist für mein Empfinden aber gar nicht der Punkt. Vielmehr geht es doch darum, dass so etwas nicht passieren darf in einer Behörde, da die Bürger sonst das Vertrauen in den Staat verlieren (gerade bei diesem heiklen Thema). Folglich ist hier eine 100%ige Aufklärung und ausgiebige Prüfung angebracht, und zwar sowohl der lokalen Geschehnisse als insbesondere auch der offenbar fehlenden Kontrollmechanismen des BAMF Bund. Ich finde es problematisch, dass ihr solche Probleme pauschal damit wegwischt oder entschuldigt, dass es eine “Ausnahmesituation” war oder die meisten der Menschen ja eh einen positiven Bescheid bekommen hätten (und um das klar zu stellen: ich würde das genau so sehen, wenn die 1.400 Fälle ungerechtfertigt und ohne Prüfung abgelehnt worden wären). Vor einiger Zeit hattet ihr das BAMF im Podcast noch ausgiebig gelobt für die tolle Abarbeitung der Fälle und berichtet, da würde tolle und saubere Arbeit geleistet. Ich hätte mir daher gewünscht, ihr hättet Eure Aussagen von damals an der Stelle aufgegriffen und relativiert (“vielleicht war uns Urteil damals voreilig”) und über die aktuelle Problematik etwas objektiver, unpolemischer und weniger “links” berichtet.

      Wie dem auch sei. Mein eigentlicher Punkt: In Live-Episoden (wie der letzten) wird das oben beschriebene Problem auf jeden Fall deutlich verstärkt und die Polemik nimmt stark zu. Man hat etwas den Eindruck, dass ihr dem Publikum vor Ort etwas bieten wollt für Geld und das macht man vermutlich, in dem man ihnen das sagt was sie hören wollen. So ähnlich sagt es Philip ja auch am Ende der letzten Folge, von daher versteht ihr glaube ich, was ich meine.

      Long story short: ich würde mich aus diesem Grund über weniger Live-Episoden freuen und auch darüber, wenn ihr durch die Beiträge hier etwas sensibilisiert seid und euch dadurch eventuell bei zukünftigen Live-Episoden zu weniger Polemik und “crowd pleasing” hinreißen lasst. Die Soundqualität der Live-Episoden finde ich erstaunlich gut, da seid ihr mE top.

      Sonst weiter so!

      Grüße
      Christian

    • @Yannic zur Frage nach guten Englischsprachigen Podcasts. Ein direktes Pendant zur Lage ist mir jetzt nicht bekannt. Aber folgende Podcasts kann ich trotzdem empfehlen:

      – zu EU Themen: EU Confidential von Politico Europe. Ist aber teilweise schon sehr Brussels Bubble, aber bietet immer aktuelle Einblicke in europäische Politik in Brüssel.

      – zu Außenpolitik: The E.R. von Foreign Policy Magazine. Eher US-bezogen, aber bietet trotzdem gute Informationen zu aktuellen Themen der Außenpolitik.

      • ich höre noch the daily (new york times), pod save america, beides auf ursprüngliche empfehlungen von philip gefunden, und ab und zu the long read (guardian)

  29. Zu Lage Live:

    Ich finde die Lage Live folgen erfrischend, weil sie eben manchmal etwas lockerer sind. Das ist genau die richtige Abwechslung nach 2-3, etwas „ernsteren“ Folgen. Dabei ist das überhaupt nicht negativ gemeint. Ihr seid, nur zu zweit, etwas konzentrierter und lasst euch für so manche Themen etwas mehr Zeit, oder diskutiert mehr.

    Ob nur alle 8 Wochen eine Lage Live – das müsst ihr herausfinden. Vielleicht ist eine 1/4 Mischung, maximal, ganz gut. Wie gesagt, ich empfinde es eher als eine lockere Abwechslung, als störend.

    • Besser hätte ich’s nicht sagen können. Das sehe ich ganz genau so. :)

      • Vielleicht fehlt mir das Feingefühl. Ich merke was die Themen angeht keinen Unterschied ob Lage live oder aus dem Studio. Das Lachen im Hintergrund bei der Lage live stört mich persönlich nicht. Von mir aus einfach so weitermachen wie bisher.

    • Dito!
      Besser könnte ich es auch nicht sagen.
      Macht weiter so! Ein wenig Sarkasmus lockert diese ernsten Themen schön auf.
      Ich würde mir sogar mehr Live Sendungen wünschen.

      Ob Live oder Studio der einzige Nachteil eures Podcasts ist das er bei mir den Frust über die Politik leider vergrößert.
      Vielleicht wären mehr positive Nachrichten nicht schlecht.
      Etwas das unsere Politiker mal gut umgesetzt haben. Aber vermutlich gibt es davon zu wenig :-(

  30. Strohhalme in der EU verbieten und darauf hoffen, dass das Plastik im Meer verschwindet kommt mir persönlich ein wenig utopisch vor. Gerade in Europa und insbesondere Deutschland vermute ich, dass wenig von unserem Einmal-Consumer-Plastikmüll es ins Meer schafft.

    Zumindest beim Great Pacific Garbage Patch im Meer, der mit seinen Geschwistern ja praktisch immer im Kontext dieses Verbotes als Argument angeführt wird (so auch in dieser Sendung), sehe ich mich da nach kurzem Googeln zumindest mal nicht wiederlegt. Unter den ersten Treffern ist ein National Geographic Artikel der auf eine recht aktuelle Studie verweist die den Patch untersucht hat (Artikel: https://news.nationalgeographic.com/2018/03/great-pacific-garbage-patch-plastics-environment/ Studie: https://www.nature.com/articles/s41598-018-22939-w). Der Hauptteil besteht wohl aus Netzen aus der Fischerrei (alleine 46%) und anderem Gerät aus dem Fischfang (Wikipedia zitiert da auch eine Studie von 2014 die den Anteil davon auf >60% schätzt). 20% sind wohl durch den Tsunami 2011 in Japan eingebracht. 29.8% der Objekte mit lesbarem Aufdruck waren in Chinesisch.

    Klar ist es immer wünschenswert bei uns weniger potentiell problematischen Müll zu erzeugen. Aber wenn man direkt zu Verboten greift dann wüsste ich schon gerne was das konkret notwendig macht und ob es nicht einen direkteren und/oder effizienteren Weg gibt das Problem anzugehen. Z.B. ob man wegen dem Plastik im Meer nicht eher mal mit den Fischern und diversen nicht EU Ländern reden müsste. Ansonsten hat das immer den Geschmack von politischem Aktionismus dem das wirkliche Problem nicht so wichtig ist. Hauptsache die Aktion ist sichtbar und dem Zuschauer intuitiv.

    Vielleicht gibt es ja wirklich einen guten Grund wieso es genau in diesem Fall ein EU weites Verbot sein muss. In der öffentlichen Diskussion habe ich diesen Grund bisher leider nicht entdecken können. Da landen meine Strohhalme aus dem McDonald’s in Süddeutschland irgendwie immer im Meer und verursachen einen Plastikstrudel der dann irgendwo Schildkröten tötet.

    • Mir fällt in letzter Zeit auch immer wieder unangenehm auf, dass in diesem Podcastformat kausale Zusammenhänge suggeriert werden, die so nicht gegeben sind,. Und dass sich die Sprecher in einer Berlin-Mitte-Blase befinden, was immer wieder abgestritten wird, jedoch am Beitrag zu AFD Demo, und der Sonntagsfrage mal wieder gut sichtbar wird.

      Um eine halbwegs fundierte Meinung zum Plastikverbot und dem Plastik in den Weltmeeren zu bekommen, reich es aus, sich durch den Wiki Artikel zu klicken: https://de.wikipedia.org/wiki/Plastikmüll_in_den_Ozeanen#Herkunft
      Den Artikel hättet ihr doch wenigstens mal überfliegen können, bevor ihr euer Entsetzten über dA ganze Plastik in den Weltmeeren freien Lauf lasst. Das verlangt man von Erstsemestern in den Seminaren, wenn euch eine so oberflächliche Recherche überfordert, solltet ihr mal über eine zusätzliche Qualitätssicherung nachdenken.

      Wiki zusammengefasst: Es ist egal, ob Europa Plastik verbietet oder nicht, absolut egal.
      Aber vermutlich sind die Denkmuster recht eingefahren, wenn man schon mit 10 gegen Kernenergie demonstrieren muss. Da fällt man gerne auf kitschige Ökoromanik a la Greenpeace herein.
      Btw: Fakt am Rande: “Es sterben mehr Menschen durch Solarenergie, als durch Kernenergie”.

      Und zur euren Auseinandersetzung mit der AFD Demo in Berlin:
      Zuerst werden die furchtbar hohen Prozentzahlen der AFD hochgehalten, und dann wird gesagt: In Berlin haben ja 25000 Berliner gegen 5000 AFD Sympathisanten demonstriert. Folglich ist das ganze Migranten-Thema ein Nischenthema, von dem sich die SPD abwenden sollte. Also schließt ihr doch von Berlin auf ganz Deutschland. Wenn das nicht eine Berliner Hipster Blase ist, weiß ich auch nicht. Die 15%, die die AFD in der Sonntagsfrage bekommen hat, habt ihr in eurer Dauerpolemik dann auch nach zwei Sätzen wieder vergessen.
      Zu dem BAMF Thema könnte man ähnliches sagen.

      Ich denke, die Live Shows tun euch nicht gut, und verleiten euch zu stärkerem “virtue signaling” und dazu Lacher abzustauben. Darunter leidet der ganze Podcast.

      • Wiki zusammengefasst: Es ist egal, ob Europa Plastik verbietet oder nicht, absolut egal.

        Nein, da steht das genaue Gegenteil: Auch Europa hat am Plastik in den Weltmeeren einen Anteil von immerhin 5%. Das ist eben nicht “absolut egal” – mal ganz abgesehen davon, dass man auf internationaler Ebene logischerweise nur glaubwürdig gegen Plastikmüll kämpfen kann, wenn man zuerst vor der eigenen Haustür kehrt und praktisch vorlebt, dass eine Welt mit weniger Plastik möglich ist.

        Folglich ist das ganze Migranten-Thema ein Nischenthema, von dem sich die SPD abwenden sollte. Also schließt ihr doch von Berlin auf ganz Deutschland. Wenn das nicht eine Berliner Hipster Blase ist, weiß ich auch nicht. Die 15%, die die AFD in der Sonntagsfrage bekommen hat, habt ihr in eurer Dauerpolemik dann auch nach zwei Sätzen wieder vergessen.

        Diesen Block kann ich logisch nicht nachvollziehen: Wir haben auf die Prozente und die Demo hingewiesen – für die bekanntlich auf beiden Seiten bundesweit mobilisiert wurde – und dann argumentiert: Die AfD bekommt 15% (dank massiver Förderung in der Medien übrigens), und die AfD stellt 5.000 von 30.000 Demonstranten, was lustigerweise knapp 17% sind – also sollte sich die Politik mal lieber um die Anliegen der 85% der Menschen in D kümmern, die keine aufgehetzten Ausländerfeinde sind. Wo ist da die Berliner Bubble? Das sind alles bundesweite Zahlen.

      • @Plastik: Um sich moralisch überlegen zuführen, kann man sich natürlich um die 5% kümmern, großartig etwas ändern wird das nicht.

        @Sonntagsfrage und AFD
        Man kann doch die AFD demo in Berlin nicht mit den Zahlen der Sonntagsfrage vergleichen. Klar können die Gegendemonstranten in Berlin mehr Leute mobilisieren, wer hat denn schon Lust 4 Stunden durch Deutschland zu fahren, um 2h durch Berlin zu laufen.

        Die AFD hat deutschlandweit 15%, das bedeutet aber nicht, dass es nur 15% der Bevölkerung sind, die ein Problem mit der Migrationspolitik haben. Diese 15% haben mit dem “Berlin-Deutschland” schon lange abgeschlossen und sind nur die Spitze des Eisberges. In Berlin mag es sein, dass nur 15% gegen die bisherige Migrationspoitik sind, aber solche Vorbehalte finden sich sicher stark in der CSU und der CDU, auch in der SPD, obwohl die anscheinend alle zur AFD wechseln. Auch bei den Linken und Grünen gibt es Kritiker.
        Das ganze als Randphänomen abzustempeln, das nur groß geworden ist, weil es die AFD gibt, ist falsch. Anders rum wird ein Schuh draus, es gibt die AFD immer noch, weil so viele so unzufrieden sind.

        Und nur weil die Leute nicht in scharenweise zur AFD wandern, heißt das nicht, dass es kein Problem gibt. Das Problem ist, dass 15% der Deutschen anscheinend von der Migrationspolitik mehr angeekelt sind, als von den Gestalten die bei der AFD rumlaufen.

      • Zum Argument “Das bringt doch nix”: Ich verfolge regelmäßig englische und US-amerikanische Medien und dort wird sehr wohl regelmäßig auf andere Länder geschaut und sinngemäß gesagt “Unsere Politiker sagen, das geht nicht – diese Länder beweisen das Gegenteil” bzw. “Wenn die Franzosen/Deutschen/… das können, dann können wir das auch” oder im Extremfall wie z.B. bei der Krankenversicherung: “Wir sind die einzigen, die XYZ nicht haben – wie erbärmlich ist das denn?”

        Umgekehrt habe ich gerade in der Wochendämmerung den Rant von Kathrin gehört, in dem sie sinngemäß gesagt hat “Viele andere Länder machen ModelX und sind damit erfolgreich und wir haben ModelY und damit bescheidene Ergebnisse”

        Selbst in der Industrie gibt es ja sowas wie ein “Proof of Concept” bzw. Modellstudien.

        Lange Rede, kurzer Sinn: Das Argument ist einfach Quatsch und nur eine faule Ausrede um sich aus der Verantwortung zu stehlen und nichts tun zu müssen…

      • Ich kann mich der Kommentar Kette nur anschließen. Normalerweise bin ich ja sehr glücklich darüber, dass in der Lage meist recht differenziert über Themen berichtet wird. Das funktioniert i.d.R. bei Themen mit denen Ihr euch auskennt ganz gut, hier aber leider überhaupt nicht und wirkt eher uninformiert.
        Dass Plastik Müll in der Umwelt oder im Meer landet und dort große Schäden anrichtet, ist unbestritten und will auch absolut niemand haben.
        Das Ganze einer Materialklasse pauschal anzuheften macht die Lage aber auch nicht besser, denn wenn wir ehrlich sind ist das ein Erziehungsproblem und nicht die Schuld des Plastiks. Jetzt kann man an der Stelle natürlich diskutieren, ob es sinnvoll ist, diese erzieherischen Maßnahmen mit höheren Steuern oder Verboten zu erreichen. Nur machen wir uns nichts vor, nur weil bei uns Strohhalme, Plastikbesteck oder Tüten verboten werden, wird in Asien oder Afrika nicht eine einzige Tonne weniger Müll ins Meer gekippt. Das ist in etwa so sinnvoll, wie hier in Deutschland Wasser sparen zu wollen, weil in Nordafrika wieder eine große Dürre herrscht. Wir haben hier in Deutschland ein funktionierendes Recycling- und Verwertungssystem.
        Und bei der ganzen hysterischen Diskussion wird auch die andere ökologische Seite der Medaille meist völlig außer Acht gelassen. Die so sehr gescholtene Plastiktüte hat nämlich eine sehr viel bessere energetische Ökobilanz als z.B. Stoff -oder Papiertaschen: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/muenchhausen-check-jute-statt-plastik-a-935161.html
        Und dieser Punkt zieht sich quer durch alle Arten von Kunststoffmaterialien, seien es Kunststoffverpackungen statt Glas (welches viel schwerer ist – höhere Transportkosten und CO2 Bilanz – und energetisch aufwendig in der Herstellung ist), bis hin zu geschäumten Kunststoffen, die zu über 98% aus Luft bestehen. Materialeffizienter kann man nicht arbeiten und Energieeinsparungen durch dadurch erzielte Isolationseigenschaften sind da noch gar nicht berücksichtigt.
        Dass die EU jetzt Strohhalme etc. verbieten möchte ist reine Symbolpolitik, denn genau die Artikel, die hier unter Beschuss stehen sind aus Materialien, die sich wunderbar recyclen lassen. Das jetzt zu verbieten oder durch (ökobilanziert) schlechtere Materialien zu ersetzen ist irgendwo an der Realität vorbei.
        Dass Verbundwerkstoffe problematisch zum recylcen sind, ist unbestritten. Warum aber immer so verächtlich über die sog. “thermische Verwertung” gesprochen wird, erschließt sich mir nicht ganz. Euch ist schon bewusst, dass in vielen Müllverbrennungsanlagen Erdöl zum Restmüll geschüttet wird, damit der überhaupt brennt? Das ist so hinrissig, das muss man sich mal vorstellen. Z.B. in München ist das der Fall, wobei hier die Abwärme übrigens zur Versorgung der Landeshauptstadt verwendet wird und mit vernünftigen Filtern und Gaswäschern die Angelegenheit auch eine saubere Sache ist.
        Versteht mich nicht falsch, Abfall Vermeidung ist an allererster Stelle die beste Lösung, aber wo das nicht möglich oder sinnvoll ist, sollte man nicht auf die einfachste und polemischste Lösung zurückgreifen, sondern wissenschaftlich und ökologisch fundiert die Alternativen asuwählen.

      • Ich sehe das mit dem Plastikverbot ähnlich wie Venyo: Wenn wir ein funktionierendes Modell für einen Teilaspekt des Plastikproblems entwickeln können, kann das eine Vorlage für andere sein. Und nur weil es keinen großen Anteil hat, kann man nicht einfach fleißig so weitermachen.

        Und auch wenn Plastik in der Herstellung eine bessere Energiebilanz hat als andere Materialien, ist das ja nicht das Hauptproblem. Die nahezu unendliche Teilbarkeit und Haltbarkeit ist das Problem, das am Ende z. B. die riesigen Plastikteppiche in den Meeren verursacht. Mit Papier oder Glas wäre das nicht der Fall.

        Dass es sich bei dem diskutierten Verbot um viel Symbolpolitik handeln könnte, sehe ich ähnlich. Hier wird mglw. versucht, ein Verbot einzuführen, bei dem der normale Bürger für alle sichtbar seinen Beitrag für die Reduzierung des Plastikmülls leisten kann. Das ist auch völlig in Ordnung und sinnvoll, solchen „Unterwegsmüll“ zu minimieren. Wenn mir meinen Plastikverbrauch mal ansehe, ist es aber bei weitem mehr der Verpackungsmüll meiner Einkäufe, der sich aufhäuft.

  31. Hallo Lage-Helden. Zum Inhalt wurde ja schon alles gesagt, daher nur kurz: Macht genau weiter so, denn so wie ihr seid, hab ich euren Podcast lieben gelernt!

  32. Es kann sein dass die Asyl-Anträge von Leuten aus den Maghreb-Ländern in den meisten Fällen abgewiesen werden, kommen tun sie weiterhin. Das deutet darauf dass es für die Vorteile gibt um hier zu sein (die machen das nicht weil die doof sind).

    Das Marokko sie zB nicht zurück möchte kann man nachvollziehen. Der König hat viel davon Leute die nichts zu verlieren haben und irgendwann hinderlich werden können (sieh die Proteste in El Jadidah) los zu werden. Die meiste Diktatoren müssen dann groß Gefängnisse bauen usw. Er lasst sie einfach nach Europa gehen.

    Die Maghreb-Länder zum sicheren Herkunfstländern erklären ist wohl der politisch einfachste Weise um hier etwas gegen zu unternehmen.

    • Es kam in der Sendung der Hinweis, dass das Erklären zum sicheren Herkunftsland “nichts bringen würde”, da auch schon jetzt viele Leute aus den Maghreb Staaten am Ende abgelehnt werden.

      Hierzu folgende Studie bzgl. Balkanstaaten:
      https://archiv.wirtschaftsdienst.eu/jahr/2015/11/ausweitung-sicherer-herkunftsstaaten-folgen-fuer-die-zahl-der-asylantraege/

      Es kann also durchaus Sinn machen.

      • Sorry, aber hast Du die Studie überhaupt gelesen? Da steht bei Lichte besehen ziemlich genau das Gegenteil dessen, was Du hier schreibst. Die Autoren schreiben, dass die Zahl der Asylanträge aus den neuen „sicheren“ Staaten gleich geblieben sei. Allerdings phantasieren sie dann, dass die Zahl hypothetisch vielleicht gestiegen wäre, wenn die Länder nicht für sicher erklärt worden wären …

        Außerdem möchte ich eher bezweifeln, dass es beispielsweise einen Tunesier von der Reise nach Europa abhält, falls die Ablehnungsquote von derzeit 95% auf vielleicht 98% steigen sollte – denn in D bleiben kann er in jedem Fall, weil sein Land ihn ja nicht zurücknimmt.

      • > und diese hypothetische Entwicklung dann mit der tatsächlichen Entwicklung vergleichen.

        Diese Studie macht ökonometrische Voodoo auf einem Haufen von Annahmen und präsentiert das als Wahrheit. 😂

  33. Ich bin ein Fan der Lage Live.
    Die Folge hat mir mal wieder sehr gut gefallen: hab ein paar mal herzhaft gelacht und wie gewohnt interessante und gute Diskussionspunkte mitgenommen.

    Nur eine kleine kritische Anmerkung: “Schwarzafrika” ist meiner Kenntnisse nach als kolonialer Begriff inzwischen überholt. (Ulf benutzte das Wort im Zusammenhang mit Migration/Flüchtlingen/sicheren Herkunftsstaaten.)

    • Was sagt man denn heutzutage? Auf Englisch wäre es „subsaharan Africa“, aber das klingt auf D schon sehr schräg.

      • Subsahara-Afrika ist inzwischen auch auf Deutsch gebräuchlich. Südliches Afrika wäre auch noch eine Möglichkeit, wenn man vom nördlichen Afrika abgrenzen will. ‘Schwarzafrika’ geht gar nicht und ich habe ehrlich gesagt in die Kommentare geschaut um zu prüfen, ob ich mich da verhört habe. Ansonsten geht es hier ja aber um einen sehr großen geographischen Raum, den man ggf. ja auch einfach noch etwas spezifizieren hätte können.

      • Schließe mich Miriam und Charlotte an. Der Begriff meint ja die Subsahara-Staaten in Abgrenzung zu den Nordafrikanern, die nicht “schwarz” sind – allerdings erfolgt mit dem Begriff von “Schwarzafrika” eine Wertung und eine negative Konnotation. Es wird ja auch nicht von “Weißeuropa”, “Gelbasien” oder “Rotamerika” geredet.
        Wer mehr wissen will, einfach mal nach “Kritik Schwarzafrika” googlen, da gibt es einige gute Beiträge, die auch die historische und etymologische Perspektive weiter erläutern.

  34. Hallo,

    kurzes Stimmungsbild zu “Lage Live aus Sicht eines Nur-Podcast-Hörenden”: grundsätzlich gefallen mir “Studio-Folgen” auch einen Tick besser als Live-Versionen. Aber auch nur einen Tick – groß ist der Unterschied zum Glück nicht. :)
    Die “Klamauk”-Assoziation könnte vielleicht daher kommen, dass man das Gelächter des Publikums mit Sitcoms assoziiert. Inhaltlich ist das wohl eher nicht begründet.

    Grüße,
    Tobias

    • Liebe Lage–Betreiber,
      als regelmäßiger Hörer Eures Podcasts möchte ich kurz meinen Senf zur Lage Live abgeben:
      Mir gefällt die „Studio“–Variante besser, weil ich mich als Hörer direkter angesprochen fühle. Lage Live sollte meiner Meinung nach eher die Ausnahme sein und besonderen Events, Jubiläen etc. vorbehalten bleiben.
      Herzliche Grüße

  35. 1. Juni 2018 um 20:28 Uhr
    Martin Lehnert

    Auch wenn meine – sicherlich etwas polemische – „Klamauk“-Kritik über das „Lage Live“-Format in den Kommentaren zur letzten Folge nicht unbedingt zu einer fruchtbaren Diskussion geführt hat, Ulf mir eher mit Unverständnis begegnete und die Mehrheit mein Gefühl nicht zu teilen scheint, möchte ich mich dennoch ausdrücklich bei Euch bedanken. Dafür, dass Ihr trotz aller genannter Hürden den Punkt aufgegriffen und die Zuhörer befragt habt. Wenn nur wenige meine Kritik an den Live-Folgen teilen, akzeptiere ich vollkommen meine Minderheiten-Position und bohre nicht weiter daran herum. Aber dass Ihr Euch die Mühe gemacht habt, obwohl wir uns im Forum auf dem falschen Fuß begegnet sind, rechne ich Euch hoch an.

  36. Zur Causa Italia noch ein Nachtrag: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/italiens-deutsche-falle

    Besser kann man die Probleme Italiens im Zusammenhang mit der Eurozone kaum beschreiben. Vor allem Stefan sei dieser Artikel ans Herz gelegt.

    • Keine Ahnung ob du mich meinst, aber ich lese aus dem Artikel nur einen großen Whataboutism (Deutschlands Exportüberschuss) und ein großes Weiter-so heraus. Keine Vorschläge wie man Italiens Wirtschaft langfristig strukturel stärkt, die Probleme sollen einfach weiterhin mit viel Geld übertüncht werden. Was ja erst die Probleme überhaupt ausgelöst hat. Wenn die Medizin nicht wirkt,sollte man nicht andauernd die Dosis erhöhen sondern einfach mal die Behandlung ändern.

      • @Stefan

        Im Gegenteil: Es geht darum, das ‘weiter-so’ in der italienischen Finanz- und Wirtschaftspolitik zu beenden.

        Die italienische Staatsverschuldung ist seit 2013 nahezu konstant (von 129% des BIP auf heute 132% angestiegen). Es gab da also in den letzten Jahren keinerlei “Schuldenmacherei”.

        Gleichzeitig ist die wirtschaftliche Entwicklung katastrophal: https://cdn.static-economist.com/sites/default/files/images/print-edition/20170617_EUC074.png

        Und die Arbeitslosenrate verharrt bei über 12%, nahezu doppelt so hoch wie vor der Krise 2007/08: https://www.focus-economics.com/data/charts_summary/Italy-Unemployment.gif

        Jeder souveräne Staat würde in so einer üblen Lage die Witschaft mittels Konjunkturprogrammen ankurbeln. Dann lage heute die Staatsverschuldung vielleicht bei 145% des BIP (wären immernoch 100% weniger als in Japan – wo, wir wissen es alle, deswegen ja dauernd Hyperinflation, Hungersnöte und Seuchen herrschen), dafür hätten viele Millionen Italiener eine deutlich bessere wirtschaftliche Perspektive – und womöglich würde eine rechtsradikale Partei jetzt nicht fast 30% Zustimmung in den Umfragen erhalten.

        Italien hat jedoch auf eine normale Wirtschaftspolitik verzichtet und hat stattdessen eine “vernünftige” Sparpolitik verfolgt. Leider ist diese Politik ungefähr so vernünftig, sinnvoll und rational begründbar wie das Zur-Ader-Lassen der vormodernen Medizin oder die Menschenopfer der Azteken.

        Gegen dieses saudumme, unverantwortliche und schlicht bösartige ‘weiter so’ richten sich die Forderungen der zukünftigen italienischen Regierung – und eben auch der oben von mir empfohlene Artikel.

      • @Günter
        Du verkürzt den Betrachtungszeitraum auf die Jahre ab 2013 und unterschlägst dabei die 10 Jahre davor mit dem Euro. In diesem Zeitraum hätten Reformen stattfinden müssen dann wäre es nicht zu der Misere gekommen. Zu glauben die Reformen finden statt, nach dem sich Italien mal wieder auf Pump erholt hat ist schon mehr als Naiv. Deswegen müssen diesmal erst die Reformen kommen, dann nötigenfalls noch Deficit-Spending. Keynes wird ja immer nur in Krisen zitiert in guten Zeiten ganz schnell vergessen.

      • @Stefan

        Du führst die Vorurteile und Irrtümer der (offiziellen) deutschen Position wirklich idealtypisch vor. Danke dafür.

        Wenn Italien so dringend “Strukturreformen” braucht, warum verlief denn dann das Wirtschaftswachstum in Italien und Deutschland zwischen 1991 und 2008 nahezu parallel?
        -> http://blogs.faz.net/fazit/files/2018/05/D-Ital.jpg

        Hätten die tiefgreifenden Strukturprobleme der erbarmungswürdigen italienischen Wirtschaft nicht auch vor dem Jahr 2008 irgendwelche messbaren Folgen zeitigen müssen? Oder etwa nicht?

        Wäre eine viel naheliegendere und mit der beobachtbaren Realität weitaus kompatiblere Erklärung die, dass Italien noch ein paar kräftigere schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme benötigt hätte als Deutschland nach der Krise von 2008/09 (wir erinneruns uns: Konjunkturprogramm I und II, Abrwachprämie, etc.)? Was der europäische Pakt für Radikalisierung und Verarmung – pardon: Stabilität und Wachstum – denn Italienern jedoch unmöglich machte, aufgrund der unsinnigen, von reinem Aberglauben getragenen Forderung nach einem Abbau staatlicher Verschuldung.

        Grundsätzlich ist zu Fragen, worin überhaupt der Transmissionsriemen bestehen soll zwischen “Strukturreformen” und Wirtschaftswachstum. Südkorea und China zeigen ganz gut, dass man selbst mit einer in hohem Maße auf – sagen wir mal: inoffiziellen – Verbindungen und Strukturen beruhende Wirtschaft zu einem mordsmäßigen Wachstum fähig ist. Ist auch kein Wunder, denn Wirthschaftswachstum bedeutet ja nur: Leute und Unternehmen geben mehr Geld aus.

        Sollten dagegen die “Struktureformen” gemeint sein, die Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten durchgeführt hat, dann reden wir in Wirklichkeit im Wesentlichen von Lohndumping zur Unterstützung der Exportwirtschaft. Der Wachstumsbeitrag kommt dann daher, dass man über den Export mehr Nachfrage hereinholt, als man im Inland durch Runterdrücken des Einkommensniveaus der Bevölkerung vernichtet. Diese Strategie funktioniert aber notwendigerweise nur als Nische, denn sie beruht auf der Notwendigkeit einen riesigen Exportsektor mit dauernden Überschüssen (ohne Überschüsse müsste der Import ja parallel zum Export wachsen, aber das ist unmöglich, wenn man im Inland die Löhne von denen drückt, die diese Importe konsumieren müssten) zu etablieren.

        Wollte Italien einen Exportüberschuss realtiv zur Wirtschaftsleistung in der gleichen Höhe wie Deeutschland erzielen, müsste irgendjemand auf der Welt ein zusätzliches Außenhandelsdefizit in Höhe von mehr als 100 Mrd Euro hinnehmen. Wir können ja mal Mr. Trump fragen, ob aus seiner Sicht die USA dafür in Frage kommen. Falls nicht, dann fallen schonmal 25% der Weltwirtschaft dafür aus. Und in Europa, da soll ja keiner mehr Defizite machen, weil voll gefährlich und so. Ok, nochmal 25% der Weltwirtschaft weg. Merkste was … ?

        Also, wohin sollte eine wettbewerbsstärkere italienische Wirtschaft denn hin exportieren, um im Inland zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen?

  37. Zur Häufung Lage live wollte ich folgendes sagen: habe vor kurzem einem Freund die Lage empfohlen, und er war von der ersten (Studio) Folge sehr angetan. Jetzt hat er aber direkt danach 2 folgen live bekommen, die ihm direkt nicht so gefallen haben. Mir persönlich macht das ganze nicht so viel aus, da ich das Format ja schon länger kenne und weiß, dass ihr bald zum normalen Format zurück kehren werdet.

  38. 1. Juni 2018 um 19:01 Uhr
    Matthias Rathje

    LageLife:
    Mensch ja, gez drei LagenLive direkt hintereinander (!) auf die Ohren – wattn Stress!
    Macht mal einfach weiter so.
    Ist das zwischenlive und Studio für euch in der Vorbereitung (wie ihr euer Gespräch führen wollt) überhaupt ein Unterschied, Ulf?
    BAMF:
    Mich hätte nochmal interessiert, wieviel Prozent die in Frage stehenden Fälle an der Gesamtzahl der zu bearbeitenden Fälle in Bremen in dem jeweiligen Jahr der Bearbeitung ausgemacht haben.
    Aber egal, ob es ein hoher oder niedriger Prozentsatz ist: Für den Skandal halte ich eher die Skandalisierung – na, ich schwanke: Vielleicht find es auch einfach nur lächerlich.
    Durchwink-Aktionen kenne ich aus meiner Arbeit im Finanzamt auch.
    Gruß
    Matthias Rathje

  39. Das wirklich Beunruhigende an dieser neuen italienischen Regierung ist, dass unter den Ministern keiner ist, der vorbestraft ist oder gegen den ermittelt wird. Zum ersten Mal seit 1994.

    https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1712700428766205&id=204130696289860

    • Echt jetzt? Selbst bei den “Technokratenregierungen” waren schräge Vögel dabei?

      Mit dieser Tradition zu brechen, das macht die neue Regierung doch völlig unberechenbar für ihre europäischen Partner!

  40. Lieber Ulf und Phillip,

    Danke für die Folge, ich freue mich immer sehr auf den Podcast.

    Allerdings muss ich etwas loswerden, was mMn Beachtung in eurer Plastik-Kritik finden sollte:

    -Ihr beschwert euch darüber, dass Alternativen gefunden werden sollten, weil Kunststoff nicht nachwächst und Erdöl begrenzt ist. Das klingt auf den ersten Blick logisch, betrachtet man allerdings das Verhältnis wie viel Erdöl für Kunststoff verwendet wird, dann sieht man, dass diese Kritik haltlos ist. Lediglich 5% werden für die Kunststoffproduktion verwendet(10% verwendet die chemische Industrie insgesamt). Der Löwenanteil, über 80% (!), wird direkt verbrannt, sei es für die Produktion von Elektrizität, zum Heizen oder zur Fortbewegung. DAS ist der Löwenanteil, an dem geschraubt werden muss, denn das kann man auch alles heute schon problemlos ersetzen. Kunststoff aus anderem Material herzustellen ist zwar prinzipiell möglich, aber aufwendig(energetisch, ökonomisch…).

    -Kunststoff ist ein Konstruktionsmaterial, wie Metalle oder Keramiken und Kunststoffprodukte sind oft unersetzbar. Ebenso helfen sie Energie zu sparen, indem bspw. bei PKW, LKW oder Flugzeugen Teile leichter als aus Alternativprodukten sind. Damit helfen sie aktiv bei der Energieeinsparung.

    -Kunststoffverpackungen haben eine bessere Energiebilanz als andere Verpackungsstoffe, beispielsweise Papier. Eine Papiertüte besitzt eine deutlich höhere CO2-Bilanz als eine aus Kunststoff. Eine in Kunststofffolie eingewickelte Gurke übrigens eine bessere als eine uneingepackte, da die eingepackte länger haltbar ist, somit weniger Gurken, die als zu alt empfunden werden, von Supermärkten weggeschmissen werden und die Produktion der Gurke wesentlich mehr CO2 produziert, als die Kunststoffverpackung. Kunststoffverpackungen sind außerdem leichter, ein Joghurtbecher besitzt so gut wie keine Masse, Glaskontainer sind super schwer. Damit transportiert man unnötiges Gewicht, was wiederrum mehr CO2 Ausstoß zur Folge hat.

    -Ihr lacht über die thermische Verwertung und nennt es Euphemismus. Das ist vor dem Hintergrund, dass, wie bereits erwähnt, 80% des geförderten Erdöls direkt verbrannt werden und in Deutschland immerhin um die 40% der Elektrizität durch fossile Brennstoffe erzeugt wird, eine Verhöhnung an die einzig sinnvolle Verwertung unseres Mülls. Solange wir den Bärenanteil direkt mit dem Feuer anzünden, bleibt das thermische Recycling auch tatsächlich Recycling.

    Zum Abschluss ein Kurzes beispiel, das die obigen Punkte verdeutlicht:

    Nehmen wir Joghurt. Der Hersteller verkauft an einen Supermarkt, einmal in Glas und einmal in Plastikbechern. Das Glas hat bereits bei der Produktion mehr Energie verbraucht als der Kunststoffbecher. Glas hat zusätzlich einen Verpackungsanteil von 20%, anstatt 5 braucht er also 6 LKW um die gleiche Menge erstmal zum Supermarkt zu bringen. Im Supermarkt wird dann eingekauft, zuhause gegessen und entweder das Plastik in die (Plastik-)Tonne geworfen oder das Glas auf die Werstoffinsel gebracht. Das Plastik wird verbrannt und die Energie, die im ursprünglichen Erdöl steckte wird zurückgewonnen. Das Glas wiederrum wird zurück in die Fabrik gekarrt und dort unter erneutem Energieaufwand aufgeschmolzen.

    Ich will hier nur einen anderen Blickwinkel aufzeigen. In einem Land wie Deutschland, in dem quasi kein Kunststoff ins Meer gelangt, sind Artikel aus Kunststoff durchaus die umweltfreundlichere Alternative. In anderen Ländern, sieht das anders aus. Überall dort wo Kunststoff in hohem Maße sind Meer gelangt funktioniert die CO2 Rechnung natürlich nicht mehr. Deshalb mag es auch klug von der EU sein zumindest Einwegprodukte allgemein zu verbieten. Generell Kunststoff aber als umweltschädlich zu betiteln liegt fern ab der Realität.

    Anmerkung, die ich bringen sollte: Ich bin Ingenieursstudent mit Kunststoffspezifizierung, ich habe trotzdem versucht neutral zu bleiben und immerhin den wissenschaftlichen Standpunkt zu vertreten.

    LG und macht weiterhin so gute Sendungen, ist immer ein Wochenhighlight für mich!

    • Ein toller Kommentar – ich wollte das auch etwas relativieren, aber du bist zuvor gekommen und weit ausführlicher als ich das gekonnt hätte.

      Ein Punkt noch: Ich bin schon dafür, quasi als Vorbildfunktion in der EU gerade diese kleinen Plastikdinge wie Luftbalonhalter oder so zu verbieten. Einziger Knackpunkt bei Strohhalmen sehe ich: Niemand denkt dabei an die Inklusion. So viele Behinderte oder Pflegebedürftige haben ein massives Problem wenn Strohhalme verboten werden würden.

      bzgl. der Plastikinseln im Meer würde ich euch gerne ein Video ans Herz legen, in dem das nochmal genauer beschrieben ist:
      “Wie groß ist die Insel aus Plastik, die gerade auf dem Ozean treibt?” aus dem “Ocean Plastic Lab”, einer Ausstellung zum Thema. Link: https://youtu.be/B7H0Z22qTM0

      • @Andre Lampe: Meine Güte: Es werden doch nicht Strohhalme verboten…. Hast du überhaupt zugehört? Gerade bei Behinderten sind vermutlich wiederverwendbare Strohhalme eine sinnvolle Anschaffung. Und Einweg aus abbaubaren Materialien ist auch weiterhin erlaubt…

    • danke für den Kommentar, sehr interessant auch diese Sichtweise mal kennenzulernen!

    • Danke für diesen Kommentar!

    • Etwas ähnliches hatten wir seinerzeit mal bei der Diskussion zum Wassersparen. Da wurde ein riesen Aufstand gemacht obwohl Deutschland kein Problem mit Trinkwassermangel hat und kein Mensch in trockenen Ländern mehr zu trinken hat nur weil wir auf das Vollbad verzichten.

      • @Wasserverbrauch:
        Am Ende stellt es sich sogar so dar, dass durch das Wassersparen die kommunalen Betriebe teilweise Probleme bekommen, die Kanalisation lauffähig zu halten. Tatsächlich führt der geringe Wasserverbrauch in manchen Fällen zu verstärkter Ablagerung von Reststoffen in den Abwasserrohren, da diese nicht ausreichend durchspült werden. Ergebnis: die Wasserwerke müssen die Rohre aufwendig unter Wasserverbrauch durchspülen. Die Kosten tragen natürlich am Ende die Verbraucher. Also hat man durch Wassersparen noch nicht einmal wirklich gespart, geschweige denn der Umwelt wirklich groß geholfen. Bis auf weniger Bedarf bei der Abwasserreinigung, hat das Wassersparen in Deutschland ab einem gewissen Grad keinerlei Vorteil.

        Das zeigt, dass die Zusammenhänge oftmals viel komplexer sind, als suggeriert wird. In der Tat ist auch bei der Einbringung von Plastik der Hauptverursacher nicht in Europa zu finden. Die neuen EU-Vorschläge sind trotzdem unter dem Gesichtspunkt der Ressourcenschonung zu begrüßen. Wir könnten allerdings noch viel bei Mikroplastik in Hygieneprodukten und Kosmetik tun. Dies ist auch mit Kläranlagen kaum zu filtern. Hier wäre ein Verbot wünschenswert.

      • Leider zeigt sich immer wieder das unter Medienschaffenden und Politikern viel zu wenige Naturwissenschaftler oder zumindest die Bereitschaft zu unabhängiger Einarbeitung zu finden sind. Da wird ganz schnell das simple Narrativ irgendwelcher NGOs übernommen und populistische Schnellschüße abgefeuert. Atomkraft, Molekulare Gentechnik, Wassersparen und jetzt Mikroplastik in den Meeren. Es ist ein Trauerspiel.

    • @Tobias:
      Danke Danke Danke. Ich habe vor 25 Jahren auch Feinwerktechnik mit Schwerpunkt Kunststofftechnik und eigentlich wollte ich genau deinen Text schreiben.
      Klar ist es immer besser Müll zu vermeiden. Aber es ist halt wie immer, nicht nur einfach.
      Ich verzichte zu Hause auf Plastikflaschen und nutze einen sOdasprudler. Da ich gerne Cola trinke, habe ich an der Stelle trotzdem Plastikflaschen. Und ich gestehe, Nespresso ist für mich die beste Kaffeevariante. Auch wenn es umwelttechnisch nicht optimal ist. Aber das muss und kann ich mit meinem Gewissen vereinbaren.
      Noch ein paar Hinweise einfach nur zum Nachdenken:
      Nicht alle Kunststoffe werden aus Erdöl gemacht.
      Nicht alle Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sind entsorgungstechnisch unproblematisch.
      Kompostierbare Kunststoffe haben den Vorteil, dass sie, wenn sie mal ins Meer gelangen, sich zersetzen und keine Partikel hinterlassen.
      Aber wenn sie, wie in Deutschland üblich entsorgt und verbrannt werden, hat das den Vorteil, dass die Abwärme genutzt wird. Wenn man sie kompostiert, entsteht genau so viel CO2, aber die Wärme, die auch beim kompostieren entsteht, wird nicht genutzt.
      Zu guter Letzt möchte ich eben noch einmal auf diesen einen wichtigen Punkt hinweisen. Öl und Gas sind endliche und sehr wertvolle Ressource, deshalb ist das direkte Verbrennen, wie bei Heizkraftwerken, Fahrzeugen, etc. ein echter Irrsinn. Aber das ist leider noch viel zu billig, als dass sich etwas anderes lohnt.
      Aus dem Öl oder Gas Kunststoffartikel zu produzieren, die man zur Not dem “nassen” Restmüll zusetzt um eine ordentliche Verbrennung zu erreichen, ist besser las das mit Öl zu erreichen.
      Recycling ist erstmal natürlich besser.
      Zum Thema Einwegzeug. Das Verbot bedeutet ja nicht, dass z. B. Einweggeschirr verboten wird, es darf nur nicht aus Plastik bestehen (hier würde mich ja mal die Definition von “Plastik” interessieren, ein komplett unspezifischer Begriff).
      Wenn nun die Einwegteller und -Tassen und Strohhalme aus pflanzlichen Soffen gemacht werden, fragt man sich, ob das ökologisch sinnvoller ist. Womöglich werden dann Pflanzen für die Produktion angebaut und damit wieder Monokulturen gefördert, Nahrungsmittelpreise erhöht, weil das Angebot verknappt wird usw.
      Das Thema hatten wir doch schon beim Biosprit. Ich kenne einen Hühnerhofbesitzer, der seinen eigenen Mais vor einigen Jahren teuer verkaufte, weil die Preise auf Grund des Biospritbooms durch die Decke gingen. Sein Futter, für das der Mais eigentlich gedacht war, kaufte er billiger aus dritte Welt Ländern ein (Soja, etc.). Die Menschen dort hatten plötzlich nicht mehr genug zu beißen, weil es für die Nahrungsmittel einen guten Markt bei uns gab.
      Ich habe auch keine Lösung und das soll auch kein Rant sein.
      Aber ich möchte darauf hinweisen, dass es eben doch nicht so einfach ist, dass man sagt: “Jo, Plastikeinwegverbot Daumen hoch, About time”.

      • Hi zusammen,

        @Tobias: Vielen Dank für den Kommentar!
        Mich hat auch der Kommentar zur Müllverbrennung etwas gestrört. Ich habe das Gefühl, dass aktuell das Miesmachen der Müllverbrennung wieder Mainstream wird. Gerade wenn es um das Verpackungsrecycling geht, liest und hört öfters vereinfacht: “Wir haben kein echtes Recycling, weil die Müllverbrennung in Deutschland viel zu hohe Kapazitäten hat und daher ein Großteil der Verpackungen dort landet”

        Ich möchte dazu folgende Punkte anmerken:
        – Überkapazitäten bestehen zur Zeit nicht. Viele der Anlagen fahren seit Jahren am Limit. Es kommt zu vielen Revisionsverschiebungen. Auslastung liegt zurzeit in Deutschland bei 92 oder 93 %. Es gibt natürlich lokale Unterschiede. Eine Entsorgungssicherheit würde ich aber eher bei 85 bis 90 % ansetzen.
        – Das größte Problem beim Verpackungsrecycling sehe ich in der verpflichtenden Ausschreibung der Dienstleistung alle 3 Jahre. Das hat zur Folge, dass jedes Jahr 1/3 die Behandlung des deutschen Verpackungsabfalls neu ausgeschrieben wird. Gerade für kleinere mittelständische Unternehmen ist dies natürlich fatal, da ich nur für 3 Jahre “Sicherheit” über entsprechende Mengen habe. Das hemmt meiner Meinung nach auch die Innovationen in diesem Bereich enorm. Ich vermute, dass die Lage dort jetzt etwas besser wird. Gründe dafür sind zum einen der Importstopp von Kunststoffabfall in China und zum anderen sind von den kleinen Unternehmen keiner mehr da und die großen (Remondis, Suez..) haben den Markt jetzt weitesgehend aufgeteilt.
        – Müllverbrennung ist Umweltschutz. Die Abgasreinigung ist in den letzten 30 Jahren deutlich besser geworden. Die Dioxinschleudern aus den 90er Jahren haben wir nicht mehr. Das hat Trittin als Umweltminister damals schon feststellen lassen. Zum Thema Umweltschutz: Die CO2 Reduktion haben wir auch dank der Vorbehandlung der Abfälle in der Müllverbrennung zu verdanken.
        – der energetische Wirkungsgrad könnte bei den aktuellen Anlagen natürlich noch besser werden. Relativ ungenutzt ist Wärme. Leider wurden in der Vergangenheit viele der Anlagen außerhalb von Stadtkernen gebaut (aus dem Augen aus dem Sinn ;-)). Das macht jetzt einen Anschluss an Nah- oder Fernwärmenetze schwierig.

        Zum Thema Plastikverbot habe ich noch keine abschließende Meinung. Die Gesetzgebung kennt eine 5-stufige Abfallhierarchie. Die ersten beiden Stufen (Abfallvermeidung und Vorbereitung zur Wiederverwendung) sind für den Gesetzgeber äußerst schwierig. Ich versuche weitgehend umweltbewusst zu leben. Ich versuche Verpackungen zu vermeiden, regionales und biologisch angebautes Gemüse und Obst zu kaufen usw. Das tun Freunde und Verwandte zum Teil auch. Seit wir zwei Kinder haben, merke ich immer wieder in was für ner Blase lebt. Man lernt halt neue Leute kennen und sieht, wie zum Teil völlige Unkenntnis in diesen Bereichen vorhanden sind. Die Frage ist, wie können die Menschen in Richtung Umweltbewusstsein bewegt werden. Durch die mediale Präsenz von solchen Themen kann ich mir durch aus einen positiven Effekt erhoffen. Es ist aber halt kompliziert.

  41. Italien
    Liebe Lage-Helden,

    von Euch hätte ich eine aufschlussreichere Aufarbeitung des Themas „Regierungsbildung in Italien“ (Lage 101) erwartet. Stattdessen botet Ihr nicht viel mehr, als dass die Italiener „über ihre Verhältnisse gelebt“ hätten (dafür habt Ihr viel von Zinskosten und Kreditratings vorgerechnet) und wiederholtet (und verstärktet) somit landläufige Vorurteile. Im Gegensatz zu Euch hat es einer meiner Berliner Lieblingssender, KCRW Berlin, in einem nur kurzen Bericht geschafft zu erzählen, dass sich die Italiener von Europa alleingelassen fühlen. Bei der Flüchtlingskrise hätte es einer viel entschiedeneren europäischen Anstrengung bedurft, um die europäische Außengrenze zu sichern – stattdessen ist eher wenig Hilfe aus Europa gekommen, und man hat mit dem Dublin-Abkommen geregelt, dass der Staat, der dank Geografie doof genug ist, eine Grenze zu haben, über die Asylsuchende heutzutage kommen, allein für diese zuständig ist, bis über den Antrag der Asylsuchenden entschieden ist. Da kann man den Italienern Ihr Gefühl nicht ganz verübeln. Und in wirtschaftlichen Fragen vermisse ich die Einsicht, dass Deutschland vielleicht auf Grund seiner zentralen geografischen Lage sowie auf Grund seines Gewichts und Einflusses in den europäischen Institutionen strukturelle Vorteile aus Europa zieht. Europa ist mehr als die Summe seiner Teile, aber der geschaffene Mehrwert aus dem Binnenmarkt ist nicht unbedingt gleich verteilt, sondern wandert überdurchschnittlich dorthin, wo sich die Handelswege kreuzen – in die Mitte Europas. Da wären wir weiser, wenn wir erkennen würden, dass die wirtschaftlichen Probleme anderer zum Teil die Kehrseite unseres Wohlstands sind, und andere Länder nicht für vermeintliche Verfehlungen quasi-moralisch verurteilen, sondern überlegen, mit welcher Form von Solidarität wir ihnen beistehen können (ohne dass das eine Politik des Blankoschecks wird).

    • Top Kommentar!

    • Geht mir ähnlich. Dass ausgerechnet die Lage voll auf das Griechenland-Narrrativ einschwenkt – die sind selbst schuld an ihrer Lage, das Wahlvolk lässt sich von unhaltbaren Versprechen verleiten, die wollen sich jetzt einen tiefen Schluck aus der Pulle gönnen, und wir müssen das bezahlen – hat mich sehr enttäuscht. Nicht, weil es nicht meine politische Ausrichtung trifft, sondern weil ich von euch eine differenzierte und vor allem stärker den Ursachen nachgehende Analyse erwartet hätte.

    • Ich finde auch “schlecht investiert” etwas ganz anderes als “über seine Verhältnisse gelebt”. Es ist ja ein Unterschied ob ich zu viel Geld ausgebe oder ob ich es für die falschen Sachen ausgebe.

      Ansonsten finde ich es einfach ein schwieriges Thema, weil die Historie und die wirtschaftlichen Zusammenhänge extrem komplex sind, dass man das in realistischer Zeit (<20min) eigentlich nicht ausreichend erklären kann….

  42. BAMF
    Liebe Lage-Helden,

    ich habe Eure Ausführungen zum Bamf-“Skandal“ in Bremen (Lage 100 und 101) mit viel Interesse verfolgt. Aber ich finde, dass Ihr ein paar Aspekte untergewichtet. Ihr habt konstatiert, dass 1.200 Fälle nicht nur verfahrenstechnisch fehlerhaft, sondern absichtlich einseitig (also zugunsten der Antragsteller) beschieden wurden. Ihr habt dazu gesagt, dass – sofern keine Korruption vorliegt – solche Fehler vielleicht nicht so schlimm seien. Das, finde ich, greift zu kurz. Absicht ist nicht das Gleiche wie Fahrlässigkeit, und die Verantwortlichen beim Bamf haben nicht aus ihrer privaten Tasche Wohltaten getan (z.B. die Antragsteller zu sich nach Hause eingeladen), sondern haben über ein öffentliches Gut (das Aufenthaltsrecht in Deutschland, zum Beispiel) auf eine Art und Weise verfügt, die ihre Kompetenzen überstieg und die gegen die Verfahrensordnung ihres Amts verstieß. Nach Euren sehr richtigen Ausführungen zu der Pflicht der Amtsträger in Wetzlar, sich an Recht und Gesetz zu halten, bin ich überrascht, dass Ihr in diesem Fall so gern darüber hinwegsehen wollt. Das halte ich für wenig konsistent und für mehr von Parteinahme als von qualifizierter Abwägung getragen.

    • Die Fälle Wetzlar und Bremen sind völlig unvergleichbar:

      In Bremen wurde zwar absichtlich Verfahrensrecht missachtet, die Bescheide sind aber möglicherweise trotzdem materiell korrekt. In jeden Fall gab es keine Gerichtsentscheidung, gegen die eine Beamtin in Bremen verstoßen hätte.

      In Wetzlar hingegen gab es vollziehbare Entscheidungen dreier Gerichte bis hin zum BVerfG, über die sich die Stadt hinweggesetzt hat.

      Schließlich sehen wir über die Fehler in Bremen auch nicht hinweg, sondern haben in beiden Folgen dazu deutlich gemacht, dass die Bescheide geprüft werden müssen. Es braucht dazu aber keine Untersuchungsausschuss.

      • Lieber Ulf,

        danke Deiner schnellen Antwort! Und es freut mich, dass wir uns einig sind, dass in Bremen absichtlich Verfahrensrecht missachtet wurde. Und ja, (soweit ich weiß) gab es in Bremen zu dieser Fallgruppe keine Gerichtsurteile, über die man sich (wie in Wetzlar so krass geschehen) hätte hinwegsetzen können.

        Aber ich glaube trotzdem, dass den beiden Fällen gemeinsam ist, dass über ein öffentliches Gut nach privatem Gutdünken und gegen die geltenden Regeln verfügt wurde, und dass das, ganz abgesehen von der Überprüfungsbedürftigkeit von Bescheiden, auf eine ganz grundsätzliche Art nicht in Ordnung ist. Das ist ja das Fundament des Vertrauens des Bürgers in den Rechtsstaat, dass der Bürger bereit ist, den Staat in vielen Bereichen seines Lebens (mit)bestimmen zu lassen, dafür aber erwartet, dass der Staat nach Recht, Gesetz und Verfahren handelt und entscheidet und nicht zulässt, dass private Willkür die Verteilung von öffentlichen Gütern (die ja auch dem Bürger zustehen) bestimmt.

        Nun, ob es einen Untersuchungsausschuss braucht (und ob dieser mehr Erkenntnis bringen würde oder einfach mehr Spaltung und Polemik), da bin ich auch nicht überzeugt. Aber ich hätte mich gefreut, von Euch eine klarere Bekenntnis, dass das Verhalten nicht in Ordnung war, zu hören als nur, dass die Bescheide überprüft werden müssten.

        Herzliche Grüße

    • Ich finde es erstaunlich, wenn hier vom Missbrauch öffentlichen Guts geschrieben wird, ohne daran zu denken, dass diese Menschen, wenn sie abgewiesen werden würden, höchstwahrscheinlich in den Tod zurück geschickt werden.

      Ist es nicht unsere Pflicht, so weit es geht Menschenleben zu retten, anstatt sich über Verfahrensfehler aufzuregen?

      Oft wird bei dem Ganzen Diskussion vergessen, dass es sich doch um Menschen handelt.

  43. Hallo ihr beiden,

    Zum Thema „Lage live“: ich glaube — wie von euch in Aussicht gestellt — alle paar Monate ist ein guter Zeitraum, aber momentan finde ich die live-Aufnahmen zu vielzählig. Ich glaube in eurem Entertainment Modus neigt ihr teilweise ein bisschen dazu, ein bisschen als rampensau aufzutreten und vielleicht ein bisschen schnoddriger zu argumentieren. Ich habe kein wirkliches Problem damit und kann das gut auseinanderhalten, finde es punktuell eigentlich eher witzig. Aber ein Freund von mir, der in vielen Feldern politisch nicht so bewandert ist, hat teilweise Probleme, diese Schattierungen rauszuhören, was für mich auch gut nachvollziehbar ist.

    Ein Beispiel für das, was ich mit schnoddrigkeit meine: das Argument der ital. Präsident bewege sich bei der Ernennung der Minister ja innerhalb seiner kompetenz, weshalb das ja kein Problem sein könne, zieht meines Erachtens nicht. Zumindest müsste man es besser begründen. Was wäre zb los, wenn — entfernt vergleichbar — steinmeier Scheuer nicht zum Minister ernannt hätte. Da hatte ich das Gefühl, in der normalen Lage, hätte Ulf das vielleicht ein bisschen reservierter vorgetragen und nicht versuchen müssen vor dem live Publikum einen so deutlichen Punkt machen zu wollen. Das ist mir ein paar mal aufgefallen, zb in der Vergangenheit auch mit dem Investmentbanking. Finde ich wie gesagt vor dem Hintergrund des Entertainment Faktors nicht schlimm, aber man muss es quasi immer mitdenken.

  44. LageLive finde ich super als Abwechslung. Vielleicht nicht häufiger als jede fünfte Sendung.
    Man hört deutlich den Unterschied zwischen live und im Studio. Es ist insgesamt witziger und frischer. Klamauk kann ich aber keinen erkennen.
    Macht einfach weiter so, schön, dass es euch gibt (:

  45. zu Hitzacker

    ich kenne die Gegebenheiten vor Ort zwar nicht, aber ich denke es hätte auch gereicht wenn sich die Gruppe auf einem öffentliche Platz versammelt hätte. Da hätten sie auch singen können. Vor dem Haus auftauchen….Nee das ist zu viel. Sie hatten bestimmt ein berechtigtes Anliegen, aber sollte trotzdem auf die Eigenwirkung achten.

    Ich will auch keinen AFD Sympathisanten Haufen vor meinem Haus. Und wenn sie nur die Nationalhymne singen.

    Und langsam macht sich in mir das Gefühl breit, das hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Damit meine ich nicht explizit die Lage, sondern die allgemeine Stimmung. Schön zu beobachten letzten Sonntag, die Demo gegen Hass. Und dann hasst GANZ Berlin die AFD. Und zuvor hat GANZ Hamburg die Polizei gehasst…

    Die (vermutlich) schlechte Amtsführung von dem Polizisten hin oder her, welch Art der Diskussionsführung und des öffentlichen Widerspruches, soll es eigentlich werden? Heiligt das Anliegen die Mittel?

    • ich kenne die Gegebenheiten vor Ort zwar nicht, aber ich denke es hätte auch gereicht wenn sich die Gruppe auf einem öffentliche Platz versammelt hätte.

      Das haben sie wohl getan: Die Demo fand auf einem Wendehammer statt, nach Angaben der Polizei wurde das Grundstück des Beamten nicht betreten.

      Ansonsten: Persönlich finde ich es auch falsch, wenn vor Privatwohnungen demonstriert wird.

    • Ich möchte den Kommentar von Björn Bork ausdrücklich unterstützen.
      Ich höre die Lage seit der 80. Folge und liebe sie, obwohl ich ein stock konservativer Mensch bin. Die Analysen sind Weltklasse, den Schlussfolgerungen kann ich jedoch nicht immer folgen. Beim Thema Hitzacker bin ich schockiert, wie Herr Buermeyer eine für eine Familie potenziell gefährliche Situation ins Lächerliche zieht. Und genau dies haben Sie getan! Das geht gar nicht! Geigen sind schöne Instrumente. Sie garantieren jedoch keine Gewaltlosigkeit. Selbst wenn niemand von den Protestierenden Gewalt ausüben wollte (was ich gerne glaube), so kann man dies aber aus Sicht der Familie des Polizisten nicht sehen. Der Vergleich von Björn Bork passt. Wenn ich mir vorstelle, dass eine Gruppe von AfD-Sympathisanten oder wer auch immer vor meinem Haus die Nationalhymne singt, dann wird mir ganz bange. Mir wäre es auch vollkommen egal, ob sie dann eine Geige dabeihätten. Allein die Vorstellung diese DROH-Kulisse würde meine Frau und meine Kinder treffen, macht mir Angst. Herr Buermeyer, bitte hören Sie sich selbst noch einmal diesen Teil der Folge an. Als Familienvater machte mich dieser Teil der 101. Folge fassungslos. Und vielleicht lag es ja an dem Format “Lage Live”. Aber das müssen Sie beantworten.

      • Möglicherweise haben Sie das Konzept „Demonstration“ nicht recht vor Augen: Natürlich kann es immer zu einer Eskalation kommen, wenn Menschen sich versammeln, aber das liegt in der Natur der Sache, und gleichwohl sind Demonstrationen in einer Demokratie ausdrücklich gewollt. Und die Leute vor Ort waren doch friedlich. Was wollen Sie mehr?

        Dass wir es falsch finden, vor einem Privathaus zu demonstrieren, haben wir ja deutlich gemacht. Aber man kann die Demontranten auch nicht für überzogene Ängste der anderen Seite verantwortlich machen, zu denen sie ja keinerlei Anlass gegeben haben.

        Schließlich muss man auch in den Blick nehmen, dass der Beamte – jdf nach Wahrnehmung seiner Kritiker – sein Amt missbraucht, um politisch Andersdenkende zu schikanieren und mit Verfahren zu überziehen. Damit provoziert er möglicherweise Grenzüberschreitungen der anderen Seite. Vielleicht würde da auch ein wenig mehr Augenmaß zur Deeskalation beitragen.

  46. Nur weil ihr explizit danach gefragt hattet: Ich war noch bei keiner Lage live, aber freue mich immer sehr, sie zu hören. Es ist eine angenehme Abwechselung, und eine gelegentliche Häufung finde ich überhaupt nicht problematisch.

    Wo ich es jetzt schon mal schaffe, hier zu kommentieren, möchte ich mich gleich noch für die wöchentliche Arbeit, die ihr hier leistet, bedanken. Ich freue mich immer total über neue Folgen. Danke schön.

  47. Ich mag die Lage Live nicht, da der Humor zu gezwungen wirkt und teilweise polemisiert wird (Hier Nahes als Beispiel).

  48. Hallo Philip und Ulf,
    zum hochinteressanten Thema “Hitzacker” habe ich zwei Fragen:
    1) Kann man die dpa-Meldung irgendwo nachlesen oder bezieht ihr euch auf Link 2 in den shownotes (POL-LG…)?
    2) Den Welt-Artikel habt ihr nicht verlinkt, bezieht ihr euch auf die Online-Meldung vom 19.05.2018 (https://www.welt.de/vermischtes/article176525896/Niedersachsen-60-Vermummte-stuermen-Privatgrundstueck-eines-Polizisten.html)?
    Ich wollte das Thema noch einmal für mich durcharbeiten und bin mir bei 1) überhaupt nicht, bei 2) aber recht sicher… Danke!

    • Hi, die dpa Meldung ist selbst nicht online, aber die MOZ, die wir meine ich verlinkt haben, hat sie quasi identisch übernommen. Und ja, das ist der WELT-Artikel.

  49. Ich mag die Lage live. :)

  50. Hallo : )

    Dass selbst Tetrapaks trotz dem ganzen Umweltgesabbel nicht verwertet werden schockt mich schon etwas. Gibts im Jahr 2018 ernsthaft immer noch keine umweltfreundliche Verpackung außer ner mehrweg Glasflasche?

  51. Feedback zur Live-Aufnahme

    Mich stören Live-Aufnahmen i.d.R. auch, ich finde es aber in der Lage nicht so schlimm, da nicht allzu viel mit dem Publikum interagiert wird und die Leute auch eher ruhig sind. Also alle paar Wochen mal eine Live-Aufnahme find ich völlig ok.

    Negativ-Beispiel ist für mich z.B. Pod Save America, die ja bei Ihren Auftritten Spiele mit dem Publikum machen. Das ist zwar oft lustig, aber wenn man abends im Bett liegt möchte ich nicht so beschallt werden :)

    Ansonsten weiter so!

    Grüße

    Philipp

    • Möchte mich dem Feedback von Philipp anschließen.

      Ab und zu eine Lage Live finde ich auch nicht schlecht. Das etwas launige Format kann durchaus unterhalten. Hier immer das perfekte Mittelmaß zwischen Unterhaltung und Sachlichkeit zu finden würde ich gerade in Eurem Format als sehr schwer bezeichnen. Wieso? Wie viele höre ich die Lage nebenbei, muss mich also auf andere Sachen gleichzeitig konzentrieren. Wenn ihr komplexere Themen aufmacht, muss ich mich teilweise deutlich auf euch konzentrieren. Wenn diese Themen mit vielen Jokes unterbrochen werden wird es schwerer alle Punkte im Kopf zu behalten und euch zu folgen. Beim Autofahren von bekannten Strecken oder “einfachen” Kochen, alles kein Problem. Bei komplexeren Aufgaben z.B. das Einkaufen im unbekannten Supermarkt (Orientierung) wird das sehr schwer.

      Ich denke wann die Jokes passen hängt somit auch von dem Kontext ab wo ich bin aber auch wo ihr inhaltlich seid. Denke wenn man das aber etwas überlegter machen kann die Qualität durchaus steigen.

      Im Studio habe ich auch das Gefühl das Ihr inhaltlich etwas schärfer/präzisier in der Argumentation seid und so mehr in die tiefe geht.

      Trotzdem find ich die Lage Live bereichernd und hoffe ihr kommt mal nach Heidelberg :)

  52. +1 zu viel Klamauk
    +1 sachlicher und neutraler
    +1 weniger Lage Live

    Bitte weniger abgesprochene Frühstücksradiosketche mit Emojivertonung und mehr echte Gespräche, wo sich nicht immer beide Gesprächspartner bereits ausführlich mit dem gleichen Thema beschäftigt haben, und sich nur noch die Bälle zuspielen.

    Zur nächsten Sendung müsst ihr mal diesen “Babtschenko Fall” erklären.

  53. Ich finde die Lage live auch als podcast super. Vielleicht nicht jede Woche, aber alle paar Wochen ist es einfach erfrischend.
    Hoffentlich bald auch mal im Rhein-Main Gebiet!

    • Lage live hören oder Lage “normal” hören – das ist mir egal.
      Ihr könnt gerne soviele Lage live machen, wie Ihr halt möchtet.

      • Da stimme ich voll zu! Macht einfach so viel Lage live, wie ihr mögt. Bisher fand ich eure Balance diesbezüglich super ☺

  54. Die mögliche Koalition aus M5S und Lega für eure zahlreichen Hörer in “AfD plus NPD” zu übersetzen, das ist schon ein Hammer. Da musste ich wirklich schlucken. Gerade wenn ihr am Ende des Podcasts völlig zurecht das desinteressierte Nachplappern und in der Folge noch Dramatisieren einer Polizeimeldung thematisiert, dann könnt ihr doch nicht – in einem viel, viel, viel bedeutsameren Thema – so einsteigen.

    Die M5S haben weder mit dem, wofür in Deutschland die AfD noch die NPD ideologisch steht, irgendwas am Hut. Außer der Festellung, dass die “Systemparteien”, um es mit einem bekannten Italiener zu sagen, “Flasche leer haben”. In Italien ist das halt, anders als in Deutschland, eine für jedermann einsichtige Beschreibung der politischen und gesellschaftlichen Lage.

    Dann noch ein Denkanstoß zu eurer Beschreibung der Lage auf den Anleihemärkten. Der naive Zuhörer mag sich da über einiges wundern, was von euch aber dem Anschein nach gar nicht reflektiert wird:

    Da gibt es also Ratingagenturen, die die Bonität von Staaten beurteilen. Auf der anderen Seite gibt es in der Eurozone die EZB, die grundsätzlich jedes Mitgliedsland in beliebiger Höhe stützen kann und dies auch, etwas verklausuliert, auch schon recht klar kommuniziert hat: “whatever it takes”, wir erinnern uns. Solange die EZB diesem Grundsatz folgt, gibt es für italienische Staatsanleihen kein Risiko, unabhängig von den Aktionen einer wie auch immer gearteten italienischen Regierung. Worauf die Ratingagenturen bei einer Abstufung Italiens also spekulieren, das ist eine Kursänderung der EZB, z. B. um eine unbotmäßige Regierung in Rom zu maßregeln.

    Wenn das so ist, dann ist es nun aber einigermaßen kurios, dass die EZB wiederum durch Satzung daran gehindert sein soll, Italien im Falle einer Abwertung unter ein gewisses Bonitätsniveau durch Anleihekäufe zu stützen. Ob Italien unter dieses Bonitätsniveau fällt, das ist doch ganz allein in der Hand der EZB! Was ihr als Agieren “der Märkte” darstellt, liegt in Wirklichkeit einzig und allein am politischen Willen oder Unwillen zwischen Berlin, Frankreich, Rom und Frankfurt.

    Wenn, nach Telefonaten mit Merkel und Marcron, morgen Herr Draghi vor die Kameras tritt und verkündet, dass eine demokratisch legitimierte Regierung in Rom selbstverständlich befugt und verpflicht sei, den Willen des italienischen Volkes in konkrete Politik umzusetzen und er so ganz und gar nicht verstehen könne, dass es auf den Anleihemärkten zu Verunsicherung gekommen sei, dann ist der Renditeabstand von italienischen zu deutschen Staatsanleihen – schwupps – wieder nahe null. Ob es dazu kommt oder ob man Italien behandelt wie Griechenland, da ist eine rein politische Entscheidung. Getroffen wird diese nicht zuletzt im Bundeskanzleramt. Und so sollte man auch darüber berichten, meine ich.

  55. Bei 1:00:13 könnte man auf die Idee kommen, Philip würde sagen, Tel Aviv liege am Pazifik… Das ist natürlich falsch. Dass es im Mittelmeer mittlerweile auch so viel Plastikmüll gibt, wusste ich nicht. Müll in der Umwelt nervt…

  56. Zur Asylpolitik:
    Wenn es um die Rechte von illegalen Migranten und irgendwelche Obergrenzen geht, bist du Ulf absolut rechtsdogmatisch – egal was die restlichen EU-Länder (oder der Rest der Welt) praktisch tut.
    Wenn es dagegen um die Rückführung der Migranten geht, werden Realitäten nicht nur akzeptiert sondern auch verabsolutiert: Die Herkunftsländer nehmen die Migranten nicht zurück, tja da kann man nichts machen, wir müssen allen eine Bleibeperspektive bieten.
    Das ist nicht nur absolut inkonsequent sondern auch völlig Falsch. Natürlich kann die deutsche Politik, speziell die Außenpolitik etwas tun. Die deutsche Geldkoffer-Außenpolitik hat schon wahre Wunder vollbracht und mit etwas “Entwicklungshilfe” (entweder gewähren oder streichen derselben – Zuckerbrot und Peitsche) wird man schon Pässe für die Rückreise organisiert bekommen. Das wird immer noch billiger als die ganze Integration und wäre definitiv ein großes Hemmnis die lebensgefährliche Reise überhaupt zu versuchen. Ein intelligent eingesetzte Hilfe könnte langfristig sogar tatsächlich die Fluchtursachen bekämpfen.

    • @Stefan

      Wenn das so einfach wäre, es würde längst umgesetzt. Für ein paar lumpige Tausender pro Nase würde aber keine afrikanische Regierung ihre junge Männer zurücknehmen. Schlicht weil perspektivlose, zur Veränderungen ihrer Situation auch unter Einsatz ihres Lebens motivierte Leute ein handfeste Bedrohung für Leib und Leben der jeweiligen Regierenden darstellen.

      Wenn man aber richtig in die Tasche greift, und mit jedem Heimkehrenden Nigerianer, Algerier, Ägypter, etc. noch ein paar zehntausend Euro mitschickt (selbst das könnte im Hinblick auf die Kosten insbsondere der nicht-stattfindenden Integration in Deutschland noch als gutes Geschäft erscheinen), dann wird die Sache für die jeweiligen Länder erst richtig zum Geschäft. Warum sollten sie dann nicht die Leute postwendend wieder an die Mittelmeerküste schicken und sich auf die nächste Überweisung freuen?

      Vielleicht tut mal etwas Demut gut: Wenn es einfache, leicht umsetzbare Lösungen gäbe, dann hätte man das schon lange gemacht. Kein deutscher Politiker hat Bock auf abgelehnte Asylbewerber, die in Stadtparks Drogen verkaufen.

    • “Die Herkunftsländer nehmen die Migranten nicht zurück, tja da kann man nichts machen, wir müssen allen eine Bleibeperspektive bieten.”
      Es ist schon beeindruckend, wie dreist wahre mit falschen Aussagen gemischt werden. Die erste Hälfte ist korrekt wiedergegeben (ab 45:40), die zweite frei erfunden (und zwar auch als Paraphrase!) und sogar das Gegenteil dessen, was er früher sagt (“niemand hat gefordert, alle aufzunehmen”, 44:10).
      Ich kann mich auch nur erinnern, dass sich Ulf immer FÜR die Durchführung von Abschiebungen bei abgeschlossenen Asylverfahren ausgesprochen hat.

      Ulfs Punkt war, dass man eben mit der Definition als “sichere Herkunftsländer” zwar die Asylentscheidung von Menschen beschleunigt, aber das wahre Problem, die Abschiebung, eben nicht in den Griff kriegt, sodass sich am Ende eben überhaupt nichts ändert.

      Dein Vorschlag, der Staat möge Entwicklungshilfe dazu benutzen, Pässe für Abschiebungen zu kaufen (“wird man schon Pässe für die Rückreise organisiert bekommen”), die im Zweifel halt falsch sind (i.S.v. die Identität oder Nationalität einer Person neu definieren), lässt schon recht gut erahnen, worum es hier eigentlich geht.

  57. Hallo,
    Wie immer vielen Dank für die Sendung!
    Einen Mini-Hinweis: Jakob Augstein ist nur der rechtliche Sohn von Rudolf Augstein. Sein leiblicher Vater ist Martin Walser.

  58. Gerade wollte ich noch Kommentare der alten Lage 100 lesen, da ich dachte, die nächste würde erst am Wochenende kommen – und war überrascht, dass schon wieder eine neue “Lage live” online ist. Düsseldorf hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm, der Abend ist gerettet :)
    Ich finde die Lagen-live immer erfrischend. Mein Kommentar soll aber kurz etwas zur Werbung sagen: Wenn ich über die Webseite höre, logge ich mich oft nicht ein und höre daher Werbung, obwohl ich sie mir als Abonnent eigentlich sparen könnte.
    Ich finde eure Werbepartner in letzter Zeit immer interessant und die Werbung wirkt auf mich gar nicht nervig, sondern durchaus inspirierend. Auch so, wie sie (eigentlich ja immer von Philip) gesprochen ist, gefällt sie mir gut, weil sie auf mich eher wie ein Verbrauchertipp von euch an uns Hörer wirkt. Das wirkt auf mich schon recht gut angepasst auf die Zielgruppe eurer Hörer, und ich wollte nur rückmelden: Ihr seid hier auf einem guten Weg! Wäre toll, wenn immer mehr Werbepartner auf euch zukommen mit Produkten, die ihr guten Gewissens weiterempfehlen könnt – ich denke, dann sind auch die Leute zufrieden, die euch nicht abonniert haben.
    Als Abonnent hoffe ich auf schöne Überbrückungen für die Sommerpause – ansonsten werde ich mich durch eure Brexit-Folgen arbeiten, weil ich euch 2016 noch nicht gehört habe.
    Für ein Sommer-Special hätte ich einen Vorschlag: In LdN001 gab es ein Kapitel “Peter Altmaier über Flüchtlinge”. Seine damaligen Aussagen, über die ihr berichtet hat, fand ich hochinteressant (sinngemäß: “Wenn es den Leuten nicht passt, dann wählen sie eine andere Partei.”). Ich habe länger nach der Rede (im Rahmen einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer) gesucht, aber es gibt sie nach meinen Recherchen nicht gedruckt oder als Aufnahme im Netz. Philip hat damals gesagt, er habe das mitgeschnitten und ihr habt überlegt, dass man das evtl. mal als Bonus geben könnte. Kam dann aber wohl nicht.
    Wenn das noch möglich wäre, fände ich das großartig – es sei denn, die Aufnahmen sind vielleicht nicht (mehr?) freigegeben, könnte man ja auch verstehen. Aber immerhin war es eine halbwegs öffentliche Rede und das “Herzblut” von Altmaier würde mich zwei Jahre später wirklich sehr interessieren, weil die Union ja immer noch auf dem Weg ist, sich in Bezug auf die Flüchtlingspolitik zu positionieren.
    Schließlich eine historische Frage: Mein Podcast-Player zeigt die erste Lage für Plus-Abonnenten als LdN50+. Gibt es dieses Plus-Format wirklich erst seit Folge 50?
    Danke im Voraus für all eure Mühe! Ich freue mich auf die nächsten 101 Lagen :)

    • 1. Juni 2018 um 16:00 Uhr
      Matthias Rathje

      Ich bin zwar nicht der Pressesprecher der Lage, aber ich glaube, ich kann dir einigermaßen zuverlässig bestätigen, dass es das Plus-Format tatsächlich erst ab Nr 50 gibt.
      Gruß
      Matthias Rathje

      • Matthias, du hast tatsächlich Recht – ich habe mich nach deinem Hinweis mal über die Homepage durch die Inhaltsverzeichnisse der alten Folgen geklickt und auch die Ankündigung für Kuechenstud.io/+ in LdN048 gefunden.
        Dabei, liebes Lage-Team, ist mir ein technisches Problem aufgefallen! Die Übersicht zur Folge LdN048 ist zwar unter https://www.kuechenstud.io/lagedernation/page/57/ aufrufbar, der Podcast dann aber offenbar mit der LdN089 verknüpft. LdN047 funktioniert aber genauso einwandfrei wie LdN049. LdN089 (https://www.kuechenstud.io/lagedernation/page/13/) geht auch. Nur die 048 kann ich nicht abrufen, bzw. ich erhalte immer die 089.
        Könnt ihr das Problem fixen? Danke dafür im Voraus, denn Folge 048 ist ja für das Plus-Format quasi von historischem Interesse ;-)

  59. Noch eine Ergänzung zum Thema Italien – speziell zum Erfolg der Cinque Stelle:

    Zum einen zum Movimento 5 Stelle, die sich schwer ins klassische (deutsche) Parteienschema einordnen lassen. Sie nennen sich selbst postideologisch und weder links noch rechts. Man kann sich das ganze ungefähr wie die Wagenknechtfraktion der Linken, mit der Arroganz der AfD gegenüber allen anderen und den Mitteln der Piraten vorstellen. Vor allem die Themen Glaubwürdigkeit, Korruptionsbekämpfung und Soziales brachten ihnen Stimmen. Sie mit den klassischen rechtspopulistischen Parteien zu vergleichen wird dem ganzen nicht gerecht.

    Ihr Hauptwahlversprechen war eine Art Hartz IV, das als “Grundeinkommen” verkauft wurde. Wer kein Einkommen hat aber bereit ist Arbeit zu leisten bekommt etwa 700 Euro monatlich vom Staat. Das wäre vor allem für den Süden des Landes eine Wohltat. Es ist also nicht verwunderlich, dass diese Partei vor allem im armen Süden gewählt wurde.

    Die Lega hingegen füllt die Lücke die Berlusconis Forza Italia hinterlässt. Ihn nimmt kaum mehr jemand ernst und er durfte zu dieser Wahl auch nicht antreten und die Lega wird als seriöse rechte Partei gesehen (daher auch ihr aktueller Stimmenzuwachs). Migration war dementsprechend auch das Hauptthema im Wahlkampf, der ziemlich rassistisch geführt wurde. Höhepunkt war der rechtsextreme Terroranschlag von Macerata.

    Auf Italiens Probleme hinabzublicken ist aber nicht angebracht: Viel mehr erleben wir in Italien, was vielen Staaten blühen wird und was wir in Deutschland auch schon in Teilen erleben – Die klassischen Parteien verschwinden in der Versenkung (in Italien PD und FI, in Deutschland die SPD), weil sie auf strukturelle Probleme die in der Lage ja auch immer wieder Thema sind keine Antworten finden – und neue oder alte populistische Bewegungsparteien bekommen, weil sie als Alternative angesehen werden große Stimmanteile.

    Was es für die Demokratie bedeutet, wenn klar wird dass auch diese Parteien keine sinnvollen Lösungen bieten kann sich jede*r selbst ausmalen.

    • Man muss bei alledem die miese wirtschaftliche Lage in Italien berücksichtigen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist immer noch erschreckend hoch, mehr als 67 Prozent der erwachsenen Italiener unter 35 Jahre wohnen noch bei den Eltern. Nach einer Jugendstudie des europäischen Parlaments von 2016 fühlen sich 78 Prozent der jungen Italiener vom sozialen und wirtschaftlichen Leben ausgeschlossen. Mehr als jeder Dritte unter 35 Jahren ist arbeitslos, in manchen süditalienischen Regionen bis zu 80 Prozent. Wegen fehlender staatlicher Hilfen ist die Familie das einzige soziale Netz, es gibt kein Hartz IV. Dieses Grundeinkommen, das Fünf Sterne vorschlägt, bekommt man nicht wenn man Arbeitsangebote ablehnt.

      Ich empfehle wirklich folgenden Artikel über Italien zu lesen, um vielleicht ein wenig mehr Verständnis bzw. Empathie für unsere Generation der Millenials zu entwickeln.

      http://www.fr.de/panorama/hotel-mama-endstation-elternhaus-a-1375268

      • Da gehe ich voll d’acord mit dir. Ich habe selbst private Beziehungen in das Land und kenne die Problematik daher aus erster Hand.

        Das reddito di citadinanza (Hartz IV / Grundeinkommen) was das M5S einführen möchte, wäre immerhin ein erster Schritt den eine zukünftige Regierung vermutlich nur schwierig wieder abschaffen könnte. Ich habe daher die Hoffnung, dass das wenigstens etwas an der sozialen Situation in Italien ändern würde und zumindest ein wenig Sicherheit geben würde – auch wenn es am Arbeit (wie in gewissem Maße hier ja auch) Zwang zur Annahme von Arbeit bedeutet.

        Denn auch wenn die Millenials heute von ihren Eltern unterstützt werden bleibt die Frage, die sich viele von ihnen stellen – wie sollen wir eine eigene Familie aufbauen und unterhalten?

  60. Hi, danke euch für den guten Podcast, insbesondere die Darstellung von Hitzacker habt ihr gut hinbekommen. Leider ist euch das gleich passiert bei den Zahlen zur AfD-Demo bzw Gegendemo, meiner Meinung nach waren da weit über 25K Menschen, der*die Veranstalter*innen sprechen von 72 K Menschen. Ich würde behaupten 50K Menschen waren es sicher. Es gibt einen guten Tax-Artikel dazu und die Polizei selbst hat davor gewarnt ihre Zahlen zu übernehmen, die DPA hat es trotzdem gemacht.

  61. Austerität funktioniert nicht!

    Sie funktioniert nicht in Griechenland und sie funktioniert auch nicht in Italien. Nur waren halt bisher in Rom Regierungen am Werk, die sich nicht trauten, einer sich hinter verunsicherten “Märkten” verschanzenden deutschen Dominanz die Stirn zu bieten, welche nach wie vor radikales “Gesundsparen” als einzig probates Mittel zur Rettung hochverschuldeter EU-Mitgliedsländer (Italien derzeit immer noch ca. 130% des BIP) propagiert und diese von Ideologie und Ignoranz motivierte Hungerkur für die breite Masse der Bevölkerungen nötigenfalls auch (siehe Griechenland) unter knüppelharter Missachtung demokratischer Wahlergebnisse oder Volksabstimmungen durchzieht.

    Nun ist aber Italien, völlig ungeachtet seiner ganz sicher zu konstatierenden sonstigen Verfehlungen, kein Mini-Staat wie Griechenland ohne nennenswertes Exportpotential, sondern eine bis kurz vor der Eurokrise durchaus erfolgreiche Industrienation und die drittgrößte Vokswirtschaft in der EU.

    Und man kann das jetzt in den Hochburgen des deutschen Wertejournalismus gut finden oder nicht, aber die Italienischen Wähler/innen haben mit der letzten Wahl eindeutig zum Ausdruck gebracht, dass sie sich nicht länger am Gängelband der neoliberalen Technokraten führen lassen, und den bisherigen Sparkurs nicht mehr mitmachen wollen. Und deshalb haben sie Parteien gewählt, die sich ausdrücklich dagegen gestellt haben.

    Stärkste der beiden, nun am Veto des Präsidenten gescheiterten, potenziellen Koalitionsparteien ist dabei aber nicht, wie man mittlerweile fast den Eindruck haben könnte, wenn man nur deutsche Leitmedien konsumiert, die rechtsradikale Lega (Nord) geworden, sondern die eher linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung.

    Weil deren Gründer und heimlicher immer noch-Parteichef Bepe Grillo sich in der Vergangenheit ziemlich ätzend über Migranten geäußert hat, wurden die halt vom deutschen Medien-Mainstream kurzerhand allesamt zu Rechtspopulisten umdeklariert und deshalb feiert nun das systemkonforme liberale Bürgertum in Unser Land deren Scheitern als Sieg der Demokratie und sich selbst gleich mit als letzte Bastion des aufrechten Europäertums.

    Das ändert aber alles nichts an der Tatsache, dass die Lega, so wie alle rechtspopulistischen Parteien, inklusive unserer deutschen “Alternative”, einen Großteil ihrer Popularität daraus zieht, dass sie sich als genau von diesem selbstverliebten Establishment verfolgte Freiheitskämpfer und Vertreter der “schweigenden Mehrheit” feiern lassen können.

    Mit der Entscheidung des Staatspräsidenten, eine Regierung unter dem zwar parteilosen, aber ganz klar den Fünf Sternen nahe stehenden Herrn Conte abzulehnen, und dem daraufhin umgehend erfolgten Markt- und Auteritätskonformen Rauschen des deutschen Blätterwaldes, ist die Opferkult-Inszenierung von Salvini und seinen rechten Mitstreitern nun perfekt.

    Hätte Matarella die Koalition abgelehnt, weil Salvini ihm zu ausländerfeindlich ist, dann hätte er den linken Teil der europakritischen Wählerschaft vielleicht noch bei der Stange halten können. Aber dadurch, dass der Präsident als Stein des Anstoßes ausgerechnet den designierten Finanzminister und expliziten Austeritäts-Kritiker Savona identifizierte, hat er auch für alle eher links-affinen italienischen Wähler/innen, die mit der von Brüssel und Berlin diktierten “Rettungspolitik” nichts mehr zu tun haben wollen, ganz klar gemacht, dass ihn ihr Wählerwille einen feuchten Dreck interessiert.

    Und weil das noch nicht gereicht hat, um dem aufmüpfigen Pöbel zu zeigen, wo der neoliberale Hammer hängt, wurde als Verwalter des Spardiktats auch gleich noch ein systemkonformer, ganz dem Geschmack des deutschen Finanzministeriums entsprechender Technokrat als neuer Regierungschef eingesetzt.

    Und wer jetzt denkt, dass damit das (links-)liberale Lager irgendwie gestärkt worden sei, der hat nicht verstanden, dass es unter den derzeitigen Bedingungen in Italien nur noch sehr wenige “Liberale” gibt. Die Polarisation ist, auch und vor allem durch die völlig widersinnige Politik der letzten Jahre, dort einfach schon viel weiter voran geschritten, als man sich das hier auf der Insel der Exportweltmeister offenbar vorstellen kann.

    Auch hier lohnt sich vielleicht mal ab und zu ein Blick über den Atlantik, wo genau diese selbstverliebte Ignoranz des gehoben Bürgertums dafür gesorgt hat, dass nach der Wahl des schlechtesten Gameshow-Hosts aller Zeiten zum Commander in Chief plötzlich das gesamte liberale Medien-Establishment aus allen Wolken fiel und sich bis heute noch nicht vom Aufprall auf dem Boden der Tatsachen erholt hat.

    • Wenn Austerität nicht funktioniert, was funktioniert dann?
      Geld mit vollen Händen verschwenden funktioniert definitiv nicht, das haben die letzten Jahrzehnte in Italien und Griechenland deutlichst aufgezeigt.
      Man hätte in beiden Ländern in den fetten Zeiten nach der Euro-Einführung in Infrastruktur und Bildung sowie in eine wachstumsfreundliches Wirtschaftsklima investieren müssen. Dann wäre man gar nicht erst in diese Misere gekommen. Hat man aber nicht getan und die Populisten die dort gerade werkeln, werden es sicher auch nicht tun, den das führt zu unpopulären Maßnahmen wie seinerzeit HartzIV. Und Herr Draghi wird mit seiner illegalen Staatenfinanzierung auch nicht in alle Ewigkeit weiter machen können.
      Also nochmal, was ist die Alternative zu Austerität?

      • Ein Zwang zur Einnahmensteigerung – über ein Steuersystem dass die, die das Geld haben zur Kasse bittet – und zur Investition beispielsweise.

        Ein Land wird nicht dadurch gerettet, dass es bei den Ausgaben spart sondern dass es ausreichend Einnahmen hat. Daran mangelt es m.M.n. in Italien – die Preise für Lebensmittel sind beispielsweise die gleichen oder höher als hier, obwohl die MWSt nur bei 10% bzw 4% liegt (und nicht wie hier bei 19% bzw 7%). Das heißt die Unternehmen streichen mehr und der Staat weniger ein.

      • @Hannes
        Steuererhöhungen werden mit Sicherheit die Unternehmen dazu bringen die dringend benötigten Arbeitsplätze zu schaffen um die hohe Jugendarbeitslosigkeit abzubauen. Weil, ja weil ähm …
        Wahrscheinlicher aber werden die Unternehmen die Steuererhöhungen schlicht an den Konsumenten weiterreichen – was das Leben der Arbeitslosen nur weiter erschweren.

      • @Stefan

        Hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen gibt es eine gewichtige Industrienation (Anteil der Industrie am BIP ebenfalls ca. 25% wie in Italien), die nicht ganz unähnliche Probleme hat wie Italien: Überalterung, niedrige Wachstumsrate, verkrustete Strukturen, Investitions- und Nachfrageschwäche im Privatsektor – nur eines ist da anders: es gibt Arbeit.

        Dieses Land heißt Japan. Dort hat man sich dafür entschieden, die Wirtschaft im wesentlichen mittels schuldenfinanzierter Konjunkturprogramme am Laufen zu halten. In unterschiedlicher Intensität läuft das nun fast drei Jahrzehnte so. Bezahlt hat Japan das mit einer Staatsverschuldung von gut 240% der jährlichen Wirtschaftleistung.

        Wer wissen will, was Japan – im Gegensatz zu Italien – bekommen hat für seine schuldenfinanzierten Staatsausgaben, der sehe sich diese Zahlen an:
        https://countryeconomy.com/unemployment/japan
        https://countryeconomy.com/unemployment/italy
        Beachtlich vor allem der Unterschied in die Jugendarbeitslosigkeit.

        Für den Normalbürger ist es zigmal besser, in einem Staat zu leben, der jedes Jahr ein paar Dutzend Mrd zusätzliche Schulden auftürmt, anstatt einen Gutteil der Bevölkerung materiell und in der Folge auch psychisch vor die Hunde gehen zu lassen.

        Wenn du also fragst, was statt Austerität funktioniert, dann antworte ich die ganz einfach: Geld ausgeben, das funktioniert!

      • Beispielsweise Konjunkturpakete. Deutschland hat auf die globale Finanzkrise 2008 mit zwei Konjunkturpaketen reagiert und damit eine Rezession und Anstieg der Arbeitslosenquote abgewehrt.

        Niemand leugnet, dass viele Probleme in Italien und Griechenland hausgemacht sind. Aber das Drama der italienischen Krise wird deutlich, wenn man weiß, dass vor der Finanzkrise jeder Euro privater Nettoinvestitionen 6 Euro privaten Konsum mit sich brachte. Ohne die Politik, zu der Italien seit 2010/11 gezwungen ist, wäre das Land besser dran. Eine solche Krise mit abnehmendem Kapitalstock dürfte in Europa seit den 1930er Jahren nicht mehr aufgetreten sein. Sinkende Staatsausgaben vernichten am Ende nur Umsatz/Einkommen der Privaten. Italiens Arbeitslosenquote lag vor Beginn der Austeritätskrise 2011 unter der zum Euro-Beitritt. Das reale BIP pro Kopf lag vor der Austeritätskrise 2% über dem zum Euro-Beitritt, 2014 waren es minus 3,7%.

        Insgesamt erwirtschaftet die italienische Wirtschaft übrigens eine höhere Rendite auf das eingesetzte Kapital als die deutsche Wirtschaft.

      • @Günter
        Bei deinem schönen Märchen hast du, natürlich nur unabsichtlich der schönen Geschichte wegen, vergessen zu erwähnen, dass in Japan die Besonderheit vorherrscht,dass nahezu alle Staatsanleihen von der Bevölkerung gehalten werden und diese unverbrüchlich loyal zum Staat ist. Da hat der Staat keine Angst vor Investoren die Geld nur noch zu horrenden Zinsen rausrücken.In Italien ist das nicht der Fall. Deswegen kann sich das Land nicht beliebig verschulden.

      • Kannst Du nicht mal versuchen, Deine Kommentare von galligem Sarkasmus frei zu halten? “natürlich nur unabsichtlich, der schönen Geschichte wegen” ist ein völlig überflüssiger persönlicher Angriff. Günther steckt das sicher weg, aber es macht einfach keinen Spaß, diese Pöbeleien zu lesen.

      • In unserem Kreditgeldsystem entsteht Vermögen durch Schulden anderer.

        Die Vermögen in Deutschland bestehen zum Teil eben auch deshalb, weil die EU-Länder in der Süd-Schiene zu dieser Verschuldung bereit waren.

        Deren Schulden – unser Vermögen.
        Siehe unsere jahrzehntelangen Handelsbilanzüberschüsse (die ja gerade auch aus dem Handel mit EU-Staaten stammen).

        Wenn ich also den Abbau von Schulden verlange, dann hat das auch den Abbau von Vermögen auf der Gegenseite zur Folge. Will ich das?

        Alternative ist, dass sich andere verschulden, wenn der italienische Staat das nicht mehr tut.
        Einzelne Schuldner können schon ihre Verschuldung reduzieren, aber im Gesamtsystem kann die Verschuldung nicht gesenkt werden, wenn man nicht Guthaben streichen will.

        Daher die Frage: wer soll sich anstelle des italienischen Staates verschulden?
        Der deutsche? Nee – wollen wir ja nicht, schwarze Null, und so weiter.
        Die deutschen Privathaushalte? Deutsche Unternehmen?
        Schuldner anderer europäischer Staaten?

        Man macht es sich eben zu einfach, wenn man nur mit dem Finger auf den
        verschuldeten italienischen Staat zeigt. Denn – wie gesagt – wir hängen auf
        der Gegenseite mit drin in der Problematik.

        Die Lage hat es sich hier, meiner Meinung nach, zu einfach gemacht. Dieser wichtige
        Aspekt fehlt einfach dabei, wie meistens in anderen Medienberichten zum Thema auch.
        Ansonsten war der Italien-Beitrag für mich aber gut und stimmig.

      • @Stefan

        Japan und Italien unterscheiden sich nur dadurch, dass in Japan die Zentralbank die Finanz- und Wirtschaftspolitik der jeweiligen Regierung stützt, während dies – aus rein politischen/ideologischen Gründen – der EZB im Falle Italiens offiziell nicht gestattet ist. Mit katastrophalen Folgen für Millionen von EU-Bürgern.

      • @Günter
        Die EZB hat nicht nur Verantwortung für Italien sondern auch für den Rest von Europa. Und genau deswegen leiden Millionen Europäer heute unter der Nullzinspolitik zur Illegalen Staatsfinanzierung. Über die ruinierte Riester-Rente leidet ausgerechnet der kleine deutsche Renter ganz deutlich unter Italiens Politik. Also verwechsle bitte nicht Opfer und Täter.

      • @Stefan

        Du bist wirklich naiv, wenn du annimmst, dass die europäische Wirtschaft derzeit einen Leitzins von deutlich höher als Null vertragen könnte. Denn diese Annahme steckt ja in deinem Vorwurf, die EZB würde mit sozusagen künstlich niedrig gehaltenen Leitzinsen die finanzschwachen Länder stützen und dies zulasten der Kapitalanleger, die ansonsten höhere Zinsen verlangen könnten.

        Wäre deine Annahme richtig, dann müssten Unternehmer und Bürger in der Eurozone (wobei es ein Zinsniveau nahe null momentan fast in allen Industriestaaten gibt) wie die Blöden Kredite aufnehmen und investieren. Denn das Geld gibt’s fast geschenkt, so dass man damit tausenderlei renditeträchtige Anlagen tätigen könnte. Doch, oh weh, die renditeträchtigen Anlagen, die gibt’s eben nicht. Und weil es die nicht gibt, würde ein merklich höheres Zinsniveau als das jetzige zum sofortigen Absturz der Wirtschaft führen. Und das ist nicht nur graue Theorie, sondern wurde von der EZB sogar 2011 vorgeführt. Diese begann nach der deutlichen wirtschaftlichen Erholung im Jahr 2010 mit einer Erhöhung der Zinsen und, schwupps, stürzte die Eurozone in eine zweite Rezession. Na sowas!

        Damit die Wirtschaft eine höhere Zinsbelastung tragen kann, müsste es erstmal zusätzliche renditeträchtige Geschäftsmöglichkeiten geben, in die Unternehmen mit dem geliehenen Geld einsteigen können. Dazu bräuchte es wiederum eine Ausweitung der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen. Aber “Nachfrage” – das ist ja so ein schlimmes Wort. Da nehmen nur Keynsienaner in den Mund. Und die liegen ja falsch. Hat jedenfalls Onkel Professor Sinn neulich in nem Interview gesagt. Und der muss es ja wissen. Wer denn, wenn nicht der.

      • Doch, es gibt eine Form der Geldanlage, die sich derzeit richtig lohnt: Immobilien. Die derzeitige Krise auf den Wohnungsmärkten ist daher ein trauriger Kollateralschaden der Niedrigzinspolitik: Das billige Geld treibt die Kaufpreise in immer neue Höhen, und damit sich das lohnt, muss entmietet, luxussaniert und teuer neu vermietet werden, wenn man nicht gleich in der Klasse >15 Euro/qm Kaltmiete baut. Dumm nur, dass die Nachfrageseite sich eher für Wohnungen unter 10 Euro/qm interessiert …

      • @Ulf

        Ja, das günstige Geld treibt den Immobilienmarkt. Aber schau dir mal die langfristige Entwicklung an: http://www.victor-investment.de/uploads/pics/Fokus_GenehmigteWohnungen.png

        Von einem richtigen Boom, wie nach der Wiedervereinigung, sind wir noch weit entfernt. Trotz der rekordniedrigen Zinsen und Rekordzuwanderung. Ist auch nicht verwunderlich, denn im ländlichen Raum ist eher Leerstand das Problem.

  62. Apropos “keine Vermummten” in Hitzacker:
    https://my.mixtape.moe/euvccn.png https://my.mixtape.moe/cigrlm.png

    Demnächst bitte gründlicher gucken. Wie man im Video sieht, waren viele schwarz bekleidet. Ob das wohl ein Mottotag war oder eine Anspielung auf den schwarzen Block? Und nein, es flogen keine Steine, da war keine Randale wie manche Medien es vermuten ließen. Jedoch hatte diese “Demo” einen einschüchternden Effekt.

    • Ein schönes Lehrstück über schlechte Recherche und gezieltes Aufbauschen seitens einiger Medien. Allerdings muss ich leider auch wieder ein paar Kritikpunkte loswerden.

      Wie der obige Kommentar schon dargelegt hat, sind im verlinkten Video ganz klar Vermummte zu erkennen – sogar im Thumbnail des Videos. In der Lage wir einfach etwas anderes behauptet.

      Ich finde es zudem unangebracht, wie sich in der Lage über den Vorfall lustig gemacht wird nach dem Motto: ‘war ja nur Geigenmusik’. Also wenn vor meiner Haustür plötzlich 60 Leute auftauchen würden, um dort gegen mich zu demonstrieren, würde ich mich auch sehr eingeschüchtert fühlen. Und zwar egal ob mit Musikeinlage oder ohne. Die Familie und das Privatleben des Staatsschutzbeamten haben mit seiner Arbeit erst einmal nichts zu tun und diese sogenannten Demonstranten haben kein Recht, seine Familie dort mit reinzuziehen. Sie hätten genauso gut vor der Dienststelle demonstrieren können. Die Adresse zu veröffentlichen verstößt nicht nur gegen den Datenschutz, sondern hat etwas von Einladung zur Selbstjustiz durch Internet-Pranger. Machen die Neonazis ja auch gerne mit ihren politischen Gegnern …

      Schade, dass die Lage sich darüber lustig macht. Abgesehen davon: Müsste eine solche “Demo” nicht eigentlich angemeldet sein?

      • Den Punkt “private Adresse” und “Demo vor Privathaus” haben wir ausdrücklich diskutiert und kritisiert. Trotzdem muss man denke ich einräumen, dass von einem Haufen bunter Vögel mit Geigen einfach offensichtlich keine Gefahr ausgeht. Bei mir entsteht da der Eindruck, dass der übereifrige “Staatsschützer” sich einfach nicht gerne kritisieren lässt. Dass die friedlichen Demonstranten dann von einer Hundertschaft aufgemischt wurden, obwohl offenkundig keine Straftaten begangen worden waren, spricht ja ebenfalls eine deutliche Sprache.

      • Ich finde auch, dass das ins Lächerliche ziehen der Aktion völlig unangemessen ist. Selbst wenn es nur Gesang und drei Plakate waren. Wisst ihr, wie die Situation auf die Ehefrau und die Kinder gewirkt hat? Habt ihr mit der Familie diesbezüglich Rücksprache gehalten? Ich finde es völlig daneben den Vorgang vor diesem Hintergrund derart zu banalisieren. Der Ton, den ihr dabei angeschlagen habt, legitimiert für den ein oder anderen eurer Zuhörer diese Aktion als akzeptables Mittel. Ein fatales Signal, dass ihr damit aussendet. Denn wenn die Familien der Polizisten in welcher Form auch immer angegangen werden, wird das das angespannte Verhältnis von Polizei und Aktivisten sicher nicht verbessern.

        Die Kritik an der überzogenen Berichterstattung fand ich jedoch angemessen.

      • Wir haben ja kritisiert, dass vor dem Privathaus demonstriert wurde, aber nach allem was wir wissen war die Nummer überhaupt nicht bedrohlich, das Grundstück wurde ja nicht mal betreten, und die Leute hatten Geigen (!) dabei. Ich fände es im Gegenzug übertrieben, wenn man eine überzogene Reaktion der Familie zum Maßstab der Bewertung machen würde.

        Apropos: Ob die Familie überhaupt Angst hatte oder eingeschüchtert war wissen wir gar nicht, das steht so nicht mal in der PM der Polizei. Mir erscheint das zweifelhaft. Es war ein Streifenwagen vor Ort, die Beamten haben geklingelt – und trotzdem haben sie die Demo nicht aufgelöst und auch keine Platzverweise erteilt. Die hätten doch mit großer Wahrscheinlichkeit die Familie des Kollegen geschützt, wenn dazu Anlass bestanden hätte.

        Wenn einfach nur 60 Leute auf der Straße stehen und singen – so what?

        Das ist ja der Witz an der Geschichte: Aufgeregt hat sich offenbar nur der Beamte, um dessen problematische Amtsführung es ging. Vielleicht auch aus schlechtem Gewissen? Getroffene Hunde und so.

      • Wie ihr mit diesen Vorfall umgegangen seid, fand ich erstaunlich. Zumindest in Bezug auf den ersten Themenkomplex.
        Zu der Dramatisierung der Medien stimme ich euch hingegen uneingeschränkt zu

        Zwei Anmerkungen:
        1.
        Wärend ihr euch häufig durch eine sachliche und differenzierte Art auszeichnet, war der Umgang mit dem Vorfall in Hitzacker verharmlosend und neigte tatsächlich eher dazu “sich lustig zu machen”. Da hilft in Bezug auf die Adresse auch kein Hinweis: “Ist nicht toll, hätte man nicht machen sollen, aber gut.”
        Aber an diesem Punkt hätte es interessant werden können. So stellt ihr euch gegenseitig völlig zu recht die Frage, wie man es denn finden würde, wenn 60 Nazis vor dem eigenen Haus Geige spielen? Oder wie wäre es in der öffentlichen Wahrnehmung, wenn 60 Nazis vor dem Haus einer linken Aktivisten ein Sit-In abhalten?
        Daraus hätte eine interessante Diskussion entstehen können. Allerdings driftet ihr dann ins lächerliche ab und es kommen “zentrale Fragen” auf: “Was haben sie gesungen?” und “wie haben sie es gesungen?”

        Dabei ist doch eben genau die subtile Wirkung dieser Art des Protestes entscheidend. Und nur weil etwas bunt, musikalisch und harmlos aussieht, heißt es nicht, dass das keine bedrohliche Wirkung entfalten kann. Denn die wahre Motivlage der Demonstrangen war sicherich nicht, bunt, musikalisch und harmlos auf den Staatsschützer bzw. dessen Familie zu wirken.

        2.
        Zur Aussage
        “Dass die friedlichen Demonstranten dann von einer Hundertschaft aufgemischt wurden, obwohl offenkundig keine Straftaten begangen worden waren, spricht ja ebenfalls eine deutliche Sprache.”
        Insbesondere aus deiner praktischen Tätigkeit als Richter ist so eine Aussage verwunderlich. Wenn ich mir eine derartige Situationen mit allen dazugehörigen Faktoren, wie Tatsachen, aber auch erste Berichte und Informationsdefizite, vorstelle, ist es für mich nicht offenkundig, dass hier nicht zunächst zureichende Anhaltspunkte für einen Anfangsverdacht vorlagen, worauf dann folglich auch polizeiliceh Maßnahmen (IdF) folgten. Wer das Wendland mit allen Beteiligten kennt, wir auch wissen, dass das, einhergehend mit der durch alle Beteiligten verursachten Eigendynanik, nicht abläuft wie bei einer Personenkontrolle im Vorort von München.
        Wenn im Nachhinein nun herauskommen sollte, dass keine Straftaten begangen wurden, dann ist das das Ergebnis des rechtsstaatliceh Handelns (wenn man jetzt davon ausgeht, dass zunächst Anhaltspunkte vorhanden waren und es keine staatliceh Willkür stattgefunden hat.)

        Das jetzt im Nachhinein sich der Sachverhalt möglicherweise anders darstellt oder aber einzelne Vorwürfe sich nicht ausreichend belegen lassen, kann defintitiv sein. Aber entscheident sind die Tatsachen und Anhaltspunkte die zum Zeitpunkt der Maßnahmen bekannt waren. Und dieses zu berücksichtigen ist m.E. elemtarerBestandteil einer sachlichen Auseinandersetzung.

      • “Dass die friedlichen Demonstranten dann von einer Hundertschaft aufgemischt wurden, obwohl offenkundig keine Straftaten begangen worden waren, spricht ja ebenfalls eine deutliche Sprache.”

        Insbesondere aus deiner praktischen Tätigkeit als Richter ist so eine Aussage verwunderlich.

        Ganz im Gegenteil: Gerade weil ich weiß, wie man sowas sauber machen müsste, ist für mich offensichtlich, dass es sich um eine grob rechtsstaatswidrige Racheaktion der Hundertschaft dafür handelte, dass (vermeintlich) die Familie eines Kollegen bedroht wurde. Angesichts der Tatsache, dass bei der Demo Beamte vor Ort waren, die nicht eingeschritten sind, war für die Einsatzleitung klar oder jedenfalls erkennbar, dass die einzigen vor Ort begangenen Straftaten die Tackernadeln im Carport waren (Sachbeschädigung). Vor diesem Hintergrund war schon eine Identitätsfeststellung von ca. 60 (!) Personen – von denen fast alle unschuldig waren – unverhältnismäßig, geschweige denn vorläufige Festnahmen, Fesselungen und Fußtritte gegen am Boden liegende Personen. Die einzige rechtsstaatlich zulässige Reaktion wäre gewesen: nichts weiter tun, weil es nichts zu verfolgen gab.

        Aber das haben wir in der Lage nicht thematisiert, weil wir an dem Fall vor allem das Versagen der Presse dokumentieren wollten.

      • Wie ich oben bereits angedeutet habe, ist es angesichts der vor Ort entstehenden Eigendynamik von allen Akteuren mit einer Bewertung nicht so einfach.
        Ich jedenfalls teile nach der derzeitigen Faktenlage deine Auffassung nicht, dass es hier evident zu einer Vielzahl von Straftaten durch Polizebeamte/innen gekommen ist. Die Möglichkeit besteht, keine Frage, aber sie m.E. ist nicht so offensichtich wie du es hier schilderst. Dafür ist mir der Sachverhalt mangels eigener Erlebung und zu viel (teils) abhängiger Berichterstattung zu undurchsichtig und zu verworren.

        Jedoch zielten die Ausführungen zu 2. eher auf deinen Kommentar hier ab. Dass ihr das nicht in der Lage genauer thematisiert habt, fand ich ok.
        Meine hauptsächliche Kritik/Anregung (Siehe 1) zielte vielmehr auf die Art und Weise wie ihr das Thema (bevor es um die Medienberichterstattung ging) behandelt habt, ab.

        P.S.
        Da wir als Community uns ja meistens nur melden, wenn wir eine andere Meinung haben, möchte ich verhindern, dass das Positive untergeht. (Habe es nämlich noch nie in der Art geäußert) Also, trotz der anderen Auffassung, die das Ganze ja auch spannend macht, an dieser Stelle abschließend der Dank für eure Mühen die ihr investiert! Ihr bereichtet die politische Diskussion in vielerei Hinsicht. Und dabei ist der Anstoß zur Diskussion mitunter ein noch weitaus wichtiger Beitrag als das Präsentieren einer Meinung.

      • Ich habe mir das Hitzacker-Thema einmal selber genauer angesehen, auch das Video der Aktivisten und zudem eine Stellungnahme von Hans Erich Sauerteig (https://www.youtube.com/watch?v=na-tKEASbzE), der bei der Aktion anwesend war. Das NDR-Medienmagazin ZAPP (https://www.youtube.com/watch?v=RtCtqBgQ67U) kommt zu einem ähnlichen Urteil wie ihr.
        Mit der medialen Verzerrung, die ihr ausführlich herausarbeitet, habt ihr völlig Recht. An eurer Darstellung stört mich aber, dass für mich der Eindruck entsteht, dass die Aktion der Aktivisten im Wendehammer (aber wie das Video eindeutig zeigt ganz klar auch in der Nähe des Eingangs des Hauses des Polizisten, dessen Carport zudem mit Wimpeln/Flaggen dekoriert wurde) irgendwie nicht so schlimm sei. Es mag aber der Lage-live-Situation geschuldet sein, dass für mich dieser Eindruck entstanden ist.
        Ich hätte da gerne von euch eine so deutliche Haltung gehört, wie sie der Illustrator Wolf-Rüdiger Marunde in dem ZAPP-Video ab 3:48 äußert. Er findet die Aktion, vor das Privathaus eines Polizisten zu ziehen, ziemlich daneben und sagt: „Das haben früher Nazis gemacht und machen heute noch Neonazis, das… also wer sich links nennt und autonom, darf sowas nicht übernehmen… solche Methoden.“ Seine Auffassung finde ich deswegen so ausgewogen, weil er auch Kritik am Einsatz der Polizei äußert, die in der Presse zunächst nicht stattfand: „Wenn es dann auch Kritik gibt, berechtigte Kritik, so finde ich, muss man die auch auf den Polizeieinsatz beziehen, den ich für überzogen halte, völlig überzogen, zumal der Polizist, dessen Familie da betroffen war, dann noch selber im Einsatz war – also sowas darf überhaupt nicht gehen, finde ich.“ ZAPP arbeitet dann noch über eine Stellungnahme von Kai Richter von der Polizeiinspektion Lüneburg heraus, dass der Polizist zumindest kurzzeitig auch vor seinem Haus anwesend war – als Betroffener und Polizist.
        Für mich wäre übrigens nicht entscheidend, ob es eine linke oder rechte Aktivistengruppe eine solche Aktion macht. Bei beiden muss ich als Betroffener damit rechnen, dass Leute schwarz gekleidet und vermummt sind – und dass vielleicht doch irgendwann Steine fliegen. Selbst das Singen finde ich schon übergriffig, selbst wenn es nur VOR dem Haus gemacht wird. Das Gelände des Hauses muss dazu nicht betreten werden.
        Übrigens hat selbst der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius auf seiner Facebook-Seite (https://de-de.facebook.com/borispistorius/) in einem Eintrag vom 19.05. (dem Samstag nach dem Vorfall am Freitag) die bis dahin (12:01 Uhr mittags) sehr einseitige Berichterstattung durch die Pressemitteilung der Polizei für eine sehr deutliche Stellungnahme genutzt.
        Die „Welt“ wird von euch auch viel zu einseitig bewertet. Sicher, die Meldung vom 19.05. ist vorschnell und verzerrend. Das hätte nicht passieren dürfen, und man hätte das in späteren Artikeln klarstellen müssen. Ich würde der Zeitung aber zugutehalten, dass sie an den Folgetagen deutlich gemäßigter berichtet, z.B. direkt am Folgetag, dem 20.05. (https://www.welt.de/politik/deutschland/article176538596/Attacke-gegen-Polizisten-Wohnhaus-Linksradikale-beklagen-nun-einen-brutalen-Polizeiuebergriff.html), wo schon sehr ausführlich beide Seiten beleuchtet werden, am 21.05. (https://www.welt.de/politik/deutschland/article176547924/Linker-Protest-in-Hitzacker-Polizei-weist-Gewaltvorwuerfe-zurueck.html) oder am 22.05. (https://www.welt.de/politik/deutschland/article176573304/Wendland-Polizei-ermittelt-nach-Belagerung-gegen-55-linke-Aktivisten.html).
        Bei eurer Beurteilung kommt zu kurz, dass eine Zeitung auch eine Couleur hat. Leser der Welt sind vermutlich konservativer, was man übrigens an den vielen Kommentaren zu dem Thema zu den Artikeln merkt. Es ist gut, dass ihr dann aber aufzeigt, dass selbst der SZ solche Dinge passieren.
        Mein Fazit: Man schreibt eben auch oft so, wie man es in der Redaktion abgesprochen hat und wie es die Leser (vermutlich) gerne hören wollen. Das hat mit Qualitätsjournalismus natürlich nichts zu tun.
        Ich will abschließend dazu noch ein Beispiel geben, dass Berichterstattung oft verzerrend ist, und das sicherlich auch der Couleur des Darstellungsmediums geschuldet ist: Es geht um eine Kirchenglocke in niedersächsischen Schweringen bei Nienburg. Spiegel Online berichtet seit langem in dem Sinne, dass Kirchenglocken mit Hakenkreuzen unbedingt abzuhängen seien – ich kritisiere hier übrigens nicht diese Auffassung, sondern nur die Berichterstattung bei SPON. Dort wurde Anfang April gemeldet, dass das Hakenkreuz abgeflext wurde. Die spätere Pressemitteilung der Landeskirche, dass durch die eigenmächtige Aktion von Aktivisten, die sich Zugang zur Kirche verschafft hatten, die Glocke unbrauchbar geworden ist, hat man bis heute bei SPON nicht gebracht. Am 17.05. (http://www.spiegel.de/panorama/schweringen-hakenkreuz-glocke-wird-abgehaengt-a-1208210.html) heißt es dort dann: „Monatelang wurde um sie gestritten, Unbekannte flexten das Hakenkreuz kurzerhand ab: Die Kirchturmglocke mit NS-Vergangenheit von Schweringen soll nun abgehängt werden.“ Der gesamte Artikel passt in die inhaltliche Richtung, die bei SPON zu diesem Thema vertreten wird. Der Aspekt, dass die Glocke durch die Aktion beschädigt und unbrauchbar geworden ist, wie man es an anderen Stellen in Bezug auf Pressemitteilungen und ein erstelltes Gutachten nachlesen kann (https://www.kreiszeitung.de/lokales/nienburg/grafschaft-hoya-ort120424/glocke-stand-dinge-9832365.html) stört anscheinend. Ich hatte einem für den Bereich zuständigen Redakteur am 21.04. mitgeteilt, dass SPON noch nichts über die Unbrauchbarkeit der Glocke berichtet habe und dass diese nach meiner Auffassung die SPON-Berichterstattung verzerre, zumal am 04.04. zuletzt berichtet worden sei: „Dass die 1,2 Tonnen schwere Glocke ernsthaft Schaden genommen hat, erscheint indes unwahrscheinlich.“ Der Redakteur teilte mir mit: Wir können leider nicht alle Entwicklungen in solchen lokalen Einzelfällen immer weiter verfolgen – zumal es ja sehr viele solcher Glocken gibt. Ich behalte das Thema grundsätzlich aber selbstverständlich im Auge.“

    • Auch ich habe mir das Hitzacker-Thema einmal selber genauer angesehen, auch das Video der Aktivisten und zudem eine Stellungnahme von Hans Erich Sauerteig (https://www.youtube.com/watch?v=na-tKEASbzE), der bei der Aktion anwesend war. Das NDR-Medienmagazin ZAPP (https://www.youtube.com/watch?v=RtCtqBgQ67U) kommt zu einem ähnlichen Urteil wie ihr.
      Mit der medialen Verzerrung, die ihr ausführlich herausarbeitet, habt ihr völlig Recht. An eurer Darstellung stört mich aber auch, dass für mich der Eindruck entsteht, dass die Aktion der Aktivisten im Wendehammer (aber wie das Video eindeutig zeigt ganz klar auch in der Nähe des Eingangs des Hauses des Polizisten, dessen Carport zudem mit Wimpeln/Flaggen dekoriert wurde) irgendwie nicht so schlimm sei. Es mag aber der Lage-live-Situation geschuldet sein, dass für mich dieser Eindruck entstanden ist.
      Ich hätte da gerne von euch eine so deutliche Haltung gehört, wie sie der Illustrator Wolf-Rüdiger Marunde in dem ZAPP-Video ab 3:48 äußert. Er findet die Aktion, vor das Privathaus eines Polizisten zu ziehen, ziemlich daneben und sagt: „Das haben früher Nazis gemacht und machen heute noch Neonazis, das… also wer sich links nennt und autonom, darf sowas nicht übernehmen… solche Methoden.“ Seine Auffassung finde ich deswegen so ausgewogen, weil er auch Kritik am Einsatz der Polizei äußert, die in der Presse zunächst nicht stattfand: „Wenn es dann auch Kritik gibt, berechtigte Kritik, so finde ich, muss man die auch auf den Polizeieinsatz beziehen, den ich für überzogen halte, völlig überzogen, zumal der Polizist, dessen Familie da betroffen war, dann noch selber im Einsatz war – also sowas darf überhaupt nicht gehen, finde ich.“ ZAPP arbeitet dann noch über eine Stellungnahme von Kai Richter von der Polizeiinspektion Lüneburg heraus, dass der Polizist zumindest kurzzeitig auch vor seinem Haus anwesend war – als Betroffener und Polizist.
      Für mich wäre übrigens nicht entscheidend, ob es eine linke oder rechte Aktivistengruppe eine solche Aktion macht. Bei beiden muss ich als Betroffener damit rechnen, dass Leute schwarz gekleidet und vermummt sind – und dass vielleicht doch irgendwann Steine fliegen. Selbst das Singen finde ich schon übergriffig, selbst wenn es nur VOR dem Haus gemacht wird. Das Gelände des Hauses muss dazu nicht betreten werden.
      Übrigens hat selbst der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius auf seiner Facebook-Seite (https://de-de.facebook.com/borispistorius/) in einem Eintrag vom 19.05. (dem Samstag nach dem Vorfall am Freitag) die bis dahin (12:01 Uhr mittags) sehr einseitige Berichterstattung durch die Pressemitteilung der Polizei für eine sehr deutliche Stellungnahme genutzt.
      Die „Welt“ wird von euch auch viel zu einseitig bewertet. Sicher, die Meldung vom 19.05. ist vorschnell und verzerrend. Das hätte nicht passieren dürfen, und man hätte das in späteren Artikeln klarstellen müssen. Ich würde der Zeitung aber zugutehalten, dass sie an den Folgetagen deutlich gemäßigter berichtet, z.B. direkt am Folgetag, dem 20.05. (https://www.welt.de/politik/deutschland/article176538596/Attacke-gegen-Polizisten-Wohnhaus-Linksradikale-beklagen-nun-einen-brutalen-Polizeiuebergriff.html), wo schon sehr ausführlich beide Seiten beleuchtet werden, am 21.05. (https://www.welt.de/politik/deutschland/article176547924/Linker-Protest-in-Hitzacker-Polizei-weist-Gewaltvorwuerfe-zurueck.html) oder am 22.05. (https://www.welt.de/politik/deutschland/article176573304/Wendland-Polizei-ermittelt-nach-Belagerung-gegen-55-linke-Aktivisten.html).
      Bei eurer Beurteilung kommt zu kurz, dass eine Zeitung auch eine Couleur hat. Leser der Welt sind vermutlich konservativer, was man übrigens an den vielen Kommentaren zu dem Thema zu den Artikeln merkt. Es ist gut, dass ihr dann aber aufzeigt, dass selbst der SZ solche Dinge passieren.
      Mein Fazit: Man schreibt eben auch oft so, wie man es in der Redaktion abgesprochen hat und wie es die Leser (vermutlich) gerne hören wollen. Das hat mit Qualitätsjournalismus natürlich nichts zu tun.
      Ich will abschließend dazu noch ein Beispiel geben, dass Berichterstattung oft verzerrend ist, und das sicherlich auch der Couleur des Darstellungsmediums geschuldet ist: Es geht um eine Kirchenglocke in niedersächsischen Schweringen bei Nienburg. Spiegel Online berichtet seit langem in dem Sinne, dass Kirchenglocken mit Hakenkreuzen unbedingt abzuhängen seien – ich kritisiere hier übrigens nicht diese Auffassung, sondern nur die Berichterstattung bei SPON. Dort wurde Anfang April 2018 gemeldet, dass das Hakenkreuz abgeflext wurde. Die spätere Pressemitteilung der Landeskirche, dass durch die eigenmächtige Aktion von Aktivisten, die sich Zugang zur Kirche verschafft hatten, die Glocke unbrauchbar geworden ist, hat man bis heute bei SPON nicht gebracht. Am 17.05. (http://www.spiegel.de/panorama/schweringen-hakenkreuz-glocke-wird-abgehaengt-a-1208210.html) heißt es dort dann: „Monatelang wurde um sie gestritten, Unbekannte flexten das Hakenkreuz kurzerhand ab: Die Kirchturmglocke mit NS-Vergangenheit von Schweringen soll nun abgehängt werden.“ Der gesamte Artikel passt in die inhaltliche Richtung, die bei SPON zu diesem Thema vertreten wird. Der Aspekt, dass die Glocke durch die Aktion beschädigt und unbrauchbar geworden ist, wie man es an anderen Stellen in Bezug auf Pressemitteilungen und ein erstelltes Gutachten nachlesen kann (https://www.kreiszeitung.de/lokales/nienburg/grafschaft-hoya-ort120424/glocke-stand-dinge-9832365.html) stört anscheinend. Ich hatte einem für den Bereich zuständigen Redakteur am 21.04. mitgeteilt, dass SPON noch nichts über die Unbrauchbarkeit der Glocke berichtet habe und dass diese nach meiner Auffassung die SPON-Berichterstattung verzerre, zumal am 04.04. zuletzt berichtet worden sei: „Dass die 1,2 Tonnen schwere Glocke ernsthaft Schaden genommen hat, erscheint indes unwahrscheinlich.“ Der Redakteur teilte mir mit: Wir können leider nicht alle Entwicklungen in solchen lokalen Einzelfällen immer weiter verfolgen – zumal es ja sehr viele solcher Glocken gibt. Ich behalte das Thema grundsätzlich aber selbstverständlich im Auge.“ Im Endeffekt hat man dann aber doch wieder so geschrieben, dass es zur allgemeinen Meinung der Redaktion zu dem Thema passt.

      • Ich möchte noch einen Aspekt hinzufügen, der aufzeigt, wie schwer die korrekte Darstellung eines Sachverhaltes sein kann:
        Ab ca. 1:16:30 sagt Ulf über die Ereignisse in Meuchefitz im Februar 2018: „Jedenfalls wurde dort ein alternatives Tagungszentrum von 80 Polizeibeamten gestürmt, um – haltet euch fest und schnallt euch an – nicht etwa den Dritten Weltkrieg zu verhindern, sondern um EINE Fahne einer PKK-nahen Organisation zu beschlagnahmen. Ja, also, da muss man sagen: Dem Rechtsbruch kein Fußbreit im Wendland.“
        Ab 1:21.00 geht es dann explizit darum, dass man durch die Darstellung der Medien hätte denken können, das Haus des Polizisten wäre am 18. Mai gestürmt worden.
        Ab 1:26:46 kommt dann eure Kritik an der Darstellung der „Welt“: „60 überwiegend vermummte Personen haben Grundstück und privates Wohnhaus gestürmt…“. Etwas später: „Da hat ‚Die Welt‘ schlicht und ergreifend frei assoziiert zum Stichwort linke Gewalt.“
        Ihr sagt dann noch, das sei deren Spezialgebiet, das könnten die wie kein anderer.
        Ich kann in der Darstellung über die Ereignisse im Februar 2018 keine Belege dafür finden, dass die Polizei den Gasthof in Meuchefitz “gestürmt” hätte. Der Gasthof wurde offenbar eher “umstellt” (vgl. https://wendland-net.de/post/meuchefitz-eine-hundertschaft-umstellt-den-gasthof-um-ein-transparent-zu-entfernen-262). Selbst die aktivistisch wirkende Seite http://keinruhigeshinterland.org/page/2/ meldet: “Am 20.2. um kurz nach 9 wurde der Gasthof in Meuchefitz mit einem Durchsuchungsbeschluss betreten.”
        Bento meldet “Dutzende Polizisten umstellen Gasthof – um ein prokurdisches Transparent abzuhängen” (http://www.bento.de/politik/lueneburg-polizei-haengt-rovaja-plakat-am-meuchefitz-ab-das-steckt-dahinter-2119272/) und zitiert den Gasthof-Bewohner Mattusch mit den Worten: “Es ist schon krass, wenn die mit Vollmontur hier reinstürmen, um ein Transparent abzuhängen.” Selbst hier nur “reinstürmen”, was mit “Stürmen” eines Hauses nichts zu tun hat.
        Die Elbe-Jeetzel-Zeitung schreibt am 21.02.2018 auf S. 3: “Vermummt und
        schwer bewaffnet: Rund 80 Polizisten durchsuchten linken Szenetreff in Meuchefitz […] 80 Beamte, darunter spezialisierte Polizeikräfte, hatten den Gasthof, der als linker Szenetreff gilt, gegen 9 Uhr umstellt und waren in das Gebäude eingedrungen. Dabei sei das Transparent sichergestellt worden, zudem seien Personalien im Gasthof anwesender Personen festgestellt worden.” (Kann ich nur indirekt verlinken, weil ich die Ausgabe gekauft habe, um den Artikel ganz zu lesen: https://www.ejz.de/ejz_50_111472322-28-_Politiker-kritisieren-Polizeieinsatz-in-Meuchefitz.html)
        Es ist genauso ungenau, zu sagen, die Polizei hätte im Februar den Gasthof in Meuchefitz gestürmt, wie zu behaupten, die Demonstranten hätten am 18. Mai das Haus des Polizisten gestürmt.
        Das soll bitte kein Vorwurf an euch sein. Bei einem gedruckten Medium wiegt der Fehler deutlich schwerer als bei einem gesprochenen Podcast, noch dazu in einer Live-Situation wie der LdN101. Ich schätze eure Arbeit sehr, das will ich an dieser Stelle noch einmal betonen, und bin eurer treuer Fan. Ich wollte einfach nur darauf hinweisen, dass einfach viel, viel Zeit bedarf, um so etwas ganz genau – und vor allem aus verschiedenen Blickrichtungen – zu recherchieren. Vielleicht kann man zur Ehrenrettung der “Welt” auch noch sagen, in welch kurzer Zeit aus dpa-Pressemitteilungen Artikel gebaut werden müssen.
        Es wäre toll, wenn ihr an dem Thema dranbleiben würdet und beizeiten noch einmal darauf zurückkommen könntet, denn ich denke, es würde sich lohnen, das Thema “Aufarbeitung von Themen in den Medien” umfassend zu behandeln.
        Abschließend: Die Liste der hetzenden Medien ist lang, je nachdem welche Meinung man zu einem Thema einnimmt und in welchem politischen Lager man verortet ist…

      • Ich würde ehrlich gesagt daran festhalten, dass die Polizei den Gasthof gestürmt hat, denn wo soll der Unterschied zwischen „stürmen“ und „reinstürmen“ sein? Abgesehen davon, dass letzteres den Akzent aufs Betreten legt und nicht auf die Aktion als Ganzes. Aber danke für die ergänzende Recherche!

      • Liebes Lage-Team,
        ich würde euch für eine andere Stelle zu eurer Hitzacker-Berichterstattung DRINGEND um eine inhaltliche Korrektur in der nächsten Sendung bitten, weil eure Bild-Fake-News-Behauptung auf Grundlage einer falschen Quelle erfolgt. Ab 1:27:54 zitiert Ulf (angeblich) die “Bild”-Schlagzeile: “Linke vermummte Terrortruppe bedroht Polizistenfamilie”.
        Korrekt ist: Die “Bild” berichtet am 19.05. genauso falsch wie die “Welt” (nämlich hier: https://www.bild.de/news/inland/polizei/grosseinsatz-polizist-und-familie-zu-hause-von-rund-60-vermummten-angegriffen-55748580.bild.html). Ihr habt das bei der “Welt” zu Recht kritisiert. Eure Kritik kann man genauso für die Bild-Berichterstattung übernehmen.
        Die von Ulf genannte Meldung findet man auf der Seite der “PI-NEWS (Politically Incorrect)”, die ihre Inhalte selbst als “News gegen den Mainstream · Proamerikanisch · Proisraelisch · Gegen die Islamisierung Europas · Für Grundgesetz und Menschenrechte” beschreiben (Fundstelle: http://www.pi-news.net/2018/05/hitzacker-linke-vermummte-terrortruppe-bedroht-polizistenfamilie/).
        Ich will mich an dieser Stelle nicht ausführlich über die PI-News-Seite auslassen, aber deren Inhalte sprechen aus meiner Sicht eine deutlich (negative) Sprache und sind für mich schon in der Übersicht der Überschriften schwer zu ertragen – abgesehen davon kann ich noch nicht einmal ein Impressum mit einer Kontaktadresse finden, sondern lediglich einen Punkt “Leitlinien”.
        Ich denke, Ulfs Fehler resultiert aus dem Bildblog-Link in euren Shownotes (https://bildblog.de/98573/hitzacker-polizei-nachplapperei-und-steineschmeisser-aus-dem-archiv/). Dort ist aber unter der von Ulf der Bild zugeordneten Schlagzeile deutlich mit “Politically Incorrect” kenntlich gemacht.
        Den Paywall-Witz ab 1:28:17 fand ich übrigens schon beim ersten Hören seltsam, denn natürlich würde ich erwarten, dass ihr das Geld investiert, um einen Bild-Artikel, über den ihr euch nachhaltig (und öffentlichkeitswirksam!) echauffiert, auch vollständig zu lesen, und ihn nicht nur von einer anderen Quelle (hier: bildblog) zu übernehmen. Dann wäre der Fehler vermutlich auch nicht passiert.
        Ich kann den Fehler allerdings nachvollziehen, denn erst nachdem ich mich mehrere Tage immer wieder einmal eine ganze Zeit lang mit dem Thema beschäftigt habe, habe ich den Fehler entdeckt. Dies könnt ihr bei der Fülle eurer Themen nicht leisten, es sei denn ihr arbeitet 24/7 nur für die “Lage”. Korrekt solltet ihr aber insbesondere dann zitieren, wenn es wichtiger Aspekt eurer Argumentation ist.

  63. Also mir macht es Spaß, wenn ihr die Lage live macht, egal wo. Es gibt die Stimmung des Publikums wieder und manche Botschaften (Nahles AfDämmlich) kann man am besten mit Humor rüberbringen.
    Im Gegenteil mensch fühlt sich nicht so allein vor dem PC. Das dazu.
    Noch etwas zu Hitzacker:
    Also die Musikgruppe, die da aufspielte, nennt sich RAK. Sie ist eine bundesweite Berühmtheit in links-alternativen Kreisen und besteht aus einem übergreifenden Zusammenschluss von sehr vielen Künstlern und Gruppen.
    Deren Name ist Programm: Rotzfreche Asphalt Kultur! Die Texte sprühen von anarchisch-satirischem Geist und Witz, – ich habe sie selbst schon erlebt. War ein großartiger Abend.
    Ich bin mir sicher, und habe auch das erwähnte Video gesehen, dass die Aktion völlig friedlich von Statten ging. Wichtig ist auch zu erwähnen, was danach geschah.
    Die Gruppe wurde auf einem Feldweg von einer BFE-Einsatzhundertschaft gekesselt, Teilnehmer*innen geschlagen und zu Boden geworfen und dort getreten. Der Kessel ging stundenlang bis in die Nacht.
    Manchmal seid ihr etwas zu staatstragend, aber ich höre euch trotzdem gern, weil ich eure Information einordnen kann, z.B. wenn ich sie mit dem Aufwachen-Podcast abgleiche.
    So long…

  64. Zu eurer Frage nach einer Meinung zur Lage live: Ich als Hörer draußen fühle mich dadurch nicht weniger angesprochen, im Gegenteil nehme ich unterbewusst die Perspektive der Zuschauer im Saal ein und bin dadurch eher mehr dabei. Ich mag auch die Live-Stimmung, die dabei rüberkommt, gerade durch die von euch angesprochenen Lacher. Inhaltlich konnte ich bisher keinen Unterschied feststellen zwischen Livesendungen und regulären Folgen. Und das ist das wichtigste! Von daher macht weiter wie bisher und achtet nicht auf das Gemaule von ein paar Kritikern, denn die gibt es immer. Wenn es euch persönlich natürlich zu anstrengend wird, dann ist das natürlich was anderes.

    • Dito! Lage Live wirkt etwas familiärer, als wenn Ihr ohne Publikum diskutiert. Da gehören dann ein paar unsachliche Spitzen und Polemik hinzu – rundet das ganze ab. Inhaltlich fühle ich mich bei beiden Formaten gleichermaßen gut informiert und unterhalten.

  65. Jede(r) der regelmässig Zeitungsartikel liest, kennt folgendes Phänomen: man liest einen Artikel, der grundfalsch ist, weil man viel mehr über das Thema Bescheid weiss als der entsprechende Journalist. So weit so gut, nur vergisst man diese Erfahrung schon beim nächsten Artikel den man liest, über ein Thema in dem man nicht so drin ist. Da wir nur über eine gewisse Anzahl an Themen Bescheid wissen können, erspart uns diese Amnesie ein pauschales negatives Urteil über die Presse insgesamt.

  66. Hallo!

    Danke erstmal für Eureb super informativen und unterhaltsamen Podcast! Höre Euch von Beginn an und freue mich jedes Mal wenn eine Lage Life ansteht! Der Ton ist dann immer merklich lockerer und die Interaktion mit dem Publikum frischt das ein oder andere ‘schwierige’ Thema merklich auf. Ich würde mich über häufigere Life Podcasts freuen!
    Macht weiter so!
    LG, Nicolas

  67. Der Italienteil hört sich an wie: “Am deutschen Wesen soll Italien genesen”. Wer kein deutscher Angestellter, am besten bei einem Autobauer ist, muss etwas gegen die gegenwärtige deutsche EU haben.

  68. Sehr schöne Lage. Insbesondere die Zusammenfassung zum BAMF fand ich gelungen!

    Eine Kleinigkeit noch zu dem Thema: Ich bin bei der Einordnung des Skandals ganz bei Euch und denke auch nicht, dass man das überbewerten sollte. Ich hätte mich dennoch darüber gefreut, wenn Ihr Euren Vorwurf der Rechtslastikeit der FDP zurückgenommen oder zumindest näher begründet hättet. Gundula Geuther zum Beispiel schreibt in dem von Euch zitierten Artikel im Deutschlandfunk: “Was ihre Entscheidungen (Altmaier/Merkel) für die Arbeit des BAMF für Folgen hatten, lohnt sich anzusehen, vielleicht auch in einem Untersuchungsausschuss.” Das ist doch deutlich neutraler, niemandem wird Werben am rechten Rand vorgeworfen und sie selbst schließt einen UA nicht aus (und ist dabei sicherlich nicht rechts). Versteht mich nicht falsch, ich bin inhaltlich bei Euch.

    Zur SPD: Man kann sich ja als Beispiel mal die Koalitionsverhandlungen vor Augen führen. Die SPD hatte, in meinen Augen, ein paar super Konzepte parat. Zum Beispiel das Steuerkonzept oder die Pläne für das Gesundheitssystem fand ich richtig ansprechend. Was war aber wochenlang in den Medien als großes Streitthema? Der Familiennachzug. Nicht, dass ich das nicht auch wichtig finde, aber es betrifft zum einen nur vergleichsweise wenige Menschen und zum anderen auch nicht diejenigen, die wählen gehen. Beim Thema Bürgerversicherung war die Aussage schnell: “Ist mit der Union nicht zu machen”. Beim Thema Familiennachzug hat man sich nach langem Ringen auf deinen Kompromiss einigen können. Warum ging das dort und bei den SPD Kernthemen nicht? Erstens finde ich das inhaltlich eine vollkommen falsche Schwerpunktsetzung und andererseits ist doch die Signalwirkung mal polemisch formuliert: Wir kümmern uns in erster Linie um Flüchtlinge!
    Da hat die SPD ein wunderschönes Portfolio an relevanten Themen, tollen Ideen und auch durchaus gutes Personal (die aktuelle Führung gehört imho nicht dazu). Und setzt es so in den Sand. Da kann ich mich der Aussage Patrick Bahners nur anschließen.