LdN099 Atomabkommen, Brexit-Verhandlungen, Polizeiliche Kriminalstatistik, Deutsche Post

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Begrüßung

Atomabkommen

Brexit-Verhandlung 

Polizeiliche Kriminalstatistik 

Vodafone kauft Unitymedia

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Verabschiedung

Sponsor: Devolo

Hausmitteilung 

128 Kommentare

  1. Hallo liebes Lage-Team,

    erst einmal: Danke für den interessanten Podcast. Ich höre euch sehr gerne!

    Das hier ist nicht bezogen auf diese Folge, aber da die Diskussion über Facebook und soziale Medien allgemein immer wieder aufkommt: Mich würde interessieren was ihr zum Film “the cleaners” denkt (http://www.deutschlandfunkkultur.de/film-der-woche-the-cleaners-sie-putzen-das-internet.2150.de.html?dram:article_id=418099)

    Liebe Grüße und einen schönen Pfingstmontag
    J.

  2. @ Ulf:
    Falls ihr demnächst mal etwas zum PAG sagt, würde mich folgendes bitte interessieren:

    1. Überall liest und hört man davon, dass jetzt die “drohende Gefahr” als TB-Merkmal die (konkrete) Gefahr ablöst. In meinem Gesetzestext (Stand: Nov. 2017.) steht schon bei einigen Standardmaßnahmen die “drohende Gefahr” drin. Ist das der Grund, warum die GFF bereits gegen diese Version des PAG eine Popularklage unterstützt hat?

    2. Ich wurde aus der Synopse der GFF nicht schlau. Wo soll dass denn stehen mit der “Ewigkeitshaft”. Soll Art. 17 PAG abgeändert werden?

    Danke :-)

  3. Kleiner Hinweis auf einen (scheinbaren) Widerspruch:
    Ihr sagt doch immer, die Abschreckung durch hohe Strafen wirke nicht, nur durch hohe Wahrscheinlichkeit der Verurteilung.
    Bei der DSGVO sagt Ihr jetzt, sie wirke wegen der hohen Strafen. Dabei ist genau die Frage der Verfolgung der Nichtbeachtung komplett ungeklärt.
    Oder funktioniert Abschreckung bei Privatpersonen und Unternehmen einfach genau umgekehrt? ;-)
    Gruß,
    Matthias

    • Du sagst es. In Unternehmen greifen da eiskalte Kosten-Nutzen-Kalkulationen, während Menschen zum Selbstbetrug neigen, weswegen sie selbst schlimme Folgen ausblenden, wenn sie den Eindruck haben, dass sie eh nicht erwischt werden.

  4. Hallo,

    ich will nochmal kurz die DSGVO thematisieren. Ihr freut Euch diebisch, dass das Thema personalisierte Werbung/Tracking damit vom Tisch ist. Das kann man wirklich als Erfolg werten, auch wenn ich mich persönlich davon nicht unmittelbar eingeschränkt gefühlt habe. An Eurer Diskussion konnte man aber wieder sehr schön sehen, wie einseitig, blauäugig und unkritisch die Diskussion in weiten Teilen geführt wird. Immer wieder ist der Tenor die DSGVO schützt den Verbraucher vor der bösen Seite des Netzes. Und weil das Ding so toll ist und die Entkopplung von Zustimmung und Leistung fordert wird alles ganz toll sein…Glaube ich nicht. Diejenigen die Daten und Informationen wirklich haben wollen um damit ein Angebot zu refinanzieren werden entweder Wege finden die angebotenen Inhalte zustimmungsabhängig freizuschalten oder die Inhalte werden einfach nicht angeboten. Und diejenigen die Datenerfassen “weil man es halt heute so macht”, also z.B. Google-Analytics nutzen um etwas an ihrer Webseite rumzuoptimieren und vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit zu bekommen werden das halt einfach nicht mehr machen und das Niveau sinkt einfach. Aber vielleicht betrifft das ja nur die zurückbleibenden (oder -gebliebenen?) Netzunaffinen.

    Nach der mir bekannten Lesart regelt sie aber den Umgang mit _allen_ Daten, egal ob im Netz oder sonst irgendwie. Und das auch noch faktisch in der ganzen Welt, weil sobald ein Europäer betroffen ist soll die auch da gelten. Regelungen die auf solchen Allmachtsphantasien beruhen sind per se kritisch zu betrachten. Gleichzeitig werden erst mal ganz viele alltägliche Handlungen kriminalisiert, die zum normalen Zusammenleben und Zusammenarbeiten in einer Gesellschaft dazugehören. Beispiel von vor zwei Wochen das Speichern von Telefonnumer und Name im Handy des Handwerksmeisters. Und gern hätte ich auch nochmal eine zukünftig legale Vorgehensweise gewusst, wie ich auf einer Messe eine Visitenkarte annehme und die in meine Kontakte einpflege.

    Ulf hat relativ begeistert angemerkt, dass “jetzt endlich der Datenschutz in den Unternehmen angekommen ist”. Auch hier habe ich das Gefühl herrscht nur die Sichtweise auf die Netzwirtschaft vor. Wir reden jetzt mal nicht von den Personal- oder Bewerberdaten. Das diese mit höchster Vertraulichkeit und Sicherheit zu behandeln sind versteht sich von selbst. In einem Futtermittelhandel für Agrarbetriebe mit 10 Angestellten muss aber der Datenschutz gar nicht ankommen, weil für das was dort gemacht wird die personenbezogenen Daten überhaupt nicht interessant sind. Die werden halt nur erfasst und benutzt, weil es ohne nicht geht. Und an den dort erfassten Daten (z.B. Name und Telefonnummer der Sachbearbeiterin welche die Rechnungen für die zugekauften Klebebänder erstellt). Diese Unternehmen mit (unnötigen) Kosten zu belasten und der Gefahr juristischer Auseinandersetzungen auszusetzen halte ich für problematisch.

    Letztlich muß man sagen, die DSGVO ist ein schlechtes Gesetz. Vielleicht nicht von der Intention aber von der Umsetzung. Ulf argumentiert sinngemäß …sie schafft keine Rechtsklarheit…hat großes Abschreckungspotential…die Firmen werden sich dran halten. Wie soll das gehen? Es ist nicht klar, ob ich bei grün oder rot gehen darf – für ein Fehlverhalten zahle ich hohe Strafen – ich bleibe also einfach stehen? Das kann’s ja wohl nicht sein. Phillip meint in seinem Umfeld würde man versuchen 60% umzusetzen “und dann schauen wir mal”. Wie würde reagiert, wenn beim nächste Umweltgesetz die Industrie sagt “wir halten erst mal nur 60% der Schadstoffe zurück und dann schauen wir mal.”? Und wenn man ganz polemisch wird, hat VW ja die gesetzlichen Regelungen zu einem viel größeren Teil erfüllt. Schließlich haben die Motoren in den vorgegebenen Prüfbedingungen die Grenzwerte ja eingehalten. Nur die vielleicht 0,001% der Regelung über den Motorschutz wurde etwas großzügig interpretiert. Und jetzt sind 40% Ignoranz plötzlich o.k.?

    Ich habe das gefühl, dass die EU hier die großen und kritischen Datenschutzprobleme (zurecht) angehen wollte und beim Überbietungswettkampf im Härte gegen facebook zeigen man einfach vergessen hat, an den Alltag zu denken. Entweder das mit den 60% ist o.k. und die DSGVO entwickelt sich zu einem Papiertiger oder sie wird mit voller Kraft umgesetzt und dann dramatische (und nicht immer positive) Auswirkungen auf das Alltagsleben haben. In beiden Fällen wird es dazu führen, dass die Skepsis gegenüber “der EU” weiter zunimmt. Und das ist schlecht.

    Now beat me.

    • Facebook&Co werden mit ihren Heerscharen von Anwälten schon einen Weg finden,den Nutzern ihre Daten für ein paar virtuelle Glasperlen abzukaufen. Allein schon weil der durchschnittliche Nutzer seine Daten und virtuelle Privatsphäre nur gering schätzt. Die sind gar nicht wirklich betroffen. Betroffen sind die vielen KMUs in Deutschland die sich mal wieder mit einem Gesetz rumschlagen müssen, dass gut gedacht aber wie immer schlecht und für Konzerne gemacht ist. Traurig wie das mal wieder ignoriert oder gar als kollateralschaden im Pyrrussieg gegen Facebook und Google akzeptiert wird.

    • Vieles an der neuen DSGVO wurde abgestimmt auf die großen Internet-Player, Facebook, Google, Twitter, Amazon, wie sie alle heißen. Die Umsetzung der Richtlinie für kleine “Handwerksbetriebe” ist naturgemäß schwierig und es wird darauf hinaus laufen, ob es eine “Abmahnwelle” geben wird oder nicht.

      Allerdings scheint es mir von Vorteil zu sein, dass auch kleine Firmen einmal darüber nachdenken, wo sie welche personenbezogene Daten erheben, ob sie diese (dauerhaft) brauchen, wie damit umgegangen wird, etc. Denn allzu oft wurde schludrig damit umgegangen.

  5. Ich muss mich mal zum Thema Krankschreibung äußern, denn das ist das Feld, ich dem ich mich seit etwa 20 Jahren beruflich bewege. Ich habe alle Kommentare hier gelesen und mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen, dass das Thema kontrovers diskutiert wird.

    Die Einen nehmen Ärzte in Schutz, die im Zweifel für den Patienten entscheiden. Andere beklagen wirtschaftlichen Schaden bei Arbeitgebern. Auch die Privatsphäre wird angeführt oder Arbeitsbedingungen die krank machen. Manch einer unterscheidet zwischen gesetzlich und privat Versicherten.

    Wie so vieles im Lebens, kann man die Sache aus verschiedenen Blickwinkeln argumentieren und jeder hat irgendwie ein bißchen recht.

    Daher habe ich mir vor dem Schreiben dieses Kommentars, den Podcastauszug ein zweites mal angehört. Was wurde gesagt? Worum geht es konkret?

    Philip’s Statement war: “ich musste daran denken, wie unfassbar einfach es ist, eine unfassbar lange Krankschreibung zu erhalten”.

    Das kann ich uneingeschränkt unterschreiben! Das ist nicht nur ein Gefühl – das ist Realität in Deutschland.

    Es gibt ganz sicher auch sehr strenge Ärzte, die Patienten mit einem Schnupfen gar nicht oder nur sehr kurz krankschreiben. Aber wer es darauf anlegt, einen Krankenschein zu erhalten, der wird zumindest in jeder deutschen Großstadt nicht lange suchen müssen, bis er einen Arzt findet, der ihm einen Krankenschein ausstellt. Eine Woche, zwei, drei oder deutlich länger …. alles ist möglich.

    Warum ist das so? Weil ein Arzt rein gar nichts zu befürchten hat.

    Ich bin Mitarbeiter einer großen deutschen Krankenkasse und als Arbeitsunfähigkeitsfallmanager seit 20 Jahren tätig. Oft fühle ich mich wie Don Quichotte, der gegen Windmühlen kämpft.

    Meine Erfahrungen sind, dass die Ärzte die bei Bagatellerkrankungen gar nicht oder nur kurz krankschreiben, dies aus ethischen-moralischen Gründen tun. Damit meine ich, dass sie sich qausi selbst fragen, wie lange würde ich bei dieser Symptomatik zuhause bleiben.

    Es gibt aber durchaus eine Vielzahl Mediziner die das ganze viel lockerer sehen, denen völlig egal ist ob eine Krankschreibung bei Schnupfen für zwei, drei oder gar vier Wochen attestiert wird.

    Sind wir mal ehrlich, diese Entscheidung wird in der Arztpraxis innerhalb weniger Sekunden getroffen. Es werden Daten in den PC eingegeben, der Krankenschein ausgedruckt und fertig.

    Es gibt quasi keine Qualitätskontrolle!

    So ein Krankenschein ist erstmal ein verbindliches Dokument, dass maßgendend ist für Kasse und Arbeitgeber und wer das anzweifelt, stellt ja quasi die Kompetenz das Arztes in Frage. Also der Person die Medizin studiert hat und dem Patienten gegenüber saß und es besser wissen muss. Dies steht grundsätzlich weder dem Arbeitgeber, noch der Krankenkasse zu.

    Nach §275 SGB V können Krankenkassen oder Arbeitgeber bei Zweifeln den Medizinischen Dienst (MDK) hinzuziehen, aber das ist in der Praxis nicht wirklich ein wirksames Instrument. Oft will der MDK erstmal Befunde sehen. Also muss die Kasse den Arzt anschreiben. Anrufen ist schon lange nicht mehr. Die Ärzte verstecken sich hinter der ärztlichen Schweigepflicht. Am Telefon wird gar nichts gesagt. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn wir Kassenmitarbeiter haben zwar jehrzehntelange Berufserfahrung sind aber keine studierten Mediziner. Außerdem kann sich der Arzt nie sicher sein, wer da anruft. Also muss der Kassenmitarbeiter erstmal den Arzt anschreiben. Bis die Antwort dann da ist, ist der 4-Wochen-Schnupfen oftmals schon auskuriert und der Patient geht wieder arbeiten. Selbst wenn es mal zu einer MDK-Untersuchung kommt, wird nur selten eine Krankschreibung sofort beendet. In der Regel akzeptiert der MDK-Arzt die Krankschreibung noch solange, wie sie derzeit ausgestellt ist. Dann wird der Patient wieder arbeiten geschickt.

    Kurzum, ein Arzt hat rein gar keine Kosequenzen zu befürchten! Weder durch die Krankenkassen, noch durch Arbeitgeber und schon gar nicht von der Aufsichtsbehörde (Kassenärztliche Vereinigung).

    Wer zahlt die Zeche? Ganz klar der Arbeitgeber und die ehrlichen gesetzlich Versicherten.

    Der Arbeitgeber, weil ihm möglicherweise Aufträge entgehen.

    Die Gelackmeierten sind aber die Krankenkassen bzw. die ehrlichen Beitragszahler, die nicht krankmachen. Der Arbeitgeber zahlt zwar in den ersten 6 Wochen das Gehalt weiter, hat also prinzipiell erstmal den wirtschaftlichen Schaden. Was viele aber nicht wissen: in Deutschland gibt es eine sogenannte Arbeitsunfähigkeitsumlage. Der Arbeitgeber kann sich bis zu 80% des gezahlten Gehaltes im Krankheitsfall von der Kassen wiederholen. Woher nimmt die Krankenkassen ihre Gelder? Aus den monatlichen Beitragseinnahmen der gesunden, einzahlenden Mitglieder. Die Ehrlichen finanzieren also die Unehrlichen und die Ärzte die Krankheitsdauern eher locker sehen, unterstützen das!

    Ulf – ich kann Dir versichern: Kontrolleure von Betrieben gibt es in deutschen Gesundheitssystem quasi nicht! Statistische Auswertungen von auffälligen Krankschreibern sind mir nicht bekannt. Konsequenzen schon gar nicht!

    Irgendwas läuft hier falsch

    • Sehr spannend, dieser Einblick! (Ich sehe es ja immer nur von der anderen Seite, siehe unten)
      Dennoch ein paar Anmerkungen:
      – Laut GBA sollen AU zunächst für maximal 2 Wochen ausgestellt werden, außer bei offensichtlich längerer AU (Knochenbrüche o.ä.). Hier wäre schon ein Instrument, um notorischen Dauerkrankschreibern auf die Pelle zu rücken – die Krankenkassen fragen ja auch sonst wegen allerlei anderer Sachen nach…
      – Vermutlich haben die Krankenkassen kein Interesse, weil weder sie noch ihre Versicherten einen finanziellen Schaden haben. Die angedeute Arbeitsunfähigkeitsumlage (U1, gut erklärt bei Wikipedia) ist eine Art Versicherung für kleinere Betriebe für den Fall, dass ein Arbeitnehmer krank wird. Die Beiträge für diese Umlage/Versicherung werden aber ausschließlich von entsprechenden Arbeitgebern abgeführt – die Versicherten zahlen nichts. Der Schaden liegt also auf der Seite der Arbeitgeber! Das ist ärgerlich genug – aber die Aussage “Der Arbeitgeber kann sich bis zu 80% des gezahlten Gehaltes im Krankheitsfall von der Kassen wiederholen. Woher nimmt die Krankenkassen ihre Gelder? Aus den monatlichen Beitragseinnahmen der gesunden, einzahlenden Mitglieder.” stimmt so einfach nicht.
      – Solange es keine soliden statistischen Auswertungen gibt, sollte man mit Pauschalurteilen á la “Kein Problem – Schnupfen und vier Wochen AU – Skandal!) vielleicht etwas vorsichtiger sein.

  6. Ich bin Hausarzt und stelle seit fast 15 Jahren täglich Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) aus. Meine Einschätzung deckt sich mit einigen früheren Kommentaren:
    – Zur Dauer der AU: Diese ist abhängig von der Erkrankung und dem Beruf des Patienten. Bei normalem Schnupfen 1-3-5 Tage, je nachdem. Körperliche hart arbeitende Menschen sollten etwas länger zu Hause bleiben als beispielsweise Ärzte, Journalisten oder Richter. Bei Influenza kann die AU von vornherein bei 1-2 Wochen liegen, das dauert einfach. Geht man zu früh zur Arbeit, steckt man möglicherweise andere an, was auch nicht sinnvoll ist.
    – Dass KollegInnen wegen einer offensichtlichen Bagatelle eine AU für 3 Wochen ausstellen, mag vorkommen, ist aber sicher nicht die Regel. Es stimmt aber, dass manche KollegInnen längere AU ausstellen als andere, aber das spielt sich alles noch innerhalb nachvollziehbarer Grenzen ab.
    – Dass Menschen das System der AU ausnutzen, mag selbstverständlich ebenfalls vorkommen, ist nach meiner Erfahrung aber genauso wenig die Regel. Außerdem sind Ärzte und Ärztinnen keine Gesundheitsdetektive.
    – Man kann arbeitsunfähig sein und dennoch den Kleingarten umgraben, z.B. bei einer AU aufgrund psychischer Probleme. Das ist von außen manchmal schwer nachzuvollziehen, man muss deswegen immer genau hinschauen, worum es geht.
    – Der Arbeitgeber hat das Recht, den Medizinischen Dienst der Krankenkasse einzuschalten, wenn er begründete Zweifel an der Notwendigkeit einer AU hat. Das geschieht hin und wieder, verlief aber bei den mir bekannten Fällen stets im Sande. Wie soll man schlüssig nachweisen, dass eine AU unbegründet war?
    – Die Dauer der AU wird immer nur „voraussichtlich“ angegeben, sie ist also eine Prognose, man kann als Arzt/Ärztin schließlich nicht in die Zukunft blicken. Ist man früher wieder fit, hat sich der Arzt/die Ärztin in der Prognose also geirrt, ist man als Arbeitnehmer verpflichtet, wieder zur Arbeit zu gehen (Arbeitsrecht). Viele Ärzte/Ärztinnen stellen die AU daher von vornherein ein paar Tage länger aus und teilen dem Patienten mit, dass er bei Wohlbefinden wieder zur Arbeit gehen muss, was auch versicherungstechnisch in der Regel kein Problem ist. Der Patient muss dadurch nicht unnötig ein weiteres Mal in einem vollen Wartezimmer sitzen.

    Alles also nicht ganz so einfach. Auf jeden Fall falsch ist die Einschätzung, dass „Urlaub auf Krankenschein“ ebenso wie die dazu passenden Doc Holidays die Regel sind. Die gefühlte Zahl solcher Vorfälle ist sicher weitaus höher als die tatsächliche.

    Zum eigentlichen Lage-Thema, der Koppelung der Entfristung an die Krankheitstage, kann ich nur sagen, dass mir das aus Arbeitgebersicht nicht sinnvoll erscheint – wenn das von der Post wirklich so pauschal gehandhabt würde, wie es dargestellt wird. 20 Krankheitstage nach Hundebiss in die Hand sind bei einem Briefträger schnell mal drin. 20 Krankheitstage stets nach einem Wochenende, bescheinigt von 20 verschiedenen Hausärzten, da würde wohl jeder Arbeitgeber die Stirn runzeln. Kaum vorstellbar, dass die Post hier nicht genauer differenzieren würde?

    Weiterführender Link:
    https://www.g-ba.de/informationen/richtlinien/2/

  7. Guten Abend, zu zwei Themen wurden unsere Erfahrungen gefragt:
    1) Warum ist Israel so enthusiastisch über die Verschärfung des Nahostkonflikts?
    Weil Israel – anders als die Palästinenser – eine Kriegsindustrie hat und die bringt, ebenso wie die in Deutschland oder den USA RICHTIG viel Geld in die Staatskasse. Und wann immer in den USA neue Waffensysteme entwickelt wurden, hat deren Regierung einen geeigneten Krisenherd in der Welt (möglichst weit weg von den USA) gefunden, diese auszuprobieren. Und das macht Israel ununterbrochen, in unterschiedlichem Ausmaß, und nun vermutlich in koodinierter Provokation mit den USA. Trump heizt dem Nahen Osten mit vielen kleinen und großen Aktionen so richtig ein und Israel ist seit 70 Jahren in der Position mit einem Finger am Abzug auf andere zu zeigen “der ist schuld”. Paßt doch perfekt.

    In diesem Zusammenhang nervt es mich, dass Kritik an Israels Politik mit Antisemitismus geichgesetzt wird. DAS IST ES NICHT. Antisemitismus würde a) Palästinenser und weitere arabische Ethnien einschließen und b) geht es nicht einmal um antijüdische Äußerungen, denn Juden leben – wie Menschen anderer Glaubensrichtungen – in allen Ländern dieser Welt. Kritik an der Politik Israels ist wie Kritik an der Poltik von Land X einfach klar Kritik an der Politik. Und die muss erlaubt sein, auch wenn es Möchtegern-Diktatoren wie Putin, Erdogan, Netanjahu oder Kim nicht wünschen. Und die dürfen auch Deutsche äußern.

    2. Frage: Krankfeiern. Ich habe einige Zeit in Einrichtungen zur Reintgration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeits- bzw. Ausbildungsmarkt gearbeitet. Dort war es an der Tagesordnung, dass Menschen, die ihr Leben in Hartz IV eingerichtet haben, von ihrem Jobcenter einem unserer Angebote zugewiesen wurden. Sie kamen am 1. Tag und legten eine Krankschreibung für exakt den Zeitraum der Maßnahme vor – von 5 Tagen bis 4 Wochen. Unsere Maßnahmen fanden an verschiedenen Orten in NRW statt, jedoch war in JEDEM Ort die eine Arztpraxis bekannt, aus der die absolut überwiegende Zahl der Krankschreibungen kam. Auf meine gelegentlich gestellte Frage, welche Untersuchungen denn der Arzt für seine Diagnose durchführte, erhielt ich von den “Patienten” häufig die Antwort: den Arzt habe ich nicht gesehen, Krankschreibungen macht die Sprechstundenhilfe. Sollte man also diese Ärze finden wollen – es gibt Einrichtungen, die können mit entsprechenden Hinweisen und Statistiken aushelfen.

    • @Martha Harry

      Dein Text ist ein Paradebeispiel für das, was man in der Antisemitismusforschung israelbezogenen Antisemitismus nennt. Auf der Basis einer Verschwörungstheorie (Waffenindustrie kontrolliert vollumfänglich die Politik), sprichst du Israel das Recht ab sich zu verteidigen und seine Sicherheitsinteressen zu fördern. Die Annahme, Israel würde seit 70 Jahren ununterbrochen “mit dem Finger am Abzug” sitzen und die Schuld an allen kriegerischen Auseinandersetzungen tragen, ist nichts weiter als die absolute Dämonisierung eines demokratischen Staates mit hoher Pluralität der Meinungen. Bei allem Respekt für palästinensische Narrative – in diesem Konflikt gibt es zwei Seiten. Du unterstellst den Israelis, stets Herr der Aktion zu sein (in Verbindung mit den natürlich ausschließlich und ständig imperial agierenden USA), doch liegt in der Realität oft nur eine Reaktion vor. Der Kommentar ist antisemitisch, weil er dem jüdischen Volk elementare Verteidigungsrechte komplett abspricht. Bei jedem anderen Staat würden solche Vergleiche nicht gezogen werden. Netanjahu mit dem nordkoreanischen Diktator zu vergleichen ist abstrus. Netanjahu ist demokratisch gewählt, er betreibt auch keine Konzentrationslager im eigenen Land oder lässt Verwandte mit der Railgun erschießen.

      Der Begriff des Antisemitismus wurde hier zudem komplett falsch verstanden. Der Ausdruck “semitisch” entstammt der Sprach- und Kulturforschung und bezeichnet dort auch arabische Völker. Antisemitismus als politische Ideologie bezeichnet dagegen exklusiv Judenhass. Der Begriff wird seit seiner Entstehung am Ende des 19. Jahrhunderts falsch verwendet. Die Definition hat sich aber so festgesetzt. Wer also nun z.B. Palästinenser hasst, handelt nicht antisemitisch, da die Begriffe nicht dasselbe bedeuten.

      Auch wurde das Judentum hier nicht verstanden. Das Judentum betrachtet sich selbst als Volk. Der Glaube unterscheidet sich dahingehend deutlich vom Christentum oder Islam. Dafür hat das Judentum aber auch kein Heilsversprechen für Jedermann anzubieten und missioniert nicht. Solange Israel eine jüdische Bevölkerungsmehrheit hat, besteht automatisch eine Verbindung zum Judentum und damit ggf. zum Antisemitismus.

      Es ist also nicht so einfach.

      • Danke für die interessanten Details zum Antisemitismus Begriff. Schließe ich richtig, dass “Israel-Hass” eine Form des “Antisemitismus” ist, weil Israel zwar nicht komplett, aber mehrheitlich jüdisch ist? Dann denke ich einen Schritt weiter, und sehe (israelbezogenen) Antisemitismus auf der gleichen Ebene wie z.B. Antiamerikanismus. Nur eben historisch deutlich stärker aufgeladen. So ist es nur noch eine unzulässige Verallgemeinerung. Immer noch Quatsch, aber gar nicht so schlimm, finde ich.
        Martha Harry’s Argument, Israelkritik dürfe nicht grundsätzlich mit Antisemitismus gleichgesetzt werden – zugegebenermaßen mit der exklusiven Fokussierung auf die Rüstungsindustrie nicht sehr glaubwürdig dargestellt – will ich aber trotzdem unterstützen. Daher würde ich im Satz “doch liegt in der Realität oft nur eine Reaktion vor” eher von “Überreaktion” sprechen.
        Gruß,
        Matthias

  8. Also zum Thema Krankschreibungen mal ein Kommentar vom angehenden Profi, also Medizinstudent in Endphase mit bereits einigen abgeleisteten Arbeitsstunden bei hausärztlichen Kollegen:

    Die beschriebene Methode einen Kontrolleur zum Hausarzt zu schicken, damit dieser quasi eine “Stichprobe” erhebt ist kein mir bekannter Weg. Man kann als Arbeitgeber soweit ich weiß eine amtsärztliche Bestätigung der Krankschreibung einfordern, aber grundsätzlich gilt: eine ärztliche Diagnose ist eine ärztliche Diagnose. Es geht in diesem Bereich ja auch um subjektives Wohlbefinden, das man individuell einschätzen muss.

    Etwas unzutreffend fand ich den Aspekt, dass es eine “Win-Win”-Situation sei. Bei vielen Praxen mag sich die Methodik schon durchgesetzt haben, aber im Endeffekt ist das eher ein Resignieren als pure Freude am gelbe Scheine ausstellen. Es gibt immer wieder Charaktere, deren Beschwerden man im Endeffekt anzweifelt und die man eigentlich nicht so gerne krankschreiben möchte. Doch eventuell gibt es ja weniger offensichtlichen Grund dafür, dass die Person nicht zur Arbeit mag. Als junger Studi habe ich Zeit und Gelegenheit zu graben, und wenn man gräbt findet man: Probleme zu Hause, mit der Partnerin/dem Partner, Alkohol, Mobbing im Büro, Depressionen/Burnout, teilweise bis zu verdeckten Suizidalität. Manche Menschen sind auch einfach nur mit ihrem (Zitat) “Kackjob unendlich unglücklich” – dafür gibt es zwar keinen Diagnosecode, aber mein Verständnis. Ich denke vielen Medizinern ist diese Erkenntnis irgendwann aufgegangen: wir sind nicht die Anwälte der Arbeitgeber, die dafür sorgen sollen dass die Bevölkerung brav zur Arbeit geht – unsere Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass es den Patientinnen und Patienten gut geht. Manchmal bedeutet das eben, Leute wegen einer vermeintlichen Grippe mal eine Woche aus dem Mühlrad zu nehmen. Es ist nun einmal ein Spannungsfeld zwischen verschiedenen Interessen: das Wohl der Patienten auf der einen – und das Wohl der Arbeitgeber auf der anderen Seite, ich jedenfalls weiß für was ich mich entscheide. Gerade die fertig gebackenen Ärztinnen und Ärzte haben dann oft auch nicht mehr die Zeit sich intensiv auseinanderzusetzen mit den Problemen (Zeitdruck, Kostendruck) und schreiben dann eben lieber großzügig krank.

  9. Moin!
    Super Folge, vielleicht meine liebste bisher! Die Fliesen sind blitzblank! ;)
    Besonders gefallen haben mir das Interview mit Eurem exzellenten Gast, der deutlich verbesserte Teil mit Lea, und wie Eure unterschiedlichen Ansichten zum Thema “krank feiern” das Thema ausgewogen beleuchtet haben. Weiter so!
    Gruß,
    Matthias

  10. Hallo ihr zwei,
    gerne komme ich der Aufforderung nach, meine persönlichen Erfahrungen zum Thema Krankschreibung und krank feiern abzugeben.
    Krank feiern:
    Ich arbeite an einem Gymnasium. Fast alle Lehrer in Westdeutschland sind Beamte, privatversichert und dürfen zwei Tage auch ohne Krankenschein krank sein.
    Ich habe an drei verschiedenen Schulen mit jeweils 100 Kolleg*innen unterrichtet und konnte nicht beobachten, dass das ausgenutzt wurde. Mit einer Erkältung bleibt eigentlich niemand zu Hause. Für alle Kolleg*innen, mit denen ich über das Thema gesprochen habe, ist „Fieber“ die Grenze. Es kommen aber auch einige noch mit leichtem Fieber in die Schule, weil sie eine Arbeit ankündigen, vorbereiten, durchführen oder zurückgeben müssen. Sinn macht das eigentlich keinen, weil man nur andere Menschen ansteckt, aber der Terminplan und die jeweiligen Fristen für Ankündigung, Korrektur, Rückgabe und der nächsten Arbeit sind sehr eng. Theoretisch müsste vielleicht die Schulleitung sich im Krankheitsfall darum kümmern, aber das ist absolut nicht praktikabel. Die Schulleitung greift erst bei langfristigen Krankschreibungen ein.
    Die meisten Kolleg*innen, die ich kenne, arbeiten auch krank ein paar Stunden zu Hause (Unterricht vorbereiten, Arbeiten korrigieren). Manche (nicht die Mehrheit) bereiten auch die Vertretungsstunden für ihre Kolleg*innen vor, z. B. weil noch unbedingt ein Thema vor der nächsten Klassenarbeit fertiggestellt werden muss.
    An jeder Schule gab es etwa zwei Kollege*innen (= 2 % des Personals), denen man nachgesagt hat, dass sie vor Notenschluss ein bis zwei Tage angeblich krank zu Hause bleiben um die letzten Klassenarbeiten zu korrigieren. Es war immer ein Mitglied der Schulleitung darunter, daher mag die Behauptung auch dem Neid geschuldet sein. Auch die stärksten „Feinde“ dieser Personen sind nicht davon ausgegangen, dass die „Kranken“ Urlaub machen, sondern zu Hause arbeiten, weil sie ihre Arbeit anders nicht organisiert bekommen haben. Gerade in dieser Zeit vor Notenschluss kommen viele richtig krank in die Schule, da sie sich nicht diesem Verdacht aussetzen möchten. Es findet also eine hohe soziale Kontrolle statt. Einmal habe ich erlebt, dass die Schulleitung angeordnet hat, dass man eine Krankschreibung schon ab dem ersten Tag vorlegen müsse. Da schienen sie auch den Verdacht des Missbrauchs gehabt zu haben, oder wollten nur etwas gegen die Gerüchteküche („Wir müssen Vertretung machen und XY korrigiert mal wieder zu Hause“) unternehmen.
    Krankschreibungen:
    Ich kann die Beobachtung einer großzügigen Krankschreibung nicht teilen. Wenn ich eine Grippe hatte, habe ich von meinem Arzt eine Krankschreibung von etwa drei bis fünf Tagen bekommen. Das war genau ausreichend. Meine Frau, auch eine Lehrerin, wurde von einem Orthopäden mit einem Bänderriss im Sprunggelenk nicht krankgeschrieben. Er meinte, sie könne auch im Sitzen unterrichtet und den Fuß dabei hochlegen. Da sie weder einen Schuh anziehen konnte (noch Auto fahren), hat sie zwei Wochen bei ihrer Schwester in der Nähe ihrer Schule auf dem Sofa geschlafen und sich von ihr in die Schule fahren lassen (die Taxis sind zu Schulbeginn alle für Schüler*innentransporte belegt). Zwischen jeder Stunde muss der Klassenraum gewechselt werden. Der Heilung war das sicherlich nicht zuträglich. Als ihr Blinddarm platzte entzündete sich die OP-Naht. Die äußere Naht musste geöffnet werden und die Wunde täglich mehrfach mit frischem Verbandsmaterial aufgefüllt werden, so dass sie langsam von innen nach außen zuwachsen konnte. Eine Krankschreibung hat sie auch dafür nicht bekommen und mit „offenem Bauch“ unterrichtet. Im Gegensatz zum Bänderriss war es aber tatsächlich kein Problem, auch wenn die Vorstellung vielleicht etwas merkwürdig ist.
    Zur Statistik:
    Bei der Statistik darf man nicht vergessen, dass die Krankenzeiten nicht gleichmäßig verteilt sind. Sowohl die große Mehrheit der ehrlichen Kolleg*innen als auch die wenigen, die sich ein paar Tage extra nehmen werden sich statistisch in ähnlicher Größenordnung bewegen. Langzeiterkrankungen sind z. B. der Skiunfall mit Komplikation bei der OP, die psychische Erkrankung oder die Krebserkrankung. In solchen Fällen fällt ein*e Kolleg*in auch mal ein komplettes Jahr aus, was die statistischen Krankentage natürlich enorm erhöht.
    Bleibt gesund
    Philipp

    • Wie ich das von Schulen mitbekommen habe, ist Kranksein zwischendurch tatsächlich ziemlich schwierig geworden wegen der zig Aufgaben und Verpflichtungen, in welche die Lehrer (besonders höherer Schulformen) in einem eng gestrickten Zeitrahmen eingebunden sind. Da kann ich meinem Vorredner beipflichten.
      Da sind eher Langzeiterkrankten ein „Problem“, also die Lehrer, die für den Rest des Schul(halb)Jahres fehlen und kaum zu ersetzen sind. Das ist besonders dann problematisch, wenn man nicht weiß, ob diejenige Person danach wiederkommt, oder weiterhin krank bleibt, was ja nicht selten psychische Ursachen hat. Ich kenne eine Schule, die deswegen über Jahre hinweg keine Schulleiterin hatte, weil diese sich (bis zur Pension) immer jahresweise hat krankschreiben lassen. Deswegen konnte die Schule aber keine neue Schulleiterin berufen, da die Stelle ja besetzt war. Ich weiß natürlich nicht, was sie hatte. Ich weiß nur, dass sie nicht den besten Ruf im Lehrerkollegium genoss.

      Was ich mich mich in dem Zusammenhang etwas allgemeiner frage, ist, wie schwer es für manche Menschen offensichtlich sein muss, sich „beruflich zu verändern“. Z. B. von einem Arbeitgeber, einem Betrieb oder sogar einem Beruf, in dem man mglw. unglücklich ist, zu einem anderen zu wechseln, auch wenn man vieles neu anfangen muss und wahrscheinlich weniger verdient. Diese Hürde liegt vermutlich noch höher, wenn man einen nahezu unkündbaren Job ohne Konkurrenzdruck hat, aber auch hier kann man z. B. die Schule wechseln. Dass eine Schulleiterin mit zeitnaher Pension nicht mehr umsattelt, überrascht mich jetzt nicht so sehr (wie gesagt kenne ich ihre Krankheit auch nicht). Trotzdem ist der Schritt zur Krankschreibung für manche vermutlich einfacher (und schafft Freizeit), als ein Wechsel.
      Aber das gehört vielleicht auch nicht hierher.

    • Dem kann ich nur zustimmen. Wobei ich denke, dass dort, wo die Menschen ein gutes kollegiales Verhältnis haben, die Kollegen eine höhere Hemmschwelle haben sich krank schreiben zu lassen. Also wenn dein befreundeter Kollege dein Krank-Sein ausbaden muss…. überlegste nochmal. Bei Stellen, bei denen es Wurst ist, bzw der Kunde es ausbadet, zu dem man im Zweifel kein enges Verhältnis hat, ist die Scham vllt weniger vorhanden.

      Und es kommt auch auf die Erziehung. Wenn die Eltern einem vorgelebt haben, dass man die Zähne zusammenbeißt und weitermacht, ist man eher geneigt selbst so zu sein. Wobei ich das mittlerweile auch sehr kritisch betrachte. Meine Eltern sind beide mittlerweile körperlich und psychisch fertig mit der Welt, inklusive zweier Aufenthalte in der Klinik…
      Solch pflichtbewussten Menschen muss man eher mal sagen, dass sie auch ein Recht darauf haben krank zu sein und die Welt sich auch ohne sie weiter drehen wird.
      Zum Thema prekäre Arbeitsverhältnisse: Meine Mama hat, obwohl sie Akademikerin ist, die letzten 20 Jahre entweder als Altenpflegerin oder am Fließband gearbeitet. Am Fließband: Erst 2 Jahre Leiharbeit dann 2 Jahre eine Befristung nach der anderen. Sie hatte solch eine Angst ihren Job zu verlieren, dass sie sich mit Keuchhusten (!) in die Arbeit geschleppt hat. Jetzt ist sie entfristet und seit Wochen krank geschrieben, weil ihr Körper am Ende ist und sie von Bandscheibenvorfall bis Osteochondrose alles mögliche hat.
      Aus dem was ich beobachtet habe:
      Es gibt solche und solche:
      Die einen arbeiten jahrelang hart ohne sich je krank schreiben zu lassen, bis sie mit 60 die Rechnung bekommen und ständig krank geschrieben werden müssen.
      Die anderen haben weniger Hemmung und lassen sich schneller mal krank schreiben.
      Am Ende haste halt nen Durchschnitt x.

      Mich hat noch kein Arzt gefragt, wie lang er mich krank schreiben soll. Ich habe ehrlich gesagt ein sehr ungutes Gefühl gehabt bei dem , was Ulf und Philipp über Ärzte gesagt haben. Wenn ich ein Arzt gewesen wäre, der sich jeden Tag den A aufreißt für seine Patienten, wäre ich ganz schön enttäuscht.

  11. Moin,

    Habe zum Thema wie sich die USA in den europäischen/deutschen Markt mit Drohungen von Sanktionen einmischen folgenden Bericht:
    https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2018/Wirtschaftskrieg-USA-gegen-deutsche-Pipeline,nordstream228.html

    Die Firma in der ich Arbeite ist teilweise an diesem Pipelineprojekt beteiligt. Auch an der Anschlusspipelines Eugal.

    Gruß Blabubaer

  12. Hallo Ihr,

    da explizit danach gefragt wurde, und ich mich etwas damit auskenne dachte ich, einen Einblick in die Verbindung von Israelischer Innen-und Außenpolitik zu geben.
    Israels Politik ist in etwa so zersplittert wie die Weimarer Republik. Die 2 größten Parteien (Likud & Avuda) müssen dabei zur Zeit immer mit religiösen Parteien koalieren. Zusätzlich kommt im Parlament derzeit eine “vereinigte Arabische Liste” – bestehend aus einer Mischung von Kommunisten, Arabischen Sozialisten und Islamisten vor, mit der zu koalieren selbst für ein Mitte-links Bündniss ein Innenpolitisches PR-Desaster wäre.
    Netanyahu’s konservative “Likud” Partei stellt mit 24% die größte Fraktion, es kommen zu seiner Regierung aber noch einige Parteien, von denen zwei die extreme Rechte darstellen und die verwirrenderweise “Das Jüdische Zuhause” religiös-nationalistisch und “Israel unser Zuhause” säkular-nationalistisch heissen. Zusätzlich noch “Kulanu – “wir alle”” eine mitte-rechts Partei und “Yehadut haTorah – Torah Judentum” und “Shas” zwei reiligöse Gruppen.
    Naftali Bennett, (“Es gibt keine Unschuldigen in Gaza”) der Bildungsminister vom “Jüdischen Zuhause” und Avigdor Liebermann, (“Lass dich doch in Ramallah wählen” – zu einem Arabisch-Israelischen Politike) der Außenminister von “Israel unser Zuhause” führen diese 2 extrem rechten Parteien an und da ohne entweder extreme rechte, und in diesem Fall religiöse Interessen keine Regierung gebildet werden kann treiben diese Netanyahu in diese Richtung vor sich her. Er kann also, wenn er nicht gefahr laufen will dass seine Koalition zerbricht keinen weicheren Kurs fahren, unabhängig davon was er selbst denkt.
    Ich hoffe, das ist trotz des Wirr-Warrs an Israelischen Parteien noch verständlich, und sollte jemand weitere Fragen haben antworte ich gerne.

    • Danke für diese Zusammenfassung!
      Gibt es denn Israel nicht die Möglichkeit einer “Großen Koalition”?
      Ich hoffe immer, dass an der israelischen Demokratie irgendwas kaputt ist. Denn andernfalls müssen wir ja annehmen, dass die Mehrheit der Israelis nicht an Frieden interessiert ist. :(
      Gruß,
      Matthias

      • Teile der Siedlerbewegung sind sehr militant. Würde eine israelische Regierung tatsächlich in größerem Umfang Siedlungen im Westjordanland räumen (Grundbedingung dafür, dass sich die dort ansässigen Palästinenser wieder frei bewegen und das Land selbst nutzen können), dann würden Gruppen wie die “Hügeljugend” möglichweise bewaffneten Widerstand leisten.

        Welche Gesellschaft würde sowas freiwillig tun? Interne Konflikte verschärfen, irgendwelchen feindlich gesinnten Fremden zuliebe.

        Entweder Israel wird von außen zu Zugeständnissen gegenüber den Palästinensern gezwungen oder es geht dort die nächsten Jahrzehnte genauso weiter wie jetzt.

      • P.S. Hier wird die Sicht eines jüdischen Amerikaners geschildert. Könnte mir vorstellen, dass sich viele Israelis in einem ähnlichen Zwiespalt befinden.

        https://www.vox.com/world/2018/5/15/17352640/israel-gaza-embassy-american-jews

    • Dank für die Aufklärung. Sehr verwirrend diese ganzen Parteien einzuordnen.

      Ich habe mal an einem Schülerausstausch mit Israel teilgenommen. Naja und da kann ich nur sagen, dass die meisten der 16 Jährigen relativ patriotisch waren und vor dem Hintergrund, dass die Jungs noch 3 und die Mädels noch 2 Jahre Militärdienst vor sich hatten, wird sich da in deren Köpfen nicht viel verändert haben. Ich weiß um die Existenzängste Israels. Fakt ist aber auch, dass der Militärdienst dort nicht unwesentlich dazu beiträgt, dass die eigenen Leute —äh— auf Linie gebracht werden. Da bleiben dann nicht mehr viele übrig, die Verständnis für die Palästinenser haben. ….

      Und ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass Netanyahu so ein Unschuldslamm ist. Is jetzt nur ne Vermutung, aber vermutlich hätte Jitzchak Rabin nicht solche Reden geschwungen wie Herr Netanyahu….

  13. Da ihr über Kapitelmarken geredet habt.

    Damit sie in iTunes oder in der Podcast App angezeigt werden, müssen sie und der Audiodatei integriert werden und nicht nur im Feed stehen. Das geht zum Beispiel mit GarageBand.

    • Kapitelmarken im Feed sind sowieso nur ein Notnagel, für Audioformate, die keine Kapitelmarken unterstützen. Aber eigentlich sind Kapitelmarken ganz normale Metadaten und gehören in die Datei; alleine schon weil die nicht immer in Kombination mit dem Feed auftritt.

      @LdN Ich weiß nicht, was ihr für einen Workflow habt; aber es gibt Kommandozeilentools mit denen man das bei M4A automatisieren könnte.

  14. Liebes Lage-Team,

    ich bin ein großer Fan eures Podcasts. Mir gefällt die Länge, die
    Ausführlichkeit, die Diversität und vor allem, dass wir an vielen
    Stellen politisch nicht einer Meinung sind finde ich gut und spannend.
    Ich habe mir schon öfter gedacht, ich schreibe euch mal aber letztlich
    bin ich nie dazu gekommen. Nun habe ich mich aber etwas über den Beitrag
    zur Entfristung bei der Post über 2 Punkte geägert und dachte ich
    schreibe euch warum:

    Der erste Punkt ist folgender: Das Thema des Beitrags war, wie ich es
    verstanden habe, die Entfristung bei der Post. Das die Post das macht
    ist meiner Meinung nach ein Skandal und aus gewerkschaftlicher
    Perspektive untragbar. Der Skandal den ich bei euch meine gehört zu
    haben war, dass Leute “krank feiern”. Ich hätte mir gewünscht, dass der
    Fokus des Beitrags auch bei dem Thema bleibt und nicht das Verhalten der
    Post einfach ignoriert.

    Der zweite Punkt: Für mich klang es an etlichen Stellen so, dass über
    die “krank feiernden” hergezogen wurde. Das finde ich sehr unangebracht.
    Ihr beide (und ich auch) arbeiten in Berufen die zwar anstrengend sind
    aber meist recht gut bezahlt sind (falls das eine irrtümliche
    Unterstellung ist tut es mir leid). Das ist wichtig, weil es einen
    Zusammenhang geben soll zwischen (gefühlter) schlechter Bezahlung und
    Krankheitsverhalten
    (http://www.sueddeutsche.de/karriere/gehalt-unfaire-loehne-machen-krank-1.3420476#redirectedFromLandingpage).
    Viele Post-Mitarbeiter_innen sind, wie wir alle wissen, schlecht
    bezahlt. Ausserdem ist die 20-Tage Regelung laut Extra3 vom 10.5
    (https://www.youtube.com/watch?v=i-putUPpHAA) statistisch schon irrsinn,
    weil der Durchschnitt in der BRD bei 30 Tagen in 2 Jahren ist. Der
    Extra3-Beitrag lohnt sich, vor allem die ersten ca. 7 Min. weil die das
    selbe Thema bearbeiten.

    Es würde mich freuen wenn ihr das Thema nochmal bespielen könntet, oder
    mir vielleicht eure Meinung dazu schicken könntet.

    Ich freue mich auf jeden Fall auf die nächste Show.

    Viele Grüße,

    Sam

  15. Angesichts der zunehmenden Zahl an Kommentaren: Wäre es eine Idee, dass man die Kommentare themenbezogen gliedert? Also nicht mehr auf Ebene Lageausgabe kommentiert, sondern je Ausgabe auf ein Thema plus Allgemeines oder so?

  16. Hallo zusammen,

    ich habe mir jetzt nicht alle Kommentare durchgelesen, aber ich möchte noch etwas zum Thema Krankschreibung sagen.

    Ich denke, dass das auch mit “privat” und “gesetzlich versichert” zusammen hängt. Die meisten Ärzte wollen doch keine Privatversicherten vergraulen, deswegen gilt, so gut wie möglich entgegenkommen!

    Ich selber war schon bei meiner Ärztin wegen einer Erkältung und diese meinte, sie könnte mich max. 3 Tage deswegen krankschreiben. Wenn es mir dann nicht besser gehen sollte, bitte noch einmal wieder kommen.

    Ich selber bin gesetzlich versichert.

    Ansonsten macht weiter so, auch die 99 ist mal wieder super!!

    Ganz lieber Gruß

  17. Hallo Lage Team.
    Wisst Ihr eigentlich das bei Google ganz oben steht, wenn man “Lage der Nation” eingibt…?

    • Bin zwar nicht das Lage Team, aber bei mir steht da ganz oben diese Homepage hier und drunter dann der Wikipedia-Artikel dazu…

  18. Hallo.
    Zu den Krankschreibungen und den Testern von großen Firmen.
    Weise mal jemand einem Arzt eine fehlerhafte Krankschreibung nach; und zwar auf der Grundlage eines Gesprächs mit einem Patienten. Das Patienten übertreiben oder eben Symptome beschreiben, die nicht existieren, kann der Arzt nicht feststellen. Umfangreiche Tests werden bei “Husten, Schnupfen, Heiserkeit” doch gar nicht gemacht.
    Außerdem stellt Euch mal die andere Seite der Medaille vor? Der Arzt nimmt Dich nicht ernst, weil er davon ausgeht, der Patient hat ja gar nix, der will ja nur nicht zu Arbeit.
    In der Juristerei heißt es glaub ich, im Zweifel für den Angeklagten, in der Medizin könnte man sagen, im Zweifel krank schreiben.

    • Moin,

      Mein Arzt hat mir beim letzten mal gesagt das ich als Arbeitnehmer gesetzlich dazu verpflichtet bin wieder zur Arbeit zu gehen sobald ich wieder gesund bin. Sodass es egalist wie lange er mich krank schreibt. Die Einschätzung ob ich wieder fit für die Arbeit muss ich treffen.
      Mein Arzt bezog sich auf das Sozialgesetzbuch aber ich Weiss nicht welches Gesetzt explizit.
      Gruß Blabubaer

      • Also bei mir darf man nicht arbeiten, solange man Krankgeschrieben ist. Es gab bei mir an der Uni wohl schon Fälle, wo die Versicherung nicht zahlen wollte; frei nach dem Motto: “Wenn die Person nicht wider besseren Wissens krank gearbeitet hätte, wäre ja bestimmt auch nichts passiert”

  19. Auch wenn das Thema eigentlich nur am Rande beim Interview mit Prof. Singelnstein angeschnitten wurde, trotzdem ein kurzer Hinweis zu den Entwicklungen bei den Raktionen auf die PAG-Novelle(n) in Bayern, weil mir das Vorgehen gut gefallen hat: im letzten Wintersemester gab es eine gemeinsame Lehrveranstaltung der Rechtswissenschaftlichen Fakultäten Erlangen, Würzburg und München zur Vorbereitung einer Popularklage, die am 3. Mai von 21 Studierenden und HochschullehrerInnen beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof eingereicht wurde.

    mehr: https://www.rph1.rw.fau.de/
    Text Popularklage: https://www.rph1.rw.fau.de/files/2018/05/Popularklage-Endg%C3%BCltige-Fassung_ohne-Adressen-neu.pdf

    • Ja, ist uns klar, diese Popularklage ist mit Unterstützung der GFF zustande gekommen ;)

      • Ach schön, das hatte ich gar nicht mitbekommen (und auch erst jetzt auf der GFF-Site gefunden). Aber, die Kommentare werden ja auch nicht nur von euch gelesen ;)

  20. Zum Thema Krankschreibungen weiß ich von einigen Schulen in meinem Umfeld, dass Krankschreibungen von einigen Ärzten die den Schülern schon als Dr. Holiday bekannt sind nicht mehr anerkannt werden.

    • …und wenn ich als Eltern dagegen Einspruch erheben würde, hätte die Schule jedoch keine Wahl.

  21. Hallo,

    danke für die tolle Lage. Wäre es noch möglich hier oder in den Shownotes die Quelle zu ergänzen auf die ihr im PKS-Interview bezüglich der Deliktsdunkelfelder (Studie aus Niedersachen) hingewiesen habt? Danke!

  22. Ich möchte zum Thema Krankschreibung bei Allgemeinärzten mal eine halbe Innenansicht anbringen: in universitären Allgemeinmedizinseminaren werden derartige Fragen auch immer wieder gestreift und letztlich ist es im Ermessen des Arztes. In der Regel bestellt man einen Infektpatienten nach ein paar Tagen wieder ein, um zu prüfen, ob der Infekt tatsächlich unbedenklich war. Länger als zwei, drei Tage sind bei einem kleinen Infekt/Schnupfen an sich nicht drin. Das Handhaben manche Arztpraxen womöglich großzügiger. Manche haben da sicherlich einen einschlägigen Ruf als “Doc Holiday”.
    Aber die Aufgabe des Arztes ist es nicht, Criminal-Profiler für den Arbeitgeber des Patienten zu sein, sondern die Gesundheit des Patienten im Blick zu behalten. Darum halte ich es für problematisch, seinen Patienten mit der Grundhaltung des Misstrauens zu begegnen.
    Die Überprüfung allein halte ich schon für unverhältnismäßig. Die ärztliche Schweigepflicht ist ein hohes Gut: das Verhältnis zwischen Arzt/Ärztin und Patient/in geht niemanden etwas an, auch wenn es verschiedene Seiten noch so sehr wurmt.
    Wer in der Praxis aufläuft und direkt nach Urlaub auf Schein fragt, wird wenig Erfolg haben. Aber letztlich ist es eine Frage des Arbeits- und persönlichen Umfelds, die zu unbegründeten Kranktagen führen. Da bei den MedizinerInnen anzusetzen ist das falsche Ende und aus oben genannten Gründen imho nicht statthaft.

    • Ich finde diese halbe Innenansicht sehr interessant. Es ist interessant, wie bei den Seminaren nur von zwei, drei Tagen ausgegangen wird. Ich habe auch von 2 verschiedenen Personen die selben Erfahrungen mitbekommen, wie im Podcast: Bei Schnupfen wird unter eine Woche nicht krank geschrieben.
      Vielleicht mag es auch damit zu tun haben, dass die Ärzte eine Fürsorgepflicht für sich einnehmen und sich womöglich in größere Probleme bringen, wenn sie einem Kranken zu wenige Tage geben und er noch nicht vollständig auskuriert auf der Arbeit erscheinen muss.

      In den Niederlanden ist das System übrigens ein anderes: Wenn man krank ist, bleibt man zu Hause und teilt dem Arbeitgeber mit, dass man krank ist. Als Kranker bleibt es im eigenen Ermessen, wann man zum Arzt geht und muss sich auch nicht mit der schlimmsten Grippe zum Arzt schleppen, nur um den notwendigen Krankenschein abzuholen. Die Überprüfung ob jemand wirklich krank ist und es nicht nur sagt, obliegt dabei den Unternehmen, die jemanden vorbei schicken würden bei dir zu Hause. Ohne das System komplett zu kennen, ist das zumindest eine Alternative.

      • Ich finde das Modell aus den Niederlanden außerordentlich attraktiv. Die Vorlage eines Gelben Zettels zu verlangen ist aus meiner Sicht ziemlicher Kontrollwahn der Arbeitgeber, weil doch niemand wochenlang einfach zu Hause bleibt, wenn es ihm nicht wirklich dreckig geht. Und für die ersten zwei oder drei Tage braucht man ohnehin keine Krankschreibung.

      • Natürlich gibt es Szenarien in denen auch der Schnupfen ernst ist: bei schwer körperlich arbeitenden Menschen geht man hier auf Nummer sicher, die Folgen eines nicht auskurierten Infekts sind da schlimmer als bei Leuten, deren beschwerlichster Weg der zur Kaffeeküche ist.
        Die Arbeitgeber mit vielen Fehlzeiten müssen sich aber an die eigene Nase fassen und mal überlegen, warum man für sie so ungerne arbeitet. Meiner Meinung nach liegt das nicht an den faulen Mitarbeitern.

        Ich kenne das System in NL nicht. Ich frage mich da, wie so eine Gesundheitskontrolle ablaufen soll. Den Arbeitgeber gehen imo weder meine Wohnverhältnisse, noch meine genauen Vitalparameter konkret auch nur das Geringste an.

      • Die Arbeitgeber mit vielen Fehlzeiten müssen sich aber an die eigene Nase fassen und mal überlegen, warum man für sie so ungerne arbeitet. Meiner Meinung nach liegt das nicht an den faulen Mitarbeitern.

        Das finde ich einen zentralen Punkt. Wenn sich die Leute mit dem Betrieb identifizieren hat man solche Probleme normalerweise nicht. Bei der GFF zB mussten wir schon Leute heim schicken, weil sie mit Gehirnerschütterung weiterarbeiten wollten …

      • Man kann das in beide Richtungen nicht pauschalisieren, es gibt auf beiden Seiten solche und solche. Ein guter Bekannter hat einen kleinen mittelständischen Betrieb und macht viel mit Identifikation und Agreement mit den Mitarbeitern, weil er damit gute Erfahrungen gemacht hat. Bei den meisten geht das auch ganz gut, aber es gibt halt auch andere, mit denen er immer wieder schmerzhafte Erfahrungen machen muss, weil sie sich über Krankschreibungen auf Kosten des Betriebes bezahlte Urlaubswochen verschaffen. Es wäre ihm ja egal, wenn der Betrieb dadurch nicht direkt Einkommensverluste (+Lohnzahlung) hätte oder nicht mit einem Ersatz-MA dann zwei Löhne in der Zeit bezahlen müsste – in beiden Fällen Verlust. Bei guten MA alles kein Problem, wer krank ist oder wem es mal schlecht geht, soll sich auskurieren. Aber wenn man mitbekommt (und als Chef mit relativ guten Betriebsklima kriegt man schon etwas mit), dass einfach auf Verlust des Betriebes öfters mal eine bezahlte laue Zeit gemacht wird, dann kann ich auch seine Wut verstehen. Aber er hat praktisch keine Möglichkeit, den MA daran zu hindern, und muss ihn dafür bezahlen. Und im Moment ist der Arbeitsmarkt leergefegt, er muss fast jeden nehmen und behalten, den er kriegen kann.

        Wenn ich ihm jetzt sagen würde, dass er als Chef selbst Schuld daran ist, dass sich solche MA (nicht alle!) gerne mal die eine oder andere bezahlte freie Woche nehmen, könnte ich mir ganz schön etwas anhören.

      • Das NL-System finde ich problematisch: Es muss der Arbeitgeber im Zweifel abschätzen, ob der krankgemeldete Mitarbeiter wirklich malad ist. Da geht dann also der Malermeister zu seinem Mitarbeiter, der wehen Rücken moniert und soll entscheiden, wie arg es ist …

        Oder der Arbeitgeber sucht den Mitarbeiter daheim auf, der ist aber grad beim Arzt oder in der Apotheke – nicht angetroffen – und nun? Weiß ja der Arbeitgeber nicht, ob sein Mitarbeiter gerade in Krankheitsdingen unterwegs ist oder einen lustigen Ausflug macht.

        Dagegen ist es grundsätzlich m.E. nicht so blöd, die Arbeitsunfähigkeit von einem kompetenten und neutralen Dritten bestätigen zu lassen.

    • Man sollte in diesem Zusammenhang auch mal erwähnen, dass die Arbeitsunfähigkeitbewertung und -prognose stets bezogen auf den ausgeübten Beruf (bzw. bei Arbeitslosen der allgemeine Arbeitsmark) durchzuführen nach der AU-RL ist. Das kann dazu führen, dass zwei Personen mit unterschiedlichen Berufen durchaus unterschiedliche Zeiten rauskommen. Ein Pilot, eine Erzieherin oder ein Kraftfahrer kann da schon mal paar Tage länger krank geschrieben sein als die Bürokauffrau oder der IT-Admin. Auch darf man nicht vergessen, dass der krankschreibende Arzt meist der Hausarzt ist und der kennt seine Patienten über Jahre.

      Tendenziell dürften die Arbeitgeber immer noch gut mit dem Modell fahren, der Überwachungsdruck mag nicht hoch sein, aber alleine, dass eine andere Person das bestätigen muss, ist schon ausreichend, es ist ja in der Regel auch nicht sonderlich toll in einer überfüllten Praxis (mit anderen kranken Menschen) zu sitzen. Urlaub sieht doch wohl anders aus.

      Zudem sind wohl die meisten Arbeitnehmer eher bereit, auch mit kleinen bis mittelgroßen Wehwehchen und zu früh wieder arbeiten zu gehen und Arbeitgeber sehen dann über ihre Fürsorgepflicht hinweg. So zumindest meine überwiegende Erfahrung. Die meisten Arbeitnehmer arbeiten eh nicht in Großbetrieben und haben eine soziale Kontrolle im Betrieb, weil die Arbeit ja dann von anderen konkret gemacht werden muss.

      Das Problem im öffentlichen Dienst sind wohl nicht die Faulheit der Leute wie es bei Euch beiden rausklang; es sind die Überalterung, die logischerweise mit erhöhten Krankheitszahlen einhergeht und in der freien Wirtschaft entweder durch Entsorgung via Arbeitsmarkt oder durch Modelle wie Altersteilzeitmodelle abgefedert wird (während der öffentliche Dienst alle durchschleppen muss), und der starre Rahmen der Beschäftigung. Nicht jeder ist wie Ulf damit gesegnet, an seinen Lieblingsprojekten zu arbeiten oder ins Lieblingsfeld abgeordnet zu werden. Die Mehrzahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst stammen nämlich aus dem mittleren und gehobenen Dienst und haben eine unspektakuläre Laufbahn, bei der alles schon 30 Jahre vorher geplant ist, sowie Abwechslung nicht vorgesehen ist. Der Dienstherr setzt da ein, wo er Leute braucht, nicht da, wo die Leute gerne arbeiten würden. Die Aufgaben werden auch vorgesetzt, nach dem Sinn oder Verbesserungswünschen fragt da im worst case keiner und im Zweifel fehlt Personal bzw. wird von anderen Bundesländern oder Behörden abgeworben. Hinzukommen noch pseudobetriebswirtschaftliche Strukturen mit Controlling & Co., die die einzelnen Sachbearbeiter kaum Spielraum lassen. Klar, es gibt Personalrat & Co., teilweise auch betriebliches Gesundheitsmanagament, Betriebssport, usw., aber das kann den Rahmen auch nur bedingt verbessern. Bei manchen größeren Behörden wie etwa typischerweise der Landespolizei gibt es auch immer wieder Exzesse, wenn kranke Mitarbeiter überwacht oder ausgegrenzt werden oder durch die amtsärztliche Mühle geschickt werden. Das liegt vermutlich am Beschäftigungssystem im öffentlichen Dienst, ein Unternehmer würde da eher praktische Lösungen suchen, Beförderung, Versetzung, Kündigung, Aufhebung, Abfindung, usw., aber im öffentlichen Dienst ist man da selten so flexibel. Dass bei solchen Szenarien nur kranke Mitarbeiter herauskommen, ist doch völlig verständlich.

  23. Moin,

    mal eine Frage: müsst Ihr den Begriff “Deal” von Trump übernehmen? Es handelt es sich um Verträge zwischen Staaten, keine “Deals”. Damit seit Ihr (wie auch die meisten anderen Journalisten) dem Framing von Trump auf den Leim gegangen. Deal/dealen werte die Verträge, die Verhandlungen sowie die Vertrags-/Verhandlungspartner stark ab.

    • Seit Abschluss wurde die Übereinkunft in den meisten Medien entweder als Abkommen oder als Deal bezeichnet. Ich sehe da keine Eigenleistung durch Trump.

    • Da gebe ich Dir Recht.

      Ich finde das ungefilterte Übernehmen und ständige Wiederholen solcher Begriffe nicht hilfreich. Sprache prägt, irgendwann sind wir allen nur noch Dealer.

      Bi- und multinationale Abkommen “verkommen” zu Deals, wirtschaftliche.

      Es gibt im Deutschen viele Substantive: Beschluss, Abmachung, Abschluss, Übereinkommen, Aushandlung, Einvernehmen, Abschluss, Kontrakt, Übereinstimmung etc, die den Inhalt politischer Verträge eindeutiger und expliziter ausdrücken.

      Obama ist ein Ver(Händler) auf allen Ebenen.

      Trump ist ein DEALER, ein Croupier. Die Bank kann nie verlieren. Ich mache Dir einen Deal (Vorschlag) friss oder stirb.

      Mit dem Verwenden solcher Wörter, wird die eigenliche Bedeutung langfristig erst verwischt und dann dauerhaft gelöscht.

      Andererseits werden Wörter wie “westdeutsch” und “ostdeutsch”, “Migrationshintergrund”, “Ausländer”, “Flüchtlinge” diskriminierend im Sprachbewusstein gehalten und wirken langfristig, generationsübergreifend beängstigend und nicht verbindend.

      In der DDR gab es ANDERSDENKENDE, die sind auch schon ausgestorben. ;-)

  24. Super Lage!

    Mir hat Euer (bzw Philips) Statement zum Thema Post sehr gut gefallen. Ich kenne ebenfalls genug Kollegen, die sich gerne mal für längere Zeiträume krankschreiben lassen. Interessanterweise sind das meist diejenigen, die auch sonst nicht durch übermäßiges Engagement auffallen. Ob diese Praxis, wie Ulf nahelegt, für die Ärzte eine wirkliche “Gefahr” darstellt, wage ich zu bezweifeln. Ich habe von Tests in dieser Hinsicht noch nie gehört. Zudem stellt der Arzt ja immer irgendeine Diagnose, auf die sich die Krankschreibung beruft, die muss man im Zweifel erst einmal widerlegen können. Wenn jemand sagt, er hatte starke Kopfschmerzen, kann man das in der Praxis gar nicht überprüfen, ob gelogen/übertrieben oder die Wahrheit gesagt wird.

    Ich hab es schon einmal gefragt: Könnt ihr nochmal ein Update über Eure Einnahmen/Ausgaben gegeben? Mir hat Eure Transparenz in der Vergangenheit gut gefallen und würde mich dementsprechend auch in der Zukunft drüber freuen. Kann ja auch in der Preshow nur für Abonnenten geschehen, wenn Euch das lieber ist. Oder falls Ihr das nicht machen wollt, würde ich mich freuen, wenn Ihr kurz erklärt, warum nicht.

  25. Bei genauerer Betrachtung finde ich diese 20-Tage-Regellung der Post doch eher kritikwürdig, weil diese Zahl für sich natürlich nichts aussagt. Sie haben ja auch gesagt das diese Zahl kein festes KO-Kriterium darstellt und das letztlich doch jeder Einzelfall geprüft wird. Wenn das so stimmt wie sie es sagen, stellt sich natürlich die Frage warum diese 20 Tage überhaupt so prominent kommuniziert wurden.
    Ich mein, natürlich kennt fast jeder in seinem beruflichen Umfeld Kollegen von denen man davon ausgeht das sie sich öfter mal krankschreiben lassen ohne das wirklich was vorliegt. Aber es kann halt auch immer sein das dass ein Irrtum ist, manche Menschen kränkeln halt öfter als andere. Dazu kommt es ist natürlich ein Unterschied ob jemand einmal im Jahr krank ist und dann eben direkt zwei Wochen, oder ob jemand fast jeden zweiten oder dritten Montag nicht zur Arbeit erscheint, Dienstag aber dann immer total fit wirkt.
    Letztlich sagt diese Zahl der Krankheitstage halt in der Regel gar nichts aus, man muss sich jeden Fall einzeln anschauen. Wenn sich jemand ein Bein bricht ist diese Person direkt mal 6-8 Wochen außer Gefecht gesetzt, zumindest in Berufen in denen körperliche Arbeit verrichtet wird.
    Ich selber kann mich erinnern das ich vor einigen Jahren mal drei oder vier Wochen wegen Husten krankgeschrieben war, das war in nem Winter wo so eine Krankheitswelle durchs Land zog, das war irgend so ein Virus oder so wo meine Ärztin meinte das dass Risiko jemanden anzustecken in dem Fall so groß sei das sie mich nicht zur Arbeit lassen kann bis das weg ist. Noch niemals war ich so lange wegen so einer vermeintlichen Kleinigkeit krankgeschrieben, damals hatte ich schon ein schlechtes gewissen meinem Arbeitgeber gegenüber, weil ich mich abgesehen von dem Husten eigentlich wohl gefüllt hatte.
    Dann gibt es da auch noch den anderen Aspekt den die bloße Anzahl der Krankheitstage gar nicht widerspiegelt und der auch generell schwer zu belegen ist, wenn der eine Mitarbeiter sich ausreichend lange krankschreiben lässt das er andere Kollegen nicht mehr anstecken kann, dann spart das dem Unternehmen eben auch Geld, nur eben indirekt weil man ja nie sicher sagen kann ob andere Kollegen angesteckt worden wären.
    Bei meinem Vorgesetzten gab es mal den Fall, der hat sich zwei Wochen lang krank zur Arbeit geschleppt, obwohl wir alle sagten er solle besser mal ein paar Tage zu Hause bleiben (manche Menschen halten sich halt für Unersetzlich) letztlich hatte er durch sein Verhalten tatsächlich die halbe Abteilung angesteckt, wahrscheinlich wäre es weit billiger fürs Unternehmen gewesen, dieser Eine Mann wäre zu Hause geblieben, als dann im weiteren Verlauf mehrere Kollegen, die dann natürlich nen gelben Schein eingereicht hatten.

  26. Hallo zusammen!

    Nur noch eine kurze Anmerkung zur Iran-Thematik, die meisten Kritikpunkte habe ich beim durchscrollen oben schon gefunden. Ich mache hier an der Universität von Tel Aviv gerade meinen LL.M. mit Völkerrechtsschwerpunkt und verfolge die Diskussion vor Ort daher aufmerksam.
    Was in der Darstellung der aktuellen Situation mE nicht ausreichend dargestellt wurde ist die enorme Einflussnahme Irans in Syrien und dem Libanon. Der Aufbau von Militärbasen im Süden Syriens mit iranischen Revolutionsgarden vor Ort und die massive Unterstützung der Hezbollah im Libanon sind natürlich auf eine unmittelbare Bedrohung Israels ausgerichtet. Diese Bedrohung wird hier sehr deutlich – wenn auch mit israelischer Grundentspanntheit – wahrgenommen. Erst vor einigen Tagen wurden die Luftschutzbunker für die Zivilbevölkerung im Norden des Landes geöffnet und vor möglichem Raketenbeschuss gewarnt – der ja dann auch stattfand. Die große Mehrheit der Israelis mit denen ich mich unterhalten habe geht davon aus dass es dieses Jahr noch Krieg geben wird – sei das eine direkte Konfrontation mit Iran in Syrien, ein Stellvertreterkrieg gegen die Hezbollah oder eine Eskalation der Lage in Gaza.
    Dass die Regierung Netanyahu diese Bedrohungslage instrumentalisiert ist klar, gut möglich dass da auch die Korruptionsermittlungen gegen den Premier eine Rolle spielen. Dass aber diese prekäre Sicherheitslage künstlich geschaffen oder aufrechterhalten wird um sich die Unterstützung der Bevölkerung zu sichern – und bitte korrigiert mich wenn ich Ulfs Kommentar hierzu falsch aufgefasst habe – halte ich doch für reichlich übertrieben.
    Ansonsten wie immer eine klasse Sendung! Freut mich, dass inzwischen auch mehr außenpolitische Themen besprochen werden!

    Grüße aus Tel Aviv
    Leonhard

    • Danke für die Perspektive, die Du und andere hier eingebracht haben. Ich finde ja die Grundhaltung bedenklich, man müsse den Iran irgendwie ruinieren, damit er möglichst wenig militärischen Einfluss nimmt und vor allem keine Atombomben baut, weil das Aushungern in Nordkorea ja auch ganz großartig geklappt hat. Aber aus der israelischen Perspektive kann ich schon nachvollziehen, dass man sich bedroht fühlt und daher fast jedes Mittel recht ist.

      Und anders als im Konflikt mit den Palästinensern kann man Israel im Falle Irans zumindest nicht vorwerfen, zu wenig diplomatisch vorzugehen, einfach weil der Iran Israel ja offiziell zum Todfeind erklärt hat. Da ist wenig Raum für Entspannung.

      • @Ulf

        Es geht eigentlich niemandem darum, den Iran dauerhaft zu ruinieren. Dazu sind solche Sanktionen auch gar nicht in der Lage – sie existieren ja nicht erst seit gestern. Das Vorgehen der USA und Israels zielt primär darauf ab, den Einfluss des Irans in anderen Ländern der Region zurückzudrängen. Das ist ein legitimes Ziel. Der Iran mischt sich aggressiv-machtpolitisch in diese Länder ein. Das ist grundsätzlich illegitim und für Israel sehr gefährlich. Die Atombombe ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Den Regime-Change in Teheran strebt dagegen niemand an. Das würde auch nur noch mehr Chaos erzeugen und ist im Falle des Irans auch nicht realistisch.

        Das übergeordnete Problem in dieser Debatte ist die fehlende Unterscheidung zwischen iranischer Bevölkerung und der iranischen klerikalfaschistischen Regierung. Es geht um die Frage, wie man in der internationalen Politik am besten mit Staaten dieser Art umgeht. Um die Regierungspolitik zu verändern und zu beschränken sind, das haben die letzten Jahre gezeigt, schwere Sanktionen notwendig. Diese treffen natürlich vor allem die Bevölkerung. Das ganze Land wird, wie du richtig sagst, “ruiniert”. Es gibt dazu aber keine Alternative. Die einzige Alternative wäre die Revolution. Aber das ist im Iran sehr unwahrscheinlich.

      • Da stimme ich dir komplett zu, diese Probleme hätte man unabhängig vom JCPOA angehen können. Ich wollte nur die Motivation der Israelischen Regierung (bzw. was ich dafür halte) darlegen, weil ihr da ja ein wenig gerätselt habt.

      • Super! Genau dafür haben wir die Kommentare, denn der Schwarm unserer Hörerinnen und Hörer ist inzwischen einfach viel kenntnisreicher, als wir es mit noch so viel Recherche jemals sein könnten.

      • “Der Iran mischt sich aggressiv-machtpolitisch in diese Länder ein. ”

        Da kenne ich noch ein paar mehr…

  27. Bzgl Powerline:
    Moin ihr lieben,

    diese Powerline-Technologie ist leider nicht so supidupi toll und unumstritten wie ihr glaubt, bzw die geneigte Hörerschaften glauben lasst. Die Dinger nutzen die im Haus verlegten Stromkabel als Antenne und ballern unkontrolliert und breitbandig Rauschen in den Äther, was die SNR von allen möglichen Funkanwendungen nachteilig beeinflusst. Die Funkamateure warnen seit vielen Jahren davor. Aber nicht nur die sind betroffen (je nach Hersteller/Modell/Generation). Letztendlich bleibt es eine Funktechnik, die so tut als wäre sie keine, die aber mit entsprechend viel Leistung den Mangel an angepasster Antennentechnik kompensiert. Was kann da schon schiefgehen?1!11

    https://www.darc.de/der-club/distrikte/c/ortsverbaende/10/plc/

    Mmn nach sollte die Technologie entweder ganz unzulässig sein, oder die Installation genehmigungspflichtig und dann in entsprechend begründetem Ausnahmefall nur von lizenzierten Fachfirmen durchführbar. Diese verfügen dann auch über die notwendige Messtechnik, um die Sendeleistung so gering wie möglich zu kalibrieren. In der Hand von Endverbrauchenden sorgen die Dinger regelmäßig für Ärger bei Mitmenschen. Letztere können das Problem aber mangels Wissen und Messtechnik nicht mal identifizieren. Man stelle sich vor, jemand hat schlechten Radioempfang und hört dann Philips UKW-Sendung auf DLF nicht, weil der Nachbar die Powerline-Technik verbaut hat, nachdem der eure Werbung gehört hat.

    Disclaimer: Ich gönne euch natürlich das Werbesponsoring und die Wahl zu haben die Lage mit Werbung oder als Lage+ zu hören ist super. Entsprechend danke ich euch und auch Devolo für die Folge.

    • Danke für diesen Hinweis … der Amateurfunk ist mir persönlich sehr sympathisch, insofern bedaure ich es, wenn es da zu Störungen kommt. Die verlinkte Website ist allerdings unbrauchbar, weil die Links praktisch alle ins Nichts führen. Da hätte der DARC die Inhalte besser spiegeln sollen (natürlich mit Zustimmung des Urhebers).

    • Hallo,
      danke für die Information. Jedoch muss ich leider auch sagen, dass die empfohlene Seite zu 90% tote links mitbringt. Da fällt es schwer das Thema Power Line Communication und deren Probleme als ernstes Anliegen der DARC zu werten.

  28. Also, gerade beim Thema Gesundheitswesen merkt man ganz eindeutig, dass ihr aus einer obskuren Hauptstadt-Filterbubble heraus argumentiert.

    Hier in Chemnitz ist es beispielsweise so, dass sehr viele Menschen KEINEN Hausarzt mehr haben. Weil in den letzten 10-15 Jahren sehr viele Praxen zugemacht haben, da die Ärzte in Rente gegangen sind und es keine Nachfolger mehr gab. Und das ist nicht nur in Chemnitz so, sondern in gesamt Mittelsachsen! Du kannst hier also garnicht “einfach mal so” bei jedem Schnupfen zum Arzt gehen. Ich hatte letztes Jahr beispielsweise eine Stauchung am Handgelenk und braucht dringend eine Überweisung zu einem Facharzt von einem Allgemeinarzt. Ich bin also, mit der unbehandelten Stauchung!, erstmal in vier Allgemeinpraxen vorstellig geworden. Drei haben mich sofort wieder weggeschickt. Bei der vierten Praxis wurde ich dann nur ausnahmsweise mal genommen, weil ich kurz vor einem heftigen Nervenzusammenbruch stand! Zwei Stunden warten, fünf Minuten beim Arzt für die Überweisung um DANACH zum Facharzt überhaupt gehen zu dürfen. Insgesamt war ich gut 8 Stunden mit einer unbehandelten Stauchung mitten im Winter bei heftiger Glätte unterwegs gewesen, bis ich endlich eine Behandlung bekommen konnte.

    Das ist nur eines von vielen Beispielen. Ich kenne hier nur Menschen, die garnicht zum Arzt gehen können, selbst wenn sie es wöllten. Da sie eben auch kein Hausarzt (mehr) haben.

    Folge: Man verschleppt Krankheiten und daraus können sich dann erst richtig heftige Krankheiten entwickeln. Auch deswegen finde ich hier euren süffisanten Missbrauchsvorwurf einfach nur absurd. Man soll doch bei jedem “kleinen” Problem zum Arzt gehen, um schwerere Krankheiten vorzubeugen. Und da sind zwei Wochen Pause wirklich angemessen.

    Auch das kann ich mit einem praxisnahen Beispiel untermauern. Der damalige Arbeitgeber meiner Freundin war genauso drauf wie ihr: Man geht wegen einer leichten Erkältung nicht zum Arzt, die soll schön weiter schuften (ich paraphrasiere jetzt mal). Die Folge war: Diese “leichte” Erkältung wurde verschleppt und es hat sich eine handfeste Lungenentzündung entwickelt. Und das über Nacht, denn die Symptome entwickeln sich innerhalb von 24 Stunden:
    – Fieber von 40°
    – Schüttelfrost
    – Atemprobleme
    – erhöhter Puls
    – starker Husten

    Meine Freundin war 7 Wochen nicht mehr arbeitsfähig. Es hat ewig gedauert, bis diese Krankheit abgeklang. Und die Ärztin sagte ganz ausdrücklich: Wäre sie schon zum Arzt gegangen, als sie “nur” die Erkältung hatte, hätte sie diese richtig auskuriert (und hier liegt die Zeit tatsächlich bei 1-2 Wochen!), dann hätte sich die Lungenentzündung garnicht erst bilden können. Übrigens: So eine Lungenentzündung kann auch lebensgefährlich werden!

    Das mal als Beispiel, warum man lieber einmal zu oft als einmal zuwenig zum Arzt gehen sollte. Denn man weiß nie, was hinter einem Schnupfen oder einer Erkältung liegen könnte. Es kann ein gutmütiger grippaler Effekt sein, der nach ner Woche Ruhe wieder abgeklungen ist. Es kann aber eben auch der Vorbote einer sehr schweren Krankheit sein. Das kann nicht nur zu einer Lungenentzündung führen, sondern auch zu einer Hirnhautentzündung oder einer Bronchitis. Deswegen muss man immer dafür werben, solche Dinge NIE auf die leichte Schulter zu nehmen!

    Alles andere ist meiner Ansicht nach nur neoliberaler Arbeitsfetisch! Es muss IMMER gelten: Erst der Mensch und seine Gesundheit, DANN alles andere. Nur das wird seit Jahren torpediert!

    • Wir haben nicht im Ansatz gesagt, dass man mit einer Erkältung nicht zum Arzt gehen sollte oder krank arbeiten gehen sollte, im Gegenteil. Phil hatte nur ein Problem damit, dass es offenbar bei manchen Medizinern recht einfach ist, sich krankschreiben zu lassen, obwohl man NICHT krank ist.

      • Gibt es für genau diese Aussage irgendwelche Belege? Denn das hört man häufig: “Du bist ja garnicht krank, wieso bist Du krankgeschrieben?” – Krankheit kann sehr vieles sein. Und es ist individuell sehr unterschiedlich, wie lange eine Pause angebracht ist.

        Deswegen ärgert mich das beispielsweise so extrem, wenn sich ein Gesundheitsminister Spahn hinstellt und sich die blöße gibt und zu sagen “Muss man denn wegen jedem Wehwehchen zum Arzt gehen?” Vielleicht vermische ich das, aber gerade auch gesellschaftlich scheint mir die Akzeptanz von Krankheiten, körperlich und psychsich, stark abzunehmen. Weil man da ja nicht mehr der perversen Ideologie der “Leistungsfähigkeit” genüge wird.

        Auf jeden Fall: Phil hat gesagt, es werden Atteste ausgestellt, weil man ja sonst sich nen anderen Arzt sucht. Es mag vielleicht ausgerechnet in Berlin so sein, dass es da viele Ärzte gibt. Aber gerade in den ländlichen Gegenden in Deutschland, oder selbst in mittelgroßen Städten wie eben Chemnitz oder Zwickau, ist es extrem schwer auch nur einen Arzttermin erstmal zu bekommen, wenn es nicht dringend notwendig ist. Hier würde Dir also kein Arzt irgendwas ausstellen, obwohl man nicht krank ist. Im Gegenteil: Man dürfte sich einen riesigen Anschiss (weil man wertvolle Zeit des Arztes verschwendet) abholen und würde dann dort in der Praxis in keinem Fall (auch im Ernstfall nicht) mehr genommen werden.

      • @Ulf
        Naja, aber ihr hattet euch auch beispielsweise sehr darüber gewundert, dass man der Krankheitsdurchschnitt in einigen Betrieben bei 30 Tagen liegt – dabei ist das überhaupt nicht viel. Wie der OP schon schrieb, bei 2 Erkältungen im Jahr kommt man schnell auf ~20 Tage… jetzt noch ein paar schwerere Krankheitsfälle im Unternehmen und schon ist man bei 30 Tagen im Durchschnitt.

        Und das dich ein Arzt bei einer Erkältung für eine Woche (oder mehr) krankschreibt ist auch nicht besonders viel; im Gegenteil hat das gute Gründe:
        – Schutz des Arbeitnehmers; gerade bei körperlicher Arbeit sind Spätfolgen nicht so unwahrscheinlich und können ziemlich fies werden – Herzmuskelentzündung lässt grüßen
        – Schutz der Kunden/Kollegen
        – u.U. Arbeitsschutzvorschriften; wenn ich bspw. schweres Gerät bediene, muss ich topfit sein!
        – Qualitätsansprüche; wenn ich schlechte Arbeit abliefere, weil ich mich nicht konzentrieren kann, dann helfe ich nicht viel und kann u.U. auch noch ernsthaften Schaden anrichten

        Das ganze geht soweit, dass ein vernünftiger Arbeitgeber dich eigentlich gleich wieder wegschickst, wenn du nicht vollständig auskurierst bist – wenn man mich mit Husten oder Schnupfen im Labor erwischen würde, könnte ich mir echt was anhören…
        Und wenn jetzt wie in Philips Fall er am Kränkeln ist und andere Familienmitglieder zusätzlich noch krank sind, dann sind zwei Wochen jetzt vielleicht nicht knapp bemessen, aber auch nicht übertrieben.

        Ich muss sagen, dass ich mir auch dachte, dass ihr eine etwas verzerrte Sicht habt – wenn du nach zwei Tagen wieder vollkommen genesen bist, dann hast du echt Glück; die meisten sind da noch längst nicht auskuriert (ein durchschnittlicher Schnupfen geht bspw. ~5 Tage).
        Und natürlich habt ihr nicht gesagt, dass man krank arbeiten sollte – aber bei euch ist IMHO schon die Haltung durchgeschimmert, dass die meisten doch eigentlich nach 2-3 Tagen wieder halbwegs fit sind und dann natürlich direkt wieder arbeiten gehen könnten.

        Zu guter Letzt noch, weil du erwähnt hast, dass dir insbesondere bei deinen weiblichen Kollegen häufige Krankschreibungen aufgefallen sind, wollte ich noch was anmerken (nicht konkret auf deine Äußerung bezogen sondern ganz allgemein):
        Es gibt genügend Frauen, die aufgrund ihrer Periode und/oder den damit verbundenen hormonellen Schwankungen regelmäßig ernsthaft eingeschränkt sind; gerade bei jungen Frauen kommt das häufiger vor und man sollte sich dessen bewusst sein, wenn man das Gefühl hat, dass die doch auffällig oft krankgeschrieben sind.

      • @Axel: Ich kenne Leute, die extra zu Krankschreib-Ärzten gehen. In einem Fall ist es wohl so, dass man für 20€ sich ohne Untersuchung aussuchen kann wie und wann man krank geschrieben wird. Ist natürlich für den Arzt dreifach profitabel. Er hat weniger Aufwand, weil er sich die Untersuchung spart, bekommt Geld von der Krankenkasse und nochmal 20€ pro Patient, die er vermutlich auch noch scharz abrechnet. Bei 5 Patienten am Tag sind das 2.000€ netto zusätzlich…

        Auch kenne Fälle von Leuten, die psychisch Probleme hatten und die – zum Glück! – relativ problemlos eine Krankschreibung bekommen haben. Teilweise auch für völlig andere Sachen. Wie gesagt: In den Fällen war das alles sinnvoll, weil die Leute ja tatsächlich psychisch krank waren, aber sowas lässt sich von einem Hausarzt nicht in 5 Minuten feststellen, d.h. der Hausarzt hat einfach darauf vertraut, dass der Patient die Wahrheit sagt. Dieses Vertrauen hätte aber natürlich auch schnell missbraucht werden können….

      • @Venyo: Das ist aber definitiv ein krasser Einzelfall, ein Arzt der 20€ für ne Krankschreibung nimmt. Man sollte wirklich nicht von solchen Einzelfällen auf die Allgemeinheit schließen.

        Fakt ist doch, dass 20 Krankheitstage im Jahr nichts sind. Schon allein als Single kann man gut 2 Erkältungen im Jahr einrechnen. Einmal in der Übergangszeit Winter-Frühling und einmal im Spätherbst. Das sind bereits 20 Tage. Und dann kann immer was passieren. Ein Unfall ist genauso schnell vorhanden, wie eine normale Krankheit, weil im Körper irgendwas mal nicht so funktioniert wie es funktionieren sollte. Und wenn man beispielsweise Allergien hat, gegen Pollenflug etwa, dann wird es zum Frühling richtig “lustig”. Oder wenn eine Person der Migräne zugeneigt ist – bei richtiger Migräne hast Du so schmerzende und wummernde Kopfschmerzen, Du bist für nix mehr fähig. Das sind jedoch alles Dinge, dafür können die Menschen nichts. Das ist individuell auch einfach unterschiedlich.

        Und wenn man, wie Günter richtig sagt, noch Kinder im Kindergarten/Grundschulalter hat, dann werden auch hier wochenlange Krankheitszeiten anfallen. Das ist doch nur natürlich.

        Und deswegen sind solche Gleichmachereien wie bei der Post so skandalös! Einmal werden Menschen richtiggehend diskriminiert, die eben schon biologisch vielleicht nicht den besten Immunhaushalt haben. Andererseits wird damit wieder so ein unsinniger Druck aufgebaut, der wiederum psychisch krank machen kann und wird. Weswegen explodieren denn in den letzten Jahren die Zahlen an Depressionen und ähnlichen heftigen Krankheiten? Weil die Leute mittlerweile nur noch unter Dauerdruck gestellt sind. Da ist klar, dass jeder Körper irgendwann rebelliert und sagt “Nö, jetzt nicht mehr”.

        Damit die Menschen also wieder gesünder werden, muss man Druck nehmen. Muss man den Menschen wieder genügend Freizeit gönnen – und Zeit für sich, Zeit für den Müßiggang. Aber die Entwicklungen der letzten Jahre im Arbeitsmarkt ist gegenteilig. Und da wundert man sich, dass die Leute immer kränker werden? Wirklich? Das ist nur natürlich!

      • @Axel: In der Sendung haben die beiden doch extra gesagt, dass man da mal die Ärzte vergleichen könnte, also explizit *nicht* verallgemeinert.

    • Noch zum Krankenstand: Zählen da die Krankheitstage der Kinder mit rein? Mit zwei Kindern im Kindergartenalter kommt man locker auf 2 x 15 Krankheitstage im Jahr.

      • Großartiger Einwurf! Und bezeichnend an dieser Stelle ist, dass man pro Kind 10 Pflegetage zugestanden bekommt – PRO JAHR! Is doch ein Scherz… (!!!) Wie soll man denn bitte damit auskommen? Ich lass mich schon gar nicht krankschreiben und nehm keinen Urlaub, damit ich für die Kinder da sein kann, wenn sie krank sind. Ich werd schon wieder grantig…

      • Arbeitnehmer haben bei Krankheit eines betreuungspflichtigen Kindes (<12 Jahre) einen Anspruch auf Freistellung durch den Arbeitgeber. Das ist (theoretisch) unabhängig von der Dauer. Bei der Frage, für wie viele Tage im Jahr man Geld bekommt muss man zwischen den verschiedenen Versicherungsarten unterscheiden. Die genannten 10 Tage sind die Tage die ein gesetzlich Versicherter Anspruch auf Zahlung des sogenannten "Kinderkrankengeldes" hat. Alleinerziehende haben 20 Tage, zusammenlebende Eltern dementsprechend maximal 2×10 Tage. Das gesetzliche Kinderkrankengeld beträgt 90% des ausgefallenen Nettoverdienstes, maximal jedoch 70 Prozent der kalendertäglichen Beitragsbemessungsgrenze. Und dann gibt es noch andere Regelungen, die z.T. von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich sind. Bei nicht gesetzlich Versicherten sind dann ganz andere Regelungen möglich. Privat Versicherte haben gar keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld, Beamte nur 7 Tage, dafür aber mit 100% der Bezüge und möglicherweise gibt es dann noch in verschiedenen Tarifverträgen ergänzende Regelung.

        Kurz: Man kann sein Kind so lange pflegen wie nötig, gesetzlich Versicherte können/sollten nach 20 Tagen aus finanziellen Gründen ggf. über Urlaub nachdenken. Auch wenn ich mir vorstellen kann, dass das bei manchem Arbeitgeber die einzige Lösung ist, würde ich vom selbst krankschreiben lassen eher Abstand nehmen. Damit ist man doch schon ziemlich tief in einem arbeitsrechtlich relevanten Bereich.

      • @kilosierra.

        Ich hatte mir noch überlegt, ob ich dazu schreibe “bezahlte“ Pflegetage. ;) War dann aber zu faul. Dennoch vielen Dank für die schöne Zusammenfassung der ArbNRechte. Ich find es trotzdem arg wenig :/. Und Fakt is auch, dass viele Menschen auf das Geld angewiesen sind und denen ihr Recht auf Pflege des Kindes dann auch nich viel hilft (jo, besser als nix).
        Die Frage, ob in den Statistiken die Pflegetage für Familienangehörige mit dabei sind steht immer noch im Raum….

    • Eine “Überweisung zu einem Facharzt” ist seit Jahren nicht mehr notwendig! Der Facharzt darf dich auch ohne Behandeln und kann diese Behandlung auch problemlos abrechnen. Lediglich für gezielte diagnostische Verfahren wie z. B. Röntgen oder MRT ist eine Überweisung unumgänglich.

      • Das “Aussterben” der Hausärzte aufm Land und im Osten, insb. Sachsen, mag vielleicht ein anderes Thema sein, aber wenn kein Hausarzt mehr vorhanden ist, kann ein gesetzlich Versicherter immer noch in die nächste Notaufnahme eines Krankenhauses gehen. Abgewiesen werden kann er dort nicht und wenn sich die Fälle häufen, werden die Krankenkassen zusammen mit den KVen schon etwas machen, weil die Krankenhäuser für die gleiche Behandlung ja um ein Vielfaches teurer sind.

      • @Zghuk: Natürlich könnte man in die Notaufnahme. Aber seien wir ehrlich: Dafür sind diese nicht gemacht. Diese sind nicht dafür gemacht, dass man dort normale Allgemeinmedizin praktiziert. Das hat auch negative Folgen, weil diese Aufnahmen jetzt schon ständig überfüllt sind mit Menschen, die es eigentlich garnicht bräuchten. Die bräuchten einen normalen Hausarzt!

        Und zudem sollen ja auch in den nächsten 2-3 Jahren Notaufnahmen geschlossen werden. Was gerade hier in den ländlichen Gegenden einer Katastrophe gleichkommen wird!

      • Ein Gegenbeispiel ist die AOK. Nach Aussage einer Ärztin legen die ihren Kunden nahe, einen Hausarztvertrag zu machen. Dieser ist zwar freiwillig, wenn abgeschlossen, verpflichtet dieser die Kunden erst zum Hausarzt zu gehen und sich zum Facharzt überweisen zu lassen.

    • Ich kann dir auch in Mittelsachsen zwei Ärzte benennen, bei denen das Gespräch eher nach dem Muster »Sie sehen aber krank aus. Wie lange soll ich Sie krankschreiben?« ablaufen. Also wie auch in anderen Kommentaren ausgeführt, gibt es solche Ärzte vermutlich in allen Regionen. Aber es ist auch richtig, dass die Ärztedichte in Mittelsachsen wie auch in anderen ländlichen Regionen sehr dünn ist.

    • Es hängt glaube ich alles sehr stark davon ab wo man wohnt, welche Ärzte man hat, in welcher Branche man tätig ist, wie man selber allgemein so drauf ist…

      Ich habe mich z.B. initial gewundert, dass Philip beschreibt wie einfach es doch ist krank geschrieben zu werden und dann mit seinem Beispiel von “Kopfschmerzen” kommt. Ich kenne niemanden der wegen einfachen Kopfschmerzen zum Arzt gehen würde, da nimmt man eine Tablette und weiter gehts. Im Beispiel hier werden aber erst mal 2-3 Tage als ausreichend angesehen, auch wenn der Arzt mehr verschrieben hätte. Natürlich kann ich nicht beurteilen wie schlimm es bei Philip wirklich war, aber im Beispiel klang es eben wie “ich hab halt etwas Kopfweh (weitere Sympthome wurden ja verneint)”.
      Ich möchte hier dir @Philip kein Unrecht tun und irgendwas unterstellen. Da ich persönlich aber aktuell nur bei wirklicher Migräne zu Hause bleiben würde (da geht eh nichts anderes mehr, ich hatte eine Zeit lang immer mal schwere(-re) Migräne und kenne den Unterschied) und bei Kopfschmerzen nie auf die Idee gekommen wäre zum Arzt zu genen war ich hier eben verwundert.

      Das wiederum zeigt wundbar die allgemeine Situation und ggf. auch den wichtige Streitpunkte: Wann sollte man überhaupt zum Arzt gehen? Wenn ich vermeintlich leichte Beschwerden habe, oder wenn ich mich nur noch gerade zum Arzt schleppen kann?
      Letzteres ist eher die Regel wenn ich mich so im erweiterten Arbeitsumfeld, bei Kunden und auch im Freundeskreis umsehe (ich bin im Consulting unterwegs, habe auch viele Verbindungen zum Vertrieb, zur Entwicklung und zu diversen Großkonzernen).
      Dabei zeigt sich ein relativ klares Bild: je höher die Gehaltsklasse, desto eher schleppt man sich auch immer zu Arbeit. Und ich kenne auch Leute die morgens vorm Kundentermin zusammengeklappt sind, weil der (frei verfügbare) Medizincocktail offensichtlich doch nicht ausgereicht hat und man mal hätte einige Tage im Bett bleiben sollen. Und das selbst bei Kollegen deren Lebenspartner/-in selbst Arzt ist.
      Aber es ist leider oftmals schlichtweg üblich sich selbst und vor allem auch andere, die man eben mit ansteckt, zu gefährden. Natürlich wird das nicht direkt vom Arbeitgeber gefordert, aber wie sollen die Projekte usw. denn sonst fertig werden.

      Auch bei meiner Freundin im bio-medizinischen Forschungsumfeld (Ironie an der Sache) ist es dem Chef ein extremer Dorn im Auge wenn jemand krank ist und er beordert auch gerne mal Doktoranden trotz Krankenstand zu irgendwelchen Meetings ins Institut und wundert sich dann warum plötzlich 5 Leute Grippe haben. Aber wenn man nicht erscheint zu “Pflichtterminen” gibt es halt ordentliche Probleme. Ebenso bei einer anderen Bekannten, deren Chefin ist einfach nie krank (sprich krank schon, geht aber immer arbeiten), also wird das ebenso von den Mitarbeitern erwartet (nicht verlangt, aber wer zwei tage krank ist, hat einen schlechten Stand). Und auch geht um einen akademischen Betrieb und nicht um eine Brache wie z.B. die Paketzustellung die oftmals eh im Verdacht ist Arbeitskräfte zu verheizen.

      Es ist oftmals also schlichtweg der Arbeitsmarkt bzw. die eigene Jobsituation die verlangt das man weniger auf die eigene Gesundheit achtet, oder sich eben krank schreiben lässt und dadurch Nachteile bekommt.

      Dann kommen ja gerne immer die Argumente: Ja dann halt einfach den Arbeitgeber wechseln (was ja auch immer so einfach geht…), oder gar den eigenen Betrieb anzeigen. Prima Idee, mir sind Betriebe bekannt die sogar schon Strafen zahlen mussten, wo es konkrete Anweisungen gibt und die Mitarbeiter stempeln müssen, damit Sie mehr auf Arbeitszeiten und Gesundheit achten. Nur was passiert: die Mitarbeiter wissen wie man die Systeme umgeht und arbeiten eh darüber hinaus und wenn sie krank sind, weil die Arbeit sonst eh nicht zu schaffen ist.

      Es ist also insgesamt eine grundlegende Krankheit unserer Gesellschaft und damit am Ende gar nicht mehr so relevant ob es nun zu einfach ist sich krankschreiben zu lassen oder nicht. Wer die ärtzliche Bestätigung hat krank zu sein, der fällt halt unten durch.

      Vielleicht kommen wir ja irgendwann auch da an wo z.B. die USA oder Kanada heute schon sind. Neben den Urlaubstagen (oft nur ~10) gibt es “sick days” und wenn man da drüber ist, hat man ein Problem, denn man darf halt einfach nicht krank sein.

      PS:
      Schon damals in der Schule, ich komme aus einer Kleinstadt, wurden die Namen von Ärzten angepriesen die einen lange krank schreiben. Insbesondere die Sportärzte wenn man z.B. keine Lust auf 2 Wochen Leichtatlethik hat. Ebenso sind auch heute oftmals die Namen der erste bekannt die einen länger krank schreiben. Bekannte haben mir auch schon gerne mal gesagt “wie bei Erkältung schreibt dein Arzt dich nur wenige Tage krank? geh mal zu XY da bekomme ich immer mindestens 2 Wochen” und das bei ähnlichem Job.

  29. Die palästinensischen Demonstrationen waren kein Versuch, “zurückzuwandern”. Ulf übernimmt hier unreflektiert den Narrativ der Hamas.
    Es sind keine Menschen “aus den Palästinensergebieten zur Grenze” marschiert (sondern in Gaza) um quasi nach Hause zu gehen. Sie sind da hingegangen, um gewaltsame Konfrontationen mit den israelischen Sicherheitskräften zu suchen. Diese hatten schon vor der ersten dieser “Demonstrationen” signalisiert, dass sie niemanden an die Grenzabsperrungen treten lassen werden und noch viel weniger Brandmaterialien oder bewaffnete Kämpfer, die sich Zugang zum Staatsgebiet verschaffen wollen.

    Dass sich ausschließlich “Vertriebene” bzw. deren Nachkommen an den Protesten beteiligt haben, ist weiterhin Teil des Narrativs der Palästinenser, nach dem schließlich alle Vertriebene und Flüchtlinge seien (und die ihren Flüchtlingsstatus vererben können).
    Ulf spricht zudem von einer “Rückbesetzung” und impliziert, dass die Israelis ihr Staatsgebiet besetzt hätten – was fernab der historischen Gegebenheiten ist.

    Aus früheren Ausgaben weiss ich, dass Ulf auf der “israelkritischen” Seite verortet ist, aber hier unwidersprochen diese Punkte auszubreiten, haben mich wirklich verärgert.

    Israel zeichnet sich nicht erst seit Netanjahu durch eine sehr “harte Hand” an seinen Außengrenzen aus. Innenpolitisch steht er tatsächlich stark unter Beschuss, aber sein Handeln hier und gegenüber dem Iran in Syrien wäre auch von jedem anderen Politiker so oder ähnlich getragen worden.

    Zudem ist es sehr fragwürdig, Netanjahus Besorgnis über das iranische Atomprogramm als “Fakenews” zu bezeichnen. Das bestehende Abkommen gilt als katastrophal aus israelischer Sicht. Es ist nun absehbar, dass nun ein schärferes Abkommen verhandelt wird. Auch ein blinder Trump findet mal ein richtiges Korn. Obama hatte mit seiner Nahostpolitik viel Vertrauen und gute Verbindungen in alle Richtungen verspielt. Dass ausgerechnet Trump das nun besser machen könnte (auch mit der Verlegung der Botschaft nach Westjerusalem), hätte ich kaum für möglich gehalten – aber es erscheint mir ein Schritt zu einer klareren Linie.

    • Aus früheren Ausgaben weiss ich, dass Ulf auf der “israelkritischen” Seite verortet ist

      Nein, ganz im Gegenteil, ich sehe in diesem Konflikt beide Seiten und beziehe hier gerade keine Position für die eine oder die andere Seite.

      • Dann nehme ich die Absolutheit meiner Unterstellung zurück.

        In der aktuellen Folge bemühst Du Dich aber nicht um einen ausgeglicheneren Standpunkt, wie es sonst in ähnlichen Gemengelagen in Eurem Podcast üblich ist und weshalb ich Euch so gerne höre.

        In Bezug auf innenpolitischen Druck muss man übrigens auch an die Hamas denken (deren letzte demokratische Legitimierung 2006 war), da sich noch radikalere Kräfte im Gazastreifen breit machen wollen.

    • @dal

      Ist es nicht etwas verquer, die Vererbung des Anspruchs auf ein bestimmtes Stück Land auch in der Diaspora in Abrede zu stellen – wenn es um Israel geht? Die Palästinenser in den Flüchtlingslagern haben den Umstand, dass man auch nach 2000 Jahren noch “heimkehren” kann, ja täglich vor Augen.

      • @Günter

        Verstehe diesen Einwand nicht so ganz. Der Staat Israel wurde nicht gegründet auf der Basis eines “Flüchtlingsanspruchs” der Juden. Die Staatsgründung erfolgte aufgrund der unzweifelhaften Verbindung der Juden zu diesem Land und bei Betrachtung der historischen Umstände vor allem aus pragmatischen Gründen. Gerade der Umstand, dass die Juden eben keinen “Flüchtlingsanspruch” auf das Land hatten, verhinderte ja jahrzehntelang die Etablierung Israels. Die “Heimkehr” mag ein zentraler Bestandteil des jüdischen religiösen wie säkularen Narrativs zur Staatsgründung sein, ist aber nicht so wörtlich zu verstehen wie die meisten Palästinenser das zu verstehen scheinen. Niemand würde heute behaupten, die Israelis hätten ihr Recht, dort einen Staat zu gründen allein auf der Basis eines “Erbes” von vor 2000 Jahren erlangt. Diese Kategorie ergibt auch keinen Sinn in einer an aktuellen Gegebenheiten orientierten politischen Diskussion. Der vererbte Flüchtlingsstatus der Palästinenser ist genau die Form hochideologischer Politik, die den Nahostkonflikt am köcheln hält. Die vertriebenen Palästinenser, die oft gar nicht vertrieben worden sind (anderes Thema), haben keine realistische Möglichkeit, jemals in israelisches Kernland zurückzukehren. Das sollten sie sich eingestehen. Stattdessen werden da symbolpolitische Grenzerstürmungen geplant, auf die Israel bekanntermaßen hart reagiert…

      • Hi Günther,
        in keinem anderen Konflikt wird dieser Status vererbbar.
        Ich kann mich auch nicht erinnern, dass es am heutigen Tage in Deutschland ernstzunehmende Politiker oder NGOs gibt, die ein Rückkehrrecht für Deutsche nach Schlesien fordern.
        Die heutigen Palästinenser hätten ubrigens die israelische Staatsbürgerschaft haben können und waren jetzt arabische Israelis. Umliegende Länder wie v.a. damals Ägypten machten den Arabern aber das Szenario schmackhaft, dass Israel in Kürze zerstört wäre und dann freie Landwahl bestünde.

      • @Fabian und dal
        Ihr betreibt da Spitzfindigkeiten. Was man von außen betrachtet sieht Israel so aus: “Die Juden” haben die Erinnerung an ihr echtes oder vermeintliches Siedlungsgebiet sowie den Wunsch auf Rückkehr über zwei Jahrtausende wachgehalten und – against all odds – hat es am Ende geklappt. Wenn es also etwas gibt, an was man sich an einem Ort ohne alle rational begründbare Hoffnung festklammern kann, dann daran, dass einem dereinst das gleiche gelingen wird, wie dem Feind von der anderen Seite des Grenzzauns.

        Dies den Palästinensern als ideologische Verblendung vorzuhalten, ist für einen Verteidiger der israelischen Position schlicht absurd.

        Noch zur Vertreibung der Palästinenser: Die Vorstellung, dass hunderttausende Menschen Haus uns Hof verlassen, weil irgendjemand in Ägypten oder Jordanien ihnen etwas versprochen hat, ist absurd. Zumal in einem kulturellen Kontext, wo die eigene Scholle die Grundlage jeder selbstbestimmten Existenz darstellt. Die meisten Palästinenser sind damals aus den gleichen Gründen geflohen, aus denen Menschen schon immer ihre Heimat verlassen haben. Gründe solcher Art: https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Deir_Yasin

      • Günther, dann bist Du mit der Geschichte des Zionismus und der Staatsgründung nicht vertraut. Denn die zionistische Bewegung hatte zB über Jahre Land von arabischen Großgrundbesitzern systematisch aufgekauft. Auch lebten im Bereich des heutigen israelischen Staates durchgehend Juden. Auch in anderen arabischen Landstrichen war dies so, dort wurde sie aber systematisch vertrieben und Israel stellt einen Schutzraum für Juden weltweit dar.

        Auch wenn das etwas vom Thema abschweift, so verweise ich mal auf die aktuelle Ausgabe der Jungle World, die einen Israel-Schwerpunkt mitbringt, der von vorne bis hinten sehr interessant ist.

        Ich greife mal diesen Artikel heraus, der einem die Komplexität des Lebens in Israel sehr einfach aufzeigt:
        https://jungle.world/artikel/2018/19/das-gegenteil-von-projektion

        Und er zeigt auch, wie wenig man von diesem Land eigentlich versteht, dessen Konflikte man hierzulande ja sofort und so einfach glaubt, lösen zu können.

      • @Günter

        Das sind keine Spitzfindigkeiten. Ich verteidige die israelische Position, weil der Staat Israel eine “gute Idee” ist und nicht allein aufgrund einer tausende Jahre alten religiösen Begründung. Die historische Verbundenheit der Juden mit dem Land bestreite ich natürlich nicht. Das allein würde mir als Staatsbegründung so aber vielleicht auch nicht genügen. Ich bestreite auch nicht, dass Palästinenser seit Jahrhunderten in der Region leben und auch ein Recht auf das Land haben. Sie haben nur einfach kein Recht mehr auf Rückkehr in israelisches Kernland. Deine Position lässt viel Verständnis erkennen für die kulturellen Kontexte in denen die Palästinenser agieren. Das finde ich inzwischen nicht mehr überzeugend. Nach mehreren Generationen müssen die palästinensischen “Flüchtlinge” erkennen, dass sie nicht mehr zurück können. Pragmatische Lösungen sind gefragt. Die hat aber auf palästinensischer Seite niemand im Angebot. Stattdessen erreichen terroristische Organisationen wie die Hamas beachtliche Unterstützungswerte. Das muss man 2018 anprangern dürfen.

        Ich empfehle zum besseren Verständnis beider Position gerne einen Youtube-Kanal, der von einem weitgehend neutralen kanadischen Einwanderer in Israel betrieben wird und Interviews mit beiden Seiten durchführt:
        https://www.youtube.com/user/coreygilshuster

      • @Fabian

        Der Staat Israel ist zweifellos eine gute – nach dem Holocaust geradezu zwingende – Idee.

        Weniger gut, sondern eher bösartig bis verbrecherisch ist die Idee, gut 2 Mio Menschen auf einem Stückchen Land von der Größe der Insel Manhatten für Jahre, gar Jahrzehnte, einzusperren. Genauso wie die Idee, durch fortgesetzte Landnahme den Palästinensern immer weitere Gebiete im Westjordanland abzujagen.
        Und eben das ist es, was immer wieder zu Aufständen/Unruhen in den Palästinensergebieten führen muss.

    • Guter Beitrag, dal.
      Das spiegelt auch meine Wahrnehmung wider. „Israelkritik“ ist in und allgegenwärtig, die einzigen, neben der Achse des Guten, ist der Springer Konzern (böse – ja) der hier etwas Objektivität bringt.
      Ohnehin interessant, dass es dieses Wort „Israelkritik“ gibt. Schon mal was von „Nordkoreakritik“ gehört?

      • Springer bemüht sich immerhin darum, auch eine israelische Perspektive zu beleuchten.

        Bei vielen Medien findet man ein bizarres Bias in Bezug auf Israel, das lässt sich in den Rollenzuschreibungen oft erschreckend nachvollziehen: Israel ist meist Agens und Täter. So zB während der “Messerintifada”. Als ein Attentäter Menschen verletzte und von Polizisten erschossen wurde, lautete die Meldung dann “Israel tötet Palästinenser”.

        “Achgut” fand ich vor ihrer vollzogenen Wende hin ins “Neurechte”/AfD-/Islamophobe-/wie auch immer dieses eklige Gebräu passend zu nennen ist-Lager schon lange unlesbar mit ihrem meist besserwisserischen Gestus. Wobei ich zudem stark zwischen Meinungs- und Nachrichtenplattformen unterscheide.

      • Erst mal danke für die Antwort – den ersten Teil kann ich auch unterschreiben. Gerade die Welt ist schwer proisraelisch, was mir, da bin ich ehrlich, gefällt.
        Auch zum letzten Satz muss ich dir recht geben. Achgut ist ein Autorenblog. Die Welt eine Tageszeitung, wie jede andere auch- also auch mit Kommentatoren. Klar.
        Ein Wort noch zur „Achse“. Als ich begonnen habe, sie zu lesen, war ich schwer links. Im Laufe der Zeit änderte sich das. Ich kann heute jedoch sagen – und ich lese die Achse seit 2010, dass da wenig ekeliges zu lesen war. Manches magst du als „rechts“ einstufen, anderes ich als „liberal“.
        Es ist eine der wenigen sehr populären Blogs, die Meinungen jenseits des Merkel-Grüne-Trallala-Spektrums präsentiert
        Und sie sind nicht nur gegen Homöopathie, was ich sehr unterstütze, sondern, wie gesagt, für Israel

  30. Ein Vorschlag:
    Wenn man zu mehreren Themen einen Kommentar hat, könnte man daraus auch mehrere Kommentare machen.

    Hintergrund: Ich finde es übersichtlicher und einfacher, der Linie an Antworten darauf und auch weiteren zu folgen, wenn sie nicht noch thematisch wechseln. Da die Kommentare zeitlich aufsteigend organisiert sind, die Antworten darauf jedoch absteigend, kommt nicht noch mehr Unübersichtlichkeit hinein.

  31. Hi,
    ich habe vermisst, dass ihr den Vertragsbruch der USA als Völkerrechtsbruch auch klar so benannt habt. Das Abkommen wurde durch den UN-Sicherheitrsat ratifiziert und ist daher bindend. Für die USA scheint Völkerrecht aber nur dann wichtig zu sein, wenn es den eigenen Interessen zuträglich ist.
    Warum wurde das Abkommen gekündigt? Meine Meinung dazu ist eindeutig, es geht darum, den nächsten Krieg vorzubereiten. Es geht um Rohstoffe, um Handelsrouten und darum Rusdland weiter zu isolieren. Schöne westliche Werte sind das.

    • Irrtum, JCPOA ist kein Vertrag und wurde nicht ratifiziert, schon gar nicht von der UNO. Es ist eine Vereinbarung zwischen dem Iran, den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates(jetzt minus USA) und Deutschland und nicht bindend. Die USA können somit problemlos aussteigen, auch wenn das den meisten nicht gefällt.

  32. Die Entfristungsdebatte mit dem Vorwurf des Krankmachens (“und dann noch 30 Tage Urlaub”…) zu beginnen war ja wohl ein Griff ins Klo. Selten etwas Unprofessionelleres von Philip gehört…

    • Könnten wir uns darauf einigen, dass derlei undifferenziertes Gemoser niemanden weiterbringt? Wenn Du eine These von Phil nicht überzeugend findest, dann setz bitte eine bessere dagegen.

  33. Liebes Team der Lage,

    Der Dank, er gilt mal wieder an euch für diese 99. Lage. Ich gehöre zu denen, die gerne längere Podcasts hören. Und ich gehöre auch zu denen, die die Kapitelwahl durchaus benutzen können. Ein Hinweis an andere Hörer, vielleicht nehmt ihr das beim nächsten mal mit auf: Der Player auf der Seite, also wenn ihr hochscrollt, das in blau, ist gar nicht schlecht! Und, was wirklich neckisch ist, der läuft beim iPhone im Hintergrund. Also wenn ihr Safari schließt, dann läuft das trotzdem weiter. Durchaus eine Alternative zum Podcastplayer, zumal man hier die Kapitel sehr leicht einsehen und ggf skippen kann.
    Ich habe zwei große Schwerpunkte, die ich ansprechen mag. Das eine der Ex-Iran Deal, das andere ist die Kriminalstatistik, wie es für einen gestandenen Rechtsaußen gehört (Spaß) In diesem Post belasse ich es beim Iran; er ist schon lange genug.
    Eine kleine Anmerkung habe ich zum bayrischen Polizeigesetz. Klar. Mit 1945 kann man natürlich immer argumentieren. Nach 45 ist einiges anders und nich wirklich der Maßstab. Aber ok.
    Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass wir in Deutschland genügend Gesetze haben und eher der Meinung, dass diese zu wenig angewendet werden. Darüber hinaus ist eine “drohende Gefahr” sinnvoll bei Terror oder Bandenkriminalität – mehr aber nicht.
    Aber ich sehe das ganze nicht so wahnsinnig emotional.
    Zum Thema Iran. Ich habe mir dazu einige Gedanken gemacht und diese auch in meinem Blog niedergeschrieben https://neomarius.wordpress.com/2018/05/12/aus-mangel-an-vertrauen-israel-iran-und-die-tendenzpresse/)
    Vielleicht zitiere ich ein paar Stellen, damit es klarer wird. Im Blog sind die allermeisten Fakten mit Quellen belegt – da kann man diese einsehen.

    “Als 2015 das Abkommen von Wien unterschrieben wurde, der sogenannte Iran Atom Deal, war ich skeptisch. Ich konnte dem Iran nicht vertrauen, dass es sich daran halten würde, keine Atomwaffen zu bauen. Einem Land zu glauben, in denen seit 2015 fast 40% aller Todesstrafen ausgeführt wurden, Homosexuelle verfolgt und getötet werden, wenn sie sich nicht für eine Geschlechtsumwandlung entscheiden, fällt nicht gerade leicht.
    (…)
    Seit 2015 herrscht im Jemen Krieg. Der Iran unterstützt die Huthi Rebellen, die seit 2014 die Hauptstadt Sanaa unter Kontrolle haben. Die Folgen des Krieges sind tausende Tote durch kein oder verunreinigtes Trinkwasser, Cholera, Bomben und Plünderungen.

    In Bahrain und Saudi Arabien ist das Regime an zahllosen Sabotageaktionen beteiligt, um Öl zu plündern. Dabei kamen Arbeiter und Militärs ums Leben.
    Der Iran unterstützt aktiv die Muslimbrüder, sowie die Hamas, die den Gaza Streifen kontrolliert und mit Terror Tunnel versucht, der Endlösung einen Stück näher zu kommen. Also schmuggeln sie auf dem illegalen Weg Waffen, Bomben und Attentäter ins gelobte Land.”
    (…)
    “Auch die Annahme, dass das Wiener Abkommen effektive Kontrollen militärischer Anlagen im Iran ermöglichen würde, ist falsch. Genau das aber wurde im Deutschlandfunk komplett negiert wurde, indem der Journalist in einem Meinungsbeitrag sagte, der Iran Deal würde „vollumfänglich und allumfassend“ das Land an einer A-Bombe hindern. Das sind Fake News. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) muss ihre Besuche vorher ankündigen. Ob sie dann auch zu den Anlagen gelassen werden, steht auf einem anderen Blatt.”
    (…)
    Der israelische Geheimdienst mit dem Hang zu spektakulären Aktionen besorgte über 50000 Dokumente über das iranische Nuklearprogramm. Glaubt man dem Inhalt, der unabhängige Waffeninspekteur Albright tut das, so habe Teheran über Jahre gelogen, was ihre Kernenergie anging – und sie sehr wohl und sehr nahe an der Bombe dran sind. Albright selbst war es, der bei den Kontrollen immer wieder beklagte, der Iran würde die Fragen der IAEA nicht oder nur zum Teil beantworten und bewusst verschleiern. Dies war einer der Gründe, warum Donald Trump schließlich den Deal beendete.”
    (…)
    Es ist wirklich erstaunlich, wie wenig von den hiesigen Politikern im Zusammenhang mit dem Iran über Israel gesprochen wird. Der Judenstaat ist d e r Bündnispartner, wenn es um das Mullah Regime geht. Denn Teheran bedroht Israel, sei es durch das Forcieren der Atombombe, oder sei es durch offene Drohungen, das Land auszulöschen. Daher sollte Jerusalem der erste Ansprechpartner sein und nicht ein Bündnisverhältnis zu Russland oder Frankreich, was Heiko Maas in diesen Tagen beklagt.”

    “Und so gibt es einen roten Faden, der durch die Geschichte geht. Vom schwachen Abkommen, von den Enthüllungen des Mossads bis zu den Angriffen und den einseitigen deutschen Berichten. Das einzige, was sich geändert hat, ist die USA, die heute, 2018, „vollumfänglich und allumfassend“ auf Israels Seite steht.

    Wenn Israel zur deutschen Staatsräson gehört, wie Angela Merkel einst sagte, wo ist dann die Stimme der Kanzlerin für Israel?”

  34. Hallo!

    Wollte mich zum Thema Iran Deal melden und warum dessen Ende in Israel überwiegend positiv aufgefasst wird:
    Kurz zu meinem Hintergrund, ich mache gerade ein Auslandsstudienjahr in Tel Aviv (bin so gesehen ‘nah dran’) und kenne auch die Ansichten einiger Israelis/ israelischer Experten zu dem Thema. Nur um die Grundlage meiner Einschätzung offenzulegen, das soll mich keinesfalls unangreifbar machen und meine eigenen Einschätzungen sind ja auch drin ^^’
    Der erste Punkt ist jedenfalls, dass mit dem Deal die Entwicklung der A-bombe keineswegs sicher unterbunden war. Ja es gab die Kontrolle der erklärten Anlagen, aber die Kontrolle etwaigiger geheimer Anlagen war schwer bis unmöglich (IAEA hätte eine Anfrage an Iran schicken müssen, aber Iran hatte kein Zeitlimit für eine Antwort weshalb diese Jahre später bis nie hätte kommen können). Sicherlich hat der Deal die A-bombe wesentlich unwahrscheinlicher gemacht, aber wie unwahrscheinlich scheint schwer zu sagen (ich wundere mich ehrlich gesagt wie oft deutsche Medienmacher da zu einem Schluss kommen).
    Der zweite Punkt, der viel wesentlicher ist, ist das ein während des Deals florierendes und sich hochrüstendes Iran, das dann nach dem Ende des Deals sogar evt noch die A-bombe kriegt, ein Horrorszenario in Israel darstellt. Aktuell sind die militärischen Fähigkeiten Irans im Vergleich zu Israel noch relativ beschränkt. Aber die Befürchtung besteht, dass Iran auch mit den neuen Einnahmen nach dem Wegfall der Wirtschaftssanktionen sich & Verbündete hochrüstet (Unterstützung der Hisbollah, ballistisches Raketenprogramm, Ausweitung der Militärpräsenz in Syrien, Ausweitung des Einflusses auf andere Länder der Region). Der Gedanke ist wohl, dass ein mit Sanktionen belegtes Iran leichter zu begegnen ist als ein Iran mit Deal, zb mit einem neuen Deal (der wie ihr gesagt habt recht unwahrscheinlich scheint) oder eben mit einem Krieg der Iran seiner Gefahr beraubt (jetzt sind die Umstände relativ gut: die Amis sind in Syrien, Assad hat kein Interesse an einer Auseinandersetzung mir Israel, Russland gibt sich gewissermaßen neutral, Iran ist relativ schwach; von daher ‘besser jetzt als in 10 Jahren’).
    Aus dieser sicherheitspolitischen Perspektive, die Bedeutung für internationale Verlässlichkeit mal bei Seite gelassen, finde ich das Befürworten des Endes des Deals sehr nachvollziehbar und ich bin wirklich kein Freund von Netanjahu. Übrigens haben nicht nur er, sondern auch alle großen Parteien der Mitte hier in Israel das Ende begrüßt.
    Nun zur innenpoltischen Perspektive. Netanjahu hat ja gerade Ermittlungen gegen sich am Laufen wegen Korruption und da ist es sicherlich nicht schlecht für ihn wenn die Aufmerksamkeit nicht darauf liegt. Und ja eine Anklage gegen einen Ministerpräsidenten in Kriegszeiten scheint undenkbar, aber zu sagen dass das seine maßgeblichen Beweggründe sind ist doch mindestens eine krasse Vereinfachung und Formulierungen wie “Eskalation wird [von Israel] begrüßt” oder “Konflikt wird [von Israel] geschürt” finde ich sehr irreführend bis Unsinn wenn man sich die Lage wirklich umfassend anschaut und die iranische Bedrohung ernst nimmt.
    Sooo das war meine ausführliche Meinung zu dem Thema, einen schönen Samstag und Schabbat noch! ^^

    lg Benni

    • Außer einer militärischen Besetzung des Iran gibt es gar kein Mittel, um die Entwicklung von Kernwaffen und Trägerraketen dort sicher zu verhindern.

      Und umgekehrt gibt es außer der atomaren Bewaffnung kein Mittel für den Iran, um einen solchen Angriff sicher auszuschließen.

      Da die USA einen kriegsmüden Eindruck machen, schein letztere Variante nun wahrscheinlicher.

    • Dank Benni. Klingt logisch. Ich würde sehr gern mal einen Kommentar von jemandem hören, der gerade im Iran ist. Dann hätte man mal zwei Sichtweisen aus zwei Lagern. Objektiv zu sein, wenn man mitten in dem Land lebt, dass Teil des Konfliktes ist, finde ich etwas schwierig…

  35. Servus zusammen,

    nachdem ich ja diese Folge auch (mit meiner Aufmerksamkeit für euren Werbepartner) bezahlt habe, an dieser Stelle ein kurzes und kritisches Feedback als zahlender Kunde:

    1) bitte stellt doch eure “Auslandskorrespondentin” vor. Was qualifiziert sie? Wie muss ich Aussagen von ihr bewerten?
    2) Brexit: den Block süffisant-ironisch mit Lage umfassend behandelt beenden, aber kein Wort zur aktuellen absehbaren
    Verfassungkrise[1] im Verhältnis zu Schottland zu erwähnen ist schon fast fahrlässige Berichterstattung. Ich hoffe
    eure Auslandskorrespondentin macht den Job auf ehrenamtlicher Basis.
    3) zur POL-Kriminalstatistik ist die Erwähnung der Sicherheitsberichte der Bundesregierung aus SPD-Grüner
    Regierungszeit eigentlich ein muss, weil dieses Problem eigentlich damit konsequent angegangen war, bis die CDU
    wieder ihre Finger im Spiel hatte, diese nutzt die POL-Kriminalstatistik ja auch massiv für Eigenwerbung in die
    eine oder andere Richtung, je nachdem wer gerade den Innenminister stellt[2]. Der letzte erschien dann auch
    im Jahr 2006[3] und ist in der Folge still und heimlich wieder verschwunden.
    4) Handgranaten für die Polizei: ist natürlich Quark, und gibt es überall schon, nämlich für SEK-Einheiten der
    Polizei oder der Bundespolizei (früher BGS). Das argument ist plakativ, aber leider nicht zielführend.
    4) Ganz allgemein: ein bisschen weniger Überheblichkeit im Ton würde euch ganz gut tun, das merkt man insbesondere
    bei Themen wo ein normaler Zeitungsleser besser bescheid weiss, als ihr euch offensichtlich vorbereitet habt.

    Gern geschenen, bitte weitermachen <3

    -marcel

    [1] https://www.theguardian.com/politics/2018/may/10/scottish-parliament-likely-to-reject-eu-withdrawal-bill
    [2] https://www.spd.de/fileadmin/Dokumente/Beschluesse/Bundesparteitag/koalitionsvertrag_bundesparteitag_bonn_1998.pdf Seite 34: "Die neue Bundesregierung wird einen periodischen Sicherheitsbericht auf wissenschaftlicher
    Grundlage erstellen."
    [3] https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/PeriodischerSicherheitsbericht/psb02Lang.pdf

    • Ein bisschen weniger Bashing würde Deinem Beitrag auch gut tun … wenn Du uns Überheblichkeit vorwirfst, was schon eine krasse Aussage ist, dann wären Belege / Beispiele das mindeste.

      • Nun, einem schriftlichen Kommentar fehlt es geradezu naturgemäß an Kontext, q.e.d.
        Ich habe das durchaus als provokant formuliertes, aber konstruktives Feedback verstanden – sonst würde ich mir die Mühe ja gar nicht machen. Insofern: Sorry, so war es nicht gemeint.

        Den fehlenden Kontext habt ihr im Podcast (und das ist ja der Vorteil von Podcasts!) nun eben nicht, und die Tonlage ist manchmal schon sehr selbstüberzeugt. Ich formuliere es mal anders: etwas weniger Selbstsicherheit in der Argumentation und etwas mehr abwägen / spekulieren würde dem Format aus meiner Sicht guttun, insbesondere wenn man den Anspruch “Lage der Nation” so formuliert, wie ihr es tut.

      • Selbst wenn die beiden ihrer Meinung deutlich formulieren, breiten sie davor die Fakten aus und weisen auf die Quellen hin, die sie zum Anlass für die Wertung nehmen. Ich würde sagen, in dem Punkt haben sie dir einiges vorraus, schließlich schuldest du uns immer noch Zitate und Nachweise für deine Behauptung, dass die beiden besonders überheblich bei Themen sind, in denen der “normale” Zeitungsleser angeblich besser informiert sei.

        Ansonsten bleibt von deiner Aussage nämlich leider nur der Eindruck zurück, die beiden sollen bitteschön gefälligst deine Meinung mehr berücksichtigen.

    • @Marcel
      Das ist ein sehr fordernder und in vielen Dingen unbelegter Kommentar. Leider bietet er daher keinen Mehrwert im Gegensatz zu vielen vielen anderen Kommentaren hier. Wahrscheinlich kennst Du die Lage seit satten 72h, von daher erst einmal herzlich willkommen.
      Vielleicht ergibt sich ja irgendwann die Möglichkeit und Du steigst von Deinem hohen Roß, um etwas Konstruktives beizusteuern. Wir freuen uns alle darauf. Bis hierher war es aber leider nur Zeitverschwendung für die Leser, vielleicht versuchst Du es später noch einmal.
      /rb

  36. Hallo,

    Zur Situation in Israel:

    Es ist zwar richtig, dass die GOP und die israelische Rechte traditionell eine gute Verbindung zueinander haben, in Bezug auf den Iran sind sich in der israelischen Innenpolitik meiner Wahrnehmung nach alle relevanten Parteien einig. Der Iran ist, wie ihr richtig gesagt habt, der Erzfeind Israels und untermauert diese Position durch aggressives Gebaren in israelischen Nachbarländern. Überall baut der Iran dort seinen militärischen und politischen Einfluss aus. Die Bedrohung durch iranische Raketen in Nachbarländern Israels ist überaus real und bereitet der israelischen Öffentlichkeit große Sorgen. Bei einem groß angelegten Angriff kann der Iron Dome nicht alle Raketen abfangen und hohe Opferzahlen sind wahrscheinlich. So sind auch die israelischen Gegenangriffe in der Region verständlich. Diese Situation ist kein politisches Ablenkungsmanöver Netanjahus. Die Israelis waren daher (auch relativ lagerübergreifend) keine Fans von dem Abkommen. Aus ihrer Perspektive ist der Iran durch die gelockerten Sanktionen in der ganzen Region so stark geworden wie noch nie zuvor. Das hat nicht zwingend etwas mit dem Abkommen an sich zu tun, wird aber so wahrgenommen. Zudem ist fraglich, ob das Abkommen eine iranische Atombombe wirklich dauerhaft verhindern kann. Hier einfach abzuwarten, erscheint den Israelis zu gefährlich. Die Europäer sind durch die Atombombe ja auch nicht primär bedroht. Solche Abkommen erfordern ein etabliertes Vertrauensverhältnis: Das besteht zwischen Israel und Iran nicht. Zusammengefasst: Aus israelischer Sicht hat der Iran durch das Abkommen viel gewonnen. Im Gegenzug haben die Vertragspartner aber nicht die Möglichkeit, ultimativ den Bau einer Bombe auszuschließen. Die Kontrollen werden in Israel als völlig unzureichend betrachtet. Fast jeder glaubt, dass der Iran weiter an der Bombe baut, wenn auch langsamer.

    • Man darf dabei auch nicht vergessen, dass durch die Lockerung der Iran ganz erhebliche finanzielle Macht erhält, alleine des Öls wegen, aber auch weil es ein riesiges Land mit einer riesigen Bevölkerung ist, was naturgemäß zu dortigen Großmacht werden wird, wenn man es nicht daran hindert. Der Iran ist geostrategisch wichtig, grenzt an Türkei, (mehr oder weniger) Russland, Pakistan und an den Golf. Trotz der Sanktionen ist Iran verhältnismäßig einflussreich geblieben, so dass eine Vorstellung, dass der Iran ohne Sanktion noch wesentlich stärker wird. Schon heute mischt sich der Iran in allen Auseinandersetzungen im arabischen Raum ein (vor allem Syrien und Yemen). Da ist die Angst der Israelis wohl gut nachvollziehbar.

      Dass Trump den “Vertrag” (oder “Aktionsplan”) kündigt, hatte er im Wahlkampf bereits angekündigt. Man darf wohl sicher sein, dass er den Aktionsplan nicht näher kennt und auch das Ganze nicht durchdacht hat, denn es bestehen ja durchaus berechtigte Zweifel, dass man das Ganze kündigen kann, nachdem der Sicherheitsrat das aufgenommen hat (im Verfassungsblog gab es dazu schon einen interessanten Artikel, URL unten). Das braucht Trump aber auch nicht kennen, weil ein solcher Schritt offensichtlich Vorteile hat, denn Iran war für die USA nie ein großer Wirtschaftspartner, vielmehr sind die Europäer und die asiatischen Großmächte Handelspartner und den Hebel mit dem Handelsverbot mit dem Iran zieht dann natürlich gut, so dass der Handel über die USA bzw. mit den Partnern der USA wie zB Saudi-Arabien geführt werden muss. Eins der prominenten Opfer des Iran-Banns sind ja einige Banken und jetzt sogar die Handy-Hersteller ZTE und Huawei.

      Trump ist kein Fan von Freihandel, sondern sieht dadurch nur die Vorteile der USA schwinden. Da kann er sicherlich recht haben und das ist auch nicht irrational, auch wenn seine Motivation bei so etwas immer reichlich naiv vorkommt. Dass ein republikanischer Präsident sich dazu hinter der israelischen Position stellt, ist auch nichts Neues und eigentlich immer schon die Linie der USA gewesen.

      Dass natürlich dieser außenpolitische Fokus gerade zu dem Zeitpunkt kommt, wo die Geschichte mit Stormy Daniels hochkocht und Interna über die Finanzierung der Anwälte mit russischem Oligarchen-Geld publik werden, dürfte wohl kein Zufall sein. Man hört wohl nichts von den Russland-Untersuchungen gerade, aber die dienen meiner Meinung nach auch nur, eine zweite Trump-Amtszeit zu verhinden, Stichwort Risikomanagement.

      Hier die Links:

      https://verfassungsblog.de/rueckzug-aus-dem-atomabkommen-drohen-die-usa-mit-einem-voelkerrechtsbruch/

      https://www.heise.de/newsticker/meldung/Wegen-US-Sanktionen-ZTE-stellt-Betrieb-groesstenteils-ein-4046394.html

    • Ein paar Fragen:

      1) Wie kann der Bau einer iranischen Atombombe verhindert werden, wenn es durch die Kündigung des Vertrages zu gar keinen Kontrollen mehr kommt?

      2) Gibt es gesicherte Hinweise darauf, das die internationalen Kontrollen unzureichend waren?

      3) Haben die USA/Israel Belege dafür, das Iran nach Abschluss des Vertrages weiter an einer A-Bombe gebaut hat? Deren Geheimdienste sollten in der Lage sein das herauszufinden (Stichwort: Stuxnet)

  37. Ganz blöde Frage: Warum sind eigentlich eure URLs und E-Mail-Adressen so chaotisch? Wollt ihr das nicht mal bei Gelegenheit gerade ziehen? Ich sitze hier vor dem ersten Kaffee und blicke zumindest beim Hören gar nicht durch und ihr beim Sprechen ja teilweise gar nicht…

    Ist natürlich nicht besonders schlimm, weil man ja nachschauen kann, aber irgendwie trotzdem komisch, wenn ein sonst so professioneller Podcast da so durcheinander ist.g

    • Ist eigentlich ganz einfach – es gibt folgende EMails @lagedernation.org:

      – team
      – tickets
      – lagelive
      – lagebilder

      Warum Phil mir ins Wort gefallen ist, also ich für Stornierungen tickets@ vorgeschlagen habe, weiß ich auch nicht. Jedenfalls sollte man wohl lagelive@ verwenden.

  38. Hallo,

    ich finde es irritierend, dass Ihr Euch in dieser Lage vorgestellt habt, aber Eure beiden “Zuarbeiterinnen” nicht. Sowas geht gar nicht! Auch aus einer feministischen Perspektive heraus: Ihr stellt Euch mit Qualifikationen vor, lasst es bei den Frauen aber weg. Wie kann ich nun die Beiträge von Lea werten, welche Expertise bringt sie mit? (Komisch auch das Gespräch zwischen Euch, sie sagt ein paar Sätze und dann wird der Inhalt wiederholt und erklärt.)

    Vielen Dank für Eure Arbeit!

    Zur Werbung: Diese Form war die bisher angenehmste.

    Grüße
    Tuworo

    • Meine Güte, man kanns auch übertreiben. :D

    • Hör doch einfach die alten Folgen nach, da werden sie vorgestellt.

    • Ich bin zwar ein weißer, heterosexueller Mann, aber trotzdem ein totaler Fan von Feminismus und glaube wir brauchen mehr davon. Aber solche Kommentare richten doch mehr Schaden an, als sie helfen.

      Die beiden vergessen doch in 3 von 4 Folgen sogar sich selbst vorzustellen. Jetzt haben sie EINMAL vergessen ihre Mitarbeiterin vorzustellen und natürlich ist das nicht einfach ein kleines Versäumnis, sondern gleich eine Frage der Geschlechtergleichstellung!!!!!!!

      Das ändert natürlich nichts daran, dass man sie definitiv vorstellen sollte – völlig unabhängig vom Geschlecht ist das vor allem bei Interviews eine relevante Information und auch eine Frage des Respekts.

      Abgesehen davon ist die Sendung aus feministischer Perspektive eh ein Desaster. Alleine weil sie von zwei Männern geleitet wird und die Frauen nur zuarbeiten. Damit zementieren sie also klassische Machtstrukturen, Rollenbilder usw. usf.. Alles ganz arg schlimm!!!! Andererseits ist es natürlich positiv, dass überhaupt eine Frau als Sachverständige befragt wird, weil Frauen traditionell nicht für solche “harten” Themen zuständig sind. Aber ich denke das ändert nichts daran, dass aus einer hysterischen Twitter-Feminismus-Haltung heraus die Sendung absolute sexistische Kackscheiße ist!!!!!

    • Die Rolle von Lea ist bisher so oder so verbesserungsfähig – im Endeffekt schiesst sie im Moment etwas Hintergrundwissen zu, traut sich aber leider nicht, eine eigene Wertung vorzunehmen. Danach gefragt, druckst sie eher etwas rum, schade. Das ganze wirkt im Moment, als sei sie lediglich zur Auflockerung dabei.

      Mehr Mut Lea! Oder sucht jemand anderen, der mit Euch auf Augenhöhe diskutiert.

      • Wir haben Lea ins Team geholt, weil wir finden, dass sie schlau und sympathisch ist. Lasst ihr doch ein wenig Zeit, sich zu entwickeln! Phil und ich sind ja auch nicht als Podcaster von Himmel gefallen. Ich finde außerdem, dass sie sich schon sehr schön freigeschwommen hat. Sie wird sicherlich mit der Zeit immer souveräner Position beziehen.

      • Mir hat der Einspieler oder das Interview mit Lea gefallen. Es war eine gute Ergänzung und sie hat informative Sachen rüber gebaracht. Ich fand sie wirkt informiert und hatte auch einiges an Hintergrundwissen. Ich verstehe das als Auflockerung und es hat mir gefallen.

  39. Guten Vormittag!

    Danke für eine sehr schöne und informative Lage, die ich auch gar nicht zu lang finde. Die ca. 1,5 Stunden finde ich eigentlich ziemlich gut, um auch mal inhaltlich in die Tiefe gehen zu können, wie z.B. bei dem Interview zur PKS.

    Zwei Anmerkungen meinerseits gibt es:
    Was das Iran-Abkommen angeht: Auch wenn der JCPOA natürlich nicht rechtlich verbindlich ist (zumindest für die USA), so zeigt der Ausstieg der USA dann doch, dass auf solche Vereinbarungen kein Verlass ist. Auf Atomwaffen hingegen ist Verlass, wie auch die Mullahs am Beispiel von Nordkorea ja doch beobachten können. Denn während er beim Iran den Hardliner gibt, ist Trump gegenüber Nordkorea ja auf eine fast schon konziliant zu nennende Versöhnungspolitik-Linie eingeschwenkt. Wäre ich Ayatollah in Teheran, würde ich mir vielleicht schon überlegen, ob Atomwaffen nicht doch die bessere Lösung als Vereinbarungen sind, um mit Trump und den USA umzugehen.
    Side Note: Wobei ich tatsächlich auch die Politik-Divergenz bei Iran und Nordkorea spannend finde – da drängt sich mir die Frage auf, inwieweit da ein Einfluss von Präsident Moon in Südkorea und Premierminister Netanjahu in Israel auf die jeweilige US-Politik zumindest indirekt besteht.

    Zweiter Punkt: Die Post. Ganz ehrlich, ich finde diese Diskussion ziemlich verlogen. Ich fand Eure Diskussion um den Krankschreibungs-Aspekt auch ganz interessant (daran hatte ich noch nicht gedacht), das spielt da aber für mich nur bedingt eine Rolle: Dass sich gerade der Staat mal wieder völlig empört hinstellt, wenn ein von ihm in ein Privatunternehmen umgewandelter Konzern plötzlich nach gewissen betriebswirtschaftlichen Kriterien sein Personal auswählt, um den Gewinn möglichst hoch zu halten, ist dann doch irgendwie wohlfeil.
    Zumal ja auch hier der Staat irgendwie schon ein Vorbild ist: In Form von Verbeamtungen macht der Staat die Einstellung bei einem erheblichen Teil seiner “unbefristeten Jobs” ja auch von nicht gerade niedrigen gesundheitlichen Anforderungen abhängig. Ich kann nicht beurteilen, ob das übertrieben ist, aber ich hatte durchaus (angehende) Beamte im Bekanntenkreis, die sich Gedanken gemacht haben, dass längere Krankheiten oder gesundheitliche Probleme während der Verbeamtung auf Probe für ihre Übernahme ins unbefristete Beamtenverhältnis problematisch sein könnten.

  40. Hallo,

    ich finde die Diskussion über das Verhalten der Post etwas verwunderlich. Ich arbeite selbst im öffentlichen Dienst. Hier gibt es z.B. eine Regelung, das Personen mit Übergewicht nicht verbeamtet werden. Und dabei spielt es keine Rolle ob jemand in der Vergangenheit Krank war oder aktuell Krank ist. Alleine die Wahrscheinlichkeit, dass Krankheiten auftreten können ist als Argument hier ausreichend. Die Reaktion einiger Politiker auf das Verhalten der Post finde ich daher etwas unangebracht. Zuerst vor der eigenen Haustür kehren.

    Gruß
    Michel

    PS: Ich finde die Werbung am Anfang kann man falsch verstehen. Ein Powerline-Adapter nützt erst einmal nichts, man benötigt mindestens zwei ;-)

    • 13. Mai 2018 um 0:21 Uhr
      Johannes Burgel

      Exakt der Vergleich ist mir auch eingefallen. Der Öffentliche Dienst stellt Anforderungen an die körperliche Fitness (und im Polizeidienst sogar an die Abmessungen), aber die Post darf nicht verlangen, dass sich der Mitarbeiter als dem körperlich anstrengenden und zeitkritischen Job gewachsen zeigt?

      Ehrlich gesagt sehe ich die klaren Angaben der Post sogar positiv. Jeder, wirklich jeder Arbeitgeber wird sich vor einer Entfristung Gedanken über alles Mögliche machen und dabei natürlich auch die Krankheitstage und die Arbeitsleistung heranziehen. Bei der Post wurde jetzt auf allen Seiten, sowohl beim Mitarbeiter als auch beim Vorgesetzten, klar gestellt, wie die Regeln aussehen. 20 Krankheitstage in zwei Jahren sind zwar z.B. nicht gerade üppig bemessen, die Zahl liegt allerdings auch nicht wirklich weit unter dem Jahresdurchschnitt so einiger Branchen.

      • Lieber Johannes, lieber Ulf, lieber Phillip,

        ich stimme zu, dass jeder Arbeitgeber schaun darf, wen er anstellt.
        Ob die Post aber das Kriterium 20 Tage in 2 Jahren nehmen sollte
        – finde ich einerseits bedenklich. Schließlich sind zwei Jahre eine Zeit, in der ich einmal die 20 Tage haben kann und ein anderes Mal nicht. Das ist also statistisch problematisch. Und es sollte ja doch niemand benachteiligt werden, weil z.B. eine Grippewelle, wie im vergangenen Winter, mal besonders hart war (und die Gesundheitsbehördern schlecht vorbereitet).
        – zum anderen, und das finde ich viel gewichtiger, habt Ihr, Ulf und Phillip, über den Kern dieser Sache aus meiner Sicht gar nicht diskutiert. Sich darüber aufzuregen, dass zu schnell krank geschrieben wird, kann ich schwer nachvollziehen. Ich erlebe das jedenfalls nicht so. Als jemand, der an der Universität mit vielen Leuten täglich Kontakt hat, bin ich doch ca. einmal im Jahr mit ienem Infekt ausser Gefecht und meine Ärztin schreibt mich nie länger krank als eine Woche am Stück. Gehört habe ich es im Bekanntenkreis auch nicht.
        Ein paar Fakten würden der Diskussion gut tun. Ich hatte nur kurz Zeit zur Recherche, weiß, aber, dass die Böckler-Stiftung sicher Zahlen dazu hat: https://www.boeckler.de/107127_107138.htm

        Was mir das wichtigste ist: Menschen dürfen, wenn es irgend geht, nicht wegen Krankheit beanchteiligt werden, schon gar nicht mit so willkürlichen Zahlen wie 20 Tage in zwei Jahren.
        Und ein de facto staatliches Unternehmen wie die Post sollte in solchen Belangen Vorreiterin sein, finde ich.

        Liebe Grüße,
        Stefan

        PS: Danke für die Lage. Ist mir zu einer wichtigen Institution am Wochenende geworden. Vielleicht macht ja podcast-produzieren gesund? Jedenfalls höre ich auch regelmäßig einen sehr sehr empfehelnswerten spanischen polit+kultur-podcast namens carencruda.es. Der Moderartor und Macher hat, nach meiner Erinenrung in sechs Jahren nicht einmal krank gefehlt.

  41. Hi!

    Ich bin etwas spät, wollte aber nur mal sagen dass eure letzte Lage Live klasse war und man auch nen deutlichen Unterschied zum normalen Modus merkt. Die unterschiedliche Balance zwischen Analyse und Unterhaltung ist immer wieder erfrischend.

    Das aktuelle Werbeformat ist auch das beste bisher, ich verstehe dass ihr das nicht so gerne macht und warum, aber es ist einfach so viel angenehmer zu hören als irgendwelche Jingles und grenzwertig komprimierte Stimmen direkt von den Werbetreibenden. Da kann man leveln wie man will, es ist immer irgendwie aufdringlich und fühlt sich laut an.

    Gruß Rebecca

    • Dem schliesse ich mich an. Nachdem ich eure ersten Werbeversuche als laut und unpassend kritisiert habe, möchte ich jetzt zurückmelden, dass ihr aus meiner Sicht eine zu euch und eurem Format passende Werbeform gefunden habt. Erst recht, wenn es sich wie in dieser Folge um ein gutes Unternehmen mit guten Produkten handelt (Firmwareupdates!)