LdN092 Facebook, Breitband, Regierungserklärung, Uber, Abtreibungen, Trump weekly

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173 Kommentare

  1. 2. April 2018 um 11:26 Uhr
    Viktor Jambresic

    Uberfahren

    Das Dashcam-Video ist entweder mit einer extrem schlechten Kamera gedreht worden oder wurde etwas “nachbelichtet”. Hier ein Videolink in der die Stelle nochmal nachts abgefahren wurde, und das menschliche Auge ist unter normalen (gesunden) Umständen nochmal lichtempfindlicher!

    https://www.youtube.com/watch?v=CRW0q8i3u6E

  2. Zu Facebook und Cambridge Analytica:

    Meiner Ansicht nach ist beim “Facebook-Problem” der Datenschutz nur ein Ablenkungsthema, über das sich trefflich debattieren lässt, ohne das wirkliche Problem anschneiden zu müssen.

    Menschen entscheiden sich nicht für Facebook, weil dort die Usability überdurchschnittlich ist oder andere Funktionen überragen. Der Hauptgrund ist doch die Möglichkeit dort mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, die nur bei Facebook (…, WhatsApp, etc.) aktiv sind. Auch ich möchte mich mit diesen Nutzern – aber ohne dabei meine sonstigen Daten bei Facebook zu hinterlegen. Alle Plattformcharakter aktueller Social Media Systeme liefert diese Kontakt-Möglichkeit aber nur mit dem Pferdefuß des harten Lock-Ins. Kommunikation ist nur innerhalb der Plattform möglich.

    Bei der Telefonie oder bei E-Mail haben wir das Problem nicht. Jeder kann mit jedem kommunizieren, weil die Plattformbetreiber (Telekom, O2, …) zu Interoperabilität verpflichtet sind. Das ermöglicht einen echten Wettbewerb unter den Plattformen in dem Dimensionen Preis und Qualität. Der Betreiber kann seine Nutzer nicht einsperren.

    Auf die Social Media Plattformen übertragen, bin ich für eine Regulierung, die den Betreibern eine Interoperabilität vorschreibt. Nachrichten (vgl. Mails oder Anrufe) und andere Inhalte (vgl. Anhänge oder Fax ;-) ) müssen an jedes andere Netz ausgeliefert werden und von jedem anderen Netz angenommen werden und ausgeliefert.

    Wir Nutzer bekommen dann die Möglichkeit uns eine Social Media Plattform nach übergeordneten Kriterien wie Qualität, Datenschutz, Gesetzeskonformität, Datensparsamkeit, Benutzbarkeit, Preis, o.ä. auszuwählen. Aber egal für wen wir uns entscheiden. Wir bleiben erreichbar und können kommunizieren.

    Noch einmal zurück zum Datenschutz – wenn der für die Nutzer wichtig ist – dann können sie in einer so regulierten Welt zu einem Plattform-Anbieter wechseln, der diesen liefert. Das alles ohne dabei den Kontakt zu ihren Mitmenschen zu verlieren, oder diese mit umziehen zu müssen.

  3. Ich sehe KIs im Kfz Bereich sehr skeptisch aber um auf die Frage einzugehen.
    Man könnte sich auch vorstellen dass der Fahrer solche Entscheidungen im Vorfeld einstellen kann.
    * Wie soll ich auf Situation X reagieren?
    * Lösung A
    * Lösung B

    • Und wie wären dann die Frage:
      Auto erkennt Trolley Problem, wie reagieren?
      Oder wie sonst stellst du dir vor,dass eine ‘Situation’ beschrieben wird?

  4. Ich habe mir nach dieser tollen Sendung gleich mal den Marktplatz im Deutschlandfunk dazu an gehört (Link ist ja oben). Schon komisch Euch zu hören, wenn ihr euch siezt.

    Danach habe ich gleich mal gesucht, was es da in Mainz gäbe und siehe da, ich könnte über die Stadtwerke Mainz (mainzer-breitband.de) auch als Privatperson ein Breitband-Anschluß über Glasfaser bekommen und das auch noch symmetrisch (100-1000 M/bit). Das Angebot steht so nicht auf der Webseite, aber ein Mitarbeiter hat mich telefonisch nett beraten. Ich bin begeistert und versuche nun auch die anderen Parteien im Haus zu begeistern. Bis es ggf. soweit kommt, ist bestimmt noch ein Lange Weg, aber scheinbar ist es nicht unmöglich.

    Nun die Frage in die Runde, kennt jemand ein Forum oder ähnliches, in dem sich über Erfahrungen mit so einem Projekt ausgetauscht wird? Wie wird man Netzbetreiber und gründet Genossenschaft etc.? Wie verteilt man die Bits am besten im Haus?

    • Das ist ja nice ;) In Sachen Genossenschaft kannst Du Dich an den Genossenschaftsverband wenden. Die machen genau das: beraten, ob und wie in Deiner Sache eine Genossenschaft Sinn macht.

    • In Deinem Fall ist eine Genossenschaft vermutlich Overkill, Du willst ja nur ein paar Nachbarn anbinden, oder? Da würde ich eher überlegen, einen Verein zu gründen, der dann die Kosten aus den Mitgliedsbeiträgen finanziert. Da hast Du zugleich noch einen Schutz vor Haftungsfällen, sobald der Verein ins Register eingetragen ist. Nur gemeinnützig werdet ihr vermutlich nicht werden, aber das ist ja auch nicht unbedingt erforderlich.

  5. mit ziemlicher Beunruhigung habe ich eine leicht anti-russische Schlagseite in den letzten zwei Sendungen feststellen können. Dies drückt sich beispielsweise in der Formulierung aus, dass “Russland die Krim annektiert habe”.

    Ich würde es nicht als “anti-russisch” bezeichnen, wenn man der Rechtsauffassung der russischen Führung nicht folgt. Das Referendum fand unter dem Eindruck erhöhter russischer Militärpräsenz statt und wurde maßgeblich durch Russland gefördert. Ob eine verfassungsrechtliche Grundlage für eine Sezession der Krim gegeben war ist umstritten. Ob die Kosovo-Präzedenz greift ist umstritten. Es gibt also gute Gründe dafür im Anschluss der Krim eine Annektion zu sehen, die man zur Legitimation in ein rechtliches Rahmenwerk verpackt hat.

    (Das dabei tatsächlich eine Mehrheit aus eigenem Antrieb für die Unabhängigkeit gestimmt hat, würde ich meinem Eindruck nach sogar bejahen. Aber eine wirklich autonome Entscheidung war es nicht. Was ich ebenfalls zugestehen würde, es gab auch vorher solche Bestrebungen. Diese lassen sich schwer von russischem Einfluss trennen, aber es gab sie. Und die Ukraine hat diesbezüglich eher wie im Fall Spanien/Katalonien agiert, als etwa im Fall Großbritannien/Schottland.)

    Zum Vergleich: Israel hat das vierte Genfer Abkommen unterzeichnet, nachdem sie nicht auf besetzten Gebieten siedeln dürfen. Sie verstoßen dagegen. Das ist aber nicht die Rechtsposition der israelischen Regierung, die sich darauf zurückzieht, dass die Gebiete nicht besetzt sind, sondern durch ihren vor der israelischen Eroberung ungeklärten Status ein umstrittenes Gebiet. Wenn man dieser Rechtsauffassung nicht folgt, ist das wohl kaum “anti-israelisch”.

    • Vielleicht kann jemand diesen Kommentar in die richtige Position verschieben, als Antwort auf den Kommentar von Andreas Schwarz von gestern.

      • 29. März 2018 um 18:53 Uhr
        Andreas Schwarz

        Und weil sich drei Wähler von russischen Soldaten haben in ihrer Wahlentscheidung beeinflussen lassen legitimiert, dass wir einen handfesten, sprich militärischen Konflikt, mit Russland riskieren? Welche Kalkulation steht dahinter? Russland solange mit bedrohen, bis es nachgibt? Das hat ja im Falle Irak etc. wunderbar funktioniert. Ich möchte darauf hinweisen, dass selbst, wenn es die NATO schafft Russland zu besiegen (was ihr aber nicht gelingen wird), sie es nicht schaffen wir Russland zu befrieden. Das schafft sie nicht einmal in Afghanistan.
        Zu Syrien. Russlands Armee ist völkerrechtlich legitimiert in Syrien, da es von der dortigen Regierung eingeladen wurde. Dort werden Aufständische bekämpft, die das staatliche Gewaltmonopol in Frage gestellt haben (also quasi G20-Demonstraten, ach ne, die sind ja die Bösen).

      • Und weil sich drei Wähler von russischen Soldaten haben in ihrer Wahlentscheidung beeinflussen lassen

        Ich würde eher davon ausgehen, dass das ganze Drehbuch von Russland geschrieben wurde, wegen der Revolution in Kiew haben wir dann die Kurzfilmfassung gesehen oder man hatte auf so eine Krise gewartet.

        wir einen handfesten, sprich militärischen Konflikt, mit Russland riskieren?

        Nur indirekt wegen der Krim. Ich wüßte jedenfalls nicht, dass irgendwo mal jemand gefordert hätte, sie müsste für die Ukraine zurückerobert werden. Aber diese Angliederung eines fremden Territoriums, die, egal wie man das Referendum bewertet, gegen den Willen der Ukraine geschehen ist, hat in Osteuropa die Furcht vor russischen Übergriffen geschürt. Die erhöhte NATO-Präsenz hat aus Sicht der meisten NATO-Länder erstmal eine solidarische Funktion. Genausowenig wie ich glaube, dass Russland tatsächlich andere Länder erobern will, glaube ich, dass die Führungen der NATO-Länder vor haben Krieg gegen Russland zu führen.

        Das hat ja im Falle Irak etc. wunderbar funktioniert.

        Hätte im Irak vermutlich tatsächlich wunderbar funktioniert. George W. Bush wäre vielleicht als großer Präsident in die Geschichte eingegangen, wenn er den Aufmarsch als Drohgebärde genutzt hätte, um eine Abdankung von Saddam Hussein zu erzwingen und dann mit einer baathistischen Nachfolgeregierung eine Einigung bezüglich der nichtvorhandenen Chemiewaffen zu finden.

        Zu Syrien. Russlands Armee ist völkerrechtlich legitimiert in Syrien, da es von der dortigen Regierung eingeladen wurde.

        Stimmt. Das heißt aber noch nicht, dass die Aktivitäten der russischen Armee dort legitim sind.

        Dort werden Aufständische bekämpft, die das staatliche Gewaltmonopol in Frage gestellt haben

        Das bringt es so mit sich, wenn man die Macht übernehmen will. Hat Hafiz al-Assad gleich mehrfach getan.

  6. Hey,

    schoen, dass ihr die Debatte um Schwangerschaftsabbrueche wieder aufgegriffen habt und dem Thema Raum gegeben habt. Danke dafuer.
    Allerdings stimme ich euch nicht ganz zu.
    Die aktuellen Gesetze stellen fuer mich keinen Kompromiss dar und ich kann keine “zwei Seiten einer Medaille” erkennen. Von ungeborenem Leben zu sprechen, bedeutet eigentlich zwingend, von einer Frau zu sprechen, die bereit und willens ist, das Leben in ihrem Koerper zu tragen und zu gebaeren. Dazu gehoeren eine Umstellung der Konsumgewohnheit, oft vermindertes Wohlbefinden, die Aufsichnahme von Schmerzen, Konsequenzen fuer Karriere und Lebensplanung und der Kraftakt, den es sicherlich bedeutet, ein Kind aufzuziehen oder ein Adoptionsverfahren zu organisieren. Das kann sicherlich toll sein, aber diese Bereitschaft und Kraftleistung kann nicht von allen erwartet oder erzwungen werden. Wenn man nun davon spricht, dass die Rechte einer Frau eingeschraenkt werden duerfen, damit ungeborenes Leben geschuetzt werden kann, macht man damit unsichtbar, dass das ungeborene Leben und dessen Schutz in der Hand, buchstaeblich im Koerper, dieser Frau liegen. Damit stellt man diese Frau und ihr Plaene, ihre Lage und ihre persoenliche Einstellung zum Thema Elternschaft hinter diesen Satz “Schutzpflicht” zurueck, macht sie als Person unsichtbar, instrumentalisiert sie und ihren Koerper. Ein Staat, der glaubhaft ungeborenes Leben schuetzen will, sollte meiner Meinung nach nicht die Selbstbestimmung der Personen, die dieses Leben wirklich schuetzen koennen, einschraenken, sondern begleitend agieren. Ein Staat, der ungeborenes Leben schuetzen will, finanziert zum Beispiel Geburtshaeuser versichert seine Hebammen und erweitert damit den Handlungs- und Entscheidungsspielraum der Frau.
    Die “andere Seite der Medaille”, naemlich dass DE jede Person, die einen Abbruch vornehmen lassen muss oder will, als jemanden klassifiziert, die ungeborenes Leben getoetet hat, sie aber nicht dafuer bestraft und verhindert, dass sie gut und eigenstaendig informiert Entscheidungen treffen kann, schlaegt fuer mich in die gleiche Kerbe. Es wird zunaechst unsichtbar gemacht, dass das Leben Teil ihres Koerpers ist und von ihr abhaengt. Es zeigt ausserdem ein Bild von Frauen, die nicht in der Lage sind, selbst zu entscheiden und bevormundet werden muessen. Und es zeigt irgendwie diese Angst vor Frauen, die sich dagegen entscheiden, jetzt Mutter zu werden, und damit einen massiven Rollenverstoss begehen, und die vermeintliche Notwendigkeit, diese Frauen zu regulieren und anzuprangern. Der Kompromiss besteht vielleicht darin, die offensichtlich fruchtbare Frau nicht zu bestrafen (auch wenn der Staat vorher definiert, dass sie eine Straftat besteht) oder mit einem Kleiderbuegel in ihrem Badezimmer alleine zu lassen. So unter dem Motto: Du kommst jetzt nicht ins Gefaengnis, aber ich will hier nochmal ganz ganz deutlich machen, dass du was machst, dass so schlimm ist, dass ich das Wort Toetung dafuer benutze. Die Illegalitaet eines Schwangerschaftsabbruch ein massiver Schlag ins Gesicht der Frau, die eigentlich nur zum Spass Sex haben wollte (im best case Szenario, muss man leider sagen), und sich als Konsequenz in den Raum der Illegailitaet begeben muss (das ist vielleicht kontrovers formuliert).
    Dass Frauen in Deutschland damit global gesehen immer noch in einer absolut privilegierten Situation sind, stimmt, aber trotzem wuerde ich die Messlatte der Zugestaendnisse zur (sexuellen) Selbstbestimmung etwas hoeher ansetzen, um tatsaechlich davon zu sprechen, dass das wirklich fuer die Gesetzgebung von Gewicht ist. Dass es der SPD nicht moeglich ist, dieses Recht fuer Frauen im Bundestag gegen die Union zu verteidigen & die aktuelle Gesetzgebung zeigen, dass das einzige was kompromittiert wird das Leben und der Koerper der Frau sind, ueber den im Namen von Reproduktion, Religion, oder eines philosophischen Menschenbildes Besitzansprueche gestellt werden. Das sind fuer mich alles Auspraegungen einer ziemlich haesslichen Medaillenseite.
    Und zu guter Letzt, darauf seid ihr auch eingegangen, sind die Widerstaende, die einer Person im Schwangerschaftskonflikt begegnen, enorm, das sage ich aus eigener Erfahrung. Ich glaube, dass eine Gesetzesaenderung (219a, aber auch eine Legalisierung von Abbruechen ist lang ueberfaellig) erstens die praktischen Moeglichkeiten fuer Menschen im Schwangerschaftskonflikt erweitern wuerdE. Zweitens wuerden langfristig vielleicht der Diskurs geoeffnet und das Stigma ein bisschen abgebaut.

    • Um das vorweg zu nehmen, ich glaube alle moralischen Argumente über die Rolle der Frau kann man weglassen. Diese Argumente sind historisch in der Debatte bedeutsam und bei vielen Abtreibungsgegnern auch weiterhin, wo sie auch entgegen anderer Behauptungen zum Teil wichtiger sind als menschliches Leben zu schützen. Es geht aber im Kern nur um einen Konflikt zwischen Menschen.

      Es wird zunaechst unsichtbar gemacht, dass das Leben Teil ihres Koerpers ist und von ihr abhaengt.

      Das sehe ich nicht. Denn für die analoge Situation eines geborenen Kindes, gibt es, wenn eine Frau (oder ein Mann) die Verantwortung für das Kind nicht mehr wahrnehmen kann oder will, die Freigabe zur Adoption. Hier wird also nichts unsichtbar gemacht, sondern die ohne Versehrung (gegenwärtig) nicht trennbare Verbindung von Schwangerer und Ungeborenem ist im Zentrum des Konfliktes.

      Ein Schwangerschaftsabbruch bedeutet (wiederum gegenwärtig und in den meisten Fällen) die Tötung mindestens eines anderen Menschen. Natürlich muss man einschränken dieser Mensch ist in einem frühen Stadium seiner Entwicklung, weist eventuell noch nicht die Eigenschaften auf, die wir am Menschen für schützenswert halten, und befindet sich in einer besonderen biologischen Beziehung zu einem anderen Menschen. Die Leistungen eines Schwangerschaftsabbruchs für die Schwangere muss ich nicht nochmal auflisten. Diese gesetzt gegen das Leben eines (oder mehrerer) Menschen bilden den Konflikt. Eine Lösung wie im Fall geborener Kinder durch Adoption greift hier (zum dritten Mal gegenwärtig) nicht.

      Die aktuellen Gesetze stellen fuer mich keinen Kompromiss dar

      Ich sehe deshalb in der jetzigen Lösung einen deutlichen Kompromiss. Es würde bei einem Recht auf Abtreibung im Prinzip um ein Recht auf Tötung eines anderen Menschen zum eigenen Vorteil gehen. Rein gefühlt sollte dieser Vorteil auch im Fortbestehen der eigenen Existenz liegen, um die gleiche Schwere zu haben. (Deswegen halte ich Abtreibungen zum Schutz der Lebens der Schwangeren für unkontrovers.) Nun kann man den Menschen über seine Existenz hinweg als unterschiedlich schutzwürdig betrachten. Wenn man zum Beispiel sagt, frühen Entwicklungsstufen menschlichen Lebens kommt überhaupt keine Schutzwürdigkeit zu, verschwindet der gesamte Konflikt. Ich empfinde gegenüber dieser absoluten Setzung Unbehagen, alle Menschen haben das in Frage stehende Stadium durchlaufen. Darüberhinaus stellt sich die Frage wie man damit umgeht, dass in der späten Entwicklung ein ungeborener Mensch sich nicht mehr deutlich von einem absolut geschützten Neugeborenen unterscheidet. Aber man kann hier sicherlich anders argumentieren. Ich persönlich komme zu dem Schluss, dass ein Schwangerschaftsabbruch nicht ethisch einwandfrei ist.

      Der eigentliche Kompromiss besteht aber tatsächlich in einer solchen abgesenkten Schutzwürdigkeit früher menschlicher Entwicklungsstufen. Wir gewichten in der Abwägung die fortgesetzte Existenz von ungeborenem menschlichen Leben in gewissen Grenzen als niedriger als den Autonomiegewinn, den eine Schwangere aus dem Eingriff für sich bezieht. Also immer. Eine individuelle Würdigung, ob es im Einzelfall doch zumutbar ist, ein Kind auszutragen, wird nicht vorgenommen. Das begleitende Prozedere ist die einzige Konzession an den Schutz ungeborenen Lebens, wo man versucht die Schwangere in der nun in ihre Hände gelegten Konfliktlösung so zu unterstützen, dass sie die Möglichkeit der Fortsetzung der Schwangerschaft erwägt.

      Du kommst jetzt nicht ins Gefaengnis, aber ich will hier nochmal ganz ganz deutlich machen, dass du was machst, dass so schlimm ist, dass ich das Wort Toetung dafuer benutze.

      Die Assoziation mit dem Strafrecht mag zu einer gefühlten Schuld führen, aber wenn ergibt sich diese doch wohl noch eher aus dem Umstand, dass auf eigenes Verlangen ein anderer mit einem verbundener Mensch getötet wurde. An dem Wort Tötung kommt man meines Erachtens nicht vorbei, es stellt sich lediglich die Frage, wieviel “Menschlichkeit” man diesem getöteten Leben zumisst. Auch weil ich denke, dass sich eine empfundene Schuld selbst ohne das gegenwärtige Konstrukt nicht ganz auflösen lassen wird, ist die absolute Vermeidung von ungewollter Schwangerschaft (und ich denke dabei nicht an unsinnige Ansätze wie die Unterbindung von sexueller Aktivität) ein sinnvolles gesellschaftliches Ziel.

      Es stimmt natürlich, dass es nicht so geregelt werden müsste. Ich verweise auf eine andere besondere biologische Situation, nämlich die von Kindern. Betreuungspersonen haben weitreichende Eingriffsmöglichkeiten in die Freiheit von Kindern. Diese ergeben sich natürlich daraus, dass der Schutz der kindlichen Entwicklung höher gewichtet wird als die Autonomie von Kindern. Wir haben aber nicht beschlossen, die unweigerlichen Handlungen von Eltern als Freiheitsentzug oder Eingriffe in die Persönlichkeitsentfaltung und körperliche Unversehrtheit zu beschreiben, als Straftaten, die straffrei bleiben.

  7. Facebook und andere Datensammler
    Hier eine interessante Zusammenstellung was Facebook und Google so alles sammeln. Auf Twitter (ja, die sammeln natürlich auch): https://twitter.com/iamdylancurran/status/977559925680467968
    Ich persönlich fand es erstaunlich wieviel da zusammenkommt.

  8. 28. März 2018 um 18:42 Uhr
    Andreas Schwarz

    Hallo,

    mit ziemlicher Beunruhigung habe ich eine leicht anti-russische Schlagseite in den letzten zwei Sendungen feststellen können. Dies drückt sich beispielsweise in der Formulierung aus, dass “Russland die Krim annektiert habe”. Der Duden definiert annektieren als “gewaltsam und widerrechtlich in seinen Besitz bringen”1. Ich kann mich nicht entsinnen, dass russische Panzer den verzweifelten Protest der Krimbewohner auf Unabhängigkeit niedergewalzt haben. Nein, vielmehr hat es eine Volksabstimmung gegeben, bei der die absolute Mehrheit der Krimbewohner sich gegen den Verbleib bei der Ukraine und gegen eine Unabhängigkeit ausgesprochen haben. Ergo: Die Menschen wollten zu Russland kommen. Das es hier Versprechnungen und Hoffnungen gegeben hat, die sich vielleicht nicht erfüllen werden, ist nun nichts Neues bei Wahlen. Anstatt von Annektion sprecht doch lieber über die wahren militärischen Hintergründe und Interessen von Russland. Es geht, wie auch in Syrien, um den Zugang zum Mittelmeer. Und dies ist auch legitim, denn die russische historische Erfahrung ist eben nicht, dass man aggressiv nach Westen preschte, sondern, dass der Westen versuchte Russland zu überrollen. Heute versucht dies die NATO, die längst ihren eigentlichen Operationsbereich verlassen hat.
    Warum sollte Russland einen Konflitk mit uns suchen? Wir, also die Bundesrepublik, als auch Russland sind stark voneinander abhängig. Dies ist aber kein Schicksal, sondern ist das Ergebnis langer positiver Zusammenarbeit. 2012 kauften wir zusammen mit den anderen EU-Staaten fast die Hälfte aller russischen Gas-Exporte2, was ein Drittel aller Gas-Importe ausmachte für die EU3 und mehr als ein Drittel für Deutschland4. Gleichzeitig war die russische Wirtschaft extrem von den Rohstoffexporten abhängig5. Es erschließt sich mir nicht, warum die russische Führung mit irgendwelchen durchsichtigen Aktionen dieses jahrzehnte alte Geschäftsmodell gefährden sollte.
    Auf der anderen Seite (des Atlantik) gibt es aber jemanden, der durchaus Interesse an einer Verschlechterung der deutsch-russischen Beziehungen hat. So hat der ehemaligen Vorsitzender von Stratford darauf hingewiesen, dass es schon lange ein Interesse der US-Regierungen hatte, eine westeuropöisiche-russische Achse zu verhindern, da dies zu einer Schwächung der US-Position führen könne. In diesem Kontext sollte man eine derartige Instrumentalisierung von Nachrichten sehen. Überhaupt erscheint es mir vermessen Russland mit Sanktionen zu bedrohen, weil sich Russland angeblich in irgendwelche Wahlkämpfe einmischt (dies ist normale Tatik der USA – siehe die Wahlen in Italien in den 1950 bis 80er Jahren). Gleichzeitig findet eine Dauerüberwachung ALLER Bundesbürger durch NSA etc. statt, was übrigens auch die Bundeskanzlerin einschließt. Es sei angemerkt, dass nach bekanntwerden dieser Meldung ein No-Spy-Abkommen geschlossen werden sollte, was bis heute nicht passiert ist, weil die USA dies ablehnen. Mein Vorschlag wäre, wir treten an die Russen heran bieten diesen ein solchen Abkommen an, mit dem Angebot verbunden, aus der Sanktionsfront auszutreten. Krieg in Europa würde nicht nur Russland schaden, sondern auch den Westeuropäern. Ziemlich unbeschadet würden wohl nur die USA und vielleicht China da herauskommen. Wir sollten uns also überlegen, wen wir als unsere “Freunde” ansehen.

    1. https://www.duden.de/rechtschreibung/annektieren
    2. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/g7-gasversorgung102.html
    3. https://globalriskinsights.com/chart2-2/
    4. https://prezi.com/-cyfgzqcruzl/russland-erdol-und-erdgas-als-machtfaktor/
    5. https://de.statista.com/infografik/2497/exportprodukte-russlands/

    • @Andreas

      Wie kam es denn zu der in der Weltgeschichte einmaligem Vorgang, dass die Sicherheits- und Militärkträfte eines Staates ohne Gewaltandrohung einen Teil des Staatsgebiets räumen, auf dass dort der Nachbarstaat eine Anstimmung über den Anschluss dieser Region durchführen kann?

      Oder kamen die “grünen Männchen” auf der Krim doch nicht vom Mars?

      Dass Russland einen Konflikt mit Deutschland oder anderen Staaten West- und Mitteleuropas suchen könnte? Unmöglich! Hm, es sei denn, dass diese Staaten die russische Oberhoheit über Satellitenstaaten wie Weißrussland oder die (Ost-)Ukraine in Frage stellen. Das Problem: genau das tun wir – und zwar zu recht!

      • Dass Russland einen Konflikt mit Deutschland oder anderen Staaten West- und Mitteleuropas suchen könnte? Unmöglich! Hm, es sei denn, dass diese Staaten die russische Oberhoheit über Satellitenstaaten wie Weißrussland oder die (Ost-)Ukraine in Frage stellen. Das Problem: genau das tun wir – und zwar zu recht!

        Wenn du das schon so siehst, muss man doch aber sagen, dass wir den Konflikt mit Russland suchen. Die russischen Schritte sind im Wesentlichen reaktiv. Das muss an der Legitimität oder Illegitimität der Handlungen des jeweils aktiven oder reaktiven Parts nichts ändern, wobei man da wirklich im Detail hinschauen muss.

      • @André

        Ja, ich würde die Eskalation von Konflikten in den Nachbarstaaten (sowie in Syrien) als den Versuch Russlands interpretieren, den Verlust an Macht über die jeweiligen Regionen aufzuhalten.

        Im europäischen Raum will jedoch die EU (und hinter ihr stehend die USA) ein anderes Ordnungsprinzip durchsetzen, nämlich das der freiwilligen Kooperation souveräner Staaten. Einflußnahme und Interessenausgleich laufen dann im Wesentlichen durch finanzielle und wirtschaftliche Anreize ab – ein Bereich, in dem Russland deutlich weniger zu bieten hat als der “reiche Westen”.

      • In Syrien war Russland natürlich die gesamte Zeit präsent, aber das militärische Eingreifen kam erst nachdem die Türken, US-Amerikaner, Franzosen, Saudis, Iraner usw. schon aktiv waren. In Georgien hat Russland reagiert. In der Ukraine hat Russland reagiert. Selbst bei der Entwicklung neuer Kernwaffenoptionen hat Russland reagiert.

        Es ist stimmt natürlich, dass es mehr oder weniger verdeckte russische Einflussnahme in all den Ländern gibt, die sie als Teil ihrer Einflussphäre betrachten. Und das muss man nicht gutheißen. Mir fällt zu ignorieren, dass es im Bezug auf die USA nicht viel anders ist und wir werden wahrscheinlich den Tag erleben, wo China, wenn es keinen eleganteren Weg findet, die Wiedervereinigung mit Taiwan erzwingen wird.

        Aus Sicht einer weisen europäischen Nachbarschaftspolitik hätte man Russlands Bedenken aufnehmen und entsprechend die eigenen Ambitionen für die russische Peripherie anpassen sollen. Wäre die NATO aufgelöst worden, so wie es gegenüber der letzten sowjetischen Regierung in Aussicht gestellt wurde, würde sich die heutige Situation meines Erachtens ganz anders darstellen. Denn dann wäre vielleicht ein rein europäisches Verteidigungsbündnis näher an Russland herangerückt, anstatt einem, das sie für den verlängerten Arm ihres geostrategischen Hauptkonkurrenten halten.

        Einflußnahme und Interessenausgleich laufen dann im Wesentlichen durch finanzielle und wirtschaftliche Anreize ab – ein Bereich, in dem Russland deutlich weniger zu bieten hat als der “reiche Westen”.

        Nun, unter “im Wesentlichen” verbergen sich dann wohl die Einflussoperationen, die vorallem von US-Seite zusätzlich gefahren wurden. Ich weiß gar nicht, wie sehr die Euromaidan-Revolution in dieser Hinsicht aufgearbeitet wurde, aber für die Orange Revolution wurden Verbindungen aufgezeigt.

    • @Andreas
      Ein wesentlicher Aspekt dürfte noch folgendes sein.

      Zitat aus Wikipedia:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Wiktor_Janukowytsch#Staats-_und_V%C3%B6lkerrechtliche_Aspekte_der_Absetzung

      Es ist umstritten, ob die Absetzung von Janukowytsch mit der ukrainischen Verfassung vereinbar war.[32][38][39]

      Laut Artikel 108 sieht die ukrainische Verfassung nur vier mögliche Gründe für eine Absetzung vor: ein Rücktritt des Präsidenten, gesundheitliche Gründe, im Zuge eines Amtsenthebungsverfahrens oder durch Tod des Amtsinhabers. Eine Amtsenthebung kommt unter Artikel 111 bei Hochverrat und anderen schweren Verbrechen in Frage. Ein solcher Prozess wurde im Fall Janukowytsch nicht durchlaufen. Der vom Parlament genannte Grund, dass er durch Verlassen des Landes seine Präsidentschaft verwirkt hätte, ist in der Verfassung nicht vorgesehen.

      Ein solches Amtsenthebungsverfahren hätte nach der Verfassung von der Mehrheit der Abgeordneten der Werchowna Rada der Ukraine initiiert werden müssen. Zur Durchführung des Untersuchungsverfahrens würde die Rada eine spezielle Untersuchungskommission auf Zeit einsetzen, die aus einem Spezialbevollmächtigten sowie speziellen Ermittlern bestünde. Die Ergebnisse und Vorschläge der temporären Ermittlungskommission müssten in einer Sitzung der Werchowna Rada berücksichtigt werden. Gegebenenfalls würde diese dann mit wenigstens zwei Drittel ihrer Stimmen die Anklage des Präsidenten der Ukraine beantragen. Nachdem der Fall vom Verfassungsgericht der Ukraine überprüft und kommentiert und die Akten festgestellt worden wären, welche den Staatsverrat oder ein anderes Verbrechen des Präsidenten der Ukraine dokumentieren, müsste die Entscheidung über die Entfernung des Präsidenten der Ukraine aus seinem Amt im Wege des Amtsenthebungsverfahrens schließlich von wenigstens drei Vierteln der Abgeordneten getroffen werden. In der durch die Verfassung nicht abgedeckten, kurzfristigen Abstimmung hatte das Parlament nur eine Zustimmung von 72,89 % der Abgeordneten erreicht.

      Das Quorum in Höhe von 75% (Letzter 3 Zeilen) wurde nicht erreicht. Somit hätte der Präsident nicht abgesetzt werden dürfen. Es gab eben nur 72,89% der nötigen Stimmen.

      Überträgt man das auf Deutschland, dann würde es folgendes bedeuten: Die Menschen wollen Merkel loswerden: nun ist dafür ein Verfahren notwendig, bei dem es eine notwendige Mehrheit geben muss. Die Mehrheit wird nicht erreicht, Merkel bleibt also an der Regierung. Wenn nun ein gewaltsamer Mob hingeht und Frau M aus dem Amt treibt, dann ist alles nicht legitimiert und außerhalb des Rechts. Also ist die Aufregung in Bezug auf die Separation völlig einseitig. Wenn Recht, dann bitte von Anfang an.

      Darüber wird aber kaum gesprochen!

  9. Liebe Lageleute, mit der Religion habt Ihr offenbar ein Problem wie auch mit der Heimat. Das zweite lass ich mal weg, weil ich nicht in den Verdacht kommen mag, Herrn Seehofer zu verteidigen. Aber zur Religion: wenn Frau Merkel ausführlich hätte reden wollen, hätte sich das etwa so angehört: „unsere jüdischen Wurzeln haben wir leider erst nach dem Holocaust wieder entdeckt, als Menschen den christlich-jüdischen Dialog begonnen haben. Das ist ein Grund, warum Antisemitismus in unserem Land nicht nur einfach nicht sein darf, sondern ein Verstoß gegen die Verfassung ist. Unsere Geschichte hat uns aber auch dahin geführt, dass Grundlage des Miteinanders im Land ein säkularer Konsens ist, so dass Weltanschauung, Religion u.dgl. In den Bereich des Privaten gehören und eine pluriforme Gesellschaft auf Grundlage unserer Verfassung gestalte ist. Viele Muslime kommen aus Gesellschaftsordnungen, in denen Religion den Alltag gestaltet (wie bei uns vor vierhundert Jahren) und müssen diese Entwicklung lernen. Ein Islam, der die ablehnt, ist mit Deutschland (und Europa) nicht kompatibel. Hier ist Bildungsarbeit unerlässlich. Ob die Mehrheit der Deutschen in fünfzig Jahren islamisch ist, ist deren private Entscheidung, die Verfassung steht aber nicht zur Disposition, die auch dann noch Religionsfreiheit und die Freiheit, auch ohne Religion zu leben, garantiert.“ ich gebe zu, dass dieser Schluss Zuviel wäre für heutiges Denken, das darf ein Politiker so nicht sagen, richtig ist es dennoch (auch wenn ich mir kein islamisches Land wünsche).

  10. Ich würd mich freuen, wenn ihr weniger Live Lagen macht. Jedesmal wenn ihr da auf der Bühne sitzt steigt der Klamauk Level auf ein bald ganz schön dämliches Niveau. Im Studio agiert ihr um einiges seriöser.

    • Eine Lage live hat ganz andere Vibes als eine Studio-Lage. Klar, manche Leute hätten es lieber immer so nüchtern wie im Studio. Aber die Leute vor Ort lieben es, viele Hörer*innen finden es auch klasse, und für uns ist es eine sehr wichtige Gelegenheit, mal mit Menschen zu sprechen, die die Lage hören. Deswegen wird es Live-Aufnahmen sicher immer geben, jedenfalls solange Menschen uns gerne live hören und sehen wollen.

  11. Ich wollte auch mal wieder einen generellen Kommentar loswerden:

    1. Vielen Dank Ulf & Philipp, für die wöchentliche Lage, höre euch seit knapp 1 1/2 Jahren und freue mich immer wieder, euch Samstags/Sonntags zuzuhören.

    2. Vielen Dank auch an die Community hier, 95 % der Kommentare sind immer wieder super erhellend und sehr Lesenswert.

  12. Wer heute auf der Sonnenseite oder im Halbschatten des Lebens steht hat vorwiegend Glück gehabt. Die im Dunklen sind die gesellschaftlichen Pechvögel. Glück hat wer aus einem gut situierten Elternhaus kommt. Erstens hat er genug Geld um sich keine exististiellen Sorgen machen zu müssen. Zweiten hat er meistens auch eine passable genetische Ausstattung bekommen – Intelligenz und Willenkraft. Drittens oft noch beste soziale Netzwerke, besser als jede soziale “Hängematte”. Je höher man in den gesllsschaftlichen Schichten kommt, desto höher sind diese Faktoren in der Regel ausgebildet. Eine Ausnahme bilden vielleicht viele unserer Politiker, die wohl vorwiegend Glück mit ihrer genetischen Ausstattung hatten. Trotzdem sind die meisten dann nicht mit dem Ziel in die Politik gegangen Ungerechtigkeit und Ungleichheit zu bekämpfen oder zu mindern, sondern ihr Ziel ist es, selber nach oben zu gelangen. Legitim kann man sagen. Der Teil der Mitbürger auf der dunklen Seite der Gesellschaft hat zumeist schon bei der Geburt die “A-karte” gezogen. Schlechte genetische Ausstattung, ständig finanzielle Sorgen, kaum jemanden der einen fördern kann oder will. Diese Menschen können genau so wenig dafür wie sie sind wie die Menschen auf der Sonnenseite.

    Ich habe festgestellt, im Leben geht es darum Glück zu haben, viel Glück zu haben, Pech zu haben, viel Pach zu haben oder Glück im Pech zu haben. Das Allermeiste was einem im Leben passiert hat man nicht verdient sondern einfach bekommen – positiv oder negativ. Leistungfähigkeit hat man oder man hat es nicht – vielleicht hört es sich pauschal an – aber wer etwas über die moderne Hirnforschung liest kommt zu der Erkenntnis, mindestens 80% unseres Lebensglückes – oder Unglücks haben wir gar nicht selbst zu verantworten.

    Fazit: Legt endlich die Arroganz ab zu meinen, dass Ihr selbst verantwortlich seid für Eure Lebensleistung. Mozart konnte auch nichts dafür, dass er so tolle Musik geschrieben hat. Es geht doch nur darum, dass auch die weniger vom Glück bedachten Mitmenschen ein auskömmliches Leben haben, ohne sich tagtäglich erniedrigen zu müssen. Das kann unsere Gesellschaft leisten, wenn anerkannt wird, das wir nicht “unseres Glückes Schmied” sind sondern vor allem das Ergebnis der jeweiligen Umstände.

    • @Peter
      Ein interessanter Standpunkt und er stimmt zudem.

      Persönlich mache ich es daran fest, dass manche Zufälle geballt auftreten und dann oft in die gleiche Richtung gehen, als ob der Mensch sich seines Schicksales nicht entziehen kann.

  13. Zum Thema autonomes Fahren und Entscheidungsproblem eine kleine Empfehlung am Rande.

    Falls ihr mal in Karlsruhe seit möchte ich euch die Ausstellung “Open Codes” im ZKM ans Herz legen (https://open-codes.zkm.de/de)
    Sie umfasst künstlerische aber auch kritische Themen aus dem Bereich Digitalisierung. Nebenbei kostet die auch nichts und es gibt kostenlose Mate ;).

    Aufjedenfall gibt es dort ein Ausstellungsstück bei dem man eben Entscheidungen von KI’s in verschiedenen Situationen betrachten kann, welche nach Unterschiedlichen Maximen handeln (zb Finanziell).

    • Danke für den Hinweis, das ZKM ist wirklich großartig.

    • Meiner Meinung nach ist die Diskussion über diese sogenannten Trolly-Probleme im Bezug auf selbstfahrende Autos totaler Quatsch. Das sind künstliche Probleme, moralische Dilemma die in der Realität so niemals auftreten werden.
      Falls jemand 15 Minuten Zeit hat und einigermaßen Englisch kann sollte er sich das Video von
      Philisophy Tube zu Ethics of selfdriving cars anschauen
      https://www.youtube.com/watch?v=ozcaLnTuidU
      Die wirklich wichtigen Fragen sollten meiner Meinung nach dabei sein. Wer ist für einen Fehler verantwortlich? und wer zahlt z.B. Schadensersatz? Wer muss das Auto versichern?
      Im Zweifel müsste das ja der Hersteller des Autos machen und nicht mehr der Fahrer.

      Ganz davon abgesehen sind selbstfahrende Autos schon heute besser als menschliche Fahrer!

      • Stimme dir da auf jeden Fall zu. Meiner Meinung nach wird das Trolley Problem deutlich zu oft diskutiert. Liegt denke ich vor allem daran, dass da jeder sofort eine recht eindeutige Meinung zu hat und die Frage natürlich erstmal auch sehr brisant und interessant ist. Die wirklich wichtigen Fragen, die du z.T. auch genannt hast, sind eben deutlich komplexer und nicht so reizvoll.

        Der Kommentar von Charlie hat aber glaube ich gerade nicht auf das Trolley Problem abgezielt, sondern auf generelle interessante Fragestellungen zu KIs, die ja anscheinend in der Ausstellung im ZKM präsentiert werden. An dieser Stelle auch vielen Dank für den Tipp, komme aus der Gegend und werde da auf jeden Fall mal hinfahren.

  14. Meiner Meinung nach lernt man aus den tödlichen Unfall des autonom fahrenden Uber-Autos folgendes:

    Die von den Wissenschaftlern und Industrie prophezeiten Stufen 3 und 4 des autonomen Fahrens wird es nicht geben. In dem (BETA) Auto saß eine Fahrerin, die wahrscheinlich dafür bezahlt aufmerksam den Verkehr zu beobachten und im Notfall einzugreifen. Zu sehen ist aber wie sie sich anderen Dingen widmet (wahrscheinlich dem Smartphone). Wahrscheinlich hätte Sie den Unfall nicht vermeiden können, aber Sie war dennoch unaufmerksam. Wie soll dann erst Aufmerksamkeit in einem “fertigen” Auto zustande kommen?

    Ich frage mich auch welche Maßstäbe wir hier ansetzen. Dem Video nach, war ein Mensch nicht in der Lage die Person früh genug zu erkennen. Aber von einem autonom-fahrenden Fahrzeug, welches sich Radar- und Lasergestützt fortbewegt, erwarte ich das es auch in der Dunkelheit Personen die eine Straße überqueren früh genug erkennt. Hier hat die Technik ganz klar versagt.

    • Es ist kein Problem, einen unaufmerksamen Fahrer zu identifizieren. Dazu reicht die KI heute schon. Schriller Warnton. sobald die Augen länger als ein paar Sekunden nicht auf die Straße gerichtet sind und gut ist’s. Die Frage ist nur, ob der Fahrer etwas davon hätte, zwar nicht fahren zu müssen, dafür aber die ganze Zeit hochkonzentriert auf die Straße starren zu müssen.

      Zu der Behauptung, dass der Fahrer (in diesem Fall die Fahrerin) das Unfallopfer nicht hätte erkennen können, empfehle ich dir Diskussion und Links weiter unten. Spoiler: sehr wahrscheinlich war die Frau mit ihrem Fahrrad für menschliche Augen deutlich zu erkennen.

      • Was bringt mir ein selbstfahrendes Auto wenn ich dabei genauso konzetriert auf die Straße achten muss? Außerdem ist es extrem schwierig konzentriert etwas nur zu beobachten, anstatt selbst aktiv teilzunehmen. Kann man sich z.B. bei Linienrichtern beim Tennis ansehen. Es gibt einen Grund wieso diese Leute nach relativ kurzer Zeit durchwechseln. Und die bekommen das sogar als ihren Job bezahlt. Wenn du in deinem selbstfahrenden Auto sitzt ist es genau anders herum, denn du hast vermutlich extra bezahlt für das “Feature”.

        Das selbstfahrende Auto muss diese schwierigen Situationen dann schon selbst meistern.

  15. Beim Fall des autonomen Fahrens habt ihr gesagt, dass jedes Jahr ca 7000 Leute im Straßenverkehr ums Leben kommen. Diese Zahl ist falsch. Nach offizieller Verkehrsstatistik sind 2017 3177 Menschen im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Natürlich ist auch bei dieser Zahl jeder einer zuviel, trotzdem sollte man sich um korrekte Zahlen bemühen.
    Im Übrigen bin ich wie einige andere Kommentatoren der Meinung, dass das Wortspiel mit dem uber fahren geschmacklos war.

    • ich fand das Wortspiel passend…

    • Eine Lage live hat ganz andere Vibes als eine Studio-Lage. Klar, manche Leute hätten es lieber immer so nüchtern wie im Studio. Aber die Leute vor Ort lieben es, viele Hörer*innen finden es auch klasse, und für uns ist es eine sehr wichtige Gelegenheit, mal mit Menschen zu sprechen, die die Lage hören. Deswegen wird es Live-Aufnahmen sicher immer geben, jedenfalls solange Menschen uns gerne live hören und sehen wollen.

  16. Da hat Ulf sich ja wieder selbst übertroffen mit seinem Gelächter über das Heimatministerium.

    Am Wochenende gab es so viele Messerstechereien wie noch nie. In Schulen gibt es immer mehr religiöse Übergriffe auf Mitschüler und Lehrer, die “ungläubig” oder sogar Juden sind. In Frankreich wurde eine Jüdin erstochen, mutmaßlich war auch das ein Islammotiviert. Wenn ich in den Bezirken unterwegs bin (nicht mal Problemviertel), dann höre ich die Kinder dort türkisch, arabisch, was auch immer reden. Integrationsbereitschaft? Kein bisschen.

    Das Land ist dem Untergang geweiht. Und ich denke, hier hilft auch nicht AfD-Wählen oder so, sondern eine außerparlamentarische Bewegung.

    • Was für ein Unsinn: Schau Dir mal die Kriminalstatistik an, die Fallzahlen sinken, unser Land wird von Jahr zu Jahr sicherer.

      Und wo genau ist jetzt das Problem, wenn Kinder Türkisch reden? In den USA gab es früher Germantowns und Little Italys, das gibt sich im Laufe der Jahre oder Jahrzehnte. Da ist ein wenig Besonnenheit gefragt, und natürlich konsequente Angebote zur Integration, vor allem gute öffentliche Schulen.

      • Als ob die Statistik der wesentliche Indikator wäre. Beispielhaft: wenn 1970 doppelt so viele Kinder Knochenbrüche durch Raufereien hatten, weil es rauer zuging, so ist die Welt damals noch immer besser als die halbe Knochenbruchzahl und insgesamt ungeordneten Verhältnissen (Beispiel ist fiktiv, aber ich hörte heute so etwas im Radio). Diese Maßlosigkeit (am Boden weiter zuschlagen, Waffen einsetzen, Omas vergewaltigen, Mädchen in Gruppen umzingeln und misshandeln) ist doch wesentlich bedeutsamer als die Fallzahlen, da die Qualität der Delinquenz entscheidend ist für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

      • Ungewollt legst Du den Finger in die Wunde: es geht letztlich um gefühlte Kriminalität, nicht um ein reales Problem.

        Wieso Menschen sich irrationalerweise immer mehr bedroht fühlen, obwohl sie objektiv so sicher leben wie noch keine Generation vor ihnen, oder auch bedroht fühlen wollen, hat ganz verschiedene Gründe. Ein wesentlicher Grund dürfte die mediale Ausschlachtung von Kriminalität für Auflage, Klicks und Quoten sein, ein anderer die gezielte Dramatisierung von vermeintlicher „Ausländer-Kriminalität“ aus fremdenfeindlicher Motivation heraus. Außerdem spielt auch hier wieder die allgemeine Verunsicherung eine Rolle, die breite Kreise erfasst hat (Stichwort Neoliberalismus & Hartz IV).

      • Ulf: “die Fallzahlen sinken, unser Land wird von Jahr zu Jahr sicherer”

        Realität:

        “Die Gewaltkriminalität ist im vergangenen Jahr … deutlich gestiegen. …”

        “Die Hemmschwelle für Gewalttaten in Deutschland sinkt offenbar wieder. So ist die jahrelang rückläufige Gewaltkriminalität deutlich gestiegen (+6,7 Prozent)”

        “Hauptgrund … sei, dass gefährliche und schwere Körperverletzungen erheblich zugenommen haben (9,9 Prozent) …”

        “Zahl tatverdächtiger Zuwanderer ist … um 52,7 Prozent stark gestiegen …. im Vorjahr, … (war es ein Anstieg von) noch 91 Prozent”

        “… fielen Zuwanderer bei einigen Deliktarten besonders auf .. (der Anteil beträgt bei ) gefährlicher und schwerer Körperverletzung sowie Vergewaltigung und sexueller Nötigung sind es jeweils 14,9%”
        ” Ihr Anteil an allen Tatverdächtigen liegt … bei 8,6 Prozent … der Anteil, den Zuwanderer plus Asylberechtigte an der Gesamtbevölkerung … (ist) weniger als zwei Prozent”

        Quelle: Tagesschau.de (https://www.tagesschau.de/inland/kriminalstatistik-109.html)

      • Sorry, aber was sagt denn ein minimaler Anstieg von 7% gegenüber einem langjährigen Trend aus?

        Was die fremdenfeindlichen Deutungen angeht hatten wir in der Lage vor ein paar Wochen schon das Interview mit Christian Pfeiffer vom KFN. Spoiler: nicht der Migrationshintergrund führt zu Kriminalität, sondern die Lebenssituation, in die wir viele Geflüchtete stecken (Lager, Arbeitslosigkeit). Horst und Stefan würden in einer vergleichbaren Lebenssituation ebenso handeln wie heute Ibrahim. Außerdem gibt es hier eine extrem hohe Anzeigewahrscheinlichkeit.

      • Zur Versachlichung hier mal die Entwicklung der Zahl von Tötungsdelikte, die als Mord eingestuft wurden: https://de.statista.com/graphic/1/2229/mordopfer-in-deutschland-entwicklung-seit-1987.jpg

        Klar erkennbar ist der Anstieg von 2015 auf 2016. Ebenso klar erkennbar ist jedoch auch die deutliche Abnahme seit dem Jahr 2000.

        Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Totschlag und Tötung auf Verlangen: https://de.statista.com/graphic/1/550284/polizeilich-erfasste-faelle-von-totschlag-und-toetung-auf-verlangen-in-deutschland.jpg

        Die Frage ist nun, was man draus macht. Skandalisiert man den jüngsten Anstieg, der zweifellos auf die “Flüchtlingskrise” ab 2015 zurückzuführen ist? Oder freut man sich an den langfristig sinkenden Zahlen?

        Ich persönlich habe keinen Zweifel, dass wir heute in einem deutlich sichereren Land leben als im jahr 1970, 1980, 1990 oder im auch im Jahr 2000. Gleichzeitig ist es heute etwas unsicherer als vor dem Jahr 2015 und so wird es bis zum “Verdauen” der jüngsten Zuwanderungswelle auch bleiben.

      • Vielleicht ist der Anstieg ja auch durch die zunehmende rechte Gewalt zu erklären. Man sollte vorsichtig sein, Kausalitäten aus einer Statistik abzuleiten.

      • Das Problem an der Tatsache, dass Menschen die Sprache nicht sprechen, lieber Ulf, liegt darin, dass dies der erste Schritt ist, sich hier zu integrieren. Wie es die Russen, die Chinesen, die Spanier, die Amerikaner machen – eben alle, bis auf die Menschen aus einem islamischen Kulturkreis, die lieber hier ihre Scharia-Schau abziehen wollen und ihre Religion über alles stellen.

        Ich mache den Kindern auch keinen Vorwurf, sondern den Eltern dieser Kinder. Im Elternhaus sollten die Grundgesetzkonformen (christlichen) Werte beigebracht werden. Es geht hier um Anpassung. Darum, dass man die Kopftücher zu Hause lässt und dass man eben deutsch spricht. Und wer darauf keine Lust hat, geht eben nach Hause in sein Land. So einfach.

        Und noch was: Deine Kriminalstatistiken helfen den ganzen niedergestochenen Opfern und den getöteten Frauen leider nicht weiter, Ulf. Wir brauchen DRINGEND neue Maßnahmen, damit uns der Laden hier nicht um die Ohren fliegt.

      • Die Amerikaner machen das gerade nicht so: Wenn sie nach Berlin kommen, reden sie ganz selbstverständlich weiter Englisch – es ist in manchen Ecken von Berlin inzwischen schwer, auf Deutsch seinen Kaffee zu bestellen …

        Desgleichen in den USA: Mein Punkt ist doch gerade, dass Immigranten-Communities dort schon seit Jahrhunderten zunächst mal in Vierteln leben, die man in D als Parallelgesellschaften bezeichnen würde – aber es kratzt niemanden! Weil es eben nüchtern betrachtet kein Problem ist. Auf Dauer integrieren sich die Menschen von ganz alleine, sofern man ihnen entsprechende Integrationsangebote macht (Schule, Jobs, Staatsangehörigkeit). Die USA lehren uns also, dass gegenüber dem Schreckgespenst Parallelgesellschaft einfach eine Menge Coolness angebracht wäre.

        Mit anderen Worten: Ist unsere Panik vor Parallelgesellschaften vielleicht eigentlich der Tatsache geschuldet, dass wir selbst nicht so recht wissen, was eigentlich unsere Leitkultur sein soll? Darunter versteht nämlich jede(r) was er/sie mag, aber einen Konsens zu finden fällt schwer. Umso nervöser reagieren dann einige Leute, wenn sie Communities ausmachen, die sie für nicht so richtig deutsch halten. Meine Antwort wäre da ganz bodenständig preußisch: Lasst doch alle nach ihrer Fasson seelig werden. Es ist schlicht nicht Dein Problem, und auch überhaupt niemandes Problem, wenn andere Menschen auf ihre Weise leben. Die Grenze ist natürlich erreicht, wenn Straftaten begangen werden, aber darum geht es beim Türkisch sprechen ja auch nicht.

      • @Karsten

        Glaubst du wirklich an “rechte Gewalt” als wesentlicher Treiber dieses Anstiegs von Tötungsdelikten? Naja …

    • Dass die Kids türkisch oder arabisch reden, ist für dich ein Zeichen mangelnder Integrationsbereitschaft? Das ist deren Muttersprache, natürlich sprechen die das untereinander. Deine Abneigung gegen das Hören fremder Sprachen im eigenen Land und deine Empörung darüber, diese fremden Stimmen über dich ergehen lassen zu müssen, kenne ich sehr gut von einigen Menschen aus der sächsischen Provinz. Wenn mir solche Menschen begegnen, schaue ich sie mir stets gründlich an. Irgendwie sind das immer wieder die gleichen Leute: offenbar wenig gebildet, offenbar recht geradlinig in ihren Denkprozessen, offenbar sehr affektgetrieben. Das sind die besten Voraussetzungen um das, was man so hört und sieht und schlussfolgert, gepaart mit dem, was man befürchtet, und mit dem, was man sowieso schon immer gewusst hat, in große Pauschalisierungen zu überführen und den Teufel an die Wand zu malen, ohne auf die Möglichkeit eines Bestätigungsfehlers in der Interpretation der eigenen Wahrnehmung auch nur den flüchtigsten Gedanken zu verwenden.

      Ich habe hier in meiner Wohngegend viele Leute, die vom Aussehen her wahrscheinlich Araber oder Perser oder Türken sind. Messerstechereien und Übergriffe hab ich bisher noch keine erlebt. Insofern kann ich deine Einschätzung der Lage (no pun) nicht teilen. Ich gehe natürlich trotzdem davon aus, dass einige von diesen Leuten ebenso wenig gebildet, ebenso geradlinig im Denken und ebenso affektgetrieben sind wie manche meiner Mitmenschen aus der sächsichen Provinz.

      Fremde Sprachen zu fürchten, darin eine existenzielle Bedrohung zu sehen und darauf mit dem Wunsch zu reagieren, sein Territorium zu verteidigen, das scheint mir ein primitiver Affekt zu sein (so wie die Angst vor Insekten oder vor tiefen Wassern). Wenn du die Sprache der Kinder aus dem Nicht-mal-Problemviertel weder als arabisch noch als türkisch identifizieren kannst, dann könnten die ebenso gut hebräisch gesprochen haben. Vom Aussehen her könntest du Isrealis und Türken etc. sowieso nicht unterscheiden, da bin ich mir sicher. Du kannst dir also sehr gut vorstellen, wie es für das deutsche Ohr geklungen haben muss, als man noch hebräisch und jiddisch gesprochen hat auf deutschen Straßen. Wir wissen alle, worin die Abneigung gegen jüdische und als fremdartig wahrgenomme Menschen im eigenen Land damals kulminierte. Du tust dir also keinen Gefallen, wenn du eine erstochene jüdische Frau für deine Hetze vor den Karren spannst.

      • @aramis
        Du willst das Problem einfach nicht sehen. Es geht hier nicht nur um den strafrechtlichen Aspekt, welcher lediglich die Spitze des Eisbergs ist. Es fängt bei ganz banalen Dingen an: wie ordentlich ist die Strasse vor meinem Haus, wie benehme ich mich in der Bahn etc.

        In der Gesamtheit ist es eben nicht nur wie die Angst vor tiefen Wassern. Dort, wo Problemviertel der Städte sind ist auch fast immer der Migrationsanteil hoch, wenn es um den Is. geht.

        Darum geht es, nicht um diffuse Ängste.

      • Es geht nicht darum, dass Aramis etwas nicht sehen will — was Du beschreibst ist eben einfach nur für manche Menschen ein Problem. Ich habe schon vielfach darauf hingewiesen, dass man auch einfach mal cool bleiben und abwarten kann, so wie es die USA seit Jahrhunderten tun. Wenn unsere deutsche Kultur so grandios ist, wie es die Apologeten der Leitkultur gerne predigen, dann werden sich Neuankömmlinge eines Tages auch integrieren. Das hat bei Italienern, Griechen und Spaniern ja auch bestens geklappt, von den polnischen Immigranten zu Zeiten des Kaiserreichs ganz zu schweigen (man denke an Namen auf ski).

        Wobei ich persönlich übrigens auch kein besonderes Interesse an Immigration habe, nur um Missverständnissen vorzubeugen. Nur wenn die Menschen einmal hier sind, dann sollten wir sie so gut wie möglich behandeln, um ihre Integration zu fördern.

    • Der Anstieg von Antisemitismus und die Begründung mit der Zuwanderung sind übrigens ein Unding: http://www.sueddeutsche.de/kultur/antisemitismus-in-deutschland-jude-israeli-zionist-1.3926433

  17. Hey,

    Zum autonomenfahren ist mir direkt das Trolley Problem eingefallen, sehr spannende Entscheidungstheorie bzw Experiment: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Trolley-Problem

    Kennt ihr vielleicht schon aber es passt exakt auf die Entscheidungsproblematik die mit dem autonomenfahren einher geht.

    Danke für euren free content,

    Ein Komplexes Entscheiden – Student.

    Ps: u günstig das man aufm smartphone durch 89 kommentare scrollen muss um hier her zu kommen ;)

  18. Hallo liebe Lage,
    ich muss schon sagen, dass war diesmal eine wirklich zynische Sendung.
    1) zu Uber: Schöner Wortwitz. Ist ja nur ein Mensch gestorben. Jetzt könnt ihr natürlich sagen, war doch nur ein Witz und dann würde ich fragen, ab wie viel Toten darf man keine Witze mehr machen darf.
    2) zu Abtreibung:
    Gegen Frau Hänel sind reihenweise Verfahren eingestellt worden.
    – Soweit ich informiert bin, sind die Klage/n nur gegen Zahlung eines Bußgeldes eingestellt worden. Keine Ahnung, ob dass eine Einstellung des Verfahrens darstellt.
    – Das politische Klima so weit nach rechts gerückt, dass es jetzt erstmals zu einer Verurteilung kommen konnte.
    Ich bestreite diese Aussage. Erstens Frau Hänel ist Wiederholungstäterin. Sie ist im zweiten Prozess verurteilt worden, weil man in diesem Fall eine Unkenntnis der Gesetzeslage nicht mehr anführen konnte. Zweitens Gerichte sollen nach dem Gesetz urteilen. Entweder haben die Gerichte ihre Arbeit jahrelang nicht gemacht oder das derzeitige Urteil ist ein Fehlurteil.
    – Warum fangen Lebensschützer jetzt an den gefundenen Kompromiss aufzuschnüren?
    Die Lebensschützer haben nur den Buchstaben des Gesetzes befolgt. Die Politik hat hier wohl das Netz als Instrument nicht erkannt oder einfach zu hart reglementiert. Die Gerichte bestätigen doch die Ansichten der Lebensschützer. Deshalb befinden wir uns in dieser Debatte. Der Vorwurf geht an die falsche Adresse.
    – Ungeborene vs. Flüchtlinge, Ungeborene vs. Obdachlose
    Also diesen Kommentar finde ich wirklich zynisch. In euren Sendungen habt ihr immer angeführt man solle die Schwachen nicht gegen die Schwächeren ausspielen. Ungeborene können nicht für sich sprechen. Wenn man der Meinung ist, dass ungeborenes Leben auch Leben ist, dann ist Abtreibung Mord und nicht gegen die Hilfe für Flüchtlinge oder Obdachlose aufzuwiegen.
    PS: Es gibt in diesem Land eine Partei, die argumentiert ähnlich. Sie sagt man solle sich zuerst verdienstvoll um arme Einheimische kümmern, bevor man sich um arme Flüchtlinge kümmert.
    Ich wünsche Euch einen schönen Tag und ein schönes Osterfest.

    • Du bist falsch informiert, die früheren Verfahren gegen Kristina Hänel sind gem. Paragraph 170 Absatz 2 StPO mangels Tatverdachts eingestellt worden, also auch ohne Zahlung einer Geldauflage, und selbst wenn wäre es immer noch eine Einstellung gewesen (Paragraph 153a StPO).

    • Wenn man der Meinung ist, dass ungeborenes Leben auch Leben ist, dann ist Abtreibung Mord

      Der Mensch ist in allen seinen Entwicklungsstufen am Leben. Das wäre allerdings nicht ausschlaggebend, wenn du Mord hier im Sinne des Strafrechts meinst.

      • Die Abtreibung ist ein großes Übel. Ich möchte behaupten, dass viele Frauen so von diesem System indoktriniert werden (mach Karriere, ein Kind passt gerade nicht), dass hier jeden Tag viele falsche Entscheidungen getroffen werden. Nachwuchs zu töten ist falsch und die Möglichkeit sollte es nicht geben, von extremen Ausnahmen mal abgesehen. Die Wertigkeit eines eigenen Kindes spürt man erst richtig, wenn es da ist. Wer dann immer noch ablehnt, der kann es ja weggeben und es kann leben.

        Insofern verstehe ich die überzeugten Gegner dieser Tötung. Wie abgebrüht muss auch der Arzt sein, der damit noch werben geht. Um 15:00 eine Kindeszerstückelung und um 16:00 ein Mettbrötchen zum Feierabend?

      • Persönlich finde ich Abtreibungen auch falsch, aber trotzdem würde ich mir ein wenig mehr Verständnis für die existentiellen Notlagen wünschen, in denen sich manche Schwangere befinden. Zumal als Mann hat man nun mal gut reden.

        Und Ärzte, die Frauen in einer solchen Notlage beistehen, mit einer derartigen Polemik zu überziehen ist wirklich armselig. Ich frage mich wirklich, ob Du es einfach nur darauf anlegst, hier Krawall zu sähen? Das hat doch mit Diskussionskultur nichts mehr zu tun.

      • Manchmal hilft Polemik, das Leid besser zu ertragen. Ob Frau oder Mann, das spielt doch keine Rolle. Die Menschlichkeit entsteht doch eher auf einer gedanklichen Ebene und somit ist Moral und Ethik eine geschlechtsunspezifische Kategorie. Es geht doch nicht um das ausbrüten, sondern um das (geistig) damit leben können. Hier ist der Mann genauso betroffen.

      • richtig, auch Männer können massiv darunter leiden, wenn sie ungewollt Väter werden – was das BVerfG bisher allerdings soweit ich sehe nicht in die Abwägung einstellt.

      • Abtreibung ist nicht ethisch einwandfrei, aber sie ist ein unverzichtbares Instrument der Bevölkerungskontrolle. Jede freiwillig durchgeführte Abtreibung ist gegenüber den irgendwann möglicherweise notwendigen Alternativen deutlich zu bevorzugen. Das entscheidene Bevölkerungswachstum findet zwar nicht bei uns statt, aber es ist ein Beitrag zu einer globalen Normalisierung der Praxis zuzüglich zu den positiven sozialen Effekten, wenn man schon den Aspekt des Zugewinns individueller Freiheit nicht gelten lässt. Gleichzeitig kann man an der Verbesserung und verbesserten Formen der Verhütung forschen, der beste Weg um Abtreibungen unnötig zu machen.

        Wenn ich mir auch etwas Polemik erlauben darf, wir sind nicht mehr auf einer Fünfziger-Jahre-Blümchenwiese, sondern bewegen uns in vielen Dimensionen an kritischen Zustandsgrenzen des Erdsystems.

  19. Bezüglich der Abkürzung “HSM” würde mich mal interessieren, woher ihr das “High Security Module” habt; der Terminus wird nämlich eigentlich nie verwendet, aus gutem Grund:
    HSM besagt lediglich, dass das Modul eigene Hardware verwendet (z.B. eigener Prozessor, RAM, Hardwareimplementierungen der Algorithmen etc.) – über die Sicherheit wird keine Aussage getroffen!

    Es gibt HSMs, die werden nur zur Geschwindigkeitssteigerung benutzt und sollen gar keinen nennenswerten Sicherheitsgewinn bringen (da liegen dann die Schlüssel auch oft auf dem Rechner usw.), und umgekehrt gibt es HSM, die sind lahm wie sau, dafür aber sehr sicher gestaltet.
    Es gibt HSMs, die dienen als transportabler Key-Storage (Smartcards) und solche, die auf gar keinen Fall entfernbar sein sollen (Secure Enclave, manche Servermodule), usw.

    Allen gemeinsam ist lediglich, dass sie halt eigene, weitgehend autarke Hardware verwenden.

    Und natürlich kann ich mich auch irren; aber ich kenne in dem Umfeld keinen, der “High Security Module” verwendet und offen gesagt klingt das für mich ein bisschen, als hätte da jemand versucht, den Begriff positiv zu framen (ähnlich wie die BRAK’sche Ende-zu-Ende-Verschlüsselung).

    • “ähnlich wie die BRAK’sche Ende-zu-Ende-Verschlüsselung”
      Die funktioniert doch nur, weil man den COMPUTER, der die Verschlüsselung öffnet, zum HSM (wofür auch immer das steht) umgetauft hat.

      • Naja, genau genommen funktioniert die gar nicht; das ist nämlich keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – wenn der Inhalt irgendwo von dritten (und dazu zählt auch die BRAK) entschlüsselt werden kann, ist das *vielleicht* immer noch hinreichend sicher, aber per Definition nicht mehr Ende-zu-Ende-verschlüsselt.
        Und es scheint wohl auch so zu sein, dass die wirklich ein entsprechend zertifiziertes HSM benutzen (was ja auch ein Computer sein kann), aber dadurch wird das nicht E2E…

        Deshalb habe ich das angeführt, die BRAK definiert einfach vorhandene Fachbegriffe neu; und HSM → “High-Security-Modul” passt genau in das Schema (klingt halt unknackbar); deshalb würde mich die Quelle interessieren.

      • Das scheint mir auch ein Fall von Framing zu sein … hier findet ihr ein paar Hintergründe:

        https://www.bea-aber-sicher.de/sicheres-bea/fragen-und-antworten/

      • @Sandra
        Keine Angst, wir sind auf der gleichen Seite. Ich wollte nur nochmal darstellen, dass der Begriff eine Worthülse ist.

        Genialer Username übrigens. ^^

  20. Eigentlich wollte ich mich zur letzten Ausgabe schon äußern, da ich mich da auch direkt angesprochen fühlte, hinsichtlich der Bewertung der DUH. Geschenkt – ich halte die für äußerst dubios und ihr nicht. Aber letzten und dieser aktuellen Ausgabe hat Ulf der Kanzlerin Haltung in der Frage des Atomausstieges bescheinigt, was man so nicht unwidersprochen lassen kann. Ich kann Kohls Mädchen noch erinnern als sie als Umweltministerin Politik für die Atomlobby machte. Und in der ersten Kanzlerschaft, wo sie nicht von der SPD gezügelt wurde, hat sie den rotgrünen Atomausstieg gekanzelt und eine Verlängerung gegen alle gesellschaftlichen Widerstände durch den Bundestag gedrückt. Hand in Hand mit der FDP und ihrem Adlatus im Umweltministerium Norbert Röttgen. Wenn jemals ein Bild für Opportunismus gebraucht, dann ist ein Foto von ihm die richtige Wahl. Volker Kauder saß in Talkshows und hat, zugegeben etwas verkürzt, gesagt nur russische Atomkraftwerke, richtiger wäre sowjetische, würden kaputtgehen. Dann passiert in Folge einer Naturkatastrophe Fukushima. und unser aller Kanzlerin verkündet ein Moratorium, das zum jetzigen Atomausstieg führte. Haltung kann ich da nicht erkennen, nur viele Haltungen. ich finde es sogar symptomatisch für den Merkelschen Politikstil. Erst still halten und dann eingebungshaft irgendwas in Gang setzen, was opportun erscheint. Oft ohne richtige Rücksprache mit anderen. Im Falle der Flüchtlinge ist es letzten Endes ähnlich. Sie hat da ohne jeden Zweifel menschlich reagiert, aber ihre Regierung, wie fast alle anderen europäischen auch, hat das Problem mindestens ein Jahr lang ausgeblendet oder sich bestenfalls auf Dublin 3 zurückgezogen. Italien und Griechenland haben da aber schon lang um Hilfe von der EU gebeten, weil sie der schieren Menge an Menschen nicht mehr Herr wurden. Zugegeben kann sie aber sehr rigoros sein, wie man in der Finanzkrise sehen konnte. Unter anderem diese Rigorosität hat uns ja die AFD gebracht.

  21. Zum Thema “diese Menschen aus aller Welt”(40:48)
    “Italien, USA, Afrika,…Portugal, Türkei, Griechenland….”
    Es werden Länder aufgelistet, aus denen Zuwanderer stammen und dazwischen ein ganzer Kontinent, der leider viel zu häufig als Land bezeichnet wird. Ich denke ich muss nicht explizit erklären wo ich das Problem sehe. Afrika als Land zu bezeichnen oder in einer Auflistung von Ländern zu erwähnen ist schlicht gesagt falsch und sehr ungeschickt. Anstelle könnte man zum Beispiel afrikanische Staaten/Länder sagen.

  22. 26. März 2018 um 13:08 Uhr
    Johannes Burgel

    Was mir beim Thema Abtreibung wieder gefehlt hat (und das ist jetzt ganz wertungsfrei, ich als Mann werde das Problem nie haben, also sollen das die Frauen untereinander ausmachen): Weder die genannte Zahl (~100.000 Abtreibungen pro Jahr) noch die Argumente wurden in Relation gesetzt.

    Wir hatten letztes Jahr fast 800.000 Geburten, allerdings endet etwa jede dritte Schwangerschaft mit einer Fehlgeburt. Wenn man alles zusammennimmt, liegt die Zahl der Schwangerschaften (erfolgreich bzw. natürlich/künstlich abgebrochen) bei so um die 1,3 Millionen pro Jahr, würde ich jetzt mal sagen. Demnach würden also etwa ~8% der Schwangerschaften abgetrieben. Das klingt nach nicht viel, und wenn die Frauen das Gefühl haben, dass es das Kind bei ihnen nicht gut haben würde, dann ist es wahrscheinlich auch besser, man ignoriert diese ~8% einfach und freut sich über die 800.000 Kinder.

    Allerdings machen die von beiden Seiten so gerne thematisierten Fälle – Abtreibung aus medizinischen Gründen, Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung, Abtreibung wegen Behinderung – nicht mal vier Prozent der Abtreibungen aus. Auf das Horrorszenario Vergewaltigung entfielen 2014 nur 41 Fälle in ganz Deutschland.

    Überspitzt könnte man es also so formulieren: Abtreibungen kommen eh kaum vor, die meisten Bundesbürger kennen wohl keine Frau, welche schon mal abgetrieben hat, und es kommt leicht das Gefühl auf, dass diese Frauen “keinen guten Grund” für die Abtreibung haben, sondern einfach nur “herumhuren”/zu blöd zum Verhüten sind/sich aus der Verantwortung stehlen wollen/zu dumm für eine gute Beziehung sind/etc. Wenn ich mir unser Wahlvolk so anschaue, dann habe ich zumindest das Gefühl, dass viele Leute am Ende des Tages so denken. Es freut sich ja z.B. auch bei Weitem nicht jede Mutter über ihr Kind, für viele kommt eine Abtreibung aber halt nicht in Frage. Frei nach dem Motto: “Wenn ich das Balg jetzt 20 Jahre an der Backe haben muss, warum soll die da drüben dann abtreiben dürfen?”

    (Hauptquelle: http://www.pro-leben.de/abtr/abtreibung_daten.php)

    • die meisten Bundesbürger kennen wohl keine Frau, welche schon mal abgetrieben hat,

      Das denke ich allerdings nicht, es treiben ja nicht immer die gleichen Frauen ab. Wenn wir die heutige weibliche Bevölkerung nehmen, also ca. 40 Millionen, und uns einen Zeitraum heraussuchen: Zum Beispiel, wer heute an der statistischen Lebenserwartung von 80 Jahren ist, war genähert vor 40 Jahren das letzte Mal in der Situation ggf. eine Abtreibung zu benötigen. Nehmen wir diesen Zeitraum, 1978-2018, dann können wir für Frauen über 80 Jahre und prämenarchale Kinder (als 10 Jahre und jünger) mindestens 5 Millionen abrechnen, also 35 Millionen. Gehen wir von 100.000 Abtreibungen pro Jahr aus. (Kann man denke ich rechtfertigen. In der DDR war der Schwangerschaftsabbruch bis zur Dreimonatsfrist in dem Zeitraum durchgängig legal. In der BRD ist es komplizierter aber Frauen haben in jedem Fall abgetrieben. Und die Zahlen waren zwar früher höher, genauso wie bei vergleichbarer Bevölkerungsgröße der Anteil Frauen im gebährfähigen Alter, aber ich habe auch keine Vorstellung von der Häufigkeit von wiederholter Abtreibung.) In 40 Jahren ergibt das 4 Millionen Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchgeführt haben. Das sind wiederum ca. 10% der heute lebenden Frauen zwischen 10 und 80 Jahren. Nun kennt jeder Deutscher sicher zehn Frauen aus dieser Gruppe. Anhand der groben Überschlagung sollte also im Mittel jeder Deutsche mindestens eine Frau kennen, die eine Abtreibung hatte.

      Wenn du mit “kennen” allerdings “weiß von einem Schwangerschaftsabbruch bei einer Bekannten” meinst, habe ich gerade meine Zeit verschwendet. :D

  23. Ist es eigentlich Sexismus, wenn man sich bei Frau Scharrenbach über die Jacke lustig macht und bei Herrn Seehofer über die Inhalte seiner Rede?

    • Nein, weil es einfach andere Fälle sind. Hätte Horst Seehofer einen pfirsichfarbenen Janker getragen hätten wir das sicher auch erwähnt.

  24. Habt ihr schonmal darüber nachgedacht, die Kommentarlänge zu begrenzen?
    Eine Diskussion kann in meinen Augen nicht funktionieren, wenn jeder unendlich viel “Redezeit” hat, die man nicht unterbrechen kann. Ein 3000-Zeichen-Kommentar auf dem dritten Level bringt die Diskussion i.d.R. nicht voran, sondern erstickt sie.

    Einige Beiträge hier machen einfach den Eindruck, dass die Kommentatoren die Kommentarspalte anstelle eines eigenen Blogs verwenden.

    „Ich schreibe dir einen langen Brief, weil ich für einen kurzen keine Zeit habe.“

    • ja, ist was dran, andererseits sind die langen Kommentare häufig auch besonders wertvoll …

    • Das würde das Problem nicht lösen; dann würden die Leute nur mehr Kommentare schreiben (Part 0, Part 1 usw…
      Allerdings könnte man vielleicht anregen, dass man für jedes Thema einen eigenen Kommentar erstellen sollte – ich habe den Eindruck, das viele Leute ihre Kommentare extra zusammenfassen um das Forum nicht zuzuspammen; das geht allerdings massiv auf Kosten der Übersichtlichkeit.

      Langfristig tut IMHO ein neues Forum not (wo man bspw. einzelne Threads anklicken kann und nicht alle Kommentare auf einmal hat usw.). Das ist allerdings bestimmt mit einigem Aufwand verbunden; ich kann verstehen, wenn das geringere Priorität genießt.

      • Die Länge der Kommentare sehe ich nicht als Problem, aber eine Priorisierung mit Up-/Down-Voting wäre wünschenswert, Faltung von Threads auch. Vielleicht gibt es einen externen Service, der integriert werden könnte? Denn die aktuelle Kommentarlösung wirkt leider ein bisschen halbgar.

    • Im Gegenteil: Ich finde ja in Zeiten in denen BILD-Überschriften und Tweets die Debatte prägen längere Kommentare, die auch in der Sache in die Tiefe gehen, total erfrischend und wichtig.

  25. Eine kleine Frage, die etwas Offtopic ist: Ich bin jetzt schon einige Zeit Abonnent, weil ich Eure Arbeit unterstützenswert finde und auch, weil ihr sehr transparent mit Euren Einnahmen und Ausgaben umgegangen seid. Könnt Ihr da irgendwann nochmal ein Update zu geben? Soweit ich das (als Upperclass-Premium-Hörer) mitbekommen habe, hat sich das mit dem Werbung schalten ja zumindest in Grenzen gehalten. Also schließe ich daraus, dass die Unterstützung durch Spenden&Abos ganz gut ist.

    Keine Sorge übrigens: Solltet ihr in Geld ertrinken, werde ich Euch trotzdem die Treue halten ;)

    • Ich habe mich als Abonnent übrigens neulich gefragt, wann mehr Geld bei euch landet – wenn ich monatlich zahle (4,99 Euro pro Monat) oder jährlich (49,99 Euro pro Jahr). Ich mag monatliche Zahlungsweisen, aber ihr könntet mal sagen, was für euch besser ist.

  26. Der Islam gehört nicht zu Deutschland, ist schlicht undifferenziert. Den Eindruck zu erwecken, es sei die einzig sinnvolle Antwort ist falsch.

    Eine andere Antwort: Ideengeschichtlich ist der Islam, oder sollte man vielleicht die judeo-islamische Tradition sagen, enorm einflussreich in der Entwicklung Europas. Auch spezifisch für Deutschland, also nicht die deutschen Lande. Das entstehende Deutsche Reich hat seine nationale Identität über das Konzept der “Kulturnation” definiert. Die Entwicklung solcher Disziplinen wie Orientalistik und Altertumskunde, damit einhergehend die Beschäftigung mit islamischer Kultur, war Teil der intellektuellen Bewegung, die diesen Anspruch begründet hat. Und nach der Reichsgründung war die strategische Allianz mit dem Osmanischen Reich ein Fokus deutscher Außenpolitik.

    Eine andere Antwort: Deutschland als Nationalstaat existiert seit 1871, eine vermehrte Einwanderung aus islamischen Ländern haben wir seit den 1960er Jahren. 40 Prozent der Zeit, die das Land überhaupt besteht, hatte es muslimische Einwohner.

    Eine andere Antwort: Deutschland als moderner Staat existiert seit 1990. Es gab noch nie eine Zeit ohne Moslems und eine verwurzelte islamische Migrantenkultur. Es haben auch beide Landesteile dazu beigetragen: Der eine hat eine Mauer gebaut und der andere billige Arbeitskräfte dann eben woanders abgeworben.

    Eine andere Antwort: Es gibt in diesem Moment eine größere Zahl Menschen in Deutschland, die hier ihre Heimat haben und deren Kultur islamisch geprägt ist. Jemand erkennt an, dass diese Menschen zu Deutschland gehören: Es scheint unausweichlich, dass damit ihre Kultur auch Teil des Landes ist. Und wenn das so ist, könnte man doch eigentlich auch sagen, der Islam gehört zu Deutschland. Auf die gleiche unpräzise Art und Weise mit der man vom Islam oder Christentum so spricht, als ob sie über tausend Jahre alte perfekt konservierte Ideensammlungen wären.

    Ich hatte nie Wohlwollen übrig für die Selbstüberschätzung vieler Christen bezüglich der ideologischen Bedeutsamkeit ihrer Religion. Dabei gehört Horst Seehofer noch nicht mal zu dem Teil des Christentums, der für die Anomalie der europäischen geschichtlichen Entwicklung verantwortlich sein soll. Aber die kulturelle Prägung mit “der freie Sonntag, kirchliche Feiertage und Rituale wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten” zusammenzufassen, empfinde sogar ich als geradezu traurig in seiner Dürftigkeit. Also eigentlich muss man annehmen unser Heimatminister, Museumsdirektor und selbsternannter Kulturwächter wollte hier nur provozieren und Sympathiepunkte bei bestimmten Wählerschichten sammeln, denn sonst könnte leicht der Verdacht aufkommen, der intellektuelle Horizont reicht nicht viel höher als man einen Maßkrug heben kann.

    • Ich will dazu eine kontroverse Aussage treffen:

      Wieso überhaupt irgendwelchen Religionen irgend etwas erlauben? Wieso dürfen die Christen mich Sonntag morgen mit ihren Kirchenglocken aus meinem wohlverdienten Schlaf reißen? Wieso erlauben wir der christlichen Religion, uns allen vorzuschreiben, wann wir abends feiern dürfen und wann nicht (Karfreitag z.B. nicht).

      Ich sehe da absolut keinen Unterscheid zu anderen Religionen dieser Welt, die sich in Deutschland tummeln. Sie können gerne in ihrem eigenen Bereich tun und lassen was sie wolen (solange sie sich auch hier an unsere Gesetze halten), aber im öffentlichen Raum hat man sich an die gestezlichen Regeln zu halten. Und diese Gesetze dürfen dann auch nicht zur Durchsetzung einzelner Religionsgruppen missbraucht werden.

      Aber soweit sind wir wohl leider noch nicht. Es ist schon komisch dass besonders in den christlich geprägten westlichen Ländern immer weniger Leute religiös bzw. kirchlich organisiert sind, und wir dennoch von einigen Hardlinern dieser Gruppierungen vorschreiben lassen was in deren Augen ok ist und was nicht.

      • Finde ich auch.

        Ich verstehe das Recht auf Religionsfreiheit auch das recht auf Freihet vor Religion.

    • Dass schon in der vorigen Sendung auf diese spezielle Aussage derart eingegangen wurde hat mich beinahe erschrocken. Da steht dieser Horst und dropt diverse Aussagen. Jede, darunter auch die BILD, nimmt sich die Aussage, die dem eigenen Milieu am meisten zusagt. Welch einen Gefallen wir diesem Menschen damit tun. Ich würde sagen voll drauf reingefallen.

      Wenn eine solche Aussage dekonstruiert wird oder diskutiert wird, dann fehlt mir leider so ein Ansatz wie André(s.o.) wählt.

      „Islamische Erfindungen“ beeinflussen unser Leben jeden Tag. „Unser“ Zahlensystem, die Zahnbürste, etc..
      Beispiel:

  27. Facebook sollte auf den Skandal mit einer Transparenzoffensive antworten. Es müsste eine ohne große Hürden einsehbare Online-Akte geben, aufzurufen über die bemalen FB-Menüs. Dort sollte ganz genau aufgeschlüsselt werden welche Daten gesammelt wurden und welche Anwendungen diese abgerufen haben. Übersichtlich dargestellt mit Kategorien, sodass ich mir schnell einen Überblick verschaffen kann was Facebook so weiß. Gleichzeitig sollte es eine Lösch-Funktion geben für alle Einzeleinträge: als Mensch sollte ich volle Alteneinsicht bekommen und das Recht sie zu verändern. Vielleicht keine eigenen Einträge setzen im Sinne aktiver Manipulation, aber löschen sollte möglich sein. Immerhin. Facebook sieht Daten als eine Ware und sich selbst als größtes Kaufhaus für diese Ware? Dann möchte ich als Lieferant bitte selbst entscheiden was genau ich liefere und was ich lieber nicht teilen möchte.

    • Leider haben wir kein “Wünsch-Dir-Was” bei Facebook. Wieso sollte Facebook irgendetwas an ihrer Strategie ändern. Läuft doch alles, medial wird der ganze Dreck über Cambridge Analytica abgeworfen (nicht falsch verstehen, das sind in meine Augen auch alles zwielichtige Gestalten).

      Und als allererstes müssten erst einmal alle aneren Webservices reagieren und die Facebook Like-Buttons entfernen oder entschärfen (wie es z.B. Heise tut), denn viel schlimmer als das Tracking der nutzer, die Facebook freiwillig nuten, ist das Tracking von allen anderen Internetnutzern durch Like-Buttons auf fremden Webseiten.

      • Oder die Regierung von Bund und EU übernehmen ihre Verantwortung und regulieren die großen Internetkonzerne. Prinzipiell sollte bei jedem Anbieter, der Daten über mich sammelt, diese Funktion ohne große Hürden verfügbar sein: freier Zugang zu den über mich erfassten Informationen, die Möglichkeit zu löschen und den Zugang hierzu differenziert zu beschränken. Dazu könnten die EU die Unternehmen ja einfach zwingen. Von alleine wird sich bei Facebook nichts bewegen, das sehe ich so wie sie. Das wäre doch mal eine Anregung für eine Staatsministerin für Digitales.

      • Vielleicht sollte man das noch etwas konsequenter denken. So wie es im Unternehmen betriebliche Mitbestimmung durch Arbeitnehmer gibt um deren Perspektive in die Gestaltung der Strategien mit einzubringen, könnte man von großen sozialen Plattformen „Nutzervertreter/-innen“ fordern – etwa im Aufsichtsrat. Diese könnten innerhalb eines Landes vielleicht sogar von allen Nutzern gewählt werden, um dann eine demokratisch legitimierte Kontrolle zu installieren. Immerhin kann man die Teilnahme an Facebook auch als aktive Arbeit im Sinne der Datengenerierung verstehen: ich trage Informationen ein, like, teile – und leiste damit Datenarbeit. Man müsste diese Personen natürlich entsprechend Betriebsräten auch mit gewissen Rechten ausstatten, damit sie wirklich etwas bewirken können.

  28. Zum Thema “uberfahren”:

    Leider habt ihr da auf ganzer Linie ins Klo gegriffen (ich nehme die für sich schon zweifelhafte Wahl des Titels jetzt einfach mal als Hint, dass ich mich in meiner Kritik an euch auch etwas derberer Sprache bedienen kann). Ihr habt in eurer ganzen “Aufbereitung” leider NICHT EIN EINZIGES FAKTUM korrekt wiedergegeben und im Wesentlichen den Diskussionsstand von Montag unmittelbar nach dem Unfall replayed. In der Frage nach gesellschaftlichen Folgen pustet ihr dann natürlich erwartbar auch ins völlig falsche Horn. Aber nun der Reihe nach – erst mal die Fakten Stand heute:

    – Das Video, auf das ihr euch bezieht, steht nicht nur “bei Auto, Motor und Sport”, sondern wurde offiziell von der Tempe Police herausgegeben. Es steht jetzt quasi “überall”.

    – Was inzwischen auch überall steht, sind “Gegendarstellungen” von ortsansässigen Autofahrern, die in darauffolgenden Nächten die exakt selbe Stelle abgefahren sind, um sich selbst ein Bild von der Sicht am Ort zu machen. User benedikt hat oben bereits den Link auf die exzellente Zusammenfassung von Ars Technica gepostet: https://arstechnica.com/cars/2018/03/police-chief-said-uber-victim-came-from-the-shadows-dont-believe-it/

    – In diesen Videos sieht man das, was einem als Autofahrer eigentlich von Anfang an klar sein sollte, wenn man jemals irgendwo nachts unterwegs war: ein Mensch sieht dank des exzellenten Dynamikumfangs seiner Augen erheblich mehr, als nur den winzigen, direkt von den Scheinwerfern erhellten Teil der Straße. Insbesondere, wenn Straßenlaternen am Ort sind, wie hier in Tempe, aber selbst auf völlig unbeleuchteter Straße kann ein Mensch problemlos große Hindernisse auf weit größere Entfernung wahrnehmen, als die in dem Unfallvideo gezeigte. Das Video stellt die Situation ganz offensichtlich sowohl aufgrund der unterlegenen Eigenschaften der Kamera bezüglich Dynamik als auch aufgrund einer vermuteten, bewussten Unterbelichtung (um nicht durch Straßenlaternen und entgegenkommende Fahrer direkt gar nichts mehr in der Kamera zu erkennen) völlig anders dar, als ein menschlicher Fahrer sie gesehen hätte.

    – Aber selbst wenn man mal das Video beiseite lässt, was man tunlichst machen sollte, wenn man in der Diskussion irgendwie weiterkommen will, stellt sich die Frage: warum haben weder LIDAR noch RADAR, beide verbaut in den Uber-Autos, nicht zu einem Ausweichen oder Bremsen geführt? Das Auto machte nicht einmal den Versuch, die Situation irgendwie abzuwenden. Speziell das Laser-Messsystem (LIDAR) profitiert sogar von der Dunkelheit und ist definitiv in der Lage gewesen, die Frau glasklar wahrzunehmen – sagt der Hersteller des Systems: https://www.bloomberg.com/news/articles/2018-03-23/sensor-supplier-to-self-driving-uber-defends-tech-after-fatality – und der wirft mit dieser Aussage quasi seinen Kunden Uber vor den Bus, weil darin unverhohlen die Aussage “der Fehler muss auf der Seite von Uber liegen” steckt. Etwas derartiges macht ein Unternehmen nur, wenn es sich tausendprozentig sicher ist – was hier der Fall sein dürfte, denn auch alle unabhängigen Experten auf dem Gebiet sind der Meinung, dass dies ein Paradebeispiel ist, bei denen LIDAR seine Fähigkeiten ausspielen kann.

    – Auf die Frage nach dem konkreten Grund für das Verhalten des Wagens gibt es derzeit noch keine Antwort. Das NTSB (National Transportation Safety Board) hat sich in die Untersuchung eingeklinkt, weil es hier um Fragestellungen geht, die die grundsätzliche Verkehrssicherheit in den USA betreffen, nicht nur einen konkreten Unfall. Das ist momentan aus meiner Sicht der einzige Lichtblick hier: die bekommen sämtliche Sensordaten und haben, anders als die lokale Polizei (dazu gleich mehr), wenig Grund, über die Maßen “uber-freundlich” zu agieren.

    – Die lokale Polizei hingegen ist in meinen Augen als befangen zu betrachten. Einerseits haben sie sich mit den frühen Aussagen an die Presse bezüglich “hätte auch ein Mensch nicht sehen können”, “kam plötzlich aus dem Schatten” und so weiter, die inzwischen ALLESAMT widerlegt sind, ebenso wie mit der zweifelhaften Veröffentlichung dieses sehr missverständlichen Videos überhaupt nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Andererseits hat es einen Grund, warum dieser Unfall in Arizona geschehen ist: Arizona gilt als “der wilde Westen” der Robocar-Entwicklung, weil dort praktisch jeder praktisch ohne Beschränkungen selbstfahrende Autos auf die Straße schicken darf. Viele andere Bundesstaaten erlauben derartiges entweder gar nicht oder erlegen den Firmen zumindest eine Registrierungs- und Reporting-Pflicht auf. In Kalifornien beispielsweise muss jeder Betreiber zumindest regelmäßig Informationen zur Anzahl menschlicher Eingriffe und zu geschehehen Unfällen veröffentlichen – etwas derartiges gibt es in Arizona nicht, was nach einem Bericht der New York Times (https://www.nytimes.com/2018/03/23/technology/uber-self-driving-cars-arizona.html), der sich auf geleakte interne Uber-Dokumente bezieht, der Grund dafür war, dass Uber seinen Testbetrieb dorthin verlagert hat und daher bis heute nicht ein einziges Mal öffentlich Zahlen hat herausgeben müssen, die ermöglichen könnten, eine Ahnung von der realen Sicherheit ihrer Test-Wagen zu bekommen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

    So, das wäre die aktuelle Faktenlage. Aus dieser ergeben sich definitiv Ansatzpunkte für gesellschaftliche Diskussionen, die mehr als überfällig sind – aber sorry, das ist garantiert nicht der tausendste Aufguß des Trolley-Problems, das ihr in eurer Folge nun zum tausendundeinsten Mal wiedergekäut habt! Diese Problematik mag für Geisteswissenschaftler ein interessantes Gedankenspiel sein, hat aber weder für die Ingenieure, die die Autos bauen, noch für die Gesellschaft aktuell irgendeine Relevanz. Ersteres hängt damit zusammen, dass die Entscheidungsfindung dieser Wagen nicht derarig plakativ “programmiert” wird, wie dieses Problem es suggeriert. Und letzteres liegt daran, dass wir aktuell schlicht vor einer sehr viel fundamentaleren und – wie man an diesem Unfall nun erstmals sieht – konkret Menschenleben gefährdenden gesellschaftlichen Fragestellung stehen, nämlich: “Sollen wir es Unternehmen ermöglichen, Gewinne (Technik-Weiterentwicklung) zu privatisieren, während die Kosten (Tote Menschen) sozialisiert werden, indem die öffentliche Verkehrsinfrastruktur als billiges Testumfeld für Beta-Software mißbraucht wird – inklusive aller normalen Verkehrsteilnehmer, die unwissentlich als Crash-Test-Dummies agieren?”.

    Bis dato gibt es keine statistischen Daten, die auch nur annähernd nachweisen würden, dass heutige selbstfahrende Autos – also das, was da heute getestet wird – auch nur in die Nähe der Sicherheit von menschlichen Fahrern kämen. Diese kann es derzeit auch noch gar nicht geben: statistisch stirbt ein Mensch alle 85 Millionen gefahrenen Kilometern auf US-Straßen. Dabei sind wirklich alle Verkehrsbedingungen eingerechnet, in denen Menschen so fahren. Selbstfahrende Autos, selbst wenn wir alle Firmen zusammen nehmen, liegen noch Faktoren unter diesen 85 Millionen gefahrenen Kilometern, und selbst die sind vor allem in einfachen klimatischen Umgebungen abgefahren worden. Wenn die Statistik also derzeit überhaupt irgendwas sagt, dann dass selbstfahrende Autos um ein Vielfaches gefährlicher als von Menschen gesteuerte sind!

    Wieso also erlauben wir es Unternehmen, dieses vorhandene Gefahrenpotenzial auf Verkehrsteilnehmer loszulassen, die sich weder dagegen entscheiden können, an diesen “Tests” teilzunehmen, noch werden sie in irgendeiner Form dafür kompensiert? Ich vergleiche die Situation gern mit der Lage der Pharmaindustrie: die kann auch nicht einfach hingehen und ein neues Medikament mit dem Argument “aber es wird (vielleicht, bestimmt!) irgendwann mal Leben retten, und außerdem glauben wir, dass es jetzt schon voll sicher ist” in Restaurants heimlich ins Essen tausender Kunden mischen, weil das ja die Entwicklung total beschleunigen würde und außerdem noch wunderbar günstig wäre! Nee, da haben wir als Gesellschaft einen Riegel vorgeschoben und strikte Regularien bezüglich Tierversuchen, wissenschaftlich fundierten Testreihen und Nachweispflichten und schlussendlich aufwendigen klinischen Tests mit über die Risiken aufgeklärten, darin einwilligenden Teilnehmern erlassen. Klar, das ist teuer für die Unternehmen, aber es funktioniert und ermöglicht ethisch zumindest halbwegs verträgliche Entwicklung von potenziell hochgradig gefährlichen medizinischen Technologien.

    Ich sehe keinen Grund, warum das nicht auch für selbstfahrende Autos derartig gehandhabt werden sollte. Sollen die Firmen eben ganze Städte aus dem Boden stampfen (China hat schon eine Menge Geisterstädte, riesige Planstädte, in denen alles ausgebaut ist, aber nun keiner wohnt, und die USA haben zumindest mehr als genug Platz für derartiges) und mit Stuntmen und -women füllen, die dafür bezahlt werden, sich erratisch zu verhalten und die Autos am laufenden Band mit gefährlichen und schwierigen Situationen zu konfrontieren. Da können sie dann einige hundert Millionen Kilometer runterreißen und so empirisch nachweisen, dass ihr aktueller Entwicklungsstand tatsächlich eine Sicherheit zu liefern verspricht, die zumindest auf dem Level eines menschlichen Fahrers liegt. Ab da kann man dann drüber diskutieren, die Tests auf öffentlicher Infrastruktur fortzusetzen – aber doch nicht auf der Basis von durch nichts gestützten Versprechungen, die im Grunde nur an den Glauben an Technologie und den technischen Fortschritt appellieren, der gerade auch bei vielen in unserer Filter-Bubble sehr verbreitet ist (ich habe euch z.B. auch mantraartig dieselben “Argumente” – richtiger wäre “Behauptungen” – runterbeten hören, die man immer hört). Ein bisschen mehr kritische Betrachtung tut hier Not!

    • Was ist denn das für ein übellauniger Kommentar? Es mag ja sein, dass andere Medien andere Thesen präsentieren. Aber derart aggressiv muss man deswegen nicht formulieren.

      Zumal Du Dich an Dingen abarbeitest, die wir nicht gesagt haben: Wir haben z.B. nicht behauptet, dass das Video NUR bei Auto, Motor und Sport steht, sondern eben AUCH, was schon einigermaßen bizarr ist. Und wir haben auch NICHT behauptet, dass ein menschlicher Fahrer den Unfall nicht hätte vermeiden können. Sondern wir haben gesagt, dass es nach dem Video SO AUSSIEHT, und ausdrücklich darauf verwiesen, dass das alle möglichen Gründe haben kann.

      • In der Tat, ihr behauptetet nicht, dass es NUR da wäre, sondern nahmt das als Vorlage, um den “uberfahren”-Wortwitz noch eine Umdrehung weiter zu treiben (“nicht lachen – Auto Motor und Sport” *gelächter aus dem Publikum*). Was ihr aber auch nicht habt, ist die eigentliche Quelle des Videos zu benennen – was unter Informationsaspekten möglicherweise wichtiger sein könnte als eine der tausend Seiten zu erwähnen, auf denen das Video AUCH ist.

        Ich möchte mich auch gar nicht an diesem einen Detail abarbeiten, sondern die Tatsache kritisieren, dass ihr hier sehr, sehr oberflächlich vorgeht und eben gerade NICHT die Nachrichtenlage einordnet, sondern unreflektiert wiedergebt, was am Montag und Dienstag in den Sensationsmedien getitelt wurde – und das ist, so verstand ich es zumindest, weder euer Anspruch noch der Grund, warum man die Lage hören sollte. Dass der Diskurs zu dem Thema schon einige Umdrehungen weiter ist und insbesondere die ganzen frühen Medienberichte inzwischen nur noch als irreführend bezeichnet werden können, hätte in eine sinnvolle und aktuelle Einordnung definitiv gehört. Dann hätte sich auch viel eher die ethische Frage nach einer dringend notwendigen gesellschaftlich akzeptablen Herangehensweise für das Testen der – aktuell offenbar dem Menschen definitiv noch nicht überlegenen – Robocars aufgedrängt statt der “wenn da 10 Radfahrer sind und da ein Kind, was fahre ich um”-Frage, die schon überall bis zum Erbrechen diskutiert wurde und wie gesagt für die Entwicklung der Autos absolut keine Relevanz hat. Es ist ja schön, wenn alle gerne selbstfahrende Autos hätten, hätte ich ja auch gerne, aber sollten wir uns nicht langsam auch mal Gedanken machen, wie der Weg dorthin verlaufen soll und wie wir mit den Dingern umgehen, so lange sie noch so weit entfernt vom übermenschlichen Fahren sind wie dieses Uber-Auto?

      • Insgesamt war der Abschnitt “Uber-fahren” wirklich schwach. Das Tesla-Bespiel war auch falsch. Dabei handelte es sich nicht um ein “selbstfahrendes Auto”, sondern der Fahrer hatte den “AutoPilot” aktiviert, welcher in der Ausbaustufe nicht zum selbstfahren geeignet ist.

        Bei mir habt ihr auch klar den Eindruck erweckt, dass ihr den Unfall für unabwendbar haltet.

        Insgesamt gilt hier wieder, eine “Lage Live” ist sehr viel schlechter als die anderen. Viel zu launig und gekrampft witzig. Ihr sollte euch damit abfinden das ihr keine Entertainer seid. Der Tiefpunkt war zum Schluss das gemeinsame “Cambridge Analytica”. Da war schon was fremdschämend angesagt.

        P.S. Gilt die Werbung für das GFF Crowdfunding als Werbung, falls ja wäre eine Kennzeichnung schön.

      • 27. März 2018 um 10:53 Uhr
        tt.kreischwurst

        Liebes Lageteam,

        Nein Rene’s Kommentar ist nicht aggressiv und macht auch keine Unterstellungen sondern trifft den Nagel auf den Kopf. Eure Einschätzung war von vorne bis hinten daneben. Sowohl auf sachlicher Ebene als auch die Präsentation.

        Was das sachliche angeht hat Rene eigentlich schon alles gesagt. Die Fußgängerin hatte schon eine Fahrbahn überquert bevor sie überhaupt in die Nähe des Autos kam (sie kam also von der ‘langen’ Seite beim überqueren der Straße und nicht plötzlich von der kurzen Seite). Sowohl LIDAR als auch RADAR MUSS das ‘sehen’. Wir reden hier von Technologien die nicht an Licht im sichtbaren Spektrum gebunden sind und auch keine Reichweitennachteile haben (wie z.B Infrarotsensorik die das Auto meines Wissens auch hatte).
        Unabhängige Experten die in diesen Bereichen forschen als auch Hersteller von Komponenten in diesem Bereich haben komplettes Unverständnis gezeigt. Aus Sicht der Maschine reden wir hier von einem Objekt das sich quer zum heranfahrenden Auto bewegt. Besser geht es eigentlich nicht für die Sensoren. Es ist hierbei egal (oder sollte egal sein) ob es sich um einen Menschen oder z.B. ein liegengebliebenes Fahrzeug handelt. Hier gibt es ganz klar Versäumnisse in der Technik die große Fragen aufwerfen. Das Versprechen des sicheren autonomen Fahrens ist nicht unbegründet, aber man muss erst mal dahin kommen. Es ist jetzt zu klären ob dies ein Uber-spezifisches Problem ist oder generell dafür gesorgt werden sollte dass Testbedingungen verschärft werden.

        Auch hier spricht Rene einen wichtigen Punkt an. Es hat sich da ein hype entwickelt auf allen Seiten (Hersteller, Politik, Konsumenten) dass man ja schnell autonome, selbstfahrende Lösungen haben möchte als Antwort auf alle möglichen Probleme. Und hier wird fälschlich das zukünftige Versprechen des sichereren Verkehrs gegen den Ist-Zustand aufgewogen. Man muss erst genügend Daten haben und einige Entwicklungszyklen (Soft- als auch Hardware) bevor man da hinkommt. Im Moment fahren einige Hersteller (ich bin mir nicht bei allen (z.B. Waymo) sicher) bei schlechten Witterungsbedingungen nicht. Auch werden Baustellen und Rushhour traffic vermieden. Das muss ein ‘echtes’ (also lvl 4) selbstfahrendes Auto aber können. Jetzt hat aber ein Betreiber schon Probleme auf eine größtenteils leeren Straße einen Fußgänger mit Rad zu erkennen.

        Was eure Präsentation angeht fand ich das auch doch schon ziemlich flapsig. Der Wortwitz war schon sehr grenzwertig und auch die Sache mit AutoMotorSport empfand ich war einfach nur auf Publikumsreaktion ausgelegt. Das Video war bekanntermaßen von der örtlichen Polizei veröffentlicht worden und man konnte es in praktisch allen Artikeln zu diesem Vorfall eingebettet finden. Da fragt man sich als Hörer dann schon warum ihr AutoMotorSport herausgreift.

        Rene hat hier einen sehr guten und wichtigen Beitrag mit abgeliefert und die Kritik war in keiner Weiße daneben (schon gar nicht aggressiv).

        Den Schuh müsst ihr euch anziehen.

    • Ich schließe mich der Kritik an. Die Diskussion zu diesem Crash war ziemlich flach.

      Entweder ist das ein Unfall, wie er halt vorkommt. Warum berichtet mann darüber? Oder es ist ein wichtiges Ereignis – aber dann muss man schon etwas tiefer bohren, so wie Rene dies in seinem Beitrag vorgeführt hat.

  29. Bei Heise. de wurde vorgestern ein sehr guter Kommentar von Kai-Fu Lee veröffentlicht:

    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Erzaehlt-uns-nicht-KI-wuerde-keine-Arbeitsplaetze-zerstoeren-4000630.html

    Da es noch niemals geschehen ist, dass der Mensch eine technologische Entwicklung bewusst nicht vollzogen hat, obwohl sie möglich geworden war, gibt es nur eine Konsequenz: Der maschinell produzierte Wohlstand muss nach völlig anderen Prämissen verteilt werden, als dies bisher geschieht. Die wirtschaftliche Existenzberechtigung und sogar wirtschaftlicher Wohlstand dürfen nicht mehr an den Besitz von Arbeit gekoppelt werden. Wenn ohnehin genug produziert wird, damit alle in Wohlstand leben können, dann haben auch alle ein Recht darauf, in Wohlstand zu leben.

    Jede andere Schlussfolgerung wäre zutiefst inhuman und würde als zu Ende gedachte Dystopie in eine Gesellschaft führen, in der eine immer kleinere Schicht der Arbeitsbesitzenden sich gegen ein schnell wachsendes Heer an Almosenempfängern wehren muss. Eine menschliche Existenz muss aber außerhalb von Almosen möglich sein, wenn die menschliche Arbeit zur Existenzsicherung gar nicht mehr benötigt wird.

    Die logische Schlussfolgerung ist langfristig eine soziale Grundsicherung deutlich über Existenzminimum und orientiert an der wirtschaftlichen Leistung der Makroökonomie, nebst zahlreichen Programmen, die ein sinnhaftes Hineinwachsen in eine Gesellschaft unterstützen, in der der Besitz von Arbeit keine positive oder negative soziale Marke mehr ist. Sondern nur eine weitere, mögliche Beschäftigung FÜR die Gesellschaft.

    Genau das ist in meinem Freundes- und Bekanntenkreis aktuell ein großes Thema und ich binde es jedem auf die Nase der/die es (nicht) hören will. Dabei erlebe ich so manches Mal, dass Leute die Problematik, die uns da bevor steht leider überhaupt nicht auf dem Schirm haben.
    Aber dagegen nenne ich hier gerne mal ein paar Beispiele aus dem realem, uns nahen Leben:

    Ich bin Inhaber einer Mediendesign-Agentur, wir sind mit Web-, Print- und Motion glücklicherweise breit aufgestellt, doch das ändert nichts an der Sache, dass jeder der mit seiner Website zu automatisierten Websiteanbietern wie Jimdo oder Wix geht ein potenziell verlorener Kunde ist – und das ist uns sogar schon jetzt mal passiert. Klar, noch ist das, was bei solchen Anbietern rauskommt ein Witz gegenüber dem, was wir anbieten. Aber zu glauben solche Automatisierungen würden nicht immer besser & mächtiger werden, wäre naiv – in 10, 15 Jahren werden die ein komplett anderes Niveau haben, egal in welche Richtung sich das Web entwickeln wird. Die ganzen reinen WordPress-Entwickler werden jedenfalls schon bald ein Problem haben. Und das ist nur ein Punkt, hier ein anderes Beispiel:
    Früher hat die Senderverteilung unserer TV-Spots mehrere Tausend Euro gekostet, denn da mussten Leute sitzen, die die Spots Frame-by-Frame prüfen, in die Formate der verschiedenen Sender bringen (Notfalls auf Band überspielen) usw. usf. Heute läuft von der QA bis zur Senderverteilung alles vollautomatisiert ab. Der Mensch schaut nur noch in Problemfällen drauf – und es kostet entsprechend nur noch einen Bruchteil von dem Preis von vor 4 Jahren – die Jobs sind weg.

    Meine Schwester arbeitet bei einer Bank am Schalter, seit knapp 30 Jahren, quasi unkündbar. Nunja, aber nur quasi, denn wenn es ihre Stelle in weniger (!) als 5 Jahren nicht mehr geben wird, weil auch ihre Bank automatisiert und Zweigstellen streicht – eine Comdirect kommt ja auch ohne aus – wird sie ganz schnell arbeitslos sein.

    Anderes Beispiel: Meine Freundin ist Übersetzerin in der Gamesbranche. Noch hat sie Glück, denn hier ist noch kreatives Übersetzen mit speziellen Sprachnuancen gefragt. Wer sich allerdings mal Deepl.com angesehen hat, weiß wo die Reise für Übersetzer hingeht. Texte ohne kreative Ansprüche werden bereits jetzt fast perfekt übersetzt. Für die Skeptiker: Einfach mal testen, die Seite ist sonstigen Übersetzungsseiten wie der von Google haushoch überlegen und lernt durch deep learning jeden Tag hinzu. Hier werden die nächsten Steps sein, dass Übersetzer zu Proofreadern degradiert werden, bevor sie irgendwann ganz von der Bildfläche verschwinden.

    Noch ein Beispiel gefällig? Ein Kumpel von mir arbeitet in einer kleinen IT Firma, die Netzwerke in mittelständischen Firmen aufm Land betreut. Auch hier gilt: Jeder Kunde, der „in die Cloud geht“ ist ein verlorener Kunde und damit haben sie bereits jetzt zu kämpfen.

    Oder wie wäre es mal mit „Bua, lern was gscheids und geh Jura (oder so) studieren!“. Danach bist du evtl. Steuerberater geworden – ein Job, der auf festen Regeln beruht, die auch locker eine KI übernehmen kann und schon bald wird es so kommen, dann laden wir all unsere digitalen Unterlagen irgendwo hoch und das wars auch schon mit der Steuererklärung. Schade ums Studium.

    Viele, viele Jobs aller möglichen Arten werden also aussterben und ich denke das Hauptproblem dabei wird sein, wie unvorbereitet wir darauf sind. Die breite Bevölkerung hat ja noch keine Ahnung, was da auf sie zukommt und stellt demensprechend weder die richtigen Fragen, noch die richtigen Ansprüche an unsere Politiker. Insbesondere dürfte es ein Problem werden, wenn erstmal all jene wie meine Freundin plötzlich keine Aufträge mehr finden – solche „kleinen“ Selbständigen werden zunächst wohl komplett durchs Raster fallen, keine Aufmerksamkeit generieren, aber riesige Probleme bekommen, wenn sie nicht flexibel auf die veränderte Arbeitswelt reagieren können. Im nächsten Schritt könnten die ersten Großentlassungen kommen und plötzlich hat das halbe Land kein Geld mehr. Und dann? Tja, dann triff es auch all jene die noch denken, sie hätten kein Problem mit KI-Automatisierung: Nehmen wir bspw. die Tourismusbranche. Gut, der Zugführer fällt natürlich schon weit früher raus, da der Zug autonom fahren wird. Aber Hoteliers oder Stewardessen müssen sich doch keine Gedanken machen? Service ist schließlich immer gefragt! Falsch gedacht, dann mit welchem Geld sollen die oben genannten denn noch verreisen, wenn sie arbeitslos sind oder den Job als Quereinsteiger mit deutlich geringerem Gehalt gewechselt haben?

    Ja, das klingt verdammt düster, dystopisch und pessimistisch. Aber wenn wir nicht aufpassen ist es leider nur eins: realistisch.

    • Das sind richtige Ideen, aber leider wird das Problem ignoriert. Außerdem würde für viele Menschen ihr Weltbild zusammenbrechen, denn die Meisten brauchen diese Schubladen um sich wohl zu fühlen.

    • Hartz IV ist offener Strafvollzug. Bei einer Straftat wie einer mittelschweren Körperverletzung darf die fällige Geldstrafe das pfändungsfreie Einkommen, also das Existenzminium, nicht antasten. Wenn man aber zu spät zum Laubharken antritt oder Pflichtbewerbungen nicht erledigt, dann bekommt man Sanktionen aufgebrummt, die auch auf das Existenzminimum zugreifen. Mit solchen Pflichtwidrigkeiten ist man also als einfacher Arbeitsloser unter Umständen übler dran als ein Straftäter.

      Ein Arbeitsmarkt, bei dem Arbeit und Kapital nicht auf Augenhöhe miteinander verhandeln, kann niemals funktionieren. Wenn man die verheerenden Wirkungen der Agenda 2010 stoppen und umkehren will, wird kein Weg an einer Re-Regulierung der Leiharbeit vorbeiführen.

    • Danke Dave für den ausführlichen Beitrag!

    • Super Beitrag Dave!

      Das Thema spuckt mir auch schon lange im Kopf herum. Was ich interessant finde ist, dass das Ganze an sich gar kein düsteres Szenario werden muss. Viele Jobs, die Menschen vielleicht heute nur machen, damit sie ein Auskommen haben und nicht, weil es sie erfüllt, würden durch Maschinen/KI/Roboter gemacht. Dadurch könnten diese Menschen sich Dingen widmen, die sie wirklich gerne tun. Niemand müsste mehr arbeiten, es könnten paradiesische Zustände werden.

      Das Problem ist sicherlich, wie Du schreibst, dass wir in unserer Gesellschaft auf diesen Wandel nicht vorbereitet sind. Von der Schule an sind wir doch sehr auf Leistung und Arbeit fokussiert. Wenn jedoch Leistung und Arbeit von Maschinen besser verrichtet wird als von uns Menschen, dann fehlt sowohl ein ökonomisches Konzept als auch ein gesellschaftliches. Was tut man mit seinem Leben, wenn einem von Kindesbeinen die Bedeutung der eigenen ökonomischen Leistung für den Selbstwert eingetrichtert wird?

      Ganz zu schweigen natürlich von dem Kernpunkt, dass eine Gesellschaft, in der ein Großteil der Mehrwertbeschaffung von Maschinen verrichtet wird nicht funktioniert, wenn davon nur die wenigen Besitzer dieser Maschinen profitieren.

      Ich denke auch, dass Konzepte für diesen Umbruch fehlen. Und vor allem fehlt die Debatte darüber. Das wäre doch sicherlich ein tolles Thema für Ulf und Phil! Insbesondere, weil es, zumindest langfristig, sehr eng mit der Debatte um soziale Gerechtigkeit und Hartz IV verknüpft ist.

      Je mehr Menschen sich mit diesem Thema beschäftigen, desto schneller kommt das (hoffentlich) in der Politik an.

      • Man sollte mal zwischendurch an jene Menschen denken deren Arbeitskraft dann trotz KI Revolution noch gebraucht wird und wie diese sich nicht als der letzte Deop vorkommen sollen wenn sie die Arbeit für den Rest der Menschheit erledigen. Schon jetzt werden die Leistungsträger der Gesellschaft durch den Staat nach Strich und Faden ausgeplündert. Warum sollte der Bauer von Morgen früh aufstehen um seine Drohnentraktoren zu koordinieren, während der Rest der Menschheit noch überlegt ob sie überhaupt aufsteht?
        Und seien wir ehrlich, die allermeisten Menschen werden nicht plötzlich ehrenamtlich oder künstlerisch tätig nur weil sie Zeit haben (sind ja die meisten Arbeitslosen heute auch nicht), sondern werden mehr oder weniger sinnvoll die Zeit totschlagen (oder ihre Mitmenschen, den Langeweile fördert bekanntlich Kriminalität).

  30. Moin!
    Das zweite Jahr Lage+ beginnt bei mir heute.
    Eine gute Gelegenheit ein großes Lob und weiter so auszusprechen!
    Höre zwar viel andere Podcasts und probiere immer wieder gerne neue aus, aber keiner wird so regelmäßig (zu zweit beim Sonntagsfrühstück) gehört wie die Lage.

    👏👌

    Beste Grüße
    Andreas

  31. perfides AfD-Verhalten

    Wenn Horst Seehofer so etwas sagt, wie “Der Islam gehört nicht zu Deutschland” und hinterher gesagt wird “Das ist ja aus dem Kontext gerissen”, dann erinnert das doch sehr an das Vorgehen der AfD, wo auch ständig rechte Statements geäußert werden und hinterher irgendwer sagt “Och, war doch gar nicht so gemeint”, “Das wurde aus dem Zusammenhang entrissen” oder “Ich bin von der Maus abgerutscht”. Scheinbar geht nun auch die Union so vor.

  32. Hallo Zusammen,

    zu dem Thema autonome Autos.
    Für mich trägt eindeutig Uber die Schuld an dem Unfall.
    Das Auto hätte selbstständig erkennen müssen, dass die Sensoren, speziell das Lidar keine richtigen Daten liefern und dann am Fahrbahnrand halten müssen.
    Lidar funktioniert nachts sogar besser als am Tag.
    Ein menschlicher Fahrer hätte Die Frau mir dem Fahrrad wahrscheinlich auch besser gesehen als in dem video zu erkennen ist, Kameras haben meistens einen schlechteren Kontrastumfang als das menschliche Auge.
    Die Fahrerin des Uber hat Ihren Job auch nicht gemacht, da sie ja wohl als Backup für das autonome System dienen sollte.
    Wobei ich mir das auch als schwere Aufgabe vorstelle, da man die Ganze Zeit aufmerksam sein muss aber die meiste Zeit nichts zu Tun hat.

    Viel Grüße
    Simon

    • Ich würde das als Fahrfehler sehen. Ich würde Sicherheitsabstand und Sichtweite nicht in Metern, sondern in Sekunden messen (rechnerisch halt Strecke/Geschwindigkeit). Mit einer Sichtweite von einer halben Sekunde fahren, blöde Idee. Das war gerade Strecke, kein Hindernis was die Sicht versperrt hätte, und sogar Laternen. Wer die Geschwindigkeit wählt (hier war das wohl die Automatik), muss dabei seine Sichtweite berücksichtigen.

      (Kleine Korrektur: Energie wächst nicht exponentiell mit der Geschwindigkeit, sondern “nur” quadratisch. Aus der Schule kennt man vielleicht noch E_kin = 1/2 m v^2. Die Aussage von Phillip, bei hohen Geschwindigkeiten macht eine kleine Differenz viel Unterschied, stimmt aber trotzdem. Ob man die erlaubten 56 km/h oder die tatsächlichen 64 km/h fährt, sind 30% mehr Energie und das kann gerne mal den Unterschied machen).

      • Hi Malte,

        mein Punkt war vor allem, dass so ein Lidar nach meinen Informationen auch, im dunkeln ca. 100m Reichweite hat, das hätte die Fußgängerin also definitv erkennen müssen.
        Wenn das Lidar nicht funktioniert hat, hätte sofort der Fahrer informiert und/oder ein Notstopp eingeleitet werden müssen.

        Viele Grüße
        Simon

  33. Großartig wie jede Lage Live!

    Nur das Foto ist etwas unvorteilhaft. :D

  34. Zum Ueber Unfall:

    Der Firmenname ist ja eine Anspielung auf Nietzsches Projekt Übermensch im Eigenversuch aber:

    Ganz klar bei Bremszeit schlägt jeder Computer die Menschen bei elektrischen Autos glaube ich noch heftiger, weil die Spannung bei Autos mit elektrischen Bremsscheiben noch schneller am Rad ist während durch ein menschliches Gehirn Bremsdruck auf einem Pedal in anderthalb Sekunden aufgebaut ist.

    Meine Kritik daran, dass der Mensch immer schlechter als die Maschine beim Fahren ist kommt aber aus der Bike Messenger Scene. Dort fährt man bewusst ohne Bremse lediglich wird kurzes skitten angewendet um Geschwindigkeit beim Abbiegen oder vor Kurven Geschwindigkeit runter zu nehmen in etwa wie auf einem Playstation Controller mehrmals die Bremse angetippt wird. Entscheidend ist aber lenken und vielleicht noch ein zwei drei Tritt mehr in die Pedale um auszuweichen und zu Manövrieren.

    Also man kann auch einen Crash mit einem von rechts querenden Fußgänger vermeiden indem man nicht einen zu späten Bremsvorgang einleitet, der dem Fußgänger Millisekunden gibt gibt, sondern Gas gibt und links auf die andere Seite ausweicht und ggf. auf die Gegenfahrbahn zieht und noch schnell genug wieder zurückkommt.

    So ein ähnliches Manöver kann man auch auf der Autobahn von der mittleren auf die dritte Spur vornehmen wenn jemand nach links aus fährt plötzlich und Verkehr im Nacken ist.

    • Moderne Autos (also herkömmliche Autos mit Verbrenner und hydraulischen Bremsen) haben oft Bremsassistenten die an bestimmten Parametern eine “Notfallbremsung” vereuxhen vorherzusagen und in solxhen Fällen den Bremsdruck im Vorfeld aufbauen. Diese Parameter können zum Beispiel sein abrupte Gaswegnahme oder ruckartige Lenkwinkeländerungen. Sowas ist oft schon Serie und im ABS Steuergerät fest verbaut.

      • Ist mir bekannt gab es schon vor 20 Jahren. Nein. wenn der Bremsweg aber zu lang ist Ist jedoch klar dass sich querende Fußgänger und geradeaus fahrender Fußgänger im rechten Winkel als Geraden treffen können. Die Kreuzung kann an einem Punkt durch Verringerung der Auto Geschwindigkeit erreichen und hoffen dass der Fußgänger schneller wird. aber man kann auch wenn man richtig viel Gas gibt und ausweicht dass der Fußgänger vom Auto mitgenommen wird. alternativ kann man auch die Sache verschlimmern indem man abbremst der Fußgänger aber links schon am Auto vorbei ist aber durch ein rüber ziehen beim Bremsen wird der Fußgänger trotzdem noch links erwischt

  35. Ich muss einfach nochmal kleinlig sein: Philip muss nicht das Publikum um Applaus bitten. Er muss lernen, dem Publikum wenigstens eine Sekunde zum Reagieren zu lassen.
    Ich glaube, er ist aus dem isolierten Studio gewohnt, möglichst keine Lücken/Pausen aufkommen zu lassen also: Wenn Ulf schon eine derart vorbildliche Begrüßung macht dann: Mut zur Lücke!

    • Ich muss auch kurz Nörgeln. Bei dieser Lage ist mir aufgefallen das die beiden ausgesprochen oft “übereinander” bzw gegeneinander geredet haben, das war irgendwie stressig und dem Format nicht angemessen.

  36. Zum Thema Abtreibung: Für mich und für viele andere auch ist es einer der schwierigsten moralischen Debatten. Ich kann, selbst wenn sie bis zu einem gewissen Grad willkürlich gewählt ist, die 12 Wochen Frist akzeptieren. Das ist wohl korrekt so und entspricht meiner Definition von „Selbstbestimmung der Frau“
    Wo ich aber enorme Bauchschmerzen habe ist die Abtreibung von geistig Behinderten bis zum Tag der Geburt. So kommt es, dass immer weniger Downsyndromkinder geboren werden, die nach heutigen Maßstäben zwar beeinträchtigt sind, aber durchaus mit oder teilweise auch ohne Unterstützung ein „normales“ Leben führen können. Dieses Thema ist für mich viel wichtiger als ein alberner Paragraph, der im Zweifel die Freiheit des Arztes einschränkt.
    Ein Wort zu Eva Högl, die sich angeblich seit Jahren gegen den Paragraphen einsetzt und deshalb besonders „sensibel“ reagiert. Wie erinnern uns: Das war die Frau, die bei der Trauerrede völlig die Kontrolle über sich und ihre Pietät verloren hat. https://m.youtube.com/watch?v=MKM316988tQ Daher kann ich die Frau nicht ernst nehmen.
    Witzig an ihrem „sensiblen Tweet“: sie beschimpft Ihre Gegner zwar mit „widerlich“, gendert dann aber das Wort „Lebensschützer“ mit dem unglaublich unleserlichen Gender Star. Sogar noch politisch korrekt ist die Frau wütend. Läuft bei ihr

    Zum Thema „Heino und die SS Lieder“. Mein Gott…. die Songs, die er ausgewählt hat, sind teilweise mehr als 100 Jahre älter, als das Nazireich. Diese, wie es von euch genannt wurde „Nazilieder“ zu bezeichnen, ist schlicht Unsinn. Die SS hat auch das Frankenlied gesungen, ein schlichtes Wanderlied. Dennoch würde keiner dieses Lied als „Nazilied“ titulieren. Warum wird es aber in dem Kontext gemacht? Nun, klar. Es geht um „Heimat“ was per se schon ein schwer verdächtiges Wort ist. Dann noch von Heino, der volksgefährdne Songs wie „schwarzbraun ist die Haselnuss“ und „Blau blüht der Enzian“ gesungen hat. Ergo: Naziministerium trifft auf Nazisänger, der Nazilieder der Naziministerin schenkt. Klar, was ich standesgemäß verlinken muss: https://m.youtube.com/watch?v=Q9YRbIjrF88
    Das reicht noch nicht mal für die Heute -Show
    @ Merkel: Wenn für euch schon ein Erfolg ist, dass Merkel nach 12 Jahren das erste mal „eine Meinung hat“ dann spricht das für den schlimmen Zustand dieser Regierung.
    – Thema Islam. Ihr habt es offensichtlich nicht verstanden. „Muslime gehören zu Deutschland,
    „ Ja. Und „Nazis gehören zu Deutschland“ ja. Aber weder der Nationalsozialismus noch der Islam gehören per se zu Deutschland. Ich bin froh, dass ihr diesen missglückten Vergleich gebracht hat. Denn beide Ideologien haben nichts mit diese Mit Land zu tun, wozu auch. Und, für mich als Atheist ist es eine Selbstverständlichkeit, dass keine Religion zu einem Land gehört, kein Gottesbegriff etc. Christliche Traditionen ja, Katholizismus nein. Und auch kein Islam.
    Interessant ist, dass ihr nach dem letzten gut gelungenen Cast über Seehofer nun wieder zurückrudert und meint, er würde damit Menschen ausgrenzen, wo er doch in dem Interview sehr differenziert war.
    -Zum Thema normativ: Ich finde es schon, dass es einen Grund gibt, warum ein Land nicht zu sehr islamisch wird. Denn je islamischere ein Land ist, desto grausamer geht es ds zu, desto unfreier ist die Gesellschaft. Türkei vor 20 Jahren war zb weniger islamisch, als heute. Und damals war es freier, in Istambul liefen Mädels im Top herum und es gab so etwas wie eine zaghafte Gay Community. Heute ist das alle Geschichte. Frauen verhüllen sich, Schwule verstecken sich. Also ist für mich normativ argumentiert, also wie die Welt sein soll, es völlig klar, dass sie sich nicht islamisiert.
    -Zum Thema Verfassung als Maßstab für Integration. Ich hatte bereits vor einigen Tagen argumentiert, dass ein Bekenntnis zum GG lediglich das Fundament ist. Es ist aber nicht ausreichend. Denn, wie erwähnt, kannst du das GG toll finden und trotzdem ohne Arbeit und Deutschkenntnisse in deinem Viertel leben, Schwule nicht leiden können und deine 9 Jährige Tochter verhüllen. Verfassungspatriotismus ist nicht ausreichend. Lieber Themen wie Aufklärung, Emanzipation, Liberalismus als Leitkultur definieren. Schade, dass ihr da nicht weitergekommen seid.
    Sehr schade, wahrscheinlich liegt es an der Live Situation, dass ihr so gar nicht sachlich wart – was dieses Thema aning.

    • Also wenn sich jemand ans Grundgesetz hält, seine Steuern zahlt und sich auch sonst nicht justiziabel daneben benimmt — warum sollte er sich eigentlich “integrieren” oder gar Deutsch lernen, wenn er auch so über die Runden kommt? Was geht das den Staat an?

      AFD’ler halten ja auch nichts von Auflklärung und Liberalismus — trotzdem wäre es doch befremdlich, von Ihnen “Integration” in unsere “liberale Leitkultur” einzufordern… Integration kann man sowieso nicht einfordern. Die Gastarbeiter wurden jahrzehnte lang aktiv ausgegrenzt von den ansässigen Kartoffeln.

      Aber da sind wir wieder bei der interessanten Frage, was eigentlich die gemeinsame soziale Basis ist, auf der unsere Gesellschaft basiert.

      Dieses Anfeinden gg. “den Islam” (den es so nicht gibt), ist jedenfalls nicht unserem Grundgesetz vereinbar, das Religionsfreiheit garantiert.

      • Ich halte von whataboutism nichts. Was die AfD macht und nicht, ist weder Thema noch interessant in der Debatte.
        Dem Staat geht es etwas an, wenn jemand nur von Sozialhilfe lebt, weil er zum Beispiel keine Sprache spricht – wie in meinem Beispiel. Mangelnde Sprachkenntnisse sind nun mal das Hemmnis Nummer 1, wenn es um Jobs geht. Ausnahmen ging es immer – geschenkt, doch die bestätigen die Regel.
        Erschwerend kommt noch hinzu: Selbst wenn jemand nach dem Grundgesetz lebt und arbeitet, so kann er, wie erwähnt, seinen homosexuellen Sohn am offenen Leben hindern. Ich kenne viele Beispiele, weil ich die Szene kenne, wo das der Fall ist – die meisten waren Türken/Araber.
        Zweites Beispiel und da können Leute wie Kelek oder Mansour Liederbücher füllen ist das Thema der Unterdrückung der Mädchen. Auch hier kann der Vater nach dem GG Leben, aber dem 7 jährigen ein Kopftuch aufzwängen oder / und ihr den Schwimmunterricht verweigern.
        „Gastarbeiter wurden von Kartoffeln ausgegrenzt“ alles klar. Ich kann natürlich gegen den Hass auf die eigene Identität kaum argumentativ etwas entgegen halten… sorry aber das ist nicht melb Niveau
        „Anfeindung“ im Sinne einer harten Kritik ist natürlich bedenkenlos. In Artikel 4 steht ja nicht
        „ Religionen sind heilige Kühe und dürfen nicht kritisiert werden@ (übrigens geht es da auch um Weltanschauungen wie Atheismus etc)
        Der Artikel schützt lediglich die religiöse Praxis.

        Die gemeinsame Basis ist neben dem GG die Werte der Aufklärung, die drei sehr schöne Werte beinhalten.
        Und da es einen aufgeklärten Islam bis auf eine Moschee die am Rande der Pleite steht nicht gibt, kann diese religiöse Ideologie auch nicht Teil des Landes sein
        Grüße v der Kartoffel

      • Was da bei mir ankommt, ist halt “gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit”. Es ist immer toll, welche Beispiele kommen, um Bilder von den “bösen Moslems” zu malen.

        Menschen werden auf einzelne Facetten wie Herkunft oder Religion reduziert, um sie auszugrenzen.

        Ein Rechtstaat funktioniert nur, wenn wir uns davon nicht blenden lassen. Man kann nicht gleichzeitig “liberal” und “für Aufklärung” sein und gleichzeitig gegen Religionsfreiheit.

        Ich hab keinen Hass auf meine Identitität, aber ich hab eine gesunde Portion Selbstironie.

      • Naja aber die Beispiele gibt es nun mal. Gerade habe ich einen Artikel gelesen, wie in den letzten Jahren Frauenbeschneidung in Deutschland lebenden zugenommen hat.
        Die Fälle gibt es. Auch die, die ich genannt habe. Es bringt niemanden auch nur einen Milimeter weiter, wenn man korrekte Wahrbehmungen als „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ diskreditiert. Das stimmt schon mal grundsätzlich nicht, weil viele Opfer selbst Muslime sind.
        Ich „male“ auch kein Problem, sondern ich sage, was eben ist. Wir reden ja auch nicht über die Vietnamesen, die in den 60zigern-70zigern nicht selten als boatpeople herkamen.
        Nein. Wenn wir um Integration sprechen, sind es immer die gleichen Gruppen, die Probleme machen.
        Das hat gar nichts mit Feindlichkeit zu tun, das ist ein gern verwendetes Label

      • Was schlägst Du denn vor, wie ein Rechtstaat auf solche Probleme reagieren sollte, damit er allgemeingültige Regeln vorgeben kann?

        Einzelfälle und “Korrekte Wahrnehmungen” einzelner taugen nicht, um daraus allgemeingültige Gesetze für einen Staat zu formulieren. Sonst hätten wir längst die Todesstrafe für Kindermörder usw.

        Genügt unser Strafgesetzbuch nicht?

      • Und was mir noch einfällt: Unterscheidest Du eigentlich zwischen Muslimen, extremen Islamisten, streng konservativen Muslimen, liberalen Muslimen usw? Den verschiedenen Strömungen der Religion?

        Es gibt denke ich keine Religion, die so dezentral aufgestellt ist, es gibt keine zentrale Authorität oder strenge Hierarchie wie bei den Katholiken — daher eignet sich das ja auch so gut für einzelne Spinner, die Religion für ihre politischen Zwecke zu missbrauchen.

        Aber es gibt ja so viele “Islamexperten”, die ein paar Internetseiten und Bücher aus merkwürdigen Verlagen gelesen haben, die vom “Mainstream” irgnoriert werden — ich weiß…

      • @Karsten: Mein Motto ist ganz einfach deshalb ist der Befriff „Islamexperte“ auch nicht zutreffend: Früher wollte ich Ökonomieprofessor werden, heute bin ich Universalesperte ;)
        Meine Meinung bilde ich mir aus dem Koran, ein erschreckend blutiges Buch und wenn wieder der Vergleich kommt sehr viel blutiger, als die Bibel. Vom gelebten Koran und von Büchern von Leuten, die sehr viel mehr Ahnung haben, als ich. Sei es der Österreicher Kourshide oder Frau Kelek, sei es Constantin Schreiber, der einfach mal in Moscheen gegangen ist und seine Islamophilie verloren hat… ,man kann viele Namen nennen. Ayaan Hirsi Ali oder Seyran Ates, beides Feministen.

        Zum Thema, was zu tun ist: Nun, ich bin kein Jurist aber ich glaube schon, dass wir genug Gesetze haben. Ich habe eher den Eindruck es fehlt an Polizei und an Richter, bzw. viele Richter sind stark ideologisiert. Gerade Jugendrichter sollten in der Lage sein, ihre Strafen auszuschöpfen. ich mein, man kann Jugendliche bis zu 10 Jahre verknacken, das ist mal nicht wenig
        Der Rechtsstaat kann aber natürlich keine allgemeinen Regeln außerhalb der Gesetze definieren. Es wäre aber durchaus ein Anfang, wenn erst mal herreichendes Recht angewendet wird. Wenn immer noch Hunderttausende illegal hier sind und Flüchtlinge mittlerweile per Linienflug nach Deutschland kommen, merke ich, dass hier gehandelt werden muss. Wie absurd kann es sein, dass man via Flugzeug fliegt über zich sichere Herkunfsstaaten. Völlig absurd.
        Es hilft auch gar nicht diese Opfer-Täter Rhetorik. Muslimische Verbände haben sich über Jahre in eine Opferrole mit Anspruchsdenken bequem gemacht. Sie haben es geschafft, dass, wenn man über Integration spricht, man ausschließlich Muslime meint. Sie habe. Eine ganze Industrie erschaffen, die nichts verändert, außer der Status quo.
        Wenn du mich fragst, was man sollte, würde ich auch davon reden, was man nicht mehr machen darf: Keine Gespräche mit Salafistenmoschees, keine Staatsverträge. Ist Ditip wäre ein Anfang.
        Um Mädchen zu schützen ist ein Kopftuchverbot in Schule m.E. und leider, weil mir Verbote widerstreben, ohne Alternative.

      • @Karsten: Mein Motto ist ganz einfach deshalb ist der Befriff „Islamexperte“ auch nicht zutreffend: Früher wollte ich Ökonomieprofessor werden, heute bin ich Universalesperte ;)
        Meine Meinung bilde ich mir aus dem Koran, ein erschreckend blutiges Buch und wenn wieder der Vergleich kommt sehr viel blutiger, als die Bibel. Vom gelebten Koran und von Büchern von Leuten, die sehr viel mehr Ahnung haben, als ich. Sei es der Österreicher Kourshide oder Frau Kelek, sei es Constantin Schreiber, der einfach mal in Moscheen gegangen ist und seine Islamophilie verloren hat… ,man kann viele Namen nennen. Ayaan Hirsi Ali oder Seyran Ates, beides Feministen.

        Zum Thema, was zu tun ist: Nun, ich bin kein Jurist aber ich glaube schon, dass wir genug Gesetze haben. Ich habe eher den Eindruck es fehlt an Polizei und an Richter, bzw. viele Richter sind stark ideologisiert. Gerade Jugendrichter sollten in der Lage sein, ihre Strafen auszuschöpfen. ich mein, man kann Jugendliche bis zu 10 Jahre verknacken, das ist mal nicht wenig
        Der Rechtsstaat kann aber natürlich keine allgemeinen Regeln außerhalb der Gesetze definieren. Es wäre aber durchaus ein Anfang, wenn erst mal herreichendes Recht angewendet wird. Wenn immer noch Hunderttausende illegal hier sind und Flüchtlinge mittlerweile per Linienflug nach Deutschland kommen, merke ich, dass hier gehandelt werden muss. Wie absurd kann es sein, dass man via Flugzeug fliegt über zich sichere Herkunfsstaaten. Völlig absurd.
        Es hilft auch gar nicht diese Opfer-Täter Rhetorik. Muslimische Verbände haben sich über Jahre in eine Opferrole mit Anspruchsdenken bequem gemacht. Sie haben es geschafft, dass, wenn man über Integration spricht, man ausschließlich Muslime meint. Sie habe. Eine ganze Industrie erschaffen, die nichts verändert, außer der Status quo.
        Wenn du mich fragst, was man sollte, würde icoh auch davon reden, was man nicht mehr machen darf: Keine Gespräche mit Salafistenmoschees, keine Staatsverträge. Ist Ditip wäre ein Anfang.
        Um Mädchen zu schützen ist ein Kopftuchverbot in Schule m.E. und leider, weil mir Verbote widerstreben, ohne Alternative.

      • @Julian: Ist es nicht etwas merkwürdig (ich würde sogar sagen übergriffig), als außenstehender ein religiöses Buch, das per Definition voll von Metaphern ist, zu nehmen und die Inhalte wörtlich zu bewerten, wie es einem gerade in den Kram passt?

        Genaus so arbeiten übrigens auch religiöse Fundamentalisten, von denen Du dich ja gerade distanzieren möchtest. Die nehmen auch alles wörtlich.

        Du forderrst doch “Aufklärung”: Der wichtigste Fortschritt der Aufklärung war es, solche Texte liberaler zu interpretieren. Diese Fähigkeit sprichst Du hier weltweit mehreren Millionen Menschen einfach ab.

        Es ist halt traurig, wie kleingeistig diese Diskussion geführt wird — und es hindert uns daran, die wirklichen Probleme anzugehen. Meinst Du, die Muslime haben noch ein Interesse daran, sich zu “integrieren”, wenn ihnen jeden Tag so ein Bullshit entgegenschallt?

      • Auch hier möchte ich sagen, dass ich ausführlich geantwortet hsbe – es aber nicht veröffentlicht wurde.
        Da diese Diskussionskultur hier ausdrücklich erwünscht ist und häufig vorkommt, werde ich diese verlassen. Die Beitreiber möchten wohl jenseits ihres politischen Horizonts keine andere Meinung zulassen und nein, ich war weder beleidigend noch unsachlich.

        VG

    • @Julian
      Schöner Kommentar, insbesondere in Bezug auf den Islam in seiner gelebten Form. Wenigstens erliegen bei dem Thema nicht alle der Idealisierungsfalle, die zudem keine Grundlage hat (wie man ja überall sehen kann).

      • Ich sehe hier keine Idealisierungen des Islam, es wird lediglich differenziert, statt pauschal Menschen eines bestimmten Glaubens zu diffamieren. Niemand bestreitet hier, dass es muslimische Extremisten gibt, so wie es fanatische Christen und Juden und vermutlich auch Bahai oder Hindus gibt.

      • Was gibt es denn da zu differenzieren? Es gibt im Grunde 2 Lager beim Islam.

        1. Gläubige
        2. Nicht Gläubige, die aber dennoch sagen sie seien gläubig (das sind die Integrierten)

        Je weniger Islam, desto besser.

      • Und ewig singt der Relativist
        Genau mit dem „genauso wie es xy Extremisten gibt“ beginnt das Problem. Denn die aller meisten Anschläge in den letzten Jahren sind nun mal im Namen von Allah begangen worden (über 90%). Der Rest war PKK/ Linksextremisten. Der Rest ist zu vernachlässigen
        Die Bahai hier zu nennen ist schon wohlfeil. Eine der tolerantesten und friedlichsten Religionen mit einem intellektuell humanistischen Anspruch, die im Iran aufs übelste verfolgt wird.
        Der übliche Whatsboutism hilft hier nicht. Denn damit relativiert man. Es ist das ewige und mit Verlaub intellektuell müßige Bullshit geht so.
        A: „Es gibt islamischen Terror“
        B:“Es gibt aber auch christliche Teroristen“
        A: „Der Koran enthält blutige Passagen“
        B:“ Aber die Bibel ist ganz schlimm“

        Keinen Milimeter bringt so ein Diskussionsverhalten. Wenn man über den Islam spricht und seine Probleme mit Freiheitsrechten, was eigentlich euer Herz und Nierenthema ist, muss man nicht über das Christentum reden. Außer man will relativieren

      • die aller meisten Anschläge in den letzten Jahren sind nun mal im Namen von Allah begangen worden (über 90%). Der Rest war PKK/ Linksextremisten. Der Rest ist zu vernachlässigen

        Die Polizeistatistiken sprechen eine andere Sprache. Die meisten ideologisch motivierten Straftaten werden aus rechtsradikaler Motivation heraus begangen:

        Die Zahl der Straftaten mit rechtem Hintergrund nahm um 2,6 Prozent auf 23.555 zu, während die Zahl linksmotivierter Taten um 2,2 Prozent auf 9389 Fälle zurückging.

        Insbesondere gab es mehr als doppelt so viele rechts als links motivierte Straftaten. (Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/polizeiliche-kriminalstatistik-zahl-politischer-straftaten-erreicht-hoechststand-a-1144577.html)

        Auch wenn man sich die einzelnen Delikte anschaut, erkennt man, dass das bei weitem größte Problem bei den Rechten zu finden ist: 1 Tötungsdelikt, 18 versuchte Törtungsdelikte, 1313 Körperverletzungen. Bei den Linksradikalen ist es jeweils ein Drittel bis maximal die Hälfte davon (0 / 6 / 613). (Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/4721/umfrage/vergleich-der-anzahl-von-rechten-und-linken-gewalttaten/).

        Und das betrifft nur die polizeilich entsprechend erfassten Straftaten. Die Behörden neigen leider dazu, rechtsradikale Straftaten nicht als solche zu erkennen (“Kneipenschlägerei”, wenn ein paar Glatzen einen Farbigen aufmischen, weil sie halt ausnahmsweise mal nicht Sieg heil gebrüllt haben), während links motivierte Kriminalität akribisch notiert wird.

      • @ Ulf
        Du merkst es nicht, oder? Wir reden hier von islamischen Terror und du kommst mit Statistiken, um das zu relativieren. Was glaubst du, warum ich die PKK hinzugenommen habe? Ich rede vom weltweiten Terror und nicht von Straftaten in Deutschland. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Terroranschlägen

        Und zu deiner Datenmenge kann man vieles sagen – obwohl es nicht das Thema ist. Zum Beispiel dass fast jeder antisemitische Angriff per se als rechts eingestuft wird, fast erwiesenermaßen falsch ist – gerade die Betroffenen Juden sprechen eine andere
        Sprache. Oder, was an Gewalttaten übrig bleibt, wenn man den Firlefanz wie SS Ruhnen abzieht… aber das ist nicht das Thema.
        Jeder Relativierer hat die drei Zählen auf dem Schirm, bei denen, Come what may, die links und islamoterror heruntergespielt wird. Zu dem Thema habe ich vor einigen Tagen etwas lesenswertes verfasst:
        https://neomarius.wordpress.com/2018/03/18/terror-von-gut-und-boese-wie-eliten-linke-gewalt-relativieren/
        Ihr seid doch Berliner: Ich schlage vor und wie ich Seyran kennengelernt habe, wird sie zustimmen, dass ihr Seyran Ates einmal in die Sendung einläd, in der sie über ihre Moschee berichtet.

      • Nicht “wir”, Du redest von einem winzigen Ausschnitt aus der großen weiten Welt der Kriminalität, weil Dir dieser Ausschnitt in Dein islamophobes – andere würden vielleicht auch sagen: rassistisches, weil auf gruppenbezogenen Vorurteilen beruhendes – Weltbild passt. Ich habe einfach nur Statistiken dagegengehalten, die aus der Perspektive der Menschen in unserem Land und ihrer tatsächlichen Sicherheit weitaus relevanter sind.

        Und natürlich sind SS-Runen keine Gewalttaten und werden auch nicht als solche erfasst, was ist denn das für ein Unsinn. Bitte gib Dir etwas mehr Mühe, hier sachlich zu argumentieren. Die Relativierer relativieren, weil es eben nicht so einfach ist, wie Du offenbar glauben möchtest.

      • Und schwupp, ist man Rassist. Ist schon erstaunlich, wenn man davon ausgeht, dass der Islam keine Rasse ist. „Islamophob“ ist ein Kampfbegriff. Ich habe keine Angst vor dem Islam, ich lehne ihn nur ab. Das gehört zu meinem atheistischen Selbstverständnis. So wie ich den Katholizismus ablehne – da wurde auch kein Christ auf die Idee kommen, ich wäre christenphob oder rassistisch.
        Diese Diskussion und die Ettiketten daraus, „rassistisch“ etc sind symptomatisch. Ohne wirklich auf die Sache einzugehen, wird ein gewisser Stempel aufgedrückt. Ohne dass ihr mich kennt, geschweige denn mehr als 10 Zeilen von mir gelesen habt. Eine Nummer kleiner wäre
        „Du hast unrecht“
        Aber da ist ja kein moralischer Hieb dabei. Wäre aber präziser.
        Du würdest nicht eine einzige, entfernte rassistische Zeile von mir finden. Ferner darf ich dich daran erinnern, dass man nicht leichtfertig mit solchen Dingen herumwerfen sollte

      • Was für eine Derailing-Orgie: Rassismus hat nichts mit “Rassen” zu tun, sondern mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, das habe ich doch ausdrücklich zitiert. Und ein aufgeklärter Atheismus bedeutet gerade nicht, gläubigen Menschen ihre Religion abzusprechen oder deren Ausübung zu verbieten.

      • @JulianMarius
        Schön, wie Du hier die schwierige Position des Ablehners dieser Religion einnimmst und auch verteidigst. In einer Zeit, in der man monatlich ein Panini Album mit Messerangriffen, Übergriffen und sonstigen für westliche Verhältnisse untypischen Verwerflichkeiten herausbringen könnte, wird ein friedlicher Protest und die Argumentation wichtiger denn je. Es geht um Ursache und Wirkung, auch wenn es verpönt ist. Unsere Ansicht wird wegen ihrer tatsächlichen Verifizierung immer mehr Leute überzeugen.

      • @Ulf
        “Rassismus hat nichts mit “Rassen” zu tun, sondern mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, das habe ich doch ausdrücklich zitiert” – darüber kann man zumindest streiten; das ist keineswegs so eindeutig, wie du das sagst. Ein oftmals als wesentlich betrachtetes Merkmal von Rassismus ist die Einordnung nach unveränderlichen Kategorien (wie bspw. die Hautfarbe).
        Und die Religion fällt eben nicht unbedingt darunter – natürlich gibt es die Leute, für die auch die Religionszugehörigkeit ein permanentes Merkmal ist (“Einmal Muslim, immer Muslim!” und so Schwachsinn); aber das gilt nicht pauschal.
        Und natürlich fällt beides unter “Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit”; es sind aber nicht zwangsläufig überlappende Unterkategorien.

        Ich weiß auch nicht, was Julian sonst noch geschrieben hat und was möglicherweise nicht veröffentlicht wurde, aber nur weil er bestimmte Religionen ablehnt, kann man daraus IMHO nicht folgern, dass er auch die zugehörigen Menschen pauschal ablehnt; zumindest habe ich das nirgendwo dezidiert herauslesen können.
        Ich lehne beispielsweise den Katholizismus auch ab da er unter anderem frauenfeindliche und homophobe Positionen vertritt und diese konsequent von Priestern und anderen Amtsträgern einfordert – das heißt aber nicht, dass ich Katholiken pauschal ablehne; denn ich weiß ja nicht, welche Position das einzelne Individuum vertritt.

        “Und ein aufgeklärter Atheismus bedeutet gerade nicht, gläubigen Menschen ihre Religion abzusprechen oder deren Ausübung zu verbieten” – zum einen hat Julian das nicht gefordert (oder ich habe das überlesen), zum anderen hängt das selbstverständlich davon ab, um welche religiösen Positionen es geht!
        Man findet in genügend religiöse Praktiken, die nicht legal sind. Und ich stimme Julian auch zu, dass das Grundgesetz vielleicht ein notwendiges, aber kein hinreichendes Kriterium in einer Wertedebatte ist; es gibt eine ganze Menge Praktiken und Positionen, die mit dem Grundgesetz prinzipiell vereinbar, aber zumindest streitbar sind – bspw. die Tatsache, dass es komplett staatlich finanzierte Krankenhäuser unter katholischer Trägerschaft gibt, die ihren (nicht in repräsentativen Positionen arbeitenden!) Angestellten die katholischen Wertvorstellungen aufzwingen.

        Ich denke, es ist sehr wichtig zu unterscheiden, ob jemand bestimmte Religionen und in ihrem Namen ausgeübte Praktiken ablehnt oder ob er die Anhänger pauschal ablehnt, denn ich glaube, den meisten Menschen gelingt es problemlos, religiös zu sein ohne die fragwürdigen Positionen ihrer Religion zu vertreten.

    • Mit der Abtreibung von behinderten Kindern ist es eine schreckliche Sache.

      Andererseits ist es für viele auch unerträglich ein stark behindertes Kind zu haben. Mit dem nötigen Background mag das gehen, aber ohne wird es schwer. Allein diese unertäglichen Alltagssituationen, wo das Kind von anderen verlacht wird etc. Da wird ja jeder Tag zur Qual. Und dann ist da noch die Aussicht auf keine eigene Zukunft des Kindes.

      In meinen Augen muss das jeder mit sich ausmachen, es gibt kein richtig oder falsch. Beide Wege können unerträglich sein.

    • -Zum Thema normativ: Ich finde es schon, dass es einen Grund gibt, warum ein Land nicht zu sehr islamisch wird. Denn je islamischere ein Land ist, desto grausamer geht es ds zu, desto unfreier ist die Gesellschaft. Türkei vor 20 Jahren war zb weniger islamisch, als heute. Und damals war es freier, in Istambul liefen Mädels im Top herum und es gab so etwas wie eine zaghafte Gay Community. Heute ist das alle Geschichte. Frauen verhüllen sich, Schwule verstecken sich. Also ist für mich normativ argumentiert, also wie die Welt sein soll, es völlig klar, dass sie sich nicht islamisiert.

      In Ländern des islamischen Kulturkreises ist der Islam Teil der traditionellen Kultur. Dort ist eine Dominanz des Islam typischerweise mit konverativerer Politik assoziiert und diese richtet sich dann häufig gegen liberale Werte. Dieses Phänomen lässt sich mit dem Christentum bei uns genauso feststellen. *horst* *horst* Dagegen ist eine Zunahme des islamischen Religion in christlichen Ländern im ersten Schritt ein Ausweis einer entstehenden Multikulturalität. Die muslimische Zuwanderung in die Bundesrepublik Deutschland war auch ein Impuls sich in eine liberalere Gesellschaft zu wandeln.

      • @ André: Ich finde das ein schräger Vergleich. Horst Seehofer ist konservativ und christlich, er will aber keinen Christenstaat. Das mit der Türkei zu vergleichen, die ihren Laizismus komplett aufgekündigt haben, halte ich für falsch. Überhaupt sind islamische Länder, selbst die liberalsten wie Tunesien oder Türkei nicht mit konservativen christlichen Ländern in Europa zu vergleichen. Bestimmt läuft nicht alles gut in Polen oder Ungarn, aber es gibt eine Verfassung mit Liberalen Geist und einwandfreie Wahlen.
        Ein aufgeklärter Konservatismus ist durchaus mit Liberalen Werten zu vereinbaren. In Deutschland, Österreich gibt es auch nicht mehr so häufig den altbackenen Komservstismus- es ist eher eine Art Neokonservatismus der liberale Werte inkludiert. Jens Spahn zb oder Sebastian Kurz. Ich meine das gar nicht wertend.
        Der einzige und hier möchte ich dir widersprechen Altkonservstismus, der wächst, ist der muslimische. Daher wird Deutschland durch muslimische Zuwanderer, tendenziell konservativer und liberale Werte müssen wieder neu definiert werden

      • Ich finde das ein schräger Vergleich. Horst Seehofer ist konservativ und christlich, er will aber keinen Christenstaat. Das mit der Türkei zu vergleichen, die ihren Laizismus komplett aufgekündigt haben, halte ich für falsch.

        Den Vergleich habe ich nicht gemacht. Ich habe gesagt eine Dominanz des Christentums ist bei uns mit konservativerer Politik assoziiert, die sich dann gegen liberale Werte richten kann. Und Hust Seehofer habe ich doch gar nicht erwähnt.

        Ein aufgeklärter Konservatismus ist durchaus mit Liberalen Werten zu vereinbaren. […] Der einzige und hier möchte ich dir widersprechen Altkonservstismus, der wächst, ist der muslimische. Daher wird Deutschland durch muslimische Zuwanderer, tendenziell konservativer und liberale Werte müssen wieder neu definiert werden

        Wie gesagt “im ersten Schritt”. Das Nachfolgende ist komplex. Es lässt sich sicherlich nicht auf die Formel mehr Muslime gleich konservativeres Land reduzieren.

        Ich glaube hier liegt auch ein gewisses Missverständnis vor, das, was konservative Politik bewahrt, sind keine Werte. Diese sind nachgeordnet. Bewahrt werden etablierte Machtstrukturen. Ich bin mir dagegen nicht sicher, was du mit einem Konservatismus in den Varianten “Alt” und “aufgeklärt” meinst.

  37. Hallo Philip und Ulf,

    vielen Dank für eine wieder einmal kurzweilige “Lage live”.

    Allerdings muss ich dieses Mal ausführlich Kritik an eurer viel zu kurzen launigen Darstellung zum NRW-Heimatkongress und der Tonträger-Übergabe durch Heino üben. Ihr habt hier leider nicht ausführlich genug recherchiert bzw. die zum Teil zu kurze bzw. oberflächliche Darstellung der Medien übernommen.

    Erstmal finde ich, dass der orange- oder pfirsichfarbene Trachtenjanker von Ina Scharrenbach eine Geschmacksfrage ist. Ob er besonders gut aussieht oder nicht, sollte jeder selber entscheiden. Wie man sich darüber so echauffieren kann (Ulf: „Mir fehlen die Worte“ – Philip: “Sie ist wahrscheinlich die erste, die das je getragen hat”), verstehe ich nicht. Die Jacke sieht jedenfalls nicht übertrieben heimatlich oder traditionell aus. Neutral formuliert könnte man auch sagen, Frau Scharrenbach hat versucht, sich schick anzuziehen.

    Zweitens ist nur richtig, dass Heino eingeladen war, aber er hat den Kongress nicht zusammen mit Frau Scharrenbach eröffnet, wie man es aus eurer Darstellung verstehen muss. Er wurde offenbar als Überraschungsgast präsentiert (vgl. http://www.westfalen-blatt.de/Ueberregional/Artikel/3222387-Kongress-in-Muenster-Heimat-ist-nicht-angestaubt). „Da gibt’s schon wirklich geile Fotos…“ (Ulf) ist ebenfalls übertrieben, jedenfalls sieht man auf den meisten Fotos Heino mit Ina Scharrenbach (z.B. hier http://www.wz.de/home/politik/nrw/vaterlandslieder-spd-empoert-ueber-scharrenbachs-heino-fauxpas-1.2646553) oder mit Frau Scharrenbach und Heino und seiner Frau Hannelore (z.B. hier https://www.wr.de/politik/nrw-ministerin-eroeffnet-debatte-ueber-heimat-id213754567.html).

    Leider stellt ihr den Sachverhalt aber vor allem so dar, dass man glauben muss, Heino habe tatsächlich gerade aktuell eine “CD” (Philip) aufgenommen. Die tatsächlich von Heino überreichte Doppel-LP stammt aber aus dem Jahr 1980 (die vollständige Tracklist findet man hier: https://www.discogs.com/de/Heino-Die-Sch%C3%B6nsten-Deutschen-Heimat-Und-Vaterlandslieder/release/5311897). Daneben hatte er offenbar noch vier weitere CDs mit Heimatliedern mitgebracht (vgl. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/heino-schenkt-ina-scharrenbach-lieder-mit-ss-vergangenheit-a-1199459.html). Um welche weiteren CDs es sich hier handelte, wurde aber in den Medien nicht berichtet. Ich konnte es daher nicht recherchieren.

    In medialen Berichterstattung geht es aber nur um die Doppel-LP von 1980. Ich habe mir mal die Arbeit gemacht, und die Trackliste mit einem SS-Liederbuch aus dem Dritten Reich abzugleichen (vgl. https://archive.org/details/Rasse-und-Siedlungshauptamt-SS-SS-Liederbuch), um mir ein umfassendes Bild über den Umfang der von Heino intonierten Lieder zu machen. Die folgende Nummerierung stammt von mir, die Seitenangabe bezieht sich auf den Anfang des jeweiligen Liedes im SS-Liederbuch:

    1) Schleswig-Holstein, Meerumschlungen (S. 105)
    2) Der Gott, Der Eisen wachsen Ließ (S. 58)
    3) Flamme Empor (S. 86)
    4) Wenn Alle Untreu Werden (S. 13)
    5) Niedersachsenlied (als „Von der Weser bis zur Elbe“, S. 96)
    6) Märkische Heide (S. 114)
    7) Wohlauf Kameraden, Aufs Pferd (S. 80)
    8) Glückauf, Der Steiger Kommt (als „Glück auf, Glück auf“, S. 113)
    9) Steh’ Ich In Finstrer Mitternacht (S. 125)
    10) Ich Hatt’ Einen Kameraden (S. 164)

    Die Lieder 1, 3, 5, 6, 7, 8, 9, 10 halten einer kritischen Überprüfung im Jahr 2018 aus meiner Sicht Stand, die Texte sind vielleicht nicht mehr zeitgemäß, aber weitgehend unverdächtig. Es handelt sich auch noch aus heutiger Sicht, um Heimat- und Volkslieder. Sie können übrigens auch Teil des Geschichtsunterrichts sein (Offenlegung: Ich bin Lehrer an einem niedersächsischen Gymnasium), z.B. das Niedersachsenlied (5) mit seinem durchaus martialischen Unterton oder (10) zur Thematisierung von soldatischem Alltag und der Allgegenwart des Todes. Ich würde bei all diesen acht Liedern von Kulturgut sprechen, das zu bewahren ist und das zu Kultur- und Geschichtsbewusstsein beitragen kann. In der Wikipedia lernte ich übrigens, dass der (10) zugrunde liegende Text “Der gute Kamerad” sogar von Marcel Reich-Ranicki in seinen “Der Kanon. Die deutsche Literatur” aufgenommen wurde. Ich habe diese Angabe (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Der_gute_Kamerad) nicht überprüft, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sie korrekt ist.

    Bleiben also die Lieder (2) und (4), an denen sich die Kritik entzünden kann. Das sind unter 10 Prozent der 24 Lieder. Natürlich ist der Text von (2) an mehreren Stellen problematisch (sicher besonders in der vorletzten Strophe: “Wir wollen heute Mann für Mann mit Blut das Eisen röten, mit Henker- und mit Knechteblut, o süßer Tag der Rache! Das klinget allen Deutschen gut, das ist die große Sache.”), aber der Text stammt eben aus dem Jahr 1812 und hat den Hintergrund der Napoleonischen Eroberungen (konkret sogar die von Napoleon erzwungene Beteiligung deutscher Heere an Napoleons Russlandfeldzug 1812) und wurde – wenn man den Text liest, ist das nachvollziehbar – während der Befreiungskriege ab 1813 populär. Allerdings sollte man bei einer Beurteilung bedenken, dass das Lied offenbar auch von Hitlergegnern verwendet wurde, was man ebenfalls in der Wikipedia erfährt (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Vaterlandslied_(Arndt)). Die angeführte Quellenangabe habe ich allerdings nicht überprüft.

    Bei (4) darf natürlich nicht (gerade nicht im Jahr 2018, da bin ich ganz bei euch) unerwähnt bleiben, dass das Lied von der SS als Treuelied verwendet wurde. Auf der Platte von Heino aus dem Jahr 1980 singt er auch nur die drei Strophen, die im SS-Liederbuch stehen. Der ursprüngliche Text von “Wenn alle untreu werden” von Max von Schenkendorf hat vier Strophen, im SS-Liederbuch wurde die dritte weggelassen. Ich kann mir das nur mit einer Kürzung aus Platzgründen erklären, weil die dritte Strophe textlich völlig unverdächtig ist. Ziemlich sicher hat die SS das Lied auch nur aus anderen Liederbüchern übernommen, so dass auch hier schon die Kürzung vorgenommen worden sein kann. Insgesamt ist der Text der dritten Strophe ziemlich inhaltsleer, vielleicht störte jemanden auch der erwähnte “Satan”. Ein vollständiger Text mit allen vier Strophen wäre hier aus meiner Sicht wünschenswert gewesen. In der medialen Berichterstattung wird das “heil’ge Deutsche Reich” am Ende der letzten Strophe kritisiert (z.B. bei Spiegel Online, die übrigens ebenfalls das Erscheinungsjahr der Platte im folgenden Artikel nicht erwähnen: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/heino-schenkt-ina-scharrenbach-lieder-mit-ss-vergangenheit-a-1199459.html). Die Bezeichnung des 1806 aufgelösten “ersten” Reiches war aber jahrhundertelang “Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation”.

    Ich finde die Kritik an den Aufnahmen von Heino völlig überzogen. Ich muss sogar sagen, dass ich es sogar schade finde, dass (vielleicht aus Gründen überzogener politischer Korrektheit) diese Tonträger keine Neuauflage finden. Ich gebe dazu ein konkretes Beispiel aus meinem Unterrichtsalltag: Wenn man das “Lied der Deutschen” von Hoffmann von Fallersleben an allen drei Strophen behandeln will, kann man sich nur sehr aufwendig eine (moderne) Tonaufnahme beschaffen. Ein offizieller Tonträger ist nicht mehr im Handel erhältlich. Obwohl das Lied nicht verboten und auch theoretisch in allen drei Strophen gesungen werden darf ist, werden Tonaufnahmen nur noch von der dritten Strophe gemacht. Dabei kann man gerade besonders gut thematisieren, dass der Verfasser die erste Strophe eben NICHT so gemeint hatte, wie sie im Dritten Reich verstanden wurde, sondern dass er eben Deutschland “über alles” Andere stelle, es ihm also wichtiger als alle anderen Dinge sei. Die zweite Strophe zeigt durch die Erwähnung der Frauen, dass Hoffmann von Fallersleben seiner Zeit voraus war, und man kann diese Strophe allen Leuten zeigen, die die dritte Strophe im Jahr 2018 in Richtung “Heimatland” oder “couragiert” umtexten wollen.

    Ich stimme insgesamt dem Soziologen Gerhard Bosch zu, der zu “Wenn alle untreu werden” im Video zu einem Welt-Artikel zum Thema (https://www.welt.de/vermischtes/article174811031/Praesent-fuer-Scharrenbach-Heino-schenkt-Heimatministerin-Platte-mit-SS-Lieblingsliedern.html) sagt, dass die Nazis eben viele Heimatlieder für sich vereinnahmt hätten und das Lied deutsches Kulturgut sei. Er bringt es meiner Meinung nach mit folgendem Satz auf den Punkt: “Man darf sich doch von den Nazis die deutsche Kultur nicht kaputt machen lassen.”

    Ulfs Fazit („Mit anderen Worten: Heino hat Nazi-Liedgut auf dem NRW-Heimatkongress feierlich überreicht. Herzlichen Glückwunsch. […] Deutschland 2018. […] Da machen wir uns noch Gedanken über den Rechtsruck. Also ich würde mal ganz ehrlich sagen, man kann ihn mit Händen greifen.“) passt hier aus meiner Sicht überhaupt nicht.

    Fazit: Aus meiner Sicht wäre dringend klarzustellen, wann (1980) die Doppel-LP (nicht CD) veröffentlicht wurde, dass Heino offenbar eine ganze Sammlung seiner (früheren!) Heimatlieder-Veröffentlichungen überreicht hat (konkret: vier weitere CDs, deren Titel nicht erwähnt werden) und welche Überschneidungen es mit dem SS-Liederbuch gab (10 von 24 Liedern, davon zwei problematisch). Schließlich lässt sich aus den vermeintlich problematischen Texten von zwei Liedern das genaue Gegenteil der jetzigen Aufregung ableiten, nämlich die Bildung von Geschichtsbewusstsein. Eine wichtige Frage für mich bleibt, ob man solche Lieder (durch eine stillschweigende Einigung, dass sie nicht wieder auf Tonträgern veröffentlicht werden dürfen) vollständig aus der kulturellen Erinnerung tilgen darf, obwohl sie nicht verboten sind.

    • So viel Text. Ich frage mich nur: Warum im Jahr 2018? Und was soll der Postillon jetzt noch melden?

    • Hallo Rainer,

      Vielen Dank für die gute Recherche.
      Ich finde jedoch, dass hier mit Heino und diesem „Heimatkongress“ durchaus kritisch umzugehen ist. Denn grade, wenn die Platte aus dem Jahr 1980 stammt, dann macht das doch deutlich, welche Heimat man sich 2018 in NRW wünscht. Wenn Heino als der „Überraschungsgast“ gefeiert wird, dann macht das doch deutlich in welcher Form hier Heimat zelebriert wird.
      Da kann man doch schon mal die Frage stellen, was denn für ein Heimatbegriff hier deutlich werden soll.

      Auch finde ich hast du einen Denkfehler zum Thema Geschichtsbewusstsein.
      Erstes würde ich nicht sagen das Heinos Lieder zum Geschichtsbewusstsein beitragen, sondern erst die kritische Auseinandersetzung mit dem Liedgut zu einem solchen beiträgt. (Wie du es in deinen Ausführungen so überzeugend tust). Die Lieder tragen nicht nur durch einfaches Hören zum Geschichtsbewusstsein bei. Erst durch die Kontexttualisierung kann man sich ein Urteil über den Inhalt und die Verwendung machen und da finde ich es doch etwas mehr als unangebracht solche auf einem Heimatkongress so prominent zu präsentieren.

      Dennoch Danke für die Recherche und ich unterstüze dich in deiner Kritik an den Beiden, die sich auch inhatlich mit den Liedern hätten Auseinandersetzen sollen.

      LG
      Simon

      • Hallo Simon,
        danke für dein Lob für meine Recherche. Für mich selbst würde ich die Auseinandersetzung mit dem NRW-Heimatkongress und der Heino-Platte vollständig trennen. Ich stimme dir (und auch Philip und Ulf) zu, dass dieser Heimatkongress an sich eine höchst diskussionswürdige (und mindestens seltsame, vielleicht sogar gruselige) Veranstaltung sind. Zu einer genauen Beurteilung müsste man aber das Programm dieser Veranstaltung genauer kennen, die Teilnehmer, die Diskussionsbeiträge… Um all das ging es aber bei der Berichterstattung zu Heinos Platttenübergabe nicht.
        Es wusste vor dem Kongress wohl auch niemand davon, dass Heino eine Platte von 1980 mitbringen würde, daher teile ich deine Meinung nicht, dass das deutlich macht, welche Heimat man sich in NRW heute wünscht.
        Ich kann aus Heinos Vorgehen nur ableiten, dass er sich eben eine Heimat wünscht, in der auch Heimat- und Volkslieder noch eine Bedeutung haben. Das kann man diskutieren, bestimmt auch kritisieren. Man kann aber auch sagen, dass man die Heimat- und Volkslieder nicht aus der kulturellen Erinnerung in Deutschland verbannen will.
        Wie du bin ich der Meinung, dass nur die Lieder selbst zum Geschichtsbewusstsein beitragen können. Es sind ja eben nicht “Heinos” Lieder, sondern er hat sie damals nur für die Platte eingesungen. Dass die Lieder – wie du schreibst – “so prominent” auf dem Heimatkongress präsentiert wurden, kann ich nicht erkennen. Heino hat die Doppel-LP (und offenbar vier weitere CDs) Frau Scharrenbach überreicht. Seine Frau Hannelore hat sie aus dem Keller geholt. Tatsächlich handelt es sich um Raritäten, weil man sie nicht mehr im Handel erwerben kann. Allenfalls antiquarisch im Internet. Nebenbemerkung: Die Doppel-LP steht in diesem Moment in einem Online-Auktionshaus bei 120 Euro, die entsprechende Doppel-CD bei 21 Euro. Beide Auktionen laufen noch mehrere Tage. Für mich ist es der eigentliche Skandal, dass man diese Musik nicht mehr (zu einem erschwinglichen Preis) käuflich erwerben kann, um sich mit ihr auseinanderzusetzen.
        Ich weiß nicht, was daran zu kritisieren ist, diese Lieder als Tonträger zu veröffentlichen. Es handelt sich eben nicht um das Horst-Wessel-Lied. Mich ärgert die zurzeit überall zu lesende Kritik, die meist unreflektiert ist. Daher habe ich auch so ausführlich recherchiert. Z.B. schreibt die Bild-Zeitung am gestrigen 23.03. auf ihrer Titelseite: “Skandal um SS-Lied auf Heino-Platte!”. Auf S. 3 folgt dann: “Die Aufregung entzündet sich hauptsächlich an ,Wenn alle untreu werden’. Das Volkslied (siehe Kasten) wurde im SS-Liederbuch an dritter Stelle geführt, gleich hinter dem berüchtigten ,Horst-Wessel-Lied’.” Direkt hinter dem Horst-Wessel-Lied steht übrigens das “Lied der Deutschen” in allen drei Strophen. Wenn man konsequent wäre, müsste man sagen, dass man keine der drei Strophen mehr singen dürfte. Die Nationalsozialisten bzw. die SS haben es für sich vereinnahmt und es wurde im SS-Liederbuch abgedruckt.
        Dieses Beispiel zeigt aus meiner Sicht, dass der Umgang mit dem Liedgut in der Öffentlichkeit nicht angemessen diskutiert wird. Ist ein Lied schon deshalb problematisch, weil die Nationalsozialisten es für sich instrumentalisiert haben? Aus meiner Sicht lautet die Antwort ganz klar “Nein”. Wenn es gedruckt werden darf, wenn es nicht verboten ist, wenn die Noten veröffentlicht werden dürfen – warum darf es dann nicht mehr auf Platte veröffentlicht werden? Genau das passiert aber mit den Heino-Liedern. 1980 wurden sie noch veröffentlicht, heute scheint das nicht mehr zu gehen. Schon die Überreichung einer Platte von damals reicht für einen “Skandal”. DAS finde ich diskussionswürdig.

      • Ich möchte zu meinen Recherchen noch eine Kleinigkeit ergänzen. Das Veröffentlichungsdatum der Doppel-LP ist vermutlich doch – wie im verlinkten FAZ-Artikel zur aktuellen Lage-Folge auch angegeben (http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/heino-schenkt-heimatministerin-platte-mit-lieblingsliedern-der-ss-15508199.html) – das Jahr 1981. Zumindest steht auf dem Label der vier einzelnen Plattenseiten bei einigen Liedern das Produktionsjahr 1981 (vgl. http://www.45worlds.com/vinyl/album/1c1344603940). Auf derselben Seite steht aber auch erneut für die Doppel-LP 1980, wie es auch in dem von mir angeführten anderen Link der Fall war (https://www.discogs.com/de/Heino-Die-Sch%C3%B6nsten-Deutschen-Heimat-Und-Vaterlandslieder/release/5311897). 1981 erscheint mir insgesamt plausibler zu sein.

      • Bei meiner Antwort an Simon von 20:10 Uhr ist mir am Anfang meines 4. Absatzes ein sinnentstellender Schreibfehler unterlaufen: Statt “Wie du bin ich der Meinung, dass nur die Lieder selbst zum Geschichtsbewusstsein beitragen können.” sollte es heißen: “Wie du bin ich der Meinung, dass nur die Lieder selbst NICHT zum Geschichtsbewusstsein beitragen können.” Natürlich finde ich auch, dass nur eine umfassende, kritische Auseinandersetzung mit dem Liedtext (und nicht das Hören allein) zur Ausbildung von Geschichtsbewusstsein führt.

    • Addendum: (1) ist bis heute die Landeshymne von Schläfrig-Holzbein und (10) wird auch heute noch bei Bundeswehr und IMO auch bei der österreichischen Armee gespielt.

      • Das sind sehr gute Hinweise, danke!
        Dadurch habe ich noch einige Dinge gelernt: Bei Schleswig-Holstein gibt es keine “offizielle” Hymne (http://www.deutschlandfunkkultur.de/schleswig-holstein-geschichte-der-inoffiziellen-hymne.1001.de.html?dram:article_id=363307), genauso wie das Niedersachsenlied höchstens als inoffizielle Hymne gelten kann. Der Heimatverband des Landes Mecklenburg-Vorpommern hat im Frühjahr 2017 einen Wettbewerb zur Gestaltung einer Landeshymne ausgerufen (http://www.heimatverband-mv.de/aktuelles/dat-niegste.html), bis Ende des vergangenen Jahres konnten Beiträge eingesandt werden.
        Und wenn man zu “Ich hatt’ einen Kameraden” (10) forscht, stellt man fest, dass es häufig ohne Text vorgetragen wird und im Bundeswehr-Liederbuch “Kameraden singt” enthalten ist. Die Ausgabe des Bundeswehr-Liederbuches wurde im letzten Jahr nach dem Skandal um Franco A. gestoppt, es wird zurzeit überarbeitet. Wie es aussieht, erzürnte sich die Kritik aber nicht an “Ich hatt’ einen Kameraden”.

    • Eine so skurrile Veranstaltung, wie ich es selbst erwartet hätte, war der NRW-Heimatkongress am 17. März übrigens nicht. Dies kann man nach einem Blick ins Programm (http://www.lwl.org/367-download/Startseite/Einladung_Heimatkongress-2018.pdf) feststellen. Die Regionalzeitung Westfälische Nachrichten berichtete am Tag danach sehr entspannt darüber (http://www.wn.de/Muenster/3222189-Heimatkongress-in-Muenster-Heimat-zwischen-Tradition-und-Moderne). Natürlich findet man im Netz auch kritische Töne (z.B. http://wiedertaeufer.ms/zurueck-in-die-heimat/). Wichtig finde ich beim letzten Beitrag den Hinweis, dass es der Regierung offenbar darum geht, den Begriff Heimat selber zu besetzen, als ihn der AfD zu überlassen.
      Abschließend: Stefan Kämmerling und Sven Wolf von der SPD (beide Abgeordnete im Landtag) wittern einen richtig großen Skandal hinter dem Auftreten von Heino auf dem Heimatkongress. Sie wollen wissen, ob die Landesregierung Heino eingeladen habe oder ob sogar vertragliche Vereinbarungen getroffen wurden. Ich bin auf die Antwort zu ihrer “Kleinen Anfrage” (https://www.landtag.nrw.de/Dokumentenservice/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD17-2243.pdf) gespannt.

    • Lieben Dank für diese präzise und ausgezeichnete Analyse.

      Es ist schade, dass bei einigen Themen Differenzierung stets gepredigt wird, aber wenn es dem “Kampf gegen Rechts” dient, jegliche Differenzierung abhanden kommt.

      Einer fängt an diese Assoziation zu verbreiten “Heino=Nazilieder” und der Zug nimmt Fahrt auf. Jegliches Gebot der Fairness zählt nicht mehr und die Meinungsfreiheit wird in der Lokomotive dieses Zuges verheizt. Die Endstation liegt dann im Nebel der Unwahrheit und es gibt nicht nur für den kleinen Ausschnitt (die “falschen” Lieder) keinen Platz mehr, sondern auch nicht für das gesamte restliche Thema (Heimat). So läuft es derzeit bei fast allen mainstreamkritischen Themen und das sollte die Leute mal wachrütteln!

      Die Freiheit geht zugrunde, wenn wir nicht alles verachten, was uns unter ein Joch beugen will (Seneca)

      • „Mainstreamkritik“ ist weder Ausweis von besonderer Klugheit noch Wert an sich.

      • Franks Logikkette im dritten Absatz ist im Bezug auf Heinos Lieder durchaus stimmig. Das „Lied der Deutschen“ gibt es nicht mehr in allen drei Strophen zu kaufen, um 1980 war das noch anders. Selbst für unterrichtliche Zwecke muss man auf verrauschte Aufnahmen aus den 1920er-Jahren zurückgreifen, wenn man nicht YouTube anzapfen will, wo die Quelle meist nicht vermerkt ist – von der möglichen Urheberrechtsverletzung des Einstellens bei YouTube einmal abgesehen.
        Mit den Heino-Liedern ist es dasselbe. Um sich ein Bild zu machen, kann (muss!) man auf YouTube zurückgreifen. Welcher Musikverlag würde sich denn trauen, das Album von 1981 nochmal neu aufzulegen? Hier geht auch musikalisches Kulturgut verloren, obwohl durch Streamingdienste und Downloadportale eben die Möglichkeit gegeben wäre, diese Lieder für vielen Menschen zugänglich zu machen. Natürlich spricht dagegen, dass diese Lieder missbraucht werden können und vielleicht von Rechtsradikalen gesungen werden. Aber man sollte unserer Gesellschaft zutrauen, dass sie sich auch mit 200 Jahren alte Lieder auseinandersetzen können muss. Es ist der falsche Weg, jedes „umstrittene“ Lied gleich zu ächten und aus der kulturellen Erinnerung zu verbannen.

      • Es ächtet ja auch niemand – vielleicht geht die Musikindustrie einfach davon aus, dass sich nicht genug Käufer*innen finden?

      • @Ulf die Existenz einer Mainstreamkritik ist aber ein Zeichen für Meinungsfreiheit. Das Argument sollte überzeugen, nicht die Denkschublade. Diese Angelegenheit zeigt doch, dass, sobald das geistige Korsett angelegt ist, eine sachliche und besonnene Auseinandersetzung nicht mehr stattfindet. Insofern ist eine Mindermeinung ein Wert ansich.

      • Ich möchte dir als letzten Beitrag zum Thema von meiner Seite zustimmen. Ulf, du hast Recht, es ächtet niemand. Dein Argument mit den Käufer*innen ist auch denkbar. Es kann sogar so sein, dass es schwierig ist, die Rechte des damaligen Herausgebers der Platte zu bekommen. Jedenfalls hatte ich mal nach einer Comedy-LP aus Anfang der 1980er-Jahre gesucht, wobei nahezu viele anderen Platten des Künstlers als CDs verfügbar waren – aber eben nicht das vollständige Werk. Ich bekam vom Manager des Künstlers die Aussage, dass es bei einigen Veröffentlichungen eine völlig unklare Rechtslage gebe, so dass eine Wiederveröffentlichung zurzeit nicht möglich und auch in Zukunft schwer denkbar sei. Ich kann mir vorstellen, dass so etwas auch im Falle der Heino-Lieder denkbar wäre.
        Das Argument der “political correctness” einer Veröffentlichung halte ich aber zumindest im Falle des Deutschlandsliedes für äußerst wahrscheinlich. Daraus resultiert leider, dass die einzige (zumindest nach meiner Recherche) zurzeit verfügbare aktuelle Tonträger-Veröffentlichung (http://rennicke.de/shop/cds-frank-rennicke/das-lied-der-deutschen-eine-musikalische-geschichte-zu-unserer-hymne/) von Frank Rennicke stammt, einer Schlüsselfigur der rechtsextremen Szene. Dort sind übrigens auch die umstrittenen Heino-Lieder enthalten (“Der Gott, Der Eisen Wachsen Ließ” und “Wenn alle untreu werden”). Vielleicht muss ich mich mal bei einem Schulbuchverlag nach einer (didaktisch und methodisch sauber gearbeiteten) Veröffentlichung für den Schulunterricht erkundigen.

    • Vielen Dank an Rainer für die Erläuterungen.

      Aus dem englischsprachigen Raum ist mir der Begriff “moral panic” geläufig, der meines Erachtens sehr gut zur Rezeption dieses Heimatkongresses passt. Es gibt kein Mangel an echten Naziliedern – so z. B. das Horst-Wessel-Lied. Wer solche Texte nicht vom Liedgut der deutschnationalen Bewegung aus der Zeit von Napoleon unterscheiden kann, der sollte mal kurz in sich gehen.

      Auch hier würde ich mir wünschen, dass Ulf und Philip etwas tiefer bohren, anstatt die Veranstaltung halt einfach genauso lächerlich zu finden, wie alle anderen auch in Berlin.

    • Eine letzte Ergänzung zu meinen Recherchen: Beim Lied (4) “Wenn alle untreu werden”, das in den Medien den größten Anstoß zur Kritik gab, wurde bei Heinos Aufnahme (vgl. https://www.youtube.com/watch?v=JmL38TFdqlM) die Melodie der Nationalhymne der Niederlande (“Het Wilhelmus”) verwendet (vgl. https://www.youtube.com/watch?v=30XgyjeXBbc), die laut Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Wenn_alle_untreu_werden) für dieses Lied seit 1923 verwendet wird. Im SS-Liederbuch ist die ursprüngliche Melodie des Liedes abgedruckt, die eine abgewandelte Form eines französischen Jagdliedes von 1724 ist. Ich verlinke es hier als SS-Version ausdrücklich nicht, obwohl man auch die SS-Version bei YouTube findet.
      Heino hat bei seiner Aufnahme des Liedes vor rund 40 Jahren also alles richtig gemacht. Es handelt sich nämlich nicht um die Version aus dem SS-Liederbuch. So wie er es singt, hat die SS es nie gesungen.

  38. Hallo zusammen,

    kleine Ergänzung bzw. Korrektur zu den Bußgeldern nach der Datenschutzgrundverordnung: Die maximale Geldbuße beträgt nicht 10 sondern bis zu 20 Millionen Euro bzw. nicht 2 sondern bis zu 4% des gesamten weltweit erzielten Jahresumsatzes im vorangegangenen Geschäftsjahr; je nachdem, welcher Wert der höhere ist, vgl. Art. 83 Abs. 5, 6 DS-GVO.

    Ansonsten wie immer ein prima Podcast, vielen Dank dafür!

    • Das hängt vom konkreten Verstoß ab; wir haben bewusst den „billigeren“ Tatbestand genommen … aber ja, für viele Verstöße gilt der „teurere“ Bußgeldtatbestand.

  39. 24. März 2018 um 14:01 Uhr
    Christopher Funke

    Hallo ihr beiden,
    zwei kleine Korrekturen/Hinweise:
    DSGVO: Maximalstrafe ist 4% vom Konzernumsatz nicht nur 2%
    Verkehrstote In Deutschland 2017 waren 3.177 und nicht ca. 7.000 wie erwähnt.
    Viele Grüße
    Christopher

  40. uberfahren:
    Das Video ist FUD! Von “aus dem Schatten springen” etc kann man da wirklich nicht sprechen. Hier geht es doch um ein Todesopfer durch Betatest im real live mit einem Tonnenschweren Gerät, aber wie die Diskussion geführt wird, ist nach dem alten Schema: 1) kann jedem Fahrer passieren 2) Victim blaming 3)

    Videos von der Strecke, mit ungedoktorter oder korrekter Blende zeigen ein anderes Bild. [YT: Video der Stelle auf Mill Ave](https://youtu.be/CRW0q8i3u6E?t=33)

    Die Frau kam von der Gegenseite, hatte bereits 2 Fahrbahnspuren überquert, und wäre sowohl von einem Fahrer gesehen worden als auch von LIDAR _und_ Kamera. Autonome Fahrzeug-Programme haben ein bekanntes Problem mit langsamen/unbeweglichen Objekten.

    [Ars technica: Police chief said Uber victim “came from the shadows”—don’t believe it](https://arstechnica.com/cars/2018/03/police-chief-said-uber-victim-came-from-the-shadows-dont-believe-it/)
    [NYT: Uber’s Self-Driving Cars Were Struggling Before Arizona Crash](https://www.nytimes.com/2018/03/23/technology/uber-self-driving-cars-arizona.html)

    • Dazu gibt es noch ein Paar Fakten:

      1. Der Uber war nicht zu schnell (https://www.nytimes.com/interactive/2018/03/20/us/self-driving-uber-pedestrian-killed.html)

      2. Das Kameravideo ist extrem irreführend da Augen bedeutend besser sind als die Kamera. (Siehe Video im vorherigen Post und ArsTechnica)

      Da hat die Technik wohl versagt muss man sagen, wie im vorigen Post beschrieben sollten die Sensoren kein Problem mit Dunkelheit haben. Aber da es ein Beta Test ist gibt es genau für diesen Fall den Sicherheitsfahrer, über die Performance müssen wohl andere entscheiden.

      • Da frag ich mich auch andauernd, das was auf dem Video zu sehen war kann doch nie und nimmer das sein, was man sieht wenn man persönlich mit dem Auto unterwegs ist.
        Auch wenn es dunkel war, die Person hätte man schon sehr viel vorher sehen müssen als es auf dem Video scheint. Entweder waren da auch die Scheinwerfer komplett falsch eingestellt, oder das Video gibt das überhaupt nicht wieder.

        Was man dazu aber noch sagen muss: Wenn die Person mit dem Handy rumgespielt hat, dann waren ihre Augen auch nicht auf die Dunkelheit draussen eingestellt. JedeR AutofahrerIn weiß wahrscheinlich wie störend in der Dunkelheit Lichter im Fahrraum sind.

  41. Hallo ihr Beiden,

    Eine kurze Rückmeldung meinerseits. Der Islam gehört auch historisch zu Deuschland und Europa und mit tut es in der Historiker-Seele weh, dass dies in der aktuellen Debatte so völlig ausgeblendet wird.
    Ohne den Kulturaustausch mit dem Islamischen Völkern und besonders dem Osmanischen Reich hätte sich die Kultur in Europa nicht entwickeln können.
    Zwei Beispiele.
    Die Entwicklung des Papiers wurde von islamischen Experten nach Europa gebracht. Aus Asien stammend, wurde es von Händlern und Anderen nach Europa getragen. Papyrus war deutlich unpraktischer.
    Das zweite Beispiel finde ich viel interessanter:
    Ohne den Austausch mit der islamischen Kultur würden uns heute viele der „europäischen“ Kulturschätze aus dem antiken Griechenland fehlen, denn diese waren zu Beginn des europäischen Mittelalters verloren gegangen und kammen erst durch den Kulturaustausch wieder nach Europa.

    Sehr lesenswert ist dazu: http://www.bpb.de/apuz/33398/der-islam-als-geburtshelfer-europas?p=all

    Bitte tragt dies doch weiter raus, denn es ist so zentral für diese Debatte und das selbstverständnis Europas und Deutschland.
    Das vorherrschende Narrativ beschränkt sich nur auf die „Angst vor den Türken die vor Wien standen“. Der wichtige Part wird leider, in der Debatte ausgeblendet.

    LG
    Simon

    • Beides schon mehr als Dekaden her…
      Es geht auch gar nicht um einen historischen Kontext. Historisch gehört auch die Hexenverbrennung zu Deutschland. In der Debatte, deshalb sind die Einwände am Thema vorbei, geht es um die gesellschaftlichen Auswirkung einer erneuten Religion, wo doch die angestammte, das Christentum, weitestgehend auf Normalmaß gestutzt wurde. Dieses nannte man Aufklärung, was der Islam nie genießen konnte.
      Daher ist für mich die Diskussion als Atheist schon fast kränkend: Es gehören natürlich bestimmte Rieten zu Deutschland, hier kann man tatsächlich historisch argumentieren. Aber keine Transzendenz, kein altes Buch, keine menschenfeindlichen Rieten etc gehören zu Deutschland.
      Man kann sich natürlich zum 100. mal auf dem Archeologenkongress darüber streiten, was wann islamisch war. Döse Diskussion im Elfenbeinturm führt jedoch zu nichts und hat mit der Lebenswirklichkeit in deutschen Städten nichts zu tun

      • Grundsätzlich wird mir ihr Kommentar nicht klar.

        Natürlich ist das schon Dekaden her. Beispiele aus jüngster Zeit? Die Zusammenarbeit des Kaiserreichs mit dem Osmanischen im Ersten Weltkrieg (Moscheen entstehen in Berlin), die angeworbenen sogenannten „“Gastarbeiter“, der wirtschaftliche Handel und der Tourismus mit der Türkei.
        Möchten Sie mit ihrem Satz …“kein menschenfeindlichen Rieten etc gehören zu Deutschland“ implizieren der Islam sei grundsätzlich menschenfeindlich und gehöre deswegen nicht zu Deutschland? (Hier liegt auch meine Verwirrung)
        Das ist eine schnöde Stammtischparole und zeugt davon, dass Sie sich noch kein deut mit dieser Religion auseinandergesetzt haben. Und ja das kann man auch als Atheist.

        Elfenbeinturmdiskussionen mögen „döse“ sein, wenn mann kein deut versucht sich in die Argumente des Gegenüber einzudenken.
        Ich meine das der Islam sehr viel und schon sehr lange mit der Lebenswirklichkeit in deutschen Städten zu tun hat, denn genau das war mein Punkt. Sie verschieben das Argument aber einfach in den „Elfenbeinturm“ denn dann muss man sich ja nicht damit auseinandersetzen.

      • Es gibt nicht “den Islam”. Hast Du noch eine andere These anzubieten außer gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit?

      • Es ist leider immer das gleiche Problem. Islam wird mit Muslimen gleichgesetzt. Deswegen ist auch die Islam Konferenz gescheitert und deshalb haben sich Leute wie Abdel-Samad, die Teil von der Konferenz waren, davon abgewandt.
        Daher sind die genannten jüngeren Beispiele fehl am Platz. Die Gastarbeiter kamen nicht als Muslime ins Land und schon gar nicht weil sie Muslime sind und was der türkische Tourismus mit dem Islam zu tun hat, erschließt sich nicht. Er ist eher – siehe zinsverbot- hinderlich.
        Ich möchte auch nicht pralen, wie sehr ich mich mit dem Koran beschäftigt habe und ich will das dir auch nicht in Abrede stellen. Man kann es auch selektive Wahrnehmung nennen.
        Menschenfeindliche Rieten sind zb Kinder ein Kopftuch aufzuzwingen ( was eine schlimme Frühsexualisierubg ist), Zwangsverheiratungen oder schlimmer Ehrenmorde, Kindern ihre sexuelle Entfaltung zu verwehren (Mädchen – aber auch Jungs die gay sind) Kindern mit Angspädagogik zu erziehen (hier empfehle ich ahmad mansour nachdrücklich) Kinder nicht zu Klassenfahrten lassen oder Schwimmunterricht
        All das macht nicht jeder Muslim, das ist mir klar. Aber es ist ein klar religiös-kulturelles Problem.
        Tu mir einen Gefallen und Spar dir den whataboutism. Ja, in Kalabrien wurden auch alle Jahre ein Mädchen wegen „Ehre“ gerötet – aber in Summe des oben genannten und in der Häufigkeit ist es mit dem Islam konnotiert – kausal.
        Natürlich kann man das sechstes historische Promesinar besuchen oder wir lesen die 1000und2. Geschichte aus 1001 Nacht vor. Mit der Lebenswirklichkeiten, gerade in Großstädten – und ich lebe in einer – hat das nichts zu tun und ist eher was für den Archäologiekreis, als für Integrationsdebatten

      • Nenn doch lieber mal positive Dinge, die der Islam in der heutigen Zeit bringt. Nach meinem Empfinden macht er nur Probleme und ist destruktiv.

      • Schwawarma ist teuflisch lecker ;)

  42. Mein Fazit nach neun Monaten Arbeitslosigkeit. Die Arbeitsagenturen und Jobcenter sind nicht in der Lage, qualifizierte und hochqualifizierte Arbeitslose in Beschäftigung zu bringen. Die “Vermittlung” besteht oft nur darin, Arbeitslose aller Qualifikationsniveaus in sinnlosen “Maßnahmen” zu parken, an denen die Träger sehr viel Geld verdienen und durch welche die Arbeitslosen aus der Statistik fallen. In diesen berüchtigten “Kursen” finden sich dann 50-jährige Fachkräfte, die nach 30 Jahren Erwerbstätigkeit arbeitslos wurden, sowie Akademiker, die gerade erst ihr Studium erfolgreich abgeschlossen haben. Eine “Vermittlung” findet meist überhaupt nicht mehr statt. Und wenn “vermittelt” wird, dann werden die Arbeitslosen ohne Rücksicht auf ihre Qualifikation und Berufserfahrung einfach in unqualifizierte und entsprechend schlecht bezahlte Jobs im Niedriglohnsektor gedrängt. Dabei spielt auch die Leiharbeit eine bedeutende Rolle. Dies führt zu einer Verschwendung von Qualifikationen im Rahmen sogenannter “unterwertiger” Beschäftigung, die eine “Entqualifizierung” bewirkt. Ansonsten wird einfach nur auf vermeintlich “offenen Stellen” in den “Jobbörsen” des Internets verwiesen. Was hinter vielen “Jobangeboten” steckt, erkennen die Bewerber spätestens dann, wenn ihre Bewerbungen überhaupt nicht oder nur von einem Automailer “beantwortet” werden. Dabei wird dann häufig deutlich, dass die Bewerbungen gar nicht gelesen wurden. Dieselben “Stellenangebote” kursieren dann oft über Monate oder sogar Jahre durch die “Jobbörsen”, wobei oft nur hin und wieder eine Aktualisierung des Datums vorgenommen wird. Vermittelt wird allenfalls noch in den Niedriglohnsektor und unqualifizierte Jobs in der Leiharbeit. Dabei wird heute keine Rücksicht mehr auf das Qualifikationsniveau oder die Berufserfahrung genommen, weil jeder Job als “zumutbar” gilt und nicht abgelehnt werden darf. So wird Druck auf das Lohnniveau ausgeübt, der Niedriglohnsektor ausgeweitet und die prekäre Beschäftigung forciert. In der Vergangenheit haben “gemeinnützige” Jobs immer wieder zur Verdrängung regulärer Jobs beigetragen. Nicht selten wurden auch 1-Euro-Jobs zum Ersatz für reguläre sozialversicherungspflichtige Jobs. Neben dem Niedriglohnsektor noch einen weiteren staatlich subventionierten Niedriglohnsektor zu schaffen, ist ein gefährlicher Irrweg.

    In Deutschland haben sich die Arbeitgeber vieler Branchen angewöhnt, sehr niedrige Löhne zu zahlen, um ihre Arbeitnehmer dann mit “Hartz-IV” aufstocken zu lassen. Die “Hartz-IV”-Aufstockungen sind somit zu Subventionen für Arbeitgeber bzw. Unternehmen im Niedriglohnsektor geworden. Dies übt massiven Druck auf die Löhne aus. Verstärkt wird all das noch durch die zu niedrig angesetzten Mindestlöhne und die Regelungen zur Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU: Arbeitgeber, die maximal den Mindestlohn zahlen wollen, können Niedriglöhner aus ganz Europa rekrutieren und diese Arbeitnehmer dann über “Hartz-IV” aufstocken lassen. So wird insbesondere die Armut in Südost- und Ost-Europa dazu genutzt, Arbeitnehmer zu noch niedrigeren Löhnen für den deutschen Arbeitsmarkt anzuwerben und deren Niedriglohn über “Hartz-IV” vom deutschen Steuerzahler “aufstocken”, also subventionieren zu lassen. Dass Deutschland schon lange nur minimale Reallohnzuwächse verzeichnet, sich die Erwerbsarmut seit 2004 verdoppelt hat und der Niedriglohnsektor in Deutschland mit fast 23% aller Arbeitnehmer einer der größten Europas ist, ist daher kein Zufall.

    Heute wird vieles zu einem “Vermittlungshemmnis” umgedeutet, um die Verantwortung für Arbeitslosigkeit auf die Betroffenen abzuwälzen. Wer heute “nur” eine Berufsausbildung hat und arbeitslos wird, dem wird schnell gesagt, dass er oder sie studieren müsse. Wer aber einen Studienabschluss hat, dem wird gesagt, dass eine Berufsausbildung besser wäre. Wer das eine Fach studiert hat, dem wird gesagt, er hätte besser ein anderes Fach studiert. Den Absolventen eben dieses Faches wird dann aber wieder das genaue Gegenteil erklärt. Dem Bachelorabsolventen wird gesagt, dass er einen Masterabschluss brauchen würde. Dem Masterabsolventen wird hingegen gesagt, dass in seinem Bereich eine Promotion nötig wäre. Wer aber einen Doktortitel hat, der gilt dann wieder als zu alt und als “überqualifiziert”. Berufserfahrenen Arbeitslosen wird mehr oder minder direkt gesagt, dass sie für den Arbeitsmarkt nun schon “zu alt” wären und ihr Wissen veraltet wäre. Den jungen Bewerbern wird hingegen gesagt, dass sie zu wenig Berufserfahrung hätten. So verkommen auch die Berufs- und Studienberatungen der Arbeitsagenturen zu Verschiebebahnhöfen, weil man den Arbeitsuchenden keine Jobs anzubieten hat, vor allem keine qualifikationsgerechten. Dies gilt auch für angeblich “händeringend” gesuchte Fachkräfte und Akademiker.