LdN090 SPD-Votum, Kabinett steht, UBA-Studie, Stahl-Zölle, Bundes-Hack

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Hausmitteilung

190 Kommentare

  1. Ich komme erst jetzt dazu, aber die Sache ist recht einfach:

    Wenn Hartz IV (ob nun falsch errechnet oder nicht) die Existenz sichern können, rechnerisch das Existenzminimum darstellt, dann ist ein real existierendes System Hartz, was sanktionierren kann, ein gravierender Verstoß gegen das Grundrecht der Menschenwürde. Dieses System was Sanktionen zulässt, kann Menschen das Recht der Existenz entsagen. Ich weiß nicht, was da noch groß zu diskutieren ist. Überdies ist den Sanktionen kein Regelwerk zugrundegelegt, so dass dort im Zweifel willkürlich sanktioniert wird.

    Hinzu kommt, dass ja Armut nicht der Mangel an Geld allein ist. All die Begleiterscheinen, die sich systematisch wahrscheinlich schlecht erfassen und einpreisen lassen, wie Perspektivlosigkeit, schwindendes Selbstwertgefühl usw., das sind hochindividuell unterschiedlich wahrgenomme Probleme. Und jemand, der in HartzIV bereits aufwächst, wird sich wohl drei Mal überlegen, ob er/sie Kinder in die Welt setzt.

  2. Moin, moin!

    Um vielleicht ein mal anhand eines Beispiels zu zeigen, warum es für manche einen Alptraum darstellt, zum Amt gehen zu müssen, möchte ich hier eine Situation schildern, die uns widerfahren ist.

    Damals sind wir umgezogen und haben ohnehin von der Hand in den Mund gelebt. Ich habe zu der Zeit ein Studium begonnen, unsere Tochter ist auf die Welt gekommen und der Kontostand ging allmählich gegen null, die Anträge liefen … und dann kam die Ablehnung. Es hätte angeblich etwas gefehlt, wir müssen noch etwas nachreichen.
    Wir waren uns sicher, dass wir alles angegeben und abgegeben hatten, aber was soll man machen? Wir sind zum Amt und niemand wollte helfen. Ja, da steht es fehlt XY, da können wir nichts machen. Erst, als meine Frau in Tränen ausgebrochen ist, weil wir absolut nicht wussten, was jetzt as nächstes passiert, hat man sich bequemt und doch noch mal die Unterlagen durchgeschaut – und siehe da, beim Kopieren hat der nette Herr vom Amt auf eine Rückseite kopiert, das hat der nette Herr Kollege übersehen und gedacht, es wäre nicht dabei.

    Es ist absolut erniedrigend und unwürdig, auf welche Art und Weise man dort um Unterstüztung betteln muss und dass man auf die gute Laune und Wohltätigkeit einzelner Mitarbeiter des Amtes angewiesen ist. Es kommt einem so vor, als müsste jeder Mitarbeiter, der bei der Bearbeitung eines bewilligten Antrags beteiligt ist, einen Teil seines eigenen Lohns abgeben.

    Abgesehen davon ist auch die Komplexität der auszufüllenden Formulare echt heftig und es fällt mir nicht schwer mir vorzustellen, dass Mitmenschen mit niedrigem Bildungsniveau hier ohnehin aufgeschmissen ist, denn beim Ausfüllen oder Rückfragen wird einem nicht geholfen. Abschließend noch ein Zitat einer ehemaligen Schulkameradin, die jetzt im Amt arbeitet:

    „Wenn die ihre Sachen nicht komplett haben, dann schick ich dir einfach nachhause. Ich fang dann gar nicht erst an, wenn die ihre Sachen nicht zusammen bekommen oder zu blöd sind zum Lesen.“

  3. Zwei Hinweise:

    1. Zum Thema der zu niedrigen Hartz-IV-Leistungen findet sich ein interessantes Interview im Podcast “Der Tag” vom DLF vom Sonntag 12.03.2018. Hier wird erklärt, dass es nicht an zu wenig zur Verfügung stehenden Mitteln hapert, sondern daran, dass wegen des Gebotes “Arbeit muss sich lohnen” daran, dass bei einer Anhebung der Sätze/ Veränderung der Berechnungsmethode insbesondere Arbeitnehmer im Niedriglohnbereich i.E. weniger Geld zur Verfügung hätten, als Hartz-IV-Empfänger.

    2. (Kein Feedback im engeren Sinne, ich weiß): Ich schätze, dass Ihr in der nächsten Lage den Nervengift-Anschlag in England und die Reaktionen darauf, insb. von Kanzlerin Merkel erörtern werdet. Was mich sehr wundert: Jeder fordert Russland zur Kooperation und Aufklärung auf, teilweise über UN-Sonderkommissionen. Dabei hat Außenminister Lawrow bereits die Bereitschaft gezeigt, den “offiziellen Weg”, wie er auch für solche Fälle in Art. 9 der Chemiewaffenkonvention festgelegt ist, zu gehen. (vgl. etwa http://www.handelsblatt.com/politik/international/angriff-auf-sergej-skripal-lawrow-will-giftgas-proben-von-london-sehen-britischer-botschafter-einbestellt/21063442.html) M.E. wird in der Berichterstattung zu dem Fall Russland als unkooperativer Player dargestellt, während von dieser Seite bereits Kooperationsbereitschaft kommuniziert wurde und es offensichtlich eher an GB liegt, dass die Aufklärung auf diesem Weg nicht beschritten wird.

  4. Hallo Lage der Nation,

    momentan funktioniert der Link – vermutlich aufgrund technischer Probleme – zur Pressemitteilung “Erlangen will Modellstadt für kostenlosen Nahverkehr werden” nicht. Es ist nicht der einzige Link, der nicht funktioniert. Die Presseabteilung wurde bereits informiert.
    Man kann aber ohne Probleme über den Cache von Google darauf zugreifen:

    https://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:Kp-V2gXcQngJ:https://www.erlangen.de/desktopdefault.aspx/tabid-1137/3973_read-34834/+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de&client=firefox-b-ab

    Viele Grüße
    Marius

  5. Ulf ist Jurist und lobt bei Barley ausdrücklich die juristische Kompetenz, und hebt sie auch gegen Heiko Maas ab. Allgemein sagt ihr Fachkompetenz ist für einen Minister kein Muss, sondern eher sowas wie Führungsqualität. Ich denke gerade aus Sicht seines eigenen Fachbereichs sieht man es grundsätzliche gerne, wenn dort die Führung Fachkompetenz hat, wie bei Ulf zu sehen ist. Wenn man dem Bereich eher nicht nahesteht, findet man Fachkompetenz dort vllt eher unwichtig.

    Wenn Themen wie Energiepolitik zu bewältigen sind (Umweltministerium bzw Bildung und Forschung), sollte aus meiner Sicht der Minister (einer von beiden zumindest) auch einen Hintergrund in Physik oder einer Elektrotechnik haben.

    Jetzt hat die Umweltministerin Schulze nichts derartiges vorzuweisen und die Bildungsministerin Karliczek auch nichts mit Forschung und Wissenschaft zu tun. Darauf könnte man evtl eingehen, stattdessen wird aber Greenpeace zu Karliczek zitiert, die sagen, dass sie Mitglied in der IGBCE ist (negativ?).

    Seit wann ist Greenpeace jetzt der “seriöse watchdog”? Greenpeace liegt regelmäßig mit der Wissenschaft im Argen. Deswegen schreiben auch über 100 Nobelpreisträger kollektiv offene Briefe an Greenpeace.

    https://www.washingtonpost.com/news/speaking-of-science/wp/2016/06/29/more-than-100-nobel-laureates-take-on-greenpeace-over-gmo-stance/?utm_term=.63e3e73c3fbf

    Greenpeace diskreditiert unter anderem exklusiv auf ideologischer Basis auch die Fusionsforschung als Geldverschwendung und “Millardengrab”, deren Budget weniger als 1/100 der jährlichen Subventionen für Wind und Solar beträgt (Wenn man sich z.b. den Beitrag von Deutschland als eines von 35 beitragenden Ländern zu ITER anguckt, der insgesamt, über mehrere Jahrzehnte zwischen 20 und 30 Millarden Euro kostet – die jährliche EEG-Umlage).

    Kohle ist dreckig und man sollte vermeiden fossile Energieträger zu verbrennen. Die IGBCE sagt nach meinem Kenntnissstand nicht, dass man ewig Kohle verbennen soll, sondern lediglich (so habe ich es in einem Interview mit einem IGBCE-Vertreter im WDR kürzlich wahrgenommen), dass sowohl Kohleausstieg als auch Kernausstieg nicht gleichzeitig möglich sind. Das ist eine (Ingenieurs)Wissenschaftliche Tatsache und es wäre gut, wenn das in der Öffentlichkeit mit der Zeit realisiert wird (auch in diesem Podcast wurde der Kohleausstieg vor einiger Zeit schon als “No-Brainer” verkannt – so einfach ist es leider nicht). “Energiewende” und “Klimaschutz” werden im Moment synonym verwendet, allerdings haben wir uns 2011 aktiv für eine Zunahme von CO2-Emissionen entschieden um aus der Kernkraft ausstiegen zu können. Das sollte man leider anerkennen.

    In einem DLF-Interview hat sich “ein Vertreter der Wissenschaft” (sehr vage, da ich es vorhin gehört habe und nur wiedergeben kann) positiv zu Karliczek geäussert, in dem Sinne, dass sie zumindest frisch hineinkommt und sich daher auch eine frische Meinung bildet und keine “Vorurteile oder Vorlieben” aufweist. Das bleibt zu hoffen. Bereiche der Forschung auf ideologischer Basis abzulehnen ist jedenfalls inakzeptabel, und vllt sollte generell nicht zu viel auf Greenpeace gehört werden, die Probleme haben Themenbereiche ausgeglichen und sachlich darzustellen.

    • Addendum

      Schulze “Studium der Germanistik und der Politikwissenschaft”

      Auch die Wissenschaftlichen Sprecher der Grünen z.B. haben keine naturwissenschaftlichen Hintergründe.

      Sylvia Kotting-Uhl “Nach dem Abitur studierte sie Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte in Heidelberg, Edinburgh und Saragossa.”

      Kai Gehring “Nach dem Abitur 1997 am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Velbert […] absolvierte ab 1998 ein Studium der Sozialwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum, welches er 2003 als Diplom-Sozialwissenschaftler (Dipl.-Soz.-Wiss.) beendete.”

      Ich sehe das als gar nicht optimal an.

    • Naja. Der Kohleausstieg ist schon möglich. Dazu müsste man halt staatlich gefördert gut 35 GW zusätzliche Gaskraftwerke hinstellen. Kostenpunkt: roundabout 30 Mrd Euro

      Also nicht wirklich viel Geld. Aber doch recht teuer, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der schon existierenden Kohlekraftwerke noch Jahrzehnte laufen könnten. Und womöglich auch nicht so clever vor dem Hintergrund, dass in Europa nur noch Norwegen über nennenswerte Gasreserven verfügt.

  6. Wir leben aktuell in einer Zeit, in der es besonders für die Generation der heute um die 30-35-Jährigen immer schon schwierig war.

    Die hat einerseits die Finanz- und Wirtschaftskrise um 2008 miterlebt, in deren Folge selbst gut ausgebildete Leute es für fast ein Jahrzehnt schwer hatten, Jobs zu finden – va. unbefristete.

    Jetzt gibt es zwar Jobs ohne Ende, aber die Bezahlung ist meist zurückhaltend gestaltet und die Immobilienpreise und Miete sind in sehr vielen Regionen derart jenseits von Gut und Böse, dass man es sich entweder gar nicht leisten kann oder bis zu 50% seines Einkommens dafür aufwenden muss. Für einfache Wohnungen ohne großen Luxus wohlgemerkt.

    Da auch Sparkonten keine Zinsen mehr bringen ist risikoarmer Vermögensaufbau eigentlich nicht mehr möglich.

    Nicht zu vergessen den zig Milliarden schweren Pensionshaushalt, den wir nun finanzieren dürfen.
    Man lebt und arbeitet also für Menschen, die einem dieses System so aufgebaut und überlassen haben. Eine realistische Chance das zu ändern besteht nicht, da sowohl alte Menschen, als auch die, die von dem System jetzt profitieren, bei den Wahlen in der Mehrheit sind.

    Keine Ahnung, ob die Generationen vor uns es leichter hatten (die Generation Golf wahrscheinlich schon), Party- oder Boomstimmung sieht jedenfalls anders aus.

  7. Zur Diesel- und Fahrverbotsdebatte:

    Die Debatte um Fahrverbote kann nur Verlierer haben. Die Geschädigten sind dabei die allergrößten Verlierer. Und heute ist des der Diesel, morgen Euro 7, übermorgen der Feinstaub, etc… Es ist nicht zielführend.

    Richtig wäre stattdessen eine Debatte über eine Innenstadtmaut. Die ist gerecht, und löst viele Probleme auf einmal. Keine selektive Enteignung, keine absoluten Verbote, keine Barrieren. Pendler sind das Hauptproblem in der Innenstadt und die würden damit dazu bewegt, z.B. Fahrgemeinschaften zu bilden, oder den ÖPNV oder das Rad zu nutzen. Und die Erlöse kommen dem ÖPNV hinsichtlich Infrastruktur und Fahrpreis zugute. Die Diskussion um Luftschadstoffe würde sich jenseits von Diesel und Harnstoffeinspritzung von selbst erledigen. Und: mit verbilligtem Fahrpreis bringt man auch die Leute in die S- und U-Bahn, die trotzdem noch ein Auto in der Garage stehen haben, sich beides aber bisher nicht leisten konnten.
    Und noch etwas leistet sie, was bisher nie in der Diskussion berücksichtigt wurde: diejenigen, die Rad oder ÖPNV fahren und aktiv zur Gesundheit und Ökologie in der Stadt beitragen, haben bislang nur Nachteile und Kosten. Das muß sich ändern. Und sie machen nebenbei noch die Straßen für Pendler frei, die dann wieder besser in die Innenstadt fahren können. Und diese Ungerechtigkeit löst die Innenstadtmaut auch.

    Ohne die Innenstadtmaut wird es keine Verkehrswende geben, und wir werden auf der Stelle treten.

    Ja, der Verbrennungsmotor ist wie das Rauchen – das bezieht sich aber nur auf die Innenstädte.

    • Und woher kommt diese Analyse?
      Ich halte es für ein Gerücht, dass es weniger Autos gibt, wenn der ÖPNV kostenlos wäre. Ich denke, bei vielen Menschen, verhält es sich so wie bei uns (Mittelschicht München). Es geht gar nicht um die fundamentale Frage ÖPNV oder Auto.
      Natürlich kann ich einen regulären Arbeitstag mit ÖPNV (oder Fahrrad) bestreiten und mache das auch … und das Auto nimmt man eben, wenn der ÖPNV ausfällt und das Wetter zu schlecht für das Fahrrad ist, Oder wenn man einen Großeinkauf für das Wochenende macht oder in die Berge möchte oder zur Familie aufs Land, oder oder.
      Ich denke nicht, dass wir die nächsten Jahre komplett auf das Auto verzichten können (möchten). Aber ich würde, es weniger oft benutzen, wenn der ÖPNV zuverlässiger wäre und mehr Linien hätte. Massiver, kurzfristiger Ausbau des ÖPNV sollte das Ziel sein. Ob der ÖPNV jetzt kostenlos ist oder nicht ist fast schon egal. Wir nutzen sowieso Auto, Fahrrad und ÖPNV im fröhlichen Mix.

  8. Zum Thema “eine Software” vs: Anwendern das offen zu lassen:

    Ich setze ausschließlich Open Source-Software ein – muss aber sagen, dass ich dem Kollektiv an Anwendern, wenn ich die Sicherheit deren Rechner gewährleisten müsste, nicht die freie Hand bei der Auswahl der Software lassen würde.

    Das hat zwei Gründe:
    1) hätte ich keine Möglichkeit zu kontrollieren, ob die Anwender ihre Software auch up to date halten. Gerade unter Windows muss da ja jeder Software selber für sorgen. (Unter Linux könnte man noch “nehmt, was in den Quellen ist” argumentieren.)

    2) Wenn jeder eine andere Software nutzen würde, wäre das ja als Angreifer super: Ich brauche dann keinen Exploit für genau die eingesetzte Software, sondern könnte “wie mit der Schrotflinte” einen aktuellen Exploit da reinschicken. Irgendwer wird schon die passende Software haben, deren Schwachstelle ich ausnutzen kann.

  9. Sozial schwach vs. ökonomisch schwach:

    Ich würde euch bitten, nicht immer von den “sozial Schwachen” bzw. den “unteren sozialen Schichten” zu sprechen.

    “Sozial Schwächere” sind für mich Personen, die sozial weniger gut eingebunden sind bzw. weniger gut sozial interagieren – und z.B. nahestehende Personen wie ihre Kinder verwahrlosen lassen.

    Ihr meint bei den Hartz4- und co-Debatten aber mit Sicherheit die “ökonomisch Schwachen” – also die Personen, die wenig Geld haben und arm sind.

    Natürlich heißt es Sozialhilfe, Sozialkasse u.s.w. – aber nicht, weil damit den “sozial Schwachen” geholfen wird, sondern weil die Hilfe sozial ist – alle Beitragszahler helfen und zahlen zusammen…

    • Oh, da muss ich dir schwer zustimmen. Darüber hatte ich mir so noch keine Gedanken gemacht. Absolut guter Einwurf! Danke!

  10. Lieber Ulf,
    lieber Philip,

    Als gebürtiger Nürnberg und wohnhaft in Erlangen seit 7 Jahren muss ich zu dem Vorschlag den unser Bürgermeister eingebracht hat, Modellstadt für den kostenlosen ÖPNV zu werden, leider sagen, dass die Chancen gegen 0 gehen. Bürgermeister Janik hat den Vorschlag ohne eine vorherige Abstimmung mit dem VGN gemacht (dem Großraumverkehrsbund), der sich in der ganzen Debatte aber bereits stark ablehnend geäußert hat.
    Erlangen hat unglaublich viel Industrie (Siemens Healthineers, zweitgrößtes Uniklinik in Bayern nach München, Europas größtes Medical Valley, …), mit Adidas und Puma direkt neben dran in Herzogenaurach, und entsprechend viele Arbeitsplätze, weshalb es jeden früh auf den Einfallstraßen in die Stadt zum Verkehrschaos kommt. Um das in den Griff zu bekommen muss der VGN zwangsweise eingebunden werden, da dieser die Zubringerstrecken betreibt.
    Die kleinen Erlangen Strecken funktionieren verdammt gut und sind extrem kurz getacktet, ohne, dass sie groß genutzt werden, da fast jeder hier mit dem Fahrrad fährt und die Entfernungen sehr gering sind. Erlangen ist einfach unglaublich reich und kann es sich leisten einen sehr guten Nahverkehr zu unterhalten. Diesen kostenlos zu gestalten bringt kaum einen nutzen, und darauf hat Bürgermeister Janick auch nicht abgezielt – ihm geht es um den Eingangsverkehr – und da wird die vgn sich leider querstellen.

    Zu der Autodebatte möchte ich mich auch noch ein Mal äußern. Ich stimme euch völlig zu, dass der Verbrennungsmotor langfristig nicht die Lösung in Städten sein wird, aber wie du bereits angedeutet hast Ulf, muss man bei dem Zeithorizont sehr sehr vorsichtig sein. Und das die Dieseltechnologie vor dem Aus steht halte ich für ein großes Märchen. Die Abgasproblematik der Diesel ist technisch heute absolut lösbar.
    Schaut man sich die letzten Echtzeitmessungen der neuesten Modelle an kommt man zB beim neuen BMW 520d auf einen Stickoxidwert von 28mg NOX /km. Der Mercedes E 220 d kam mit 41mg NOX/km im Straßenverkehr (Echtzeitmessung). Das sind keine exotischen Modelle, sondern die mit dem höchsten Absatz und dem klassischen 2l Motor. Der Grenzwert für Euro 6c & 6d-TEMP beträgt 80mg NOx/km auf dem Prüfstand und darf im Realbetrieb um das 2,1fache überschritten werden. Verglichen mit den Werten oben also 168mg NOx. Die Euro 6d erlaubt 80mg NOx/km auf dem Prüfstand und 120mg NOx/km im Realbetrieb. Der BMW stößt also 1/6 der 6d-TEMP Norm im Realbetrieb aus und 1/4 der 6d Norm. Zum Vergleich: die Ottomotoren haben einen NOx Grenzwert von 60mg NOx/km.
    Befreundete Ingenieure bei MB-Tech(Mercedes Zulieferer der sich um die Abgasführung kümmert) erzählten mir, dass es auch schon länger möglich gewesen wäre den Diesel entsprechend sauber zu gestalten, es lediglich eine Preis und Aufwandfrage ist (z.B. wollte man dem Kunden nicht zumuten Adblue nachzufüllen etc etc – ist ja alles mittlerweile bekannt).
    Fakt ist: Die Technologie ist da, wird eingesetzt und funktioniert einwandfrei (SCR + Speicherkat).
    Damit liegen die neuen Diesel bezüglich den Stickoxidwerten unter den meisten Ottomotoren. Gerade die Motoren mit sehr kleinem Hubraum, die man oft in der Stadt sieht, stoßen durch die deutlich höhere Verbrennungstemperatur (um aus dem gleichen Hubraum entsprechend Leistung zu erzeugen) für einen Ottomotor verhältnismäßig viel NOx aus.
    Daher sollte die Debatte meiner Meinung nach 1) auf das Problem der Vor 2017 zugelassenen Diesel richten und hier eine Lösungen finden und 2) alle Hersteller durch Realtest kontrollieren.
    Der neue Fiat 500 Diesel stößt z.B. 845 mg NOx/km aus – also erfüllt nicht mal eine EURO 3 Norm.
    Mittlerweile sind alle Deutschen Hersteller absolut führend was die Abgaswerte bei neuen Dieseln angeht.
    Ein weiterer Punkt: Tests auf den Straßen haben gezeigt, dass egal wie hoch die NOx Belastungen bei Messstationen etc sind, die Werte um mehr als das 10-fache in Staus überschritten werden. Die schädlichen Korrelationen wurden ja anhand der Konzentrationen festgestellt. Heißt wenn sich das Abgas schnell verteilt sinkt die Konzentration und damit die gesundheitsgefährdende Wirkung. Stau in Städten ist sozusagen der Worst-Case und hier sollte an Verkehrsführung und anderen Verkehrskonzepten gearbeitet werden. Die Stau Strecken müssen auch bei potenziellen Fahrverboten die ersten Adressanten sein. Nur dann muss die Plakette für alle Diesel zwangsläufig auf Realergebnissen basieren (klingt klar und logisch, war nur noch nie der Fall).

    So sehr man mit den Autoherstellern in die Kritik gehen muss, finde ich eine weitere Sache bei der Debatte sehr nervig. Wie oft wurde denn betont, dass die Deutschen Hersteller es verschlafen haben auf Elektro zu setzen.
    Die alte Mercedes A-Klasse, die 1997 durch den Elchtest gefallen ist, war von Mercedes als Elektroauto konzipiert. Mercedes wollte vorbereitet sein, wenn die Akku-/Speichertechnologie sich schnell weiterentwickelt und hat ein Auto dafür konzipiert.
    Was ist passiert ? Es hat sich in der Speichertechnologie zwar was getan, aber unfassbar langsam.
    Jetzt kann ein Konzern wie BMW oder Mercedes nicht wie Tesla hergehen und darauf spekulieren, dass sich etwas rasant verändert. Tesla hat noch keinen $ verdient, schreibt unfassbare Verluste, weil Elektroautos weit weg von rentabel/sinnvoll sind. Heißt nicht, dass sowas nicht funktionieren kann – auch Amazon hat lange Jahre nur Verluste gemacht und letztendlich die Kurve bekommen. Aber die deutschen Konzerne haben alle Konzeptstudien in den Schubladen, sind von der Steuertechnologie führend / up-to-date und arbeiten daran, die Speicher gut genug zu machen.

    Beispiel Erlangen: ein Auto für über 40.000€ (BMW i3) ist vor 2 Wochen vollgeladen keine 30km gefahren und unser Nachbar ist 3km außerhalb von Erlangen beim Rückweg von der Arbeit liegen geblieben.
    Wenn ein Auto in der Preisklasse bei -15°C nicht einmal 30km fahren kann (ja er hatte die Heizung an, aber dachte dass er soweit kommt), ist das keine Alternative. Zumal das breit diskutierte Problem der Ökobilanz, egal wie man es rechnet, auch verheerend ist. (Beschaffung, Transport, Recycling, etc.).

    Elektroautos werden langsam kommen, aber das Mercedes/BMW / etc jedes Jahr ein neues Rekordjahr vollbringen, wohingegen Tesla ausschließlich Verluste einfährt, zeigt meiner Meinung nach, dass es sinnvoll ist abzuwarten und Vorbereitungen zu treffen, und sobald die Technologie bereit ist, diese breit einzusetzen.
    Ich hoffe nur, dass es nicht so lange dauert wie seit den ersten Konzeptideen von Daimler 1997 – damals hatte man in einem Zeitraum von 5-10 Jahren erhofft, dass die Speichertechnologien so weit sind. 20 Jahre später kann man das mit einem klaren NEIN beantworten.

    Liebe Grüße

    Alex aus Erlangen

  11. Jens Spahn behauptet, dass in Deutschland niemand hungern muss. Nachdem mein Bafög-Anspruch ausgelaufen war, unter anderem deshalb, weil ich während meines Studiums auch immer nebenbei gearbeitet habe, hatte ich Anspruch auf nichts. Auf keinen einzigen Cent. Auch nicht auf Hartz IV. Auf absolut überhaupt nichts. Und es gab viele Wochen und Monate, in denen ich mich von Toastbrot und einer Sorte Käse ernährte. Von nichts anderem, weil ich kein Geld mehr hatte. Nichts, absolut nichts. Ich aß einseitig, ich aß ungesund, ich aß Bullshit, weil Bullshit nunmal leider weniger kostet als frisches Obst oder gesundes Essen. Man sagte uns, um Hartz IV zu erhalten, hätte man das Studium aufgeben müssen, weil Studenten angeblich keinen Anspruch haben. Meine Eltern konnten mich leider nicht unterstützen, weil sie nach der Wende keinen neuen Job mehr gefunden haben.

    Und wenn wir von sozialer Ungleichheit reden, dann sollten wir auch davon reden, dass es die Kinder reicher Eltern sehr viel einfacher haben, sehr viel besser gefördert werden (Spahns Vater war Chefarzt, er hat an einer freien Schule gelernt, die zwei Prozent des Einkommens als Schuldgeld erhebt) und nun verdammt nochmal entscheiden, was armen Menschen zusteht und was nicht. Und mich macht das schon ein bisschen wütend. Es belastet mich derzeit finanziell sehr, dass ich Bafög zurückzahlen muss (ich erhielt den Höchstsatz), die letzte Rate werde ich im Jahr 2028 zahlen – mit 50 Jahren. Ein Student, der von seinen Eltern gefördert wird, vielleicht sogar reich erbte, hat diese Probleme nicht.

    Jens Spahn ist zudem ein Politiker, dem die Diäten zum Leben nicht reichen. Er kassierte jahrelang viel Geld mit der Lobbyagentur Politas, die keine andere Funktion hatte als der Gesundheitsindustrie Zugang zu wichtigen politischen Entscheidungsträgern zu ermöglichen und an der er eine Minderheitsbeteiligung von knapp 25 Prozent hielt. Er wehrte sich auch dagegen, seine Einkünfte transparent zu machen und offenzulegen, womit die Agentur ihr Geld verdient. Schon deshalb war er bereits vor seinen Äußerungen aus meiner Sicht eine völlige Fehlbesetzung. Wir brauchen wieder mehr Transparenz in der Politik, auch, um Vertrauen zurückzugewinnen – und keine Politiker, die Transparenz aus purem Eigennutz verhindern wollen, weil sie selbst lange von Lobbyismus profitieren bzw. profitiert haben.

    • Du solltest nicht nur “ein bisschen wütend” sein. Stinksauer sollte jeder anständige Mensch auf ignorante Sprücheklopfer wie Herrn Spahn sein. Seit dem ersten Tag ihres Lebens in Zuckerwatte gewickelt werden und dann blitzgescheit über Armut dozieren wollen. Ekelhaft!

    • Wie viele Semester hast du in welchem Fach studiert?
      Wie lange waren die Unterbrechungen durch Arbeit?

  12. Zum Thema: unterschiedliche Software wurde alles gesagt.
    Ich glaube Euch, dass Ihr Ahnung von IT Infrastruktur und diversen Programmen habt, aber in größeren Unternehmen sehe ich da auch kein Land. Ich arbeite genau an der setlle in einem großen Unternehmen, das für diese Themen verantwortlich ist.
    Letzten Endes geht es darum die Kosten niedrig zu halten.
    Ich sehe die Bundesverwaltung mal als großes Unternehmen mit vielen Einheiten.
    Optimalerweise will man ein homogenes Umfeld über das ganze “Unternehmen”.
    Warum das so ist, möchte ich am Beispiel Support schildern.
    Hier versucht man so gut wie möglich zu konsolidieren. Am besten wird der 1st Level von einer externen Firma übernommen, die auch noch andere Kunden betreut, das macht die Sache günstiger (Ob das sinnvoll oder hilfreich für die Qualität ist, ist ein anderes Thema).
    Dann ist es eben am besten, wenn man ein weit verbreitetes Tool hat und der Supportfirma quasi Kochrezepte gibt, die die Agents abarbeiten können. Nach dem Motto:
    “Herr X von der Bundesbehörde y ruft an und meldet Problem z”
    Agent ruft in seinem Tool den User auf, bekommt die KnowledgeBase für den Kunden angezeigt, gibt das Problem ein und führt die Schritte des passenden Kochrezepts durch.
    Meist sind die Agents irgendwelche deutschsprachigen Niedriglöhner in Tschechien, Bulgarien, Indien , die nicht wirklich Ahnung von der Software haben.
    Nun stelle man sich vor, es gäbe drei bis vier verschiedene Systeme im Unternehmen. Der Agent muss erst abklären welches System User X hat, das Kochrezept muss für alle Systeme separat gebaut werden. Das kostet Zeit und Geld.
    Und genau so verhält es sich mit dem Rollout, Update und Patching der Software. Viele Systeme=viel Aufwand=hohe Kosten
    Ja, in einer idealen Welt , in der Geld keine Rolle spielt, würde das funktionieren.
    Aber in dieser Welt gäbe es auch keine konsolidierte IT Verwaltung sondern gut ausgebildete, nette, gut deutsch sprechende Supporter, die auch noch selbständig denken und Probleme lösen.
    Und natürlich Weltfrieden. Und dann hätten wir auch das Sicherheitsproblem nicht mehr. :-)

  13. Thema Tafel:
    Ich heiße die Reaktion der Verantwortlichen nicht gut, aber ich kann sie verstehen.
    Obowhl ich, wie wahrscheinlich fast alle hier, weder dabei war, noch einen Einblick in die Organisation und den Aufwand der Tafel habe.
    Ich gehe davon aus, dass die Menschen, die eine Tafel betreiben ziemlich viel zu tun haben. Orgnaisieren, aufbauen, verteilen, Pläne erstellen, Logistik usw. Das alles, wenn ich es richtig verstehe ehrenamtlich. Bei ehrenamtlichen AKtionen ist meist das Personal knapp. Spender gibt es oft genug, aber wenns ums anpacken geht, wird es dünn.
    Wenn ich mir nun vorstelle, dass es bei der Essensausgabe Stress gibt und es soich tatsächlich zeigt, dass ausschließlich Ausländer dafür verantwortlich sind, würde ich vielleicht auch erst mal auf die gezeigte art die Notbremse ziehen.
    Mit den Leuten diskutieren, Sicherheitsdienst holen, Einzelfallkontrollen, alles recht und gut, aber womöglich fehlt dazu sowohl die Zeit als auch das Personal.
    Nach ein paar wochen kann man dann vielleicht die Regel wieder lockern und hoffen, dass die Unruhestifter daraus gelernt haben.
    Andere Tafeln haben vieleicht tatsächlich bessere Ideen und vielleicht hätte sich der Chef der Esssener Tafel auch Ratschläge geholt, aber es musste eine schnelle Lösung her.
    Das hat dann die Presse mitbekommen und ein Riesenfass aufgemacht und alle, die gerade Zeit haben, schreien auf und klopfen auf den Menschen ein.
    Der ist wahrscheinlich in Kommunikation mit der Öffentlichkeit weit weniger geübt, wie die Gegenüber und verleiert dann auch die Geduld und gibt ungünstige Kommentare ab, die den Druck weiter erhöhen.
    Hat denn einer der Schreihälse mal vorher bei dem Menschen angerufen und ihm gute Ratschläge gegeben? Oder sich das Problem genauer angehört?
    In der heutigen Zeit ist es so einfach einen Shitstorm zu entfachen, ohne sich um das Problem zu kümmern.
    Und dann gibt es wahrscheinlich noch Menschen die behaupten, dass der Mann halt so einen Job nicht machen soll, wenn er das nicht gebacken bekommt.
    Da hat dann bald keiner mehr Lust ehrenamtlich zu helfen.

    Wir hatten ein ähnliches Problem bei einem Schwimmkurs, der auch ehrenamtlich veranstaltet wird.
    Muslimische Mutter stand in vollem Ornat vor der Dusche und behinderte dden Betrieb, um anscheinend darauf zu achten, dass das Töchterchen, wie auch immer, nicht befleckt wird.
    Leider sprach sie kein Deutsch. Das ist schon eine Belastung wenn man 20 kleine Racker bändigen muss, dann noch auf eine “besorgte” Mutter einzugehen.
    Irgendwie haben es unsere Helefrinnen geschafft die Mutter zu versöhnen, vielleicht haben sie ihr auch gesagt, dass sie leider auf den Schwimmkurs verzichten muss, wenn ihre Tochter eine Sonderbehandlung braucht.
    Was hätten wir gemacht, wenn das plötzlich 4 oder fünf Mütter gewesen wären?
    Ehrlich, zur Not hätten wir vielleicht auch erst mal gesagt “keine Ausländer mehr”. Besser wäre natürlich “keine Ausländer, die kein Deutsch können” und die die Deutsch können müssen, wie alle anderen auch schriftlich versichern, dass sie vor der schwimmhalle warten um den Badebetrieb nicht zu stören.
    Aber alleine die Prüfung, wer Deutsch kann und snchließend die schriftliche Zusicherung abzunehmen, ist ein bürokratischer Aufwand, den man sich nicht zumuten will.

    • Ein schöner Kommentar wie ich finde!

      Mir missfällt auch die geringe Wertschätzung, die in dem entfachten Shitstorm der ehrenamtlichen (!) Tätigkeit der Essener Tafel zufiel. Es gab dazu auch einen schönen Kommentar bei zeit-online:
      http://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-03/joerg-sator-chef-essener-tafel-sozialdemokratie

      • Danke.
        Interessant fand ich die Bemerkung: „”Wenn wir morgen hier die Tür abschließen, verhungert in dieser Stadt kein Mensch. Es gibt leider Gottes Tafeln, die was anderes behaupten.” ………….Die Tafel, die gespendete und weggeworfene Lebensmittel verteilt, soll sie nicht vor dem Tod bewahren, sondern ihnen die Möglichkeit geben, zu sparen, um das Geld für etwas anderes auszugeben.“
        Das ist nämlich eine etwas andere Aussage als die in letzter Zeit immer wieder kolportierte: „Die Tafel übernimmt die Staatsaufgabe die Notleidenden vor dem Schlimmsten zu bewahren“
        Ich stelle fest, dass immer weniger abgewägt wird. Immer häufugerveird extrem argumentiert. Sowohl links, wie auch rechts.

  14. Gerade weil Themen – nicht nur in sozialen Medien aber auch in den normalen Medien – immer wieder schnell hochkochen und es zu oft nur um Personen und nicht um deren Arbeit/Politik geht, genieße ich die Lage der Nation sehr. Es ist schön zu wissen, dass man aktuelle Ereignisse nur schnell überfliegen muss und bei euch dann genauer informiert wird. Es ist doch leider so, dass man sich in den Medien immer informiert fühlt, man aber leider nur weiß, dass Gabriels Tochter sich über Schulz Bart lustig macht. Welcher von beiden der bessere Politiker ist, bleibt mir dort zu oft verborgen.

  15. Hallo Philipp und Ulf,
    nach wie vor höre ich Eure Lage mit Freude! Denn: es ist immer wieder wohltuend, Themen die heutzutage schnell hochgekocht und aggressiv streitend diskutiert werden bei Euch differenziert und unaufgeregt verfolgen zu können. Es tut der eigenen Konstitution gut, hier immer wieder etwas Abstand zu gewinnen zur ständigen Aufgeregtheit wie schlimm unsere Welt doch sei. Ich hoffe Ihr werdet Euch diesen Stil auch in Zukunft behalten!
    In diese Richtung geht eine Empfehlung die ich gerne weiter geben möchte. Im Philosophischen Radio greift der Gastgeber Wibeke dieses Thema auf. Die Diskussion mit dem Gast, Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, zum Thema “Wie ordnen Sie digitale Medienereignisse ein?” zeigt eindeutig in welchem Dilemma unsere mediale Rezeption und Interaktion heute steckt. Jeder ist/kann heute ein Sender sein, das Individuum ist die 5. Gewalt im Staat. Den Medien wird die Macht, Gatekeeper zu sein, entzogen. Die Selektion unserer Inputs ist heute eine enorm wichtige Aufgabe. Link zur Sendung: https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/philosophisches-radio/bernhard-poerksen-digitale-medienereignisse-100.html – gibt es auch als Podcast Feed.

  16. Ich würde auch gerne einen Kommentar zum Thema Microsoft hier lassen. Mir kommt in eurer Diskussion ein Thema zu kurz: Der Anwender bzw. die Akzeptanz der Software beim Anwender. Wenn man sich die OpenSource Alternativen zu den Microsoft-Produkten anschaut, dann findet man sicher unzählige, welche vom Funktionsumfang die Microsoft-Produkte ersetzen oder gar schlagen können. Wirft man dann aber einen Blick auf die Usability, fühlt man sich schnell in eine Zeit von vor 10 Jahren zurückversetzt. Die meisten dieser Anwendungen sind schlicht hässlich, die Benutzung ist Umständlich und macht keinen Spaß.
    Wir reden hier nicht von Nerds, die sich zur freien Software bekennen, sondern von einfachen Behördenmitarbeitern, die kaum technikaffin sind und entsprechend eine einfach zu benutzende Software zur Verfügung haben, die ihnen auch Spaß macht.
    Dazu kommt noch, dass es für eine Lösung keine Alternative gibt – MS Outlook in Kombination mit einem Exchange Server, da es bislang keine OpenSource Software gibt, die Mail, Kalender und Kontakte so konsequent in einem System vereint.

    Ich will hier auf keinen Fall Microsoft verteidigen. Ich persönlich halte die meiste Software die MS produziert für sehr schlechte Software. Aber mit blick auf einzelne Produkte sind sie meist dann doch besser als ihre noch schlechtere Konkurrenz.

    Als Lösung könnte ich mir, wie auch von euch in der vorherigen Sendung diskutiert, sehr gut vorstellen, dass öffentliche Stellen in OpenSource investieren. Aber ein paar Hunderttausend Euro werden da nicht reichen. Um das Niveau der MS Konkurrenz zu erreichen, sind Millioneninvestitionen erforderlich und man wird an vielen Stellen auf Patentproblematiken stoßen.

  17. Ihr habt gefragt, warum die Statistiker schon seit 1962 die Ausgaben der Bevölkerung analysieren, wo es doch da noch gar kein Hartz-IV gab?

    Zum einen gab es auch schon vorher Unterstützung für Arme, das nannte sich in der alten Bundesrepublik “Sozialhilfe” und musste ebenfalls bemessen werden. Zum anderen ergeben die typischen Ausgaben der Haushalte den “Warenkorb” des Durchschnittskonsumenten und dessen (jährlicher) Preisanstieg entspricht der Inflationsrate.

  18. Ich wurde ja letzte Woche so schön weggewischt mit meiner Meinung, es würde ja keine Integrationsprobleme mit muslimischen Zuwanderern geben.

    Ein gutes Beispiel ist der frische Artikel in der WELT:

    https://www.welt.de/vermischtes/article174449264/Lehrerin-in-Wien-In-einer-Klasse-von-25-Kindern-muss-man-21-integrieren.html

    Hier ist ganz deutlich zu sehen, dass wir auch noch in zehn bis zwanzig Jahren ERHEBLICHE Probleme mit der islamischen Kultur bekommen werden.

    • Wäre die Lage denn eine andere, wenn da unter 25 Schülern nun 21 christliche Kinder aus dem Süd-Sudan, Uganda, etc säßen? Sprich: ist “der Islam” das Problem – eine Religion, die rein formal ein IS-Kämpfer mit dem Londoner Bürgermeister, dem Berliner SPD-Franktionsvorsitzenden oder dem Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels teilt – oder doch eher das Entstammen aus einer archaischen Kultur gepaart mit manigfaltigen weiteren Integrationshindernissen?

    • Da muss man gar nicht hypothetisch fragen: Schaut man in die Geschichte der USA, so sieht man, dass es da reihenweise Germantowns und Little Italys gab, weil die christlichen Immigranten sich hartnäckig weigerten, richtige Amis zu werden … und bis heute gibt es hier und da Chinatowns. Schnelle Integration ist eben keine Frage der Ethnie oder der Religion, sondern vor allem der Proportion und der Integrationshilfen (Einwandererviertel sind in den USA traditionell auch Elendsviertel).

      Aus dem Beispiel des klassischen Einwanderungslandes USA kann man zugleich lernen, dass ein wenig Coolness im Umgang mit den temporären Parallelgesellschaften angebracht wäre: Inzwischen sprechen sich die Mullers und Coluccis und Chengs wie selbstverständlich amerikanisch aus.

  19. @ ÖPNV
    Ihr wisst nicht was ein Flugtaxi ist oder werden kann? – “Wer stieht schon Unterschenkel” (Gert Prokop)
    In der Vison sind wir noch 14 Jahre entfernt, mittlerweile kann ich mir das plastisch vorstellen, was ich damals phanthastisch beim Lesen empfand, befürchte jedoch, dass es die 14 Jahre nicht benötigt.
    Wenn der Bund den ÖPNV unterstützen würde, die Fahrpreise zu senken, regionale Verkehrsbetriebe finanzielle Anreize zu schaffen, das Auto insbesonderr für Kurzstecken stehen lassen zu können und die Taktungen bei Stosszeiten zu verkürzen und insbesondere auf dem Land modererate Lösung zu schaffen, wäre schon vielen geholfen.

    @Minister – wenn eine ausgebildete Ärztin Verteidigungsministerin ist, ein Jurist ein Außenminister, ein studierter Pädagoge Minister für den Verkehr, ein Jurist für das wichtige Ressort der Finanzen, eine Pädagogin Agrarministerin wird – empfinde ich das als verdrehte Welt.

    Es gab mal ein Sprichwort vor langer, langer Zeit: “Schuster bleib bei Deinen Leisten” – Schuster auch ein aussterbendes hoch spezifisches Handwerk.

    @Essener Tafel – Ulf und Philip – es wäre mMn hilfreich, wenn Ihr etwas empathischer außerhalb eures Erfahrungs- und Erlebnishoziontes recherchieren könntet , bevor Ihr Euch zu unsubstantiierten Vermutungen hinreißen lasst. Sicherlich gibt es bessere und kreative Lösungen in anderen Tafeln. Auf eine emotionale Reaktion von Menschen, die sich jahrelang mit sehr viel Engagement für Belange, die der Staat zu lösen hätte, die auf emotionale Reaktionen der Menschen, die Sie seit Jahren unterstützen, weil diese sich emtional ausgerenzt fühlen. Ich habe 5 Wochen in einem afrikanischen Slum gelebt, um ein Projekt für Straßen- und Waisenkinder in einem Workcamp zu unterstützen und musste als scheinbar “reiche Weiße” mir rassistische Beschimpfungen und körperliche Bedrohungen klarkommen. Das fand ich damals als Außenseiterin durchaus bedrohlich.

    Es geht ja nicht nur um Harz IV – es geht um Menschen, die auf die Tafeln angewiesen sind – man kann durchaus eine “relativ” hohe Rente (auch eine Erwerbsminderungsrente vor dem Rentenalter) erabeitet haben, kann oder möchte nicht in den letzten Lebenjahren aus seinen persönlichem Umfeld ausziehen, herausgerissen werden.
    Dann muss man in Kauf nehmen, seine ganze Rente in die (steigene) Miete zu investieren, spart widerum am Essen und an notwendigen Medikamenten, von Blumen, einer neuen Waschmaschine oder Klamotten reden wir gar nicht – wichtig wäre dann auch der einmal emotionale wohlwollende, angstfreie Kontakt zu Menschen jeder couleur zu haben, die sich für einen seit Jahren mit drei liebevollen Gesten und einen Blumenkohl engagieren.

    Das schildert genau das,was, ich denke, von der Überforderung der Essener Tafel ausgedrückt werden sollte – es gibt Menschen, die lassen nicht Ihren Taten Worte folgen, sie finden keine Worte mehr, weil sie sich alleingelassen fühlen und keine andere Lösungen finden. Aus den Buchstaben, die sie noch zusammensetzen können, folgen Worte, die Taten provozieren, die vor den Kopf stoßen.

    Es passiert aber immer das gleiche. Die Welt regt sich auf, über Sachverhalte, über die sich keiner aufregt, weil sie dadurch erst entstehen, aber schon immer vorhanden waren. Und Ihr schlagt in diese Kerbe ein – das Statement oder die Rechere im Nachhinein zu solchen sozio-ökonomische brisanten Themen, die sich genau in den Wahlen niederschlagen, kontakariert ihr damit. Im nachhinein statistische Erhebungen zu präsentieren – wen interessiert das? Wo ist das gesellschaftskritisch? Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass Ihr so die Nation erreicht – gerade die, die so vielfältig wächst und weiterwachsen und sich neu definieren muss?

    Ich würde mich aber freuen, wenn Ihr so ein vermeintlich rassistisch, diskriminieres Thema, was in der Öffentlichkeit hochkocht wird, erwähnt ohne eine persönliche Meinung abzugeben, wenn Ihr noch nie selbst persönlich davon betroffen ward. Jeder Politiker fühlt sich aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen. Warum fragt Ihr nicht erst die “Nation, die die Lage manchmal besser einschätzen kann als Ihr”. – Das ist manchmal die einfachere Recherche. Die Lage hätte bestimmt auch eine Möglichkeit, Jugendreportern journalistische Praktika anzubieten in einer AG, dass muss noch nicht mal pekuniär honoriert werden.

    Dafür würde ich sicherlich ein Abo abschließen. Egal, ob Ulf meine Beitrag freischaltet oder nicht. Ich administriere selbst täglich ein Forum. Es gibt halt Regeln. Selbst diese finde ich nicht definiert.

    • Na na na…. Die Lage is ja keine Selbsthilfegruppe, bei der sich jeder die Kerze mal nimmt u über seine Gefühle spricht.

      Man kann (und soll) sich auch eine Meinung bilden, ohne alles selbst mal erlebt zu haben (das machen wir im Übrigen alle jeden Tag). I.Ü. werden Ulf und Philipp ja auch nich müde ein differenziertes Bild zu zeichnen und Alternativvorschläge zu bringen.

      • Vielen Dank,

        liebe Therasa für den moralischen Zeigefinger.

        Na, na, na habe ich meinem Sohn vor 50 Jahren gedeutet, als ich befürchtete, er könnte sich die Finger verbrennen. Ich wusste doch, dass mir etwas gefehlt hat.

        Ich bin mir sicher, dass Du bei dieser Wortwahl aus ähnlichen emotionalen Erfahrungen schöpfst wie ich, ohne eine Geburtstagskerze weiterreichen zu müssen.

        Erkläre mir bitte, wie könnte man sich eine realistisch politische Meinung ohne emotionale (Lebens-)Erfahrungen und insbesondere jegliche Bewertungen über tatsächliche die Lage der Nation bilden, wenn man immer in seiner Lage bliebe. Egal wie diese aussieht. Wenn man keine Aussicht hat, denke ich mal, … , Du wirst es mir ganz unemotional deuten.

        Falls es Dir noch nicht aufgefallen sein sollte, ist die Lage eine Selbsthilfegruppe von Menschen, die sich politisch über Ihre Gedanken austauschen, sonst hättet Ihr kein Feedback.

        Mit besten Wünschen

      • Liebe Sophie,

        Ob du es glaubst oder nich, ich seh deinen Beitrag emotional völlig gleichgültig an. Mir geht es um die Sache.

        Vllt ist es tatsächlich ein Frauenproblem, dass immer gleich so emotional reagiert wird.

        Ich verstehe ja, dass es Themen gibt, auf die man etwas sensibler reagiert. Gerade deswegen, wollt ich mal anmerken, dass man mal kurz durchatmen sollte und zumindest versuchen sollte das ganze sachlich zu betrachten u nich nur das zu hören, was man in seiner Voreingenommenheit zu hören glaubt.

        Ich finde immernoch, dass Ulf und Philip den Themenkomplex sachlich u differenziert beleuchtet haben. Und wenn sie am Ende nich zu deiner Conclusio komme – so what. Ruhig bleiben u Meinungsvielfalt akzeptieren.

  20. Hallo,
    als Teil eines Admin Teams stelle ich eine Mail Infrastrucktur für ~1000 Mitarbeiter zur Verfügung.
    Aus meiner Sicht, die zugegebener Maßen sehr auf den Unternehmenseinsatz gepolt ist, ist die Heterogenität einer Umgebung vielleicht ein Vorteil, da ein potentieller Angreifer sich nicht auf ein einzelnes System verlassen kann. Trotzdem darf man viele Nachteile bzw. potentielle Probleme nicht ganz außer Acht lassen:
    Ein nicht unerheblicher Teil meiner Arbeitszeit hat auch damit zu tun, dass Nutzer sich bei uns / unserer Hotline melden und Probleme mit ihrem Mail Client haben. Stelle ich einen, gute konfigurierten Client zur Verfügung kann ich diese Probleme zum Teil allgemein lösen oder zumindest Handreichungen an zentraler Stelle zur Verfügung stellen. An dieser Stelle kann man ganz einfach sagen, dass die zentrale Verwaltung / Konfiguration von Outlook deutlich der von anderen Mailclients überlegen ist (Gruppenrichtlinien vs. Konfigurations Dateien, die verteilt und korrekt eingespielt werden wollen / müssen).
    Auch ist der Standard für den Mailverkehr (SMTP) natürlich nur ein Teil der Gleichung bei der Bereitstellung des Services “Mail”. Dazu kommen Themen wie eine zentrale Addressbuchverwaltung und teilen von Mailboxen (Stellvertreter Regelungen, Assistenten/innen, geteilte Ressourcen Postfächer). Nicht jeder Mailclient kann jede dieser Funktionen gleich komfortabel anzeigen.
    Das ist natürlich nur ein Beispiel, aber ähnlich muss man auch für die Bereitstellung von verschiedenen Office Lösungen (MS Office, Open/LibreOffice) überlegen, ob der mehr Aufwand an dieser Stelle einen überschaubaren Sicherheitsgewinn rechtfertigt, denn ein motivierter Angreifer (den wir in dieser Situation offensichtlich annehmen können), wird dann die interessanten Daten an zentraler Stelle sammeln und dann über den “Wunschclient” aus dem Netzwerk extrahieren.

    Es ist schwer pauschale Aussagen zu treffen, was eine “gute” Strategie für die Verteidigung eines solch großen und komplexen Netzwerks angeht (zumindest nehme ich eine gewisse Komplexität hier an). Es gib ein paar Grundsätze, an die man sich halten kann, z.B. generell auf allen Systemen eine lokale Firewall aktivieren, die keine Verbindungen eingehend zulässt und wenn man eine solche sensitive Umgebung betreibt auch gerne eine Firewall, die auch ausgehende Verbindungen filtert.
    Natürlich hilft das nicht gegen einen Angreifer, der sich die Dateien “einfach” mailt. Sicherheit ist leider (zumindest in der IT), kein Zustand, den man einfach erreicht oder ohne Arbeit behält.

    Abschließend bleibt mir nur zu sagen: Danke für die wöchentliche Mühe für die Lage!

    Phil

  21. Danke fuer diesen Vergleich von Rauchen mit Verbrennerauto fahren. Das hatte ich mir selbst nämlich auch schon mal gedacht. Gefällt mir als Elektroautofahrer sehr!

  22. Hey Lage-Macher,
    ich kann die Sorge von Greenpeace bzgl. der Nominierung von Svenja Schulze als Umweltministerin grundsätzlich nachvollziehen. Ist ja deren Business.
    Die Aussage dazu, dass sie ihre Mitgliedschaft bei der IG BCE “ruhen lassen” sollte, finde ich aber ehrlich gesagt mehr als unglücklich. “Ruhen lassen” könnte sie ja ein Amt, hätte sie eines bei der Gewerkschaft. Das hat sie aber nicht. Die IG BCE ist eine DGB-Gewerkschaft, die – wie auch andere Gewerkschaften – für ihre Mitglieder streitet und da gehören nun mal auch die Arbeitsplätze von Mitgliedern aus der Kohleförderung dazu. Nebenbei gesagt, sie ist auch Mitglied beim NABU. Wenn wir aber so anfangen, dann müssten wir uns auch Sorgen machen, wenn eine Verteidigungsministerin / ein Verteidigungsminister Mitglied der IG Metall wäre, die ja quasi auch an der Rüstungsproduktion mitwirken.

  23. Liebe Lage-Macher,
    Thema Diesel:
    ich weiss, eine never ending Story, aber ich schreibe zu dem Thema noch mal eine Anregung im Hinblick auf die nächste Lage.
    Könntet Ihr Stellung nehmen, was die Äußerungen von NRW-Ministerpräsident Laschet zum Thema Dieselfahrverbote angeht?

    Herr Laschet hat behauptet, in NRW seien Fahrfahrverbote unverhältnismäßig. Er werde seine Bezirksregierungen anweisen, so etwas auf keinen Fall umzusetzen.
    https://www.waz.de/politik/landespolitik/armin-laschet-haelt-diesel-fahrverbote-fuer-rechtswidrig-id213671833.html

    Meine Frage: wird hier nicht knallhart versucht, das Urteil eines obersten Bundesgerichtes auszuhebeln? Ist das noch rechtsstaatlich? Eine Einordnung von Euch, insbesondere von Ulf als
    Jurist würde mich jetzt besonders interessieren.

  24. Also euren Ausführungen das eine heterogene IT Landschaft in irgendeiner Form zu mehr Sicherheit führen soll kann ich so überhaupt nicht folgen weil dadurch die regelmäßigen Updates komplexer, langwieriger und auch in komplett unterschiedlichen Intervallen kommen werden. Ich meine MS hat 1 mal im Monat, wenn nichts außergewöhnliches passiert, ihren Patchday. Entsprechend kann man das planen. Thunderbird haut alle Jubeljahre mal ein Sicherheitspatch raus, Allgemein besteht ja das Problem das Thunderbird nur noch von wenigen Entwicklern betreut wird deren einzige Aufgabe darin besteht die gröbsten Sicherheitslücken zu fixen. Aber ich denke das größte Problem ist Kompabilität. Habt ihr schonmal versucht eine halbwegs komplexe Präsentation von MS Powerpoint in Libre Office zu öffnen ? Kannste knicken. Ich verstehe nicht warum der Staat mehrere Milliarden in neue IT Infrastrukturen investieren soll ohne dabei an SIcherheit zu gewinnen. Weil wenn der Staat relativ gut händelbar System A am laufen hat, dann hat halt jede Behörde- Sicherheitslücke X. Gut musste fixen, geht aber schneller als wenn 3 Behörden System A, B und C verwenden und System A für Sicherheitslücke X anfällig ist, System B für X und Y und System C für Sicherheitslücke Z anfällg ist. Dann ist man nämlich auf Hersteller A, B und C angewiesen das sie alle möglichst schnell einen Patch liefern.

    Natürlich brauchen wir mehr Open Source aber wenn jede Behörde ihr eigenes Süppchen kocht ist das ein Desaster mit Ansage.

    Der Bundeshack geht übrigens auf ein nicht aktuelle Instanz von Ilias (E-Learning Tool) bei der Hochschule des Bundes zurück, berichtet jedenfalls golem.de: https://www.golem.de/news/bundeshack-hack-auf-bundesregierung-erfolgte-ueber-lernplattform-ilias-1803-133227.html

  25. Danke für die Folge!

    In max. 1,5 h sich mit allen Themen bis ins kleinste Detail auseinander zu setzen ist nicht möglich u sollte mal dem ein oder anderen Hörer klar werden. Is ja jedem unbenommen sich selbst noch weiter einzulesen.

    Zum Thema Sigmar Gabriel: Warum findet ihr, dass der einen guten Job gemacht hat? Ich hatte auch immer den Eindruck, täte mich aber schwer das argumentativ zu untermauern (jetzt mal abgesehen von D.Yüzel). Mir hat seine direkte Art gefallen. Als Brandenburgerin steh ich mehr drauf, wenn jemand Klartext spricht u nich immer unkonret bleibt u um den heißen Brei drumredet. Abgesehen davon wüsst ich nich, was er so tolles geleistet hat. Da ihr ja gern an Taten messt…..könnt ihr mir da vllt auf die Sprünge helfen.

    Zum Thema D. Bär: Zusätzlich zu ihren fragwürdigen Verbindungen zu manchem Startup, bereitet es mir große Sorgen, dass sie jetzt Dinge enforcen möchte, die JETZT SCHON veraltet sind. Vor allem das digitale Klassenzimmer is ja zumindest nach Meinung von Prof Spitzer für Grundschule/Unterstufe/Mittelstufe ein totaler Mist.

    http://www.deutschlandfunk.de/digitales-klassenzimmer-wenn-kinder-nur-noch-wischen-haben.694.de.html?dram:article_id=412480

    Würde mich freuen eure Meinung dazu zu hören.

    • Ist Manfred Spitzer der Typ der behauptet Gewalt im Fernsehen und in Computerspielen würde Leute gewalttätig machen?

      • Keine Ahnung. Aber sehr wahrscheinlich, da sie denselben Vornamen teilen ;-)
        Seine Ausführungen beim DLF-Interview fand ich überzeugend, zumal er alles mit Studien belegt (die nich alle von ihm sind). Ich würde es durchaus begrüßen, wenn Politiker wieder mehr auf Wissenschaftler hören. Überhaupt wäre es wünschenswert, wenn nich nur Vorschläge in den Raum geworfen würden, sondern diese auch seriös begründet würden. Ich frag mich die ganze Zeit, warum so wenig Leute die Größe haben das Für und das Wider Ihrer Ideen vorzustellen.

  26. Auch wenn ich selber ein grosser Freund von OpenSource Software bin, glaube ich auch nicht, dass das “Monokultur”-Argument sehr weit trägt. Das waere richtig, wenn es vergleichsweise einfach waere, einen Mailclient zu schreiben und es ein grosses Angebot gleichwertiger Programme gäbe. Leider ist das doch aber nicht so, das Problem ist (dank vieler Standards, die im Detail überaus komplex sind, es ist ja mehr als RFC822 zu implementieren) so kompliziert, dass es offenbar niemand hinkriegt, einen fehlerfreien Mailclient zu schreiben. Und die Schwergewichte Outlook, Apple Mail und Thunderbird bemühen sich durchaus.

    Daher halte ich es für nicht richtig für ein “es sollten lieber viele Räder erfunden werden” zu argumentieren. Viele Clients bedeuten einfach erstmal viele Bugs. Wichtiger waere es, die Kräfte zu bündeln und gemeinsam zu versuchen, eine besonders sichere Basis zu schaffen, so wie das zB in der Kryptowelt gemacht wird, wo sich viele an OpenSSL beteiligen und nicht jeder versucht, sein eigenes Sueppchen zu kochen (und ja, dann trifft heart bleed auch mal alle). Und das waere dann der Ansatz für Open Source. Und dann darf gerne jeder Hersteller sein eigens GUI drüber basteln.

    • Wobei OpenSSL jetzt vielleicht nicht das optimale Beispiel für Sicherheit ist ;) Aber mit LibreSSL gibt es ja nun eine Alternative, die in der Tat auf einer breiten Basis steht.

  27. Hallo zusammen,

    die Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zu den Stickoxiden (NOx) habe ich mir einmal etwas genauer angesehen:

    Ich möchte die Zahl der 6000 Toten in vereinfachter Form ausleuchten und darlegen, warum diese sehr kritisch zu betrachten ist:

    1. Das UBA sagt, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% die Zahl der durch NOx an Herz-Kreislaufkrankheiten frühzeitig verstorbenen Personen ab 30 Jahren zwischen 2031 und 9893, also im Schnitt etwa 6000, beträgt (Jahr 2014). Das entspricht im Schnitt 1,77 % (0,60 – 2,93%) aller frühzeitigen Todesfälle dieser Ursache (Seite 32, Link: siehe unten).

    2. Das UBA hat zur Ermittlung dieser Zahl eine Art durchschnittliche Belastung der Bevölkerung mit NOx ermittelt.

    3. Zur Errechnung der Todesfälle brauchte das UBA eine sogenannte Expositions-Wirkungs-Funktion (EWF). Mit dieser kann man dann die durch die entsprechende Belastung hervorgerufenen Todesfälle berechnen.

    4. Die EWF wiederum wurde aus sechs epidemiologischen Studien „gepoolt“. Viele Risikofaktoren tragen jedoch zu Herz-Kreislaufkrankheiten bei. In diesen sechs epidemiologischen Studien wurden also verschiedene statistische Modelle angewandt und bekannte Störfaktoren wie zum Beispiel Rauchen wurden herausgerechnet. So hofft man, am Ende einen Faktor zu finden, der nur noch NOx betrifft.

    Punkt 4 ist mein Ansatzpunkt für die Kritik. Nicht alle Einflussfaktoren können herausgerechnet und ausgeschlossen werden. Die entsprechenden Wissenschaftler wissen das auch. Sie machen keinen schlechten Job. Es ist in der Fachwelt ein allgemein bekannter Fakt, dass das nicht möglich ist. Ihnen ist also kein Vorwurf zu machen. Einzelne epidemiologische Studien sind eher wie die Pixel eines Gesamtbildes zu betrachten.

    Diese Zahl 6000 des UBA, die mit einem Anteil von 1,77 % an allen Todesfällen dieser Ursache sehr klein ist, hat einen langen statistischen Rattenschwanz, der sich über zahlreiche wissenschaftliche Publikationen erstreckt.

    Am Ende bleibt eine zwar mit beeindruckendem Aufwand ermittelte Zahl, die jedoch alleinstehend nicht belastbar ist. Mit der Epidemiologie bei multifaktoriell bedingten Effekten und Krankheiten ist das so eine Sache; die Suche nach der gesündesten Ernährung lässt grüßen. Man muss ganz genau wissen, wie man die ermittelten Zahlen aufzufassen hat.

    Auch ich träume davon, dass die Innenstädte irgendwann abgas- oder auch autofrei sind. Mir schmeckt es nur nicht, wenn für die Hopplahopp-Durchsetzung dieser Ziele unbelastbare Todeszahlen eingesetzt werden. Emotionen sind zwar ein gutes Vehikel für die Durchsetzung von Interessen, aber ich bitte darum, diese seriös zu generieren.

    Problematisch ist, dass durch solch unbelastbaren und einfach angreifbaren Zahlen, dringliche und eindeutige Erkenntnisse wie die, dass der Klimawandel menschengemacht ist, ebenfalls geschwächt werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse verkommen so in der allgemeinen Auffassung zu etwas, dass man nicht unbedingt ernst nehmen muss.

    Zur Einordnung meiner Ausführungen: Ich bin Diplom-Lebensmittelchemiker und schreibe nach 4 Jahren Promotion gerade meine Dissertation. Des Weiteren habe ich noch ein Medizinstudium begonnen und betreibe seit Kurzem (Schleichwerbung) einen kleinen Ernährungsblog, essen-mit-hirn.de, durch den ich öfters auch mit epidemiologischen Studien zu tun habe. Ich selber bin also kein Epidemiologe.

    Link zur Studie:
    https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/421/publikationen/abschlussbericht_no2_krankheitslast_final_2018_03_05.pdf

    • Danke für diesen gehaltvollen Beitrag!

      Was hälst du von der Jenaer Studie?
      (siehe ein paar Postings vor deinem)

      • Hallo Günter,

        leider konnte ich die Jenaer-Studie (Links unten) aus zeitlichen Gründen nur überfliegen, aber auffallend ist, dass etwa 700 Fälle, über einen Zeitraum von 8 Jahren als Datensatz verwendet wurden. Das sind etwa 0,24 Fälle pro Tag. Da kann man beim besten Willen nicht solche Aussagen rausquetschen. Diese Studie ist ein interessanter Ansatz und kann gerne als Anlass für weitere Untersuchungen genommen werden, aber mehr nicht.

        Eine Ergänzung zu oben: Die Kausalität für den Zusammenhang von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der langfristigen NOx-Exposition gilt mittlerweile als nachgewiesen. Dazu wurden zahlreiche Tierstudien, Einzelfallstudien, Zellstudien etc. herangezogen. Qualitativ steht das also außer Frage. Die Frage ist vielmehr, wie relevant das Ganze ist. Bei dieser Diskussion werden dann eben immer diese Todeszahlen in die Tagespresse gespült. Das ist sehr kritisch zu sehen und das wollte ich mit meiner obigen Analyse verdeutlichen.

        Ich hoffe, dass ich helfen konnte :-)

        Link Pressemitteilung: https://www.uni-jena.de/Forschungsmeldungen/FM180215_NOx.html
        Link pdf: http://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/2047487318755804

    • Vielen Dank dafür. Die umständlichste Methodik ändert nichts daran, dass es sich hier letztendlich um Kaffeesatzleserei handelt, dessen Aussagegehalt nicht höher ist als: schlechte Luft macht krank.

      Wie soll es auch funktionieren. Bei all diesen Themen muss immer eine Laienbewertung der Studie vorgenommen werden: man stelle sich den “typischen” Menschen vor, den es so ja nicht gibt. Dieser Mensch kommt also von seinem Vorort mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt X und bewegt sich dort sein Arbeitsleben lang. Am Ende stirbt er nach 30 Jahren Rente mit 93 an einem Herzinfarkt. Wie will man nun ersthaft ermitteln, wie sehr die Belastung des Verkehrs (insbesondere die einzelnen Gase) kausal für den Tod des Herrn waren.

      Es ist einfach nicht zu ermitteln, auch wenn natürlich nicht vom Einzelfall ausgegangen wird, sondern von großen Zahlen. Aber auch dieses Zahlenmaterial ist bereits wenig aussagekräftig.

      Der Verweis auf die “richtige Ernährung” ist sehr gut. Seit Jahrzehnten versuchen Millionen von Leuten hier den richtigen Weg, die richtige Diät etc. zu finden. Es wirkt auch nicht allzu kompliziert. Aber fast niemand berücksichtigt dabei die Unterschiedlichkeit von Menschen und ihren Situationen, die am Ende wohl zu mindestens hunderten verschiedener “richtiger” Ernährungen führt.

    • Mal ne Frage, ist die absolute Höhe der Tote durch NOx nicht eigentlich unwichtig? Entscheidend für die derzeitige Debatte ist doch eigentlich, wie viele Tote ZUSÄTZLICH durch das Überschreiten der Grenzwerte entstanden sind, oder?

      Es bringt ja nichts auf Diesel zu schimpfen weil 6000 Tote durch NOx zu beklagen sind, wenn bei Einhaltung der Grenzwerte noch immer 5750 Menschen vorzeitig verstorben wären…

      • Die Hauptquelle für NOx ist der Mensch. Daher finde ich es im Prinzip nicht schlimm, wenn mit der Gesamtexposition gerechnet wird.

      • 16. März 2018 um 9:47 Uhr
        Thomas Anderson

        Schlimm ist es nicht, aber es macht fraglich, was für Schlussfolgerungen daraus gezogen werden können.
        Vielleicht genügt ein Dieselverbot ja nicht, sondern was wir wirklich brauchen sind verkehrsfreie Innenstädte?

  28. Danke für die Folge!

    Ihr habt beim Thema Grundsicherung fast nebenbei erwähnt, dass es so gut um den Bundeshaushalt steht. Meiner Meinung nach bewertet Ihr das Thema zu positiv. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage sollte Deutschland einen viel deutlicheren Haushaltsüberschuss haben. Der Wirtschaft geht es gut und wir zahlen momentan auf unsere Schulden fast keine Zinsen.

    Ich finde, wir sollten uns Gedanken machen, wie man Geld für zukünftige Investitionen z.B. in Glasfaser einnehmen kann. Jetzt Geld zurückzuhalten in dem man Investitionen schiebt um Steuergeschenke zu machen halte ich für einen groben Fehler. Das sollte nicht Aufgabe eines Finanzministers sein.

    Ich fände es super, wenn der Podcast auf das Thema Haushalt und Steuern mal genauer eingehen könnte. Unter anderem sehe ich die Besteuerung von multinationalen Unternehmen als Herausforderung.

    PS: Die Grundsicherung muss immer gewährleistet werden. Das habt Ihr auch gut argumentiert.

    • Keynesianismus sagt der Staat soll anti-zyklisch handeln. Also sparen in den guten Zeiten wie jetzt und investieren in schlechten Zeiten wenn die nächste Wirtschaftskrise grassiert.

      • Für Keynesianismus gibt es Pro und Contra.

        Den Glasfaserausbau würde ich nicht auf schlechte Zeiten verschieben. Den brauchen wir so schnell wie möglich.

        Zudem würden Keynes jetzt Geld einnehmen wollen. Sparen will die Bundesregierung aber gerade nicht, denn dann würde sie Steuern erhöhen und nicht senken. Stattdessen werden Steuergeschenke gemacht vor allem für multinationale Unternehmen. Ziel der Regierung ist anscheinend eine schwarze Null und das auf Kosten der Entwicklung und der Staatsverschuldung.

  29. Das Dieselverbot ist nicht kontrollierbar? In welchem Jahrhundert leben wir hier?

    In den Niederlanden stehen in Utrecht und Rotterdam einfach an mehrere Stellen Kameras die die Kennzeichen von alle Kfzs lesen und diese vergleichen mit den Zulassungen.

    Wer in Utrecht zB die Stadt rein fährt mit einem Pkw mit der Erstzulassung vor 01.01.2001 bekommt einfach eine Bußgeldrechnung von €90 in der Post. Da muss die Polizei gar nichts an tun.

    • Da-Da-Da-Datenschutz?

      • 1. Die Gesundheit von allen ist wichtiger als der Datenschutz von einigen Autofahrern.
        2. Autofahren ist ein Privileg und ist für Städte eine besondere Belastung. Dazu passt keine absolute Datenschutz.
        3. Man kann ziemlich einfach so ein System bauen ohne daten zu sammeln.

        Weil Datenschutz müssen wir hier in Deutschland tun als ob wir im 19. Jahrhundert leben? Lieber nicht.

      • Mir ist Datenschutz ehrlich gesagt lieber. Nicht nur weil ich unseren Behörden beim Umgang mit Daten misstraue, sondern auch weil ich den sich Stück für Stück radikalisierenden Innenministern misstraue. Abgesehen davon hält “der Deutsche” sich sowieso von alleine an “die Regeln”.

  30. Auch ein Grund für Politikverdrossenheit:

    “Bis jetzt stellt der Bezirk Tempelhof-Schöneberg kein Geld für den Sicherheitsdienst bereit. Der zuständige Stadtrat Oliver Schworck (50, SPD): „Ein Wachschutz in einer Schule darf nicht das erste Mittel sein. Es gibt noch viele andere Maßnahmen, mit denen man Konflikte in der Schule lösen kann, darüber muss man erst einmal sprechen. Schließlich gibt es auch viele Schulen mit einer ähnlichen Quote, die keinen Wachschutz benötigen.“

    https://www.bz-berlin.de/berlin/tempelhof-schoeneberg/spreewald-grundschule-schoeneberg-wachschutz

    Auch Kinder mit Migrationshintergrund haben ein Recht in einer sicheren Umgebung lernen zu können. Traurig, dass eine Grundschule überhaupt einen Wachdienst benötigt. Wieso lässt man es zu, dass an einer Grundschule 99% der Kinder einen Migrationshintergrund haben? Kann man die Kinder nicht besser verteilen in Berlin? Diese Kinder sind die Hartz-IV-Empfänger von morgen und daran trägt die Politik eine Mitschuld.

  31. Hallo
    mir sind 2 Sachen aufgefallen.
    1. So wie ich das verstehe sind die aktuellen Studien über die Anzahl der Tote durch Stickstoffdioxid nur Veranschaulichungen alter Studien, nämlich denen die Wahrscheinlichkeit berechnen.
    Ich bin hier nicht genau informiert und kann dementsprechend nur die Quellen auswerten die ich kenne, aber danach ist die Beweiskraft mäßig. Soweit ich weiß sind die meisten Effekte nicht direkt nachgewiesen, sondern mittels “epidemiologischen Studien” ‘nachgewiesen’… . Diese geben meines Erachtens bestenfalls Hinweise wohin man schauen muss, da Korrelation wenig mit Kausalität zu tun hat und diese Art von Studien nur Korrelationen feststellen können. Hierzu kann man sehr schön z.B. das Beispiel von Piraten die an der Erderwärmung Schuld sind heranziehen oder auf die Seite http://www.tylervigen.com/spurious-correlations gehen,… aber das Netz ist voll von Beispielen von Korrelationen die offen sichtlich keine Kausalitäten sind. Verschärfend ist dabei auch zu berücksichtigen, dass Stickstoffdioxid, soweit ich weiß, sehr häufig mit anderen Stoffen zusammen auftaucht, deren Giftigkeit eine höhere Nachweis-Sicherheit haben. Damit will ich nicht sagen, dass Stickstoffdioxid harmlos ist, aber bis jetzt kenne wenigstens ich keinen harten Nachweis (was aber sicher es Wert wäre mal eruieren zu werden//z.b. eine randomisierte, interventionistische Studie ist mir nicht bekannt), sondern findet nur Korrelations-Nachweise . Deswegen finde ich es nicht ehrlich, dass meistens (so wie ich es verstehe) mit “Es ist schlimm” argumentiert wird und nicht mit dem Vorsorgeprinzip (“Es könnte schlimm sein, also lass uns lieber Vorsicht walten als Nachsicht”).

    2. Es wird immer auf den Verbrennungsmotor geschimpft. Dabei wird dann ganz schnell das dabei ausgestoßene CO2 angeprangert. Es stimmt schon, dass CO2 mit dem Verbrennungsmotor verknüpft ist, aber CO2 ist nichts schlechtes an sich (jeder Mensch stößt es aus), CO2 aus FOSSILEN Quellen ist schlecht. Um es genauer zu sagen Energie aus Fossilen Quellen ist schlecht. Wenn man ein Elektro Auto mit Braunkohle-Strom betreibt ist das auch in dieser Hinsicht sehr umweltschädlich! Wenn es um den Ausstoß von schädlichen Abgasen/Stäuben geht, so kann man den Gas-Motor ins Feld führen. Dieser ist für Innenräume zugelassen, kann also nicht wirklich besonders giftig sein. Soweit ich weiss kommt da zu >99% nur Wasser und CO2 raus. Ein weiterer Punkt den man dabei bedenken sollte, ist dass die Direkte Stromspeicherung (Batterie) eins der ungünstigsten Energie/Gewichts Verhältnisse hat und vieles mehr. Ausser dem kommt es auf die gesamt Lebensbilanz der Autos und der Infrastruktur (E-Autos benötigen eine neue, Benziner nicht) an. Auch das ist wahnsinnig kompliziert und in jeder mir bekannten Version eines solchen Vergleiches, waren tendenziöse Vereinfachungen (mal in die eine mal in die andere Richtung) enthalten. Sprich es ist weit aus komplizierter als Elektro=gut, Verbrennung=schlecht. Nach aktueller Sicht (mein Wissensstand) kann man sagen Fossil= schlecht, Regenerativ= gut. Ich würde ein Gas Auto mit regenerativ gewonnenem Gas jederzeit einem Kohle-E-Auto vorziehen. Meines Erachtens ist die Festlegung auf E-Auto komplett verfrüht und man sollte sich eher auf die Ziele festlegen wie “möglichst wenig Gesundheitsgefährdend” und “Klima-Neutral”. Wie die einzelnen Hersteller das dann lösen sollte denen überlassen werden.

    • BTW Ich höre Euren Podcast sehr gerne und finde im allgemeinen Eure differenzierten Darstellungen und die mehrseitigen Betrachtungen der Themen sehr gut.

    • Schau mal hier: https://www.uni-jena.de/Forschungsmeldungen/FM180215_NOx.html

      Kausalität sicher nachzuweisen, das wird natürlich schwer.

    • Hallo,
      ich höre die Lage sehr regelmäßig, weil auch ich finde, dass ihr alle Themen super toll recherchiert und von verschiedenen Seiten beleuchtet.
      Einzig die Dieseldebatte nervt mich mittlerweile ein wenig. Warum? Na, ich bin selbst Dieselfahrerin und das hat ganz bestimmte Gründe, die nichts damit zu tun haben, dass Dieselfahrzeuge von irgendwelchen Autoherstellern in den letzten Jahren besonders beworben wurden.
      Ich habe eine private Fahrleistung von ca. 35.000 km im Jahr. Das kommt ganz einfach davon, dass ich auf dem Land wohne und alleine einen täglichen Arbeitsweg von 150 km habe.
      Bei einer solchen Fahrleistung ist heute immer noch der Diesel die beste Lösung. Dies sicherlich einerseits wegen der begünstigen Spritpreise. Andererseits aber auch, weil es Fahrzeuge sind, die auf große Fahrleistung ausgelegt sind. Ich fahre nunmehr seit über 27 Jahren diesen Weg in die Arbeit und er war teilweise auch schon weiter. Ich habe es zwischendrin auch mit Benzinern versucht. Diese sind jedoch ab 100.000 km extrem anfällig und das geht dann so richtig an den privaten Geldbeutel.
      Der Kommentar vor mir spricht genau den zweiten Punkt an, der mich an der Debatte stört. Da werden die E-Autos in den Himmel gelobt. Warum sprecht ihr da nichtmal über umweltbelastende Herstellung der Batterien, die sich nach aktuellem Stand frühestens nach 80.000 km Stadtverkehr (nicht Überland) amortisieren. Wie stellt ihr Euch das in der Umsetzung vor? In der Firma in der ich arbeite, gibt es extrem viele Pendler. Soll die Firma nun für alle Pendler Ladestationen bereit stellen?
      Warum wird nicht auch mal die Deutsche Umwelthilfe kritisch hinterfragt? Mal angesprochen, wie bzw. durch wen sie finanziert wird?
      Warum wird nicht über ein Verbot von Feuerwerksraketen gesprochen. Ein Grund für die hohe Belastung in München ist unter anderem die Silvesternacht 2016/2017. Was da an Silvester, bei Hochzeiten oder anderen Feiern in die Luft geballert wird, müsste aus meiner Sicht überhaupt nicht sein.
      Ich bin leider kein Experte und kann meine Aussagen nicht mit wissenschaftlichen Berichten belegen. Ich lasse mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen. Hätte hier aber die große Bitte, alle Seiten zu beleuchten und nicht immer nur von Menschen auszugehen, die in der Stadt leben.
      Das ist insgesamt eine Bitte die ich hätte, bitte betrachtet auch andere Themen nicht immer nur aus dem Blickwinkel der Stadt. Eine ganz großer Anteil unserer Bevölkerung lebt ländlich und das ist auch wichtig und richtig.

  32. Tolle Folge wieder, vielen Dank dafür.
    Zu Dorothee Bär und den Flugtaxis:
    Dass sie der Frage ausgewichen ist – klar.
    Aber sich über die Aussage zu Flugtaxis lustig zu machen ist zu kurz gedacht. Da seid Ihr vielleicht Opfer Eurer Filterblase geworden. Das ist das heiße Thema in der Luftfahrt zur Zeit. Alle großen Hersteller arbeiten daran, und auch einige Startups. Lilium aus Deutschland wurde ja schon erwähnt. Auch z.B. Airbus, Bell und Porsche entwickeln Modelle oder machen Studien. Dubai will in ca. 5 Jahren den Betrieb aufnehmen. Wie auch bei den autonomen Autos kommen hier die Elektrifizierung und die Digitalisierung zusammen um eine vollkommen neue Anwendung zu ermöglichen. Dass Frau Bär sich dafür interessiert finde ich erfreulich. Und deutsche Unternehmen (Lilium) dabei zu unterstützen wird ja wohl ihre Aufgabe sein. Man kann nicht sagen dass die Politik keine Ideen und Visionen hat, und sich dann genau über diese neuen Ideen lustig machen.

    Viele Grüße,
    Carsten.

    Beispiele:
    Uber mit NASA und Bell: https://www.golem.de/news/kabine-vorgestellt-so-wird-das-uber-flugtaxi-aussehen-1801-132165.html
    Airbus: https://vahana.aero
    Porsche: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/porsche-denkt-ueber-lufttaxis-nach-15476748.html

    • “Frau Bär, hinter ihnen steht ein Waffenlager der Bundeswehr in Flammen wie wollen sie das löschen? Bei mir zu Hause ist die Wasserversorgung sehr schlecht…”
      – “Nun, was juckt mich denn das Wasser? Es geht um mehr als um Feuer löschen. Wir werden demnächst eine neue Drehleiter beschaffen.”

    • Ich finde auch dass der Spott über Flugtaxis unangemessen ist, wenn man Digitalisierung auf den Breitbandausbau beschränkt. Ich halte die Aussage von Frau Bär richtig, wenn sie darauf hinweist, dass hier mehr zu tun ist.
      Hier ein aus meiner Sicht besseres Interview mit ihr zu dem Thema, mit mehr Inhalt von ihr zu dem Thema.
      https://www.google.de/amp/s/amp.welt.de/amp/politik/deutschland/article174401539/Dorothee-Baer-Facebook-wird-zu-einem-Seniorennetzwerk.html

    • Hallo zusammen,

      bin kein Fan von Dorothee Bär, sie hat aber m.E. im Interview die zukünftige Notwendigkeit des Netzausbaus verdeutlichen wollen. Hochautomatisiertes Fahren bedarf eines hohen Daten-/ Informationsaustausches sowohl zwischen den einzelnen Fahrzeugen als auch zur Infrastruktur (Verkehrszeichen, Ampeln etc.). Ein Baustein davon ist das Mobilfunknetz (bald mal 5G); zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist aber das Netz in keinster Weise drauf vorbereitet.
      Eine Komplexitätsstufe mehr haben die “Flugtaxis”. Diese werden auch im Kontext der städtischen Mobilität gehandelt. Ich glaube zwar nicht, dass diese ein realistisches Szenario für die breite Nutzung darstellt (u.a. Energiebedarf, Fluglärm -> gleiches gilt für Lieferdrohnen), es wird aber wie von Carsten beschrieben gerade ziemliche gehypt.
      Ich denke Frau Bär wird diese Beispiele aus ihrer Arbeit im Verkehrsministerium zur Verdeutlichung des Netzausbaus im Hinterkopf gehabt haben, hat sich aber dann bei der Formulierung verzettelt und überschätzt haben, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung mit zukünftigen Mobilitätskonzepten befasst.
      Viele Grüße
      Max

      • Da hat sie bestimt schon mit der telekom gesprochen denn laut deren Chef ist “Lichtgeschwindigkeit nicht genug”:

        Beispielsweise reichten für vernetzte Autos die Latenzen von 5G bisher nicht aus, “selbst wenn alles über Glas geht”. Weniger als 10 Millisekunden auf den Stationen vom Fahrzeug über die mobile Site in die Cloud zu den Applikationen und wieder zurück sind zu viel. “Lichtgeschwindigkeit ist nicht genug”, so Hoettges. Daher will die Telekom die Clouds bis ganz unten in die Infrastruktur einpflanzen.

        https://www.heise.de/newsticker/meldung/Telekom-Chef-hat-das-Jammern-satt-3947391.html

      • “Hochautomatisiertes Fahren bedarf eines hohen Daten-/ Informationsaustausches”

        Das ist doch lediglich eine Behauptung aus der Lobbyecke. Kein autonomes Fahrzeug (Stufe 4 oder 5) wird für die reine Fahrfunktion eine Datenverbindung brauchen. Sonst würde bei einer NEtzstörung nämlich ganz schnell der gesamte Verkehr still stehen.

  33. 11. März 2018 um 16:52 Uhr
    Eberhard Ernst, Dr.

    Zur Diesel-Diskussion:
    Wieso schimpfen alle auf den Diesel? Versteht keiner wovon er redet?
    Wenn tatsächlich die vorhandenen reifen Techniken angewandt würden, emittierten Benziner nicht so viel Ruß (!) wie alte Pumpe-Düse-Diesel. Und Diesel so wenig NOx wie Benziner! Es ist überhaupt nicht einzusehen, daß heute Unterschiede in den politisch erlaubten Emissionen gemacht werden. Alle Fahrzeuge müssen die gleichen Randbedingungen erfüllen – auch Elektroautos deren Abgase aus Kraftwerksschornsteinen emittiert werden.
    E-Autos fahren macht Spaß und E-Maschinen haben viele Vorteile wie Energie-Rekuperation beim Bremsen – wenn die Stromquelle nicht bisher so problematisch wäre. Die Herstellung von Li-Io-Akkus braucht erhebliche Mengen Energie und verursacht sehr hohe CO2 Emissionen – und ein Recycling gibt es bisher nicht! Die in der Rechnung unten eingesetzten CO2 Emissionen für die Akku-Herstellung sind die geringsten gefundenen (die höchsten waren über 4 mal so hoch!). Brennstoffzellen sind nicht wirklich reif und die Wasserstoffherstellung und Lagerung ist sehr energieintensiv und die teure Infrastruktur nicht vorhanden, ich zeige die Zahlen dennoch.
    Eine Lebensdauer- CO2 -Bilanz inklusive Herstellung des Autos und des Energiespeichers, sowie des Well to Wheel Energieverbrauchs angefangen beim Rohöl / der Kohle …. und dessen Umwandlung(-en) für eine Fahrleistung von 200.000 km gerechnet (Mehr Lebensdauer haben Autos meist nicht und schaffen auch heutige Akkus kaum) in aller Kürze – alle Zahlen sind Tonnen CO2 über die Lebensdauer:
    Benzin aus Rohöl Stand der Technik: 56,0
    Diesel aus Rohöl Stand der Technik: 40,6
    Elektroautos je nach Stromquelle:
    Serieller Dieselvollhybrid (Wie Rangeextender, sehr kleine Batterie): 33,6
    Li-Io-Akku mit deutschem Strommix: 41,0
    Li-Io-Akku mit 100% regenerativem Strom: 20,6
    Wasserstoffbrennstoffzelle d. Stromm.: 60,4 !
    Wasserstoffbrennstoffzelle % reg. S.: 12,2 !
    Es ist vollkommen klar, daß die Reise zum E-Antrieb geht. Die Aufgaben sind ebenso klar:
    > Die Autoindustrie MUSS den Stand der Technik herstellen und auch dort nachrüsten wo sie es sich ohne technische Gründe schlicht gespart haben (bis runter Euro 5)
    > Massiver Ausbau regenerativer Stromproduktion und für Übergang synthetisches Diesel / Benzin (vorhandene Infrastruktur kann genutzt werden)
    > Deutliche Verbesserungen bei der Akkuherstellung, neue Akkusysteme mit anderen Metallen.
    > Die Wasserstoffinfrastruktur wäre mit besseren Akkus obsolet.

    Ich hoffe mit diesen Zahlen zum NACHDENKEN angeregt zu haben und hoffe daß die Diskussion wieder auf die physikalischen und technischen Grundlagen herunter kommt! Wir können uns die Zukunft doch nicht so hysterisch verbauen wie es ‘die Politik’ und ‘die Lobbys’ gerade tun!

    Genaueres von mir dazu bei den Kollegen im Podcast: Blindstrom#29

    • Pardon, aber keine Sau interessiert sich für CO2. Es geht um die Vermeidung von nitrosen Gasen wie NOx oder den anderen drölfzig karzinogenen Stoffen die lokal(sic!) emittiert werden. Ein Blick in die Luftreinhalterichtlinie würde helfen.

      • Sollte man sich nicht aber dennoch auch für CO2 interessieren? Thema Klimawandel? Ist eine ernst gemeinte Nachfrage.

      • Jeder nach seiner Fasson, für mich ist das jedoch beim Individualverkehrssektor kein Thema solange die Flugmeile nicht mindestens 20 Euro kostet und privat noch immer mit Beton statt mit Holz gebaut wird.

    • Super Kommentar – hab ich mir in den Diskussionen auch schon immer gedacht, dass keiner sich mehr mit den Fakten beschäftigt.

      In den Diskussionen geht es schon lange nicht mehr um Luftverschmutzung, sondern um “weniger Autos auf den Strassen”.
      Das finden natürlich alle “Nicht-Diesel” Fahrer total toll.
      Endlich haben wir eine böse fast kriminell anmutende Randgruppe gefunden, die wir jetzt durch “mögliche” Fahrverbote von uns (den lieben, umweltbewussten Nicht Diesel Fahrern) dann ungestört nutzen können.
      Denn meine lieben Benzinfahrer – alle bösen Dieselfahrer werden sich zukünftig kein Auto mehr anschaffen, sondern ab sofort nur noch sich zu Fuß fortbewegen oder mit dem öffentlichen Nahverkehr. Haben sie ja auch verdient!!!

      Und ich muss das leider so überspitzt formulieren, weil es mich einfach nur nervt, wie man so dumm mit einem so wichtigen Thema umgehen kann.

      Dumme Vorschläge:
      1. Plakette muss her – hell und dunkelblau (?) – und was bekommen dann Anwohner, Handwerksbetriebe und Nahverkehr. Blau mit Punkten? dürfen dann “blau mit Punkten” nur in ihrer Stadt fahren oder in allen Städten?
      2. Parkgebühren in den Städten erhöhen – cool, Auto als Luxusgut

      Fakt ist doch – es sind zu viele Autos auf der Straße unterwegs und das ist ein deutsches (weltweites) Problem und kann durch ein paar Fahrverbote nicht gelöst werden
      Hier muss es zu einem generellen Umdenken in der Gesellschaft kommen
      Wie kann man da wirklich sinnvoll und nachhaltig den Autoverkehr verringern und damit die Luft verbessern ?
      – man fördert zum Beispiel Homeoffice (siehe Bsp. Japan) – würde übrigens ggf. auch das Wohnungsproblem lösen, weil ja weniger Büroflächen in den Städten benötigt werden
      & massiver AUSBAU des öffentlichen Nahverkehrs (Ziel sollte es sein, schneller zur Arbeit mit den Öffentlichen zu kommen, als mit dem Auto)
      & unterstützt Fahrgemeinschaften
      & Steuervorteil für Personen, die kein Auto besitzen
      etc…

      Was keine Lösung ist und da gebe ich Herrn Dr. Ernst recht, ist eine Loch zu stopfen (NoX) und ein anderes zu öffnen (CO2), weil wenn wir die vorgegeben CO2 Grenzwerte nicht einhalten, wird es bald noch mehr Einschränkungen geben.

      • Ich habe das Gefühl NOx und CO2 hängen eben doch zusammen. Das erklärt auch, wieso Euro 3-4 teils “sauberer” ist als Euro 5.
        Auslöser war m.E. das alte Thema, dass wir ja CO2 reduzieren wollen/müssen. Da bin ich auch voll dabei – wobei das so richtig erst mit dem Merkel-Atomausstieg relevant wurde, als wir dann wieder mehr Kohle verstromt haben…. aber ist ein anderes Thema.
        Die Autobauer wurden angehalten, CO2 ärmere Motoren zu bauen. Dies ging am besten mit Diesel, das es einfach die effektivste Kraftmaschine ist. Die Bevölkerung wurde durch Steuervorteile dazu gedrängt, diese Autos in großem Stil zu kaufen. Firmenflotten sowieso.
        Irgendein Politik-Hirni hat bei der EU den strengeren Abgasgrenzwerten zugestimmt, wahrscheinlich nach entsprechender Lobbyarbeit dahingehend, dass die Prüfmethode “entschärft” wurde.
        Dann kam noch das sinnbefreite “Downsizing” => immer mehr Literleistung aus immer kleineren, aufgeladenen Motoren (die nur im Prospekt einen geringeren Verbrauch und damit auch geringeren CO2-Ausstoss hatten)
        Die Autoindustrie hat aus Profitsucht immer nur soviel Abgasreinigung gemacht, wie minimal nötig. Leider ist dann VW mit der Taktik in den USA auf die Nase gefallen.
        Was jetzt wohl mit dem Software-Update versucht wird, ist ein fetteres “Gemisch” zu fahren => mehr CO2, mehr Ruß, verstopfte Filter, aber weniger NOx.
        Ich bin froh, dass ich meinen rel. neuen Diesel letztes Jahr verkauft habe….

  34. Hallo ihr Lieben,

    es würde mich sehr interessieren, aus welcher Quelle ihr die Informationen zu den Kriterien der Auswahl von Svenja Schulze als Bundesumweltministerin bezieht. In eurer Erklärung klingt es so, als sei sie nicht aufgrund ihrer Eignung, sondern vielmehr aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Herkunft aufgestellt worden. Sollte es sich hierbei lediglich um eine Vermutung eurerseits handeln, dann fände ich es gut, wenn ihr dies als solche kennzeichnet. In der Sendung wird dies allerdings als Tatsache präsentiert. Die Belege dafür würden mich sehr interessieren.

    Abschließend noch eine kleine Anmerkung bezüglich des Kabinetts. Dieses besteht aus 7 Frauen und 9 Männern. Ihr habt von einer 50:50 Verteilung gesprochen und das ist schlichtweg falsch.

    Ganz liebe Grüße :)

    • Das stimmt und is eindeutig ungerecht.
      Es sollte z.b. Peter Altmeier oder Gerd Müller sofort durch irgend eine Frau ersetzen werden.

      Wenn schon inhaltlich nichts passendes da ist passt dann wenigstens das Geschlechterverhältnis.

    • Danke für deinen Kommentar!

      Ich möchte dazu noch darauf hinweisen, dass Hendricks ebenfalls aus der NRW-SPD war.
      Das Argument verfällt demnach, es bleibt aber noch das Argument des Alters. Nachdem Frau Hendricks sich jedoch wiederholt mit den alten Kabinettskollegen angelegt hat, vermute ich jedoch politische Gründe für ihr ausscheiden.

  35. Auch hier muss ich nochmal reingrätschen, weil Ihr da einfach falsch liegt. Innerhalb eines Unternehmens (oder einer Behörde) diverse Software einzusetzen ist absolut unrealistisch. Nicht nur was Supportkosten angeht, sondern auch sicherheitstechnisch.

    Wie soll es eine IT-Abteilung leisten, nicht mehr ein, sondern wohlmöglich mehrere Duzend verschiedener Clients…
    …zu installieren
    …einzurichten
    …upzudaten
    …mit Sicherheitspatches zu versehen
    …zu supporten

    Das System würde nicht sicherer sondern um ein vielfaches unsicherer werden, weil es nicht nur einen Angriffsvektor gibt (Outlook) , sondern gleich hundert. Irgendeiner benutzt schon den Mailclient für den es einen Exploit gibt, und dann ist EIN Rechner schonmal infiziert.

    Auch Open Source ändert an dem Problem nichts… Mit Thunderbird wäre das genauso passiert. Und wenn man den Usern die Wahl ließe, würde es eh darauf rauslaufen dass 99% Outlook oder Thunderbird nutzen würden, und man damit absolut nichts gewonnen hätte, außer erhöhte Kosten für Support und Wartung.

  36. Es ist interessant wie Ihr davon redet, dass man Diversität in den Anwendungen braucht, um im im selben Absatz dann zu sagen, dass die Entwicklung heute nur auf GitHub läuft.

    Von manch einem wird GitHub als “Das Facebook der Softwareentwicklung” angesehen.

    Sicherlich ist das “Protokoll” (git, eine API die zumindest dokumentiert ist und Json spricht) im moment offen, so haben aber alle Disruptionsclowns mit ihren Plattformen angefangen. Im harmlosesten Fall ist GitHub eben ein massiver single point of failure, und in bedenklicheren Fallen ein Single Point of Control.

    • Klar ist Github ein zentraler Punkt, aber wenn da mal was implodiert trägt man eben in seine git config einen neuen Host ein, pusht darauf und fertig ist die Laube. Gerade WEIL git offen ist kann man Github notfalls leicht ersetzen – beispielsweise mit dem ebenfalls freien Gitlab.

      • Ja und nein. Das Protokoll git erlaubt es seinen Quellcode ‘ mitzunehmen’ jedoch hat GitHub mittlerweile vielerlei Services um das git Protokoll herumgebaut. GitHub hat es verstanden durch guten Mehrwert die Benutzer an sich zu binden. (PS: bin kein Programmierer, partizipiere jedoch in GitHub Wikis und issues)

      • Das ist alles richtig, blankes git auf dem Terminal kann Github nicht ersetzen, aber Gitlab schon (das ist weitgehend ein Open Source Nachbau von Github).

  37. Herzlichen Dank für Eure Erläuterung der Hartz IV Berechnung! Ich dachte immer, das sei viel komplexer und hab dehalb nie versucht, die Methode zu verstehen.
    Anschlussfrage: Wenn die Berechnungsmethode doch so offensichtliche Fehler aufweist, müsste eine erneute Klage gegen die Regelsätze nicht relativ gute Erfolgschancen haben? Vermutlich liegt es im politischen Ermessen, ob die unteren 20% oder 15% der Bevölkerung als Maßstab herangezogen werden, oder ob Schnittblumen zum Existenzminimum gehören. Aber die Einbeziehung von Leuten, die Hartz IV beanspruchen könnten, ist doch eindeutiger Unsinn, oder nicht?
    Vielleicht wäre es etwas viel verlangt, dass die GFF “soziale Teilhabe armer Menschen” als Freiheitsrecht definiert und sich darum kümmert. Aber es gibt doch sicher andere NGOs, die so eine strategische Klage führen könnten…?

    Ein persönliche Erfahrung, halbwegs zum selben Thema: Ich habe während meines Studiums volles Bafög bekommen und kam mit dem Geld recht gut klar. Um die zum Aufrechterhalten einer Fernbeziehung nötigen Reisen zu finanzieren, musste ich nebenbei jobben. Aber zum Leben hat das Bafög gereicht.
    Der große Haken am System waren aber die Zahlungsbedingungen: Hätten meine Eltern mir nicht regelmäßig Überbrückungskredite in Höhe mehrerer Monatssätze geben können, hätte mich selbst der teuer verzinste Dispo meiner Bank nicht gerettet. Klar habe auch ich mal ein Papier zu spät eingereicht und deshalb später Geld bekommen. Aber in einigen Fällen hatte ich z.B. die nötigen Studienscheine einfach nicht rechtzeitig, um den Antrag pünktlich zu vervollständigen.
    Auch da fehlt m.E. die Flexibilität, die Ihr bei den Hartz IV Sätzen fordert.

    Gruß,
    Matthias

    • Vielleicht wäre es etwas viel verlangt, dass die GFF “soziale Teilhabe armer Menschen” als Freiheitsrecht definiert und sich darum kümmert.

      Nein, ganz im Gegenteil, das ist nicht zu viel verlangt – wir sind an dem Thema soziale Teilhabe dran, haben aber noch keine konkrete Klage gestartet. Wir verstehen Freiheit in der Tat umfassend, sodass auch die Leistungsverwaltung darunter fallen kann, entsprechend dem modernen Begriff der Grundrechte unter dem GG (Abwehr-, Teilhabe- und Leistungsrechte).

    • Zum Thema Berechnungsgrundlage von Hartz IV

      Ich glaube, ihr erliegt bei eurer Kritik einem logischen Fehlschluss:
      Man kann die erforderlichen Mindestsätze nicht daran orientieren, was die “letzten 20% oberhalb von Hartz IV” verbrauchen und anhand dessen dann den Regelsatz ausrechnen. Damit würde nämlich das Ergebnis der Berechnung (“Hartz IV Satz”) zugleich indirekt zu ihrer Grundlage (“Oberhalb von Hartz IV Satz”). Kurz gesagt, hieße die Formel dann: Die Leute müssen fast so viel Grundsicherung bekommen, wie die Leute, die keine Grundsicherung mehr bekommen, erhalten. Das wird widersprüchlich oder?
      Die Frage muss daher vielmehr lauten: Was verbrauchen die unteren 20-30%? Egal ob Hartz IV oder nicht.

      • Es sind die untersten 15 bzw 20%, die rein FAKTISCH kein Hartz IV beziehen. Das kann man ganz einfach bestimmen. Dass das zu Verzerrungen führt haben wir ja (hoffentlich) dargestellt.

      • @JAS

        Von dem, was die “letzten 20% oder 15% oberhalb der Grundsicherung” ausgeben, werden ja noch Kürzungen vorgenommen.
        In der Tat zynisch und sinnfrei geht man aber vor, wenn in dieser Vergleichsgruppe zahlreiche Personen berücksichtigt werden, die eigentlich Anspruch auf Grundsicherung hätten, sich aber irgendwie anders durchschlagen.

  38. Nochmal zu Hartz IV.
    Wie ich bereits unter der letzten Folge kommentiert habe, geht mir die Kritik an der SPD und ihrem Agenda/Hartz-IV-Kurs aus verschiedenen Gründen gegen den Strich.

    Angesichts Eures Feedback-Blocks zur Berechnung des Hartz-IV-Satzes möchte ich Euch folgende fünf Fragen stellen:
    (1) Was ist Eurer Ansicht nach die Alternative zum gegenwärtigen System (in Gestalt von Hartz-IV)?
    (2) Was würde die von Euch vorgeschlagene Alternative kosten?
    (3) Reicht es aus, die ggf. entstehenden Mehrkosten durch die gegenwärtig gegebenen Haushaltsüberschüsse zu finanzieren? Wenn nein, wie soll die Finanzierung des Sozialstaats (= verfassungsrechtlich geboten!Uunschätzbar wertvolle Errungenschaft! Unbedingt zu verteidigen! ) gesichert werden?
    (4) Haltet ihr es für sinnvoll, die Debatte derart rückwärtsgewandt zu führen, dass sich auf Reformen von vor 15 Jahren fokussiert wird?
    (5) Wie wäre es, sich von der allseits beliebten SPD-Agenda-Hartz-IV-Kritik zu lösen und stattdessen über die zahllosen akuten Herausforderungen mit Blick in eine digitalisierte Zukunft in einer älter werdenden Gesellschaft zu diskutieren; gerade mit Blick auf Erhalt des Sozialstaats bzw. Finanzierung von Erweiterungen des Sozialstaats?

    Ich kenne mich im Sozialrecht nicht aus. Daher fällt mir eine substanziierte Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen System (verglichen mit dem alten) nicht leicht. Ich kann nur eine politische Zielvorstellung formulieren:
    Eine Politik, die den Zusammenhalt der Gesellschaft in der Weise fördert, dass sie sowohl soziale Sicherheit als auch ökonomische Stabilität im Blick behält; dazu sollte mehr in Richtung eines vorbeugenden Sozialstaats gedacht werden, der auf finanziell solide Basis gestellt werden können muss. (Eine staatliche Existenzsicherung ist damit ausdrücklich nicht in Frage gestellt.)

    Vor diesem Hintergrund ist mir Eure Debatte um Hartz-IV (nicht nur in den letzten beiden Folgen, sondern schon immer, wenn es darauf zu sprechen kam) leider zu kurz gesprungen!

    • Danke für die eingehende Kritik, die Zukunftsperspektive ist offensichtlich einer vertieften Diskussion wert – ich könnte mir vorstellen, dass wir das mal mit 1 “Vordenker(in)” diskutieren sollten. Bespreche ich mit Phil.

      Von mir nur Stichworte zum Ziel des Ganzen: Ein System sozialer Sicherung sollte Menschen tatsächlich wirtschaftliche Geborgenheit vermitteln, nicht Existenzangst, und sie ermutigen und stärken, ihr Leben wieder mehr in die Hand zu nehmen, statt sie emotional und wirtschaftlich fertig zu machen. Ich stelle mir ein System gutmütiger Zuwendung und Hilfeleistung vor statt einer eiskalten Bürokratie. Nein, ich habe das selbst glücklicherweise noch nie erlebt, aber ich erlebe beruflich ständig Menschen, die das System psychisch zugrunde gerichtet hat.

      • Deine Formulierung zum “Ziel des Ganzen” kann ich als ebenfalls überzeugter Sozialdemokrat freilich unterschreiben.

        Noch eine nachträgliche Bemerkung zu “unserer” SPD: Ich bin überzeugt und kann belegen, dass die Fehler, die mit der Agenda und mit Hartz IV verbunden sind, und von denen Du einen soeben artikuliert hast, von der Mehrheit (auch!) des Spitzenpersonals (mir fällt ad hoc höchstens eine Ausnahme ein…) erkannt wurden und bekämpft werden wollen. Aber dafür fehlt der SPD die Mehrheit. Übrigens: Schon bei Verabschiedung der Reformgesetze war die SPD auf die Union angewiesen, die im Bundesrat auf Blockade hätte stellen können.

        Die Problemanalyse, was die verlorenen Bundestagswahlen seit 2009 (!) betrifft, darf sich nicht auf die Agenda-Politik an sich konzentrieren. Denn: (a) 2005 erzielte die SPD noch ein Ergebnis jenseits der 30%. (b) Die Linke, als in Teilen vornehmliche post-Agenda-SPD-Kritiker (um nicht “Hasser” zu sagen), bleibt bei ihren ~10% und kann kein Stimmenzuwachs en gros verbuchen.

        Das Problem Nummer 1, das in engem Zusammenhang mit Fr. Merkel und der GroKo steht, ist ein Kommunikationsproblem!!!

        Und bevor ich es vergesse: Ich danke Euch sehr für Eure Arbeit an/mit/für den Podcast!! Ein tolles Format!!

        P.S.: Von Peer Steinbrück ist dieser Tage ein in weiten Teilen (in puncto “political correctness” sowie zur Debatte um die “Leitkultur” teile ich seine Ansichten nicht) lesenswertes Buch erschienen: “Das Elend der Sozialdemokratie”.

      • Marco,

        Kommunikation bedarf einer inhaltlichen Basis. Über irgendwas muss man ja kommunizieren, nicht wahr? Im Jahr 2005 war die CDU besoffen vom marktradikalen-sozialdarwinistischen Zeitgeist und ging mit dem Kirchhoffschen Steuerkonzept sowie dem Vorschlag einer “Kopfpauschale” in der Krankenversicherung ins Rennen. Das klingt es heutiger Perspektive genauso irre, wie es damals tatsächlich war. Gegen diesen Wahnsinn konnte auch eine SPD, die gerade eben erst eine 180°-Wende in der Sozialpolitik eingeleitet hatte, gut anrennen und hätte um ein Haar noch die Bundestagswahl gewonnen. Die Union unter Frau Merkel hat damals die richtigen Schlüsse gezogen und sich in der Sozialpolitik viel moderater positioniert. Zudem wurden zig Themen, die früher zur Aktivierung vieler irgendwie links eingestellen Wähler wichtig waren, von der Union abgeräumt. Atomkraft/Energiewende, Wehrpflicht, Ehe für Alle, Kinderbetreuung und was nicht alles.

        Was hat die SPD dem entgegenzusetzen – also der Union von 2017, nicht der von 2005? Nicht viel. Themen wie die Bürgerversicherung, mit der sich Sozialdemokraten von der Union abheben könnten, fallen der Parteiführung leider erst gut vier Wochen nach der Wahl ein. Ansonsten übersetzt sich “Zeit für Gerechtigkeit” in “wir sind bei staatlichen Leistungen gut 10% großzügiger als es eine unionsgeführte Bundesregierung ohne SPD-Beteiligung wäre”. Dafür gibt’s halt nicht mehr als 20%.

    • Marco,

      wir haben aktuell gut 4,5 Mio Empfänger von Arbeitslosengeld II (Grundsicherung für Ewerbsfähige) sowie 1,5 Mio Empfänger von Sozialgeld (Grundsicherung für Nicht-Ewerbsfähige). Würde man jedem von denen 100 Euro monatlich mehr zur Verfügung stellen, dann reden wir von 7 Mrd Euro pro Jahr. Das sind Peanuts. Man müsste das auch gar nicht ausschließlich aus dem Bundeshaushalt finanzieren, sondern könnte teilweise auch den Bezug von Arbeitslosengeld I (Versicherungsleistung aus den Beiträgen zur Arbeitlosenversicherung) verlängern/mit mehr Stufen auslaufen lassen. Der Beitragssatz der Arbeitslosenversicherung lag im Jahr 2006 bei 6,5% des Bruttoeinkommens, inzwischen wurde er auf 3% gesenkt. Dann steigt der halt wieder auf – sagen wir mal – 4%. So what?
      Fazit: Das “Durchfüttern” der Ärmsten der Armen ist spottbillig und es ist im wesentlichen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (in diesem Fall: Hass/Verachtung der Armen/Leistungsunfähigen) zu verdanken, dass der sogenannte HartzIV-Satz dort liegt, wo er liegt, und dazu noch bei Regelverstößen der Bedürftigen kräftig gekürzt werden darf.

      Kurz zur SPD: Da es ohne Regierungsbeteiligung der Linken keine realistische Option auf eine SPD-geführte Bundesregierung gibt, wäre eine öffentliche Abkehr von den “Hartz-Reformen” schon allein aus strategischen Gründen angebracht, um ein Hindernis für Rot-Rot-Grün aus dem Weg zu räumen. Wobei das ja fast schon illusorisch ist in der jetzigen Lage. Eher geht es nun darum, auf Bundesebene die 20%-Marke zu halten.

      • Günter,

        Du schreibst: “Würde man jedem von denen 100 Euro monatlich mehr zur Verfügung stellen, dann reden wir von 7 Mrd Euro pro Jahr. Das sind Peanuts.”
        -> In dieser arg vereinfachten Form mag das stimmen. Damit lösen wir aber kein einziges Problem; jedenfalls dann nicht, wenn man eine politische Zielvorstellung hat, wie Ulf oder ich sie oben formuliert haben.

        Die vorgeschlagene Distanzierung von den Hartz-Reformen benennt ein tatsächliches Problem: Die geringe Aussicht auf eine SPD-geführte Bundesregierung. Eine derartige “strategische Distanzierung” halte ich für wenig sinnvoll, zumal die Probleme in einem R2G-Bündnis viel tiefer liegen. Indes sollte die Debatte nicht rückwärtsgewandt geführt werden. Solange die Linke (bzw. ein Teil der Partei) ebendies geradezu apodiktisch fordert und aktiv tut, will sie offenbar lieber in Opposition bleiben, als in Regierung verantwortlich zu sein und Kompromisse eingehen zu müssen.

        “Kommunikation bedarf einer inhaltlichen Basis.”
        -> Richtig!
        “Was hat die SPD dem entgegenzusetzen […]?”
        -> Das Problem der SPD liegt – bei Lichte betrachtet – gerade nicht an mangelnden Inhalten. Wenn man sich bspw. das Wahlprogramm anschaut, stellt man fest, dass die SPD sich auf 113 Seiten etliche graduelle Änderungen auf die Fahne schreibt. Die mitreißenden, durchdringenden Botschaften gab es leider nicht. Man hätte sich auf wenige, dafür schlagkräftigere Botschaften konzentrieren sollen. Hinzu tritt ein so geschmälertes Selbstbewusstsein, dass man selbst (Teil-)Erfolge nicht anerkennt – weder innerparteilich noch nach außen gerichtet. Eine verhängnisvolle Mischung. Dass es auch anders geht, zeigte der Start von Martin Schulz im Bundestagswahlkampf (exemplarisch ist seine Rede in Bielefeld, zu einer Zeit da die SPD in Umfragen an der 30% Marke kratzte: Siehe: ab Minute 15:00; sowie ab Minute 19: https://www.youtube.com/watch?v=uvwdxV7Ixf0)

        Übrigens: Im Vergleich kann mir keiner erzählen, dass das Wahlprogramm der CDU eine Fülle an ambitionierten Inhalten geboten hätte. Ihre Botschaft konnten sie dennoch kommunizieren. Nicht falsch verstehen, das soll der SPD nicht als Vorbild dienen; aber der Vergleich der Inhalte macht deutlich, dass die SPD der CDU 2017/18 etliches entgegensetzen kann.
        Nur zwei Beispiele: (1) Wirklich grundlegend: Ein Rentenkonzept hat die Union nicht vorgelegt. (2) Die SPD hat das Konzept eines “Chancenkontos” präsentiert. Wer hat es wahrgenommen und diskutiert???

        Fazit: Wenn man in der Debatte ehrlich auf die Sozialdemokratie blickt, stellt man freilich Fehlentwicklungen und Probleme fest. Eine oftmals von links(-außen) vorgenommene pauschale Kritik (die bisweilen in dem Vorwurf des “Verrats” gipfelt, womit man ein historisch denkbar negativ besetztes Vokabular führt) geht sowohl in der Problemanalyse als auch in den vorgeschlagenen Lösungswegen aber völlig fehl.

      • Marco,

        die Union benötigt – im Gegensatz zur SPD – kein Programm, das über die Erhaltung und das bestmöglich Management des Status Quo hinausgeht. Gibt’s mal ein größeres Problem, eine wichtige gesellschaftliche Entwicklung, dann nimmt sich die Union dem Thema zunächst nur widerwillig an, inkorporiert es aber früher oder später in ihr Bild von “Standort Deutschland”. Siehe obige Liste der “abgeräumten” Themen, wo die Union ihre Felle davobschwimmen sah.

        Nimmt man nun die letzten 70 Jahre als Maßstab, dann versagt die Union in dieser Rolle einmal pro Generation, so dass die SPD dann doch mal kurz die Regierung führen kann. Darauf kann man natürlich warten – das ungefähr ist auch die Hoffnung der Herren Klingbeil und (Carsten) Schneider, mit denen ich neulich auf ProGroko-Tour ein paar Worte wechseln konnte.

        Leider kommt in diesem Planspiel (Union vergeigt den Generationswechsel nach Frau Merkel und verpasst wichtige Themen) der Umstand nicht vor, dass die Wählerbasis der SPD in Auflösung begriffen ist. Wer jetzt nicht strategisch vorgeht, sondern sich nur von Tag zu Tag retten will, der landet perspektivisch bei 10%+X.

      • P.S. Wo sollen die Probleme mit der Linken denn liegen? Konnte mir noch kein Funktionsträger in unserer Partei schlüssig erklären.

        Mit Rot-Rot-Grün pauckt man in den ersten Monaten strukturelle Veränderungen wie eine Bürgerversicherung durch, erhöht den Mindestlohn sowie die Steuerbelastung für hohe Einkommen und Erbschaften und gut ist’s. Soll die Union, wenn sie dann irgendwann wieder den Kanzler stellt, mal zusehen, wie sie das wieder rückgängig macht. Schulz, als er in dem Umfragen gleichauf mit Merkel stand, hätte genau diesen Stunt versuchen sollen.

        Sollte die Linke dann auf einem NATO-Austritt oder vergleichbaren Spinnereien bestehen, dann weist man ihnen die Tür. Plötzlich wäre es die SPD, die dann Überläufer von der Linken aufnehmen könnte.

      • Nur noch folgende Anmerkung zu R2G-Debatte:
        Es ist eine interessante Idee und sicherlich wäre es ein spannendes Experiment – aber völlig illusorisch (um nicht zu sagen, politisch völlig naiv)! Im Übrigen glaube ich, dass die von Dir genannten Themen einfach so durchgepeitscht werden könnten. So läuft es einfach nicht.

        [Du unterstellst bspw., dass die Bürgerversicherung als Konzept fertig in der Schublade liege und die Umsetzung problemlos möglich wäre – das Gegenteil ist richtig. Es gibt etliche berechtigte Bedenken – auch von Sozialdemokraten.
        Ob eine Erhöhung des Mindestlohns ein Problem löst, außer, dass die Linke ihre Forderung durchzusetzen vermag, stelle ich vorsichtig in Frage.
        Und was die Steuerpolitik betrifft zeigt die Vergangenheit, dass es gegenwärtig (noch) keine überzeugende Strategie gibt, eben dafür eine Mehrheit zu gewinnen. Vielmehr legen die Parteien zu, die mit der unsinnigen Forderung von “den Menschen was zurückgeben” in den Wahlkampf ziehen (Union, FDP, AfD). “Nur” Steuern zu erhöhen (so die Linke), ist im Übrigen m.E. kein Konzept und sollte so auch nicht einfach durchgesetzt werden; ob da die Kompromissfähigkeit ausricht?]

        Ebenso fragwürdig, weil unnötig riskant (auch und gerade mit Blick auf die Auswirkungen auf die Beliebtheit der SPD) ist es, eine Koalition einzugehen mit dem inneren Vorbehalt, diese alsbald wieder platzen zu lassen. Bevor wir uns auf solche strategischen Spielchen einlassen, sollten wir etwas dafür tun, dass die SPD wieder stärker wird!

      • Korrigiere:
        “Im Übrigen glaube ich NICHT, dass die von Dir genannten Themen einfach so durchgepeitscht werden könnten.”

      • @Marco

        Der vermeintliche politische Realismus ist es doch, der die Sozialdemokraten in ganz Europa dem Untergang entgegenschreiten lässt.

        Ich bin mal so frei und behaupte, dass ein Desperado-Schulz nachdem er gerade mit 100% zum Vorsitzenden gewählt wurde, von der Partei A L L E S hätte verlangen können, auch und inbesondere die Aufkündigung der Koalition.

        Und wenn der Move dann schiefgegangen wäre? Dann hätte die SPD womöglich das schlechteste Wahlergebnis ihrer Geschichte eingefahren, ihren Vorsitzenden verloren und wäre tief gespalten. Also so wie jetzt ungefähr. Ganz, ganz, ganz sicher wäre aber nicht die letzten 2 Monate des Wahlkampfs nur über Flüchtlinge debattiert worden und eine AfD hätte sich nie und nimmer als die einzige Partei präsentieren können, die willens ist, den Status Quo aufzubrechen.

      • @Günter 19:07 h.

        Das ist ultralinke Propaganda und imho auch populistisch. Allein schon wie Du die Arbeitslosenversicherung berechnest. Ich persönlich kann nur hoffen, dass die Vernünftigen in der SPD (Seeheimer Kreis) noch lange das Ruder in der Hand halten und R2G verhindern. Irgendwann wird das denen, die den Sozialstaat finanzieren, auch zu viel.

  39. Noch mal zu Microsoft:

    Nachdem Netscape in den Neunzigern den ersten Browser mit JavaScript ausgerollt hatte, hat Microsoft gleich nachgozogen mit dem hauseigenen JScript. JScript war JavaScript mit ein paar Erweiterungen, die den Standard brechen (u.a. ActiveX-Unterstützung im Internet Explorer). Weil die meisten Leute zu dieser Zeit ohnehin den IE verwendet haben, wurde das zum Defacto-Standard und das Ergebnis war, dass viele Sites auf der Homepage einen Disclaimer hatten, der so oder so ähnlich lautete:

    Diese Website unterstützt nur den Microsoft Internet Explorer.

    Oder die Inhalte wurden gleich per Script für nicht unterstützte Browser geblockt. Ich erinnere mich noch, wie ich als Jugendlicher in der Bibliothek einem Mitarbeiter erklärt habe, dass deren Online-Suchfunktion mit dem Browser auf meiner Linux-Kiste nicht funktioniert. Die Antwort war, dass ich mir dann wohl einen ordentlichen Computer (also einen Windows-Computer) kaufen sollte. Ich nehme an, dass es vielen Mac-Users in der Zeit ähnlich ging.

    Viele Leute teilen die Auffassung, dass das eine gezielte Strategie war: Embrace-Extend-Extinguish. Ein offener Standard wird implementiert aber auch auf eine nicht-standardkonforme Weise erweitert. Aufgrund der Marktdominanz setzt sich die Erweiterung durch und der Standard selbst stirbt — so jedenfalls der Plan. JScript ist ein Beispiel von vielen. Man könnte diese Strategie als Microsofts Kernstrategie bezeichen:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Embrace,_extend,_and_extinguish#Examples

    Der entscheidende Kniff ist dabei, dass es für den Endanwender und die Endanwenderin so aussieht, als wären die standardkonformen Programme minderwertig, weil ihnen Funktionalität fehlt.

    Mit Word-Dokumenten etc. ist es ja ganz ähnlich: wenn Libre-Office das Layout einer Word-Datei zerhaut, sagt niemand Dieser verdammte proprietäre Standard!, sondern Dieses Libre-Office ist kompletter Müll!

    Die Annahme, dass Microsoft sich grundsätzlich geändert hätte, finde ich naiv. Das einzige, was sich geändert hat, ist deren Situation. Jetzt wo so viele Leute gar keinen PC oder Laptop mehr haben, sondern ein Smartphone und evtl. noch ein Tablet, und Microsoft auf diesen Hardwareformaten keinen Fuß in die Tür bekommt, verliert die Windows-Plattform immer weiter an Relevanz. Die Open-Source-Initiativen von Microsoft sind lediglich ein Versuch, gegenzusteuern und relevant zu bleiben. Ich finde, der Schaden, den Microsoft über mehrere Jahrzehnte hinweg systematisch angerichtet hat, sollte ihnen trotzdem nicht verziehen werden, zumal sie dort, wo sie es können, heute noch genau so agieren wie damals in den Neunzigern.

    Zum Beispiel schickt Outlook Anhänge in einem hauseigenen Format. Gmail hat dafür ein Workaround, aber Thunderbird kann diese Anhänge nicht lesen. Erklär das mal dem Absender! Und OOXML ist in Bezug auf seine Offenheit auch nur ein Scam!

    https://netzpolitik.org/2014/ooxml-digitale-zeitbombe-in-deutschen-amtsstuben/

    • Danke für diese Hinweise.

      Ich würde den moralischen Unterton zwar nicht teilen, denn man muss MS nichts „vergeben“, weil sie sich einfach gut kapitalistisch verhalten haben, also wie ein Raubtier. Das kann man böse finden, aber Unternehmen sind nun einmal auf Gewinnmaximierung im Rahmen des geltenden Rechts getrimmt. Wenn man also bestimmte Praktiken falsch findet, dann muss man das Recht ändern.

      Aber es trifft vermutlich zu, wie Du das Engagement in Sachen Open Source in den Kontext stellst … cui bono, das muss man einfach immer wieder fragen.

      • > Wenn man also bestimmte Praktiken falsch findet, dann muss man das Recht ändern.

        Vor dem Hintergrund, dass Du Jurist und Richter bist, finde ich den Standpunkt als einen professionellen sehr gut und sehr wichtig, aber ich bin nicht sicher, was ich vom Verzicht auf moralische Urteile als Teil einer allgemeinen Grundeinstellung gegenüber Unternehmen halten soll. Warum sollte sie sich auf Unternehmen beschränken? Müssten wir dann nicht auch für jede andere Domäne menschlichen Handelns den Eigennutz im Rahmen des geltenden Rechts als legitime Motivation anerkennen und von jeder weiteren moralischen Bewertung absehen? Max Stirner und Ayn Rand würden das sicher gutheißen. Ich sehe allerdings nicht, warum ein wenig Indirektion in Form einer privaten Körperschaft in dieser Frage ausschlaggebend sein sollte (wohlgemerkt: hinsichtlich der moralischen, nicht der rechtlichen Bewertung).

        > Unternehmen sind nun einmal auf Gewinnmaximierung im Rahmen des geltenden Rechts getrimmt.

        Das mag ja sein, aber aus der Ausrichtung auf einen bestimmten Zweck folgt doch nicht, dass moralische Urteile unzulässig oder irrational sind. Letztlich handelt es sich bei einem Unternehmen ja doch um ein Kollektiv aus Menschen, und nicht um einen Haifisch oder Moderkäfer. Wie man dazu steht, scheint mir in erster Linie eine Sache der Weltanschauung zu sein. Wenn ich auf die fortschreitende Fragmentierung der Zivilgesellschaft, ökonomische Segregation und Auflösung des Sozialstaates schaue, dann sieht der Rückzug auf ein rein rechtliches Dürfen und Müssen für mich aus wie die Kehrseite der allgemeinen Erosion kollektiver Grundwerte.

  40. Ich höre die LdN seit längerem sehr gerne und freue mich über die differenzierte Auseinandersetzung mit den allermeisten Themen.

    Was mich heute irritierte war die mehrfache Erwähnung der Proporz-Verteilung des neuen Kabinetts vonseiten Philips, und zwar zum allergrößten Teil im Zusammenhang mit den neuen Ministerinnen. Wie Ulf ganz richtig klarstellte, ist das neue Kabinett nach einer ganzen Reihe von Quoten gestaltet, von denen das Geschlecht nur eine darstellt – siehe Herkunft oder Alter. Wer sagt eigentlich, dass Jens Spahn nicht aufgrund einer Altersquote im Kabinett gelandet ist? Und Gerd Müller, der im Entwicklungsminsterium nicht gerade brillierte, eine 50%-Männerquote erfüllt?

    Natürlich stimmt Philips Hinweis, dass die vorderen Reihen der CDU sicherlich nicht 50/50 mit Frauen und Männern besetzt sind – doch das hat ja auch einen Grund, nämlich die strukturelle Benachteiligung von Frauen in den konservativen Parteien! Hier liegt die eigentliche Ursache dafür, dass die neuen Ministerinnen zum Teil “ausgegraben” wirken und die dürfte bei einer kritischen Betrachtung der Proporz-Verteilung – die an sich völlig in Ordnung und notwendig ist – zumindest nicht unerwähnt bleiben.

    Ebenso wundert mich, dass ihr zwar aufs Flugtaxi eingegangen seid, aber nicht auf einer andere Kritik an der CSU-Ministerriege, die doch in vielen Medien aufgegriffen wurde: dass die CSU nur männliche Minister gestellt hat. Zum Teil sehr kritisch, zum Teil lapidar wie bei der Welt: “Dorothee Bär wird zwar anders als erwartet nicht Bundesministerin, kann aber dennoch zufrieden sein.” Klar, so viel ist dazu nicht zu sagen, und es überrascht auch nicht vonseiten der CSU. Doch wenn man schon mehrfach auf das “Proporz-Kabinett” zu sprechen kommt, wäre es doch eine Erwähnung wert, dass trotz eder 50/50-Verteilung der Ministerien von CDU und SPD das Kabinett – dank der CSU – ohnehin mehrheitlich männlich bleibt.

    Ich, weiblich, Mitte 20, bin hier eventuell voreingenommen, doch persönlich würde ich mir wünschen, dass ihr, wenn ihr die Sinnhaftigkeit einer Frauenquote oder des Ergebnisses einer solchen Quote anzweifelt, schlicht die Argumente für und gegen diese Quote darstellt. Klar, ihr seid kein Gender-Podcast, aber hier geht es immerhin um das neue Bundeskabinett.

    Andernfalls finde ich es tatsächlich despektierlich, wenn zwei Männer eine neue Ministerin als “ausgegraben” bezeichnen. Ich denke, dass diese Form der Diskussion sich langfristig auch auf eure Hörerschaft auswirken kann, die ja schon jetzt – zumindest den Kommentaren hier nach zu urteilen – größtenteils männlich ist.

    • Hallo Luisa,

      Dein Kommentar ist nicht an mich gerichtet, deshalb hoffe ich, Du bist mir nicht böse, wenn ich einmal nachfrage:

      Die Männer, die neu ins Kabinett dazu stoßen bringen, soweit ich das überblicke, im Schnitt mehr Erfahrung mit als die Frauen, was Regierungsverantwortung auf Bundes- und Länderebene betrifft. Auch der von Dir erwähnte Jens Spahn (den man nicht mögen muss), war immerhin lange Jahre parlamentarischer Staatssekretär und im Vorstand der CDU. Franziska Giffey dagegen war bislang “nur” Bezirksbürgermeisterin und angesichts der Tatsache, dass sie auf Bundesebene kaum jemand kennen wird, kann man denke ich schon von “ausgraben” sprechen.

      Meine Frage an Dich wäre nun, wie Du es denn rechtfertigst, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts bevorzugt werden. Warum wird denn nicht jemand aufgrund von Erfahrung, Kompetenz und Eignung ausgewählt, sondern aufgrund seines Geschlechts? Das erscheint mir nicht nur ungerecht den Männern gegenüber, die deshalb nicht ausgewählt werden, sondern insgesamt auch schädlich, sollten sich besagte Frauen eben als weniger geeignet erweisen.

      Es gibt natürlich auch genug Männer, die in Posten gelangen und deren Eignung man infrage stellen muss. Der von Dir angesprochene Gerd Müller oder (mein Lieblingsbeispiel) Heiko Maas sind da nur einige. Aber auch hier wurden die Menschen denke ich nicht aufgrund ihrer Kompetenz ausgewählt sondern wahrscheinlich aus parteiinternen machtpolitischen Gründen.

      Mein Credo ist, dass Posten, Ämter und Verantwortung an die kompetentesten Personen gehen sollten. Nicht an die Leute, die sich lediglich intern profilieren, nicht an die Menschen aus dem “richtigen” Bundesland und eben auch nicht an diejenigen mit dem “richtigen” Geschlecht.

      Was ist Deine Meinung dazu?

      • Das was Chri sagt!

      • “Das erscheint mir nicht nur ungerecht den Männern gegenüber, die deshalb nicht ausgewählt werden, sondern insgesamt auch schädlich, sollten sich besagte Frauen eben als weniger geeignet erweisen.”

        …und schädlich für alle Frauen, die aus gutem Grund in Führungspositionen sind, aber immer mit dem Verdacht “Quotentante” zu sein, leben müssen.

        MH

      • @MH

        Kennst du solche Frauen? Hast du das Gefühl, die machen sich Sorgen, als “Quotentanten” wahrgenommen zu werden?

      • Hallo Chri,

        ich antworte spät, da ich vermutet hatte, ich würde bei Reaktionen auf meinen Kommentar eine E-Mail erhalten. Hier doch noch eine Antwort:

        1. Ich denke, dass es so etwas wie strukturelle Diskriminierung von Frauen gibt – das sehe ich zum Beispiel in Uniseminaren, in denen 85% Frauen sitzen und 15% Männer, und am Ende beide Geschlechter doch wieder 50% der Redezeit haben. Das sehe ich meiner Meinung nach in der Gender Pay Gap und an offen sexistischen Aussagen männlicher Professoren. Oder auch nur ein Professor, der uns alle wichtigen amtierend Zentralbanker der Welt vorstellt und bei der ersten Frau (bis vor kurzem die Leiterin Fed) als erstes die Frage stellt, ob wir wüssten, mit wem sie verheiratet sei (natürlich nicht, aber interessierte ihn auch nicht, mit wem die Männer verheiratet sind). Das sehe ich in meiner ehemaligen BigBand, in der von 20 MusikerInnen zur zwei Frauen waren, weil Frauen nun mal zarte Instrumente spielen, Flöte und Geige und so.
        Ich vermute, dass Du dies auf eine grundsätzlich unterschiedliche Veranlagung von Frauen und Männern zurückführst, während ich darin eine Mischung aus Veranlagung und Sozialisierung sehe, in der letzteres für mich eine größere Rolle spielt.

        2. Daraus folgt aus meiner Sicht, dass bevorzugte Behandlung dort Sinn ergibt, wo sie Strukturen aufbricht und Frauen (und anderen benachteiligten Gruppen) Räume gibt, um alte Bilder in Frage zu stellen. Wenn wir in den 70er Jahren alle Posten nach Erfahrung und Kompetenz vergeben hätten, was wäre das gewesen? Ein Kabinett ausschließlich aus Männern, Frauen waren halt zu Hause. Nun sind die Frauen seit den 70er Jahren ja nicht alle auf einmal schlauer geworden, sie haben sich empanzipiert. Und hier denke ich, haben wir unterschiedliche Ansichten darüber, ob dieser Prozess abgeschlossen ist, was Du wahrscheinlich so siehst. Für mich gibt es da keinen Abschluss, höchstens eine Verschiebung der Debatte von Emanzipierung zu Gleichstellung, die ich auch richtig finde – das Recht der Frauen auf Bildung und Karriere ist auch ein Recht der Männer auf Zeit mit ihren Kindern.

        3. “Posten, Ämter und Verantwortung” – hier muss man mE darauf schauen, über welche Posten wir reden. Frauenquoten in der Wirtschaft sind ein anderes Thema als in der Politik. Wir haben eine repräsentative Demokratie, es geht nicht nur um Fachkompetenz, sondern um politische Ansichten und um die Repräsentation verschiedener Bevölkerungsgruppen.

        Eine Bundesregierung, die komplett oder größtenteils aus Männern besteht, ist vielleicht kompetent, aber sie repräsentiert mich nicht.

        Das war bis vor wenigen Jahrzehnten ganz selbstverständlich der Fall und dass sie es heute nicht mehr tut, ist ein Resultat aktiver Frauenförderung – und halt auch des “Ausgrabens”.

    • Ich kann mich dir in diesem Punkt vollkommen anschließen, obwohl ich männlich und Mitte 30 bin. Allerdings würde ich mich auch als halbwegs “feministisch sensibilisiert” betrachten. Im Gespräch mit einem Arbeitskollegen, der sich selber in dieser Hinsicht eher als unbedarft bezeichnen würde, sagte aber sogar er, dass ihm direkt aufgefallen sei, dass kaum ein Posten ohne Erwähnung der (Frauen-)Quote besprochen wurde.
      Einem voreingenommener Zuhörer kann diese Passagen sehr leicht in sein misogynes Weltbild integrieren und zwischen den Zeilen ein “Ne Frau? Auch noch jung? Die kann doch nix und hat den Posten nur wegen der Quote!” heraus lesen, wenn er es darauf anlegt.
      Wobei ich betonen möchte, dass ich Philip diese Haltung auf keinen Fall unterstelle! Ich würde mir jedoch etwas mehr Vorsicht bzw. Feingefühl wünschen um erst gar keinen falschen Eindruck zu erwecken und kein Wasser für die Mühlen der falschen Leute zu liefern.

    • @Philipp /@ulf
      Zum Thema Gleichberechtigung und Frauen in Ministerien gab es hier einen wunderbaren Kommentar: “Frauen und Gedöns” http://www.ardmediathek.de/tv/HSB-Politik-im-Radio/Kommentar-Frauen-und-Ged%C3%B6ns-bei-der-P/tagesschau-de/Audio?bcastId=33520914&documentId=50712830

    • Hallo Luisa,
      Hallo Ulf,
      Hallo Phillip

      @Luisa:
      Da hast du einen guten Punkt – lass’ dich von den Männdern da nicht stressen.
      (Ich bin Anfang 30, promoviert in Informatik und mein Leben lang in Männerdomänen unterwegs gewesen und deshalb wohl auch “voreingenommen” – aber das sind die Herren ja auch, nur dass denen das weniger bewusst ist.)

      @Ulf und Phillip:
      Ich habe an dem Punkt etwas Kritik an eurer Sprache: Wieso sind denn die jungen Ministerinnen “Quotenfrauen” (egal ob nun Frauen- oder Bundeslandquote), aber der junge Minister Spahn ein “Tribut an mächtige Faktionen innderhalb der CDU” (sinngemäß)?

      Ist der Herr Spahn nicht auch einfach ein Quotenmann?

      Und sind nicht umgekehrt die Besetzungen von Frau Giffey und Frau Schulze auch Tribute an mächtige Faktionen innerhalb der SPD? Die nun eben auch mit ihrem Gewicht und ihrer Macht hinter diesen Frauen stehen?

      Ich habe oft das Gefühl, das ist bei euch tatsächlich ein bisschen ein blinder Fleck. Ihr gebt euch zwar immer wieder große Mühe, aber das fühlt sich manchmal etwas oberflächlich an. Ich glaube einige eurer ZuhörerInnen sind doch hin und wieder etwas vor den Kopf gestoßen und diese Diskussion zu den MinisterInnen war dafür ein schönes Beispiel.

    • Und noch ein Nachtrag zum Thema Quoten und Kompetenz:
      http://curt-rice.com/2014/07/03/2-ways-quotas-for-women-raise-quality/

      Mehr an Chri und Leon gerichtet, als an Luisa :-)

      • Liebe Jael,

        vielen Dank für den informativen Artikel!

        Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Quoten für höhere Kompetenz im Schnitt sorgen, da, wie die Studie besagt, Männer mit niedrigerer Qualifikation herausgefiltert werden. Ich möchte auch einmal betonen, dass ich durchaus offen für diese Ergebnisse bin und mir Meinungen, die meiner nicht entsprechen gerne anhöre und, wenn sie mich überzeugen, auch in mein Weltbild einbaue. Das schreibe ich deshalb, weil meine Erfahrung mit dem Thema Gender (ebenso beim Thema “Flüchtlinge” übrigens) ist, dass sich die Debatte schnell verhärtet.

        Ich möchte mal einen Vergleich anbringen. Ein Mensch braucht eine Herztransplantation. Zwei Ärzte/innen kommen infrage, die beide so eine Operation noch nicht durchgeführt haben: Person A ist ein/e erfahrene/r Arzt/Ärztin, hat seit Jahren bei solchen Operationen assistiert und verschiedene kleinere Eingriffe selbstständig durchgeführt. Person B hat bislang als Assistentsarzt/ärztin im Bereich Urologie gearbeitet.
        Niemand (zumindest glaube ich das) würde bei so einem Fall fragen, welches Geschlecht die Person hat, wenn es darum geht zu entscheiden, wer die Operation durchführt. Mich erstaunt es nun, dass das Geschlecht aber bei der Entscheidung, wer ein Ministerium mit Milliardenbudget führt, so eine große Rolle spielt. Auch hier sollte in meinen Augen nach Kompetenz und Qualifikation entschieden werden.

        Die zitierte Studie in dem von Dir verlinkten Artikel finde ich interessant. Ich kenne mich ehrlich gesagt in der Forschung zu dem Thema nicht gut aus, weiß also nicht, ob es auch andere Ergebnisse gibt. (Ich arbeite selbst in der Wissenschaft und kenne Dutzende sich widersprechende Studien) Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass eine Quote tatsächlich die Grundmenge kompetenter Personen erhöht, weil innerhalb der dominierenden Subgruppe (in unserem Fall “Männer”), die Konkurrenz erhöht wird.

        Der Punkt ist in meinen Augen, dass man sämtliche Strukturen aufbricht, die Personen fördert, die weniger qualifiziert sind als andere. Männer wie Müller, Maas oder (um Gottes Willen) Dobrindt sollten keine politischen Ämter bekleiden dürfen. Wenn eine Quote dabei hilft, bin ich offen, darüber nachzudenken. Ich gebe nur zu Bedenken, dass eine Quote auch genau den umgekehrten Fall erreichen kann, wenn dadurch eine bestimmte Frau für einen Posten ausgewählt wird, weil sie eben eine Frau ist.

        Um den Kreis zum aktuellen Kabinett zu schließen: Aus meiner Sicht von außen wurde Frau Barley beispielsweise höchstwahrscheinlich aufgrund ihrer (ausgesprochen) hohen Kompetenz ausgewählt. Bei Frau Giffey kann ich das (wie gesagt von außen betrachtet) nicht erkennen. Daher komme ich zu dem Schluss, dass Frau Giffey aufgrund ihres Geschlechts ausgewählt wurde. Und das halte ich nun einmal für genauso falsch, wie ein die Wahl von Maas, weil er innerhalb der SPD viel Einfluss hat (oder was auch immer der Grund ist, dass dieser Mann nach wie vor eine Kabinettsposition inne haben darf).
        Im Gegensatz dazu glaube ich aber nicht, dass Herr Spahn, wie Du schreibst, ein “Quotenmann” ist. Jens Spahn hat sich in den letzten Jahren auf bundespolitischer Ebene sehr profiliert, bringt viel Erfahrung mit und ist wahrscheinlich, wie Ulf und Philip ausgeführt haben, ein Tribut an die jungen Rechten in der CDU. Also ganz andere Gründe als das Geschlecht.

        Vielleicht bin ich auch einfach ein verträumter Idealist, der sich eine Welt wünscht, in der die kompetentesten Personen unser Land regieren und alle anderen Faktoren keine Rolle mehr spielen. ;)

      • @Chri:

        “Ich gebe nur zu Bedenken, dass eine Quote auch genau den umgekehrten Fall erreichen kann, wenn dadurch eine bestimmte Frau für einen Posten ausgewählt wird, weil sie eben eine Frau ist.”

        Hast du dafür Belege?
        (Also keine Anekdoten, sondern wissenschaftliche Aussagen?)

      • @Jael: Wie gesagt, ich kenne mich in der Forschung nicht aus. Und ich bin darüber hinaus der Meinung, dass Anekdoten (von denen es genug gibt) vollkommen ausreichend sind um zu belegen, dass eine Maßnahme in bestimmten Fällen (und nicht mehr habe ich behauptet) fehl greift.

  41. Ich wollte an diese Flexibilität Reserve beim AlG2 Regelsatz noch mal anschließen und etwas mir Wichtiges ergänzen.

    Diese Beschränkung die dazu führt, dass die Freiheit auf 0 reduziert wird und der Bezieher nach SGB 2 Paragraph 7 angehalten ist durch Essens Einsparungen sich vielleicht Jacken und Hosen zu finanzieren (vor allen Dingen in der Qualität bei Tafeln wird meist abgelaufenes im Einzelfall auch schlechtes Essen verteilt) verschärft sich ja:

    Es hört damit nicht auf nach Paragraph 11 oder vielmehr mehr der Auslegung dieses Paragraphen kann sich der Bezieher nicht mal dadurch flexibilisieren indem er Sachen auf eBay verkauft um vielleicht eine neue Jacke sich finanzieren zu können.

    ..die er ggf. durch etwas teurere Lebensmittel sich nicht mehr leisten kann – denn der Verkauf daraus wird fiktional als anrechenbares Einkommen das zur Verfügung steht den Lebensunterhalt zu finanzieren gesehen.

    Diese Maßregelung unter Auflagen nicht verreisen zu können, durch einen Hausarrest namens Orts Anwesenheitspflicht verbunden mit einer Wohnungsmarktsituation, die bei sozial Schwachen keine Flexibilität ermöglicht sondern eher Konzentrierung von Armut fördert – weil die dies es sich leisten können ziehen weg -verbunden mit beschissenen und teuren ÖPNV führt zum Abrutschen in eine zementierte Zukunft.

    Die Betroffenen werden verzweifelt, haben Angst, das andere Mieter, weil die Behausung aus der sie nicht ausziehen können und unzumutbar ist Brandstiftungen vornehmen und – wie andere sich politisch radikalisieren und Tod oder Hinrichtung von eng Agenda 2010 Befürwortern oder Einführten oder Verschärften fordern…ggf. noch eine geächteten Adresse zugeordnet werden.

    Das aber muss man auch ganz ehrlich sagen führt noch nicht dazu, das rechte Parteien die Macht übernehmen, sondern lässt die Kriminalität ansteigen, weil die relative Armut dadurch unnötig vergrößert wird.

    Was vielleicht das Kernproblem erklärt oder auch erklärt warum rechte Parteien an Zuwachs haben, dürfte vielleicht auch selber der Grund sein warum diese Sozialgesetze so extrem verschärft wurden – das Abschmelzen der Mittelschicht, dass sich in jüngeren Jahrgängen auch noch steigert.

    Diese Menschen, die jetzt eigentlich gute Jobs haben aber trotzdem richtig Probleme auf dem Wohnungsmarkt bekommen und an der Rentabilität oder Möglichkeit der Hausfinanzierung nach Basel 4 scheitern – wollen einen klaren Unterschied zu den vermeintlich faulen haben.

    Der Druck auf Alte, Behinderte, Fremde und sozial Schwache nimmt damit zu – rechtes Gedankengut wird demnächst viel rationaler diskutiert werden.

    Das ist nur meine Meinung und ich wäre wirklich dankbar für positivere Visionen, verweise aber noch mal auf wissenschaftliche Untersuchungen die Maslow Pyramide und das ist wichtiger ist für Menschen dass der Abstand nach unten größer wird gefühlsmäßig als Mann oben als Mittelschicht zur Oberschicht aufschließt – hin. fefe hat auch einen guten Artikel zur Austeritätspolitik in den Dreißigern und Hitlers demokratischer Machtergreifung verlinkt.

    • Dazu passt die aktuelle Sendung DLF-K Tacheles. Dort spricht Soziologe Andreas Reckwitz von der Unterklasse. Also einfache Handwerker und Facharbeiter. Die wichtigsten Sätze sind meiner Meinung nach diese hier:

      “Die andere Seite, eben die Kommunitarier. Es gibt eben andere Milieus in der Gesellschaft, die also gerade die Globalisierung eher als ein Risiko und eine Gefahr wahrnehmen und eher auf eine Schließung oder auf eine Regulierung setzen, und zwar sowohl in wirtschaftlicher, sozialer, aber auch in kultureller Hinsicht.

      Die Kommunitarier bewegen sich auch, könnte man sagen, links und rechts zugleich, also, sozialpolitisch links, gesellschaftspolitisch eher rechts. Und diese neue Konfliktlinie durchschneidet quasi diese alte Links-Rechts-Unterscheidung.”

      http://www.deutschlandfunkkultur.de/andreas-reckwitz-die-gesellschaft-der-singularitaeten.990.de.html?dram:article_id=412701

    • joe schrieb:
      “Diese Menschen, die jetzt eigentlich gute Jobs haben aber trotzdem richtig Probleme auf dem Wohnungsmarkt bekommen und an der Rentabilität oder Möglichkeit der Hausfinanzierung nach Basel 4 scheitern – wollen einen klaren Unterschied zu den vermeintlich faulen haben.”

      Der Unterschied, auch bekannt als Abstandsgebot, wäre bei einem Bedingungslosen Grundeinkommen vom ersten Moment an da: Jeder Bürger, jede Bürgerin, bekommt grundsätzlich den selben Betrag als solides Fundament. Darauf kann man dann je nach eigener Leistungsfähigkeit aufbauen. Denn jeder Cent, den man darüber hinaus durch reguläre oder irreguläre Erwerbsarbeit, selbstständige Tätigkeit, Aufwandsentschädigung bei gemeinnütziger Arbeit, Patreon, Geschenke, Hilfsarbeiten, etc. einnimmt, steigert direkt das eigene Einkommen. Es schafft zudem echte Sicherheit, wenn nicht mal einfach 10% wegsanktioniert werden können, bloß weil der Brief mit der Einladung zum ARGE-Termin auf dem Postweg verloren gegangen ist.

      Oberhalb des BGE-Satzes würde dann die Besteuerung aller Arten von Einkünften einsetzen, wenn man auf ein solches Modell setzen möchte. Ab welchem Punkt, und ob progressiv oder als „flat tax“, darf die Wirtschaftspolitik gerne entscheiden. Nebenbei bemerkt wären Ermäßigungen für diverse öffentliche Einrichtungen — sei es ÖPNV, Kita oder Schwimmbad — dann kaum mehr nötig, die immer an den Nachweis einer einschlägigen, eines Rabatts für würdig erachteten Lebenssituation geknüpft sind, die Tarife komplizierter machen, und hintenrum durch Verlustausgleiche oder Angebotsstreichungen kompensiert werden müssen.

      Wer die richtig gut bezahlten Jobs hat, hebt sich mit einem BGE automatisch deutlich von denen ab, die nicht ins Raster der Erfordernisse und Geburtsumstände passen, welche heute mit Glück zu dem führen, was man „Erfolg“ nennt. Und auf der anderen Seite sind auch die sich Schämenden oder die Randständigen mit integriert, die nicht wollen oder es nicht auf die Reihe bekommen, einen Antrag abzugeben und die Vorgaben zu erfüllen. Wenn man mag, kann man also gänzlich ungeniert und guten Gewissens auf „die anderen“ hinabblicken, weil man sich nicht noch irgendwo in einem Winkel des Herzens darum sorgen muss, ob sie nicht vielleicht verhungern oder in einem inopportunen Moment als störendes Element in der Öffentlichkeit auftauchen.

      Was wäre es ein Gewinn für die Volkswirtschaft, wenn Leute plötzlich zuverlässig Geld zur Verfügung hätten, um die Waren und Dienstleistungen zu bezahlen, die auf der anderen Seite die guten Jobs erst ermöglichen!

      joe schrieb weiter:
      “Der Druck auf Alte, Behinderte, Fremde und sozial Schwache nimmt damit zu – rechtes Gedankengut wird demnächst viel rationaler diskutiert werden.”

      Als selbst wegen Behinderung nicht Erwerbsfähiger bitte ich jedenfalls inständig um die Einrichtung von öffentlich zugänglichen Selbsttötungszellen. Ich sehe es ja gerne ein, dass mein Leben wertlos ist, wenn mir das medial und im persönlichen und Behördenkontakt mit genügend Nachdruck vermittelt wird — aber mich einfach in Luft auflösen kann ich schließlich auch nicht. Das wird man hoffentlich noch sagen dürfen, und hoffentlich in Zukunft viel rationaler als bisher.
      Manchmal frage ich mich, ob ich einfach bei einem Parteibüro der entsprechenden Protagonisten vorstellig werden und ganz rational um Beistand bitten kann, das deutsche Volk von meiner offenbar ökonomisch erdrückenden Last zu befreien. Sollen die sich doch darum kümmern! Das liest sich vermutlich trollig und zieht vieles in Zweifel, was ich oben geschrieben habe, aber es ist jetzt 5 Uhr an einem dunklen Montagmorgen, die passende Zeit für dunkle Gedanken. Es gibt vielerlei reale Aufgaben der Existenz, die sich durch bloße Diskussion und konservatives „weiter so“ nicht lösen lassen. Und diese Aufgaben werden sogar umso anspruchsvoller und existenzieller, je weiter man sich in Maslows Bedürfnishierarchie nach oben bewegt.

      • Und wie hoch soll das BGE Deiner Meinung nach sein?
        Wer soll es bekommen (Kinder)?
        Welche Sozialleistungen fallen dafür weg (nur H4 oder auch ALG 1 oder Rente oder ….)?

        Bei einem BGE von 1000 € wäre ein Hartz 4 Empfänger kaum besser gestellt als jetzt – schließlich fallen sonstige Subventionen ja weg (Warmmiete, Krankenversicherung, …)

        Alle anderen wären besser gestellt. Es handelt sich also um eine Umverteilung von unten nach oben.

        Gleichzeitig wären selbst 1000 € nicht finanzierbar. Das entspräche circa 1 Billion Kosten pro Jahr – etwa 30 % des Gesamten Staatshaushalts.

      • Sozialleistungen sind Sache der Kommunen. Wie hoch ist denn deren Haushalt?

  42. Wenn ein Journalist schlecht recherchiert (also keine zwei voneinander unabhängigen Quellen hat oder sich von Leuten was erzählen lässt die zu weit weg sind vom Geschehen) und auf dieser unzuverlässigen Grundlage eine Falschmeldung veröffentlicht über eine angebliche Personalentscheidung – warum ist dann die SPD dafür verantwortlich (“kann nicht mal durchstechen”)? Die einzige Fehlleistung sehe ich bei dem Journalisten.

    • na ja, bei Durchstechereien scheint mit die Regel mit den zwei Quellen generell nicht streng gehandhabt zu werden, aber ich lasse mich da gerne von Journos korrigieren.

      • Dazu sei die ARD/NDR-Dokumentation “Die nervöse Republik” von Stefan Lamby empfohlen. Wenn durchgestochen wird, reicht offensichtlich eine Quelle.

      • Ja genau: Es sind Journalisten, die die Regel mit den ein oder zwei Quellen aufstellen und ändern können, nicht die SPD. Wenn die aktuelle Handhabung dieser journalistischen Regel zur veröffentlichung von Enten (= falschen Tatsachenbehauptungen) führt, dann ist die SPD dafür nicht verantwortlich, im Gegenteil ist die SPD die Geschädigte.

  43. Die Tafeln haben ganz klare Zugangsvoraussetzungen — die Vorlage eines Leistungsbescheides (Rente, Hartz4 usw.). Somit sind von vorne rein schon viel Bedürftige (Randständige, die die Anträge nicht auf die Reihe kriegen und arbeitslose EU—Bürger!) ausgeschlossen.
    Meine Meinung — wir haben noch viel mehr Bedürftigkeit, als nur diejenigen, die man in der Schlange an der Tafel sieht 😔

  44. Eine Anmerkung zu eurer Theorie bezüglich der Abkehr von der Monokultur: Natürlich wäre es sinnvoll sich von Microsoft als dem Big Player etwas zu verabschieden und auch Linux-Desktop-Systeme sind sicher in vielen Fällen sinnvoll. Das sehe ich aber eher positiv in Blick auf Wettbewerb und Vielfalt, in Bezug auf Sicherheit dürfte das nicht viel bringen. Damit würde man zwar ein grosses Einfallstor teilweise schliessen, macht aber gleichzeitig viele kleine Tore auf, die im Zweifelsfall noch bessere Übernahmemöglichkeiten bieten. Denn so problematisch Microsoft als Hersteller auch ist, die haben wenigstens die Kapazitäten und den wirtschaftlichen Druck, Systemlücken und Bugs zu fixen im Gegensatz zu vielleicht hunderten möglichen kleinen Programmen bei denen dann am Ende unklar ist, welcher User welches Programm in welcher uralten Version einsetzt. Mit einer ordentlichen Phising-Attacke z.b. über PDF-Dateien würde man dann sicher irgendwo eine Lücke finden. Und wenn man erstmal ein Endgerät unter Kontrolle hat, ist es auch egal welche anderen Programme noch eingesetzt werden. Das Hauptproblem sowohl bei Mono- als bei heterogenen Kulturen ist immer der Mensch.

    • Denn so problematisch Microsoft als Hersteller auch ist, die haben wenigstens die Kapazitäten und den wirtschaftlichen Druck, Systemlücken und Bugs zu fixen

      Das ist ein interessanter Punkt, denn mein Eindruck ist, dass man das zwar denken könnte, es aber in der Praxis gerade nicht klappt – vielleicht, weil MS sich auf seinem Monopol ausruht und eben nicht blitzschnell reagiert, sondern mit der Souveränität des gutmütigen Monarchen.

      Wie lange dauert es denn tatsächlich, bis MS einen Patch nachschiebt? Da kann man doch eher in Wochen, wenn nicht Monaten rechnen. Normalerweise werden Korrekturen nur zum monatlichen Patch Day ausgerollt.

      Wenn ein Bug in einer OS-Software gefunden wird, dann dauert es jedenfalls bei einer sicherheitskritischen Komponente normalerweise nur ein paar Stunden. Und wenn alle Stricke reißen könnte eine öffentliche Verwaltung mit echter IT-Kompetenz den Patch auch einfach selbst schreiben und die Software neu bauen. In vielen Fällen sind es ja nur wenige Zeichen, die geändert werden müssen (man denke an Apples “goto fail” GAU, wo nur geschweifte Klammern nach einem if fehlten).

      Die Frage finde ich aber sehr wertvoll, weil sie deutlich macht, dass es bei OS eben auch um einen Kulturwandel geht: Als Anwender kommt man aus der Rolle des reinen Konsumenten heraus und kann (Mit-)Verantwortung für die eigene IT-Sicherheit übernehmen. Wer wenn nicht die Verwaltung des Bundes mit ihren Milliarden-Budgets könnte sich denn ein Team von richtig guten Entwicklern leisten, die Lücken in kritischer Software notfalls selbst abdichten?

      • Microsoft hat einen monatlichen Patchday, bei dem Bugfixes ausgerollt werden. Bei ganz kritischen Sachen (z.B. jetzt bei Spectre/Meltdown) kommen Patches auch außer der Reihe.

      • Klar kann es sein, das der eigentliche Security-Fix nur wenige Zeilen Code sind. Was die Sache hinauszögert sind meines Wissens nach nicht unbedingt die Patches, sondern die Komplexität die Patches in allen möglichen Umgebungen/Varianten/Konfigurationen zu testen. Windows ist hat nicht nur ein Desktop-System sondern läuft ja auch in Kiosk-Systemen (z.B. Bahn-Ticket Automaten), Smartphones und auch auf den Atom U-Booten der Briten.
        Microsoft macht monatliche Updates weil die IT-Abteilungen in vielen Firmen keine Lust haben jede Woche Patches einzuspielen und ihre ganzen Prozesse neu zu testen, ob denn auch noch alles funktioniert. Deswegen gibt es als Kompromiss nur monatliche Updates und in der Enterprise Edition von Windows 10 noch die Möglichkeit Patches hinauszuschieben.
        Und eine Bundesbehörde hätte mit ähnlichen Schwierigkeiten (wenn auch in kleinerem Ausmaß) zu kämpfen. Das aufzubauen traue ich unserer “Internet ist Neuland”-Regierung einfach nicht zu.

      • “Und wenn alle Stricke reißen könnte eine öffentliche Verwaltung mit echter IT-Kompetenz den Patch auch einfach selbst schreiben und die Software neu bauen. In vielen Fällen sind es ja nur wenige Zeichen, die geändert werden müssen”

        Auf welcher eben soll denn diese Kompetenz sein, in jeder Stadt, Kreis, Land und bei jedem Resort oder doch nur zentral?

  45. Könnt ihr vielleicht hier oder in der nächsten Folge noch einmal auf die Thematik “Fachfremde Minister/innen” eingehen? Ich fand es nämlich doch widersprüchlich, dass ihr einerseits dafür argumentiert habt, dass ein/e Minister/in nicht vom Fach sein muss, dann aber doch aus den Stimmen der Experten die großen Leitlinien zielsicher herausarbeiten soll. Das ist mE doch wirklich was für Fachleute, ansonsten findet nämlich nur Umsetzung der prominentesten Lobbyforderungen heraus. Und kurz nachdem ihr gegen die Forderung argumentiert habt, Fachleute als Minister zu nehmen, habt ihr euch tierisch über die Fachkompetenz der Justizministerin und Juristin Barley gefreut. Das passt für mich vorne und hinten nicht zusammen.
    Außerdem wart ihr mir in eurem Urteil über Gabriel sehr pauschal. Könnt ihr vielleicht konkret ein paar der großen Errungenschaften seiner Zeit im AA nennen? Danke.

  46. Vielen Dank für die tolle Folge!

    Was mich ein wenig irritiert ist, dass ihr (Ulf) auf der einen Seite dem Bundesjustizministerium eine hohe Kompetenz zusprecht und damit die vielen technischen Fehler in vergangenen Gesetzen aus diesem Haus auf die geringe fachliche Kompetenz von Heiko Maas zurückführt. Und ihr freut Euch zudem über die designierte neue Justizministerin, weil sie ausgesprochene fachliche Kompetenzen mitbringt.

    Gleichzeitig vertretet Ihr aber das Argument, dass fachliche Kompetenzen für einen Ministerposten nicht erforderlich seien, sondern vielmehr allgemeine Führungs- und Managementkompetenzen im Vordergrund stehen. Ist das nicht ein Widerspruch zum Fall Maas?

    Ich bin der Meinung, dass es keine sinnvolle Strategie ist, Ministerien (oder Positionen welcher Art auch immer) nach Quoten und Proporzen zu vergeben. Stattdessen sollte man lieber kompetente, erfahrene und bewährte Personen auf die jeweiligen Posten setzen. Man kann vielleicht die Ansicht vertreten, dass Fachkompetenz nicht immer erforderlich ist (eine Meinung, die ich mit Euch nicht teile), aber ich glaube kaum, dass jemand widersprechen würde, dass Fachkompetenz auf jeden Fall extrem förderlich ist. Also warum nicht von vornherein Menschen mit Kompetenz auswählen? Die Berücksichtigung von Landesverbänden halte ich für schädlich und die vom “richtigen” Geschlecht für dumm, wenn nicht gar sexistisch. Zumindest, wenn ein offenbar höher qualifizierter Mann (falsches Geschlecht) aus dem falschen Bundesland nicht berücksichtigt wird.

    • Hi, danke für den Hinweis auf den Widerspruch im Falle des BMJV. Stimmt, wir hätten noch erwähnen sollen, dass Katarina Barley nach meinen Quellen im BMAS auch dort einen guten Management-Job gemacht hat, das haben wir leider nicht gesagt.

      Ich würde auch nicht so weit gehen zu sagen, dass fachliche Kompetenzen nicht erforderlich seien. Ich würde nur denken, dass deren Bedeutung je nach Haus unterschiedlich ist. Im AA beispielsweise halte ich sie aus bestimmten Gründen für weniger bedeutsam, das haben wir ja auch besprochen. Im BMJV scheint sie mir besonders wichtig.

      Die Fails von Heiko Maas beschränken sich im BMJV übrigens nicht auf die fachliche Ebene – aus meinen Informationen ergeben sich außerdem schwere Management-Fehler. Für das NetzDG war beispielsweise vor allem ein Beamter zuständig, der vorher noch nie etwas mit IT-Recht zu tun hatte, sondern sich mit Details des Zivilprozesses beschäftigen durfte. Ein m.E. sehr guter Jurist, aber eben kein Kenner der Materie. Sowas darf nicht passieren, insbesondere bei einem zentralen Projekt der Legislatur.

      • Vielen Dank für Deine Antwort!

        Ich sehe das auch so, das gerade im Bereich Justiz Fachkompetenz essentieller ist, als in anderen Ministerien, da gab es auch mal ein schönes Interview mit Frau Leutheusser-Schnarrenberger, wo sie auch dieses Argument vertrat. Ihr habt das ja anhand des auswärtigen Amtes in der Folge auch erläutert und prinzipiell stimme ich Euch auch zu.
        Dennoch bin ich der Ansicht, das jemand mit ausgewiesener Erfahrung auf internationaler Ebene und Kenntnissen im Umgang mit Vertretern verschiedener Nationen auch dort sicherlich einen besseren Job machen wird, als jemand, der dies nicht hat. Warum also nicht so jemanden für das Amt nominieren?

        Danke für die Info bezüglich der Management-Fehler von Heiko Maas! Dann muss ich aber doch nochmal nachfragen, warum Ihr denn (verhalten) positiv bezüglich seines neuen Amtes reagiert habt. Ich würde ehrlich gesagt jemanden der derartige Fehler macht komplett die Kompetenz absprechen irgendein Ministerium zu führen. Wenn der werte Herr auf die Idee kommt z.B. zu Friedensverhandlungen in Syrien jemanden zu schicken, der bislang ausschließlich mit Skandinaviern verhandelt hat, wäre der mögliche Schaden vielleicht sogar größer als das, was er im Justizministerium “anrichten” konnte.

        Vielleicht wurde Herr Maas auch einfach “wegbefördert”. Wenn die Beamten und Diplomaten im AA ihn im Griff haben, ist das vielleicht (traurigerweise) sogar besser, als ihn im Justizministerium zu belassen.

  47. Zum Thema IT-Security:

    Ich stimme mit euch in soweit überein, dass open source in gewissen Situationen besser ist als closed source, aber nur wenn auch eine entsprechend große Community oder Firma dahinter steht. Ein open source Produkt, dass seit 2 Jahren nicht mehr gewartet wird bringt niemandem was.

    Heterogenität ist auch nicht das Allheilmittel. Denn wenn ich in einer Behörde/Firma viel unterschiedliche Software einsetzte erhöhe ich lediglich die Angriffsoberfläche. Je mehr Zeilen Code in einem System laufen um so mehr Zeilen Code mit Bugs laufen in diesem System. Daher sollte eher das Ziel sein Komplexität zu reduzieren und einfach mehr Software zu installieren. Zum Thema Wartung und Updaten haben sich hier ja schon andere geäußert, da brauch ich nicht nochmal drauf einzugehen.

    • Heterogenität ist auch nicht das Allheilmittel.

      Ich weiß nicht, ob es Allheilmittel überhaupt gibt – aber gerade im Bereich Mail-Clients, wo es nun wirklich etablierte Standards gibt, könnte etwas mehr Vielfalt wenig schaden und viel bringen.

      • Aber die etablierten Standards sind doch gerade der Grund warum es keine Vielfalt gibt. Oder kann mir wer mehr als 3 clients nennen die sauber mit (open)LDAP, ActiveDirectory, Kerberos und (card)DAV zusammenarbeiten? Mailprogramme sind halt nicht nur SMTP/IMAP clients…

      • Es tut mir leid, aber bei dem Thema musste ich auch mehrfach Luft holen…

        Zum Ersten: Es ist nun mal mehr als E-Mail. Termine, Kontakte, das solltet ihr eigentlich aus eurem täglichen Leben kennen. Da ist die Luft mehr als dünn. Nun kann man argumentieren, dass man da ja mal was in OS machen könnte. Sehr gern, es gab auch schon zig Versuche die ich mir angeschaut hab. Allein: Sie versagen am Ende alle. Weil OS eben trotzdem bedeutet, dass da eine Menge Geld drauf geworfen werden muss. Und behördlich orchestrierte Softwareentwicklung… Ich muss da spontan an den BER denken. Übertragen auf Software sehe ich da VIELE Einfallstore. Natürlich und da bin ich ganz bei euch: ClosedSource hat den Nachteil, dass niemand die Schwachstellen finden kann. Das ist ein Problem. Aber Open Source bei weitem nicht die einzig Allheil bringende Lösung…

        Zum Thema Diversität in der IT-Landschaft ist schon viel geschrieben worden. Ich würde auch immer Monokulturen bevorzugen (in der IT!). Mehr Softwarevielfalt birgt mehr Gefahren, bringt mehr Stress. Ich kann da keinen Vorteil erkennen, der diese Nachteile aufwiegt.

  48. Hallo ihr beiden,

    obwohl ich nur selten eurer Meinung bin, höre ich euch doch ganz gerne zu, da ich immer den Eindruck habe, ihr wisst wovon ihr Redet und versucht mehrere Seiten der gleichen Medaille zu betrachten. Aber bei dem Thema Bundestaghack und den von euch vorgebrachten Lösungen verspielt ihr einfach jegliche Glaubwürdigkeit bei mir. Dort werden einfach alle Themen der IT (nicht nur Security) so durcheinander geworfen und mit vermeintlichen Argumente vorgebracht das es mir wirklich in der Seele weh tut. Dabei geht es mir nicht um Open Source oder monolithische IT Infrastruktur, mir geht es darum, dass einfach irgendwelche Behauptungen angeführt werden die oft mit dem Problem der unsicheren Software (oder Netzwerke) nichts zu tun haben. Das Thema ist nicht recherchiert, sonder hier spricht eine Ideologie. Ich bitte euch, in Zukunft einfach besser darauf zu achten, wo wirkliches “eigenes” Know-how vorliegt und wo nicht. Einfach nur Argumente aus dem eigenen Umfeld nachplappern ohne den Inhalt und Kontext genauer verstanden zu haben macht die Sendung nicht besser. In der Art und weiße wie ihr mit dem Thema in der Sendung umgeht, verspielt ihr einiges an Glaubwürdigkeit bei mir.

    • Woher nimmst Du denn DEINE Kompetenz, um so steile Thesen aufzustellen?

      Ich habe mir mein Studium mit der Administration eines größeren Netzwerks mit Windows-Clients und Linux-Servern verdient und seither kontinuierlich Windows-, Linux- und seit 2008 auch Macs-Systeme betreut, von regelmäßigem intensiven Austausch mit Leuten mal ganz abgesehen, die selbst beruflich Systeme knacken (Pentesting). Ich behaupte daher mit guten Gründen, dass ich sehr genau weiß, wovon ich rede.

      Was ich allerdings nicht habe ist eine institutionelle Einbindung in die (vermeintlichen) Sachzwänge einer IT-Administration. Ob das ein Vorteil oder ein Nachteil ist mögen die geneigten Hörer(innen) selbst einschätzen.

      • Gute Antwort Ulf, aber ich möchte trotzdem nochmal in die Kerbe “diversität ist der falsche Weg” hauen.

        Es wird oft biologistisch argumentiert, dass eine Monokultur kein gesunders Ökosystem ist. Ein wichtiger Unterschied zwischen dem Amazonas und der IT-Landschaft einer Bundesbehörde wird dabei nicht bedacht, nämlich wie zielgerichtet die Bedrohung ist. In der IT-Landschaft gibt es eine Organisation mit einem gewissen Budget, die gezielt und intelligent nach einer Schwachstelle sucht. In der Monokultur kann sie dabei auf eine Datenbank von 0-days zugreifen; wenn weniger weit verbreitete Software zum Einsatz kommt, muss sie selber welche entwickeln.

        Beides kostet nicht unerheblich viel Geld, aber es ist alles andere als einfach zu zeigen, dass ersteres billiger ist. Ich bezweifle, dass Thunderbird weniger durchlöchert ist als Outlook. Nieschensoftware hat drastische Qualitätsschwankungen (siehe das PC-Wahl-Debakel). Die Administration von mehreren verschiedenen Produkten erhöht Komplexität und Angriffsfläche der Systeme, statt sie zu verringern, und die gesellschaftlichen Kosten für die Entwicklung mehrerer konkurrierender Lösungen bindet Energie, die für eine sicherheitsfokussierte Softwareentwicklung dringend nötig ist.

        Gute Software gibt’s, die ist nur bisher sehr teuer. Wo genug Geld da ist (Fluglotsensysteme, unbemannten Raumfahrt, inzwischen auch manchmal Kryptowährungen), kann man auch auf das Fehlen von Fehlern wetten. In Zukunft wird das dadurch billiger werden, dass mit immer besseren Programmiersprachen immer weniger Fehlerarten im Quellcode formulierbar sind (das utopische Ziel ist der mathematische Beweis für die Abwesenheit jeglicher Fehler).

        Die interessante Frage ist, wie man die wirtschaftlichen Anreize der Softwareindustrie so verändert, dass die Zeit und das Geld für diese Entwicklung in den Projekten vorhanden sind. Wie eine schlampige Lösung dadurch sicherer gemacht werden soll, dass man noch weitere schlampige Lösungen daneben baut und sie alle gleichmäßig verbreitet, leuchtet mir nicht ein.

    • Ich verstehe deinen Punkt schlicht weg nicht. Du kritisisert, dass Sachen grundlegend falsch sind ohne sie zu benennen.
      Genauso kann man allgemein dir den Sachverstand absprechen, weil deine Meinung weder begründet noch von IT Sicherheitsexperten in der Art geteilt wird.

      Ich für meinen Teil würde liebend gerne etwas dazulernen, darum bitte ich dich Puddingpulver zu begründen, wie du zu solch einem Urteil kommst.

  49. Zum Kabinett:
    Es blieb ein wenig aussen vor, dass dieses Kabinett von Seiten der SPD ein massiver Schlag in Gesicht derjenigen ist, die eine “Erneuerung” der SPD wollen oder sich erhoffen. Der von Euch nicht erwähnte Hubertus Heil als Bundesarbeitsminister (schöner taz Kommentar: http://www.taz.de/!5490598/)? Das sind Personalien, die gehen einfacht nicht, senden das falsche Signal und bringen die SPD dauerhaft auf niedriges Niveau. Wohlgemerkt in Prozentzahlen, in der medialen Darstellung ist wie von Euch bemerkt der Tiefpunkt schon unterschritten. Auch die Kabinettsvorstellung fand ich in dieser “Heidi Klum präsentiert”-Manier alles andere als gelungen.

    • Danke für den Hinweis! Echt schade, dass Heil im Podcast scheinbar vergessen wurde. Dabei meine ich mich zu erinnern, dass Ihr Euch schon negativ zu ihm geäußert hattet, als er Wahlkampfmanager wurde.
      Gruß,
      Matthias

  50. Den gleichen Eindruck hatte ich auch. Ich bin zugegebenermaßen kein direkter IT Experte. Aber in jeder Firma, in der ich bisher gearbeitet habe, waren die Administratoren um Einheitlichkeit und auch Aktualität der Software bemüht. Sind die alle auf dem Holzweg? Und wenn jedes Bundesland oder jede Behörde ihr eigenes Ding machen würde, würden wir dann nicht zu recht über die Verschwendung von Steuergeldern klagen?

    • Ob die alle auf dem Holzweg sind, hängt davon ab, was du als Holzweg definierst. Die machen sich schlicht und ergreifend die Arbeit möglichst einfach, in dem sie eine möglichst homogene Software-Landschaft anstreben. Mit anderen Worten: bei denen geht Arbeitsersparnis vor Vielfalt. Und wenn man davon ausgeht, dass Vielfalt eben auch Sicherheitsgewinne mit sich bringt, dann ist diese Prioritätensetzung gefährlich. Aus ihrer Perspektive (möglichst wenig Arbeit) handeln solche Admins aber durchaus rational.

      • wenn man davon ausgeht, dass Vielfalt eben auch Sicherheitsgewinne mit sich bringt

        Ist das denn so? Ihr habt in der Sendung gesagt, dass sich dann die Angreifer sich nicht so einfach darauf einstellen können. Aber herauszufinden ob jetzt die passenden Tools für Outlook oder irgendein anderes Mailprogramm ausgepackt werden müssen ist für einen Angreifer nun wirklich ein eher kleines Problem.
        Das hört sich für mich ein bisschen nach ‘security by obscurity’ an. Anstatt eine einzelne Software auf dem neusten Stand zu halten, richtig zu konfigurieren und auf Sicherheitslücken zu überprüfen sollen verschiedene Programme verwendet werden, in der Hoffung das einige davon zufällig sicher sind.

        bei denen geht Arbeitsersparnis vor Vielfalt

        Ich hoffe mal damit soll jetzt nicht allen Admins unsterstellt werden sie würden sich aus Faulheit zu wenig um die Sicherheit kümmern. Im Gegenteil bedeutet wahrscheinlich eine einfachere Verwaltung, dass weniger Fehler gemacht werden, Updates schneller eingespielt werden können und mehr Zeit für andere sicherheitsrelevante Aufgaben zur Verfügung steht.

      • Ich hoffe mal damit soll jetzt nicht allen Admins unsterstellt werden sie würden sich aus Faulheit zu wenig um die Sicherheit kümmern.

        Natürlich nicht, und von Faulheit habe ich auch nicht geschrieben, sondern von Arbeitsersparnis. Deren Gründe können sicher vielfältig sein, in der öffentlichen Verwaltung scheint mir völlige Überforderung mit dem Arbeitsanfall wegen akuten Personalmangels der zentrale Grund zu sein.

      • Sorry Ulf,
        das sind genau die Aussagen, die ich meinte:
        ‚Möglichst wenig Arbeit‘ ist eine derartige Reduzierung eines komplexen Arbeitsalltags die dann auch noch mit den falschen Schlussfolgerungen kombiniert wird.
        Anwender und Auftraggeber mit genau dieser Schnellschuss-Argumentation sind das deutlich größere Sicherheitsrisiko.

        Wieviel Arbeit können denn Browser 3, 4 und 5 denn schon bringen, sind ja nur drei weiter Updatepfade, drei zusätzlich Testszenarien vor jedem Update und drei weitere Konfigurationen, die unterstützt werden müssen. Ach Mist, es ging ja um Mails, da also das gleiche noch mal und beim FTP vielleicht auch und jede Firewall sollte von einem anderen Hersteller sein, weil die Vielfalt der Wartung und Systemkenntnis ja ausschließlich etwas mehr Zeit kostet aber sicher keine Gefahr mit sich bringt.

        Und bei nächster Gelegenheit bearbeitet ihr dann das Thema Geldverschwenung, weil jeder sein eigenenes Süppchen kocht.

        Setzen: 6

        PS: ich will hier gar nicht das eine oder andere Produkt beurteilen.
        Mir wird nur schlecht, wenn ich höre und lese, wie die Netzwerksicherheit als dermaßen komplexes Feld auf BILD.tm-artige Reduzierung auf den Admin als faulen Schuldigen reduziert wird.

      • Danke Sven, das erspart mir einen ähnlichen “Rant”, der mir schon im Kopf umher ging.

      • Warum seid ihr denn so angefasst? Ich habe nicht gesagt, dass ihr schlechte Menschen seid. Ich habe nur eine plausible Erklärung dafür geliefert, warum Admins Monokulturen anstreben. Dass heterogene Umgebungen mehr Arbeit machen sagt ihr ja im Grunde selbst.

      • Vielfalt bringt hier aber eben keinen Gewinn an Sicherheit sondern einen Verlust… Verschiedene Software muss nunmal eben auch verschieden gepatcht werden.
        Benutzt man in der ganzen Umgebung Outlook (oder wegen mir Thunderbird) und es kommt eine Sicherheitslücke, kann der Patch (bei guter Infrastruktur) mit wenigen Clicks ausgerollt werden und dann ist alles wieder sicher.
        Hätte man hier eine diverse Landschaft mit verschiedenen Clients, wäre das um ein vielfaches komplizierter. Die Kosten würden hier exponenziell steigen.

        Und beim Netzwerk gilt nunmal einfach die Devise: Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied. Manchmal reicht hier einfach eben nur EIN verwundbarer Client aus, um in ein Netz einzudringen.

        Man stelle sich einen Exploit wie Heartbleed vor, bei dem eine Basiskompenente betroffen ist die in vollkommen verschiedenen Programmen implementiert ist. Hat man hier ein einziges Produkt, wartet man auf den Patch und ist relativ schnell wieder sicher. Hätte man hier verschiedene Produkte im Einsatz, wäre das ein langes Bangen und Hoffen, dass alle Hersteller möglichst bald einen Fix veröffentlichen….

      • Zumindest im technischen bereich bleibt einem oft nichts anderes übrig als auf die Produkte aus Redmond zu setzen. Ob es die Klinik ist die bildgebende Verfahren (Röngen/MRT/CT) anders nicht auswerten kann, die Stadtwerke die ihre PLC in der Windmühle oder dem Wasserwerk fernüberwachen müssen/wollen oder dass ich bestimmte Messgeräte verwenden muss die nur von einem Hersteller – inkl. Software – angeboten werden. SAP tut sein übriges.
        Das Problem ist faktisch ein Teufelskreis und ein Limux ist (leider) nicht überall bezahlbar. Trotzdem sollte man natürlich wo möglich Geld in OpenSource stecken.

      • @Ulf:
        Es geht nicht darum ob heterogene Umgebungen mehr Arbeit machen. Es geht darum dass man all die Software auch pflegen muss. Und die Mitarbeiter schulen. Und Sicherheitspatche testen, prüfen, einspielen.

        Du musst uns ja hier nicht glauben, aber dann sprich mal mit jemanden der in einer größeren Umgebung den IT Betrieb macht. Der wird dir vermutlich Ähnliches sagen.

        Das heisst natürlich nicht dass man blindlings sich bei jeder neuen Anforderung an einen Hersteller ketten soll. Nur ist dies jeweils im Einzelfall zu betrachten.

  51. Das war mir dann doch zu viel Bashing:
    Den Hack hätte man sicher nicht dadurch verhindern können, indem man mit einfach nur einen kunterbunten Strauß an Open-Source-Software in Behörden zulässt. Eure so einfache Lösung ist da doch deutlich zu kurz gedacht.
    Zum Einen heißt Open Source nicht automatisch fehlerfrei, da hat es inzwischen ja einige Beispiele für gegeben.
    Zum anderen möchte ich keine Systemlandschaft administrieren müssen, in der jeder User installieren darf, was er will – eigentlich sollte er das gar nicht dürfen. Wo kommen denn diese anderen Mailprogramme her? Selbst geschrieben? Von zuhause mitgebracht oder gerade von wo auch immer heruntergeladen?
    Und wer konfiguriert dann die x. Software für ein und den selben Einsatzzweck, der normale Anwender kann das ebensowenig wie sich um die Sicherung zu kümmern.
    In diesem Fall wurde Outlook ja wohl manipuliert, warum sollte das mit Opensource-Software nicht möglich sein? Das eben auf Tipp des Kollegen geladen Addon hilft vielleicht dabei…

    Vielleicht hat es einen Grund, dass IT-Sicherheit nicht im Vorbeigehen hergestellt werden kann und gutes Personal nicht einfach zu finden ist. Wenn’s nicht die Mail-Software gewesen wäre, dann findet sich eine andere Ecke und im Zweifel hilft der unbedarfte Anwender.

    Ich konnte mir das jetzt nicht verkneifen, da mir das in letzter Zeit immer mal wieder aufgefallen ist.
    Ihr macht einen wirklich guten Job – Danke dafür – die Schlüsse sind aber, anders als die Recherchen, gern mal etwas oberflächlich und werden zu sehr gehypt.

    • So wie ich das verstanden habe war die Idee, das Behörde X beispielsweise Outlook und Behörde Y Thunderbird verwenden kann. Es soll aber nicht jeder Benutzer sein eigenes Mailprogrogramm installieren können.

    • Wenn man eine Positiveinschätzung bezüglich der Sicherheit von Programmen treffen möchte, kommt man um OpenSource kaum herum – wenn man nur das Kompilat hat, kann man höchstens Negativfeststellungen treffen; für alles andere sind die Programme heute zu groß.

      Des Weiteren stimme ich beim Komplexitätsproblem zu; es ist nicht Sinnvoll, überdimensionierte Software einzusetzen – die bietet nur mehr Angriffsfläche.

      Allerdings halte ich eine unnötig-heterogene Softwarelandschaft innerhalb einer Behörde für keine gute Idee; aus dem oben genannten Grund: wenn wir zwei Rechner haben – auf dem einen läuft Outlook, auf dem anderen Thunderbird – dann reicht eine Sicherheitslücke in Outlook ODER Thunderbird aus, um ins Netz zu kommen; die Heterogenität hat die Angriffsfläche nur vergrößert.
      Und letztlich gilt das auch behördenübergreifend: wenn wir uns auf einen OpenSource-Mailclient beschränkten, dann könnte man den von einer kompetenten Institution härten lassen – wenn jetzt dagegen jede Behörde ihre eigene Software fährt, dann ist das kaum noch möglich.

  52. zu Bär: wir haben nicht gesagt, dass man sich darüber nicht lustig machen solle – wir finden nur, dass das Zitat völlig überbewertet wurde und Doro Bär vermutlich besser ist, als dieser missglückte Auftritt glauben macht

    zur Tafel: man könnte zu dem Schluss kommen, man könnte aber auch annehmen – und das ist meine Sicht der Dinge – dass die sich einfach bockig stellen angesichts der allgemeinen Kritik an ihrer Entscheidung. Wenn jemand eine Entscheidung nicht revidiert macht das per se die Entscheidung ja nicht richtiger.

  53. zu Bär
    Wow! Jetzt soll man sich nicht mehr über Fehler und nicht gelungene Aussagen von Politikern lustig machen dürfen? Ihr stampft jede Woche irgendjemanden in den Boden. Eurer Vorschlag wäre der Tot der Komödie Shows. Außerdem habt ihr nicht Letztens von der Community einen Rüffel wegen irgendwelcher flapsigen, lustigen Sprüche erhalten?

    zur Tafel
    Ich finde eure Ausführungen und Ratschläge zur Tafel wirklich grenzwertig. Ich nehme mal an, dass keiner von euch je bei einer Tafel ausgeholfen hat. Ich nehme mal an, dass keiner bei der Tafel in Essen nachgefragt hat, warum sie sich entschieden haben, wie sie sich entschieden haben. Es ist wirklich leicht als Unbeteiligter vermeintlich guten Vorschlag zu präsentieren. Im Übrigen hat die Tafel ihre Entscheidung bis heute nicht zurückgenommen. Man könnte zu dem Schluss kommen, dass man die beste Entscheidung in dieser Situation getroffen hat.

    • zu Bär: wir haben nicht gesagt, dass man sich darüber nicht lustig machen solle – wir finden nur, dass das Zitat völlig überbewertet wurde und Doro Bär vermutlich besser ist, als dieser missglückte Auftritt glauben macht

      zur Tafel: man könnte zu dem Schluss kommen, man könnte aber auch annehmen – und das ist meine Sicht der Dinge – dass die sich einfach bockig stellen angesichts der allgemeinen Kritik an ihrer Entscheidung. Wenn jemand eine Entscheidung nicht revidiert macht das per se die Entscheidung ja nicht richtiger.

      • Eben lese ich, dass die Essener Tafel endlich einlenkt. Das zeigt von – später – Größe, denn es wird ja immer schwerer, je länger man sich an einen Fehler klammert.

    • Ich bin erschrocken, dass sich Verantwortliche der Tafeln überhaupt über dieses Thema Gedanken machen müssen..
      Wie benehmen sich diese Gruppen überhaupt in diesen Einrichtungen??? Das ist doch das Problem. Wenn sie sich anständig aufführen würden, müssten keine Lösungen gefunden werden, um den Hausfrieden zu waren.
      Apropos, jeder Eigentümer hat das Hausrecht.
      Natürlich ist es eine Kollektivstrafe. Ob man das gut findet oder nicht. Vielleicht denken die Betroffenen mal drüber nach, wie sie sich generell hier aufführen.

      • Das liest sich sehr menschenverachtend. Es sind nicht Gruppen, die sich auf die eine oder andere Weise benehmen, sondern stets Einzelne. Und eben diese Einzelnen sind für ihr jeweils eigenes Verhalten selbst verantwortlich. Ihre neutrale Einstellung gegenüber Kollektivstrafen wirkt auf mich vorgeschoben und scheint eher ein Indikator dafür zu sein, wie Sie zu den betroffenen Gruppen stehen.

  54. Zum Stickoxid: Lese ich Abbildung 1 richtig, dass uns pro 100.000 Einwohner 214 DALYs, also gesunde Lebensjahre durch die Folgen von NO2 verloren gehen? Also 0,78 Tage pro Person? Korrigiert mich bitte, aber wenn dem so wäre, könnten wir doch sicher jeden Euro in viel sinnvollere Maßnahmen stecken, z. B. in eine bessere hausärztliche Versorgung oder weniger Wartezeiten bei Spezialisten. Ich verweise auch auf Kahneman, dass man mit dem nennen absoluter Zahlen wie 6000 Toten leicht Stimmung machen kann.

    • 3000 Tote im Straßenverkehr pro Jahr.
      Für jeden sei eine Restlebenserwartung durchschnittlich 35 Jahre angenommen, also gut 13.000 verlorene Lebenstage.

      3.000 x 13.000 / 80.000.000 = 0,5

      Jedem Bundesbürger gehen also durch Tote im Straßenverkehr jedes Jahr gerade mal ein halber Tag zusätzliche Lebenszeit verloren.
      Sollten wir das ganze schöne Geld für Verkehrssicherheit dann nicht lieber anderweitig verbraten?

      P.S. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren summieren sich die Lebenszeitverluste durch Unfalltote im Straßenverkehr auf immerhin 40 Tage. Nochmal die 0,7 Tage durch NO2 oben drauf und wir sind bei drei Monaten.

      Das finde ich ziemlich beachtlich!

      • Hallo Günther,

        witzig, ich bin heute morgen aufgewacht und habe mich gefragt, ob ich die 0,78 noch hätte mit der Lebenserwartung multiplizieren müssen ;-)

        Jetzt zählst Du aber nur die Toten, im Straßenverkehr gibt es auch noch viele Verletzte und Behinderte, die die DALYs sicher deutlich nach oben treiben würden. Zudem kommen wir von 21000 Toten in 1970 (nur BRD).

        Letztlich bleibt doch die Frage, was sind die Kosten, was ist der Nutzen, wohin investiert eine Gesellschaft die verfügbaren Ressourcen. Für den Straßenverkehr haben wir offensichtlich sehr viel erreicht seit den 70ern. Ich würde nie in Frage stellen, ob Airbags und Gurte und Helme eine Fehlinvestition waren, rein aus Bauchgefühl. Was sind nun aber die Grenzkosten von heute an? Was wenn wir die übrigen 3000 Verkehrstoten auf Null oder fast Null reduzieren könnten? Was wenn das jeden von uns 1000 Euro kosten würde pro Jahr und halben Tag zusätzlicher Lebenszeit? Würden wir das machen wollen? Und wenn wir 1000 Euro pro Person und Jahr investieren würden, dann habe ich wieder die Vermutung, dass es andere Bereiche gäbe, bei denen der Nutzen für die Gesellschaft höher wäre.

        Ulf, Phillip, hättet Ihr vielleicht Lust, da mal einen (unabhängigen) Experten dazu zu befragen? Lässt sich gesellschaftlicher Nutzen so quantifizieren, dass man verschiedene Bereiche vergleichen kann? Oder kann man wenigstens im Bereich Gesundheit sagen, was aktuell die kosteneffizientesten Maßnahmen zur Steigerung von DALYs wären?

        Beste Grüße

        Hans

      • Leider ist die öffentlich Stickoxid-Debatte ein bisschen verkürzt: In meiner Heimatstatdt Hamburg landen mehr oder weniger täglich Kreuzfahrtschiffe an, die vielfach auch ihren Stromverbrauch im Hafen über den Verbrennungsmotor stillen. Der Stickoxid-Ausstoß dieser Schiffe macht dem Pkw-Verkehr erhebliche Konkurrenz. In der aktuellen Diskussion kommt dieses (zugegeben lokale) Problem nicht vor.

        LG

        Mark

    • Genau, die verlorenen Lebenstage sind die richtige Größe. Und auch 0,78 Tage sind zu viel. Aber mit „Anzahl vorzeitiger Todesfälle“ kommen wir wirklich nicht weiter, ob uns die Schlussfolgerungen nun passen oder nicht. Der WDR hat das mal sehr schön aufgearbeitet:
      https://itunes.apple.com/de/podcast/quarks/id162786115?mt=2#episodeGuid=%2F120227_quarks_sendung_neu_512.mp4

  55. zu Frau Bär:
    Der Zug bremst stark ab, kommt zum stehen, draußen stehen Rettungswägen. Was tut man? Man “rockt” seinen tweet zu flugtaxis…
    https://twitter.com/Linuzifer/status/971328249979719681

    • Dass Ihr Frau Bär in Schutz nehmt, ist vielleicht persönlich verständlich, aber inhaltlich? Politiker müssen sich öffentlich vernünftig erklären können. Das ist im Fall Flugtaxi schon mal schief gegangen… Dazu kommen die vier verlorenen Jahre im Dobrindtschen Ministerium. Bislang kann ich noch nicht sehen, ob und warum sie eine Hoffungsträgerin sein soll. Ich lasse mich aber gerne positiv überraschen…
      LG
      Mark
      PS: Vielen Dank für Euren kompetenten und informativen Podcast.

  56. zu Flugtaxi:
    Ulf vermutet Dorothee Bär könne zu sehr Lobby-Einflüssen unterliegen. Deckt sich mit folgendem: Vor zwei Monaten bei der CSU Klausurtagung in Seeon war Frank Thelen zu Besuch, Investor des bayrischem Flugtaxi-StartUp Lilium. Daher weht also der Wind.
    Quelle: https://www.csu-landesgruppe.de/themen/klausurtagungen-und-veranstaltungen/klitschko-wollen-teil-der-europaeischen-familie-sein (2-3 mal scrollen)

    • Hi, danke für den Hinweis … dass es SO krass kommen würde hatte ich nun wieder nicht gedacht. Ich hatte eher daran gedacht, dass der rosa Riese weiterhin den Breitband-Ausbau torpediert.

      • Man mag ja Frau Bär in Schutz nehmn wollen, wenn ihr öffentlich unrecht getan wird. Aber auch ohne die erschreckend Beziehung zum Flugtaxi-Startup, muss ein Spitzenpolitiker damit klar kommen. Insbesondere eine, die nicht auf dem Mund gefallen ist und bei jeder Gelegenheit wo das Sachargument fehlt die andere Partei persönlich angreift oder gar beleidigt.

        Aber zum Inhalt: Es ist bedauerlich, dass Ihr Frau Bär dann nicht tatsächlich auch an den Taten bemesst.
        Wer war die letzten vier Jahre Staatssekretär unter dem Dobrint-Minister? Wer war die letzten vier Jahre bereist mit Ministerium und Budget verantwortlich für Digitale Infrakstruktur? Ja, Frau Bär hat in den letzten Jahren bereits belegt, dass sie nicht geeignet ist, um eine Trendwende bei dem Thema in Deutschland herbeizuführen.

        Und nun soll sie koordinieren und mit Argumente überzeugen? Für mich reit sich Fr. Bär perfekt ein und ich warte immer noch auf einen CSU-Minister für den man sich nicht schämen muss.

      • Vielen Dank für Eure Vorlesung “Einführung in die Groko” ! ,-)
        Echt gute Orientierung mit wem wir es in den kommenden (bis zu) dreieinhalb Jahren zu tun bekommen.
        Aber auch von mir die Frage: Ist Dorothee Bär nicht wirklich zu gut bei Euch weggekommen?
        Noch unter einem ganz anderen Aspekt frage ich das: Datenschutz. Bär meint ja allen Ernstes, Datenschutz sei ein “Hindernis für Geschätsmodelle”.
        Hier drängt sich mir der Verdach auf, dass Bär auch die Aufgabe hat, eine illiberale und eher autoritär-staatliche Datenschutzpolitik der CSU im Kanzleramt zu vertreten.

      • Ich muss da Dirk Götz recht geben, ich finde ihr habt Frau Bär ein wenig über den Klee gelobt.
        Wie Netzpolitik schreibt, scheint Frau Bär nicht nur der Flugtaxi-Lobby gerne nach dem Mund zu reden:
        https://netzpolitik.org/2018/das-geht-ja-gut-los-digitalministerin-baer-schiesst-gegen-datenschutz-und-eprivacy/

  57. Ich finde es schade, dass jemand mit so bornierten Ansichten über die Hobbies von jungen Menschen unser zukünftiger Außenminister wird:

    ” Martin: Lieber Herr Maas, wie ist ihre Meinung zum Verbot von “Killerspielen” und Aktivitäten wie Paintball?

    Heiko Maas: Ich glaube nicht, dass diese Welt Killerspiele oder Paintball-Schwachsinn braucht.

    Moderator: Also verbieten?

    Heiko Maas: Ich hätte damit kein Problem.

    MichaelSchmidt: Sehr geehrter Herr Maas, können Sie uns bitte eine Selbsteinschätzung Ihrer Netzaffinität geben?

    Heiko Maas: Ich beziehe mittlerweile fast alle meine Informationen aus dem Netz. Und ich organisiere meinen Tagesablauf komplett mit der Hilfe von computergestützter Datenverarbeitung. Insofern würde ich meine Netzaffinität als hoch bezeichnen.

    Moderator: Zwei Nachfragen:

    AlexS: Haben Sie schon ein solches “Killerspiel” gespielt bzw. sich angesehen?

    Jimbo: Ich glaube auch nicht, dass die Welt zuckerfreie Süßigkeiten braucht, aber deshalb verbieten?

    Heiko Maas: Ich habe noch keine Killerspiele gespielt und zuckerfreie Süßigkeiten sind deutlich weniger gewaltverherrlichend als Killerspiele.

    Moderator: Dieses Thema scheint viele unserer User zu bewegen. Eine ganze Fülle von Fragen, stellvertretend noch eine letzte:

    El_verdugo: Und was soll ein Verbot von sogenannten “Killerspielen” oder “Paintball-Schwachsinn” bringen? Wer soll das kontrollieren?

    Heiko Maas: Es kommt ja auch niemand auf die Idee, Diebstahl zu legalisieren, nur weil trotzdem geklaut wird. Wenn Killerspiele verboten sind, können sie nicht mehr legal vertrieben werden. Das wird ihre Verbreitung deutlich einschränken.”

    https://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll514.html

    Der Chat ist von 2009, aber er hat seine Aussagen von damals nie revidiert bzw. seine öffentliche Meinung verändert.

    • Die Killerspiel-Debatte wurde ja diese Woche von Donald Trump wieder aufgewärmt, um von der Waffen-Problematik abzulenken. Finde die Replik von Trevor Noah sehr treffend und witzig:
      https://www.youtube.com/watch?v=bkIYY3jy4Bo

    • Sehe ich vollkommen anders. Finde seine Ansicht da nicht unbedingt toll.

      Wenn wir Minister anhand dessen beurteilen, wo sie seltsame Meinungen haben, würde es wohl GARKEINE Minister geben.

      Bei einem Außenminister ist es mir wichtig, dass er Verhandlungsgeschick hat, gut vermitteln kann und uns als Staat nach außen hin gut vertreten kann – und so wenig ich ihn leiden kann: Das traue ich ihm zu. Was er über Killerspiele denkt ist mir herzlich egal.

      Genauso wäre es mir egal, ob ein Innenminister gutes Englisch spricht.

      Und als Außenminister kann er bei weitem weniger Schaden anrichten als im Justizressort.

      Abgesehen davon: Ich möchte auch nicht anhand dessen beurteilt werden, was ich 2009 so alles gesagt und behauptet habe. Das gestehe ich uach anderen zu.

      • Mich persönlich stört es auch nicht, aber es zeigt so schön, warum die SPD bei jungen Leuten nicht mehr ankommt. Ihre Probleme (Hartz-IV-Sanktionen, Zeitarbeit, Mieten) waren kein Thema in den Koalitionsverhandlungen und ihre Hobbies werden als Schwachsinn bezeichnet.

    • Killerspiele, die heilige Kuh der Nerds.
      Erstmal ist das Herrn Maas seine persönlich Meinung (zu einem sehr speziellen Thema), diese steht im zu, wie dir deine Meinung zusteht. Warum ihn das nun als Außenmister disqualifiziert verstehe ich nicht ganz.
      Und ich finde schon, dass man ganz grundsätzlich über “Killerspiele” diskutieren darf. Ich hab auch vor 20 Jahren etwas Doom gespielt, danach aber ein wenig den Anschluss verloren. Vor 10 Jahren hab ich mir dann mal zeigen lassen, was damals so aktuell war. Damals war ich durchaus etwas schockiert in welche Richtung sich das entwickelt hat. Wie aktuelle “Killerspiel” so ausschauen, weiß ich nicht. ich vermute mal, sie sind jetzt keine Ausgeburt des Pazifismus.
      Ich kenne einige (erwachsene) Spieler, und dieses sind mir nun nicht als besonders gewaltbereit bekannt. Ich möchte diese Spiele auch nicht verbieten. Trotzdem glaube ich, dass man den Zugang für Minderjährige einschränken sollte.
      Aber das alles hat nichts mit der Eignung von Herrn Maas als Außenmister zu tun. Nur weil er in irgendeinem Spezialthema nicht deiner Meinung ist.

      • Ich verstehe einfach nicht, warum in allen Zeitungen steht, dass er einen guten Job als Justizminister gemacht hat.

        Er ist in meinen Augen ein Populist, seine Aussagen zu Paintball belegen dies. Übrigens wurde ich noch nie als Nerd bezeichnet, weil ich Paintball spiele. Da gehen die Vorurteile doch eher in eine andere Richtung.

      • Dein Kommentar beschreibt sehr gut, welches Problem viele (das trifft auf Maas ebenso zu wie auf dich) haben. Sie reden über Dinge, von denen sie keine Ahnung haben. Du hast dich weder aktuell mit den Spielen befasst und deine eigenen Erfahrungen liegen noch deutlich länger zurück, aber vorsichtshalber etwas zu verbieten kann ja nicht schaden.

  58. Doro Beers Aussage ist nicht nur wegen der Flugtaxis seltsam, sondern auch wegen ihrer Frage zu autonomen Autos. Autos, die das Internet brauchen, um zu fahren, sind nicht autonom. Als Oettinger den gleichen Unfug als Begründung für die Abschaffung der Netzneutralität vorgebracht hat, wurde er ausgelacht. Das passierte bei Beer nicht, will sie das ganze mit den Flugtaxis noch toppte.

    • Der Punkt ist halt, dass sie einfach nur labert…
      Was sagt sie denn? Im Prinzip sagt sie nichts anderes, als dass unsere Infrastruktur zukunftstauglich sein soll… wow! Und ich dachte immer, es sei das erklärte Ziel, die Reichspost nachträglich zu unterstützen.
      Dieses Statement war einfach ein Paradebeispiel für Nullsätze, und das ist ja schon schlimm genug – aber wenn man es dann noch mit Flugtaxis garniert… zumal es ihr niemand abnimmt, dass die Infrastruktur in Deutschland in absehbarer Zeit soweit sein wird – eher kommunizieren ihre Flugtaxis über Musks Satelliteninternet.

    • Zu den folgen einer Anhebung des ALG-II Satz hat sich Prof. Sell mal geäußert. In seinem Blog finden sich auch Zahlen dazu:
      https://aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de/

    • Der Begriff “Strafzölle” ist mir auch aufgestoßen: Wer wird hier für was bestraft? Wisst Ihr dazu irgendeinen Hintergrund? Für mich klingt das wie pure (Handels-)Kriegsrhetorik im Stil von “Nachrüstung” oder “Seit 5:45 Uhr wird zurückprotektioniert!” Mich wundert nur, dass die gesamte deutsche Medienlandschaft diese Wortwahl kritiklos übernimmt.

    • Folgt man der Begründung der US-Regierung, dann handelt es sich um Schutzzölle. Zum Schutz der nationalen Sicherheit, die von der heimischen Stahl- und Aluminiumherstellung abhänge. (Ist inhaltlich natürlich Bullshit.)

      Wenn andere Länder/Handelsverbünde auf diese von ihnen als illegal (im Rahmen der WTO-Regeln) angesehenen ihrerseits mit dem Erheben/Heraufsetzen von Zöllen für US-Produkte reagieren, dann wären das tatsächlich Strafzölle (oder Vergeltungszölle).