LdN073 Ermittlungen gegen Trump, Terror-Verdächtiger in Schwerin, Halbzeit bei Sondierungsgesprächen, Katalonien, Feedback #metoo

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Philip und Ulf


USA – Anschläge 

USA – Russland Ermittlungen 

USA – Trump

Sondierungsgespräche 

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155 Kommentare

  1. Kann jemand sagen, was das Urteil des Verfassungsgerichtes zu den kleinen Anfragen nun für Anfragen im Rahmen des IFG (Informationsfreiheitsgesetz) bedeutet? Dort wird ja auch oft mit dem gleichen Argument gearbeitet, dass Betriebsgeheimnisse von Firmen wie der Bahn betroffen wären.

    • Du bist bei der falschen Folge gelandet ;) Aber vielen Dank für die Frage, ich werde versuchen in der nächsten Lage darauf einzugehen.

  2. So gerne ich euren Podcast höre und mich an guten Analysen erfreue, war ich diesmal sehr verärgert darüber, wie schnell und lapidar ihr das Thema “Legalize it” abhandelt, da ist mir die Argumentation an vielen Stellen viel zu lückenhaft.

    1. Jugendschutz – Ja das sei klar, dass der gewährleistet sein muss. Schön, und wie bitte soll das geschehen? Es reicht doch, dass ein volljähriger Freund das Zeug besorgt und dann weiterverkauft, so wie es jetzt schon beim Alkohol passiert. Klar, durch ein Verbot kann man nicht verhindern, dass Jugendliche Cannabis kosumieren, durch die Legalisierung aber noch viel weniger. Ab gesehen davon, dass sich mir der Sinn der Legalisierung nicht völlig erschließt, wäre ich stark dafür, mehr für die Suchtprävention zu tun.

    2. Die überforderten Polizeibeamten – gut möglich, dass dem so ist, aber ist das eigentliche Problem dann nicht, dass hier nicht die entsprechenden Mittel zur Verfügung gestellt werden? Man hebt ja jetzt auch keine Tempokontrollen im Straßenverkehr auf, weil man dadurch das Personal anderweitig einsetzen kann. Meiner Meinung wird das Pferd hier von hinten aufgezäumt.

    3. Zum Thema “Menschen, die sich die Birne wegkiffen” – jawohl, die gibt es, die kenne ich auch persönlich. Wie kommt man dazu, das mit der Aussage zu beantworten “Aber das kann man mit Alkohol ja auch?” In meinen Augen ist das absolut keine logische Schlussfolgerung, dass nur, weil man sich und anderen mit Alkohol großen Schaden zufügen soll, jetzt eine weitere Substanz legalisiert werden soll, mit der man das auch tun kann.

    Ich würde mir da eine fundiertere Debatte wünschen, denn so harmlos ist das Thema durchaus nicht.

    • Hi, ich finde einfach nicht, dass man über das Thema noch groß diskutieren muss. Du bringst gute Gründe, warum man Alkohol auch verbieten sollte – und bekanntlich machen wir das trotzdem nicht. Dann gibt es aber auch keinen Grund, Cannabis zu verteufeln, stattdessen misst man hier schlicht mit zweierlei Maß. Und wenn das so ist, dann sind die gravierenden Folgekosten bei Polizei und Justiz eben doch ein schlagendes Argument, sich den ohnehin wirkungslosen, aber sündhaft teuren Verbotszirkus zu sparen.

      • Wobei mir nicht ganz klar ist, wie der Vertrieb über Apotheken die Polizei entlasten würde.
        Als würde die organisierte Kriminalität und jeder Kleindealer aufhören, Drogen zu verkaufen, nur weil man es jetzt auch legal und wahrscheinlich deutlich teurer in der Apotheke kaufen kann.

        Aber die Verfolgung wird bestimmt einfacher und die Strafen höher, weil die Anklage dann Steuerhinterziehung lautet ;-)

        Man sollte es auch zum Eigenbedarf anbauen können, dann gräbt man der Kriminalität wirklich das Wasser ab. Aber ob CSU, Apotheker- und Pharmalobby da mitspielen?

  3. Nochmal zu #metoo:

    Wenn ihr im Podcast Themen ansprecht, ist es gerade eure begründete Bewertung, die von Interesse ist. Die eigentlichen Informationen lassen sich ja auch von anderen Quellen beziehen, nicht aber die Bewertung und Einordnung. Ich nehme an dieser Stelle einfach mal an, dass das der Rest der Hörerschaft ganz ähnlich sehen wird.

    Folglich empfinde ich es als enttäuschend, wenn ihr euch zu der Sexismusdiskussion äußert, hier aber eine klare Positionierung mit dem Kommentar ablehnt, dass es einigen zu weit, einigen nicht weit genug ginge. Das ist zwar zweifelos korrekt, sollte doch aber kein Grund sein, die (offenbar vorhandene) Meinung zu verschweigen. Das unterscheidet sich somit ziemlich gravierend von so ziemlich allen anderen Themen, die ihr ansprecht.

    Ich kann auch verstehen, wenn ihr auf das Thema Sexismus garnicht weiter eingehend wollt und euch stattdessen enger auf das politische Tagesgeschehen fokussiert, schließlich liegt die Themensetzung ja allein bei euch, jedoch fand ich die Behandlung in dieser Episode nicht gut. Zwar ist das Einbringen von Hörerkommentaren eine gute Idee, jedoch sollte dabei eben nicht der Eindruck aufkommen, zu dem Thema könne man irgendeine beliebige Haltung haben und das sei dann schon so ok.

    Ohne nun konkret “Position zu beziehen”, sollte es doch eine Selbstverständlichkeit sein, ein Verhalten, das als belästigend oder sexistisch emfpunden wird auch dann von selbst zu unterlassen, wenn es noch keine Gesetze verletzt. Damit meine ich ein moralisches Sollen, keine Forderung nach Starfverschärfung etc.
    Es wäre schon viel gewonnen, wenn man so die unabsichtliche Komponente des Alltagssexismus beschränken könnte.

  4. Ich bin gerade etwas überfordert alle Kommentare zu lesen, daher seht es mir nach wenn ich vielleicht etwas wiederhole.

    Mich verwundert doch, das fehlende Verständnis (in “der Lage”) für das offensichtliche, strukturelle Problem. Ich diskutiere solche Themen gerne mit Männern, wie soll sich sonst auch etwas ändern? Ich kann mir aber nur schwer vorstellen, das (weiße, heterosexuelle) Männer nachvollziehen können, wie es ist, sich tagtäglich mit sexuellen, geschlechtsspezifischen Kommentaren und Anspielungen auseinandersetzen zu müssen. Im Job, auf der Straße, zum Teil auch in der Familie.

    Ich verstehe nicht, warum man da nicht klar Stellung bezieht.

    Mich hat die letzte Folge sehr enttäuscht. Ich hatte ein gewisses Vertrauen in “die Lage”, in die Meinungen, die Informationen, die ich sehr schätze. Nach der letzten Folge merke ich, wie dieses Vertrauen einen Knacks bekommen hat. Ich hätte mir hier von “der Lage” einfach mehr Mut gewünscht.

    Das ist eine sehr persönliche Meinung und soll definitiv nicht die restliche Arbeit schlecht machen. Würde im Podcast nicht immer darauf hingewiesen, bitte alles in den Blog zu schreiben, wäre es wohl auch eher eine Mail geworden ;)

    Zum Thema #metoo möchte ich Euch die Kolleginnen vom Lila Podcast empfehlen:
    https://lila-podcast.de/lila086-me-too/

    • Genau so ging es mir auch – ich war auch enttäuscht und hätte mir mehr Klarheit gewünscht bzw. vielleicht auch nur die klare Einsicht, dass man da als Mann häufig den Frauen nichts absprechen darf. Und mir gehr es jetzt ehrlich gesagt auch so, dass ich das Vertrauen in die Lage etwas verloren hab – bzw. ich eure beiden Meinungen, die ich immer sehr differenziert fand, nicht mehr so wichtig sind. Das mag vielleicht unfair sein, weil ihr ja ganz andere Themen anschneidet als Sexismus anschneidet, kann’s aber auch nicht ganz ausblenden, dass ihr da so hart ggü. Frau Chebli wart und euch anscheinend nur Straftaten ggü. Frauen interessieren, aber kein Alltagssexismus.

  5. #Soli

    Auch wenn der Soli ursprünglich im Zuge des Irakkriegs erhoben wurde, die meisten Menschen assoziieren ihn mit dem Aufbau Ost. Auch heute ist vielen offenbar nicht klar, dass die Geldern nicht mehr nur in den Osten fließen. Dieser Mythos hält sich hartnäckig.

    Eine Abschaffung des Soli ist IMHO auch ein Schritt, den wieder neu aufkommenden Graben Ossi – Wessi (u.a Wahlerfolg AFD im Osten) nicht noch größer werden zu lassen sondern wieder etwas zu kitten.

    Eine steueraufkommenneutrale Umsetzung, d.h. Integration in die bestehenden Steuertarife, hätte demzufolge schon die richtige Signalwirkung.

    Nichtsdestotrotz bin ich persönlich für die von Lindner geforderte Streichung ohne Mehrbelastung an anderer Stelle. Und zwar für alle, nicht nur für die unteren Einkommen. Ich wollte lediglich an dieser Stelle auch auf die Signalwirkung für ein gemeinsames Deutschland hinweisen.

    • Für mich geht es bei der Anschaffung des Solis einfach um die Glaubwürdigkeit unserer Demokratie. Nur weil wir mit der Schaumweinsteuer noch immer den Aufbau der kaiserlichen Flotte finanzieren heißt das nicht, dass alles, was dem Bürger als kurzfristige Belastung angekündigt wird, langfristig beibehalten werden kann, ohne dass es Konsequenzen hätte.

      Wer also nicht Populisten und Politikverdrossenen Munition liefern will, sollte den Soli baldmöglichst abschaffen.

      Und wenn die Abschaffung “die Reichen” übermäßig entlastet, dann bedeutet das im Klartext nur, dass der ursprünglich zweckgebundene und befristete Soli “die Reichen” seit der Einführung überdurchschnittlich BElastet hat.

      Aber das ist natürlich eine liberale Position.

      • Genau so schaut es aus.

        Zudem ist die Grenze, ab wann jemand als Reich bezeichnet wird schwammig und oft viel zu niedrig. Gerade die Linkspartei hatte früher Mal das Ziel genannt, Einkommen an 60k wesentlich höher zu besteuern. Das da viele Malocher, z.B. bei Thyssenkrupp am Ofen, über 60 k verdienen, wird da ignoriert.

  6. Hallo liebes Lage Team,
    ihr hatte zu Anfang der letzten Folge, im Hinblick auf die Terrorismusreaktionen in der Öffentlichkeit von einer Studie gesprochen, in welcher die These vertreten wird das in der Öffentlichkeit inzwischen ein psychologischer Gewöhnungsprozess eingesetzt hat. Könnt ihr vielleicht nochmal genau sagen wie der Name der Studie war, der Autor hieß und eventuell wo man Zugriff auf die Studie erhalten kann? Ich arbeite derzeit an einem Studienprojekt und diese Studie würde uns eventuell helfen.

    Mit besten Grüßen aus Hamburg
    Marvin

  7. Trump nutzt inzwischen übrigens scheinbar ein iPhone auf dem nur Twitter installiert ist, statt dem alten Android.

    https://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Bericht-Auf-Trumps-iPhone-ist-nur-eine-App-3725884.html

  8. Flüchtlingspolitik a la CSU: Ihr hattet kürzlich nach Berichterstattung gefragt, ich habe die Situation vor Ort geschildert, Ihr habt das in eurer anschließenden Sendung aufgenommen. Darüber habe ich mich gefreut!
    Nun hoffe ich dass mein Kommentar hier wahrgenommen wird, ich dachte in den Kommentaren zur älteren Sendung wird er vielleicht eher übersehen. Jedenfalls dachte ich mir, Euch auf dem Laufenden zu halten wenn es etwas zu berichten gibt. Das Thema wird bestimmt in der Jamaika Runde wieder aktuell werden.

    Es kommt wie ich es schon erwartet hatte: die Politik reagiert auf die Wahlergebnisse (lokal hohe AFD-Anteile, ich hatte das ja auch erwähnt. Leider finde ich hierzu auf die Schnelle keine Belege, aber ich denke dieser Zusammenhang: AFD-Anteile sind in der Nähe von Bayerischen Flüchtlingsunterkünften besonders hoch – ist auch in den Medien schon analysiert worden).
    Der Bayer. Innenminister Herrmann höchstselbst kommt zum Pressetermin um gönnerhaft weitere Polizisten nach Bamberg abzuordnen um der gefühlten und statistisch belegten erhöhten Kriminalitätsrate entgegenzuwirken, natürlich klassisch auf law and order Manier.
    Leider hat die Lokalpresse zu den relevanten Artikeln eine Paywall, aber immerhin eine Nebendiskussion nimmt Bezug auf die Veranstaltung: http://www.infranken.de/regional/bamberg/fluechtlingsrat-kritisiert-herrmann-vorstoss-kriminalitaet-in-bamberg-hausgemacht;art212,3007124
    Daneben ein Artikel aus einer Zeitung den ich nur über Internet Recherche habe, der die Situation aber aus meiner Sicht auch angemessen zusammenfasst: https://www.bayernkurier.de/inland/29826-mehr-polizisten-beim-asylheim/
    (Maßnahmenpaket und 20 zusätzliche bei schon 340 Beamten vor Ort, ja genau, Effekthascherei würde ich das nennen).

    • 20 Polizisten mehr oder weniger kann den Unterschied zwischen einem durchhaltefähigen Schichtbetrieb und unausweichlicher Überarbeitung machen.
      Klingt eher für mich so als könne man es nicht richtig machen. 20 mehr = Effekthascherei. 100 mehr = populistische Überreaktion?

    • Wenn sich Aktionismus im Einrichten von Polizistenstellen erschöpft, dann können wir alle gut damit leben, meine ich.

      Viel schlimmer ist es, wenn schlicht die politische Dummheit gewinnt. Beispielsweise indem man Menschen mit legalem Aufenthaltsstatus die Aufnahme von Arbeit/Ausbildung untersagt, zumidnest sehr erschwert, weil man die Sorge hat, dass man diese Leute später einmal, wenn z. B. der Flüchtlingsstatus nicht verlängert wird, nicht mehr aus dem kand bekommt, wenn sie hier beruflich integriert sind. Also lässt man sie lieber ein paar Jahre im Stadtpark rumhängen und von Taschengeld und Sachleistungen leben – und wundert sich dann, dass die jungen Männer da nicht nur die Tauben füttern.

    • Und das Thema geht weiter. Der Oberbürgermeister appelliert an die Jamaika Runde, dass die Größe der zentralen Flüchtlingseinrichtung nicht mehr steigen soll, auch wenn die Stadt damals ihre Zusage dazu gegeben hat.
      Diesmal ohne Paywall: http://www.infranken.de/regional/bamberg/merkel-soll-von-ihren-plaenen-fuer-die-grossunterkunft-in-bamberg-abruecken;art212,3013685
      @Ludger: klar kann die Anzahl 20 genau das sein was benötigt wird. Aber in dem zeitlichen Zusammenhang liegt eine politische Symbolhandlung nahe. Und wie ich schon zuvor geschrieben habe, es geht doch nicht nur um mehr Polizei. Es ist eine ganze Menge an Infrastruktur durch die zusätzlichen Nutzer überlastet. Das kommt nicht symbolpolitisch aufs Tablett weil das ja medial schwieriger auszuschlachten ist. Aber der (Meine Vermutung) “möchte-gerne-Innenminister-werden” Herrmann liefert einen Auftritt dieser Art, was zeigen soll: lernt an Bayern wie es toll gemacht wird. Nur dass der Erfolg dieses Modells aber nur in der Beschleunigung des Verfahrens liegt und nicht in der sozialpolitischen Umsetzung. Dass Behörden lernen können zusammen zu arbeiten und dass besonders hier die Lernkurve steil war und wahrscheinlich auch noch ist, darum geht es doch viel eher.
      @günter: agree.

  9. Hallo,

    nur mal mein senf zu der chebli-meetoo-problematik. ich finde, ihr seht das neutral genug.

    wenn die fr. chebli zu einer diskussion auftaucht, ohne sich beim moderator vorzustellen, dann ist das ein problem der fr. chebli. wenn der moderator nicht weiß, wer da an seiner diskussion teilnehmen soll, ist das ein zweites problem, nämlich seines. ein drittes problem ist dann, wenn der moderator mit sehr ungeschickten formulierungen versucht, sich aus der affäre zu ziehen, wieder sein problem. steht also 2 zu 1 gegen den moderator.

    wenn bei sexismus immer ein machtgefälle dazugehört, bei dem frauen unter der macht vorgesetzter männer leiden, die sich aufgrund ihrer vormachtstellungen glauben, alles mögliche herausnehmen zu können, dann sehe ich nicht, wo in diesem fall das machtgefälle sein soll.

    in dem fall macht sich der moderator einfach nur selber lächerlich. sexismus ist da nicht wirklich ausschlaggebend. und erst recht ist das in keinster weise zu vergleichen mit dem, was bei weinstein los war. das ist keine nötigung, keine vergewaltigung, es existiert kein machtgefälle. sie muss sich das nicht gefallen lassen. dass sie hinterher versucht, sich bei meetoo einzureihen, entwertet den fauxpas des moderators allerdings sehr.

    und was ihr am schluss eures podcasts als hörerkommentar vorgelesen habt, das mit dem initialen blick: das ist doch vollkommen willkürlich. ich kann doch nicht wissen, was der- oder diejenige, den oder die ich gerade bewußt oder unbewußt ansehe, sich gerade denkt! ich bin für die empfindung, die dieser hörer da vorgetragen hat, in keinster weise verantwortlich. noch kann ich etwas dafür oder dagegen tun.

    ja, nur soviel dazu …

    • Ich finde deine Antwort trifft es sehr gut.
      Man sieht hier, wie sich zwei Extrempositionen hier aufeinander einschießen. Die einen: “DAS GEHT GAR NICHT” und die anderen “DIE SOLL SICH MAL NICHT SO ANSTELLEN; IMMERHIN IST SIE GESCHMINKT”.
      und dann gibt es Zwischentöne, die die eine oder andere Seite über- oder unterinterpretiert und gleich wieder losschießt.
      Man muss doch tatsächlich die Situation im Gesamten und auch als Einzelfall betrachten.
      Eine junge Politikerin, die auch in meinen Augen nicht dem Bild entspricht, das mir beim Titel “Staatssekretärin” im Kopf ist und ein älterer Herr aus einem eher konservativen Milljö, dem es sicher ähnlich geht wie mir, was das Bild angeht.
      Dann die Situation. Er kennt sie nopch nicht, sie erscheint auf der Bildfläche ohne dass er es mitbekommt.
      Er geht davon aus, dass sie nicht da ist, sie macht ihn darauf aufmerksam, dass sie doch da ist.
      Er ist sicher überrascht, weil er einerseits aus seinen Gedanken/seiner Rede gerissen wird und weil er eben erst mal den Unterschied zwischen dem realen Bild (junge, hübsche Frau) mit seinem Kopfbild (Staatssekretärin, vielleicht ältere Frau, graues Kostüm, unscheinbar) abgleichen und verarbeiten muss.
      Dann rutscht ihm der Spruch raus, für den er ja später auch um Entschuldigung bittet.
      Im Prinzip ist es doch eigentlich ein gutes Zeichen, dass die alten Bilder nicht mehr gelten. Und ein noch besseres Zeichen, dass sich der Herr ohne Umschweife entschuldigt. Vor ein paar Jahren hätte der Mann bei einem solchen Vorfall wohl noch gesagt: “Die soll sich mal nicht so anstellen”
      Ich finde auch, dass das Lageteam hier gut reagiert hat und einen ordentlichen Mittelweg der Diskussion findet und nicht urteilt.
      Das finde ich sowieso einen wirklich positiven Aspekt hier. DIe Lage ist ein sehr ausgeglichener Podcast in dem die Meinung der Moderatoren rüberkommt, aber so sachlich, dass man sich nicht brüskiert sieht, wenn man davon absieht. Das ist bei so manch anderem Podcast meiner Meinung nicht der Fall.
      Danke dafür. Wenn ich Ende des Jahres meine Spendengelder verteile, seid Ihr mit einem Abo dabei.

  10. Ich beiße gerade enthusiastisch in die Tischkante in Anbetracht der Kommentare zum Thema Alltagssexismus. Mannmannmann.
    Als kleine Anregung für alle, die finden, Frauen sollen sich nicht so haben, ein Knietatscher, eine Bemerkung, ein Pfiff ist doch nicht so wild: http://www.zeit.de/arbeit/2017-11/sexuelle-belaestigung-arbeitsplatz-leserinnen
    LeserInnen der Zeit haben mal geschildert, was sie so im Alltag erleben. Die ein oder andere Bemerkung für sich genommen werden einige Foristen hier gar nicht so wild finden, aber gerade in der Menge verdeutlicht es doch: Alltagssexismus ist da und ist ein Problem. Ich bin ein weißer, heterosexueller Mann, und ich bin froh, dass ich das nicht durchmachen muss.
    Ich schlage vor, mal mit ein paar Frauen zu sprechen und dann noch mal zu überlegen, ob man(n) Frau Chebli wirklich Übertreibung vorwerfen muss.

  11. “Es geht da weniger um einen tiefen Sinn, sondern um Gefühle. Die sind halt oft primitiv, aber deswegen nicht falsch.”

    Da stimme ich dir zu, hab auch nie behauptet das ich deine Ansicht falsch finde, denn ein richtig oder falsch gibt es da an sich wirklich nicht. Gerade weil Gefühle weit weg von jeglicher Rationalität sind.

    “Wenn z. B. der Täter weiter lebte, dann wäre das aus meiner Sicht viel schlimmer für die Angehörigen, als wenn ihn jemand gestellt hätte. Das muss aber jeder mit sich ausmachen, ist eine Mentalitätsfrage.”

    Genau das sehe ich halt anders, alle “IS Attentäter” (passt jetzt zugegebener maßen nicht auf das Shooting in Texas) warten doch gefühlt nur darauf nach ihrer Tat endlich “übern Jordan zu gehen”, um sich an 72 Jungfrauen vergehen zu können, oder whatever. Und natürlich ist das jetzt auch nur wieder hypotethisch: aber mir persönlich wäre es wesentlich Lieber so jemand bis ans Ende seines Lebens in einer Gefängniszelle sitzen zu sehen. Nix mit Himmel, Knastalltag, harte Betten, scheiß Fraß – und das ganze bis er auf natürliche Art und Weise der kompostierung zugeführt wird.

  12. Nochmal ein Kommentar zu den Terroranschlägen:

    zwar kann ein beherztes Eingreifen denn Terror nicht verhindern, aber es kann etwas wie bei der jüngsten Angelegenheit mit der Kirche getan werden.

    So haben Leute mit Zivilcourage den Täter gestellt.

    http://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Augenzeuge-berichtet-von-Jagd-auf-Texas-Angreifer-article20118463.html

    Das ist in meinen Augen das richtige Mittel gegen den Terror. Damit wird das Zeichen gesetzt, dass auf eine Aktion eine Reaktion erfolgt, die es zumindest emotional wesentlich einfacher macht, mit der Situation umzugehen.

    Und das was Wesentlichste ist: die Täter bekommen nicht den Triumpf, die Menschen wehrlos töten zu können, sondern es prägt sich das Bild ein, dass die Verfolger ihn gestellt haben und damit die Gerechtigkeit gesiegt hat und nicht der Täter mit seiner irren und feigen Tat.

    • Hat die Gerechtigkeit gesiegt, wenn der Täter von anderen bewaffneten Bürgern gestellt und womöglich getötet wird? Und wo ist dazu der Unterschied, zu dem theoretischen Szenario, dass er meinetwegen von der Polizei gestellt/angeschossen und gefangengenommen und/oder getötet wird oder sich nach seiner Tat selbst das Leben nimmt. Das soll jetzt kein Angriff auf dich sein Frank, aber mir persönlich scheint es irgendwie falsch, da mit Gerechtigkeit zu argumentieren. An so einer schrecklichen Tat ist gar nichts gerecht – und ob es den Opfern und Angehörigen “besser” geht, wenn sich eines der oben dargestellten Szenarien einstellt – das zweifel ich arg an.

      Und ich finde Reaktionen folgen auf den Terror genug (im globalen Maßstab gesehen seit 9/11) – ob diese natürlich zielführend sind (für welches “Ziel” auch immer) oder einfach nur dafür sorgen, dass auf eine entsprechende Reaktion wieder eine Aktion folgt und darauf wieder eine Reaktion usw. steht auch wieder auf einem ganz anderen Blatt.

      Und “mehr Waffen” sind für mich schon mal gar nicht die Lösung, aber da schweife ich jetzt wahrscheinlich zu sehr vom eigentlichen Thema ab.

      • “Hat die Gerechtigkeit gesiegt, wenn der Täter von anderen bewaffneten Bürgern gestellt und womöglich getötet wird?”

        Ja, das ist für mich in diesem Fall die höchste Form der Gerechtigkeit.

      • @Frank:
        Nun ja, “homo homini lupus est” ist nun allerdings ein Gesellschaftsprinzip dass das europäische Staatsverständnis eigentlich glücklicherweise überwunden hat. (Eine Rückkehr in den Hobbes’schen Naturzustand scheint mir auch wenig Vorteile zu bieten.)

    • Wenn ein Grizzly-Bär ein paar Menschen anfällt und schwer verletzt oder gar tötet, würde es dann “für Gerechtigkeit sorgen”, wenn ein paar Umstehende den Bär verfolgen und ihn mit eigenen Händen umbringen?

      Über Geschmack, auch moralischen, lässt sich schlecht streiten. Aber Verwunderung möchte ich doch zum Ausdruck bringen.

      • @Frank: OK, das nehme ich so an, habe da aber vermutlich wie Günther irgendwie andere ansichten zwecks Gerechtigkeit. Das geht mir viel zu sehr in die “Gleiches mit gleichem vergelten Schiene”, und das passt zu meinem Weltbild überhaupt nicht.
        Nichts kann die Sinnlosigkeit eines solchen Anschlags oder Terrors im allgemeinen auch nur ansatzweise aufwiegen.
        Zumal diese Leute sich nach dem – einer der Ihrern – “übern haufen geschossen wurde” ganz sicher nicht sagen (sinngemäß und leicht überspitzt formuliert): “Ohhh, jetzt schlagen die mit Waffen zurück, und es ist möglich das ich dabei selbst ums Leben komme, dann lass ich das lieber mal bleiben”.

      • Es geht da weniger um einen tiefen Sinn, sondern um Gefühle. Die sind halt oft primitiv, aber deswegen nicht falsch.

        Wenn z. B. der Täter weiter lebte, dann wäre das aus meiner Sicht viel schlimmer für die Angehörigen, als wenn ihn jemand gestellt hätte.

        Das muss aber jeder mit sich ausmachen, ist eine Mentalitätsfrage.

      • @Frank:
        Das ist in meinen Augen keine Mentalitäts-, sondern eine Zivilisationsfrage. Das gesellschaftliche Handeln NICHT von irgendwelchen Gefühlen oder Trieben leiten zu lassen ist jedenfalls gerade der Fortschrittsaspekt, der allgemeine Gerechtigkeit (und nicht: Überlegenheit des Stärkeren und Gier nach Rache) und damit letztendlich Freiheit überhaupt erst ermöglicht. Der Mechanismus dafür ist, Strafverfolgung bewusst in die Hände des im Rahmen der menschlichen Möglichkeiten neutralen Staat zu legen und dem Individuum zu entziehen.

        Und ich kann mir nichts vorstellen, was eine stärkere Zurückweisung von Zivilisation als solcher bedeuten würde als die Todesstrafe. Die Todesstrafe ist reine Rache und hat mit Gerechtigkeit überaupt nichts zu tun.

  13. Cannabis:
    Ich finde es schon abenteuerlich wie leger und kritiklos ihr Zwei mit dieser Sachlage (was ich persönlich super finde,….. würde ich sofort unterschreiben) umgeht. So eine Aussagen wie, na der Jugendschutz gewährleistet das Jugendliche geschützt werden !…., kleine Kreise die das nicht tun (konsumieren)….. welche Rechtsgüter werden verletzt ? (Gesundheit),……, Polizei erreicht Belastungsgrenze ?, zeugen von viel Unwissenheit (einer von euch Beiden ist doch Richter an einem Landgericht).
    Ganz unabhängig wie man zur Legalisierung steht, die Gefährlichkeit von Cannabis wird vielfach unterschätzt und die Prävention bei Jugendlichen wird durch Legalisierung nicht einfacher. Recherchiert mal wieviele Kinder und Jugendliche in den Kinder und Jugendpsychatrischen Einrichtungen behandelt werden weil sie Drogen nehmen oder genommen haben und welche Wartezeiten es für eine Therapie gibt. Unterhaltet euch mit Eltern deren Kinder Drogen nehmen, was da in Familien „abgeht“ ist furchtbar. Da gibt es Hilfeschreie nach dem Staat. Hier sind dann Jugendamt und Familiengerichte gefordert. Befragt mal eine Richterin oder einen Richter an einem Familiengericht wie viele Unterbringungsanträge gemäß § 1631b BGB gestellt werden. Recherchiert mal welche gesundheitliche Schäden die Menschen nehmen und was das dem Staat kostet.
    Wenn die Polizei an der Belastungsgrenze ist (Rechtsgüter können nicht mehr geschützt werden) und der Rechtsstaat wird in Frage gestellt wird, dann könnten doch auch andere, zur Zeit noch unter Strafe stehende, Vergehen und Verbrechen legalisiert werden (Diebstahl, Sachbeschädigung, Beleidigung, Körperverletzung, Fahren unter Alkohol, usw., usw.). Dann haben wir wir auch einen Rückgang in der PKS (Polizeiliche Kriminalstatistik) zu verzeichnen.
    Kriminalisierung und Repression sind ein legitimes Mittel des Staates um die Gesundheit seiner Bürger zu schützen. Die Helm und Gurtpflicht sind hier ein Beispiel dafür. Auch wenn ich mich nur selbst gefährde wird bei Verstoß ein Busgeld fällig.
    Ich könnte hier, aufgrund meiner beruflichen Erfahrung, aus dem „Nähkästchen“ plaudern, leider kann ich hier nur allgemein argumentieren und warnen. Jugendschutz wirkt nur bedingt, dass gilt für Tabak, Alkohol und wird durch Cannabis nicht besser.

    • Danke für Deinen Kommentar, aber was ist denn letztlich Deine Position zum Thema?

      Ich sehe jedenfalls nicht, dass das Verbot von Cannabis irgendwelche positiven Effekte hätte. Im Bereich Jugendschutz argumentieren wir doch seit Jahrzehnten erfolgreich gegen Alkohol: klar, viele Teenies trinken ein paar Jahre mehr als sie sollten, aber in aller Regel kriegen sie sich auch wieder ein. Warum sollte das nicht bei Cannabis funktionieren?

      Außerdem haben wir ja ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine Altersgrenze Sinn macht – von mir aus gerne auch 21 Jahre.

      Den allenfalls marginalen Vorteilen der Kriminalisierung stehen jedenfalls enorme gesellschaftliche Kosten gegenüber, insbesondere im Bereich Polizei und Justiz. Das Geld wäre in jedem denkbaren anderen Bereich der Strafverfolgung besser angelegt (von mir aus gerne beim Kampf gegen Raser und Steuersünder, aber da hat sicher jeder seine Prioritäten).

      • Ulf / Günter
        Ich bin, um auf deine Frage einzugehen, gegen die Legalisierung von Cannabis. Mir ist auch klar, dass eine Verbot nicht automatisch dazu führt, dass nicht konsumiert wird und wir dieses Thema auch nicht abschließend diskutieren können.

        Der Vergleich mit der Bundesflagge / Cannabis ist nicht besonders geeignet.

        Falls wir mal gedanklich den Ansatz wählen, dass Verbote durch den Gesetzgeber nichts bringen und wir uns einreden, -das machen sowieso alle-, dann verlieren wir einen wichtigen Baustein, der das Zusammenleben in unserer Gesellschaft regelt. Wir haben durch politische, gesellschaftlichen Stabilität und Gesetzgebung einen Zustand in Deutschland, der es uns ermöglicht in „geordneten Verhältnissen“ zu leben.
        Ich bezweifele das Cannabis rauchen gesellschaftlich akzeptiert ist, die wenigsten Menschen in Deutschland rauchen bzw. rauchen Cannabis.

        Ich möchte hier nicht weiter auf die Schädlichkeit des Rauchens eingehen, fragt Google! Hier erfährt man auch wieviel Menschen dadurch sterben (auch ohne Cannabis)!

        Das Rauchverhalten unterscheidet sich nach sozialen Status, Bildungsniveau, beruflicher Stellung und Einkommensniveau. Nichtrauchen konsumieren auch kein Cannabis.

        Aber, und jetzt wiederhole ich mich, setzte ich den Schwerpunkt auf den Jugendschutz. Der ist auch per Gesetzt geregelt. Jugendliche Raucher werden durch Legalisierung von Substanzen, die heute noch unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, zu den ersten „Opfern“. Erkundigt euch bei den Jugendämter und Familiengerichten dieser Republik wieviele Anträge zur Unterbringung gemäß § 1631b BGB jedes Jahr gestellt werden. Aus meinem Tätigkeitsbereich kann ich sagen „Tendenz steigend“. Die Anzahl der Therapieplätze ist beschränkt. Macht euch die Mühe und sprecht mal mit sorgeberechtigten Eltern deren Kinder in diesen Sog geraten sind (ne Tüte rauchen ist gesellschaftlich akzeptiert). Bei solchen Aussagen fühle ich mich nicht besonders wohl. Wer solches Elend mal live erleben muß / darf, würde über die Legalisierung von Cannabis vielleicht differenzierter urteilen!

    • Jörg,

      kein Mensch verzichtet auf Cannabis, weil es illegal ist. Illegal ist auch das Verwenden der Bundesflagge (Deutschlandfahne mit Adler drauf – tausendfach zu sehen bei jedem Spiel der Fußballnationalmannschaft), da diese eigentlich nur Bundesbehörden vorbehalten ist. Für eine wirksame Durchsetzung von Verboten braucht es glaubhafte Sanktionsandrohung und im Idealfall noch dazu einen gesellschaftlichen Konsens darüber, was ‘nicht OK’ ist. Beides gibt’s bei Cannabis einfach nicht. Der Zug ist abgefahren. ‘Ne Tüte rauchen’ ist gesellschaftlich akzeptiert. Ein Gutteil der Bevölkerung hat es zumindest mal probiert (ebenso bekannte Politiker und Staatsführer wie Justin Trudeau, Bill Clinton und Barak Obama), Millionen Menschen sind aktuell Konsumenten.

      Mit Verboten wird man nichts erreichen, außer den dass sich der staatliche Organe der Lächerlichkeit preisgeben und das Rechtsempfinden der Bevölkerung Schaden erleidet. Wie man schädliche Drogen eindämmen kann, das haben die erfolgreichen Anti-Rauchen-Kampagnen gezeigt.

      Hier die Besprechung einer interessanten Studie sowie zum Für und Wider von Verboten: https://www.vox.com/policy-and-politics/2017/7/20/16003172/the-weeds-dutch-study-marijuana-legalization

  14. Hallo,
    nachdem ich den Podcast am Samstag gehört habe, sind mir einpaar Gedanken zum Thema Sondierungsgespräche gemacht und das Thema Soli ist mir nicht so schnell aus dem Kopf gegangen.
    Da sollte man sich Frage stellen wie solidarisch ist unser Steuersystem noch?
    Statt über diesen “kleinen” Steuerpunkt zu diskutieren sollte man lieber über ein Steuersystem wie in den Skandinavischen Ländern nachdenken und über eine entsprechende Mehrwertsteueranpassung und dafür den Soli und andere Steuern oder Lohnabgaben streichen. So zahlt jeder das an Steuern was für ihn möglich ist.

    • Soli abschaffen heisst größere Einkommen stärker entlasten als kleinere (denn der Soli ist einfach 5,5% des Einkommens. Wenn man stattdessen die MWST senken würde, würde das kleine Einkommen genauso sehr entlasten wie Große. Am Besten wäre es natürlich wenn man z.B. alles was man Essen kann mit einer nierigeren MWST versehen würde. Dann hätten ärmere Leute vielleicht wirklich mehr auf dem Tisch.

      Der Nachteil ist natürlich dass der Handel die MWST Änderung auch an den Endkunden weitergeben müsste, und die Vergangenheit zeigt dass dies üblicherweise nicht geschieht. Die Waren behalten den gleichen Preis, das 1-2% Plus streicht der Produzent ein.

      • Ich meinte man sollte den Soli im Zuge einer großen Steuerreform abschaffen. Ich habe mal vor Jahren das Minimax Prinzip gelesen, da ging es um das Bürgergeld. Als Beispiel wurde 500€ für jeden genannt. Wer dann Beispielsweise 1500€ verdient bekommt 500€ danach werden es es weniger und wer dann 2501€ zahlt ab jedem Euro mehr 25% Einkommensteuer sprich 0,25€. Bitte nicht auf die Zahlen festlegen. Setzt man dann den Mist Satz für Nahrungsmittel auf 10% und den Rest auf 20% kann man sicher die ein oder andere Steuer streichen und zum Beispiel Geringverdiener und Rentner entlasten.
        Es Bedarf aber von Weitblick und dem politischen Willen so etwas durch zuziehen und den Menschen vernünftig zu erklären, aber dies sehe ich leider nicht.

  15. Sehr spannender Artikel zum Thema USA:

    “Say Mueller reveals hard proof that the Trump campaign knowingly colluded with Russia, strategically using leaked emails to hurt Clinton’s campaign. Say the president — backed by the Wall Street Journal editorial page, Fox News, Breitbart, most of the US Cabinet, half the panelists on CNN, most of the radio talk show hosts in the country, and an enormous network of Russian-paid hackers and volunteer shitposters working through social media — rejects the evidence.

    They might say Mueller is compromised. It’s a Hillary/Deep State plot. There’s nothing wrong with colluding with Russia in this particular way. Dems did it first. All of the above. Whatever.

    Say the entire right-wing media machine kicks to life and dismisses the whole thing as a scam — and conservatives believe them. The conservative base remains committed to Trump, politicians remain scared to cross the base, and US politics remains stuck in partisan paralysis, unable to act on what Mueller discovers.

    In short, what if Mueller proves the case and it’s not enough? What if there is no longer any evidentiary standard that could overcome the influence of right-wing media?

    GOP politicians cannot (or feel that they cannot) cross the base. And the base is currently being lied to about the Mueller investigation at a furious pace. The entire right-wing machine has kicked into high gear, led by the president himself, furiously throwing out chaff about Comey, Mueller, Obama, Hillary, the dossier, the uranium, the emails, and whatever else.

    As long as the base is convinced that Mueller is an agent of the deep state (or whatever), it will punish any Republican politician that strays from the pack and criticizes Trump. For a GOP officeholder, standing up for democratic integrity could mean sacrificing reelection in 2018 or 2020.

    As long as Republican politicians are frightened by the base, the base is frightened by scary conspiracies in right-wing media, and right-wing media makes more money the more frightened everyone is, Trump appears to be safe. As long as the incentives are aligned in that direction, there will be no substantial movement to censure, restrain, or remove him from office.”

    https://www.vox.com/policy-and-politics/2017/11/2/16588964/america-epistemic-crisis

  16. so ok, irgendwo sind heute soweit ich das wahrgenommen haben zwischen 5 und 10 Kommentare hinzugekommen. Nur wo alles?

    Bitte, könnt ihr nicht zumindest einen RSS Feed für die kommentare aktivieren? Oder muss ich einen scraper bauen der einen Feed erstellt?

    merci

  17. Liebes LdN-Team,

    grundsätzlich erst einmal möchte ich euch als Hörer ein großes Lob für eure Arbeit aussprechen, die Lage ist für mich mittlerweile ein fester Bestandteil meiner politischen Informationsbeschaffung geworden, weil ihr es schafft, verschiedenste Bereiche nachvollziehbar abzuarbeiten und dabei Denkanstöße liefert, ohne allzu deutlich Partei zu ergreifen.

    Für diese Folge möchte ich aber eine kleine Kritik äußern. Zum Thema des Verfassungsschutz stellte Ulf es so dar als würde der Verfassungsschutz völlig unkontrolliert arbeiten und sei so in der Lage ohne jegliche Überprüfung, Bürgerrechte einzuschränken. Dabei fiel aber unter den Tisch, dass alle Verfassungsschutzbehörden bei Überwachungen der nach Artikel 10 geschützten Kommunikationswege der Kontrolle der G10-Kommission nach dem Artikel 10-Gesetz unterworfen sind und erst dann überwachende Maßnahmen vornehmen dürfen, wenn die Kommission das im konkreten Einzelfall gestattet hat. Die Kommission setzt sich aus einem Vorsitzenden, der die Befähigung zum Richteramt haben muss und mehreren weiteren Mitgliedern, die vom parlamentarischen Kontrollgremium berufen werden. Ich wüsste dabei auch nicht, dass die Kommission bei ihren Genehmigungen deutlich liberaler ist als dass ein Richter bei vergleichbaren Maßnahmen der Kriminalämter ist, allerdings gibt es dazu aufgrund der Geheimhaltung über die Inhalte der Sitzungen natürlich auch keine genaueren Informationen.
    Im Endeffekt kann man sicherlich hinterfragen, ob diese Kontrollen ausreichen und Bürgerrechte so ausreichend gesichert sind und darüber eine Diskussion führen, mit welchem Ergebnis auch immer, die Darstellung in der Sendung, dass der Verfassungsschutz unkontrolliert schalten und walten könne und ihm niemand auf die Finger schaut und im Vergleich dazu der Richtervorbehalt eine ungleich größere Hürde sei, ist so zumindest nach meinem Informationsstand aber nicht richtig.
    So zumindest die grundsätzliche Gesetzeslage, wie sehr das in der Implementierung dann auch funktioniert, ist natürlich eine Frage, die ich ohne Insiderquellen nicht beantworten kann.

    Ansonsten hat mir die Sendung aber wieder sehr gefallen, danke dafür.

    Liebe Grüße
    Alex

    • Hi,

      Du weist zu Recht auf die G10-Kommissionen hin, daneben gibt es noch die Parlamentarischen Kontrollkommissionen und neuerdings beim BND das sogenannte Unabhängige Gremium:

      https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/bnd-kontrolle-gremium-bgh-nimmt-arbeit-auf/

      Allen diesen Gremien ist allerdings gemein, dass sie mit einigen wenigen Menschen Behörden kontrollieren sollen (jedenfalls dem gesetzlichen Auftrag nach), in denen tausende von Menschen arbeiten. Schon dieses Zahlenverhältnis macht denke ich deutlich, dass diese “Kontrolle” bestenfalls eine Art demokratisches Feigenblatt ist, damit wir alle ruhig schlafen können. Die traurige Wahrheit ist hingegen, dass dort tausende Menschen tun, was sie für richtig halten, und wir nur hoffen können, dass sich das weitgehend auf dem Boden unserer Verfassung abspielt.

      Und noch ein Wort zur G10-“Kontrolle”: Die Kommissionen entscheiden in den meisten Fällen nur im Nachhinein, und sie kontrollieren auch nichts, sondern sie entscheiden auf der Grundlage der Unterlagen, die man ihnen vorlegt. Wirklich aktive Kontrolle ging bisher allenfalls von der Bundesdatenschutzbeauftragten aus, deren Kontrollkompetenzen über den BND wurden aber gerade mit der BND-Reform eingeschränkt (Kritiker sagen, weil sie zu viele Verstöße gefunden hat).

      • Vielen Dank, mit der ausführlicheren Darstellung deiner Schwierigkeiten mit der Kontrollierbarkeit der Verfassungsschutzämter kann ich schon viel mehr anfangen und verstehe auch, dass du da die Rechtsstaatlichkeit gefährdet siehst. Dass die Kontrollgremien einfach zu unterbesetzt sind und sie deswegen nicht die Möglichkeit haben, ist ein Problem, das sich tatsächlich aus der bloßen Theorie der Gesetzestexte nicht ergab.

        Nur eine Rückfrage hätte ich noch: Ich habe mich speziell auf die G10-Kommission bezogen, weil ich da am meisten Parallelen zu der Funktionsweise eines Richtervorbehalts sehe. Du sagst mit Recht, dass sie letztlich davon abhängig ist, dass ihr der gesamte Sachverhalt so lückenlos vorgelegt wird, dass sie zu einem richtigen Ergebnis kommt.
        Sieht das bei einem Richtervorbehalt bei Überwachungsmaßnahmen der Kriminalämter nicht ähnlich aus? Auch hier ist der Richter doch gerade in Fällen, wo eben nur ein Verdacht besteht, dass die zu überwachende Person eine Straftat begehen könnte, wohl auch davon abhängig, dass er vollständig über den Sachverhalt aufgeklärt wird und eben nicht nur “geschönte” Unterlagen vorgelegt bekommt. Oder übersehe ich hier einen entscheidenden Aspekt?

  18. Liebe Lage der Nation-Team,
    bevor ich zur ernsthaften Frage komme, einen Funfact. Phillipp zählte auf, was alles vom Soli finanziert werden sollte, nach dem Irak-Krieg. Dabei rutschte in seiner Aufzählung auch das Internet mit hinein. Es kann jedoch als gesichert gelten, dass das Internet in der DDR nicht marode war. Ja, es könnte daran liegen, dass es das 1989 als Massenmedium noch nicht gab. Jetzt aber die ernsthafte Frage. Soweit ich mich erinnere, gibt es doch eine mehr oder weniger verbindliche Vereinbarung oder einen Beschluß des bundestages den Soli 2019 auslaufen zu bzw. nicht mehr zu verlängern. Ist dann die Erregtheit der FDP in dieser Sache nicht eine um ein schon gelegtes Ei und bewegt sich daher von der Bedeutung her auf der gleichen Ebene wie die Obergrenzendiskussion der CSU.

    • Der “Solidarpakt II” läuft 2019 auf. Das ist eine Sonderzuwendung für die (inzwischen mit mehr ganz so) Neuen Bundesländer. Mit dem Solidaritätszuschlag hat das nix zu tun.

  19. Liebe Lage,

    als treue Hörerin und teurer Hörer sind wir froh über Euern wöchentlichen Überblick und die Diskussion des Wichtigen.

    Wir möchten einen Beitrag zur Diskussion um Katalonien leisten.
    Das Besondere an der Situation in Katalonien ist aus unserer Sicht:
    – die Kontinuität von frankistischen Strukturen im Zentralstaat nach 1978 bis heute
    – Reformansätze z.B. sozialpolitischer Art seitens der Autonomiebefürworter*innen und der entsprechenden politischen Koalitionen in Katalonien

    Die Berichterstattung in Deutschland, zumindest so, wie wir sie wahrgenommen haben, bezieht sehr oft recht einseitig die Stellung des Zentralstaates, pocht auf die Verfassung, deren Zustandekommen und deren reale Anwendung und Auswirkung jedoch überhaupt nicht zur Debatte gestellt wird. Dadurch erfolgt eine Parteinahme zugunsten der zentralstaatlichen Sicht, die mit ausgewogener Berichterstattung wohl wenig zu tun hat.

    Gerne senden wir Euch zwei Artikel der Schweizer “Wochenzeitung” , bzw. die Links dahin, die sehr differenziert diese eben oft ungenannten Zusammenhänge darlegen:

    https://www.woz.ch/1744/eine-katalanische-familie/es-ist-eine-riesige-wut-entstanden
    und
    https://www.woz.ch/1744/katalanische-zweifel/der-kater-nach-dem-rausch

    Viele Grüße aus Bonn von

    Stefan Padberg und Michaela Lapp

    PS: Noch eine Kleinigkeit: Das t bei Puigdemont wird auch gesprochen ;-)
    Lautmäßig etwa so: Putschdemont

    • Ich nehme mir jetzt einfach mal raus im Namen aller des Spanischen nicht mächtigen zu sagen:
      Danke!
      Gruß
      Matthias Rathje

      • Gerne,
        Puigdemont ist ja tatsächlich ein katalanischer Name. Auf spanisch würde der anders ausgesprochen ;-)

        Unten noch zwei sehr gute deutschsprachige Quellen zum Konflikt um Katalonien, der, so bin ich sicher, uns noch lange beschäftigen wird. Letztlich ist das große Versäumnis wieder aktualisiert, dass der Übergang zur Demokratie ohne einen Aussöhnungsprozess abgelaufen ist. Alle wisssen bzw. wussten, wer im Bürgerkrieg und in der Diktatur welche Posten hatte und viele wissen und wussten, wer wo wen ermordet und / oder gefoltert hat – und darüber das Schweigen des Neuanfangs. Eben keine Wahrheitskommission wie z.B. in Südafrika nach der Apartheid, keine Nürnberger Prozesse – einfach nichts. Dazu die weit reichenden Konflikte um das Baskenland, mit Terror durch ETA und den Staat, wie amnesty international immer wieder in den Jahresberichten (Foltervorwürf!) belegte. Auch das: Ohne Aufarbeitung, geschweige denn Annerkennung der eigenen Verantwortung von Seiten des Zentralstaates.
        Als ich auf einer Exkursionsreise einen linken baskischen Politiker interwiete, sagte dieser als Hintergrund des Konfliktes sinngemaäß: “Wir erleben es, letztlich seit 500 Jahren so: Für Madrid ist Kastilien der Normalfall und alles andere im spanischen Staats sind Anomalien.” Wenn dann diese Anomalien auch noch gerne eine fortschrittliche Sozial- und Umweltpolitik umsetzen wollen, und dafür keine Möglichkeit im Rahmen ener Autonomie sehen, passiert, was gerade in Katalonien passiert.
        Ok, jetzt endlich die Links:
        https://www.taz.de/!5458606/
        https://www.raulzelik.net/baskenland-texte/504-was-ist-los-in-katalonien-blog-herbst-2017
        Grüße an alle,
        Stefan

  20. Zum Vorschlag, bei den Koalitionsverhandlungen sollten die Themenfelder aufgeteilt werden und dann jeweils eine Partei diese federführend übernehmen: Das Geheule, das dann in der Oeffentlichkeit ausbricht, möchte ich nicht hören muessen. Wenige Minuten vorher beklagt ihr schon, dass im “Inneres”-Bereich sich die Law and Order-Fraktion der Unionsparteien durchgesetzt hat. In der Konsequenz wuerde das doch bedeuten, dass hier die CSU alleine ihren Quark durchsetzen dürfte, weil zB die Grünen bei der Frage “Wollt Ihr Klima oder Inneres” gar nicht anders koennten, als alles andere ausser ihrer “Kernkompetenz” fahren zu lassen. Und schon jetzt bekommen die Grünen (oft zu recht) um die Ohren gehauen, wenn sie in den Bundesländern, in denen sie nicht mit einer absoluten Mehrheit ausgestattet an Regierungen beteiligt sind, und dann auch nicht so gerne gesehene Entscheidungen mittragen. Wie soll das werden, wenn man in einer 4er Koalition 75% aller Politikfelder gaenzlich aus der Hand geben wuerde und trotzdem immer mitstimmen müsste? Das halte ich fuer eine der besten Ideen, und ie Politikverdrossenheit auf die Spitze zu bringen. Es ist das genaue Gegenteil davon, die Koaliererei gaenzlich zu lassen und in einzelnen Sachfragen wechselnde Mehrheiten zu finden (was ja wohl auch nicht gehen wuerde, da niemand dem anderen dann einen Erfolg bei dessen Kernthema gönnen wuerde).

  21. Müssen wir mit sozialen Medien kritischer umgehen?

    “Two Russian state institutions with close ties to Vladimir Putin funded substantial investments in Twitter and Facebook through a business associate of Jared Kushner, leaked documents reveal.

    The investments were made through a Russian technology magnate, Yuri Milner, who also holds a stake in a company co-owned by Kushner, Donald Trump’s son-in-law and senior White House adviser.

    The discovery is likely to stir concerns over Russian influence in US politics and the role played by social media in last year’s presidential election. It may also raise new questions for the social media companies and for Kushner.”

    https://www.theguardian.com/news/2017/nov/05/russia-funded-facebook-twitter-investments-kushner-associate

  22. Bezüglich der Katalonien Krise vermisse ich eine Diskussion über die Rolle der EU. Ich hätte mir da mehr erhofft, die Reaktion der EU hat mich allerdings in meiner EU-Skepsis bestärkt, wobei ich diesen Artikel sehr interessant fand:

    https://www.unisg.ch/de/wissen/newsroom/aktuell/rssnews/hintergrund/2017/oktober/hintergrund-fassbender-katalonien-eu-20oktober2017

    “In der Katalonien-Krise wird die EU ihrem Anspruch, eine «Union der Bürgerinnen und Bürger» zu sein, nicht gerecht. Stattdessen verteidigt sie wie ein Staatenverein alten Stils die Interessen der Nationalstaaten, wenn nötig auch gegen die Bürger.”

    • Sehr guter Kommentar. Die EU ist eine Konstruktion, die der Wirtschaft dient. Da gibt es die Grundfreiheiten etc. Aber bei dem Zusammenbringen der Völker ist sie nicht sichtbar, mit Ausnahmen, die aber nicht ins Gewicht fallen. Warum gibt es keine einheitliche Zeitung, kein institutionalisiertes Forum für Bürger, keine grenzüberschreitenden Gewerkschaften, keine freie EU weite Wahl des Stromanbieters etc.?

      Für mich soll es so aussehen, als gäbe es ein Miteinander, aber in Wirklichkeit gibt es nur einen großen Absatzmarkt.

      Sei es bei der Flüchtlingspolitik, bei der Europolitik usw. Europa ist keine Einheit.

    • Der verlinkte Artikel ist schwach.

      Ganz grob gesprochen garantiert die EU einen gemeinsamen Rechtsrahmen für alle Unionsbürger (und Unternehmen innerhalb der EU). Der Witz ist nun, dass es innerhalb dieses Rahmens wurtschtegal ist, welcher Nationalität ein EU-Bürger angehört. Die EU schützt den Spanier wie den Deutschen vor Feinstaub und Leuchtmitteln, die zu 98% Wärme erzeugen und nur mit 2% der eingesetzten Energie Helligkeit. Egal, ob der Spanier/Deutsche in Berlin oder Madrid lebt oder Sofia.

      Für die Rechte des EU-Bürgers ist es also komplett unerheblich, ob der jeweilige Bürger in einem Barcelona lebt, dass zu Spanien gehört, zu Katalonien oder Takkatukkaland. Solange der jeweilige Staat Mitglied der EU ist. Das steht schonmal komplett quer zu der Idee, dass die EU Sezessionisten unterstützen müsste. Allein vor dem Hintergrund der Erhaltung der Rechte der EU-Bürger (und Unternehmen) in Katalonien müsste die EU sich sogar dezidiert gegen jede Abspaltung aussprechen, bei der nicht sichergestellt ist, dass der entstehende Staat weiterhin Mitglied der EU ist. Ansonsten drohen denen dort ansässigen Bürgern und Unternehmen nämlich genau jene Rechte verloren zu gehen.

      Schließlich und endlich ist das Recht auf Staatsgründung keines von einzelnen Bürgern (gelle, ihr Reichsbürger da draußen) sondern allenfalls eines der (deutlichen) Mehrheit einer in einem halbwegs geschlossenen Siedlungsgebiet ansässigen Bevölkerung. Gibt es für solche Entitäten überhaupt ein etabliertes Rechtsverhältnis zur EU?

      Neben diesen grundsätzlichen Überlegungen gibt es aber noch die Realpolitik. Und hier muss man einfach anerkennen, dass die EU keine Instrumente hat, um hier auch gegen den Wunsch der spanischen Regierung als Vermittler auftreten zu können.

    • Ich begrüße es eher, dass die EU sich nicht in die internen Angelegenheiten der Nationalstaaten einmischt.

      Ob und wie ein demokratischer und rechtsstaatlicher Nationalstaat eine Abspaltung zulässt ist nunmal eine interne Angelegenheit.

      Und ich sehe keine anhaltenden Massenproteste und keinen Generalstreik in Katalonien, ob eine überwältigende Mehrheit diese Unabhängigkeit wirklich will, bezweifle ich daher.

      Nach den Neuwahlen wissen wir mehr.

  23. Ich kehre jetzt in meine angeblich “rechte” Blase zurück.
    Ich habe hier viel gelernt und einige neue Einblicke erhalten, auf Menschen, welche jeden kritische Kommentare löschen, kann ich verzichten.
    Es kostet Zeit einen Kommentar zu verfassen. Wird dieser Kommentar nicht gelöscht, weil das Wort tendenziös darin vorkommt, kann ich das nicht mehr nachvollziehen. Es grenzt für mich an Willkür. Ihr nutzt hier eure Machtstellung über das sinnvolle Maß aus.

  24. Zur Lage der Nation.

    Sexismus,Katalonien,Sondierungsrunden und Trump sind ja vielleicht interessant und spannend.
    Was aber die Nation in großen Teilen angeht…Armut,Zukunfstängste,Abgehängte,Solidargemeinschaft,Rente,Bildung,Löhne,Integration,neue Rechte,…,…

    Meiner Meinung nach sind das die wichtigsten Themen der Nation.

    • richtig, deswegen haben wir die ja auch schon x-fach diskutiert ;)

      Jede Woche dieselben Themen wären doch langweilig, und diese Woche gab es eben andere aktuelle Ereignisse.

    • Hör mal in den “Grautöne”-Podcast rein. Die adressieren genau die von dir genannten Themen. Meines Erachtens eine ideale Ergänzung zur Lage der Nation.

  25. Herrn Kiderlen war Frau Chebli doch offensichtlich gar nicht bekannt. Folglich kann seine Bemerkung nicht durch den von dir abgenommenen Kontrast zwischen fachlichem Können und äußerlicher Attraktivität begründet werden.
    Zudem wundere ich mich über die Unterstellung, dass sich Frau Chebli mittels ihres Aussehens sozusagen unlautere Vorteile verschafft. Mit ihrem Auftreten entspricht die doch der Norm, wie man dich zu kleiden und zu schminken hat. Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass sie bisher irgendwie aus der Rolle gefallen wäre (man denke an Landrätin Pauli: https://m.youtube.com/watch?v=1PLqva69ERI).

    Ich würde den Einwand a la “wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus” ja verstehen, wenn es für Frauen die Norm wäre öffentlich im Strickpulli und ungeschminkt aufzutreten, während körperbetonte Kleidung und Makeup für den Discoabend reserviert wäre. So ist es aber nicht.

    • Sorry, sollte weiter oben als Antwort auf den Beitrag von Frank auftauchen.

    • Dein Bemühen in allen Ehren, aber eine Frau, die es mit ihrem Hintergrund so jung so schnell nach oben geschafft hat, die ist nicht bemitleidenswert.

      Die weiß genau, was sie tut. Wenn man mal die Diskussion vom Ende aus denkt, dann wäre es der Tod der Beziehung zwischen Mann und Frau, da alles ja im Grunde Sexismus wäre. Du hast schöne Augen, oh, Sexismus. Darf ich Dich zum Essen einladen? Oh, Mist, Sexismus in Reinkultur, eine Einladung nur weil es eine Frau ist.

      Ne danke, das sind doch keine erstrebenswerten Zustände.

      Wenn man dieses Thema mit einer Prise Realität würzt, dann betrifft es vorrangig Frauen in Ausbildungsverhältnissen o. ä. Da ist ein hohes Schutzniveau angebracht.

      Mal ein alternatives Szenario :

      Die Frau weiß, dass sie noch nicht gekannt wird. Sie weiß auch, dass Männer sie oft anmachen. Warum geht sie nicht offen und aktiv in die Runde und grüßt von sich aus?

      Aber nein, schön heimlich still und leise ankommen und sich wie eine schüchterne Studentin im ersten Semester.

      • Ich finde es schon sehr abenteuerlich, hier den Tod der Beziehung von Mann und Frau zu beschwören. Der wichtigste Aspekt ist hier doch der professionelle Kontext, in dem solche Kommentare zurecht als unangemessen gelten und der auch für den Sexismus-Vorwurf ganz wesentlich ist.
        Um Flirts im privaten Umfeld, wie du anscheinend implizierst, geht es hier doch garnicht.

        Und den Vorwurf am still und leise ankommen verstehe ich auch nicht. Ich bin mir diesbezüglich zwar nicht sicher, aber soweit ich weiß, ist sie verspätet erschienen. Soll sie denn dann den Redner auch noch unterbrechen?

        Und ganz grundsätzlich ist es doch schon unverschämt, bei gut aussehenden Frauen zu spekulieren, ob diese ihre Posten aufgrund des Aussehens erhalten haben. Das ist doch auch ein Paradebeispiel für Sexismus, weil sich diese Vermutung einzig am Äußeren und am Geschlecht aufhängt, Männer davon aber praktisch nie betroffen sind.
        Daran ändert auch der Vorwurf nichts, in Pressekonferenzen auf bestimmte Fragen nicht ausreichend vorbereitet zu sein. Über die Qualität ihrer Arbeit bzw. ihren beruflichen Aufstieg sagt das wenig aus, entsprechend sind solche vermeintlichen Belege mehr als untauglich.

      • Ich weiß ja nicht, ob ich auf dem Mond lebe, aber den professionellen Kontext habe ich bei Dax Unternehmen noch nie in der hier idealisierten Form erlebt.

        Klar, während der Arbeit ist fast jeder vorsichtig, aber wehe es wird z. B. gefeiert oder die Männer sind unter sich, jedenfalls wenn sie sich kennen. Da ist die Steinzeit eröffnet.

        Aber neben dieser Tatsache gibt es auch ebenso viele Frauen, gerne auf mittlerer Führungsebene, die sind auch nicht besser, was die Taten anbelangt. Wo es auch so ist sind Verwaltungen. Da ist der Markt doch quasi mit Ausbildungsbeginn eröffnet.

        Mit anderen Worten : wo ist es denn anders?

      • Frank, es geht ja gerade bei dem jüngsten Empörungs- und Enthüllungssturm gerade darum, die Steinzeit (im öffentlichen/beruflichen Kontext) endlich aufs Abstellgleis der Geschichte zu befördern.

      • Wo soll das nur enden?

      • So endet das: http://images.indianexpress.com/2017/02/sweden-dy-pm-climate-law-photo759.jpg

        Mit der Errichtung der linksfeministischqueeren Weltregierung ;-)

      • Puh 🐴🏳️kann es kaum erwarten. 🏃Vielleicht wird dann der Mann auch mal gut behandelt 🍻

  26. Hier noch eine kleine Anmerkung zum Thema “Schwerin: Terror-Verdaechtiger festgenommen”:

    Ulf sagt, dass die NSA ueber das PRISM Programm von WhatsApp Informationen darueber erhalten kann, wer wann mit wem kommuniziert hat und dies bei Signal auch nicht anders sei.

    Stimmt das wirklich?
    Unter signal.org heisst es dazu naemlich [1]
    “We don’t have stored […] or any records of who a user has been communicating with.”

    [1] https://signal.org/bigbrother/eastern-virginia-grand-jury/

    • Sehr guter Hinweis. Es hängt davon ab, ob PRISM oder entsprechende Nachfolgeprogramme auch eine Live-Ausleitung ermöglichen oder nur den Abruf gespeicherter Daten. In ersterem Falle müsste Signal ggf zumindest rausrücken, wer mit wem kommuniziert (auch wenn die Inhalte weiter unlesbar wären).

    • Was ist denn mit den Tastaturen und Apps? Wäre es nicht möglich, dass dort abgegriffen wird?

      • Ja, also um genauer zu sein. Es ist nur eine Möglichkeit, dass so etwas über die Metadaten der Verbindungen abgehört werden kann. Das was Ulf da vorgetragen hat ist EIN denkbares Szenario, das war leider etwas unterdeutlich, vielleicht weil Ulf diese Möglichkeit einfach gerade am interessantesten fand :) Es ist auch Möglich, dass die eben nicht verschlüsselt kommuniziert haben, oder dass sie sowieso schon die Geräte infiltriert haben mit einer Malware die die Nachrichten vor der Verschlüsselung abgreift bzw. oder einen Klartext mitschickt oder den Schlüssel für die Verschlüsselung geleakt hat oder oder oder. Also sobald ein gerät mit einer Malware infiziert ist, geht quasi alles, z.B. auch wie du sagst über die Tastatur oder Apps oder beispielsweise regelmäßige Screenshots.

  27. Ihr seid aber sehr dunnhäutig in Bezug auf Kritik geworden. Schreibt doch einfach klare Forenregeln, dann ist die Mühe nicht umsonst.

  28. Stichwort Sexismus:
    Ich finde bemerkenswert, dass ihr zwar selbst den Kommentar, den Frau Chebli sich anhören muss, als “ein bisschen notgeil” einsortiert, aber nicht unbedingt zu dem Schluss kommt, dass eine Frau, die notgeile Kommentare über sich ergehen lassen muss, das als Sexismus einordnen sollte. Das Unangenehme, das in den Kommentaren mitschwingt, dass es also kein rein neutrale Sachbeschreibung ist, Frau Chebli von einem Podium herab als jung und schön anzukündigen, scheint also durchaus rüberzukommen, nur vor dem Schritt, das dann auch beim Namen Sexismus zu nennen, scheut ihr zurück. Warum eigentlich? Weil Frau Chebli davon keinen Schaden hat? Und weil es ja doch irgendwie als Kompliment gemeint war? Und es hinter den anderen Debatten zum Thema, die gerade geführt werden, verblasst?

    Wenn man den Vorfall als Einzelfall betrachtet, mögen diese Argumente ihre Berechtigung haben. Und so lese ich auch einige der Kommentare hier. Die Sache ist nur die: Der Vorfall war ganz gewiss weder für Frau Chebli noch gesamtgesellschaftlich ein Einzelfall. Das – die Bandbreite und Alltäglichkeit von Sexismus zu zeigen – ist ja übrigens auch der Gedanke hinter metoo und all den anderen Hashtags. Natürlich ist es einfach, sich von den wirklich harten Fällen sexueller Übergriffe gleichzeitig entsetzt zu zeigen und sich aber nicht verantwortlich zu fühlen, weil man selbst ja so etwas nicht tun würde. Diese harten Vorfälle sind aber die Spitze des Eisbergs, extreme Fälle in einem gesamtgesellschaftlichen Umgang mit Frauen, die in diesem Ausmaß nicht existieren könnten, wenn nicht die kleineren, scheinbar unwichtigen Fälle von Alltagssexismus als irgendwie nicht so schön, aber normal wahrgenommen würden.
    Natürlich ist es bequemer, solche Alltagsvorkommnisse, wie Frau Chebli sie hier aufzeigt, als Einzelfälle zu betrachten, den Kontext auseinanderzunehmen, darauf hinzuweisen, wie alt ihr Gegenüber ist, dass es sicherlich nicht böse gemeint war (kleiner Hinweis: bei Diskriminierung kommt es auf die Intention eher weniger an), statt es als strukturelles Problem wahrzunehmen und zu überlegen, ob man selbst sich vielleicht im Alltag (auch unwissentlich) in einer Weise verhält, die Frauen zurücksetzt und an ihren Platz verweist. Laurie Penny fand neulich ein treffendes Bild dafür: Wenn eine Frau auf dem Weg zur Arbeit mit vielen kleinen Steinen beworfen wird, und am Ende erschöpft und blutend ankommt, muss niemand sich verantwortlich fühlen, denn jeder hat ja nur einen kleinen Kiesel geworfen. Unerwünschte Kommentare über unser Äußeres, für die man sich im Zweifelsfall dann auch noch bedanken soll oder zumindest nett lächeln, weil es ja ein Kompliment war, gehören ganz sicher zu den Kieseln, denen viele Frauen sich regelmäßig ausgesetzt sehen.

    Frau Chebli war sich – auch im aktuellen Klima – sicher bewusst, wie viel Gegenwind und auch persönlich herabsetzende Kommentare sie mit ihrem Öffentlichmachen der Situation auf sich ziehen würde. Es wäre sicher sehr viel bequemer für sie gewesen, die Sache zu schlucken und höchstens im Kolleginnenkreis augenrollend zu kommentieren. Wem noch nicht klar ist, wie viel Aggression, persönliche Beleidigungen und auch Drohungen Frauen auf sich ziehen, die öffentlich über Sexismus sprechen, dem sei z.B. eine kleine Twitterrecherche empfohlen. Mit anderen Worten: Statt die Einzelfälle zu dekonstruieren, sollte man sie als Ausdruck einer Struktur diskutieren. Sehr empfohlen hierzu sei folgender Artikel: http://www.shakesville.com/2013/08/occams-big-paisley-tie.html

    • Super Kommentar!

    • Kann es nicht auch sein, dass diese Frau unter anderem wegen ihres Äußeren diese Position bekommen hat? Soll es ja auch öfter mal geben. Und mutig ist das in der Gegenwart bestimmt nicht, wo diese Debatte hochkommt und viele auf den Zug aufspringen.

      • Es könnte auch sein, dass Frau Chebli ein politisches Jahrhunderttalent ist. Oder dass sie seit Beginn ihrer politischen Karriere jedem Parteifreund, der nicht bei drei auf dem Baum war, einen geblasen hat. Vielleicht stimmt beides, vielleicht nichts von beidem.

        Dass wir uns eher nicht die Frage stellen, ob Steffen Seibert zuvorderst deswegen Regierungssprecher wurde, weil sein ansprechendes Äußeres Frau Merkel und andere Frauen in ihrem Dunstkreis in Wallung bringt, zeigt, wo der Hase wirklich im Pfeffer liegt.

      • Das hat doch nichts mit Sexismus zu tun. Es regt mich halt auf, dass diese Frau offensichtlich die Vorteile ihres Aussehens nutzt und sich dann darüber aufregt, wenn ein Mann reagiert.

        Wer sie fachlich in Pressekonferenzen erlebt hat, wird bestätigen können, dass sie nicht souverän war. Und das ist ja jetzt (Glück für sie) kein Thema mehr.

      • https://youtu.be/H_kP9nBLzNk

        Hier mal einer ihrer “souveränen” Auftritte.

    • @Panalotta, vielen Dank für Deinen tollen Kommentar.

    • @Panalotta
      Dir ist aber schon aufgefallen das die zwei anstatt “Die Frau hat echt eine an der Klatsche” rumgedruckst haben und versucht haben die Äußerung des Redners mit vielen nicht passenden Adjektiven zu versehen um halt nicht zu sagen das die Reaktion lächerlich ist.

      Der Mann hat nichts anderes gesagt als “jung, inkompetent, unerfahren”. Ja ist sehr ärgerlich wenn man sowas als Begrüßung hört, ist aber echt kein Sexismus.
      Das Frau C. das ganze hochkocht ist so dumm nicht, da zumindest ihr Name jetzt mehr Menschen bekannt ist.

      Das mit den Komplimenten kann ich nicht nachvollziehen, zumindest nicht wenn man da das Etikett “Sexismus” dran hängt. Hier wird halt wieder ein Begriff genommen und solange ausgedehnt bis wir einen neuen brauchen und damit wirklichen Sexismus zu titulieren. Das eine hübsche junge Frau es irgendwann nicht mehr hören kann, das sie jung und hübsch ist, kann ich ja durchaus verstehen. Jedoch ist das ihr persönliches Problem jemand mit einer auffälligen Nase, Nachnahmen, Vornahmen, Abstammung, Narben, Vorlieben, Piercings, Behinderungen kann sicherlich auch keine Kommentare dazu mehr hören und trotzdem lernt er immer wieder neue Leute kennen, die tatsächlich dazu etwas sagen.

      Wobei die von dir angesprochenen Komplimente könnten auch Inhalt einer Begrüßungsfloskel sein und wer darauf dann nicht antwortet… Naja…

      • Und du findest ernsthaft Leute mit “..auffälligen Nase, Nachnahmen, Vornahmen, Abstammung, Narben, Vorlieben, Piercings, Behinderungen..” sollten sich daran gewöhnen Kommentare dazu zu hören? Weil es ihr persönliches Problem ist?

        Das ist leider nicht der einzige Kommentar hier, den ich wirklich empörend finde und wirklich ein bisschen ratlos bin jetzt..

      • @Thomas
        Man echt, bei sowas stehen mir echt die Haare zu berge. Das ist IMHO weltfremd, sich mit persönlichen Auffälligkeiten abzufinden ist eindeutig sinnvoller als von dem Rest der Welt zu erwarten das man sie nicht bemerkt.

      • Wenn du es geschafft hast dich damit abzufinden, dass Leute ständig deine Auffälligkeiten kommentieren UND damit glücklich bist, dann ist das – ganz ehrlich – völlig okay!

        Bemerken verstehe ich als unwillkürlich und finde es deswegen selbstverständlich auch völlig okay.

        Es gibt aber Kommentare, die verletzen. (Ich kann mir vorstellen, dass das das Problem ist; dass viele Leute sich das nicht vorstellen können.) Warum sollen Menschen sich damit abfinden ständig verletzt zu werden?

  29. @Anschlag in New York :

    Die Einstellung Ulfs in dieser Angelegenheit und beim Terror allgemein drückt für mich eine gewisse Ignoranz und Egoismus aus. Der Terror ist für ihn immer nur so was wie die Gefahr im Straßenverkehr da man ja eh nichts machen kann. Garniert wird diese Sicht noch von der Einstellung, dass die Leute angesichts eines Gewöhnungseffekts es als unproblematisch ansehen würden, weil keine große Panik mehr aufkommt. Dabei ist dieser Effekt in jedem System üblich, sei es im System der Apartheid oder im Straflager. Das, was am ersten Tag schockierend ist, interessiert nach 4 Wochen nicht mehr besonders, weil das Leben weitergehen muss (hier auch der lächerliche Einwurf, warum die Leute denn noch zur Arbeit gehen und nicht Zuhause bleiben in Anbetracht der Terrorgefahr).
    Aber ist dieser Effekt nicht unendlich erschreckend? Ist das dann eine gute Entwicklung?

    […]

  30. Ich fand es gewagt dass in dieser Folge über ein Thema wie #metoo zuerst fünf Männer am Wort kamen (euch einbegriffen) bevor die erste Frau dazu etwas sagen dürfte. Was betrifft das Thema Frau gibt es noch einiges Verbesserungsbedarf und ich freue mich zu sehen wie ihr damit in der Zukunft umgeht.

    Über die Anschläge: Attentaten auf den Ramblas oder einem Weihnachsmarkt in Berlin City-West, kann man davon wirklich sagen dass sie die Gesellschaft im Herzen treffen? Vielleicht hat es Folgen für die Tourismusindustrie aber normale Einwohner könnte das größtenteils egal sein (war es für mich hier).

  31. Bzgl. Trump-Ermittlungen:
    Das waren aber alles ziemlich viele Konjunktive und Spekulationen die ihr da wiedergegeben und auch selbst aufgestellt habt. Wäre gut, wenn ihr wieder zu alter Sachlichkeit kommen könntet.

    • Richtig. Objektivität sieht anders aus. Bei Trump ist jedes Zuhören des Russland Kontaktes bereits verwerflich, wenn es gegen die AfD geht, werden Fiktionen zur Realität erklärt. Wenig überzeugend diese Einseitigkeit.

      • Was mir auf Anhieb einfällt (nur zur Causa Russland):

        – Trump fordert bei Wahlkampfauftritten in aller Deutlichkeit noch mehr Datendiebstahl bei den Demokraten/Clinton.

        – Trump junior bekommt belastendes Material zur Clinton-Kampange angeboten mit dem direkten Hinweis auf die Unterstützung von Trump senior durch die russische Regierung. Reaktion: I am lovin’ it.

        – Trumps Sicherheitsberater Flynn muss schon nach ein paar Wochen seinen Hut nehmen, weil er Kontakte und finanzielle Verbindungen zu Russland und Türkei verschwieg.

        – Beim Leiter der Trump-Kampagne wird nun bekannt, dass er nicht nur Geschäftsbeziehungen zu allerlei zwielichtigen Figuren im russischen Dunstkreis unterhielt, sondern in diesem Zusammenhang jede Menge Schwarzgeld vereinnahmte.

        – Trump feuert den FBI-Chef und begründet dies in einem Interview mit dessen Verhalten im Zuge der Russland-Ermittlungen.

        Jeder einzelner dieser Punkte wäre bei jedem Präsidenten seit Nixon ein riesiger Skandal gewesen, der die Präsidentschaft mindestens schwer beschädigt hätte. An diesem Maßstab muss sich auch ein Präsident Trump messen lassen. Es hat ihn ja niemand gezwungen für dieses Amt zu kandidieren.

      • Aber dennoch darf nie vergessen werden, worum es ging.

        Es ging um Dinge, die Frau Clinton zu verantworten hatte.

        Als Wähler ist mir lieber, die Information kommt durch die Russen ans Licht, als dass sie untergehen.

    • Das waren “educated guesses” die im Übrigen von vielen geteilt werden. Wer sich etwas mit den Eigenheiten des US Justizsystems auskennt bzw befasst hat kommt zu durchaus ähnlichen Schlussfolgerungen.

      Auf Twitter zB ggibt ein prominenter Jurist namens Seth Abramson seit einer Weile den Erklärbären zu den laufenden Verfahren und neuesten Enthüllungen. Lohnt sich dem Mann zu folgen wenn man englisch kann, bisher wurden die meisten seiner Prophezeiungen Realität und sogar seine ungefähre Prognose zum Zeitplan kommt hin.

  32. Zu Katalonien: Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob die spanische Regierung in das Verfahren hätte gegen Herrn pudgemont und die Katalanischen Minister hätte eingreifen können und sollen, wegen Gewaltenteilung und so. Die Haftbefehle wurden auch nicht, wie im Podcast gesagt, von der Zentralregierung beantragt, sondern von der Staatsanwaltschaft.

    • Ja, die Staatsanwaltschaft ist aber zumindest in Deutschland durchaus an Weisungen gebunden. Das hatte ich irgendwann mal im Rahmen der Ermittlungen wegen Geheimnisverrats rausgelesen.

      Ich glaube, da bricht das Prinzip der Gewaltenteilung ein wenig und würde mich freuen, wenn ihr das im Podcast mal klären könntet.

      • richtig, die Staatsanwaltschaft ist in D eine Art Zwitter: einerseits wird sie als Teil der Justiz angesehen, andererseits ist sie nicht unabhängig und daher funktional eher der Exekutive vergleichbar. Wir versuchen mal zu klären, wie das in Spanien ausschaut.

      • Würde mich auch interessieren, wie das in Spanien rechtlich geregelt ist. Denn wenn die Staatsanwaltschaft nicht weisungsgebunden ist, war es ihre alleinige Entscheidung Anklage zu erheben. Was natürlich nicht ausschließt, dass hinter den Kulissen politischer Druck ausgeübt und auf eine Anklage gedrängt wurde.

    • Die Wirkung auf die katalanische Öffentlichkeit wäre sicherlich schädlich. Aber persönlich wünsche ich Puigdemont einen sehr langen Gefägnisaufenthalt. Ein völlig rücksichtsloser und offensichtlich auch dummer Politiker. Was war denn sein Plan? Oder geht es nur darum die Situation solange abzuheizen, bis Menschen einander die Köpfe einschlagen?

      • Was ich mir denken könnte ist folgendes:
        Katalonien hatte sich 2006 ein Autonomiestatut mit erweiterten Befugnissen gegeben, das noch im selben Jahr vom spanischen Verfassungsgericht wieder gekippt wurde. Eventuell war sein Ziel lediglich, diesen (oder einen vergleichbaren) erweiterten Autonomiestatus wieder herzustellen, und die Drohung mit Unhabhängigkeit war nur das Vehikel. Da sich die Zentralregierung aber nicht erpressen ließ, und es bei den katalanischen Parteien offensichtlich keinen Plan B gab, war die aktuelle Situation unvermeidlich. Was für mich dafür spricht ist das wiederholte Hinauszögern der Unabhängigkeitserklärung durch Puigdemont, und die Tatsache, daß er und seine Partei die von der Zentralregierung angesetzten Neuwahlen nicht etwa boykottieren, sondern an ihnen teilnehmen wollen. Für mich sieht das nicht so aus, als wenn die Unabhängigkeit das gewünschte Ergebnis war (auf lange Sicht vielleicht, aber nicht jetzt).

  33. Bezüglich des Terroranschlags in New York

    Ihr bezeichnet den Attentäter als Verrückten. Dabei haben die Untersuchungen doch gezeigt, dass er alles andere durchgeknallt ist. Er hat den Anschlag logisch und strukturiert geplant. Er hat ihn sogar geprobt. Das war eiskaltes Kalkül. Es ist wichtig ihn nicht als einen Irren abzustempeln, denn wie sonst willst du solche Anschläge verstehen und präventiv verhindern? Es mag sein, dass die Gesellschaft durch die Anschläge abstumpft, man darf diese Anschläge aber trotzdem nicht hinnehmen und sie als Teil unseres Alltages akzeptieren. Das sind wir uns selber und den Opfern schuldig. Ich finde es allerdings auch gut, dass nicht in Hysterie verfallen wird.

    Ihr habt außerdem bezüglich des IS gesagt, dass die Islamkritik der AFD ein Holzweg ist und dem IS nur in die Hände spielt. Es hilft ihrem Narrativ, dass der Westen gegen den Islam sei und es deshalb den IS braucht. Dass die AFD auf dem Holzweg ist steht außer Frage. Die werden es wohlmöglich nur noch schlimmer machen. Aber durch diese Aussage legitimiert ihr fast schon indirekt die Anschläge. Überspitzt gesagt: es ist es doch verständlich, dass diese Anschläge passieren, denn die Moslems werden ja unterdrückt. Das mag eine Erklärung sein, aber niemals eine Rechtfertigung oder Entschuldigung. Aktion und Reaktion stehen doch in keinem Verhältnis.

    • Ich möchte hier besonders nochmal die Bezeichnung des Täters als “verrückt” aufgreifen. Armin hat durchaus recht damit, dass das eiskalte Kalkül der Tat nicht als verrückt zu bezeichnen ist. Vielmehr stört mich aber die fortlaufende Stigmatisierung aller Menschen, die vor allem sich selbst als “verrückt” bezeichnen würden. Verrücktheit und besonders einige Diagnosen, die vermeintlich verrückten Menschen zugeschrieben werden (z.B. “Schizophrenie”), werden in der öffentlichen Debatte zu häufig allein im Rahmen von Gewalttaten benannt. Dass Verrücktheit viel mehr als Gewalttätigkeit umfasst und vor allem häufig mit zutiefster Verunsicherung, Kränkung und unter Umständen auch traumatischen Erfahrungen einhergeht, wird dabei vergessen.

      Dies als kleiner Input und Hinweis an euch, lieber Philip und Ulf, auch an dieser Stelle sensibel mit Sprache umzugehen. Ich weiß, für viele wird die political correctness an dieser Stelle irgendwie zu viel, aber wir sprechen hier über Menschen in besonders verletzlichen Momenten ihres Lebens, die genau diese Sensibilität wirklich verdient haben.

    • Erstmal könnte man durchaus argumentieren, dass jeder Erwachsene Mensch der einen imaginären Freund hat schon verrückt ist.
      Abgesehen davon zeugt es von postkolonialer Arroganz zu glauben Alles (im Guten wie im schlechten) im nahen Osten wäre automatisch auf den Westen zurückzuführen. Die Menschen dort sind eigenständig genug um eigenständige Entscheidungen zu treffen. Die zum Terror war, aus westlicher Sicht, sicher keine so gute, aber eine junge unbedeutende deutsche Partei trägt wirklich nichts, aber auch gar nichts dazu bei. Das ganze ist also mal wieder eher traurige Anti-AFD Propaganda als vernünftige demokratischer Diskurs.

  34. Zum Thema “Werbung im Podcast” muss ich sagen, dass die in amerikanischen Podcasts üblichen bezahlten Lobpreisungen durch die Podcaster selbst die journalistische Integrität der Podcaster massiv untergraben.
    Es ist eine Sache, Sendezeit für Werbung herzugeben, aber etwas völlig anderes, dies mit der eigenen Stimme zu tun. Über ein “diese Sendung wird unterstützt durch $marke $tagline $url” sollte das nicht wesentlich hinausgehen.

    • Wenn es die Sprecher drauf haben (Beispiele: Matthew Yglesias von “The Weeds” oder David Plotz von “Political Gabfest”), dann kommt die Werbung angenehm rüber. Soweit zumindest mein Empfinden.

  35. #native-advertising
    Ich finde diese Art der Werbung in amerikanischen Podcasts absolut furchtbar und gruselig. Ich habe das vor allem bei SecurityNow bisher kennengelernt. Es geht nicht darum, dass das nicht als Werbung gekennzeichnet ist, aber in dem Moment wo sich die Sprecher*innen eines Podcasts dazu herunterlassen (sehr wahrscheinlich zu Anfang der Sendung) einen vorgegebenen Werbetext zu irgendeinem Zeug vorzulesen, habt ihr für mich ersteinmal eure Seriösität verspielt und ich muss mich dann wieder reinhören um die wieder aufzubauen.

    Dass ihr euch wirklich vorstellen könnt, bei allem Engagement was ihr hier zeigt um fachlich, seriös, durchdacht und analytisch eure Sichtweisen auf bestimmte Themen zu präsentieren, euch wortwörtlich als Sprachrohr eines Werbetextes hinzugeben und das sozusagen in den Mund zu nehmen find ich schon ziemlich gruselig. Auch wenn das als Werbung gekennzeichnet habt, wenn ich es mit dem gleichen Medium, also euren Stimmen wahrnehme find ich es ziemlich schwer das zu trennen.

    Wie würde das denn im Hintergrund ablaufen? Die beste Vorstellung wäre ja noch, ihr habt “Produkt” xy in eurem Alltag kennengelernt und findet es gut und deshalb sprecht ihr mit den Herstellern ab dass ihr das bewerben könntet und bekommt dafür Geld. Dann stellt ihr das vor, aber erzählt nur die positiven Seiten? Und dann wird gleich danach über politische Themen geredet und da soll ich euch dann abnehmen, dass dann wieder von allen Seiten beleuchtet wird?

    Zweite, sehr wahrscheinlichere Vorstellung: Ihr habt irgendeine Agentur, die euch Produktwerbungen zuschustert, ihr schaut euch das an und denkt so, naja, ist wohl ok, oder hab ich auch schonmal genutzt. Werbetext find ich jetz nich schlimm, les ich also vor. Gleicher Effekt wie oben, zusätzlich noch nichtmal aus eigenem Antrieb sondern von extern suggeriert.

    Zwar find ich die Vorstellung von Werbung im Podcast generell schwierig, aber WENN, dann MÜSST ihr das meiner Meinung nach harsch voneinander trennen, auch eindeutig medial. Und da eure Stimmen nun mal das Medium sind find ich einen noch so schlimmen Jingle tausendfach besser, denn dass kann ich dann auch trennen. Wenn nur vorher gesagt wird, jetz kommt Werbung und jetz kommt Nachrichten, sorry, das wirkt nicht. Auch in anderen seriösen journalistischen Medien wird darauf geachtet, dass Werbeagenturen von Redaktionen getrennt sind, aus gutem Grund!

    • Ich kam hierher, um meine Meinung zu dem Theman kundzutun, aber du hast es im Prinzip bereits so formuliert, wie ich es nicht hätte besser machen können.

      Ich finde es fürchterlich wenn Podcast-Hosts Werbung selbst vorlesen. Eigentlich könnten Sie dann gleich “So, ich lüge euch jetzt 2 Minuten an, bis gleich!” vorher sagen. Und wenn sie 1000 Mal behaupten es selbst ausprobiert zu haben. Ich glaube einfach nicht, dass alle Podcasts-Hosts sich ständig neue Matratzen kaufen und 3 Backup-Lösungen nebeneinander benutzen.

      Also bitte, liebe Lage-Hosts, wenn Werbung, dann bitte ohne eure Glaubwürdigkeit dafür zu opfern.

    • Wenn native ads “sein müssen”, dann würde ich mindestens vorschlagen, diese von einer neutralen Sprecherin / Sprecher vorlesen zu lassen. Ansonsten entstünde bei mir auch eher ein negativer Eindruck, wenn sich die Moderatoren mit käuflicher Werbung zu sehr gemein machen.

      Ich habe kürzlich einen Podcast gehört, wo sich ein Sprecher (in einem Nebensatz) negativ über Amazon geäußert hat. Gleichzeitig haben die Sprecher aber “native Werbung” für Audbile gemacht. Das viel mir dann auch negativ auf…

  36. zum Thema Sexismus muss ich sagen, bin ich ebenfalls sehr dankbar für den letzten Kommentar den ihr zu dem Thema vorgelesen habt, indem ein Mann diesen “Alltagssexismus” mit seiner Rolle als ausländisches Kind verglich. Dieser Vergleich scheint das Problem sehr gut auf einen Punkt zu bringen und macht es mir als Mann auch leichter sich dort hineinzuversetzen.
    Ich glaube Extra 3 hat vor kurzen mal nen Clip veröffentlich in dem sie so typische Sprüche die Frauen offenbar immer wieder hören auf eine Knast-Situation bezogen. So nach dem Motto: “Wie würde es dir gehen wenn ein Mithäftling so etwas zu dir sagt?” Natürlich überspitzt und satirisch, aber kann man mal drüber nachdenken…
    Aber um mal kurz wieder zu dem Kommentar zurück zu kommen. Wie will man so etwas ändern, wie will man verhindern das ein Kind sich immer in seiner Rolle als Ausländer wahrgenommen fühlt oder eben Frauen sich immer in ihrer Rolle als Frau für einen Posten rechtfertigen müssen und nicht einfach als “normaler” Kollege, wenn man so will?
    Ist das nicht ein Stückweit normal, zumindest immer solange wie diese Frau, oder eben der Ausländer so eine Ausnahme sind?
    Auf einer, sagen wir mal Frisörentagung währe es wohl nicht passiert das ein Mann sich verwundert zeigt über junge Frauen die nen eigenen Frisörladen haben.
    Zumal, nehmen wir mal an, eine Frau in ihren Siebzigern hätte eine vergleichbare Bemerkung gemacht über einen anwesenden jungen und attraktiven Mann, ich würde fast darum wetten das dass keine Beachtung gefunden hätte, in diese Richtung wird das nämlich ganz anders Wahrgenommen von anwesenden Frauen und Männern.
    Erst neulich habe ich nen kurzen Auftritt in einer Satire-Show gesehen, von einer Frau. Den Inhalt kann ich gar nicht mehr wiedergeben, aber ein Gefühl das mich dabei überkam, sie machte nämlich recht anzügliche Bemerkungen über Männer. Das Publikum lachte, sie kam gut an, ich bin mir aber sicher, hätte man diese Frau (Frau mittleren Alters) durch einen gleichaltrigen Mann ersetzt und er hätte vergleichbares über junge Frauen gesagt, wäre das deutlich weniger lustig wahrgenommen worden.
    Ich denke, je normaler es wird das Frauen in Führungspositionen oder anderen reinen Männerdomänen vorkommen, desto mehr nimmt es ab das sie sich quasi für ihre Anwesenheit rechtfertigen müssen oder dafür das hübsch zu sein.
    Es kommt denke ich hinzu, das die meisten Männer sich eben kaum in Frauen hineinversetzen können um zu verstehen warum dieser oder jener Spruch als so unangemessen von ihnen wahrgenommen wird, obwohl sie selber vielleicht in keiner weise abwertend rüberkommen wollten.

  37. Nur noch zur Sexismus-Debatte: Frau Chebli ist immer ausgesprochen gut gestylt. Sie trägt Lippenstift und einen figurbetonten Rock. Warum tut sie das? Um zu gefallen? Und wenn ja, wem? Die Frage ist natürlich rhetorisch. Jedenfalls hat meine Frau vor 20 Jahren einmal ein kurzes, rotes Kleid getragen und ist daraufhin vielfach sexistisch kommentiert worden. Daraufhin hat sie es gelassen.

    Fängt der kritisierte Sexismus dann nicht vielleicht schon beim Lippenstift und dem figurbetonten Kleid an? Oder anderes gewendet: Würde dort ein Mann mit Lippenstift sitzen (a la Glööckler oder vielleicht Conchita Wurst) würde die Bemerkung dann den Frau-Mann statt Mann-Frau Test überstehen? Vielleicht ja doch. Möglicherweise ist ja doch die Art und Weise wie sich eine Frau (und vielleicht ja doch irgendwann auch ein Mann) kleidet, auch ein Signal in die eine oder andere Richtung.

    • Hallo Richard, die 50er Jahre haben gerade angerufen und wollen ihre verstaubten Argumente zurück!

      • Ich teile die Argumente auch nicht, aber vielleicht geht es auch ohne Sarkasmus?

        (Deinen anderen Kommentar haben wir gleich ganz gelöscht, weil er nichts als schlechte Stimmung macht)

    • Frau Chebli bewegt sich mit ihrem Outfit im Rahmen des Business Dress Code, der von San Francisco über New York und London bis Berlin etabliert ist. Wenn Sie damit ein Signal aussendet, dann das der Zugehörigkeit zur Kaste der seriös-smarten Schreibtischtäter(innen). Die Zeiten, in denen nur das Dorfflittchen sich das Gesicht angemalt hat, sind jedenfalls vorbei. (Ein männlicher Staatssekretär, der mit Lippenstift herumläuft, würde dagegen durchaus aus dem Rahmen des Üblichen fallen.) Frau Chebli bewegt sich mit ihrem Äußeren also innerhalb der Norm für ihre Position. Sie entspricht lediglich dem landläufigen Schönheitsideal besser als der Durchschnitt. Impliziert zu fordern, dass sie aufgrund ihres überdurchschnittlich guten Aussehens bestimmte Teile des Dresscodes, der ja das Hervorheben weiblicher Reize (in gewissem Rahmen) beinhaltet, erscheint mir sehr unfair.

      Eine ganz andere Frage ist freilich, ob ein Dresscode, der zuvorderst die sexuelle Anziehungskraft der Frau unterstreicht, der Gleichberechtigung beider Geschlechter zuträglich ist. Schaut man sich dagegen die heutige Männermode an, dann steht dort eher Dynamik/Athletik im Vordergrund. Das zielt eher auf den Wettbewerb innerhalb der männlichen Dominanzhierachie und nur mittelbar auf die Attraktivität beim anderen Geschlecht. Hier könnte man nun wieder an den Gedanken anknüpfen, dass die Frau eben in Relation zum Mann definiert wird, während der Mann absolut gesetzt ist.

      Salopp gesagt kann es frau mann also nie recht machen: Entweder unattraktiv oder Schlampe.

  38. #metoo
    Hey Leute regt euch doch nicht so über das Thema auf… Warum? Ist doch ganz einfach… Wir wissen doch alle Machos stehen in unserer Gesellschaft kurz vor dem Aussterben… Die haben sooo große Probleme eine Frau zu finden. Weil die mit ihren flotten Sprüchen und kleine Augenzwinkernden Anspielungen bei Frauen null ankommen ;-)
    Ich fande es ehrlich gesagt bisschen feige das ihr da am Ende so abtaucht… Man kann (auch wenn es viele nicht wissen) im Jahre 2017 eine Meinung vertreten, die vielleicht durch hundertfaches hin und her überlegen nicht zu 100% politisch korrekt ist…

    • feige? Vielleicht sehen wir uns einfach vor allem als Politik-Podcast.

      • Ok, zugegeben, dass mit dem Spiegel war unnötiger Sarkasmus. Ansonsten bleibe ich aber dabei. Denn es ist doch schon einigermaßen bemerkenswert, dass ihr sonst durchaus meinungsstark auftretet und euch beim Thema Sexismus mit dem Hinweis auf “wir sind ein Politik-Podcast” entzieht.

        Insbesondere da es offenkundig ein politisches Thema ist und zudem von einer Politikerin auf die politische Agenda gebracht wurde.

      • „Feig“ Ich fand ja eure Meinung im letzten Podcast dazu total plausibel. Ich hab das Gefühl wir leben mittlerweile in einer Empörungsgesellschaft. Überall nur noch das Politisch korrekte Gelaber… Guckst du dir ein Fußballspiel an, sondern die Spieler alle die gleichen Sprechblasen ab. Das läuft doch mittlerweile in allen Bereichen. „So eine schöne Frau hab ich nicht erwartet“ mein Gott steinigt ihn doch. Im Prinzip warten wir jetzt alle darauf das im „Spiegel“ ein Artikel zum Thema erscheint, damit wir wissen wie wir uns verhalten dürfen… Wäre sie Cool gewesen hätte sie Ihm einen Spruch zurück gedrückt. Da sie ist wie sie ist, hätte sie einfach ein dummes Gesicht ziehen müssen und alle Beteiligten hätten gewusst wo sie bei ihr dran sind und das nächste mal hätte garantiert niemand mehr was gesagt.

      • @Andre
        Das hat er nicht gesagt und darüber regt die Frau “name vergessen” sich auch nicht auf. Er hat gesagt: Jemand der so grün hinter den Ohren ist hab ich nicht erwartet, dass müssen sie verstehen.
        Das muß aber niemand verstehen, der Heini kann sich doch zumindest vorher mal ein Bild seiner Redner ansehen um zu wissen wer wer ist. Die richtige Antwort wäre gewesen: “Entschuldigen sie, habe sie nicht bemerkt/gesehen” und ohne Pause in die Begrüßung übergehen. Egal was man in dem Moment sagt, es wird nur schlimmer und der eigenen Fehler nimmt immer mehr Raum ein.

        Mehr ist es aber auch nicht, einem jungen Mann gegenüber hätte er wahrscheinlich ähnliche Sprüche geklopft und “alle” hätten dann wohl gesagt: Als (weißer) privilegierter Mann muß er das abhaben können. Das solche Sprüche auch Männer verletzten gibts ja nicht, was ist denn das für ein Waschlappen.

    • Naja ich kanns verstehen. Ich habe als Hörer auch keine Lust dass Thema jetzt Lage für Lage zu diskutieren nur weil ein paar Männer und Frauen nicht sachlich über Sexismus diskutieren können.

  39. Das ist hier Philips und Mein Forum ” hier spucken sich Leute nicht gegenseitig an oder hier pisst auch keiner in die Ecke”

    Problem ist wir immer der Sensor für den Vorwurf beim “weckmoderieren” deswegen mein Vorschlag oder die bitte, könnt ihr sowas wie vielleicht eine anonymisierte “wall of shame” einrichten oder sozusagen einen mit Folie abgeklebten Raum, in dem sich die Leute nach haftungsausschluss im abgedunkelten Bereich gegenseitig v********* und ankotzen können. Oder ist das rechtlich nicht möglich?

    • Man muss doch nicht an jeder Mülltonne schnuppern wie ein Hund. Auch nicht im Internet. Oder besser da gerade nicht.

    • Wie Du schon sagst, geht schon rechtlich nicht – außerdem ist das hier wie gesagt unser Forum, das wir so moderieren, dass es uns gefällt.

      • Mein Punkt ist, das im widerlichen Odeur einer Mülltonne ein Stück Gold glänzen kann.

        Daran sollte und muss man nicht wie ein Hund schnüffeln, das riecht nicht heraus, aber man muss vorher ein klebrig oder eher durch kondensierte Ausdünstungen wässriges Behältnis anfassen und öffnen – damit man den Glanz sieht.

        Es gibt sicherlich feine Geister, für die das eine Zumutung ist – das Problem besteht im Wesentlichen darin, dass man dann nicht nur sagt der Müll kommt mir nicht ins Haus sondern mein Haus soll auch wohl riechen. In ganz schlimmen Fällen überlagert diese persönliche Note für alles andere (#metoo, als potentielles Negativbeispiel).

        Vielleicht sollte man deswegen im Vorhof oder im angrenzenden Wald das Wild nicht versuchen zu zähmen, sondern versuchen etwas von der wilden Natur zu lernen. Und die Dinge mal versuchen aus einer anderen Warte zu sehen.

      • PS einer der die Mülltonnen erfolgreich nach Gold durchwühlt ist der vielleicht nicht genug gewürdigte Blogger Fefe.

        Dessen Seite ist wirklich eine Fundstelle.

        Aber für seinen guten Riecher ist er beim CCC in dem Milieu etwas verhasst und insbesondere bei den Feinschmeckern von der taz, die Argentinien jetzt gegen Fefe als ” dem Bösen Nerd” hatte doch sich erdreistet Feministen ein wenig lächerlich zu machen!

        Wir überhaupt vielleicht wirklich solche “safe spaces” für Cis-Gender und Proleten, weil deren Wirken manchmal auch etwas sehr ehrliches hat… und wir sind hier alle auf der Suche nach Erkenntnissen die ein wirklich weiterbringen und nicht nur an einer primär scheinbar schöneren Umgebung.

        Ich denke mit dem Rechtsrahmen kann man da ich kenne mich da nicht ganz genau aus vielleicht auch mal sich an die Politik wenden, das ist vielleicht auch mal Ecken geben muss, wo rum gespuckt und gepisst wird und wo sich ausgekotzt wird. Natürlich nur mit der Unterschrift des Erziehungsberechtigten und haftungsausschluss

    • Die refefe-Gedächtniswand wird glaube ich immer noch betrieben.

  40. Hallo,

    das Kommentar gehört eigentlich noch zur letzten Folge 72, finde diese aber leider nicht:

    Was die #metoo-Aktivist*innen im Sinn haben weiß ich nicht, Fakt ist jedoch das es bei mir zu diversen interessanten Gesprächen im Freundeskreis geführt hat. Z.B ist einer meiner Freunde der Meinung gewesen, dass eine Frau, der hinterher gepfiffen wird, diese das durchaus als nett gemeintes Kompliment empfinden solle. In südlicheren Ländern wie Italien würde das auch so verstanden werden.Meine Freundin und ich (deutschstämmig, weiblich) empfinden diese Art von Kompliment als billig und primitiv. Je nach Situation führt es zu Verunsicherung und Unbehagen. Es scheint da offensichtlich Klärungsbedarf zu geben, auch bezüglich regionaler/(inter)nationaler Unterschiede. Grade durch die Globalisierung muss sich daher da eine neue Debatte ergeben.

  41. Ein großes Dankeschön, dass ihr die Kommentare der letzten Sendung mit aufgenommen habt. Da mir gerade der Kommentar mit dem Simone de Beauvoir Zitat sehr positiv aufgefallen ist und mir noch einmal einen neuen Denk- und Argumentationsansatz gegeben hat. Weniger emotional und auf den Punkt gebracht. Auch Danke an den Hörer mir diesem wertvollen Beitrag.

  42. In der Interpol-Verfassung gibt es in Artikel 3 einen konkreten Ausschluss von der Verfolgung “politischer” Straftaten.

    Gibt es bei Europol keine derartigen Einschränkungen die es einem Staat erlauben einen Haftbefehl eines anderen Staates unter bestimmten Umständen zu ignorieren?

    • Der europäische Haftbefehl funktioniert auch ohne Europol … er geht auf einen Rahmenbeschluss zurück (ein Instrument ähnlich einer Richtlinie in der ehemaligen 3. Säule der EU) und beruht auf dessen Umsetzung im jeweiligen nationalen Recht.

      • Wäre mal interessant, wie Belgien sein order public in dem Zusammenhang sieht.

        Bei uns ist das ja eben Artikel 16 zweiter Satz geregelt – sowie Rechtsprechung gegen, mit Nichtigkeitserklärung des BVG zum dt. Umsetzungsgesetz zum EU Auslieferungsverfahren und einem vielleicht auch wieder nichtigen Umsetzungsgesetz.

        Ich wäre mir da nicht so sicher dass das Katalanische Kabinett wegen Verrat ausgeliefert wird.

        Das prominenteste Beispiel zu Auslieferungsproblematik ist ja Julien Assange. Uk, Schweden und dann USA.

        Ich find die UN sollte mal eine resolution bezüglich Auslieferungsverbot bei politischen Straftaten erlassen. Letztendlich ist das doch nichts anderes als Menschenhandel auf einer anderen Ebene.

        Sollte vielleicht auch noch zum spanischen Recht was sagen, ich denke dort gibt es wegen des Zentralstaats schon bezüglich der Polizei die dort aktiv gewesen ist Missverständnisse in Wirklichkeit sind das Milizen mit Kasernen die von Madrid aus eingesetzt werden. Bei uns ist ja der Generalstaatsanwalt auch nur der Legislative weisungsgebunden. In Spanien dürfte es eh ähnlich, sein deswegen ist da zur Zeit die Perversion das ohne Gewaltenteilung auf den Souverän eingewirkt wird der sich sozusagen selbst noch mal demokratisch legitimiert hat durch die Abstimmung. Dafür sollen jetzt das Katalanische Kabinett bluten. Mir passt das auch im Moment Medial nicht da wird immer noch von Separatisten geredet das schon eine komische Konnotation hat und der Durchschnitts öffentliche Rundfunk Kommentar geht dann wieder in diese alte komische Leier, in der da von einer “Person der EU” wie eine Art Romanfigur immer wieder und wieder die Rede ist das einzige was ich jetzt geändert hat, vorher hat man diese vermeintliche Romanfigur EU angehimmelt, der eigentlich nur der Ministerrat ist der entscheidet – jetzt geht’s in die Richtung volkspädagogen Bürger Bashing von der WDR Kanzel zum Bürger hinab… die Einstellung hinsichtlich der EU wäre falsch zuvor hätte dieses oder jenes dann auch vom Bürger vorher verinnerlicht werden müssen… hinterher beschweren geht dann nicht…

        Katalonienkrise: Hört auf, nach der EU zu rufen! von Kommentar – Deutschlandfunk
        https://player.fm/1myHKF #nowplaying

  43. Ich sehe ein gewisses Risiko in der Forderung oder dem Wunsch die Öffentlichkeit möge den Angehörigen von Anschlagsopfern mehr Aufmerksamkeit schenken.

    Ich befürchte das diese Öffentlichkeit, die Wahrnehmung nur auf eine Weise vermittelt werden kann – medial. Und da sehe ich die ernsthafte Gefahr von Reportern die sich überschlagen bei dem Versuch Angehörige, deren Arbeits- oder Schulkollegen oder auch nur den Pizzalieferanten oder Cousin 3. Grades vor Kameras oder Mikrofone zu zerren um ein Soundbite rauszuquetschen. Das man Menschen die gerade Angehörige verloren haben sowas nicht zumuten darf versteht sich von selbst.

    Und in der Tat ist natürlich jede offentkiche Würdigung bestenfalls nicht genug, schlimmstenfalls klingt sie wie Hohn wenn der Redenschreiber den Ton nicht perfekt trifft.

    • Das sehe ich ebenso. Dieses Kasperletheater nach (fast) jedem Anschlag ist so dermaßen kontraproduktiv, dass ich mich manchmal fast frage, ob diejenigen, die das zu verantworten haben das eigentlich mit Absicht machen. Fast immer gibt es im Fernsehen irgendeinen „Brennpunkt“, in dem jeder, der irgendwie greifbar ist vor die Kamera gezerrt und interviewt wird (am liebsten natürlich in Tränen aufgelöst), sobald verfügbar wird auch noch das „Heldenportrait“ des Vollpfostens, der sich da hat instrumentalisieren lassen präsentiert und noch tagelang danach sind die Zeitungen voll davon (obwohl es objektiv sowohl relevanteres als auch aktuelleres zu berichten gäbe). Jetzt auch noch eine – quasi verpflichtende – Schweigeminute oder andere Formen der verordneten „Staatstrauer“ einzuführen wäre geradezu absurd und ein Geschenk an die Knalltüten von IS und Co. – jeden Tag sterben irgendwo auf der Welt Menschen durch direkte oder indirekte Gewalt und kein Hahn kräht danach. Der Fairness halber müsste man dann ja auch jedes Mal eine große Trauerzeremonie veranstalten – Hinterbliebene gibt es ja schließlich fast immer. Stattdessen wünschte ich mir mal eine sachliche, unaufgeregte Diskussion über die eigentlichen Ursachen solcher Vorfälle.

      Ich wüsste beispielsweise mal gerne, wie es sein kann, dass es im Jahr 2017, in einer Zeit in der quasi jeder mit dem Smartphone mit mobilem Internet (und damit quasi dem gesamten Wissen der Menschheit in der Hosentasche) unterwegs ist, der Glaube an einen irgendwie gearteten „unsichtbaren Freund“ gesellschaftlich völlig akzeptiert ist. Leute, die beispielsweise glauben, dass die Pyramiden von Außerirdischen erbaut wurden, dass das deutsche Kaiserreich bis heute weiter existiert oder die Amerikaner nie auf dem Mond waren werden ja auch (völlig zurecht) als lernresistente Spinner abgestempelt. Sobald aber irgendein – noch so abstruser – Glaube eine ausreichend große Zahl von Anhängern hat und das Ganze dann auch noch doch in der einen oder anderen Form institutionalisiert wird können die Anhänger dieses Unfugs anfangen Sonderrechte (wie beispielsweise eigene Feiertage oder dass ihre Glaubensinhalte als Tatsachen neben wissenschaftlichen Erkenntnissen in Schulbüchern platziert werden, etc.) einzufordern. Sobald es aber jemand wagt, dieses Ansichten und die damit verbundenen Forderungen in Frage zu stellen und als das bezeichnet was sie im Kern sind, wird sofort auf die verletzten „religiösen Gefühle“ verwiesen. Man stelle sich mal vor, dass einer dieser selbsterklärten „Reichsbürger“ sich nach dem Hinweis darauf, dass seine Vorstellungen keiner sachlichen Diskussion standhalten, darauf berufen würde, dass er aber daran glauben würde und die Kritiker seine „religiösen Gefühle“ verletzten…

      Oder wie es sein kann, dass in Deutschland Kinder eingeschult werden, deren Deutschkenntnisse nicht ausreichen, dem Unterricht zu folgen – so werden doch mit Ansage „Totalversager“ in Serie produziert. Die mit viel zu großen Klassen völlig überlasteten Lehrer sind niemals in der Lage derartige Defizite auszugleichen. Diejenigen die so irgendwie durch das Bildungssystem durchgeschleust werden fühlen sich dann (vermutlich zurecht) ausgegrenzt und als Verlierer der Gesellschaft. Ein Staat, der stolz ist auf seine „Dichter und Denker“ und insbesondere eine Demokratie (in dem diese dann eventuell einen Teil des Souveräns bilden) kann das nicht einfach hinnehmen – nach dem Motto: Hauptsache wir haben noch genug Fachkräfte, Verlierer gibt es immer.

  44. Leider war ich mit meinem Kommentar zur letzten Folge etwas zu langsam. Daher poste ich ihn nochmal hier:

    Sexismus-Debatte:

    Ich finde es wirklich erstaunlich, wie viele in der Aussage von Kiderlens klaren Sexismus sehen und diesen auch als derart schlimm empfinden. Sicherlich war die Aussage unangebracht, und darüber hinaus unprofessionell. Aber ganz im Ernst – Chebli schießt mit ihrer Reaktion übers Ziel hinaus. Die interne LdN-Überschrift “Kirche mal im Dorf lassen” trifft es ganz gut.

    Oft wurde hier geschrieben, dass ein Mann den Kommentar nicht gehört hätte. Naja, den ersten Teil übers Alter hätte ein Mann ganz sicher auch gehört. Und falls er etwas äußerlich auffallendes gehabt hätte – etwa ein ausgefallenes Outfit / Frisur / Bart – dann gäbe es evtl. auch einen Kommentar.

    Einen Kommentar über die “Schönheit” gäbe es von Mann zu Mann vermutlich nicht, aber von Frau zu Mann ist dies alles andere als undenkbar. Im Büro höre ich durchaus von Ü50 Frauen Kommentare über die Optik jüngerer Kollegen. Etwa à la jemand sei “etwas fürs Auge”, “xy sei auch ein Netter” – Netter mit Unterton und passendem Gesichtsausdruck. Solche Aussagen gibt es nicht nur von Männern. Oder eine Direktorin will unbedingt einen (attraktiven) männlichen Assistenten haben. Alles schon erlebt!

    In der Tat ist Sexismus – früher wesentlich stärker noch als heute – ein Problem. Aber in der jüngeren Generation ist das doch größtenteils nicht mehr so. Müssen die jüngeren Männer jetzt das Fehlverhalten der alten Generation ausbaden?

    Wenn Sexismus als Ungleichbehandlung zu verstehen ist, dann will ich mal folgende unfairen Aspekte aus männlicher Sicht anbringen:

    In großen Unternehmen werden Frauen bevorzugt eingestellt und befördert. Ist das fair? Auch wenn dies in (ehemals) männerdominierten Domänen stattfindet, ist das insbesondere gegenüber einem besser qualifizierterem Mann fair, nur aufgrund des Geschlechts eine Frau für eine Position zu wählen?

    Beispiel Polizei (ich weiß nicht, ob dies nur für NRW gilt):
    – Es wird nach einem Punktesystem befördert.
    – Frauen erhalten für gleicher Leistung mehr Punkte als Männer
    – Frauen werden nicht nur bei gleicher Punktzahl (=weniger Leistung) bevorzugt, sondern sogar bei etwas geringerer Punktezahl
    https://www.welt.de/regionales/nrw/article160739732/Wenn-aus-Frauenfoerderung-ein-Geschlechterkrieg-wird.html

    –> Ist das fair? Ist das nicht genau die Definition von Sexismus?

    Hierzu würde mich Feedback interessieren.

    Desweiteren möchte ich anmerken, dass Frauen und Männer zwar insbesondere im Beruf gleich behandelt werden sollten. M.E. ist heutzutage weitestgehendst der Fall, dass Eignung, und leider auch Netzwerk, über Beförderungen entscheiden und, abgesehen von Frauenförderprogrammen, nicht das Geschlecht. Gleichzeitig muss man Frauen und Männern aber nicht zusprechen, gleich zu sein. Frauen und Männer haben unterschiedliche Stärken und Schwächen und das ist auch vollkommen okay so. Mir ist aufgefallen, dass Christiane Hoffmann (Spiegel) dies in Talkshows häufiger thematisiert. Z.B. sind Frauen oft einfühlsamer und emphatischer. Und Maschinenbau spricht nach mehr Männer als Frauen an. Ist das jetzt schlimm? Solange man beide Geschlechter ermutigt, sich auch für Berufe, die eher vom anderen Geschlecht dominiert sind zu interessieren, ist doch alles gut. Man muss doch keinen da rein zwängen.

    Ähnliches gilt bei der Kindererziehung. Ich finde es super, wenn Frauen nach der Geburt recht schnell wieder in den Beruf einsteigen. Warum auch nicht – kommt ja dann mehr Kohle rein. Gleichzeitig erlebe ich, dass die meisten Frauen den Wunsch äußern, länger als ein Jahr beim Kind zu bleiben. Ja was nun – Frauen zwingen früh wieder arbeiten zu gehen, weil es dann gleichberechtigter ist!? Man muss doch individuelle Wünsche und Entwicklungsmöglichkeiten akzeptieren.
    Randnotiz: Hier gibt es extreme Unterschiede zwischen Ossis und Wessis. Die Ossi-Frauen haben oft kein Problem damit, nach max 1 Jahr wieder arbeiten zu gehen. Hintergrund ist mal wieder die Sozialisierung.

    • Ich meine du übersiehst, dass beim Umgang zwischen Mann und Frau heute die lange Geschichte der – insbesondere sexuellen – Unterdrückung, ebenso wie die heute noch präsente Ungleichbehandlung und ungleiche Gefahrenlage der Frau mitgedacht werden muss.

      Wenn ich heute zu einem farbigen Bekannten im Spaß “Nigger” sage, dann kann das bei ihm sehr anders ankommen, als wenn er mich “Kalkleiste” nennt. Kein Wunder, denn wenn man mal von den Janitscharen absieht, gibt es halt keine neuzeitliche Geschichte der Versklavung von Weißen/Westlern.

      Ebenso ist es ein himmelweiter Unterschied, ob mir eine Frau unvermittelt an den Hintern greift, oder ob das meiner Frau mit einem Mann passiert. (beides schon vorgekommen)

      Ich ende mit einem Witz, der vielleicht zum Nachdenken anregt:
      Ein Elefant tritt einer Maus auf die Pfote und entschuldigt sich vielmals. Daraufhin die Maus: Ach, nicht so schlimm. Hätte mir doch auch passieren können.

      Hätte es?

      • Ebenso ist es ein himmelweiter Unterschied, ob mir eine Frau unvermittelt an den Hintern greift, oder ob das meiner Frau mit einem Mann passiert. (beides schon vorgekommen)

        Sind die beiden Situationen nicht vollkommen gleich, jeweils aus Sicht des Mannes?

      • @André: genau das ist ja das Problem, dass diese beiden Situationen für viele Männer das Gleiche sind – das Beispiel und der Witz von Günter machen ja aber sehr anschaulich, dass es eben gerade nicht das Gleiche ist – und diese Erkenntnis müssen sehr viele Männer noch erlangen…

      • Äh, es ist ein Unterschied, ob irgendeine Frau ihm oder seine Frau einem anderen Mann an den Hintern greift?

      • @Bernd> “In der Tat ist Sexismus – früher wesentlich stärker noch als heute – ein Problem. Aber in der jüngeren Generation ist das doch größtenteils nicht mehr so. Müssen die jüngeren Männer jetzt das Fehlverhalten der alten Generation ausbaden?”

        In der Tat kann man das Gefühl haben das der moderne Feminismus dazu neigt das Kind mit dem Bade auszuschütten. Oder anders gesagt: die in den 70ern angeworfene Korrektur geht vielen (evtl nachvollziehbarerweise) zu langsam, deswegen versucht man da jetzt nochmal anzuschieben. Das kann aber leider auch schnell zu einer Überkorrektur führen die dann letztlich der Gleichberechtigung wieder eher schadet als nützt.

        @Günter>> “Ich meine du übersiehst, dass beim Umgang zwischen Mann und Frau heute die lange Geschichte der – insbesondere sexuellen – Unterdrückung, ebenso wie die heute noch präsente Ungleichbehandlung und ungleiche Gefahrenlage der Frau mitgedacht werden muss.”

        Die Vergangenheit kann aber nicht das Problem der jungen Generation sein, die ein solches Verhalten (nach meiner Beobachtung) nicht mehr an den Tag legt. Man kann da niemanden in Sippenhaft nehmen.

        Eine Gleichberechtigung ist ohne Frage anzustreben und überall wo diese (noch) nicht gewährleistet ist muss Kritik geübt werden. Eine GleichSTELLUNG wiederum ist aber Sexismus, nur umgekehrt. Wenn zB man gleiche Anzahl von Polizisten und Polizistinnen verlangt, obwohl nur 20% der Bewerber Frauen sind läuft etwas schief.

      • André, es war meine Frau, der von einem fremden Mann an den Hintern gegriffen wurde.

      • Andy, über den Querschnitt der Gesellschaft sind wir noch weit davon entfernt, dass Frauen mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Sicherheit in allen Bereichen des Lebens agieren können wie das bei Männern der Fall ist. Ein Teil davon ist der reinen Biologie geschuldet. Aber wir haben auch noch jede Menge tradierten Ballast an Bord. Im universitären Umfeld ist dies schon weitgehend abgebaut nach meiner Erfahrung. Aber ich habe auch Einblick in einen Handwerksbetrieb und die Vorstellungen/das Gehabe mancher Azubis ist schon ziemlich “50er Jahre”.

      • @Günter: Okay, habe ich völlig falsch verstanden.

    • Bernd,
      Sie wollten Feedback:
      Ich arbeite selbst in der öffentlichen Verwaltung und ich kenne auch den Fall eines Mannes, der benachteiligt wird, weil die Verwaltung Frauen in Führungspositionen seit geraumer Zeit fördert.

      Ihre Ausführungen finde ich wohltuend abgewogen!
      Eigentlich ist dem aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen (Martha Harrys Kommentar kann ich auch weitgehend unterschreiben).
      Trotzdem
      Zu Hans-Joachim Kiderlen, den 73jährigen ehemaligen Diplomaten:
      Ich möchte einfach nochmal unterstreichen, was schon von einigen Kommentatoren geschrieben und, nebenbei gesagt, von Ulf im Podcast schon ganz klar gesagt wurde:
      Natürlich hat Herr Kiderlen, gerade für einen ehemaligen Diplomaten, unfassbar unsouverän und hilflos auf Frau Cheblis Bemerkung, die Staatssekretärin sei schon da und sie säße vor ihm, reagiert (allerdings finde ich es relativ abwegig, die Vokabel „Kompliment“ mit dieser Reaktion in Verbindung zu bringen, ich würde es wirklich als „hilflose Reaktion“ bezeichnen). Immerhin kann man ihm zugute halten, dass er in der Situation auf dem linken Fuß erwischt worden ist – und er hat einige Tage später offenbar mit Anstand um Entschuldigung gebeten.
      Frau Cheblis Facebookeintrag – immerhin mit einigen Stunden Abstand – finde ich für eine Frau in ihrer Position aber mindestens ebenso unsouverän.
      Der Mann wird bald 74 – ich glaube, es gibt deutlich jüngere Männer, vielleicht auch Jugendliche, bei denen es weitaus erforderlicher wäre, ihnen Anstand beizubringen.
      Abschließend vielleicht noch zwei Dinge:
      1. Noch einmal der Stein des Anstoßes:
      ,Ich habe keine so junge Frau erwartet. Und dann sind Sie auch so schön.‘
      2. Frau Chebli war mit 36 stellvertretende Sprecherin des Außenministers und ist jetzt, mit 39,
      zwar ‚nur‘ in Berlin, aber immerhin, Staatssekretärin – danach wird man entweder Ministerin oder
      man bekommt einen lukrativen Job in der Wirtschaft.
      Es fällt mir ehrlich gesagt schwer zu glauben, dass solche Persönlichkeiten unter Bemerkungen,
      wie denen unter 1. genannten, wirklich leiden.

      Und ganz zum Schluss vielleicht noch ein versöhnliches Gedicht von Eugen Gomringer:
      »Alleen
      Alleen und Blumen
      Blumen
      Blumen und Frauen
      Alleen
      Alleen und Frauen
      Alleen und Blumen und Frauen und
      ein Bewunderer«

      Mit freundlichem Gruß
      Matthias Rathje