LdN057 Manchester, Mietpreisbremse, Schulsystem-Interview, NetzDG, Diesel-Gate

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| 114 Kommentare

Liebe Freundinnen und Freunde,

die Lage kommt auch diese Woche am Samstagmorgen – aufgenommen haben wir am Freitag 26.5.2017, 16 Uhr. Viel Spaß mit der neuen Folge!

Schickt uns auch weiter Fotos von dem, was Ihr seht wenn Ihr die Lage hört!

team (AT) lagedernation.org

Zu sehen sind die Bilder im Fotoalbum bzw. auf unserer LageKarte.

Macht´s gut und bis nächste Woche!

Philip und Ulf

Hausmitteilung

Manchester: Terroranschlag nach Konzert

Mietpreis-Bremse: Funktioniert nicht

Netzwerkdurchsetzungsgesetz: Wird im Bundestag vielleicht noch geändert

Schulsystem: Viele Themenwünsche eingegangen

Sicher im Netz: Telekom und Staatssekretär zu Lücken und Haftung

Diesel-Gate: Saubere Diesel-Motoren sind möglich – aber teuer

Hinweis: “Mein Freund der Baum”

  • Kuechenstud.io: “Mein Freund der Baum”
  • Hinweis: Lage bei Instagram

    Hausmitteilung

    114 Kommentare

    1. 27. Mai 201710:11
      Hotzenplotter

      Wo ist denn die neue Mein Freund der Baum-Folge? Sehe sie weder im Feed noch auf der Website.

      Mir fehlt das Küchenradio übrigens sehr. Immer noch mein Lieblings-Podcast aus dem Küchenstudio. Wenn ihr das wieder halbwegs regelmäßig machen würdet, würde ich das Abo sofort bezahlen.

    2. 27. Mai 201710:59
      Der Herr Nick

      Moin zusammen,
      wollte nur kurz ergänzen, dass der von euch zitierte Herr Neumann vom King’s College Mitglied in
      Armin Laschets “Sicherheitsteam” ist und vielleicht NRW-Innenminister wird.

      http://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/landtagswahl/cdu-neumann-sicherheit-100.html

      Den kann man sicher zitieren, aber diese Info gehört m.E. dazu.

      Liebe Grüße – keep up the good work!
      Niklas

    3. Zunächst zum Interview mit dem Herrn Bos, das sehr interessant war: ich bin einigermaßen schockiert zu wie vielen Themen die Antwort kam: Dazu gibt es bislang keine Forschungsergebnisse. Seit mindestens dem sog. Pisa Schock im Jahr 2000 ist das Thema doch on top of the agenda. Wo sind nur all die Forschungsgelder hingeflossen?

      • 3. Juni 201719:46
        Blumenmädchen

        Liebes Lageteam,
        Leider sind mir bei eurem letzten Experteninterview einige Dinge aufgefallen, die unter den Tisch gefallen sind bzw. nicht erwähnt wurden von dem befragten Professor Bos. Folgende:
        • Warum wurde überhaupt auf G8 umgestellt? Weil die OECD – mit großem Vermerk eine wirtschaftsfokussierte Organisation, keine bei der es um Bildung geht – Deutschland ermahnt hat. Die Berufsanfänger sollen gefälligst jünger werden. Der OECD ist es also egal ob der Unterricht gut ist, Hauptsache die haben gute und junge Fachkräfte. ->Was tun die Bundesländer? Die pressen Stoff von 9 Jahren in 8, ohne große Abstriche. Kein Wunder als das Eltern anfangen zu stöhnen.
        > • Gleichzeitig mit dieser Umstellung von G9 auf G8 kam die Umstellung im deutschen Bildungssystem von Inputorientierung zur Kompetenzorientierung. Also noch mehr Chaos, weil PISA Kompetenzen gemessen hat, statt dass was deutsche Schüler “konnten”. Kein Wunder, dass wir schlecht abgeschnitten haben. – aber das sind ja Dinge die Eltern und Öffentlichkeit wenig mitbekommen, und somit entsteht ein Missverständnis- massive Umwälzungen und Aufgabe von Traditionen im Bildungssystem führen zu Organisationsschwierigkeiten in Schulen. Woraufhin Eltern denken ihre Kinder hätten mehr Stress, weil die Reformen Zeit brauchen und neues ersteinmal ausprobiert werden muss.
        > • das Argument des Professors, dass auf Wünsche der Eltern eingegangen werden sollte – bitte was? Die Aufgaben vom Bildungssystem sind: Enkulturation, Qualifikation, Allokation und Integration. Es wird sehr gefährlich, wenn wir allen Wünschen der Eltern nachgeben – wenn Eltern mal sagen Kunst- oder Musikunterricht mehr brauchen wir nicht mehr, außerdem ist er eh teuer, dann schaffen wir ihn einfach ab? Das kann doch nicht ernsthaft die Position eines Forschers sein!?
        > • was gar nicht angeschnitten oder thematisiert wurde, war der Bildungsföderalismus. Ob er gut oder schlecht ist und was für Folgen er hat. etc. Wenn man auch mal darüber gesprochen hätte, wäre aufgefallen, dass Bundesländer die schon immer G8 hatten wie Sachsen und Thüringen nur weniger Probleme nach PISA, G8 hatten und dieses Themen bei Landtagswahlen auch nicht so schwer ins Gewicht fallen.

        Insgesamt war ich etwas geschockt vom Interview mit dem Professor, denn seine Aussagen, waren etwas flach und nicht umfangreich.

    4. Dann zum Thema Mietpreisbremse:
      Ich denke das Instrument war und ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Es ist doch ein leichtes für den Vermieter, die passende Vergleichsgruppe für die Wohnung zu erreichen so dass schon von daher bei Knappheit an Wohnraum ein Mietpreis am oberen Ende des Rechtlich Möglichen zustande kommt. Damit geht dann wieder tendenziell ein Anstieg der Vergleichsmiete einher und der Trend entwickelt sich weiter.
      Hat der Vermieter darüber hinaus Geld, so investiert er dieses in die Wohnung und schlägt dafür 11% der Investition auf die Miete auf. (§559 I BGB). Wenn ich Geld hätte und Wohnungen vermieten würde, wäre das auch meine erste Wahl! Wo habe ich denn sonst eine auch nur annähernde (Brutto-)Verzinsung auf mein angelegtes Geld? Und selbst wenn die EZB-Zinsen im Euro Raum wieder steigen, so ist zwischen z.B. 11% brutto und 3% vor Zinsabschlagsteuer immer noch enorm viel Platz. Und auch hier trägt die Modernisierung zu einem Anstieg der Vergleichsmiete bei. Die Baukonjunktur in Deutschland zeigt dieses Phänomen zur allzu deutlich.
      Wenn also ein Instrument zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums überlegt werden sollte, so wäre der von Euch vorgeschlagene Weg Richtung Förderung zweckgebundenen Wohnraums wahrscheinlich wesentlich zielführender.

      Die letzte Forderung, dass der Mieter nach Abschluss des Vertrages eine Regress-Forderung an den Vermieter aufmachen darf, ist m.E. schon ganz schon arg. Evtl. sollte bei Neuvermietung ein fester Vertragsbestandteil sein wie hoch die relevante Vergleichsmiete zum Vertragsabschluss ist, so dass auf beiden Seiten eine gewisse Rechtssicherheit besteht.

    5. Und noch kurz zur Einschätzung von Risiken: Super herausgearbeitet und dargestellt! Die Vergleiche zum Fahren auf der Autobahn hinken meines Erachtens kein Bisschen denn dort ist auch die Gefahr durch das Verhalten Anderer die ich nicht beeinflussen kann da, zu Schaden oder zu Tode zu kommen. Ich finde dieses Argument sollte man auch weiter strapazieren denn die Gefahren im Straßenverkehr sind in vielen Belangen welche die man eben nicht vermeiden kann wenn man sich durch das Land bewegen will. (Massenveranstaltungen kann ich hingegen meiden wenn mir das nicht liegt). Ebenso irrational ist in den USA das Recht des Waffenbesitzes, auch dort spricht die Statistik eine eindeutige Sprache.

      Danke für diese Folge und weiter so!

      • Ich würde eher auf den Fall Andreas Lubitz (Germanwing-Absturz) verweisen. Die einzige nennenswerte Änderung nach diesem Massenmord, die Pflicht zu mindestens zwei Personen im Cockpit, wurde gerade wieder aufgehoben.

        Was für ein Rad aber wäre gedreht worden, wenn der Name des Täters Ahmed Omar oder vergleichbar gelautet hätte? Und das letzte Geräusch auf dem Voice Rekorder “allahu akbar” gewesen wäre?

      • 28. Mai 201713:40
        Martin A.

        Der Vergleich mit Verkehrstoten hinkt und deine Anmerkungen sind falsch.
        Es geht doch nicht darum, dass man das Verhalten anderer Mensch nicht beeinflussen und deshalb stirbt.
        Der Attentäter wollte Menschen töten. Ein Unfall passiert durch Gleichgültigkeit, Unachtsamkeit, Missachtung von Gesetzen und sicher auch durch Vorsatz.
        Dein Bezug auf Massenveranstaltungen und Verkehr ist auch sehr beschränkt. Der Anschlag mit einer Axt begann im Zug. Der Anschlag von Nizza und Berlin wurde mit Verkehrsmitteln durchgeführt und hätte auch in einer Einkaufzone passieren können.
        Man kann vielleicht Massenveranstaltungen meiden, aber nicht Menschenmassen (Krankenhäuser, Einkaufszonen, Restaurant, die Arbeit).

        • hallo martin,
          danke für deinen kommentar. ich kann deinen ersten punkt aber leider nicht erkennen.
          zunächst dachte ich dir geht es um die handlungsabsicht des terroristen vs. der des unfallverursachers. aber dann schreibst du ja selbst dass auch dort grobe fahrlässigkeit oder vorsatz vorliegen kann. damit bist du ja wieder bei meinem punkt: hier und da ist man in einer situation derer man nicht entweichen kann wenn man einmal dort ist und wo eine x-prozentige wahrscheinlichkeit besteht ohne eigenes zutun zu schaden zu kommen. die gesellschaft sollte sich die frage stellen welche gebiete/situationen möglicherweise für alle sicherer gemacht werden könnten anhand dieser wahrscheinlichkeiten.
          in deinem zweiten teil hast du natürlich recht, nicht jede ansammlung von menschen kann man vernünftigerweise vermeiden. restrisiken sind allgemeine lebensrisiken. man kann aber schon die eine oder andere situation einfach meiden, sollte aber auch da nicht die angst handlungsleitend werden lassen.

        • 29. Mai 201714:23
          Markus G.

          Ich finde solche Vergleiche zwar hilfreich aber dennoch nicht zutreffend.
          Radikalisierung ist wie wir sehen ein virales Phänomen. Sei es die RAF oder Djihadismus. Insofern skaliert der Terror sehr schnell von einzelnen zu tausenden Opfern. Den ermordeten Juden hätten solche Vergleiche wohl auch kaum geholfen, selbst wenn man ihnen 1933 geasagt hätte: “Fürchtet euch vor der Tram statt vor Hitler”.

          Bei der Terror Propaganda sollten wir deshalb auch ansetzen und nicht so sehr auf die überforderte Justiz und Polizei setzen.

    6. Zum Berliner Mietspiegel: Wie jeder Mietspiegel soll er nicht die Mieterhöhungen ausschließen, sondern unter Rückgriff auf die ortsübliche Miete eine gewisse Dämpfung de facto herbeiführen. Ein Ausschluss steigender Mieten ist praktisch unmöglich, denn jede einzelne Mieterhöhung erhöht letztlich den Mietspiegel dauerhaft, weil Mieten normalerweise nicht sinken. Zumindest in Großstädten. Der Mietspiegel in Berlin hat auch typische Probleme, etwa die Rückmeldequoten für die einzelnen Felder sind teilweise abenteuerlich gering. Gerade die sozialschwachen Mieter melden sich bei Befragungen nicht häufig zurück, dafür aber andere Klientele wie zB Lehrer usw. Auch enthält der Mietspiegel sicherlich auch Werte, die es nach der Mietpreisbremse nicht mehr geben dürfte.

      Wie ihr anmerkt, ist die Mietpreisbremse kein Problem. Es fängt beim grundlegenden Problem an. Der neue Mieter hat kein Informationsanspruch hinsichtlich der alten Miete. Ausgehend von den vielen Ausnahmen besteht daher auch schon kein vernünftiger Ansatz, überhaupt gegen die Miethöhe vorzugehen, wenn kein eigener Kontakt zum Vormieter bestand. Beim Amtsgericht muss man ja – wenn man sich doch zum klagen durchgerungen hat – auch unter Beweislast vortragen wie hoch die alte Miete war. Kann man das nicht, gewinnt man halt nicht.

      Wenn ihr den Reformbedarf ansprecht, unterschlägt ihr beide aber etwas sehr Wichtiges. Die kaputte Mietpreisbremse wurde absichtlich so ausgestaltet. Das ist kein gesetzgeberisches Versehen gewesen. Das war der Kompromiss zwischen SPD und CDU. Die CDU hat als Nichtgroßstadt- und Vermieterpartei keinerlei Interesse an Preisbegrenzungen. Die SPD wollte hingegen ihr Projekt durchbekommen, egal wie. Herauskommt eine sinnvolle Regelung.

      Zu allem Übel hat natürlich die Vermieterbranche vor der Einführung auch kräftig nochmal nachgerechnet, ob man nicht noch Mieterhöhungen vor der Einführung der Mietpreisbremse machen kann. Das dürfte auch ein wesentlicher Grund für die Erhöhungen gewesen sein.

      Zu Philips Gegenrede zur Schwere der Eigenbedarfskündigung: Gerade den typischen Mieterschutz gibt es bei Eigenbedarfskündigungen nicht. Der BGH hatte sogar den Eigenbedarf für ne Cousine des Vermieters ohne Bedenken durchgewunken und dauerhaft drin wohnen muss man auch nicht, paar Monate pro Jahr sollen schon reichen. Aber selbst wenn… wenn der Mieter einmal raus ist, notfalls zwangsgeräumt, dann kann der Mieter nichts mehr machen, weil der Vermieter dann einfach einen Nachmieter reinsetzt und schon ist der Wiedereinzug rechtlich unmöglich. Für einen Schadensersatz ist natürlich der Mieter beweispflichtig.

      Wer etwas gegen steigende Mieten tun will, sollte auf jeden Fall die Modernisierung neuregeln und die Kosten nicht auf die Mieter umlegen. Der Mieter hat schließlich einen Vertrag über den bestehenden Zustand der Wohnung und der Vermieter will den meist einseitig ändern. Mit Modernisierungen kann man in Berlin leicht aus einer 600 Euro teuren Wohnung 1.600 Euro drausmachen. Die Masche, gerade die alte Bausubstanz zu verkümmern lassen und dann schön teuer energetisch sanieren, statt einfach sinnvoll und umweltfreundlich instandzuhalten, ist in Berlin seit über 10 Jahren ein leidiges Thema. Regelmäßig dient es nur dem Vermieter, nicht dem Mieter. Die ganzen energetischen Modernisierungen führen nicht zum Einsparen für Energie, die Rechnungen der Mieter gehen fast nie zurück, dafür kann man massiv in den Mietpreis eingreifen und unerwünschte Bevölkerungsgruppen einfach wegmodernisieren.

      Man sollte auch erwähnen, dass solche Regelungen einen ganz klaren Urheber haben. Das war nämlich insbesondere die schwarz-gelbe Bundesregierung, die da besonders gewütet hatte, aber vorher natürlich auch die besonders die CDU-Regierungen. Auch sollte man mal darauf hinweisen, dass die Berliner SPD wie auch die Bundes-SPD auf dieses Thema lange nicht ansprechbar waren. Es ist vor allem ein Großstadtthema, aber das typische SPD-Mitglied lebt in gut geregelten Verhältnissen, oftmals im öffentlichen Dienst, da ist man nicht so anfällig für Wohnungsprobleme. Hätte die SPD mehr junge Mitglieder, wäre der Druck natürlich viel größer.

      Abschließend möchte ich euch noch darauf hinweisen, dass die Mieten im geförderten Wohnungsbau auch nicht besser sind. Kostenmieten in Berlin sind teilweise höher als die Marktmieten. Klassische Fehlförderung, die nur den Vermieter reich macht. Was für Ballungsräume wohl vor allem hilft sind städtische Wohnungsbauunternehmen. In Berlin hatten die früher riesige Schulden, alles aber inzwischen ins Gegenteil verkehrt durch den rasanten Mietpreis. Neuen Wohnraum werden diese Wohnungsbaugesellschaften aber auch nicht unter dem Marktpreis anbieten, in Berlin mindestens also bei 6 Euro nochwas als Untergrenze. Davon ausgehend kann man sich ja vorstellen, was private Vermieter nehmen können und wie das wohl der Mietspiegel in Zukunft beeinflussen wird. Selbst neuer Wohnraum zieht damit den Mietspiegel hoch.

      Die Vermieter freuts, der Arbeitnehmer investiert da vielleicht seine Lohnerhöhung (falls er eine bekommt), die Rentner werden weniger heizen und essen, Auszubildende/Studenten werden wohl mehr jobben müssen und die Jobcenter werden mehr für Unterkunftskosten ausgeben müssen… Immerhin steigt die Inflation dann…

      • zghuk, deinen beitrag könnte ich zu fast 100% unterschreiben.
        Zu den Kostenmieten muss man heute leider auch noch sagen: in meinem heimatort bamberg will die bestehende wohnungsbaugesellschaft alte gebäude abreißen und neu errichten und zu kostenpreisen neu vermieten. natürlich erheblich über den mieten die bisher galten. ich kann die zahlen nicht genau wiedergeben aber es geht wohl um eine spanne zwischen bisher 4-5 euro auf neu 8-9 euro pro m². für berliner verhältnisse vielleicht noch akzeptabel, hier aber wirklich hoch. was daran sozial sein soll erschließt sich mir nicht. das problem ist, lange wurde zu wenig getan, heute sind die neubaukosten oder sanierungskosten aufgrund der auftragslage einfach enorm hoch. und kaum vorstellbar dass die preise so schnell zurückgehen, da müsste es in der baubranche schon erhebliche einbrüche geben…

        • Auch hier in Stuttgart ist es so. Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft SWSG drängt Mieter aus Wohnungen um alten Wohnungsbestand abreisen zu können. Danach wird neu gebaut.
          Es heißt, die Wohnungen wären zu alt und die Bausubstanz zu schlecht. Das stimmt zum Teil, aber nur weil man seit vielen Jahren absichtlich keine Instandhaltungsarbeiten mehr gemacht hat.
          Die meist eher Sozial schwächeren Meitern wird angeboten, dass Sie nach dem Abriss und Neubau wieder einziehen könnten. Was die Mieten danach Kosten ist nicht ganz klar. Im Moment kostet der qm ca. 5 Euro in alten Verträgen. Nach einem Neubau werden zum einem die Wohnungen tendenlzel von der qm-Zahl Größer sein, zum anderen der qm-Preis bei ca. 7,50 – 9,50 pro Quadratmeter für Sozialwohnungen liegen. Die Mieter werden dann locker doppelt so viel Zahlen müssen. Das werden sich viele Mieter die jetzt rausgetrieben werden, dann nichtmehr Leisten können. Bei dem Wohnungsmangel in der Stadt werden sie aus der Stadt getrieben und werden sehr Lange Arbeitswege mehr haben. Für die Menschen eine Katastrophe, die aus Ihrem Sozialen Umfeld gerissen werden usw…

      • Um das aus dem langen Text noch einmal herauszustreichen: Ohne Informationspflicht des Vermieters gegenüber Mietinteressenten bezüglich der Höhe der vorhergehenden Miete ist die Mietpreisbremse ein stumpfes Schwert.

        Aber immerhin existiert das Instrument nun. Und könnte dereinst von einer SPD-geführten Bundesregierung mit wenigen Handgriffen funktionstüchtig gemacht werden.

      • Ich werde an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen um noch auf den Sozialen Wohnungsbau einzugehen, den Ihr ja in eurer Sendung gestreift habt.
        Ich meint, dass Sozialer Wohnungsbau wieder ein Trend würde. So direkt kann man das jedoch nicht sagen. Das dazu Lippenbekenntnisse abgegeben werden liegt einfach an den wirklich immensen Sozialen Problemen die durch die Preisentwicklung bei den Mieten einstanden sind. Es wird zwar viel von Sozialen Wohnungsbau geredet, jedoch steigen die Nettozahlen an Sozialwohnungen nicht, obwohl neue Sozialwohnungen gebaut werden. Denn es fallen Pro Jahr mehr Sozialwohnungen aus der Sozialbindung als neue gebaut werden. Das ist Bundesweit zu beobachten, dafür gibt es auch Zahlen.
        Für Stuttgart, meine Heimatstadt, habe ich die Zahlen Parat. Pro Jahr fallen 360 Wohnungen aus der Sozialbindung. 2016 hat man statt 600 geförderte Wohnungen nur 160 gebaut. 1992 gab es in Stuttgart 22000 Sozialwohnungen 2024 sollen es nur noch etwa ein drittel sein und das wenn man Jährlich wirklich 600 neue Bauen würde. (Quelle: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.wohnungsnot-in-stuttgart-verdraengung-durch-reiche-gilt-als-tabuthema.3a5431d1-0332-4d50-9c36-cb560b1f7cfd.html)

        Ich fände es super wenn Ihr das Thema weiter verfolgt und auch noch ein paar Fakten dazu recherchieren könntet. Ihr könnt natürlich auch ein experten Interview führen. Das würde ich Euch Andrej Holm vorschlagen. Einer von Euch beiden, meine ich mich zu erinnern, hat ihn bereits persönlich kennen gelernt, daher dürfte sich doch ein Kontakt herstellen lassen.

        Ein weiter sehr empfehlenswerter Artikel aus den Blättern für Deutsche und internationale Politik, zur Mietpreis- und Kaufpreisentwicklung wegen Spekulationen auf dem Immobilienmarkt, findet ihr hier: https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2017/maerz/das-geschaeft-mit-der-wohnungsnot

    7. btw: Ulf hatte gesagt, dass beim Mietspiegel die Neuvermietungen berücksichtigt werden, beim Mietspiegel werden aber auch die Bestandmieten einbezogen, was natürlich den Mietpreis einigermaßen stabil hält. Die Neuvermietungen dürften weit über 5 % angestiegen sein wie seit Jahren schon.

    8. Ob man mit dem Thema “Killerspiele” die konservativen Wähler noch hinterm Ofen hervorlocken kann? Bei welchem Computerspiel wirft man eigentlich Bomben über Hochzeitsfeiern ab? Kenn ich noch gar nicht.

      “Zudem übt Schulz Kritik an den US-Drohneneinsätzen aus der Obama-Ära: “Wie kann es sein, dass in einer Demokratie heutzutage abseits jeglicher Öffentlichkeit solche Aktionen durchgeführt werden? Dass junge Menschen mit Computerspielen dazu trainiert werden, auf Knopfdruck tausende Kilometer entfernt vom Ort des Geschehens Bomben über eine Hochzeitsfeier abzuwerfen?” Die USA betreibe Politik ohne Moral, sagt Schulz und kann sich dabei der Zustimmung des Kirchentag-Publikums sicher sein. Und weiter: “Es reicht von simplen kleinen Verfehlungen bis hin zu so einer schwerwiegenden Entscheidung wie dem Einsatz von Drohnen.” All das führe zu einem Vertrauensverlust in der Bevölkerung.”​

      http://www.focus.de/politik/deutschland/bundestagswahl_2017/vortrag-im-berliner-dom-schulz-versucht-beim-kirchentag-das-anti-merkel-programm_id_7182739.html

    9. Zunächst einmal wie immer vielen Dank für eure Mühe, wieder einmal eine gelungene Folge der Lage!
      Vielen Dank vor allem auch für die klare Positionierung zu einem Kurs der SPD, der auch zur SPD passt (Stichwort: Mietpreisbremse).

      Zu dem Thema Schule:
      Ich nehme den Leistungsbegriff nur auf, weil Ihr den verwendet habt. Ich halte es für höchst kritisch Schüler zu sehr auf Leistung zu trimmen und sich dem Irrglauben hinzugeben, Leistung (und noch fataler: Potential) von Kindern ließe sich objektiv messen.
      Für die folgenden Sätze muss man Wissen, dass ich mit einer Lehrerin verheiratet bin und der Auftrag der Schule in meinen Augen Bildung im humanistischen Sinne Humboldts sein sollte. PISA halte ich für völlige Geldverschwendung. Das Geld für PISA wäre im Lohn für zusätzliche Lehrkräfte deutlich besser untergebracht. Das einzig positive an PISA ist in meinen Augen der Anstoß der Diskussionen.

      Wer möchte, dass Menschen ihr Leben lang mit viel Interesse und teilweise auch Spaß weiterlernen, dem müsste einleuchten, dass G8 keinen Sinn macht. Zumindest nicht, wenn die unnützen “Auswendiglerninhalte” nicht erheblich gekürzt werden. Ich halte es zum Beispiel für völlig überflüssig einzelne Fachwörter für Wortgruppen und grammatikalische Ausnahmeregeln zu lernen. Erstens verwendet es wohl “kein” Muttersprachler auch nur einmal nach seiner Schulzeit und zweitens frustriert es die SuS. Meiner Meinung nach ist das Zeitverschwendung. Es lassen sich recht schnell noch viele Weitere unnütze Lerninhalte benennen.
      Des Weiteren sind nur die wenigsten mit 17 schon bereit für ein Studium. Wer das ist, hat schon “immer” Wege gefunden einzelne Klassenstufen zu überspringen.

      Die Erfahrungen von Freunden und Bekannten im Lehramts-Referendariat waren fast durchweg (1 Ausnahme von ca. 20) blanker Horror.
      Meine Frau unterrichtet zur Zeit u.a. in mehreren Klassen mit 30+ SuS. Besonders die Klassen mit EU-Migranten und Hauptschülern sind so unruhig, dass Sie oftmals kaum voran kommt. Die SuS haben bei verschiedenen Gelegenheiten sehr deutlich gezeigt, dass ihnen das “gemocht werden” sehr sehr wichtig ist. Auch zeigt sich immer wieder, dass einige Schüler intellektuell auch auf einem Gymnasium bestehen könnten. Das große Problem ist viel mehr die emotionale Vernachlässigung dieser Kinder! Viele von Ihnen kommen aus Familien denen Bildung nicht wichtig ist und wurden mit bereits mit zehn – zu unrecht mit der Begründung von Leistungsmängeln – auf Haupt- und/oder Realschulen abgeschoben. Ihnen wurde schon früh deutlich gezeigt, dass aus ihnen eh nie was wird. Was erwartet sie nachdem sie den Hauptschulabschluss erreicht haben? Eine Marathon an ermüdenden unprofessionellen Fortbildungen des Jobcenters? Nein, viele der SuS sind sich einig, dass man sich mit Schwarzarbeit + HartzIV doch wunderbar über Wasser halten kann. Das würden viele ihrer Freunde und Verwandten doch auch so machen.

      Meine Frau war im Referendariat und auch danach für einige Monate an einem Gymnasium und kann daher zumindest einen Vergleich wagen (Und aufgrund unseres regen Austausches nehme ich das auch für mich in Anspruch).

      Auf dem Gymnasium waren die SuS oft ausgebrannt und demotiviert. So wirklich lust auf Schule hatte kaum eines der Kinder. Aber zumindest haben sie anders (nach meiner Definition positiver) in die Zukunft geschaut.

      Immer neue Fächer und Konzepte notdürftig an das veraltete System zu basteln bringt im Gros nur Unruhe für Lehrer und Schüler.
      Ich halte es für nötig das Thema Schulsystem völlig unvoreingenommen neu zu erdenken. In einem kreativen Prozess von kinderlieben Fachleuten (Vom Hirnforscher über den Unternehmensberater bis zu den Lehrern, Schülern und Politikern) ohne Tabus, könnten ganz neue zeitgemäße Ideen entstehen. Ich wäre sehr gespannt was dabei heraus käme. Sollten diese Personen sich zumindest oberflächlich von ihrem eigenen Framing lösen können, hätte das wohl nicht mehr viel mit unserem aktuellen Schulsystem zu tun (Die Idee dahinter ist nicht meine! Herr Precht hat sie in seinem Buch: “Anna, die Schule und der liebe Gott: Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern” skizziert).

      Ansonsten kann ich eurem Gast nur zustimmen.

      Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und freue mich schon auf die nächste Folge!

      • Was ein “nützlicher” Lerninhalt ist, außer den Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben, Rechnen, läßt sich doch erst in der Rückschau individuell einordnen. Der eine mag dann aus dem Musikunterricht etwas brauchbares für sein weiteres Leben mitgenommen haben, die andere aus dem Bereich Sachkunde und wieder jemand anderes aus dem Deutschunterricht. Nur das Lernen selbst als Kulturtechnik, das müssen die Schüler eben einüben. Ob das im konkreten Fall durch das Erlernen einer “toten” Sprache erfolgt oder das Nachvollziehen des Citratzyklus ist doch gar nicht entscheidend.

        • Ich hätte mich klarer ausdrücken sollen. Ich wollte lediglich betonen, dass wir von dem Bulimie-lernen wegkommen müssen.
          – Die Lebenswelt der Schüler muss stärker einbezogen werden.
          – Weniger Stoff und vor allem mehr Verantwortung für die Schulen.
          – Keine vollgestopften vorgeschriebenen Curricula mehr.

        • 29. Mai 20178:52
          Psychologe

          Und damit kommen wir auch zum casus knaxus der Debatte: G8 oder G9 ist die Frage, ob wir den Schülern “Zeit zum Reifen” geben wollen, oder ihnen rohes Wissen eintrichtern, hoffend, dass etwas gutes dabei herauskommt. Ich glaube, beide Lernformen können mit G8 und G9 umgesetzt werden.

          Die unangenehme Frage, um die man leider nicht herumkommen wird, ist: Welche Lerninhalte kürzen wir raus? Welche sind optional? Welche bleiben/werden Pflichtprogramm?

        • 29. Mai 20179:05
          Psychologe

          Und damit kommen wir auch zum casus knaxus der Debatte: G8 oder G9 ist die Frage, ob wir den Schülern “Zeit zum Reifen” geben wollen, oder ihnen rohes Wissen eintrichtern, hoffend, dass etwas gutes dabei herauskommt. Ich glaube, beide Lernformen können mit G8 und G9 umgesetzt werden.

          Die unangenehme Debatte, um die man leider nicht herumkommen wird, ist: Welche Lerninhalte kürzen wir raus? Welche sind optional? Welche bleiben/werden Pflichtprogramm?

    10. Zum Thema Mietpreisbremse. Als Vermieter sehe ich das Gesetz kritisch.
      Leider habt ihr das Bestellerprinzip für den Makler vernachlässigt. Das ist zu meinem Nachteil aber absolut gerecht.
      Zum Thema Mietpreisdeckelung:
      1. Die Preise für Immobilien sind rasant gestiegen. Warum soll sich das nicht in den Mieten widerspiegeln?
      2. Ohne ein Mehr an Wohnungen wird weiterhin immer der besser simulierte (aus Sicht des Vermieter) bevorzugt werden. Egal wie ‘niedrig’ der Preis ist.
      3. Die Situation ist rechtlich höchst unsicher, da es kaum Rechtsprechung hierzu gibt. Es scheint sich zu etablieren, das Gesetz einfach zu ignorieren. Ich orientiere mich an dem Mietenspiegel ABER ich investiere nicht mehr in schöne Böden, Küchen,… da ich hierfür keine Rendite bekomme.
      4. Eigentlich müsste ich wegen dem Gesetz meinen Bestandsmietern (gerade den Alten die z.T. – 20% gegenüber Mietspiegel zählen) maximal die Miete erhöhen. Mache ich nicht.

      Sollte nicht statt billiger Miete Wohneigentum gefördert werden? z.B. Wegfall der Grunderwerbssteuer für die erste Immobilie? Mieter tragen null Risiko und die günstigen Finanzierungskonditionen gelten doch für alle.

      Letzter Punkt. Eure Einschätzung der Vermieterrechte sind blanker Hohn. Bei nicht erfolgter Zahlung der Miete braucht es Monate bis man Räumen kann und hat am Ende 15.000€ auf der Uhr für Gericht, Räumung, Mietausfall… Kann man dann zu Vollstrecken versuchen… Theoretisch.
      Ich fand diesen Beitrag höchst einseitig. Ein Trend den ich bei euch generell beobachte, find ich sehr schade da ich euch sehr schätze.

      • Hi Max, danke für Deinen Kommentar. Schade, dass Du den Block einseitig fandest. Ich bin Vermieter, insofern kann es daran eigentlich nicht gelegen haben.

        Zum Thema Wohneigentum: ja, eine Förderung wäre sicher sinnvoll, wobei die Grunderwerbssteuer von ein paar tausend Euro den Kohl nicht fett macht. Und man muss sehen, dass Eigentum für breite Kreise der Bevölkerung keinen Sinn macht, wegen der Mobilität oder auch der beruflichen/finanziellen Situation.

        Zu den Vermieterrechten: Natürlich kann es teuer werden, wenn ein Mieter einfach nicht zahlt. Das ist aber kein Problem der Rechtslage – ich wüsste jedenfalls nicht, was man da ändern könnte. Einem Nackten kann man eben nicht in die Tasche fassen. Das Risiko des Zahlungsausfalls trifft jeden, der Geschäfte macht. Und deswegen haben wir das Phänomen Mietnomaden auch nicht erwähnt: Uns ging es darum, warum Mieter die Mietpreisbremse nicht gegenüber ihren Vermietern durchsetzen – vermutlich, weil sie Angst haben, dass ihnen gekündigt wird, letztlich egal ob zu Recht oder nicht.

        • Zum Thema moderner Arbeitsmarkt und dem daraus angeblich resultierenden Zwang zur Miete.
          Ich habe in FR und UK gearbeitet. In beiden Ländern sind die einmaligen Transaktionskosten beim Immobilienkauf deutlich geringer als bei uns. Nehmen wir mal folgendes an: eine Immobilie ist ohne Maklergebühr, Grunderwerbssteuer und pauschal 500€ Notarkosten zu kaufen. Warum soll ich dann zur Miete leben. Dann kann sich der Immobilienkauf auch ab 2-3 Jahren lohnen. Bei uns sind pauschal zwischen 7 und 12% des Kaufpreis an Kosten weg. Die muss ich dann erstmal wieder reinwohnen also lohnt sich das Eigenheim erst ab 15 Jahren Jobperspektive am Standort.

          Ich bin der Meinung, diesen Konflikt muss man aufräumen. Das SPD Argument: das sei ja nur einmalig (Grunderwerbsteuer) ist dann auch hinfällig.

        • Für “die paar Tausend Euro” bekommt der Hauseigentümer aber nichts. Für den Rest einen Wert den er wieder zu Geld machen kann.

      • “2. Ohne ein Mehr an Wohnungen wird weiterhin immer der besser simulierte (aus Sicht des Vermieter) bevorzugt werden. Egal wie ‘niedrig’ der Preis ist.”

        Das ist ein wichtiges Argument, das wir vergessen haben. Danke.

        • Und gemeint war vermutlich “der besser situierte”, oder?

        • Genau, und auch hiergegen hat man als Mieter keine Handhabe. Eigentlich ist es gesetzlich nicht gestattet, vom Mieter Auskünfte über die Vermögensverhältnisse zu verlangen, de facto, wird man aber sofort aussortiert, wenn man zu einer Wohnungsbesichtigung nicht Schufa, Gehaltszettel und manchmal sogar eine Erklärung über Mietschuldenfreiheit des letzten Vermieters mitbringt. All diese persönlichen Daten zirkulieren dann großflächig in der Stadt. Datenschutzrechtlich eine Katastrophe, die Politik interessiert es nicht, der freie Wohnungsmarkt ist sakrosankt.

      • “1. Die Preise für Immobilien sind rasant gestiegen. Warum soll sich das nicht in den Mieten widerspiegeln?”
        Das ist wirklich ein klassischer Zirkelschluss. Die Immobilienpreise steigen ja gerade wegen eines völlig entfesselten Marktes, auf dem es keinen Zusammenhang mehr zwischen dem Zustand des Angebots und der Miethöhe gibt. Regelmäßige Mieterhöhungen oder Staffelmieten sind in Ballungsräumen keine Seltenheit und gehen nicht mit Aufwertungsmaßnahmen (bisweilen nicht einmal mit mehr als den allernötigsten Instandhaltungsmaßnahmen, ich weiß, wovon ich spreche) einher. Wenn jemand nun ein Haus vor zwanzig Jahren gekauft oder – noch besser – es geerbt hat, dann hat er ja keine Investition zu refinanzieren. Er profitiert von steigenden Preisen und erhöht einfach immer weiter die Gewinnmarge. Genau das passiert im Moment in den großen Städten (natürlich nicht auf dem Land).
        Mieter sind derweil in einer Zwangslage und haben immer größere Angst, irgendwann ohne halbwegs bezahlbare Wohnung dazustehen. Gleichzeitig zwingen viele die Arbeitsmarktreformen, ständig mobil zu sein, d.h. lang laufende Verträge mit vergleichsweise günstigen Mietkonditionen, wie sie bei unseren Eltern noch die Regel waren, werden immer seltener. Auch daher bringt ein Klagerecht gegen Vermieter wenig, selbst wenn man die Transparenzregeln erhöht. Bei den Schwierigkeiten, die man heute hat, den Umständen entsprechend halbwegs akzeptablen Wohnraum zu finden, hält man lieber still, als sich gleich mal als erste Amtshandlung mit dem Vermieter anzulegen.
        Wohnen darf genau wie Ernährung und Gesundheit als Teil der Daseinsvorsorge nicht einfach dem Markt überlassen werden. Man hat nämlich als Konsument in diesen Bereichen nicht die Möglichkeit, ein Angebot einfach abzulehnen, egal wie unverschämt es ist.

      • Man kann am Beitrag gut erkennen, dass es vor allem einen psychischen Verwertungsdruck für Vermieter gibt. Denn es gibt schließlich keinen rationalen Grund, mehr als die vereinbarte Miete zu nehmen, nur weil allgemein die Immobilienpreise steigen oder weil die Altmieter alte Verträge noch haben. Warum sollte die Wohnung mit Zeitablauf mehr wert sein dadurch?

        Dass man für Verbesserungen keine Rendite hat, ist vor dem Hintergrund der Modernisierungsvorschriften in der Regel auch falsch, denn wenn der Mieter keine finanzielle Härte einwenden kann, muss er dummdämlich die Modernisierung abbezahlen und selbst wenn sich die abbezahlt immer noch weiterzahlen monatlich. Die Lizenz zum Gelddrucken.

        Auch der Hinweis auf das Wagnis der Mietzahlung hat sich doch seit Jahren nicht verändert. Die meisten Mieter zahlen ihre Mieten pünktlich und streiten sich meist nur bei Veränderungen (Mieterhöhungen, Betriebskosten). Insoweit ein ruhiges, berechenbares Geschäft, wobei das Wagnis eingepreist sein sollte. Ich weiß nicht, ob es für Vermieter Mietausfallversicherungen gibt, aber letztlich ist das typische Risiko eines Vermieters. Der Vermieter wird auch durch die zackige Kündigungsregelung bei Verzug geschützt und die Amtsgerichte entscheiden Räumungsklagen beschleunigt. Der finanzielle Verlust kann im Zweifel also nicht so hoch sein. Ich verstehe natürlich, dass grad bei Privatvermieten mit wenig Mieteinheiten das ein Problem sein kann, aber jedes wirtschaftliches Handeln ist mit Frustationen und Risiken verbunden. Im Vergleich zu den normalen Tätigkeiten verdient ein Vermieter, gerade in Großstädten oder Uni-Städten, wohl immer noch angemessen. Was ich aber zugestehe, ist, dass gerade Privatvermieter von den Horrorstories der Mietnomaden in den letzten Jahren immer psychisch betroffen sind, auch wenn sie selbst nicht betroffen waren, aber wenn ein bekannter Vermieter so etwas miterlebt hat oder es in der Zeitung steht, betrifft das gleich emotional eine Menge anderer Vermieter, insbesondere Privatvermieter. Das ist zwar verständlich, geht aber am Thema letztlich vorbei.

    11. Wie seht ihr eigentlich die Regierungs(un)fähigkeit der Partei “Die Linke”? Herr Oppermann und Herr Steinbrück haben sich ja erst kürzlich wieder sehr kritisch geäußert. Mich würde eure Einschätzung dazu interessieren.

      Herr Oppermann bezieht sich meines Wissens nach auf die Aussagen einiger Vertreter der Linken zur NATO und zur EU.
      So unsympatisch mir der Bartsch auch ist, so ist sein Vorschlag die NATO unter Einbezug Russlands umzustrukturieren doch aus Friedenspolitischer Sicht äußerst sinnvoll und auch längst überfällig.
      Und dies hier: https://www.die-linke.de/partei/dokumente/programm-der-partei-die-linke/iv5-wie-wollen-wir-die-europaeische-union-grundlegend-umgestalten-demokratie-sozialstaatlichkeit-oekologie-und-frieden/ klingt für mich gar nicht so, als seien die Linken gegen die EU.

    12. 28. Mai 201710:57
      Dirk Hagener

      Hallo

      prima Folge wie immer! Eine Anregumg zum Nachdenken: Ich glaube dass die Zahl der Verkehrstoten und die durch Krankenhauskeime nicht vergleichbar sind mit Toten durch Terror. Für mich liegt den Unterschied in bewusst gewählten gesellschaftspolitischen Zielen: Der Staat will hohe Mobilität und ein finanzierbares Gesundheitswesen zur Verfügung stellen. Man kann sicher darüber streiten, ob man dafür freie Fahrt für freie Bürger, schlecht bezahlte Berufe im Gesundheitswesen oder gar schlecht desinfizierte Krankenhäuser in Kauf nimmt, aber am Ende sind diese Folgen und damit auch die Toten – auch wenn das arg zynisch klingt – Kollateralschäden einer bewusster gesellschaftspolitischen Entscheidung, die die Politik in Massnahmen umsetzt. Dies ist beim Terror anders. Klar kann man argumentieren, dass durch verfehlte geostrategische Politik der Westen die Geister die er rief nicht mehr in die Flasche bekommt, aber ich denke, einen so klaren Kausalzusammenhang wie zwischen Mobilität und Verkehrstoten gibt es beim Thema verfehlter Nahostpolitik und Terror auf dem Breitscheidplatz und Manchester nicht. Ich denke die deutsche Politik hat mit ihrer Nahostpolitik zumindest nicht bewusst Terror als Kolleratalschaden in Kauf nehmen wollen und kann daher auch eher “rational” ( ..und das war das Wort was mir an Ulf’s Argumentation missfiel) gegen den Terror vorgehen. In welchen Umfang und welchen Massnahmen, da lässt sich sicher trefflich streiten, aber ich finde schon, dass die Ausgangssituation politischer Massnahmen eine andere ist.

      Freu mich schon auf die nächste Folge
      viele Grüsse aus dem sonnigen Haarlem

    13. 28. Mai 201711:07
      ErnstGemeint

      Die (emotionalen und) besonnenen Worte der Lage zum Thema Manchester und Terror allgemein, mit Empathie für die Hinterbliebenen und Fokus auf das Gute, vermisse ich in dieser Klarheit von unserem obersten Staatsorgan, der genau diese Aufgabe inne hat. Deshalb: die Lage for President!

    14. 28. Mai 201711:21
      psychologe

      Zum Thema G8/G9:

      Ich persönlich störe mich an der Formulierung “man verliere ein Jahr”, die auch der zugeschaltete Gast hier verwendet. Das habe ich noch nie verstanden. Was verliert man denn da eigentlich? Rückblickend habe ich eigentlich ganz schöne Erinnerungen an meine Schulzeit, und das geht meinem Umfeld soweit ich das sehe auch so. Ein Jahr mehr hat mir da glaube ich nicht geschadet. Das gleiche “Argument” gab es damals mit der Abschaffung des Zivildiensts, auch das war für mich kein “verlorenes” Jahr. Auch mein Studium hat ein bisschen länger gedauert, was ich auch nicht als “verlorene Zeit” begreifen würde.

      Vielleicht basiert das auf dieser Illusion, dass ein Masterabschluss mit 23 heutzutage ein Garant oder zumindest eine Grundvoraussetzung für einen erfüllenden Job sei und man dafür seine Jahre eben “sparen” müsse. Aus meiner Erfahrung in Jobinterviews war mein fortgeschrittenes Alter (29 beim Masterabschluss) für mich nie ein Thema oder ein negativer Faktor. Im Gegenzug wurde die Erfahrung aus dem Austauschstudium (ja, inklusive Party-Erasmusjahr), Zivildienst etc. eher positiv aufgenommen, denn die neuen Kollegen und der Chef wollen ja auch mit einem Menschen zusammenarbeiten, und nicht mit einer leblosen Maschine. In meinem erweiterten Freundeskreis habe ich aber auf der Gegenseite 3 “Sparer”, die mit ~23 ihre Promotion/ihren Job angefangen haben, und kurz darauf feststellten, dass das ja eigentlich doch nicht ihr Traumberuf ist. Da stellt sich für mich die Frage, wer denn hier eigentlich seine Zeit “verliert”.

      Das sind natürlich alles anekdotische Berichte. Zur Einordnung: Ich habe Psychologie und Bildungswissenschaften studiert, wo der Arbeitsmarkt derzeit nicht so durchdreht, wie es bspw. in der Informatik der Fall ist.

      • Das zusätzliche Schuljahr wurde und wird eher aus der Warte der Allgemeinheit als “verloren” gewertet, denn aus der Perspektive der einzelnen Schüler und ihres Umfelds. “So schön wie während der Schulzeit hat man es nie wieder” ist ja ein Gemeinplatz.

        Verloren sind halt die Mittel, die die Gesellschaft für dieses weitere Schuljahr aufbringt.

        • In Bezugnehmend auf die Aussage das die Studenten schlechter werden kann ich aus meiner erfahrung sagen das bessonders dieser Punkt von zwei Professoren bei uns an der Studiengang vertreten wird.

          Der eine Professor hat uns Vorlesungen lang erklärt warum wir ncht das Nivaut haben das wir haen sollten so das wir nicht mit den Stoff der vorgesehen ist in der vorlesung durchgekommen sind.

          Der Andere Professor Hält von den der Definition der Lerinhalte nichts und Stellt slle Par Semester die Prüfungsart von Schriftlich auf Mündlich um und umgekehrt. Aber wenn jemand etwas zu spät kommt wird er runter gemacht das er “inerhalb von kürzester Zeit die Konzentration der Studenten, die er mühvol aufgebaut hat, zerstört hat.

          Das soll die These nich voll unterlaufen aber Fälle von Negativen Zusammenhängen der Vorstellung der Professoren und den Leistungspensum Zeigen.

          Im diesen Zusammenhang fällt mir in letzter Zeit immer mehr auf das gewisse grundkäntnisse von denen ich eine Ahnung habe bei Kommilitonen fehlen.

          Das fängt bei Programmier Grundlagen an, geht über Technsiches Zeichnen, hin zu dem das einige studenten in Diskussionen nur noch Pokern ob ihre Antwort richtig ist.
          Jedoch sind sie in vielen fällen sauer wenn man die Sachverhalte klarstellt.

          Zu meiner Ehrenrettung nur soviel ich bin bei weiten nicht der beste Student…

      • Das wichtigste an diesem Argument: “Wir” haben bereits zwei bis drei Jahre gewonnen. Durch Wegfall der Wehrpflicht UND durch Umstellung auf Master/Bachelor, was gegenüber dem früheren Diplom eine spürbare Verkürzung der Studienzeiten (nicht Regelstudienzeit, sondern v.a. Realweltstudienzeit) gebracht hat.

        Wir reden immer darüber, dass wir in einer Wissensgesellschaft sind, verkürzen aber gleichzeitig die Zeiten, die für Bildung zur Verfügung stehen? Da komme ich nicht mit. Auch nicht bei G8 vs G9. Mit einem Jahr weniger bringe ich den Kindern den Kindern das gleiche bei wie vorher, ohne dass der Stress steigt? Und das auch noch der gleichen Anzahl von Kindern (mal hart gesagt: Ich kann auch auf G6 gehen, wenn ich nur noch 15% eines Jahrgangs zum Abi bringen will)?

        Die wichtige Frage wäre IMHO: Ist es besser, mehr Lehrer einzustellen und dafür in G8 die Klassen zu verkleinern und individuelleren Unterricht zu machen ODER ist es besser, diese zusätzlichen Lehrer in G9 bei gleichbleibender Klassengröße länger unterrichten zu lassen? Aber da die Untersuchungen/Studien schon bei einem Einflussparameter IMHO nicht mehr sauber sind, werden wir wohl bei zwei Einflussparametern wohl nie zu einem nachvollziehbaren, sauberen, eindeutigen Ergebnis kommen. Dazu ist das Thema wahrscheinlich auch zu sehr ideologisch und politisch verseucht. Leider.

      • 29. Mai 201710:33
        Christian

        Volle Zustimmung: hier herrscht offenbar totale Begriffsverwirrung. G8 = ein Jahr früher Vollzeit im Büro dahinvegetieren = ein verlorenes Jahr. Motto: schon mal jemand auf dem Sterbebett murmeln hören: “Mensch… hätt ich doch damals ein Jahr früher angefangen!”

    15. Ich möchte gerne noch auf diesen Beitrag im Beck-Blog zum NetzDG hinweisen von Marc Liesching:

      https://community.beck.de/2017/05/26/netzdg-entwurf-basiert-auf-bewertungen-von-rechtslaien

      Eine der maßgeblichen Begründungen des Entwurfs war die angeblich mangelhafte Handlungsreaktion zu “eindeutig strafbaren Handlungen” im Monitoringbericht. Bewertet wurde das größtenteils aber von Nichtjuristen und ist damit sehr fraglich, ob Facebook & Co. hier überhaupt tätig werden hätten müssen.

      Der kurze Beitrag schließt mit der berechtigten Frage:

      “Soweit Herr Maas – nach Spiegel Online – “ein Warnsignal an juristisch zu nachlässige Plattformbetreiber” senden will, muss die Gegenfrage erlaubt sein, auf welcher juristischen Sorgfalt die Erkenntnisgrundlagen beruhen, welche nunmehr die massiven Eingriffe in alle Grundfreiheiten des Art. 5 GG legitimieren sollen. Eine Antwort, weshalb in allen festgestellten Fällen vermeintlich “strafbarer” Inhalte keine Rechtsdurchsetzung – weder durch die Strafjustiz, noch die Medienaufsicht – erfolgt ist, wird nicht gegeben.”

      Dem kann ich nur zustimmen. Ich bin mir sicher, dass das im BMJV auch diskutiert wird, aber dass das vom Minister nicht offen angesprochen wird, obwohl er grad auf Werbetour ist, lässt erahnen, dass keine juristisch geeignete Lösung gefunden wurde, so dass man das so kurz vor der Bundestagswahl lieber durch den Bundestag und Bundesrat schickt und dann schon noch hofft, dass die Justiz etwas Sinnvolles drausmacht.

      So darf man wohl auch die Owi-Vorschrift verstehen. So eine Systemversagens-Owi ist wirklich der Höhepunkt der gesetzgeberischen Inkompetenz, da hier bei einer Strafnorm das Bestimmtheitsgebot eingehalten werden muss. Wie soll das bei einer solchen Gummi-Norm aber möglich sein, wenn nicht klar definiert ist, ab wann das zutreffen soll. Warum hier Ulf nicht drauf eingeht, erschließt sich mir auch nicht.

      Man kann natürlich als Groko-Gesetzgeber hoffen, dass die Justiz gnädig sein wird und hier sich herummogeln wird wie sie es sonst macht (verfassungskonforme Auslegung), allerdings beim Owi-Recht ist der Spielraum unter Bezug auf die Wort-Auslegung denkbar gering. Vielleicht ist das den Juristen im BMJV auch schon bewusst gewesen, dass diese Norm nur zur Abschreckung dienen kann. Amerikanische Unternehmen haben sowieso ein anderes Rechtsverständnis, da geht es bei Verstößen schließlich um eine Risikoabwägung und da spielen hohe Bußgelder/Strafen dann eine größere Rolle.

    16. 28. Mai 201713:58
      Martin A.

      Warum der Vergleich von Anschlagsopfern mit Verkehrstoten unangebracht ist.

      Der NSU hat in 9 Jahren 9 Mitbürger mit Migrationshintergrund umgebracht. Alleine im Jahr 2015 sind mindestens 3.771 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Und ich bin mir auch sicher, dass es mehr als neun Menschen mit Migrationshintergrund unter den Unfalltoten gab.

      In meiner Wahrnehmung ist das “Argument” mit eurem vergleichbar. Und jetzt stellt euch vor, ihr hättet dieses oder ein ähnliches Argument nach dem Aufdecken des NSU ausgesprochen.

    17. Ich finde in den Bereich “Manchester / Risikoabschätzung / Ursachen” hätte auch die aktuelle Debatte in England reingepasst.

      Dort ist ja mittlerweile Wahlkampf, der entgegen aller Erwartungen doch noch spannend wird. Corbyn hat dort richtigerweise darauf hingewiesen das die Interventionen im nahen Osten (an denen die Briten ja beteiligt sind) einen wichtigen Aspekt darstellen, der bisher in der öffentlichen Debatte vernachlässigt wurde.

      Er wurde dafür natürlich gleich mal als “Sympathisant” bzw Apologet hingestellt, aber die Ansicht das die Beteiligung an Kriegen im nahen Osten die Wahrscheinlichkeit islamistischer Anschläge gegen die kriegsführenden Parteien im Heimatland erhöht haben auch schon konservative Politiker vertreten, es wurde nur nicht medial aufbereitet.

      IMO muss die Debatte sich dorthin verlagern. Jede weitere Bombe / Rakete die in der Region niedergeht erhöht nur das Gefahrenpotential und erschafft Menschen die mit etwas Indoktrination bereit sind sich in die Luft zu sprengen.

      • 28. Mai 201720:48
        Stefan H.

        Das heißt also wenn ein Land sich dem Krieg gegen den Terror verweigert ist es automatisch sicher vor Terrororganisationen weil diese Gentlemanclubs nur aus besten Selbstverteidigungsabsichten Kinder mit Bomben zerfetzen? Dann sollte Deutschland dringend mit den Luftangriffen in Syrien aufhören damit sich soetwas wie Berlin nicht wiederholt – oh wait…

        • Es gibt eine deutliche Korrelation zwischen dem militärischen Engagement einer Nation in nahen Osten und terroristischen Angriffen in diesem Land. Selbstverteidigungsabsichten? Vielleicht. Vielleicht ist “Rache” ein passenderer Begriff.

          Und natürlich ist nichts auf der Welt vollständig monokausal. Belgien hat sicher eher kleine Kontingente im Krieg gegen den Terror, aber dafür verhältnismäßig viele Anschläge erlitten. Da spielt sicher mit rein das es dort eine ausreichend große Menge an Moslems gibt die radikalisiert werden können. Aber man zähle mal die Anschläge die z.B. gegen die Schweiz, Österreich oder Dänemark verübt worden sind und vergleiche mit den Zahlen für Frankreich, England und Deutschland.

          Die hassen nicht “unsere Freiheit”. Die hassen unsere Bomben.

        • 29. Mai 201718:59
          Stefan H.

          Gibt es in der menschlichen Geschichte ernstzunehmende Hinweise, dass Appeasment dauerhaft wirkt? Das dauerhaft Frieden einkehrt, wenn wir die Truppen aus aller Welt abziehen und Syrien, Afghanistan, Ägypten usw. dem IS überlassen? Oder haben wir nicht eigentlich auch eine historische Verantwortung die zivile Bevölkerung dort eben nicht verrückten Massenmördern auszuliefern?

        • Zum Thema “Verrückte Massenmörder”: http://www.bundeswehr-journal.de/2015/rund-13-millionen-tote-durch-krieg-gegen-den-terror/
          “2006 beispielsweise veröffentlichte eine Gruppe von Wissenschaftlern um den US-Epidemiologen Les Roberts eine mortalitätsbasierte Studie in der bekannten Medizinfachzeitschrift The Lancet. In dieser Studie („Mortality after the 2003 invasion of Iraq: a cross-sectional cluster sample survey“) wurde die Zahl der Todesopfer nach damals drei Jahren Krieg und Besatzungszeit im Irak auf etwa 655.000 geschätzt. Das angesehene Londoner Meinungsforschungsinstitut Opinion Research Business (ORB) veranschlagte 2007 vor dem Hintergrund der Ergebnisse einer ORB-Bevölkerungsumfrage sogar mehr als eine Million Tote bis zu diesem Zeitpunkt.”

          Und zum Appeasement: Ja, gibt es. 1989/90 – der Zusammenbruch des Ostblocks.

        • 30. Mai 20178:36
          Stefan H.

          Der Zusammenbruch des Ostblocks ist sicher nicht durch Appeasment zustande gekommen. Woher kommt den diese Behauptung?

        • -Natürlich ist der Ostblock auch durch eine Politik der Besänftigung und Annäherung gefallen.

          -Dauerhaften Frieden gibt es nicht. Basisdemokratische Länder fangen keine Kriege an, aber der Rest???

          -Den IS “powered by USA” gibt es jetzt nunmal, die Zivilisten die wir getötet haben bleiben auch Tod. Dem IS kann darf man nicht nachgeben, aber man kann seine Rekrutierungsbasis minimieren. 2003 wurde deutlich vor dieser Entwicklung gewarnt. Man kann ein Land nicht in den Boden bomben und anschließend von eigenen Firmen das ganze wieder aufbauen, die Personen vor Ort brauchen Arbeit, die so gut bezahlt wird, dass sie darauf nicht verzichten wollen. Das brauchen wir in Europa zufälligerweise auch, nur ist hier die “gut bezahlt” Grenze deutlich höher.

          Das ist bestimmt teuer, den Irak nicht anzugreifen wäre wohl billiger gewesen.

        • 30. Mai 201716:38
          Stefan H.

          Die Rekrutierungsbasis minimiert man doch hauptsächlich in dem man den IS zurückdrängt, ihm Territorium, Geldquellen und vorzeigbare militärische Erfolge nimmt?

        • Die Rekrutierungsbasis für Anschläge in Europa besteht doch zu einem beträchtlichen Teil aus Europäern mit Migrationshintergrund. Belgien, Frankreich, etc.

          Wie genau soll man die durch irgendwelche Landgewinne in Syrien beeindrucken? Genau das Gegenteil tritt ein, die bei solchen militärischen Aktionen unvermeidlichen Opfer dienen als Rechtfertigung für Anschläge.

          Und was für Geldquellen braucht man denn bitte um ein Auto in eine Menschenmenge zu lenken? Die paar Euro für einen Mietwagen wird der ausreichend fanatische Attentäter in spe im Zweifel auch vorstrecken.

          Die “wir gegen die”-Mentalität muss durchbrochen werden.

        • https://en.wikipedia.org/wiki/Appeasement
          Appeasement in a political context is a diplomatic policy of making political or material concessions to an enemy power in order to avoid conflict
          Passt doch. Im Kalten Krieg standen sich beide Seiten feindlich gegenüber, haben aber bei Zuspitzungen des Konflikts mittels politischer und materieller Zugeständnisse verhindert, daß aus dem Kalten ein Heißer Krieg wurde. Siehe Kubakrise oder die Milliardenkredite für die DDR 1983 bzw 1984.

        • Das Thema hat sich doch wohl schon erledigt oder hat die ehemalige Antikriegspartei 2001 nicht ihre Ärmchen gehoben? Wir tragen an jedem einzelnen Toten in dieser Region spätestens seit 2001 eine Mitschuld. Wir unterstützen andere beim Morden und das bleibt halt nicht unbemerkt und damit bekommt man eine Rechtfertigung gebastelt, weshalb wir ein Ziel sind.

          Krieg gegen den Terror ist doch ein Widerspruch, muß das nicht “Krieg für den Terror” heißen?

        • 29. Mai 201718:39
          Stefan H.

          Diese Terroristen bekommen immer eine Rechtfertigung gebastelt und die heißt : Wir sind ungläubig. Punkt. Das reicht schon vollkommen aus. Auch gegen andere Moslems die nicht gläubig genug sind.

        • Das ist doch keine Rechtfertigung, die von einer logisch denkender Person geschluckt wird!
          Sie töten uns, wir töten sie…
          Wir benutzen es als Rechtfertigung um im Nahen Osten zu töten und sie benutzen es um hier zu töten. Ich finde das grauenhaft.

        • 30. Mai 201716:40
          Stefan H.

          Ein Selbstmordattentäter ist doch jenseits allen logischen Denkens angekommen.

        • Wie kommst du darauf? Jemand der sein eigenes Leben opfert, braucht ebenfalls eine auf logikbasierende Argumentationskette. Die mag kulturell geprägt sein und vielleicht von falschen Grundannahmen ausgehen, aber logisch sind sie ebenfalls. Natürlich ist eine solche Person häufig nicht mehr offen für andere Argumente.

          In US Actionfilmen wird gelegentlich auch mit solchen “falschen” Grundannahmen gearbeitet um die Rechtfertigung aufzubauen sein eigenes Leben für ein höheres Ziel weg zu werfen.

    18. 28. Mai 201715:35
      schupunkt

      Zum Thema Wohnungsmangel: Meiner Meinung nach ist das einzige Effektive Mittel gegen überhöhte Mieten, mehr Wohnungen. Natürlich liegt das überhaupt nicht im Interesse der Vermieter, denn die Wohnungsknappheit lässt die Gewinne dieser Unternehmen deutlich steigen, deshalb kann man ewig warten bis der Markt dieses Problem selber gelöst hat, das wird nie passieren. Denn warum sollte ich als Vermieter freiwillig dafür sorgen das ich mit mehr Wohnungen den Gewinn pro Wohneinheit verringere? Bedeutet also, wenn man das ändern will, muss es der Staat selber tun (meiner Meinung nach ähnlich wie beim Glasfasernetz).

      Zum Thema Schulen: Ich kann schon irgendwie verstehen das Lehrer (und auch Eltern) bei Schülern aus Arbeiter-Haushalten oder zumindest mal aus nicht-Akademiker-Haushalten im Zweifel eher die Realschule empfehlen und nicht das Gymnasium. Denn früher oder Später gibt es Probleme in der Schule (vermutlich bei fast jedem Kind), Akademiker können in diesem Fall vielleicht selber helfen und falls nicht, haben sie das nötige Einkommen für Nachhilfe. “Abeitger-Eltern” wissen von vornherein das sie ihrem Kind nicht werden helfen können, wenn es Probleme gibt und Nachhilfe ist wirklich extrem teuer und kann nicht von jedem finanziert werden.
      Wenn man dass lösen will müssen also Nachhilfeangebote deutlich günstiger werden, bzw. müsste es direkt von der Schule entsprechende Angebote geben. Dann könnten Lehrer ihre Empfehlungen viel leichter auf Grund der schulischen Leistungen der Kinder aussprechen und müssten nicht ihren Background berücksichtigen. Bildung muss also viel mehr von den finanziellen Möglichkeiten der Familien entkoppelt werden.

      Was auch gar nicht in “der Lage” thematisiert wurde ist der zweite Bildungsweg, mich hätte dazu mal interessiert wie es da in anderen Ländern aussieht, gibt es in der restlichen Welt ähnlich umfangreiche Möglichkeiten über den zweiten Bildungsweg auch sogar zu akademischen Abschlüssen zu kommen?
      Zustimmen kann ich allerdings darin das dem Format in dem unterrichtet wird viel zu Wichtigkeit beigemessen wird. Meiner Meinung Nach ist es bestenfalls drittrangig ob die Kids in einem dreigliedrigen System oder in einem zweigliedrigen oder sonst wie unterrichtet werden. Wichtig ist das die konkreten Umstände berücksichtigt werden! Es kann nicht sein das ne Hauptschulkasse mit mehreren Problemfällen 30 Schüler fasst, da kann der Lehrer noch so engagiert sein, zwangsläufig fallen dann einige hinten runter.
      Selbst in der Grundschule ist es mittlerweile normal das dort mehr als 25 Schüler in eine Klasse gehen, sobald da ein Kind mehr Aufmerksamkeit braucht, ist es praktisch verloren. Und wenn das Kind in der Grundschule bereits den Anschluss verpasst hat, wie soll es das später wieder aufholen, der Abstand wird von Jahr zu Jahr größer und dass Scheitern ist vorprogrammiert.
      Die Klassen müssen also wieder deutlich kleiner werden!
      Alle reden immer davon das es immer weniger Kinder gibt, aber anstatt das man diese Gelegenheit nutzt um durch kleinere Klassen mehr Qualität in die Schulen zu bringen, schließt man Schulen und streicht eher noch Stellen oder legt Klassen Zusammen. Denn heute muss ja alles immer effizient sein, egal ob dabei der Mensch vergessen wird, im Bildungs- und Gesundheitswesen ist das, meiner Meinung nach, aber einfach der falsche Weg!

    19. 28. Mai 201715:52
      Sebastian

      Liebe Lage,
      wie fast immer: Danke für die gute Folge. Neben den Erkenntnissen zur Schulpolitik hat das Interview meiner Meinung nach noch etwas deutlich gezeigt: wie gut es ist, empirisch forschende Wissenschaftler zu ihrem Themengebiet zu befragen, die genau sagen können, was sie wissen und wozu “die Wissenschaft” empirisch noch keine Erkenntnisse hat. Das lässt sich meiner Meinung nach auf alle Sozialwissenschaften übertragen, nicht zu letzt auf die Wirtschaftswissenschaften.

      • 29. Mai 20178:26
        Psychologe

        Warum nur auf die Sozialwissenschaften? Ich würde behaupten, das könne man auf alle Wissenschaften übertragen.

        • 29. Mai 201710:06
          Sebastian

          Absolut und keine Frage. Ich kenne mich nur in den Wirtschaftswissenschaften gut genug aus, um da qualifiziert was zu sagen zu können, und dort liefert die Empirie gerade in Punkto Wirtschaftspolitik erst seit relativ kurzer Zeit die Beiträge, die sie liefern kann und sollte. Mein Klischee sagt mir, dass das insb. in den Naturwissenschaften keine Debatte ist, aber da mag ich falsch liegen. Und mit Blick auf experimentell-empirische Geisteswissenschaften fehlen mir etwas die Fantasie und die Vorkenntnisse. Die Psychologie (→ihr username) hätte ich unter Sozialwissenschaften eingeordnet (auch wegen der Überlappungsbereiche mit den Wirtschaftswissenschaften die ich kenne), aber auch dafür bin ich kein Experte.

    20. 28. Mai 201718:38
      Dave Bowman

      27 Hausarbeiten an einer Hochschule, verlangt waren 8-12 Seiten. Von den 27 waren 8 in einem sprachlichen Zustand, dass der Gesamtzusammenhang der ja nicht allzu langen Arbeiten in Unverständlichkeit versank, teilweise schon innerhalb eines einzigen Absatzes. Gelegentlich grenzte das Gebotene in seiner Sinnverweigerung an Dadaismus.

      Und ganz im Gegensatz zu dem, was Pisa etc. sagt, kann ich im 11. Jahr Hochschullehrer behaupten: es wird tatsächlich tendenziell immer schlechter. Und da sind die Jahrgänge, die nach der Reichen-Methode Schreiben gelernt haben, noch gar nicht dabei. Ich befürchte also, dass das auch mittelfristig nicht besser wird.

      Will ich mich über die Studierenden lustig machen? Nein, keinesfalls. Mindestens sechs der acht haben tatsächlich ihr Bestes gegeben, haben gut recherchiert, gute Ideen gehabt – und die dann nicht zu Papier bringen können. Es liegt aber auch nicht daran, dass sie einfach physiologisch zu wenig intelligent wären, sprachlich schlicht zu unbegabt.

      Gleichzeitig haben zehn Arbeiten einigermaßen mühelos die Grenze zur glatt guten Note übersprungen und sprachlich wenige Probleme gehabt. Zumindest so wenige, dass man davon ausgehen kann, dass sich die paar Fehler auch noch von selbst auswachsen.

      Woran liegt das, dass der Deutschunterricht offenbar ein Drittel der Gymnasiasten so überhaupt nicht mehr abholt, sich von ihm irgendwann desinteressiert abwendet und ihn dann mit den sprachlichen Kompetenzen von 12-jährigen das Abitur bestehen lässt? Woran liegt es, dass ein familiärer Hintergrund aus sprachlicher Vernachlässigung an den Schulen nicht mehr aufgefangen wird. Mein Großvater war Bauer, hatte sechs Jahre Schulbildung, aber die Briefe, die er an seine Verlobte schrieb, sind völlig fehlerfrei und stilistisch sauber. Er war erst die zweite Generation in der Familie, die überhaupt Schulpflicht kannte. Und er wohnte in einem Teil Deutschlands (Vorderrhön), in dem Hochdeutsch erste Fremdsprache war.

      Was glauben die Kultusminister, wird aus Menschen, die zwar mit Abitur, aber nicht einer einzigen richtig gelernten Sprache in die Eigenverantwortlichkeit entlassen werden?
      An den Hochschulen wächst ein zahlenmäßig starkes, sprachliches Lumpenproletariat heran, das nicht mehr fähig ist, in seiner Muttersprache auch nur halb-komplexe Zusammenhänge zu formulieren. Diese Leute werden irgendwann bestenfalls mit 3,7 oder 4,0 ihren Bachelor machen und dann überwiegend auf der Straße sitzen.

      Mit der Verlotterung der Sprache geht eine des Denkens einher. Man kann nicht denken, was man nicht zu formulieren gelernt hat. Wenn wir über die Sprachverrohung in den sozialen Medien reden, wenn wir über den Niedergang des politischen Diskurses reden, wenn wir darüber reden, dass weite Teile der Bevölkerung und auch der Akademiker ein nur primitives Verständnis der Funktionsweise einer modernen Demokratie besitzen, dann müssen wir klar erkennen, dass es vielen Menschen in Deutschland an der Sprache fehlt, die moderne, komplexe Welt verstehen zu können.

      Ich könnte jetzt mit dem Niedergang einfachster mathematischer Zusammenhänge weitermachen, die nichts Gutes für die Fähigkeit, Syllogismen zu bilden ahnen lässt, aber das schlägt letzten Endes in dieselbe Kerbe. Die Schulen versagen dabei, die weniger Talentierten oder Interessierten auf ein Niveau zu bringen, das eine entwickelte Gesellschaft benötigt, wenn sie nicht an Ignoranz sterben will.

      Ich klage auch nicht die Deutsch- (und Mathematik-) Lehrer an. Ich bin mir sicher: die meisten von ihnen tun, was sie können. Aber die Frage muss erlaubt sein und gestellt werden: Warum können sie so wenig tun? Warum werden so viele sehr junge Menschen schon während ihrer Schulzeit am Wegrand zurückgelassen?

      • Ich betreue regelmäßig Abschlußarbeiten einer naturwissenschaftlichen Fachrichtung. In den Arbeiten ist keine besondere Komplexität dafür jedoch sprachliche Präzision gefragt. Auch mir scheint es in den letzten Jahren bergab zu gehen, was die Ausdrucksfähigkeit und auch die Rechtschreibung angeht.

        Ich glaube jedoch nicht, dass hier die Schule verantwortlich ist. Stattdessen sind einfach die Texte, die die Studenten in ihrem bisherigen Leben gelesen haben, völlig andere als noch vor zehn Jahren. Die Texte in Büchern, Magazinen, Zeitungen, selbst Werbeanzeigen unterliegen einer gewissen Qualitätskontrolle. Bis vor kurzem gab es sonst allenfalls Handschriftliches zu lesen. Heute dagegen entspringt ein Großteil der Lektüre der “jungen Leute” (dass ich sowas mal schreibe!) aus dem Netz und Kommunikationsprogrammen. Da Texter en jeder, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.

      • Ein leeres Blatt mit strukturierenten Gedankengängen zu füllen, ist nicht leicht. Vernünftige Hausarbeiten an Universitäten und Hochschulen zu schreiben ist daher auch eine Kunst für sich.

        Wenn sich da offenbar ein Sprachfindungs- bzw. Denkproblem zeigt, sollte man zuerst mal schauen, ob es einfach an praktischer Übung oder ggf. Beispielen gefehlt hat. Typischerweise wird von den Schülern und Studenten in Schule und Uni/Hochschule verlangt, den erlernten Stoff wiederzugeben. (Wissenschaftliche) Hausarbeiten funktionieren aber selten so. Die Beschäftigung und Auseinandersetzung setzt Methodik voraus, die im Gymnasium selten gelehrt und noch seltener gefordert wird. Allgemeinbildende Schulen vermitteln Wissen, aber nicht zwingend den Umgang mit Wissen. Das kann man kritisieren, aber wenn man sich ansieht, wie wenig Zeit am Ende für ein einzelnes Thema bleibt, ist das Durchhetzen durch den Lehrplan vermutlich anders nicht zu bewältigen.

        Bevor man das Schulsystem, die Familien, die Politik, usw. kritisiert, sollte man da eher bei sich selbst ansetzen und schauen, welche Angebote es da vorort gibt. Propädeutische Übungen/Einführungsveranstaltungen, geförderte studentische Arbeitsgemeinschaften, Zusatzangebote usw. können das teilweise leisten. Dass ein Student mit dem frischen Abiturzeugnis in der Hand bereits Methodik und Übung drauf hat, war noch nie der Fall…

        @ Ulf/Philipp:

        Ich hätte mir gewünscht, dass ihr beide im Interview auch euren Gast fragt, ob der Zeitpunkt des Aussortierens in Deutschland falsch gewählt ist. In Berlin muss man sich regelmäßig erst zum 7. Schuljahr entscheiden, wohin die Reise geht. In Westdeutschland wird regelmäßig zum 5. Schuljahr entschieden, welche Schulform das Kind besuchen darf, teilweise noch nicht mal als Empfehlung. Dass man schon so früh aussiebt, ist für mich ein Unding. Ich hätte gerne auch gewusst, ob Lehrer bei einer solchen wichtigen Entscheidung auch vorher geschult werden oder nach welchen wissenschaftlichen Ansätzen so eine wichtige Entscheidung/Empfehlung getroffen wird.

        • @Zghuk: vielen Dank für den Hinweis auf die Reflexion der eigenen Arbeit als Hochschullehrer_in. Ich möchte das unterstreichen.
          @Dave Bowman und Günter: wenn sprachliche Probleme erst in Abschluss- oder Hausarbeiten auftauchen, frage ich mich als Hochschullehrerin doch, warum das nicht vorher aufgefallen ist? Wenn ich ein ganzes Semester übersehen habe, dass ein Großteil meiner Studierenden Formulierungsprobleme hat und eine Hausarbeit die Prüfungsleistung ist, dann liegt der Ball doch auf meiner Seite…

        • Ich unterrichte an einem Gymnasium am Rande des Ruhrgebietes Philosophie und Sozialwissenschaften und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die sprachlichen Kompetenzen vieler Schüler erschreckend sind. Natürlich fällt das auf. Ich persönlich unterrichte zu 95% Oberstufe und wenn ich da in der Einführungsphase (10. Jahrgang). Einen Stapel Klausuren korrigiere, packt mich doch immer wieder das Entsetzen. Und das wird auch in den beiden Folgejahren nur geringfügig besser. Wieso machen so viele Schüler trotz dieser schlechten sprachlichen Kompetenz Abitur? Da spielen natürlich viele Gründe eine Rolle. Wichtig scheint mir aber in dem Zusammenhang das System der Leistungsbewertung und der Versetzungsordnung zu sein. Oft kriegen SuS eben doch noch eine Gnadenvier, wenn sie kurz vor knapp noch ein Referat übernehmen o.ä. So kann es dann schnell passieren, dass Schüler, die sprachlich auf dem Niveau der sechsten Klassen stehen geblieben sind, in die Oberstufe “gespült” werden. Dazu kommt, dass man auf dem Gymnasium seit der Umstellung auf G8 die mittlere Reife nur erreichen kann, wenn man die Versetzung aus der 10 heraus (also dem ersten Jahr der Oberstufe) schafft. Wer das nicht schafft, verlässt das Gymnasium mit einem Hauptschulabschluss. Auch ein Grund, weshalb oft viele Augen zugedrückt werden – verständlicherweise! Nach der 10 entscheiden sich dann aber die meisten SuS trotzdem das Abitur anzustreben. Und das hat m.E. damit zu tun, dass die Oberstufe unter dem Strich doch nicht so schwer ist, zumindest, wenn man keinen guten Schnitt haben will. Eine vier können tatsächlich die meisten erreichen. 50% der Note werden über “Sonstige Mitarbeit” vergeben und im mündlichen Sprachgebrauch fallen die Schwächen weniger auf. Im Bereich Klausuren spielen m.E. die standardisierten Erwartungshorizonte eine Rolle, an denen sich bspw. die Beurteilung von Klausuren orientiert. Man kann zwar aufgrund sprachlicher Mängel die Note um bis zu zwei Punkte abwerten, aber die meisten Punkte werden quasi über eine Art inhaltlicher Checkliste vergeben. Da fällt es u.U. schwer eine fünf zu legitimieren, wenn richtige Aspekte genannt werden – obgleich verpackt in katastrophale Sätze.

          Unterm Strich kann man wohl sagen, dass die schriftsprachliche Kompetenz zwar immer eine Rolle spielt, aber stets durch andere Faktoren ausgeglichen werden kann.

      • 29. Mai 201711:38
        luckyluke

        Der Kommentar erfüllt leider nicht unsere Anforderungen an die akzeptablen Umgangsformen auf LageDerNation.org. Bitte verzichtet darauf, andere Kommentatoren persönlich anzugreifen. Vielen Dank.

      • Mit ein wenig Verbitterung muss ich an der Stelle sagen: Wir haben es ja gesagt!
        Nicht umsonst wurden 2008/09 Universitäten besetzt und gegen die Einführung von Bachelor und Master demonstriert.
        Ich durfte noch die Lehrpläne der Magister bestaunen und die Tatsache, dass sie für alles einfach mehr Zeit hatten. Zwei Monate für eine Hausarbeit und die Lehrenden kannten die Namen der Studierenden. Natürlich läuft das auf qualitativ hochwertigere Arbeiten hinaus.
        Wenn ich jedoch fünf Prüfungen schreibe und dann noch zwei Hausarbeiten abliefern soll, bleiben zwei Wochen pro Hausarbeit übrig. Was soll dabei großartig rauskommen? Ich schreibe “den Scheiß” so schnell wie möglich runter, bloß nicht nochmal durchlesen und dann weg damit. Hauptsache die Prüfung ist abgelegt.

        Das Abitur war vielleicht mal als Vorbereitung für das Studium gedacht, erfüllt diese m.E. Aufgabe nur mäßig. Hier fehlt vor allem eine schnelle Anpassung an die Entwicklungen in der Gesellschaft. Schlagwörter: Umgang mit Quellen, neue Informationsquellen, Umgang Recherche, neue Analysemethoden, allgemein neue Denkmuster, neue Technik…

        Mit einem dreijährigen Bachelor erlernt man kein/kaum wissenschaftliches Arbeiten. Es gibt keinen Spielraum zum versagen, austesten und erlernen. Ab Semester 1 muss geliefert werden. Wer nicht liefert läuft mit und das halt so gut wie es geht. Und das läuft auf tendenziell mangelhafte Ergebnisse hinaus. Der Spielraum für Lehrende ist dabei extrem klein und an straffe Modulpläne gebunden.

        Das ist die Konsequenz von Bachelor und Master. Möglichst schnell und effizient die Studierenden für den Arbeitsmarkt bereit stellen, weil wir ja Fachkräftemangel haben. Das erwerben von Kompetenzen rückt erschreckend in den Hintergrund, war vielleicht noch nie das Ziel.

        Davon abgesehen: Jede Generation ist der Meinung, dass mit der nachkommenden Jugend nichts zu machen sei. 😉
        Und vielleicht sollte der Blick auf Schüler und Studierende als Lernende gerichtet werden und nicht als fertige Menschen.

        Ausgelassene Themen:
        Miserabler Betreuungsschlüssel
        Unterfinanzierung der Lehre
        Komplexer Zusammenhang zwischen verschiedenen Arten des Lernens.
        Fragestellunge: welches Wissen/welche Kompetenzen sind heute notwendig und ist das Bildungssystem in seinen Grundfesten überhaupt noch zeitgemäß

    21. Hallo,
      ich fand das Interview zum Thema Bildungspolitik ganz interessant, habe mich doch aber an einigen Stellen ein bisschen gewundert, welche Erklärungansätze (auch im Vergleich zum Ausland) hergezogen wurden und welche nicht.

      Ich schildere dabei meine persönlichen Erfahrungen als Schüler und Lehrer in NRW.

      G8/G9
      Ich kann durchaus nachvollziehen, dass man das zusätzliche Jahr Schule aus gesellschaftlicher Sicht betrachtet zunächst als verloren ansieht. Man kann aber auch noch ein paar andere Faktoren einbeziehen. Mich hätte zum Beispiel interessiert, in welchem Alter Jugendliche in anderen Ländern an der Universität starten. Ich persönlich denke nicht, dass wir zwingend gewinnen, wenn die Erstsemester an den Universitäten jünger werden. Denn zu einer guten Studienvoraussetzung gehört auch eine gewisse Reife und da schadet ein Jahr nicht. Man muss das Jahr aber nicht zwingend in der Schule verbringen, da kann ich die Einschätzung schon teilen, dass Stress sowohl nach G8 als auch G9 da ist, aber man hätte das Jahr ja auch anderweitig sinnvoll nutzen können, was mich zum nächsten Punkt bringt.

      Einfluss von organisatorischen Fragen auf Bildung:
      Ob organisatorische Entscheidungen einen Einfluss auf die Qualität der Bildung haben, hängt für mich ganz deutlich von der Qualität der Vorbereitung, Planung und Umsetzung der Maßnahmen ab. In NRW war es bei dem Wechsel von G8 auf G9 so, dass der Vorlauf, was zum Beispiel angepasste Lehrplanvorgaben anging viel zu kurz war. Auch fehlte einfach ein klares Konzept, was den mit dem einen Jahrgang passieren sollte, in dem dann plötzlich (scheinbar für viele Politiker überraschend) doppelt so viele Schülerinnen und Schüler Abitur gemacht haben.
      Insgesamt hätte ich mir gut vorstellen können, dass man im Zusammenhang von G8 Dinge wie ein freiwilliges soziales Jahr oder ähnliches viel stärker an die Schüler herangetragen hätte. Das wäre meiner Meinung nach ein wirklich Gewinn gegenüber G9 gewesen.

      Schulformen:
      In NRW läuft gerade die Dreigliedrigkeit + Gesamtschule quasi in eine Zweigliedrigkeit + Gesamtschule über, da die Hauptschulen mangels Anmeldungen auslaufen. In NRW entscheiden die Eltern nämlich unabhängig von der Empfehlung auf welche Schule ihre Kinder gehen und wer will schon auf die Hauptschule? Das führt natürlich in der Praxis dazu das je nach Standort entweder die Real- oder die Gesamtschulen zu den neuen Hauptschulen werden und die anderen Kinder wenn irgendwie möglich aufs Gymnasium geschickt werden. Darüber welche Konsequenzen die Erfahrung für ein Kind hat, wenn es diese Schule wegen zu schlechter Leistungen dann vielleicht nach zwei Jahren wieder verlassen muss, ignorieren dabei leider viele.
      Dass das Gymnasium für die Kinder dort funktioniert, würde ich auch nie bezweifeln, die Frage ist allerdings, wie sich das auf die Gesamtschule auswirkt. Diese Betrachtung fehlt mir im internationalen Vergleich. Gesamtschulen haben idealerweise eine gewisse Verteilung von Kindern mit Haupt-, Real- und Gymnasialempfehlung. Diese wird zumindest bei den mir bekannten Gesamtschulen nur bei 2 von 8 ungefähr erreicht. An den anderen liegt dieser zum Teil bei 5 bis 10 Prozent. Das ist dann praktisch einfach keine Gesamtschule.

      Unterrichtsausfall:
      Ganz kurz gesagt, die Zahl der ausfallenden Stunden sagt wenig aus. Wenn ich in einer 12. Klasse Physik, Kunst oder Französisch vertrete kann ich nicht viel mehr tun, als die Kinder zum arbeiten aufzufordern. Eine fachliche Unterstützung kann ich da nicht leisten. Wichtig wäre entsprechend zu erheben, wie viele Stunden nicht von einem Fachlehrer gehalten werden.

      Inklusuion
      Hier unterstütze ich die angesprochene mangelnde Vorlaufzeit absolut.

      Das is erstmal das, was mir so halbwegs spontan eingefallen ist…

    22. Hallo,
      Ihr habt jetzt zum wiederholten Male die jährlich über 3.000 Verkehrstote in Deutschland mit der fehlenden Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen in Verbindung gebracht.
      Dabei sind die Autobahnen die sichersten Straßen und sie haben auch nur einen Anteil von ca. 10% an den Verkehrstoten.
      Von den 10% Verkehhrstoten auf Autobahnen haben auch die wenigsten mit überhöhter Geschwindigkeit zu tun (Man denke z.B. an LKW Unfälle).
      Statistisch gibt es auch keinen Hinweis darauf, dass Autobahnabschnitte mit Geschwindigkeitsbegrenzung sicherer sind als Abschnitte ohne Begrenzung.

      Bei Politikern kritisiert ihr ansonsten solche populistischen Methoden. Zumindest wenn sie nich eurer Position entsprechen.

      • Hi, ich hab gerade keine Zeit das nachzuschauen, aber der statistische Zusammenhang zwischen zulässiger Höchstgeschwindigkeit und Unfallhäufigkeit ist meines Wissens tausendfach belegt.

        • Eine Quelle hierzu: https://www.forschungsinformationssystem.de/servlet/is/421585/

          Dazu ein interessanter Hinweis: “Die Unfallursache “nicht angepasste Geschwindigkeit” die in den vorangegangenen Jahren an erster Stelle stand war 2012 an dritter Stelle, allerdings haben Unfälle dieser Ursache nach wie vor die schwersten Unfallfolgen. Von den 48.643 Unfällen mit Personenschaden (2012), bei denen mindestens ein beteiligter Fahrzeugführer zu schnell gefahren ist, starben 1.331 Menschen und 66.249 wurden verletzt. Das heißt, 27 % aller im Straßenverkehr getöteten Menschen kamen durch nicht angepasste Geschwindigkeit ums Leben.”

        • Das hat aber nichts mit der fehlenden Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen zu tun.
          Denn es bleibt dabei, dass die meisten Unfälle auf Landstraßen oder innerorts passieren, wo es eine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt.
          Das sich die Menschen nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Landstraßen halten, kann man nicht dadurch beheben, dass man die Regeln auf Autobahnen abändert.

        • Natürlich nicht, aber das hat ja auch niemand behauptet. Es ging allein darum, dass durch die fehlende Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen sinnlos Menschen sterben – jedenfalls mehr als jemals in D durch Terror ums Leben kamen. Die ganz genauen Opferzahlen sind da letztlich einfach nicht der Punkt.

        • 29. Mai 201710:56
          Christian1313

          “… mehr als jemals in D durch Terror ums Leben kamen. .. ”

          Steile These.
          Ich würde das konkretisieren und sagen pro Jahr nach 1945.

        • ja, bzw ich denke seit 45 überhaupt, aber da müsste man wohl noch einmal genauer nachrechnen ;)

        • “Es ging allein darum, dass durch die fehlende Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen sinnlos Menschen sterben”

          Gibt es dazu irgendwelche Belege? Wie Stefan ja bereits ausführt, bringen die schönsten Tempolimits (sei es auf Autobahnen oder anderen Straßen) nichts, wenn Leute sich nicht daran halten oder generell durch unangepasste Geschwindigkeit Unfälle verursachen (z. B. zu schnell bei nasser Straße oder zu geringer Abstand etc. pp.).

          Dass ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen sinnvoll wäre (allein schon aus ökologischen Gründen), will ich gar nicht in Abrede stellen, aber die Behauptung, dass dadurch automatisch tödliche Unfälle verhindert würden, scheint mir etwas arg pauschal.

        • Bitte nicht in einem Satz die Bevormundung verteufeln und dann ein Tempolimit auf Autobahnen fordern, um “… Tausende zu retten …”; anbei die Statistiken https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/TransportVerkehr/Verkehrsunfaelle/Verkehrsunfaelle.html

      • Exakt. Die meisten Verkehrstoten in PKWs und Motorrädern gibt es auf Landstraßen, Fußgänger und Radfahrer fallen auf Autobahnen gleich ganz heraus. Die Zahl der Verkehrstoten ließe sich durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen also kaum signifikant reduzieren (vielleicht um ein paar Dutzend).
        Ein wesentlich besseres Beispiel wären die manipulierten Dieselabgase gewesen. Die haben vermutlich laut einer kürzlich veröffentlichten Studie (doi:10.1038/nature22086) allein in der EU über 11000 (!) Todesopfer pro Jahr (!) verursacht. Kein Terroranschlag kann da nur ansatzweise mithalten. Aber die Bundesregierung (Dobrindt) sperrt sich da natürlich gegen jedwede verschärfte Kontrolle/Strafe, während sie nach jedem Anschlag zig neue Sicherheitsmaßnahmen beschließt.

    23. Sehr interessante Folge wieder, insbesondere der Themenblock Bildung war eine Bereicherung!

      Beim Thema Mietpreisbremse habt Ihr mich ein bisschen abgehängt. Nach meinem Verständnis geht es bei dem Instrument Mietpreisbremse darum, die Mietsteigerung beim Wechsel der Mieter einer Mietsache (alter Mieter hat gekündigt, neuer Mieter zieht mit neuem Mietvertrag ein) zu deckeln. Da sind aus meiner Sicht Sanktionen gegen einen Vermieter, der einen zu hohen Mietzins verlangt, vollkommen unrealistisch und nebensächlich.

      Denn man muss sich mal das Szenario vor Augen halten: Eine Wohnung wird demnächst frei und wird inseriert. Dutzende melden sich, einige besichtigen und bekunden Interesse. Die Interessenten in der engeren Auswahl schmieren dem Vermieter Honig ums Maul und legen ihre Einkommensverhältnisse offen. Klar kann man sich die Wohnung zu dem geforderten Preis leisten, versteht sich doch! Und selbstverständlich ist man mit dem Zustand einverstanden. Ein bisschen Eigenleistung hier und da macht ja auch Spaß…

      Und dann, wenn man den Mietvertrag unterschrieben und die Schlüssel in der Hand hält, fällt einem plötzlich auf, dass die Miete gegenüber dem vorherigen Vertrag oder dem Mietspiegel zu hoch ausgefallen ist?

      Mag sein, dass das juristisch möglich ist. Aber realistisch ist aus meiner Sicht, dass die Mehrheit vor einem solchen Zug doch eher zurückschreckt und die Faust in der Tasche macht, z. B. weil man sich das Verhältnis mit dem Vermieter nicht schon gleich am Anfang verderben möchte. Könnte ja sein, dass man auf das Wohlwollen noch mal bei der einen oder anderen Kleinigkeit angewiesen ist.

      Wenn es zur Durchsetzung der Mietpreisbremse kommen soll, dann sollte man nicht auf diejenigen als Durchsetzer zählen, die sozusagen mit Geldscheinen wedeln versuchen, einen Vermieter von sich als zukünftigem Traummieter zu überzeugen.

    24. Die Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, nicht amtlich UN-Behindertenrechtskonvention stammt vom 13.12.2006 und trat am 03.05.2008 in Kraft. Deutschland ratifizierte die UN-BRK völkerrechtlich bindent am 24.02.2009.

      „Es geht nicht mehr darum, Ausgegrenzte zu integrieren, sondern allen Menschen von vornherein die Teilnahme an allen gesellschaftlichen Aktivitäten auf allen Ebenen und in vollem Umfang zu ermöglichen“.

      In diesem Zusammenhang von zeitlich wenig Vorlauf zu sprechen erachte ich als selbst Betroffenen einen blanken Hohn. Die Länder hatten ab 2009 die Pflicht die notwendigen Massnahmen, inbesondere in der Schulpolitik zu treffen. Die Rahmenbedingungen anzupassen, Förderlehrer auszubilden und Abschied von einer diskriminierenden Politik vorzunehmen.

      Ich denke jedoch es wird immer noch von Integration ausgegangen. Die Betroffenen sollen sich an ein bestehendes, auf homogene Klassen basiertes System eingliedern. Darüber hinaus wird bei „klammen“ Länderfinanzen an einem 2teiligen System festgehalten. Die Mittel fliessen in den Regelschulbetrieb und in die obsulten Förderschulen.

      Die Leittragenden sollen nun die Menschen mit Behinderung sein. Motto: Ausgrenzung ist doch nur zu euerem Vorteil.

    25. Shameless Selfplug:

      Wir haben uns in der aktuellen Folge der Mikrooekonomen ein paar Gedanken zum Horten von Sicherheitslücken durch Geheimdienste gemacht. Natürlich aus Sicht eines Marktes.

      http://mikrooekonomen.de/2017/05/25/mikro047-einer-zahlt-immer/#t=1072

      Erste Frage: Kann man den Markt für Sicherheitslücken überhaupt austrocknen? Gibt es dazu nicht immer ausreichend/zu viele Marktteilnehmer und auch Sicherheitslücken?
      Zweite Frage: Kann das überhaupt funktionieren, denn wenn es einen Player gibt, der nicht mitspielt, bricht das ganze System zusammen, weil der dann alle anderen hacken kann. Ist ein System von Abschreckung (wenn du mich hackst, hacke ich dich) am Ende nicht vielleicht sogar stabiler?

      Und nein, eine Patentlösung haben wir klarerweise leider auch nicht …

      • Hey,

        ich habe mir beim Hören der Lage auch genau das gleich gedacht. Habe leider gerade nicht die nötige Zeit um mir den verlinkten Podcast anzuhören, aber das werde ich spätestens heute Abend nachholen :)

        Meine Gedanken/Fragen an Community sind folgende:
        Prinzipiell stimme ich mit Philip und Ulf überein, dass das Horten von Sicherheitslücken zu Lasten der User geht. Da der Großteil der Lücken (soweit mir bekannt) nicht durch die Geheimdienste selbst gefunden werden, werden die Regierungen zu Marktteilnehmern auf Märkten die es eigentlich gar nicht geben dürfte.

        Aber was wäre der Effekt, wenn nun die Bundesregierung oder die Vereinigten Staaten diese Sicherheitslücken per Gesetz nicht mehr horten würden? Es würden die jetzigen gelagerten Lücken veröffentlicht werden, aber es besteht für die Regierungen in Zukunft dann keinerlei Anreiz mehr neue Sicherheitslücken zu kaufen. Keine Regierung wird diese (wahrscheinlich) enorm hohen Summen bezahlen, wenn die Lücken danach „nur“ öffentlich gemacht werden würden.

        Dies hat natürlich auch den positiven Effekt, dass die Nachfrage auf dem Markt zurückgeht. Ich denke jedoch, dass es noch genügend Marktteilnehmer geben wird, die diese Lücken weiter kaufen und ausnutzen werden. Könnte es nicht sogar passieren, dass durch die zurückgehende Nachfrage der Preis für die Lücken sinkt und eventuell andere nichtstaatliche (kriminelle) Organisationen diese nun bezahlen könnten? Die Geheimdienste der Länder wie Deutschland und den USA nutzen diese Lücken hoffentlich für Verbrechensaufklärung/-verfolgung/-prävention (natürlich utopisch), aber andere kriminelle Organisationen werden diese nutzen um die Bürger direkt zu attackieren und Kapital draus zu schlagen (siehe WannaCry).

        Es ist natürlich keine Lösung, dass die Regierungen die Lücken weiter kaufen und horten. Aber als bisherigen Lösungsansatz habe ich nur das Verbieten des Hortens wahrgenommen, aber entsteht hierdurch nicht nur eine Verschiebung der Käuferstruktur und das grundsätzliche Problem ist nicht gelöst?

        Gibt es einen praktikablen Ansatz zum Lösen des Problems?

        • Hi, Du kannst davon ausgehen, dass auch in kriminellen Kreisen genug Geld zum Ankauf von zero days vorhanden ist … und was den Markt angeht: Es gibt auch bug bounty Programme der Hersteller, mit denen die ihrerseits Sicherheitslücken ankaufen wollen, um sie schließen zu können. Das lohnt sich für skrupellose Hacker nur derzeit wirtschaftlich nicht, weil staatliche Stellen viel Geld für solches Teufelszeug ausgeben. Aber erfreulicherweise gibt es auch viele Sicherheits-Forscher, die Sicherheitslücken systematisch suchen und sie den Herstellern melden, obwohl es sich rein finanziell nicht lohnt.

        • Hey,
          vielen Dank für die schnelle Antwort. Zum Glück gibt es Hacker die sich an bug bounty Programmen beteiligen und auch viele Sicherheits-Forscher. Die Frage bleibt nur, ob die Personen die die Sicherheitslücken suchen und finden dann dazu übergehen werden sich an bug bounty Programmen zu beteiligen.
          Sollten nun alle westlich-orientieren Länder einen “Pakt” schließen und das Horten per Gesetz verbieten, werden andere Käufer nachrücken. Über ebenfalls sehr hohe finanzielle Mittel verfügen natürlich auch Staaten wie China, Russland oder auch Länder im nahen Osten. Diese Parteien wären meiner Meinung nach die “neuen” Käufer, wenn sie nicht ohnehin schon als Käufer auftreten.
          Ich denke auch, dass kriminelle Organisationen einen erheblich höheren Preis für solche Lücken bieten werden, als es in bug bounty Programmen ausgelobt wird (natürlich reine Spekulation).

        • …noch als kleiner Nachtrag:
          Man könnte ja als Staat einfach dazu übergehen, weiterhin Sicherheitslücken zu kaufen und diese dann den Herstellern mitzuteilen. Hierbei kommt es dann aber wahrscheinlich wieder zu einem spieltheoretischen Problem. Wenn ein Staat eine hohe Summe für eine Sicherheitslücke ausgibt werden am Ende alle anderen Staaten (deren Bürger) auch davon profitieren. Bleibt nur die Frage, warum sich dann ein Staat für diesen Schritt entscheiden sollte und nicht selbst darauf wartet, bis ein anderer „moralischer“ Staat diesen Schritt geht.
          Eine andere nachteilige Auswirkung wäre hierbei das natürlich weiterhin ein großer Markt für Sicherheitslücken bestehen bleibt.
          PS: Durch mein VWL-Studium habe ich zweifellos die volkswirtschaftliche Brille auf, aber ich denke, mit einem einfachen Verbot der Hortung wird das Grundproblem nicht gelöst

        • Das war der Hinweis, den ich auch in Frage 2 unterbringen wollte. Es gibt IMMER Sicherheitslücken, nie kennt jemand alle. Und wenn der Gegner (Russe/Nordkorea/China/…) auch nur eine davon hat und du hast keine, um zurückzuschlagen, bist du im *rsch …

          Diese Frage wird in der Diskussion um das Horten von Sicherheitslücken viel zu wenig bedacht …

        • Die Einnahmen von WannaCry, die auf einem ziemlich guten “Hack” aufsetzten (kam ja auch von der NSA), sind gerade einmal (trotz großer Verbreitung), gerade einmal in den sechsstelligen Bereich geklettert. Ich weiss nicht, ob das Potenzial da wirklich soooo groß ist. Anders gesagt: Ich /glaube/ (wirklich wissen tun das wohl nur ein paar wenige), dass die staatlichen Nachfrager ganz entscheidenden Einfluss auf die Preise haben und der Markt sonst nicht 30%, sondern 80 oder 90% weniger hergeben würde.

        • @egghat: Vielen Dank für euren Podcast. Sehr informativ, ist abonniert!

          Zu WannaCry sollte aber auch noch ergänzt werden, dass die niedrigen Beiträge auch auf die geringen und nicht angepassten Forderungen der Erpresser zurückgehen. Wäre bestimmt weitaus mehr Potenzial drin gewesen. Ebenso konnte das Programm, aufgrund eines Programmierfehlers (soweit mir bekannt), durch eine einfach Domain-Registrierung gestoppt werden. Wäre man in diesem Punkt professioneller vorgegangen wären bestimmt auch höhere Einnahmen möglich gewesen.

    26. Zur Mietpreisbremse:

      Das Tempelhofer Feld in Berlin mit der Baudichte wie Kreuzberg/Friedrichshain (also inkl. Park, Straßen, …) bebaut, würde übrigens grob Wohnraum für 50.000 Leute bieten. Das würde schon einen spürbaren Einfluss auf die Mietpreise haben. Keine Allzwecklösung für alle Ballungsgebiete (die meisten haben ja keine Fläche …), aber für Berlin schon eine Möglichkeit.

      (Man könnte auch noch viel dichter bebauen, das ist heute auch aus ökologischer Sicht vertretbar (grüne Fassaden (google Singapur), schmalere Straßen, mehr Radwege, mehr U-Bahn, …))

      Alternativ müsste der Staat halt dafür sorgen, dass man schnell zum Wohnen auf’s Land rauskommt. Aber da hat ja die Schwarze Null (aka Schäuble) was dagegen … Ehrlich gesagt: Ich glaube nicht, dass eine Mietpreisbremse, egal wie sich aufgebaut ist, verhindern kann, dass sich die boomenden Ballungsräume in Deutschland deutlich anders verhalten als die boomenden Ballungsregionen im Ausland (Paris, London, New York, …). Und wenn ihr auf mehr Gesetze und weniger Markt hofft, googelt mal Stockholm und Wartezeit auf Wohnungen … Das ist dann wie beim Trabbi. Wenn der Preis fix ist, wird die Lieferzeit variabel (sprich unendlich lang) …

    27. 29. Mai 201710:53
      MieterVermieter

      Ich habe Erfahrungen als Mieter wie auch als Vermieter.

      Die Mietpreisbremse wurde m.E. schlecht durchdacht und unkoordiniert in eine bestehende Regelungslandschaft abgekippt, die vorher schon widersprüchlich genug war. Mieter- und Vermieterfreundliche Regelungen stehen teils in ziemlichem Widerspruch zueinander.
      Gut für Vermieter z.B.: hohe Modernisierungs-Mieterhöhungen, eher niedrigschwellige Eigenbedarfskündigung.
      vs. gut für Mieter: Quasi-Unkündbarkeit (außer Eigenbedarf oder Miete wird nicht gezahlt), BGH-Rechtsprechung zu Renovierungsklauseln, Deckelung der Mieterhöhungen im laufenden Vertrag, ausgefeilte Mietminderungs-Staffeln.
      In diesem System hatten schon vorher beide Seiten Grund, sich ungerecht behandelt zu fühlen.

      Problematisch ist die Mietpreisbremse zum Beispiel, und das kam im Podcast gar nicht vor, weil sie ja nicht überall gilt bzw. gelten soll. Eigentlich ist sie nur in Gebieten mit besonderer Problemlage vorgesehen. Eingeführt wird sie aber flächendeckend: Ganz Hamburg, ganz Berlin etc. Auch in boomenden Städten gibt es unattraktive Viertel, in denen Vermieter nicht vor dem Luxusproblem stehen, ob sie nun 20 oder 30 Prozent auf die letze Miete aufschlagen wollen.

      Dass die Mietpreisbremse auch in Städten ohne qualifizierten Mietspiegel angewendet wird (z.B. in Bremen), ist kompletter Irrsinn.

      Und: Sie trifft private Vermieter besonders. Privatvermieter machen während eines Mietverhältnisses eher selten Gebrauch von der Möglichkeit zu Mieterhöhungen. Entweder fühlen sie sich juristisch nicht sattelfest, oder ihnen ist mehr an einem ungetrübten Verhältnis zu ihrem (oft einzigen) Mieter gelegen. Nach einem Mieterwechsel gucken sie dann, was die aktuellen Mieten sind, und setzen entsprechend an. (Dass ihre Instandhaltungskosten in der Zwischenzeit auch gestiegen sind, sei nur am Rande erwähnt.)

      Dabei wird nun in vielen Fällen die Mietpreisbremse einen Strich durch die Rechnung machen oder zumindest für große Verunsicherung sorgen. Diese Vermieter werden nun bestraft dafür, dass sie jahrelang die Mieten nicht so stark erhöht hatten, wie sie es eigentlich gedurft hätten. Dabei haben sie vielleicht auch viele Jahre ausgesessen, in denen ihre Immobilien keine besonders tollen Renditen abgeworfen haben.

      Wohnungsunternehmen (besonders solche, die der öffentlichen Hand billige Wohnungspakete abgekauft haben) dagegen sind natürlich Profis und nutzen jede Möglichkeit aus, die Mieten auch im laufenden Vertrag zu erhöhen. Mit ihren In-House-Rechtsabteilungen sorgen sie sich auch weniger vor möglichen Rechtsstreitigkeiten.

      Den Mietern wird durch undifferenzierte Berichterstattung eingetrichtert, dass ihr Vermieter sie mit hoher Wahrscheinlichkeit über den Tisch zieht. Die Vermieter sehen sich unter Generalverdacht gestellt und wissen nicht, ob ihre Einnahmen von heute rechtssicher sind oder irgendwann zurückgefordert werden könnten. (Auch bei qualifizierten Mietspiegeln wie in Berlin, mit ausdifferenzierten Wohnwert-Merkmalen, gibt es ja nicht unbedingt nur die eine korrekte Vergleichsmiete.)

      Unterm Strich dürfte die Mietpreisbremse viele Gerichte beschäftigen, zu häufigeren Mieterhöhungen während der Vertragslaufzeit führen und zwischen privaten Vermietern und ihren Mietern ein gegenseitiges Misstrauensverhältnis schüren.

      • Sehr guter Punkt,
        Die Differenzierung zwischen institutionellen Investitionshäusern und privaten Vermietern wird nicht gemacht, ist aber sehr wichtig. Gerade in der Altersversorge ist die Immobilie ein wichtiges Element für Privatpersonen.

    28. 29. Mai 201711:12
      Christian1313

      Mal ein paar Zahlen zum Autobahnvergleich.
      – Verkehrstote auf Autobahnen 2015: 414 davon 206 wegen “Geschwindigkeitsunfällen”

      Den Menschen bei der Terror immer eine Wahrnehmungsstörung unterstellen und selbst immer von tausenden Toten sprechen und im Nebensatz immer die Autobahn.

    29. Ich möchte jetzt einfach mal gegen eure Relation von Terrorismus und Tote durch Straßenverkehr argumentieren. Seit 1990 gab es 179 Todesopfer durch Rechtsextremismus (https://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chronik-der-gewalt/todesopfer-rechtsextremer-und-rassistischer-gewalt-seit-1990) Jedoch ungefüähr ~3000 Menschen sterben jedes Jahr durch Autounfälle. Das heißt seit 1990 sind ungefähr ~81.000 Menschen gestorben. Jedoch geben wir jedes Jahr für Projekte gegen Rechtsextremismus um die ~50 Millionen aus.

      • Und woraus schließt du jetzt dass wir nicht “nur” 179 Todesopfer durch Rechte waren weil wir Projekte gegen Rechts fördern? Ab gesehen davon hinkt der Vergleich, weil es bei Rechtsextremismus ja auch um viel weitere gesellschaftliche Prozesse geht als Morde. Selbst ohne einen einzigen toten müssten wir Rechtsextremismus bekämpfen.

    30. “En vogue ist die schnell geschriebene und leicht konsumierbare Empörungsgeschichte. Die Flut realer oder Scheininformationen im Netz beschleunigt das Tempo und die Flüchtigkeit. Immer seltener werden Journalisten freigestellt, um für längere Zeit ein Thema gründlich zu recherchieren. Dabei können Zeitungen nur durch exklusive Geschichten, Hintergrunddarstellungen und Analysen langfristig überleben.

      Mächtige Konzerne mit bis in Ministerien hineinwirkendem Lobbysystem statten sich mit gut bezahlten Journalisten aus, ihre PR-Abteilungen überschwemmen die Medien mit passend gemachtem Material und fertigen Texten, die dann allzuoft ungeprüft übernommen werden.

      Ich habe mittlerweile den Eindruck, dass derartige Konzerne inzwischen strategisch vorgehen und Medienbüros und -anwälte vorschalten, die nichts anderes tun, als gezielt kritische Berichterstattung zu verhindern versuchen. Medienanwälte wie die der Berliner Kanzlei Schertz Bergmann versuchen seit langem, kritische Journalisten und Sendeanstalten wie z.B. auch ZDF von Veröffentlichungen abzuhalten. Da werden Zeugen mit anwaltlichen Schreiben eingeschüchtert, indem Schadensersatz angedroht wird. Und damit eine derartige Bedrohung nicht öffentlich bekannt wird, wird am Ende darauf hingewiesen, dass aus diesem Einschüchterungsbrief „weder wörtlich noch sinngemäß veröffentlicht werden darf“, da „bei Missachtung auch noch eigenständige rechtliche Ansprüche ausgelöst“ würden. Hier wird schon im Vorfeld eine größtmögliche Drohkulisse aufgebaut. Um diesen möglichen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen, unterlassen viele Medien eine kritische Berichterstattung gleich ganz.”

      https://story.ksta.de/2017/05/gastbeitrag-guenter-wallraff-zu-journalismus/

    31. 29. Mai 201720:03
      Martin Wagener

      Hallo Ihr Beiden von der Lage :)

      Normalerweise bin ich niemand, der sich mit einem Kommentar zu Wort melden würde, aber dieses mal möchte ich dann doch mal etwas beitragen.

      Ulf hat, wie schon einmal in einer vorherigen Folge erwähnt, wieder das Thema Verkehrstote und Autobahn ins Spiel gebracht. Dieses mal zu einem etwas abwegigen Vergleich zwischen Opfern eines Terroranschlages und Verkehrstoten (meines Erachtens ein Unterschied vor allem dahingehend, dass das eine ein von einem Menschen bewusst begangener Massenmord ist, während das andere als Teil der Mobilisierung der Menschheit fast als Tatsache des Lebens erachtet werden könnte).

      Aber darum geht es mir gar nicht, es geht mir eigentlich nur darum, dass du, lieber Ulf, in einer Episode mal die Geschwindigkeit als “entscheidenden Faktor” bei Verkehrstoten beschrieben hast und nun auch wieder in deinem Vergleich vor Allem das fehlende Tempolimit auf den deutschen Autobahnen als quasi Hauptgrund für die fast 3.500 Verkehrstoten in Deutschland anführst.

      Hier würde ich gerne auf aktuelle Unfallstatistiken hinweisen, aus denen hervorgeht dass auf deutschen Autobahnen “nur” 6,2 % Prozent aller Unfälle mit Personenschaden festgestellt wurden, und 11,1 % aller Getöteten im deutschen Verkehr gezählt werden.
      29,1 % aller Verkehrstoten kommen innerhalb von Ortschaften um, und 59,8% auf Landstraßen außerhalb von Ortschaften (keine Autobahn).
      (http://www.dvr.de/betriebe_bg/daten/unfallstatistik/titel.htm)

      Natürlich ist jeder Tote im Verkehr einer zu viel, aber ich hoffe ich kann dich damit zukünftig vom “Autobahn Bashing” ein wenig abhalten.

      Ihr macht einen klasse Job, ich höre euch jedes mal sehr gerne, bitte macht weiter so:)

      Viele Grüße

      Martin W.

      • ich wollte nicht die Autobahn als solche kritisieren, sondern das fehlende Tempolimit … denn dass das jedes Jahr Dutzende Leben kostet scheinen mir die Statistiken doch recht deutlich zu belegen.

    32. Erst einmal danke für das interessante Interview – grundsätzlich seid Ihr und der Podcast TOP, allerdings nehmt Ihr mir zunehmend das “abschließend erörtert” aus Eurem Slogan zu wörtlich.
      Eure Qualität ist, Themen zu beleuchten, einzuordnen und dann natürlich subjektiv zu bewerten. Das engagiert auch den Hörer zum Reflektieren oder zum Mitdiskutieren.

      Ich weiß nicht, wie viele Leute es interessiert, wie voll Euer “PAD” ist und welche Themen Ihr nur “ganz kurz” ansprechen könnt/wollt, dass Ihr dieses und jenes Thema vorzieht bzw. auf nächste Woche verschiebt…
      …es ist vielleicht auch nur etwas enttäuschend, wenn Eure Tickermeldungen als individuelle Kapitelmarken aufgeführt sind, probiert doch mal eine Rubrik “Sonstiges” – dann weiß ich, was ich skippen kann.

      Beste Grüße!

    33. Dieses Vergleich zwischen Terrorismus und Verkehrsunfälle funktioniert gar nicht, aber das wisst ihr glaube ich auch. Unfälle haben kein maximalistisches politisches Ziel das sie erreichen wollen. Mir würde es trotzdem nicht stören wenn wir LKWs tagsüber aus Innenstädten verbannten, damit verhindert man beides.

      Und keine Frauen finden können für einen Beitrag ist in 2017 nicht mehr möglich.

    34. Zum Mietrecht, Stadtplanung und Gentrifizierung gibt es übrigens grad eine tolle Folge des Alternativlos-Podcasts mit Fefe & Frank mit Andrej Holm als Gast:

      http://alternativlos.org/40/

    35. 30. Mai 20179:35
      Mario Oberländer

      Liebes Lage-Team,

      recht herzlichen Dank für die informative Sendung. Gerade das Interview mit Wilfried Bos hat mir sehr gefallen. Es ist schon erstaunlich, wie man ein doch ziemlich emotionales Thema so sachlich und gelassen abarbeiten kann. Gerade der Blick in die Welt war doch sehr entlarvend. Ich habe manchmal das Gefühl, das sowohl Bildungsbürgertum als auch Bildungspolitiker sich anschicken Deutschland und das hiesige Bildungssystem als den Stein der Weisen zu sehen. Das lapidare “Das können die Andern auch ganz gut” von Herrn Bos tut in dem Zusammenhang ganz gut. Bitte mehr Interviews mit Leuten, die keine Agenda verfolgen (eurer gemeinsamer Auftritt mit Sylke Tempe war aus meiner Sicht da ein Tiefpunkt) und wissen wovon Sie reden.

      Ach ja. Und natürlich kann man Verkehrsunfälle und Krankenhauskeime und Terroristen in einem Satz nennen.

    36. hallo ihr beiden,
      ich möchte kurz auf den einen lapsus und anderen hinweis geben. als erstes, ich glaube, ulf war es, dem das wort schönheitsreparaturen entwich im zusammenhang mit den mieterhöhungen. meines erachtens sind aber gerade die instandsetzungen, die nicht eingerechnet werden dürfen,da keine modernisierungen. zweitens, ich finde den vergleich mit den verkehrstoten und dem opfer eines anschlags zu werden durchaus sinnvoll, weil er lebensrisiken aufzeigt. in papua-neuguinea ist das vielleicht nicht, da wären es dann sinnvollerweise giftschlangen. und da es in den kommentaren sooft auftauchte, ich meine, mich zu erinnern, daß deutschlandweit weniger als 20 % der autobahnen nicht mit einem tempolimit versehen sind.

      das mir wichtigste zum schluß, sehr erholsam fand ich das interview, das in seiner sachlichkeit schule machen sollte. zur inklusion möchte ich ein, zwei gedanken einwerfen. ich kann aus persönlicher Erfahrung sowohl als die eines schülers einer Förderschule als auch die eines dort arbeitenden, daß es durchaus sinnvoll ist, förderschulen zu haben. nach einem jahr krankenhaus habe ich (damals sah ich das anfänglich nicht so, aber in der ddr wurde sowas nicht diskutiert) aus heutiger sicht diesen schutzraum gebraucht, um neben den schulischen Rückständen auch die körperlichen und psychischen Beschädigungen zu beheben. und die möglichkeit sollte es auch unbedingt heute geben. um nicht zu lang zu werden, möchte ich nur noch eines in die debatte werfen, wenn ich mir meine klassenkameraden an den beiden schulen für körperbehinderte, an denen ich war, anschaue und deren berufliche Schwierigkeiten, unabhängig von der Ausbildung, dann bleibt mir nur ein Urteil – 10, 12 oder 13 jahre schule gehen vorbei, aber dann fängt der versch*ne rest des Lebens an.

    37. Hier ein Themenwunsch für die nächste Sendung:

      Gescheiterter Neonazi-Prozess in Koblenz
      Völlig verhoben
      Einer der größten Prozesse gegen Neonazis in Deutschland endet mit einer krachenden Niederlage für den Rechtsstaat. Dazu hätte es niemals kommen dürfen. (…)
      http://www.spiegel.de/panorama/justiz/koblenz-warum-der-geplatzte-nazi-prozess-eine-grosse-pleite-fuer-den-rechtsstaat-ist-a-1149883.html

      Würde mich sehr interessieren, wie vor allem Ulfs Meinung dazu ist.

      Viele Grüße

    38. 31. Mai 201710:46
      rip rechtsstaat

      Hallo @vieuxrenard,
      wie wäre es mit einem Parteiausschlussverfahren gegen Heiko Maas, da Du ja mittlerweile Genosse bist. Auf dem Boden des Grundgesetzes scheint er ja nicht mehr wirklich zu stehen, wenn man sich die letzten Gesetzesentwürfe und die Art, wie diese in den Bundestag gebracht wurden ansieht.
      Auch wenns keinen Erfolg hat, würde es vielleicht ein Zeichen setzen. So wie die SPD momentan agiert, ist sie ohnehin zum Untergang verdammt.

      • Ich fürchte Du meinst das polemisch, aber ich nehme Deinen Beitrag mal ernst: Ein Partei-Ausschluss ist nicht so einfach, da reichen fragwürdige Gesetzentwürfe nicht – siehe die Causa Sarrazin, der sich noch krassere Dinger geleistet hat als der Heiko. Außerdem ist mein persönlicher Eindruck, dass das Wertesystem von Heiko Maas völlig o.k. ist, siehe beispielsweise das sympathische Interview im aktuellen Spiegel.

        Das Problem ist wohl, dass es schlicht an der Kompetenz fehlt, aus dieser Haltung gute Gesetze abzuleiten. Skurrilerweise hält er sich ja selbst für links bzw. rechtsstaatlich. Dann lässt er aber Vorschläge vorlegen, die selbst in Wildbad Kreuth als allzu rechtsstaatsfeindlich über das Bierdeckel-Stadium nicht hinauskämen. Das muss sich im Interesse unseres Landes in der nächsten Legislatur ändern.

        • 31. Mai 201713:04
          rip rechtsstaat

          ich meine das Ernst, kenne mich aber nicht mit den Grundlagen für Parteiausschlussverfahren aus. Es geht mir auch nicht darum, dass Maas aus der SPD raus soll oder seinen Posten verlieren soll, sondern ihm vor Augen zu führen, dass das was er tut einfach nicht in Ordnung ist für jemaden, der sich selbst als (möglicherweise sogar linken) Demokraten sieht.
          Vielleicht bedarf es einfach eines starken Zeichens ihn mal innerlich etwas aufzurütteln und die Selbstbetrachtung anzuregen.
          Aber was kann man noch tun gegen solche schamlose Ausnutzung unserer Demokratie https://netzpolitik.org/2017/wir-veroeffentlichen-den-gesetzentwurf-der-grossen-koalition-zum-massenhaften-einsatz-von-staatstrojanern/
          Natürlich nicht die SPD oder CDU im September wählen, aber sonst…
          Ich versuche auch immer zu denken, die SPD ist doch eigentlich eine halbwegs linke Partei und es gibt ja auch viele gute Leute bei denen, aber effektiv kommt leider nur Sch**** rum. Von der CDU/CSU erwartet man ja nichts anderes, aber warum immer die SPD… ich könnte wirklich heulen.
          Ich bin nicht besonders hoffnungvoll, dass sich in der nächsten Legislatur irgendwas ändert. Sieht doch momentan ganz stark nach Groko aus.
          Ich finde man kann das auch nciht mit Sarrazin vergleichen, der ist ja zum Glück durch seine “Thesen” ein Außenseiter im Gegensatz zu Maas der wirklich Macht ausübt.
          Ob Maas jetzt aus mangelnder Kompetenz, Opportunismus oder Bösartigkeit solche Sachen abzieht ist mir auch herzlich egal. Das Ergebnis bleibt das Gleiche. Wie oft müssen wir noch bangen, dass das BVerfG die Kohlen aus dem Feuer holt…
          Versteht der denn nicht was für ein Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht er in Menschen auslöst, die sich für Politik interessieren und Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit zu schätzen wissen?!
          Ich mach schon seit kurzem bei den Linken mit, da die die einzigen sind die halbwegs konsequent dagegen stehen aber es nützt doch alles nichts. Die SPD stellt die Linken in NRW als nicht-demokratische Partei dar… Was soll das denn alles?
          Ich finds einfach gemein, dass Politiker wissentlich nicht verfassungskonforme Gesetze vorschlagen und verabschieden dürfen ohne dafür jemals irgendeine noch so klitzekleine Konsequenz befürchten zu müssen.

    39. Krass, man fragt sich wirklich, was überhaupt an den Hochschulen wissenschaftlich untersucht wird! Das Referendariat existiert seit Jahrzehnten und es gibt keine empirischen Befunde darüber?? Also ich kann mich erinnern diverse Evaluationsbögen zum Referendariat ausgefüllt zu haben, aber wohl alles für die Tonne!
      Und es gibt keine empirischen Erkenntnisse zum Erfolg von G8? Die Hochschulen wären wirklich gut beraten, endlich neueste Daten zu unserem Bildungssystem zu erheben und Erkenntnisse zu veröffentlichen.
      Bezüglich der Inklusion stelle ich in meinem Lehreralltag fest, dass die Ausgrenzung und Stigmatisierung eben jener Kinder innerhalb der Klassengemeinschaft und in der Elternschaft ungeahnte Ausmaße annimmt. Diesen Kindern wird täglich vor Augen geführt, dass sie den anderen intellektuell oder sprachlich nicht das Wasser reichen können, wie sind da Erfolgserlebnisse überhaupt noch möglich?
      Ich bin für eine komplette Restrukturierung der Inklusion. Fächer wie Sport, Musik, Kunst oder auch Projekte eignen sich hervorragend für den inklusiven Unterricht! Aber kognitives Lernen auf verschiedenen Niveaus unter Anleitung muss wieder möglich gemacht werden, denn die Leistungsstarken und Leistungsschwachen leiden gleichermaßen in diesem System.
      Gleiches gilt für die Abschaffung der Haupt- und Realschulen. All das funktioniert doch nicht, solange es die Gymnasien weiterhin gibt! Eine Schule für Alle bis Klasse 12 in verschiedenen Niveaus/Kursen, die zum Abitur führt, die durchlässig und flexibel ist, das wäre meine Traumschule.
      Die Diskussion um G8/G9 wäre im Übrigen völlig obsolet, würde man die Bildungspläne endlich reformieren und entschlacken, so dass der Unterrichtsstoff problemlos in 12 Jahren zu vermitteln und erlernen ist. Der Herr Professor hat Recht, in Europa sind 12 Jahre gang und gäbe. G8 funktioniert doch nur nicht, weil Bildungslobbyisten nicht bereit waren, überflüssige Unterrichtsinhalte zu streichen.

    40. 3. Juni 201710:18
      Simone Krämer

      Hallo an Euch beide,

      Vielen Dank für die Mühe und die Organisation des Interviews mit dem Herren der TU Dortmund zum Thema Bildung in Deutschland.

      Noch ist mein Kind noch weit entfernt von der Schule (gerade 2 Jahre alt), aber aus dem Bekanntenkreis kenne ich natürlich die Diskussionen um G8 oder G9 und Beispiele aus der Realität.

      Was in Eurem Interview gar nicht zur Sprache kam, war das Thema Nachhilfe. Wieviele Familien gleichen kürzere Schulzeiten mit gleicher Stoffmenge bzw ausgefallene Stunden mit Nachhilfe aus und stützen damit indirekt das System von G8.

      Und wieviele Eltern sitzen daheim und machen sogar die Hausaufgaben und Aufsätze selbst, da es sonst (angeblich?) gar nicht reicht.

      Leider hat der Interviewpartner wenig über repräsentative Ergebnisse sagen können. Lag das eher an Euren “ungünstigen ” Fragen oder daran das er in seinem Fachgebiet noch einiges an Luft nach oben hat?
      Auf welche Themen/Fragestellungen ist er an seinem Hochstuhl denn spezialisiert und untersucht er repräsentativ?

      Das Interview war inhaltlich ja ziemlich erschreckend, was alles nicht bekannt ist mal so nach Bauchgefühl entschieden wird. Geht ja nur um unsere nächste Generation…. ;0) …sorry für die Polemik.

      Viele Grüße

      Simone.

    41. Hallo Zusammen,
      zum Thema Narrative -/ Gegennarrative ist u. a. auch folgende Veröffentlichungen sowie die Texte in den Quellen ganz interessant Beutel, A. et al., (2016). Guiding Principles for Countering and Displacing Extremist Narratives. Journal of Terrorism Research. 7(3), pp.35–49. (http://jtr.st-andrews.ac.uk/articles/10.15664/jtr.1220/).
      Zum Verständnis warum (terroristische) Attentate mit IS Hintergrund passieren ist die Dissertation von Dr. Christoph Günther (auch auszugsweise) sehr lesenswert (Ein zweiter Staat im Zweistromland?: Genese und Ideologie des „Islamischen Staates Irak“) – sowie das “Stichwort” “Ausmerzung der Grauzone”.

      Viele Grüße
      Kathi

    42. Was Schülerinnen und Schüler ebenso brauchen wie ihre Eltern und Lehrer sind: Kontinuität und Verlässlichkeit. Schon Anfang der 70er Jahre wechselte halbjährlich die Vorstellung von
      Erziehungszielen und pädagogischen Richtlinien. Als Lehrerpraktikantin (das gab‘s: Praktikum zwischen 1. und 2.; 3. und 4. Semester) war ich in einer riesengroßen hessischen Mittelpunktschule im Einsatz (neben mir: Schlagringe, Schmetterlingsmesser, Türsteher an den Pforten zum Schulgelände etc.pp.). Nun plant man in Berlin wieder diese großen Einheiten. Dazu das Hin- und Her um G 8 oder G 9. Besser ein in Eckdaten unzulängliches aber zuverlässiges System (da können Eltern- oder andere Initiativen verlässliche Ausgleiche schaffen) als alle 6 Monate was Neues, das erklärt, alles Vorige sei unbrauchbar. Wenn Wilfried Bos erklärt, G 8 werde abgeschafft, weil die Eltern gern ihre Kinder ein Jahr länger zu Hause am Eßtisch und eventuell ein Jahr mehr gemeinsamen Urlaub hätten, ist das irreführend. Tatsächlich klappt es auch bei G 9 nicht, wenn die Schüler keinen Bock darauf haben und es geht selbst, wenn die Kinder bereits studieren. Das ist eine familieninterne Sache, das 11. Schuljahr vor Klasse 12 hat hingegen vielfache Funktionen:
      – Es ermöglicht guten Schülern, dieses Jahr als Auslandsjahr zu nutzen. In einer Zeit der Globalisierung muß deren Wert nicht weiter hervorgehoben werden.
      – Schüler, die das Potential zum Abi haben, aber „Aufholbedarf“ aufweisen, können das in diesem Jahr tun.
      – Kinder, die als „Langsamentwickler“ gelten, können in der Zeit evtl. über die Pubertät hinaus gelangen und Defizite aus pubertären Zeiten aufholen (u.U. auch in einem Auslandsjahr).
      – Oft läßt sich der vorige Begriff „Pubertät“ auch mit „schwierigen Familienverhältnissen“ ersetzen.
      – In den vergangenen Jahren (auch in Bereich der G 9) hat sich gezeigt, dass Abiturienten sich noch nicht bereit fühlten, für eine Berufswahl oder Studienentscheidung. Sie legten Freiwilligendienste ein oder wechselten ihre Studienfächer.

      Hier fehlt Wilfried Bos der Blick auf die Lebenswirklichkeit. Es nützt nichts, wenn Kinder teilweise schon mit 16 oder 17 immatrikulieren, ohne die Reife, mit der Situation, dem Stoff und den Kommilitonen umzugehen. Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht und Kinder ENT-wickeln sich, d.h. es ist in ihnen bereits angelegt, aber jedes Kind brauch SEINE Zeit, um das „auszupacken“, was in ihm steckt. Statt ihnen diese Zeit der persönlichen Entwicklung zu lassen (vor allem angesichts der Tatsache, dass sie bis zu ihrem 70. Lebensjahr im Erwerbsleben stecken werden!) pressen Schule, Eltern und Staat sie so sehr als künftige Steuer- und Rentenzahler in ein Leistungsschema, das jede persönliche Entwicklung ignoriert. Ich finde es darüber hinaus unverantwortlich, dass unsere Kinder heute nicht mehr sozialisiert (d.h. auf das Leben in der Gesellschaft vorbereitet) werden. Es geht eben nicht um erZIEHEN, denn das berücksichtigt nicht das Potential des Kindes. Es kann nur leisten und nur verstehen, was es in seinem genetischen „Programm“ mitbringt.

      Auch das Argument, die Schüler in der Bundesrepublik hätten durch die Kurzschuljahre 1966/67 ebenfalls „G 8“ schadlos überstanden, ist irreführend. Für mich fielen die Klassen 7 und 8
      zusammen, für andere die Klassen 11 und 12, oder das 3. und 4. Schuljahr. Der Effekt war also gestreut, konnte im Vorfeld oder im Nachhinein aufgefangen werden und ergab schon durch die Verteilung über die Jahrgangstufen zusätzlich zu den persönlichen Dispositionen von begriffsstutzigen und auffassungsschnellen Lernern hinaus ein unscharfes Ergebnis.
      Kehren wir aber zurück zu den Notwendigkeiten für die nächste Generation:

      * Kontinuität und Verlässlichkeit (die bekommt sie nur, wenn wir nicht wegen jeder neuen Idee die Schulgesetzgebung umkrempeln) 
      * Zeit sich zu entwickeln (11. Klasse als Puffer für Pubertät, Auslandsjahr und Selbstdefinition) 
      * Bewertungsmaßstab: Mathe ist nicht die alleinige Zielgröße für zukünftigen (persönlichen und gesellschaftlichen) Erfolg.
      * Ein Schulsystem, was die maximale Wahlfreiheit offenhält und hier jedem einen ihm gemäßen Platz einräumt.

      Zuletzt noch zu einem – nicht explizit geäußerten Argument von Wilfried Bos:
      Häufig betont er, dass wir mit G 9 eine Ausnahme sind, dass es dreigliedrige Schulwesen andernorts nicht gebe, dass diese oder jene Besonderheit des deutschen Bildungssystems
      ohne Beispiel im Rest der Welt sei. NA, UND? Gouverneure aus den USA kommen hierher, um sich über das duale Ausbildungssystem zu informieren
      (http://www.podcast.de/episode/322433512/Begehrtes+Modell+-+US+Gouverneure+wollen+duale+Ausbildung+kopieren/; http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.deutsch-amerikanische-beziehungen-begeisterung-fuers-duale-system.37b40ce3-f2fb-4880-a595-0291a8ba875b.html)

      Quintessenz: So richtig schlecht stehen wir mit unseren (Aus-)Bildungssystem nicht da. Auch wirtschaftlich nicht. Könnte alles natürlich immer besser sein, danach gilt es zu
      streben. Vielleicht mal mit mehr Kontinuität. Wegen eines Jahrs mehr am elterlichen Eßtisch und eines gemeinsamen Urlaubs mehr wird (hoffentlich) kein Schulgesetz
      geändert!

    43. Eine sehr interessante Folge, beim Interview mit Wilfried Bos hat mich allerdings an einigen Stellen das nackte Grausen erfasst.

      Von der Bildungsforschung würde ich erwarten, dass dort die Experten sitzen, die mit hoher Kompetenz und viel Erfahrung und einem offenen Blick für die Welt Wissenschaft und Praxis verbinden und Lehrerbildung, Schulentwicklung und Lehrpläne voranbringen.

      Bei Herrn Bos ging es erschreckend wenig um Bildung, sondern viel um Leistung, Wissen, ökonomische Gesichtspunkte und Vermutungen aus dem Elfenbeinturm. Wer die Schule früher verlässt, hat ein Jahr Lebenszeit gewonnen? Ernsthaft? Wenn aus Herrn Bos’ Sicht Schule tatsächlich verlorerene Lebenszeit ist, sollte er vielleicht überlegen, wie man diesen Zeitraum “relevanter” füllen könnte. Ist das nicht sein Job?

      Ich gebe Herrn Bos Recht, dass die entscheidende Frage nicht G8 oder G9 ist, entscheidend ist das System als ganzes mit haufenweise zu berücksichtigenden Faktoren (Unterrichtsqualität, Lehrpläne, Strukturen, Material, Prüfungsordnungen und Vieles mehr). Gerade in diesem Bereich steht Deutschland aufgrund der Flickschusterei an Einzelaspekten aber nicht allzu gut da. Siehe aktuell in Bayern: ein vor vier Jahren eingeführter neuer Lehrplan erreicht nächstes Jahr die weiterführenden Schulen, Lehrbücher fertig, Schulen vorbereitet, (grausame) Fortbildungen abgehalten – zack, plötzlich G9. Alles für die Tonne.

      Ja, entscheidend ist die Qualität des Unterrichts. Aber wenn das so ist, dann sollte der Fokus auf der Optimierung der Lehrerbildung liegen. Herr Bos würde “vom Bauchgefühl her” sagen, dass es nicht schadet, wenn man sich schon mal vor Ende des Studium vor eine Klasse stellt, damit man merkt, ob es was für Einen ist. Bemerkenswert. Wie wäre es, wenn man genau dies, die Fähigkeit, sich vor eine Klasse zu stellen, zu interagieren, zu beobachten, anzuleiten, zu helfen, sich durchzuetzen, in den Mittelpunkt rücken würde? Wenn es dazu tatsächlich keine Studien gibt, dann ist das einerseits ein Armustzeugnis, andererseits kann man sich ja mal im Ausland umsehen. Da gibt es genug. Schon vor vielen Jahren hat Finnland umfassende Studien zu Persönlichkeitsmerkmalen und entsprechenden Auswahlverfahren erhoben und den europäischen Partnern zur Verfügung gestellt.

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