LdN056 Trump-Wahnsinn, Wannacry, Staatstrojaner, NRW-Wahl, frisierte Amri-Akten

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| 101 Kommentare

Liebe Freundinnen und Freunde,

die Lage kommt auch diese Woche wieder am Freitag – aufgenommen haben wir am späteren Nachmittag. Viel Spaß mit der neuen Folge!

Schickt uns auch weiter Fotos von dem, was Ihr seht wenn Ihr die Lage hört!

team (AT) lagedernation.org

Zu sehen sind die Bilder im Fotoalbum bzw. auf unserer LageKarte.

Macht´s gut und bis nächste Woche!

Philip und Ulf

Hausmitteilung

Trump-Wahnsinn

  • How Trump Could Get Fired – The New Yorker
  • Tweet von Donald Trump
  • The president is not a child. He’s something worse. – The Washington Post
  • Wannacry / Staatstrojaner

  • Gläserne Menschen per Bundestrojaner? – Ulf bei heise online
  • Zur Rechtswidrigkeit der Quellen-Telekommunikationsüberwachung auf Grundlage des § 100a StPO
  • SPD-Wahlprogramm

  • Entwurf des SPD-Regierungsprogramms: Wie Schulz das Land regieren will – tagesschau.de
  • The Rise of Superstar Firms Has Been Better for Investors than for Employees
  • 101 Kommentare

    1. 20. Mai 20177:19
      Hanswurst

      Hallo,

      also eure Einschätzung zu Wannacry und Microsoft teile ich garnicht. Zum einen habt Ihr gesagt, dass bei Microsoft der Fehler “eingebaut wurde”, was suggeriert, dass der Fehler absichtlich oder aus kompletter Fahrlässigkeit entstanden ist. Ich bin mir sicher, dass Ihr das nicht sagen wolltet, aber die Formulierung ist doch sehr unglücklich.
      Die zweite Sache betrifft das Supportende von Windows XP. Meine eigene Meinung dazu ist, dass sowohl aus wirtschaftlicher, als auch der Sicherheit, ist es ratsam den Support für ein altes Betriebssystem irgendwann einzustellen. So dass dann auch auf den Markt ein gewisser Druck entsteht, damit Betriebsysteme mit neuen und moderneren Sicherheitsmechanismen eingesetzt werden. Pauschal Microsoft die Schuld zuzuschieben, wenn Leute irgendwelche obskuren E-Mailanhänge öffnen, halte ich für Fehl am Platz. Und ja, ich fand eure Einschätzung zu dem Thema sehr pauschal.

      Gruß

      Hanswurst

      • Die Frage, ob der Fehler von Microsoft absichtlich eingebaut wurde oder nicht, haben wir ja ausdrücklich diskutiert.

        Auch die Idee, mittels Ende des Supports die Menschen zum Update zu zwingen, war Thema in der Folge: es gibt leider Anwender, die gar nicht updaten können, weil sie dann bestimmte Software oder – noch schlimmer – ihre Hardware nicht mehr einsetzen können. Diese Menschen zum Update ihres Betriebssystems zwingen zu wollen ist schon einigermaßen zynisch.

        • 20. Mai 201710:05
          Stefan H.

          In diesem Falle kann man (wie einige Stadtverwaltungen z. B) für teuer Geld einen Supportvertrag mit MS abschließen und bekommt sein XP weiter geflickt. Oder man hängt die teuren Maschinen vom Netzwerk ab, bzw. in abgeschottete Netze. Für teure Software empfehlen sich virtuelle Maschinen usw.
          Weltfremd empfinde ich von MS in alle Ewigkeit kostenlosen Support für XP einzufordern.

          • warum ist letzteres weltfremd? Autohersteller müssen auch bis zum jüngsten Tag Rückrufaktionen starten, wenn Airbags plötzlich in die Luft fliegen. M$ soll alte Windows-Versionen ja nicht mit neuen Features ausstatten, sondern sie nur gegen gravierende Sicherheitslücken patchen.

            Merke: Nicht jede Regulierung ist böse, und wenn sie alle Marktteilnehmer gleichermaßen betrifft muss sie noch nicht einmal für die Unternehmen problematisch sein.

            Übrigens ist inzwischen rausgekommen, dass M$ von vornherein für alle betroffenen Windows-Versionen einen Patch gegen die Wannacry-Lücke entwickelt hatte, inklusive XP – man hat den Patch für XP dann aber nicht veröffentlicht, mutmaßlich um (wie Du ja auch vorschlägst) Druck auf die User auszuüben. Wie zynisch ist das denn bitte? Wer es kann hat längst auf eine neuere Version upgegradet, aber wie in der Sendung diskutiert können leider nicht alle.

            • 20. Mai 201712:44
              Stefan H.

              Wie ich bereits deutlich schrieb, gegen Geld kann man sein XP System weiter patchen lassen – deswegen werden ja Patches auch für XP entwickelt. Nur bekommen haben sie halt nur zahlenden Kunden. Kostenloser Windows XP Support wurde auch April 2014 eingestellt, über 13 Jahren nach Erscheinen. Das ist übrigens mehr als Vorbildlich auf dem Softwaremarkt, gerade auch Open-Source-Alternativen (die ich sonst sehr schätze) kommen auf weit geringere Support-Zeiträume (Ubuntu LTS z.B. auf 3 Jahre).
              Und, ich wiederhole mich hier nocheinmal, es gibt genug Möglichkeiten Windows XP Systeme sicher zu betreiben. Wenn die wertvolle Maschine / Software nicht sowieso schon ersetzt gehört (Windows Vista wurde ab 2007 ausgeliefert, also auch schon vor 10 Jahren). Wenn die Maschinen so wertvoll sind, könnte man doch die zusätzlichen Patches bei MS bezahlen, oder gar mal einen IT Spezialisten einstellen, der die alte Systeme abschottet.
              Hier wurde einfach (und das Britische Gesundheitssystem ist für seine chronischen Finanzprobleme bekannt) am falschen Ende gespart.

              • 20. Mai 201712:46
                Stefan H.

                Um bei dem krummen Autovergleich zu bleiben:
                Wenn nach 10 Jahren das Türschloss durchrostet, muss man die Ersatzteile auch selbst zahlen.

                • Den Verschleiß von Teilen an einem Auto kann man doch nicht mit der Reparatur eines *bereits defekt ausgelieferten* Produkts gleichsetzen.

                  • This.

                    Außerdem: Die Allgemeinheit leidet darunter, dass sich M$ die Selbstverständlichkeit extra bezahlen lässt, krasseste Sicherheitslücken nur gegen Cash zu fixen. Da kann man jetzt lange auf den NHS schimpfen, aber gerade Du, Stefan H., bist doch sonst immer dafür zu haben, öffentliche Infrastruktur in neoliberaler Manier kaputtzusparen. Genau das haben die Tories und “New Labour” mit dem NHS gemacht, und nun isses auch wieder nicht gut ;)

                    Aber Polemik beiseite – es wird immer gesellschaftlich relevante Akteure geben, die sich teure Individual-Support-Deals nicht leisten können. Deswegen bin ich ja dafür, Support jedenfalls für grobe Sicherheitslücken auch langfristig verpflichtend zu machen. Dann werden die Hersteller die Kosten auf die Allgemeinheit umlegen. Und da gehören die Kosten hin, weil auch die Folgen der Sicherheitslücken die Allgemeinheit treffen.

                    • 20. Mai 201713:23
                      Stefan H.

                      Das ist es wieder das Wort ‘neoliberal’. Ich hoffe du kannst mir erklären was du damit meinst, oder verwendest du es einfach nur als generisches Schimpfwort für alle jene die nicht blind an einen offensichtlich inkompetenten Staat glauben?
                      Aber Polemik beiseite: Bleiben wir doch einmal bei meinem Open-Source-Beispiel. Wie soll z.B. eine eine Linux-Distribution solche Millionenschweren Haftungsrisiken den tragen? Wenn eine Sicherheitslücke in alter Software gefunden wurde, die längst von niemandem mehr gepflegt wird. Werden dann die, ursprünglichen freiwilligen, Entwickler haftbar gemacht? Was macht man mit Software die von nicht mehr existenten Firmen ausgeliefert wurde? Oder sind wir hier gerade auf dem Haftungstrip, weil es gegen M$ (wie doch ein Buchstabe schon Haltung deutlich machen kann) geht?
                      Was ist so schwer daran zu verstehen, dass Software, genau wie Maschinen, etwas ist, was altert, was durch Investitionen erhalten werden muss sonst veraltet sie, wird anfällig und schließlich unbrauchbar. Diese Investionen können Zeit oder Geld sein, gemacht werden müssen sie.

                    • Autovergleiche hinken halt immer…

                      Wenn ich seit April 2014 mein Auto nicht mehr zur Inspektion bringe, dann hafte ich für die Schäden, die durch mein Auto entstehen, nicht meine Werkstatt, nicht mein Händler, nicht der Hersteller.

                      Ich trage außerdem das Risiko, dass die HU nicht bestanden wird und mein Fahrzeug zwangsweise stillgelegt wird, um Schaden von der Allgemeinheit fernzuhalten.

                      Außerdem muss ich, bevor ich es bewegen darf, meine Eignung dafür nachweisen, eine Computer mit Windows XP darf jeder einfach so weiterbetreiben.

                      Alle diese Aspekte bleiben in Eurer Betrachtung leider außen vor, hätten das Thema aber auch weiter verkompliziert.

                      Dabei mache ich das Fass, einen Diesel zu fahren und nun vermutlich bei der Fahrt in Innenstädte der Gelackmeierte zu sein, nicht auf.

                      Insofern stimme ich Stefan H. zu, die Nutzer da aus der Verantwortung zu nehmen, die sehenden Auges 3 Jahre lang ein nicht mehr zu patchendes System am Internet weiterbetreiben, ist zu billig.

    2. Empfehlung für einen Volkswirt: Heiner Flassbeck, früher mal Staatssekretär unter Lafontaine, nach dessen Demission zum Chef-Volkswirt einer UN-Organisation weggelobt.

      Kontakt: http://www.makroskop.eu

    3. Die Entwicklung der SPD zur Überwachungspartei ist leider keine neue, sondern hat seit Jahren Konstanz. Intern wird seit Struck es damit begründet, damit man der CDU kein Angriffsfeld für den Wahlkampf überlassen will auf diesem Gebiet und dass man nicht den Anschluss an die CDU in Sachen Innere Sicherheit verlieren will. Auf diesem Gebiet gewinnt schließlich immer der mit den dicksten Forderungen, siehe CSU.

      Insoweit haben sie leider auch recht, denn egal wie bürgerfeindlich die CDU mit ihrem Kurs ist, die CDU wird trotzdem massiv gewählt trotz ihrer Politik. Das wünschen sich Parteien wie SPD und Grüne natürlich auch, aber anders als die CDU müssen nichtkonservative Parteien nunmal etwas tun, um gewählt zu werden, Reformen hier, freiheitliches Weltbild da. Von diesem Druck ist die CDU/CSU restlos befreit und schießt da insbesondere im Sicherheitsbereich immer weiter übers Ziel. Wenns Kritik gibt, werden dann Terroranschläge usw. schamlos herangezogen, weil es ja egal ist, wenn 40 % der Bevölkerung gedankenlos ihr Kreuz bei der CDU und sich freuen, dass sie an der Wahl teilgenommen haben…

      Was Ulfs Hoffnung auf die SPD betrifft: Ich möchte hier nicht die Illusionen nehmen, aber die SPD Netzpolitiker haben kein Standing in der SPD, gerade wenn es gegen die Wahlkampfstrategie der Parteioberen wie Oppermann geht. Das war schon bei der Vorratsdatenspeicherung genauso. Da konnte man gegen den gefühlten Willen der Partei für das größere Ganze von der Parteispitze die Delegierten belatschern. Vielen Delegierten war es auch sichtbar nicht so wichtig, Netz & Digitales ist kein Traditionsthema, und wenns um Innere Sicherheit geht, will man auch ein bisschen populistisch sein dürfen. Es hilft nur nicht, denn wie Ulf so schön sagt, wer auf Bürgerüberwachung steht, wählt lieber CDU, da hat er das volle Programm. Das kapieren aber die Parteioberen der SPD einfach nicht. Mit dem jetzigen Horrorkurs in Sachen Innere Sicherheit wird wieder das moderne digitale Publikum vergrault und macht die SPD ganz erheblich unwählbar für die digitale Schicht.

      Nun könnte man sagen, dass das egal sei, weil die Piraten gezeigt haben, dass diese neue digitale Schicht ziemlich klein ist von der Wählerzahl, aber das Beispiel Digitalfunktion des Perso zeigt, dass die Bevölkerung schließt dem Staat nicht traut. Das wird mit solchen Gesetzen schließlich perpetuiert und begann schon mit Otto Schily (damals SPD) mit seiner Biometrie-Pandorabüchse.

      Das Problem mit Updates und ZITIS habt ihr ja angesprochen.

      Die Sucht des Staats nach Überwachung seiner Bürger wird immer größer und es gibt keinerlei parlamentarische Opposition mehr. Die SPD ist digital abgehängt, die Grünen opfern fürs Regieren alles und die Linke beschäftigt sich vornehmlich mit sich selbst. Andere parlamentarische Parteien kümmern sich schlichtweg nicht um digitale Bürgerrechte. Aber auch die oftmals einzige Rettung, das BVerfG, hat durch seinen Nichtannahmebeschluss in Sachen Biometrie im Reisepass gezeigt, dass kein hinreichendes Problembewusstsein besteht. Mag an der neuen Besetzung des Senats liegen, aber ein Bollwerk gegen den digitalen Überwachungswahnsinn ist das BVerfG damit nicht. Ich wage auch zu behaupten, dass das damals “eingeführte” (eher abgeleitete) neue Grundrecht auf Integrität informationstechnische Systeme usw. mit der heutigen Richtergeneration am BVerfG heute nicht mehr so entwickelt worden wäre.

      Von daher hoffe ich natürlich, dass Ulf & Co. bei der GFF nicht den Glauben allzu schnell verlieren werden, aber wenn es die Politik so leicht hat, die Sicherheitsgesetze so schnell und so einfach zu verschärfen, seh ich eigentlich auf Dauer schwarz. Es schmerzt mir in der Seele, dass die SPD hierfür auch noch Steigbügelhalter ist.

    4. Ich möchte einmal etwas zur eID klarstellen.
      Die eID ist schon immer in allen nPAs (Personalausweis mit eID-Funktion) vom Werk aus eingeschaltet. Das Gesetz sah bisher lediglich vor, dass BürgerInnen zur eID beraten werden mussten und dann entscheiden konnten ob die eID-Funktion eingeschaltet bleiben sollte oder nicht. Die Beratung sah bisher so aus, dass die SachbearbeiterInnen in den Einwohnerämtern fast immer zum Abschalten geraten haben. Die geschah allerdings nicht aus Sicherheitsgründen sondern aus Unverständnis und Unfähigkeit BürgerInnen gegenüber zu argumentieren wozu diese Funktion genutzt werden kann. Außerdem wurde nie erwähnt, dass selbst bei eine eingeschalteten eID-Funktion die eID nicht genutzt werden kann, solange die/der BürgerIn diese zusätzlich selbst aktiviert. Die Aktivierung muss vor der ersten Nutzung erfolgen.
      Das Gesetz wurde jetzt dahingehend geändert, dass BürgerInnen keine Wahl mehr haben die eID-Funktion generell auszuschalten. Trotzdem bleibt die eID weiterhin nicht nutzbar, wenn die/der BürgerIn die eID vor der ersten Nutzung nicht selbst aktiviert.
      Mir ist bewusst, dass das Thema eID kompliziert ist und die zuständigen Behörden auch nicht genug dafür tun um darüber aufzuklären.
      Ich möchte auch noch erwähnen, dass eine eingeschaltete und aktivierte eID-Funktion nicht aus der Ferne ausgelesen werden kann. Es ist auch nicht möglich ein Gerät (Ausweis) zu identifizieren wenn man keine Berechtigung besitzt die eID auszulesen. Außerdem erteilen BürgerInnen selbst die Berechtigung zum Auslesen durch Eingabe ihrer PIN.
      Wenn Bedarf besteht erzähle ich gern mehr darüber.

    5. Die Union will einen Wahlkampf zu innerer Sicherheit machen? Soll sie ruhig. Ich bin gespannt, wie sich Angela Merkel als Kanzlerkandidatin und Repräsentantin dieses Wahlkampfs als Law-and-order-Frau inszenieren will, wo sie doch gerade diejenige ist, die insbesondere von konservativen und rechten Vertretern als Verursacherin jeglicher Sicherheitsrisiken infolge ihrer Flüchtlingspolitik angesehen wird. Außerdem bin ich gespannt, wie die Union eine vermeintlich katastrophale Sicherheitslage des Landes kommunizieren will, wo es doch zwei Unions-Politiker sind, die für die innere und äußere Sicherheit zuständig sind. Und ich bin gespannt, wie die Union in ihrem Sicherheits-Wahlkampf erklären will, dass der CDU-Innenminister seinen Laden offenbar so weit nicht im Griff hat, dass sich ein rechtsextremer Bundeswehrsoldat als syrischer Flüchtling ausgeben kann und dafür auch noch eine Anerkennung bekommt. Und ich bin gespannt, wie der Innenminister die katastrophalen Fehler bei seinem Bundesamt für Verfassungsschutz erklären will. Außerdem bin ich gespannt, wie die Union erklären will, dass es in der Bundeswehr der Verteidigungsminister ganze rechtsextreme Netzwerke gibt.
      Das Problem für die Union bei einem Sicherheits-Wahlkampf ist, dass sie damit auch ganz leicht der AFD in die Karten spielen kann. Die können schließlich immer eine noch extremere Position vertreten. Ich bin gespannt, wie die Union dieses Spannungsverhältnis auflösen möchte.

      Grundsätzlich finde ich es richtig, dass die SPD auch das Thema Sicherheit abdecken möchte. Wahlen werden schließlich in der Mitte gewonnen. Und Gerhard Schröder hat immer darauf geachtet, dass das Thema Sicherheit gut vertreten ist. Mit Otto Schily hatte Schröder jemanden, der das authentisch vertreten konnte. Wenn die SPD nun aber nach der Wahlniederlage in NRW um die Ecke kommt, und plötzlich das Thema Sicherheit entdeckt, wirkt das künstlich und gestellt. Da braucht es einfach eine richtige politische Kommunikation. Die SPD muss verhindern, dass es nach außen so wirkt, als wäre Sicherheit für sie überhaupt kein Thema und als würde sie die Freiheit immer gegen die Sicherheit ausspielen. Es kommt auf die richtige politische Kommunikatin an: Keine Partei kann ein Interesse an fehlender Sicherheit haben. Denn aus der Perspektive eines Freiheits-Liebhabers ist fehlende Sicherheit auch ein Einschnitt der Freiheit. Wenn ich nicht sicher bin, kann ich auch nicht frei sein.

      Und zum Thema Agenda-Setting im Wahlkampf: Wenn die Menschen bei der Landtagswahl in NRW an dritter Stelle angeben, dass die unsichere Weltlage für sie ein wahlentscheidendes Thema ist, dann finde ich, dass Martin Schulz das auch gut für sich nutzen kann. Ich finde, dass Merkel in der Europapolitik kein gutes Händchen bewiesen hat. Deutschland wird innerhalb der EU als egoistische Führungsmacht wahrgenommen, die anderen eine rigorose Sparpolitik diktiert. Auch in der Flüchtlingsfrage hat es Merkel verpasst, einen frühzeitig Druck auf andere EU-Länder auszuüben, um eine faire Quoten-Verteilung in Europa zu erreichen. Und gerade bei den Reformplänen Macrons haben Schäuble und Söder gleich verlautet, dass man da auf gar keinen Fall mitmachen könnne. Da kann Martin Schulz doch wunderbar ansetzen: Er ist bestens vernetzt in Europa. Er kennt die EU von innen. Er steht leidenschaftlich für die europäische Idee ein. Er spricht sechs Sprachen fließend. Ich glaube, dass er gut im Wahlkampf kommunizieren könnte, dass er als Kanzler Europa zusammen mit Frankreich wieder voranbringen und festigen möchte. Dass er konkrete Reformpläne für die EU hat, die in die gleiche Richtung der Visionen von Macron gehen. Zwar muss er aufpassen, dass ihm das nicht als “ehemaliger Politiker aus dem Brüsseler Establishment” ausgelegt wird. Aber das lässt sich doch auch gut kommunizieren: Er war Präsident des EU-Parlaments, das von allen EU-Organen am wenigsten zu sagen hat. Trotzdem hat er es geschafft, dem Parlament wieder eine stärkere Stellung zu geben und hat damit die demokratische Vertretung der europäischen Bevökerung vorangebracht. Außerdem ist Merkel als Mitglied des Europäischen Rates doch viel mehr “Brüsseler Establishment” als ein Vertreter des Parlaments. Jedenfalls glaube ich, dass ein Gerechtigkeitswahlkampf alleine nicht ausreichen wird. Während Merkel wahrscheinlich in den nächsten Monaten ausschließlich auf internationaler Bühne auftreten wird, um sich als souveräne Staatsfrau zu inszenieren, muss Schulz eben zeigen, dass er auch die Kompetenz hat, Deutschland international zu vertreten. Und er muss vor allem darauf aufmerksam machen, dass Merkel auch in der Außenpolitik nicht immer alles richtig gemacht hat.

      • Einerseits einzugestehen, dass Deutschland als Egoist wahrgenommen wird, und andererseits zu fordern, dass eben dieses Deutschland seine unwilligen Partner schon viel früher zur Aufnahme von Flüchtlingen hätte vergöttern müssen, das kriege ich nicht zusammen.

        Die Erkenntnis, dass man Flüchtlinge verteilen sollte, dämmerte in Berlin ziemlich genau in dem Moment, als man selbst massiv Flüchtlinge aufnahm. Italien hatte bereits seit Jahren ein ganz ähnliches Problem, wenn auch zahlenmäßig etwas geringer ausgeprägt, zu meistern, ohne auf deutsche/europäische Hilfe zählen zu können. Was innerhalb der EU als Problem definiert wird, richtet sich leider zunehmend nach der Gefühlslage eines einzigen Mitgliedsstaates.

    6. Also bezüglich Trump solltet ihr mal tief durchatmen und die Berichte mit etwas Abstand und einer Priese Salz betrachten. Ich glaube, ihr verrennt euch da sonst…

      1) Der russische Fotograf war nicht der einzige, sondern wurde von einem amerikanischen begleitet (siehe http://www.businessinsider.de/russia-photos-trump-meeting-ambassador-kislyak-lavrov-2017-5
      “Aside from official members of the meeting, the only two other people present were an American photographer and a Russian photographer.”) – Anderslautende Berichte sind sicherlich lediglich ein Versehen der objektiven Presse gewesen.

      2) Die sogenannte “Drohung” an Comey, er solle aufpassen was er sagt, nicht das es Aufzeichnungen gibt… habt ihr diese “Drohung”, die ihr ja für äußerst unverschämt und rücksichtslos haltet, mal zu Ende gedacht? Was können Aufzeichnungen, sollten sie existieren, denn beweisen können? Wo ist das Droh-Potential? Das einzige was ich daraus lesen kann, ist, dass Comey schön bei der Wahrheit bleiben sollte und besser nichts dazu dichtet. Ja, das ist ja bedrohlich…
      Btw, Comey selbst hat bisher ja soweit ich weiß noch keine Aussagen gemacht, was Trump alles gesagt haben soll. Alles kommt aus anonymen Quellen…

      3) Der “Geheimnisverrat” – zuerst sagt ihr, dass die juristische Einschätzung schwierig wäre, dann stellt ihr fest, dass der Präsident jedes Recht hat, die Infos mit dem russischen AUßENMINISTER und BOTSCHAFTER zu teilen. Er höchstens ein Gentlemen-Agreement mit Israel verletzt hat.
      Erinnert ihr euch, dass bereits ein russisches Flugzeug voll mit Touristen gesprengt wurde?
      Wenn jemand israelische Quellen gefährdet hat, dann ja wohl eher die anonymen Quellen, die diesen vollkommen legitimen Vorgang in die Öffentlichkeit getragen haben, oder?

      Naja, ich kann bei Trump verstehen, dass er das Gefühl hat, das Opfer einer Hexenjagd zu sein. Er kann Pfurz lassen, ohne dass daraus ein staatsgefährdendes Ereignis wird und Impeachment immer näher kommt. Selbst 8000km entfernt, empört man sich, ohne etwas zu reflektieren…

      • Nächstes mal lese ich es erst gegen, bevor ich ab abschicken klicke… Ich hoffe es ist auch so verständlich.

      • Genau das ist ungefähr die Mindestanforderung an den mächtigsten Mann der Welt: sich darüber bewusst zu sein, was auch nur ein kleiner Pups anrichten kann, wenn man als POTUS unterwegs ist, anstatt als Host einer Reality Show.

        Ist halt ein tougher Job.

        • Verstehst du den Unterschied zwischen “seine Handlungen haben Konsequenzen” und “egal was er macht, es wird geleakt, ist empörent, wahrscheinlich Hochverrat und wird zur Amtsenthebung führen”?

          • Na, eine offensichtliche Konsequenz seiner Performance besteht ebend arin , dass die Profis in der Administration ihn möglichst schnell los werden wollen. Und das hat zur Folge, dass seine Fehltritte vom Apparat nicht (mehr) gedeckt sondern eher noch entblößt werden.

            Ein typisches Beispiel dafür ist die Causa Flynn. Da wird dem Präsidenten zugetragen, dass sein zukünftiger Chef des Nationalen Sicherheitsrats sehr wahrscheinlich für eine ausländische Macht tätig ist und was tut er daraufhin? Nix. Damit zwingt er die Leute im Sicherheitsapparat, die das nicht ganz so entspannt sehen, die entsprechenden Informationen durchzustechen, um so die Ablösung Flynns zu erzwingen.

            Und Dummheiten dieser Art leistet sich Trump alle paar Tage.

            • Die Profis in der Administration sind aber nicht zum Präsidenten gewählt worden. Und da wundert es dich, dass Trump innerhalb seiner Administration nachfragt, wo die Loyalität liegt?

              Und die Timeline bei Flynn habe ich wie du es beschrieben hast nicht gefunden, dass er als Foreign Agent tätig war ist mMn erst nach seiner Entlassung bekannt geworden.

      • Ist diese Frage “Habe ich Deine Loyalität?” von Trump an Comey tatsächlich so, ich nenne es mal drastisch, zu interpretieren?

        Natürlich ist es eine Sache Loyalität zu fordern und wie beim Bruch des Versprechens gehandelt wird. Aber vielleicht waren solche Leute wie Friedrich Merz oder Roland Koch ebenfalls “nicht loyal” und sind darum aus Angela Merkels Umfeld verschwunden?

        Der Vergleich hinkt sicher. Die hier (übrigens sehr gut) erzählte Trump-Story ist viel größer ist als diese eine Loyalitätsfrage von Trump. Und ganz sicher stinkt sie zum Himmel. Aber gehört es nicht zum Politikbetrieb dazu Loyalität einzufordern? Es würde mich interessieren, was andere dazu denken.

        • Die Position des FBI-Chefs ist in Deutschland am ehesten dem Leiter des BKAs vergleichbar. Stell dir mal vor, ein deutscher Kanzler würde vom BKA persönliche Loyalität fordern.

          Der letzte “Kanzler”, der die Sicherheitsorgane auf seine Person eingeschworen hat, stammte aus Braunau am Inn und die Sache lief dann etwas aus dem Ruder. ..

          • Da ist wieder der Hitlervergleich… Fast immer für jeden ein Grund einen Rücktritt oder eine Entschuldigung zu fordern – außer wenn es gegen Trump geht.

    7. 20. Mai 201715:37
      Sebastian Petrick

      Ihr sucht VolkswirtInnen – gute Idee! Nun ist es wie in vielen Sozialwissenschaften so, dass auch VolkswirtInnen mit gewissen Vorprägungen an ihre Analysen herangehen, über die man sich im Klaren sein sollte. Der schon erwähnte ex-UNCTAD-Chefökonom Heiner Flassbeck wäre sicher eine gute Wahl und gehört eher zum linken Spektrum der deutschen Ökonomen. Ich hatte schon gute, kontroverse und erkenntnisreiche Diskussionen mit dem eher liberalen Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft Stefan Kooths (https://www.ifw-members.ifw-kiel.de/~stefan_kooths_ifw_kiel_de). Sagt Bescheid, wenn ich einen Kontakt herstellen soll!

      • Hab dem Herrn mal hier zugehört: https://m.youtube.com/watch?v=L8Qo8KTDLhA

        Libertärer Nutjob. “In Griechenland Arbeitsverträge nach dänischem Recht schließen …”

        Auch die dem folgenden Wortmeldungen sind bemerkenswert.

        Diese ganze Denkschule ist von Ideenfragmenten bevölkert, die keinen Bezug zu realen Welt haben. Beispiele:

        Wettbewerbsfähigkeit: Alle Länder müssen ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Doch was soll das Ergebnis sein, wenn das wirklich alle tun? Wenn alle 18 Mannschaften der Bundesliga ab morgen doppelt so schnell rennen und doppelt so kräftig gegen den Ball dreschen, gibt es am Ende der Saison dennoch nur einen Meistertitel und drei Abstiegsplätze zu vergeben. Wer Handelsbeziehungen zuerst als Wettbewerb begreift, in dem es zu reüssieren gilt, der setzt ja immer einen Dummen voraus, der am Ende den Kürzeren zieht gegen die “Wettbewerbsfähigen”.

        Überschuldung: Wer öffentliche und private Schultern addiert, landet beim Geldvermögen der Gläubiger. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Eine Volkswirtschaft die “überschuldet” ist, ist zugleich über-vermögend. Von Geldvermögen als Problem redet dort aber niemand, nur von den schlimmen Schulden.

    8. Auf heise wird übrigens von Bestrebungen bei der EU berichtet, eine Super-Biometrie-Datenbank aufzubauen… offenbar sollen damit sämtliche Datenbanken zusammengelinkt werden. Datenansammlungen schaffen halt Versuchungen, die man in der Verwaltung kaum widerstehen kann…

      https://www.heise.de/newsticker/meldung/Biometrie-Superdatenbank-EU-Kommission-will-alle-Security-Daten-vernetzen-3719086.html

    9. Guten Abend liebe Lagen – Hörer,
      ich würde mich super freuen, wenn ihr euch kurz 5min. Zeit nehmen könnten für eine kleine Umfrage zum Thema Deutschlandfunk.

      Danke!!

      https://goo.gl/forms/cMdLKyvuzFfPyELx1

      • Danke für den Link! – Ich nehme auch an, daß viele hier DLF und die Schwesterprogramme hören werden. Ein Feedback zum Ergebnis der Umfrage würde mich interessieren.

    10. Hallo ihr Beiden!
      Ich verfolge die Lage der Nation seit Anfang des Jahres und freue mich jeden Freitag auf eine neue Folge.

      Gerade habe ich die aktuelle Lage zu Ende gehört und möchte sagen, dass ich die “Lehrer-Diskussion” sehr unvollständig bis ärgerlich fand. Vor allem euer Fazit: “Ja ja, das Referendariat ist doof, aber danach geht’s so einigermaßen. Alle sind halbwegs happy.”

      Das ist vollständig am Thema und der Problematik vorbei und wirklich kurzsichtig von euch. Ich will nicht das große Bildungs-Fass aufmachen, jeder halbwegs informierte Mensch in diesem Land weiß um die Probleme in deutschen Klassenzimmern von G8, über Inklusion, zu vollen Klassen, Lehrermangel, Unterrichts-Ausfall, Burn-Out bei Grundschülern… um nur mal die prominentesten zu nennen.
      Ich bin auch pädagogisch tätig, wenn auch in einem anderen Bereich und nicht in einer staatlichen Schule. Ich habe größten Respekt vor den Menschen, die diesen Beruf – im besten Fall mit Leidenschaft – ausüben und sehe enorm großen Handlungsbedarf von Ländern und Bund.

      Eine etwas reflektiertere Sicht auf dieses Thema würde mich freuen. Zumindest sollte nicht der Eindruck beim Hörer entstehen, als sei dies alles völlig okay und eigentlich keine große Nummer.

      Liebe Grüße
      Sandra

      • Hi Sandra,
        ich hab die Relativierungen eher auf den einzelnen Lehrer bezogen verstanden. Heißt: Man kann als Lehrer nen guten Job machen und daran Spaß haben, und das tun viele auch.
        Dass es im Bildungssystem an allen Ecken und Enden offene Fragen und Probleme gibt, is ein anderes (wichtiges) Thema.

    11. Ein interessanter Hinweis zu WannaCry: Es scheint gar nicht so erheblich zu sein, ob Microsoft XP nun noch patcht oder nicht, da die meisten infizierten PCs laut Zahlen von Kaspersky mit Windows 7 liefen. Und für Win 7 gibts seit dem 17. März ein Update von Microsoft. Da scheinen also sehr viele Leute einfach keine Updates installiert zu haben.
      https://www.heise.de/newsticker/meldung/WannaCry-Fast-nur-Windows-7-PCs-infiziert-3719145.html

      Und noch ein Kommentar zu XP: Es ist hinlänglich bekannt, dass Windows XP nach aktuellem Stand der Technik unsicher ist. Wer nun noch gezwungen ist XP weiter einzusetzen (wie z.B. aufgrund von Medizintechnik), sollte das zumindest abgeschirmt vom Internet und in einem separaten Netzwerk tun. Dann müssten zwar z.B. MRT-Bilder von Hand per USB-Stick übertragen werden, aber der “Super-GAU”, bei dem innerhalb kürzester Zeit alle XP-Rechner im Netz ausfallen, wäre abgewendet.
      Wer als Betreiber von großen IT-Infrastrukturen wie Bahn oder NHS den simplen Grundsatz “bekannt unsichere Systeme gehören nicht ans Internet” nicht beachtet, ist meiner Meinung nach selber Schuld. Sich hier über Microsoft aufzuregen, sucht den Fehler an der falschen Stelle.

      • 21. Mai 20178:04
        Stefan H.

        Wenn ich mich richtig erinnere, liegen die große Zahl ungepachter Win 7 Systeme und die resultierenden großen Schäden in Osteuropa hauptsächlich daran, dass MS Patches für nicht-lizensierte (aka ‘Raubkopien’) Windows Installationen verweigert. Muss man also MS verdonnern auch illegale Kopien abzusichern, oder sind schlicht jene Schuld die unsichere Systeme ans Netz hängen?

      • natürlich ist man selber schuld, wenn man XP noch ans Internet hängt. Aber vielleicht ist das einfach nicht die richtige Frage: Gesellschaftlich betrachtet sind solche Ausbrüche von Schadsoftware katastrophal, und jedes infizierte System verschärft die Situation. Dann sollte man nicht auf “Schuld” schauen, sondern sich lieber fragen, wo eine Regulierung sinnvoll ansetzen kann. Und ich denke, dass man Hersteller immer noch leichter in die Pflicht nehmen kann als Einzelpersonen.

        • 21. Mai 20179:16
          Stefan H.

          Um nochmal einen Autovergleich zu bringen:
          Wenn man mir einen Fahrzeug mit ohne aktuellen TÜV herumfährt und damit gar einen Unfall baut, wer haftet dann? Natürlich der Fahrer, und zwar alleine. Warum haften also nicht die Betreiber unsicherer Systeme für den Schaden den sie anrichten. Egal ob ein falsch konfigurierter Webserver zur Spamschleuder oder ein nicht gepachtes Win zum Wurmbrutkasten wird. Denn selbst wenn es eine Patch Pflicht gebe, für das rechtzeitige einspielen und die richtige Konfiguration ist doch letztendlich immer der Nutzer verantwortlich. Also sollte der auch haften.

          • Du hängst gedanklich immer noch bei Schuld und Verantwortung fest. So richtig das alles ist, so wenig hilft es uns gesellschaftlich betrachtet weiter, einfach weil es extrem schwer wird, Millionen User auf den Pfad der IT-Tugend zu zwingen. Bei den Herstellern anzusetzen scheint mir hingegen durchaus aussichtsreich.

            • 21. Mai 20179:31
              Stefan H.

              Die Hersteller in Verantwortung für die Fehler der User zu nehmen, führt nur dazu, dass Windows (und andere Betriebssysteme) schnell so aussehen wie iOS. Goldene Käfige mit Zwangsupdates und ohne Konfigurationsmöglichkeiten. Damit der Nutzer ja nichts anstellen kann, was hinterher den Hersteller haften lässt. Und die Updates nehmen sicher keine Rücksicht darauf ob irgendeine Maschinensteuerung danach nicht mehr funktioniert. Vielleicht bist du mit so einer Welt glücklich, ich bevorzuge die Freiheit, auch die Freiheit Fehler zu machen und die resultierende Verantwortung dafür gerade zu stehen.

              • Es gibt bei iOS keine Zwangsupdates.

                • 21. Mai 20179:36
                  Stefan H.

                  Aber in einer hypothetischen Welt voll Hersteller Haftung für falsche Konfiguration.

                  • eben, Du bist jetzt im Reich der hypothetischen Szenarien angekommen. Konkret gesprochen wurde hier darüber, warum Hersteller eigentlich existierende Systeme nicht mehr absichern … das hat mit Haftung zunächst mal wenig zu tun. Und bei Haftung haben wir immer wieder gesagt, dass das ein komplexes Thema ist und man sich sehr genau überlegen muss, wie man die Haftungsregeln ausgestaltet, damit es nicht zu Seiteneffekten kommt. Das sind aber alles keine Argumente dafür, dass Microsoft ganz bewusst einen Patch für XP nicht veröffentlicht, obwohl er längst fertig in Redmond auf der Platte liegt.

                    • 21. Mai 201710:03
                      Stefan H.

                      Weil MS seine vertragliche Verantwortung für kostenlosen Win XP Support schon lange erfüllt hat. So einfach ist das. Wenn du jetzt wieder eine darüberhinausgehende gesetztliche Verantwortung konstruierst, kommen wir automatisch in die Haftung für das Unternehmen. Und damit automatisch in die Frage der Minimierung der Haftungsrisiken. Und diese kann nur durch massive Einschränkung der Nutzerfreiheit erfolgen.
                      Deswegen lautet die einzig richtige Frage: Warum haben die Nutzer sehenden Auges, drei Jahre lang ein ungepatchtes System am Netz hängen gehabt? Diese Frage kann man sogar unabhängig von einer Diskussion zur Pflicht MS zur Auslieferung von Patches als Schadensminderungspflicht betrachten.

                      • Oh es ist eigentlich schon recht einfach zumindest dein Argument: MS hat Fehler gemacht, aber irgendwann ist es auch mal gut. Dass ist zusammengefasst dein Argument.

                        Das Urheberrecht auf die Software gilt viel zu lange, damit hätten wir doch eine Haftungsrahmen für das Unternehmen. Wer Rechte will muß auch Pflichten haben.

                        Und die Frage wieso Nutzer ein ungepatchtes System am Netz betreiben stellt sich doch echt nicht, oder sollen “alle” Androidhandys nach Auslieferung in die Wiederaufbereitung kommen?

                        Als Nutzer muß man Backups machen. Der Rest ist das Problem des BS Herstellers, ich nutze auch noch XP in einer VM und ich werde das sicherlich nicht austauschen, nur weil MS seine Fehler nicht mehr beheben will. Wegen meiner kann mir auch gerne jemand die XP Festplatte verschlüsseln, geh ich halt einen Snapshot zurück und mache weiter.

                        Gruß Tim

      • 22. Mai 20179:59
        Mithrandir

        das Thema wurde ja jetzt ausgiebig diskutiert. Meine Meinung dazu ist auch:
        Man kann die Hersteller nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag dazu verpflichten Sicherheitspatches bereitzustellen.
        Wenn Ihr die gesellschaftliche Relevanz ins Spiel bringt, ist die Frage, ob der Staat dann nicht ein Zertifikat (ähnlich TÜV) herausbringen müsste, um alle Systeme zu prüfen. wollen wir das?
        Um mal vom Autovergleich wegzukommen. Bei Heizungsanlagen gibt es auch eine Regelung, die besagt, dass man Heizungsanlagen eines bestimmten Alters irgendwann rausschmeißen muss, weil keine Technik der Welt die Systeme so anpassen kann, dass die Abgasnormen erfüllt werden.
        Klar, hinkt auch.
        Aber wie oben schon gesagt. Es gibt genug Möglichkeiten alte Systeme so zu managen, dass sie nicht gefährdet sind.
        Letztendlich ist es eine Kosten- Nutzenrechnung, ob es günstiger ist das System so zu kapseln, dass man es weiternutzen kann, oder ein neues System anzuschaffen.

    12. Die verlinkte Zusammenfassung des Papers zu sinkenden Lohnquote ist bemerkenswert. Da redet man über Unternehmen, über Beschäftigte, über Produktivität und Löhne. Aber Gewerkschaften tauchen nicht auf. Hm.

      Im Folgenden ein paar simple Zusammenhänge: Nehmen wir an, dass große Unternehmen produktiver sind als der Unternehmen durchschnittlicher Größe. Das bedeutet, dass im Großunternehmen pro Mitarbeiter mehr Güter und Dienstleistungen erzeugt werden. Falls die Mitarbeiter im Großunternehmen so bezahlt werden, wie im Rest der Wirtschaft, dann steht der Mehrertrag aufgrund der besseren Produktivität für eine höhere Gewinnquote im Vergleich zum Rest der Wirtschaft zu Verfügung und/oder für Preissenkungen, um die Marktanteile auszubauen. Damit haben wir schonmal die empirischen Befunde abgedeckt: Großunternehmen beherrschen immer größere Teile des Marktes, die Gewinnquote am gesamtwirtschaftlichen Kuchen steigt zulasten der Lohnquote. Und als direkte Folge dieser Entwicklung weniger Wirtschaftswachstum und höhere Arbeitslosigkeit, denn die geringe Lohnquote führt natürlich zu geringerer Nachfrage, während gleichzeitig aufgrund steigender Produktivität immer weniger Personal zur Bereitstellung einer fixen Menge an Waren und Dienstleistungen benötigt wird.
      Nun wird im Text angegeben, dass die Großunternehmen höhere Gehälter zahlen als der Durchschnitt der Arbeitgeber. Wieviel mehr, das ist nicht angegeben. Wir wissen aber, dass es kein Lohnaufschlag entsprechend der höheren Produktivität sein kann. Denn sonst könnten diese Unternehmen nicht pro Mitarbeiter deutlich höhere Gewinne erwirtschaften, wie im Text angegeben. Um für Arbeitnehmer attraktiv zu sein, reicht es ja auch “nur” überdurchschnittlich gut zu bezahlen.

      Nun treten wir mal einen Schritt zurück und fragen uns, welches “Wunder” notwendig ist, um die Lohnquote dauerhaft konstant zu halten. Gar nicht schwer: Die Löhne müssen jedes Jahr entsprechend der Inflation plus den Produktivitätzuwachs ansteigen. Denn der gesamtwirtschaftliche Kuchen wächst (bei konstanter Arbeitskräftezahl) jedes Jahr durch eben diese Faktoren.

      Und nun kommt’s: Bis zu deren Kastration im Zuge der Entwicklung, die man gemeinhin Neoliberalismus schimpft, war genau das Ausschöpfen des oben skizzierten “Verteilungsspielraums” der Job der Gewerkschaften.
      Die stabile Lohnquote bis vor ein paar Jahrzehnten ist also kein Wunder, sondern schlicht das Ergebnis eines ungefähr ausgeglichenen Kräftegleichgewichts zwischen Arbeitgebern und (organisierten) Arbeitnehmern.

    13. Nur ein paar interessante Zahlen zum sog. „Schulz-Effekt“. Es spricht doch vieles dafür, dass wir es hier mit einem längerfristigen Niedergang der deutschen (und europäischen) Linken zu tun haben. Wenn man die Umfragen von heute mit denen von vor einem halben Jahr vergleicht, sieht man den Trend deutlicher. Von einem (positiven) „Schulz-Effekt“ ist hier nichts mehr zu erkennen…

      18.05.17:
      Rot-Grün = 34 %
      R2G = 40 %

      18.11.16:
      Rot-Grün = 36 %
      R2G = 45 %

      http://www.wahlrecht.de/umfragen/dimap.htm

    14. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/donald-trump-und-die-boerse-warum-investoren-jetzt-us-aktien-abstossen-a-1148462.html

      Ich hoffe, der Herr @vieuxrenard hat genug Optionen zur marktstabilisierenden Wirkung eingekauft.

      Grüßchen aus dem SPD Kreis

    15. Zum Thema SPD Wahlkampf, die NRW SPD hat im Wahlkampf eben NICHT auf Law and Order gesetzt, weil sie weiss dass sie dabei faktenunabhängig immer gegen die CDU verliert. Sie haben sich aber von CDU/FDP das Thema aufdrängen lassen und die Medien haben fleißig mitgemacht Jäger runterzuschreiben…. Immer wieder wurde “Silvester Köln” als Zeichen für sein Versagen angeführt, als ob die Nacht von irgendwem vorhersehbar gewesen wäre oder es mit einem anderen Innenminister anders gelaufen wäre. Jäger hat dafür gesorgt dass sich so etwas nicht wiederholt und im Folgejahr blieb in Köln alles ruhig, das hat aber keinen interessiert. Auch der Fall Amri wurde komplett Jäger in die Schuhe geschoben. Ist doch interessant zu sehen, dass das Versagen und die Fälschungen der Berliner Behörden erst jetzt nach der NRW Wahl diskutiert werden.

      • Die SPD weiß, dass sie bei einem Law and Order Wahlkampf immer gegen die Union verliert? Da frage ich mich doch, woher Du diese Erkenntnis nimmst. Ich würde das ja sehr begrüßen. Aber der Entwurf des Wahlprogramms zur Bundestagswahl ebenso wie die öffentlichen Äußerungen der letzten Tage scheinen mir da eine ganz andere Sprache zu sprechen … und schau Dir die Gesetzentwürfe von Heiko Maas aus dem letzten halben Jahr an, von der überflüssigen Strafverschärfung für folgenloses Schubsen von Polizeibeamten bis hin zu dem skandalösen Vorschlag für Online-Durchsuchungen auch bei allenfalls mittelschweren Straftaten. Das hat mit maßvoller Politik nichts zu tun, sehr viel aber mit hemmungslosem Haudrauf-Aktionismus in Wahlkampfzeiten. Und aus der SPD sehe ich wenig Widerstand.

        • Vielleicht habe ich mich da Missverständlich ausgedrückt, ich bezog mich vor allem auf den NRW Wahlkampf. Bin selber SPD Mitglied in NRW und da wurde uns die NRW Kampagne so erklärt: “wir wissen aus Umfragen dass die Menschen bei Themen innere Sicherheit der CDU mehr Kompetenz zugesprochen wird als uns, also setzen wir im Wahlkampf auf andere Themen um unsere Stärken hervorzuheben.”

          Allerdings ist das natürlich einerseits Landes und nicht Bundes SPD und andererseits hat die SPD bekanntlich NRW ja verloren, es kann also durchaus sein dass gerade die Strategie für die BTW anders aussehen wird, was ich allerdings auch unglücklich fände.

          Also, wie die Bundes SPD Strategie aussehen wird weiss ich natürlich nicht, es ging mir eher darum eure Aussage bezüglich NRW zu korrigieren. Hier hat die SPD explizit keinen Law and order Wahlkampf gemacht obwohl Jäger als solcher gilt. Das Problem war aber, dass sie sich von der CDU hat solche Themen aufdrängen lassen und die CDU Themen so den Wahlkampf bestimmt haben.

          • danke Dir für das Update! Spannend, dass man sich wirklich GEGEN einen law & order Wahlkampf ausgesprochen hatte, denn von außen sah das ganz anders aus – und ich fürchte, dass die Bundes-SPD jetzt in die Falle tappt. Mal sehen, wie sich Martin Schulz positionieren wird.

            • Da muss ich Tim beipflichten. Seine Analyse, dass der SPD dieses Thema von der CDU aufgedrängt wurde, teile ich.
              Und ich kann einfach nicht verstehen, warum die Bundes-SPD immer wieder ihre Überwachungsgeilheit an den Tag legt – nicht nur inhaltlich sondern vor allem auch taktisch.
              Ich glaube nämlich nicht, dass die SPD durch Online Überwachungsmaßnahmen bei den Wählern punktet, die die Sicherheitslage in Deutschland gerade in Gefahr sehen. Die kriegen davon nix mit und es wäre ihnen wohl auch egal, denn wie das Wahlkampfthema Silvesternacht in NRW gezeigt hat, geht es weniger um konkrete Maßnahmen, als um eine gefühlte (Un)Sicherheit. Den kritischen netzaffinen Wählern is diese Politik dagegen ein dickes Dorn im Auge.

              • 21. Mai 201717:43
                Ivo Huffer

                Ich denke auch, dass jegliche Versuche der SPD und insbesondere von Heiko Maas, sich dem Thema Sicherheit mit ähnlichen Methoden zu näheren, wie es meist die CDU tut, taktisch ein Fehler sind und zugunsten der CDU ausgehen.
                Warum Heiko Maas sich hier nicht abgrenzt und klar Positionen vertritt, die mit dem Grundgesetz in Einklang stehen (Vorratsdatenspeicherung), unnötige Straftrechtsverschärfungen vermeidet (Schubsen von Polizisten) oder die eindeutig effizientere Lösung wählt (fehlende Ansprechpartner bei Facebook & Co.), ist mir ein Rätsel. (Hab mich mal einiger Beispiele aus der Lage bedient.)
                Hier ist doch das Abgrenzungspotential zur CDU. Hier könnte er zeigen, dass er Lösungen anbietet, statt sich von den Populisten durchs Dorf treiben zu lassen.
                Und außerdem könne er Martin Schulz hier schöne Vorlagen für den Wahlkampf lierfern.
                Stattdessen wirkt er gerade in der aktuellen Diskussion zum NetzDG, wo er von quasi allen Seiten (https://www.tagesschau.de/inland/hasskommentare-gesetz-maas-101.html) kritisiert wird, wie ein trotziges Kind und hält an seinen Gesetzesvorhaben fest. Nicht nur, dass ihm diese Liste der Kritiker anscheinend nicht zu denken gibt, er scheint auch nicht zu sehen, dass er hier mal wieder der CDU in die Karten spielt und die Chancen der eigenen Partei untergräbt, glaubwürdig im Wahlkampf andere Positionen zu vertreten, die eine klare Abgrenzung zur CDU zulassen würden.

    16. 21. Mai 201719:35
      Ivo Huffer

      Zum Thema Gerechtigkeit und Rolle der Superfirmen
      Ich bin kein Volkswirt und werde mir nicht anmaßen, hier aus volkswirtschaftlicher Sicht Annahmen zu treffen.
      Aus meiner Sicht passen aber die Gerechtigkeitsdiskussion bezogen auf Arbeitnehmer und Firmen wie Google und Facebook nicht so ganz zusammen. Wie ja auch in dem von Euch verlinkten Artikel erwähnt, zahlen diese Firmen ihren Mitarbeitern eher gute Gehälter. Wobei man wohl sagen muss, dass das eher eine krasse Untertreibung ist. Von den Lebenshaltungskosten her gesehen, sind in den USA die beiden teuersten Städte San Franciso und San Jose (https://www.inc.com/minda-zetlin/what-it-costs-to-live-in-the-10-most-expensive-cities-in-america.html). In bzw. zwischen diesen beiden Städten haben viele der großen Internetfirmen ihren Hauptsitz. Und das ist kein Zufall, sondern der Grund für die hohen Lebenshaltungskosten.
      Wenn also Google oder Facebook jemanden einstellen wollen, müssen sie so zahlen, dass diese Person auch in der Nähe des Arbeitsplatzes leben kann. Außerdem ist der Wettbewerb der Firmen um die Mitarbeiter hier extrem hoch, das heißt sie müssen höhere Gehälter als die Konkurrenz zahlen, damit die Menschen zu ihnen kommen. Damit dürften die relevanten Faktoren für die Höhe der Gehälter bei Facebook oder Google (nicht nur in den USA und meiner Meinung nach) wohl abschließend aufgezählt sein.
      Insbesondere die Frage, wieviel Geld das jeweilige Unternehmen verdient, spielt hier kaum oder gar keine Rolle. Denn Google und Facebook haben schon hohe Gehälter gezahlt, bevor sie viel oder überhaupt Geld verdient haben.
      Und wenn jetzt ein Unternehmen wie Google oder Facebook hohe Gewinne macht, geschieht dies aufgrund des Geschäftsmodells bzw. dessen Änderung und Ausrichtung auf Monetarisierung sowie natürlich auch des Marktanteils, der durch hohe Investitionen erreicht wurde, aber wohl nur noch sehr begrenzt in unmittelbarer Abhängigkeit von der Zahl der Mitarbeiter oder deren Arbeitsleistung zu diesem Zeitpunkt (!).
      Natürlich haben die Mitarbeiter die Arbeit geleistet und das Unternehmen, das Produkt und den Marktanteil aufgebaut. Das wurde aber durch Investitionen wie Risikokapital finanziert.
      Ein etwas anderes Beispiel ist hier Amazon. Amazon macht seit Jahren kaum Gewinne. Das liegt meines Wissens aber nicht daran, dass es nicht gut läuft oder an der Höhe der Kosten für das laufende Geschäft, sondern vielmehr daran, dass immer weiter in neue Entwicklungen investiert wird. Dadurch hat Amazon nicht nur Standards in Onlinehandel und Logistik gesetzt, sondern auch seinen Marktanteil immer weiter ausgebaut. Ich würde mal vermuten, dass wenn Amazon morgen aufhören würde, weiter so massiv zu investieren, der Gewinn signifikant steigen würde, ohne dass es sonstige Veränderungen bei Faktoren wie Personalkosten gäbe.
      Wie auch immer die Lage volkswirtschaflich zu betrachten ist, ich denke in der Gerechtigkeitsdebatte sollte man auch bedenken, dass Löhne und Gehälter für viele Unternehmer eher eine Frage der jeweiligen Marktgegebenheiten (lokale Rahmenbedingungen, Wettbewerb um Arbeitnehmer, Gehaltsniveau) sind. Die Entscheidungen fallen dann unter Abwägung von Für und Wider. Insofern denke ich, sollte man sich politisch darauf fokussieren, welche attraktiven Marktbedingungen man z.B. durch Bildung und Qualifizierung schaffen kann. Wenn man dann noch im staatlich finanzierten Bereich mit gutem Beispiel vorangeht, dann gelingt es vielleicht auch noch, eine gesellschaftliche Veränderung herbeizuführen. (Subventionen, Steuern usw. spielen natürlich auch eine Rolle)

    17. SPD auf “Law and order”-Kurs:

      “Die Union hat den Sozialdemokraten beim Thema Sicherheit Wähler abgenommen. Nun verspricht die SPD “Null-Toleranz-Politik”, Videoüberwachung und 15.000 Polizisten mehr.

      Die SPD will im Wahlkampf mit einer harten Linie in der Innenpolitik um Stimmen werben. “Sicherheit ist ein zentrales Bedürfnis der Menschen”, heißt es im Entwurf für das SPD-Wahlprogramm. In dem 67-seitigen Papier bekennt sich die Partei zu einem starken, handlungsfähigen Staat, der Kriminalität, Extremismus und Terror entschieden entgegentritt.

      Mit harter Hand will die SPD auch gegen radikale Islamisten und Hassprediger vorgehen. Notwendig sei ihnen gegenüber eine “Null-Toleranz-Politik”. Eine SPD-geführte Bundesregierung werde “extremistische islamistische Moscheen schließen und ihre Finanzierung unterbinden”. Grundsätzlich sollten Ausländer, die in Deutschland schwere Straftaten begehen “nach Verbüßung ihrer Strafen unverzüglich abgeschoben werden”.

      http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-05/wahlprogramm-spd-martin-schulz-nordrhein-westfalen

      Wirkt ja auch sehr glaubwürdig, wenn man bedenkt, dass zwei SPD-regierte Bundesländer durch ihr innenpolitisches Versagen einen Terroranschlag nicht verhindert haben, obwohl es mehrere Gelegenheiten dazu gab.

      Wenn sie dann wenigstens zu ihren Fehlern stehen würden, um dann Besserung zu geloben. Aber alleine die Tatsache, dass jemand wie Ralf Jäger nie zurückgetreten ist, spricht doch schon Bände. Wann checken diese Trottel endlich, dass man nicht dem Wähler nach dem Maul schwätzen, sondern ein ordentliches und glaubhaftes Konzept vorlegen UND DANN DAZU STEHEN muss.

    18. Ich denke, es ist der falsche Ansatz, den Hersteller zu verpflichten, dass MS über das End-Of-Life (EOL) von XP hinweg Updates veröffentlichen muss.
      Immerhin war das EOL von XP von Anfang an bekannt (und MS hat das sogar nochmal verlängert).
      D.h. vor allem: der Käufer wusste *ganz genau*, worauf er sich einlässt. Wenn Krankenhäuser dann Medizintechnik kaufen und so kalkulieren, das die über das EOL hinaus von XP abhängt: selber Schuld.
      Des Weiteren wurde XP über 12(!) Jahre hinweg unterstützt – wenn die Krankenhäuser bei einem Hersteller einkaufen, der ihnen in der ganzen Zeit nicht *ein* Update für ein aktuelleres System anbietet: selber Schuld.

      Man sollte bei dem Thema eines ganz klar herausstellen: das ganze betrifft im Allgemeinen nicht den armen und völlig überforderten Orthonomalbürger – da verwenden die wenigsten noch eine XP-Maschine, die am Internet hängt. Sondern es betrifft die Industrie und andere Institutionen – die ganz genau wissen, was sie da tun und deren IT-Sicherheitsbeauftrage die zuständigen Manager ganz genau vor den Risiken gewarnt haben.
      Und wenn sich die Krankenhäuser und andere Einrichtungen damit rausreden, dass das angeblich nicht an Sparmaßnahmen lag, sondern an “an einer Unmöglichkeit, die Geräte mit einem aktuellen System zu betreiben” und man deshalb “die Infektion nicht vermeiden konnte” – das ist Bullshit.
      Denn das sind diejenigen, die keinen Supportvertrag mit MS geschlossen haben, um weiter Patches für XP bekommen. Das sind diejenigen, die keinen Supportvertrag mit dem Gerätehersteller getroffen haben, das sie zumindest alle paar Jahre *ein einziges* Update für *jede zweite* Windows-Generation bekommen – und das bei Geräten im siebenstelligen(!) Preissegment. Das sind diejenigen, die kein Geld in die Hand genommen haben, um den Einsatz von XP wenigstens mit einem vernünftigen Sicherheitskonzept zu kompensieren (d.h. die keine netzwerklose Umgebung eingerichtet haben, SMB trotz aller älteren bekannten Sicherheitsprobleme eingeschaltet gelassen haben, ihren Mitarbeitern das ausführen von E-Mail-Anhängen erlauben etc. pp.).

      Man kann gerne darüber reden, dass Hersteller angeben müssen, wie lange sie Support leisten und vielleicht über eine Mindestdauer debattieren (oder ob das nicht unter Gewährleistung fallen sollte, immerhin sind die Mängel eindeutig vom Hersteller verursacht) – da bin ich voll dabei, sonst haben wir dank IOT über kurz oder lang ein echtes Desaster.

      Aber wenn die Leute sich jetzt beklagen, dass MS XP nicht mehr unterstützt, hat das fatal was von: “Der böse, böse Hersteller baut Mikrowellen, die meine Katze töten anstatt sie zu trocknen. Und warnt nicht mal davor!”. Das ganze ist für mich das Paradebeispiel für Blödheit/Inkompetenz/das von sich weisen jeglicher Verantwortung… Da ist es doch viel einfacher auf MS zu schimpfen, dass sie nach 12 Jahren keine kostenlosen Updates mehr veröffentlichen, anstatt zuzugeben, dass man sich vollkommen verkalkuliert hat (und vielleicht vom Staat zu Tode gespart wird; weiß nicht, wie das bei Krankenhäusern in GB aussieht).
      Die ganzen Firmen sind sehenden Auges ins Messer gerannt und wollen jetzt MS dafür verantwortlich machen.

      Denn unabhängig von Software oder Hardware gilt: wenn ich viel Geld in Systeme investiere, muss ich Konzepte entwickeln, um die zu warten. Ich muss die Ventile tauschen, bevor sie kaputt gehen und ich muss Updates installieren, bevor ich infiziert werde (höhere Gewalt und 0-Day-Exploits ausgenommen). Außerdem muss ich sicherstellen, dass ich auch in N Jahren noch Ventile und Updates bekomme, sonst bin ich – und nur ich – Schuld, dass ich das versäumt habe.
      Und wenn das oben genannte partout nicht geht muss ich eine Umgebung schaffen, die damit klar kommt, wenn man sie nicht wartet (d.h. ich muss sie vor Umwelteinflüssen/Angreifern so gut wie möglich schützen und brauche im Zweifelsfall Notfallmechanismen wie Sekundär- oder Überdruckventile/saubere Datenträger, so dass ich das ganze abfangen kann).

      • 22. Mai 20178:10
        Christian

        “Orthonomalbürger” … klasse, nehm ich direkt in meinen Wortschatz auf!

      • Dazu mal einen Link zu Fefe, Rubrik “Leserbriefe”/”Wissenschaft”: https://blog.fefe.de/?ts=a7e3ab79&css=lesefefe.css

        Da werden einige Gründe dafür angesprochen, warum sich bestimmte Systeme nicht so ohne weiteres patchen oder komplett vom Netz nehmen lassen. Und es gibt einen schönen Lösungsvorschlag für die Zeit nach Supportende, der Open Source nicht benachteiligt.

        • Das mit dem Sourcecode klingt auch erstmal verlockend – aber ich fürchte, dass der Teufel da im Detail steckt… aber wenn wir das hinkriegen bitte auch gleich eine Dokumentation des Geräts, dann kann man notfalls schnell neu entwickeln (lassen).

          Ansonsten muss man halt Lösungen finden. Ich studiere selbst Physik und hatte da auch schon häufiger mit den Laborgruppen zu tun – und es wäre in den meisten Fällen überhaupt kein Problem, die Geräte vom Internet zu trennen – man müsste nur wollen.
          Wenn man die Daten in Echtzeit zur Prozesssteuerung benutzt, muss man das ganze halt in einem lokalen Netzwerk fahren – wenn man dann unbedingt einen SMB-Server braucht und den nicht exklusiv im lokalen Netz betreiben kann, hat man ganz schön was bei der Planung verkackt.
          Und wenn das ganze unbedingt ins Internet soll, muss man das System halt von Anfang an so konzipieren, dass das geht – sonst hat man auch da bei der Planung Mist gebaut.

          Wenn ich ein Relais kaufe, dass lediglich für 50A und 500.000 Schaltzyklen konzipiert ist, kann ich mich nicht beim Hersteller beschweren, dass das bei 75A “schon” nach 750.000 Schaltzyklen kaputt ist und kostenlosen Ersatz fordern – der lacht dich aus, und das völlig zu Recht. Und genau so sieht das bei XP auch aus: die Leute wussten ganz genau, wie lange XP unterstützt werden wird, haben das einfach ignoriert und jammern jetzt rum und verlangen jetzt, das MS sie da jetzt rausholt – aber bitte gefälligst umsonst (denn wenn man zahlt, bekommt man noch Support für XP).

          tl;dr:
          “Da werden einige Gründe dafür angesprochen, warum sich bestimmte Systeme nicht so ohne weiteres patchen oder komplett vom Netz nehmen lassen” – ja, diese Gründe wurden allerdings von den Leuten verschuldet, die diese Systeme konzipiert und angeschafft haben.

          • 22. Mai 201719:51
            Stefan H.

            Wenn jemand sein Win XP System schon nicht warten oder absichern kann wird er mit Sourcecode und Dokumentation erst recht nichts anfangen können. Ein Softwareentwickler der sich da rein arbeitet ist auch weit teurer als ein IT Spezialist der mal eine ordentliche Firewall konfiguriert (oder einfach mal ein paar Netzwerkkabel rauszieht)

      • Man muss sich der Tatsache stellen, dass die Nutzer von vernetzter Technik in aller Regel keine Ahnung davon haben. Das wird sich auch nicht ändern. Ebenso ist es eine Tatsache, dass eine Handvoll Großunternehmen die Software für wohl um die 90% der vernetzten Unternehmen liefert.

        Um das Sicherheitsniveau anzuheben, kann man sich also entweder mit zig Millionen Nutzern befassen oder mit zwei bis drei Dutzend marktbeherrschenden Unternehmen (unter denen dann wiederum Microsoft, Apple, Google & Co herausragen).

        • 22. Mai 201712:23
          Stefan H.

          Wenn man auf die marktbeherrschenden Unternehmen zielt, wird man letztendlich ihre freien Alternativen treffen. Den die großen können den Support in alle Ewigkeit vielleicht finanzieren, kleine OpenSource Projekte auf keinen Fall. Damit zementiert man also die Vorherrschaft von MS & Co.

        • Deshalb hab ich ja angesprochen, dass das kaum normale Nutzer betrifft. Die haben i.d.R. weder XP zu Hause noch ernsthafte Gründe, nicht umgehend zu aktualisieren (die armen Schweine, die noch mit DSL<2000 klarkommen müssen nehme ich hier mal aus, aber auch dafür kann MS nichts).
          Wenn da steht, dass automatische Updates dringend empfohlen werden, dann sollte ich die auch aktivieren. Wenn ich mich dann dagegen entscheide, kann ich mich nicht mehr beschweren, von nichts gewusst zu haben.

          Wenn Sie mit "Nutzer" die Unternehmen und deren Angestellte meinen: auch die haben den Hinweis bekommen, dass automatische Update dringend empfohlen werden und die wissen auch, dass Windows XP das EOL längst überschritten hat.

          Was mich stört ist halt dieses völlige Ablehnen jeglicher Eigenverantwortung.
          Jeder weiß, dass Sicherheitsupdates eigentlich unabdingbar sind, wenn man Geräte am Internet hängen hat – wenn die Anwender das ignorieren ist das nicht MS' Schuld.
          Wenn man ein System braucht, dass über Monate 24/7 im Netz hängt, dann hat man mit Windows schlichtweg die falsche Wahl getroffen – und es kann niemand ernsthaft behaupten, dass er nicht wusste, dass Windows-Updates Neustarts erfordern.
          Und jeder weiß, dass XP das EOL sein Jahren überschritten hat – und er wusste vom Tage des Kaufs an, wann das EOL erreicht sein wird. Wenn er das trotzdem ignoriert, dann liegt das echt nicht mehr in der Verantwortung von MS.

    19. 22. Mai 20177:45
      Sabrina Peifke

      Egal, ob man staatliche Spionagesoftware durch Ausnutzung einer Sicherheitslücke oder regulär über den Installationsmechanismus einspielt, hat man immer das Problem, die Echtheit einer extrahierten Information beweisen zu müssen. Bei Quellen-TKÜ mag das noch halbwegs handhabbar sein, weil Manipulationen an Audio- oder Videoströmen Spuren hinterlassen, aber wenn man bei einer Onlinedurchsuchung belastende Texte oder Fotos gefunden zu haben behauptet, ist es fast unmöglich, den Verdacht auszuräumen, man habe das Material nicht selbst dort platziert.

    20. Hallo,

      hier noch ein weiter (Dokumentar-)filmtipp zum Thema Schulsystem in Deutschland: https://www.youtube.com/watch?v=jeM3j_TDc60

      Dabei geht es um ein sehr interessantes alternatives Schulkonzept an einer Schule für Erwachsenenbildung in Berlin und zeigt, wie Bildung auch gehen kann. Sehr sehenswerte Dokumentation!

      Viele Grüße,
      Svennard

    21. Ggf. von Interesse für die nächste Folge: Die Einigung bei der VG Wort und überhaupt der Weg dorthin… vgl. z.B. Übermedien und gestern die SZ.

    22. Zum Bayern-Trojaner (der Begriff Trojaner für die Rechnerverwanzung missfällt mir) vielleicht noch ein paar Details, wie sie damals in der Öffentlichkeit aufgetaucht sind: Das war eine als Telefonüberwachung genehmigte Rechenrverwanzung, die dem Angeklagten dadurch bekannt wurde, dass in der Akte Unnmengen an Screenshots seines Rechenrs auftauchten. Auch das dafür verantwortliche Oberlandesgericht war not amused, als es klären sollte, ob die Anordnung zur Telefonüberwachung so eine verwanzung erlaubt hätte (das hat ein gewisser Herr Herrmann damals wiederholt wahrheitsfern geleugnet).

      Richtig bekannt wurde die Govware dadurch, dass die Festplatte beim CCC aufschlug, wo die unerwünschte Software gefunden und analysiert wurde. Die war so krude gebaut, dass Angreifer soe übernehmen konnten und beliebige Programme auf den Rechner spielen und ausführen konnten (wie vorgeführt durch CCC).

      In der Richtung würde ich auch gerne weiterdenken. Wenn derartige Rechner-Einbrüche legalisiert werden sollen, würde ich den Angeklagten empfehlen, dass sie darauf bestehen, dass die Staatsgewalt nachweist, dass sämtliche auf dem Rechenr gefundenen Dateien nicht durch Dritte dort abgelegt wurden. Sei es die Staatswanze oder jemand Drittes, der sich über eine ähnliche Sicherheitslücke Zugriff verschafft hat. Das dürfte Strafverfolger davon abschrecken, allgemein informationstechnsiche Systeme infiltrieren zu wollen, weil sie damit diese als Beweis untauglich machen.

      • Vielen Dank für diesen Kommentar! Du schilderst die Fakten zum Bayern-Trojaner korrekt, und natürlich bedeutet ein Trojaner-Einsatz, dass die Integrität der Daten auf dem Zielsystem nicht mehr gewährleistet ist. Aber deine Schlussfolgerung daraus, dass man diese eigentlich selbstverständliche Tatsache für eine Verteidigungsstrategie ausnutzen könne, ist leider allzu optimistisch. Ich höre das Argument der “wertlosen Beweise” im CCC Umfeld dauernd, und beispielsweise bei Fefe wird es auch ständig gewälzt. Das Problem ist nur: Im deutschen Strafprozess muss die Integrität der Beweise überhaupt nicht nachgewiesen werden. Ob Beweise auf eine vertrauenswürdige Weise gewonnen wurden, das würdigt das Gericht völlig frei. Und angesichts des bis zum Beweis des Gegenteil schier unerschütterlichen Vertrauens deutscher Gerichte in die Redlichkeit von Kriminalbeamten würde ich viel Geld darauf wetten, dass eine Manipulation von Beweismitteln per Trojaner niemals von Gerichten auch nur für möglich gehalten werden wird. Noch weniger wird es Gerichte davon abhalten, die so erhobenen “Beweise” zu verwerten.

        • 24. Mai 201712:48
          Sabrina Peifke

          Puh, das erschüttert jetzt aber wirklich meinen Glauben in den Rechtsstaat. Das heißt doch, dass – flapsig gesagt – ein Beamter bei einer Hausdurchsuchung einfach nur einen Karton aus der Asservatenkammer mitbringen und in der zu durchsuchenden Wohnung mit den Worten “ja, was haben wir denn da?” auskippen muss, so lange er vor Gericht nur treuherzig genug mit den Augen klimpert. Bisher habe ich das für ein Klischee aus billigen Krimis gehalten, aber das scheint ja zumindest ein mögliches Szenario zu sein.

          • Der große Unterschied ist, dass bei der Hausdurchsuchung immer mehrere Beamte dabei sind, d.h. da müssten sich schon mehrere verschwören. Das ist sicher nicht auszuschließen (bei der Polizei herrscht schon ein ziemlicher Korpsgeist), aber doch nicht besonders wahrscheinlich. Außerdem fordert § 105 Abs. 2 StPO neutrale Zeugen bei einer Durchsuchungsmaßnahmen, sofern kein Richter oder Staatsanwalt dabei ist:

            https://dejure.org/gesetze/StPO/105.html

            Mit anderen Worten war sich der Gesetzgeber schon 1877 (als die RStPO erlassen wurde) der Tatsache bewusst, dass man aufpassen muss, dass die Polizei nicht im Eifer des Gefechts Beweismittel unterschiebt. Aus heutige Sicht bemerkenswert liberal, immerhin war das in der Kaiserzeit.

            Bei der Online-Durchsuchung ebenso wie bei der Quellen-TKÜ sollen hingegen weder neutrale Zeugen noch eine neutrale Prüfung der eingesetzten Software erforderlich sein. Vielmehr soll blind vertraut werden, dass schon alles seine Richtigkeit haben wird …

    23. WannaCry “Es gab 3 Fehler…”

      Es gab 4: die Nutzer die Microsoft Systeme benutzen (fairerweise wurde das implizit auch genannt im Anschluss) , die eine Tradition, unsichere Software zu liefern, haben.

      Philipp hat es richtig gesagt :” Microsoft versorgt Windows XP nicht mehr mit *Sicherheitslücken*”.

      Backups machen ist der wichtigste Tipp, allerdings sollte zusätzlich der Tipp gegeben werden kein Windows zu benutzen. Die Nutzung von Windows erhöht die Wahrscheinlichkeit Opfer zu werden. Obwohl es eine kommerzielle Software ist, für die man als Kunde bezahlt hat. Da gibt es wenig Rechtfertigung für die Existenz von Sicherheitslücken Wenn XP betroffen ist, ist die Sicherheitslücke fast 20 Jahre alt. Welcher Netzwerkservice den Windows anbietet hat eigentlich keine Lücke. Man erinnere sich an MSBlast (Google ) , der eine frische Windows Installation innerhalb von Minuten nach Verbindung zum Internet zerstört hat bevor man ein Windows Update durchführen konnte . Das hätte damals auch schon Ransomware sein können.

    24. Philip:
      > Backup drauf und alles ist wieder gut.
      Das kann man so nicht sagen. Zunächst mal schützt ein Backup nicht vor einem Hack. Backup wieder drauf ist man immer noch verwundbar. Dann muss man in Betracht ziehen dass auch sensible Daten abgegriffen wurden und dieser Schaden ist nicht zu reparieren. Jeder Hack ist also ein Desaster.
      Updates sind deshalb mindestens genauso wichtig wie Backups.

      Dann finde ich den O-Ton an mehreren Stellen “Ja bei Apple ist das ja alles besser”.
      Und da muss ich sagen habt ihr einen dicken Aluhut auf. An meiner FH wurden in IT-Sicherheit die Sicherheitsmechanismen der verschiedenen Betriebssysteme besprochen und ich muss euch leider sagen Apple schneidet / schnitt am schlechtesten ab, hinter Windows (Linux > Windows > Mac). Stichworte:
      Address Space Layout Randomization (ASLR) :
      Data Execution Prevention (DEP) : https://en.wikipedia.org/wiki/Data_Execution_Prevention
      Auch der Bootprozess soll keinerlei Absicherung haben sodass man MacOS und Sicherheit nicht zusammen nennen kann / konnte denn jedenfalls was DEP angeht scheint Apple ja nachgebessert zu haben.
      Fefe zu Apple und WannaCry: https://blog.fefe.de/?ts=a7e4cf06

      Aus meiner Sicht lässt sich Android besser schützen als iOS allerdings erfordert es vergleichsweise viel technische Expertise. Die Probleme auf Android sind größtenteils Probleme der Hersteller und nicht von Android selbst, das wird sich aber voraussichtlich mit Android O ändern. Denn auf seinen eigenen Geräten Nexus und Pixel sieht die Update-Versorgung für Android durch Google sehr gut aus und auch die Geräteverschlüsselung ist per default aktiv.
      Ansonsten bietet Android wenn man nur die Geräte betrachtet die keine Updates mehr bekommen bessere Möglichkeiten als iOS. Auch hier kommt es wieder auf den Hersteller bzw. das Gerät an, deshalb meine Bitte achtet da mehr drauf wenn ihr technische Themen diskutiert und Kritik übt. Android Probleme sind häufig != Herstellerprobleme.
      Vielleicht könnt ihr bei Gelegenheit auch Kuketz befragen bzw. entsprechende Artikel zu Android überfliegen. Kuketz beschäftigt sich intensiv mit Android, IT-Sicherheit und Datenschutz
      https://www.kuketz-blog.de/your-phone-your-data-teil1/

      Und wenn ihr schon bei Themen die nichts mit Apple zu tun haben, wie WannaCry, sagt: “Ja Apple macht das ja besser.”, dann solltest ihr auch so fair und neutral sein zu erwähnen wie das auf Linux aussieht. Aus meiner Sicht unterliegt ihr da einer Illusion dass ihr mit Apple so viel sicherer fährt. Der größte Vorteil ist immer noch der relativ geringe Marktanteil. Hacks und Schadsoftware gab es auch mehrfach bei iOS und Mac aber deutlich seltener und meist weniger dramatisch weil es sich schlichtweg nicht lohnt und Apple hat sich lange darauf ausgeruht, mitunter immer noch. Wären die Marktanteile anders würden ganz sicher auch da die Hacks häufiger und schlimmer ausfallen.
      Aber es braucht wohl erst einen AppleCry bevor es auch die letzten Apple-Fanatiker einsehen.

      • Aus meiner Sicht unterliegt ihr da einer Illusion dass ihr mit Apple so viel sicherer fährt. Der größte Vorteil ist immer noch der relativ geringe Marktanteil.

        ja eben … niemand sagte, dass Apple aus Gründen der Programmierung / des System-Designs sicherer ist. Aber aus der Sicht eines pragmatischen Anwenders ist es schon großartig, ein System einzusetzen, wo es sich eben nicht fatal auswirkt, auf einen eMail-Anhang zu klicken. Es mag ja sein, dass man auch einen Apple-Trojaner bauen könnte. Aber es macht halt niemand, weil es pragmatisch ist, für ein OS bzw. für Anwendungssoftware Trojaner zu schreiben, die auf >90% der Systeme laufen.

        Tailored Access Operations stehen natürlich auf einem anderem Blatt. Da ist denke ich die realistische Annahme, dass man sich nicht wirksam schützen kann, solange man nicht auf airgaps setzen kann / will.

        • > Aber es macht halt niemand, weil es pragmatisch ist, für ein OS bzw. für Anwendungssoftware Trojaner zu schreiben, die auf >90% der Systeme laufen.
          Die logische Konsequenz daraus wäre aber Linux, BSD oder Solaris einzusetzen.

          • klar, auf dem Server, mache ich seit 20 Jahren so. Auf dem Desktop ist das aber für 99% der Nutzer*innen nicht realistisch (been there, done that).

            • 98% =) und weil vieles anders ist? Das ist doch beim Umstieg auf Mac auch der Fall.
              Nachdem was Mac-Nutzer mir so erzählt haben sind die Probleme beim Umstieg von Windows auf Mac sehr ähnlich. Und aus meiner Erfahrung kommen Laien sehr gut mit Linux zurecht zu mal Updates und Software-Installation deutlich einfacher sind als unter Windows.

          • Aber es macht halt niemand, weil es pragmatisch ist, für ein OS bzw. für Anwendungssoftware Trojaner zu schreiben, die auf >90% der Systeme laufen.

            Eines muss ich dazu noch loswerden weil mir das nicht aus dem Kopf ging. Das ist ja so ein Argument dass man lange Zeit auch von Windows Nutzern hörte, d.h. im übertragenen Sinne “Mir ist noch nie was passiert.”. Dann wohlwissend (!) dass rein technisch die Sicherheit auf Mac schlechter aussieht Apple angesichts des Hacks zu loben finde ich paradox. So ähnlich haben die die XP eingesetzt haben und die die das W7-Update nicht eingespielt hatten wohl auch gedacht: “Das hat jetzt jahrelang funktioniert. Uns ist noch nie was passiert, machen wir weiter so.” .

            Erstens ist das eine sehr naive Haltung und zweitens bedeutet das nicht dass man nicht bereits Opfer wurde. Der Unterschied ist nur dass man es bisher nicht gemerkt hat, erst mit den Kryptotrojanern ist es für jeden spürbar.
            Natürlich kann einem dass auch mit Linux passieren.

      • Von Philip:
        > iOS prüft Signaturen, da kannste nicht einfach so was installieren.
        Das suggeriert ja dass Android dass nicht täte, selbstverständlich prüft Android Signaturen. Das häufigste Einfallstor ist hier der Nutzer der ganz bewusst Software aus Quellen installiert die er nicht so genau geprüft hat.
        Und die Antwort können ja nicht die totale Bevormundung und Abhängigkeit durch den Hersteller sein.

    25. Verzeiht, wie unhöflich. Insgesamt war es wieder eine super Folge. Nur wenn ich hier alles loben würde was ich gut oder besonders gut fand, würde ich so schnell nicht fertig werden. Es sind ja meist die Punkte in denen man sich uneins ist die heiß diskutiert werden. =)

    26. 23. Mai 201716:19
      Generator

      Zum Thema Trump:

      Ich habe das Gefühl ihr bringt bei dem Thema nicht die übliche hohe Qualität eures Potcasts. Ich finde bei dem Thema last ihr euch zu viel gehen und macht sachen die ihr euch bei der deutschen Politik verkneifen würdet. Ein paar Punkte

      * Hitlervergleiche:

      Geht gar nicht. Pfui, Pfui. Das ist jetzt schon das zweite Mal das ihr bei dem Thema Trump mit einem Hitlervergleich kommt. Als Deutscher sollte man es besser wissen. Solange Trump keinen Weltkrieg begonnen oder einen Völkermord mit Millionen von Toten plant sind solche Vergleiche einfach nur noch peinlich.

      * Informationsgehalt:

      Beim Thema Trump bleibt ihr immer nur an der Oberfläche. Ich habe bei euch nichts gehört, was ich nicht schon wußte. Ich schätze euren Podcast deswegen weil ihr – besonders bei (deutschen) juristischen Themen – mehr Details kennt und auch mal über die Praxis bei der Polizei und den Gerichten berichten könnt. Leider trifft das bei USA-Themen nicht zu. Wenn schon USA, dann kann ich nur vorschlagen, dass ihr euch zu einem bestimmten Thema intensiv informiert und dann nur über dieses eine Thema sprecht. Aber für einen so allgemeine Übersicht brauch ich euch nicht. Da erfährt man in der Wikipedia in 10 Sekunden mehr.

      * Neutralität:

      Nachdem ihr beide mit eurem Abscheu über Trump nicht hinter dem Berg hält mutiert das Thema zu einem ungebremsten Geschimpfe über ihn. Merkwürdig. Bei deutschen Politikern – auch von der AfD – seit ihr immer vorsichtig und versucht auch mal denjenigen zu verteidigen oder Argumente die für ihn sprechen zumindest zu erwähnen. Bei Trump wird ohne Gegenrede einfach nur immer draufgehauen. Vorschlag: Vielleicht sollte einer von Euch bei dem Thema immer – sozusagen als Advocatus Diaboli – den Trump-Supporter geben und darf nur positives über ihn sagen. Oder ihr stellt euch einfach vor, Trump wäre ein Berliner Politiker, den ihr vielleicht auch mal auf der Strasse treffen könntet.

      Ich hoffe ich war nicht zu kritisch, aber ich musste mich leider – jetzt schon wiederholt bei dem Thema – so ärgern, dass ich nach dem Anfang den Rest zum Thema Trump überspringen musste. Der Rest der Folge war dann wieder gewohnt gut.

      • @Hitler-Vergleiche: machen wir nicht einfach so oder pauschal, sondern nur in Bezug auf den Versuch der Gleichschaltung der Gewalten und Institutionen, und das auf der Grundlage einer eingehenden Diskussion (dazu gibt es eine halbe Folge). Dabei bleibe ich.

        @Informationsgehalt: klar, wenn Du intimer Kenner der US-amerikanischen Innenpolitik bist, dann können wir Dir evtl nichts Neues mehr bieten. Aber das gilt für jedes Thema – es gibt immer Menschen, deren Spezialität das ist und die es besser wissen. 99% der Hörerinnen und Hörer dürften aber etwas davon haben.

        • Neutral sind wir in der Tat nicht, aber auch dazu stehe ich.

          Sorry, wenn ich in diesem Fall wenig mit den Anregungen anfangen kann – aber zur Not gibt es ja Kapitelmarken, und Du kannst Trump überspringen.

          • Neutralität verlange ich ja gar nicht, aber Objektivität wäre angebracht.
            So weit ich weiß sind Geheimdienste keine der drei verfassungsmäßigen Gewalten in den USA sondern Teil der Exekutive. Der demokratisch gewählte Chef der Exekutive ist der Präsident. Wie kann man also guten Gewissens einen Hitlervergleich bemühen?
            Schaltet von der Leyen die Bundeswehr gleich, wenn sie einen Staatssekretär austauscht oder den GI oder den Amtschef des Ausbildungskommandos? Maas das Justizministerium, wenn er den Generalbundesanwalt entlässt? Schaltet Merkel die Regierung gleich, wenn sie einen Minister auswählt?

            Also, bashed Trump für alle seine Fehler, aber bewahrt dabei ein wenig Objektivität. Bitte.

            • Da geht jetzt aber einiges durcheinander … das Konzept der Gleichschaltung ist nicht nur eine Frage der Gewaltenteilung. Es geht um die Unterordnung möglichst vieler staatlicher wie gesellschaftlicher Institutionen unter einen gemeinsamen Willen. Warum Trump das ziemlich eindeutig versucht haben wir in mehreren Folgen der Lage eingehend diskutiert, Du kannst unsere Begründung und auch die Grenzen der Parallelen zu ’33 also dort nachhören.

              • Ja, in der 55 sagt ihr im Bezug auf das Feuern von Comey,
                “[dass wir] immer wieder auf den Punkt kamen, das entscheidende wird sein, und das gefährliche an Donald Trump ist, das er an den Grundsäulen des demokratischen Systems rütteln will, speziell seine Mitarbeiter, und es wird dann besonders Heikel, wenn sowas angegangen wird wie die Gewaltenteilung und wenn Macht mehr bei ihm mehr gesammelt wird als es eigentlich Verfassungsmäßig demokratietheoretisch sein sollte und wenn dieses System aus Checks and Balances, also Kontrollen und Balance der Macht, ins Wanken gerät, dann wird’s gefährlich. Und diese Woche ist etwas passiert, was eindeutig in diese Kategorie fällt.”

                Der Präsident ist nun mal der Chef der Geheimdienste, und da muss ein Vertrauensverhältnis herrschen. Und auch eine gewisse Loyalität, denn jemand, der alle Telefonate abhören, Teilnehmer demaskieren und die Ergebnisse dann “leaken” kann, kann kein Chef gegen sich dulden.

                Als unsere Regierung, also im Endeffekt Frau Merkel, letztes Jahr den Chefs des BND überraschend gefeuert hat, musste dazu nicht einmal eine Begründung geliefert werden. Zu alt? Defizite im Job? Mundgeruch? Völlig Egal, denn die gewählte Regierung wählt sich nun mal ihre Handlanger selbst.
                (http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-04/bnd-gerhard-schindler-entlassen-bundeskanzleramt)

                Als der Innenminister 2012 den Chef der Bundespolizei gefeuert hat, brauchte er ebenfalls keine Begründung dafür. Inoffiziell ‘sei das „Vertrauensverhältnis gestört’. Ein Skandal? Ich denke nicht.
                (http://www.tagesspiegel.de/politik/bundespolizei-chef-entlassen-kritik-an-friedrichs-fuehrungsstil-waechst/6935768.html)

                Und dann wurde neulich noch der Generalbundesanwalt gefeuert, weil er nach einer Anzeige durch eine andere Behörde Ermittlungen aufgenommen hat. Offizieller Grund ist aber mal wieder ein zerrüttetes Vertrauensverhältnis. Obstruction of Justice?
                (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/harald-range-und-netzpoltik-org-kommentar-zur-entlassung-a-1046742.html)

                Später sagt ihr, dass die Amtszeit von FBI-Direktoren auf 10 Jahre begrenzt ist, damit sie unabhängig sind. Das mag der Grund sein, warum die Amtszeit nicht auf 4 Jahre festgelegt wurde, aber auf 10 Jahre begrenzt wurde sie als Reaktion auf Hoover. In seinen 48 Jahre an der Spitze des FBIs hat er Erpressungsmaterial über Präsidenten und Kongressabgeordnete gesammelt und galt als mächtiger als der Präsident…
                (“Hoover was perceived as someone who ruled by fear, who was sometimes more powerful than presidents.” – http://time.com/4774610/james-comey-fbi-term-limit/)

                Wie gesagt: Versucht es doch mal mit etwas Objektivität. Wenn ihr dann immer noch bei Gleichschaltung landet, dann stimme ich euch vielleicht sogar zu. Aber solange diese Einschätzung damit beginnt, dass man die “Trump=Hitler”-Brille aufsetzen muss, bleibe ich skeptisch.

              • 24. Mai 201716:38
                Generator

                “Hitler-Vergleiche: machen wir nicht einfach so oder pauschal, sondern nur in Bezug auf den Versuch der Gleichschaltung der Gewalten und Institutionen, und das auf der Grundlage einer eingehenden Diskussion”

                “Gleichschaltung der Gewalten und Institutionen” ist aber alles Andere als ein Alleinstellungsmerkmal von Hitler. Bei ihm denkt man erst mal an Massenmord, Rassenhass, Kriegsverbrechen, Sozialdarwinismus usw. Die Institutionen waren auch während und vor dem ersten Weltkrieg “gleichgeschaltet”. Vermutlich waren gleichgeschaltete Institutionen zu der Zeit eher die Norm als die Regel. Außerdem macht es immer noch einen Unterschied ob ihr einfach nur vermutet, dass er eine Gleichschaltung versucht jemanden der das erfolgreich durchgezogen hat und ein Dasein als massenmördender Diktator führt.

                Ludger hat recht: Ich hätte wohl eher “Objektivität” anstatt “Neutralität” schreiben sollen. Soweit mir bekannt, hat die Trumpadministraation bisher alle Gerichtssprüche anererkannt. Das Trump persönlich weinerliche Tweets über den “so called Judge” absetzt ist das eine. Trotzdem hat sich seine Regierung in dem Fall ohne wenn und aber an den Instanzenweg gehalten. Auch die Ernennung des neuen Höchstrichters war meines Wissens 100%ig gesetzeskonform und jeder US-Präsident kann den FBI-Chef feuern. Das gehört zu seinen Kompetenzen, auch wenn das in dem Fall natürlich absolut ungeschickt war und der politische Backlash ja auf den Fuß folgte und massiv war.

                Er versucht verschiedenen Bundesbehörden (z.b. Umweltbehörde) das Geld zu kürzen und seine Agenda durchzudrücken. Diese Ministerien sind aber per Verfassung allesamt Regierungsbehörden die – per Verfassung – das tun müssen was die Regierung befiehlt. Auch in Deutschland ist das Umweltministerium dazu da die Regierungspolitik umzusetzen. Das hat ja mit Gleichschaltung nichts zu tun.

                Im Gegensatz zu Trump versucht die polnische, ungarische und türkische Regierung erwiesenermaßen eine “Gleichschaltung der Gewalten und Institutionen”. Und die sind dabei auch schon sehr weit gekommen. Katschinski, Orban und Erdogan. Alle vergleichbar mit Hitler?

                Trump versucht – !angeblich! – sich vor Strafverfolgung zu schützen. Wenn man ihn schon unbedinkt mit jemanden vergleichen will: Wie wäre es mit Nixon? Obwohl auch der Vergleich hinkt.

      • Vielleicht wirst du mit der jüngsten Folge der Ezra Klein Show glücklicher: http://podbay.fm/show/1081584611

      • Der Vergleich mit Hitler ist in der Tat sehr dumm. Dieser hat die Einheit von Partei und Staat angestrebt. Trump hat hingegen wenig Sympathien für seine Partei und in dieser etliche Kritiker. Außerdem verhindern die Checks&Balances im System, dass Trump dieses untergraben kann. Ein US-Präsident hat sehr viel Macht in der Außenpolitik, aber vergleichsweise wenig im eigenen Land.

        Wenn man schon unbedingt einen aktuellen Politiker mit Hitler vergleichen möchte, dann wäre Erdogan wohl der geeignetere Kandidat. Er hat keine Kritiker in der Partei und in der Regierung und ist sowohl im Staat als auch in der Partei der Alleinherrscher. Anders als Trump besitzt er den notwendigen politischen Machtinstinkt, um ein Diktator werden zu können.

        Trump erinnert mich mehr an ein Kind, das auf einmal König geworden ist. Er sehnt sich nach seinem alten Leben zurück, ist sichtbar überfordert und reagiert beleidigt, wenn ihm etwas nicht passt.

    27. Hallo ihr beiden,

      Da höre ich zum ersten Mal die LdN und gleich kommt der Aufruf an Volkswirte mal über die Verschiebung hin zu Kapitaleinkommen was zu sagen. Zu mir: ich bin Volkswirt, promoviere über die (Europäische) Währungsunion im speziellen und Makroökonomik im allgemeinen. Was jetzt kommt ist, sagen wir Mal, fundierte Meinung.
      Wenig in der Wirtschaft ist monokausal, vermutlich auch die Verschiebung hin zu Kapitaleinkommen nicht.
      Vorgeschickt sei die Bemerkung, dass wir es hier mit einem Verhältnis zu tun haben. Das kann also auch passieren, wenn die KE stärker steigen als die AE. Es ist also mitnichten so, dass die Unternehmen den Arbeitnehmern Einkommen abnähmen. Das *kann* so sein, muss aber nicht, zu einem Verhältnis gehören ja immer zwei Zahlen.

      Prinzipiell halte ich die von Euch im Podcast angeführten Gründe für plausibel. Lässt mich noch ein paar weitere hinzufügen.
      An erster Stelle kommt da, gerade im Bereich der Unicorns die enorme Produktivität. Sowas führt immer zu hohen Kapitaleinkünften und ist prinzipiell gut, weil Produktivitätssteigerung der Haupttreiber für natürliches (also nicht-inflationäres) Wirtschaftswachstum ist.
      Ein anderer Grund wären die traurigen Tarifabschlüsse, wo man in Anbetracht von Vollbeschäftigung in Deutschland und in den USA eben auch Mal fragen könnte, warum die Gewerkschaften da nicht mehr raus holen.
      Drittens, möglicherweise erleben wir ein weitere historische Entwicklung. Vor der Industriellen Revolution gab es so gut wie keine KE, dann sind sie gestiegen bis auf etwa 2/3 des BIP und dort Jahrzehnte lang geblieben. Vielleicht ändert sich das gerade. Eine zentrale Theorie meint, dass die Verteilung der Einkommen, die relativen Produktivität en angibt. In Anbetracht von Automatisierung (ob jetzt verdrängend oder nicht) kann es sein, dass Kapital eben produktiver wird. Dann wundert es mich auch nicht hat, dass der Anteil am BIP steigt.

      Zur Gerechtigkeit: Gerade wir Deutschen müssen uns als Börsenmuffel mal an die eigene Nase fassen. Die Unternehmen fahren hohe Gewinne ein und wir haben keinen Anteil daran, weil wir kaum Aktien besitzen. Da geht’s weniger um Gerechtigkeit als vielmehr um Angst, Vorurteile und Unwissenheit. Wer an KE teilhaben will sollte einfach Kapitaleigner werden, oder zumindest in Aktienfonds investieren. In den Zeiten von günstigen ETFs gibt’s da eigentlich keine Entschuldigung mehr.
      Fairerweise muss man dazu sagen, dass insbesondere in den USA viele der enorm profitablen Start-ups nicht börsennotiert sind und also auch nicht von Otto Normalverbraucher gekauft werden können. Aber es gibt genügend profitable und dividendenreiche Unternehmen da draußen, deren Aktien man einfach so kaufen könnte.

      • Danke für den ausführlichen Kommentar!

      • Schau mal hier auf Seite 9: https://www.diw.de/documents/vortragsdokumente/220/diw_01.c.388794.de/v_2011_grabka_einkommensverteilung_paderborn.pdf

        Zwischen 2000 und 2010 sank das verfügbare Einkommen des untersten Einkommendezils (also der 10% der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen) um satte 10%. Demgegenüber stieg das Einkommen des obersten Dezils um 15%.
        Nun frage dich, welches Aktienvermögen das unterste Dezil erwerben müsste (wie auch immer das für Arbeitlose, Alleinerziehende, Beschäftigte im Niedriglohnsektor, etc. zu schaffen sein soll), um diese Differenz mittels Dividendeneinnahmen zu nivellieren.
        Würdest du allen Ernstes einem Leiharbeiter, der in den letzten 15 Jahren keinen Anstieg seines Reallohns verbuchen konnte, erzählen, dass er dioch bloß um die 150.000 Euro in Aktien haben müsste, um dank der steigenden Kapitaleinkommen die Stagnation seines Lohneinkommens kompensieren zu können? Wohl eher nicht, hoffe ich.

        Ich weiß natürlich, dass regelmäßig die geringe Quote von Aktienbesitz in Deutschland im Vergleich zu vergleichbaren Industriestaaten bemändelt wird. Da geht es aber allein darum, dass die “Reichen” in Deutschen ihr Kapital weniger profitabel anlegen als z. B. die “Reichen” in angelsächsisch geprägten Ländern.
        Man muss sich einfach immer wieder die Vermögensverteilung in Deutschland (und vergleichbaren Ländern) vor Augen halten, gerade wenn man selbst in einer Umgebung aufgewachsen ist, in der Immobilienbesitz, Abitur, Studium, etc. normal sind: http://www.bpb.de/cache/images/2/61782-1×2-article620.gif?FBF72
        Gut 60% der Bevölkerung besitzen nicht wesentlich mehr als die Möbel in der (gemieteten) Wohnung und das Auto vor der Tür. Ob die ihre kümmerlichen Ersparnisse auf dem Girokonto lagern oder in einen Aktienfonds stecken, das hat keine wesentliche Auswirkung auf ihr Einkommen. Ein Jahrzehnt der stagnierenden oder gar sinkenden Reallöhne dagegen schon.

      • 24. Mai 201718:38
        Dave Bowman

        Kein VWLer mit ein wenig Verstand würde ernsthaft in Erwägung ziehen, jetzt Aktien zu kaufen. Darauf kann eigentlich nur ein BWLer kommen. Was wirtschaftliche Zusammenhänge anbetrifft, sind BWLer nämlich eher minderbemittelt.

        Und mal so als kleine Frage: Wo kann ich mir mit Aktien noch mal Lebensmittel kaufen oder meine Stromrechnung bezahlen? Und welche Aktien würdest du eigentlich Mindestlohnempfängern empfehlen um ihre “Kaufkraft” zu erhöhen?

    28. 25. Mai 201719:17
      Christian

      Hallo Philip und Ulf,

      mich würde eure Einschätzung zu der Gesetzesänderung im Betreuungsrecht: („Gesetz zur Änderung der materiellen Zulässigkeitsvoraussetzungen von ärztlichen Zwangsmaßnahmen und zur Stärkung des Selbstbestimmungsrechts von Betreuten“) interessieren.

      https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2017/kw17-pa-recht-selbstbestimmungsrecht/503100

      Für mich als Laien liest sich das so, als wäre das eine sehr einschneidende Schwächung des Selbstbestimmungsrecht von Patienten, die quasi der Willkür von Ärzten (besonders “for profit” Krankenhäusern) ausgesetzt?!

      Wäre super dazu eure Einschätzung zu hören.

      Danke!

      • Hi, danke für den Hinweis, aber könntest Du uns da noch ein wenig mehr zum Kontext schreiben? Ohne größere Recherche scheint mir das Problem eher dabei zu liegen, dass auch dringend gebotene Behandlungen bisher nicht erfolgen können, weil die Betreuer einfach nicht zustimmen (das ist jdf. meine dienstliche Erfahrung), aber das muss ja statistisch nicht stimmen.

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