LdN025 Failed Freistaat, Trumps Absturz, CETA, NSA-Selektoren, Schul-WLAN

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| 74 Kommentare

Liebe Freundinnen und Freunde,

nach dem Quickie der letzten Woche analysieren wir die Lage der Nation diesmal besonders genau und gehen ausführlich auf euer Feedback ein, über das wir uns sehr gefreut haben. Auf der Agenda: Drei Syrer bringen ihren Landsmann al Bakr zur Strecke, der sich kurz darauf in der U-Haft erhängen kann, weil das Gefängnis bei einem Selbstmord-Attentäter in spe keine Suizid-Absichten erkennt. Donald Trumps Präsidentschaft-Kandidatur zerbröselt weiter, nachdem reihenweise Frauen von sexuellen Übergriffen berichten. Das Bundesverfassungsgericht hat in Sachen Selektoren-Klage der G10-Kommission und CETA entschieden. Bildungsministerin Wanka will 5 Milliarden in IT-Infrastruktur in den Schulen investieren. Und zum Schluss diskutieren wir noch, wie die Deutsche Bahn in Zukunft auf Big Data machen will und wie sie schon jetzt die Daten ihrer WLAN-User schützt – oder auch nicht.

Euch ein schönes Wochenende und eine anregende Zeit mit der Lage der Nation!

Herzliche Grüße, Philip und Ulf

P.S.: Wir haben leider im Moment auch ein kleines Troll-Problem: Zwar sind nur 2% unserer Bewertungen auf iTunes negativ, die tauchen aber in der Liste gerade ganz oben auf, weil einige wenige Hater sie als “hilfreich” gekennzeichnet haben. Das verzerrt natürlich die Wahrnehmung unseres Podcasts. Wenn ihr gerade an einem Rechner sitzt (auf iOS Geräten geht das leider nicht), würden wir uns freuen, wenn ihr euch in iTunes kurz unsere Bewertungen anschaut und euer eigenes Urteil abgebt, welche Bewertungen “hilfreich” sind und welche eher nicht …

Hausmitteilung

Failed Freistaat Sachsen: missratene Festnahme und Suizid des Terrorverdächtigen al-Bakr

Für Donald Trump wird’s immer enger: Frauen berichten von sexuellen Übergriffen

BVerfG und CETA

BVerfG weist Organstreitverfahren der G10-Kommission zurück

5 Milliarden Euro für WLANs in Schulen / WLAN-Probleme der Bahn

74 Kommentare

  1. Zur “Bildungsinitiative” von Frau Wanka: Als IT-Administratorin für Schulen hätte ich gern erst mal den Netzwerkausbau in allenSchulgebäuden, um eine solide Grundlage für verschiedene Einsatzszenarien von Technik zu haben. Mit WLAN ergänzen kann man immer noch. Ich finde jeder Gerätetyp (PC, Laptop, Tablet, Smartphone etc.) hat seine Berechtigung und sollte problemlos eingesetzt werden können.
    Zu oft erlebe ich, dass Technik großzügig angeschafft wird, aber der Einsatz konkret gar nicht funktioniert, da es z. B. am Netzwerk fehlt.
    Ansonsten erlebe ich einen sehr differenzierten Umgang mit Technik in Schulen. Von völliger Ablehnung bis kreativem Einsatz mit Raspis eigentlich alles. Auch herkömmlichen Frontalunterricht mit interaktiven Tafeln… Technik allein macht halt noch keinen “neuen” Unterricht.

    Kompetenzstreitigkeiten gibt es nicht nur bei Bund und Ländern bei der Bildung sondern auch zwischen Schulträgern und Ländern. Für Gebäude und sachliche Ausstattung sind Kommunen und Gemeinden zuständig, für Lehrplan und Lehrer die Länder. Dann passieren auch solche Sachen, dass IT-unterricht mit halben Klassen stattfindet, durch Lehrermangel aber das Halbieren gestrichen wird und der Unterricht in Räumen mit 16+1 Geräten mit vollen Klassen stattfinden soll. Damit werden die Kosten immer schön auf die Schulträger abgewälzt.

    Die Frage ist auch, wie nachhaltig die Beschaffung von IT gedacht wird. Mit Fördermitteln wird schwungvoll Technik angeschafft, diese veraltet aber auch und muss ersetzt/modernisiert/erweitert werden. Diese Kosten bleiben wieder am Schulträger hängen und keiner denkt darüber nach, die Folgekosten mitzuplanen.

  2. Wie sehr der sächsischen Polizei an einer echten Eingrenzung möglicher Übergriffe am 3. Oktober gelegen war, zeigt ein Blick auf die Zahlen.

    Eine der ersten “Legida”-Demos in der Leipziger Innenstadt (1500 Teilnehmer) wurde mit 5000 Polizisten und 1000 Fahrzeugen hermetisch abgeschirmt. Außerhalb der Sperren wurden “Linke” kontrolliert und abgedrängt.

    Zum Tag der Deutschen Einheit waren zur Sicherung des gesamten Bürgerfestes sowie von 4-5 rechten Demos (bis zu 8500 Leute, dabei neben Pegida auch die “Hooligans gegen Salafisten”-Protagonisten) sowie einigen linken Gegenkundgebungen (mehrere Hundert Personen) über das gesamte Stadtgebiet verteilt, insgesamt 2600 Beamte im Einsatz.

    Ergo: Die Polizei war am 3. Oktober nicht in der Lage, rassistische Beleidigungen aus dem grölenden Mob zu ahnden, weil es nicht geplant war. Es ist #pegidaland.

  3. #32

    Hi, ich bin ein bisschen spät dran, weil ich erst aus Philadelphia heimgekehrt bin. Aber der Punkt mit Schule, Computer, WiFi springt mich dann geradezu an. Denn ich habe in Philadelphia, einfachs besuchsweise die Highschool der Tochter meiner Freunde dort besucht. Das Ist die Science Leadership Academy https://scienceleadership.org/

    Nun berichten die Eltern, dass diese Schule im Vergleich zu den meisten anderen in Philly durchaus sehr fortschrittlich ist, ich habe jedoch keinen Vergleich. Doch zumindest an der SLA bekommen alle Schüler ein Laptop von der Schule gestellt. WiFi gab’s auch.

    Ein Punkt, den ich hier aber in Zusammenhang mit den einzig bisher bekannten O-Tönen aus der Kreidezeit vom Lehrerverbands-Menschen bringen möchte: Ich hab mich am SLA mit den Geschichtslehrer unterhalten. Im laufenden Jahr ist die amerikanische Geschichte dran. Sein Ziel ist, wenige wichtige Punkte der amer. Geschichte rauszupicken, die die Schüler in Gruppen mit jeweils unterschiedlichen Argumenten diskutieren sollen. Über die jeweiligen Debatten hofft er, der Lehrer, den Erkenntnisgewinn der Schüler, dass die Punkte miteinander zu tun haben könnten und sie sich den Weg zwischen den Punkten selbst suchen und den Weg der Geschichte verstehen lernen. Das wiederum passiert wesentlich mit den o.g. gestellten Laptops, dem Schul-WiFi in zB einer eher sehr langen Mittagspause. Und ich durfte – leider nicht in Geschichte – einer solchen Pausendebatte (bei unfassbarem Mittagessen aus einer Scheibe Pizza plus 8-10 Gemüseteilchen aus evtl Broccoli, Möhre und Bohne) über Funktionen, Kurvendiskussion (wovon ich ziemlich wenig bis gar keine Ahnung habe) beiwohnen.

    Meinem Sohn (9) habe ich letztes Jahr erstmal einen RaspberryPi hingestellt, damit er evtl Hausaufgaben mit Internetsuchen sich selbst interessanter gestalten kann – mittlerweile sind in der 4. Klasse einige Hausaufgaben bereits derart gestaltet, dass Internet vorhanden sein muss – was ich jedoch in einer Schule schwierig finde, die derzeit wegen Sanierung keinen Computerraum anbieten kann. Da wir – er udn seine Eltern – ihn im nächsten Jahr auf ein Gymnasium zu schicken gedenke, ist Netzinfrastruktur neben Bildungsvermittlungskonzepten worauf ich nach der frischen Philly-Erfahrung besonders achten werde

    Das waren meine unsortierten Gedanken.

    Herzliche Grüße und Vielen Dank für die Sendung.

    *d

  4. Zum Thema Medien in der Schule:
    Ihr habt da einen hübschen Widerspruch in eurer Argumentation, warum es unbedingt Laptops etc. in Schulen braucht:
    Erst sagt ihr, das sei halt notwendig (!), um die Kids auf das Leben in einer modernen Umgebung adäquat vorzubereiten. Andererseits sprecht ihr später dann von Digital Natives, davon wie Schüler Lehrern den Umgang mit digitalen Medien beibringen, weil sie da einfach viel fitter sind.
    Die Befürchtung, dass Kinder/Jugendliche mit mangelnden Fähigkeiten im Umgang mit Rechnern, digitalem Wissen usw. die Schule verlassen, halte ich für vollkommen unbegründet. Die sogenannten Millennials machen es doch vor. Ich kenne niemanden im Alter von 15-35 Jahren, der nicht vollkommen selbstverständlich und sicher mit Smartphone, Rechner etc. umgehen kann. Und in dieser Altersgruppe hatte so gut wie niemand jemals in nennenswertem Umfang Unterricht mit Rechnern. Den Umgang hat sich diese ganze Generation quasi autodidaktisch beigebracht. Also würde ich dramatische Probleme infolge eines im Wesentlichen ohne digitale Medien durchgeführten Unterrichts nicht erwarten.
    Nun mag man einwenden, dass es jedoch vieles im Unterricht erheblich erleichtern kann und überhaupt, warum sollte man es denn nicht machen, wenn man es kann? Sprich: es mag zwar keinen Schaden durch Nicht-Machen geben, aber gäbe es denn einen Schaden durch Machen?
    Und da sagt die Hirnforschung ziemlich deutlich: JA! Wir alle verbringen ohnehin schon viel mehr Zeit mit Rechnern und Smartphone als gut für uns ist. Und diejenigen unter uns über 25 (etwa) haben immerhin als Kinder und Jugendliche noch den größten Teil ihrer Zeit ohne Medien, also in unmittelbarer Interaktion mit Personen und der realen Umwelt verbracht. Auf diesen für menschliche Entwicklung unfassbar wichtigen Erfahrungsschatz können die unter 15-Jährigen bereits heute absehbar nicht zurückgreifen. Ich kann hierzu Manfred Spitzer empfehlen sowie Gerald Hüther, der zudem auch zu meinen folgenden Punkten die theoretische und empirische Grundlage sehr gut erklärt.
    Die Lehrerin, die sagt, dass es keine wirkliche Veränderung der Abgelenktheit der Kinder gibt, mag da Recht haben. Allerdings ist das nicht unbedingt ein Gütesiegel für den digitalen Unterricht. Es ist eher ein Armutszeugnis für die Art und Weise, wie vorher Unterricht versagt hat, Kinder zu motivieren. Auch wenn es tolle reformpädagogische Konzepte gibt, die es inzwischen in die Lehramts-Studiengänge geschafft haben und mehr Gruppen- und Projektarbeit, Peer-to-Peer Lernen und Lehren etc. Teil der Didaktik geworden sind, scheitert die Umsetzung bis heute meist an den Lehrplänen, den Prüfungsstrukturen, der “Kompetenzerwerb”sorientierung usw., die die Kultusministerien sich in ihren dem Lehreralltag völlig entrückten bürokratischen Überlegungen erdenken und den Schulen dann überstülpen. Innerhalb dieser Strukturen scheitern sinnvolle didaktische und pädagogische Konzepte leider unweigerlich.
    Bis heute hat sich leider die wissenschaftlich längst widerlegte Vorstellung gehalten, dass man Kindern “Wissen vermitteln” oder “Kompetenzen beibringen” könnte. Jeder Hirnforscher wird euch allerdings sagen können, dass das Unsinn ist. Nachhaltig (!) kann ein Mensch nur Wissen und Fähigkeiten erlernen, wenn er sich – evtl. von außen angestoßen – jedoch aus eigenem Interesse damit auseinandersetzt und sich auf einer praktischen oder emotionalen Ebene damit auseinandersetzt. Dabei muss eine Fähigkeit/”Kompetenz” nicht unbedingt als solche Gegenstand des Interesses sein, es reicht wenn sie notwendiges Mittel ist, um sich mit dem Gegenstand des Interesses auseinandersetzen zu können.
    Und genau DAS ist auch der Grund, warum wir ALLE mit Rechnern völlig selbstverständlich umgehen können. Weil wir alle irgendwelche Interessen haben, denen nachzugehen, mit denen uns auseinanderzusetzen wir der Kompetenzen bedürfen, mit Rechnern umzugehen. Das musste uns niemand beibringen – und wenn es jemand in versucht hätte, hätte das vermutlich wenig genutzt – das haben wir uns selbst beigebracht, weil wir es für unsere Interessen brauchten.

    Der in eurem Gespräch in Bezug auf die lernenden Lehrer gebrachte Punkt, dass sich Lehrer viel mehr als Unterstützer, als Coach eines an sich viel selbstständiger lernenden Schülers begreifen müssen, ist richtig. Jedoch braucht es dafür keine Laptop-Klassen o.ä., sondern schlicht Lehrer, die strukturell und didaktisch dazu befähigt sind, bereits bestehende Interessen ihrer Schüler zu entdecken und neue zu wecken. Diese Interessen dann aufzugreifen und daran ausgerichtet (mehr oder weniger individuelle) Ziele zu formulieren, bei deren Verfolgung die Schüler sich (!) jede Menge Wissen und Fähigkeiten aneignen – das ist die eigentliche Kunst des Lehrerseins.
    Das ist so ziemlich das Gegenteil des klassischen Frontalunterrichts und kann, wo es nicht schadet, auch durchaus Medieneinsatz beinhalten, klar. Jedoch lerne ich bspw. in Sachkunde in der Grundschule nichts über Tiere und Pflanzen, wenn ich keinen Tieren und Pflanzen real begegne, bzw. ich kann mit solchem „Wissen“ dann eben nichts Reales verknüpfen. Mathematische Logik nachvollziehen kann ich dann am besten, wenn alle Variablen, die in einer Funktion, einer Gleichung, einer Formel usw. vorkommen, für mich als reale Größen begreiflich sind und ich so ihre REALE Beziehung auf die mathematische Form abstrahieren kann. Das Wort “begreifen” kommt nicht von ungefähr. Eine rein abstrakte Auseinandersetzung mit Themen, wie sie am Rechner stattfindet, ist nur dann didaktisch sinnvoll, wenn bereits eine sehr gute Vorstellung vom betreffenden Thema besteht. Deshalb würde ich auch niemals sagen, dass Rechner für universitäre Bildung unsinnig wären, denn hier geht es um die Vertiefung bereits bestehenden und mit Realem verknüpften Wissens. In der Schule jedoch wird per Definition Grundlegendes vermittelt.

  5. Auch von mir danke für die Bereitstellung durchaus hörenswerten Tonmaterials, auch wenn es mir gefühlt etwas zu sehr newslastig geworden ist. Wenn es, wie Ulf meint, Leute im Ausland geben sollte, die das gern dabeihaben wollen, fände ich ich es trotzdem besser, das als eigenen Teil auf einen festen Zeitrahmen von vielleicht maximal 25 Minuten, jedoch zugleich nicht mehr als ein Fünftel der Gesamtfolge, zu komprimieren, da ich mir kaum vorstellen kann, dass man bloße, kurze, einordnende Wochengeschehenberichte nicht auch anderswo findet. Ein hörgewinnbringendes Format sehe ich eher im Herauspicken einiger dann etwas ausführlicher in ihren Feinheiten besprochener Themen, die sonst anderswo unkommentiert bleiben oder eben nur als Faktennews aufscheinen. Für die nächste Folge böte sich beispielsweise eine etwas ausführlichere Besprechung der rechtlichen Aspekte an, auf die sich die Reichsbürger hierzulande beziehen, um zu verstehen, wie sie zu ihren Auffassungen kommen können. In anderen Medien habe ich zu dem Thema bisher nur gesperrte Kommentarbereiche vorgefunden bei zugleich lediglich allgemeiner Benennung von Geschehnissen.

  6. 20. Oktober 2016 um 0:05 Uhr
    Justus Aurelius, der Jura-Ersti

    Wenn Ulf in der nächsten LdN das Schirach-Stück so erklärt, dass auch Nichtjuristen es verstehen, gebe ich ihm ein Eis aus! Warum spielt das BVerfG-Urteil für die strafrechtliche Bewertung keine Rolle? Warum sagen promovierte Juristen, man könne mit übergesetzlichem Notstand argumentieren, während andere promovierte Juristen genau dies ablehnen? Trennen Gerichte zwischen Moral und Recht; ignorieren sie in der Urteilsfindung die Motive und Abwägungen des Täters? Ist der Fall formaljuristisch glasklar oder könnte das Urteil tatsächlich in beide Richtungen gehen?

    P.S.: Momentan finde ich euch ein bisschen oberflächlich. Inzwischen fasst ihr wirklich nur noch die Ereignisse der Woche zusammen – da ist für den durchschnittlichen Medienkonsumenten nichts Neues dabei. (Außer, wenn man irgendwas blöderweise noch immer nicht kapiert hat, siehe meine Frage oben. Mit dem CETA-Urteil des BVerfG dürfte es einigen ähnlich gegangen sein, nicht nur Katja Kipping, sodass Ulf hier noch stärker seine Spezialkenntnisse verbreiten dürfte, finde ich.) Vor der Sommerpause hattet ihr auch mal Interviewpartner, die Insider-Ansichten oder andere interessante Aspekte einbringen konnten. Da scheint ihr zwar manchmal zu wenig kritische Fragen parat gehabt zu haben, sodass die Interviewten ihre Meinung/Ideologie unwidersprochen rausblasen durften, aber nichtsdestotrotz war das mal eine Abwechslung.

    • Hi Justus, danke Dir. Ich werde mir Mühe geben ;)

      Zu der Oberflächlichkeit: Es ist ein Spagat. Es gibt viele Leute die gerne einen Nachrichten-Überblick der Woche hätten – beispielsweise Deutsche im Ausland. Das machen wir gerne, aber da können wir dann nicht zu allen Themen große Neuigkeiten verkünden, sondern eher auch mal einfach nur einordnen und zusammenfassen. Andererseits gibt es Themen, zu denen wir ne Menge zu sagen haben, etwa BVerfG-Entscheidungen oder Netzpolitik, aber das wird es dann auch schnell, nun ja, speziell. Wir versuchen, eine gesunde Mischung hinzubekommen.

      Zu den Gästen: Machen wir gerne, ist aber logistisch nicht immer einfach, weil wir gerade ohnehin froh sind wenn wir beiden zwei, drei Stunden am Freitag parallel Zeit haben. Und es sind uns auch Leute kurzfristig abgesprungen. Aber klar, wir versuchen das weiterhin.

      • 20. Oktober 2016 um 1:17 Uhr
        Justus Aurelius, der Jura-Ersti

        Mir ist bewusst, dass das ein Spagat ist, zumal das Thema auch in den Kommentaren der ersten paar Folgen eifrig diskutiert wurde, wenn ich mich recht entsinne. Jedoch hatte ich den Eindruck gewonnen, dass ihr euch in diesem Spagat eher für die Alternative entschieden hattet, eher weniger Themen und diese dafür mit Tiefgang zu behandeln. Dies schien mir seit dem Ende der Sommerpause anders zu sein, weshalb ich es mir nicht verkneifen konnte, meinen diesbezüglichen Unmut herauszuposaunen. Meine Meinung: Macht das, was ihr könnt, vor allem du als Jurist – davon haben alle am meisten.

        Könntet ihr bei den Gästen nicht darauf ausweichen, die Interviews schon vorab aufzuzeichnen? Wenn der Interview-Zeitpunkt nicht auf Freitagnachmittag festgelegt ist, sondern flexibler in Absprache mit dem Interviewpartner gefunden werden kann, ließe sich das womöglich besser einrichten. Ist dann auch ein gewisser Aufwand, weil hinsichtlich eures Zeitbudgets noch mehr Zeit außerhalb eures Freitag-Slots aufzuwenden wäre, aber andererseits erspart diese Flexibilität vielleicht kompliziertere Absprachen mit den Interviewpartnern. … Ich merk schon, es läuft darauf hinaus, dass ihr Vollzeit-Podcaster werden müsst.

        Anyway (wie ein von mir geschätzter Podcaster sagen würde) …

        Musste übrigens bei Schirachs Stück auch an den Antifa-Ansatz denken, die Pro- und Contra-Aspekte einfach gegeneinander aufzurechnen. Hat mich aber aus verschiedenen Gründen nicht so richtig überzeugt. ;) Bin da eher prinzipientreu. Nicht, dass ich ein blutleerer Rechtspositivist wäre, aber in unserem nicht allzu furchtbaren Rechtsstaat muss ich nicht auf Erwägungen “unter’m Strich” zurückgreifen.

  7. Sah gerade “Terror – Ihr Urteil” und überlegte, was man da eben so überlegt. Und dachte: Was ihr beiden denkt, muss man ja gar nicht fragen. Eure Antifa-erprobte Aufrechnerei wird wohl ergeben haben, dass “unter’m Strich” allet jut ist. Oder? ;)

  8. Nur mal ein DANKESCHÖN für die tolle Arbeit, die regelmäßig dafür sorgt, dass ich beim Joggen die Motivation nicht verliere und laaaaaaaaaaaaannge durchhhalte. Weiter so!

  9. Auch von mir vielen Dank für Euren Podcast! Umfang und Themenauswahl sind meist sehr passend für mich (bitte nicht zum Laberpodcast werden;)

    Es ist zwar ein Nebenthema, aber der einhellige Jubel regt mich trotzdem auf. 5 Milliarden für Notebooks und Wlan, wo es in Klassenzimmer regnet und Büsche in Turnhallen wachsen? Überall zu wenig pädagogisches Personal zur Verfügung steht? Was ist daran so toll? Wenn Jugendliche und auch Kinder heutzutage etwas können, dann ist es der Umgang mit IT. Ihr sagt es ja selbst, die Schüler unterrichten dann die Lehrer. Ich sehe den Grund zum Jubeln nicht. Das Geld wäre an anderer Stelle viel dringender vonnöten. Bin eben auch ein Dinosaurier aus der Kreidezeit ;)

  10. Moin,
    an der WLAN-Nummer der Bahn fand ich ja – neben dem mangelnden Sicherheitsverständnis – bemerkenswert, dass die Züge anscheinend ihre Geolokation mittels GPS tracken. Wenn die Daten also grundsätzlich vorhanden sind, könnte man das ja mal für den unsäglichen Zugradar nutzen. Der zeigt ja nur die “geplanten” – besser erhofften – Positionen der Züge an.

    Ein funktionierender Zugradar wäre mal ein echter Mehrnutzen für die Kunden.

    Das auch zum Thema “Nutzen der versteckten Datenschätze der Bahn”. ;-)

  11. Anscheinend haben alle Android-Smartphone-Hersteller eine sehr kleine Gewinnmarge. Der einzige Grund warum sich Samsung etc. die Kosten für R&D überhaupt tragen können ist weil sie reisengross sind. Kann man auch daran sehen wie sehr viele Firmen zwar versuchen in den Android-Markt reinwollen pleite gehen oder sich sonst ein blaues Auge holen.

    Apple auf ihren iPhones haben dagegen eine riesige Gewinnmarge weil in den reicheren Ländern trotz des hohen Preises viele gekauft werden, weil die Leute kaufkräftig genug sind.

  12. Moin,
    beim ersten Teil war ich doch ziemlich irritiert, dass sich Philip beim Gespräch über einen Suizid mehrfach das Lachen verkneifen musste. Auch wenn die Zustände in der sächsischen Verwaltung lächerlich sein mögen, fand ich diesen Umgang ziemlich unpassend.
    Beim Thema “Trump Anhänger hassen Clinton” fiel mir auf: Ein Haufen Leute wird aus genau dem Grund Clinton wählen: Sie hassen Trump. Wenn auch mit besseren Argumenten. Schon traurig, wenn der Kandidat gewinnt, den weniger Leute hassen…
    Der “Kreidezeit” Kommentar zum O-Ton des Herrn vom Lehrerverband war echt lustig!
    Gruß,
    Matthias
    PS: Schafft Ihr es vielleicht, die Folgen einigermaßen sofort nach Aufnahme hochzuladen? Ich wohn leider in der GMT+8 Zeitzone, da ist das Wochenende meist schon fast vorbei, wenn die neue Folge online geht.

    • zum Thema Hochladen: Der Podcast ist ein Hobby-Projekt von uns, dh wir können daran nur in unserer Freizeit arbeiten. Wir bemühen uns natürlich, den so schnell wie möglich hochzuladen, aber versprechen können wir leider nicht, dass das jede Woche klappt. Allein das Schreiben der Shownotes dauert zB schnell mal ne Stunde, wenn man das ordentlich machen will.

      • Ich weiß, ich bin für einen Hobby-Podcast etwas anspruchsvoll. Muss an Eurem inhaltlichen Niveau liegen! ;-)
        Gruß,
        Matthias
        PPS: Zwei Fragen zum Fall Al Bakr kamen mir heute noch:
        1. Wie kommt es eigentlich, dass überall kritisiert wird, er sei nicht richtig überwacht worden, aber niemand auch nur die Möglichkeit erwähnt, dass es kein Selbstmord gewesen sein könnte? Als Journalist ist man doch vor Verleumdungsklagen relativ gut geschützt, oder? Oder kommt nur mir bei der Geschichte Oury Jalloh in den Sinn?
        2. Natürlich werden die drei Syrer, die ihn der Polizei übergeben haben, gelobt. Aber haben sie sich nicht der Freiheitsberaubung schuldig gemacht?

  13. Was die Wahl in den USA anbelangt:
    Wie nach jeder Amtszeit eines Präsidenten (G.W. Bush mal ausgenommen) werden die Lobeshymnen auf den noch aktuellen Stelleninhaber lauter.
    Natürlich rein subjektiv fällt mir das in der Wahlkampfberichtserstattung derzeit enorm auf. Natürlich auch weil Obama nun Abschiedstour durch die Talkshows tingelt.
    Doch wie ist denn seine Bilanz? Guantanamo steht noch, Whistlblower werden Terroristen gleichtgestellt, die Überwachung nimmt immer größere Ausmaße an, die Drohnenkriege bomben alles weg was nicht bei drei auf den Bäumen ist.
    Innenpolitisch kann er zwar einige Erfolge verbuchen, doch insgesamt ist seine Bilanz doch mehr als ernüchternd.
    Wäre das mal ein Thema?
    Auch die mediale Rezeption, gerade in Deutschland, scheint ihm immer noch wohlgesonnen zu sein, im Gegensatz zu seinem Vorgänger.

  14. Hi@all,
    wieder eine sehr gute Sendung, auch wenn ich noch nicht durch bin …
    Aber eine Frage drängte sich mir schon zwischenzeitlich auf. Meinen Informationen nach hat doch der Bundesgeneralanwalt die Ermittlungen schon in einem sehr frühen Stadium an sich gezogen. Somit ist er Herr des Verfahrens. Er ist somit auch für alle Ermittlungsschritte verantwortlich, mithin auch bezgl. der Haft. Warum hat er nicht in eigener Verantwortung die entsprechende Unterbringung und Überwachung angeordnet? Und wo wir schon bei Verantwortung sind, warum hat er nicht die politische dafür übernommen?

    Was haltet ihr davon? Bin ich da auf dem Holzweg?

    Beste Grüße und weiter so!!

    • Re: GBA hat das verfahren übernommen.

      Dazu laß ich irgen dwo, dass die eilige Übermittlung des Beschuldigten nach karlsruhe deswegen entfallen konnte, weil der ja bereits durch einen örtlichen Haftbefehl inhaftiert war. Und damit wäre die Übertragung euf einen GBA-haftbefehl mehr eine formalie gewesen. Da hat wahrscheinlich niemand daran gedacht, dass der Beschuldigte sich in Haft töten könnte. Das erscheint zugegeben auch eher unerwartet. Wo war das noch gleich, dass die NSU-Beweismittel (Wohnwagen) erst durcheinandergewirbekt wurden, und dann die übrig gebliebenen Beweise gesichert? Ach, Thüringen. Na, dann.

  15. Re: Spontane IT-Initiative der Bundesbildungsministerin

    Ich finde es einerseits ja gut, dass auch die Bundesministerin mal bemerkt, dass die Schulen mehr aktuelle Technik gebrauchen könnten. Ob ein Vorschlag von fünf Milliarden für die nächsten Jahre ausreichend sein könnte, kann ich nicht einschätzen. Wenn nun aber doch der Bund in Sachen Infrastruktur Geld geben darf, frage ich mich, wieso kein Geld für marode Schulgebäude verfügbar ist bisher. mal ganz davon abgesehen, dass solche Pläne für nach der nächsten Wahl vielleicht nucht ganz so ernst zu nehmen sind, wie Pläne, die nach einer Wahl getroffen werden. Wer sagt denn, dass Frau Wankas Plan nicht nur bis zur Wahl gilt?

    • klar, das kann niemand sagen, ob das nicht eigentlich nur ein vorgezogener Wahlkampf Gag ist

    • Ich glaube das ist einfach zu erklären: Themen wie Computer und WLAN für Schulen machen einfach mehr her als das Sanieren von alten Gebäuden und Einrichtungen. Aus ähnlichem Grund hat man lange Zeit das Restaurieren von Brücken und Straßen vernachlässigt und anstatt dessen viel Geld in neue Straßen und Brücken gesteckt.

      • Zum Thema “Schulen müssen für das Leben vorbereiten und nicht für irgendeine fiktive Idealwelt” (1h31min): Sollte Schule nicht doch einen gesellschaftlichen Gestaltungsanspruch haben? “Always-on”, “alles digital” etc. sind ja keine vom Himmel gefallenen Wahrheiten, sondern der Ausdruck des Gestaltungsanspruchs von Konzernen. Dass Kinder damit umgehen lernen müssen, ist klar, aber soll ihnen anerzogen werden, dass alternativlos hinzunehmen?

        Um mal das Humbold’sche Ideal von Allgemeinbildung auf’s Thema WLAN zu übertragen: Geld her für (freie) Hardware & Weiterbildung! Aber es sollte ermöglicht werden, dass Lehrer, Schüler & Eltern die Technik selber installieren & administrieren (Freifunk!). Das wäre IMHO ein konstruktiver Kompromiss im Sinne der oben gestellten Fragen. Deren Beantwortung aus anderer Perspektive als meiner begrüße ich ;-)

      • Sehe ich ähnlich. Wenn ich solche Nachrichten höre, fühle ich mich zurückversetzt in die 90er, wo Adjektive wie “computergestützt” und “computergeneriert” dem Laien wahre Wunderdinge versprachen.

        Das scheint bei vielen (nicht der LdN, ich meine eher solche wie Frau … *hurhur* Wanka) immer noch fest verankert zu sein. Vielleicht werde ich eines besseren belehrt und in 10 Jahren kommen die Kinder mit technischem Verständnis aus den Schulen, bedienen sich des Internets souverän und teilnehmend, nicht nur konsumierend, können auch das eine oder andere Script schreiben und verstehen, wie eine CPU funktioniert.

        Oder: in 10 Jahren benutzt man das WLAN und die Tables halt für Lehrvideos und Abgleich der Stundenpläne. Die Löcher sind zwar immer noch im Dach und die Lehrerinnen und Lehrer gehen mit Depression in Frührente aber hey!, immerhin wissen unsere 6jährigen, wo man bei den gängigen F2P-Spielchen draufdatschen muss, dass es “pling” macht. (Also ob die das nicht schon von Haus aus lernen würden).

        Vor 30 Jahren hätte ich solche Investitionen sinnvoll gefunden, da hatte ja wirklich keine Sau einen Computer (jaja, ich weiss, die Nerds hier sind natürlich alle mit Spectrum und C64 aufgewachsen und haben noch Lochkarten handgebastelt ^^). Aber heute? Ich check’ das echt nicht.
        Während meines Studiums war das WLAN an der Hochschule für genau 3 Dinge gut: Arbeiten hochladen (kann ich auch von zuhause aus machen), Facebook und WoW.

        Ich will ja gar nicht verleugnen, dass es sehr praktisch sein kann, wenn ich Übungen und Auswertungen gleich an die Schülerinnen und Schüler schicken kann, zuhause Material fertig machen und dafür sorgen, dass es am nächsten Unterrichtstag automatisch auf die Geräte geschoben wird und was weiss ich noch.

        Aber das sind doch absolute Luxusdinge. Wo bleibt denn die Pädagogik? Inhalte? Bildung im eigentlichen Sinne? WLAN und Tablets helfen nicht, ein restriktives und zerstörerisches System zu reparieren, das jährlich tausende Verlierer und seelische Krüppel produziert.

  16. Frage zu Rücktritten von Politikern:
    Wenn ich mich recht erinnere habt ihr Cameron nach seinem Rücktritt vorgeworfen er würde sich aus der Verantwortung stehlen. Wo seht ihr den Unterschied zur aktuellen Situation, in welcher der sächsische Justizminister betont gerade dass wolle er nicht machen.

  17. Hallo zusammen!

    Zum Thema DDR-Vergangenheit und Neonazis hätte ich drei Dinge beizutragen:

    Zum einen ganz sicher der dogmatisch festgesetzte “Antifaschismus” der DDR und ihrer Bürger_innen, der – wie ihr ja im Podcast angemerkt habt – eben völlig anderer Natur war als die politische Auseinandersetzung in der Bundesrepublik um und nach 1968. Wo hier (DDR) in Staatsbürgerkunde, Geschichte und sonstwie politischem Unterricht griffige “antifaschistische” Formeln gelehrt und nachgebetet wurden (die Faschisten saßen ja jenseits dieses Schutzwalls), wurde dort (BRD) am Küchentisch, in Klassenzimmern, Hörsälen und auf der Straße die familiäre und gesellschaftliche Vergangenheit hinterfragt. (Schwer, sich die immense Überfälligkeit der Auseinandersetzung – in beiden deutschen Staaten dieser Zeit – als Nachgeborener vorzustellen; Georg Kreisler [1] kann da helfen.)

    [1] https://www.youtube.com/watch?v=AaRCComwKkA)

    Zum anderen war die DDR ein Staat, der mit Gewalttaten, die heute eindeutig rechtsextrem gelabelt würden, anders umging: qua oben erwähnter Setzung gab es keinen Neofaschismus aus der DDR, die Strafverfolgung etikettierte solche Fälle entweder als “Rowdytum” [2] oder als “Straftaten gegen die staatliche und öffentliche Ordnung”. Und wenn es schon neonazistische Umtriebe waren, dann wurden sie aus dem Westen eingeschleppt und/oder von dort gesteuert. Absurd, angesichts der Tatsache, dass das MfS offenbar selbst einige dieser Umtriebe in Ost und West finanzierte [3] bzw. die DDR gutes Geld mit inhaftierten Neonazis machen konnte [4].

    [2] http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/218421/neonazis
    [3] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13496956.html
    [4] http://www.swr.de/report/wie-die-bundesrepublik-gefaehrliche-rechtsextreme-aus-der-ddr-freikaufte-neonazis-gegen-geld/-/id=233454/did=10836370/nid=233454/6glf4y/index.html

    Und, der dritte Punkt: historisch bot der Neonazismus auch Teilen der DDR-Jugendkultur einen Ansatzpunkt, sich dem rigiden System der zwangsweisen politischen Sozialisation (neben Schule und Ausbildung eben auch die Jungen Pioniere und die FDJ) zu entziehen. Einem Regime, das sich plakativ mit einem leeren Antifaschismus brüstete, ließ sich der Neonazismus recht einfach als Protestkultur entgegenstellen [5].

    (Achja, noch als Randnotiz: mit der Wiedervereinigung wurden auch vormals politische Gefangene entlassen – unter ihnen wohl nicht wenige Rechtsradikale, durch die dann wohl “gewissermaßen über Nacht eine gewaltbereite rechte Szene” im Osten entstehen konnte [5].)

    [5] http://library.fes.de/pdf-files/bueros/schwerin/01185-br.pdf (S. 67f.)

    Macht bitte weiter mit diesem großartigen Podcast! :)

    • Was die Verfolgung und Aufarbeitung von NS Verbrechen angeht möchte sich natürlich kein Deutscher Vorwürfe gefallen lassen. Deshalb wahrscheinlich die diversen Kommentare welcher Staat nun tougher war.

      Es ist unstrittig, das in beiden Staaten “nützliche” Leute trotz ihrer NS-Vergangenheit weiter agieren konnten oder sogar deshalb bestimmte Posten bekommen haben. Der Laden musste weiterlaufen und daher wurden pragmatische Entscheidungen getroffen. Verwaltung bleibt Verwaltung und Ärzte werden immer gebraucht.

      Ob “richtige” Aufarbeitung nun tränenreiche Reden im Bundestag oder die heroische Überhöhung von kommunistischen Widerstandskämpfern ist, ist doch eigentlich egal. Ehrlicherweise muss man konstatieren, das nur wenige Menschen (in Ost wie West) bereit waren über individuelle Schuld zu reden.

      • Ich schließe mich dem voll und ganz an! Was Aufarbeitung individueller Schuld angeht, sieht es wohl allerorten düster aus; z.B. in der Ärzteschaft der Bundesrepublik mussten die noch NS-belasteten Doktorväter erst wegsterben, bis man sich irgendwann Mitte der 1990er Jahre ganz, ganz vorsichtig der Feststellung näherte, dass deutsche Ärzte im Dritten Reich wohl doch moralisch fragwürdige Dinge getan haben könnten.
        Ich wollte ein wenig DDR-Kontext geben, meine Gegenüberstellung greift natürlich viel zu kurz; das sollte lediglich augenscheinliche Unterschiede aufzeigen und keine Wertung mit einbringen. Ob diese oberflächlichen Unterschiede dazu taugen, den rechtsextremen Status quo zu erklären, bleibt für mich offen.

      • Weder die vermeintlich bessere (wie die Moderatoren behaupten) Aufarbeitung in der BRD, noch der staatlich verordnete Antifaschismus in der DDR haben gut organisierte Nazi-Strukturen und rechte Parteien im Land verhindert. Daher muss es andere Gründe für den rechtsextremen Status Quo geben.

      • Die Aufarbeitung im Westen war überhaupt mal eine, wenn auch spät (erst ab ca 1968) und unvollständig: Eine bizarre Paranoia gegenüber allem, was links der SPD zu verorten ist, kann man beispielsweise bis heute beobachten, gelegentlich sogar in den Kommentaren hier auf der Seite. Wer sich für die unselige Geschichte des “Anti-Bolschewismus”, der nach 1949 dann “Anti-Kommunismus” hieß, interessiert, der wird zB bei Heinrich Hannover fündig (“Die Republik vor Gericht”, vor allem Band I).

      • @vieuxrenard:

        “Die Aufarbeitung im Westen war überhaupt mal eine, wenn auch spät (erst ab ca 1968) und unvollständig …”

        Da kommt die westdeutsche Voreingenommenheit wieder durch … etwas schade. Ich halte es verkehrt eine Wertung zu betreiben, was Aufarbeitung war oder nicht. In beiden Staaten ist niemand daran vorbei gekommen über NS-Verbrechen informiert zu sein.

        Eine Diskussion in familiären Kreisen darüber, kann man niemand aufzwingen. Ich habe auch Zweifel daran, ob das in der BRD in einem so großen Ausmaß passiert ist. Mir scheint das eher ein Narrativ innerhalb der akademischen 68er Generation zu sein, die allerdings nur einen kleinen Teil der Bevölkerung abbildet.

        Die absurden Debatten um die berüchtigte Wehrmachtsausstellung vor einigen Jahren, haben gezeigt, das die westdeutsche Gesellschaft mit der Aufarbeitung von NS-Verbrechen immer noch Probleme hat.

        Um die wirklichen Ursachen von rechtsextremen und ausländerfeindlichen Haltungen zu erläutern, könnt ihr ja gerne mal jemanden einladen, der/die sich damit auskennt. Die im Podcast angeführten Gründe halte ich für nicht schlüssig.

  18. Freue mich auf jede neue Ausgabe der LdN
    Gute Zusammenfassung und Abwägung wichtiger Fakten und Nachrichten.
    So wird man zu mehr Sachlichkeit in der Diskussion erzogen weil
    Emotionen nicht zielführende wären.

  19. Zur Sauerlandgruppe und den Berichten zum aktuellen Fall Al Bakr: 2009 gab es im Deutschlandfunk ein tolles Feature zur Sauerlandgruppe, es trug den Titel “Ein Käfig voller Enten?”. Weil das Beispiel Sauerlandgruppe im Terrorismuskontext immer wieder aufkommt kann ich jedem empfehlen, sich das mal zu Gemüte zu führen. Der Deutschlandfunk hat das Manuskript im Archiv (siehe http://www.deutschlandfunk.de/ein-kaefig-voller-enten.1247.de.html?dram:article_id=190154), die Episode aber aus den üblichen Gründen des öffentlich rechtlichen Onlinepublizierens mittlerweile depubliziert (Hint: in der Suchmaschine der Wahl dürften die Begriffe “Ein Käfig voller Enten” und “mp3” recht schnell zu einem Media-Dump aus vertrauenswürdiger Quelle führen ;) )
    Nach diesem Eindruck sind für mich momentan alle im Raumstehenden Aussagen – ins besondere des Verfassungsschutzes selbst – erstmal “angeblich”, irgendwelche Verwicklungen sind für mich jedenfalls hinreichend Plausibel um eine gewisse Skepsis vor der Übernahme der Aussagen als Fakten abzusehen. Und die Berichterstattung wird für mich auch von Tag zu Tag skurriler.

    Und damit abschließend wie immer ein herzliches Dankeschön für eure tolle Arbeit!

  20. 50:30 – “… der kam wohl auch nicht aus dem Osten, sondern irgendwie aus Niedersachen oder so …”
    Was soll mir dieser Satz sagen?
    Bei mir kam der Satz so an. Der Polizist kam nicht aus dem Osten und ist deshalb unverdächtiger.

    46:20 – Im Gegensatz zu Westdeutschland wurde die Entnazifizierung in der SBZ wesentlich konsequenter durchgeführt als in Westdeutschland. NSDAP-Mitgliedern in der SBZ ist in aller Regel die Rückkehr in den Schuldienst, den Polizei- und Justizapparat und die innere Verwaltung verwehrt worden. Der Anteil von SED-Mitglieder mit einer früheren NSDAP-Mitgliedschaft lag bei 8,6 Prozent (Veröffentlicht durch die SED 1954). Eine Aufarbeitung war insofern auch unnötig, dass zumindest die Staatsführung der DDR mit den Nazis wirklich wenig zutun hatte. Bei den Bürgern ist das wiederrum eine andere Sache, aber diese Generation liegt mindestens zwei Generationen zurück. Die fehlende Aufarbeitung von Schuld kann daher wohl kaum der Grund dafür sein.
    Ich möchte auch zu bedenken geben, dass die Wiedervereinigung vor 26 Jahren gewesen ist und Schulsystem und politische Bildung im Osten angepasst wurden.
    Ich habe meine Probleme mit der These, dass die fehlende Aufarbeitung ein Grund ist, der die rechte Bewegungen im Osten besonders begünstigt.

    • Einerseits gab es in der DDR doch wirklich keine gesellschaftliche Aufbereitung der Nazizeit, die einst verbannten Nazikader wurden, aufgrund Fachkräftemangel auch schnell wieder rehabilitiert.
      Andererseits stimmt natürlich, dass die derzeitige Situation v.a. in Sachsen nichts mit DDR zu tun hat. Die Ursachen sind doch klar bei der CDU und Biedenkopf zu suchen, die, nicht alleinig, aber doch maßgeblich jede Aktion gegen Rechts nicht nur blockierten, vielmehr das rechte Gedankengut noch förderten.
      Das sind nun die Folgen.

    • Bevor Philip und Ulf weiterhin Küchensoziologie betreiben, lassen wir doch einfach mal die Wissenschaft sprechen. Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt in „Politik und Zeitgeschichte, 46/2001“:

      „Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Aggressivität werden anscheinend häufig noch deshalb dem Konto der längst verblichenen DDR zugeschrieben, weil mit solchen Stereotypen die mental-charakterliche Inferiorität der Ostdeutschen als angeblich wissenschaftlich authentisch hingestellt werden kann. … Die Analyse hat gezeigt, dass die entscheidenden Ursachenfaktoren für Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt im Niedergang und Zusammenbruch des DDR-Systems sowie in der langen und für viele Menschen schwierigen Phase der Transformation in das neue, grundlegend andere Gesellschaftssystem, also in einer radikal veränderten Lebenswelt der Individuen liegen.“

      Nachzulesen bei:
      http://www.bpb.de/system/files/pdf/HRDB0X.pdf

  21. Hi,
    ich will mich bedanken für den Podcast. Die Tehmensetzung ist gut und beleuchtet schon vieles aus. Meistens wird nicht nur von einer Seite hervorgehoben. Das finde ich gut. Ich weiss nicht, ob das an mir liegt: Ihr wirkt auf mich gehetzt. Und zwar speziell nicht an Themen und Themenfülle, sondern das Ulf schnell spricht. Vielleicht habt ihr ein bestimmtes Limit, dass ihr nicht überschreiten wollt. Von meiner Seite ist das kein Problem, wenn ein Podcast 2 Stunden dauern könnte. Oder das ist einfach Ulfs Persönlichkeit ^^.

    Grüße Michael
    Ps: Ich kam von dem Aufwachen Podcast. Vielleicht könnt ihr den 2. Platz mal grüßen ^^.

  22. Was die Leute betrifft, die Trump wählen:
    Ich glaube, Philip zitiert da die falsche Folge von United States of Anxiety. Natürlich ist Hilary Rodham Clinton, warum auch immer, historisch unbeliebt, und das nicht nur im extrem rechten Lager. Aber entscheidender dafür, dass Trump trotz seines Rassismus, seiner Charakterschwächen, Psychosen, nun sogar offenkundigen record von sexueller Belästigung und Gewalt und faschistoider Tendenzen von etlichen zehn Millionen gewählt werden wird, sind andere als der Hass auf Clinton im Speziellen.

    Zum einen ist die politische Spaltung tatsächlich tief – und zwar ironischerweise mehr in politics als in policy. Die Serie in On the Media über Armut in Amerika ist da erhellend.

    Vor allem aber gibt es viele Landstriche, in denen das eigene Leben den Menschen tatsächlich hoffnungslos vorkommt, und in denen sie ihre Wut darüber in Trump als Mittelfinger an angebliche und tatsächliche Eliten gießen. Das ist zwar inhaltlich Quatsch, aber das ändert nichts daran, dass das passiert. Dieser Artikel beschreibt das ganz gut http://www.cracked.com/blog/6-reasons-trumps-rise-that-no-one-talks-about_p1/

    Dass sich die realen wirtschaftlichen und sozialen Schweirigkeiten und Abstiegsängste in dieser Weise artikulieren, liegt auch daran, dass der politische Diskurs kaputt ist. Weder werden bestimmende Faktoren – wie zum Beispiel, dass über zehn Jahre in Boom und Rezession mittlere Löhne sanken – werden weder breit diskutiert noch tief analysiert.
    Dieser Umstand ist wechselseitig verknüpft mit dem Fehlen progressiver Konzepte und der Abwesenheit einer echten politischen Linken.

    Und dazu, warum Trump hier relevant ist: erstens sollten uns Amerika und die Amerikaner schon an sich nicht egal sein. Und zweitens, sind einige der Mechanismen, die dort wirken, nicht grundsätzlich anders als die Umstände hier.

    • Bernie Sanders war eine echte “linke” Alternative und hat verloren.

    • > Und dazu, warum Trump hier relevant ist: erstens sollten uns Amerika und die Amerikaner schon an sich nicht egal sein. Und zweitens, sind einige der Mechanismen, die dort wirken, nicht grundsätzlich anders als die Umstände hier.

      Dein “Erstens” müsstest du schon etwas begründen. So allgemein würde ich das nicht unterschreiben. Sicherlich gibt es den Grund der Weltmacht Amerika, die wegen ihrer militärischen und wirtschaftlichen Macht alle anderen Nationen beeinflußt, aber die Frage für mich ist eben was anders wäre für uns hier in Deutschland je nachdem wer Präsident in den USA ist. Ich bin mitlerweile der Meinung dass es kaum Auswirkungen haben wird (außer ich täusche mich und Trump ist wirklich ein Psychopat der mit “dem Knopf” liebäugelt).

      In den USA gibt es derzeit eine große Zahl von Leuten die wie auch hier das System nur noch brennen sehen wollen. Und dafür ist Trump eben der anscheinend beste Kandidat. Und ich vermute dass sich dieser Zustand eher verschlimmern wird wenn Clinton gewinnt und das “weiter so” die Agenda ist. Wer mag zu sagen was dann in 4 Jahren passiert, welcher “Verrückte” dann nach oben gespült wird. Und ich sehe es wie du, dass wir ähnliche Tendenzen hier in Deutschland ja auch beobachten.

      • Ganz basal, ich habe Freunde in den USA. Vielleicht möchte ich da mal wieder leben. Und ich will nirgendwo faschistische Regierungen sehen. Selbst wenn sich das nicht auf mein Leben auswirken würde (was in einer wirtschaftlich, politisch und kulutrell globalisierten Welt ohnehin Fiktion ist).

        Was eine Clinton Amtszeit betrifft fällt es mir in vielen Politikbereichen schwer, meine Erwartungen nicht zynisch auszudrücken. Trotzdem ist es nicht nur ein lesser evil, sondern eine andere Kategorie als eine Trump administration.

  23. bzgl. Trump: ein kleiner Einwurf.
    Ich finde ja schon abstoßend, was und wie Trump über Frauen und generell Menschen spricht. Siehe Megyn Kelly oder den behinderten Journalisten den er nachäffte.
    Trump redet, viel, viel Unsinn. Er drohte ja gegen alles und jeden Klagen an, hat aber keine einzige je vorangebracht. Er kann sich ja kaum an das erinnern, was er vor Wochen oder Monaten sagte.
    Und ich würde mich nicht wundern, wenn sein Geprahle vor Billy Bush nicht in dieselbe Kategorie fallen würden. Also “locker room talk”. Im dicke Hose machen ist er nun mal der Meister und eben auch der Meister der heißen Luft.

    Was mich an der Diskussion aber sehr verstört, gerade als ich Michelle Obamas Angriff auf Trump sah: Gegen Mexikaner austeilen, gegen Schwarze, gegen Asiaten, Kriegsverbrechen ankündigen (“take out their families”), Foltermethoden gutheißen etc.
    Erst jetzt ist der Aufschrei so groß, dass dieser ihn nachhaltig beschädigt.
    Erst jetzt, da er im Grunde die weiße Mittel- und Oberschicht direkt angreift, ist genug Empathie da um sich gegen ihn zu stellen. Das ist gleichermaßen traurig und erschütternd.

    • “Was mich an der Diskussion aber sehr verstört, gerade als ich Michelle Obamas Angriff auf Trump sah: Gegen Mexikaner austeilen, gegen Schwarze, gegen Asiaten, Kriegsverbrechen ankündigen (“take out their families”), Foltermethoden gutheißen etc.
      Erst jetzt ist der Aufschrei so groß, dass dieser ihn nachhaltig beschädigt.
      Erst jetzt, da er im Grunde die weiße Mittel- und Oberschicht direkt angreift, ist genug Empathie da um sich gegen ihn zu stellen. Das ist gleichermaßen traurig und erschütternd.”

      Dazu beschleicht mich der Eindruck, dass es daran liegen könnte, dass diejenigen, die sich mehrheitlich erst jetzt äußern, einsehen, dass sie eben doch betroffen sein könnten. Mexikaner kennen die keine, Schwarze auch nur aus der Ferne, Asiaten, “Terroristen” ähnlich. Aber Frauen kennen dann doch alle. Siehe die Wortmeldungen, die darauf verweisen, dass die Herren Töchter haben. Als würde nur die Verfügung über eine betroffene Person dazu berechtigen, Trumps Übergriffigkeit unangemessen zu finden. Das erleben wir ja hierzulande auch. Da finden regelmäßig Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte statt, und die werden medial kaum berichtet, geschweige denn mit der übertriebenen “TERROR!!!!1111”-Aufgegung versehen.
      Oder wie es ein Humorist formulierte (Hagen Rether?) “Ich besitze keine Asylbewerber” oder so ähnlich.

      • Der Humorist ist Marc-Uwe Kling, aus dem Buch “Känguru-Offenbarung”:

        »Ein extrem wichtiges Thema. Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ob Links-oder Rechtsextremismus – da sehe ich keinen Unterschied.«

        »Doch, doch«, ruft das Känguru laut dazwischen. »Es gibt einen Unterschied. Die einen zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und Autos anzünden ist schlimmer. Denn es hätte mein Auto sein können. Ausländer besitze ich keine.«

  24. Zunächst einmal: Vielen Dank für diese klasse Folge!

    Und dann eine Nachfrage zu dem Trump-Kontext: Ihr habt betont, dass viele seiner Wähler ihm selbst diese jüngsten Enthüllungen verzeihen werden. Das glaube ich auch! Aber wie schätzt ihr es ein, dass letztendlich ja nicht die Wähler_innen die Entscheidung treffen, sondern die Wahlmänner? Ich bin kein Experte des Wahlsystems der USA, aber ist es nicht möglich, dass die republikanischen Wahlmänner Trump letztenendes die Stimme verweigern?

    • Die Antwort kann nicht eindeutig beantwortet werden, denn das Wahlsystem der USA unterscheidet sich von Bundesstaat zu Bundesstaat. In einigen Staaten sind die Wahlmänner “frei” und könnten sich anders entscheiden, aber grundätzlich stimmen die Wahlmänner für Ihren Kandidaten.
      Andere Bundesstaaten haben Gesetze gegen eine solche Manipulation.

      Sie sollten sich auch die Frage stellen, ob ein solches Verhalten nicht eher die Demokratie in eine Krise stürzen würde als Trump.

      • Dass die Wahlmänner grs für “ihren” Kandidaten stimmen ist mir schon klar, aber die Frage ist doch ob Trump “ihr” Kandidat ist/bleibt…

        Diese Überlegungen hinsichtlich der Folgen sind natürlich richtig. Allerdings bezweifele ich, dass die in diesem Kontext Raum haben.

      • Die folgenden Sätz sind meine eigene Interpretation und aus dem Gedächtnis. Wahlmänner verpflichten sich auf ihren Kandidaten. Ist Trump nicht mehr ihr Kandidat, dann sind sie nicht mehr sein Wahlmann.

      • Das ist von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich: Einige Wahlleute sind an Namen gebunden (Trump), andere an den republikanischen Kandidaten (jetzt Trump, kann sich aber auch ändern), wieder andere dürfen auch ganz frei abstimmen.

    • Es gibt 30 Bundesstaaten die Gesetze erlassen haben, die den Wahlmännern verbietet entgegen ihrem Wahlversprechen (“pledge”) zu wählen. Bei den Strafen geht es von Nichtzählen der Stimme über Geldstrafen bis theoretisch zu Gefängnisstrafen.
      Die Wahl zum Wahlmann ist oft vom Wahlversprechen für den Kandidaten der Partei abhängig.
      Wichtig ist also auch die Frage, ob man sein Wahlversprechen nach der Wahl zum Wahlmann konsequenzlos zurücknehmen kann. Wenn ja, könnte man also vom “faithless elector” (Wahl entgegen dem Wahlversprechen) zum “unpledged elector” (kein Wahlversprechen) werden. Dazu müsste man sich die Gesetze der einzelnen Bundesstaaten mal genauer angucken.
      Wichtig ist auch die Frage, ob die Wahlmänner anonym wählen können. Am Ende des Treffens wird ja ein “Certificate of Vote” von allen Wahlmännern unterschrieben. Es scheint nach kurzer Suche normal zu sein, dass es oft im voraus ausgedruckt wird, da ja eigentlich alle den Kandidaten ihrer Partei wählen. In dem Fall wäre bekannt, wer nicht unterschreiben möchte.

      Es kann also passieren, dass die Mehrheit Trump wählt, er aber aufgrund einzelner Wahlmänner (denn wenn, dann wird er Prognosen nach nur knapp gewinnen) nicht Präsident wird.
      Meiner Meinung nach wäre das für die Demokratie wohl das schlimmste Ergebnis.

      Quellen:
      https://www.archives.gov/federal-register/electoral-college/electors.html
      http://www.slate.com/articles/news_and_politics/explainer/2000/12/do_the_electors_vote_by_secret_ballot.html

  25. Nur ein kurzer Einwurf zum Note7-Debakel:
    Bei Apple gäbe es auch einen für das Ansehen sehr schweren Fall, auch wenn die Auswirkungen zwar für den Einzelnen kostspielig aber immerhin nicht so schwerwiegend sind.
    Siehe https://www.mobilegeeks.de/artikel/phone-6-plus-produktionsfehler-display-grauer-balken/

    • Ihr macht einen tollen Podcast. Aber bitte lasst die Finger von Tech-Themen. Da merkt man, dass ihr leider nicht soviel Ahnung vom Thema habt.

      • Danke für das Feedback, aber was war denn Deiner Meinung nach technisch nicht korrekt? Ich würde da durchaus eine gewisse Kompetenz für mich in Anspruch nehmen und bin ehrlich gesagt irritiert, dass Du den Eindruck hast, wir hätten keine Ahnung.

      • Gedächtnisprotokoll aus der letzten Sendung “Immerhin sind noch keine iPhones explodiert”

        Öhm – doch, Siehe:
        https://www.mobilegeeks.de/artikel/iphone-feuer-explosion/

      • Ich weiß auch nicht, was Du damit meinst. Ich fand nur die Idee, die Marke Galaxy müsste jetzt eingestampft werden, etwas vorschnell. Ich glaube, Samsung ist so gefestigt am Markt, dass die das als Image weg stecken, zumal die Kunden meistens eh nicht den Durchblick haben. Schon oft habe ich gehört “Ich weiß nicht, was ich kaufen soll, ein Apple oder Samsung”, weil Samsung mit Android gleichgesetzt wird. Dementsprechend wäre ich überrascht, wenn auf einmal alle das Konzept von Marke, Hersteller und Betriebssystem begreifen und sich dementsprechend umorientieren.

  26. Zum Thema Rechtsradikalismus im Osten / Nicht erfolgte Ausarbeitung:
    Laut diesem Artikel ist es gerade nicht so, dass jemand aus dem Osten eher rechtsradikal ist als sein soziodemografischer westdeutscher Counterpart: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-08/fremdenfeindlichkeit-osten-ursache-bevoelkerung-zusammensetzung-bildung-alter
    Vielleicht sind “uns im Westen” historische/ ost-spezifische Gründe als vermeintliche Ursache lieber, weil sozio-ökonomische Faktoren bedeuten, dass auch wir/ unser Umfeld unter den falschen Umständen rechtsradikal sein könnten.

    • Danke für den Link. Die Studie in dem Artikel widerlegt somit die These von dem Grünen-Politiker aus Bautzen. Philip&Ulf: bitte mal lesen und evl. in der kommenden Sendung ansprechen.

  27. Tach,

    wieder eine gute Sendung. Lang und dennoch sehr durchgehechelt, was aber der Menge der Themen geschuldet sein mag. Macht weiter so, die Lage ist klasse!

    Zum Thema:
    ich halte die Forderung des Rücktritts von Politikern grundsätzlich für albern. Es kommt natürlich auf die jeweiligen Umstände des Einzelfalls an, so dass sich schematische Urteile eigentlich verbieten.
    Dennoch ein Versuch:
    nehmen wir Sachsen zum Anlass, klammern aber mal die langjährigen und haarsträubenden Umstände dort aus. Diese mögen in Sachsen einen Rücktritt nahelegen, wohl aber der gesamten Koalition. Was soll dein Rücktritt bewirken? Eine reine Symbolik? Den einen Schuldigen benennen? Das Problem lösen? Letzteres mit Sicherheit nicht. Hier gab es Versäumnisse ausserhalb des Ministeriums. Erstens in ein oder zwei Polizeiorganisationen. Zweitens bei den für den Strafvollzug zuständigen Personen. Beides lässt sich dann irgendwann auf die obersten Ministerebenen zurückführen (daher klammern wir die Failed Freistaat Diskussion mal aus). Warum soll aber der Minister für konkrete Versäumnisse im Einsatz eines Einsatzleiters, eines Polizeipräsidenten, eines Vollzugsangestellten (evtl. sogar outgesourcet?) oder der im Ergebnis (!) schlechten Empfehlung eines Arztes, Psychologen oä. die Verantwortung tragen? Und warum soll das tragen der Verantwortung den Rücktritt bedeuten? Der Idealminister müsste zurücktreten, weil ein durchgeknallter Cop die Waffe zu früh zieht? Das sind doch keine Versäumnisse, die der Minister zu verantworten hat. Hat ein Land eine marode Sicherheitsinfrastruktur und geschieht deshalb eine Katastrophe, fällt dies in die Verantwortung des Ministers. Dann kann der Rücktritt naheliegen.
    Also was soll diese Reflexforderung, derjenige muss seinen Hut nehmen? Es lässt die Vergangenheit nicht ungeschehen werden und löst kein Problem. Es schafft nur einen Bezugsberechtigten, nicht arbeitenden Minister. Und einen neuen. Mit Gehaltsforderungen. Dieses politische, und mittlerweile auch in der restlichen Gesellschaft angekommene Reflexverhalten nervt mich unglaublich. Es ist völlig nicht zielführend.

    Konkret Sachsen:
    der sächsische Justizminister ist seit Ende 2014 im Amt. Und warum überhaupt Justiz? Das ganze mag ja im Rahmen des repressiven Strafverfahrens stattgefunden haben, wofür der Justizminister ja zuständig wäre. Ebenso für die JVA. Ist aber für die Ausbildung, Ausstattung, Aufstellung der Polizei nicht der Minister des Inneren zuständig? Die gesamte Fehlerkette bis zum Debakel in der Untersuchungshaft fällt völlig unter den Tisch.
    Zudem kommt oben genanntes; es waren konkrete Fehlentscheidungen. Ein Rücktritt führt zu nichts. Der Filz in Sachsen löst sich nicht durch den Rücktritt eines Ministers, der gerade mal zwei Jahre sein Amt bekleidet. Und die gesamte Koalition wird ja wohl ebenso wenig ihre Schuld einräumen, wie die gesamte Regierungsbank.
    Es gäbe also wieder nur einen Sündenbock. Wie schön für die Bildzeitung. Und das grundsätzliche Problem des Failed Freistaates?
    Verläuft sich. Unter den Augen Berlins.

    In diesem Sinne,
    alles Gute, auch privat.

    PS: nicht, dass ich Eure Einschätzungen nicht für ausgiebig hielte, aber warum ladet Ihr nicht häufiger einen Gast Diskutanten ein? Es muß ja nicht immer ein ausgewiesener Experte sein. Es reicht doch manchmal auch ein sachkundiger Bürger, der einfach noch eine dritte Sicht der Dinge bringt, die Euch, als eingespieltes Team, so nicht eingefallen wäre.

    • Ja, Gäste haben wir auf dem Zettel, sind aber mehr Arbeit als viele annehmen.

      • Glaub ich sofort. Daher ja der Gedanke des sachkundigen Bürgers. Jmd, den Ihr vielleicht kennt, der nur zu ein zwei Punkten seine Meinung raushaut, um Euch andere Ansatzpunkte zu geben. Vielleicht wie in manchem Podcast: kurz anrufen, drei, vier Sätze. Ende. Eine Art produktiver Sidekick.

      • das Problem ist die Koordination: wir haben beide so viele Termine, dass wir froh sind, wenn wir einen 3h Block gefunden haben ;)

    • Ich kann mich meinem Vorschreiber nur anschließen. Die Rücktritte von Politikern wegen “Verantwortungsübernahme” empfinde ich in den meisten Fällen lächerlich. Besonders da im Anschluss der Posten in der Regel dann von jemand Anderem ohne Änderung der Linie besetzt wird. Der Wähler wird mit Diskussionen um die Persönlichkeit abgefertigt und es geht meistens doch dann grad so weiter. Insofern war ich von dem Statement eher positiv überrascht, dass dafür Geradestehen hieße dafür zu sorgen, dass so ein Fehlverhalten in der Struktur nicht mehr vorkommt. Allerdings glaube ich in diesem konkreten Fall auch nicht, dass irgendwelche positiven Konsequenzen daraus gezogen werden. Aber das ist wahrscheinlich auch meine Nichtwähler-Verdrossenheit.

      Macht weiter so! Ich hör euch gerne und ich freue mich immer über euren ehrlichen und argumentativen Austausch.

    • “Was soll dein Rücktritt bewirken? Eine reine Symbolik? Den einen Schuldigen benennen? Das Problem lösen? Letzteres mit Sicherheit nicht.”

      Der Rücktritt löst das Problem regelmäßig zwar nicht, er benennt es aber sehr wohl i.S.e. Fehlerkultur. Selbstverständlich ist ein Einzelversagen beispielsweise eines Polizeibeamten nicht geeignet einen Rücktrittsgrund für einen Minister zu begründen. Aber: Das Prinzip der politischen Verantwortung greift eben schon in solchen Fällen, in denen es zu einem strukturell bedingten Versagen kommt. Konkret auf den Fall Al-Bakr und für den Justizminister Gemkow relevant, waren insofern folgende Fehler:

      1. Die Untersuchungsrichterin bejahte das Bestehen der Suizidgefahr, trotzdem wurden zum Schluss nur noch dreißgminütige Lebendkontrollen vorgenommen, weil

      2. eine Psychologin nach einem einstündigen Gespräch mit dem Beschuldigten, zu dem es aufgrund des Fehlens eines Dolmetschers erhebliche Kommunikationsbarrieren gab, nicht zuketzt aufgrund von Mimik und Gestik zu dem Schluss kam, dass dieser trotz des vermeintlich kurz bevorstehenden Selbsttötungsanschlags nicht suizidgefährdet war.

      3. wurde dies Einschätzung auch nach den offensichtlichen Versuchen des Häftlings sich etwas anzutun (Lampe, Steckdose) aufrechterhalten, sodass neben der von der JVA angestellten Psychologin zumindest auch das unmittelbar beim Inhaftierten eingesetzte Vollzugspersonal fehlerhaft gehandelt hat.

      4. Dass zudem weder die JVA, noch das Landesjustizministerium offenbar über arabische Dolmetscher verfügen oder zumindest kurzfristig solche kontaktieren können, wo doch angeblich die islamistische Gefahr derart groß ist, lässt die Frage aufkommen, ob denn überhaupt noch keine Gedanken darauf verwendet wurdem, was bei einer erfolgreichen Festnahme eigentlich passieren soll.

      Zumindest ich sehe hier große, strukturelle Versäumnisse und kann nicht nachvollziehen, wie ein Justizminister, der nachdem diese Fehlerketten öffentlich werden, sich erstmal hinstellt und die Mär verbeitet, dass überhaupt keine Fehler gemacht wurden, glaubhaft dadurch politische Verwantwortung übernehmen will, dass er einen Scherbenhaufen, den er selbst gar nicht als solchen erkennt, nun selbst aufräumt.

      • “Der Rücktritt löst das Problem regelmäßig zwar nicht, er benennt es aber sehr wohl i.S.e. Fehlerkultur.” Eine Fehlerkultur besteht aus meiner Sich nicht aus einem Wisch und weg der Person. Eine Fehlerkultur ist zunächst eine inhaltliche. Daher ist das Benennen zwar richtig, der Rücktritt dann aber wieder nur Symbol und behebt eben keinen Fehler. Wie auch Michael oben schrieb, wird ein linientreuer Nachfolger eingesetzt. Das strukturelle Problem verfestigt sich.
        –> die Verantwortlichen müssen sich am Ergebnis messen lassen, nicht an der schönsten Personalrochade.

        1. und 2. sind nur ein Fehler: ein fehlender Dolmetscher, der der Richter tat das seiner Einschätzung nach Erforderliche. Über die konkreten Einschätzungen der Psychologin lässt sich nur mutmaßen. Denn wenn Ihre Entscheidung trotz der Sprachbarriere im Rahmen lag, handelt es sich um eine vertretbare Empfehlung.

        Das ein Dolmetscher fehlte, ist schlicht ein Fehler. Ja.

        Dennoch sehe ich hier keine Fehler, die einen Rücktritt erzwingen würden. Dies wäre eine populistische Brot & Spiele Entscheidung, um den Boulevard zu befriedigen. Diese läge aber in bester politischer Tradition der nicht inhaltsbezogenen Symbolpolitik.

        Gruß

  28. Noch ein Grund Trump zu misstrauen: Die Leute aus der zweiten Reihe. Mike Pence mag moderat rüberkommen, er ist aber ein Extremist. Chris Christie hat eine desaströse Regierungspolitik in New Jersey hingelegt. Ben Carson und Rudy Giuliani erscheinen mittlerweile geistig umnachtet. Und sie unterstützen Trump, weil sie Posten und Macht wollen