LdN023 TV-Duell, Dresden-Anschläge, WhatsApp, Gabriel

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| 37 Kommentare

Liebe Freundinnen und Freunde,

die Lage ist ernst in unserem Land – mutmaßlich rechtsradikale Gewalttäter haben in Dresden zwei Bomben gezündet, aber die öffentlich Empörung bleibt überschaubar. Wir diskutieren mögliche Gründe für die immer weiter um sich greifende Gewalt von rechts und fragen uns, wie das Echo ausgesehen hätte, wenn es sich im islamistische Anschläge gehandelt hätte. Außerdem: Der Hamburger Datenschutzbeauftragte legt sich mit Facebook / WhatsApp an, R2G im Bund wäre schon heute möglich, und Philip hat die Debatte zwischen Donald Trump und Hillary Clinton verfolgt: Wie groß ist das Risiko eines Cowboys im Weißen Haus?

Wir wünschen trotz der ernsten Themen ein schönes Wochenende!

Herzliche Grüße, Philip und Ulf

Hausmitteilung

Debatte Trump vs. Clinton

Nazi-Terror in Dresden

Datenschützer Johannes Caspar vs. WhatsApp & Facebook

Rot-Rot-Grün könnte Gabriel zum Kanzler wählen

Pardon Snowden: Begnadigung schon vor dem Urteil?

37 Kommentare

  1. Liebe Lagebesprechenden,

    nachdem ich leider erst verspätet mitbekam, dass eure Sommerpause vorüber ist, höre ich nun rasch die bisherigen Folgen nach. Soeben blieb mir der Mund offen stehen: Was für ein seltsames Bild habt ihr von der Antifa? Die positiven Aspekte, die ihr genannt habt, kann man doch nicht “aufrechnen” gegen die negativen Aspekte. Ein Mordversuch an Polizeibeamten (und nichts anderes ist es, wenn man kiloschwere Pflastersteine auf Kopfhöhe schleudert; nichts anderes ist es, wenn man besetzte Einsatzwagen in Brand steckt) wird doch nicht durch fünf friedliche Demos geheiligt. Genau das signalisiert eure Formulierung aber, dass “unter’m Strich” doch was Gutes dabei rauskomme. Man kann sowas nicht “unter’m Strich” abrechnen! Gerade Ulf als Jurist müsste doch wissen, wie gefährlich diese Herangehensweise ist: Unrecht bleibt Unrecht – egal, wie viele gute Taten dem folgen. (Und jeder andere, der im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, müsste eigentlich auch wissen, wohin es führt, wenn marodierende Banden durch die Gewalttaten anderer marodierender Banden ausgebremst werden sollen.)

    Die Antifa schießt mit Zwillen Stahlkugeln in die Kinderzimmer von “gentrifizierten” Häusern (berichtet der RBB). Kann man davon sprechen, dass sie Unliebsame vertreiben möchte? Die Antifa zündet Burschenschaftshäuser an (berichtet der Spiegel, allerdings nur, weil dabei das Kinderzimmer des angrenzenden Hauses in Gefahr geriet) und sprengt die AfD-Parteitage gewaltsam (berichten alle). Kann man davon sprechen, dass sie Andersdenkende mundtot machen möchte? Die Antifa begeht regelmäßig lebensbedrohliche Angriffe auf Staatsorgane. Kann man davon sprechen, dass sie unsere verfassungsmäßige Ordnung angreifen möchte?

    Ich würde alle diese Fragen mit “ja” beantworten und verstehe nicht, wie diese Aspekte durch gute Taten “ausgeglichen” werden können. Wir verurteilen die rechten Versuche, national-befreite Zonen zu errichten. Nichts anderes versucht auch die Antifa, nur eben von links – und da soll es “danke Antifa” heißen? Wenn ein Nazi einen Asylbewerber schlägt, aber fünf Omas über die Straße hilft, ist dann “unter’m Strich” alles gut? Oder müssten es zehn Omas sein? Vielleicht besser: Ein Nazi erschlägt einen unliebsamen Bürgermeister, rettet aber drei Kinder aus einer brennenden Schule vor dem andernfalls sicheren Tod. Das genügt nicht? Genügen fünf gerettete Kinder? Leute, mit eurer gut-böse-Aufrechnerei werdet ihr dem Thema nicht gerecht.

    Bis vor einigen Jahren war ich als Strafverteidiger in einer westdeutschen Großstadt tätig und hatte regelmäßig Mandate, die in irgendeiner Form politische Hintergründe aufwiesen. Meine Erfahrung: Gewalttäter, deren Taten ideologisch unterfüttert sind, lassen sich nicht belehren. Und Aussagen wie eure unterstützen sie darin: “unter’m Strich” ist das schon gut so… Glückwunsch.

    P.S.: Wenn ihr an der Methodik des Aufrechnens festhaltet, vergleicht doch mal die Zahlen zur PMK. Ulf hatte ja die Zahlen der politisch motivierten Straftaten genannt – und darauf hingewiesen, dass hier “rechts” die Nase vorn habe, weshalb das Problem eher rechts als links liege. (Mir ist schleierhaft, warum die einzig logische Betrachtungsweise nicht angesprochen wurde: Das Problem liegt nicht eher links, das Problem liegt nicht eher rechts, sondern das Problem der politisch motivierten Kriminalität liegt vielmehr rechts UND links.) Schaut man aber die Zahlen der politisch motivierten GEWALT-Straftaten an, so ergibt sich für Körperverletzungen im Jahr 2015: 1354 links, 1177 rechts. Eure Aufrechnungsmethode ergibt, dass “unter’m Strich” die linksmotivierten Gewalttaten in der Mehrzahl sind. Eure Schlussfolgerung müsste demnach sein, dass das Problem eher links als rechts liegt.

  2. Ich bin ein etwas lebensälterer Fan dieses Podcasts und verfolge diese Sendung(en) mit großem Interesse. Bis Ende 2014 (jetzt in Pension) war ich beruflich als Kripo-Beamter in der Strafverfolgung von politisch motivierten Straftaten tätig, in Sachsen als auch eine zeitlang im gesamten Bundesgebiet. Die Einschätzung, dass sächsische Polizeibeamte „auf dem rechten Auge blind sind“ und sich daraus eine lasche Ermittlung (Staatsanwaltschaft) und somit auch Rechtsprechung (Justiz) ergibt, entbehrt jeder Grundlage. Die Polizei in Sachsen verhält sich nicht anders wie die Polizei in anderen Bundesländern. Zum „Glück“ hat ein Beamter aus Niedersachsen den Pegida- Demonstranten „eine erfolgreichen Tag“ gewünscht. Der mediale „Aufschrei“ wäre, mit der jetzigen Pressemitteilung zu diesem Fakt, anders ausgefallen. Polizeiangehörigen und ihre politischen Einstellungen sind immer Spiegelbild der Gesellschaft. Ich weiß durch jahrelange Zusammenarbeit wie Polizeibeamte „ticken“, dass ist in Bayern nicht anders wie in Niedersachsen, Berlin oder Sachsen. Das Land Sachsen ist in einer „medialen Dauerbeobachtung“, und ein differenzierte, unabhängige Berichterstattung findet nicht mehr statt, dass zeigt auch ihre Sendung. Die Spekulationen zu den Brandanschlägen in der Sendung sind nicht besonders hilfreich, sie haben diese, aus meiner Sicht schrecklichen Taten, gedanklich ja bereits „aufgeklärt“ ; Glückwunsch!!!! Ihre Sendung zum Thema 03.10.2016 / Dresden, vernachlässigt, dass hier Menschen von einem Grundrechte (Art. 8 GG) Gebrauch machen, dass ist in Deutschland die einzige Möglichkeit zwischen den Bundestagswahlen sich öffentlich zur Bundes / Landespolitik zu äußern. Natürlich zeugen die „Unmutsäußerungen“ und die Art wie sie artikuliert werden von sehr wenig Geist und Journalisten sind immer dabei diesen Eindruck, von diesen „einfach strukturierten Menschen“ die es im gesamten Bundesgebiet gibt, medial zu verstärken, besonders im Ostteil dieses Landes!!!
    Aber Demokratie muss so etwas aushalten und die Demokratie in Deutschland hält so etwas auch aus, dass betrifft neben dem Demonstrationsgeschehen in all seinen Formen und Facetten auch rechte und linke Chaoten. Leider haben sie zum Ende der Sendung eine undifferenzierte Einschätzung zum linken Spektrum und der Gewalt (hier könnten sie auch die Statistik bemühen), die auch von diesen Personen ausgehen kann, getroffen, hier sollten sie sich als Journalist auch klarer abgrenzen.So eine schwammige Äußerung „ zur Problematik“ könnte den Verdacht aufkommen lassen, dass sie auf dem „linken Auge” blind sind…… mit freundlichen Grüßen.

  3. Das Problem mit den Rechten sind nicht nur die Medien in ihren Filterblasen. Die wenigsten afd Wähler setzen sich argumentativ mit der Thematik aus. Seit den Vorfällen in Köln ist Fremdenhass wieder salonfähig und daran ist das Establishment in Medien und Politik schuld. Diese Rechten gab es schon immer, nur haben sie sich vor Köln nicht getraut in die Öffentlichkeit zu treten. Das ist nun anders. Mit Argumenten und Fakten wird man das Phänomen nicht bekämpfen, denn das interessiert diese Menschen nicht. Bildungsfern und abgehängt lassen sie sich von Gefühlen wie Angst und Neid leiten. Wir werden diese Menschen intellektuell nicht erreichen. Wir könnten aber etwas gegen die Angst und den Neid tun. Zum Beispiel eine arbeitnehmerfreundlichere Politik.

    • Ähnliches habe ich mir gerade für die Lage morgen noriert ;) Stay tuned.

    • Das ist doch aber nicht neu. Ganz im Gegenteil: genau diese Erklärungen hat man doch schon zuhauf gelesen. Und genau diese Argumentationskette führt doch immer wieder zu den altbekannten Reaktionen (nur doofe und ängstliche Menschen wählen AfD). Man sollte nicht den Fehler machen, die Krawallmacher mit den Millionen Unzufriedenen gleichzusetzen. Das würde sonst bedeuten, dass man alle Linksorientierten auch zu Steinewerfern und Studienabbrechern machen könnte. Und beim Thema Sozialstaat wären sich dann wieder alle einig. Das ist nach meiner eigenen Anschauung einfach -sry – eine zu anspruchslose und unobjektive Herangehensweise, die zugegebenermaßen einige Tradition in D hat (man erinnere sich nur an den unreflektierten Umgang der Konservativen mit den Grünen in den 80ern). Noch gibt es – Gott sei Dank – mehrheitlich gemäßigte konservative Gesprächspartner, die bislang aber schnell die in die rechte Ecke gestellt wurden, wenn sie Entscheidungen der Regierung im Management mit der Flüchtlingsfrage kritisierten. Nur dazu muss man selbst frei von ideologischen Zwängen sein – und da sehe ich sowohl in den Medien als auch in der Politik aktuell wenig Potential.

  4. Hey,

    sowohl im Podcast selbst als auch in den Kapiteltiteln habt Ihr den Namen von Lamya Kaddor falsch ausgesprochen, das Y ist an die falsche Stelle gerutscht: https://en.wikipedia.org/wiki/Lamya_Kaddor

    Für alle, die denken, ein falsch ausgesprochener nicht-deutscher Name ist nicht erwähnenswert: http://qz.com/775492/what-minority-students-hear-when-white-teachers-mispronounce-their-names/

    Ich finde es wichtig, nicht-deutsche Namen so richtig wie möglich auszusprechen. Und in “Lamya” sind noch nicht mal Zungenbrecher oder Sonderzeichen enthalten. Also, beim nächsten Mal bitte drauf achten! Danke!

  5. Moin!
    Danke für die kurzweilige regelmäßige Aufbereitung eines Teiles der Lage der Nation.

    Zur Frage der Diskursproblematik und moderne Medien, die für Echokammern und damit für Verstärkungseffekte sorgen, ist mir ein Gedanke darüber hinaus durch den Kopf gegangen.

    Problematisch scheint das Fehlen eines korrigierenden Diskurses mit Gegenpositionen zu sein, die inhaltlich in die eigenen Vorstellungen eingebaut werden müssten bzw. als Prüfstein der eigenen Wahrnehmung dienen könnten.

    Zwar teile ich die Analyse, dass bestimmte moderne Medien geeignet sind, gegenpositionsfreie Diskursräume zu schaffen. Jedoch gab es diese, bspw. mit politisch orientierten Zeitungen, schon immer.

    Daher frage ich mich, ob das eigentliche Problem unserer Gegenwart vielleicht weniger in der medialen Veränderung dafür aber vielleicht mehr in einer politischen Veränderung liegt. Ich vermag zwar nur wenige Jahrzehnte politischen Diskurs aus eigener Wahrnehmung heraus zu reflektieren, habe aber das Gefühl, dass die Loslösung von Sachargumenten hin zu vermeintlichen Zwängen oder zu Partikularinteressen in den letzten Jahren immer wieder neue Größenordnungen erreicht. Wenn eine Bundesregierung Gesetzesvorschläge in das Parlament einbringt, die von der ganz großen Mehrheit der sachverständig beurteilenden Personen für rechtlich oder sachlich problematisch gehalten werden und sich die Regierung belehrungsresistent erweist, ist das schlimm genug. Wenn darüber hinaus im Parlament, dass als Volksvertretung im Diskurs um den richtigen Weg für das Volk ringen sollte, gleichermaßen kein Diskurs mehr stattfindet sondern Entscheidungen in Ausschüssen und gegen jedes sachliche Argument getroffen werden und sich die Parlamentarier überwiegend von Parteizwängen und weniger von sachorientierten Erwägungen leiten lassen, wenn wesentliche Gesetze mit hoher Tragweite in beschleunigten Verfahren durch das Parlament gepeitscht werden – mutmaßlich weil man fürchtet, sie würden sonst abgeleht – gibt es auch kein Vorbild mehr für konstruktiven Diskurs und eine Korrektur des eigenen Weltbildes.

    Einige Beispiele dafür waren in der jüngeren Vergangenheit in meiner Wahrnehmung:
    – die permanente Einbringung von Antiterrorpaketen ohne Auswertung der noch kaum umgesetzten Änderungen,
    – die Einführung des Leistungsschutzrechtes,
    – die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung ohne geeignete Studiengrundlage für derart tiefe Eingriffe,
    – aktuell der Umgang mit dem BND-Gesetz noch vor dem Ende des Untersuchungsausschusses.

    Weitergehend liefern die etablierten Parteien und Medien ein Vorbild für das Vermeiden einer sachlichen Auseinandersetzung und das Schaffen von Feindbildern, wenn jegliche inhaltliche Auseinandersetzung mit neuen Parteien wie den Piraten oder der AfD vermieden werden – bspw. in Fernsehauftritten vor Wahlen – oder Anträge in Parlamenten nur deshalb nicht unterstützt werden, weil sie von der Opposition kommen. Löbliche von mir wahrgenommene Ausnahmen stellen da Frau Wagenknecht und Frau Petry dar, die sich kürzlich allem Anschein nach einer sachlichen Auseinandersetzung gestellt haben, vgl. http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-10/afd-linke-frauke-petry-sahra-wagenknecht-interview/komplettansicht, sowie die Fraktion der Piratenpartei im Berliner Abgeordnetenhaus in der letzten Legislatur, soweit ich dieses von außen mitbekam.

    IMHO trägt die Politik der letzten Jahre ganz wesentliche Verantwortung für den Übergang von konstruktiven gesellschaftlichen Diskurs hin zu einer Verhärfung der Gesellschaft und zwar weniger wegen der letztlichen Inhalte einzelner Parteien sondern vielmehr wegen des Prozesses der inhaltlichen inhaltlichen Auseinandersetzung oder dessen Fehlen.
    So gesehen hat die Bundeskanzlerin am 03. Oktober 2016 in Dresden geerntet, was sie (als Vorsitzende) und ihre Partei in den letzten Jahren gesät haben.

    • Kann dem nur zustimmen. Ergänzen würde ich noch die “Leistung” der großen Medien in diesem Zusammenhang. Stefan Niggemeier hat das anhand eines Beispiels mal nett dokumentiert:
      http://uebermedien.de/7406/die-sorge-dass-es-kippt-die-fluechtlingskrise-in-den-tagesthemen/
      Beides zusammen (Politik + Medien) führt dann wie es hier auch schon kommentiert wurde zum fatalen Mix, den wir nun beklagen müssen.

    • > So gesehen hat die Bundeskanzlerin am 03. Oktober 2016 in Dresden
      > geerntet, was sie (als Vorsitzende) und ihre Partei in den letzten Jahren gesät haben.

      Dem möchte ich stark widersprechen. Die ganzen Demonstranten dort eint lediglich ein diffuses Gefühl der Ablehnung jeglicher demokratischer Prozesse und Wirklichkeiten kombiniert mit postfaktischem reality-building. Durch das ständige Wiederholen der selben Parolen wie “Volksverräter/Volkstod/Diktatur/Gesetzesbrüchen ” usw. hat diese Gruppe sich eine eigene (aber faktisch unbelegbare) Wirklichkeit erschaffen, die sich ein immer verrohteres Vokabular erlaubt hat. *Das* ist die Ursache für die Bilder in Dresden.

      Hinzu kommt, dass, wenn man die wenigen langfristigen Begleiter der “Pegida”-Demos verfolgt hat, diese Verrohung kein neues Phänomen vom 03.10.2016 ist. Nur haben die Bilder diesmal eine bundesweite Öffentlichkeit erreicht. Das Problem ist durch die jahrelang (fehlende) Haltung der sächsischen CDU bedingt.

      Eine wirklich klar Kante von allen Seiten ist im Kampf gegen die AfD nötig. Und ich denke, dass man hier dieses scharfe Vokabular eines Kampfes unbedingt anbringen muss, da diese Partei (und hier halte ich es mit Sascha Lobo, der im Übermedien-Podcast #3 seine Position dazu ausführlich schildert) sich bewusst jenseits des demokratischen Diskurses plaziert und dadurch nicht wie eine “normale” Partei behandelt werden darf. Hierzu ist keine Hysterie und Plattheit notwendig. Man kann mit genauen, stichhaltigen Argumenten sagen, warum deren Vorstöße, Äußerungen und Inhalte abzulehnen sind. Man muss und kann(!)diese Partei aus jeder Warte einfach kritisieren – sei es aus konservativer/grüner/liberaler/sozialdemokratischer/sozialistischer Sicht.

      Man darf hingegen nicht über jeden Punkt zivilisatorischer Mindeststandards eine Diskussion führen – diese sind nicht verhandelbar.

  6. Hallo!
    Ich höre Euren Podcast jetzt auch schon ein Weile und möchte Euch sehr für die interessanten Gespräche danken. Gerade weil es immer ein paar wissenswerte Dinge gibt, die abseits meiner Wahrnehmung liegen.
    Nehmt es mit bitte nicht übel, wenn ich auch in meiner ersten Meldung auf Eurer Seite auch etwas Kritik nachschiebe. Ihr seid auch kurz auf den Fall der Frau Kaddor eingegangen. Ich war etwas überrascht, dass in den wenigen Minuten die Verbindung zwischen der verbal vorgetragenen Kritik an ihr auf der einen Seite und der akuten Bedrohungslage gezogen wurden.
    Es besteht keine Frage, dass Bedrohungen verbaler und physischer Art nicht hinnehmbar sind und mit den Mitteln des Rechtsstaates auch verfolgt werden müssen. Aber gerade im Fall von Frau Kaddor gibt es berechtigte Kritik die von vielen Seiten auf sie abzielte. In einem Interview mit dem Morgenmagazin ZDF hat sie dann auch gleich vorgegeben, dass Seiten wie die Achse des Guten oder Tichys Einblick den Hass gegen sie befeuert hätten. Ulf Buermeyer hat in einer Folge selbstkritisch auf den Fall Gina Lisa hingewiesen und auch vermerkt, dass dieser vielleicht nicht das Paradefall einer „Nein-heißt-Nein-Gesetzgebung“ ist. Kritik am Islam, den Islamverbänden und denjenigen die hier (meiner Ansicht nach zu Ungunsten) in die Debatte einwirken hat doch nichts mit einer Verschiebung der Debattenkultur allgemein nach weit rechts zu tun.
    Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg mit dem Podcast

  7. Hallo Philip, hallo Ulf,

    vielen herzlichen Dank für die Lage! -Ich bin glücklicherweise schon sehr früh auf Euch aufmerksam geworden und habe mir sogar die vier ersten “veralteten” Ausgaben nachträglich angehört. Für mich hat sich die Lage der Nation schnell zum festen Bestandteil meiner Woche entwickelt, weil Ihr komplexe Themen mit einer gewissen Ruhe angeht und von mehreren Blickwinkeln her analysiert, ohne Eure eigenen Meinungen zum Maß aller Dinge zu erheben. Persönliche Ansichten kennzeichnet Ihr als solche und lasst dem Hörer sogar Raum für abweichende Haltungen. Das scheint im übrigen Medienbetrieb leider aus der Mode gekommen zu sein. Kurzum hebt die Lage sich von vielen anderen Quellen wohltuend ab.

    – Gerade weil ich so viel von der Lage und Eurer Arbeit halte, habt Ihr mich in dieser Woche nicht nur geschockt sondern auch enttäuscht: Die Lanze, die Ihr für die Antifa brecht, ist leider ein Tiefpunkt des gesamten Projekts! Ihr lobt tatsächlich nichtstaatliche-Gewaltakteure weil Sie gegen andere nichtstaatliche Gewaltakteure demonstrieren?! Ihr weist zwar darauf hin, dass die Antifa aus Eurer Sicht auch problematisch sei, belasst es aber bei dieser schwachen, geradezu halbherzigen Distanzierung. Das reicht doch nicht…
    -Gegen Nazis demonstrieren ist doch nur ein Teil des Leistungsportfolios der Antifa: Brandanschläge gegen Polizei- (Nazis) und Bundeswehrfahrzeuge (auch Nazis) gehören ebenso dazu wie handfeste Angriffe auf Leib und Leben von Menschen (natürlich auch immer nur Nazis). Gerade von einem Richter habe ich eine kompromisslose Verurteilung nichtstaatlicher Gewaltakteure jeglicher Couleur erwartet!

    • Die Antifa ist ein heterogener Haufen und wir haben sehr deutlich gemacht, dass wir die gewaltbereite Seite und Gewalt generell ablehnen. Gleichzeitig sind Antifa-Leute aber in vielen Gegenden mit die einzigen, die Flagge zeigen. Diesen Aspekt der Bewegung haben wir gelobt.

      • Hallo Philip und Ulf,
        vielen Dank für die wieder sehr interessante und unterhaltsame Sendung.
        Eure Haltung gegenüber der Antifa hab ich als ausgewogen dargestellt empfunden, auch wenn man da natürlich andere Ansichten zu haben kann.
        Ich möchte dazu einen bildhaften Gedankengang zum “Raum des Sagbaren” oder “Raum des Kommunizierbaren” anregen: Alle gemeinsam und im Speziellen die (heterogene) Antifa arbeiten in diesem Raum an verschiedenen Seiten oder Ideen. Die Seite “Faschismus ist keine Meinung, sondern Verbrechen” ist eine derzeit offensichtlich sehr umkämpfte Baustelle. Manche stehen da an mit dem Pinsel an der Wand, manche schreien “Toll!” oder “Weg damit!”, und andere machen Pläne…Es gibt so eine Art Arbeitsteilung und wer wo mit wem mitmischt ist dynamisch:
        Der gemeinsame Raum wird von einer “meinungsteiligen” Gesellschaft in einer komplexen “Werteschöpfungskette” gestaltet. Dabei fällt leider einiges an Drecksarbeit an und statt der Ideen sterben Menschen.
        Weil ich bisher keine Lust hatte, mich mit Faschos auf der Straße anzulegen, um einem Klima der Angst entgegen zu treten, kann ich den Arbeitern an der Front auch nur “Respekt” zurufen, die Verbindung aufrecht erhalten und argumentativ Nachschub leisten, statt Abschottung zu üben.
        Dass ihr diesen Respekt hier äußert, finde ich in dieser Zeit, wo vor allem im Keller des “Hauses Europa” gebuddelt wird, während das Dach verrottet, absolut nachvollziehbar.
        Macht weiter und schöne Grüße
        Jan

        PS: Eine atmosphärische Antwort, warum man wissen sollte, was das staatliche (oder unternehmerische) Gegenüber über einen weiß, ist eine Szene aus der ersten Folge der Serie “Narcos”:
        Escobar weiß verschiedene Dinge (Namen, Privates, Wünsche…) über die Polizisten, die er besticht, und dieses informationelle Ungleichgewicht bildet die Basis für Escobars Erfolg…

      • Als Ergänzung fallt mir hier noch dieser Link ein:
        http://www.tagesspiegel.de/berlin/chaoten-oder-heilsbringer-danke-liebe-antifa/9382378-all.html

        Ist schon etwas älter, aber passt sehr gut

    • Ich weis etwas spät.

      Gerade der Punkt zur Antraf hat mich auch geschockt. Gerade bei Antraf Demonstrationen geht immer Eigentum dritter unbeteiligter kaputt.
      Für mich sind beide extreme Seiten des Spektrums Rechts/Links inakzeptable.
      Beide extreme sollten strenger verfolgt und gelandet werden.

      Wer eine Seite duldet weil man gemeinsame/teil übereinstimmende Positionen hat handelt mehr als nur fahrlässig.

      Kein Raum für Extremisten, und die Antraf genauso wie Nazis dazu.

  8. Hallo ihr 2 :) erstmal großes Kompliment an euch und euren Podcast. Find ich super ?. Zu Trumps Mauerbau wollte ich sagen, das man auch mal erwähnen sollte, das da ja schon ein großer Grenzzaun steht, den man sich auch bei Google Earth anschauen kann. Wird kaum in Sendungen oder Berichten erwähnt.
    Und zum Wahlrecht wollt ich noch sagen, dass auch Vorbestrafte und Häftlinge nicht wählen dürfen. Soweit ich weiß, dürfen aber Vorbestrafte auf freiem Fuß sich ihre Wählerstimme für 6000 Dollar zurück kaufen.
    Dickes Lob an euch und macht weiter so. Grüße aus Unterfranken ✌️

  9. „Wie kann man Menschen für die Demokratie zurück gewinnen?“

    Ich fürchte, unser System ist tatsächlich so ungerecht und undemokratisch, das Menschen darüber frustriert sind und deswegen leider auch Extreme wählen, mit denen sie nur die Opposition zum System teilen. Das kann ich leider sogar gut verstehen. Deswegen lautet die Antwort: Das System muss gerechter, sozialer und demokratischer werden. Davon wird doch seit Jahrzehnten nur noch gesprochen, während es deutlich in die andere Richtung geht. Klar, fühlen die Menschen sich so verarscht.

    • @Apfelkuchen: Deine analyse ist absolut auf den Punkt… treffender kann man es nicht zusammenfassen, danke.

    • danke für den Beitrag … ganz so hart würde ich es nicht formulieren, aber ich sehe was Du meinst. Und bei dem objektiv ja nur klitzekleinen Thema WLAN Haftung habe ich auch so meine Erfahrungen mit dem Versagen des Bundestages gemacht, wenn es darum geht, eine gerechte Lösung zu finden. Wir notieren mal Stichworte wie Bürgernähe und soziale Gerechtigkeit als Themen für die nächsten Folgen.

    • Bei 0.33.33 sprecht ihr von der Filterblase der sozialen Medien. Schaut man sich aber beispielsweise die Kommentare bei Telepolis an, also keine “rechtsausleger”, finden sich dort massiv rechtsextreme Kommentare, viele auch mit Likes bedacht. Wie erklärt man sich das?

      • Ganz einfach: Telepolis ist Heises Groschenblättchen, da werden neben sehr lesenswerten Texten auch die wildesten Ideen kolportiert. Und welches Medium einen Text online stellt ist in Zeiten sozialer Medien auch nicht mehr so relevant. Wenn jemand einen Text in einem Nazi-Forum empfiehlt – und sei es nur, um ihn kommentieren oder auch trollen zu lasen – dann kann der schnell viele Kommentare/Likes bekommen.

  10. Der Podcast ist kaum noch zu ertragen. Einfach mal so die Hälfte der Amerikaner als Chauvinisten und unreflektierende Naivlinge hinzustellen, ist an Borniertheit nicht mehr zu überbieten. Das hat nur noch Stammtischniveau. Ich bin wirklich enttäuscht wie schnell man sich hier mit einfachsten Argumenten zufrieden gibt. Jeder Stammtisch pflegt ein höheres Niveau.

    • Warum sollten/wollen denn Menschen Deiner Ansicht nach für Trump stimmen? Mir fällt da in der Tat wenig Respektables ein … und ich habe bisher auch nirgends schmeichelhaftere Erklärungen gelesen.

      • Das würde mich auch mal interessieren.

      • ich bin froh, dass ich nicht abstimmen muss/kann.
        Ich habe den Eindruck, dass wir bei der Frage warum Leute Trump wählen den gleichen Fehler machen wie bei der Frage warum wählen Menschen afd: die sind alle doof und Nazis. (Alle drei afd Wähler die ich persönlich kenne sind über 50, Proletarier und waren bisher stramme SPD Wähler.)

        Warum könnte man Trump Hillary vorziehen? Dazu möchte ich einige Thesen in den Raum stellen:
        -Trump hätte wahrscheinlich größere Schwierigkeiten us-congress und andere Staaten in einen Krieg zu führen, es wäre viel leichter für einen europäischen Staatschef sich einer Koalition der Willigen zu verweigern, wenn Trump anfragt als wenn Hillary dies tun würde.
        -Clinton Foundation, für mich ist das Korruption. [https://medium.com/@munilass/is-hillary-clinton-corrupt-an-archive-of-financial-improprieties-5d6efc01111#.ezb4va2r2]
        -Ich denke auch für den Frieden in Europa wäre Drumpf besser. Keine weitere Eskalation in der Ukraine, zumindest nicht von westlicher Seite.[ab Minute 24: https://www.youtube.com/watch?v=Rfm4unbyHV0%5D
        -egal was Trump mit isis oder “isis” anstellen wird, kann es denn schlimmer sein als aktuell? gleiches gilt für syrien. USA und Russland verbünden sich in Syrien -> der Krieg wäre wahrscheinlich ziemlich flott vorbei, wahrscheinlich mit einem Präsident Assad, aber sieht jemand eine bessere realistische Lösung?
        -so wie Obama nicht transparent sein konnte wie er wollte, Guantanamo nicht schließen konnte wie er wollte, wird Trump keine Atombombe werfen können wie er will
        -für Trump Stimmen um das System zu sprengen (Bernie or bust, vor allem nach dnc leaks nachvollziehbar)
        -auch um evtl. einen Linksruck bei den Demokraten auszulösen, wäre es eine Überlegung wert Trump zu wählen und so die Etablierten bei den Demokraten zu schwächen
        -Wie ihr schon meintet die meisten illegalen kommen mit Visum, insofern würde die Mauer auch nur ein Millionengrab sein und keine negativen Auswirkungen auf die Menschen haben die Einwandern möchten. Geld für das man keine Bomben oder Drohnen mehr kaufen kann, insofern eigentlich eine echt gute idee. Es sei denn er könnte Mexiko tatsächlich dazu zwingen zu Zahlen.
        -Hillary wäre durch ihre ganzen connections in der US- und Weltpolitik wahrscheinlich eine der mächtigsten Präsidenten die die USA jemals hatten, bestimmt mächtiger als Obama und als ihr Ehemann es gewesen ist. Das kann man gut finden, wenn man glaubt das Sie eine ‘gute’ Agenda hat. Trump hat kein Netzwerk in der US-Politik, erst recht nicht in der Welt, er könnte vom Beamtenapparat im Weißen Haus viel besser gebremst/kontrolliert werden.

        Ich will auf garkeinen Fall sagen, dass ich Trump gut oder neutral bewerte, ich finde ihn kacke. Als nicht-Amerikaner sind mir die außenpolitischen Auswirkungen aber wichtiger als die Folgen innerhalb der USA und da finde ich ist es nicht so einfach damit getan zu sagen, dass Trump ein Spinner ist und deshalb Hillary die bessere und einzig richtige Wahl.

        Wenn Hillary gewinnt haben die USA in vier oder acht Jahren einen Präsident Ted Cruz, was wahrscheinlich nochmal deutlich schlimmer wäre als Trump.

        Ich habe gehört, dass früher bei manchen Krankheiten Quecksilber verabreicht wurde. Das führte dazu, dass durch diese zusätzliche starke Vergiftung das Immunsystem nochmal richtig hochgefahren wurde und der Patient im Idealfall wieder Gesund wurde. Ich weiss nicht wie die Heilungsquote dabei war und ob das überhaupt stimmt aber ich finde die Analogie ganz interessant.

        Liebe Grüße, Peter

      • Besser, wenn Ihr kurz was zu dem Link schreibt, sonst siehts schnell aus wie Spam.

      • Euch fällt da wenig ein? Vllt. seid ihr politisch voreingenommener als ihr selbst glaubt (und ich mir persönlich wünschen würde) – oder ihr lebt eben auch nur in euer eigenen Filterbubble. Wie auch immer… In wessen Weltbild so einfach Polen, Franzosen, Schweizer, Briten, Österreichischer, Dänen, Schweden, Tschechen, Amerikaner (ach Gott, ja eigentlich die ganze Welt) mehrheitlich Rassisten sein können, der sollte m.M.n. doch eher mal sein mindsetting überdenken, bevor er anderen die Welt erklärt. Mir macht es so jedenfalls keinen Spaß mehr, euch weiter zuzuhören.

      • sorry, aber nur weil ~15% der Bevölkerung aktuell rechten bis rechtsradikalen Rattenfängern auf den Leim gehen werde ich doch diesen Spin nicht übernehmen … ich frage mich ohnehin, worauf Du Dich eigentlich beziehst und welche Agenda Du evtl verfolgst. Denn über die allermeisten Länder, die Du zitierst, haben wir schließlich kein Wort verloren.

      • Wir haben nicht gesagt, dass all die von Dir genannten Länder mehrheitlich von Rassisten vewohnt werden. Wir beobachten nur, dass in einigen dieser Länder Nationalisten parlamentarische Mehrheiten haben, anstreben oder gute Chancen haben, sie zu erreichen. Nicht jeder Trump-Wähler ist ein Lügner, Rassist und Islamfeind. Umso mehr muss man sich fragen, was diese Leute bewegt, Leute wie Trump zu wählen. Wenn Du bessere Erklärungen hast als wir, wäre ich interessiert, die zu lesen.

      • Wirklich? Da bin ich skeptisch. Außerdem ist dazu eine Diskussion via Kommentarfunktion denkbar ungeeignet. Ein Meinungsaustausch zu einem so komplexen Thema müsste wohl persönlich erfolgen. Zudem: euch standen mindestens dieselben Quellen zur Meinungsbildung zur Verfügung wie mir – und ich bin in keinen Medien außerhalb des Mainstreams unterwegs, auch nicht in iwelchen Gruppen in sozialen Netzwerken.
        Es ist also eine Frage der persönlichen Bewertung derselben Informationen. Und eben da liegt meine Kritik. Zum Start eures Podcasts hatte ich gehofft, damit eine objektivere Einschätzung der relevanten Themen zu erhalten als man sie in den Massenmedien vorfindet. Ihr habt auch wirklich teilweise Themen, die falsch oder verkürzt dargestellt wurden, prima aufgearbeitet. Beim derzeit bestimmenden Thema Flüchtlingskrise habt ihr zuletzt aber doch nur aus einem Blickwinkel argumentiert und denselben Fehler gemacht, den ihr bei anderen Themen zum Gegenstand eurer Aufarbeitung gemacht habt. Daher bin ich enttäuscht, was aber wie gesagt nur an meiner überzogenen Erwartungshaltung liegt. Macht einfach weiter so, es werden schon genug Hörer genau dies gut genug finden.

        Solltet ihr tatsächlich an anderen Antworten interessiert sein (Ulf sprach ja mal von Charakterbildung, die der Podcast ihm verschaffe), dann versucht doch mal zu recherchieren, ob ihr (entgegen eurem Instinkt) Belege für folgende Thesen findet:
        – Der Mehrheit lehnt Merkels Flüchtlingspolitik ab.
        – Merkel hat mit ihrem Führungsstil wählbare Alternativen für konservative Wähler beseitigt, während links von ihr Alternativen in verschiedensten Abstufungen existieren.
        – Die großen Medien haben Merkels Flüchtlingspolitik zu Beginn tendentiös gestützt und in einigen Fällen zumindest unglücklich bei der Aufarbeitung unangenehmer Tatsachen agiert. Kritische Meinungen wurden tabuisiert. Politik und Medien erweckten daher zeitweise den Eindruck, nicht unabhängig voneinander zu agieren. Diesen Eindruck zu revidieren wird sehr lange dauern.
        – Die Krisen in der Welt, die uns unmittelbar im Alltag betreffen, haben in den letzten 10-15 Jahren zugenommen. Die Mittelschicht wurde bei dem Umgang damit nie gefragt, sondern stark belastet. Die Ursachen für die Krisen wurden trotzdem nicht beseitigt, sondern gefährden den erkämpften Wohlstand der westlichen middle class unvermindert.
        – Trump ist einfach eine riesige Projektionsfläche. Für das Dagegensein. Die Menschen sind gefrustet von der Art, wie Politik und Medien heute funktionieren. Sie erleben Unehrlichkeit, Korruption und unsoziale Tendenzen, die in jeder Krise kulminieren und danach wieder neu entstehen können.
        – Es war schon immer die größere Motivation, für etwas zu stimmen, weil man gegen die Alternative ist, als sich für etwas zu begeistern. (Das haben u.a. die Generationen der 60er/70er so gelebt. Da ging es auch nicht nur um die besseren Argumente, sondern z.B. darum, den Muff der Talare wegzufegen. Witzigerweise findet nun eine ähnlich breite Gegenbewegung auf der anderen Seite des politischen Spektrums statt, überall in der westlichen Welt. Für mich ist es daher vor allem eine Krise der politischen Eliten, die ihre Werte nicht mehr vermitteln können.)
        – Mächtige Politiker vermitteln keine Empathie, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit mehr.
        – Die EU wirkt nicht mehr handlungssicher und berechenbar. (Kohl nahm jeder -auch seine politischen Gegner- seine Motivation zur europäischen Einigung ab. Er vermittelte glaubhaft, warum es gerade für uns Deutsche so wichtig ist, diesen Prozess voranzutreiben. Wer übernimmt heute glaubhaft diese Aufgabe?)

        Noch eine Ergänzung: ihr hebt hervor, dass man sich in der öffentlichen Diskussion die Einstellung bewahren sollte, dass der Diskussionsgegner vllt. auch Recht haben könnte. Vor diesem Hintergrund so lax von Rattenfängern zu sprechen, die derzeit von Millionen gewählt werden, ist bestenfalls unüberlegt. Wer sind denn dann deren Wähler? Ratten? Überlegt doch mal, wie das ankommt. Es sind doch mittlerweile viel zu viele Menschen, die unzufrieden sind. Da kann man doch naturgemäß nicht alles in einen Topf werfen und verbal verunglimpfen. Viele fühlen sich darin auch in ihrer Intelligenz beleidigt. Aus dem eigenen Umfeld weiß ich von vielen Menschen, die mit sich kämpfen, was sie statt Merkel nun wählen sollen. Darunter sind auch einige Ältere, die unter großen persönlichen Risiken für die Demokratie in diesem Land eingetreten sind. Diese nun immer in die gleiche, bequeme Schublade zu stecken, ist nicht fair und ziemlich oberflächlich. Im übrigen ist für einen Austausch nichts weniger geeignet als mit dem Rassismus- oder Nazivorwurf zu kommen. Nichts killt jede Diskussion zuverlässiger.

      • Vielen Dank an MTS für die ausführliche Erläuterung, damit kann ich etwas anfangen … ich denke darauf können wir am besten eingehen, indem wir das in der nächsten Folge mal genauer diskutieren. In aller Kürze: Ich glaube, dass Deine Begründungen für das aktuelle Protest-Potential alle mehr oder weniger zutreffen. Ich frage mich nur, warum Du so polemisierst: Wenn ich von Rattenfängern spreche, sage ich ja gerade nicht, dass deren Wähler Ratten seien.

        Und was die Flüchtlingspolitik angeht: Da sehe ich in der Tat schon das Problem nicht, insbesondere aber frage ich mich, was denn die Alternativen sein könnten: Zäune, Mauern, Schießbefehl? Da habe ich auch aus der AfD noch keinen Vorschlag gehört, was man denn tun solle (außer eben Schießen, das kam ja schon, war dann aber doch irgendwie nicht so gemeint). Aber auch darüber müssen wir offenbar noch mal sprechen, damit unsere Sicht der Dinge nicht als abgehoben rüberkommt.

      • Ich gebe zu, mir fällt es schwer, das ausgewogen zu formulieren. Aber auch das Argument der Alternativlosigkeit empfinde ich als intellektuelle Beleidigung. Erstens gibt es Unterschiede zw. unbegrenzt Willkommen heißen (und die Situation damit erst verschärfen, auch später nie verbal korrigieren wollen) und Helfen in einer einmaligen Notsituation. Zweitens wirkt das dann oft vorgetragene Argument, dass man sich gegen das Grundrecht auf Asyl nicht hätte sperren können, fadenscheinig. Beim Thema NSA-Skandal fühlte man sich als Bundesregierung durch das Grundgesetz auch nicht in einer alternativlosen Situation. Richtig ist doch, dass es eine alleinige Entscheidung unsere Kanzlerin darstellte, deren Auswirkungen sie unmöglich verantworten konnte. Dass sie und ihre Partei dies im Nachhinein verteidigen muss, ist kein Grund zur gesellschaftl. Krise. Dass aber anschließend die gesamte öffentliche Diskussion dazu so abläuft, dass viele wie beschrieben gefrustet sind, dürfte doch eingängig sein.