{"id":1376,"date":"2012-09-25T08:13:53","date_gmt":"2012-09-25T06:13:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kuechenradio.org\/wp\/?p=1376"},"modified":"2013-02-26T16:03:24","modified_gmt":"2013-02-26T15:03:24","slug":"kr337-sex-mit-behinderung","status":"publish","type":"podcast","link":"https:\/\/www.kuechenstud.io\/kuechenradio\/episode\/kr337-sex-mit-behinderung\/","title":{"rendered":"KR337 Sex mit Behinderung (Update: Transkription)"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kuechenstud.io\/kuechenradio\/files\/Raul.jpg\" width=\"620\" alt=\"Raul Krauthausen\" \/><\/p>\n<p>DocPhil besucht <a href=\"http:\/\/raul.de\">Raul Krauthausen<\/a>, der aufgrund seiner Glasknochen im Rollstuhl sitzt. Sie sprechen \u00fcber Sex und Beziehungen von Menschen mit Behinderungen. Raul erz\u00e4hlt ziemlich pers\u00f6nliche Dinge \u00fcber seine Kindheit, das Verh\u00e4ltnis zu seinem K\u00f6rper und &#8220;unfreiwillige Dreier&#8221;. Es stellt sich heraus, dass die technischen Fragen des Sex das geringste Problem sind. Oft zehren nicht die k\u00f6rperlichen Einschr\u00e4nkungen an den Nerven aller Beteiligten, sondern die Reaktion der Umwelt auf diese. Aber h\u00f6rt selbst. Wir sind gespannt auf Euer Feedback.  <\/p>\n<p>Hier noch ein paar Links, die wir erw\u00e4hnt haben:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Surrogatpartnerschaft\">Surrogatpartnerschaft (WP)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/zuender.zeit.de\/2008\/34\/sex-sexualitaet-behinderung-nina-de-vries-tantra?page=all\">Sexualassistenten<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/m.spiegel.de\/panorama\/gesellschaft\/a-850166.html#spRedirectedFrom=www\">Spiegel Online \u00fcber Sexualassistenten<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/leben\/tabu-sex-und-koerperbehinderung-freier-mit-behinderung-betrachten-uns-als-menschen-1.1269396 \">S\u00fcddeutsche \u00fcber Sexibilities<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>UPDATE:<\/p>\n<p>Raul hat das gesamte Interview transkribieren lassen. Lest es nach dem Klick&#8230;.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>B:\tHast Du einen Jingle?<br \/>\nI:\tNee, es f\u00e4ngt, das ist bei uns Tradition<br \/>\nB:\tDiddle dum dum dum<br \/>\nI:\tEs f\u00e4ngt immer an mit so, l\u00e4uft es, ja l\u00e4uft, okay<br \/>\nB:\tSehr gut<br \/>\nI:\tOkay, herzlich Willkommen, zum K\u00fcchenradio, Folge dreihundertundsiebenunddreissig, hier ist Doc Phil, die anderen sind nicht da, weil, unter anderem auch weil wir heute auerhalb unseres gewohnten Dienstags Termins aufnehmen, aber mir lag das sehr am Herzen, das Thema, und deswegen haben wir das jetzt mal auf einen Montag geschoben, ich darf hier zu Gast sein bei Raul, Raul Krauthausen, Hallo Raul<br \/>\nB:\tHi, Doc Phil, wie Du Dich nennst<br \/>\nI:\tJa, ja das ist ein, das ist ja ein bisschen, ich habe mich am Anfang auch dagegen gesperrt, aber, das ist so ein bisschen der Name hier, in diesem Kontext, das hat Cindy, vor sieben Jahren als aller erstes, so zu sagen<br \/>\nB:\tGepr\u00e4gt<br \/>\nI:\tGepr\u00e4gt, und vor allen irgendwelche Kunstnamen gegeben, und, ja, jetzt bin ich hier halt Doc Phil<br \/>\nB:\tSehr gut<br \/>\nI:\tDa haben sich die Leute schon dran gew\u00f6hnt.  Ja, sag mal, wir sind ja, ich bin ja immer hier im sch\u00f6nen, was ist denn das, noch was, das ist Kreuzberg, nicht, ich habe ja auf der anderen Seite<br \/>\nB:\tNein nein, nicht so viele Details, sonst<br \/>\nI:\tAh okay, okay, okay, alles klar.  Sag mal, wir haben uns ja nicht das letzte Mal, aber, doch einmal intensiver unterhalten auf der Republika, und da hast Du so im Nebensatz gesagt, so, bla bla bla, ja, \u00fcber Sex mit Behinderung, da reden wir ein anderes Mal.  Und da war mir damals schon klar, dass, dass das ein super Thema ist, und dass man das unbedingt mal aufgreifen sollte, und das wollen wir jetzt mal machen.  Du hast damals gesagt das ist ein Tabu, ist es wirklich so ein Tabu?  Weil ich habe mal so ein bisschen gegoogled und so, und es gibt da schon, so den einen oder anderen Artikel da dr\u00fcber, ne.<br \/>\nB:\tJa, auf jeden Fall, gibt es da auch Themen im Netz zu finden, aber eben im Netz, und nicht, wie soll ich mal sagen, auf klassischen Medien, also das eher seltener<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tUnd, wenn, dann finde ich hat das meistens so eine, so eine Konnotation die, keine Ahnung, Behinderte unter sich d\u00fcrfen gerne Mal miteinander, Sex haben, oder aber es gibt dann daf\u00fcr extra Fachkr\u00e4fte, die das halt machen, aber es ist in keiner Datingb\u00f6rse, vorgesehen, dass man angeben kann,  dass man eine Behinderung hat, beziehungsweise, dass man auch mit jemanden der eine Behinderung hat sich vorstellen k\u00f6nnte, eine Beziehung zu f\u00fchren, was jetzt vielleicht auch wieder eine Art von Stigmatisierung sein k\u00f6nnte, wenn man das machen w\u00fcrde, aber, letztendlich<br \/>\nI:\tMan m\u00fcsste es ja nicht<br \/>\nB:\tF\u00fchlt man sich als Mensch mit Behinderung, schon auch irgendwie dann relativ schnell aussortiert, aus diesen<br \/>\nI:\tWeil man nirgendwo auftaucht<br \/>\nB:\tWeil man nirgendwo auftaucht beziehungsweise wenn es dann rauskommen alle so sagen, oh Gott, nee, das kann ich mir nicht vorstellen, nicht alle, aber viele sagen, das kann ich mir nicht vorstellen, und man dann auch auch als betroffene, also ich in dem Fall, mich auch oft irgendwie zur\u00fcckgewiesen gef\u00fchlt habe, und dann, das Thema, auch selber selten anspreche, ich merke das mein Freundeskreis mich selten auf das Thema anspricht, und wenn es in den Medien auftaucht, dann immer irgendwie dieses, auch Menschen mit Behinderung k\u00f6nnen sch\u00f6n sein.  Und dann ist es irgendwie so, der super gut aussehende Rollstuhlfahrer, ja, der dann halt nach seinem Reitunfall oder Autounfall weitermodelt, so, ja, klar, aber, das ist halt, wie soll ich mal sagen, der sitzt dann halt auch nur im Rollstuhl, aber die Frage jetzt wie es bei Menschen ist die offensichtlich vielleicht auch nicht ganz den Sch\u00f6nheitsidealen entsprechen, ist, ist es dann nat\u00fcrlich auch schon eher, w\u00fcrde ich sagen, schon tabuisiert.<br \/>\nI:\tLass uns nochmal anfangen, weil das, wenn ich mich mit solchen Themen besch\u00e4ftige ist es immer so das erste, wo ich so ins Stolpern komme, wenn es heit, so, Behinderungen, was umfasst das denn eigentlich alles so, also das ist ja doch ein ziemlich breites Spektrum mit unterschiedlichen Auswirkungen.<br \/>\nB:\tKlar, also Behinderung ist auch, letztendlich nur ein Begriff f\u00fcr super viele Formen von Andersartigkeit, es gibt die Sinnesbehinderung, es gibt die k\u00f6rperlichen Behinderungen, die sogenannten geistigen Behinderungen und nat\u00fcrlich auch psychische Behinderungen, wovon, wenn man jetzt, je nach de m wie, wie stark man da die Regeln anwendet, vielleicht sich auch relativ schnell dann dazuz\u00e4hlt oder nicht, deswegen ist das Wort Behinderungen auch schon wieder zu Allgemein, ich w\u00fcrde jetzt nur aus meiner Perspektive, als Glasknochenhabender, im Rollstuhlsitzender, dieses Thema beleuchten k\u00f6nnen, interessant w\u00e4re es, mit einem Blinden, mit einem geistig Behinderten, beziehungsweise mit einem Geh\u00f6rlosen \u00fcber dieses Thema zu sprechen, zus\u00e4tzlich auch noch.<br \/>\nI:\tGenau, da hatte ich vorhin so ein bisschen mal rum getwittert, und da kam ja auch von so verschiedenen Richtungen, Feedback, von Augenschmaus kam nat\u00fcrlich aus ihrer Perspektive so als Geh\u00f6rgesch\u00e4digte, und es kamen auch noch so ein paar andere, die auch so als Partner von Geh\u00f6rgesch\u00e4digten sich zu Wort gemeldet haben, also da merkt ihr schon dass es da offensichtlich eine ganze Menge Mitteilungsbedarf so gibt, dass viel irgendwie so schon auf Resonanz, aber, genau, also deswegen, das ist vielleicht auch eingangs so, wir machen das heute also so zu sagen, Du erz\u00e4hlst \u00fcber das was Du aus deiner Erfahrung, aus deiner Perspektive<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tAls, Du musst Mal ein bisschen was \u00fcber Dich erz\u00e4hlen, wenn man Dich hier sieht, Du sitzt im Rollstuhl<br \/>\nB:\tBin ungef\u00e4hr ein Meter gro, je nach Messungszeitraum, beziehungsweise Grundlage, die man dazu zugrunde legt, kann nicht laufen, meine Knochen brechen schneller als bei anderen, und ich habe, einfach eine andere Perspektive und vielleicht entspreche ich in all den Punkten so dem, also auf Grund meiner K\u00f6rpergr\u00f6e her, dass man eben mein Alter schlecht einsch\u00e4tzen kann, die Leute trauen mir vielleicht eher, oder sind eher \u00fcberrascht, wenn ich Dinge dann genauso gut mache wie sie, und man wird dann schnell verbucht als, ja, trotz seiner Behinderung macht er das halt so und so, und  das ist ja so toll, und der ist so tapfer, das heit es ist auf der einen Seite leicht, oder leichter, sage ich jetzt mal, Leute zu \u00fcberraschen mit dem was man kann<br \/>\nI:\tWeil Du permanent untersch\u00e4tzt wirst, oder?<br \/>\nB:\tGenau, aber auf der anderen Seite schwerer, letztendlich mal auf einer Disco irgendwie, oder in einer Disco, einfach schon alleine Aufgrund der Sitzposition, Leute kennenzulernen.<br \/>\nI:\tGenau, also lass uns doch mal so anfangen, also wenn das so, bevor wir da jetzt zum Sex kommen, oder so, man bahnt ja so, irgendwie, Beziehungen, man lernt ja erst mal Leute kennen, wie machst Du das, wie, und mit welchen Einschr\u00e4nkungen hast Du da zu k\u00e4mpfen?  Oder hast Du zu leben?<br \/>\nB:\tAlso, ich kann das gar nicht so, Pauschal, beantworten, ich glaube, dadurch dass ich ein Leben lang eine Behinderung habe, ich nat\u00fcrlich auch selber eine ganz andere Strategie entwickelt habe, in meinem Leben, um bestimmte Situationen vielleicht auch zu vermeiden, das heit ich bin weniger der Discog\u00e4nger, ja, ich bin weniger auf Partys, wenn ich absehen kann die Party wird gr\u00f6er als vierzig Leute, dann steigt die Motivation nicht unbedingt da auch hinzugehen, weil dann einfach auch klar ist, das ist voll, das ist eng, die Leute stehen meistens, trinken viel Alkohol, alles Dinge die ich nicht tue, und das ist dann auch nicht mein, mein, wie soll ich mal sagen, mein Gebiet wo ich mich gerne aufhalte, wenn die Party kleiner ist, und die vielleicht in einer kleinen Bar ist, wo die Leute eher sitzen, bin ich schon auch dabei, und, dann habe ich auch nicht so die megakrassen Erfahrungen im Sinne von flirten, oder so, weil sich diese Situationen einfach selten, seltener, ergeben, dadurch dass ich eben relativ wenig auf, wie soll ich mal sagen, Events, oder Ereignissen bin, wo flirten ein akzeptiertes Mittel ist, ja, also ich meine auf, ich bin schon viel unterwegs und treffe auch schon viele Leute, aber es ist dann seltener so eine Art Flirtumgebung, wo man eben flirtet, und wenn ich dann Leute kennenlerne, dann, und es vielleicht zu Flirtsituationen kommt, ist mir schon \u00f6fter mal aufgefallen dass ich eher die Leute dann \u00fcberrascht habe, mit der Bekundung meines Interesses, an ihnen, und die dann, gleich auch den Satz nachzuschieen, immer, immer gleich, ja, aber es liegt nicht an deiner Behinderung.  Und, das mag sein, in Einzelf\u00e4llen, bei einigen bezweifele ich das, ich werfe es ihnen nicht vor, weil ich auch schon wei dass es ja, eher auch un\u00fcblich ist, also das, und das die auch selber nie auf, auf den Gedanken gekommen sind, weil es einfach in ihrem Umfeld nie zuvor auch jemand gemacht hat, aber dadurch ist es ja ein selbsterhaltenes, oder Selbsterf\u00fcllung, selbsterf\u00fcllendes, es ist der Prinzip, dass ich dann auch mich selber nicht mehr traue, dieses Muster zu durchbrechen, und dann selber glaube, niemand will mich, und dann selber mich auch in meinem Verhalten ver\u00e4ndere, und so drehen sich letztendlich beide Systeme parallel, wollen vielleicht beide das gute, aber finden sich irgendwie nicht.  Du verstehst was ich meine, so jetzt gerade so<br \/>\nI:\tJa, also ja, den letzten Teil, glaube ich, muss man mal auseinander duseln weil das wichtig ist, ne, also, also Du sagst, Du, Du hast, Du sagst, hey, Du bekundest dein Interesse, dann kommt irgendwie, eine Ablehnung, und dann heit es, okay, es liegt aber nicht an deiner Behinderung, inwiefern ver\u00e4nderst Du dein Verhalten?<br \/>\nB:\tDass ich einfach solche Situationen meide, dass ich vielleicht mich nicht mehr traue, das zu sagen, dass ich vielleicht auch dann blind werde vor diesen Momenten wo vielleicht andere ein Interesse an mir bekunden, und dass ich schon auch eher Witze auf meine Kosten mache und auch eher mich selber dann runtermache, um dann vielleicht so ein verstecktes fisching for compliments vielleicht sogar, ja, also dann zu sagen so, also ganz so schlimm ist es ja jetzt auch nicht, dass es, dass man das dann h\u00f6rt, wei ich nicht, ist jetzt so eine Hobby Psychologie, aber, ja, k\u00f6nnte ich mir durchaus vorstellen, dass ich da auch in mir drin so ticke<br \/>\nI:\tWann hast Du denn so die erste Erfahrung gemacht, also ich meine, man, Pupert\u00e4t, oder, oder wie, wie, weil irgendwann erwachen ja so, in einem das so, sexuelle Gel\u00fcste und Gef\u00fchle, und Frauen oder M\u00e4nner, oder so, werden interessant, wie hast Du das gemerkt und wie bist Du damit so umgegangen?<br \/>\nB:\tAlso ich glaube das ist eine Bewusstseinswerdung, die, bei mir \u00fcber Jahre stattgefunden hat, ich kenne einige Menschen mit Behinderungen die alle, oder wo viele erz\u00e4hlt haben, dass sie ungef\u00e4hr ab der f\u00fcnften Klasse realisiert haben dass irgendetwas an ihnen anders ist, als an den anderen Klassenkameraden, die keine Behinderung hatten, und das fing meistens zum Beispiel an, wo Schulunterricht k\u00f6rperlich wurde, also zum Beispiel, Sport, ne, davor war irgendwie das, alle irgendwie miteinander Ballspielen, ja, und dann irgendwie ein weicher Ball, und irgendwann, ab der f\u00fcnften Klasse f\u00e4ngt man dann an, irgendwie, Jungen von M\u00e4dchen zu trennen, f\u00e4ngt man an, irgendwie, Bundesjugendspiele zu machen, und so, und dann, wenn Sport halt Sport wird, und nicht mehr Spa, dann realisieren viele Menschen mit Behinderung dass sie da irgendwie nicht dazugeh\u00f6ren.  Ist kein Vorwurf, es ist halt so, das System sieht das so vor, und, bei uns war es dann zum Beispiel so, dass wenn die Lehrer nat\u00fcrlich auch so Verlegenheitsaktionen gemacht haben, dem wurde ja auch klar, das Raul eben nicht Medizinball mitspielt, weil es einfach gef\u00e4hrlich ist, aber Raul steht dann halt da am Spielfeldrand und z\u00e4hlt Punkte, was jetzt so mittelm\u00e4ig attraktiv ist wenn Du siehst wie deine athletischen Freunde irgendwie da, megakrasse Sportsachen machen, nicht das ich neidisch bin, sondern einfach, ich f\u00fchlte mich gnadenlos unterfordert, mit Punktez\u00e4hlen, und das f\u00fchrte dann dazu dass mir dann zum ersten Mal klar wurde, dass ich anders bin, dass es was mit dem K\u00f6rper zu tun hat, und, ich w\u00fcrde sagen, ab der f\u00fcnften Klasse, f\u00e4ngt das dann auch relativ schnell an mit, keine Ahnung, Kuschelpartys, und man, der eine \u00fcbernachtet beim anderen, ne, und dieses ganze, wo man sich dann eben auch ausprobiert, ja, das fand zum Beispiel bei mir nie statt, und, ich habe mich dann dadurch abgegrenzt, dass ich dann gesagt habe, ich finde das albern, ich finde das doof, das ist mir zu oberfl\u00e4chlich, und so weiter und so fort, was dann dazu f\u00fchrte dass ich zum Beispiel auch selten in der Zeit eingeladen wurde auf Partys, also ich war selten dabei, und, Kuschelpartys haben mich einfach auch wirklich gelangweilt, das heit ich war auch nicht wirklich, also doch ich war schon traurig, dass ich nicht eingeladen wurde, aber, ich wusste auch gleichzeitig, dass ich irgendwie mit diesen Kuschelpartys nichts anfangen kann, das sind aber die, die Situationen, wo, glaube ich, man seine ersten Erfahrungen sammelt an dem Punkt, und, ich hatte meine ersten Sexualit\u00e4tserfahrungen glaube ich erst mit Mitte zwanzig, und, das ist nat\u00fcrlich reichlich sp\u00e4t, so, w\u00fcrde ich jetzt mal sagen, es gibt nat\u00fcrlich auch Menschen die das sp\u00e4ter hatten oder eben viel viel fr\u00fcher, aber, f\u00fcr mich war es, es f\u00fchlte sich zu sp\u00e4t an, und, ja, das war ja die Frage<br \/>\nI:\tGenau, magst Du mal erz\u00e4hlen was da passiert ist, wie es dazu kam, wie das so war?<br \/>\nB:\tIch \u00fcberlege gerade, ich habe mich auch ein bisschen versucht daran nochmal zu erinnern in Vorbereitung auf heute.  Das waren dann eher so einmalige Sachen, bis ich dann vor ein paar Jahren, auf einer Party eben, eine Frau kennengelernt habe, die in einer Sitzparty war, also wir saen eher als das wir standen, und zwar drauen, wir waren beide, ja, nicht mehr ganz n\u00fcchtern, w\u00fcrde ich sagen, und, haben uns da an dem Abend ineinander verknallt, und waren ungef\u00e4hr ein halbes Jahr zusammen, ja, das war dann wirklich so eher Ende zwanzig, und, da ist es halt so, dass mir zum ersten Mal wirklich klar wurde, was es bedeutet, nicht nur Sex mit jemandem zu haben, der keine oder eine Behinderung hat, sondern \u00fcberhaupt eine  Beziehung zu haben mit jemandem der keine oder eine Behinderung hat, weil das schon auch, und deswegen komme ich eben auf das Thema Tabu, weil das schon auch, irgendwie, Blicke ausl\u00f6st, also, wenn man auf der Strae ruml\u00e4uft, l\u00f6st es Blicke aus, die man wirklich auch, teilweise bis zur Verachtung, wahrnimmt, oder aber, dann, im Hintergrund so Sachen gesagt werden von Freunden oder Verwandten, also wie, ich kriege dann so Sachen gesagt, so, Mensch, so eine sch\u00f6ne Freundin, ja, so nach dem Motto, wie hast Du das denn geschafft, oder aber, dass meine Partnerin dann in dem Fall \u00f6fter zu h\u00f6ren bekommen hat, sag Mal, glaubst Du nicht Du hast was Besseres verdient?<br \/>\nI:\tDas haben die Leute zu ihr gesagt, oder wie?<br \/>\nB:\tJa, und, wie macht denn ihr das, und dann kommt so diese, relativ schnell so juristischen Fragen, die man verstehen kann, also, wir sind ja wegen mir reflektierende Wesen, also wir kriegen auch schon hin, ein bisschen zu verstehen warum die Menschen das wissen wollen, aber die man eben trotzdem auf Grund von Intimsph\u00e4re nicht unbedingt beantworten will, und, es ist einfach hart, zu realisieren dass man eben nicht achtzig Millionen Menschen davon \u00fcberzeugen kann, dass das okay ist, sondern, also f\u00fcr mich war das jedenfalls so ein Moment, dass ich dann irgendwann realisiert habe, okay Raul, Du wirst ewig auf diese Fragen Antworten haben m\u00fcssen, und, Du wirst einen Weg finden m\u00fcssen damit umzugehen, und ich glaube daf\u00fcr waren wir beide, in der damaligen Zeit, nicht irgendwie in der Lage.<br \/>\nI:\tEs ist daran gescheitert?<br \/>\nB:\tVielleicht nicht nur, aber auch.<br \/>\nI:\tDenn das ist so eine Sache die ich mir so im Vorhinein \u00fcberlegt habe, auch, also, wenn man \u00fcber Sex mit Behinderung redet, dann redet man ganz schnell \u00fcber Dinge, die man mit, sagen wir mal, nicht Behinderten sofort als Intimssph\u00e4re und Grenz\u00fcberschreitung<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tDefinieren w\u00fcrde, gleichzeitig erwartet man, hier in dem Kontext, irgendwie eine Antwort<br \/>\nB:\tJa, genau.  Und das meinte ich halt vorhin, dass man die Neugierde versteht, aber auf der anderen Seite mir auch Privatheit einfordern will, beziehungsweise aufrecht erhalten will, und ich bin auch manchmal als Raul Krauthausen, der in der ffentlichkeit vielleicht auch wahrgenommen wird, in so einem Konflikt, so zwischen Aufkl\u00e4rung und eigenem Leben.  Ich k\u00f6nnte jetzt nat\u00fcrlich so wie Du Doc Phil heien, und mir irgendwelchen Pseudonym geben, aber, ich glaube das w\u00fcrde letztendlich das Problem nicht l\u00f6sen, und ich bin einfach ehrlich, und sage wo meine Grenze liegt, und versuche da auch keinen anderen mit reinzuziehen, es ist nur, mir ein so wichtiges Anliegen, dass ich es auch hier \u00fcber den ther, sagt man das beim Internet?<br \/>\nI:\tDu ich wei auch nicht, ich rede auch immer von senden und Radio und so, wir erz\u00e4hlen einfach<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tWir erz\u00e4hlen einfach<br \/>\nB:\tUnd ich glaube auch, dass die Gesellschaft, ohne es jetzt Pathetisch zu meinen, aber das, in dem Umfeld in dem ich mich bewege, und in, auch in den Fragen die ich gestellt bekomme, von Leuten die ich nicht kenne, ich schon auch das Gef\u00fchl habe, dass die Neugier w\u00e4chst, oder die Bereitschaft sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, und, das sieht man auch in der Kulturellen Landschaft, also man sieht es, dass, keine Ahnung, Filme wie Ziemlich Beste Freunde auf einmal funktionieren, ja, man sieht es daran, dass davor der Film Me Too aus Spanien funktioniert hat, man sieht, dass das Thema Behinderungen in den Medien, schon auch mehr wahrgenommen wird, jetzt durch die Para-Olympics ja irgendwie auch ein groes Thema, wo dann auch K\u00f6rperlichkeit auf einmal ein interessanterer Punkt wird, und warum dann nicht auch \u00fcber Sexualit\u00e4t reden, nur eben auf einer sachlicheren Ebene, als auf einer wohl juristischeren Ebene, es gibt ja auch ziemlich abgefahrene Fetische, rund um das Thema Behinderungen, mit denen ich mich jetzt nicht so gut auskenne, aber<br \/>\nI:\tWelche denn?<br \/>\nB:\tEs gibt Menschen, die stehen auf Menschen mit Behinderungen, und dann gibts vielleicht eine Abstufung, so was wie wir w\u00e4ren selber gerne behindert, oder m\u00f6gen Menschen die keinen Oberschenkel haben, keinen Unterschenkel habe, Oberarm, Unterarm, Links, Rechts, Oben, Unten, beide, was auch immer, Querschnittsgel\u00e4hmt, es gibt super viele Facetten davon, es gibt Leute die so tun als ob<br \/>\nI:\tAls ob sie behindert w\u00e4ren?<br \/>\nB:\tGenau.  Und das ist schon irgendwie, wenn man sich damit mal l\u00e4nger auseinandersetzt, ich habe das so in Bezug auf meine Diplomarbeit getan, wenn man sich l\u00e4nger damit auseinandersetzt, dann merkt man schon, okay, das ist halt so wie Menschen auf Menschen stehen mit, keine Ahnung, Tattoos, blonden Haaren, groen Br\u00fcsten, warum soll es nicht auch Menschen geben die auf Menschen stehen denen ein Bein fehlt, nur, es ist interessant dass es zum Beispiel meistens M\u00e4nner sind, die diesen Fetisch fr\u00f6nen,  und seltener Frauen, und, da f\u00e4ngt da so bei mir so dieser Gender Gerechtigkeitsfrage an laut zu werden, also dann so, liegt es daran weil der Mann einfach gerne dominiert, also, das sind dann so, was steckt da eigentlich dahinter, und da gibt es glaube ich auch keine wirklichen Antworten.<br \/>\nI:\tWas war denn Thema deiner Diplomarbeit?<br \/>\nB:\tDas Thema war die Darstellung von Menschen mit Behinderung im Fernsehen<br \/>\nI:\tOkay<br \/>\nB:\tUnd, da st\u00f6t man dann fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auch auf das Thema Sexualit\u00e4t<br \/>\nI:\tUnd ist da, gibt es da irgendetwas, also gibt es so, Sex mit Behinderung im Fernsehen, im Film<br \/>\nB:\tAlso im Film, wie gesagt, in Ziemlich Beste Freunde<br \/>\nI:\tFreunde, aber noch<br \/>\nB:\tAn<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tAnsonsten nichts weiter, groes, es gab jetzt, in England gab es eine Sendung, die hie The Undateables, was ja schon mal ein richtig krasser Titel ist,<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tUnd da ging es halt darum, dass Menschen mit Behinderungen auf der Suche nach einem Partner sind, und es war halt so eine skripted soap<br \/>\nI:\tSo Bauer Sucht Frau oder irgendsowas<br \/>\nB:\tDokusoap, genau, so ein bisschen wie Bauer sucht Frau, und, das hat auch sehr viel Kritik hervorgerufen, alleine wegen  des Titels alleine, ich glaube, die Macher hatten schon, k\u00f6nnte ich mir durchaus vorstellen, schon auch ernstgemeinte Interessen an diesem Thema, die nicht nur auf die Quote abzielte, sondern auch Aufkl\u00e4rung machen wollte, aber, wenn es dann einmal durch die Marketing Maschinerie l\u00e4uft und dann, es geht darum einen reierischen Titel zu finden, dann landet man bei The Undateables und, dann wird das ganz schnell ganz verschroben.  Das Leben von Menschen mit Behinderungen ist aber auch nicht immer Para-Olympisch, ja, also, es ist halt von Undateables zu Para-Olympisch gibt es halt noch ein groen Facetten dazwischen, und, nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich einem, keine Ahnung, Unterschenkel amputierten Para-Olympischen Sportler die gleichen, oder ann\u00e4hernd die gleichen Chancen anrechnen, einen Partner oder eine Partnerin zu finden, wie wenn er noch beide Beine h\u00e4tte, ja, weil einfach so eine Prothese jetzt vielleicht auch kein automatisches Tabu ist, oder Hindernisgrund, aber wenn jemand, keine Ahnung, vielleicht eine, das ist jetzt wirklich nur ein Beispiel, ja, wenn eine groe Spastik hat, und, auf Assistenz angewiesen ist, und man ihn schwer versteht wenn er spricht, der wird er es wesentlich schwieriger haben, oder sie, und, dar\u00fcber reden wenige Menschen, und, womit sich, wie soll ich mal sagen, Medien sich oft begn\u00fcgen, um dieses Thema dann doch irgendwie auf die Agenda zu setzten ist halt, wirst Du ja auch gefunden haben in deinen Recherchen, Sexualbegleitung<br \/>\nI:\tGenau, das ist so das<br \/>\nB:\tDas sind dann diese Professionellen Ber\u00fchrerinnen und Ber\u00fchrer, die, ja dann, f\u00fcr die Befriedigung sorgen.  Kann man auch kritisch betrachten.<br \/>\nI:\tWenn Du das jetzt so, ich hatte, wollte das ein bisschen sp\u00e4ter, hatte mir das so f\u00fcr sp\u00e4ter aufgeschrieben<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tAber jetzt so, aber, wenn Du das jetzt so ansprichst, ich meine, was h\u00e4ltst  Du denn von denen, also die, die nennen sich ja Sexualbegleiterin, oder Sexualassistenten, so das changiert so ein bisschen<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tDie Grauzone zur Prostitution, es<br \/>\nB:\tFlieend<br \/>\nI:\tFlieend, es gibt irgendwie passive und aktive Sozialbegleitung, das ist so, ja, also, ich habe da Beispiele gelesen wo ich dachte, ja, macht Sinn, klingt erst mal total gut, gibt aber auch Beispiele, kann man sich leicht ausdenken, wo es so ein bisschen grenzwertig wird, wie ist so dein, deine Sicht so auf diesen Beruf?<br \/>\nB:\tAlso ich will das nicht bewerten, ehrlich gesagt, ich will nur ein bisschen davor warnen, Sexualbegleitung als L\u00f6sung zu sehen, ich glaube, Sexualbegleitung kann ein, eine Linderung des Drucks, im wahrsten Sinne, sein, aber es definitiv nicht die L\u00f6sung, und, ich finde auch Prostitution per Se nicht schlecht, ja, also ich glaube daf\u00fcr sind wir einfach zu aufgekl\u00e4rt, um zu sagen, das ist irgendwie ein Teufelswerk, sondern, ich finde es nur dann problematisch, und das gilt dann glaube ich insgesamt f\u00fcr bezahlten Sex, ja, ob es jetzt irgendwie als Begleitung oder als Prostitution ist, ist einfach das als Ersatzbefriedigung zu sehen, oder als Ersatzbed\u00fcrfnisstillung nach N\u00e4he zu betrachten, und dann, das Portemonnaie, letztendlich, entscheiden zu lassen, viele Menschen mit Behinderungen haben auch gar nicht das Geld, zum Beispiel, um sich so etwas zu leisten, und, es ist definitiv auch keine L\u00f6sung, es ist sogar, k\u00f6nnte auch eine Gefahr sein, im Sinne von dass man wirklich nur noch \u00fcber Geld versucht dieses Problem einigermaen in den Griff zu kriegen, wohlwissend dass es keine Dauerl\u00f6sung ist.<br \/>\nI:\tErkl\u00e4re nochmal f\u00fcr die, ich meine, ich habe es jetzt ein bisschen so quer ein paar Artikel dazu gelesen, aber erkl\u00e4re doch nochmal f\u00fcr diejenigen die das nicht wissen, was das Konzept ist von Sexualassistenz oder Sexualbegleitung.<br \/>\nB:\tWas der Unterschied ist?<br \/>\nI:\tJa, was das Konzept ist, also, und wo der Unterschied zur Prostitution ist<br \/>\nB:\tAlso, ich glaube, auch da schwimmen nat\u00fcrlich auch die Grenzen, oder verschwimmen.  Es ist so dass es bei Sexualbegleitung und Assistenz meistens sich ehemalige Prostituierte sich einfach spezialisiert haben auf eine Zielgruppe, oft dann sogar garniert mit einer Krankenschwesterausbildung die sie halt gemacht haben oder haben, und die dann die Grenze an dem Punkt ziehen, wo es dann um den wirklichen Sex geht, also, die dann vielleicht eher daf\u00fcr sorgen, dass sie einem, keine Ahnung, zur Befriedigung verhelfen, dass sie einen ber\u00fchren, vielleicht sogar auch k\u00fcssen, aber ich glaube, viele ziehen die Grenze dann wirklich auch beim Sex, also beim<br \/>\nI:\tGeschlechtsverkehr<br \/>\nB:\tGeschlechtsverkehr, genau.  Wei ich nicht, warum diese Grenze da gezogen wird, also, dann kann man ja eigentlich ja auch wirklich in ein Bordell gehen, es gibt Barrierefreie Bordells, auch in Berlin. Ich glaube man sollte dann eher, wenn man dar\u00fcber nachdenkt, ja, bezahlten Sex, irgendwie, f\u00fcr Menschen mit Behinderung zug\u00e4ngig zu machen, dann sollte man eigentlich, jetzt auch aus einem Inklusionsgedanken heraus, sagen, okay, dann machen wir alle Bordelle jetzt Barrierefrei, ja, das w\u00e4re f\u00fcr mich irgendwie ehrlicher, weil da machen einfach vermeintlich Frauen, die, oder vielleicht auch M\u00e4nner, gibt es ja wahrscheinlich auch, die \u00fcberwiegend nichtbehinderte Kundschaft haben, eben auch mal diese Erfahrung, und umgekehrt, ja, als immer wieder diese Sonderl\u00f6sungen zu finden, also, weil keine Sexualbegleiterin, oder Begleiter w\u00fcrde ja, von Berufswegen, mit einem nichtbehinderten dann ein geschlechtliche Beziehung eingehen, verstehst Du was ich meine?<br \/>\nB:\tEs ist halt wieder diese Sondereinrichtung, Sonderl\u00f6sung, und der Idealzustand w\u00e4re ja eigentlich<br \/>\nI:\tGenau<br \/>\nB:\tDass man sich in einer, wie soll ich mal sagen<br \/>\nI:\tNa, man geht ins Bordell, und da kommt man dann auch mit dem Rollstuhl rein, und,<br \/>\nB:\tGenau, ja, aber vielleicht w\u00e4re der Idealzustand normale Partnerschaften zu haben, die nicht, ne, also<br \/>\nI:\tJa gut, aber ich meine, das ist ja klar, also das ist ja so zu sagen, das war ja auch dein Punkt, dass Du sagst, okay, das ist nicht, also bezahlter Sex ist nicht die L\u00f6sung<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tF\u00fcr Beziehungsprobleme oder Einsamkeit, oder solche Sachen, aber trotzdem gibt es das ja, und ich habe mich halt interessiert wie so dein Blick darauf ist, weil es ja auch hier in Berlin jemanden gibt, da bin ich dr\u00fcber gestolpert, Sexabilites<br \/>\nB:\tGenau, Matthias Vernaldi, genau<br \/>\nI:\tGenau, und von dem habe ich mal so einen Artikel gelesen der genau halt dieses Erlebnis hatte, er ist irgendwie, jenseits der f\u00fcnfzig, und, hat nat\u00fcrlich auch sexuelle Bed\u00fcrfnisse, die er so nicht gestillt bekommen hat, und ist halt ins Bordell gegangen, hat da keine guten Erfahrungen gemacht, weil, irgendwie, wollen, wollte, haben di e sich alle geweigert mit ihm Sex zu haben, oder, haben das doppelte genommen, den doppelten Preis, vom normalen, und wollten dann aber nur, irgendwie, zehn Prozent liefern, also, ne, also dann nur so ein bisschen Petting machen, aber kein Geschlechtsverkehr obwohl er das bestellt hatte und ihm auch zugesagt wurde, so, so habe ich das verstanden, dass er aus diesem, aus dieser, wie heit das, aus dieser Erfahrung heraus, diese Partys veranstaltet hat und diese Gruppe, Sexabilities ist das<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tEine Gruppe, oder Beratung, oder ist das<br \/>\nB:\tEs ist eher eine Beratung, wie ich das verstanden habe.  Ich glaube, dann liegt ja das Problem aber darin, dass die Damen in diesem Geb\u00e4ude, in diesem Ort, irgendwie Ekel hatten<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tUnd an dem Punkt muss man ja eigentlich ansetzen, und, statt zu versuchen, irgendwie da jetzt wieder eine Sonderl\u00f6sung zu schaffen, also ich glaube, Matthias Vernaldi ist ja auch gar nicht ausschlielich pro Sexualbegleitung, ne, also ich glaube, er k\u00e4mpft ja auch f\u00fcr Barrierefreie Bordelle, und, das ist schon ein gr\u00f6eres Ding, und er ber\u00e4t auch wirklich dann diese harten F\u00e4lle, die auch vielleicht f\u00fcnfzig sind und noch nie in ihrem Leben Sex hatten, und so.<br \/>\nI:\tGenau, also, ich glaube man will es auch gar nicht entweder oder<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tWeit Du so, entweder Du hast nur Bordelle und alle anderen Fragen sind beantwortet, oder Du musst, willst Bordelle abschaffen, ne, und alle sollen irgendwie so in Beziehungen rein, sondern es geht ja, es ist ja auch, das ist ja auch im Leben nicht so, sondern Du hast ja immer verschiedene Angebote, nur ich fand halt das war, das war f\u00fcr mich so eine, jetzt so eine Welt, die so aufging, wo ich so dachte, stimmt, es gibt Pflegef\u00e4lle, also ich meine Du sitzt jetzt im, Du sitzt im Rollstuhl, Du kannst Dich irgendwie bewegen, Du kannst auf Partys und so, aber es gibt ja, Pflegef\u00e4lle, die  liegen im Heim, sind bei vollem Bewusstsein, k\u00f6nnen sich aber nicht mehr bewegen, so, und haben trotzdem Lust auf Sex<br \/>\nB:\tKlar<br \/>\nI:\tSo, und es gibt ja auch ein Grundrecht auf sexuelle Selbstbestimmung<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tArtikel zwei.  Und da fand ich das dann total Plausibel,  und auch geradezu eine Frechheit das Pflegeheime Prostituiertenbesuch verbieten.<br \/>\nB:\tJa genau, und genau \u00fcber den Punkt kommt man ja dann immer auf dieses Tabu Ding, ne, also weil, das hat man halt nicht, wenn man im Heim ist, und es gab auch bis zu Ende der, Anfang der Zweitausender, gab es F\u00e4lle wo Menschen mit Behinderungen in Heimen sterilisiert wurden, ja<br \/>\nI:\tBis wann?  Bis Anfang der Zweitausender?<br \/>\nB:\tJa, gab es F\u00e4lle, und das ist schon auch irgendwie, also, einfach nur um diese Dimension aufzumachen, dass bei Menschen mit geistiger Behinderungen zum Beispiel es noch ein viel st\u00e4rkeres Tabu ist, dabei gibt es auch daf\u00fcr L\u00f6sungen.<br \/>\nI:\tGenau, das, weil das ist ja auch so eine rechtliche, schwierige Geschichte ist, ne<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tAber da wollte ich gleich nochmal dar\u00fcber, aber erst mal so, diese Welt von Menschen die im Pflegeheim leben, ja, bei vollem Bewusstsein sind, Sex haben wollen, und nicht einfach der Schwester sagen k\u00f6nnen, Schwester, ich h\u00e4tte gerne hier Dienst XY oder Susanne, die kennen Sie doch noch, ja, oder eine Frau, bestellt dann halt einen Mann, ja, erstens ist das verboten, wenn ich das richtig verstanden habe<br \/>\nB:\tJa nicht in allen, ne, aber<br \/>\nI:\tAber es gibt Pflegeheime wo es so okay ist<br \/>\nB:\tGenau, also so weit ich wei, ja<br \/>\nI:\tUnd dann brauchst Du ja auch einen Raum, wo Du das machen kannst, also wenn Du dann in so einem Dreibettzimmer liegst, was ist, also<br \/>\nB:\tRichtig<br \/>\nI:\tDu brauchst ja im Prinzip so einen Liebesraum, oder so ein Sexzimmer, oder irgendwie so was<br \/>\nB:\tJa.  Aber es ist ja, also jetzt mal ganz ehrlich<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tWir sind ja aufgekl\u00e4rte Menschen, das ist ja logistisch leistbar, ja, ich meine, da k\u00f6nnte man ja, man k\u00f6nnte ja so einen Raum schaffen, man k\u00f6nnte ja irgendwie<br \/>\nI:\tDu, dass das nicht, dass das keinem, also das ist logistisch f\u00fcr so ein Pflegeheim nicht das Thema sein kann<br \/>\nB:\tJa, richtig<br \/>\nI:\tUnd das ist das ja was es noch \u00e4rgerlicher macht, und<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tWeil, wenn das  jetzt so ein riesen Ding, und, auch mit dieser rechtlichen Lage, da kommen wir gleich noch zu sprechen, das ist nat\u00fcrlich nicht ganz ohne, also, da muss man sich nat\u00fcrlich schon ein bisschen was einfallen lassen, aber um diese Logistik, Mensch h\u00e4tte gerne Sex, h\u00e4tte gerne eine Prostituierte, oder ein, ein Callboy oder so, und dann gibt es da in dem Heim einen Raum, ja, den man vielleicht auch irgendwie so halbwegs nebenbei und unerkannt oder so, besuchen kann, keine Ahnung, das kann ja nicht das Thema sein<br \/>\nB:\tRichtig.  Aber \u00fcberhaupt dieses Recht auf Privatssph\u00e4re, auf Intimit\u00e4t, ist f\u00fcr Menschen mit Behinderungen relativ schwierig auch einzufordern, also, es f\u00e4ngt ja in viel, also es f\u00e4ngt ja schon alleine bei der Offenlegung deiner, deiner Kontoausz\u00fcge an, vor dem Sozialamt, um \u00fcberhaupt Assistenz zu bekommen, das ist schon auch ein Eingriff in, in Privatssph\u00e4re, finde ich, auf eine gewisse Art<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tBis hin zu, wenn Du auf Assistenz angewiesen bist, Du nat\u00fcrlich dann auch, mehr oder weniger, Fremde Menschen hast, die Dich dann auch mal in Situationen sehen, denen Du dich nicht, der Du nicht jeden Menschen zeigst, also, verstehst Du was ich meine?<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tUnd, also, ich glaube, das ist ein sehr komplexes Feld, wo auch ich selber immer noch viel lerne und experimentiere, wobei jetzt nicht experimentieren im Sinne von, ach probieren wir mal das aus, oder so, sondern einfach ich einfach f\u00fcr mich versuche einen Weg zu finden der mir dann auch entspricht und gut tut, ohne mich selbst zu verraten.<br \/>\nI:\tWas meinst Du damit?<br \/>\nB:\tMir zum Beispiel auch das Recht zu erlauben, zu sagen, diese Assistenz passt mir nicht, ich h\u00e4tte gerne einen anderen, als zu sagen, so, ja, besser als gar keiner.  Also so was zum Beispiel, und dann in Kauf zu nehmen, dass es halt l\u00e4nger dauert den richtigen zu finden, ja, oder, inwieweit fragt man fremde Leute ob sie einem helfen, bei bestimmten Dingen<br \/>\nI:\tNa.  Nochmal zur\u00fcck zu diesem, zu diesem Thema, Sexualassistenz, also hast Du dazu noch irgendetwas zu sagen, also das ist halt so eine Grauzone wo Du sagst, lieber Bordells Barrierefrei machen, oder<br \/>\nB:\tAlso ich f\u00e4nde es zu mindestens mal eine interessanten Gedanken Challenge, ne, also<br \/>\nI:\tAber wie soll man, wie w\u00fcrde man da rangehen, was ich zum Beispiel, also was ich nat\u00fcrlich auch, also so zu sagen ein, ein Unterkapitel der Geschichte, Gesellschaft findet entspannteren Umgang mit Menschen, ist nat\u00fcrlich der Huren und Prostituierte finde einen entspannteren Umgang<br \/>\nB:\tJa, ist vielleicht der erste Meilenstein, ne, und dann, dann<br \/>\nI:\tSo, und dann, aber wie, wie will man da vorgehen, also, ich meine Vernaldi, der macht doch auch so, bei Sexabilities macht der da auch so mit Hydra und so, Veranstaltungen<br \/>\nB:\tJa, ich denke das ist auch der richtige Weg, mehr, mehr St\u00e4dten, gr\u00f6er, vielleicht auch mal die Frage, er hat dann, das ist glaube ich auch ein riesiges Tabu, Frauen und Sexualit\u00e4t mit Behinderungen, also<br \/>\nI:\tBehinderte Frauen, ja, ja<br \/>\nB:\tBehinderte Frauen, mit Behinderung, und Sexualit\u00e4t, das ist glaube ich auch ein interessanteres Tabu, weil, nat\u00fcrlich gehen M\u00e4nner in Bordells, und notfalls holen sie sich halt ein Callgirl, so, aber, was machen eigentlich Frauen, und, gibt es eigentlich Callboys die sich auf Frauen spezialisiert haben mit Behinderung, also, das zu finden ist glaube ich eine viel gr\u00f6ere Challenge.<br \/>\nI:\tAber es ist doch, es w\u00e4re doch an sich gut, wenn es das gibt, oder nicht?<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tWeil das klang so ein bisschen skeptisch vorhin, also<br \/>\nB:\tNee, also, ich bin einfach nur skeptisch, in  dem Bezug zu sagen dass dann Prostitution die L\u00f6sung f\u00fcr Beziehung ist, Liebe, Partnerschaft<br \/>\nI:\tNun gut, aber ich wei nicht ob das jemand<br \/>\nB:\tWenn wir nur \u00fcber Sex reden, so rein raus, klar<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tJa dann, kann Prostitution ein Modell sein<br \/>\nI:\tAlso das ist ja eher<br \/>\nB:\tAber wie w\u00e4re es zum Beispiel, diese ganzen, wie heien die, diese Partnerb\u00f6rsen die nicht so wie Elitepartner funktionieren, sondern, schon so irgendwie eher f\u00fcr den one-night-stand, wenn man die Barrierefrei im weitesten Sinne machen w\u00fcrde<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tNe, also wo dann vielleicht nicht professionelle miteinander in Kontakt kommen, egal ob mit oder ohne Behinderung<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tUnd, w\u00e4re das nicht auch Inklusion?  Also, warum muss es immer gleich der, die Fachkraft sein?<br \/>\nI:\tIch glaube, das eine schliet das andere nicht aus<br \/>\nB:\tNee<br \/>\nI:\tOder, also ich meine<br \/>\nB:\tDefinitiv nicht<br \/>\nI:\tAlso dass dein Fokus eher so darauf liegt, Leute, macht irgendwie die Welt zug\u00e4nglicher, ja, so wie sie jetzt ist, und versucht nicht wieder so ein Sondermodell irgendwie zu finden, das finde ich, das verstehe ich, so, aber nichts desto trotz, bis das soweit ist, finde ich, ist es legitim, irgendwie das Beste daraus zu machen und zu nehmen was man hat<br \/>\nB:\tJa, nur wir neigen, auf jeden Fall, keine Frage<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tWir neigen nur dazu, auch in der medialen Berichterstattung, das als die L\u00f6sung zu sehen, und<br \/>\nI:\tAh, okay<br \/>\nB:\tUnd, diese Sexualbegleitung ist glaube ich eine bergangsform, im Sinne von, ja, auch Menschen mit Behinderungen haben ein Recht auf Sexualit\u00e4t, aber das darf nicht das Abstellgleis sein.<br \/>\nI:\tOkay, also, genau, aber, also, vielleicht ist das Medial auch so ein bisschen der Fu in der T\u00fcr<br \/>\nB:\tHoffentlich<br \/>\nI:\tSo, wenn ich diese Berichte so lese, dann sind die immer, also ich fand die so ganz, so okay, wo ich auch dachte, aha, ist jetzt interessant, also, was so medial als Aufh\u00e4nger funktioniert um sich mit diesem Thema, um das Thema mal, einem gr\u00f6eren Publikum zu pr\u00e4sentieren<br \/>\nB:\tJa, genau, also es macht es glaube ich gef\u00e4llig<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tJa.  Interessant, f\u00e4nde ich jetzt, w\u00e4ren auch so Fragen wie, warum sind Sexualbegleiterinnnen und Begleiter eigentlich alle nichtbehindert?  Oder, warum haben die alle meistens eine Krankenschwesterausbildung?  Also ist da nicht wieder dieses, Gesund-Krank, irgendwie so stark im, mit so einem Pflegerischen Aspekt mit drin, also, ich will, das ist jetzt kein Vorwurf, ja, aber, wenn es darum geht, dass Menschen mit Behinderung vielleicht durch Sexualbegleitung lernen, ihren K\u00f6rper und sich zu lieben, ja, k\u00f6nnte es auch nicht sogar, wenn das der Sinn dahinter ist, k\u00f6nnte dann vielleicht doch nicht viel f\u00f6rderhafter sein, wenn die Begleitung dann auch eine Behinderung hat?<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tNur mal so ein Gedankenspiel, ich will das jetzt nicht definieren<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tJa, und, das kommt mir manchmal ein bisschen zu kurz, es gibt, zum Beispiel das ISB Trebel, oder ISBW Trebel, ich wei nicht ob Du das<br \/>\nI:\tJa, mir ist, der K\u00fcrzel ist mir untergekommen<br \/>\nB:\tDa kann man diese Ausbildung machen zum zertifizierten Sexualbegleiter, und, soweit ich wei, machen das wohl auch Menschen mit Behinderungen, ich habe mich damit nicht besch\u00e4ftigt, ernsthaft, das ist mir nur mal so unter die Augen gekommen, aber das wurde zum Beispiel gegr\u00fcndet von Lothar Sandfort, und<br \/>\nI:\tSo einem Psychologen, ne<br \/>\nB:\tGenau, der glaube ich auch eine Behinderung hat, und, der sagt halt zum Beispiel, das auch, also dass da wirklich auch verlieben praktiziert wird, also in dieser Ausbildung, und dass auch behinderte Menschen ein Recht auf Liebeskummer haben, also dass es eben nicht nur darum geht, irgendwie, jetzt einmal rein raus, und<br \/>\nI:\tEinmal Orgasmus und<br \/>\nB:\tGenau, sondern auch diese ganze Gef\u00fchlswelt und diese Dimension dahinter, zu entdecken und zu verstehen, und, das ist ja auch ein Recht, das man haben kann.<br \/>\nI:\tWeil das mit Behinderung schwerer f\u00e4llt in der Pubert\u00e4t, oder warum ger\u00e4t das so unter die R\u00e4der?<br \/>\nB:\tIch glaube das ger\u00e4t da an dem Punkt unter die R\u00e4der, wenn Behinderung als etwas medizinisches, als therapiert, geheilt, und so weiter werden muss, betrachtet wird, und man dann als Mensch mit Behinderung fr\u00fchzeitig, ich sag es mal fies, aussortiert wird, in Sondereinrichtungen, wo dann Sexualit\u00e4t irgendwie so, auch von den Mitarbeitern vielleicht, als sehr unangenehmes Thema gesehen wird, und dann bis zu Mitte zwanzig, Ende zwanzig, das Thema bei Dir nie auf der Agenda ist.  Du merkst irgendwas stimmt mit Dir nicht, Du merkst irgendwie, Du wachst morgens mit einer Latte auf, oder was auch immer, und, scannst die ganzen Pornos aus dem Internet, aber so, Du hast halt diese, diese Selbsterfahrung nie gemacht.<br \/>\nI:\tWarum hast Du die nie gemacht?<br \/>\nB:\tAlso ich schon, aber auf eine, ich kann mir durchaus vorstellen dass es die, die so erst mal f\u00fcr viele Menschen nicht gibt, und ich habe es auch f\u00fcr mich relativ sp\u00e4t erst erlebt.<br \/>\nI:\tAber Du warst doch, warst Du nicht auch verliebt, irgendwie mal, mit vierzehn, f\u00fcnfzehn?<br \/>\nB:\tAber es kam nie zum K\u00f6rperkontakt, zum Beispiel.  Also ich habe dann geschw\u00e4rmt, eher.<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tUnd meine erste sexuelle Entdeckung hatte ich mit einem Jungen der auch eine Behinderung hatte, also nicht im Sinne von dass ich mich in ihn verliebt habe, oder so, sondern dass wir uns beide zum ersten Mal so, nackt, sahen, so, und, Du musst Dir einfach vorstellen, wenn Du als Mensch mit Behinderung mit deinen Freunden irgendwie schwimmen gehst, ja, hast Du halt einen Einzelverhelfer, oder einen Betreuer, der sich um Dich k\u00fcmmert, und mit dem gehst Du in die Sonderkabine, die Rollstuhlgerecht ist, ne, durch, aus architektonischen Gr\u00fcnden, das heit Du siehst deine Freunde auch relativ selten nackt, und sie dich auch selten, und, verstehst Du was ich meine?<br \/>\nI:\tJa ja<br \/>\nB:\tAlso<br \/>\nI:\tErz\u00e4hl mal weiter, ja<br \/>\nB:\tEs ist nicht so, dass ich noch nie Menschen zuvor nackt gesehen habe, und es ist auch nicht so dass ich noch nie zuvor Frauen nackt gesehen habe, aber es war halt, ich w\u00fcrde mal sagen es passierte bei mir zu nur einem Bruchteil, als es viele andere vielleicht taten, und Situationen wo man vielleicht auch K\u00f6rperlichkeit erlebte, die fanden gar nicht bei mir<br \/>\nI:\tAlso jetzt gar nicht Sex, oder so, sondern im Sinne, oder sondern einfach normale K\u00f6rperlichkeit<br \/>\nB:\tK\u00f6rperlichkeit, genau<br \/>\nI:\tMan ber\u00fchrt sich mal beim  Duschen, oder irgendwie, oder<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tKeine Ahnung, was man halt so<br \/>\nB:\tGenau, und so wirklich K\u00f6rperkontakt zu einer Frau die ich liebte hatte ich erst Mitte zwanzig, also H\u00e4nde geben, also H\u00e4ndesch\u00fctteln genauso<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tUnd, okay, aber das ist jetzt zum Beispiel ja auch, das ist, das war mir auch nicht so klar, weil das ist nat\u00fcrlich, also wenn Du das so erz\u00e4hlst, leuchtet das total ein, dieses permanente, diese permanente Sonderbehandlung, aus guten Willen heraus, und manchmal vielleicht auch architektonisch auch, irgendwie geht es nicht anders, aber das f\u00fchrt auch zu so einer physischen und emotionalen Separierung, oder, wenn ich das richtig verstehe<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tVon, jetzt gar nicht deiner, dem M\u00e4dchen in das Du dich verliebt hast, oder dem Jungen in den Du dich verliebt hast, sondern von allen deinen, von deiner Peergroup, so ein bisschen<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tM\u00e4dchen, Jungen, vierzehn, f\u00fcnfzehn, Du siehst sie nicht nackt, man ber\u00fchrt sich nicht mal, man, keine Ahnung<br \/>\nB:\tMan wird sonder<br \/>\nI:\tMan neckt sich nicht mal<br \/>\nB:\tGenau, man wird mit einem Sondertransport von A nach B gebracht, wo alle anderen sich im Bus vielleicht nachmittags verabreden oder<br \/>\nI:\tOder so, oder man rutscht sich vorne mal irgendwie<br \/>\nB:\tMan kann sich nicht aussuchen<br \/>\nI:\tIn das M\u00e4dchen rein<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tJa Genau<br \/>\nB:\tMan kann sich nicht aussuchen neben wem man sitzt wenn man irgendwie Reisen macht, also das sind, weit Du<br \/>\nI:\tGenau, aber was macht das mit Dir?<br \/>\nB:\tIch glaube dass es einfach mit mir macht, dass ich dann sehr lange, und das schlummert garantiert auch noch in mir, sehr lange mich dann eher mit anderen Dingen besch\u00e4ftigt habe, als mit meinem K\u00f6rper, oder \u00fcberhaupt mit K\u00f6rpern, ja, ich habe dann vielleicht eher angefangen mich f\u00fcr Computer zu interessieren, ich habe dann einfach meinen, meine  Freizeit die ich dadurch gewonnen habe, um das mal hart zu formulieren, in andere Dinge gesteckt, und mir war in dem Moment aber gar nicht klar, dass das fehlt, weit Du, das ist einfach, ich bin dann einfach anders gepr\u00e4gt, und, ich finde das super Schade, und, ich kann mich erinnern, dass ich als Kind auch nie dar\u00fcber sprechen wollte, es gab viele Situationen, wo es dieses Angebot gab, dar\u00fcber zu sprechen, wir hatten Schulpsychologen, meine Eltern haben mich gut aufgekl\u00e4rt, also ich war, wei dass man Kondome benutzt und ich wei ab wann HIV ansteckend ist, und ab wann nicht, also es ist jetzt nicht so dass ich da komplett keine Ahnung habe, ich wei nur dass ich da nie gerne dar\u00fcber sprach, und das ist mehr als Scham, es war etwas das machen die anderen, nicht ich.<br \/>\nI:\tAha.  Also jetzt, jetzt so langsam, das, weil das finde ich ja, also neben dieser technischen Ebene, so, ne, okay, jemand ist behindert, kriegt der noch einen Orgasmus, oder, wo sind seine erogenen Zonen, da<br \/>\nB:\tJa, also Sex ist ja wesentlich mehr als nur irgendwie Orgasmus kriegen<br \/>\nI:\tJa.  Ja, aber das finde ich, so zu sagen, dieses Aufwachsen, ohne diese Erfahrung von k\u00f6rperlicher N\u00e4he, von Selbsterfahrung mit dem K\u00f6rper, auch im Verh\u00e4ltnis zu anderen<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tUnd<br \/>\nB:\tIch hatte auch zum Beispiel, ganz kurz<br \/>\nI:\tJa, unbedingt<br \/>\nB:\tIch hatte selber, in dem Alter wo glaube ich, so Teenageralter, Pubert\u00e4t, bis Anfang zwanzig, ich, hatte ich kaum Kontakt zu Menschen mit Behinderungen, ganz allgemein, und ich f\u00fchlte mich immer alleine auf diesem Thema, und wusste auch nie, wie andere das machen.  Und wir hatten zum Beispiel einen bei uns in der Schule, der war eine Klasse \u00fcber mir mit der gleichen Behinderung, und ich habe nie mit dem dar\u00fcber geredet, obwohl sich viele Gelegenheiten ergaben, ich habe ihn immer nur beneidet, ich habe ihn immer beneidet wie er von seinen Freunden wahrgenommen wurde, und, wie er umarmt wurde von Freundinnen, die keine Ahnung, ihn begr\u00fcen, verabschieden, was auch immer, und, f\u00fcr mich war das immer so ein Spiegel, so will ich auch mal akzeptiert werden, und ich glaube, ich wurde auch genau so wahrgenommen von meinen Freundinnen und Freunden, aber ich habe es nicht gesehen, verstehst Du was ich meine?  Ich war kein Auenseiter in der Klasse, sondern ich habe einfach nicht gesehen, dass auch mir gegen\u00fcber vielleicht eine gewisse Sympathie entgegengebracht wurde, und, weil ich einfach auf dem, auf dem Auge da einfach abgestumpft bin.  Ich habe es immer bei anderen bewundert, aber bei mir selten gesehen.  Das ist eine Erkenntnis die ich relativ neu habe, also das ist, seit ich mich mit diesem Thema auch mehr auseinandersetze, auch ich selber noch gar nicht an dem Punkt bin wo ich sage, ja ja, jetzt wei ich Bescheid wie ich funktioniere, sondern, es sind auch Dimensionen die ich gerade neu entdecke<br \/>\nI:\tGenau, weil das finde ich ja, sag mal, das ist ja eine ungeheure Dimension, also, f\u00fcr einen Menschen, der quasi aufw\u00e4chst in dieser Pubert\u00e4tszeit<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tUnd diese sehr, so, f\u00fcr viele eigentlich allt\u00e4glichen und erst mal so kleinen Erfahrungen, aber doch total wichtigen Erfahrungen<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tber die Jahre hinweg<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tUnd wenn das nicht da ist, frage ich mich gerade, was macht das so mit einem, also, was ist so die L\u00fccke die da entsteht, was sind so die Kollateralsch\u00e4den und Nebenwirkungen von dieser Emotionalen und so ein bisschen entk\u00f6rperlichten Phase?<br \/>\nB:\tAlso, ich glaube nicht dass ich da irgendwelche geheimen, perversen Phantasien entwickelt habe, oder so, als Kompensation, sondern, ich glaube einfach, dass ich meine, dass ich meinen K\u00f6rper anders wahrnehme als vielleicht andere ihren K\u00f6rper wahrnehmen, oder auch andere meinen K\u00f6rper wahrnehmen, also dass ich einfach denke, ja, der K\u00f6rper ist halt da damit ich \u00fcberlebe, ja, aber ich selber, glaube ich, habe einen gest\u00f6rtes Verh\u00e4ltnis zu meinem K\u00f6rper<br \/>\nI:\tHast Du?<br \/>\nB:\tJa, glaube ich schon.  Und, ich meine, es ist ja sehr intim, ne, ich will es jetzt gar nicht weiter ausschm\u00fccken, aber die, wie soll ich sagen, ich wei auch gar nicht genau was ich sagen will, aber, ich glaube, dass mein, mein K\u00f6rper und ich haben einfach ein gest\u00f6rtes Verh\u00e4ltnis zueinander, der mich, also ich pflege ihn, ich h\u00fcte ihn, ich mache ihn nicht unbedingt brauchbar an mir, ja, so, ich verachte ihn nicht, aber ich liebe ihn eben auch nicht, und es gibt auch kein K\u00f6rperteil wo man, wenn man mich fragen w\u00fcrde, welches K\u00f6rperteil von Dir gef\u00e4llt Dir, h\u00e4tte ich keine Antwort darauf, so.  Ich achte darauf dass ich irgendwie, zum Friseur gehe, dass ich mich rasiere, und dass ich sauber bin, so, aber da h\u00f6rt es auch auf, also eher so ein, so einen pflegerischen, hygienischen Blick auf meinen K\u00f6rper als einen so, oh, das ist mal aber irgendwie, keine Ahnung, tolle Muskelpartien, oder so, habe ich halt nicht<br \/>\nI:\tAlso dass Du deinen K\u00f6rper, dass Du Dich und deinen K\u00f6rper liebst w\u00fcrdest Du nicht sagen?<br \/>\nB:\tNee, ich glaube es ist halt eher so ein, warten<br \/>\nI:\tWarten?<br \/>\nB:\tAlso warten, so wie man an einem Auto wartet<br \/>\nI:\tAch so<br \/>\nB:\tJa ja<br \/>\nI:\tUnd h\u00e4ngt dieses Verh\u00e4ltnis, was Du heute jetzt beschrieben hast, mit den, mit diesen Erfahrungen aus deiner Jugend zusammen?<br \/>\nB:\tAuf der Ebene halt, dass ich glaube ich eher gepflegt wurde, weit Du, ich hatte halt Einzelverhelfer die mich pflegten, ich hatte Eltern die mich pflegten, ich hatte, ich konnte viele Dinge nicht selber machen, ich konnte viele Dinge nicht an mir selber ausprobieren, ich konnte, ich war in vielen Dingen einfach limitiert, ja, ich konnte nicht irgendwie, zu H&#038;M gehen, und mir sch\u00f6ne Sachen kaufen, weil es einfach auch nur eine begrenzte Auswahl gab von Dingen die ich, wo keine Mickymaus drauf ist, wenn man Klamotten in meiner K\u00f6rpergr\u00f6e braucht, also ich habe einfach, es zieht sich komplett durch, durch ganz viele Welten, und, das habe ich dann irgendwann auch mit mir machen lassen, weil es einfach auch m\u00fchsam war, immer dagegen zu k\u00e4mpfen und immer zu suchen, und immer, irgendwie dann bei H&#038;M diese Perlen zu finden, und so weiter<br \/>\nI:\tAber was h\u00e4ttest Du Dir denn gew\u00fcnscht, also, sagen wir mal so, das ist ja jetzt auch so ein<br \/>\nB:\tDas ist ja das was ich sage, dass ich glaube ich in dem Alter nicht das Bed\u00fcrfnis hatte, oder nicht, mir nicht klar war, dass ich mir etwas, dass mir etwas fehlt.<br \/>\nI:\tGenau, aber der Punkt ist ja jetzt auch, die Leute sollen ja lernen<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tUnd die sollen ja aus dem was Du erz\u00e4hlst, wenn das jetzt Leute h\u00f6ren, lernen, und sie sollen sich ja auch, wenn sie in so einer Situation sind, vielleicht auch ihrer Situation bewusst werden, und vielleicht auch ihre Bed\u00fcrfnisse kennenlernen, ernstnehmen, vielleicht auch einfordern, und was mich interessiert ist ein jugendlicher, vierzehn, f\u00fcnfzehn, so, der heute im Rollstuhl sitzt, und der auch diese ganze, dieses Objekt von Pflege ist, ja, schon der Pfleger, und dann wird der irgendwie sonderbehandelt, und, sonderbehandelt ist ein Scheisswort, aber er wird halt gepflegt, und, f\u00e4hrt in einen extra Bus, und kriegt eine extra Kabine, und so.  Was h\u00e4ttest Du denn, was h\u00e4ttest Du Dir damals gew\u00fcnscht?<br \/>\nB:\tIch glaube, ich h\u00e4tte mir gew\u00fcnscht, dass alle Menschen, die an diesem Pflegeprozess, oder an diesem Logistikprozess beteiligt sind, sich dar\u00fcber klar werden, dass oft aus praktischen Gr\u00fcnden, man sonderbehandelt wird, ja, also es gibt viele Menschen mit Behinderungen die von ihren Eltern angezogen werden, mit Dingen die den Eltern gefallen, die aber vielleicht nicht mehr Jugendliche tragen, ja, aus praktischen Gr\u00fcnden.  Es gibt Situationen wo man dann eben diesen Sonderfahrdienst hat, aus praktischen Gr\u00fcnden, weil der Reisebus kein Rollstuhlplatz hat, und so weiter, und so fort, und ich glaube, viele Dinge w\u00fcrden sich einfach anders ergeben wenn sich mehr Menschen dar\u00fcber klar werden, dass es vielleicht auch eine gemeinsame Aufgabe ist, Klamotten gemeinsam zu finden, oder eine gemeinsame Aufgabe ist, mal den Rollstuhlfahrer zu fragen, oder die Rollstuhlfahrerin, zu fragen, wie m\u00f6chtest Du denn sitzen, ja, anstatt, verstehst Du, also anstatt so dieses<br \/>\nI:\tEin Leben jenseits der pragmatischen Erw\u00e4gung, so zu sagen<br \/>\nB:\tJa, oder jenseits, ja, jenseits jetzt nicht, komplett jenseits<br \/>\nI:\tJa, nicht jenseits, aber dass es nicht nur darum geht, wie, wo packen wir den denn jetzt noch hin<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tSo, sondern, okay, vielleicht ein bisschen komplizierter, aber sie w\u00fcrde gerne auch in der letzten Reihe da irgendwo sitzen, okay, kriegen wir das irgendwie hin<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tAlso es ist vielleicht nicht so der erste Platz der uns einfallen w\u00fcrde, aber, wenn das der<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tWenn das der Wunsch ist, weil, dann gucken wir mal, ob, wie wir das machen<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tOder, zusammen Duschen<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tJa, oder gemeinsam umziehen.  Ja<br \/>\nB:\tAlso ohne das jetzt gleich ein P\u00e4dagogisches Konzept rumstrickend, aber einfach, vielleicht, dieses in Betracht ziehen, dass es ein Bed\u00fcrfnis sein k\u00f6nnte.  Ich w\u00fcrde jetzt auch nicht sagen, Du musst jetzt da mit<br \/>\nI:\tDuschen, nee, das ist schon klar, aber mir geht es ja um so eine Sensibilisierung f\u00fcr so<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tF\u00fcr so Bed\u00fcrfnisse die in dieser ganzen Pragmatischen Alltagsgestaltung h\u00e4ufig unterzugehen scheinen.<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tDie man halt bewusst mal, den man, wo man mal auf Pause dr\u00fccken muss und sagen hey, will ich das hier alles, will ich vielleicht mal was anderes<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tNein, okay, weiter, ja, okay, dann versuchen wir halt was geht<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tSo<br \/>\nB:\tUnd, ich w\u00fcrde ganz gerne mal auf diesem Kulturellen Aspekt mit den Filmen und so<br \/>\nI:\tJa, wollen wir mal<br \/>\nB:\tEingehen.  Es gab in den letzten Jahre Filme, zu dem Thema, also es gab irgendwie Ziemlich Beste Freunde, es gab Me Too, es gab Renn Wenn Du kannst, es gab Vincent will mehr, und es waren alles relativ erfolgreiche Filme, es ist jetzt nicht so irgendwie, B Movie, l\u00e4uft nur in zwei S\u00e4len am Tag, sondern es ist halt schon wirklich, hat die Massen erreicht, und, oder sogar Avatar hat eine gewisse Behinderungskomponente drin, weil der Protagonist im Rollstuhl sitzt<br \/>\nI:\tIch habe den nicht gesehen, ja<br \/>\nB:\tDu hast Avatar nicht gesehen?<br \/>\nI:\tNee<br \/>\nB:\tBist Du verr\u00fcckt?<br \/>\nI:\tNee, keine Ahnung, aber den habe ich nicht gesehen<br \/>\nB:\tAber Du weit dass es den gibt, den Film<br \/>\nI:\tJa bestimmt, ja genau, ja<br \/>\nB:\tJedenfalls, also ich meine, wir k\u00f6nnen ja bei Avatar anfangen, ja, Avatar handelte davon, Rollstuhlfahrer, nat\u00fcrlich durch irgendein Unfall, wie auch immer, sitzt er im Rollstuhl und f\u00fchrt seit dem ein frustriertes Leben, ja, oder ist unzufrieden, was schon mal eine Annahme ist, von dem Regisseur, Cameron, wo ich sagen w\u00fcrde, ja, w\u00fcrde ich erst mal bezweifeln, ob das immer so ist.  Okay, ist aber so in dem Film, und, nur er kann ein Avatar steuern, weil sein Zwillingsbruder verstorben ist auf den der Avatar programmiert ist, und da er ja der Zwilling ist, wird er gefragt ob er das machen kann, er legt sich also in dieses Ding hinein um diesen Avatar zu steuern, und stellt pl\u00f6tzlich fest, dass er als Avatar ja laufen kann, das heit, sein gr\u00f6ter Wunsch wird Realit\u00e4t und geht in Erf\u00fcllung, und, er muss nat\u00fcrlich lernen diesen Avatar zu steuern und zu kontrollieren, und weil er aber so ein groes Bed\u00fcrfnis nach laufen hat, wird er nat\u00fcrlich besser als alle anderen die auch in Avataren stecken, das ist also dann so, wird dann praktisch vom Sorgenkind, zum, so nennt man das in der Wissenschaft, zum Superkr\u00fcppel, der dann einfach besser ist als alle anderen, so, und, der Film endet dann damit, dass er sich dann in einen Navi verliebt, also in diesen Avataren k\u00f6nnen sie n\u00e4mlich auf einem anderen Planeten, letztendlich, interagieren mit den Navis, so heien die Einwohner dort, und er verliebt sich dann dort in eine Navi, die aber gar nicht wei dass er in Wirklichkeit als Mensch im Rollstuhl sitzt, sondern sich eben in ihn als Avatar verliebt, und er sich am Ende des Films entscheidet, ein Avatar zu bleiben, so, um mit ihr ein gl\u00fcckliches Leben zu f\u00fchren.  Aber was da letztendlich im Hintergrund abl\u00e4uft, als Geschichte, ist ja die, dass er lieber gesund w\u00e4re als behindert, oder nichtbehindert als behindert<br \/>\nI:\tUnd dass sein behindertes Leben<br \/>\nB:\tNichts wert ist<br \/>\nI:\tNichts wert ist<br \/>\nB:\tUnd, dass sie das auch gar nicht wei, ja<br \/>\nI:\tWenn sie das wissen w\u00fcrde, so der Subtext,<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tW\u00fcrde das nichts werden<br \/>\nB:\tUnd am Ende steht die Erl\u00f6sung.  Das ist ganz typisch f\u00fcr Menschen mit Behinderungen in der Geschichte, also wenn Geschichten \u00fcber Menschen mit Behinderungen erz\u00e4hlt werden, geht es immer um Erl\u00f6sung, Heilung, oder Tot, ja, und in dem Fall ist es ja Tot als Behinderter, und Wiedergeburt als nichtbehinderter.  Wenn man es vergleicht mit einem anderen Film, wie zum Beispiel, Vincent Will Mehr, ja, geht es halt darum, dass ein Mann der Tourette-Syndrom hat, auf der Suche nach einer Beziehung ist, oder er will, \u00fcberhaupt, aus seinen Therapiezentrum rauskommen, und irgendwie auch Single ist, und er verliebt sich dann am Ende des Films in eine die auch eine Psychische Erkrankung hat, oder auch irgendwie nicht, in Anf\u00fchrungsstrichen, normal ist.  Das heit, auch da wieder wurde der Zuschauer von seiner Verantwortung entledigt, in dem man sagt, ah da haben sich ja zwei gefunden, das ist ja sch\u00f6n, ja, also zwei Kloppis haben sich gefunden, und ich muss mich damit jetzt nicht weiter auseinandersetzen.  Genau das gleiche ja  bei Avatar, ich muss mich nicht auseinandersetzen, weil er kann ja, der ist ja jetzt wieder gesund.  Beim dritten Film, den ich ja<br \/>\nI:\tJa aber ganz kurz<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tBei dem Vincent Will Mehr, also bei Avatar ist diese dubiose Message klar, aber bei Vincent Will Mehr verstehe ich es ehrlich gesagt nicht<br \/>\nB:\tOkay, bei Vincent Will Mehr ist es halt so, dass man in dem Film auch vor der Frage steht, also Zuschauer, k\u00f6nnte ich mir vorstellen dass jemand der Tourette-Syndrom zu f\u00fchren<br \/>\nI:\tF\u00fcr die, die es nicht wissen, Tourette-Syndrom ist, man, ich kenne es nur als dieses, jemand l\u00e4uft rum und schimpft halt permanent<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tDas ist auch der Kern dieses Syndroms<br \/>\nB:\tJa, oder schl\u00e4gt sich, oder zuckt, oder, ja<br \/>\nI:\tSo<br \/>\nB:\tEs gibt verschiedene Auspr\u00e4gungen, genau.  Und meistens in den Situationen wo es am unpassendsten ist, man wei nicht genau woher das kommt, ist halt so.<br \/>\nI:\tJa, okay<br \/>\nB:\tUnd, in diesem Film gibt es ab und zu Momente wo man sich fragt, oh, k\u00f6nnte ich mir das vorstellen, so, und man sch\u00e4mt sich f\u00fcr ihn, manchmal, und manchmal ist es lustig, und, aber es ist so, letztendlich schwingt immer so diese Frage im Raum<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tUnd der Film endet aber eben mit dem M\u00e4rchenhaften Ende, dass er eben eine findet die ihn so nimmt wie er ist, weil sie ja auch anders ist.  Das heit, der Zuschauer wird aus dieser Frage entlastet, entlassen, indem er sie nicht beantworten muss.<br \/>\nI:\tWeil sie jemand f\u00fcr ihn Verantwortung \u00fcbernommen haben<br \/>\nB:\tJa, genau.  Dann gibt es den anderen Film, Renn Wenn Du Kannst, deutscher Produktion, handelt davon dass ein Rollstuhlfahrer mit seinem Civi sich in die gleiche Frau verlieben<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tJa, und, ich glaube, die Frau schl\u00e4ft auch mit beiden, nacheinander, und entscheidet sich aber am Ende f\u00fcr jemand ganz anderen.  Das heit auch da wieder, die Frage, sch\u00f6n galant aus der Aff\u00e4re gezogen, musste sich das Publikum nicht beenden, weil es gibt ja vielleicht, wahre Liebe ist vielleicht dann doch noch was anderes, so, also, verstehst Du mein Gedankengang<br \/>\nI:\tJa, wenn Du mir jetzt nochmal sagst wie es deiner Meinung nach h\u00e4tte laufen k\u00f6nnen?<br \/>\nB:\tDazu w\u00fcrde ich kommen<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tNachdem ich Ziemlich Beste Freunde jetzt ins Feld werfe<br \/>\nI:\tJa, den habe ich auch gesehen, genau<br \/>\nB:\tGenau.  Bei Ziemlich Besten Freunde ist es ja so, irgendwie, dann kommt das Thema Sexualit\u00e4t auf einmal auf, auch richtig als Thema<br \/>\nI:\tMit den Ohren und den Massagen<br \/>\nB:\tMit den Ohren und den Massagen, also f\u00fcr Frauen und so<br \/>\nI:\tAlso f\u00fcr die die es nicht gesehen haben, also, es gibt halt den Rollstuhlfahrer und der hat halt, kriegt halt ein, Civi ist es ja nicht<br \/>\nB:\tAssistent<br \/>\nI:\tAssistent, und, genau, es entspinnt sich so eine Freundschaft, der Assistent ist so ziemlich, ja, unverkrampft, unkompliziert<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tHaut gut auf die Kacke, nennt die Dinge beim Namen,<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tUnd schleppt ihn dann auch mal zum, Bordell ist es nicht, aber Massagesalon, mit Zusatzangebot, oder so<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tWill ich es mal nennen, und, als es dann so zu sagen zum Zusatzangebot kommt, sagt der Assistent, hier, geh mal nicht tiefer unter die G\u00fcrtellinie, sondern, nimm seine Ohren, das sind seine erogenen Zonen<br \/>\nB:\tGenau.  Was auch glaube ich auch nicht ganz stimmt bei Menschen mit<br \/>\nI:\tCrashness L\u00e4hmung<br \/>\nB:\tCrashness L\u00e4hmung, ja, weil sie, vielleicht ja, aber das w\u00fcrde ich jetzt nicht so pauschal f\u00fcr alle so beantworten.  Aber was bei diesem Film halt interessant ist, das Thema Sexualit\u00e4t kommt auf, es ist irgendwie, wird humorvoll angegangen, und dann endet der Film, und dann kommt der Abspann, und dann steht da, ach \u00fcbrigens, der Typ hat eine Frau und Kinder, und ist gl\u00fccklich, und, Du weit gar nicht genau, wie ist es denn eigentlich dazu gekommen, und, was waren eigentlich die Herausforderungen von denen die eigentlich im Alltag standen, und wie, der kann dann auf einmal doch Kinder kriegen, also so, all diese ganzen Fragen, die man ja dann vielleicht auch berechtigterweise hat, nicht nur unter einem juristischen Aspekt, sondern einem erz\u00e4hlerischen Aspekt, werden da gar nicht beantwortet.  Und bei dem Film Me Too, ja, aus Spanien, geht es halt dann zum Beispiel auch um die Frage, da hat er Trisomie Einundzwanzig, und verliebt sich in eine Kollegin, die keine Behinderung hat, und die beiden verst\u00e4ndigen sich auf den Punkt, dass sie einmal miteinander schlafen, und dann nie wieder.  Und als Zuschauer mit Behinderung dachte ich so, was ist das denn f\u00fcr ein komischer Kompromiss, also was ist denn da, was war denn ja Vater des Gedankens zu sagen, die einigen halt darauf das er dann einmal das Erlebnis hat, und sie vielleicht auch, auf eine gewisse Freakshow Art, aber, warum bleiben die nicht zusammen, was ist denn das Problem, die lieben sich doch?  Und, es hat f\u00fcr mich dieses Geschm\u00e4ckle gehabt, dass das irgendjemand reingeredet hat in diesen Film, war es eine Filmf\u00f6rdergesellschaft oder was auch immer, Verleiher, dass dann diesen Plot vielleicht ge\u00e4ndert hat.  Und, ich glaube, und da komme ich dann zum Schluss meines Pl\u00e4doyers, ich glaube dass die groe Frage eigentlich die des Alltags ist, also Alltag<br \/>\nI:\tGenau, das hatten wir, das hattest Du vorhin schon mal angeschnitten, genau, erz\u00e4hl mal<br \/>\nB:\tAlso Alltag zwischen einem Mischpaar<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tJa, also einem Paar, wo einer, oder eine, eine Behinderung hat und einer oder eine nicht, und, was f\u00fcr Herausforderungen haben die eigentlich im Alltag zu meistern?  Also von den Blicken, \u00fcber rzte, mter, Kinder kriegen, all diese ganzen Fragen, die garantiert vierhunderttausend Filme zulassen w\u00fcrden als Thema, werden gar nicht beantwortet in diesen groen kulturellen Werken die jetzt in den letzten Jahren im Kino gezeigt wurden.<br \/>\nI:\tAber dann lass uns doch nochmal ein bisschen dar\u00fcber reden, weil wir haben jetzt so ein paar Aspekte, finde ich, angesprochen, so einmal dieser Aspekt, sagen wir mal, k\u00f6rperlich emotionale Entfremdung von seinem K\u00f6rper in der Jugend, dann so ein bisschen dieses, ja, dieses technische, oder nicht technische Problem, aber so dieses kulturelle Problem wenn man erwachsen ist und Lust auf Sex und Partnerschaft hat, jemanden zu finden, dann dieses Ding, okay, das ist mit Schwierigkeiten behaftet aber trotzdem will ich Schluss aus Sex, also, kaufe ich mir Sex, entweder im Bordell, oder bei diesen Assistenten, und, Du hattest es vorhin schon mal angeschnitten, n\u00e4mlich genau auch bei deiner Beziehung damals, hast Du jetzt eigentlich gerade eine Beziehung?<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tWohnt die hier?<br \/>\nB:\tNein, die wohnt nicht hier<br \/>\nI:\tAh, okay<br \/>\nB:\tNee, ich habe eine Beziehung mit einer Nichtbehinderten<br \/>\nI:\tUnd, genau, aber dann erz\u00e4hl doch mal, genau, lass uns mal ein bisschen Zeit daf\u00fcr nehmen, erz\u00e4hl doch mal, aus diesem Alltag.  Also was sind da so, wo Du sagst, das m\u00fcsste mal, m\u00fcsste man, das w\u00e4re doch mal eine erz\u00e4hlerische Note die bisher \u00fcberhaupt zu kurz gekommen ist.  Was sind das denn f\u00fcr Sachen, die Du da erz\u00e4hlen willst?<br \/>\nB:\tAlso, so lange kennen wir uns noch nicht, dass wir uns irgendwie megaviele Alltagserfahrungen gesammelt haben, was Blicke von auen und so weiter angeht, ich kann nur sagen, was es mit mir macht, also<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tIch glaube, es ist f\u00fcr mich wirklich ein sehr seltenes Gef\u00fchl, zu merken, geliebt zu werden, also, \u00fcber dieses gemocht werden hinaus, ja, dieses, \u00fcber dieses bester Freund hinaus, das ist f\u00fcr mich eine ziemlich seltene und immer wieder sch\u00f6ne, und auch bereichernde Erfahrung.  Es ist f\u00fcr mich neu, zu merken und zu sp\u00fcren dass ich das auch in anderen ausl\u00f6sen kann, ja, jenseits, also \u00fcber dieses, ah, Raul ist so ein erfolgreicher was auch immer, sondern dass man wirklich auch mal auf einer emotionalen Ebene in vier W\u00e4nden geschehen zu lassen, und das dann irgendwie nicht auf Utube, oder,  keine Ahnung, Szene eben rauszuposaunen, sondern einfach, wie soll ich sagen, auch sich selbst zu entdecken, und auch jemanden anderen zu entdecken, das ist insofern neu f\u00fcr mich, aber in dem, aus meiner Beziehungshistorie insgesamt merke ich schon, dass es sehr viele Vorbehalte gibt, was Beziehungen angeht, also, hinter dieser vermeintlich, ja ja nat\u00fcrlich, ist das alles gar kein Problem, Fassade, stecken viele Dinge wie, was ich auch schon erw\u00e4hnte, ne, so S\u00e4tze die man dann h\u00f6rt, so, also ich k\u00f6nnte mir das echt nicht vorstellen, oder, ich finde das so toll dass Du das machst, und, ach, ist das, keine Ahnung, deine Schwester?  Habe ich auch schon geh\u00f6rt, ja, und, weil die Leute einfach in diesem Mindset nicht sind, die Leute ziehen das einfach nicht in Betracht, dass es eine, auch eine Liebesbeziehung sein kann, und, ich hatte auch mal eine Beziehung mit einer Frau mit Behinderung, und, da waren die Fragen \u00e4hnlich, also da war es dann nicht so, also, ich k\u00f6nnte mir das nicht vorstellen, ja, sondern dann hie es eher, ach sch\u00f6n dass ihr euch gefunden habt, ja, oder dann hie es, dann waren da pl\u00f6tzlich so neugierige Fragen, ja und wie macht ihr das? Und ist dann der Assistent dabei?  Und, also, das sind dann auch, weit Du, das sind dann so<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tWas ich auch verstehen kann, nat\u00fcrlich, ja<br \/>\nI:\tUnd ich glaube das ist, das ist ja das schwierige daran, dass beides eine Berechtigung hat<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tWeil sonst k\u00f6nntest Du ja sagen, was soll diese bekloppte Frage, das ist frech, irgendwie, bitte geh, oder so, ja, aber, deine Reaktion, wieso ist meine Intimsph\u00e4re bitte, das ist meine Normalit\u00e4t, jetzt behandele das bitte auch mal so<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tUnd gleichzeitig ist aber die Gesellschaft so wie sie ist, und ist halt so wenig vertraut, und hat wenig Allt\u00e4glichkeit mit Menschen mit Behinderung, dass diese Fragen eben da sind.<br \/>\nB:\tGenau, das heit, das eigentliche Problem liegt woanders als in der Endsituation<br \/>\nI:\tWie macht ihr denn das, ja<br \/>\nB:\tWie macht ihr das, ja, also genau das ist n\u00e4mlich des Pudels Kern, und, auch ich selber bin da mit mir nicht im reinen, also, ich bin ja auch super neugierig, und ich bin ja auch, wie soll ich mal sagen, ich sehe auch oft Dinge wo ich sage, oh das k\u00f6nnte ich mir nicht vorstellen, ja, oder, ich denke dann, oder habe in der Vergangenheit gedacht, jetzt gerade nicht, ich habe gedacht, nimm was Du kriegen kannst, und nicht, nimm was Du wirklich liebst, und, im Moment habe ich eher das Gef\u00fchl, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich das, also dass ich das lebe was ich liebe.<br \/>\nI:\tUnd, zu diesem Thema, wie macht ihr denn das, ich meine, ich habe nat\u00fcrlich auch dar\u00fcber nachgedacht, aber, ich bin dann so bisschen zu dem Schluss gekommen, ja mei, letztlich ist es wahrscheinlich, nehme ich an, korrigiere mich wenn das falsch ist, auch nicht so wahnsinnig viel anders als bei anderen Paaren die sich kennenlernen, sondern, man fragt was man will, und wie man es gerne h\u00e4tte, und dann macht man es, oder, ich meine, man lotet den anderen halt aus und guckt was ihm gef\u00e4llt, und, wie er es gerne h\u00e4tte, und wie man es, wie es l\u00e4uft, oder, ich meine, also<br \/>\nB:\tJa.  Und nicht anders.  Und<br \/>\nI:\tSo<br \/>\nB:\tDann gucken wir halt was geht und was nicht geht<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tAber meistens geht mehr als man denkt<br \/>\nI:\tUnd, darf ich fragen wo ihr Euch kennengelernt habt?<br \/>\nB:\tAuf einem Event, hier in Berlin<br \/>\nI:\tSo ein Internet Ding, oder<br \/>\nB:\tJa ja, genau, so im Internet, Du weit schon, klick klick<br \/>\nI:\tUnd dann hat es gleich<br \/>\nB:\tHat eine Weile gedauert, aber, dann ging es relativ z\u00fcgig, ja<br \/>\nI:\tKenn ich sie?<br \/>\nB:\tNee, ich glaube nicht<br \/>\nI:\tAh, okay.  Aha, okay, aber, weil Du sagst so, Alltag, also so zu sagen den, der Alltag von, ja, sagen wir mal von einer Liebesbeziehung, Beziehung, so, hast jetzt ein bisschen erz\u00e4hlt, was ist denn da noch so?<br \/>\nB:\tAlso, was ich halt noch interessant finde, ich hatte mal eine Beziehung mit einer, die keine Behinderung hatte, und ich glaube wir waren beide ziemlich \u00fcbermannt, und, oder \u00fcberfraut, von den Gef\u00fchlen, und schockiert gleichzeitig von den Reaktionen unseres Umfeldes, einfach auch aus unserer Sozialisation heraus waren wir ziemlich auch entt\u00e4uscht von Freunden, Verwandten, die dann so S\u00e4tze halt gesagt haben, ne, die man vielleicht auch nicht immer ernst nehmen muss, oder, komplett sich zu sehr zu Herzen nehmen sollte, aber, eben genannte S\u00e4tze wie, hast Du nichts Besseres verdient, und so, und, wir sp\u00fcrten dass wir irgendwie Hilfe brauchen, und, haben recherchiert, ja, und, keine Ahnung, nat\u00fcrlich gibt es Beratungsstellen, ja, und es gibt Beratungsstellen f\u00fcr, also von Pro Familia, wo dann irgendwie die Frage er\u00f6rtert werden kann, Sexualit\u00e4t mit Behinderung, aber, es geht meistens um die Person mit Behinderung, und in den seltensten F\u00e4llen um die Person ohne Behinderung.  Und, weil die Berater, in diesen Einrichtungen, haben oft selbst eine Behinderung, oder aber, reden halt aus einem theoretischen Standpunkt heraus, ohne selbst mal in dieser Erfahrung gewesen zu sein, und, wir haben dann lange recherchiert, und sind dann auf den Begriff der Co-Behinderung gekommen.  Ne, es gibt ja Co-Abh\u00e4ngigkeit, also bei Alkoholikern, wo dann eben dann der Beziehungspartner oder Partnerin schon auch eine gewisse Art von Alkoholabh\u00e4ngigkeit hat, einfach durch den Partner, also co-abh\u00e4ngig ist, und das gleiche gibt es nat\u00fcrlich auch mit co-behindert, also wenn, dadurch dass ich bestimmte nicht kann, und vielleicht in bestimmten Dingen Assistenz brauche, oder Dinge anders machen muss, zieht das dann nat\u00fcrlich die Partnerschaft mit rein, und, die Situation, dann dar\u00fcber zu reden, und einen Raum zu finden um dar\u00fcber reden zu k\u00f6nnen, wo dann vielleicht auch man die eigenen Zweifel nicht unbedingt mit dem Partner debattieren kann, ist f\u00fcr die nichtbehinderte Person ungleich schwerer, als f\u00fcr die behinderte Person die tausend Beratungsstellen finden kann.  Ja, und es ist sehr schwierig, zum Beispiel, f\u00fcr den nicht behinderten Partner oder Partnerin, andere oder gleichgesinnte zu finden, die in einer \u00e4hnlichen Situation sind, zum Beispiel, die die Frage mal er\u00f6rtern, wie gehst Du eigentlich damit um, dass deine Verwandten st\u00e4ndig zu Dir sagen, hast Du nichts Besseres verdient, oder wie stellst Du Dir das dann vor, willst Du ihn dann ewig pflegen, bla bla bla, und, das kannst Du nicht mit deinem Partner diskutieren wenn er eine Behinderung hat<br \/>\nI:\tNee<br \/>\nB:\tUnd es gibt aber auch keine, also sehr sehr wenige Kontaktfl\u00e4chen wo man das kann, und, das ist uns aufgefallen, das ist ein Umstand der mich wirklich schockiert hat, wo ich mich zum ersten Mal in meinem Leben, und das hat dieses emotionale Gef\u00fchl wirklich bei weitem \u00fcbertroffen wo Du in der f\u00fcnften Klasse realisierst dass Du anders bist, ja, was das zum ersten Mal in meinem Leben dieses Gef\u00fchl der kompletten Hilf-und Machtlosigkeit, also dieses, verdammt, die Situation ist so verzwickt, jetzt finden wir trotz Internet sehr schwierig Menschen die in einer \u00e4hnlichen Situation sind, und, ich meine, jetzt, so nach und nach, je l\u00e4nger man sich mit dem Thema auseinandersetzt, desto mehr merkt man auch dass es gleichgesinnte gibt, und so, aber Du musst halt Jahrelang Dich irgendwie damit auseinandersetzen, und, wir brauchen das aber in dem Moment nach zwei Monaten, und, Du weit gar nicht, dass es den Begriff Co-Behinderungen gibt, also verstehst Du was ich meine?   Das ist halt<br \/>\nI:\tUnd ihr habt, ihr brauchtet das nach zwei Monaten f\u00fcr, prim\u00e4r f\u00fcr sie, oder, also ihr hattet das Problem, dass sie irgendwie in der Verwandtschaft mit diesen S\u00e4tzen und<br \/>\nB:\tJa nicht nur Verwandtschaft, sondern auch<br \/>\nI:\tFreunde, Umfeld, konfrontiert wurde<br \/>\nB:\tJa, oder auch eigene Zweifel, ne, also<br \/>\nI:\tAber es war ihre Perspektive<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tOkay, die Euch, Dich, irgendwie bewegt hat, und f\u00fcr die ihr Antworten gesucht habt<br \/>\nB:\tJa.  Und ich habe ihr geholfen bei der Recherche, und, ich fand das auch wichtig, und ich wollte ja auch was lernen, und, ich hatte nat\u00fcrlich auch tausend Fragen<br \/>\nI:\tWas f\u00fcr Fragen waren das denn?<br \/>\nB:\tAlso Fragen die ich mir permanent stelle, ist, bin ich eine Belastung f\u00fcr die Person?  Was machen wir eigentlich wenn, was machen wir mit der Assistenz die ich ja im Alltag habe, inwieweit ziehen wir die mit rein in unsere Beziehung?  Und wenn wir sie nicht mit reinziehen, wie weit kann ich dann meinen Partner, in Anf\u00fchrungsstrichen, belasten?  Mit pflegerischen Dingen, ne, es sind dann<br \/>\nI:\tNee, erz\u00e4hl ruhig weiter, genau, genau<br \/>\nB:\tN\u00e4he und Distanz Ding, und, was passiert eigentlich wenn wir uns streiten in so einer Situation?  Also sind wir dann professionell genug, in Anf\u00fchrungsstrichen, um zu realisieren, dass das eine sein muss, und das andere sein kann, verstehst Du was ich meine?<br \/>\nI:\tNee, in dem Fall jetzt nicht<br \/>\nB:\tAlso das, irgendwie, Liebe immer etwas ist was sein kann, und sch\u00f6n ist, ja, aber irgendwie, prim\u00e4re Bed\u00fcrfnisbefriedigung wie auf Toilette gehen, sein muss.  Und das trotz Streit irgendwie gew\u00e4hrleistet werden kann.  Ich war noch nie in so einer Situation, aber ich habe tierische Angst vor ihr, und, wie verreist man eigentlich, zum Beispiel, ja, also weil Reisen mit mir bedeutet einen anderen Aufwand als wenn ich keine Behinderung h\u00e4tte, das ist halt eher so vierundzwanzig Stunden, als, ich mache heute mal mein eigenes Ding, ja, und, das ist glaube ich, immer wieder nicht, also, wie soll ich mal sagen, das ist ein Thema das immer wieder hochkommt, und immer wieder da ist, mit dem ich lernen muss umzugehen, oder da auch L\u00f6sungsstrategien, auch zusammen mit meiner Partnerin entwickeln kann, und sollte, und auch werde, da bin ich ziemlich zuversichtlich.   Aber es muss halt immer im Dialog passieren, und, genauso wie ich Fragen habe, eben in Bezug auf diese Dinge, hat sie vielleicht auch Fragen, und, ich will mir gar nicht anmaen ihr die zu beantworten, also ich habe damals, meiner Partnerin damals immer gesagt, man gew\u00f6hnt sich an die Blicke, glaube mir, ich kenne das, und so, aber f\u00fcr sie wurde es aber immer schlimmer, und, das half halt nicht wenn ich ihr das sagte.<br \/>\nI:\tNee, das kann ich mir vorstellen, dass das, dass sie auf ein paar Fragen von Dir wahrscheinlich keine Antwort bekommen kann, also das Du da<br \/>\nB:\tJa, selbst wenn ich sie h\u00e4tte<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tGenau.  Und, wir haben alles durch, ne, wir haben alles durchprobiert, von in der ffentlichkeit die Leute provozieren indem wir uns da abknutschen mitten auf dem Marktplatz, oder, indem wir so tun als ob wir irgendwie, nur Kumpels sind auf der Strae, und das war, wir f\u00fchlten uns mit beiden L\u00f6sungsans\u00e4tzen nicht wirklich wohl, und die Mitte, wo wir uns am wohlsten f\u00fchlten war aber die intensivste auch gleichzeitig, emotional, also sie war jetzt nicht \u00fcberlagert durch professionelle Distanz oder durch harte Provokation, sondern sie war halt einfach so ultimativ direkt emotional, dass nat\u00fcrlich auch jeder Blick tausend Mal mehr wirkte, von auen, und jedes Statement von Freunden das kam wirkte tausend Mal st\u00e4rker, als wenn man es durch Abschottungsprinzipien wie professionelle Distanz oder harte Provokation ausl\u00f6sen w\u00fcrde.<br \/>\nI:\tAlso ihr wart da verletzlicher einfach<br \/>\nB:\tViel verletzlicher, genau<br \/>\nI:\tAber was waren denn das f\u00fcr Situationen, da wart ihr einfach wie ihr wart, und<br \/>\nB:\tGenau.  Und das habe ich jetzt gerade zum Beispiel nicht, in der Beziehung, und<br \/>\nI:\tWas hast Du nicht?<br \/>\nB:\tDieses Gef\u00fchl, dass diese Blicke mich verletzen oder uns verletzen, die fallen auf, aber die besch\u00e4ftigen uns nicht so stark, und, ich habe das Gef\u00fchl, dass wir beide damit umgehen k\u00f6nnen, aber ich will immer wachsam sein an dem Punkt und, ich glaube das ist dann auch, die Leistung, in Anf\u00fchrungsstrichen, die ich bringen muss, wenn ich eine Behinderung in eine Beziehung mit reinbringe, diese Wachsamkeit immer da zu haben, und eben, immer diese Distanz, so hart das klingt, auch zu halten, dass der Beziehungspartner kein Pfleger wird, sondern, ne<br \/>\nI:\tJa, also das, das stelle ich mir auch echt eine Herausforderung vor<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tAlso, und wahrscheinlich<br \/>\nB:\tAuch wenn die Person auch gerne tut, und das lass ich auch zu, aber trotzdem glaube ich, kann es Situationen geben wo man dann eben alleine sein will, und zwar auf beiden Seiten, und, da muss ich dann auch funktionieren<br \/>\nI:\tJa.  Also spontan w\u00fcrde ich auch sagen, nutz den Assistenten so viel es geht und, ne, also<br \/>\nB:\tDas ist ein verhandeln, da gibt es keine Blaupause f\u00fcr, aber das sind wirklich Dinge, \u00fcber die man, wie soll ich mal sagen, immer wieder stolpert wenn man in einer Beziehung drin ist,<br \/>\nI:\tJa ja<br \/>\nB:\tUnd interessant wird<br \/>\nI:\tWahrscheinlich gibt es auch nicht die eine Antwort, sondern muss man immer neu wieder justieren, ne<br \/>\nB:\tInteressant wird es zwar, wenn Du eine Beziehung mit einer anderen Person hast die auch eine Behinderung hat, und dann hast Du auf einmal zwei Assistenten, und, weit Du, und dann wird es auf einmal so ein, so ein ungewollter dreier, und so, also das ist dann<br \/>\nI:\tDas ist ungewohnter<br \/>\nB:\tAlso dann ist halt jemand im Raum w\u00e4hrend vielleicht zwei Leute Sex haben, weil, weit Du was ich meine?<br \/>\nI:\tBraucht Hilfe, braucht Unterst\u00fctzung<br \/>\nB:\tZum Beispiel, ja.  Und das ist<br \/>\nI:\tHast Du das mal gehabt?<br \/>\nB:\tSag ich nicht, aber das ist halt weird so, und, also ja,<br \/>\nI:\tJa ja<br \/>\nB:\tAber es ist so, wie soll ich sagen, es hat so eine Dimension die ich auch da bei weitem nicht gesehen habe, im Vorfeld, die mich auch \u00fcberfordert hat<br \/>\nI:\tDas glaube ich.  Hat wahrscheinlich auch nicht richtig Spa gemacht, ne, oder<br \/>\nB:\tGeht so.<br \/>\nI:\tJa, aber, wie willst, also, daf\u00fcr gibt es wahrscheinlich auch nicht so eine eindeutige L\u00f6sung, ne, also ihr h\u00e4ttet damals wahrscheinlich gerne darauf verzichtet, wenn es irgendwie gegangen w\u00e4re, oder?<br \/>\nB:\tJa.  Aber, was ich halt interessant finde an der Sache ist, dass wir ja beide eine Behinderung mit in die Beziehung brachten, und, und dass es, wie soll ich sagen, dadurch auch wieder gleichgerecht verteilt war, ne, also, es war dann nicht die Schuld von ihr, oder von mir, dass es so ist wie es ist, sondern, es war halt unser beider Schuld, oder auch nicht Schuld, und, ich h\u00e4tte, seitdem kann ich super gut nachvollziehen wie es ist, f\u00fcr eine nichtbehinderte Person,  eine Beziehung mit einer behinderten Person zu f\u00fchren, weil, ich ihr nat\u00fcrlich auch an den Punkten geholfen h\u00e4tte wo sie Hilfe gebraucht h\u00e4tte, wenn ich es h\u00e4tte leisten k\u00f6nnen, aber aufgrund meiner eigenen Behinderung es nicht konnte, das heit, auf einmal kann ich emotional nachvollziehen wenn nichtbehinderte Partner sagen, ja dann mach ich das halt, ist ja gar kein Ding, verstehst Du was ich meine?  Und das h\u00e4tte ich auch gesagt, wenn ich es gekonnt h\u00e4tte, oder, auf einmal werden andere Dinge, Probleme, die man in dem Moment gar nicht gesehen hat, also, man kann zum Beispiel mit zwei Rollstuhlfahrern super schwer ins Kino gehen, ne, und dann sagt Dir der Kinokartenverk\u00e4ufer, ja dann gehen Sie doch nacheinander, und Du denkst so, what the fuck, das ist meine Freundin, so, geht doch nicht, also, und, oder Du kannst auch nicht mit der Bahn fahren ohne weiteres, es gibt halt nur ein Rollstuhlplatz, und, Url\u00e4ube sind ganz anders zu planen, mit zwei Assistenten und Dienstpl\u00e4nen, Du f\u00e4ngst an dein Privat-und Sexualleben nach Dienstpl\u00e4nen der Assistenten auszurichten, die sich vorstellen k\u00f6nnte, da zu assistieren.  Das sind so Dinge, wo ich selber auch geistig manchmal \u00fcberfordert bin.<br \/>\nI:\tAber eine bessere L\u00f6sung f\u00e4llt Dir auch nicht ein, ne?  Also weil, viele Sachen die Du jetzt beschrieben hast, und das ist ja auch so zu sagen, das ist ja auch das, wenn wir uns unterhalten, ist das ja auch das was h\u00e4ufig so kommt, das Problem, bei einer k\u00f6rperlichen Behinderung in deinem Fall, ist jetzt auch nat\u00fcrlich, ja, die k\u00f6rperliche Einschr\u00e4nkung an sich, aber was viel nerviger ist, und das viel gr\u00f6ere Problem ist eigentlich, das sind die Barrieren drum herum, weil die meistens total einfach, durch ein paar Handgriffe zu entfernen w\u00e4ren<br \/>\nB:\tKlar<br \/>\nI:\tUnd das Leben w\u00e4re um eine Gr\u00f6enordnung einfacher<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tSo<br \/>\nB:\tIch habe, ich erwarte auch keine Antwort auf diese Fragen, ich glaube, das ist einfach nur, das sind dann vielleicht Fragen die dann kommen wenn es soweit ist, ja, also.  Aber, ich f\u00e4nde es ungemein erleichternd, zu wissen, ich bin nicht allein, ja, oder auch zu wissen dass ich auch nichtbehinderte dar\u00fcber Gedanken machen, oder, vielleicht sogar, vielleicht kommen, vielleicht gibt es ja auch L\u00f6sungsans\u00e4tze, auf die ich selber nie gekommen w\u00e4re, ja, vielleicht kann man das ganze ja auch irgendwie sexuell aufladen, so dass man irgendwie auf Hilfe angewiesen ist, was wei ich<br \/>\nI:\tJa ja<br \/>\nB:\tIch will das ja gar nicht irgendwie jetzt, gro rumspinnen, und brainstormen, ja, aber, das ist eben, auch mehr Alltagw\u00fcrdig, ich erwarte jetzt nicht von jedem dass er das in der Schule lernt, aber, einfach mal dar\u00fcber nachdenken, und, einfach mal auch Filme zulassen, produzieren, senden, wo eben genau das dann vielleicht das Thema ist.  Bei neunzig Prozent des Wissens das Nichtbehinderte \u00fcber Behinderte haben stammen aus den Medien, und nicht aus dem privaten Umfeld, oder Schule, oder Arbeit.<br \/>\nI:\tJa, darauf kommt es immer wieder zur\u00fcck, ne, dass es so Allt\u00e4glichkeit, Unverkrampftheit, Selbstverst\u00e4ndlichkeit, Respekt, Augenh\u00f6he, also das sind so die Sachen, auf die es immer wieder zur\u00fcckkommt<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tDie vieles, und sei es die Situation, man braucht Hilfe, irgendwie Assistenz beim Sex, selbst die w\u00fcrde sich um Gr\u00f6enordnung entspannen, wenn das alles so ein bisschen, nicht so unendlich verkrampft w\u00e4re<br \/>\nB:\tJa, und wenn Du da nicht bei der Krankenkasse einen Antrag stellen musst, weil, also weit Du, ein, ich glaube in Holland ist es so, dass man dort sogar Sexualbegleitung auf Rezept gibt, einmal im Monat, weil man herausgefunden hat, dass sexuell ausgeglichene Menschen seltener krank werden, und<br \/>\nI:\tDie Holl\u00e4nder, Du<br \/>\nB:\tAlso das ist eben mein halbes Wissen das ich zu dem Thema habe, aber die, ich finde diesen Ansatz interessant, aber ich habe halt auch kein Bock irgendwie immer zur Krankenkasse zu rennen, ich w\u00fcsste aber auch nicht wie man es sonst l\u00f6sen k\u00f6nnte.  Ich glaube, der beste Sex ist der, und das wei ich, der beste Sex ist der, der unbezahlt ist.<br \/>\nI:\tIch wollte jetzt nochmal ganz zum Schluss, weil da auch Fragen auf Twitter kamen, auf diese, und Du hast es ja vorhin auch nochmal angesprochen, auch diese Situation, geistig Behinderter und geistig Eingeschr\u00e4nkter Menschen kommen<br \/>\nB:\tAlso ich kann da auch nur wieder mit meinem gesunden Halbwissen, oder ungesunden<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tHalbwissen da<br \/>\nI:\tAber vielleicht sollten wir mal so zu sagen das Problem schildern.  Das Problem ist hier, diese Menschen haben Lust auf Sex, auch diese Menschen haben ein Recht auf Sex<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tAber, weil sie eben geistig Behindert sind, ist es schwer, ist die Herausforderung gro, zu gucken, was wollen sie, wollen sie es wirklich, mit wem wollen sie, wann wollen sie nicht mehr, oder?<br \/>\nB:\tAbsolut<br \/>\nI:\tDas ist so ein bisschen das, das Ding.  Sie k\u00f6nnen sich schwer \u00e4uern, manchmal, unter Umst\u00e4nden<br \/>\nB:\tJa.  Also ich will da jetzt auch keine Patentl\u00f6sung auf den Tisch legen, ich k\u00f6nnte mir vorstellen das Sexualbegleitung da ein Ansatz ist, aber ich w\u00fcrde versuchen so lange es geht, und dann wirklich auch \u00fcber die Schmerzgrenze hinaus f\u00fcr denjenigen der das entscheidet, ja, also immer im Zweifel f\u00fcr die Person die es betrifft, solange es geht die sexuelle Selbstbestimmung, der Person, wahren, und wenn, und wenn es sogar einen Kinderwunsch gibt, zu \u00fcberlegen, wie kann man das m\u00f6glich machen, als diese Person zu sterilisieren oder es ihnen zu untersagen, weil auch daf\u00fcr gibt es L\u00f6sungen<br \/>\nI:\tN\u00e4mlich?<br \/>\nB:\tAlso so was wie Elternassistenz, oder, weit Du , es, also, es gab ja auch sogar diesen, gar nicht mal so guten Film, mit Christian Ulmen, wo Christian Ulmen dann einen geistig zur\u00fcckgebliebenen Vater spielt von einer vermeintlich gesunden Tochter, und die Tochter aber letztendlich den Intellekt des Vaters \u00fcbersteigt, mit neun Jahren oder so, und, das ist nat\u00fcrlich eine, wie soll ich mal sagen, eine Herausforderung auch f\u00fcr die Gesellschaft, f\u00fcr das Kind, f\u00fcr den Vater, eigentlich f\u00fcr alle, aber, trotzdem k\u00f6nnen die Kinder die Eltern ja lieben, und umgekehrt, und, trotzdem kann es ja eine Elternschaft geben, solange das Kind nicht verwahrlost, und, um eine Verwahrlosung des Kindes zu verhindern, kann man ja auch Assistenzmodelle finden, und die gibt es auch, jedenfalls habe ich mal dazu einen Bericht im Fernsehen dazu gesehen, und, nat\u00fcrlich sind das groe moralische Fragen auch, die da mitschwingen, aber ich will nicht beurteilen ob diese Kindheit schlimmer ist, oder diese Elternschaft schlimmer ist als die von Nichtbehinderten, weil beide kennen das ja nicht anders, wer mat sich denn an das zu beurteilen?  Und, man kann ja daf\u00fcr sorgen, dass das Kind, irgendwie, die maximale F\u00f6rderung bekommt die es braucht<br \/>\nI:\tJa, aber trotzdem, also klar, und das ist so dieser Aspekt Elternschaft, aber es gibt nat\u00fcrlich auch noch so diesen Aspekt, ja<br \/>\nB:\tGewollter Sex und ungewollter Sex<br \/>\nI:\tJa, so<br \/>\nB:\tJa, genau, also ich glaube das ist halt<br \/>\nI:\tAlso f\u00fcr Menschen die sich nicht klar verbal \u00e4uern k\u00f6nnen, und wo das sehr schwer ist, also bei einigen sind Schreie, irgendwie, Zustimmung, und Ausdruck der Begeisterung, was aber erst mal so klingt wie, Nee, will ich auf keinen Fall und geh weg<br \/>\nB:\tAber auch da kommen wir ja wieder an den Punkt, dass es keine Pauschall\u00f6sung gibt<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tNe, also das heit, das ist jeweils eine individuelle Betrachtung, auf diese eine Person gerichtet, die dann vielleicht immer schreit, kenne ich jetzt auch keine, so, wei ich auch gar nicht ob diese Person dann daf\u00fcr herhalten darf um es dann f\u00fcr alle anderen irgendwie zu verbieten, zum Beispiel, ja, aber die Frage die ich mir seit neuestem stelle ist, es wird so viel diskutiert \u00fcber Assistenz f\u00fcr ganz allgemein, und meistens gibt es Assistenz eben f\u00fcr Menschen mit k\u00f6rperlichen Behinderung, aber wie w\u00e4re es denn wenn jemand mit sogenannter geistiger Behinderung auch zw\u00f6lf Stunden Assistenz h\u00e4tte so wie ich, und diese Person ist dann kein Vormund, sondern einfach, passt ein bisschen auf, noch nicht mal aufpassen, das ist ja auch schon wieder viel zu paternalistisch, sondern ist eher so ein<br \/>\nI:\tEine Art Filter, oder so, ja<br \/>\nB:\tSo eine Art Filter, oder, Leibw\u00e4chter, Assistent halt, ja<br \/>\nI:\tAssistent, ja<br \/>\nB:\tUnd, wahrt so ein bisschen die Interessen des Assistenznehmers<br \/>\nI:\tbersetzt sich f\u00fcr die Umwelt<br \/>\nB:\tbersetzt sich f\u00fcr die Umwelt und sagt so, h\u00f6r zu, wenn die Person schreit, dann heit das nein, oder ja, oder was auch immer<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tUnd, sorgt daf\u00fcr dass die Person nicht in den n\u00e4chsten Busch gezogen und vergewaltigt wird, so, aber, will man das Problem auch erst mal haben, im Sinne von, nur weil es aus dem theoretischen Gedankenkonstrukt eines Sozialp\u00e4dagogen oder auch immer, Politikers, was auch immer, eine Gefahr sein k\u00f6nnte, finde darf man das nicht runter verurteilen auf alle, und, ich w\u00fcrde sagen, sexuelle Selbstbestimmung, soweit es geht, bis zum Anschlag.<br \/>\nI:\tWie jetzt, hast Du eben noch gesagt, dass f\u00fcr Dich oder euch das gerade so entscheidend war, eben, ich sage mal,  Leute in derselben Situation zu treffen, ein paar Antworten auf Fragen zu bekommen, seid ihr da f\u00fcndig geworden, kann man da irgendwie Adressen nennen, Foren nennen, oder irgendwie so, eure Rechercheergebnisse die ihr irgendwie jetzt rausbekommen habt?<br \/>\nB:\tIch muss es nochmal raussuchen, also es gibt in Frankfurt den Club, Behinderter und ihrer Freunde, die so was in der Art anbieten, dann gibt es von Dir bereits erw\u00e4hnten, Sexabilities, von Matthias Vernaldi, und, dann eben Pro Familia, die da auch ziemlich aktiv sind und das die Interessensgemeinschaft f\u00fcr selbstbestimmt Leben bietet auch regelm\u00e4ig dazu Infoveranstaltungen an.   Es ist halt genauso vielf\u00e4ltig wie vielf\u00e4ltige Behinderungen<br \/>\nI:\tGut, aber das sind ja schon mal vier, f\u00fcnf, Adressen, wenn man irgendwie in dieser Situation ist<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tMan hat Fragen, dann kann man sich auf jeden Fall an diese vier, f\u00fcnf, Adressen mal wenden, und die Chance das man da zu mindestens weitergeleitet wird oder neuen Input bekommt ist relativ gro<br \/>\nB:\tGenau, und, also wir sind eher f\u00fcndig geworden bei nichtkirchlichen Einrichtungen, sagen wir mal so<br \/>\nI:\tGut, okay, andere Gl\u00e4ubige werden dann bei kirchlichen Einrichtungen besser bedient<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tOder f\u00fchlen sich da eher Zuhause, das ist ja irgendwie auch so ein anderer<br \/>\nB:\tAlso aber, obwohl sie damals gl\u00e4ubig war, also<br \/>\nI:\tJa, ach so<br \/>\nB:\tNur, das, deswegen sage ich das, weil oft ist es im kirchlichen Kontext schon auch so dieses N\u00e4chstenliebe Ding, und, ja dann muss man halt durch<br \/>\nI:\tAch so<br \/>\nB:\tNe, und, das ist schon nicht<br \/>\nI:\tWenn das richtige Liebe ist dann wird sich einen Weg finden, so nach dem Motto<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tDas ist nat\u00fcrlich ein bisschen, nicht so hands on, ne<br \/>\nB:\tNee, im wahrsten Sinne<br \/>\nI:\tHast Du noch was auf dem Herzen, sage mal, ich gucke mal hier in meine<br \/>\nB:\tWas sagt denn die Twitterschaft?<br \/>\nI:\tIn Twitter, also ich habe ja vorher mal ein bisschen rumgetwittert, ja, da kamen so ein paar Fragen, und zwar, warte mal, mich interessiert insbesondere, Handhabung Pflege, wie Pflegepersonal, Betreuer, mit dem Bed\u00fcrfnis umgehen sollen, da haben wir ein bisschen dar\u00fcber geredet, ne<br \/>\nB:\tJa, also hier schreibt noch jemand, irgendwie, Amelotatismus, also das ist ja besagtes, besagte Form von Liebe f\u00fcr, oder Zuneigung f\u00fcr Menschen mit Behinderung<br \/>\nI:\tJa, okay<br \/>\nB:\tVor allem in Bezug auf Amputationen<br \/>\nI:\tJa.  Also ich wei dazu gar nichts, also<br \/>\nB:\tAlso einfach mal den Begriff Amelotatismus googeln, das gibt dann schon das eine oder andere mehr oder weniger interessante<br \/>\nI:\tOkay, dieses Pflegepersonal, da haben wir dar\u00fcber geredet<br \/>\nB:\tGenau, Pflegepersonal<br \/>\nI:\tAlso in Heimen, dass da irgendwie eine Infrastruktur geschaffen werden muss, damit irgendwie die, die es wollen, es machen k\u00f6nnen, denke ich<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tDas gibt es ja auch, und dass das m\u00f6glich ist zeigen ja auch viele<br \/>\nB:\tGenau, und dann nat\u00fcrlich auch, ob die Behinderung, schreibt hier jemand, ob die Behinderung beim Sex auch zur Behinderung von beiden Partnern wird, ja, oder zur Bereicherung, also es gibt halt auch, ohne jetzt ins Detail zu gehen, aber, manchmal f\u00fchrt Behinderung auch zu neuen Perspektiven<br \/>\nI:\tOkay, aber da willst Du jetzt nicht n\u00e4her darauf eingehen<br \/>\nB:\tDas war alles<br \/>\nI:\tOkay.  Also, ja, wo Du sagst, die, na sag schon, ein Augenschmaus, die hat auch getwittert so, dass ihr damaliger Freund von Frauen eher noch, sagen wir mal, also sie hatte den Eindruck, dass ihr damaliger Freund in den Augen fremder Frauen noch attraktiver wurde weil er mit er mit einer geh\u00f6rlosen oder geh\u00f6rgesch\u00e4digten zusammen war, so nach dem Motto, oh, er hat eine geh\u00f6rlose Freundin, er muss also besonders einf\u00fchlsam und geduldig sein, etc.<br \/>\nB:\tOkay, das war<br \/>\nI:\tDas war so ein sehr, scheint mir auch eine sehr ambivalente Attraktion, Perspektive zu sein, also, in einem zweiten Feed hat sie dann so was so getwittert, so ungef\u00e4hr nach dem Motto, hat ein Hund, ist einf\u00fchlsam<br \/>\nB:\tJa ja, genau, oder Kind, oder<br \/>\nI:\tMuss einf\u00fchlsam, und, ne, und einf\u00fchlsam und sensibel sein, oder so<br \/>\nB:\tAber es ist halt, ich finde das halt so schwierig, weil das halt, das suggeriert ja letztendlich indirekt, dass Menschen die nicht sprechen oder nicht h\u00f6ren k\u00f6nnen, ich meine, obwohl, Julia Probst kann ja sprechen, aber, dass die irgendwie l\u00e4nger brauchen, also von wegen geduldiger sein, bedeutet ja in dem Umkehrschluss, dass sie langsamer ist, oder geduldiger, also mehr Zeit braucht um sich zu artikulieren, kommunizieren, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass das nicht stimmt.<br \/>\nI:\tJa, das ist halt auch wieder gespeist aus so einem soliden Nichtwissen so, ne<br \/>\nB:\tGenau, man wei<br \/>\nI:\tWenn man mit Julia ein bisschen zu tun hat dann<br \/>\nB:\tMan findet Wege der Kommunikation<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tUnd, diese Wege sind total faszinierend, und \u00fcberraschen immer mal wieder, dass sie dann auch so sehr punktiert zum Beispiel sind, oder Pointiert dann, die eine Message so in einem Satz sofort r\u00fcberkommt, wof\u00fcr andere vielleicht noch ewig palavert h\u00e4tten<br \/>\nI:\tIrgendjemand hat auch getwittert das er Zeichensprache erotisch findet oder anziehend, oder so.  Ja genau, jetzt habe ich dieses, jetzt habe ich den auch gefunden, dieses Amelotatismus, also, Du weit aber auch nichts dar\u00fcber, weil Du fragtest kurz, \u00fcber Behinderten wird da irgendwie dar\u00fcber geredet<br \/>\nB:\tJa, da wird dar\u00fcber geredet, es gibt es sehr bekanntes, eine sehr bekannte Datingb\u00f6rse, f\u00fcr Menschen mit Behinderungen, www.handicap-love.de heit die<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tUnd da tummeln sich wohl auch sehr viele sogenannte Amelotatisten, und die Challenge der Behinderten ist dann zum Beispiel sich denen gegen\u00fcber abzugrenzen, beziehungsweise mit denen irgendwie rumzuspielen teilweise auch, teilweise wird aber auch mit ihnen rumgespielt, also mit den Behinderten in dem Fall, beziehungsweise es wird halt versucht, dann die gleichgesinnten zu finden die eine Behinderung auch haben, in dem Meer voller Amelotatisten, verstehst Du was ich meine, das ist halt dann, das beginnt eine komplett eigene Dynamik in diesem Forum<br \/>\nI:\tOkay, da sind echt besondere F\u00fctterkriterien gefragt so, ne<br \/>\nB:\tJa ja, genau, und das kannst Du halt nicht mit einem H\u00e4kchen an, aus, machen, weil, Du kannst ja l\u00fcgen<br \/>\nI:\tAber, ist das irgendwie anders als in einem, keine Ahnung, Datingforum f\u00fcr wei ich nicht, Nichtbehinderte, rauszufinden wer jetzt wirklich eine Beziehung haben will und wer nur einen one-night-stand, und wer<br \/>\nB:\tJa das kommt ja noch dazu, das ist ja das, verstehst Du wie ich meine, Du hast ja in diesem Behinderungsforen, oder Datingb\u00f6rsen<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tHast Du halt praktisch \u00fcber dieses one-night-stand hinaus, Frage, hast Du praktisch noch die Frage, warum will der mich eigentlich<br \/>\nI:\tAha<br \/>\nB:\tEgal ob ich eine Behinderung habe oder nicht, ist ja egal, aber<br \/>\nI:\tOkay<br \/>\nB:\tNe, es ist so, ist der pervers, es gibt einige Leute die sagen, Amelotatisten sind pervers, und andere sagen, wieso, das ist halt so wie Leute die auf blonde Haare stehen<br \/>\nI:\tJa, ich w\u00fcrde jetzt spontan sagen, wenn die Leute selbstbestimmt handeln, und da keiner zu Schaden kommt, und das alles, ja, dann, und ich meine, oder?<br \/>\nB:\tJa, aber, ich kann da eben auch die andere Seite verstehen.  Und es gibt Leute, die auch unheimlich, also das, das gibt ja auch da wieder Facetten, ja, es gibt Leute die zum Beispiel unheimlich gerne eine Behinderung h\u00e4tten, und dann auch Gott und die Welt in Bewegung setzen um dem Wunsch nachzukommen<br \/>\nI:\tWie, die wollen sich dann selber, wie nennt sich das<br \/>\nB:\tJa, BIID nennt sich das, body identity integrity disorder, und, ist in Deutschland nicht anerkannt als Krankheit, oder als psychische St\u00f6rung<br \/>\nI:\tScheint aber eine zu sein, oder<br \/>\nB:\tEinfach mal googeln, ja, das ist interessant im Sinne von, ja, ich habe daf\u00fcr, also, ich will das gar nicht bewerten, ja, sondern, wenn man das hat, dann muss das eine unglaubliche, ein unglaublicher Druck sein, den man versp\u00fcrt, um in dieser Gesellschaft Anerkennung zu finden<br \/>\nI:\tAh, okay<br \/>\nB:\tVor allem wenn es offiziell nicht als Krankheit anerkannt ist,<br \/>\nI:\tAha<br \/>\nB:\tOder als etwas, das man, wo man was gegen tun kann, also ich meine, die Erl\u00f6sung ist dann f\u00fcr viele, dann dem Wunsch nachzukommen, bis hin zu nach Osteuropa reisen und sich dann dort behindert machen zu lassen.  Und offiziell, so sagt jedenfalls die Wissenschaft, sind die Menschen danach geheilt.<br \/>\nI:\tAu, ja ja, aber gut, da kann man<br \/>\nB:\tEs ist halt wie, also, ich habe das dann irgendwann versucht zu beantworten wie eine Geschlechtsumwandlung, ne, also<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tEs gibt Menschen die halt, sich in ihrem K\u00f6rper nicht wohlf\u00fchlen, und dann nach wie viel qualvollen Prozedere von Gutachten<br \/>\nI:\tDann, ja<br \/>\nB:\tDann was tun<br \/>\nI:\tGeschlechtsumwandlung machen<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tUnd dann geht es ihnen besser, ne, kann man auch sagen, ja, wenn dem so ist<br \/>\nB:\tRichtig<br \/>\nI:\tDann soll das so sein, ne<br \/>\nB:\tDas Problem ist nur, dass wir in einer Gesellschaft leben die die ganze Zeit auf Gesundheit hin arbeitet<br \/>\nI:\tJa ja, ja ich bin, ich zucke auch zusammen, also, wenn das der Wunsch desjenigen ist<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tMeinetwegen sich ein Bein abs\u00e4gen zu lassen, so fremd mir das erst mal klingt, und wenn nachher sich herausstellt, er ist ein gl\u00fccklicherer Mensch<br \/>\nB:\tJa.  Aber ist die Person dann behindert?  Oder war sie vorher behindert aufgrund ihrer Depression?<br \/>\nI:\tNaja, gut, okay, das ist nat\u00fcrlich.  Und muss die Gesellschaft die Kosten daf\u00fcr tragen die daraus erwachsen.<br \/>\nB:\tJa aber vielleicht musste sie sie vorher auch schon tragen weil die Person eine Depression hat.  Also<br \/>\nI:\tOkay, groes Thema<br \/>\nB:\tRiesiges Thema<br \/>\nI:\tMonster Thema.  Lass es uns nochmal kurz gucken, insbesondere Handhabung, genau, das hatten wir, rechtliche Grenzen, Situationen, Entscheidungen der Betreuenden, ja, haben wir so angedeutet, bist jetzt kein Fachmann wahrscheinlich, ne?<br \/>\nB:\tIch glaube selbst die Fachm\u00e4nner haben darauf keine pauschale Antwort, oder Fachfrauen<br \/>\nI:\tJa ja, genau.  Also es geht nicht, in diesem Wikipedia Artikel, so Vulgat Partnerschaft, wird da so ein bisschen angerissen, was so ein bisschen in diese Sexualassistenz und so reingeht, also da finde ich, ist jetzt kein super Artikel, aber da wird zumindest so diese Grauzone so ein bisschen ausgeleuchtet<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tAlso wer da mal reingucken will, der, so, Vulgat Partnerschaft, so heit es bei der Wikipedia, der kann das tun.  Genau, wird auf nichtbehinderte Partner auf behinderten komisch geguckt?<br \/>\nB:\tNochmal<br \/>\nI:\tWir auf nichtbehinderte<br \/>\nB:\tJa ja, das habe ich, das war ja genau der Satz den ich, oder das was ich eingangs erz\u00e4hlte, dass nat\u00fcrlich dann der nichtbehinderte Partner in einer gewissen Art von Rechtfertigungsdruck ist<br \/>\nI:\tIst, warum er denn jetzt ausgerechnet einen behinderten Freund oder Freundin hat<br \/>\nB:\tGenau, Du siehst doch so gut aus<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tSo, das sind dann meistens so die S\u00e4tze die man h\u00f6rt<br \/>\nI:\tJa genau, das hatten wir besprochen, ich gucke nur dass wir jetzt hier nichts von denen, ganz interessanten Fragen, finde ich, die da kamen, \u00fcbergehen.<br \/>\nB:\tIch meine, f\u00fcr mich ist es immer so ein bisschen, das Thema, also, die Gesellschaft n\u00e4hert sich diesem Thema ja, man sieht es ja aus Filmen<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tMan sieht es auch aus Kampagnen, Aufkl\u00e4rungsarbeit und so, und so wie sich vielleicht auch Homosexualit\u00e4t in den letzten zwanzig Jahren gesellschaftlich breiter gemacht hat, als Thema dass das in Ordnung ist, ja, glaube ich wird sich das auch in den n\u00e4chsten Jahren in Bezug auf Behinderungen ausweiten, was gut ist.  Aber was uns immer wieder skeptisch stimmen sollte, beziehungsweise kritisch stimmen sollte ist, sind zwei Dinge, n\u00e4mlich, wenn wir Medien, weiter im Medien Kontext bleiben, wie viele Filme gibt es eigentlich, in dem es eine weie und eine schwarze Person als Partnerschaft gibt?  Also, wir machen jetzt mal ein ganz anderes Fass auf<br \/>\nI:\tJa ja<br \/>\nB:\tRassismus und so, aber dieses, wie viele Filme gibt es da, im Vergleich zu wie vielen Filmen gibt es, wo schwarze unter schwarze und weie unter weien sind, wenn sie im gleichen Film auftauchen.  Und, solange das selbst in der Nationalit\u00e4ten Frage nicht gekl\u00e4rt ist, glaube ich wird es auch noch ewig dauern, bis in der Frage der Behinderungsthematik ein Thema ist.  Das ist die eine Sache, und, dann, ein anderes groes Thema nat\u00fcrlich, durch den wissenschaftlichen und medizinischen Fortschritt, wird nat\u00fcrlich ganz viel daran gesetzt, also Beispiel Stammzellenforschung, Beispiel PID, Beispiel<br \/>\nI:\tAlso Pr\u00e4implantationsdiagnostik<br \/>\nB:\tGenau, ja, also all diesen ganzen Dinge, bis hin zu mir, jemand mit Glasknochen, wo das Kind letztendlich von dem Brunnen gefallen ist, also wo die Behinderung jetzt einfach da ist, ist schon auch sehr viele Tendenzen gibt, die auch ich sp\u00fcre, die so einen Normalisierungsgedanken, aus dem herauskommen, ne, also was wie, ja Raul, Du brauchst schon ein Rollstuhl der h\u00f6her ist, damit Du dann auf, auch an Tische rankommst, ja.<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tJa, nat\u00fcrlich ist es besser, ja, aber vielleicht ist es auch unbequemer, weil die Statik eine andere ist, weil dann der, also die Dinge verhalten sich dann auch ganz anders, und das unnat\u00fcrlich, so hoch zu sitzen mit so einer K\u00f6rpergr\u00f6e.  Oder nat\u00fcrlich bei der Pr\u00e4implantationsdiagnostik, auch die Frage, wer sind dann eigentlich die Personen mit denen dann die Mutter spricht, oder die Eltern sprechen, wenn, sagen wir mal, die Wahrscheinlichkeit gro ist, dass das Kind Down Syndrom hat<br \/>\nI:\tJa<br \/>\nB:\tJa, und wer sind dann eigentlich diese Berater, die dann dieses Paar beraten, sind das dann rzte?  Oder sind das dann Eltern von Kindern mit Down Syndrom<br \/>\nI:\tOder Psychologen<br \/>\nB:\tOder Psychologen, und, was f\u00fcr ein, und selten sind es Eltern, ja, es sind meisten die, die nicht in der Situation sind, und die dann sagen , so ja, das, die werden keine gl\u00fcckliche Elternzeit haben, oder, es wird eine B\u00fcrde f\u00fcr ihr Leben<br \/>\nI:\tJa ja<br \/>\nB:\tEs wird einfach anders, aber es ist vielleicht nicht immer nur eine Qual, und ich meine, ich rede jetzt vom hohen Ross, ja, aber, wenn ich vor der Frage stehe, ob ich Kinder haben will, w\u00fcrde ich diese Frage mit Ja beantworten, und wenn ich vor der Frage stehe, ob das Kind auch Glasknochen haben darf, habe ich definitiv kein pauschales Nein.  Sondern das ist dann eine Frage, der ich mich dann in dem Moment stellen werde, die ich aber versuche weitestgehend ehrlich auch mit mir selber zu beantworten, also, weil ich w\u00fcrde sagen, auch wenn es vielleicht in dem Podcast nicht so klang, dass ich eine relativ gl\u00fcckliche Kindheit hatte, und was meine Eltern da vielleicht durchgemacht haben kann ich nur ahnen, aber, ich glaube jetzt auch nicht dass sie per se ungl\u00fccklich waren, und, deswegen bin ich in der Frage auch nicht eindeutig pro oder contra PID, ich bin nur, will nur davor warnen, dass wir niemals in diesen Zustand kommen sollten, und ich glaube das ist fast schon zu sp\u00e4t, dass Eltern sich daf\u00fcr rechtfertigen m\u00fcssen, wenn sie dann doch ein behindertes Kind auf die Welt bringen.<br \/>\nI:\tAlso PID, ich meine Du kannst halt bevor, also bevor man schwanger wird, gucken, ob es Wahrscheinlichkeiten gibt dass das Kind<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tIrgendwelche Behinderungen, Einschr\u00e4nkungen, exetera, haben wird<br \/>\nB:\tGenau, denn wenn eine Behinderung aussortieren, durch solche technischen M\u00f6glichkeiten, wissenschaftlichen M\u00f6glichkeiten, wird es immer weniger Behinderungen geben, auer die die man erwirbt, und diese Menschen, an denen wird so lange rumgedoktert werden, bis sie dann wieder einigermaen den Normalzustand erreichen.  Ja, die kriegen dann Exoskelette angeschnallt damit sie laufen k\u00f6nnen trotz Querschnittl\u00e4hmung, und so weiter und so fort, und, einige lassen sich daf\u00fcr begeistern, aus dem technischen Aspekt heraus, aber viele h\u00e4ngen dann auch in so einer Sehnsucht, ja, wo ich aber glaube dass man auch gl\u00fccklich werden kann, wenn man vier R\u00e4der unterm Hintern hat, oder was heit ich glaube, ich wei es, und, warum setzt man nicht auf diese Ressourcen, oder nicht mehr, und, ich bin einfach kritischer, aus meiner Biographie heraus nat\u00fcrlich<br \/>\nI:\tNaja.  Viel zum Nachdenken, kam gestern auch noch ein Tweet, den wollte ich auch noch, dem, der geht in die Richtung wo Du auch schon gesagt hast, von jemanden der mir, der nicht wollte dass ich ihn namentlich erw\u00e4hne, aber der selber nicht behindert ist aber mit einer behinderten zusammen ist, und er meint auch, Sex ist wesentlich unproblematischer als die Beziehung<br \/>\nB:\tJa<br \/>\nI:\tSo, das<br \/>\nB:\tDas ist halt wirklich interessant, weil, die meisten Leute reden halt \u00fcber Sex wenn es um Beziehungen mit Behinderten geht, das aber derjenige mit Behinderung oder ohne Behinderung auch ein Arschloch sein kann, und ein gottverdammter Macho oder, was auch immer, ja, es ist dann selten Thema<br \/>\nI:\tOkay Raul, ich glaube wir lassen hier mal den Vorhang fallen, zumindest vorerst, ich meine, man kann ja nie wissen, vielleicht gibt es auch mal eine zweite Folge<br \/>\nB:\tMich w\u00fcrde mal die weibliche Perspektive interessieren, mit Behinderung, oder auch ohne Behinderung<br \/>\nI:\tJa, ich meine, ich kenne da nicht so viele, wenn Du jemanden kennst der Lust hat, Du kennst ja jetzt den Kontext, und weit wie das so abl\u00e4uft, wenn Du jemanden hast der da mal die Hosen runterlassen will, kannst Du ja mal einen Kontakt herstellen, oder so, also<br \/>\nB:\tJa, mal gucken<br \/>\nI:\tSo.  Ich danke Dir erst mal f\u00fcr deine offenen Worte<br \/>\nB:\tGerne.  Gerne wieder<br \/>\nI:\tWar super interessant, ja, viel zum Nachdenken, ich bin mal gespannt was jetzt die H\u00f6rer, was denen noch so einf\u00e4llt, kommen ja dann immer viele Kommentare und Anmerkungen.  Ja, ich w\u00fcrde sagen, erst mal, Raul Krauthausen, ganz herzlichen Dank nochmal, ja, \u00fcber Wheelmaps und so haben wir jetzt nicht geredet, aber<br \/>\nB:\tWar auch nicht mein Interesse<br \/>\nI:\tWar auch jetzt nicht das Thema.  Wo findet man Dich, unter Raul.de?<br \/>\nB:\tGenau, mit, wie Paul nur mit R<br \/>\nI:\tUnd da sind alle Projekte wahrscheinlich irgendwie<br \/>\nB:\tja<br \/>\nI:\tLesbar<br \/>\nB:\tUnd Facebook und der ganze Schnee<br \/>\nI:\tSchnee, ne<br \/>\nB:\tGenau<br \/>\nI:\tOkay, ich sage ganz herzlichen Dank f\u00fcrs zuh\u00f6ren, das war K\u00fcchenradio, bald wieder n\u00e4chste Ausgabe, sind ein paar Sachen geplant, bleib uns gewogen, ich bin gespannt auf eure Anmerkungen, Gedanken zu dem was wir hier besprochen haben.  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